Pilgerströme aus dem Libanon kommen zum Jubiläum nach Fatima

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Wien/Beirut. Das Fatima-Jahr wird auch bei den Maroniten groß gefeiert. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums wird das Marienheiligtum Fatima am 24. Juni einen »Tag für den Libanon« feiern, zu dem große Pilgerströme aus dem Zedernstaat in Portugal erwartet werden. Beim Gottesdienst in der Marienbasilika mit Kardinal-Patriarch Bechara Boutros Raï wollen die katholischen Patriarchen aus dem Nahen Osten die Weihe Libanons an Maria erneuern, wie die Stiftung »Pro Oriente« berichtete.

Die im Libanon beheimatete maronitische Kirche begeht 2017 als »Jahr des Martyriums und der Märtyrer«, das zahlreiche spirituelle und kulturelle Veranstaltungen umfassen soll. Auftakt des Jahres war der 9. Februar, Fest des heiligen Eremiten Maron, der als Begründer der maronitischen Tradition angesehen wird. Das Gedenkjahr wird bis zum Fest des ersten maronitischen Patriarchen am 2. März 2018 dauern. Kardinal Raï betonte in einer Botschaft die »Aktualität und Opportunität« des Themas angesichts der Tatsache, dass die Kirche heute an vielen Orten, vor allem im Nahen Osten, der Verfolgung ausgesetzt sei.

Bei ihrem letzten Monatstreffen am 1. Februar hat die Versammlung der maronitischen Bischöfe ein neues Wahlrecht für den Libanon eingefordert, das eine gerechte Repräsentation aller sozialen und religiösen Komponenten der libanesischen Gesellschaft garantiert. In einer gemeinsamen Verlautbarung unterstrichen die Bischöfe die Notwendigkeit »der Beschleunigung der Debatte über das neue Wahlrecht«.

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Quelle: Osservatore Romano 6/2017

Meditation mit dem Rosenkranz im Fatima-Jahr: Die lichtreichen Geheimnisse

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„Man kann sagen, dass alle Heiligen das Werk der allerseligsten Jungfrau sind und deren besondere Verehrung für sie das Kennzeichen, das sie alle gemeinsam haben“ (hl. Maximilian Kolbe) Foto: StockSnap via Pixabay

Von Monsignore Florian Kolfhaus

2017 feiern Katholiken in aller Welt den 100. Jahrestag der Erscheinungen Unserer lieben Frau in Fatima. Es ist ein „marianisches Jahr“, das uns an die Bitten der Mutter Gottes erinnert, täglich den Rosenkranz zu beten, damit endlich Frieden werde. In besonderer Weise empfiehlt sie die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens – Sinnbild der vollkommenen Liebe – und verheißt allen, die an fünf ersten Monatssamstagen beichten (auch einige Tage vorher oder nachher), würdig die heilige Kommunion empfangen, den Rosenkranz beten und 15 Minuten über eines seiner Geheimnisse nachdenken, um so Maria zu trösten und Sühne zu leisten, den Himmel. Ein größeres Versprechen – so zu sterben, dass man das Ziel seines Lebens, die ewige Seligkeit, nicht verliert – gibt es nicht.

CNA veröffentlicht aus diesem Anlaß im Fatimajahr mit freundlicher Genehmigung von Msgr. Dr. Florian Kolfhaus seine Betrachtung zu den Rosenkranzgeheimnissen aus: „Der Rosenkranz – Theologie auf Knien“ (Dominus-Verlag, Augsburg). 

Die lichtreichen Geheimnisse

„Jesus, der von Johannes getauft worden ist“

„Man kann sagen, dass alle Heiligen das Werk der allerseligsten Jungfrau sind und deren besondere Verehrung für sie das Kennzeichen, das sie alle gemeinsam haben“ (hl. Maximilian Kolbe)

In Scharen ziehen die Menschen zum Jordan, um von Johannes die Bußtaufe zu empfangen. Zöllner und Ehebrecher, Huren und Diebe, gewalttätige Soldaten und eitle Kaufleute sammeln sich um ihn, um endlich Verzeihung ihrer Sünden zu erlangen. Unter ihnen steht einer, der vollkommen unschuldig ist, sich aber nicht scheut, „Freund der Sünder“ (Mt 11, 19) genannt und „unter die Verbrecher gezählt“ (Mk 15, 28) zu werden. Er, der keine Vergebung für sich zu erbitten braucht, findet sich in ihren Reihen, um für sie das Heil zu erlangen. Er fürchtet nicht um seinen guten Ruf und sein untadeliges Ansehen. So wie er in den Wassern des Jordan eintaucht, geht er jetzt in der Masse der Verlorenen unter. Er, der keine Sünde kannte, ist für uns zur Sünde geworden (2 Kor 5, 21).

Der letzte Prophet des alten Bundes erkennt als Einziger in der Reihe der Sünder, das Lamm, das eines Tages die Gerechten anführen wird (Offb 14, 13). Johannes sieht den, der seine Sandalen löst, um in den Fluss zu steigen, obwohl doch er sich beugen müsste, um dem Meister, der über den See schreitet, die Schuhe auszuziehen (vgl. Mt 3, 11). Der Herr kniet vor seinem Knecht. Nur weil Christus diese Taufe empfängt, wird jene, die er selbst in der Kirche spenden wird, die Kraft haben, Sünden zu vergeben. Nur weil er hinabsteigt, wird er uns hinaufführen können. Sein Untergang in den Wassern des Jordans ist Vorausbild jener blutigen Taufe, die er am Kreuz empfangen wird (vgl. Mk 10, 38). Das Lamm, das der Täufer mit zitternder Hand in den Fluss taucht, wird mit brutaler Gewalt in seinem eigenen Blut ertränkt werden. Doch da erhebt sich der Herr aus den Fluten und der Himmel öffnet sich. Er wird auferstehen, um alles Leid abzuschütteln wie die Wassertropfen des Jordan. „Das ist mein geliebter Sohn!“ Diese Stimme aus der Höhe, die die Antwort des Vater auf die Demut des Menschensohnes ist, wird jeder hören, der durch die Taufe Kind Gottes wird. „Das ist mein geliebter Sohn“ (Mt 3, 17) wie oft hat dieses Wort auch Maria gesagt? Als sie davon erfährt, dass sich ihr Kind mit Räubern und Taugenichtsen von Johannes hat taufen lassen, weiß sie, dass er schon bald beginnen wird, wozu er in diese Welt gekommen ist. Sie versteht, dass er aus dem Jordan gestiegen ist, um eine einer anderen Taufe entgegenzugehen. Noch kann sie ihn nicht begleiten. Dann aber, wenn Johannes längst ermordet ist, wird sie an seiner Seite stehen. Wenn er am Kreuz stirbt und keine Stimme vom Himmel erschallt, wird die Mutter bezeugen, das das Wort des Hauptmanns wahr ist: „Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn“ (Mt 27, 54). Der Vater hat sein Wohlgefallen gefunden an der Bereitschaft Jesu, in das Leiden einzutauchen und sein Leben hinzugeben. Auch Maria wird diesem Opfer zustimmen, selbst wenn es ihr das Herz zerreißt. Während Christus sich unter der Hand des Täufers beugt, neigt auch sie ihr Haupt und sagt noch einmal „fiat“.

Jesus und Maria sind die beiden einzigen Menschen, die der Taufe nicht bedürfen. Das Lamm und die Taube kennen keine Sünde, von der sie gereinigt werden müssten, aber gerade deshalb sind sie es, die das Heil der Welt bringen und Sündern zu Heiligen machen. Beide sind in den brausenden Fluten Golgothas untergegangen, damit ich auferstehe und lebe. Den Kelch, den die Apostel nicht trinken konnten (vgl. Mk 10, 38), hat Maria aus der Hand ihres Sohnes entgegengenommen, und die Taufe, vor der die Jünger geflohen sind, hat sie unter dem Kreuz empfangen, als Blut und Wasser aus der Seite Jesu geflossen sind. Das alles für mich. Das alles, damit sie mich heilig macht.

„Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat“

„Man bittet Gott um viele Dinge und erhält sie nicht. Man bittet Maria um viel und man erhält es. Warum ist das so? Nicht weil Maria mächtiger ist als Gott aber Gott will dadurch seine Mutter ehren.“ (Hl. Alfons Maria von Liguori)

Jesus wirkt sein erstes Wunder. Er verwandelt Wasser in Wein. Drei Jahre später wird sein letztes Wunder auf Erden geschehen, wenn er Wein zu Blut wandelt. Beide Male geschieht es auf einer Hochzeit. In Kana ist er Gast, im Abendmahlssaal lädt er selbst an seinen Tisch. Jetzt feiert er den Ehebund eines Freundes, dann aber schließt er ihn mit seiner Kirche. Er ist das Lamm, das Hochzeit hält, und sich mit seiner Braut vereint, wenn sie aus dem Kelch trinkt, den der Herr ihr reicht. Es ist der Neue und Ewige Bund, den der göttliche Bräutigam schließen will, mit dem Trank seines eigenen Blutes. Das ist der wahrhaft köstliche Wein den der Herr bis zum Ende seines Lebens zurückhält (vgl. Joh 2, 10), bevor er ihn an seine Jünger austeilt.

Maria ist bei Jesus. Sie weist ihn auf die Not der Brautleute hin, die keinen Wein mehr haben. Sie muss nicht einmal eine Bitte aussprechen, um Hilfe zu bringen. In diesem Moment wird die Mutter zur Braut, Christi Gebärerin zu seiner Gefährtin. Jesus nennt Maria „Frau“. Damit gibt er ihr den alten Titel aus der Urzeit der Schöpfung, mit dem Gott die Feindin der Schlange vorhergesagt hat (vgl. Gen 3, 15). Noch ehe sich Christus als der Messias und Herr durch das Wunder von Kana zeigt, offenbart er, wer seine Mutter ist. Diese Frau ist die neue Eva, die den Erlöser begleitet. Jesus weiß, dass das verborgene und glückliche Leben in Nazareth endgültig vorbei ist, wenn er tut, worum Maria ihn stumm bittet. Er weiß, dass das erste Zeichen des Messias ihn einen Weg betreten lässt, der erst auf Golgotha enden wird. Dort wird er Maria wieder „Frau“ nennen. Fast will er diesen Moment hinauszögern, wenn er nicht mehr zur Mutter, sondern zu der Frau sagt: „Was habe ich mit dir zu schaffen?“ (Joh 2, 4). In diesem Augenblick sieht Jesus das Kreuz, vor dem er als Mensch zurückschreckt, als würde er ausrufen wollen: „Mutter, was habe ich mit diesem Leid zu schaffen?“. Er will noch nicht gehen: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ (Joh 2, 4) Und doch: Jesus verwandelt ihretwegen Wasser in Wein. Er erhört sie, weil er so seine Mutter ehren will. Christi erstes Wunder rettet die Hochzeit. Sein letztes wird die Seelen derer retten, die zum Hochzeitssmahl des Lammes geladen sind (vgl. Offb 19, 9). Mariens Bitten, die diese selige und doch so schreckliche Stunde eher anbrechen lassen, lösen nicht nur die materielle Not der Brautleute, sondern heilen das geistliche Leid der Sünder. Für sie drängt die Mutter ohne Worte den Sohn, sich endlich als Bräutigam zu zeigen. Sie, die Verlorenen die am Straßenrand und an den Hausecken stehen, sollen von ihm eingeladen werden zu jener Hochzeitsfeier, die kein Ende kennt. Sechs gewaltige Wasserkrüge verwandelt der Herr in brausenden Wein, damit die irdische Feier noch Tage dauern kann. Nach jüdischer Sitte müssten es jedoch sieben sein. Das letzte Gefäß wird sein Leib sein, aus dem sich der wahre Trank des Lebens ergießt, der niemals zur Neige geht und ein himmlisches  Fest schenkt, das nicht enden wird.

„Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2, 5). Das ist das letzte Wort, das uns die Heilige Schrift von Maria berichtet. Sie sagt es, um Jesu erstes Wunder vorzubereiten. Wenn sein letztes geschieht, wird er dieses Wort wiederholen, um seinen Aposteln aufzutragen, immer wieder Wein in sein Blut zu verwandeln: „Tut dies!“ (Lk 22, 19).  Mariens Auftrag reicht weit über die Hochzeit von Kana hinaus. Er, der Wasser in Wein und Brot in sein Fleisch wandelt, der kann auch mein Leben verwandeln und seinem ähnlich machen. Hilf mir, „bittende Allmacht“, dass ich tue, was er sagt, damit dies Wunder an mir geschehe.

„Jesus, der uns das Reich Gottes verkündigt hat“

„Ich weiss, wen ich nach Gott lieben muss: es ist meine Mutter, es ist Eure Mutter, es ist die Mutter aller Menschen. Wenn Ihr wüsstet, wie lieblich und schön die Madonna ist. Sie ist es, durch die wir Jesus haben. Sie ist es, durch die wir Gnaden empfangen. Was würde nur ohne diese gute Mutter aus uns Armen werden?“ (hl. Josef Benedikt Cottolengo)

Jesus ist König. Er ist in diese Welt gekommen, um seine Herrschaft zu errichten. Er hat die Kirche gegründet, damit sich sein unsichtbares Reich der Gnade, das in den Herzen der Menschen wächst, sichtbar darstelle und ausbreite. Wo immer die eine Kirche ist, die Christus auf Petrus gründen wollte, da findet sich die göttliche Wahrheit, die der Herr den Aposteln anvertraute, damit sie das Heil verkündigen; da sind all die Mittel, die Heiligkeit schenken und so das Reich Gottes in den Seelen erschaffen und festigen. Jesus ist der neue Moses, der das Gesetz der Gnade nicht mehr auf steinerne Tafeln schreibt, sondern in Herzen aus Fleisch und Blut. Er schafft ein neues Volk, das er durch die Wüste dieser Erde, in das Gelobte Land führt. Seine Jünger sollen den Himmel erobern und das Reich in Besitz nehmen, das jetzt schon angebrochen ist, aber noch auf seine Vollendung wartet.

Jesus ist der Herr. Seine Krone glänzt jedoch nicht in Gold und Edelsteinen, sondern ist aus Dornen geflochten. Er trägt nicht den Purpur der Cäsaren, sondern das Spottkleid heidnischer Soldaten. Sein Thron ist das Kreuz. Dort wird er seiner verstreute Gefolgschaft nur noch sieben Worte hinterlassen können, ehe sein Herz bricht. Vor seinem Tod auf Golgotha bezeugt er aber mit sieben Zeichen, dass er der Messias ist, mit dessen Kommen, das neue Reich Davids anbricht. Er ist Gottes Sohnes, der Wunder wirkt und Sünden vergibt. Er ist gekommen, den Verlorenen Verzeihung zu bringen. Was er auf machtvolle Weise an den leidenden Leibern einiger Kranken tut, das wirkt er als göttlicher Arzt in den Seelen aller, die ihn um Erbarmen bitten. Sünder, Besessene und Kranke bilden den Hofstaat dieses Königs, der ihnen Heilung schenkt, um mit ihnen seinen Reich zu bevölkern. Die Thronrede, die der ans Holz genagelte Herr auf jenem Felsen vor der Stadt nicht mehr halten kann, richtet er auf einem anderen Berg an sein erwähltes Volk, das das Erbe der Stämme Israels antreten soll. Umgeben von den Jüngern, aus denen er Zwölf erwählen wird, preist Jesus die selig, die ihr Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen (vgl. Mt 5, 1). Was seine Worte sagen, zeigen drei Jahre später die blutigen Spuren an seinem Leib (vgl. Mt 5, 3-10):

Selig, die Armen, sagt der nackte König am Kreuz!

Selig die Trauernden, spricht der vor Schmerzen weinende Herr!

Selig, die keine Gewalt anwenden, lehrt der Allmächtige, der ohnmächtig am Pfahl hängt.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, stottert mit ausgebrannter Kehle der unschuldig Verurteilte.

Selig die Barmherzigen, bekennt der, der seinen Henkern vergibt, weil sie nicht wissen, was sie tun.

Selig, die ein reines Herz haben, verkündet der Erlöser, aus dessen Seite Blut und Wasser strömen, um damit jede Sünde abzuwaschen.

Selig, die Frieden stiften, bezeugt der Heiland der Welt, dessen Tod Himmel und Erde versöhnt hat (vgl. Kol 1, 20).

Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, belehrt der Meister seine Schüler, denen das gleiche Los beschieden ist, wie ihrem Herrn auf Golgotha.

Das ist die Verfassung des Reiches, das Christus mit seinem Kreuz gestiftet hat. Das ist das Gesetz des Neuen Bundes.

Maria ist Königin im Reiche Gottes; nicht nur, weil sie den geboren hat, „der herrschen muss“ (vgl. 1 Kor 15, 25), sondern weil sie die wahrhaft Selige ist, die wie kein anderer erfüllt hat, was der Herr von seinen Jüngern erwartet. Sie musste als Einzige nicht die Bergpredigt ihres Sohnes hören, doch auf der Schädelhöhe durfte sie nicht fehlen. Als der Dornenkönig im Purpur seines Blutes die alte Schlange niederringt und seine Herrschaft antritt, steht sie an seiner Seite. In dieser Stunde wird sie unser aller Mutter. So hat sie Anteil am Sieg des Königs. Wenn wir ihn bitten „Dein Reich komme“ (Mt 6,10), so wollen wir in gleicher Weise, das das ihre anbricht.

„Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist“

„Noch bevor er von ihr geboren wurde, hat er sie gekannt und vorherbestimmt, noch bevor er sie als Gott erschaffen hat, kannte er die Mutter, aus der er als Mensch Geschöpf wurde“ (Hl. Augustinus)

Petrus, Johannes und Jakobus, die drei Apostel, die am Ölberg die Angst Jesu sehen werden, sollen jetzt die Herrlichkeit des Sohnes schauen. Der „Fels“ (vgl. Mt 16, 18) darf mit einigen Augen erblicken, was er wenige Tage zuvor in der Kraft des Geistes bekannt hat: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16, 16) Und die „Donnersöhne“ (Mk 3, 17), die zur Rechten und zur Linken des Meister sitzen wollen (Mt 20, 21), stehen nun an seiner Seite, da er seine Herrlichkeit offenbart. Auf dem Tabor werden Glaube und Sehnsucht, Hoffnung und Erwartung der Jünger für einen Moment im Schauen erfüllt, um in der jungen Kirche zum felsenfesten Grund des Bekenntnisses und zum donnernden Zeugnis der Wahrheit zu werden. Auf jenem Berg, von dem aus man in der Ferne das Dorf Nazareth sieht, offenbart sich das Kind Mariens als Sohn des ewigen Vaters.

Moses und Elija erscheinen, um zu bezeugen, dass Jesus der verheissene Messias ist, von dem das Gesetz und die Propheten sprechen. Er ist das Manna in der Wüste, der Fels, aus dem Wasser sprudelt, das Feuer des Dornbusches, der nicht verbrennt. Alles, was die Schriften des Moses erzählen, spricht von ihm, um das erwählte Volk auf seine Ankunft vorzubereiten. Moses hat, gestützt von zwei Männern, den ganzen Tag die Arme zum Gebet erhoben (Ex 17, 8 – 16) ,um den Sieg zu erflehen. Christus wird, ans Kreuz genagelt, als Hoherpriester beten, um über den Feind zu triumphieren und wie Elija, brennendes Feuer vom Himmel schicken (1 Kön 17 – 47), um das Land von allen Götzen zu reinigen. Jesus ist der Herr, der die Macht hat zu vollenden, was seine Diener im Alten Bund begonnen haben. Auf dem Tabor fallen die Jünger des Neuen Bundes vor ihm nieder, wie sie es tun werden, wenn er als der siegreiche und auferstandene König sich den Seinen zeigt. Petrus – ohne recht zu wissen, was er in diesem glorreichen Moment sagen soll – will drei Hütten bauen. Doch der, der auf dem einen Berg bleiben will, wird vor dem anderen fliehen, auf dem eben dieser Sieg errungen werden muss. Er, der vor genau sechs Tagen, die Botschaft Jesu vom leidenden Gottesknecht ablehnte, will nun für immer die Herrlichkeit genießen. Aber dieser siebte Tag, an dem Gott ruhte und seinem Volk nach der Mühe des Kampfes Erholung schenkt, kann erst anbrechen, wenn jener Freitag vorbei ist, an dem der neue Moses die blutige Schlacht gegen die Feinde schlägt und der wahre Elija sich den Dienern der Dämonen stellt. Christus wird nicht, wie die Pharisäer meinen, den Propheten um Hilfe rufen (vgl. Mt 27, 47), sondern selbst das Werk erfüllen und die Macht des Bösen brechen. Es gibt kein Bleiben auf dem Tabor, wenn vorher nicht Golgotha bestiegen wurde. Es sollen keine Hütten errichtet werden, so lange der Eckstein, den die Bauleute verwarfen (Mt 21, 42), nicht zum Grundstein des Hauses Gottes geworden ist.

Wahrscheinlich hat Maria vom Fenster ihres Hauses in Nazareth das Leuchten auf dem Tabor nicht gesehen. Sie musste nicht dabeisein, als ihr Sohn den drei Aposteln offenbart, Gottes Sohn zu sein, der in diese Welt gekommen ist, um die Menschheit zu erlösen. Die Jungfrau kennt den Vater ihres Kindes. Sie weiß, dass der, der neun Monate in ihrem Schoß geborgen war, der Eingeborene des Allmächtigen ist, der in ewiger Liebe, die weder Anfang noch Ende kennt, bei ihm ruht. Der, den die Stimme aus der Wolke als den „geliebten Sohn“ (Mt 17, 5) bekennt, ist der ihre. Sie braucht dieses Wort nicht aus der Höhe zu hören, weil sie es unablässig in ihrem herzen vernimmt.

„Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat“

„Der anbetungswürdige Erlöser hat sich nur einmal dem Vater auf dem Altar des Kreuzes geopfert, aber seine heilige Mutter hat ihn zehntausendmal dargebracht auf dem Altar ihres Herzens. Dieses Herz war wie ein Priester, der ihn geopfert und sich selbst mit ihm dargebracht hat. Und so kann man sagen, dass dieses wunderbare Herz in diesem Opfer das Amt des Priesters ausgeübt hat und zugleich Opfergabe und Altar war. Oh! Wie viel Ehre schuldet man diesem heiligen Priester, wie viel Ehrfurcht diesem kostbaren Opfer, wie viel Verehrung diesem heiligen Altar“ (hl. Johannes Eudes).

Jesus schickt die Jünger voraus, um das letzte Mahl vorzubereiten. In geheimnisvoller Weise deutet er ihnen den Ort an, um ihn vor Judas, der ihn verraten sollte, zu verbergen. Niemand darf das, was da geschehen soll stören. Die Stunde des Gottessohnes, auf die sein ganzes Leben zulief, bricht endlich an. Die Apostel sollen einem Mann mit einem Wasserkrug nachgehen (vgl. Lk 22, 10), bevor sie dem zum Festsaal folgen, der ihnen dort den Trank des Lebens gibt.  Mit Bedacht wählt Jesus einen großen Raum aus, der mit Polstern ausgestattet ist (vgl. 22, 12). An diesem Abend, an dem er den kostbaren Kelch des Paschageschirrs benutzen wird, duldet der Reichtum, den Jesus austeilen wird, weder Bescheidenheit noch Sparsamkeit, weder herbe Kargheit noch nüchternes Gehabe. Für dieses letzte Fest, das doch ewig dauern wird, leert der Herr die Kasse der Jünger. Das Opfer von Kalvaria, das in der Herrlichkeit des Himmels gefeiert werden wird, darf in seiner geheimnisvollen Vorwegnahme am Gründonnerstag nicht die Gestalt eines Mahls armer Leute tragen.

Viele Male war Jesus zu Gast in den Häusern der Sünder, die ihn, der ihnen solche Liebe zeigte, überreich bewirteten, ihm die Füße wuschen und sein Haupt mit Öl salbten. Jetzt aber hält der Herr kein Mahl der Sünder, sondern gewährt als Gastgeber nur denen Einlaß, die ein festliches Gewand haben (vgl. Mt 22, 12). Bis auf einen sind sie alle, die vom Bade der Gnade kommen, schon rein und brauchen sich nur noch die Füße waschen zu lassen (vgl. Joh 13, 9), ehe sie zu dem Tisch hintreten, der der durch den Vorsitz Jesu zum Altar geworden ist. Hier werden die Freunde des Galliläers zu Priestern des Neuen Bundes geweiht. Hier werden die Männer, die ihm drei Jahre gefolgt sind, zu wahren Aposteln, die gesandt sind, ihn in die Welt zu tragen. Ab heute werden sie ihn in Händen halten, wann immer sie das wiederholen, was er ihnen an diesem Abend aufträgt. Das wahre Paschalamm, das am folgenden Tag blutig geschlachtet wird, gibt sich auf geheimnisvolle Weise den Seinen zur Speise. Die Rebe, aus der morgen der letzte Tropfen gepresst wird, vergießt heute schon ihr Blut. Der Hohepriester, der in wenigen Stunden seinen entstellten Leib als Opfergabe darbringen wird, feiert diese eine wahre Liturgie am Vorabend seines Leidens unter heilbringenden Zeichen und befähigt seine Jünger, dies bis zum Ende der Zeiten zu tun. Jesus schenkt sich selbst – zugleich dem Vater, der mit Wohlgefallen auf dieses neue, von den Propheten verheißene Speiseopfer (Mal 1, 11) schaut, und seinen Freunden, die ihn nicht nur mit dem Mund, sondern mit dem Herz empfangen. Dank der Eucharistie sind wir mit den Aposteln im Abendmahlssaal, stehen wir mit Maria unter dem Kreuz, feiern wir schon heute das Fest der Engel, die das geschlachtete Lamm anbeten. Im Opfer Christi verschwinden die Grenzen von Raum und Zeit, Himmel und Erde, um alle zu dem einem Leib zu vereinen, der ihnen als Speise gereicht wird. Die heilige Messe ist Jesus – das Kind im Schoß der Mutter, der Neugeborene in Bethlehem, der Hohepriester im Abendmahlssaal, der Erlöser am Kreuz, der auferstandene Sieger über den Tod, das Lamm, das Hochzeit hält.

Maria ist nicht im Abendmahlssaal. Sie empfängt nicht mit den Aposteln die Priesterweihe, denn kraft ihrer Gottesmutterschaft darf sie sagen, was der Priester nur in den heiligsten Momenten seines Dienstes aussprechen kann: „Das ist mein Leib“. Jesus ist ihr Fleisch und Blut. Und weil sie als Mutter und Mittlerin nicht aufhört, der Welt Christus zu schenken, ist sie immer dabei, wenn  jene Worte des Abendmahlssaals ihn wahrhaft gegenwärtig werden lassen. Durch sie kommt er auf unsere Erde, durch sie finden wir zu ihm. Das große Sakrament des Leibes und Blutes Christi schenkt uns daher auch die geistliche Nähe der Mutter, die immer bei ihrem Sohne ist.

Die bereits veröffentlichten Betrachtungen der freudenreichen Geheimnisse lesen Sie hier.

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Diözesane Phase des Seligsprechungsverfahren von Schwester Lúcia dos Santos wird am 13. Februar abgeschlossen

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Lúcia Rosa Dos Santos (Rechts) / Wikimedia Commons – Webseite Santuario De Fátima, Public Domain

Als Kind war ‪„Irmã Lúcia“
zusammen mit einer Cousine und einem Cousin
Zeugin der Marienerscheinungen in Fátima

Am 13. Februar 2017 wird im portugiesischen Coimbra die diözesane Phase des Seligsprechungsprozesses von Schwester Lúcia dos Santos (1907-2005) abgeschlossen. Danach wechselt das Verfahren nach Rom.

Im Alter von zwölf Jahren war Lúcia dos Santos Zeugin der Marienerscheinungen in Fátima. Während des Seligsprechungsverfahrens wurden sämtliche Schriften der 2005 verstorbenen Ordensschwester gesichtet sowie alle Zeugenaussagen, die ihre Heiligkeit und ihren tugendhaften Lebensstil bezeugen.

Der Bischof emeritus von Meaux, in Frankreich, Msgr. Albert-Marie de Monléon O.P., bezeichnete Schwester Lúcia in einem Interview als Mutter der Barmherzigkeit und erinnerte daran, dass ihre Gebete den Armen und dem Frieden in der Welt gegolten hätten. Dieser Werke der Barmherzigkeit habe unsere Welt am meisten nötig.

Lúcia dos Santos wurde am 22. März 1907 in Aljustrel bei Fátima geboren. Von Mai bis Oktober 1917 hatte sie beim Hüten der Schafe gemeinsam mit ihrer Cousine Jacinta Marto und ihrem Cousin Francisco Marto in der Cova da Iria bei Fátima Marienerscheinungen. 1926 trat sie in das Kloster von Tuy ein, 1928 legte sie die Gelübde ab, 1934 die ewige Profess. 1948 schloss sie sich dem Karmel in Coimbra an und erhielt den Ordensnamen Maria Lúcia von Jesus und vom Unbefleckten Herzen (‪„Maria Lúcia de Jesus e do Coração Imaculado“). Sie starb am 13. Februar 2005.

Ihr Seligsprechungsprozess wurde bereits 2008 eingeleitet, d.h. vor Ablauf der üblichen Fünfjahresfrist nach dem Ableben.

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Video: Heiligsprechungsverfahren für Schwester Lucia, das Hirtenkind von Fatima

Die letzte Seherin Fatimas ist der Heiligkeit ein Stück näher gekommen: In einigen Wochen wird der Vatikan das Seligssprechungsverfahren für Schwester Lucia Dos Santos entgegennehmen.

Schwester Lucia de Jesus war die einzige Überlebende der Hirtenkinder von Fatima. Francisco und Jacinta starben kurz nach den Erscheinungen im Jahr 1917. Schwester Lucia wurde eine Karmeliterin und starb im Jahr 2005, im Alter von fast 98 Jahren. Sie war es, welche die berühmten Geheimnisse von Fatima der Kirche vermittelte.

Papst Benedikt XVI. erließ die fünfjährige Wartezeit bis zum Beginn des Heiligsprechungsverfahrens.

Am kommenden 13. Februar schließt die diözesane Phase des Prozesses, der sie zur Ehre der Altäre erheben kann.

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