Schönstätter wird Vatikan-Sekretär für Laien, Familie, Leben

Pater Alexandre Awi Mello – RV

Papst Franziskus hat den brasilianischen Schönstatt-Priester Alexandre Awi Mello zum Sekretär der Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben gemacht. Das teilte der Vatikan am Mittwoch mit. Der 46-jährige erhält damit den zweitwichtigsten Posten in der neu geschaffenen Großbehörde unter Leitung von Kardinal Kevin J. Farrell. Ernennungen an dem Vatikan-Ministerium standen bereits länger aus, die Behörde ging im vergangenen September an den Start. Untersekretäre hat der Papst noch keine ernannt. Laut Statuten kann der Sekretär der Laien-Behörde Laie sein, dieser Freiraum wurde mit Mellos Ernennung nicht ausgeschöpft.

Mello war bisher Direktor der Schönstatt-Bewegung in seinem Heimatland. Der 1971 in Rio de Janeiro Geborene studierte Philosophie und Theologie an der Päpstlichen Universität von Santiago de Chile und erwarb im Jahr 2000 einen akademischen Abschluss an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar. Derzeit beendet er eine Doktorarbeit zu Mariologie an der US-amerikanischen Dayton-Universität.

2001 wurde er als Mitglied der Schönstatt-Bewegung zum Priester geweiht. Von 2002 bis 2009 und ab 2012 übernahm Mello diverse Lehraufträge an katholischen Universitäten in Brasilien. 2007 arbeitete er mit dem Redaktions-Sekretariat der Generalkonferenz des lateinamerikanischen Episkopats in Aparecida zusammen. Eine prägende Erfahrung war für ihn die Zusammenarbeit mit dem damaligen Kardinal Jorge Mario Bergoglio – dem heutigen Papst Franziskus.

Bei der Schönstatt Bewegung war Mello auch für die Jugendarbeit zuständig. Mello ist Direktor der Zeitschrift „Tabor“ und veröffentlichte in Fachzeitschriften mehrere Artikel zu den Themen Seelsorge und Katechese.

Die Schönstatt-Bewegung ist eine weltweit in mehr als 40 Ländern vertretene katholische geistliche Gemeinschaft. Gegründet wurde sie 1914 vom Pallottinerpater Josef Kentenich (1885-1968) in Schönstatt, einem Stadtteil des rheinland-pfälzischen Vallendar. Im Zentrum der Gemeinschaft stehen die Verehrung der Gottesmutter Maria, eine intensive Frömmigkeit im Alltagsleben und eine engagierte Weitergabe des katholischen Glaubens in der Gesellschaft.

(kna 31.05.2017 pr)

Berufung der Laien: Auf dem Weg zur echten Synodalität

Umringt von Fahnen: Papst Franziskus inmitten der Mitglieder der ACI

Die Berufung der Christen im Alltag ist immer missionarisch, gleich wo sie gelebt wird, dies gelte auch und vielleicht besonders für die Laien. Papst Franziskus empfing an diesem Sonntag Zehntausende von ihnen auf dem Petersplatz. Dorthin hatte die Azione Cattolica Italiana (ACI) geladen.

Die ACI ist der größte Laienverband Italiens, etwa eine halbe Million Katholiken sind in ihm organisiert. Entstanden war er in den politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um die italienische Staatengründung, die Auflösung des Kirchenstaates und die Frage nach politischer Beteiligung von Katholiken. Der Verband begeht in diesen Tagen seinen 150. Geburtstag. Höhepunkt der Feiern war die Audienz durch den Papst.

Solch ein Geburtstag sei aber nicht dazu da, nur zurück zu schauen, so der Papst in seiner Ansprache, „er ist nicht dazu da, sich im Spiegel zu betrachten, er ist nicht dazu da, sich bequem in einen Sessel zu setzen, das macht nur dick.“ Erinnerung sei dazu da, sich bewusst zu werden, wie viele Menschen gemeinsam auf dem Weg gewesen seien und sind.

Der Papst sprach von der Wichtigkeit der Verbindung von universaler und lokaler Kirche, die AC verkörpere genau diese Verbindung. Es sei besonders die Berufung der Laien, ihre Heiligkeit im Alltag zu leben. „Werdet nicht müde, den Weg zu gehen, auf dem eine echte Synodalität wachsen kann, eine Weise Volk Gottes zu sein, wo jeder seine eigene aufmerksame, bedachte, durchbetete Sicht auf die Zeichen der Zeichen beitragen kann, um den Willen Gottes erkennen und leben zu können.“

Pfarreien seien keine vorübergehende Struktur, so der Papst, hier würde die Kirche im Alltag präsent und würde Ort der Hilfe, der Nächstenliebe und Begleitung. Der Laienverband solle dabei helfen, dass aus den Pfarreien keine umständlichen Strukturen würden, sondern in ständigem Kontakt mit den Menschen blieben.

Es gelte, die „Samen des Evangeliums“ auszustreuen und sich nicht in Selbstbewahrung zu beschränken, es brauche einen „missionarischen Geist“: „bringt euch in die Politik ein, aber bitte in die große Politik, in die Politik mit Großbuchstaben geschrieben! Habt Leidenschaft für die Bildung und beteiligt euch an Begegnungen mit der Welt der Kultur.“ Niemand sei davon entschuldigt, sich vor allem für die Armen und für soziale Gerechtigkeit einzusetzen, betonte der Papst.

„Bleibt offen für die Wirklichkeit um euch herum und sucht ohne Angst den Dialog mit denen , die um euch herum leben, die anders denken aber wie ihr Frieden, Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit wollen,“ lautete der abschließende Aufruf des Papstes. „Durch den Dialog bauen wir den Frieden auf, durch die Sorge um alle und den Dialog mit allen.“

 

(rv 30.04.2017 ord)

Franziskus bittet Katholische Aktion um mehr Nähe zum Volk

Das Mikrofon ist an: Papst Franziskus spricht mit Angehörigen der Katholischen Aktion

Papst Franziskus hat die internationale Katholische Aktion zu mehr Einsatz für die Evangelisierung aufgerufen. Bei einer Audienz im Vatikan an diesem Donnerstag sagte das Kirchenoberhaupt der traditionsreichen Laienbewegung, sie müsse mehr „im Volk“ sein und dürfe sich nicht in sich selbst einschließen. Es handle sich nicht um eine Frage der Außenwirkung und habe auch nichts mit Volksbeeinflussung zu tun, sondern sei eine Frage der Wahrhaftigkeit und des Charismas, sagte der Papst den Angehörigen der Katholischen Aktion. Franziskus hielt seine lange und immer wieder von Applaus unterbrochene Rede frei anhand eines sichtlich von ihm selbst vorbereiteten Entwurfs; Radio Vatikan war gehalten, aus den freien Einschüben nicht zu zitieren.

Sechs Unterpunkte umfasste der Redeentwurf des Papstes: Charisma, Engagement in der Evangelisierung, Handelnde, Zielgruppe,  Art und Weise sowie Zukunftsperspektiven. Im Wesentlichen bezog sich der Papst, wie er eingangs klarstellte, auf sein programmatisches Schreiben „Evangelii Gaudium“, das er in seiner auf Spanisch gehaltenen Rede in teils sehr konkreten Worten und Beispielen ausbuchstabierte.

Von den vier Säulen der Katholischen Aktion – Gebet, Glaubensbildung, Opfer und Apostolat – sei letzteres heute das Wichtigste, betonte der Papst. Apostolat brauche aber immer auch die anderen drei Elemente, sonst bleibe das Wirken fruchtlose. Franziskus riet der Katholischen Aktion, ihre Pläne der Glaubensbildung und ihre Formen des Apostolats neu auf die Mission auszurichten. „Gebt die alten Begründungen auf – dieses ,weil wir es immer so gemacht haben´“, heißt es in dem Redeentwurf. „Es gibt Dinge, die sehr gut und verdienstvoll gewesen sind, die aber heute außerhalb des Rahmens wären, wenn wir sie wiederholen wollten.“

Als Handelnde der Katholischen Aktion identifizierte Papst Franziskus „alle“ ihre Angehörigen. Er warnte vor der „perfektionistischen Versuchung der ewigen Vorbereitung auf die Mission“ und den „ewigen Analysen“, die bereits veraltet seien, wenn sie zu Ende gedacht sind. „Das Beispiel ist Jesus mit den Aposteln: Er schickte sie mit dem, was sie hatten. Danach versammelte er sie wieder um sich und half ihnen nachzudenken über das, was sie erlebt hatten.“

Aktionsfeld der Katholischen Aktion ist nach Aussage von Papst Franziskus jeder Winkel der Wirklichkeit: die politische Welt und das Berufsleben ebenso wie die Gefängnisse, die Krankenhäuser, die Straßen, Vororte und Fabriken. „Wenn das nicht so ist, wird es eine Institution der Exklusiven, die niemandem etwas sagt, nicht einmal der Kirche“, so der Papst. Und niemand dürfe als Empfänger ausgeschlossen werden. „Seid keine Zollstationen“, warnte Franziskus, „ihr sollt nicht restriktiver als die Kirche und nicht päpstlicher als der Papst sein. Öffnet die Türen, macht keine Eingangstests in christlicher Perfektion, denn so fördert ihr bloß ein heuchlerisches Pharisäsertum. Es braucht aktive Barmherzigkeit.“ Die Bewegung solle auch einen „Raum der Aufnahme und der christlichen Erfahrung“ für jene bereithalten, die sich aus persönlichen Gründen als „Christen zweiter Klasse“ fühlen.

Franziskus bat die Katholische Aktion um mehr Nähe zum Volk. „Ihr müsst die Katholische Aktion popularisieren“, erklärte der Papst und riet dazu, beispielsweise ein Stadtviertel zu empfangen. „Das Leben der Leute teilen und entdecken, was ihre Interessen und Sehnsüchte und Wunden sind, und was sie von uns brauchen. Das ist fundamental, um nicht in die Sterilität dessen zu verfallen, der Antworten gibt auf Fragen, die niemand gestellt hat. Die Arten der Evangelisierung kann man vom Schreibtisch her durchdenken, aber erst, nachdem man inmitten des Volkes war – nicht umgekehrt.“

Diese Form des Zugehens „wird euch Probleme machen“, räumte der Papst ein, „denn da werden Menschen dazugehören wollen, die anscheinend nicht die rechten Voraussetzungen mitbringen: Familien, bei denen die Eltern nicht in der Kirche geheiratet haben, Männer und Frauen, die mit einer schwierigen Vergangenheit oder Gegenwart kämpfen, oder orientierungslose Jugendliche.“ Sie alle zu begleiten, sei eine Herausforderung an die „kirchliche Mütterlichkeit“ der Katholischen Aktion. Doch dieses konkrete Volk müsse im Glauben herangebildet werden. „Mit diesem und für dieses Volk wird gebetet.“

(rv 27.04.2017 gs)

PIUS XII. / RUF AN DIE FRAU: DAS APOSTOLAT DER FRAU

V

DAS APOSTOLAT DER FRAU

Nur wenige Wochen nach dem Antritt seines Pon­tifikats hielt Pius XII. am Osterfest 1939 seine erste An­sprache an Frauen vor der Internationalen Katholischen Frauenliga, in der er über das Apostolat der Frau und ihre Arbeit im Gottes-Reich spricht. Wie stets in seinen ersten Reden knüpft der Papst seine Arbeit an die seines Vor­gängers Papst Pius‘ XI. an, den er bezeichnet als „den großen Förderer der Katholischen Aktion, auch jetzt noch ihr unsichtbarer Berater und Wegweiser“. Eine der gol­denen Regeln dieses Papstes sei es gewesen, daß jeder Apostel nicht zu den Vertretern irgendeiner abstrakten Menschheit sprechen solle, sondern zu bestimmten Grup­pen, die einheitlich durch Nation, durch Alter und Beruf zusammengefaßt werden sollten. So habe also die Arbeit der Katholischen Aktion in der Art der Ausübung sich der Verschiedenheit der Länder und Zeiten anzupassen. Pius XII. führt dann weiter aus:

„Wenn Wir Sie heute hier sehen, geht Unser Gedanke zu den edlen, vor Eifer brennenden christlichen Frauen, die seit den Tagen der Urkirche mit den Aposteln und Seelenhirten bei der Ausbreitung des Evangeliums mitgearbeitet haben, die verdienten, von der damaligen Hierarchie gelobt zu werden, und deren Namen, wie der hl. Paulus sagt, ‚eingeschrieben sind in das Buch des Lebens‘ (Phil 4, 3). Die Mitglieder Ihrer Vereinigungen setzen die glorreichen Traditionen dieser Frauen und Jungfrauen fort. Auch Ihr Wirken gereicht Ihnen zum Lob und zeigt Uns, wie weit Ihr ‚apostolisches Arbeitsfeld‘ schon reicht, das Sie noch immer weiter ausdehnen wollen.

Es gab eine Zeit, wo das apostolische Wirken der Frau sich darauf beschränken konnte, das christliche Leben in der Familie zu bewahren und lebendig zu erhalten. Das genügt nicht mehr in unseren Tagen, wo das ganze Familienleben zwangsläufig und unmittelbar dem Einfluß der sozialen Umwelt, in der es sich entfaltet, unterworfen ist. Von dieser sozialen Umgebung wird zum großen Teil die geistige Atmosphäre in der Familie abhängen und auch ihr sittliches und religiöses Leben. Darum wird sich die katholische Frau von heute ihrer sozialen Pflichten bewußt. Ihre Kongresse arbeiten, um durch gemeinsames Studium diese Aufgaben immer besser zu verstehen; Ihre Ligen bemühen sich, sie immer besser zu erfüllen. So er­klären sich die so wunderbar verschiedenartigen Formen Ihrer Bemühungen … Wie bei allen großen mensch­lichen Werken hat Gott auch in dem menschlich-gött­lichen Werk der Erlösung die Frau zur Gefährtin und Gehilfin des Mannes gemacht. Aber diese Mitarbeit der Frau bei der Ausbreitung und Verteidigung des Gottes-Reiches scheint Uns heute notwendiger denn je … Um diese Wunde [die Zerrissenheit der Menschheit] zu hei­len, gibt es nur einen wirksamen Balsam: die Rückkehr des Geistes und des menschlichen Herzens zur Erkenntnis und Liebe Gottes, des gemeinsamen Vaters, und desjenigen, den er zur Rettung der Welt gesandt hat, Jesus Christus. Um aber diesen heilenden Balsam in die offene Wunde einer durch so viele Erschütterungen gemarterten Mensch­heit zu gießen, scheinen die Hände der Frauen durch die Vorsehung besonders vorbereitet zu sein, da ihnen die feinere Empfindsamkeit und das größere Zartgefühl des Herzens gegeben sind.

Es ist nun Ihre Aufgabe, katholische Frauen und junge Mädchen, sich zu dieser großen Verwundeten zu neigen; selbst von Gott geführt und unterstützt hier aufzurichten, dort zu ermutigen. Machen Sie aus dieser herdenartigen Masse wieder eine organische Gemeinschaft, in friedvoller Abgrenzung der Tätigkeiten und Ämter, in der Achtung der Pflichten und Rechte, in harmonischer Zusammen­ordnung der festgefügten und fruchtbaren Familien .. . Ist es nötig hinzuzufügen, daß Ordnung und Friede zu­vor in Ihren Organisationen gepflegt werden müssen, ehe Sie sie in Ihrer Umgebung zur Herrschaft bringen? Was das betrifft, so gefällt es Uns ganz besonders, wie in Ihrer Internationalen Vereinigung sich die Abteilung der Frauen mit der der jungen Mädchen harmonisch zusammenfindet. Sie sind wie Blüten und Früchte, die manchmal gleich­zeitig gewisse bevorzugte Bäume schmücken. An der Seite der verdienstvollen Arbeiterinnen mit reicher Erfahrung stehen freudig die ,Lehrlinge‘, voller Bereitschaft, sich einzusetzen. Sie erbitten hierfür ‚Formung und Vorberei­tung‘ und möchten den Rat ihrer Vorgängerinnen emp­fangen, nicht wie aufgezwungenen Lehrstoff, sondern wie dargebotene Schätze. Das wirksamste Apostolat, das durch nichts zu ersetzen ist, ist das eines heiligen und frommen Lebens, das durch Beispiel und Gebet wirkt. Daher nimmt unter den verschiedenen Formen Ihrer Tätigkeit dieses Apostolat des Beispiels den ersten Platz ein . ..“1

1 Osteransprache 1939, vgl. Jussen, S. 228 ff.

Das sprach Papst Pius XII. wenige Monate, ehe der Zweite Weltkrieg ausbrach, in der Erkenntnis, daß die menschliche Gesellschaft auseinanderzufallen drohe. Seine Furcht sollte sich nur allzubald erfüllen, und so kam es, daß die erste Enzyklika, in der sich der Papst an die ganze Welt wandte, ‚Summi Pontificatus‚ vom 20. Okto­ber 1939 den Ausdruck seiner Sorgen und Befürchtungen widerspiegelt. Er spricht darin von den vielfältigen und gefährlichen Irrtümern, welche die Folge des religiösen und sittlichen Agnostizismus sind und ruft mit überzeugenden Worten zum Apostolat auf, um „im Kampf zwi­schen Christentum und Antichristentum Gnadenquellen und Kraftreserven“ zu gewinnen.

„In einem Zeitpunkt, wo zwischen Priesterzahl und Priesteraufgaben ein Mißverhältnis besteht, das dem Worte Christi von der großen Ernte und den wenigen Arbeitern (Matth 9, 37; Luk 10, 2) einen sorgenschweren Sinn gibt, bedeutet die zahlreiche und hingebende Mitarbeit der Laien am hierarchischen Apostolat eine wertvolle Hilfe für den Priester und zeigt Entfaltungsmöglichkeiten, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Das Gebet der Kirche zu dem Herrn der Ernte, er möge Arbeiter in seinen Weinberg senden (Matth 9, 38; Luk 10, 2), ist in einer Weise erhört worden, die den Forderungen der Gegenwart entspricht und die eine Ergänzung der vielfach eingeengten priesterlichen Seelsorge ermöglicht. Eine einsatzbereite Front katholischer Männer und Frauen, Jungmänner und Jungfrauen widmet, dem Ruf des obersten Hirten folgend, in Unterordnung unter die Bischöfe, diesem Apostolat die ganze Glut des Herzens und müht sich, den Massenabfall von Christus in eine Massenheimkehr zu Christus zu verwandeln … In allen Klassen, Berufsschichten und Gruppen macht diese Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien wertvolle Energien frei und weist ihnen Aufgaben zu, wie sie edle und treue Herzen ehrender und beglückender nicht erhoffen können.”2

2 A. A. S. vol. 31 (1939) P. 587.

Zum ersten Male hörte die gesamte Welt einen Aufruf Pius‘ XII., daß alle vom Kriegselend Betroffenen katholische Bruderliebe erfahren sollen, die „nicht ein leeres Wort ist, sondern lebendige Wirklichkeit“. Wie viele Hilfs- und Mahnrufe sollten in den nächsten Jahren noch folgen, um das Gewissen der Nationen und die Einsatzbereitschaft der einzelnen wachzurütteln!

„Ein unübersehbares Arbeitsgebiet eröffnet sich der christlichen Caritas in allen ihren Formen. Wir haben das Vertrauen zu Unseren Söhnen und Töchtern, vor allem auch in denjenigen Ländern, deren Boden noch nicht von der Geißel des Krieges heimgesucht ward, daß sie im Geiste des göttlichen Samaritans sich derer erinnern, die als Opfer des Krieges ein Recht auf Mitleid und Hilfe. haben.“3

3 A. A. S. vol. 31 (1939) p. 593.

Während Papst Pius XII. in diesem Rundschreiben die ganze Welt zur Mitarbeit aufrief, wandte er sich in den nächstfolgenden Jahren in mehreren Ansprachen an einzelne Gruppen, und zwar vornehmlich an Italiener, da es ihnen auch in den Kriegsjahren möglich war, in Rom zu Kongressen zusammenzukommen.

In einer Ansprache vom 4. September 1940 vor italienischen Mitarbeitern der Katholischen Aktion gab der Papst seiner Genugtuung Ausdruck über die vierfache Einheit innerhalb der Katholischen Aktion: „mit der kirchlichen Hierarchie; mit Gott durch die tiefe geistige Verbindung; mit den Mitgliedern untereinander, durch die Eintracht im Handeln; mit den Mitgliedern der anderen Gruppen, jedoch in Unterwerfung unter die kirchliche Führung“…

Die einzelnen Punkte führt Pius XII. dann näher aus.

„Die Mitglieder der Katholischen Aktion, die in solcher Weise vorbereitet, gebildet und vereint sind, werden sich als Apostel in die verschiedenen Wirkungsbereiche der Gesellschaft begeben, in alle Richtungen, wo auch immer Seelen für Christus zu gewinnen sind und wo auch immer ein Zufluchtsort oder ein Ort der Zusammenkunft von einzelnen oder einer Gemeinschaft ist, über die Christus, unser Herr, herrschen muß. Geht, geliebte Söhne und Töchter, zu den Bedürftigen, zu den Armen, zu den Leidenden, zu den Unglücklichen, zu den von der Welt Verlassenen; geht, um sie aufzuklären, um sie aufzurichten, um sie zu trösten, um ihnen zu helfen, um ihnen Mut einzuflößen. In ihrer Mühsal, in ihrem Kummer, in ihren Schmerzen, in ihrer Einsamkeit fühlen sie sich mit dem Bruder verbunden, der mit ihnen weint, der mit ihnen brüderlich ihr Unglück und ihr Leid mitfühlt, der ihr Freund ist in ihren Widerwärtigkeiten, der eine Hand, die sie unterstützt, der ein Wort hat, das ihre Trostlosigkeit mildert, der sie nicht auf den flüchtigen Schein der Zeit, sondern auf die unwandelbaren Güter der Ewigkeit hinweist . . . Geht mitten hinein in die Welt, vertraut auf Christus, der die Welt besiegt hat. Eure Jahre des Apostolats mögen Jahre des Gebets sein, des Beispiels der Feder und des Wortes, der Demut und der guten Werke, des Duldens und der Sanftmut, der Klugheit und der Bescheidenheit, der weisen Nächstenliebe, nachgiebig gegenüber den Fehlenden, jedoch nicht gegenüber den Fehlern, weil jede menschliche Seele nach nichts mehr und mit größerer Inbrunst verlangt als nach der Wahrheit. Dies mögen eure Regeln und euer Handeln auf dem geistigen Schauplatz sein, so möge eure vielfältige Initiative und euer Eifer sein, den die Bischöfe und das Kardinalkollegium, die von Uns eingesetzt worden sind, anerkennen, zusammenfassen und leiten mögen.“4

4 A. A. S. vol. 32 (1940) p. 369 s.

Am 22. Jänner 1947 empfing Pius XII. die italienischen Frauen der „Renovatio Christiana“ (Christliche Wiedergeburt) in Audienz und sprach zu ihnen über die Aufgaben des Apostolats. Im Jahre 1943 hatten Damen des römischen Adels diese Bewegung der „Renovatio Christiana“ gegründet, die dem modernen Heidentum Kampf ansagte und in der Einstellung der Katholischen Aktion sich der echten christlichen Nächstenliebe widmete. Die kleine Gruppe von geistig und religiös tief gebildeten Damen stellt an sich selbst hohe Anforderungen und versucht durch „Liebe und Dienen“ Einfluß auf die religiöse Vertiefung ihrer Umwelt zu erlangen. Die Ansprache zeigt ganz besonders lehrreich, wie der Papst sich ein wirksames Apostolat gebildeter Frauen erhofft; die Rede soll daher nahezu vollständig wiedergegeben werden.

„Heute bedarf es der Größe eines in seiner Fülle und unerschütterlichen Beharrlichkeit gelebten Christentums; es bedarf der mutigen und tüchtigen Schar derer, die, seien es nun Männer oder Frauen, mitten in der Welt leben, aber jeden Augenblick bereit sind, für ihren Glauben, für das Gesetz Gottes, für Christus zu kämpfen. Ihre Augen müssen sich fest auf ihn als das Vorbild richten, das sie nachahmen, als den Führer, dem sie in ihrer Arbeit und ihrem Apostolat folgen wollen. Diese Norm habt ihr, geliebte Töchter, euch gesetzt.

Vor allem anderen wollt ihr Seelen von vollem und uneingeschränktem katholischem Glauben sein. Es ist dem Christentum kürzlich auch der Rat gegeben worden, wenn es noch eine gewisse Bedeutung behalten, wenn es den toten Punkt überwinden wolle, sich dem modernen Leben und Denken, den wissenschaftlichen Entdeckungen und der außerordentlichen Macht der Technik anzupassen, denen gegenüber seine geschichtlichen Formen und seine alten Dogmen nur noch der Nachglanz einer fast erlosche­nen Vergangenheit seien. Welch ein Irrtum und wie sehr enthüllte er die eitle Selbsttäuschung oberflächlicher Geister! Sie wollen die Kirche in den engen Rahmen rein menschlicher Organisationen wie in ein Prokrustesbett pressen. Als ob die neue Auffassung von der Welt, der gegenwärtige Bereich der Wissenschaft und der Technik, das ganze Feld beherrschte und keinen freien Raum mehr übrig ließe für das übernatürliche Leben, das nach allen Seiten darüber hinausgeht! Sie ist nicht imstande, es zu vernichten oder zu absorbieren: vielmehr bezeugen die wunderbaren wissenschaftlichen Entdeckungen (die die Kirche fördert und begünstigt) nur noch kraftvoller und wirksamer als früher die ,ewige Macht Gottes‘ (Röm 1, 20). Aber das moderne Denken und Leben müssen zu Christus zurückgeführt und wiedererobert werden. Christus, seine Wahrheit, seine Gnade sind der Menschheit unserer Zeit nicht weniger notwendig als derjenigen von gestern und vorgestern und aller vergangenen und zukünftigen Jahr­hunderte. Die einzige Quelle des Heils ist der katholische Glaube; aber nicht ein verstümmelter, blutloser, versüßlichter Glaube, sondern ein Glaube in seiner ganzen Fülle, Reinheit und Kraft. Gewiß können manche Leute diesen Glauben für eine ‚Torheit‘ halten; das ist nichts Neues; es war schon zur Zeit des Apostels Paulus so. Für euch dagegen ist er ,Kraft Gottes‘ (1 Kor 1, 18), und es drängt euch dazu, ihn eurem Jahrhundert mitzuteilen in demselben Glauben an den Sieg, der die Herzen der ersten Christen erfüllte. Wir loben eure Absichten. Möge der Herr sie durch die Fülle seines Segens fruchtbar machen. Mit der Unerschütterlichkeit des Glaubens vereint ihr den Mut, die Beobachtung der Gebote Gottes und des ganzen Gesetzes Christi und seiner Kirche ernst zu nehmen. In der Tat ist das kein geringes Verdienst, zumal unter den gegenwärtigen Umständen. Wenn man die Verhältnisse, unter denen ihr lebt, die modernen Ideen und Lebensgewohnheiten, die moderne Welt mit ihrem Elend und Unglück, doch auch mit ihrer Verführung und ihrem fast diabolischen Zauber, dem tyrannischen Druck von Organisationen mit einer ungeheuerlichen Macht ernstlich ins Auge faßt, so muß man zugeben, daß es, um immer und überall ohne Rückhalt und ohne Kompromiß den Geboten Gottes treu zu bleiben, tatsächlich einer Selbstbeherrschung, einer unausgesetzten Anstrengung, einer Selbstüberwindung bedarf, die sich oft bis zu jenem Heldentum steigert, dessen charakteristischestes Zeichen das Blutzeugnis ist. Wir haben gesagt: ohne Rücksicht und ohne Kompromiß; denn wer könnte behaupten, daß eine Seele treu Gott dient, wenn sie bei der Erfüllung der christlichen Praxis einen offenkundig weltlichen Sinn verrät, wenn sie ihre Gedanken der Selbstsucht, der Eitelkeit, der Sinnlichkeit mit in die Kirche bringt; wenn sie glaubt, sie könne ein oberflächliches und profanes Leben rechtfertigen und heiligen, indem sie ein paar Übungen einer völlig oberflächlichen Frömmigkeit einschiebt, wenn es nicht sogar kindische und abergläubische Andachtsübungen sind. Mit Recht fragt ihr darum gerade heraus: Gilt das Wort Christi: ,Wenn einer mir nachfolgen will, dann verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach‘ (Luk 9, 23) auch heute noch ebenso wie früher? Ja? Dann muß es für uns zur Lebensregel werden. Und ist der Mensch, die Frau ebensowohl wie der Mann, in seiner Lebensführung, sowohl in privater Hinsicht wie in sozialen Beziehungen, vielleicht frei, sich selber willkürlich und nach eigenem Gutdünken zu regieren? Oder muß er vielleicht in jedem Bereich anerkennen, daß es Fragen gibt, deren Lösung immer von den unveränderlichen Geboten Gottes abhängt? In diesem Falle weg mit allem Kleinmut, aller unnützen Furcht! Wenn Gott befiehlt, versäumt er nie mit der Vorschrift zugleich auch die Hilfe zu verleihen, sie zu erfüllen. Daher euer Entschluß: den Weg des Herrn zu bereiten, seinem Willen einen geraden Pfad; vor allem in eurem eigenen Leben, dann aber auch in dem des Nächsten. Wir segnen eure Absicht! Gott möge sie mit dem himmlischen Tau seiner Gnaden beleben!

Doch die Festigkeit des Glaubens, der Mut des Handelns genügen euren Wünschen noch nicht; vielmehr soll sich in eurem Herzen eine leuchtende und glühende Flamme des Eifers entzünden. Da ihr entschlossen seid, in eurem Leben als junge Mädchen, als Ehefrauen, als Mütter das heilige Gesetz Gottes in seinem ganzen Umfange zu verwirklichen, sollt ihr daran mitarbeiten, in dem Bereich und unter den Umständen, die die Vorsehung euch bereitet und in die sie jede einzelne von euch gestellt hat, die Seelen zu dem einzigen Herrn und Meister zurückzuführen, ihnen in der Unterwerfung unter den göttlichen Willen, in der Aufnahmebereitschaft für die unfehlbare Lehre, in der Heiligung durch die Gnade die einzige wahre Freiheit zu bringen, die sie von der erniedrigenden Knechtschaft des Irrtums und des Bösen befreit. Das ist der Sinn des ganzen Erlösungswerkes und jedes Apostolat, in welcher Form es auch ausgeübt wird, ist nur eine Teilnahme am Erlösungswerk Christi…

Bei eurem Apostolat befolgt ihr die Worte des göttlichen Meisters: ,Das Reich Gottes kommt nicht so, daß es die Blicke auf sich zieht‘ (Luk 17, 20); ihr wollt nicht durch Zurschaustellung öffentlicher Kundgebungen wirken; überhaupt soll im allgemeinen alles, was die Organisation anbetrifft, bei euch im Schatten bleiben und sich auf das Allernotwendigste beschränken. Wir haben zu Beginn von euch als von einer Sturmtruppe gesprochen, aber eure Gegenoffensive wird nicht mit Lärm und Aufregung vorbereitet und ausgeführt, sondern in Ruhe und Sammlung, im stillen Gebet, durch Beispiel, durch das nachdrückliche Bekenntnis eurer festen Überzeugungen und der christlichen Grundsätze im Kreise von Personen, die anders denken und handeln, durch eine langsame, ständig fortschreitende Einwirkung auf diese, um sie ganz allmählich zu Christus zurückzuführen. Zweifellos kann kein Werk, was es auch sei, ohne ein Minimum von Organisation Festigkeit und Dauer haben. Immerhin bleibt diese, so unerläßlich sie auch ist, doch immer nur ein Mittel des Apostolates, und nichts weiter. Ebenso haben öffentliche Kundgebungen ihren Wert, ja in gewissen Fällen können sie notwendig sein, zumal da, wo sich der Gegner ihrer mit einem großen Apparat zu Propagandazwecken bedient. Doch um das Ziel zu erreichen, das sich eure Bewegung gesetzt hat, habt ihr die schlichte Methode der Arbeit gewählt; der Weg, den ihr eingeschlagen habt, ist sicher, und ihr könnt ihn mit Vertrauen weiter beschreiten. Die Bescheidenheit, die Unaufdringlichkeit, mit der ihr euren Eifer betätigt, sind keineswegs mit Passivität oder ermüdender Eintönigkeit gleichzusetzen. Im Gegenteil! Jede von euch, die sich dem gemeinsamen Werk einordnet, muß sich doch mit ihrem eigenen Charakter, mit ihrem eigenen Temperament, ihren Gaben, ihren persönlichen Mitteln einsetzen. Gerade das Zusammentreffen dieser so verschiedenen Eigenschaften gibt eurer freundschaftlichen Zusammenarbeit ihre Harmonie und ihre besonderen Merkmale. Ihr alle könnt und sollt das Apostolat eines vorbildlichen Lebens, des Gebets und des Opfers zur Geltung bringen. Aber gerade hier bleibt jenseits dessen, was für jeden Gläubigen streng ver­pflichtend ist, ein weites Gebiet, in dem die physischen Möglichkeiten, die bei jeder einzelnen ganz verschieden sind, und die Großmut des Herzens, mit der ihr — immer ein gesundes Urteil und die gute Absicht vorausgesetzt ­dem Antrieb der Gnade antwortet, das richtige und ange­messene Maß eures Handelns bestimmen müssen.

Diese Verschiedenheiten im Maß und in der Form des Mutes finden ihre Anwendung sowohl auf materiellem wie auf geistigem Gebiet. Denen von euch, denen die wirtschaftlichen Verhältnisse oder andere günstige Um­stände oder eine besondere Freigiebigkeit es erlauben, das Apostolat der Liebe gegenüber dem Notleidenden aus­zuüben, sagen Wir mit dem hl. Paulus ,Laßt euch nicht besiegen durch das Böse, sondern besiegt das Böse durch das Gute‘ (Röm 12, 21). Dem Geist der Verleumdung, des niedrigen Klatsches, des Neides, des Hasses, der Grausamkeit, der Unterdrückung sollt ihr unermüdlich Güte und Liebe entgegensetzen, die Liebe des Herzens und des Wortes, die Liebe der Werke eurer Hände … Wir müssen noch das Apostolat im genauen Wortsinn betrachten, das Apostolat der persönlichen, unmittelbaren Einwirkung auf den Nächsten, um ihn für Christus zu gewinnen. Das ist nicht etwas, was jedem liegt. Dazu gehören besondere Eigenschaften, eine Vorbereitung, eine Ausbildung, die nur das Privileg einer Elite sein können. Doch auch dann ist die Befähigung zu einem solchen religiösen Apostolat je nach der Person sehr verschieden. Bemüht euch also, euch selber zu erkennen, um, jede nach ihrer Art, Bote Gottes zu werden. Aber welches auch die Art und Weise und sozusagen der persönliche Zug jeder einzelnen sein wird, das beherrschende Merkmal, das ihr euch allen aufdrücken müßt, ist jene geistige Größe, die der Märtyrer Ignatius so herrlich gepriesen hat.“5

5 ,In den Zeiten, in denen es Gegenstand des Hasses der Welt ist, bedarf das Christentum nicht überzeugender Worte, sondern der Größe.‘ (ad Romanos 3, 3) — Dieser Satz stand zu Beginn der Ansprache. — A. A. S. vol. 39 (1947) p. 58-63. — Hd. I, 358 ff.

Noch im gleichen Jahr empfing Papst Pius XII. am 12. September 1947 die Delegierten von 60 verschiedenen Ländern, die zum Kongreß des Internationalen Verbandes der katholischen Frauenvereine nach Rom gekommen waren. In der Audienz sprach der Papst über die Aufgaben der katholischen Frauen. Da er zum Teil auf die Mitarbeit im sozialen und politischen Leben zu sprechen kommt und auf seine große Ansprache vom 21. Oktober 1945 zurückgreift, die diesem Aufgabenkreis gewidmet ist, soll sie anschließend an diese Rede erst im folgenden Kapitel angeführt werden.

Das Jahr 1951 brachte zwei bedeutsame Reden des Papstes zur Katholischen Aktion. Am 3. April sprach er zu den Teilnehmern der Generalversammlung der italienischen Katholischen Aktion und am 14. Oktober zu den Delegierten des ersten Weltkongresses des Laienapostolats. In der ersten Ansprache legte Pius XII. in sechs Punkten ausführlich dar, was er unter Katholischer Aktion versteht.

„1. … Demgegenüber könnte man sich keine Gruppe der Katholischen Aktion vorstellen, in die Mitglieder aufgenommen würden, die nicht in vollem Sinne aktiv wären. Die Mitgliedskarte erwerben, Vorträge und Diskussionen anhören, eine Zeitung beziehen, vielleicht ohne sie überhaupt zu lesen, könnte das genügen, um sich ein echtes Glied der Katholischen Aktion zu nennen? Wäre das kein Widerspruch zwischen dem Namen und der Sache? Würde ein kleiner Kern aktiver Mitglieder, dem bei den großen öffentlichen Kundgebungen eine amorphe Masse von Anhängern als Gefolge und Chor zur Seite träte, den Namen Katholische Aktion verdienen?

2. … Doch damit diese Leitung für eure weiblichen Vereine wirklich heilig und fruchtbar sei, überlassen die Priester mit feinfühliger Zurückhaltung den Leiterinnen oder der Sorge und den Händen frommer und kluger Frauen alles, was diese selber, manchmal sogar besser, tun können, und sie selbst beschränken ihre Tätigkeit auf die eigentliche priesterliche Aufgabe… Vor allem ein Wort über den Begriff des Apostolats. Es besteht nicht nur in der Verkündigung der frohen Botschaft, sondern auch darin, die Menschen zu den Quellen des Heiles zu führen, wenn auch in voller Achtung ihrer Freiheit, sie zu bekehren und die Getauften mit glühendem Eifer dazu zu erziehen, daß sie vollkommene Christen werden. Es wäre übrigens irrig, in der Katholischen Aktion — wie es kürzlich von einigen geschehen ist — eine wesentlich neue Sache, eine Veränderung in der Struktur der Kirche, ein neues Apostolat der Laien zu sehen, das neben dem des Priesters stünde und nicht diesem untergeordnet wäre. Es hat in der Kirche immer Zusammenarbeit der Laien mit dem Apostolat der Hierarchie, in Unterordnung unter den Bischof und diejenigen gegeben, denen der Bischof die Verantwortung für die Seelsorge unter seiner Autorität übertragen hat. Die Katholische Aktion hat dieser Mitarbeit nur eine neue Form und akzidentelle Organisation geben wollen, um ihre Ausübung zu verbessern und zu stärken.

Wenn die Katholische Aktion auch ursprünglich, wie die Kirche selbst, nach Diözesen und Pfarren organisiert ist, so hindert das nicht ihre Fortentwicklung über die engen Grenzen der Pfarre hinaus. Man muß vielmehr zugeben, daß trotz der ganzen Bedeutung der Werte und der grund-legenden und unersetzlichen Kräfte der Pfarre die schnell-wachsende Verflochtenheit des modernen Lebens dringend einen weiteren Ausbau der Katholischen Aktion fordern kann. Aber auch dann bleibt diese immer ein Apostolat von Laien, das dem Bischof und seinen Delegierten unterstellt ist.

3. Die Tätigkeit der Katholischen Aktion erstreckt sich auf das gesamte religiöse und soziale Gebiet, das heißt so weit, wie eben die Mission und das Werk der Kirche reicht. Nun ist es bekannt, daß das normale Wachstum des religiösen Lebens ein bestimmtes Maß von gesunden, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen voraussetzt. Wem zöge sich nicht das Herz zusammen, wenn er sieht, wie wirtschaftliches Elend und soziale übel das christliche Leben gemäß den Geboten Gottes erschweren und nur zu oft heroische Opfer verlangen? Aber daraus darf man nicht schließen, daß die Kirche dazu übergehen müßte, ihre religiöse Sendung zurückzustellen und in erster Linie auf die Heilung des sozialen Elends hinzuwirken. Wenn die Kirche immer darauf bedacht gewesen ist, die Gerechtigkeit zu verteidigen und zu fordern, so hat sie doch seit der Zeit der Apostel auch angesichts der ärgsten sozialen Mißstände ihre eigene Mission erfüllt und versucht, durch die Heilung der Seelen und die Umwandlung der inneren Triebe auch die Heilung der sozialen Übel und Schäden einzuleiten; denn sie ist überzeugt, daß die religiösen Kräfte und die christlichen Prinzipien mehr als alle anderen Mittel dazu geeignet sind, die Heilung zu bewirken.

4. …Die äußere wohldisziplinierte Organisation der Katholischen Aktion schließt den persönlichen Scharfblick und den Geist der Voraussicht und der Initiative der einzelnen nicht aus, sondern fördert ihn vielmehr im ständigen Kontakt mit den Gliedern der Katholischen Aktion des gleichen Ortes, des gleichen Kreises, je nach der besonderen Eignung eines jeden. Jeder hält sich aufrichtig zur Verfügung, sobald irgendwie Bedarf für einen Einsatz oder eine katholische Unternehmung vorliegt. Jeder bringt mit seiner Begeisterung und seiner Hingabe in selbstloser Weise den anderen Vereinen und Einrichtungen, die seine Mitwirkung wünschen können, um ihr Ziel sicherer und vollkommener zu erreichen, Hilfe. Mit anderen Worten, mit dem wahren Begriff der Katholischen Aktion würde sich die Mentalität von Mitgliedern, die sich als die trägen Räder einer riesigen Maschine betrachten, die unfähig wären, sich selber zu bewegen, wenn die Zentralkraft sie nicht in Bewegung setzt, nicht ver­tragen. Ebenso wäre es unzulässig, wenn man die Führer der Katholischen Aktion in der Rolle von Leuten sähe, die eine elektrische Zentrale bedienen und die vor dem Schaltbrett nur darauf bedacht sind, in dem weiten Netz den Strom durchzuschicken oder zu unterbrechen, zu regulieren oder zu lenken.

Vor allem müssen sie einen persönlichen sittlichen Einfluß ausüben, der die normale Folge der Achtung und Sympathie sein wird, die sie sich zu erwerben wissen, und die ihren Anregungen, Ratschlägen, der Autorität ihrer Er­fahrung Kredit verschaffen wird, sobald es sich darum handelt, die aktionsfähigen katholischen Kräfte in Bewegung zu setzen.

5. Wir brauchen euch nicht darüber zu belehren, daß die Katholische Aktion nicht dazu berufen ist, eine Kraft im Bereich der Parteipolitik zu sein. Die katholischen Bürger können sich als solche sehr wohl an einer Vereinigung zu politischer Aktivität zusammenschließen; das ist ihr gutes Recht, ebenso als Christen wie als Bürger. Die Anwesenheit und Teilnahme von Gliedern der Katholischen Aktion in ihren Reihen — in dem oben angeführten Sinne und diesen Grenzen — ist berechtigt und kann sogar durchaus wünschenswert sein . . .

6. Ebensowenig hat die Katholische Aktion ihrem Wesen nach die Aufgabe, an der Spitze der anderen Vereine zu stehen und über diese eine Art autoritären Patronats aus­zuüben. Die Tatsache, daß sie der unmittelbaren Leitung der kirchlichen Hierarchie unterstellt ist, führt zu keiner derartigen Folgerung. Tatsächlich ist das Ziel jeder Organi­sation das, welches die Art ihrer Leitung festlegt. Und es kann geschehen, daß dieses Ziel eine solche unmittel­bare Leitung nicht erfordert, ja nicht einmal günstig erscheinen läßt. Darum hören jedoch diese Organisationen nicht auf, katholisch und mit der Hierarchie vereint zu sein. Im Vergleich zu ihnen liegt der besondere Sinn der Katholischen Aktion, wie Wir gesagt haben, eben in der Tatsache, daß sie gleichsam der Treffpunkt jener aktiven Katholiken ist, die immer bereit sind, mit dem Apostolat der Kirche mitzuarbeiten, einem Apostolat, das durch göttliche Einrichtung hierarchisch ist und das in den Getauften und Gefirmten die ihm auf übernatürliche Weise verbundenen Mitarbeiter findet. Daraus ergibt sich eine Folgerung, die zu gleicher Zeit eine väterliche Ermahnung nicht nur für die Katholische Aktion eines bestimmten Landes, sondern für die Katholische Aktion jedes Landes und jeder Zeit ist. Ihr Aufbau nämlich wird sich in den verschiedenen Gegenden den besonderen Verhältnissen des Ortes anpassen müssen; doch in einem Punkt müssen alle ihre Glieder gleich sein: im ,sentire cum Ecclesia‘, in der Hingabe an die Sache der Kirche, im Gehorsam gegenüber denen, die der Heilige Geist als Bischöfe eingesetzt hat, um die Kirche Gottes zu lenken, in der kindlichen Unterwerfung unter den obersten Hirten, dessen Sorge Christus seine Kirche anvertraut hat. Und wie könnte es auch anders sein, da ja ihr, Glieder der Katholischen Aktion, sozusagen eins seid mit dem Bischof und dem Papst? In diesem Sinne erteilen Wir euch, geliebte Söhne und Töchter, aus der Fülle Unseres Herzens Unseren Apostolischen Segen.“6

6 Stellen aus A. A. S. vol. 43, 1 (1951) p. 375 ss. — Hd. V, 400 ff.

Seit 1949 wurden die Vorbereitungen zum ersten „Weltkongreß des Laienapostolats“ getroffen, der im „Heiligen Jahr“ in Rom stattfinden sollte, aber zweimal verschoben werden mußte und schließlich erst vom 7.-14. Oktober 1951 tagte. Der Kongreß wollte international gültige Richtlinien erarbeiten über die dogmatischen, moralischen und asketischen Grundsätze des Laienapostolats, für die verschiedenen Formen seiner Organisationen und die Reichweite seiner Betätigung. 1200 Delegierte aus 74 Nationen und 38 internationalen katholischen Organisationen kamen in Rom zu dem kirchengeschichtlich erstmaligen, bedeutsamen Ereignis zusammen. Unter den Rednern befanden sich zwei Kardinäle, sechs Bischöfe und eine Reihe bekannter Laien. Den Höhepunkt der Tagung aber bildete die Audienz der Teilnehmer beim Papst, bei der Pius XII. in französischer Sprache eine richtunggebende und eindringliche Ansprache „über das Laienapostolat, seinen Platz und seine Rolle in der Gegenwart“ hielt.

„Welcher Trost und welche Freude überströmt Unser Herz beim Anblick eurer imposanten Versammlung, in der Wir euch unter Unseren Augen versammelt sehen, ehrwürdige Brüder im Episkopat, und auch euch, liebe Söhne und Töchter, die ihr von allen Erdteilen und allen Gegenden zum Mittelpunkt der Kirche herbeigeeilt seid, um hier den Weltkongreß über das Laienapostolat abzuhalten. Ihr habt Wesen und Ziel dieses Apostolats untersucht, ihr habt seinen gegenwärtigen Stand betrachtet, und ihr habt über die wichtigsten Pflichten nachgedacht, die es voraussichtlich in der Zukunft zu erfüllen hat. Es sind für euch Tage inständigen Gebetes, ernsthafter Gewissenserforschung und eines Austausches von Ansichten und Erfahrungen gewesen. Zum Abschluß seid ihr gekommen, um dem Stellvertreter Christi euren Glauben, eure Hingabe, eure Treue erneut zu beteuern und ihn zu bitten, eure Entschließungen und eure Tätigkeit durch seinen Segen zu befruchten.

Sehr oft haben Wir im Laufe Unseres Pontifikates bei den verschiedensten Umständen und unter den verschiedensten Aspekten über dieses Laienapostolat gesprochen: in Unseren Botschaften an alle Gläubigen oder in Unseren Ansprachen an die Katholische Aktion, an die Marianischen Kongregationen, an die Arbeiter und Arbeiterinnen, an die Lehrer und Lehrerinnen, an die Ärzte und Juristen ebenso wie an reine Frauenorganisationen, um sie an ihre Pflichten auch im öffentlichen Leben zu erinnern, und noch an viele andere Gruppen. Es waren für Uns ebenso viele Gelegenheiten, beiläufig oder ausdrücklich die Fragen zu behandeln, die in dieser Woche ihren ganz bestimmten Ort in eurer Tagesordnung gefunden haben.

Diesmal wollen Wir in Gegenwart einer so zahlreichen Elite von Priestern und Gläubigen, die alle ein sehr berechtigtes Bewußtsein ihrer Verantwortung im oder gegenüber diesem Apostolat haben, ihm im Licht der vergangenen Geschichte der Kirche mit einem ganz kurzen Wort seinen Platz und seine Rolle in der Gegenwart anweisen. Es hat niemals in dieser Geschichte gefehlt; es wäre interessant und lehrreich, seine Entwicklung im Laufe der vergangenen Zeiten zu verfolgen. Man pflegt gern zu sagen, daß die Kirche in den letzten vier Jahrhunderten ausschließlich ‚klerikal‘ gewesen ist aus Reaktion gegen die Krise, die im 16. Jahrhundert den Anspruch erhob, die Hierarchie einfach abzuschaffen. Darüber hinaus gibt man zu verstehen, daß es Zeit für sie sei, ihren Rahmen zu erweitern.

Ein solches Urteil ist weit von der Wirklichkeit entfernt; gerade mit dem Konzil von Trient hat vielmehr das Laientum seine Stellung eingenommen und in der apostolischen Tätigkeit Fortschritte gemacht. Das läßt sich leicht feststellen; man braucht sich nur an zwei historische Tatsachen zu erinnern, die unter vielen anderen hervorleuchten: an die Marianischen Männerkongregationen, die das Laienapostolat auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens aktiv ausüben, und an die fortschreitende Einführung der Frau in das moderne Apostolat. Man braucht nur an zwei große Gestalten der katholischen Geschichte zu erinnern: an Mary Ward, diese unvergleichliche Frau, die das katholische England in seinen dunkelsten und blutigsten Stunden der Kirche geschenkt hat, und an den heiligen Vinzenz von Paul, der unbestreitbar der erste unter den Gründern und Förderern der Werke der katholischen Caritas gewesen ist .. .

Bei dieser feierlichen Gelegenheit ist es Uns eine sehr teure Pflicht, ein Wort der Dankbarkeit an alle jene, Priester und Gläubigen, Männer und Frauen, zu richten, die sich diesen Bewegungen angeschlossen haben für die Sache Gottes und der Kirche, und deren Namen es verdienen, überall mit Ehren genannt zu werden. Sie haben sich abgemüht und gekämpft, indem sie nach Kräften ihre zerstreuten Kräfte vereinigt haben. Die Zeiten waren noch nicht reif für einen Kongreß wie den soeben abgehaltenen. Wie sind sie nun im Laufe dieses halben Jahrhunderts zur Reife gelangt? Ihr wißt es! In immer schnellerem Rhythmus hat sich die Kluft verbreitert und vertieft, die seit langem die Geister und die Herzen in zwei Parteien teilt, für oder gegen Gott, die Kirche, die Religion. Sie hat, wenn auch nicht überall mit derselben Klarheit, eine Grenze mitten durch die Völker und Familien hindurchgezogen. Gewiß, es gibt eine ganze verworrene Schar von Lauen, Unentschlossenen und Schwankenden, für die die Religion vielleicht noch etwas bedeutet, aber etwas sehr Unbestimmtes, ohne Einfluß auf ihr Leben. Diese gestaltlose Masse kann — die Erfahrung hat es gezeigt — eines schönen Tages unversehens vor der Notwendigkeit stehen, eine Entscheidung zu treffen. Die Kirche hat nun gegenüber all diesen eine dreifache Sendung zu erfüllen: die eifrigen Gläubigen auf das Niveau der Anforderungen der gegenwärtigen Zeit emporzuheben; diejenigen, die auf der Schwelle zögern, in das warme und heilsame Innere des Hauses hineinzuführen; diejenigen zurückzuführen, die der Religion fernstehen und die sie doch nicht ihrem elenden Los überlassen kann. Eine schöne Aufgabe für die Kirche, die ihr aber dadurch sehr erschwert wird, daß sie zwar im ganzen stark angewachsen ist, ihr Klerus jedoch nicht in der gleichen Weise zugenommen hat. Nun muß sich der Klerus aber vor allem für die Ausübung seines eigentlichen priesterlichen Amtes aufsparen, bei dem niemand ihn ersetzen kann.

Ein Beitrag der Laien zum Apostolat ist also eine unerläßliche Notwendigkeit. Daß er einen kostbaren Wert darstellt, haben die Erfahrung der Waffenbrüderschaft oder der Gefangenschaft oder andere Prüfungen des Krieges bezeugt. Diese Erfahrung beweist vor allem für das religiöse Gebiet den tiefen und nachhaltigen Einfluß der Berufs- und Lebenskameraden. Diese und viele andere Faktoren, die mit bestimmten örtlichen oder personalen Umständen zusammenhängen, haben die Tore für die Mitarbeit der Laien im Apostolat der Kirche weit geöffnet. Die Fülle der Anregungen und Erfahrungen, die im Laufe eures Kongresses ausgetauscht worden sind, und ebenso das, was Wir schon bei den vorhin erwähnten Gelegenheiten gesagt haben, enthebt Uns der Mühe, ausführlicher auf die Einzelheiten des gegenwärtigen Laienapostolats einzugehen. Wir wollen Uns daher darauf beschränken, euch einige Betrachtungen vorzulegen, die etwas mehr Licht auf das eine oder andere Problem, das sich stellt, werfen könnten.

1. Alle Gläubigen, ohne Ausnahme, sind Glieder des mystischen Leibes Jesu Christi. Daraus folgt, daß das Naturgesetz und mehr noch das Gesetz Christi es ihnen zur Pflicht machen, das gute Beispiel eines wahrhaft christlichen Lebens zu geben: ,Wir sind vor Gott Christi Wohlgeruch unter denen, die gerettet sind, und unter denen, die verlorengehen‘ ( 2 Kor 2, 15 ). Alle sind auch, und heute mehr denn je, dazu verpflichtet, beim Gebet und Opfer nicht nur an ihre privaten Nöte zu denken, sondern auch an die großen Ziele des Reiches Gottes in der Welt gemäß dem Geist des Vaterunsers, das Jesus Christus selbst uns gelehrt hat.

Kann man behaupten, daß alle gleicherweise zum Apostolat im strengsten Sinn dieses Wortes berufen sind? Gott hat weder allen die Möglichkeit noch die Eignung dafür gegeben. Man kann nicht verlangen, daß die Gattin, die Mutter, die ihre Kinder christlich erzieht und die außerdem noch Heimarbeit übernehmen muß, um ihrem Mann zu helfen, die Seinen zu ernähren, sich mit den Werken des Apostolats belädt. Die Berufung zum Apostolat richtet sich also nicht an alle. Gewiß ist es nicht leicht, genau die Trennungslinie zu ziehen, von der an das Laienapostolat im eigentlichen Sinn beginnt. Gehört z. B. dazu die Erziehung, die die Familienmutter oder Lehrer und Lehrerin in der Ausübung ihres pädagogischen Berufes mit heiligem Eifer erteilen? Oder die Haltung des angesehenen und sich zum katholischen Glauben bekennenden Arztes, dessen Gewissen niemals schwankt, wenn es sich um das natürliche und göttliche Gesetz handelt, und der mit all seinen Kräften um die christliche Würde der Ehegatten, die heiligen Rechte ihrer Nachkommenschaft kämpft? Oder der Einsatz eines katholischen Staatsmannes für eine großzügige Wohnungspolitik zu Gunsten der Minderbemittelten? Viele werden dazu neigen, dies zu verneinen, da sie in alledem nur die einfache Erfüllung der Standespflicht sehen, die zwar sehr lobenswert, aber doch nur pflichtgemäß ist.

Wir kennen jedoch den mächtigen und unersetzlichen Wert dieser einfachen Erfüllung der Standespflicht durch Millionen und aber Millionen gewissenhafter und vorbildlicher Gläubigen für das Heil der Seelen. Das Laienapostolat im eigentlichen Sinn ist zweifellos zum großen Teil in der Katholischen Aktion und anderen Institutionen apostolischer Tätigkeit, die von der Kirche approbiert sind, organisiert; aber neben diesen kann es Laienapostel, Männer und Frauen, geben und gibt es solche, die das Gute, das getan werden muß, die Möglichkeiten und Mittel, es zu tun, sehen und es dann auch tun, und zwar in der ausschließlichen Sorge darum, Seelen für die Wahrheit und Gnade zu gewinnen. Wir denken auch an alle die hervorragenden Laien, die in den Gebieten, in denen die Kirche wie in den ersten Jahrhunderten des Christentums verfolgt wird, nach besten Kräften die eingekerkerten Priester ersetzen und selbst unter Lebensgefahr in ihrem Umkreis die christliche Lehre verkünden, im religiösen Leben und in der rechten Art, auf katholische Weise zu denken, unterweisen, zum Besuch der Sakramente und zur Praxis der Andachtsübungen, besonders der Verehrung der allerheiligsten Eucharistie anleiten. Alle diese Laien seht ihr an der Arbeit; macht euch keine Sorge darum, welcher Organisation sie angehören; bewundert sie vielmehr und seid von ganzem Herzen dankbar für das Gute, das sie tun.

Es liegt Uns fern, die Organisation zu verachten oder ihren Wert als apostolischen Faktor zu unterschätzen; Wir schätzen sie im Gegenteil sehr hoch ein, zumal in einer Welt, in der die Gegner der Kirche sich mit den Massen ihrer Organisationen auf diese stürzen. Aber die Organisation darf nicht zu engherziger Ausschließlichkeit führen, zu etwas, was der Apostel ,der Freiheit auflauern‘ nannte (Gal 2, 4). Laßt im Rahmen eurer Organisation jedem möglichst viel Raum, um seine Fähigkeiten und persönlichen Gaben in allem, was dem Wohl und der Erbauung dienen kann, zu entfalten: ,zum Wohl und zur Erbauung‘ (Röm 15, 2), und freut euch, daß ihr außerhalb eurer Reihen andere seht, die ,vom Geiste geführt‘ (Gal 5, 18) eure Brüder für Christus gewinnen.

2. Klerus und Laien im Apostolat. Es versteht sich von selbst, daß das Laienapostolat der kirchlichen Hierarchie untergeordnet ist; diese ist die göttliche Einrichtung; das Laienapostolat kann also nicht unabhängig von ihr sein. Anders denken hieße die Mauer an der Basis untergraben, auf der Christus selbst seine Kirche gebaut hat. Dies vorausgesetzt, wäre es immer noch irrig zu glauben, im Bereich der Diözese entwickle sich die traditionelle Struktur der Kirche oder ihre gegenwärtige Form, das Laienapostolat, wesensgemäß parallel zum hierarchischen Apostolat, so daß selbst der Bischof das pfarrliche Laienapostolat nicht dem Pfarrer unterstellen könnte. Er kann es; und er kann sogar zur Regel erheben, daß die Werke des Laienapostolats, die für die Pfarre selbst bestimmt sind, der Autorität des Pfarrers unterstellt werden. Der Bischof hat diesen zum Hirten der ganzen Pfarre eingesetzt, und er ist als solcher für das Heil aller seiner Schafe verantwortlich.

Daß es andererseits Werke des Laienapostolats geben kann, die außerpfarrlich und selbst außerdiözesan — Wir möchten lieber sagen überpfarrlich und überdiözesan — ­sind, wenn es das gemeinsame Wohl der Kirche erfordert, ist ebenso wahr, und es ist überflüssig, es zu wiederholen. . . . Wenn Wir den Laienapostel oder genauer den Gläu­bigen der Katholischen Aktion nach dem heute geläufigen Ausdruck mit einem Instrument in der Hand der Hier­archie vergleichen, so verstehen Wir diesen Vergleich in dem Sinne, daß die kirchlichen Oberen ihn auf die Weise gebrauchen, wie der Schöpfer und Herr die vernünftigen Geschöpfe als Werkzeuge, als Zweitursache gebraucht ,mit einer Milde voller Rücksicht‘ (Weish 12, 18). Mögen sie sie also im Bewußtsein ihrer schweren Verantwortung gebrauchen, indem sie sie ermutigen, ihnen Anregungen geben, willigen Herzens die Initiativen annehmen, die ihnen von ihnen unterbreitet werden, und sie gegebenen­falls in weitsichtiger Weise fördern. In den entscheidenden Schlachten gehen manchmal von der Front die glücklich­sten Initiativen aus. Die Geschichte der Kirche bietet dazu zahlreiche Beispiele. Ganz allgemein gesagt, ist in der Apostolatsarbeit zu wünschen, daß das herzlichste Ein­vernehmen zwischen Priestern und Laien herrsche. Das Apostolat der einen ist keine Konkurrenz für das der anderen. Ja, um die Wahrheit zu sagen, gefällt Uns der Ausdruck ‚Emanzipation der Laien‘, den man hie und da hört, nicht sehr. Er hat einen unerfreulichen Klang; er ist zudem historisch ungenau. Waren denn jene großen Führer, auf die Wir angespielt haben, als Wir von der katholischen Bewegung vor 50 Jahren sprachen, etwa Kinder, Minderjährige, die warten mußten bis zu ihrer Großjährigkeit? Im übrigen werden im Reiche der Gnade alle als Erwachsene betrachtet. Und nur das zählt.

Der Aufruf zur Hilfe der Laien ist nicht die Folge eines Versagens des Klerus gegenüber der gegenwärtigen Aufgabe. Daß es persönliches Versagen gibt, liegt in der unvermeidlichen Schwäche der menschlichen Natur, und man trifft es auf der einen wie auf der anderen Seite.

Aber ganz allgemein gesprochen hat der Priester ebenso gute Augen wie der Laie, um die Zeichen der Zeit zu erkennen, und sein Ohr ist nicht weniger empfindlich, um das menschliche Herz abzuhören. Der Laie ist zum Apostolat berufen als Mitarbeiter des Priesters, häufig als sehr wertvoller und selbst notwendiger Mitarbeiter auf Grund des Mangels an Priestern, die, wie Wir schon sagten, zu wenig zahlreich sind, um allein ihre Aufgabe erfüllen zu können.

3. Wir können, teure Söhne und Töchter, nicht schließen, ohne an die praktische Arbeit zu erinnern, die das Laienapostolat in der ganzen Welt auf allen Gebieten des individuellen und sozialen menschlichen Lebens geleistet hat und noch leistet, eine Arbeit, deren Ergebnisse und Erfahrungen ihr in diesen Tagen unter euch konfrontiert und diskutiert habt: Apostolat im Dienste der christlichen Ehe, der Familie, der Kinder, der Erziehung und der Schule; für die jungen Männer und jungen Mädchen; Apostolat der Caritas und Fürsorge unter ihren heute unzählbaren Formen; Apostolat einer praktischen Besserung der sozialen Mißstände und des Elends; Apostolat in den Missionen oder im Dienste der Auswanderer und Einwanderer; Apostolat im Bereich des intellektuellen und kulturellen Lebens; Apostolat in Spiel und Sport; endlich, und nicht am wenigsten wichtig: Apostolat der öffentlichen Meinung. Wir empfehlen und loben eure Anstrengungen und Arbeiten und vor allem die Kraft eures guten Willens „und apostolischen Eifers, die ihr in euch tragt, die ihr im Laufe dieses Kongresses spontan bewiesen habt und die wie eine Quelle lebendigen Wassers seine Diskussionen fruchtbar gemacht hat.

Wir beglückwünschen euch für euren Widerstand gegen die selbst bei Katholiken herrschende verhängnisvolle Tendenz, die Kirche auf die sogenannten rein religiösen Fragen beschränken zu wollen. Man gibt sich keine Mühe, sich genau klar zu machen, was darunter zu verstehen ist. Wenn sich die Kirche nur auf den Kirchenraum und die Sakristei beschränkt und träge zusieht, wie die Menschheit sich draußen in ihrer Verzweiflung und in ihren Nöten abmüht, so ist das alles, was man von ihr verlangt. Es ist nur zu wahr: in gewissen Ländern ist die Kirche ge­zwungen, sich so abzuschließen; selbst in diesem Falle muß sie noch zwischen den vier Wänden ihres Gottes­hauses das Wenige tun, was ihr zu tun möglich ist. Sie zieht sich nicht freiwillig und aus eigenem Antrieb zurück. Notwendigerweise und ununterbrochen findet sich das menschliche Leben, das private wie das soziale, in Berührung mit dem Gesetz und Geist Christi; daraus ergibt sich mit Notwendigkeit eine wechselseitige Durchdringung des religiösen Apostolates und des politischen Handelns. Politik im erhabenen Sinn des Wortes bedeutet ja nichts anderes als Mitarbeit am Wohl des irdischen Staates, der Polis. Aber dieses Wohl des Staates dehnt sich auf ein weites Gebiet aus, und darum werden auf politischem Gebiet auch Gesetze von höchster Tragweite debattiert und diktiert, so die Gesetze über die Ehe, die Familie, das Kind, die Schule, um Uns nur auf diese Beispiele zu beschränken. Sind das nicht Fragen, die die Religion aufs höchste interessieren? Können sie einen Apostel gleich­gültig lassen? Wir haben in der vorhin erwähnten An­sprache (3. Mai 1951) die Grenze gezogen zwischen Katholischer Aktion und politischer Aktion. Die Katho­lische Aktion darf nicht in die Schranken der Parteipolitik eintreten. Aber, … so lobenswert es ist, sich aus den zufälligen Streitigkeiten herauszuhalten, die die Partei­kämpfe vergiften …, so wäre es doch tadelnswert, den Unwürdigen und Unfähigen das Feld zu überlassen, so daß sie die Staatsgeschäfte lenken (Rede vom 28. März 1948). Wie weit soll und darf sich der Apostel von dieser Grenze entfernt halten? Es ist schwer, über diesen Punkt eine für alle gleichermaßen gültige Regel zu formulieren. Die Umstände, die Mentalität sind nicht überall die gleichen. Wir nehmen eure Entschließungen mit Freude zur Kennt­nis; sie drücken euren festen Willen aus, euch über die Grenzen hinweg die Hände zu reichen, um praktisch zu einer vollen und wirksamen Zusammenarbeit in allgemeiner Liebe zu kommen. Wenn es eine Macht in der Welt gibt, die imstande ist, die traurigen Schranken der Vorurteile und Voreingenommenheiten umzustoßen und die Seelen zu einer freien Versöhnung und brüderlichen Vereinigung der Völker bereitzumachen, so ist es die katholische Kirche. Ihr dürft euch darüber mit Stolz freuen. Eure Sache ist es, mit aller Kraft daran mitzuarbeiten.“7

7 A. A. S. vol. 43, 2 (1951), p. 784 ss. — Hd. VI, 120 ff.

In einer Radioansprache wandte sich der Heilige Vater am 10. Februar 1952 mit einer herzlichen Mahnung an die Gläubigen seiner eigenen Bischofstadt Rom, in der er sehr bedeutungsvolle Anregungen zu einheitlichem und planmäßigem Handeln für die religiöse Erneuerung gibt, die allgemeine Gültigkeit haben.

„Aus Unserem Herzen, geliebte Söhne und Töchter Roms, ergeht dieser väterliche Anruf an euch.

Ihr alle wißt, daß größer und schwerer als alle Seuchen und Naturkatastrophen vergangener Jahrhunderte die Gefahren sind, die auf der heutigen Menschheit lasten, wenn auch ihre dauernde Bedrohung die Völker nunmehr fast unempfindlich und apathisch gemacht hat. Ist nicht vielleicht dies das verhängnisvollste Symptom der endlosen und nie verebben wollenden Krise, das alle denkenden Menschen, die noch ein offenes Auge für die Wirklichkeit haben, erzittern und erschrecken läßt? Wenn Wir daher auch voll Vertrauen Unsere Zuflucht nehmen zur Barmherzigkeit Gottes und zur mütterlichen Güte der allerseligsten Jungfrau, so muß doch jeder einzelne Gläubige, jeder, der noch guten Willen hat, mit allem der schweren Lage der Gegenwart entsprechenden Ernst sich fragen, was er persönlich tun könnte und tun müßte, was er beitragen sollte zum Erlösungswerk Gottes, wie er mithelfen könnte zur Rettung der Welt, die dem Verderben entgegengeht.

Angesichts der anhaltend kritischen Lage, die, wie Wir leider sagen müssen, jeden Augenblick sich in furchtbarer Weise entladen könnte und deren tiefste Ursache in der religiösen Gleichgültigkeit zu suchen ist, in dem moralischen Tiefstand des öffentlichen und privaten Lebens, in der systematischen Vergiftung der einfachen Seelen, denen das Gift eingeträufelt wird, nachdem man ihnen den Sinn für die wahre Freiheit sozusagen eingeschläfert hat, können und dürfen die Guten nicht unbekümmert und untätig als stille Zuschauer einer nahen, alles umstürzenden Kata­strophe ihr gewohntes Leben in den alten Geleisen weiter­führen…

Jetzt ist es Zeit, geliebte Söhne und Töchter, es ist wirk­lich Zeit, entscheidende Schritte zu unternehmen. Es ist Zeit, die verhängnisvolle Lethargie abzuschütteln. Es ist Zeit, daß alle Guten, denen das Schicksal der Welt am Herzen liegt, sich einander nähern und sich aufs engste zusammenschließen. Mit dem Apostel wiederholen Wir: ,Hora est iam nos de somno surgere (Röm 13, 11) — Die Stunde ist da, vom Schlafe aufzustehn‘, denn es naht sich unsere Erlösung.

Es gilt, eine ganze Welt von Grund aus umzuformen, sie aus einer verwilderten in eine menschlich edle, aus einer menschlich edlen in eine vergöttlichte Welt umzuwandeln, entsprechend den Heilsabsichten Gottes. Millionen von Menschen ersehnen eine Änderung des Kurses. Sie richten daher ihren Blick auf die Kirche Christi, die einzige erfahrene Lenkerin und Führerin, die infolge ihrer Achtung vor der menschlichen Freiheit sich an die Spitze eines so gewaltigen Unternehmens zu stellen vermag. Man fleht um die Führung mit offenen Worten. Ja, noch mehr! Man weist hin auf das Meer von Tränen, auf die noch schmerzenden Wunden, auf die endlos weiten Fried­höfe, die der bewaffnete Haß auf der ganzen Welt geschaffen.

… Wie Wir in einer nunmehr weit zurückliegenden Stunde, da es Gott so gefiel, das schwere Kreuz des Pontifikates auf Uns nahmen, so unterziehen Wir Uns heute der schwierigen Aufgabe, soweit Unsere schwachen Kräfte es erlauben, Herold einer besseren gottgewollten Welt zu sein, deren Banner Wir in erster Linie euch, geliebte Söhne und Töchter, übergeben und anvertrauen möchten, euch, die ihr Uns mehr als andere nahesteht und Unserer Hirtensorge in besonderer Weise anvertraut seid… Erblickt darin den Ruf Gottes und eine wahrhaft würdige Lebensaufgabe: kraftvolle religiöse Erneuerung in eurem gesamten Tun und Denken. Religiöse Erneuerung sagen Wir, die alle ohne Unterschiede erfaßt, Klerus und Volk, sowie alle, die in führender Stellung stehen, die Familien, jedwede Gemeinschaft und jeden einzelnen. Tiefgreifende religiöse Erneuerung des christlichen Lebens, sagen Wir, durch Verteidigung der sittlichen Werte, Durchführung der sozialen Gerechtigkeit, Wiederaufbau der kirchlichen Ordnung…

Es ist jetzt nicht der Augenblick theoretischer Diskussionen, sich nach neuen Richtlinien umzusehen oder neue Wege und Ziele anzugeben. All diese Dinge sind längst bekannt und nach ihrer wesentlichen Seite hin erprobt, denn sie wurden von Christus selbst gelehrt und im Laufe der Jahrhunderte durch das Lehramt der Kirche dargelegt und von den letzten Päpsten den modernen Zeiterfordernissen angepaßt. Sie erfordern nur eines: die konkrete Verwirklichung. Was nützte auch ein ständiges Erforschen der Wege Gottes, wenn man tatsächlich die Wege des Verderbens wählt und sich willenlos den Trieben der Natur überläßt? Was nützt es zu wissen und auszusprechen, daß Gott unser Vater und die Menschen Brüder sind, wenn man jedes Eingreifen Gottes in das private und öffentliche Leben fürchtet? Wozu dienen lange Erörterungen über Gerechtigkeit, Liebe und Frieden, wenn der Wille von vornherein entschlossen ist, den Opfern auszuweichen, wenn das Herz in eisiger Einsamkeit sich verschließt und niemand es wagt, die Mauer des trennenden Hasses zu durchbrechen, um die Brüder in aufrichtiger Liebe zu empfangen? Ein solches Verhalten würde bei den Kindern des Lichtes die Schuld nur noch mehr vergrößern, denn auch sie werden wenig Verzeihung und Erbarmen finden, wenn sie weniger geliebt haben. Mit einer solchen Inkonsequenz und Trägheit hätte die Kirche in ihren An­fängen weder das Antlitz der Erde erneuert noch sich so rasch ausgebreitet; sie hätte weder ihre segenspendende Tätigkeit durch die Jahrhunderte fortzusetzen vermocht, noch sich Bewunderung und Vertrauen der Völker erworben.

Bleibt euch stets bewußt, geliebte Söhne und Töchter, daß die Wurzel der heutigen Übel und ihre verhängnisvollen Folgen nicht wie in vorchristlichen Zeiten oder wie in heidnischen Ländern unverschuldete Unkenntnis der auf die Ewigkeit hingeordneten Ziele des menschlichen Lebens ist oder auch Unkenntnis der eigentlichen Wege, die dahin führen. Nein, heute ist es die Trägheit des Geistes, die Schlaffheit des Willens, die Kälte des Herzens. Die Menschen, die an solch geistigem Siechtum darnieder­liegen, suchen sich zur Rechtfertigung ihres Verhaltens in die alte Finsternis einzuhüllen und sich mit alten und neuen Irrtümern zu entschuldigen. Es ist daher notwendig, auf ihren Willen einzuwirken.

… Traget Sorge, daß die Aufgaben genau festgestellt werden, daß die Zielsetzungen klar umrissen sind, daß die Kräfte, die zur Verfügung stehen, wohl abgewogen wer­den, u. zw. so, daß die Hilfsquellen, die jetzt im Anfang bereitstehen, nicht ungenützt liegenbleiben, weil man sie nicht kennt, noch auch planlos herangezogen oder ver­geudet werden in zweitrangiger Betätigung. Man ziehe die Seelen heran, die guten Willens sind; sie sollen sich von sich aus zur Verfügung stellen… Es gibt glühende Seelen, die nur darauf warten, herangezogen zu werden. Ihrer brennenden Ungeduld weise man das weite Feld zu, das zu bestellen ist. Andere wieder gibt es, die da schläfrig sind; sie müssen aufgeweckt werden. Andere sind ängst­lich; sie müssen aufgemuntert werden. Andere endlich haben die Richtung verloren; sie müssen geführt werden. Vor allem aber wird gefordert, daß sie sich weise einfügen und sich verständig verwenden lassen. Ein Arbeitsrhythmus wird gefordert, der der dringenden Notwendigkeit gerecht wird, zu verteidigen, zu erobern und positiv aufzubauen.“8

8A. A. S. vol. 44, 1 (1952), p. 158 ss. — Hd. VI (1951/52), S. 267 ff.

Pius XII. spricht dann den Wunsch aus, daß diese „kraftvolle religiöse Erneuerung“ überall nachgeahmt werden möge, damit „die Nationen, die Kontinente, die gesamte Menschheit“ zu Christus zurückkehren.

Der 13. Internationale Weltkongreß der katholischen Frauenorganisationen tagte Ostern 1952 vom 21.-24. April in Rom und hatte sich die Mitarbeit der Frau für den Frieden als Thema gestellt. Das gleiche Leitwort wählte der Papst bei dem Empfang der Teilnehmerinnen am 24. April für seine Ansprache.

„Des großen Beitrages gewiß, den die Frauen der Sache des Friedens geben können, richten Wir heute Unsere väterliche Botschaft an euch Mütter, Frauen und Mädchen aller Nationen, und vor allem an euch katholische Frauen. Ist Uns doch eure kindliche Liebe zum Stellvertreter Christi bekannt und durch ihn zu Christus selbst, der im Laufe seines Erdenlebens so viele edle Beweise fraulicher Frömmigkeit erfahren hat. Immer besorgt, das Werk des Friedens mit allen Uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu fördern bis hin zu dem Tage, an dem der Friede auf Erden endgültig Heimat gefunden hat, vertrauen Wir euch, geliebte Töchter, das schwierige und zugleich erhabene Amt an, für den Frieden zu arbeiten. Ihr wißt vielleicht besser als andere den Wert der Ruhe und Ordnung zu schätzen, da er ja die Grundbedingung jedes gesunden fraulichen Lebens ist. Gerade in Rom, das der Friedenskönig der Menschheitsfamilie zu eigen machte, um gleichsam jenen allgemeinen Frieden zu befestigen und zu erheben, den das Reich des Augustus sich vorgestellt und auf seine Weise verwirklicht hat, ist ein Kongreß veranstaltet worden, auf dem die gesamte katholische Frauenwelt vertreten ist. Ihr wollt damit eure Sehnsucht nach Frieden feierlich bekunden, dem Willen Ausdruck geben, den Frieden von denen zu fordern, die die Gewalt haben, ihn hier auf Erden zu verwirklichen, die konkreten Mittel erforschen und eure Mitarbeit an seiner Verwirklichung anbieten. Dies alles wollt ihr, gegründet auf Gott und dem Fundament christlicher Grundsätze.

Euer Ruf ist in der Tat nicht neu, und auch nicht der letzte unter so vielen, die von überall her nach dem Frieden verlangen; sicherlich aber ist er ganz aufrichtig, und Wir haben Grund zu hoffen, daß er fruchtbar sei. Wer könnte an der Aufrichtigkeit der Frau, die Frieden erfleht, zweifeln, die doch als erste seinen Segen erfährt, oder wenn sie den Krieg verabscheut, dessen bemitleidenswertes Opfer sie wäre? So war es immer. Die alte Sage der leidenden Andromache vom verhängnisvollen Krieg, der Ursache der Tränen der Witwen, der Verwaisung und dann der Verbannung und Versklavung, bleibt, wenn sie auch nur eine epische Legende ist, die Personifizierung der ungeheuren Tragödien, in die die Kriege jeder Zeit die Frau mit sich fortreißen, und jener noch entsetzlicheren, die ihr von den totalen Konflikten unserer Zeit noch vorbehalten sind.

Die Schreckensbilder des letzten Weltbrandes stehen noch Millionen Männern und Frauen, die ihn glücklich überlebt haben, lebhaft vor Augen. Mütter mit ihren Kindern auf den Armen, begraben unter den Trümmern ihrer Häuser, von Wunden zerrissen; andere von Schmerz erstarrt über einen unvorhergesehenen Verlust, der geradezu einen Teil ihres eigenen Lebens jäh hinwegriß. Anderswo sind jene, denen Haus und Hof ihr ein und alles bedeuteten, gezwungen, in unzählbaren Scharen von Ort zu Ort umherzuziehen, getrieben durch die Armeen, verfolgt von Schrecken, mit ihren von Hunger und Krankheit weinenden Kindern; Mütter und Frauen lange Jahre hindurch im Ungewissen über das Los ihrer Lieben. Einige sogar sind durch die unglaubliche Herzenshärte der Staatslenker, deren Taten allzu verschieden von ihren Worten sind, bis heute in angstvollem Zweifel: Wird mein Sohn leben? Jungfrauen, der Schande ausgesetzt; Familien ohne jegliche Stütze; Mädchen, denen für immer der Traum ihres Lebens zerbrochen wurde — das ist die Frau in Kriegszeiten!

Haben Staatsmänner nie mit dem Herzen eines Sohnes an solche Schrecknisse gedacht, jene Staatsmänner, von denen Wir nicht sagen möchten, daß sie Kriegspläne oder Kriegsabsichten hegen, die aber eine Lage schaffen und aufrecht erhalten, die eine Kriegsgefahr heraufbeschwören kann, wobei ungerecht unterdrückten Völkern vielleicht der Krieg — schrecklich zu sagen! — als letzte Hoffnung ihrer Befreiung sogar erwünscht sein könnte. Aber auf wen fällt die Verantwortung eines solch verzweifelten Wunsches? Der Mann, für den es Ruhm bedeutet, sich in solchen Widerwärtigkeiten zu bewähren, gewöhnt sich zwar auf irgendeine Weise an solche von einem Krieg herbeigeführte Lebensumstände wie Entbehrungen, Härten, ungeahnte Schrecken, ungewohnte Verhältnisse jeder Art; für die Frau indessen zeitigen sie oft physisch und moralisch verheerende Folgen.

Nun treibt die Furcht, ein solches Unheil könnte erneut ausbrechen — Gott möge es verhüten! —, die Frauen der ganzen Welt dazu, mit glühendem Herzen den Frieden zu erflehen. Diesen Flehruf haben Wir als euer gemeinsamer Vater oft von euren Lippen vernommen, und heute wollen Wir ihn zu dem Unseren machen, um denen, bei welchen die schwerwiegende Wahl zwischen Krieg und Frieden liegt, zuzurufen: Schaut mit den Augen eines Sohnes auf die Ängste so vieler Mütter und Frauen, unter denen auch die euren sind. Sorgt dafür, daß die Waagschale eurer Erwägungen sich nicht neige auf die Seite reiner Prestigegründe, unmittelbarer Vorteile oder sogar wirklichkeitsfremder Theorien, die in der wahren Natur des Menschen und der Dinge kein Fundament haben. Fordert von den Frauen keinen unnützen Heroismus. Denn schon so viele üben ihn in ihrem täglichen Leben zum Wohle des Vater­landes und der menschlichen Familie.

Das Empfinden jedoch, das die Frau den Krieg verab­scheuen läßt, nützt niemandem, noch hat es irgendwelchen wirksamen Einfluß auf die Sache des Friedens, wenn es nicht zu dem heißen Verlangen wird, überall den Geist der Brüderlichkeit wiederherzustellen. Dieses Empfinden muß getragen sein vom Wissen um die höhere Pflicht der Liebe, die gestärkt ist von der Bereitschaft, im eigenen Wirkungskreis die Gerechtigkeit zu verwirklichen, die den Frieden schafft. Dies alles würde, kurz gesagt, nichts nützen, wenn das Empfinden nicht Tat wird, die ausge­richtet ist nach den christlichen Grundsätzen. In Unserer letzten Weihnachtsbotschaft über die Friedensaufgabe der Kirche (A. A. S. vol. 44, 1952, p. 11-15) haben Wir im einzelnen ausgeführt, welches diese Grundsätze sind und wie sie das Handeln der Kirche und der Katholiken bestimmen. Hierin, geliebte Töchter, unterscheidet sich euer Ruf nach Frieden deutlich von dem anderer Frauen, dessen Aufrichtigkeit Wir durchaus nicht in Zweifel ziehen. Oft aber sehen Wir ihn entweiht und anderen Zwecken dienstbar gemacht, wenn er nicht ganz in ein Geschrei der Verbitterung und des Hasses übergeht. Jedenfalls ist es sicher, daß jeglicher Ruf nach Frieden, dem man das Fundament der christlichen Weltanschauung entzieht, dazu verurteilt ist, in der Öde verbitterter Herzen ungehört zu verhallen wie ein Schrei Schiffbrüchiger auf offenem Meer.

So seid ihr, katholische Frauen, Künder und Verfechter des Friedens, kraft des gleichen Ehrentitels, mit dem ihr euch als katholische Frauen schmückt. Katholisch sein ist gleichbedeutend mit Friedensstifter sein. Und obwohl eure Staatsbürgerpflicht von euch den festen Entschluß verlangt, euch für das Vaterland hinzuopfern, wenn es wirklich ungerechterweise angegriffen und in seinen Lebensrechten bedroht wird, so seid ihr natürlicherweise noch mehr und mit noch größerem Eifer dazu fähig, eure Kräfte einzusetzen, um jene inneren und äußeren Verhältnisse zu schaffen, die Ruhe und Ordnung sichern. Diese Tat, die darauf gerichtet ist, die Haßgefühle zu beseitigen, die Völker brüderlich miteinander zu verbinden, die materiellen Ursachen für Konflikte aufzuheben — wie etwa Elend, Arbeitslosigkeit, Auswanderungshindernisse und ähnliches —, erwarten die Kirche und die Menschheit von euch.

Es handelt sich um eine doppelte Tätigkeit. Auf der einen Seite um eine psychologische und sittenfördernde, die euer feiner Takt am besten durchzuführen vermag. Das will besagen, die Menschen zum Verständnis des Übernatürlichen hinzuführen, sie milde zu Lebensstrenge oder wenigstens zum Lebensernst und zur Sittsamkeit zu führen, überallhin den Geist der Milde, den brüderlichen Sinn unter allen Gotteskindern auszustrahlen und das Wissen um die Pflicht. Das will weiterhin bedeuten, auf ungerechten Reichtum zu verzichten, wobei ihr selbst als erste auf jede Art von Luxus in der Lebensführung verzichten solltet. — Vor allem aber soll die Krone eurer geistlichen Tätigkeit sein, die Jugend christlich zu erziehen, gemäß der Weltanschauung, die der Heiland uns geoffenbart hat. Wem, wenn nicht den Müttern, ist in der Praxis die erste Unterweisung in der Lehre des Evangeliums anvertraut? O Weisheit der Güte der Vorsehung Gottes! Sie hat es so gefügt, daß jede Generation in ihrer frühesten Jugend durch die milde Schule der Frau gehe, der sich unsere gemeinsame Mutter, die Kirche, zugesellt, und wo sie stets von neuem Güte, Milde und Frömmigkeit schöpfen soll, alles Vorzüge, die der Frau eigen sind. Ohne diese immer neue Rückkehr zur Quelle verfiele die Menschheit binnen kurzer Zeit im Zurückweichen vor der Härte und dem schweren Kampf des Lebens einer höchst beklagenswerten Verwilderung. Weist also ihr, die ihr aus natürlicher Verpflichtung und kraft göttlicher Sendung die Seelen der Jugend formt, die neue Generation ein in ein Empfinden für die allgemeine Brüderlichkeit und in den Abscheu vor der Gewalt. Das sei eine Tätigkeit, die in allzu ferner Zukunft ihre Früchte trägt, mag jemand sagen. Nein, es ist ein Wirken, das in die Tiefe baut und damit grundlegend und dringlich ist. Wie die Kriege, zumindest die heutigen, nicht unvorhergesehen ausbrechen, sondern jahrelang keimhaft in den Herzen heranreifen, so wird auch der wahre, bleibende, gerechte Friede nicht plötzlich mit dem ersten Aufleuchten einer Gefühlsregung oder eines Aufrufes Wirklichkeit.

Es gibt dann noch eine zweite, äußere Tätigkeit. War in früheren Jahren der Einfluß der Frau auf das Haus und den Umkreis des Hauses beschränkt, so erstreckt er sich in unseren Tagen, ob wir es nun wollen oder nicht, auf ein immer weiteres Gebiet: auf das soziale und öffentliche Leben, auf die Parlamente, die Gerichte, das Pressewesen, das Berufsleben und die ganze Arbeitswelt. In jedes dieser Gebiete soll die Frau ihr Wirken für den Frieden hineintragen. Wenn nur wirklich jede Frau aus dem ihr eigenen Empfinden, mit dem sie den Krieg verabscheut, zur konkreten Tat schreiten würde, um ihn zu verhindern, dann wäre es unmöglich, daß die Gesamtheit solch starker Kräfte, die sich eben für das einsetzen, was die Persönlichkeit bildet, nämlich für Frömmigkeit und Liebe, dann wäre es unmöglich, so sagen Wir, daß sie ihren Zweck verfehlte.

Dazu soll, um diese Kräfte zu befruchten, die Hilfe Gottes mitwirken, die Wir im Gebet herabrufen. Die Frau, die von Natur aus fromm ist, richtet für gewöhnlich ihr Gebet mit größerer Beharrlichkeit zu Gott. Wie die Fürbitte der Gottesmutter auf der Hochzeit zu Kana voll Sorge und Unruhe über die Verwirrung der Brautleute Jesus zu bewegen wußte, das Wasser in Wein zu verwandeln — in Wein, den die Feinschmecker die Seele der Mahlzeit nennen‘ (Bossuet, Sermon pour le II. Dimanche apres l’Epiphanie) —, so wandelt auch euer Flehen in Nacheiferung der allerseligsten Jungfrau Maria das Wollen der Menschen aus Haß in Liebe und aus Habgier in Gerechtigkeit.

Geliebte Töchter, ihr wißt, wieviel die Frau dem Christentum verdankt. Als es in die Zeit eintrat, hat die heidnische Kultur die Frau oft nur wegen äußerer und kurzdauernder Gaben oder wegen ihrer feinfühligeren Art hochgeschätzt. Diese ästhetische Schau und dieses tiefe Gefühl bilden sich zu Formen höchster Feinfühligkeit aus. Die Verse ausgesuchter Dichtkunst in den unsterblichen Dichtungen des augusteischen Zeitalters sind durchpulst von leidenschaftlichem Pathos; Götterstatuen, herrliche Schöpfungen der Kunst zierten Straßen und Plätze, Tempel und Hallen prachtvoller Paläste. Und doch war alles leer und oberflächlich. Athen und Rom, die Leuchten der Kultur, die doch so vieles natürliches Licht auf die Familienbande warfen, brachten es weder mit den hohen Gedankengängen der Philosophie noch mit der wahrhaft weisen Gesetzgebung zustande, die Frau zu der ihrer Natur entsprechenden Höhe zu erheben. Erst das Christentum, und es allein — gewiß nicht in der Verkennung jener äußeren und tiefreichenden Vorzüge — hat in der Frau Sendung und Beruf entdeckt und gepflegt, die die wahre Grundlage ihrer Würde bilden und ihr somit eine würdigere Rangstellung einräumen. Auf diese Weise entstehen neue Typen der Frau, und diese behaupten sich in der christlichen Zivilisation, so jene der Märtyrerin für ihre Religion, so jene der Heiligen, der Glaubensbotin, der Jungfrau, der Urheberin weitgespannter Reformen, der Helferin in allen Leiden, der Erzieherin und Retterin verlorener Seelen. So wie allmählich neue soziale Bedürfnisse reifen, so dehnt sich auch ihre lebenspendende Sendung auf neue Aufgabenkreise aus, und die christliche Frau wird, wie es heute ganz zu Recht besteht, nicht weniger als der Mann ein notwendiger Träger der Kultur und des Fortschritts. Gerade in dieser Schau sehen Wir euer heutiges friedenbringendes Wirken, vielleicht das größte, das euch die Vorsehung zugedacht hat, als das am meisten soziale und heilbringende, das ihr je innehattet. Nehmt es in Angriff als einen Auftrag von Gott und der Mensch­heit; weiht ihm eure eifrigsten Bemühungen und befolgt jene Weisungen, die ein ausgewählter Kreis von euch auf dem Internationalen Kongreß der Katholischen Frauen­organisationen studiert und fördert. Seid davon überzeugt, daß ihr für das Heil eurer Heimatländer und eurer Kinder nichts Segensreicheres tun könnt. Das entspricht ganz Unserem Wunsch als Stellvertreter Christi. Über euch alle, geliebte Töchter, auf der ganzen weiten Welt und besonders über euch, katholische Frauen, wie auch auf jede Teilnehmerin dieses Kongresses hier in Rom, erflehen Wir vom allmächtigen Gott Licht und Gnade. Als Unterpfand dessen erteilen Wir euch aus väterlichem Herzen den Apostolischen Segen.“9

9 A. A. S. vol. 44, I (1952) p. 420 ss. — Ausgabe des Katholischen Deutschen Frauenbundes in: „Papst Pius XII. zu den heutigen Auf­gaben der Frau“. — Köln, S. 36 ff.

Einen der Höhepunkte des Marianischen Jahres bildete Anfang September 1954 der Weltkongreß der Marianischen Kongregationen. Am 8. September richtete Papst Pius XII. eine Ansprache an die Teilnehmer, in der er zum Thema des Kongresses Stellung nimmt und über das dreifache Ziel, nämlich sorgfältigere Auswahl der Mitglieder, stärkere Bindung an die Hierarchie und eine größere Zusammenarbeit mit anderen apostolischen Verbänden spricht:

„ . . . Eure Pilgerfahrt ist nicht nur ein Akt kindlicher Liebe, sondern sie beweist darüber hinaus euren Willen, immer mehr auf dem Wege zur christlichen Vollkom­menheit, nach der ihr strebt, voranzukommen; auch erwar­tet ihr von Uns Ermutigung und Richtlinien, um euer Ideal der Liebe und des Apostolates besser zu verwirk­lichen.

Der Kongreß, welcher heute eröffnet wird, muß in der Tat der Ausgangspunkt einer geistlichen Erneuerung für alle Kongregationen der Welt werden. Sein Thema lautet: ,Der größte Ruhm Gottes durch eine sorgfältigere Auswahl, stärkere Bindung an die Hierarchie und eine größere Zusammenarbeit mit anderen apostolischen Verbänden.’…

Wir werden heute nur auf die drei Punkte des Programms eingehen, die Wir soeben erwähnt haben:…

1. Sorgfältigere Auswahl.

Der erste Punkt ist wesentlich für die Sicherung der erwünschten Erneuerung. Die Kongregationen sind nicht einfach fromme Vereinigungen, sondern Schulen der Vollkommenheit und des Apostolates. Sie wenden sich an Christen, die nicht damit zufrieden sind, etwas mehr als notwendig zu tun, sondern die sich entschlossen haben, den Anregungen der Gnade hochherzig zu entsprechen und gemäß ihrem Lebensstand ganz nach dem Willen Gottes zu suchen und ihn zu erfüllen. Deshalb sollte niemand aufgenommen werden nur aus irgendeiner Tradition, um der Kongregation Ehre anzutun oder selbst durch sie zu Ansehen und Würde zu kommen. Es zählt nur das Verlangen nach größerer Vervollkommnung und nach einem christlichen Leben, das von persönlicher apostolischer Glut erfüllt ist. Die Räte, die zur Abgabe ihres Urteils berufen sind, und besonders der Direktor, der allein die Verantwortung für die Aufnahme trägt, mögen diese wesentlichen Punkte ernsthaft beachten.
Die Eignung des Kandidaten wird sich in seiner Treue beim Besuch der Versammlungen, seiner Liebe zum Gebet, seinem Eifer im Empfang der Sakramente der Buße und der Eucharistie erweisen, mit einem Wort, in seinem Bemühen um das unaufhörliche Wachstum in der Liebe zu Gott, der Grundlage des Seeleneifers. Dieser bedarf wirklich einer übernatürlichen Tugend, um Bestand zu haben und Früchte zu bringen. Nun sind aber weder der Glaube noch die Hoffnung noch die Liebe nur das Ergebnis einer glücklichen Charakterveranlagung oder eines willkürlichen Tuns. Sie sind Gaben Gottes, die man demütig und beharrlich erflehen und sorgfältig pflegen muß.

Wer danach trachtet, ein Kongreganist zu sein, der dieses Namens würdig ist, verpflichtet sich eindeutig zum Kampf gegen seine minder guten Neigungen. Er ist entschlossen, sich vollständig von der Herrschaft der Sünde zu befreien, und faßt die immer treuere Nachahmung Jesu, des sanften und demütigen Menschensohnes, ins Auge. Gleich ihm brennt er darauf, die geringsten Wünsche seines Vaters zu erfüllen und ihm in allem und trotz allem zu gefallen. Möge dieses verlockende und strenge Ideal für jeden von euch, liebe Söhne und Töchter, zur Quelle wirklicher geist­licher Erneuerung werden und zur Grundlage für ein Streben, das still und langsam ist wie das Leben, aber unaufhaltsam wie das Wirken Gottes.

2 Der Anschluß an die Hierarchie.

Die Vereinigung mit der Hierarchie, das sichtbare Zei­chen der aufrichtigen Anhänglichkeit an Christus, wird auch der Prüfstein für die Reinheit des Seeleneifers sein. Wenn Wir Wert darauf legten, die Marianischen Kongregationen, wie sie die Konstitution ,Bis saeculari‚ defi­niert, unter die eigentlichsten Formen der Katholischen Aktion einzureihen, geschah es deshalb, weil sie ausdrück­lich darauf hinarbeiten, ihre Mitglieder in den Geist der Kirche, das ,Sentire cum Ecclesia‘, einzuführen. Diese Haltung ist die einzig angemessene, wenn man bean­sprucht, mit dem Apostolat der Hierarchie zusammenzu­arbeiten. Aus der Verantwortung für die Ehre Gottes auf Erden und als Treuhänderin der göttlichen Gewalten weist die Hierarchie jedem, der sich freiwillig anbietet, um das Werk Christi fortzusetzen, seine Aufgabe zu.

Um ihr wirksam zu helfen, genügt es nicht, eine jede bestehende Einrichtung oder neue Initiative ihrer Billi­gung zu unterstellen. Man muß sich ihren Geist zu eigen machen, ihre Absichten verstehen, ihren Wünschen zuvorkommen. Das setzt Demut und Gehorsam, Hingabe und Selbstverleugnung voraus, echte Tugenden, die die ernste Bildung von Kongregationen nicht zu entwickeln versäumt. Weil die Kongregationen von dem Willen beseelt sind, um jeden Preis zu dienen, machen sie niemals den Versuch, sich zu isolieren oder gewisse Bereiche für sich allein zu beanspruchen, sondern sie sind im Gegenteil bereit, da zu arbeiten, wohin die Hierarchie sie sendet. Sie dienen der Kirche nicht wie einer fremden Macht, nicht einmal wie einer menschlichen Familie, sondern wie der Braut Christi, die vom Heiligen Geist selbst beseelt und geführt wird und deren Interessen auch diejenigen Jesu sind. Der Apostel Paulus litt schon darunter, daß er feststellen mußte, daß einige — alle, sagte er bitter —, ,alle ihre eigenen Interessen und nicht diejenigen Jesu Christi verfolgen‘ (Phil. 2, 21). Möge eine solche Bemerkung euch wachhalten. Vergeßt euch selbst, seid bereit, jede enge Sicht von euch zu weisen, und nehmt die Ratschläge der Kirche hin, als kämen sie von eurem göttlichen Oberhaupt. So werdet ihr mit dem Apostel sprechen können: ,Am Tage Christi . . . werden mein Laufen und meine Bemühungen nicht vergeblich gewesen sein.‘ (Phil. 2, 16).

3. Zusammenarbeit mit anderen apostolischen Vereinigungen.

Das Thema eures Kongresses faßt auch eine größere Zusammenarbeit mit den anderen apostolischen Vereinigungen ins Auge. Außer seiner praktischen Seite ist dieser Zusammenschluß der Kräfte ein eindeutiges Zeichen der Gegenwart Christi inmitten derer, die in der Aktion wie im Gebet der gleichen Eingebung gehorchen. ,Daß sie eins seien‘, bat Jesus in seinem hohepriesterlichen Gebet inständig seinen Vater, wie Du, Vater, in mir und ich in Dir bin, daß sie eins in Uns seien, damit die Welt glaube, daß Du mich gesandt hast‘ ( Joh. 17, 21 ). Das Apostolat hat in gewisser Weise an der göttlichen Sendung Jesu Anteil. Es offenbart den Menschen die Liebe des Vaters und des Sohnes in der Gabe ihres einzigen Geistes. Ihr erinnert euch zweifellos, wie die Apostelgeschichte, diese wunderbare Frucht des Heiligen Geistes, an dem Tage nach Pfingsten hervorhebt: ,Die Menge der Gläu­bigen hatte nur ein Herz und eine Seele. Niemand nannte das, was ihm gehörte, sein, sondern sie hatten alles miteinander gemeinsam. Mit großer Macht legten die Apo­stel Zeugnis ab von der Auferstehung des Herrn Jesus, und sie standen alle in großem Ansehen‘ (Apg 4, 32-34). Die außerordentliche apostolische Strahlungskraft in der ersten christlichen Gemeinde hat sich in den verschieden­sten Formen in der Geschichte der Kirche wiederholt, besonders in kritischen Stunden, wo nur die lebendige Wucht junger Kräfte von ungebrochener Überzeugung in gewaltigem Aufschwung anscheinend unüberwindliche Hindernisse zu beseitigen vermochte. Ist es nicht ein Zeugnis von dieser Art, das die gegenwärtige Zeit ganz besonders von euch erwartet? So viele edle Unternehmungen verzetteln sich auf auseinanderstrebenden Gleisen, wissen nichts voneinander und geraten leider manchmal sogar in Gegensatz zueinander. Unterdessen schreitet das Böse ohne Waffenruhe in seiner Eroberung fort, und, mangels guten Einvernehmens und Zusammenarbeitens der Guten, dringt es überall ein.

Wie in den Anfängen der Kirche die mächtige Fürbitte Mariens der Gemeinde von Jerusalem die voll­kommene Eintracht in der Liebe verdiente, so wünschen Wir lebhaft, daß die Königin der Apostel euch alle, liebe Söhne und Töchter, die ihr hier versammelt seid, und alle eure Mitsodalen aus der ganzen Welt, die ihr hier bei Uns vertretet, mit einem Geist aufrichtiger Zusammen­arbeit erfülle. Möge man von euch in Abwandlung des Wortes des hl. Paulus, das Wir soeben zitierten, sagen können: ,Niemand verfolgte seine eigenen Interessen, sondern einzig die von Jesus Christus.‘ . .“

Der Papst beschließt seine Ansprache mit dem Wunsch, alle Kongreßteilnehmer möchten die Erinnerung an einen „Pfingsthauch“ in ihre Heimat mitnehmen und den Willen, großherzig auf so viele Gnaden, die sie unter der Schutzherrschaft der Unbefleckten Jungfrau empfingen, durch die Tat zu antworten.»

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Quelle: Eigener Scan mit Textaufbereitung aus meinem persönlichen Buch-Exemplar:

Pius XII. – Ruf an die Frau – Aus den Rundschreiben, Ansprachen, Briefen und Konstitutionen des Heiligen Vaters – Zusammengestellt von Dr. Käthe Seibel-Royer. – Mit einem Vorwort von Dr. Josef Schoiswohl, Bischof von Graz-Seckau – Verlag Styria, Erste Auflage 1955

 

Was ist das Opus Dei?

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Opus Dei hat weltweit 92.000 Angehörige, die meisten von ihnen Laien – RV

Gegründet 1928 in Madrid, 92.000 Angehörige in allen Erdteilen, davon 98 Prozent Laien – das sind die Eckdaten des Opus Dei. Doch was genau ist das „Werk Gottes“, das der spanische Heilige Josemaría Escrivá de Balaguer vor bald 90 Jahren ins Leben rief und das mit Fernando Ocáriz nun einen neuen Prälaten hat? Eine knappe Einführung mit Susanne Kummer, der Sprecherin des Opus Dei in Österreich.

„Das Opus Dei ist eine Einrichtung der katholischen Kirche. Sie wirkt am Evangelisierungsauftrag der Kirche mit. Das heißt, sie stützt Frauen und Männer dabei, ihr Christsein im Alltag tief zu leben mit einem ausgeprägten Gebetsleben, das sich mit einer intensiven Berufs- und Familienarbeit vereinen lässt.“

Und was ist das Opus Dei nicht?

„Das Opus Dei ist kein Orden, das Opus Dei ist eine Personalprälatur, das ist eine moderne Kirchenrechtsform, die im Konzil grundgelegt wurde. Auftrag ist es, die Laien zu ermutigen, ihre Taufberufung ernst zu nehmen, mitten in der Welt die Welt zu gestalten und ein frohes Zeugnis für Christus in der Welt zu geben.“

Zentral beim Opus Dei und seinen Angehörigen ist die Heiligung der Arbeit. Was heißt das?

„Die Heiligung der Arbeit bedeutet, dass man seine Arbeit und seinen Beruf im Geist der Nachfolge Jesu im Alltag lebt. Der heilige Josemaría hat im Arbeitsleben des Jesus von Nazareth das Paradigma für die Begegnung mit Gott im Alltag gesehen. Und diese 30 Jahre des verborgenen Lebens Jesu sind sozusagen die Botschaft an uns, die wir in dieser Welt leben und arbeiten, dass diese gewöhnliche Lebens- und Arbeitswelt die Welt ist, in der Gott uns sucht.“

Welche Rolle spielt christliche Bildung für die Angehörigen des Opus Dei?

„Das Opus Dei bietet all jenen, die ihm angehören und sich für den katholischen Glauben interessieren, eine tiefe Katechese an. Denn es ist wichtig, dass wir heute als Menschen in der Welt Rede und Antwort stehen können für unsere Hoffnung, und das auch in einer Sprache für Menschen, deren Grundwasserspiegel in religiösen Angelegenheiten nicht hoch ist. Im Opus Dei gibt es ein reiches Angebot für Laien, ihr Glaubenswissen zu vertiefen, um es auch anderen weitergeben zu können.“

Was können Außenstehende als anspruchsvoll bis schwierig am Opus Dei empfinden?

„Es mag sein, dass diese Schule des Gebetslebens im Alltag etwas ist, was recht steil klingt. Das schlägt sich darin nieder, dass die Mitglieder des Opus Dei täglich ihre Gebetszeiten suchen, auch alte Traditionen der Kirche wie den Rosenkranz beten, täglich die Heilige Messe besuchen. Ich kann mir vorstellen, dass das für einen Außenstehenden recht steil wirkt, sage aber aus eigener Erfahrung, dass das ein großer Schatz ist, den man entdecken darf: die Hilfsmittel, die die Kirche einem durch Gebet und Sakramente anbietet, um im Alltagsleben ein frohes Christentum zu leben.“

Das Opus Dei gilt als ausgeprägt katholische Vereinigung – wie ist das Verhältnis zu anderen Christen und Gläubigen anderer Religionen?

„Das Opus Dei ist die erste Institution der katholischen Kirche, der der Heilige Stuhl schon in den 1950er Jahren gewährt hat, auch Nicht-Katholiken und selbst Menschen anderer Religionen offiziell als Mitarbeiter zu ernennen. Wir haben hier eine lang gelebte Realität im Opus Dei, wo Orthodoxe, Anglikaner, Protestanten, Juden, Muslime und Christen gemeinsam an Projekten zum Gemeinwohl und für die Gesellschaft im guten Sinn zusammenarbeiten.“

(rv 23.01.2017 gs)

Einleitung in die Arbeiten des ersten Tages des Jubiläums der Katecheten

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EINLEITUNG
von Seiner Exzellenz Mons. Csaba Ternyák
Titular-Erzbischof von Eminenziana
Sekretär der Kongregation für den Klerus

Mit der freudigen und originellen Pädagogik des Glaubens

Einleitung in die Arbeiten des ersten Tages des Jubiläums der Katecheten
Samstag, 9. Dezember 2000 16.30 Uhr

 

Liebe Katecheten Religionslehrer, verehrte Brüder im Bischofs- und im Priesteramt, Geistliche, liebe Professoren, Lehrer und Ausbilder, und alle Gläubigen, die aus verschiedenen Gründen in der Diakonie der Wahrheit tätig sind

Willkommen ad Petri sedem, und willkommen in dieser Studiensession, in der wir brennend wünschen, mit Glauben und Treue, die rettende Universalität des Mysteriums Jesu Christi und seiner Kirche zu bestätigen und zu bezeugen (vgl. Kongregation für die Doktrin des Glaubens, Erklärung Dominus Iesus, Nr. 2, vom 6.8.2000). Dieses Geheimnis hat einen Namen: die Wahrheit, die Christus selbst ist, leuchtende und freudige Wahrheit, die uns zur Rettung aller Menschen offenbart wurde als wahrer und ewiger Orientierungsstern (vgl. Johannes Paul II, Fides et ratio, Nr. 15)

1. Erlaubt mir in diesem Zusammenhang, den Heiligen Geist mit den Anfangsworten des Gesangs Veni Creator anzurufen, denn er ist der wichtigste Hauptdarsteller der evangelisierenden Mission der Kirche (Johannes Paul II., Redeptoris Missio, 30), der Hauptagierende der neuen Evangelisierung (Ibid., Lett. ap. Tertio Millennio Adveniente, 45), derjenige, der uns drängt das Evangelium zu verkünden und uns tief im Inneren das Wort der Rettung begreifen lässt (Paul VI., Evangelii Nuntiandi, 75).

„Komme, oh Schöpfergeist,
besuche unseren Geist,
erfülle mit deiner Gnade
die Herzen, die Du geschaffen hast „

(Aus dem Lied Veni creator)

Wir wissen sehr gut, dass „auch die raffinierteste Vorbereitung des Evangelisierenden nicht ohne Ihn tätig sein kann. Ohne Ihn ist die überzeugendste Dialektik wirkungslos auf den Geist der Menschen. Ohne Ihn sind die ausgearbeitetsten Schemata auf der Grundlage der Soziologie und Psychologie leer und ohne Wert“ (Ibid. Evangelii Nuntiandi, 75).

Es würde außerdem nicht den Absichten des Jubiläums entsprechen, wenn dieser Tag, kurz vor dem Beginn des Dritten Jahrtausends und des zentralen Geheimnisses des christlichen Glaubens, uns nicht helfen würde zu entdecken, dass neben uns „Maria steht, die Mutter Jesu“ (Joh 2,1), Braut und Heiligtum des Heiligen Geistes (II. Vat. Konzil II, Lumen gentium, 53). Gemeinsam mit Joseph und Elisabeth, die vom Geist bereits die göttliche Mutterschaft der Jungfrau kennen, erfreuen wir uns in dieser Adventszeit am unvergleichlichen Meisterwerk, das Gott in Maria ausgeführt hat und erfreuen uns der göttlichen Überraschungen, der großen Dinge in Ihr bewirkt vom Allmächtigen (vgl. Lk 1,49), wir jubeln aufgrund der göttlichen Paradoxe – das Göttliche im Menschen, das unermessliche im Endlichen, der Erzeuger in seiner Schöpfung -, den nur die Kleinen und Demütigen in der Lage sind, zu betrachten und zu verstehen, wie die Hirten von Bethlehem und die Heiligen Drei Könige aus dem fernen Orient.

Wir entdecken in der Vertiefung einiger Aspekte der katechetischen Mission der Kirche, dass Maria die erste war, die von Gott unterrichtet wurde, die erste vor allem, weil kein Wesen jemals mit ähnlicher Fülle und Tiefe ausgebildet worden war: „Mutter und Jüngerin zugleich“ (Sankt Augustin Predigt 25,7: PL 46, 937-938).

Es ist nicht ohne Grund, dass in der Synodenaula, vor der IV. Generalversammlung der Bischofssynode, die im Oktober 1977 in Rom zusammengetreten ist, das Thema der Katechese betrachtet wurde, es wurde gesagt, dass Maria, die „ein lebender Katechismus ist“, „Mutter und Vorbild der Katecheten“ (Johannes Paul II., Catechesi Tradendae, 73).

2. In diesem Zusammenhang erhält unser heutiges Treffen seine Bedeutung: möge die Präsenz des Heiligen Geistes, dank der Gebete Marias, uns allen und der gesamten Kirche zu verstehen geben, mit der Intelligenz des Herzens, dass das Evangelium als Botschaft verkündet wird, als frohe Botschaft, die sich auf die Person Jesu, den Sohn Gottes und Erlöser des Menschen, konzentriert.

In diesem Sinn, werden uns die bevorstehenden, erleuchtenden Überlegungen Seiner Eminenz, Kardinal Präfekt der Heiligen Kongregation für den Klerus, sowie Präsidenten der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, sowie die nachfolgenden Mitteilungen einiger Laien zu wichtigen Aspekten der Katechese den Weg aufweisen: „die Katechese muss dem Menschen helfen Christus zu treffen, einen Dialog mit ihm zu führen, in Ihn einzutauchen“(Johannes Paul II., Ansprache des ad limina-Besuchs der Bischöfe Litauens, 17. September 1999, in L’O.R. Nr. 215/1999, p.7).

Wenn dieses vibrierende Treffen mit Christus fehlt, wird das Christentum zu trockenem Boden, wo die Winde der Verweltlichung und des doktrinalen und existentiellen Relativismus herrschen und wo die Götzenversuchungen von Sekten voller falschem Spiritualismus ungestört die Oberhand ergreifen. Wir wissen sehr gut, dass mit der Fleischwerdung des Wortes, unsere menschliche Geschichte aufgehört hat, trockener Boden zu sein wie es vor der Fleischwerdung schien, um die Bedeutung und den Wert der universellen Hoffnung aufzunehmen. Tatsächlich hat sich „Gott mit der Fleischwerdung des Sohnes Gottes in gewisser Weise jedem Menschen genähert “ (Gaudium et spes, Nr. 22).

Um einen Ausdruck des Heiligen Irenäus zu verwenden, den der Heilige Vater so sehr schätzt, „dürfen wir uns mit der Katechese nicht erlauben, der Welt ein Bild des trockenen Bodens zu geben, nachdem wir das Wort Gottes erhalten haben, das wie Regen vom Himmel heruntergefallen ist; noch können wir je fordern ein Brot zu werden, wenn wir vermeiden, dass das Mehl mit dem Wasser vermengt wird, das in uns ausgeschüttet worden ist “ (Johannes Paul II., Incarnationis mysterium, 4; vgl. Sankt Irenäus, Gegen die Häresien, III,17: PG 7,930)

Die Menschheit braucht das Wort, „das Wort Gottes, das in Euch, die ihr glaubt, wirkt“ (1 Thess 2,13), und das Sakrament, das in der Geschichte die rettende Aktion Jesus präsent macht und verlängert.

Die Katechese wird also wirksam sein, wenn sie es verstehen wird, im Dritten Jahrtausend Leitfaden und Weg des Menschen auf seine sakramentale Kommunion mit Christus zu sein und jene Wärme auslösen wird, wie der erste Brief des Apostels Johanne, der begann: „Das was vom Anbeginn war, was wir gehört habe, was wir mit unseren Augen gesehen haben (…) verkünden wir auch euch, damit ihr in Kommunion mit uns sein könnt. Unsere Kommunion ist mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus“ (1 Joh 1,3).

Das also ist die freudige und originelle Pädagogik des Glaubens: es geht nicht darum, nur ein menschliches Wissen zu vermitteln, wenn auch das höchste; sondern darum, in seiner Integrität und Lebendigkeit in der Person des Fleisch gewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Wortes, die Kraft und das Wissen Gottes zu verkünden. Es ist ein Wissen, das auch und hauptsächlich mit der Kraft eines Zeugnisses eines heiligen Lebens von Seiten des Katecheten bezeugt wird.

3. Dies alles wird, wenn auch kurz, so doch bewundernswert in den Arbeiten entwickelt werden, die morgen früh weitergehen werden. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Wirksamkeit der Evangelisierung zum großen Teil von der Heiligkeit der Priester und Diakone abhängt, „kluge Mitarbeiter der bischöflichen Ordnung“ (Lumen gentium, 28), die über ihre kapillare Aktion unter der Herde, die ihnen anvertraut wurde, versichern können, dass jede christliche Gemeinde mit dem Wort Gottes genährt und von der Gnade der Sakramente unterstützt wird. Aber abgesehen von den spezifischen pastoralen Aufgaben, muss man ein neues, tiefgreifendes Bewusstsein nähren, dass nämlich die Herausforderung der neuen Evangelisierung nicht angemessen angegangen werden kann, wenn man sich nicht auf die prophetische Aufgabe aller Getauften stützt, wie es unter anderem im Generaldirektorium für die Katechese hervorgehoben wird.

Mit den Worten von Johannes Paul II. müssen wir ausrufen, dass „es an der Zeit ist, dass die christlichen Gemeinschaften zu Gemeinschaften der Verkündigung werden!“ (Ansprache anlässlich des ad limina-Besuchs der Bischöfe Litauens, ibidem.)

Man muss dringend mit der Katechese selbst eine Laienspiritualität stützen, die den christlichen Laien hilft, ihre Berufung zur Heiligkeit tiefgreifend zu leben „indem sie die weltlichen Dinge Gott entsprechend behandeln und ordnen“ (Lumen gentium, 31).

Aus diesem Grund hat man in diesem Jubiläum der Katecheten, die Künste und Berufe der Laien hervorgehoben, die Instrumente der Katechese sein können und müssen, wahre Hefe Gottes, für ein weitreichendes und wirksames Zeugnis des Katecheten in der Gesellschaft, für den Schutz jener menschlichen und christlichen Werte, die die Zukunft der Menschheit ausmachen werden. Wir beziehen uns besonders auf den Respekt des menschlichen Lebens, auf die Einheit der Familie, die Verteidigung der Würde der Arbeit, im weitreichenden Bereich der bürgerlichen und politischen Strukturen, der sozialen Kommunikation und des künstlerischen Ausdrucks.

Zum Abschluss dieser einleitenden Überlegungen sagen wir, dass niemand in der Kirche sich als passives Subjekt betrachten kann. Wir alle können die Worte des Paulus ausrufen: „Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde “ (1 Kor 9,16). „Necessitas mihi incumbit“: denn ein Zwang liegt auf mir!

Das Treffen heute morgen mit dem Nachfolger Petri soll uns Ermunterung und Antrieb sein, um mit noch stärkerem Glauben und Unternehmungsgeist das missionarische Mandat anzugehen, das wir alle als Getaufte von Jesus erhalten haben.

Der Allerheiligsten Maria, Stern der neuen Evangelisierung, „die ganz auf Christus orientiert und auf die Enthüllung seiner rettenden Kraft entgegengeneigt ist“ (Johannes Paul II., Redemptoris Mater, Nr. 22), vertrauen wir uns und all diejenigen an, die sich an der Schwelle zum Dritten Jahrtausend in der Diakonie der Wahrheit einsetzen.

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Quelle

Vatikanreform: Neue Aufgaben für Erzbischof Paglia

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Erzbischof Vincenzo Paglia

Erzbischof Vincenzo Paglia wird neuer Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, gleichzeitig übernimmt er das Amt des Großkanzlers des Instituts „Johannes Paul II.“ für Studien zu Fragen von Ehe und Familie. Das gab der Vatikan an diesem Mittwoch bekannt. Paglia war bisher Präsident des Päpstlichen Familienrates, der in einem neuen Dikasterium aufgeht.

Innerhalb des neuen Dikasteriums übernimmt Paglia nun diese neuen Aufgaben. Dass das Institut und die Akademie künftig eng mit dem neuen Dikasterium zusammen arbeiten werden, hatte der Papst schon am 4. Juni dieses Jahres bekannt gegeben.

Präsident des Päpstlichen Instituts „Johannes Paul II.“ wird der italienische Fundamentaltheologe und Musiker Pierangelo Sequeri, bislang Präsident der Theologischen Fakultät in Mailand.

Neue Zugehörigkeit des Instituts

Bislang gehörte das Institut zur Päpstlichen Lateranuniversität, Großkanzler der Uni ist der Päpstliche Kardinalvikar für das Erzbistum Rom, Agostino Vallini. Mit dem Wechsel des Instituts unter das Dach der neuen Vatikaninstitution war eine neue Benennung nötig geworden.

Der bisherige Präsident des Instituts, Prof. Livio Melina, scheidet aus seinem Amt aus.

 

(rv 17.08.2016 ord)