„Ich habe Petrum als Hirten und Hüter aller meiner Schafe eingesetzt. Du aber bist ein Zerstreuer und Zerreißer dersel­ben.“

Mir ist dieser Tage ein Buch in die Hände gefallen mit dem Titel „Die Gerechtigkeit Gottes – Visionen der heiligen Brigitta von Schweden“, ausgewählt und zusammengestellt von Helmut Friedlmayer, entnommen aus „Leben und Offenbarungen der hl. Brigitta“. Neu bearbeitet, übersetzt und herausgegeben von Ludwig Claus. Regensburg 1856. 1992 als Broschüre herausgegeben vom Verlag „Pro Fide Catholica“.

Daraus zitiere ich folgenden für uns besonders wichtigen Abschnitt:

 

Worte des Schöpfers vor den himmlischen Heerscharen und der Braut; wie er über fünf Männer klagt, nämlich über den Papst und seine Geistlichen; von den bösen Laien und den Juden und Heiden; von der Hilfe, welche er seinen Freunden sendet, unter denen alle Menschen verstanden werden; von dem schrecklichen Urteile, das wider die Feinde gefällt worden:

Ich bin der Schöpfer aller Dinge. Ich bin vor dem Morgenstern vom Vater gezeugt und unzertrennlich im Vater, wie der Vater in mir, und ein Geist ist in beiden. Deshalb sind der Vater, der Sohn und der Geist ein Gott, nicht drei Götter. Ich bin’s, der ich dem Abraham eine ewige Herrschaft verheißen und durch Moses mein Volk aus Ägypten geführt habe. Ich bin derselbe, der in den Propheten geredet. Der Vater hat mich in den Leib der Jungfrau gesendet, sich aber nicht von mir getrennt, sondern ist unzertrennlich bei mir geblieben, auf daß der Mensch, der von Gott weicht, durch meine Liebe zu demselben zurückkehrt.

Jetzt aber, vor meinen anwesenden Heerscharen, die ihr freilich alles in mir seht und in mir wisset, jedoch zur Erkenntnis und Belehrung der hier anwesend stehenden Braut, welche das Geistliche nur durch Körperliches zu fassen vermag, beklage ich mich in eurer Gegenwart über die fünf Männer, welche hier vor uns stehen, weil sie mich vielfach beleidigen. Denn, wie ich einst im (alten) Gesetze unter dem Namen Israel das ganze israelitische Volk verstand, so verstehe ich unter jenen fünf Männern alle Menschen in der Welt. Der Erste ist der Herrscher der Kirche mit seinen Geistlichen; der Zweite sind die bösen Laien; der Dritte die Juden; der Vierte die Heiden und der Fünfte meine Freunde. Von dir, o Jude, nehme ich alle aus, welche heimlich Christen sind und mir in aufrichtiger Liebe, im rechten Glauben und mit vollkommenem Werke im Verborgenen dienen. Von dir aber, Heide, nehme ich alle aus, welche gern auf dem Wege meiner Gebote einherwandeln möchten, wenn sie wüßten wie, und wenn sie unterwiesen würden, die aber auch mit dem Werke verrichten, was sie vermögen und wissen. Diese werden keineswegs mit euch gerichtet.

So klage ich denn über dich, du Oberhaupt meiner Kirche, der du sitzest auf meinem Stuhle, den ich Petrus und seinen Nachfolgern übergeben habe, um darauf zu sitzen in dreifacher Würde mit dreifachem Ansehen; erstens, damit sie die Macht hätten, die Seelen zu binden und von der Sünde zu lösen; zweitens, damit sie den Büßenden den Himmel öffneten; drittens, um den Verfluchten und Verächtern den Himmel zu verschließen. Du aber, der du die Seelen lösen und mir vorstellen solltest, du bist wahrhaft der Mörder der Seelen. Denn ich habe Petrum als Hirten und Hüter aller meiner Schafe eingesetzt. Du aber bist ein Zerstreuer und Zerreißer dersel­ben. Du bist ärger als Luzifer. Denn er war neidisch auf mich und trachtete nach nichts weiter, als mich zu töten, um an meiner statt zu herrschen. Du bist aber um so schlimmer, weil du nicht nur mich tötest, indem du mich durch deine argen Werke von mir stoßest, sondern auch die Seelen tötest du durch dein arges Beispiel. Ich habe die Seelen mit meinem Blute losgekauft und dieselben dir als meine treuen Freunde anvertraut. Du aber übergibst sie wiederum dem Feinde, von welchem ich sie losgekauft habe. Du bist ungerechter als Pilatus, welcher außer mir niemanden zum Tode verurteilte. Du aber richtest nicht allein mich, als einen, der keine Herrschaft hat, und als einen Nichtswürdigen, sondern verurteilst auch unschuldige Seelen und läßt die Schuldigen frei. Du bist grausamer als Judas, welcher mich nur verkaufte, du aber verkaufst nicht mich allein, sondern die Seelen meiner Auserwählten um schnöden Gewinn und für einen leeren Namen. Du bist abscheulicher als die Juden. Diese kreuzigten nur meinen Leib, du aber kreuzigst und strafst die Seelen meiner Auserwählten, denen deine Bosheit und Übertretung bitterer ist, als jegliches Schwert. Und deshalb, weil du Luzifer ähnlich, ungerechter als Pilatus, grausamer als Judas und abscheulicher als die Juden, beklage ich mich mit Recht über dich.

_______

Siehe dazu:

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

IV. Die Freunde und Anhänger Jesu

 

1. Die Mutter Jesu zur Zeit Seines Lehrwandels

Ihr ständiger Wohnort

Während des öffentlichen Lehrwandels Jesu bewohnt die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter mit ihrer Magd das nach dem Tode Josephs bezogene Haus zwischen Kapharnaum und Bethsaida. Es gehört dem reichen Levi, der nicht weit davon ein großes Haus bewohnt. Die Familie Petri hat es von ihm gepachtet und Jesu und Maria überlassen.

Das Haus ist geräumig und hat mehrere Nebengebäude, in denen zeitweise Besuche aus Nazareth, Sephoris und Jerusalem, alles Verwandte oder Freundinnen Mariä, und später auch Jünger Jesu wohnen; das Haus scheint deswegen ausgewählt zu sein.

Maria führt keinen Haushalt; sie hat weder Vieh noch Feld. Sie lebt als Witwe von den Gaben der Verwandten von Sephoris und anderer Freunde. Die Diener Levi’s ver­sorgen das Haus regelmäßig mit Lebens­mitteln aus Kapharnaum, säubern und pfle­gen Haus und Garten und bewachen bei Reisen Mariä das Grundstück. Mariä Be­schäftigung ist Spinnen, Nähen und Wir­ken mit kleinen Stäben; Beten, und andere Frauen trösten und unterrichten. Fast immer weilen Besucher bei ihr, doch nimmt sie manchen Besuch aus Nazareth und Jeru­salem, der weit hergekommen, nicht an.

Die Reisen Mariä

Gleich auf Jesu erster Reise im Anfang Juni 31 begleitet Ihn Maria ein Stück We­ges bis Nazareth, wo sie sich bei Ihrer Nichte, Maria Kleophä, zweiundzwanzig Tage bis zur Rückkehr Jesu aufhält. Als der Herr wieder in Nazareth eintrifft, reist sie mit Ihm, mit ihrer Nichte Maria Kleophä und mit achtzehn anderen Bekannten nach Ka­pharnaum zurück. Maria Kleophä läßt sich von nun an mit ihren beiden jüngsten Söhnen im Tale von Kapharnaum in der Nähe des Hauses Mariä nieder.

Einen Monat später trifft sich Maria mit Veronika, Johanna Chusa und Maria Markus (mit denen sie die jährlichen drei Pilger­reisen zum Tempel, zur Abrahams-Tere­binthe bei Bethlehem und zum Berge Kar­mel zu machen pflegt) in Nazareth, hört den Herrn in der dortigen Synagoge lehren, und vierzehn Tage später im Villenort zwischen Nazareth und Sephoris, wo Jesus zum Sab­bat hinkommt und predigt. Von hier aus besucht sie in Sephoris ihre Tante Mahara, die jüngste Schwester Anna’s und hört den Herrn in der großen Pharisäersynagoge predigen. Dort ist sie Augenzeuge, wie Er unter der Lehre mehrere Besessene heilt.

Im nächsten Monat September trifft sie sich mit Jesus wieder in Nazareth und vermittelt eine Unterredung Jesu mit ihrer Nichte Maria Kleophä zwecks Jüngerannahme ihrer fünf Söhne.

Noch im selben Monat befindet sie sich mit ihren Freundinnen auf einer Reise nach Jerusalem. Sie gehen meist in einer Linie hintereinander auf den schmalen Fuß­gängerwegen, die durch die Gebirge führen. Sie gehen rasch, wie Leute, die weite Fuß­reisen gewöhnt sind. Sie haben die Röcke auf der Reise bis zur halben Wade geschürzt und die Beine von der Leibbinde ab bis zum Knöchel mit einer Binde umwickelt und tra­gen dicke, innen gefütterte Sandalen. Den Kopf bedeckt ein Schleier, der mit einem langen Tuche um den Nacken festgehalten wird. Das Tuch ist über der Brust gekreuzt, und um den Rücken laufend geht es in den Gürtel über. Sie tragen die Hände abwechselnd in dieser Binde ruhend. Sie haben zwei Fischerknechte bei sich, die das Ge­päck tragen, und zwar einen Sack auf der Brust und einen auf dem Rücken und einen Stab mit Gepäck auf der Schulter. Der voranschreitende Mann bereitet den Weg, öffnet die Zäune, räumt Steine hin­weg, legt Stege über Bäche und bestellt auch die Herberge. Der Nachschreitende bringt alles wieder in die vorige Ordnung. Im Familienschlosse des reichen Lazarus hört Maria die Lehren Jesu kurz vor Seiner Taufe und bleibt dann noch in Bethanien, wo sie mit den anderen Freundinnen ent­weder im Schlosse ihre übliche Handarbeit verrichtet oder Krankenbesuche macht; oder sie weilt als Gast bei den Freundinnen zu Jerusalem.

Auf der Heimreise kommt Martha, die Schwester des Lazarus mit, um bei Aruma die erste Jüngerherberge einzurichten. Zum Laubhüttenfest mietet Maria eine Herberge bei Groß-Chorazin, schmückt sie mit ihren Freundinnen zu einer Laubhütte zum Emp­fang Jesu, hört dessen öffentliche Volks­lehre auf dem nahen Lehrhügel und nimmt von Ihm rührenden Abschied vor Seinem vierzigtägigen Fasten.

Gegen Ende des Fastens Jesu ist Maria Gast im Hause des reichen Spediteurs Israel zu Kana und wohnt hier im Hause ihrer Cou­sine Sobe, der Tante des zukünftigen Bräuti­gams Nathanael aus Kapharnaum. Hier wird sie vom Herrn am letzten Tage Seines Fastens durch Seine Erscheinung in einer Vision übernatürlich getröstet und gestärkt.

Ende desselben Monats Dezember 31 weilt sie wieder in Kana und nimmt an der Hoch­zeit der Tochter Israels teil, bei der sie den Herrn auf das Fehlen der von Ihm für den zweiten Tischgang übernommenen Wein­spende aufmerksam macht.

Im März 32 begleitet .sie mit ihren Freun­dinnen den Herrn bis Dothaim, nimmt am Abschiedsmahl im Hotel teil und kehrt wieder heim. Ende des Monats reist sie über Nazareth und dem Landgut Lazari bei Ginäa nach Jerusalem, wo sie Jesus zum erstenmal im Tempel hört. Hier wohnt sie jetzt und auch später abwechselnd in Marthas Schloß Bethanien und in Lazari Stadthaus am Sion­berg, in welchem sie während ihres jetzigen Aufenthaltes mit dem Herrn das Ostermahl feiert.

Anfang Dezember 32 hört sie die große Bergpredigt des Herrn auf dem Lehrberg bei Bethsaida-Julias, reist von dort nach Kana und wird bei ihrer Rückkehr nach Kapharnaum bei der öffentlichen Lehre Jesu von der begeisterten Lea, der Schwäge­rin der geheilten Enue (Mt. 9, 20), selig gepriesen (L. 11, 27).

Ende des Monats ist sie bei der Bergpredigt bei Azanoth und Damna Zeuge der endgül­tigen Bekehrung Magdalena’s und reist An­fang Januar 33 mit dieser und den anderen Freundinnen über Dothan, wo sie beim alten Großkaufmann und jugendbekannten Issachar einige Tage zu Gast weilt, und über Michmas, wo sie den Sabbat hält, nach Bethanien. Von dort reist sie mit allen jerusalemer Bekannten, außer Magdalena, nach Juta zum Neffen des kürzlich ent­haupteten Täufers. Hier vernimmt sie vom eintreffenden Heiland den Tod des Täufers, hört ihren Sohn zu Juta und Hebron pre­digen und kehrt über Kana nach Hause zu­rück.

Im April 33 trifft sie sich kurz mit Jesus in Dothaim, hört Ihn dort lehren und kehrt mit Ihm und den Jüngern nach Kaphar­naum zurück, wo sie nun ständig bleibt bis Mitte Januar 34, um dann gegen Ende des öffentlichen Lehrwandels Jesu nach Jerusa­lem zu reisen und die letzten großen Lehr­vorträge ihres Sohnes im Tempel und im Schlosse Lazari zu hören.

Diese Reisen Mariä gehen nicht immer ohne aufregende Zwischenfälle von statten. über die Genesung der Besessenen bricht in Sephoris am 23. August 31 ein Aufruhr aus. Auch Maria ist gezwungen, mit den ver­wandten Frauen aus der Stadt zu fliehen. ­Und bei der gegen den Herrn zu Ostern 32 ausbrechenden Verfolgung finden die Jesum suchenden Pharisäer im Hause der Maria Markus nur Seine Mutter und deren Freun­dinnen und gebieten ihnen, als Seinen An­hängerinnen, mit harten Worten, die Stadt zu verlassen. Maria eilt nach Bethanien zu Lazarus und wird noch in den nächsten Tagen mehrmals von den Pharisäern zur Rede gestellt und sogar mit Landesverwei­sung bedroht.

Jesu Verhalten gegenüber Seiner Mutter

Auch daheim bleiben der lieben Gottesmut­ter mancherlei Aufregungen nicht erspart. Anfangs stellen sich bei ihr allerlei Klätsche­rinnen von Nachbarsleuten ein, die unter dem Vorwand, sie zu trösten, Jesu vorwer­fen, daß Er herumziehe, niemand wisse, wo; daß Er sie vernachlässige, da es doch Seine Pflicht sei, nach dem Tode Josephs für Seiner Mutter Unterhalt ein Geschäft anzu­fangen. Überhaupt ist bald im ganzen Lande ein großes Gerede von Jesus, für und wider Ihn.

Maria ist zwar sehr ernst und innerlich; aber nie ohne innere Bewegungen, Ahnungen und Sorgen bei den Entfernungen ihres Sohnes; denn auch alles Niederträchtige, was Seine Feinde wider Ihn in Umlauf setzen, wird ihr irgendwie zugetragen; ebenso wie auch alle Ängste und Sorgen Seiner wohlmeinen­den Bekannten an ihr Ohr dringen. Daher wartet sie oft mit banger Sehnsucht auf das Wiedersehen mit Ihm.

Jesu Betragen ihr gegenüber ist jedoch stets vorziehend liebevoll und ehrend. Bei jedem Wiedersehen reicht Er ihr beide Hände, oder wenn sie bei der Begrüßung nieder­kniet und Ihm die Hand küßt, so küßt auch Er, wenn sie sich erhebt, ihre Hand. Sind sie allein, so kommt es oftmals vor, daß Er sie tröstend und stärkend freundlich an Seine Brust lehnt und ihr zuspricht. Sie aber behandelt Ihn seit Seinem Lehramte immer, wie man einen Heiligen, einen Propheten behandelt. Sie umarmt Ihn nie, ja reicht nur die Hand, wenn Er die Seine darbietet.

Wertvolle Menschen, die sich bekehrt haben, empfiehlt Er an sie, wie Dina und Mara und Maria Magdalena. Alle Apostel und Jünger stellt Er ihr persönlich vor; und von langen Reisen nach Kapharnaum zurückkehrend, gilt ihrem Hause Sein erster Besuch.

Es ist ein stillschweigender Vertrag, ein inne­res Einverständnis zwischen Ihnen beiden, daß die heilige Jungfrau die Jünger in ihr Herz, ihr Gebet, ihren Segen und gewisser­maßen in sich selbst als ihre Kinder und Jesu Brüder aufnehme, daß sie deren geist­liche Mutter sei, wie sie Seine leibliche Mutter ist. Sie tut dies jedesmal mit ernster Innigkeit; und der Herr behandelt sie dabei sehr feierlich. Es ist eine unaussprechliche Heiligkeit in dieser Handlung, eine Inner­lichkeit; denn Maria ist gleichsam die Rebe, die Ähre Seines Fleisches und Blutes.

Jesu Unterredungen mit Maria

Nach dem Aufruhr in Sephoris trifft Sich der Herr mit Maria im Kurhotel des Bades Bethulia. Sie bittet Ihn, doch nicht hier wieder zu lehren; sie fürchte, es möge noch­mals ein Aufstand entstehen. Er erwidert, Er wisse, was Er zu erfüllen habe. Auf ihre Frage: „Sollen wir denn jetzt nicht zu Johannis Taufe gehen?“, antwortet Er ernst: „Warum sollen wir jetzt zu Johannis Taufe gehen? Haben wir es nötig? Ich werde noch gehen und sammeln und werde es sagen, wenn es nötig ist, zur Taufe zu gehen.“ (Die heiligen Frauen werden erst nach Pfingsten am Teich Bethesda getauft.)

Ein andermal sagt Er ihr in einer Unter­redung, Er werde dreimal zum Pascha nach Jerusalem reisen, und das letztemal werde sie sehr betrübt dort sein. Als Er ihr den Ort Seines vierzigtägigen Fastens nennt, bit­tet sie Ihn flehentlich, Er möge doch nicht in dieses wilde Gebirge gehen. Er erwidert, sie solle fortan Ihn nicht mit menschlicher Sorge hindern wollen; Er müsse tun, was Er tue. Er beginne einen schweren Weg; die mit Ihm seien, müßten mit Ihm leiden, Er wandle aber nun den Weg Seiner Sen­dung, und sie müsse allen bloß persönlichen Anspruch nun opfern, Er werde sie lieben wie immer, aber Er sei jetzt für alle Men­schen da. Sie solle tun, was Er sage, und Sein himmlischer Vater werde sie belohnen; denn es beginne bald, was ihr Simeon ver­kündet, es werde ein Schwert ihre Seele durchdringen (L. 2, 35).

Als Er am 24. Juli 32 in Bethoron mit ihr allein spricht und sie weint, daß Er Sich gen Jerusalem gehend in Gefahr begebe, tröstet Er sie, sie möge sich nicht sorgen, Er werde Seine Aufgabe vollbringen, die traurigen Tage seien noch nicht da. Und dann gibt Er ihr Anweisungen, wie sie sich im Gebet verhalten solle.

Wohl selten hat der Herr Seine Mutter so liebevoll getröstet, wie am 30. Juni 33, an dem Er Sich von ihr verabschiedet. Sie ist mit Ihm allein in einem Raum eines Hotels bei Bethsaida und, allerlei Trauriges ahnend, weint sie sehr und fleht Ihn an, Er möge doch zum Fest der Tempelweihe nicht nach Jerusalem gehen. Jesus lehnt sie an Seine Brust und sagt ihr mit großer Milde und Liebe, daß Er vollenden müsse, wozu Sein Vater Ihn gesandt habe, und weswegen sie Seine Mutter geworden sei. Sie solle stark sein und fortfahren, die anderen zu stärken und zu erbauen.

Botschaftswechsel zwischen Jesus und Maria

Bevor Jesus Sein vierzigtägiges Fasten be­ginnt, läßt Er ihr durch Boten mitteilen, sie solle zum Laubhüttenfest die ihr bekannte Herberge bei Chorazin mieten und Ihn dort mit ihren Freundinnen zum 18. Oktober er­warten.

Mitte Dezember 31 schreibt Er ihr Seine Übernahme der Festleitung der Hochzeit zu Kana und Übernahme des zweiten Tisch­ganges und die dortige Zusammenkunft mit ihr und allen Jüngern und künftigen Apo­steln (außer Bartholomäus, Thomas und Judas).

Mehrmals läßt auch sie Ihm durch Boten Nachrichten zugehen, und zwar stets Bitten für andere, zum Beispiel für ihre schwer erkrankte Nichte Maria Kleophä oder für die mit ihr verwandte Witwe Maria aus Naim, die der Herr auch unmittelbar nach Empfang der Botschaft aus der Ferne heilt.

Überhaupt hält der Herr auf Seinen weite­ren Lehrreisen, zumal in Zeiten der Ver­folgung seitens Seiner Gegner, durch be­stimmte Jünger die Verbindung mit ihr auf­recht.

Das Wissen Mariä

Während des Höhepunktes der Lehrwirk­samkeit Jesu, als mit Beginn des dritten Lehrjahres 33 der Massenzustrom nach Kapharnaum einsetzt und im Februar die großen Bergpredigten in der Nähe begin­nen, ist auch Maria, wenn immer Er es nur gestattet, eine fleißige Hörerin Seiner Lehr­vorträge; denn obschon sie von allen Ge­heimnissen, die Jesus ausspricht, eine innere Erkenntnis von früher her besitzt, so ist sie sich derselben doch nicht so deutlich be­wußt geworden. Wie nämlich die zweite Person in der Gottheit in ihr Fleisch ange­nommen hat, ein Mensch und ihr Kind ge­worden ist, so sind auch in ihr alle diese tieferen Erkenntnisse in eine demütige, ehr­furchtsvolle Mutterliebe zu Jesus gehüllt.

Als aber jetzt der Herr die Geheimnisse Seines Ursprungs und irdischen Wandels und Seiner Rückkehr zum Vater deutlicher zum Ärgernis der Verblendeten lehrt, wird die Betrachtung Mariä auf diese Mysterien gerichtet. Nach einer solchen Lehre am 8. Februar 33 betet sie in der folgenden Nacht stehend in ihrem Wohnraum und empfängt eine intellektuelle Vision über den Gruß des Engels, die Geburt und die Kind­heit Jesu und über die Wirklichkeit ihrer Mutterschaft und Seiner Kindschaft, und wie sie Denjenigen als ihr Kind behandelt, der der Sohn Gottes ist. Und hierüber wird sie dermaßen von Demut und Ehrfurcht überwältigt, daß sie ganz in Tränen zer­fließt. Und doch hüllen diese Anschau­ungen sich abermals in dem Gefühle der mütterlichen Liebe zu dem göttlichen Sohne ein, ähnlich wie die Gestalt des Brotes den lebendigen Gott im Sakrament verhüllt. Und dieser von der göttlichen Vorsehung herbeigeführte psychische Umstand erklärt die mütterliche Sorge Mariä um ihren Sohn, ihre große Passion und ihr Verdienst bei aller ihrer Fülle der Gnaden.

Einige Züge aus Mariä Verhalten

Als Maria dem Herrn bei Seiner Ankunft in Nazareth am 5. August 31 entgegengeht, aber sieht, daß Er Begleiter bei Sich hat, bleibt sie in der Ferne stehen und kehrt in die Stadt zurück, ohne Ihn zu begrüßen.

Das erste, was beim Zusammentreffen Jesu mit Maria in der Hirtenherberge bei Sichem am 31. Juli 32 geschieht, ist, daß sie ihren Sohn bittet, Er möge doch einen lahmen Knaben heilen, den benachbarte Hirten hierhergebracht haben; und Jesus heilt ihn. Ebenso empfiehlt sie Ihm, und zwar mehr­mals, den Hauptmann Cornelius wegen sei­nes kranken Dieners, Cornelius sei ein sehr guter Mann, er habe als ein Heide den Juden aus Zuneigung eine Synagoge erbaut; auch ist sie es, die den Herrn bittet, die kranke Tochter Salome des Synagogenvor­stehers Jairus zu heilen.

Am 16. November 32 benutzt sie den üb­lichen Sabbatspaziergang, um mit ihren Freundinnen Dina, Mara, Lais, Athalia, Sabia und Martha eine an der Anhöhe bei Kapharnaum lagernde Karawane von Hei­den zu besuchen, bei der sie die reisenden Frauen belehrt. Die Frauen sitzen an der Anhöhe im Halbkreis und Maria lehrt erst sitzend und dann unter ihnen wandelnd. Sie erklärt ihnen ihre Fragen und erzählt manches von den Altvätern, von den Pro­pheten und von Jesus.

Als am achten Dezember 32 die begeisterte Lea laut vor der Hörerschaft Jesu die aller-seligste Jungfrau selig preist (L. 11, 27), redet diese gleich darauf ganz still und gelassen mit Lea, die sie anspricht, ahnt deren Ausruf gar nicht und begibt sich mit ihren Begleiterinnen hinweg. überhaupt ist Maria unbeschreiblich einfach. Jesus zeich­net sie nie vor anderen Menschen aus, als daß Er sie würdig behandelt. Auch läßt sie sich mit niemanden ein als mit Kranken und Unwissenden. Sie erscheint immer ganz innig und unsagbar bescheiden. Alle, selbst die Feinde Jesu, ehren sie; und doch sucht sie niemanden, und hält sich stets zurück. Nur einmal tritt sie voran, nämlich an die Spitze des Zuges, als der Herr am 15. März 34 Seinen feierlichen Einzug in Jerusalem hält.

Bei der Zusammenkunft der Freunde zu Juta, unmittelbar nach der Enthauptung des Täufers, zeigt Maria den in der Geburts­stube des Täufers Versammelten die große mit Sprüchen bestickte Decke, erzählt die Umstände, unter denen sie diese Decke mit Elisabeth damals angefertigt hat und erklärt, den oberen Rand der Decke vor sich empor-haltend, die eingenähten Sprüche der Pro­pheten. Sie teilt auch mit, daß sie der Elisa­beth prophezeiht habe, Johannes werde Jesum nur dreimal von Angesicht sehen, und wie dieses auch wahr geworden. Hier greift Jesus in die Rede ein und teilt nach schonender Vorbereitung den Tod des Täu­fers mit; — und die gezeigte Decke wird mit Tränen der Trauernden benetzt.

Bei den großen Bergpredigten im Februar 33 organisiert Maria den Krankendienst bei den Frauen und Kindern und die Verteilung der Liebesgaben an die Armen, und beteiligt sich mit den Freundinnen und Jüngern an der praktischen Ausführung. In der Folge arbeitet sie mit den Freundinnen immer­während an Decken, Kleidern, Sandalen und Gürteln; bereitet Vorräte, backt Brot — alles für die Armen — und besucht Arme und Kranke. Aber bei all diesen Arbeiten ist sie ungemein still, und ein­facher und ernster als die anderen. Sie ist auch oft bei Judas Ischarioth, um ihn zu ermahnen; denn er zeigt sich geizig und neidisch. Einmal weint sie dabei. Er ist gerührt und bekehrt sich mehrmals, aber es hält nie an.

Bei dem letzten großen gemeinschaftlichen Mahl vor der Passion des Herrn weint Maria, als sie, an der Tafel der Frauen, das Lamm zerlegt, während Jesus immer fortfährt zu lehren.

Mariä äußere Erscheinung 

Maria Magdalena ist größer und schöner als die anderen Frauen; Dina, die Samariterin, ist auch schön; aber alle übertrifft die hei­lige Jungfrau an Schönheit. Obschon ihre Gestalt wohl ihresgleichen an Schönheit hat und an auffallender Erscheinung von der Figur Magdalena’s übertroffen wird, so scheint sie doch aus allen hervor durch un­beschreibliche Haltung, Einfachheit, Ernst, Sanftmut und Ruhe; sie ist so sehr rein und ohne alle Nebeneindrücke, daß man in ihr nur das Ebenbild Gottes im Menschen sieht. Niemandes Wesen gleicht ihr, als das ihres Sohnes.

Sie sieht noch sehr jung aus, aber ist schlank und groß. Sie sieht ganz erhaben und doch wie ein unschuldiges, einfaches Kind aus. Sie hat eine sehr hohe Stirn, eine längliche Nase, sehr große Augen, sanft niedergeschla­gen, einen sehr schönen roten Mund, eine angenehm bräunliche Farbe mit rötlich schimmernden Wangen. Obschon ernst, still, oft traurig, ist sie doch nie zerrissen und ungebärdig; die Tränen laufen ganz sanft über das ruhige Angesicht, wenn sie weint. Ihr Antlitz übertrifft das aller Frauen um sie, ja aller je geschauten, an unaussprech­licher Reinheit, Unschuld und Weisheit; und ein einzigartiger Friede, gepaart mit unvergeßlicher Lieblichkeit, ist über dieses Antlitz ausgegossen.

2. Johannes der Täufer

Der prophetische Charakter

Schon im Mutterleibe wird Johannes vom Ewigen bewegt und vom Heiligen Geiste mit seinem Erlöser in einen außerzeitlichen Verkehr gebracht. Als kleiner Knabe wird er der Welt entrückt und in der von Gott durchdrungenen Natur höheren Einflüssen zur Erziehung übergeben. Er bleibt, seiner Zeit entrückt, in tiefster Abgeschiedenheit der Wildnis Juda, bis er als Dreißigjähriger aus derselben, durch göttlichen Antrieb gleichsam wie neugeboren, hervorgeht und sein Amt ernst, begeistert, heftig und unbe­kümmert um alles herum beginnt. Ganz Palästina ist ihm nun die Wüste; und wie er vorher mit Quellen, Felsen, Bäumen und allen Tieren verkehrt, mit ihnen gelebt und gesprochen hat, so spricht und tut er jetzt mit den Menschen und Sündern, ohne an sich selbst zu denken.

Seine äußere Erscheinung

Aus der Wildnis oben am Jordanursprung, wo er sich zuletzt aufgehalten, kommt er herab zu den Menschen. Er macht einen wunderbaren Eindruck: Groß, von Fasten und Abtötung des Leibes hager, aber stark und muskulös, ist er ungemein edel, rein und einfach, ganz geradezu und gebieterisch. Seine Farbe ist bräunlich, sein Angesicht mager, ernst und streng. Seine Haare sind rötlichbraun und kraus; er trägt einen klei­nen Bart. Um die Mitte des Leibes hat er ein Tuch gewunden, das herab bis zu den Knien fällt. Er trägt einen rauhen braunen Mantel, der aus drei Stücken besteht. Hin­ten ist er ganz und um die Mitte des Leibes mit einem Riemen zusammengefaßt. Arme und Brust aber sind frei und unbedeckt. Er trägt einen Stab, der wie ein Hirtenstab oben gekrümmt ist.

Die Gründung dreier Taufstellen

Zweimal zieht Johannes drei Monate des Jahres 31 durch Palästina. Sein Wandel ge­schieht mit ungemeiner Gewalt und mit einem strengen Fortschreiten, schnell, doch ohne Hast. Es ist ‚kein ruhiges Wandeln, wie das des Heilandes. Wo er nichts zu tun hat, läuft er von Feld zu Feld. Er geht in die Häuser, in die Schulen, um zu lehren, und versammelt das Volk auf Plätzen und Straßen um sich. Priester und Obrigkeiten halten ihn hier und da an und stellen ihn zur Rede, aber mit Staunen und Verwunde­rung lassen sie ihn wieder frei.

Sein Ausspruch: „Dem Herrn die Wege be­reiten“ ist ihm nicht nur bildlicher Aus­druck. Er durchzieht tatsächlich alle Orte und Wege, die später Jesus und die Jünger wandeln. Er räumt Gesträuche und Steine aus dem Wege und macht Pfade. Er legt Stege über Bäche, reinigt ihr Bett, gräbt Wasserbecken und Brunnen, macht Sitze, Ruhestellen und Schattendächer. Überall erregt er Staunen in den Hütten, in die er eintritt, um das Geräte zu seinen Arbeiten zu entlehnen und wohl auch Leute zum Mit­helfen zu holen. Überall ist er alsbald von Menschen umgeben und mahnt kühn und ernst zur Buße, den nachfolgenden Messias und sich als dessen Wegebereiter verkün­dend (L. 3, 1-6).

Im Juni des Jahres 31 gründet Johannes seinen ersten Taufort am Ostufer innerhalb der Jordankurve bei Ainon (etwas nörd­lich der heutigen Fähre Ed-Damije). Ein paar Wochen später, Ende Juni, besucht ihn Herodes Antipas und bietet ihm den Bau eines Hauses an, was der Täufer ausschlägt. Gleich darauf lassen sich auch nacheinander die meisten künftigen Apostel und viele spätere Jünger Jesu von Johannes taufen; und Mitte Juli erscheinen auch die ersten Abgesandten des Synedriums, um ihn zur Rede zu stellen, weshalb er sich nicht zuerst im Tempel gemeldet habe, und warum er so wüst gekleidet und derb auftrete. Manche Juden halten ihn für den aus dem Jenseits zurückgekehrten Elias.

Am 19. Juli brechen Johannes und seine Jünger an der Taufstelle zu Ainon die Zelt­hütten ab und ziehen am Ostufer südwärts bis schräg gegenüber von Jericho und grün­den eine neue Taufstelle (zwischen dem heutigen Wadi Nimrin und Wadi el-Kafren ) . Es ist seine zweite Taufstelle, wo er nur ein paar Wochen tauft, und die Jesus unmittel­bar nach Seinem vierzigtägigen Fasten An­fang Dezember durch Seine Jünger wieder­herstellen und dort zum ersten Male durch sie taufen läßt.

Im August lehrt und tauft Johannes bereits an seiner dritten Taufstelle, schräg südlich gegenüber der zweiten Taufstelle am West­ufer des Jordans zwischen Ono und Betha­gla, wo Sich auch Jesus am 28. September von ihm taufen läßt. Seitdem dann Jesus im Dezember ebenfalls beginnt, durch Seine Jünger taufen zu lassen, vermindert sich der Zustrom der Massen zu Johannes, was seine Jünger mit Unwillen erfüllt, zumal mehrere von ihnen zu den Jüngern Jesu übertreten. Doch Johannes legt immer Zeugnis ab von Jesus und sagt, daß er selbst bald ganz zu­rücktreten werde.

Verhaftungen und Tod des Täufers

Seit Ostern 32 lehrt und tauft Johannes wie­der an seinem ersten Taufort bei Ainon, wird Mitte Mai von den Soldaten des Hero­des von Sukkoth unter dem Vorwand einer dringenden Einladung nach Kallirrhoe (am Ostufer des Toten Meeres) verhaftet und im Gewölbe des Schlosses sechs Wochen gefan­gen gehalten und dann wieder freigelassen. Herodes hat eine große Achtung vor ihm und verlangt nur, er solle nicht gegen seine verbrecherische Ehe öffentlich schmähen.

In der Nacht vorn 22. zum 23. Juli 32 wird er abermals von Herodes‘ Soldaten verhaf­tet, in das Gefängnis zu Hesbon (35 km öst­lich von Jericho) gebracht und zwei Tage später in das Gefängnis des Festungs-Schlos­ses zu Machärus (30 km südwestlich) über­führt. Hier wird er im August mehrmals von Herodes verhört, der sich über den Aufruhr der Täuflinge und über die Nachrichten der Herodianer von Jesu Wunder Sorge macht.

Anläßlich des Tanzes der Salome zur Ge­burtstagsfeier des Herodes am 8. Januar 33 und ihrer durch ihre Mutter bestimmte Bitte, wird Johannes mit einer Handscheren­maschine im Kerker enthauptet, und sein Leib am 23. Januar — und sein Haupt einen Monat später — von den Seinen nach Juta überführt.

Jesus und Johannes der Täufer

Es ist auffallend, daß während ihres ganzen Erdenwandels weder Jesus einen persön­lichen Umgang mit Johannes gepflegt, noch der Täufer je einen solchen persönlichen Verkehr mit dem Herrn angestrebt hat, ja daß sie sich beide nur einmal, und auch da nur ganz kurz, gesprochen haben. Und als Jesus Mitte Mai 32 bei Ainon acht Tage lang mit den Jüngern des Täufers lehrt und wandelt, sucht Er nicht einmal Johannes selbst auf. Den Grund für diese merkwür­dige Freundschaft ohne jeglichen persön­lichen Umgang gibt offenbar der Herr selbst an, wenn Er unmittelbar nach des Täufers Tode zu den Freunden in Juta am 15. Januar 33 sagt, Johannes habe wohl eine heftige Begierde gehabt, Ihn zu sehen, doch habe er sich bezwungen und nichts verlangt, als seiner Sendung zu genügen, welche die des Vorläufers und Wegebereiters, nicht aber die des Mitwandelnden und Arbeitsgenossen gewesen sei. Selbst bei der Taufe am 28. Sep­tember habe er sich nur in den Schranken der feierlichen Anschauung gehalten, ob­schon sein Herz vor Sehnsucht und Liebe schier gebrochen sei; nachher aber sei er mehr aus Demut vor Ihm gewichen, als daß er seiner Liebe nachgegeben und Ihn auf­gesucht habe.

Als der größte Zeuge für die Messianität konnte es seinem Zeugnis vor den Zeitgenos­sen auch nur umso größeres Gewicht ver­leihen, wenn er mit Jesus von Geburt an bis zum Tode überhaupt nicht in persönlicher Berührung stand; denn dann konnte man um so weniger von einer Beeinflussung seiner Zeugnisschaft seitens Dessen reden, zu dessen Gunsten er sein Zeugnis ablegte.

Auch ist es auffallend, daß weder Johannes die Hilfe des allmächtigen Messias während seiner Gefangenschaft anrief, noch daß der allgütige Heiland Seinen größten Verkün­der aus der Haft befreit und ihn so vor der Ermordung bewahrt hat. Dieses Ausbleiben der Hilfe Jesu empfanden denn auch einige Jünger des Täufers als etwas Tadelnswertes und taten Ihm dieses auch kund. Jesus ant­wortete ihnen, Er wisse, daß Johannes sich darnach sehne und hoffe, bald aus diesem Kerker befreit zu werden, und daß er auch daraus werde befreit werden; daß aber Er, Jesus, nach Machärus kommen und ihn be­freien solle, das glaube Johannes nicht, der Seine Wege bereitet habe.

Ein anderes Mal äußert Jesus sogar ganz deutlich, Johannes müsse weichen, damit Er, Jesus, Sein Werk ganz vollbringen könne. Dies erinnert an die Worte des Herrn (J. 16, 7), daß Er Selbst diese Welt verlassen müsse, damit der Tröster, der Hl. Geist, kommen könne. Wie also Seine eigene menschliche Gegenwart den Jüngern ein Hindernis für die Aufnahme des Hl. Geistes bedeutete (vgl. Thomas, S. theol. III, q. 57, a. 1 u. q. 75, a. 1), so war offenbar für Jesu Zeit­genossen die irdische Gegenwart des Täu­fers ein psychisches Hindernis, den Messias und dessen Lehre und Werk ganz in sich aufzunehmen. Dieses wußte offensichtlich auch Johannes; denn in dem Maße wie Jesus mit Seiner öffentlichen Lehr- und Tauftätigkeit begann, ließ Johannes in sei­ner Tätigkeit nach und sprach immer öfter von seinem baldigen gänzlichen Rücktritt. Nur Zeugnis legte er immer in gleicher Weise von Jesus ab; und als ihm dies in sei­ner Haft nicht mehr gut möglich war, sandte er Botschaft an den Herrn, und zwar mehr­mals, und ließ Ihm sagen, Er möge doch nach Jerusalem gehen und offen vor aller Welt verkünden, wer Er sei. Jesus Seiner­seits aber legte daraufhin von ihm mehrmals ein großartiges lobendes Zeugnis ab (beson­ders am 20. November 32 in der Zöllner-Vorstadt von Megiddo [Mt. 11, 7-15] ), da­hin lautend, Johannes der Täufer sei, ob­schon hinsichtlich der Wesensschau Gottes geringer als der letzte Selige im Himmel, so doch der größte aller auf Erden weilenden Menschen (Thomas, lectur. super Matth. ebd.).

3. Die Apostel und Jünger des Herrn

Charakteristik der einzelnen Apostel

Simon, genannt Petrus

Der Fischereibesitzer Jonas überläßt nach dem Tode seiner Frau sein Haus bei Kapharnaum dem jüngeren Sohne Simon und zieht mit seinem älteren Sohne Andreas weiter südlich an den See. Eine ältere, fleißige, aber kränkliche Frau führt dem Junggesel­len Simon, später von Jesus Petrus benannt, die Haushaltung, und nach drei Jahren hei­ratet dieser eine Fischerswitwe aus den Häu­sern von Bethsaida, die älter ist als er und aus ihrer ersten Ehe zwei Knaben und ein Mädchen (die spätere Märtyrerin Petro­nilla) mitbringt, sowie ihre Mutter. Jonas zieht daraufhin mit Andreas und einer Nichte in das frühere Haus von Petri neuer Frau am Flüßchen von Bethsaida.

Durch den Täufer, dessen Anhänger Petrus schon gleich im Juni 31 ist, und durch die Zebedäus-Söhne Jakobus Major und Johan­nes, die bei ihm Fischer sind, hört er zum ersten Male Näheres über Jesus, mit dem er übrigens durch die Witwe Maroni von Naim vermittelst Anheiratungen ganz entfernt ver­schwägert ist. Bald darauf machen auch seine Frau und seine Schwester die persön­liche Bekanntschaft mit der heiligsten Jung­frau anläßlich einer Zusammenkunft der Frauen in Nazareth.

Schon am 11. Juli 31 spricht ihn der Herr, als Er wie zufällig den Fischerplatz durch­quert, an, und bald darauf hört Ihn Petrus mehrere Male in Synagogen predigen. Kurz vor der geselligen Zusammenkunft auf der Hochzeit zu Kana am Schluß des ersten Lehrjahres Jesu, führt ihn Andreas mit Johannes dem Herrn zu, stellt ihn vor, und Jesus spricht zu ihm die bedeutungsvollen Worte: „Du bist Simon, der Sohn des Jonas. Du sollst Kephas, das heißt Fels, genannt werden“ (J. 1, 42).

Als drei Tage später der Herr im Kreise der Seinen von der Nachfolge und Aufgabe der irdischen Geschäfte spricht, meint Petrus, er könne doch seinen alten Stiefvater, den Onkel des Philippus, nicht jetzt gleich ver­lassen, obschon Jesus kurz zuvor gerade hervorgehoben hat, Er wolle für sie alle sorgen, und sie sollten keinen Mangel lei­den, und sie mögen ihr Gewerbe immer noch treiben, denn Er werde kommende Ostern erst noch anderes tun; wenn Er sie aber rufen werde, sollten sie unbekümmert fol­gen.

Als Petrus sich bereits, wenn auch noch nicht gänzlich, dem Herrn angeschlossen, spricht er auf einem nächtlichen Marsche im August 32 mit Johannes wieder von sei­ner Haushaltung, er habe doch bei seiner Fischerei viel versäumt, da er so lange ab­wesend gewesen, er müsse für Frau, Kinder und Schwiegermutter sorgen. Johannes er­widert, und er müsse mit Jakobus für seine Eltern sorgen, und das sei doch noch wich­tiger als eine Schwiegermutter. Da wendet Sich der Herr zu ihnen und sagt, es werde bald die Zeit kommen, da sie dieses Fischen ganz aufgeben und andere Fische fangen würden.

Kurz darauf läßt Petrus dem Herrn, der einmal einen diesbezüglichen Wunsch ge­äußert, heimlich ein Schiffchen bauen und freut sich, als der Herr es das erstemal benutzt.

Als Jesus Ende desselben August wieder mit den Jüngern von der gänzlichen Nachfolge spricht, und daß sie nun bald ihre Arbeit ganz liegen lassen würden, da wird es Petrus ganz bange; er wirft sich vor dem Meister auf die Knie nieder und bittet Ihn inständig, der Herr möge doch auf seine Unwissenheit und Schwäche sehen und nicht verlangen, daß er bei so wichtigen Dingen sein solle; er sei der Jüngerschaft gar nicht würdig und vermöge auch nicht, andere zu unterrichten. Jesus erwidert, daß Der, der den Kranken Gesundheit gebe, auch ihnen Nahrung und die Kraft zu ihren neuen Verrichtungen geben werde. Doch Petrus versteht dies im­mer noch nicht, wie er kein Fischer mehr, sondern ein Lehrer sein solle; und daran knüpft sich immer noch eine geheime Sorge um sein Geschäft und auch eine gewisse Neigung zu seinem Gewerbe; denn er hat sich an diese Arbeit gewöhnt und betreibt überhaupt immer eifrig, was er einmal recht begonnen. Hinzu kommt noch sein Verdruß, daß man in letzter Zeit auf ihn schmäht, wie er, ein einfältiger Fischer, sich mit dem neuen Propheten herumtreibe. in seinem Hause eine Niederlage von Schwärmerei und Aufruhr dulde und sein Geschäft ver­nachlässige. Alles dies kämpft in ihm, denn er ist damals noch nicht so begeistert und feurig wie sein Bruder Andreas, sondern schüchtern und empfindlich.

Erst das Erlebnis des wunderbaren Fisch­zuges am 1. Dezember 32 und die dar­auf erfolgende persönliche Ansprache des Herrn: „Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fangen“ (L. 5, 10), be­freien ihn endlich von aller irdischen Sorge.

In den beiden Nächten vom 12. Dezember 32 und 3. Februar 33 läßt der Herr den Petrus deshalb auf dem Wasser zu Sich kommen, um ihn vor Sich selbst und den anderen zu demütigen; denn Jesus weiß wohl, daß Petrus jedesmal sinken wird. Dieser ist zwar jetzt sehr eifrig und stark glaubend, hat aber die Neigung, im Eifer seinen Glauben dem Herrn und den Jüngern zu zeigen. Indem er jedoch im Wasser sinkt, wird er vor Stolz bewahrt. Die anderen getrauen sich nicht, so zu wandeln, und indem sie Petri Glauben bewundern, erkennen sie nun zugleich, daß sein Glaube, obschon er den ihren über­trifft, doch noch nicht ausreicht.

Als Jesus im Kreise der Apostel von jenem Anwärter auf die Jüngerschaft spricht, der erst seinen Vater begraben wollte (Mt. 8, 21), eine damalige Redensart, um die Erb­schaft zu ordnen, da schnappt Petrus mit der Erklärung vor: „Gott sei Dank, solche Ge­danken habe ich nicht gehabt, da ich Dir folgte.“ Doch Jesus gibt ihm einen Verweis, daß er dies hätte verschweigen sollen, bis Er, der Herr Selbst, es ihm gesagt hätte.

Petri Bekenntnis: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt. 16, 16), legt er, von demselben Geiste getrieben, ab, durch den er nun die Kraft der Schlüssel­gewalt in sich fühlt, die Jesus ihm darauf­hin überträgt. Er meint, die Arbeit gehe jetzt gleich an, denn die Bedingungen des Leidens Christi und der Sendung des Hei­ligen Geistes sind ihm damals noch unbe­kannt. Er fragt daher den Herrn, ob er die­sen und jenen auch die Sünden lösen könne. Doch Jesus beruhigt ihn, er werde alles dies noch deutlicher erfahren, es sei dies anders, als er es erwarte, es komme ein anderes Ge­setz. Aber als der Herr nun vom Leiden und dem Töten der Propheten spricht, geht ihm Petrus gleich darauf nach und streitet allein dagegen, das könne und dürfe nicht so kom­men, das werde er nicht zugeben; er wolle eher sterben, als das dulden. „Das sei ferne, Herr, das soll Dir nicht widerfahren.“ Da wendet sich Jesus sehr ernst um und sagt lebhaft: „Weiche von mir Satan! Du bist mir zum Ärgernis. Du hast nicht Gottes, sondern Menschenpläne im Sinn“ (Mt. 16, 21-23), und geht weiter. Petrus aber bleibt erschrocken zurück, vergleicht diese seine Rede mit seinem vorigen Bekenntnis, von dem der Meister gesagt, er habe es nicht aus Fleisch und Blut verkündet; und er wird demütiger und sieht Jesum bewundernder und glaubender an.

Noch in der letzten Woche vor der großen Passion wiederholt der Herr noch einmal, sogar noch eifriger, diese abwehrenden Worte, als Petrus auf Jesu Andeutung des kommenden Verrates fast beleidigt vor Ihn tritt und sagt, warum Er immer spreche, als ob sie Ihn verraten würden; wenn er auch glauben könne, daß es einer von den anderen sei, so stehe er doch für sie, die Zwölf, ein, daß sie Ihn nicht verraten würden. Im An­schluß daran betont Jesus noch, sie würden alle fallen, wenn Seine Gnade und Sein Gebet sie nicht erhalte; und wenn die Stunde komme, würden sie Ihn alle ver­lassen. Und einer sei unter ihnen, der nicht wanke, und auch dieser werde fliehen und wiederkehren. Und damit meint er den Johannes, der bei der Gefangennahme flie­hend seinen Mantel zurückläßt. Alle sind da sehr betrübt. Nur Judas ist bei allen diesen Reden ganz freundlich, lächelnd und dienst­fertig.

Als Jesus den Seinen am 27. März 34 mit­teilt, Er werde nach diesem letzten Pascha zu Seinem Vater gehen, fragt Petrus, ob Er Seine Mutter, die sie doch alle so liebten und ehrten, nicht mitnehmen werde. Daraufhin verkündet ihnen der Herr, daß Maria noch an fünfzehn Jahre bei ihnen bleiben werde, und spricht über sie zu ihnen noch manches Hohe aus. Im selben Gespräch macht Petrus auch dem Herrn noch den Vorschlag, der Meister solle doch wieder wie nach der Auf­erweckung des Lazarus eine Reise ins Aus­land machen und Sich hierdurch den ange­kündigten Verfolgungen entziehen, und sie würden dann auch gern mit Ihm gehen.

Andreas, der Bruder Petri

Andreas ist älter als Petrus und kleiner, von untersetzter Statur, hat ein redliches, offe­nes, einfaches Aussehen und ist besonders arbeitsam, ausdauernd, treu und freigebig. Er hat ein Weib, zwei Knaben und zwei Töchter. Sobald er vom Herrn berufen ist, lebt er in vollkommener Enthaltung in der Ehe. Er ist der erste Apostel, der alles ver­läßt, und keiner hat so schnell und gänzlich Hab und Gut während der Zeit der letzten Auslandsreise Jesu zum Besten der Ge­meinde verteilt wie er.

Noch als alle anderen künftigen Apostel im­mer wieder zu ihrem Gewerbe zurückkeh­ren, ist er unermüdlich und unentwegt mit Taufen und Lehren beschäftigt. Besonders gern unterrichtet er die Kinder, während der Herr in einer Synagoge lehrt. Auch ist er in der Propaganda der eifrigste. Als erster begeistert er die späteren Apostel in der Fischerei und scheut keine langen Rei­sen, um ihnen und anderen von Jesus zu er­zählen. Seine Frau ist auch sehr tüchtig und geschäftig. Sie kommt nicht viel aus dem Haus. Sie hat eine Art von Gewerbe mit Netzstricken und beschäftigt damit in ihrem Hause viele arme Mädchen, auch sogenannte gefallene, die keine Zuflucht haben, belehrt sie und leitet sie zum Gebet an. Andreas ist auch der an Jahren älteste der Apostel; doch unter den übrigen Jüngern ist Judas Barsa­bas noch älter.

Johannes der Evangelist

Durch ihre Mutter, Maria Salome, der Cou­sine Mariä, sind Johannes und sein älterer Bruder Jakobus Major mit Jesus nahe ver­wandt. Nach ihrem Vater werden sie die Zebedäus-Söhne genannt. Die Eltern haben früher ein paar Stunden von Nazareth ent­fernt gewohnt, und Jesus hat den Johannes schon als Kind geliebt.

Als erwachsener Jüngling tritt er mit seinem Bruder bei der Fischerei Petri ein. Als die ersten Jünger ihm am 21. September 31 von der Milde und Weisheit Jesu erzählen, spricht er nicht in Erwiderung wie Petrus und Andreas für den Täufer, sondern, ob­schon er auch kurz vorher lobend über jenen sprach, schweigt er nun nachdenklich.

Nach der ersten so anstrengenden und auf­regenden Rundreise mit dem Herrn Ende Juli 32 sind die Jünger ganz müde und ob der vielen Bedrängnisse der Volksmassen und Gegner Jesu niedergeschlagen und ver­drießlich. Nur Johannes ist auf der ganzen Reise mitgegangen wie ein Kind, ganz ge­horsam, ganz unbefangen und ganz in lie­bende Bewunderung seines Meisters ver­sunken. Überhaupt ist er viel kindlicher und vertrauter mit Jesus als die anderen; immer liebenswürdig und in alles ergeben, ohne Sorge und Widerspruch.

Trotzdem ist er von Gemüt sehr empfind­sam, was sich lebhaft äußert, als der Herr den in der Geburtsstube des Täufers zu Juta Anwesenden den Tod desselben mitteilt. Johannes stürzt zu Boden und windet sich weinend auf der Erde.

Für Seine letzte große Lehre im Tempel trägt der Herr ihm und seinem Bruder auf, Stellen, die sie nicht recht verstünden, auf­zuschreiben. Beide legen Brettchen vor sich auf die Lehne und schreiben auf kleine Rollen mit Farbe, die sie in einer Art Horn bei sich haben. Doch sie schreiben nicht lange. Hingerissen von der Rede Jesu sind sie nur noch Ohr und schauen unverwandt auf den Meister und vergessen das Schrei­ben.

Jakobus der Ältere

Während Johannes zart und schlank er­scheint, ist sein älterer Bruder Jakobus groß und breitschulterig, ohne jedoch plump zu wirken. Sein Haupthaar ist schwarz und sein Bart bräunlich, aber seine Gesichtsfarbe ebenfalls weiß. Sein ganzes Wesen ist ernst und doch wieder heiter. Er ist verheiratet und lebt vor Seiner endgültigen Berufung am 26. November 32 bei Kapharnaum, hat aber keine Kinder und betreibt bei Petrus die Fischerei. Seine Frau ist eine Schwester der Witwe Maroni von Naim.

Jakobus pflegt im Umgange mit dem Herrn besonders oft Fragen zu stellen, wenn Dieser im engeren Kreise die Jünger unterrichtet; und Jesus beantwortet sie jedesmal gern. Überhaupt nimmt Er den Jakobus Major nebst Petrus und Johannes zu besonders großen Wunder-Erweisen mit, um in diesen dreien den Glauben zu stärken, wie z. B. zur zweimaligen Auferweckung der Tochter des Jairus und zur Verklärung auf dem Berge Tabor. Und so gelten denn auch später diese drei Apostel als Typen und Vertreter der wenn auch einen, so doch den Seelenzustän­den nach dreifachen Kirche: Petrus auf Grund seines Primates als der Vertreter der streitenden Kirche auf Erden; Johannes auf Grund seiner ihm erwiesenen geheimen Offenbarung als der Vertreter der trium­phierenden Kirche im Himmel; und Jako­bus Major auf Grund seines späteren ersten Martyriums unter allen Aposteln als der Vertreter der leidenden Kirche im Fegfeuer. Auch auf Grund ihres Charakters nimmt der Herr diese drei mit auf den Tabor: den Petrus wegen seines Eifers; den Johannes wegen seiner Liebe; und den Jakobus wegen seines Bekämpfens der Glaubensgegner (Thomas, lectur. super Matth. 17, 1).

Levi, genannt Matthäus

Levi, von Jesus später Matthäus genannt, ist der Stiefsohn der Maria Kleophä, der Nichte der seligsten Jungfrau, der Sohn ihres ersten Mannes Alphäus, den dieser aus seiner ersten Ehe mitgebracht hat. Er ist das Sorgenkind seiner Familie, denn er ist unter die Zöllner gegangen.

Als Maria Kleophä am 11. September 31 dem Herrn in Nazareth ihre fünf Söhne empfiehlt, weint sie über Matthäus. Doch Jesus tröstet sie mit dem Hinweis, er werde wohl noch einer der besten werden.

Matthäus scheint sich selbst der Anrüchig­keit seines Berufes bewußt zu sein; denn als er den Herrn mit den Jüngern am 25. November 32 sich seiner Zollstätte, die übrigens nur ein Amtshaus ist, nahen sieht, zieht er sich beschämt in sein Haus zurück. Doch als ihn der Herr herausruft, läuft er geschwind zu Ihm, wirft sich vor Ihm nieder und entschuldigt sich, er habe sich nicht würdig geglaubt, daß Jesus mit ihm rede. Doch als ihn nun der Herr zum Jünger be­ruft (Mt. 9, 9), und ihn die anderen Jünger herzlich begrüßen, ladet er alle gleich zu sich zum Essen ein und läuft mit dem Ver­sprechen Jesu auf morgen freudig zu seiner Frau, teilt ihr das Erlebnis mit, und beide überlegen gleich, wie sie alles verlassen wollen, um dem Herrn und Seiner Gemeinde zu dienen.

Am anderen Tage kniet er vor dem Herrn nieder, der ihn segnet und ihm den Namen Matthäus verleiht. Auch segnet der Herr seine Kinder und bespricht mit der Frau das neue Leben in der Gemeinde.

Zwei Tage später hat Matthäus bereits die Zollstelle einem der Schiffer übergeben, die er übrigens seit seiner Johannestaufe im Juli 31 immer redlich verwaltet hat.

Judas Thaddäus

Der dritte Sohn des Alphäus und der Maria Kleophä ist, wie sein Bruder Jakobus Minor, ebenfalls bei der Fischerei Petri tätig; doch ist Thaddäus mehr Kaufmann, denn er reist oft im Lande umher und handelt mit Fischernetzen, Segeltuch und Strickwerk. Es ist zu vermuten, daß er auch verheiratet gewesen ist. Seine erste Berufung geschieht am 24. August 32. Da er auf Reisen gewandt und im Umgang mit Fremden geschult ist, schickt ihn Jesus im Juni 33 nach Gessur, um dort die sieben heidnischen Philosophen zu empfangen, die Jesus auf Seiner Reise nach Cypern in Salamis bekehrt hat, und die sich jetzt auf Seinen Rat hin in Palästina niederlassen wollen. Thaddäus kehrt mit dreien von ihnen nach Kapharnaum zurück und führt sie Jesum und Mariä zu.

Nephthali, genannt Bartholomäus

Bartholomäus, ein Essener, ist schön und gewandt; er hat eine hohe Stirn, eine weiße Gesichtsfarbe, große schwarze Augen, dunk­les Haar und einen mäßig gespaltenen Bart. Er ist wohlgebaut und von allen Aposteln in seinem Äußeren am freiesten und fein­sten. Er hat etwas Edles und Zierliches in seinem Betragen, ist rasch und geht aufrecht wie ein wohlerzogener Edelmann.

Sein Vater Tholmai stammt von dem Könige Tholmai von Gessur her, dessen Tochter Machama dem Könige David den Absalom gebar (2 Kön. 3, 3, vgl. Jos. Flav. Ant. Jud. VII, 1, 4). Tholmai treibt einen großen Feldbau und Viehzucht in der Gegend von Gessur, aber zieht, da ihn das dortige Klima kränklich macht, nach Kana in Galiläa, wo sein Bruder mit der Tante des Nathanael, des Bräutigams von Kana, verheiratet ist. Er macht in der Nähe eine Bäderkur, ver­kauft später seine Güter in Gessur und läßt sich im Tale Zabulon nieder, wo ein älterer Bruder des hl. Joseph namens Sadoch wohnt. Die Kinder Sadochs verkehren bei der hei­ligen Familie, und die Söhne besuchen öfters Jesus in dessen Jugendjahren. Auf diese Weise hört Bartholomäus schon früh von Jesus, als dieser hier und da als heiliger, ausgezeichneter Jüngling genannt wird.

Am 3. Juni 31 empfängt er, wie auch Natha­nael Chased, zu Bethulia einen Gnadenblick des vorüberwandelnden Herrn, ja kann es nie vergessen, wie Jesus ihm hierbei ernst grüßend zugenickt hat. Er fühlt sich seit­dem innerlich so oft zu Jesus hingezogen. Als er einmal mit seinem Vater im Obst­garten im Tal Zabulon beschäftigt ist, hält er plötzlich in der Arbeit inne und schaut sehnsuchtsvoll nach der Gegend hin, wo Jesus gerade seine Jünger unterrichtet. Thol­mai stellt ihn zur Rede, und er bekennt, daß ihn die Sehnsucht zu dem Meister hinziehe, der dort lehre. Tholmai ist erstaunt. Bartho­lomäus erzählt ihm, was er von Jesus weiß und was er innerlich durch seinen Gnaden­blick erfahren. Da wird der alte Vater ganz gerührt über das Erlebnis und die Absicht seines Sohnes und bringt zum nächsten Osterfest zehn Lämmer zum Tempel. Beide, Vater und Sohn, hören dann in Jerusalem viel Wunderbares vom Herrn, halten sich aber bescheiden zurück.

Schon ein Vierteljahr vorher ist Bartholo­mäus dabei, als sein Freund Nathanael Cha­sed von Philippus zum Herrn geführt wird. Er bleibt in der Ferne stehen, doch Jesus schaut zu ihm hin und sagt zu seiner Um­gebung, er werde nicht mehr lange so fern stehen. Als ihn der spätere Evangelist Lukas in Dabbeseth besucht und bei ihm malt, sprechen beide viel über Jesus.

In Dabbeseth, nordwestlich der Ebene Jez­rael, ist Bartholomäus mit Schreiberei be­schäftigt und bekleidet ein öffentliches Amt; dadurch hat er auch die Bekanntschaft mit Nathanael, Thomas und Simon Zelotes ge­macht. Eine Nichte seines Vaters führt ihm dort den Haushalt. Als Jesus vor dem ersten Osterfest, da er schon acht Apostel um Sich hat, einmal in der Nähe in der Gesetzes-schule lehrt, suchen ihn Philippus, Simon Zelotes und Nathanael auf. Bartholomäus geht mit ihnen und hört die Lehre Jesu. Er ist Zeuge von Wunderheilungen, spricht aber noch nicht mit Jesus.

Auf seiner Rückkehr von der Johannestaufe trifft Bartholomäus Mitte Mai 32 mit Jesus und Seiner Begleitung in der Ebene Jezrael zusammen. Andreas weist auf ihn hin, und Jesus sagt: „Ich kenne ihn, er wird kom­men.“ Dies erzählt er dem Thomas und sie sprechen beide lange über den Herrn. Nicht viel später kommt Jesus wieder in die Gegend von Dabbeseth, kehrt bei Bartholo­mäus ein, nimmt ihn unter Seine Apostel auf, segnet ihn und legt ihm die Hand auf. Bartholomäus gibt sogleich sein Amt auf, welches der Bruder seiner Haushälterin übernimmt, und folgt Jesu nach. Er ist der neunte unter den berufenen Aposteln; denn Matthäus, Thomas und Judas werden erst nach ihm berufen. Den Namen Bartholo­mäus empfängt er daher, weil Jesus ihn immer den Sohn des Tholmai zu nennen pflegt.

Große Freude empfindet Bartholomäus, als am 23. November 32 sein kleiner Neffe Joses bei Kapharnaum und am 1. März 33 sein heidnischer reicher Onkel in Gessur im Beisein des Herrn getauft werden.

Jakobus der Jüngere

Der jüngste der drei Söhne des Alphäus und der Maria Kleophä ist, wie .Bartholomäus, ein Essener und hat in seiner Schönheit eine große Ähnlichkeit mit dem Herrn. Er ist Fischer bei Petrus und empfängt am 30. Juni 31 mit seinen beiden älteren Brüdern die Johannestaufe. Er hört den Herrn zum ersten Male am 19. August desselben Jahres im Villenort des Tales Zabulon, nimmt an der Hochzeit zu Kana teil und macht bereits Ende Juli 32 die erste anstrengende Lehr­wanderung Jesu mit.

Thomas von Apheke

Thomas‘ Eltern wohnen in Apheke, nord­westlich von Jezrael, an der großen Han­delsstraße Arabien-Tyrus. Sein Vater ist Großkaufmann und Teilhaber der Schiff­fahrt an den Küsten des Mittelländischen Meeres. Thomas, der drei Jahre vor Jesus als Zwilling zur Welt kommt, verliert seine Mutter bei seiner Geburt. Der Vater hei­ratet wieder, und von dieser Stiefmutter hat Thomas eine Schwester und zwei Brüder. Nach des Vaters Tode heiratet die Stief­mutter wieder, und Thomas hat nun ganz junge Stiefeltern und wird bei seinem Onkel, der einer Sekte angehört, ziemlich hart er­zogen.

Durch das Geschäft seines verstorbenen Vaters und dessen Verwandten kommt Tho­mas frühzeitig in Verkehr mit Ausländern und lernt fremde Sprachen und fremde Sitten kennen. Infolge seiner Erziehung wird er ziemlich eigensinnig und will von allem Gründe und Beweise haben. Er wech­selt später oft seine Tätigkeit, ist zuerst bei der grossen Schiffart, dann mehr beim Han­del und auch einmal bei der Fischerei am See Genezareth, wo er mit den künftigen Mitaposteln in Berührung kommt. Später beginnt er in Saphet allerlei jüdische Wis­senschaften zu studieren und ist auch in der Schule der Pharisäer, ohne einer zu werden.

Darnach kommt er in ein suchendes Leben, ist bald zu Hause, bald bei Bartholomäus in Dabbeseth, bald bei Nathanael Chased in Gennabris.

Als Jesus in Seinem zwanzigsten Jahre zum Tempel geht, reist Thomas auch dorthin und sieht den Herrn, doch ohne mit Ihm zu sprechen. Diese Reise wird die Veranlassung zu einer Veränderung in seinem bisherigen Leben; denn er kommt mit Jakobus dem Jüngeren in nähere Bekanntschaft, der sehr fromm und ein Essener ist und ihm manches von Jesus erzählt, wodurch er zu größerem Ernste und gediegenerer Frömmigkeit be­wogen wird.

In seinem dreißigsten Jahre lebt er zu Arimathäa und treibt Schreiberei; er hört mehrmals von Jesus und dem Täufer, glaubt aber anfangs nicht recht, was er hört. Auf ihrer Heimreise vom Osterfest 32 treffen ihn einige Jünger Jesu und erzählen ihm vom Herrn, was schon mehr Eindruck auf ihn macht.

Als er Ende Oktober desselben Jahres wie­der einmal den reichen Holzhändler Issa­char in Dothan besucht, mit dem er früher in Geschäftsverbindung stand, und in dessen Hause er als Hausfreund viel verkehrt, trifft auch der Herr mit Seinen Jüngern hier ein, und Thomas ist persönlicher Zeuge der Lehre und der Wunderheilungen Jesu.

Einige Tage später, am 3. November, lernt er den Herrn persönlich kennen und bittet Ihn um Aufnahme unter die Jünger. Er sei durch Seine Lehre, die er nun selbst gehört, und durch seine Wunder, die er nun selbst gesehen, überzeugt und wolle Ihm folgen und tun, was Er von ihm verlange. Als der Herr ihm sagt, daß Er ihn kenne und gewußt habe, daß er zu Ihm kommen werde, will Thomas das nicht gelten lassen und be­hauptet, er habe nie daran gedacht, denn er sei kein Freund von Absonderung und habe sich erst jetzt zum Anschluß entschlossen.

Der Herr aber erwidert: „Du sprichst wie Nathanael, du hältst dich für weise und redest töricht; soll der Gärtner nicht die Bäume des Gartens, der Winzer nicht seine Reben kennen, und soll er einen Weinberg bauen und die Knechte nicht kennen, die er hinsenden will?“ Und dann hält Er eine Gleichnisrede vom Sammeln der Feigen an den Dornen (Mt. 7, 16).

Ende November beteiligt sich Thomas schon bei Kapharnaum an dem Taufen der Heiden und Geheilten. Aber seinen Charakter be­hält er immer bei. Er denkt für sich, ist wie nachrechnend und disputiert überaus gern. Durch solches Disputieren überzeugt er auch beinahe seinen alten Professor in Saphet, den er, als Jesus dorthin kommt, besucht, und der sich wundert, ihn in dieser Gesell­schaft zu sehen.

Als Jesus den Jüngern am 19. Dezember mit­teilt, Er wolle gen Judäa reisen, freut sich Thomas, weil er dort den Widerspruch der Pharisäer heftiger vermutet und mit ihnen nach Herzenslust zu disputieren hofft, und äußert dieses auch den Jüngern gegenüber, die gerade deshalb nicht gern dorthin reisen wollen. Jesus aber straft seinen übertrie­benen Eifer mit der Bemerkung, er werde noch einst selbst nicht glauben wollen, was Thomas gar nicht begreifen kann.

Als einigen Jüngern Judas Ischariot schon nach einigen Tagen seiner Aufnahme nicht sonderlich gefällt, ist auch Thomas darunter und sagt es dem Herrn gerade heraus, dieser Judas Simonis gefalle ihm nicht, er sage zu leicht ja und zu leicht nein; warum der Meister denn diesen angenommen habe, da Er doch gegen andere schwieriger gewesen sei. Jesus antwortet ausweichend, als sei dieser wie alle in dem Ratschluß Gottes von Ewigkeit her mit eingeschlossen.

Simon Chananäus (Zelotes)

Simon ist der mittlere Sohn des Alphäus und der Maria Kleophä und war mit seinen Brüdern schon unter den Jugendgespielen Jesu. Später bekleidet er als Verteidiger des Han­delsrechts, als Schiedsmann und Schreiber eine Stelle am Gericht zu Tiberias, durch deren heftiges Betreiben er den Beinamen Eiferer (Chananäus, griechisch Zelotes) erhalten hat.

Er hält sich am 25. Dezember, als der Herr zwischen Tarichäa und Tiberias lehrt, ge­rade im Gerichtsgebäude auf. Sein Bruder Jakobus Minor sucht ihn dort auf und be­wegt ihn, den Meister einmal zu sehen und zu hören. Simon wird erschüttert, geht gar nicht erst zum Gericht zurück, sondern ordnet seine Sachen, übergibt einem Be­kannten seine Amtsstelle und folgt dem Herrn nach, der ihn als Jünger aufnimmt. Er nimmt gleich darauf an der Hochzeit zu Kana teil. Sein Anschluß an den Herrn, sowie auch die gleichzeitige Berufung der beiden Schreiber Philippus und Nathanael Chased machen auf Thomas und Bartholo­mäus tiefen Eindruck, die schon länger mit jenen Dreien befreundet sind.

Philippus von Bethsaida

Philippus bekleidet im Fischerorte Beth­saida eine Schreiberstelle und hat in seinem Benehmen etwas sehr Höfliches und Feines. Schon im Juni 31 besucht er mit seinem Bekannten aus Bethsaida, dem Fischerei­verpächter Andreas, den Täufer, und beide lassen sich gleich taufen.

Am 10. August desselben Jahres hört er den Herrn zum erstenmal in der Synagoge zu Bethsaida predigen und das zweitemal acht Tage später im Villenort des Tales Zabulon.

Andreas sucht ihn nach seinem eigenen Anschluß an Jesus wiederholt auf, erzählt ihm immer seine neuesten Erlebnisse mit dem Herrn und ladet ihn auch durch einen Brief zur Hochzeit zu Kana ein. Doch schon zwei Tage vor Beginn der Hochzeit holt ihn Andreas zu einem Spaziergang mit Jesus ab, der gerade in Kapharnaum angekommen ist. Scheu und zögernd bleibt Philippus auf dem Wege hinter der Gesellschaft Jesu zu­rück und weiß nicht, ob er wohl auch in das Tal mitgehen darf. Da wendet Sich der Herr mit dem Haupte nach ihm um und sagt: „Folge mir nach!“ (J. 1, 43), und Philippus geht nun freudig mit den zwölf Begleitern mit. Der Meister hat ihn mit diesen wenigen Worten berufen, und Philippus fühlt die übernatürliche Wirkung in seinem Innern.

Am nächsten Tage besucht er seinen Freund, den Schreiber Nathanael Chased, in dessen Schreiberhause zu Gennabris, erzählt ihm sein Erlebnis und führt ihn zum Herrn, der bereits Gennabris verlassen hat und sich auf dem Wege nach Kana befindet (J. 1, 45).

Judas Ischariot wird in seinem Charakter, seiner Lebensweise und verkehrten Einstel­lung dem Herrn gegenüber später im Ka­pitel der Gegner Jesu geschildert.

Die vom Herrn während Seines Lehrwandels als Jünger Aufgenommenen

Die vier Vettern Jesu:

1 – 4
Die sogenannten „Brüder des Herrn“, Söhne des Kleophas und der Maria Hell, der älte­sten Schwester der seligsten Jungfrau: Sadoch, Jakobus, Heliachim und Matthias, der später an Stelle des Judas zum Apostel gewählt wird. Alle sind Johannesjünger und kommen erst nach des Täufers Tode zum Herrn (siehe Tafel S. 38-39).

Die vier näheren Verwandten Jesu:

5 – 6
Die beiden Söhne der Maraha zu Sephoris, der Tante Mariä: Arastaria und Cocharia, sind unter den zuerst aufgenommenen Jün­gern Jesu.

7 – 8
Joses Barsabas, Sohn des Sabas und der Maria Kleophä, und Nathanael, der kleine Kleophas genannt, Sohn der Anna Kleophä, der Vortochter des Kleophas, sind bei der Fischerei des Zebedäus tätig.

Die zwei Söhne der Jesu entfernt verwand­ten Witwen:

9 – 10
Kolaja, der Sohn der Witwe Lea, und Eusta­chius, der Sohn einer der drei Jesu ver­wandten Witwen und Essener vom Berge Karmel.

Die vier Neffen des Kleophas:

11 – 14
Die vier Söhne des Sebadja von Nazareth: Kleophas (Emmausjünger), Jakob, Judas und Japhet, Jugendgespielen des Herrn, und später Johannesjünger, die erst nach des Täufers Tode zum Herrn kommen.

Die vier durch Sobe mit Jesus Verwandten:

15 – 18
Nathanael von Kapharnaum, der ein Ju­gendbekannter des Herrn und der Bräuti­gam zu Kana ist, und die drei Söhne der Tante jenes Nathanael. Sobe ist eine Tante der seligsten Jungfrau.

Die vier durch die Eltern des Täufers Jesu Verwandten:

19 – 22
Veronika’s Sohn Amandor, einer der ersten Jünger, ferner ein Verwandter der Veronika, der zu Jerusalem ein heimlicher Jünger ist, und der Halbgrieche Pannenas, Sohn des Griechen und dritten Mannes der Maria Kleophä und der Schwester des Sabas, des zweiten Mannes der Maria Kleophä. Und schließlich Judas Barsabas, ein Verwandter des Zacharias von Hebron.

Die zwei durch Joseph dem Herrn Ver­wandten:

23 – 24
Die zwei Söhne eines Verwandten des hl. Joseph: Manasse und Aminadab, die zu­erst heimliche und erst später öffentliche Jünger Jesu sind.

Die zwei Jugendgespielen Jesu:

25 – 26
Jonadab und Silvanus, beide aus Nazareth.

Die drei galiläischen Jünger:

27 – 29
Nathanael Chased, der Schreiber aus Genna­bris ; Jonathan, der Stiefbruder Petri; und der Evangelist Markus, der zeitweilig Fi­schereipächter bei Bethsaida ist, sich viel auf Auslandsreisen befindet und erst im letzten Lehrjahre Jesu in dessen Nähe weilt.

Die acht jerusalemischen Jünger:

30 – 37
Johannes Markus, der Sohn der Maria Mar­kus, ferner ein Sohn und ein anderer Ver­wandter der Johanna Chusa, dann die zwei Neffen des Joseph von Arimathäa: Aram und Themeni, und die drei Söhne Obeds, des Sohnes des alten Priesters Simeon, die Tempeldiener sind.

Fünfundzwanzig Jünger aus Judäa:

38 – 62
Annadias, der Sohn des Oberzöllners Zachäus von Jericho, vier Jünger aus Beerseba, die Jesus erst am 5. Januar 34 aufnimmt, und zwanzig Jünger aus Ono, südlich von Jericho.

Die zwei Jünger aus Samaria:

63 – 64
Der prophetisch begabte, aber blindgebo­rene und von Jesus geheilte Essener Mana­hem von Koreä und ein gewisser Azor, der mit nach Cypern reist.

Die drei griechischen Jünger:

65 – 67
Saturnin aus Patras, von königlicher Her­kunft, einer der ersten Johannesjünger und Jünger des Herrn, ein großer Täufer, und die beiden durch Lazarus dem Herrn zu­geführten Brüder Tharzissos und Aristo­bolos.

Die zwölf Jünger aus Cypern:

68 – 79
Barnabas aus Chytroi, Sohn eines Guts­besitzers und Holzgroßhändlers, der in Jeru­salem studiert hat; Jonas aus Salamis auf Cypern, der Sohn eines Esseners; Mnason, Sohn eines strenggläubigen Juden; die bei­den Söhne des Großkaufmanns Cyrinos zu Salamis: Aristarchos und Trophimos ; und sieben heidnische, vom Herrn auf Cypern bekehrte Philosophen.

Die drei verschwiegenen Jünger:

80 – 82
Die drei Söhne der von dem Gefolge der hei­ligen Drei Könige bei den Hirten von Beth­lehem zurückgebliebenen Mesopotamier, die Hirtinnen geheiratet und sich in Samaria niedergelassen haben. Diese drei Söhne von jenen nimmt der Herr auf seine Auslands­reise nach dem Irak mit. Sie heißen dem Alter nach: Eliud, Silas und Eremenzear. Der letztere stammt aus der Euphratstadt Atom.

Die fünf anderen Jünger aus dem Osten:

83 – 87
Selam aus Kedar im Haurangebiet; der Tempeldiener Caisar aus Atom in Meso­potamien, und drei Chaldäer aus Sikdor, die alle erst im Jahre 34 zu den übrigen Jüngern kommen.

Die elf ägyptischen Jünger:

88 – 98
Drei Jugendgespielen Jesu aus Ägypten; ferner Deodatus, der Sohn der reichen Mira aus Heliopolis, und sieben weitere Jüng­linge, die der Herr von Seiner letzten Reise nach Ägypten aus Heliopolis und Matarea mitbringt.

Doch damit ist die Zahl der Jünger nicht er­schöpft.

Zeitliche Abfolge des Verkehrs Jesu mit den Aposteln und Jüngern

Erstes Lehrjahr 31:

Juni
3.
Nathanael Chased und Bartholomäus emp­fangen vom vorüberwandelnden Herrn bei Bethulia einen Gnadenblick.

4.
Parmenas und Jonadab begleiten Jesum von Nazareth bis nach Hebron, bleiben Ihm aber anfangs nicht treu.

Juli
7.
Matthäus, Kolaja und Eustachius reden unterwegs mit dem Herrn über Johannes und Lazarus.

11.
Petrus und Andreas reden kurz mit Jesus über den Täufer.

Aug.
9.
Jesus nimmt Amandor, Eustachius und Kolaja als erste Jünger auf.

13.
Petrus und Andreas hören Jesus in der Synagoge zu Nazareth.

17.
Petrus, Andreas, Jakobus Minor und Philip­pus hören Jesus zum Sabbat im Villenort des Tales Zabulon.

19.
Jesus nimmt Arastaria und Cocharia als Jünger auf.

Sept.
17.
Jesus nimmt in Nazareth vier weitere Jün­ger auf, Verwandte und Freunde der heili­gen Familie.

28.
Andreas und Saturnin sind als Johannes-jünger Zeugen der Taufe Jesu, folgen Ihm nach Bethel und taufen dort im Hospital. Auch ein paar andere Johannesjünger schlie­ßen sich dem Herrn an. Andreas reist nach Kapharnaum ab.

Okt.
10.
Aminadab und Manasse Verwandte des hl. Joseph, werden Jesu heimliche Jünger.

17.
Saturnin und vier andere Jünger taufen in Sukkoth; und Aram und Themeni, Neffen des Joseph von Arimathäa, werden Jesu Jünger. Lukas spricht am Tal Zabulon mit Bartholomäus über Jesus, kommt aber erst kurz vor Jesu Tode dauernd zu den Jüngern.

Dez.
6.
Andreas, Saturnin und drei andere Johan­nesjünger schließen sich ständig Jesu an und arbeiten am zweiten Taufort.

24.
Andreas stellt Petrus und Johannes dem Herrn vor. Jesus sagt: „Du bist Simon, des Jonas Sohn, und wirst künftig Kephas hei­ßen“ (J. 1, 41).

29.
Jesus beruft den Philippus im Tal von Kapharnaum (J. 1, 43).

30.
Jesus beruft Nathanael Chased bei Genna­bris (J. 1, 45).

Zweites Lehrjahr 32:

Jan.
Auf der Hochzeit zu Kana lernen sich nach der Absicht des Herrn alle künftigen Apostel, außer Bartholomäus, Thomas und Judas, und ein großer Teil der Jünger näher kennen. Auch beruft hier Jesus vermutlich den Johannes.

Febr.
8.
Jesus nimmt in Ono, südlich von Jericho, zwanzig neue Jünger auf.

April
Der Herr feiert mit allen künftigen Apo­steln, außer Bartholomäus, Thomas, Judas Ischariot und Matthäus, Ostern zu Jerusa­lem, lehrt sie, das Wasser zur Taufe zu seg­nen, und läßt sie teils schon hier und da lehren und heilen, obschon ihnen das Hei­len aus Mangel an Glauben nicht immer gelingt.

Mai
Jesus läßt an der zweiten Taufstelle durch Andreas, Saturnin, Petrus und Jakobus Major taufen. Mitte Mai werden viele Jün­ger verhaftet und verhört. Petrus, Andreas und Johannes zerreißen bei dieser Gelegen­heit in Gennabris ihre Fesseln. Alle werden wieder freigelassen.

Juni
26.
An zwanzig galiläische Jünger, darunter Petrus, Andreas, Jakobus Minor und Thad­däus, besuchen Jesus heimlich in Tyrus und in einer anderen Herberge an der Grenze.

29.
Fast alle jetzigen Jünger und künftigen Apostel treffen sich mit Jesus in Bethoron und werden von Ihm auf einer anstrengen­den Lehrreise geschult.

Okt.
28.
Bartholomäus, Judas Thaddäus und Simon Zelotes werden zu Meroz von Jesus unter die Jünger aufgenommen.

29.
Judas Ischariot wird zum Jünger aufgenom­men.

Nov.
3.
Thomas wird unter die Zahl der Jünger zu Dothan aufgenommen.

7.
Kaleb und Aaron, die Söhne Jesses, des Neffen Josephs, werden zu Dabrath als Jün­ger aufgenommen.

13.
Alle künftigen Apostel, außer Matthäus, und an sechzig Jünger wohnen der Bergpredigt Jesu bei Gabara bei.

23.
Andreas und Saturnin taufen zu Kaphar­naum; und Thomas, Bartholomäus und Johannes legen den Täuflingen die Hände auf.

24.
Matthäus wird von Jesus bei seiner Zoll­stätte berufen (Mt. 9, 9).

25.
Letzte Berufung des Petrus, Andreas, Jako­bus Major und Johannes bei Matthäi Zoll­stätte am Seeufer (Mt. 4, 18).

Dez.
1.
Der wunderbare Fischzug des Petrus (L. 5, 4).

9.
Jesus versammelt alle Apostel und verleiht ihnen die Gewalt zu heilen und Teufel aus­zutreiben (Mt. 10, 1).

12.
Jesus und Petrus wandeln zum ersten Male auf dem See (Mt. 14, 22).

15.
Erste förmliche Aussendung der Zwölf und der Jünger auf dem Lehrberg bei Hanathon (Mt. 10, 5). Es werden nur sechs Apostel und achtzehn Jünger ausgesendet.

26.
Die Zurückkehrenden erzählen dem Herrn ihre Erlebnisse.

Drittes Lehrjahr 33:

Jan.
2.
Die bei Jesus weilenden Apostel erhalten eine Verstärkung ihrer Gnadengaben. Er nimmt drei Ägypter als Jünger auf.

5.
Zweite Aussendung der Apostel und Jünger am Lehrberg bei Tabor, außer Petrus und Johannes und einigen Jüngern.

Febr.
1.
Die Zurückkehrenden berichten dem Herrn von ihrer apostolischen Reise (Mk. 6, 30).

2.
Jesus setzt die zwölf Apostel über die 72 Jünger.

3.
Jesus und Petrus wandeln zum zweitenmal auf dem See (Mt. 14, 24).

10.
Jesus stellt die Apostel nach ihrer inneren Gesinnung und Gemütsart in drei Reihen zusammen:

  1. Reihe: Petrus, Andreas, Johannes, Jako­bus Major, Matthäus;
  2. Reihe: Thaddäus, Bartholomäus, Jako­bus Minor;
  3. Reihe: Thomas, Simon Zelotes, Philip-pus, Judas Ischariot.

13.
Er erteilt den Aposteln die Kraft der Wun­derheilung in verstärktemMaße. Alle wei­nen, und auch Jesus ist sehr bewegt.

März
12.
Er sendet die Apostel das drittemal, und zwar diesmal östlich und nordöstlich in ferne Orte gen Damaskus und Arabien. Sie kehren allmählich bereits nach einer Woche wieder zum Herrn zurück.

24.
Petrus empfängt vom Herrn in Gaulanitis, südöstlich von Sogane, die Schlüssel des Himmelreiches (Mt. 16, 13).

April
2.
Während der zweiten Osterfeier zu Jerusa­lem macht der Theologiestudent Stephanus, der spätere Diakon und Märtyrer, die per­sönliche Bekanntschaft mit Johannes.

8.
Verklärung des Herrn auf dem Berge Tabor vor Petrus, Jakobus Major und Johannes (Mt. 17, 1).

28.
Vierte Aussendung der Apostel und Jünger in der Gebirgseinsamkeit, nordwestlich von Garisima.

 

Die Freunde aus dem Laienstand

Jesu Wandel mit dem Essener Eliud

Der alte, sehr ehrwürdige Greis, bei welchem Jesus am 10. September 31 vor Nazareth einkehrt, heißt Eliud, ein Witwer, den seine Tochter pflegt, und der ein Neffe des hl. Zacharias ist. Zwölf Tage lang ist Jesus

mit ihm zusammen, unterhält Sich mit ihm in seinem Hause und macht mit ihm eine ganz private Wanderung durch die Land­schaften Südgaliläas, besucht mit ihm einen Aussätzigenbezirk, ein Heilbad und einige Städte, läßt ihn nicht von Seiner Seite und zeigt Sich vor ihm in der letzten Nacht auf dem Felde Jezrael in verklärter Gestalt.

Warum tut Er dies? Warum diese besondere Auszeichnung und Bevorzugung einer ein­zelnen Privatperson? Katharina Emmerich hat die Antwort auf diese Fragen gehört, welche zugleich ein uns aufklärendes Licht über alle derartige Privatgespräche Jesu wirft: Alle Privatpersonen, die von den Evangelisten mit Personennamen angeführt werden und alle Privatpersonen, mit denen der Heiland des längeren verkehrt und spricht, sind Typen für ganz bestimmte Men­schengruppen der Menschheitsgeschichte und ebenso für ganz bestimmte Seelenzustände, die in einzelnen Menschen immer wieder stattfinden, und schließlich auch Typen für bestimmte Gnadenberufe oder auch ab­wegige Ausgänge einzelner Menschen (z. B. Judas Ischariot).

Dieser Eliud nun ist der Typus des einsam beschaulich lebenden und gereiften Mysti­kers, der am Ende seiner Tage von Jesus eines besonderen vertraulichen Umganges mit dem Herrn gewürdigt wird.

Dementsprechend haben denn auch die Ge­spräche Jesu mit Eliud Dinge zum Gegen­stande, die der Heiland während Seines Lehrwandels weder in der großen Öffent­lichkeit noch im engeren Kreise zur Sprache bringt. Eliud hat auf Grund seiner mysti­schen und tiefforschenden Einstellung und auch auf Grund seiner Jugendbekanntschaft mit der Tempel-Hanna (L. 2, 36) vieles Interne aus dem Leben der Mutter der aller-seligsten Jungfrau und dieser letzteren selbst erfahren. Daher stellt er ganz unbefangen an Jesus tiefgehende Fragen über Jesu Sendung, Geburt und zu gründendes Reich ­und Jesus legt ihm alles aus.

Er sagt ihm, daß Er der Messias sei, spricht mit ihm über die ganze Linie Seiner mensch­lichen Herkunft und das Mysterium der Bundeslade. Eliud, der dazwischen oft aller­lei Schriftrollen vorlegt und Stellen aus den Propheten zitiert, fragt auch den Herrn, warum Er nicht früher auf die Welt gekom­men sei. Jesus antwortet darauf, wie Er nur aus einem Weibe habe geboren werden kön­nen, welches auf die Weise empfangen sei, wie die Menschen ohne den Sündenfall emp­fangen worden wären, und wie kein Ehe­paar seit den ersten Eltern beiderseits sich so rein dazu befunden habe wie Anna und Joachim. Er entwickelt ihm alles und zeigt ihm alle früheren Hindernisse, Hemmungen und Zurücksetzungen des Heils.

Auch fragt Eliud Ihn, wo denn Sein Reich sein werde, ob in Jerusalem, in Jericho oder in Engaddi (anscheinend weil Jerusalem das Zentrum des jüdischen Priestertums, Jericho das der Herrschaft des Herodes und Engaddi das der Essener war). Jesus antwortet hier­auf : Wo Er sei, da sei Sein Reich, denn Er werde kein äußerliches Reich haben.

Rührend ist es auch, wie Jesus, dem doch nichts verborgen ist, Sich dennoch alles von Eliud erzählen läßt, was dieser von Joachim, Anna, Maria, Joseph, Zacharias und Elisa­beth weiß, wobei der Heiland hier und da erklärende Bemerkungen macht. Dann läßt Er Eliud Zeuge sein, wie Er einen Aussät­zigen heilt, wie Er im Heilbad bei Endor im Sanatorium die Kranken tröstet und die ärmeren Kranken bei Tisch bedient. Auch besucht Er mit ihm Josephs frühere Werk­stätte und wandert mit ihm durch die stil­len Nächte, bis Er sich vor dem Jesu körper­liche Schönheit und Kraft bewundernden Greise in leuchtender, verklärter Gestalt zeigt, und ihm — so wie später dem Petrus, Jakobus und Johannes — einmal das Ziel sinnfällig vor Augen führt, zu dessen Erreichung von seiten der guten Menschen Er vorher durch die große Passion Seinen Leib verunstalten läßt.

Als Er Sich von ihm verabschiedet, segnet Er ihn in besonderer Weise und nimmt ihn damit gleichsam in die Gemeinschaft Seines neuen Reiches auf.

Kurz vor Eliuds Tode unterhält Er Sich noch einmal eine ganze Nacht hindurch mit dem altersschwachen Greise in dessen Woh­nung vor Kapharnaum, wodurch dieser noch einen himmlischen Trost empfängt.

Lazarus und seine Freunde

Nach dem Essener Eliud ist wohl Lazarus von Jerusalem und Bethanien der intimste Freund des Herrn gewesen. Sein Vater Zarah oder Zerah war von vornehmer Her­kunft aus Ägypten. Dieser wohnte eine Zeit­lang in Syrien an der arabischen Grenze und stand in enger Beziehung zu einem syrischen Könige. Wegen seiner Verdienste in einem Kriege wurde er vom Kaiser Augustus mit Gütern bei Jerusalem und in Galiläa be­schenkt. Durch seine Heirat einer Jüdin aus pharisäischem Geschlecht, namens Jeza­bel, wuchs sein Reichtum. Er wurde Jude, lebte streng nach Art der Pharisäer und vermachte einen Teil seines großen Stadt­besitzes dem Tempel. Seine Familie wußte von Hanna’s und Simeons Prophezeiung, erwartete den Messias und war schon zur Jugendzeit Jesu mit der heiligen Familie be­kannt, wie manchmal reiche fromme Leute mit ärmeren frommen Leuten zu verkehren pflegen. Noemi, die Lehrerin Mariä am Tempel, war eine Schwester der Jezabel. Zarah und Jezabel hatten im ganzen fünf­zehn Kinder, von denen sechs sehr früh starben, neun älter wurden und nur vier Christi Lehrzeit erlebten, nämlich Lazarus, Martha, die kontemplative Maria und Maria Magdalena. Nach dem Tode des Vaters fal­len durch Los das Schloß Magdalum und mehrere Landgüter am See an Maria Magdalena; das Schloß zu Bethanien an Martha und Maria; und der Stadtteil am Berge Sion, sowie eine große Zahl von Landgütern in Südgaliläa und das Schloß bei Herodium an Lazarus. Doch räumt Martha den Haupt­teil des Schlosses zu Bethanien ihrem Bru­der ein, da dieser sich gern hier aufhält.

Hier und auch im Stadthause am Sion weilt nun der Heiland sehr oft im Kreise der in­timen Freunde des Lazarus, zu welchem der Steinmetzerei- und Steinbruch – Besitzer Joseph von Arimathäa, der Bildhauer Niko­demus und der am Tempel beschäftigte Obed, der ein Sohn des alten Priesters Simeon ist, gehören; ferner der Pharisäer Simon zu Bethanien, der dort ein vermiet­bares Festhaus mit Hotel besitzt, und schließlich Johannes Markus, der Sohn der Maria Markus, der nicht mit dem Evange­listen Markus zu verwechseln ist.

Lazarus steht überall in großer Ehre und Achtung als ein sehr reicher und frommer, ja erleuchteter Mann. Sein Benehmen ist auch sehr vor dem aller anderen Mit­menschen ausgezeichnet; er ist sehr ernst, in allem sehr mäßig, redet wenig, wenn aber, dann sehr sanft und doch mit Gewicht. Bei aller Vertraulichkeit mit den Freunden hat er stets etwas Vornehmes in Haltung und Gesprächen. Er ist von langer Gestalt, hat helle Haare und eine gewisse Ähnlichkeit mit dem hl. Joseph, nur sind seine Gesichts­züge strenger und markanter. Anfangs glaubt er, wie Nikodemus und viele seiner Freunde, immer stillschweigend, Jesus sei berufen, mit Seinen Jüngern Jerusalem in Besitz zu nehmen, sie vom römischen Joch zu befreien und das Reich der Juden her­zustellen. Doch allmählich merkt er aus den Reden des Herrn, daß es sich mit dem Reiche Jesu doch anders verhalte.

Er begleitet den Herrn zu dessen Taufe und empfängt nach ihr mit seinen Freunden ebenfalls die Johannestaufe. Mitte Oktober 31 hört er Jesum zum erstenmal öffentlich in Gilgal predigen, und Ende Januar 32 ist er zum erstenmal Zeuge der Wunderheilun­gen Jesu in Beth-Araba.

Zur Hochzeit von Kana bestreitet er den zweiten Gang des Mahles, den der Herr übernommen hat, und stellt auch bald darauf seinen Weinberg nebst Gutshof in der Nähe von Jakobs Feld in Samaria der Gemeinde zur Verfügung. Alle Auslagen der Reisen und Almosen Jesu und Seiner Jünger gehen ebenfalls aus Lazari Vermögen, und Simeons Sohn Obed besorgt die Zahlungen. Ende Juli 32 bietet er sich mit den wohlhabenden Anhängerinnen Jesu aus Jerusalem dem Herrn an, für die reisenden Jünger Her­bergen in Nordjudäa und Samaria einzu­richten und zu verwalten. Jesus nimmt dies Anerbieten an, ebenso wie später die Ein­richtungen weiterer solcher Herbergen in Mittelgaliläa. Nach Magdalena’s endgültiger Bekehrung verkauft auf deren Bitte hin Lazarus die Güter Magdalenas und stellt den Erlös dem Herrn für Almosenspenden zur Verfügung, wovon Jesus gleich für die Ent­haftung der Gefangenen zu Thirza den ersten Gebrauch macht.

Im August 33 erkrankt Lazarus und stirbt Ende September. Nach seiner Auferwek­kung vom Tode kniet er im Speisesaal des Schlosses vor dem Herrn, der ihm die rechte Hand auf das Haupt legt und ihn siebenmal anhaucht. Hiermit weiht Er ihn zu Seinem Dienst, reinigt ihn von allem Zusammen­hang mit der Welt und ihren Sünden, und stärkt ihn durch Geistesgaben schon vor den Aposteln, da Lazarus bereits eine andere Welt geschaut hat und nun vom Herrn be­stimmt ist, bei den zukünftigen Christen­verfolgungen seitens der Juden vielen Gläu­bigen ein väterlicher Freund und Fürsorger zu sein.

Die vier übrigen Freundesgruppen

Der Herr liebt es, wenn in ihrer Stadt und Gegend angesehene Geistesmänner gänzlich frei sind von Neid und Herrschsucht und sich in ihrer aufrichtigen Heilssehnsucht nicht vor den Mitmenschen und ihrem ver­kehrten Gerede fürchten; und zu diesen vorbildlichen Männern gehören:

erstens der verheiratete Essener und Bürger­meister Jairus zu Phasael, mit dem der Herr im Oktober 31 die Ortskranken besucht, und dessen sechzehnjährige Tochter Er Mitte Februar 32 vom Tode erweckt (Jesu erste Totenerweckung) ;

zweitens der dreißigjährige Witwer und Pharisäer Dinotus in Gennabris, der mit Andreas befreundet ist und der den Herrn Ende August 32 mehrere Tage beherbergt;

drittens der Synagogenvorsteher Jairus von Kapharnaum, dessen Tochter Salome Jesus zweimal vom Tode erweckt, und der sich mutig zum Herrn bekennt, obschon er des­halb sein Amt niederlegen muß;

viertens der Samariter und wohlhabende Rentier Simeon, der sich mit seiner Familie bei Amichores-Libnath niedergelassen hat und der dem Herrn seine Gärten zur Lehre und Taufe zur Verfügung stellt, als sich Jesus im Juli 32 wegen der systematischen Verfolgung seitens des Synedriums von der öffentlichen Lehrtätigkeit zurückgezogen hat;

fünftens der patriarchalisch lebende Groß­grundbesitzer Obed bei Michmethat, der dem Herrn Ende Oktober 32 seine Landgüter zeigt und im Kreise seiner Familie und Arbeiterschaft den Standeslehren Jesu lauscht;

und schließlich der verheiratete Essener und Pharisäerssohn Simeon in Gath-Hepher, der Anfang Januar 33 sein Hab und Gut der Gemeinde Jesu überläßt.

Auch werden jene Inhaber öffentlicher Ämter der Freundschaft Jesu gewürdigt, die als Heiden einen größeren Glauben offen­baren als die Juden, und zu diesen gehören: die durch die Evangelien bekannten römischen Beamten Cornelius und Serobabel von Kapharnaum, ferner der römische Fe­stungskommandant Achias in der Garnisons­stadt Gischala und der Stadtpräfekt Ozias zu Antipatris.

Ebenso dürfen sich unter den Großkauf­leuten jene Freunde Jesu nennen, die bei allem Reichtum und weltlichen Erfolge die kostbare Perle des übernatürlichen Heils gefunden, erkannt und erworben haben, wie der Holzhändler Issachar zu Dothan und der Spediteur Israel zu Kana, die beide schon seit langem die heilige Familie kennen; ferner der Fabrikant Jesse zu Dabrath und der mit diesem in geschäftlicher Beziehung stehende Kaufmann Cyrinus zu Salamis auf Cypern.

Schließlich fühlt Sich der Herr wie unter Freunden in der Gesellschaft bestimmter Hirten, die durch ihre kindliche und offen­herzige Gesinnung Jesu Freude bereiten, und auch bei bestimmten Gruppen von Zöll­nern, die, wie Zachäus von Jericho, und wie jene an den Handelsstraßen bei Dibon, Jezrael, Galaad und Gessur, mit ihrer Be­kehrung ernst machen und sich restlos von allem unredlichen Besitz trennen.

5. Die heiligen und helfenden Frauen

Jesu Gespräche mit der kontemplativen Maria

Ähnlich wie unter den Freunden Jesu der alte Essener Eliud von Nazareth der Typus der einsam beschaulich lebenden Mystiker ist, so stellt die mittlere Schwester Lazari, die kontemplative Maria, den Typus der beschaulich lebenden Mystikerinnen dar. Sie hat im Schloßpark von Bethanien ihr eigenes Häuschen mit abgeschlossenem Gar­ten, gilt zwar bei den Ihren als geistig be­schränkt, wird aber vom Heiland anders be­urteilt, der zu Eliud von ihr sagt: „Sie ist nicht für diese Welt, sondern ganz innerlich und ohne Sünde, und so Ich mit ihr reden würde, sollte sie wohl das Geheimste ver­stehen.“

Und zweimal hat Er mit ihr eine lange, pri­vate und ganz mystische Unterredung, in denen sie mehr ekstatisch als natürlich von den Mysterien der Trinität und der Inkar­nation spricht. Der Herr unterbricht ihre Reden nur hier und da durch Gebet und Dank zum himmlischen Vater, segnet sie und verkündet ihr ihre baldige Befreiung aus dieser irdischen Welt, die am Schluß des ersten Osterfestes 32 im Beisein der aller-seligsten Jungfrau und der heiligen Frauen stattfindet.

Die drei nahe verwandten Marien

Unter den galiläischen heiligen Frauen stehen an der Spitze die drei Jesu nahe ver­wandten Marien:

Maria Hell, die neun Jahre ältere und älteste Schwester der seligsten Jungfrau, die Gattin des Kleophas, von dem sie die drei sogenannten „Brüder des Herrn“, Sadoch, Jakobus und Heliachim als Söhne hat, und die spätere Gattin des Obed, dem sie den Jairus schenkt. Sie wohnt zu Japha, einem kleinen, eine Stunde südlich von Nazareth gelegenen Orte, und später ist sie noch bei der Grablegung des Herrn zugegen.

Zweitens Maria Salome, die Cousine der seligsten Jungfrau, die Gattin des Fischers Zebedäus und Mutter der beiden Apostel Jakobus Major und Johannes, für deren Jesu nahen Platz in dessen Reiche sie den Herrn dreimal bittet. Sie bewohnt im An­fange des Lehrwandels Jesu das frühere Haus der heiligen Familie in Nazareth und lebt später bei Kapharnaum; sie steht mit unter dem Kreuze Jesu und wohnt der Grab­legung des Herrn bei.

Drittens Maria Kleophä, die Nichte und Jugendgespielin der seligsten Jungfrau, die Tochter der Maria Heli und Gattin zuerst des Alphäus, von dem sie die Apostel Judas Thaddäus, Simon Zelotes und Jakobus Minor und Susanna Alphäi empfängt, und der aus seiner ersten Ehe den Apostel Matthäus mit­bringt, dann Gattin des Sabas, von dem sie den Jünger Joses Barsabas empfängt, und schließlich die Gattin des Griechen Jonas, der aus seiner ersten Ehe den Jünger Parme­nas mitbringt, und dem sie noch den späten Sohn Simeon Justus schenkt. Gleich zu Beginn des Lehrwandels Jesu läßt sie sich nahe bei dem Hause der seligsten Jungfrau bei Kapharnaum nieder, empfiehlt dem Herrn angelegentlich ihre Söhne als Jünger, wird vom Herrn Ende November 32 vom tödlichen Fieber geheilt, ist ungemein rüh­rig im Dienste der Kranken und Armen bei den Bergpredigten Jesu und steht auch zu­letzt mit unter dem Kreuze des Herrn. Durch ihren dritten Mann ist sie entfernt mit Petrus verwandt.

Die drei anderen Verwandten des Herrn

Zur zweiten Gruppe der galiläischen Frauen, die nahe mit dem Herrn verwandt sind, gehören: Maraha, die jüngere Schwester der hl. Anna, also eine Tante der seligsten Jung­frau, die in Sephoris im ehemaligen Hause von Annas Eltern wohnt und öfters den Herrn und dessen Mutter bei sich beher­bergt und in ihren beiden Söhnen Arastaria und Cocharia dem Herrn die ersten Jünger schenkt.

Zweitens Susanna Alphäi aus Nazareth, die Tochter des Alphäus und der Maria Kleo­phä, also die Schwester der drei Apostel Thaddäus, Simon und Jakobus Minor.

Drittens Anna Kleophä, die Kleophas als Tochter aus seiner ersten Ehe mitbringt, als er Maria Heli, die älteste Schwester der seligsten Jungfrau, heiratet. Sie ist die Mut­ter des Nathanael, der zum Unterschied von den beiden anderen Nathanaelen der kleine Kleophas genannt wird, und den der Heiland sehr lieb hat.

Die fünf heiligen Witwen

Zu den sogenannten heiligen Witwen ge­hören zuerst einmal jene drei Mütter von frühesten Jüngern des Herrn: Lea und Seba von Nazareth, die dem Herrn die Jünger Kolaja und Eustachius schenken, und Sobe, die Tochter der älteren Sobe und die Cou­sine der seligsten Jungfrau, die in Kana den Herrn und dessen Mutter öfters beherbergt und deren Sohn oder Neffe der Bräutigam von Kana ist, der Nathanael heißt, in Kapharnaum wohnt und ebenfalls ein Jün­ger des Herrn wird.

Dann folgt die wohlhabende Witwe Maroni von Naim, die Schwester der Frau des Apostels Jakobus Major und die Mutter des vom Herrn vom Tode erweckten Jünglings Martialis, die den Herrn nach diesem Sei­nem Wunder mit den Jüngern in ihrer Sommervilla und ihrem großen Hause zu Naim beherbergt, einen Teil ihres Ver­mögens der Gemeinde Jesu zur Verfügung stellt und sich äußerst tätig im Kreise der helfenden Frauen erweist. Auf ihre Bitte hin heilt der Herr durch Vermittlung Seiner Mutter auch deren Freundin, die Witwe Maria aus Nairn, aus der Ferne von der Besessenheit, worauf die Geheilte ebenfalls in den Kreis der helfenden Frauen eintritt.

Die jerusalemer Frauen

An der Spitze der Frauen Jerusalems steht wegen ihres organisatorischen Talentes und apostolischen Eifers des Lazarus älteste Schwester Martha, die zuerst mit ihrem Bruder und dann mit den helfenden Frauen ständig unterwegs ist, um neue Jüngerher­bergen einzurichten, die älteren zu kontrol­lieren und um sämtliche Herbergen regel­mäßig mit Hausgerät und frischen Lebens­mitteln und Decken für die Jünger und Armen auszustatten.

Zweitens Seraphia aus Jerusalem, die Toch­ter des Vetters des hl. Zacharias, in deren Elternhaus am Fischmarkt zu Jerusalem Joachim und Anna einkehren, als sie ihre Tochter als vierjähriges Mägdlein zum Tempel bringen. Sie ist auch mit dem alten Priester Simeon verwandt und von Jugend an eine Freundin von dessen Söhnen. Zur Zeit des Lehrwandels Jesu ist sie mit dem Tempelratsmitglied Sirach verheiratet, unter dessen anfänglicher Abneigung gegen Jesus sie viel zu leiden hat. Durch Joseph von Arimathäa und Nikodemus bekehrt, wird Sirach milder gesinnt und erlaubt es seiner Frau, Jesum zu folgen und den Jüngern zu dienen. Sie ist eine großgewachsene, schöne und mutige Frau, und sie ist es, die dem Herrn auf Seinem Kreuzwege das Schweiß­tuch reicht, und daher in der Folge den Namen Veronika (von vera icon = wahres Bild) erhalten hat. Ihr Sohn Amandor ist einer der frühesten Jünger des Herrn.

Drittens Susanna von Jerusalem, die unehe­liche Tochter des Kleophas, eines älteren Bruders des hl. Joseph, ist von ihrem Groß­vater, einem persischen Fürsten, her eine reiche Frau und mit dem Beamten Matthias, einem Verwandten des späteren Apostels Matthias, verheiratet. Wie die seligste Jung­frau lebte sie auch als Mädchen im Tempel­pensionat und war nach ihr von Gophna aus dort eingetreten. Gleich zu Beginn des Lehrwandels Jesu gehört sie zum Freundes­kreise Lazari in Bethanien und begleitet Martha in der Folge viel auf ihren Rund­reisen und unterstützt sie durch reichliche Spenden. Später ist sie bei der Grablegung des Herrn anwesend.

Viertens die Witwe Salome, ähnlich wie Susanna der hl. Familie durch einen Bru­der des hl. Josephs verwandt, die schon lange bei Martha in Bethanien wohnt und auch bei der Grablegung des Herrn anwesend ist, sowie sich in der Gesellschaft der Magda­lena, Maria Kleophä und Johanna Chusa befindet, als sie am Auferstehungsmorgen die Spezereien zum Grabe Christi tragen.

Fünftens Maria Markus, eine Verwandte des alten Priesters Simeon. Sie wohnt mit ihrem Sohne Johannes Markus nordöstlich vor Jerusalem, beherbergt oft den Herrn in ihrem Hause und auch die Mutter Jesu un­mittelbar vor der Kreuzigung des Herrn und ist zuletzt bei der Grablegung der selig­sten Jungfrau zugegen.

Sechstens Johanna Chusa, eine hochgewach­sene, blasse, ernste Frau, aber stark und rüstig. Sie ist eine Nichte der Tempel-Hanna, und ihr Sohn war schon mit Jesus bekannt, als dieser zwölfjährig in Jerusalem zurück­blieb. Später ist er einer der drei geheimen Jünger Jesu zu Jerusalem. Sie verkehrt eben­falls im Schlosse zu Bethanien und schafft eifrig mit Martha für die Jüngerherbergen; der Herr speist des öfteren in ihrem Hause mit Seinen Jüngern; und sie ist es, die mutig mit Veronika und Maria von Hebron, der Nichte der hl. Elisabeth, nach Machärus reist, um dort mit Hilfe einiger Knechte aus Juta das Haupt des Täufers ausfindig zu machen und abzuholen.

Die bekehrten Sünderinnen

An der Spitze der bekehrten Sünderinnen, die zum engen Kreise Jesu und Seiner Mut­ter kommen, steht als Typus aller heiligen Büßerinnen Maria Magdalena, die jüngste Schwester des Lazarus. Mit sieben Jahren verlor sie ihre Eltern, die ihre jüngste, sehr schöne und altkluge Tochter verwöhnt hat­ten. Schon in ihrem neunten Jahre fing sie Liebschaften an. Mit ihren wachsenden Talenten und Eigenschaften wuchs auch der Lärm und die Bewunderung um sie. Sie hatte viele Gesellschaften, war auch gelehrt, schrieb Sprüche von Liebessachen auf kleine Rollen von Pergament, schickte diese herum und wechselte sie mit ihren Liebhabern. Mit elf Jahren bezog sie mit vielen Mägden und Dienern das durch Los von den Eltern ge­erbte Schloß Magdalum. In ihrem neuen Hause verkehrten bald Offiziere der Garnison von Magdalum und Umgegend, anfangs auch geistreiche Männer, aber allmählich sank das Niveau ihrer Hausfreunde und Freundinnen immer mehr.

Den ersten Gnadenstrahl empfängt Magda­lena am Schlußtage des vierzigtägigen Fa­stens des Herrn. Sie fühlt sich innerlich bewegt, und eine plötzliche Angst über ihr bisheriges Leben und eine Begierde nach Rettung überfällt sie. Doch hält die innere Regung nicht lange an. Martha bewegt Mitte Januar 32 Magdalena, mit ihr nach Jezrael zu reisen, um dort den neuen Propheten von Nazareth zu sehen; doch Jesus ist schon fort; aber Magdalena hört dort noch von Augenzeugen von den soeben gewirkten Wunderheilungen des Herrn. Einen Monat später ist sie auf Veranlassung ihres Bruders und der Martha, Veronika und Johanna Chusa, die sie besucht haben, in Jezrael, sieht vom Hotelfenster aus den Herrn mit Seinen Jüngern in die Stadt einziehen, emp­fängt von Ihm einen Gnadenblick, stürzt erschüttert und überwältigt in die Herberge der Aussätzigen, reist mit beiden Geschwi­stern nach Magdalum zurück, fällt aber nach einiger Zeit wieder in ihr altes Leben zurück. Im Kreise der Seinen erklärt der Herr am 24. Juli 32, sie sollten für Magda­lena beten, sie werde schon kommen und noch vielen ein Beispiel werden. Am 13. November erfolgt bei der Bergpredigt Jesu bei Gabara eine erneute, und am letz­ten Tage desselben Jahres 32 die endgültige Bekehrung Magdalena’s.

Sie wohnt fortan im Hause ihrer verstor­benen Schwester Maria zu Bethanien, bittet den Herrn mehrere Male für ihren sterbens­kranken Bruder, spendet Jesu wiederholt bei Tisch die Ehrensalbung — das letztemal den Tag vor dem letzten Abendmahl —, steht mit unter dem Kreuze, begleitet den heiligen Leib des Herrn zur Grablegung, und erlebt als erste die Auferstehung Christi.

Die zeitlich zuerst vom Herrn Bekehrte ist die Samariterin Dina, die durch ihr langes Zwiegespräch mit dem Herrn am Jakobs­brunnen bekannt ist. Sie stammt aus ge­mischter Ehe, von einer jüdischen Mutter und einem heidnischen Vater und ist auf einem Landsitz bei Damaskus geboren. Früh verliert sie beide Eltern, hat später fünf Männer hintereinander, die teils durch Kummer, teils durch neue Liebhaber aus dem Leben scheiden. Aus diesen Ehen stam­men drei Töchter und zwei Söhne, die bei den Verwandten ihrer Väter zurückbleiben, als Dina Damaskus verlassen muß. Zur Zeit ihrer Bekehrung am Jakobsbrunnen lebt sie mit einem Verwandten ihrer früheren Män­ner, einem reichen Kaufmann in Sichem, unehelich; doch weiß man dort nichts von der Illegimität dieser Ehe und schätzt Dina wegen ihres liebenswürdigen, schönen und geistreichen Wesens. Nach ihrer Bekehrung, Ende Juli 32, stellt sie der Herr Seiner Mut­ter vor, und in der Folge ist sie eine der tüchtigsten Helferinnen in der Gemeinde Christi. Sie gehört neben Magdalena, Maria Kleophä, Veronika und Mara zu den beson­ders schönen Frauen der Gemeinde, aber die seligste Jungfrau überstrahlt alle Frauen an Schönheit.

Etwas über einen Monat später als Dina, bekehrt sich in Ainon die reiche aus der Gegend von Supha im Moabiterlande stam­mende und daher die Suphanitin genannte Mara. Ihr jüdischer Ehemann wohnt in Damaskus und hat sie verstoßen, denn sie hat nacheinander vier Liebhaber gehabt, von denen sie drei Kinder hat. Nun lebt sie zu Ainon seit langer Zeit voll Reue und Buße, führt sich gut auf, hört die Lehre des Täufers gegen den Ehebruch und wird tief davon erschüttert. Doch wird sie öfters vorn Teufel besessen, auch gerade als sie bei der Ankunft Jesu auf diesen ihre letzte Hoff­nung gesetzt hat. Der Herr befreit sie vom dämonischen Einfluß, segnet ihre unehelichen Kinder, legt die Hände ihrer Kinder in die der geheilten und gänzlich bekehrten Mutter, und wird von ihnen bei der folgen­den Ehrenmahlzeit im Festhause durch Ehrengaben beschenkt. Bei Seiner Rückkehr nach Ainon leitet der Herr die Versöhnung mit ihrem Gatten in die Wege; Dina und Veronika nehmen sich ihrer liebevoll an und nehmen sie auf in den Kreis der helfen­den Frauen.

Ende Oktober 32 kommt die reiche heid­nische Witwe Lais aus Naim zum Lehrberg des Herrn bei Meroz und bittet für ihre beiden zu Hause vom Teufel besessenen Töchter Athalia und Sabia, die sie beide im Ehebruch empfangen hat. Ihre flehentliche Bitte wird erhört. Jesus spendet ihr die Bekehrungsgnade und heilt ihre Töchter auf der Stelle aus der Ferne; und alle drei kommen in der Folge zu den helfenden Frauen und begleiten die Mutter Jesu auf deren Lehrgang zu den Heidenkarawanen Mitte November desselben Jahres.

Andere bekehrte Persönlichkeiten

Im selben Monat hat die seligste Jungfrau bei einem ihrer Krankenbesuche in Kaphar­naum die blutflüssige Enue, eine Heidin und Witwe eines Juden von Caesarea Phi­lippi, kennen gelernt und sie in ihrem Glau­ben sehr gefördert. Am 6. Dezember 32 be­rührt sie im Gedränge das Gewand des Herrn und ist sogleich geheilt (Mt. 9, 20). Zwei Tage später preist Enues Schwägerin Lea, die Frau eines Pharisäers und heftigen Gegners Jesu, die seligste Jungfrau während des Lehrvortrages Jesu selig (L. 11, 27) ; und am 11. März 33 ist Jesus Gast im Hause des heidnischen Onkels der Enue in Cae­sarea-Philippi und empfängt von ihrer dort wohnenden Tochter bei Tisch die Ehren­salbung im Beisein der glücklichen Mutter.

Ähnlich wie Lais aus Naim nähert sich Mitte Februar 33 die verwitwete und heidnische Fabrikbesitzerin aus Ornithopolis — und daher im Evangelium (Mt. 15, 22 u. Mk. 7, 26) die kananäische und aus Syrophönizien stammende Frau genannt —, dem Herrn in der Stadt Dan oder Lais und bittet flehend­lich und unentwegt um die Heilung ihrer besessenen Tochter. Der Herr, von ihrem Glauben gerührt, heilt nicht nur ihre Toch­ter aus der Ferne, sondern auch sie selbst von ihrer seitlichen Krümmung, und am nächsten Tage auch ihren taubstummen Verwandten. In dankbarer und großzügiger Weise dient nun die Syrophönizierin den Interessen des Herrn betreffs der Diaspora­juden in Syrophönizien und bereitet Ihm und den Jüngern bei Seinem zweimaligen Besuche in Ornithopolis jedesmal ein Ehren­mahl, wobei ihre Tochter ihren ganzen, sehr reichen Schmuck an Juwelen und Kunst­figuren dem Herrn überreicht, Kostbarkei­ten, die Er sofort einlösen und den armen Diasporagemeinden zugute kommen läßt.

Ende des zweiten Lehrjahres beträgt die Zahl der heiligen Frauen der hilfreichen Gemeinde Jesu ungefähr siebenunddreißig, und am Ende des Lehrwandels Jesu ist die Zahl mit allen Pflegerinnen, Mägden und Vorsteherinnen der Jüngerherbergen bis auf siebenzig gestiegen.

6. Die weiteren Anhänger Jesu

Die Motive der Anhängerschaft

Es ist klar, daß der Herr unter den zahl­reichen von Ihm Geheilten, seelisch Bekehr­ten, innerlich durch Seinen Zuspruch Ge­trösteten, durch materielle Almosen Be­schenkten und unter den vielen Ohren­zeugen Seiner Lehrvorträge und Predigten und den Augenzeugen Seiner Wundertaten, sowie unter den vielen von den Aposteln, Jüngern, heiligen Frauen und anderen Freunden und Bekannten, Betreuten und Unterrichteten eine große Zahl von Anhängern während Seines Lehrwandels auf Erden gewonnen hat.

Die schwankenden Anhänger

Aber Er Selbst hat es oft zur Genüge aus­gesprochen, und die Folgezeiten haben es immer wieder gelehrt, daß unter diesen augenblicklichen Anhängern die meisten nicht ernst mit ihrer Anhängerschaft im Sinne Christi machten; daß sich besonders die heute Ihm zujauchzenden Massen nur zu leicht -wieder umstimmen ließen von den Gegnern, wenn Er längere Zeit nicht mehr unter ihnen erschien und lehrte oder Wun­der wirkte. Hat Er doch selbst bei Seinem feierlichen Einzug in Jerusalem am 15. März 34 unter dem Jubel und unter den Ehren­bezeugungen der Menge geweint und zu den Aposteln gesagt, daß viele, die jetzt so jubel­ten, Ihn bald verspotten würden, so daß auch die Apostel weinten. Und der routi­nierte Politiker und Menschenkenner Pila­tus hatte leider nicht ganz unrecht, als er nach seiner Erkundigung über den Galiläer Jesus im Januar 33 zum Schluß äußerte: „Solange Er nicht mit Kriegsvolk oder vie­lem bewaffneten Volk herumziehend Seine Wunder tut, ist gar nichts von Ihm zu be­fürchten. Wenn Er den Ort verlassen hat, wo Er Wunder tat, und an einen anderen Ort geht, wird man Ihn vergessen und ver­lästern, und ich höre ja, die jüdischen Prie­ster schelten gegen Ihn.“

Die Wirkung des Hl. Geistes

So traurig diese Bilanz aber auch ist, so gab es doch immer noch eine große Zahl, die Seine heimlichen Jünger blieben; und viele der anfänglich noch nicht ganz Bekehrten oder aus Schwäche bald Abgefallenen, sind später durch die Wirkungen des Heiligen Geistes und die Predigt und die Taten der Apostel und Heiligen echte und dauernde Anhänger geworden. Doch immer bleibt der Weg schmal und die Pforte klein, durch die man eingeht in das Reich des Herrn; und nur, die Gewalt gegen sich selbst anwenden, reißen das Himmelreich an sich.

DER LETZTE STURM SATANS – Weissagungen Jesu an Maria Valtorta

Jesus sagt:

«Wenn die Zeit meines friedlichen Reiches kommt — und sie wird kom­men, denn ich habe es versprochen, und ich breche meine Versprechen nie — werden die Guten auf der Welt alle zu mir kommen. Es wird die Periode sein, über die ich zu dir ge­sprochen habe, die Periode, in der der Geist jene Entwicklungsstufe er­reicht haben wird, in der ihr euch spontan in zwei Teile teilen werdet. Die außerhalb des Geistes Lebenden werden in ihren Finsternissen lie­gen, in Erwartung, die Miliz für den Fürsten des Bösen zu sein. Die im Geist Lebenden werden im Gefolge des heiligen Sohnes Gottes kommen, des Keimes des Herrn, geliebt und gepriesen von den Menschen in der Gnade, die dann verstehen werden, was jetzt nur von wenigen Auser­wählten verstanden wird, und die erkennen werden, wie groß meine Herrlichkeit ist und die ihre als Kin­der Gottes.

Maria-Valtorta-angeloIch werde meine Heiligen versam­meln, denn heilig ist, wer mich liebt und mir gehorsam und treu folgt. Ich werde sie aus den vier Enden der Erde versammeln. Und ihrer Liebe wegen werde ich die Freveltaten der Menschen verzeihen. Die Güte der Heiligen wird die Strenge des Gerich­tes auslöschen, und meine Liebe und die der Heiligen wird mit ihrem Feu­er die Erde reinigen. Wie ein großer Altar wird die Erde sein, in Frieden mit sich selbst und mit Gott, und auf diesem Altar wird der Meister die Menschen in der genauen Kenntnis der Wahrheit unterweisen, damit die Guten nicht wanken, wenn Satan losbrechen wird für die letzte Schlacht, rasend darüber, Christus von den Menschen angebetet zu se­hen.

Kampf des Geistes gegen den Geist. Satan wird meinem geistigen Reich und meiner Lehre seinen satanischen Krieg gegen die Geister entgegenschleudern, um davon so viele als möglich zu verderben, die Schwäch­sten. Und er wird aus seinen Reser­ven und aus seinen Festungen — wo die dem Tier treu Gebliebenen sind, auch nach der Niederlage des Tieres und seines Dieners — seine Verführer hervorholen, um ein letztes Mal das Werk Gottes zu zerstören, dessen Zerstörung zu Füßen des Baumes von Gut und Böse begonnen hat.

Die Epoche Satans wird dreimal grausamer sein als die antichristliche Epoche. Aber sie wird kurz sein, denn für die in dieser Stunde Lebenden wird die ganze triumphierende Kir­che zwischen den Lichtern des Him­mels beten; es wird die sich reinigen­de Kirche beten inmitten der reini­genden Flammen der Liebe, es wird die streitende Kirche beten mit dem Blut der letzten Märtyrer.

Gerettet werden die sein, die, wäh­rend die Finsternisse und die Glut, die Ungewitter und Blitze Satans die Welt zerrütten werden, im Schatten des Tabernakels zu bleiben wissen, von wo alle Kraft hervorquillt. Denn ich bin die Kraft der Lebenden, und wer sich von mir mit Glauben und Liebe nährt, wird eins mit meiner Kraft. Und es werden wenige sein, diese Geretteten, denn nach Jahr­hunderten und Jahrhunderten mei­ner Liebe für den Menschen hat der Mensch nicht zu lieben gelernt.

Aber niemand kann mich dessen anklagen, daß er verloren geht. Denn was konnte ich mehr für euch tun, o Kinder Gottes, die ihr es vorgezogen habt, ferne vom Haus des Vaters umherzuirren und zuweilen sogar eure göttliche Abstammung an den Feind Gottes zu verkaufen. Sagt nicht, daß ich, der Mächtige, verhin­dern konnte, daß euch das Böse nach­stellte und daß ich euch aus meiner Autorität heraus gut machen konn­te. Denn so wäret ihr weniger ver­dienstvoll gewesen als ein Grashalm, den der Fuß niedertritt, ohne ihn zu spüren; denn das Gras entsteht aus dem Samen in Gehorsam gegenüber dem Beschluß Gottes. Es entsteht und wächst aus sich allein. Und es besitzt auch nicht den allerkleinsten Teil der Fürsorge des Höchsten, die ihr habt. Sonne und Tau bekommt der Halm von Gott und eine Erdscholle. Ihr habt den Verstand zu eurer Führung, habt die Gnade zu eurer Erleuchtung, das Gesetz für eure Ordnung, habt mich als Lehrer und mein Blut zu eurem Heil.

Ich habe euch alles gegeben und ihr habt mir so wenig gegeben, im­mer weniger und weniger! Mit der Geduld Gottes habe ich mich um euch gekümmert und ihr habt euch immer gegen mich erhoben. Die am wenig­sten Schuldigen waren immer die Trägen. Ihr habt immer befürchtet, zu viel für euren Gott zu tun, der für euch alles getan hat.

Und siehe, darum kommen die Strafen auf euch. Sogar diese sind noch Aufrufe der Liebe, um euch zur Überzeugung zu bringen, daß es ei­nen Gott gibt, und daß die anderen Götter, denen ihr mit jener Treue dient, die ihr mir verweigert, euch nichts anderes geben können als lügnerische Versprechungen und si­cheres Übel. Von Strafe zu Strafe, nach dem Maß größer werdend, wie ihr den Götzendienst und die Un­zucht vermehrt, gelange ich zu den großen Strafen, und diese ist eine von ihnen, für die nicht mehr eine Reihe meines Weingartens, sondern der ganze Weingarten geöffnet, verheert, verwüstet und erschüttert wird von dem, dem ihr dient und dem ich er­laube, daß er euch durch seine Ge­schenke, die Geschenke des Todes sind, überzeugt.

Darum sage ich euch: „Kommt zu Gott, ruft Gott in der Wahrheit des Gedankens und des Herzens, und Gott wird sich am blutüberströmten Horizont zeigen, und Satan, der grau­same Folterer, wird entfliehen und euch freilassen.“

Aber ihr ruft Gott nicht. Es genügt euch, euch nur darum zu bemühen, aus dem gemeinsamen Übel ein ein­ziges Gut zu machen: eure Reichtü­mer zu vermehren, immer größere Macht an euch zu reißen, zu genie­ßen und wieder zu genießen. Um die, die leiden — die Besten — kümmert ihr euch nicht. Noch weniger um Gott. Vielmehr erhebt ihr euch sogar zu der Herausforderung, ihr wagt es, Ihn zu rufen, oh ihr Gotteslästerer, zur Bekräftigung eurer satanischen Taten und Gedanken. Ihr fordert Ihn heraus, sich zu zeigen, denn ihr sagt: „Gott gibt es nicht. Gott sind wir.“ Auf eurer verfluchten Zunge und eurer verkauften Seele häuft Satan schon die höllischen Gluten, und ich werde sie mit meinem Zorn entzün­den.

Ich verfluche euch schon jetzt, Schlangen in Menschengestalt, und wenn ihr es so leicht nehmt, vom Kreis meine Heiligen ausgeschlos­sen und von meinen Guten verab­scheut zu sein, so leicht wie eine Sperlingsfeder, die nicht weh tut, wenn sie auf einen fällt — denn ihr besitzt ein Herz aus Granit — wird mein Fluch euch im Innersten tref­fen, um euch Qualen zu bereiten, denn ich bin der, der die Täler öffnet, indem er die Berge teilt, Ich trenne die Meere und erschüttere die Erde mit dem Wollen meines Gedankens, und ich kann in den Kieselstein eu­res Herzens eindringen und ihn zermalmen, als wäre er eine zerbrech­liche Kugel aus geblasenem Glas.

Entweiher, Lügner, Frevler, ver­dammt sollt ihr sein für all das Böse, das ihr tut, für alle Seelen, die ihr dazu bringt, an der Güte Gottes zu verzweifeln, die ihr mir raubt und mit eurem Beispiel zerstört und auf jede mögliche Weise zugrunde rich­tet. Aber habt keine Angst. So, wie ich für die Schwachen gerecht und mitleidvoll sein werde, die ihr mit eurer Gewalt zum Bösen hingebogen habt, genauso werde ich mit euch gerecht und unerbittlich sein. Schon auf dieser Welt. Eure Macht, eure geraubten Reichtümer, die ihr aus dem Schmerz von Tausenden von Menschen destilliert habt, werden sich in euren Händen verflüchtigen wie der Rauch von Stroh, das man verbrennt, weil es zu schmutzig ist, um aufbewahrt zu werden. Und es wird auch keine Verteidigung geben, die für euch, die ihr jegliches Maß überschritten habt, wirksam sein wird.

Wer Ohren hat zu hören, der höre. Man streckt nicht die mit Blut besudelte Hand gegen den Glanz des Heiligen aus, der im Namen des Hei­ligen der Heiligen spricht, und gegen das Heiligtum, das höher steht als der Tempel von Jerusalem, denn sei­ne Fundamente sind, noch ehe sie begonnen worden waren, vom Blut meiner Helden getauft worden, und auf seine Steine fiel wie der Tau das reinigende Blut zahlloser Märtyrer. In ihm ist der Leib meines auser­wählten Felsens zur Ruhe gebettet, in der Erwartung, an der Seite seines Meisters aufzuerstehen. Und ich schwöre euch, daß dieser Ort bedeu­tend heiliger ist, als es der Tempel Salomons war, und den Schändern dieses Ortes, welcher schon Paradies ist — begreift den Grund dafür — wird das zustoßen, was all denen zustößt, die die Herrlichkeit des Herrn her­ausgefordert haben.»

«Der Erzengel, der Luzifer besiegt hat und der als Wache vor meinem Reich und dessen Kindern steht, wird es sein, der wie ein himmlisches Zei­chen in der letzten Zeit erscheinen wird. Dies wird die Zeit sein, da Isra­el mit dem Rom Christi verbunden sein wird und es nicht mehr die zwei Äste des Gottesvolkes geben wird: den gesegneten und den für seinen Gottesmord verfluchten, sondern nur einen einzigen, der der Stamm Chisti genannt wird, weil er in mir lebt.

Dann wird, da die Zahl der Geret­teten voll sein wird, die Auferste­hung des Fleisches kommen und wie eine Menschenmasse, welche schläft und die eine Posaune aufweckt, um sie zusammenzurufen und zu sam­meln, werden die Toten, in unzähli­gen Friedhöfen liegend, in den Wü­sten, in den Meeren, überall liegt einer, der ein Mensch war, aufer­stehen, um zu mir zu kommen, dem höchsten Richter.

Oh! Licht, das du mein Attribut bist und das du jene wie Sterne er­strahlen läßt, die die Weisheit kann­ten und die Gerechtigkeit lehrten und lebten, wie wirst du dich voll Freude ausbreiten an jenem Tag über meine Seligen!

Die letzte Zeit von drei Jahren und sechs Monaten, furchtbar wie keine, die der Mensch kannte, wird jene sein, in der Satan durch seinen Sohn von höchstem Groll verbrannt — denn die Spaltung zwischen den beiden Ästen des Gottesvolkes wird beendet sein, und mit ihr der Grund für so viele materielle, moralische und gei­stige Übel — seine vollkommenen und allerletzten Listen benützen wird, um Schaden anzurichten, zu zerstö­ren und Christus in den Herzen zu töten und die Herzen für Christus.

Die Weisen werden die Fallen Sa­tans erkennen, die unzählbaren Hinterhalte Satans, denn wer die wahre Weisheit besitzt, ist erleuchtet und für ihre Treue zur Gnade wer­den sie strahlend und wie im Feuer erprobt, würdig für den Himmel er­wählt zu sein. Die Gottlosen werden dem Bösen nachfolgen und werden Böses tun, da sie das Gute nicht ver­stehen können, denn aus freiem Wil­len werden sie ihr Herz an Bösem übervoll gemacht haben.

Sodann wird die Zeit kommen, in der die Kirche, unterdrückt bis zu einem noch nie erreichten Punkt nicht mehr frei sein wird, das ewige Opfer zu feiern, und die abscheuliche Verwüstung wird bis zum Heiligen Ort aufgestiegen sein und über die Heiligen Stätten, so wie es von den Propheten gesagt und von mir, der ich niemals irre, wiederholt worden ist. Daniel sagt: „Es werden 1290 Tage sein (der Unterdrückung). Se­lig, wer wartet und den 1335. Tag erreicht.“ Das bedeutet, daß in den drei Jahren und sechs Monaten, die dem Ende vorausgehen werden, ein kleiner Zeitraum am Ende für die Gläubigen bewahrt wird, um sie zu vereinen, um das letzte Wort zu hö­ren, das in den Geistern wiederhallen wird als Einladung zum Himmel, während Michael mit seinen Engeln den Satan und seine Dämonen besie­gen wird. „Selig, wer wartet und den 1335. Tag erreicht“ soll bedeuten: „Selig, wer bis zum Ende ausharrt“, denn er wird gerettet werden. Und dir sage ich: „Gehe bis zum festgesetz­ten Ende (deiner Zeit als Lebende auf Erden) und du wirst Ruhe haben und  wirst in dem bleiben, was dir bestimmt ist, bis zum Ende der Tage.“»

(Aus: Das Morgenrot einer neuen Zeit, Weissagungen Jesu an Maria Valtorta, S. 99-104), 200 Seiten, kartoniert)

Johanna Royer: „DIE KIRCHE DER LETZTEN ZEITEN“

Aus:
Leben und Offenbarungen der Schwester von der Geburt
(Johanna Royer, [Vén. Soeur de la Nativité] 1731-1798)

Soeur de la Nativité - Jeanne Royer

Schwester von der Geburt – Soeur de la Nativité – Jeanne Royer

Nur kleiner Auszug, nämlich S. 762 – 813:

(Nach dem Französischen von Ph. Hartmann, Pfarrer in Kallmerode.

Mit oberhirtlicher Genehmigung. Heiligenstadt. 1865.

Zweite Abtheilung.

Schicksale der Kirche in den letzten Zeiten;
Ursachen und Wirkungen der Verfolgungen bis zur Ankunft des Antichristen.
)

§ 329.

Die Kirche in den letzten Zeiten

a) Einleitung: Die Kirche als Jungfrau einen halbgefüllten Kelch in den Händen haltend, wünscht ihn voll zu sehen; Zahl der Martyrer.
(Siehe oben § 183, 181 und § 341.)

b) Werth des Marterthums.*)
[*tom. 1. p. 131]

1. Niemals, äußerte Jesus, ist mir meine heilige Braut wohlgefälliger, als wenn sie aus Liebe zu mir leidet; insbesondere haben mich meine wahren gesalbten Diener nie mehr verherrlicht, als seitdem sie um meiner Person und Sache willen überall unstät und flüchtig umherirren, verfolgt oder eingekerkert werden. Ja, ihre Bereitwilligkeit zum Leiden, ihre Entbehrungen, ihre Einkerkerung oder Landesverweisungen, die Mißhandlungen und Qualen, das freudige Bekenntniß, eher den Tod zu dulden, als ihr Gewissen zu verletzen und den Glauben zu verleugnen, gefallen mir unendlich und nöthigen mich, alle ihre Fehler zu vergessen, deren sie sich etwa schuldig gemacht haben. (Seite 460 und 220).

Bei dieser Gelegenheit, fuhr die Schwester zu reden fort, muß ich Ihnen, mein Vater! auch sagen, daß Gott, als er mich vor einigen Tagen nach einer Communion auf die Strafe Frankreichs aufmerksam machte, hinzufügte: „Dies wird eine günstige Gelegenheit für die Gerechten werden, um in der Vollkommenheit zu wachsen, und für viele Sünder, um sich zu bekehren. Viele Klostergeistliche, die auf Kosten der Heiligkeit ihres Standes sich durch weltliche Prachtliebe und Eitelkeit versündigt haben und eine Menge Anderer, die nur dem Namen nach Christen waren und nicht wagten, den Glauben öffentlich zu bekennen, werden in sich gehen und den Entschluss fassen, durch ein erbauliches, heiliges Leben und durch würdige Früchte der Buße den schärfern Strafen zu entgehen; Andere freilich werden unter solchen Streichen sich nur noch mehr verstocken.

Kommen wir jetzt wieder auf die Unterredung Jesu Christi zurück. Er fuhr fort:

2. Du siehst, meine Tochter! daß dieser Zustand zugleich eine glückliche Zeit für die Kirche Frankreichs ist, indem sie niemals so glorreich, so siegreich und stark war. Meine Heiligen im Himmel triumphiren vor Liebe und Glorie, aber die Dulder auf Erden siegen durch Prüfungen, denen ihre Liebe und Treue gegen den Glauben ausgesetzt ist. Es sind also für sie Zeiten des Heils, der Gnade, des reichlichsten Segens und der Ablässe. Wenn ein Sünder sein ganzes Leben in Ausschweifungen zugebracht hätte, aber bei Gelegenheit einer wüthenden Verfolgung von Reue ergriffen in sich geht, seinen bereits erloschenen Glauben belebt, sich meinen großmüthigen Kämpfern anschließt und zur Vertheidigung meiner Sache und zur Abbüßung seiner Sünden Blut und Leben opfert, so schwöre ich bei mir selbst, daß ihm nichts angerechtnet werden soll. Aus seinem Blute soll ein heilsames Bad, eine zweite Taufe werden, worin die Sünde der Schuld und der Strafe nach abgewaschen und vertilgt wird.

3. Wie nun, mein Vater! die im Namen Gottes ausgestandene Marter für den Einzelnen eine Wohlthat ist, so ist sie es zugleich für die ganze Kirche, nämlich ein Reinigungsbad, ein Schmelzofen, worin sie wie Gold geläutert wird. Gott sprach hierüber zu mir: daß er Vielen die guten Willens sind, ohne Rücksicht auf ihre geringen Verdienste, wegen der Heiligen, die an guten Werken Überfluß haben, reichliche Gnade und Barmherzigkeit schenken werde. Weil die Kirche ein Leib ist und die Glieder durch die innigste Liebe mit einander verbunden sind, so haben alle Glieder Anspruch auf die geistigen Güter der Andern, und ist in diese Beziehung Alles gemeinsam. Wegen dieser Gemeinschaft der geistigen Güter sucht Jesus Christus auf den Wunsch seiner Kirche, nach den Gesetzen seiner Gerechtigkeit und nach den Regeln seiner Liebe hauptsächlich den Schwächsten zu helfen. (§ 320 und § 195)

4. Mag die Hölle immerhin Schüler und Anhänger des Irrthums gewinnen, sie wird doch in diesem Stücke nie mehr erreichen, als daß sie eben nur die faulen Glieder von der Kirche trennt, denn die wahren Kinder werden der Kirche stets getreu bleiben. Selbst die Ausscheidung der Bösen, die Absonderung der Kinder des Verderbens, wird, weit entfernt die Kirche zu vernichten, sie vielmehr nur reinigen und und verschönern. Man braucht daher ihretwegen keine Sorge zu tragen.

Die Abtrünnigen mögen daher ausscheiden; sie mögen frei ihren Theil wählen, weil sie die Kirche durch ihre gottlosen Worte doch nur lästern und durch ihr ausgelassenes und anstößiges Betragen nur entehren. Darum sprach auch Christus: „Wahrlich, wahrlich, ich werde selbst aus diesem Abfalle meine Ehre ziehen. Meine Kirche, dem Anscheine nach weniger zahlreich, wird in neuem Glanze erscheinen, reiner und herrlicher werden, wie das im Winde von Spreu und Staub gesäuberte Waizenkorn.“

5. Die Kirche unter dem Bilde eines Baumes.*)
[* tom. 2 p. 135.]

Ich kann auch sagen, fuhr der Herr fort: „Meine Kirche gleicht einem Baume, welcher, wenn er vom Sturmwinde geschüttelt wird, immer tiefere Wurzeln faßt, sich dadurch noch mehr befestigt, aber die verdorbenen und faulen Früchte verliert. Zwar wird sie deßwegen dem Anscheine nach viele verlieren; aber es wird auch die Gnade, wie im Kleinen und Einzelnen von Person zu Person, so auch im Großen von Königreich zu Königreich übergehen; namentlich wird die Fackel des Glaubens wandern und nach und nach verschiedenen Nationen leuchten.

Meine Religion ist einem majestätischen Flusse gleich, der durch die Jahrhunderte hindurch seine Wogen fortwälzt und in einer Gegend wieder gewinnt, was er in der andern verliert.“ Aus diesen und ähnlichen Bildern ist also ersichtlich, wie solche Veränderung der Kirche nur nutzt und der Abfall lauer, blinder und schlechter Christen ihr, statt Nachtheil, Segen bringt.

Erster Abschnitt.
§. 330.

Gottlosigkeit der Zeitgenossen unter dem Bilde eines merkwürdigen Baumes mit vier starken Wurzeln, welcher die Kirche zu unterdrücken droht; Anstrengung der Kinder der Kirche, diesen Baum zu vernichten. *)[* tom 4. p. 400.]

I. Beschreibung des Baumes:

Um mir die Früchte der Revolution klar zu machen, zeigte mir der Herr einen Baum von bewunderungswürdiger Höhe und Stärke, der vier Wurzeln von dem Umfange einer Tonne hatte; drei dieser Wurzeln sah man auf dem Boden über der Erde, welche gleichsam einen Dreifuß bildeten, und mit diesen drei starken Füßen den Baum hielten. Die vierte Wurzel war die Pfahlwurzel, in der Mitte des Baumes. Letztere wie die drei andern, ging so tief in die Erde hinein, daß man sagen konnte, sie bekämen Nahrung, Stärke, Saft und Triebkraft von dem teuflischen und boshaften Geiste der Hölle; so wenigstens deutete es mir der Geist des Herrn an.

II. Harte Schale dieses Baumes; Entfernung seiner Zweige auf einer Seite; er neigt sich über die Kirche, als wolle er sie vernichten.*)
[* tom. 4. p. 400.]

Der genannte Baum hatte zwar keine Blätter und Knospen, aber eine so feste und so harte Schale, wie eine metallne Kanone, wodurch die große Streitsucht des Geistes angedeutet wird. Er war so hoch, daß ich seine Krone nicht erblicken konnte; hing aber so sehr nach einer Seite hin, daß man wegen seines wunderbaren Umfanges leicht auf und absteigen und sogar darauf hingehen konnte. (Siehe Seite 600), wo ein ähnlicher Baum geschildert wird.)

Auf der Seite, welcher der Baum zugeneigt war, befand sich eine schöne große Kirche, anscheinend in Gefahr, durch den umsinkenden Baum zerschmettert zu werden. Doch sagte mir der Geist Gottes, daß für sie nichts zu fürchten wäre, weil er seine Kirche bis an’s Weltende schützen und unterstützen würde. Wolle man sie bestürmen, was allein möglich wäre, so würde sie davon nur blühender werden. Zweige hatte der Baum, aber nur auf der herabgesenkten Seite in einer Höhe von 2 oder 3 Fuß über dem Boden aus dem Stamm hervorgewachsen; die auf der entgegengesetzten Seite ausgeschlagenen waren dicht am Stamme abgeschnitten, damit sie das Auf- und Abgehen des Baumes nicht hinderten. Ich sah auf ihm mehrere fromme Personen, selbst einige meiner Bekannten auf- und absteigen, auch Arbeiter um den Baum haben sich mit Hacken, Beilen und andern Geräthen, aufgestellt, als wenn sie den Baum fällen wollten.

Hierüber sprach der Herr: Diese abgeschnittenen Zweige stellen die innern Unruhen Frankreichs vor wodurch die göttliche Gerechtigkeit sich an diesen Gottlosen, wovon obiger Baum ein Bild ist, rächt.

Ich sah in Gott, daß diese inneren Unruhen, die sich zu den äußeren Kriegen mit fremden Fürsten gesellten, unzählig viele stolze und boshafte Seelen hinrafften und in den tiefsten Abgrund stürzen. „So, spricht der Herr, gehe ich mit den Gottlosen um, und suche aus der gerechten Züchtigung meine Ehre zu ziehen.“

III. Vergebliche Anstrengungen der Kirche. *)
[*tom. 4. p. 402.]

Ich fragte hierauf den Heiland, was die auf- und absteigenden Personen im Sinne hätten. Er antwortete mir: „Sie wollen oben an der Spitze des Baumes große Stricke befestigen, um den stürzenden Baum von der Kirche abzulenken.

Hierauf erklärte er mir alles Übrige, was diesen Baum betrifft und sprach: „Die ganze Kirche bemüht sich, den Baum zu fällen und mit der Wurzel auszurotten. Weil die Gebete und Seufzer der Gläubigen mein Herz rühren, so soll die Dauer des Baumes abgekürzt werden, doch will ich, daß er blos über der Erde abgesägt werde. Das ganze Volk ist nun in Bewegung; man hat schon am Fuße des Baumes Werkzeuge vorbereitet, um ihn zu entwurzeln, doch wird ihnen dies nicht gelingen, weil ich will, daß die Wurzeln bleiben sollen. Da mir aber die Herzenshärte der Gottlosen bekannt, und sie größer ist, als die Baumrinde, welche die Axt nicht durchhauen kann, so wird meine Gnade ein Wunder thun; denn ohne Mich kann man nichts.“

Durch die Arbeiter mit den Geräthen sind die Kriege angedeutet, welche für die gute Sache in Gott gefälliger Absicht und in rechtmäßiger Weise geführt werden. (Solche sind nicht untersagt; denn Gott verbietet nur das Banditenwesen, den Todschlag und Meuchelmord, der auf Verrath und geheimem Grolle beruht. Letztere Mittel verzögern übrigens nur die Rettung, statt dieselbe zu beschleunigen.) Während nun auf der einen Seite ein heiliges Kriegsheer im heiligen Kampfe für die gute Sache begriffen ist, sehe ich auf der andern Seite in Gott die Völker der heiligen Kirche, die noch in der Gnade sind, sich erheben und mit geistigen Waffen des Gebetes und der Buße im Stillen handeln und kämpfen, um das Herz Gottes zu rühren und ihm gleichsam eine heilige Gewalt anzuthun; das sind die starken Stricke, die den Baum von der Kirche abziehen sollen. Besonders seufzen und büßen die guten Priester, Mönche und Nonnen, sie rufen die jüngsten Martyrer an, welche in göttlicher und vollkommener Liebesgluth flammend vor Gottes Throne liegen und in Vereinigung mit dem für die streitende Kirche sich aufopfernden Lamme beten. Ja, Alle sollen unerschrocken kämpfen den guten Kampf des lebendigen Glaubens, sollen immer den Helm der Hoffnung auf dem Haupte und die Flammen der Liebe Jesu Christi im Herzen tragen.

Sollte der Herr auch mit seiner Hülfe zögern, so müssen wir uns in Geduld seinem heiligen und anbetungswürdigen Willen unterwerfen und vertrauen, daß er uns früher oder später Hülfe schicken werde. Ja, er wird sie schicken, ich wiederhole es; vertrauen wir nur, jedoch nicht in Unthätigkeit, sondern indem wir aus Liebe zu ihm herzhaft ringen und kämpfen. Wenn auch unsre Anstrengung ohne Ihn nichts hilft, so will Er doch nicht allein sondern wir sollen mit Ihm vereint und in seiner Liebe wirken, keine feigen Diener sein, die den Muth verlieren und durch Unthätigkeit sein Werk eher verzögern als befördern. Trösten wir uns also, zu seiner Zeit wird auch das versprochene Wunder kommen und Alles zum guten Ende führen!

(Fortsetzung folgt)

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

Die apostolische Belehrung der Jünger

Karte Nr. 32
1-Fahsel Emmerick Karte 32

Haus Petri vor Kapharnaum

Im Hause Petri vor der Stadt trifft der Herr mit allen Jüngern zusammen und stellt ihnen die drei heidnischen Philosophen aus Salamis vor, die mit Jakobus Minor und Thaddäus soeben von Gessur angekommen sind. Auch Andreas und Simon treffen mit anderen Jüngern ein; und alle speisen mit dem Herrn.

Haus Andreä zu Bethsaida

Nach dem Mahl begibt Sich Jesus mit ihnen zum Hause des Andreas und läßt Sich hier der Reihe nach von den Einzelnen ihre Er­lebnisse auf den apostolischen Reisen er­zählen. Wer mit einem gewissen selbst­gefälligen Eifer gern viel erzählen will, dem fällt Er ins Wort: „Es ist mir schon be­kannt.“ Die aber einfach und bescheiden berichten, denen hört Er der Länge nach zu. Die Schweigenden fordert Er freundlich zum Reden auf.

Hier und da hatte man auch Steine hinter ihnen hergeworfen, aber sie waren nie ge­troffen worden. An einigen Orten mußten sie flüchten, waren aber stets wunderbar geschützt worden. Sie hatten jedoch auch viele gute Leute gefunden, hatten viel ge­heilt, getauft und gelehrt. Jesus hatte ihnen befohlen, nur zu den verlorenen Schafen Israels zu gehen (Mt. 10, 6) ; sie hatten also die Juden in den heidnischen Städten auf­gesucht und sich mit Heiden nicht eingelas­sen, außer mit einigen, die bei Juden dienen. Andreas und seine Jünger hatten in Gazara (südöstlich von Lydda) mehrere jüdische Sklaven losgekauft, und alles Geld darum gegeben, was sie besaßen. Sie fragen den Herrn, ob sie recht getan; und Er bejaht es. Jesus unterbricht auch zuweilen ihre Mit­teilungen mit der Erzählung von Parabeln. So erzählt Er vom Unkraut unter dem Wei­zen (Mt. 13, 24-30) und spricht von eini­gen abgefallenen Jüngern und ermahnt die Anwesenden, auf ihre Leistungen hin sich nicht in Sicherheit zu wiegen, denn sie wür­den noch große Versuchungen zu bestehen haben. In einer anderen Pause erzählt Er das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (L. 19, 11-28) und bezieht es auf Seine Reise nach Cypern und auf die Rechen­schaft, welche die Jünger über ihre Wirk­samkeit während Seiner Abwesenheit jetzt ablegen.

Auch sagt Er zu dem einen oder anderen plötzlich: „Warum denkst du so Unnützes?“ oder: „Denke nicht dergleichen!“ oder: „Du meinst dies jetzt ganz anders, denke so und nicht so!“ Es denkt nämlich hier und da einer, jetzt meine Er diesen oder jenen Bestimmten.

Zum Schluß redet Er noch sehr ernst mit ihnen, und sie sind ein wenig traurig dar­über.

Haus Mariä bei Kapharnaum

Abends kehrt Jesus mit den Seinen zum Hause Mariä zurück und tröstet die Jünger im Garten, indem Er ihnen das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberge (Mt. 20, 1-16) erzählt und auslegt. Maria und die heiligen Frauen hören, verschleiert und ab­gesondert, zu.

Zum Schluß stellt Jesus die neuen Jünger und die Neubekehrten (Neophiten) Seiner heiligsten Mutter vor. Er pflegt dies in der letzten Zeit immer zu tun. Es geschieht dies mit einem inneren Einverständnis zwischen Ihm und Maria, damit sie die Jünger in ihr Herz, ihr Gebet und ihren Segen gleichsam als ihre Kinder und Seine Brüder aufnehme, so daß sie ihre geistige Mutter sei.

Bethsaida und Kapharnaum

Fr. 20.

Am Vormittag wandelt der Herr mit mehre­ren Jüngern vom Hause Mariä über die nordöstliche Anhöhe und kehrt nördlich von Bethsaida in das Aussätzigen-Hospiz ein, wo Er einige Kranke heilt, belehrt und ihnen befiehlt, sich, wie üblich, den Prie­stern vorzustellen.

Gleich darauf heilt Er auch im Hause Petri Kranke, die man aus Kapharnaum und Bethsaida dorthin gebracht hat, denn es ist hier gutes Wasser für die Kranken, zum Trinken und Baden.

Nach Tisch lehrt Jesus im Lehrhause zu Kapharnaum vor allen Jüngern und Freun­den und vielen anderen Leuten aus Kaphar­naum und Bethsaida über den Messias und dessen Erkenntniszeichen.

Zum Sabbat-Anfang predigt Er in der Syna­goge sehr scharf wider die Pharisäer, die anwesend sind, um Ihn zu belauern, und er­klärt wieder das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl (Mt. 22, 1-14). Maria und die Frauen der Familien aus Kapharnaum hören auf der Tribüne der Frauen zu, wo sie ihre eigenen Plätze haben.

Neue Missionsreisen der Apostel

Die Apostel weilen unterdes immer noch auswärts: Petrus besucht Abigail in Betha­ramphtha-Julias ; Jakobus Major und Mat­thäus halten sich in der Dekapolis südöst­lich des Sees Genezareth auf ; Johannes tröstet in Judäa die Eltern der im Tempel ermordeten Helisöhne (Verwandte des Zacharias, Tempeldiener und Freunde Jesu) ; Judas Ischariot und Thomas weilen in der Gegend von Ptolemais ; Bartholomäus weilt zwischen Japha und Caesarea, und Philippus befindet sich mit Barnabas, Mnason und dessen Bruder in Japha wegen der Ankömm­linge aus Cypern.

Sa. 21.

Jesus besucht mit einigen Jüngern etwa zwanzig Privathäuser reicher und armer Leute zu Kapharnaum und heilt dort sehr viele Kinder zwischen drei und acht Jahren, denn es herrscht hier augenblicklich eine Art Scharlach und andere Krankheiten, wie sie dem Scharlachfieber zu folgen pflegen. Er heilt auch im Hause am Marktplatz den kleinen Knaben, den Er bereits am 11. April 33 segnete und am letzten Donnerstag be­suchte.

Im Anschluß hieran besucht Er noch den Jairus, Serobabel und Cornelius, heilt und lehrt am Nachmittag wieder in Petri Haus, ohne Sich hierbei von drei Pharisäern stören zu lassen, die gekommen sind, um Ihn vom Heilen abzulenken und in eine Diskussion zu verwickeln.

Unterdes lehren und heilen die Jünger nach Weise des Herrn die Reisenden, die auf der Anhöhe nordöstlich von Mariä Haus in Zel­ten lagern.

Zum Sabbat-Schluß predigt Jesus in der Synagoge vom Fluch und Segen, von den falschen Kundschaftern nach dem Reiche Gottes, von denen, die nicht hineinkommen werden, von der Verkennung des Messias, von dem Gericht über das Land und Jeru­salem.

Nach Ihm besteigen zwei Pharisäer den Lehrstuhl und wenden sich bei ihrer Aus­legung der fälligen Lektion gegen das Hei­len seitens Jesu, da in der Lektion der Be­fehl Gottes an Moses berichtet wird, einen Mann steinigen zu lassen, der am Sabbat Holz sammelte (Num. 15, 32-36). Doch Jesus fragt sie, ob die Gesundheit der Armen und Notleidenden Holz sei, das man ver­brenne; ob eine tote, hölzerne Heuchelei nicht vielmehr ein Holz sei, und ob das Ärgernisnehmen am Heilen der Armen, das Splitterrichten und Balken-im-Auge-haben nicht ein Holzsammeln sei mehr, um es in den Weg der Wahrheit zu werfen, und zum Kochen und Wärmen des Giftes der Zwie­tracht und Verfolgung, als um sich Speise zu bereiten.

Einige wenige Zuhörer bezeigen sich dabei sehr still und gerührt und nachdenklich; mehrere stecken die Köpfe zusammen und sagen: „Ja, Er ist es! Er ist der Messias! So kann kein Mensch, kein Prophet lehren!“ Die meisten winken sich mit den Augen zu und freuen sich über die Niederlage der Pharisäer; die Verstockten aber ärgern sich mit diesen.

Rückkehr der Apostel

Abends speist der Herr im Hause Mariä, und nachts kommen mehrere Apostel und Jün­ger von ihren Reisen zurück.

So. 22.

Im Beisein der heiligen Frauen und Jung­frauen, sowie anderer gutgesinnter Leute belehrt Jesus auf dem Hügel nördlich des Weges zwischen Kapharnaum und Beth­saida alle anwesenden Apostel und Jünger über ihre Sendung, Arbeit und Früchte, über ihre Gesinnung, ihre Irrtümmer und über die Verfolgungen der Zukunft. Auch erzählt Er jetzt die ganze Parabel von den Arbeitern im Weinberg, wie sie im Evan­gelium (Mt. 20, 1-16) steht, und legt sie weitläufig aus.

Die heiligen Frauen sind zugegen, weil auch sie wirken und pflegen, und weil manche von ihnen noch keinen rechten Begriff von der Gesinnung haben, in der alles getan werden muß, um verdienstlich zu sein und gute Früchte zu bringen.

Zum Schluß lobt und tröstet Er die Jünger und gibt ihnen mit ausgestreckter Hand über ihre Häupter den allgemeinen Segen und erfüllt sie von neuem mit Mut und Stärke.

Am Nachmittag kommen Petrus, Jakobus Major, Matthäus und einige alte Johannesjünger an und begrüßen den Herrn im Hause Mariä. Hier versammeln sich alle im Hause Petri, und Jesus lehrt bei Tisch und erzählt von Seiner Reise nach Cypern, wo­bei Er die Parabel von den 570 Fischen vom 6. Juni wiederholt.

Die heiligen Frauen haben Kleidungsstücke, Sohlen und Gürtel gebracht, die nun unter den angekommenen Jüngern verteilt wer­den. Jesus lehrt bei der Austeilung über die Bedeutung der Kleidungsstücke und sagt zum Beispiel bei den Gürteln: „Umgürtet eure Lenden und haltet brennende Lichter in den Händen!“ (Is. 32, 11; vgl. Mt. 5, 16).

Die zweite Lehre auf dem See

See Genezareth

Mo. 23.

Er fährt mit den Aposteln und Jüngern auf den See, um ganz ungehindert vom Andrang der Menschen Sich ihre Erlebnisse erzählen zu lassen und sie darüber zu belehren.

Sie besteigen das große Schiff und das kleinere von Jesus, fahren getrennt ab, hängen sich später aneinander an und lassen die Schiffe sanft treiben. Die Jünger sind alle auf dem großen Schiff, Petrus und ein paar Apostel auf dem kleinen Schiff Jesu, der auf der Ruderbühne am Mast sitzt und zuhört oder lehrt. Es ist ein schöner Tag. Sie haben die Segel zum Schatten über sich gespannt und essen ihre Mahlzeit auf den Schiffen in kleinen Brettchen.

Gegen Abend hält der Herr an alle noch eine lange Ansprache, wie sie sich in zweifel­haften Lagen zu verhalten hätten, und sagt ihnen zum Schluß, sobald Er zu Seinem Vater gegangen sei, wolle Er ihnen den Hei­ligen Geist senden, dann sollten sie immer recht zu lehren wissen (ähnlich wie J. 14, 26 und 16, 13).

Handelsstadt Kana

Di. 24.

Maria und die heiligen Frauen gehen nach Kana, wo Maria Kleophä wohnt. Jesus folgt nachmittags mit neun Aposteln, Nathanael Kana und einigen dorthin Gehörigen nach.

Mi. 25.

Es sind hier viele Verwandte und Freunde Jesu zusammengekommen, die Ihn besuchen und Ihm wieder zusetzen, Er möge Sich zu­rückziehen, weil Ihm gewiß Gefahr bevor­stehe; die Sache wachse zu sehr, und die Pharisäer würden immer erbitterter gegen Ihn. Jesus antwortet ihnen wie gewöhnlich und ladet sie ein, Seine Lehre auf dem Lehr­hügel zu Kana anzuhören.

Er besucht noch einige gute Leute und Freunde in der Stadt und heilt einige Kranke. Auch segnet Er die Kinder, die Ihm auf den Straßen scharenweise von Eltern und Lehrern zugeführt werden.

Auf dem Lehrhügel spricht Er von Seiner Sendung und deren Erfüllung; wie Er nicht um der Bequemlichkeit und Lust des Lebens willen gekommen, und wie es töricht sei, anderes von Ihm zu verlangen als den Wil­len Seines Vaters. Er spricht deutlicher als je, daß Derjenige da sei, der lange erwartet worden; Er werde aber nur von wenigen er­kannt werden und, wenn Seine Arbeit ge­tan sei, zum Vater zurückkehren.

Seine Rede ist so wunderbar und eindring­lich, daß die Leute, wie vor vier Tagen, zu einander sagen: „Er ist mehr als ein Pro­phet! So hat nie einer in Israel gesprochen!“

Die Apostel-Versammlung zu Kana

Südwestlich am Tabor

Mit den Aposteln und einigen Jüngern geht Er etwa zwei Stunden südwestlich längs dem Tabor, wo Ihm die zurückkehrenden Apostel Thomas, Johannes, Bartholomäus, einige Verwandte des Zacharias und fünf Berg­leute von Chytroi auf Cypern entgegen­kommen und Nachrichten von den anderen bringen.

Handelsstadt Kana

Alle kehren nach Kana zurück und nehmen an einer großen Mahlzeit im Hause und Hofe des Spediteurs Israel, des Vaters der ehemaligen Braut von Kana, teil. Es sind nun alle Apostel, die siebenzig ausgesandten Jünger und mehrere andere, viele Ver­wandte Jesu und die heiligen Frauen zu­sammen.

Jesus und mehrere Apostel bedienen bei Tisch die eingeladenen Armen, und zum Schluß erzählt Er allen Anwesenden die Parabel von den zehn Jungfrauen (Mt. 25, 1-13), legt sie ihnen aus und spricht viel von der Nähe der Zeit des Bräutigams.

Es ist dies eine Art Erinnerungsfest der Hochzeit von Kana, weil heute wie damals alle Jünger, Apostel und Freunde beisammen sind. Das Haus ist mit Blumen geschmückt, man trinkt aus jenen Wasserkrügen des ersten Wunders, Kinder machen Musik und bringen Blumenkronen und Pyramiden, und Bartholomäus, Nathanael Chased und einige Jünger haben schöne Sprüche auf geistige Vermählung gemacht.

Hügel zwischen Kana und Gabara

Do. 26.

Auf dem Wege gen Gabara erzählen die Apostel nochmals ihre Erlebnisse. Sie gehen abwechselnd in kleinen Gruppen mit Ihm. Er bleibt oft stehen und redet sie mit den Worten: „Meine lieben Kinder“ an.

Einmal sagt Er: „Liebe Kindlein, nun wird es sich zeigen, wer Mich geliebt und in Mir Meinen himmlischen Vater, und wer um Meinetwillen das Wort des Heiles verbreitet und geheilt hat und nicht um seinetwillen und eitlen Ruhmes wegen.“

Als die Jünger und besonders Petrus er­zählen, wie ihnen in Seinem Namen die bösen Geister untertan gewesen, winkt ihnen Jesus zu schweigen, verwehrt ihnen die Freude über die ihnen verliehene Macht und anempfiehlt ihnen die Freude darüber, daß ihre Namen im Himmel eingeschrieben stünden (L. 10, 16-20).

Als Er auf dem Hügel steht, ist Er ganz ernst und doch dabei freudig und selig und hebt die Hände empor. Lichtglanz kommt über Ihn, und ganz verzückt bricht Er in den Jubelruf aus, daß Sein Vater dies vor den Weisen und Klugen verborgen, aber den Einfältigen geoffenbart habe (Mt. 11, 25 bis 27). Und hieraufhin erklärt Er die Jün­ger für selig, daß sie gesehen und gehört, was viele Propheten und Gerechte zu sehen und zu hören begehrt hatten, und nicht sahen und hörten (Mt. 13, 16-17).

Lehrberg bei Gabara

Am Fuß des Berges nehmen sie eine kleine Mahlzeit von Fischen, Broten, Honig und Früchten, gehen auf den Lehrberg, von vie­len Leuten begleitet, und Jesus unterrichtet die Seinen nochmals eingehend über das Lehren und Heilen, teilt ihnen die nächsten Reisepläne mit und dankt zum Schluß allen für ihren bisherigen Fleiß und Gehorsam.

Bekehrung eines jungen Pharisäers

Haus Mariä bei Kapharnaum

Fr. 27.

Früh morgens entläßt der Herr einen Teil der Jünger in ihre Heimatsorte, lehrt und tröstet im intimen Kreise der Verwandten und Freunde und speist dann allein mit Maria.

Kapharnaum

Nachdem Er im Lehrhause die Apostel und zurückgebliebenen Jünger unterrichtet und vorbereitet hat, predigt Er in der Synagoge, wendet sich mit einer Strafrede an die Pha­risäer, als sie wieder die alten Vorwürfe ge­gen Ihn und die Jünger vorgebracht, bis plötzlich ein junger Mann unter den Pha­risäern laut ausruft: „Wahrhaftig, dieser ist der Sohn Gottes, der Heilige in Israel! Er ist mehr als ein Prophet!“ und sich in ein begeistertes Lob Jesu ergießt.

Es entsteht eine große Bewegung. Zwei alte giftige Pharisäer fassen den jungen Mann bei den Armen und schleppen den weiter Lobenden aus der Synagoge hinaus, worauf Jesus stark weiter predigt.

Der junge Mann sagt sich draußen laut und heftig vor allem Volk von den Pharisäern los und wirft sich dem Herrn, als Dieser die Synagoge verläßt, zu Füßen und bittet um Aufnahme unter Jesu Jünger. Dieser nimmt ihn auf, nachdem Er ihm kurz den Ernst und die Pflichten der Nachfolge vorgestellt, und vertraut ihn einigen Jüngern an.

Fischerstadt Bethsaida

Sa. 28.

Jesus besucht mit den Aposteln und einigen Jüngern das Aussätzigen-Hospiz und lehrt dort im Vorhof die durch einen Graben ge­trennten Kranken und die Schifferknechte und Arbeiter aus der dortigen Gegend über die Sabbat-Lektion und im Anschluß daran über Buße, Bekehrung, Barmherzigkeit, Glauben und Nähe des Reiches und legt Parabeln aus.

Letzte Predigten in Kapharnaum

Kapharnaum

Nachmittags besucht Er vor dem eigent­lichen Gottesdienst die Synagoge, um Jeder­mann hören zu lassen, was Er die Seinen lehre, und um zu zeigen, Er scheue Sich nicht und brauche nicht in Winkeln zu lehren. Unter anderem erzählt Er ihnen, nachdem Er ihnen Wachsamkeit empfohlen (Mt. 24, 42), das Gleichnis vom heim­kehrenden Herrn und seinen wachsamen Dienern (L. 12, 35-40) und erklärt es auf die Frage des Petrus, ob sich dies Gleichnis auf die Jünger beziehe, näher (L. 12, 41 bis 46). Im Anschluß hieran erwähnt Er den Grundsatz göttlicher Vergeltung entspre­chend der anvertrauten Gabe (L. 12, 47 bis 48), spricht vom Feuer, das Er gebracht, und von Seiner Taufe, die sich vollziehen müsse (L. 12, 48-50), und von der Schei­dung der Geister (L. 12, 51–53) und über Zeichen und Lehre der Zeit (L. 12, 54-59).

Bei der Sabbat-Lehre, welche Ihm die an­kommenden Pharisäer höflich einräumten, richtet Er alle Fragen Samuels aus der fäl­ligen Lektion (1. Kön. 12, 3) an die Hörer, wobei Er auf die üblichen Vorwürfe der Pharisäer gegen Ihn abzielt. Sie wider­sprechen Ihm nicht, sondern schieben es auf die Mahlzeit auf, zu der sie Ihn mit den Aposteln und einem Teil der Jünger einge­laden haben.

Das Mahl findet in der offenen Halle des Hauses der Synagogenlehrer nahe bei der Synagoge statt. Gleich am Anfang weist Er das große Handwasch-Becken zurück und hält eine Strafrede wider ihre Heuchelei (L. 11, 37-52; und ähnlich wie bei Mk. 7, 1-23 am 14. Februar 33). Bei Tisch macht Er alle ihre Einwürfe wider Seine Syna­gogenlehre so gründlich zu Schanden, daß über zwölf von ihnen aufstehen und belei­digt das Haus verlassen.

Mit den übrigen Sieben wandelt Er in der Halle, und als sich einer der Jünglinge von Nazareth naht, die Ihn bereits am 18. und 19. September 31, am 11. März und 17. August 32 vergebens um Aufnahme gebeten, und an Ihn die Frage stellt: „Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu er­langen?“, antwortet Er mit Hinweis auf die Erfüllung der beiden Hauptgebote der Liebe und erzählt die Geschichte vom barmher­zigen Samariter (L. 10, 25-37).

Zum Schluß verteidigt Er Sich und Seine Jünger gegen die erneuten Beschuldigungen der sieben Pharisäer, entfernt Sich mit den Seinen, betet in der Einsamkeit allein und beschützt aus der Ferne Seine Jünger gegen die von den Pharisäern gedungenen Kerle, die hinter den Jüngern Steine herwerfen.

Die Unterweisung der neuen Jünger

Lehrberg bei Hanathon

So. 29.

Auf dem Wege zum Lehrberg bittet ein Jüngling den Herrn um die Erbschaftsteilung mit seinem Bruder (L. 12, 13-14). Jesus kehrt am Fuße des Berges in einer langen Hütte ein, wo Er lehrt und einige gekrümmte Leute heilt. Hierauf betet Er mit den mitgenommenen Jüngern, die noch neu sind, in der nahen einsamen Wildnis und belehrt sie dann oben auf dem Berge über die einzelnen Bitten des Vaterunsers (L. 11, 1-4), erzählt das Gleichnis vom zu­dringlichen Freunde (L. 11, 5-8) und er­mahnt sie zur Zuversicht und Beharrlich­keit im Gebete (L. 11, 9-13). Dieser Lehre hören noch etwa dreißig gute Leute aus der Gegend zu. Er verbringt die Nacht mit den neuen Jüngern im gemeinsamen Gebet.

Mo. 30.

Morgens beschließt Jesus die Lehre vom Gebet und verfährt dabei mit den Jüngern nach Art einer Katechese mit Fragen und Antworten. Zuletzt wiederholt Er das ganze Gebet und gibt eine Auslegung des Wortes Amen, ähnlich wie am 2. Juni zu Mallep auf Cypern, nämlich als des Wortes, das alles in sich enthalte, den Anfang und das Ende. Auch hier hören noch andere zu.

Universitäts-Stadt Bethsaida-Julias

Unter den Zuhörern befinden sich auch einige Pharisäer aus Julias, die Ihn nach Beendigung der Lehre zu sich einladen. Er nimmt die Einladung an.

Vorerst trifft Er noch mit Maria, Maroni und Lea in einer Herberge am Westufer des Jordan zusammen, tröstet Seine weinende, um Ihn besorgte Mutter, segnet die Frauen zum Abschied und wandelt dann mit den Jüngern nach Bethsaida-Julias, wo Er am 24. November, 21. März und 16. April ge­wesen.

Im Hause des Pharisäers wird Er sehr höf­lich empfangen, aber es dauert nicht lange, so beginnen die alten Vorwürfe wegen des Sich-nicht-waschens vor Tisch und alles dessen, was Ihm vor zwei Tagen vorgeworfen wurde. Die Jünger ziehen den Meister zur Seite und bitten Ihn, nicht zu eifern, sie möchten sonst vertrieben werden. Er ver­weist den Neulingen ihre Feigheit; doch die Mahlzeit vollzieht sich noch in Ruhe. Der Auftritt bei dieser Mahlzeit ist mit dem vor­gestern zu Kapharnaum geschehenen im Evangelium von Lukas in eine einzige Er­zählung zusammengezogen worden (L. 11, 37-52).

Abends lehrt Jesus noch in der Synagoge, heilt aber nicht, denn die Pharisäer haben die Leute hier eingeschüchtert und sind sehr stolz auf die hiesige Universität. Er über­nachtet in einem Hotel innerhalb der Stadt.

Drittes Vierteljahr :

Vom Schluß des Lehrwandels in Galiläa bis zur Auferweckung des Lazarus

(1. Juli bis 30. September 33)

Der Schluß der sogenannten Bergpredigt

Lehrberg bei Bethsaida-Julias

Juli, Di. 1.

Morgens besteigt der Herr den Lehrberg der Brotvermehrung, auf welchem sich alle Apostel und Jünger und noch ein paar hun­dert andere Leute aus Kapharnaum, Caesa­rea-Philippi und anderen Orten der Umge­gend versammelt haben. Einige Jünger ver­hindern unten am Berge mehrere Pharisäer am Hinaufgehen mit dem Hinweis, der Meister wolle allein sein, Er belehre heute nur die Seinigen; wenn sie Ihn hören und mit Ihm streiten wollen, sollen sie es in ihren Synagogen tun. Hierauf kehren jene um.

Jesus lehrt heute tatsächlich alles dasjenige, was in der sogenannten Bergpredigt der Evangelisten Matthäus und Lukas enthalten ist, mit Ausnahme der ersten sieben soge­nannten Seligpreisungen. Er beginnt also mit der achten Seligkeit: „Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen“ (Mt. 5, 10-12) ; dann spricht Er vom Salz der Erde, von der Stadt auf dem Berge, vom Licht auf dem Leuchter (Mt. 5, 13 bis 16), von der Erfüllung des Gesetzes (Mt. 5, 17 bis 20), vom rechten Almosengeben (Mt. 6, 1-4), vom rechten Beten (Mt. 6, 5 bis 8), vom Vaterunser (Mt. 6, 9-13), vom Vergeben der Fehler und vom Fasten im Verborgenen (Mt. 6, 14-18), vom Sam­meln der Schätze im Himmel (Mt. 6, 19 bis 21), vom gesunden Auge als Sinnbild des inneren Lichtes (Mt. 6, 22-23), von der Unmöglichkeit, zwei verschiedenen Herren zu dienen, und von der Hintansetzung ängst­lichen Sorgens um den morgigen Tag (Mt. 6, 25-34) ; vom Splitter-Richten im Auge des Nächsten (Mt. 7, 1-5), von der Hütung des Heiligen vor den Unwürdigen (Mt. 7, 6), vom beharrlichen und zuversichtlichen Bitten, Suchen und Anklopfen (Mt. 7, 7 bis 11) ; vom Grundsatz der Nächstenliebe (Mt. 7, 12), von der engen Pforte und dem schmalen Wege, der zum ewigen Leben führt (Mt. 7, 13-14), vom wahren Krite­rium, die Menschen nach ihren Früchten zu beurteilen (Mt. 7, 15-20), vom vollen Her­zen, wovon der Mund überläuft (L. 6, 45), vom vergeblichen Rufen: Herr, Herr! (Mt. 7, 21-23) und schließlich vom Manne, der sein Haus auf Felsen baut (Mt. 7, 24-27).

Nachdem Er so länger als drei Stunden ge­predigt hat, gehen die Hörer zum Fuß des Berges hinab, um zu essen, was durch die Jünger herzugetragen war.

Nach dieser Pause setzt der Herr die Pre­digt bis gegen Abend fort, ermahnt die Jün­ger noch einmal über alle jene Punkte, von denen Er schon bei den früheren Aussen­dungen geredet, und fordert sie schließlich zum Glauben, Vertrauen und Ausharren auf.

Leviten-Stadt Argob

Hierauf wandert Er eine Stunde nordöstlich zu der hochgelegenen Doppelstadt Argob, die auf den Lehrberg herabschaut, und übernachtet im Hotel vor der Stadt, wo Er schon einmal am 12. März dieses Jahres gewesen.

Lehrberg bei Bethsaida-Julias

Mi. 2.

Heute predigt der Herr auf demselben Berge wie gestern, aber diesmal vor mehre­ren Tausenden, die vom ganzen Lande zu­sammengeströmt sind und viele Kranke mit­gebracht haben, die Er heilt. Auch Pharisäer und andere Gegner sind erschienen, kommen aber nicht zum Disputieren; denn der An­drang, der Jubel über die Wunderheilungen und die Begeisterung der Hörer ist so groß, daß die Gegner kleinlaut und ängstlich wer­den.

Während sich das Volk zum Essen lagert, denn es hat Speisen mitgebracht, heilt Er viele Kranke und treibt Teufel aus. Auch macht Er einen blinden Vetter des Esseners und Jüngers Manahem (vgl. S. 217) sehend, den die Jünger bereits gehend gemacht haben und den sie nun herbeiführen.

Nach der Pause belehrt Er besonders die Jünger über alles dasjenige, was bei Lukas im zwölften Kapitel (1-59) kurz auf­gezählt ist. Auch spricht Er wiederum das Wehe über die unbußfertigen Städte Chora­zin, Bethsaida, Kapharnaum (L. 10, 13 bis 16) und auch über Jerusalem aus (L. 13, 34 bis 35). Zum Schluß sendet Er die neueren Jünger aus, und zwar alle zu zwei und zwei in einer Weise, wie Er es bisher noch nicht getan hatte.

Leviten-Stadt Argob

Abends geht Er mit den Seinen wieder zum Hotel vor Argob und übernachtet hier.

Der Abschied von Kapharnaum

Matthäi Zollstätte

Do. 3.

In Argob entläßt Er die Jünger und Apostel in ihre Heimatsorte, außer Petrus, Jakobus, Johannes und Matthäus, mit denen Er zu Matthäi Zollstätte geht, um dort noch von etwa zwanzig Freunden aus Kapharnaum Abschied zu nehmen.

Dieses besondere Abschiednehmen, auch von Seiner heiligsten Mutter vor drei Tagen, hängt offenbar nicht nur damit zusammen, daß Jesus für eine Zeitlang Galiläa verläßt und nach Jerusalem geht, sondern auch mit dem Umstand, daß Er mit Seiner Bergpre­digt gestern und vorgestern Seinen öffent­lichen Lehrwandel in Galiläa, sowie Seine Lehrtätigkeit vor den großen Volksmengen beendet hat. Er lehrt vor größerer Öffent­lichkeit später nur noch in Jericho und Jeru­salem. Auch schließen mit der gestrigen Aussendung der neuen Jünger Seine persön­lichen Aussendungen, und in diesem Sinne ist es auch aufzufassen, wenn es oben hieß, daß Er heute morgen die Apostel und Jün­ger entläßt.

Demnach hat also Jesus durch Herumreisen in ganz Palästina genau zwei Jahre gelehrt, denn am 1. Juli 31 begann Er, von Ort zu Ort zu wandeln und in den Synagogen zu lehren, und am 1. Juli 33 hielt Er Seine letzte große Predigt in Galiläa, die am fol­genden Tage, verbunden mit den letzten Massenheilungen, ihren Höhepunkt und Ab­schluß fand.

Trotzdem muß man den öffentlichen Lehr­wandel Jesu, im ganzen genommen, nach beiden Seiten hin, um zehn Monate erwei­tern, um den Monat Juni im Jahre 31, wo Er Sein eigentliches Wandeln, wenn auch nur allein und ohne große Vorträge und ohne Heilungen, mit dem 3. Juni begann; und dann um die noch jetzt folgenden neun Monate, in denen Er hier und da noch lehrt und schließlich Seine große Passion mit den letzten Lehren im herodianischen Tempel einleitet.

Nachdem Jesus noch mit Jairus, Serobabel, Cornelius und den anderen Freunden im früheren Zollhaus des Matthäus, wo jetzt gute Bekannte wohnen, gespeist hat, fährt Er mit Petrus, Jakobus und Johannes auf den See hinaus und belehrt sie auf dem Schiffe in der Gegend bei Dalmanutha und landet bei der Zollstätte von Dalmanutha.

Karte Nr. 33, 1. Teil
1-Fahsel Emmerick Karte 33

Die Reise durch Auranitis

Halb-Manasse-Stadt Edrai

Fr. 4.

Gadara und Abila zur Rechten lassend, wan­dert heute der Herr mit den drei Aposteln etwa sieben Stunden nach Edrai und predigt zum Sabbat-Anfang in der Synagoge.

Sa. 5.

Wie gestern lehrt Er auch heute ohne Widerspruch und heilt außerdem viele Kranke. Seine Lehre behandelt die fällige Lektion, wobei Er die vorkommenden Per­sonen und Tiere des Alten Testamentes, wie Aaron, Jephte, Kore, Moses und die ge­sprenkelte Kuh und die eherne Schlange (Num. 19-21; Richt. 11) als gewisse Typen des Messias und der Geschehnisse des Neuen Testamentes auslegt.

Kaathiter-Ort Korä

So. 6.

Nachdem der Herr weiter gen Osten ge­wandert, lehrt Er auf einem Lehrhügel im Park bei dem Orte Korä (in der Gegend von Et-Taijibe), wo Nachkommen aus dem Ge­schlechte des Kaath (Num. 16, 1) wohnen, und heilt dann viele Besessene und Kranke.

Karte Nr. 34
1-Fahsel Emmerick Karte 34

Levitenstadt Bosra

Mo. 7.

Heute erreicht der Herr mit den drei Apo­steln die Hauptstadt Bosra im Hauran. Petrus ist im Mai schon hier gewesen und hat Juden ausgelöst, die Sklaven von Hei­den waren. Jesus löst heute den Rest aus, indem Er mit dem Gold bezahlt, welches Ihm mehrere bekehrte Leute in Edrai und auch hier in Bosra als Geschenk brachten.

Bosra ist eine Freistätte für Totschläger, und mehrere Sünder bekennen Jesu ihre Ver­brechen. Er wohnt bei den Leviten, heilt Kranke und Besessene, darunter auch jene Kranken, die die Jünger bei ihrem ersten Hiersein nicht geheilt hatten.

Viele, welche die Taufe begehren, bereitet Jesus am Taufbrunnen vor. Die Apostel taufen auch einige Heiden in der Stille ab­gesondert. Abends geht Er mit den drei Aposteln noch fünf Stunden nordöstlich nach Nobah.

Rechabiten-Stadt Nobah

Di. 8.

Außer dem heidnischen Teil der Stadt woh­nen lauter Rechabiten hier, die, von der babylonischen Gefangenschaft zurückkeh­rend, Nobah wieder eroberten und sich hier niederließen (vgl. 1 Par. 2, 55).

Jesus heilt viele Besessene, die Ihm aus dem hiesigen Hospital zugeführt werden. Auch Petrus, Jakobus und Johannes heilen und lehren. An der Grenzscheide kommen auch Heiden zum Herrn und ehren Ihn. Er läßt einige von ihnen taufen und segnet die Kin­der. Er stößt hier auf keinerlei Widerspruch und arbeitet erstaunlich. Er übernachtet mit den Seinen im Hotel bei der Synagoge.

Hirtenort Jakobs Friedenslager

Mi. 9.

Von Nobah geht Er wieder fünf Stunden südwestlich zu einem lieblichen Hirtenort, wo einst Jakob zum erstenmal lagerte, als er von Laban floh (Gen. 31, 25). Bei Seiner Ankunft setzt Sich der Herr an einen der drei Brunnen, wird von den Hirten mit Fußwaschung und Imbiß empfangen und heilt dann die Kranken, die man aus der Gegend zusammenbrachte, als man gestern erfuhr, daß Er hierherkomme.

An einem Hügel spricht Er vor vierhundert Hirten über den Zug der heiligen Drei Könige, die hier vor 32 Jahren gerastet haben, predigt vom Stern aus Jakob und von dem neugeborenen Kinde, welches die Könige damals aufgesucht. Hierauf spricht Er von der Erfüllung der prophetischen Weissagungen, vom Täufer als Vorläufer des Messias, der jetzt mitten unter Israel weile, aber von ihm nicht erkannt werde, und erzählt zum Schluß die Parabeln vom guten Hirten (J. 10, 1-18) und vom Säen und Ernten (Mk. 4, 26-29).

Jesus ist hier mit den Hirten ungemein kind­lich und vertraulich und nennt sie im Ge­spräche immer liebe Kinder. Hier kommen auch noch zehn Jünger, von anderen Apo­steln gesendet, zu Ihm, und zwar jedesmal paarweise, ein alter (meistens ein Johannesjünger) und ein neuer Jünger.

Do. 10.

Am anderen Morgen besucht der Herr ein­zelne Hirtenhütten, erzählt dort von den Hirten zu Bethlehem; und als sie alles ver­lassen und Ihm folgen wollen, um Ihn im­mer zu hören, legt Er ihnen nahe, hier wohnen zu bleiben.

Manasse-Stadt Salcha

Mittags laden Ihn Bewohner von der eine Stunde nördlich liegenden Stadt Salcha zu sich ein. Jesus folgt der Einladung und wird vor dem Stadttore von den Lehrern und Schülern feierlich empfangen.

Als man Ihn fragt, ob Er die Johannestaufe erteilen könne, da man hier den Täufer hochschätzt, spricht Er vom Zeugnis des Täufers. Viele werden getauft und geheilt und die Kinder gesegnet. Dann predigt Jesus in der Synagoge, und nachher kom­men auch Heiden zu Ihm und bitten um Trost und Hilfe.

Der Besuch der Davidstraße

Auf der Davidstraße

Fr. 11.

Vormittags wandelt der Herr mit den Seinen anderthalb Stunden westlich auf der soge­nannten Davidstraße, die hier in den Win­dungen der Täler gen Westen zum Jordan hinläuft. Jesus schlägt diesen Weg ein, um den Seinen diese Straße, die eine Art Hohl­weg ist, zu zeigen, und erzählt ihnen fol­gende vier Ereignisse, die hier geschehen sind:

Abraham sah in diesem Hohlwege ein Leuch­ten und hatte eine Vision, als Er nach Kanaan zog. David sah einen leuchtenden Reisezug, als er in die Gegend von Maspha floh und sich hier in der Schlucht mit drei­hundert Mann versteckt hielt; und daher ward die Straße später nach ihm benannt. Der Zug aber war eine Vision der heiligen Drei Könige, wobei David einen mystischen Gesang vernahm vom verheißenen Tröster in Israel. Er hat damals das diesbezügliche Stück eines Psalmes gedichtet (vielleicht Ps. 71, 6-11).

Auch der Prophet Malachias ist nach einer Schlacht hierher einem Lichte gefolgt und hat sich hier verborgen. Und schließlich sind die heiligen Drei Könige, als sie gen Bethlehem zogen, aus der Gegend von Salcha auf diesem Wege, indem sie kurz zuvor ihren Kamelen den Willen ließen, unter besonders hellem Leuchten des mystischen Sternes hinabgezogen. Sie pflegten auf ihrem Zuge oft von übernatürlicher Freude und Sehnsucht erfüllt, improvisierte Verse ab­wechselnd zu singen; aber hier in der David­straße wurden sie noch mehr innerlich be­wegt, und ihr Gesang war ganz besonders rührend und lieblich.

Festungs-Stadt Thantia

Nachdem Jesus, alles dieses den Seinen er­zählend, ungefähr anderthalb Stunden in der Davidsstraße gewandelt ist, biegt Er nach Süden ab, erreicht die Heerstraße Bosra-­Philadelphia und kommt zum Sabbatbeginn nach Thantia, wo Er sogleich in der Syna­goge über Balaam, den Stern Jakobs (Num. 24, 17) und über die Weissagung des Pro­pheten Michäas betreffs Bethlehem Ephrata (Mich. 5, 2) predigt.

Sa. 12.

Heute heilt der Herr in Privathäusern jene, welche die Jünger bei ihrem Hiersein vor zwei Monaten nicht zu heilen vermochten. Auch werden viele getauft, die Er hierzu vorbereitet. Jesus predigt hier ohne Widerspruch, denn die Rabbiner und Einwohner sind in dieser Gegend fromm, wallfahren zur Davidsstraße und hoffen, dort Visionen vom Messias zu empfangen, und glauben, daß Er von dort zu ihnen kommen werde.

Während der Predigt Jesu sagen sie zuwei­len: „Er spricht, als sei Er es selbst; aber das ist doch nicht möglich!“ Sie meinen nämlich, der Messias müsse irgendwo wie ein Engel unsichtbar in Israel angekommen und Jesus etwa ein Vorläufer und Verkün­der desselben sein. Jesus sagt ihnen darauf­hin, sie würden den Messias vielleicht er­kennen, wenn es zu spät sei. Doch kommen viele von hier später nach der Kreuzigung zur Gemeinde Jesu.

Karte Nr. 33, 2. Teil
1-Fahsel Emmerick Karte 33

Bergfestung Datheman

So. 13.

Nach einem Marsche von etwa vier Stunden in nordwestlicher Richtung erreicht der Herr die Bergfestung Datheman, besteigt aber erst den Berg in der Nähe, den einst die Tochter Jephtes zum Ort ihrer Trauer erwählte (Richt. 11, 38). Auch der Prophet Balaam hatte diesen Berg zum Ort seiner Betrachtung erwählt, als ihn der Moabiter­könig rufen ließ (Num. 22, 5). Jetzt woh­nen immer noch Einsiedler auf diesem Berge; und Jesus hält oben eine Predigt vor einigen hundert Menschen.

In Datheman selbst lehrt Er wieder über Balaams Weissagung vom Stern Jakobs und vom Schicksal der Tochter Jephtes.

Die Leute sind hier in der Gegend ganz voll von der Heiligkeit der Davidstraße; sie äußern sich dem Herrn gegenüber, sie möch­ten nicht im Lande jenseits des Jordans wohnen, wo man alles, was in der David­straße vorausgesehen worden und eingetrof­fen sei, gar nicht erwähnen dürfe. Man spreche hier sehr wunderbar von dem Zug jener fünfzehn Vornehmen mit den drei Anführern, die vor zweiunddreißig Jahren durch jene Straße durchgezogen seien und immer nach dem neugeborenen König gefragt hätten; und es gehe die Sage bei from­men Leuten, daß David den Zug schon vor­ausgesehen habe.

Die Lücke im Tagebuch

Mit diesem 13. Juli schließen die Aufzeich­nungen des Clemens Brentano über jene Visionen der Katharina Emmerich, die sie vom 2. Juni 1821 fortlaufend bis zum 13. Juli 1823 geschaut und ihm täglich mit­geteilt hat.

Die noch folgende Zeitspanne des Lehrwan­dels Jesu bis zu Seiner großen Passion um­fassen jene Visionen der Katharina Emme­rich, die sie vom 29. Juli 1820 bis 28. März 1821 täglich geschaut und dem Clemens Brentano jedesmal mitgeteilt hat.

Es entsteht daher jetzt im Reisetagebuch ein kurzer Ausfall von fünfzehn Tagen. Und durch das Zurückgehen vom 13. Juli 1823 auf den 29. Juli 1820 ergibt sich eine kleine Verschiebung der Namen der Monatstage.

Trotzdem decken sich die folgenden Tage wie bisher mit den Tagen und der Jahreszeit der Geschehnisse im weiteren Verlauf des Lebens Jesu, da Katharina Emmerich auch jetzt, wie bisher, diese täglichen Gescheh­nisse jedesmal zur selben Jahreszeit schaut und mitteilt. Und diese Übereinstimmung läßt sich, wie bisher, jedesmal aus den Sabbat-Tagen jeder Woche und den vor­kommenden Festtagen des jüdischen Kalen­ders erkennen (siehe oben Seite 93).

Die nun folgenden Berichte unterscheiden sich deutlich merkbar von den bisherigen, insofern sie inhaltlich viel kürzer gehalten sind, was offenbar darauf zurückzuführen ist, daß Clemens Brentano, wie es aus dem oben angegebenen Datum ersichtlich ist, dieselben in seiner Eigenschaft als Neuling entgegengenommen hat, also noch nicht so gut wie später den westfälischen Dialekt beherrschte, in welchem Anna Katharina Emmerich zu berichten pflegte. Es können aber auch noch andere, mehr äußere Um­stände hindernd eingewirkt haben.

Die große Kindersegnung

Übergang-Stadt Bethabara

Sa. 29.

Zu den drei Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes, die Jesus auf Seiner Reise durch Auranitis begleitet haben, gesellen sich in der hiesigen Jünger-Herberge noch Matthäus und Saturnin.

Jesus ist in der Stadt in steter Arbeit. Bald lehrt Er auf der Straße, bald ziehen sie Ihn bei den Kleidern in ein Haus. Er erzählt viele Parabeln und heilt Lahme und Gichtbrüchige und mehrere Blinde. Auch heilt Er einen taubstummen Besessenen und einen Mann mit einer verdorrten Hand (nicht Mt. 12, 9 ff.; vgl. S. 284).

Bei dieser Gelegenheit treten einige Phari­säer an Ihn heran, um Ihn durch Fragen über Ehescheidung auf die Probe zu stellen. Nachdem Er ihnen Seine Ansicht gesagt, meinen Seine Apostel, dann sei es besser, gar nicht zu heiraten, worauf Er von der besonderen Gnade des Zölibates spricht (Mt. 19, 3-12).

Auf der Straße ziehen Ihm ganze Prozes­sionen von Müttern mit Kindern entgegen. Seine Begleiter weisen sie wegen der großen Arbeit Jesu zurück; Er aber wehrt es ihnen, läßt jene sich in dreifachen Reihen zu bei­den Seiten der Straße aufstellen, schreitet die Reihen auf und ab entlang und segnet alle Kinder. Den einen legt Er die Hand auf das Haupt und spricht mit ihnen; an­deren legt Er eine Hand auf das Haupt, die andere auf die Brust; andere schließt Er an Seine Brust, und manche stellt Er Seiner Umgebung als ein Muster vor. Es sind wohl an tausend Kinder und Säuglinge, die Er in diesen Tagen so segnet, und alle erhalten eine besondere Gnade und werden später Christen (Mk. 10, 13-16).

Bei dieser Sendung der Kinder geschieht auch die Zurechtweisung des reichen Jüng­lings, der Ihn nach den Bedingungen zur Erlangung des ewigen Lebens fragt (Mt. 19, 16-22).

Hierauf belehrt Er die Apostel über die Gefahr des Reichtums (Mt. 19, 23-26) und verkündet ihnen, als Petrus fragt, was ihnen auf Grund ihrer Nachfolge zuteil werde, den großen Lohn für die Entsagung und Nachfolge (Mt. 19, 27-30). Hierbei sind noch Spitzel der Pharisäer zugegen und wundern sich und murren.

Zum Abendessen geht Jesus in ein Haus, wo die heiligen Frauen ein Mahl bereitet haben. Es sind hier anwesend: Martha, Mag­dalena mit ihrer Dienerin Marzella, Maria Salome und Maria Kleophä, die Ihm bei Seinen Lehrreisen helfen. Außerdem sind zugegen Veronika, Maria Markus, Johanna Chusa und Susanna und Salome von Jeru­salem, die mehr im Verborgenen Seine An­hängerinnen sind, ähnlich wie Nikodemus (L. 8, 1-3).

Bei Tisch bittet Maria Salome Jesum, ihre beiden Söhne Johannes und Jakobus in Seinem Reiche an Seiner Seite sitzen zu lassen, worauf Er sie über die Bedingungen und die Macht hierzu aufklärt (Mt. 20, 20 bis 28). Am 3. Oktober 33 wiederholt sich dasselbe noch einmal.

Karte Nr. 35
1-Fahsel Emmerick Karte 35

Reise nach Madian

Aussätzigen-Ort bei Nebo

So. 30.

Abends geht der Herr von Bethabara mit den fünf Aposteln gen Osten und wird unter­wegs von Leuten in ein bei Nebo auf dem Lande liegendes Hospital gerufen, in dessen Seitengebäude zehn Aussätzige liegen.

Während die Apostel aus Furcht vor An­steckungsgefahr das Gebäude umgehen und an einem Baume auf Jesum warten, heilt Er die Aussätzigen, läßt sie sich im nahen Teich baden und befiehlt ihnen, sich den Priestern in der Nachbarschaft zu zeigen. Nachdem Er im Hauptgebäude noch einige Krüppel geheilt und bereits das Haus ver­lassen hat, folgt Ihm einer der geheilten Aussätzigen, wirft sich vor Ihm nieder und dankt. Jesus sagt ihm etwas, und der ganze Vorgang ist ähnlich dem, der sich am kom­menden 24. August wiederholt und welchen dann der Evangelist Lukas (17, 11-19) beschreibt.

Mo. 31.

Unterwegs gesellen sich noch vier weitere Apostel zu den Begleitern Jesu. Er wandelt mit ihnen südwärts, überschreitet den rei­ßenden Fluß Zerka, läßt Machärus rechts liegen und nähert Sich auf der Römerstraße der Diaspora-Stadt Madian, durch die vor 32 Jahren die heiligen Drei Könige gezogen sind.

Vorstadt von Madian

Aug., Di. 1.

Jesus geht nicht in die Stadt selbst, da die Einwohner zu böse sind, sondern lehrt nur im jüdischen Vorort. Einige der Apostel und Jünger reden jedoch mit Madianitern an der großen Brücke des Arnon.

Erster Aufenthalt in Jericho

Auf dem Wege nach Jericho

Mi. 2.

Von Madian kehrt der Herr wieder gen Nor­den zurück. Unterwegs erzählen die kürz­lich angekommenen Apostel ihre Reise­erlebnisse, wobei Er ihnen Winke für die Zukunft gibt. Sie übernachten bei Hirten, die Er noch abends unterrichtet.

Do. 3.

In der Nähe des Jordan kehrt Er in einem großen Hause ein, in welchem eine Hirten­familie wohnt. Hier erzählt Er die Parabel vom unbarmherzigen Knecht (Mt. 18, 23 bis 35) und bemerkt unter anderem: „Die­jenigen, die sagen, sie seien keusch, essen und trinken aber, was ihnen gelüstet, wollen ein Feuer mit dürrem Holze löschen.“ Unter­des treffen noch einige Jünger ein.

Fr. 4.

Langsam wandelt der Herr mit den neun Aposteln und vielen Jüngern weiter dem Jordan zu, unterwegs die Seinen unterrich­tend. Er geht bald vorn, bald in der Mitte, oft bleibt Er stehen; und sie treten Ihm näher, nie aber drängen sie Ihn.

Bethjesimoth

Bei Seiner Ankunft in Bethjesimoth heilt Jesus vor der Sabbat-Lehre an der Tür der Synagoge eine gekrümmte Frau, worüber die anwesenden Pharisäer ihre gewöhnlichen Vorwürfe über Sabbat-Schändung vorbrin­gen.

5. – 8.

Der Herr hält Sich mit den Seinen vier Tage in Bethjesimoth auf. Einmal wollen Ihn die Pharisäer am Lehren verhindern. Sie stehen vor der Synagoge und wollen Ihn nicht hin­einlassen, aber Er geht mitten durch sie hin­durch, lehrt und erzählt mehrere Gleich­nisse.

Es hat Ihn niemand hier bewirtet. Erst am letzten Abend zieht Ihn jemand in sein Haus nebst den Aposteln und Jüngern, bewirtet sie, macht ihnen allen zur Ehrung kleine Kronen aus Wolle und setzt sie ihnen bei Tisch auf.

Mi. 9.

Auf dem Wege gen Jericho erzählen die Apostel und Jünger noch vieles von ihren Taten und manches nicht ohne Eitelkeit. Jesus verweist es ihnen, ähnlich wie am 26. Juni 33, und fügt diesmal warnend hin­zu: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (L. 10, 18). Da erschrecken sie.

Auch erzählt Er ihnen ein Gleichnis, das sich auf das künftige Verhalten aller zwölf Apostel bezieht. Als Er nämlich äußert, sie hingen Ihm an, weil sie gute Kost hätten, verstehen sie nicht, daß Er damit den augenblicklichen äußeren Frieden und die schönen Lehren meint, und daher fügt Er hinzu, in der Not würden sie sich anders verhalten. Ja Er sagt sogar, die, welche jetzt gleichsam einen Mantel der Liebe Ihm gegenüber trügen, würden diesen fallen lassen und nackt fliehen, womit Er das spätere Verhalten des Johannes im Garten Gethsemani (Mk. 14, 52) andeutet.

Nicht weit vor Jericho weist Er zum zweiten Male eine Frau ab, die Ihn schon in Beth­jesimoth um die Heilung ihres geschwürigen Kindes gebeten. Er macht Sie darauf auf­merksam, daß sie ihr Kind in Sünden emp­fangen und noch an einem alten Fehler klebe, den sie erst von Herzen bereuen müsse, ehe sie wieder zu Ihm kommen dürfe.

Herodes-Stadt Jericho

Do. 10.

Vor der Stadt Jericho warnen Ihn vier Pharisäer vor Herodes, aber mit der Hinter­absicht, Ihn am Wirken von Wundern in Jericho zu verhindern. Er gibt ihnen den Auftrag, Herodes, dem Fuchs zu melden, daß Er an allen jenen Tagen, heilen werde, die Ihm der himmlische Vater vorgeschrie­ben (L. 13, 31-33). Zwei der Pharisäer bekehren sich und schließen sich Ihm später an; die beiden anderen gehen erbittert nach Jerusalem.

Gleich darauf nahen sich dem Herrn zwei Brüder aus Jericho mit der Bitte, ihre Erb­schaft unter sie zu verteilen. Er weist sie zurück, warnt sie vor Habsucht und fügt das Gleichnis vom reichen Manne hinzu (L. 12, 13-21). Als jedoch Petrus und auch Johannes äußern, diese Erbschaftsentschei­dung sei doch ein gutes Werk, warnt Er die Seinen vor vielem versammeltem Volk vor dem Übermaß zeitlicher Sorgen (L. 12, 22 bis 31) und fordert sie zum Sammeln von Schätzen im Himmel auf (L. 12, 32-34). Aber die Jünger verstehen Ihn immer noch nicht ganz, da sie den Hl. Geist noch nicht haben und immer noch ein irdisches Reich erwarten.

Als Ihm nun wieder viele Frauen mit Kin­dern entgegenziehen und um Seinen Segen bitten, versuchen die Jünger, sie, ähnlich wie am 5. November 32 und am 29. Juli 33, zurückzuweisen. Er aber befiehlt ihnen, die Kinder heranzulassen, und segnet sie (Mt. 19, 13-15).

Der Zöllner Zachäus

Fr. 11.

Nahe der Stadt, wo Gärten, Lustplätze und Häuser durcheinander liegen, kommt Jesus mit Seinem Gefolge in ein dichteres Ge­dränge. Menschen aus allen Gegenden sind zusammengekommen, und viele Kranke har­ren Seiner unter Schuppen und Zelten.

Der Oberzöllner Zachäus steigt, weil klein, auf einen Feigenbaum, um den Herrn besser sehen zu können. Jesus heißt ihn beim Vor­überwandeln herabsteigen und ladet Sich bei ihm ein (L. 19, 1-19), was Er auf des­sen Herz bezieht, denn äußerlich zieht Er heute erst in Jericho ein.

Nach dem Gottesdienst in der Synagoge speist Jesus mit den Jüngern im Hotel und weist jene Frau von vorgestern nochmals ab, da sie ihre Klatschereien immer noch nicht bereut hat. Später kommt Zachäus zum Hotel, und Jesus ladet ihn zum Essen ein, worüber sich Seine neueren Jünger ärgern. Auch Verwandte des Zöllners befinden sich unter den Begleitern Jesu, die sich schämen, daß Zachäus immer noch Zollbeamter ist.

Sa. 12.

Vormittags predigt der Herr in der Syna­goge wider den Geiz und geht dann, unter­wegs noch jene Frau aus Bethjesimoth ab­solvierend und ihr Kind aus der Ferne hei­lend, zur Wohnung des Zachäus außerhalb der Stadt. Die Jünger gehen nicht mit, nur die Apostel, aber ungern. Beim Mahl erzählt Jesus die Parabel vom unfruchtbaren Fei­genbaum (L. 13, 6-9), und übernachtet zum Erstaunen der Apostel bei Zachäus.

Um diese Zeit erkrankt Lazarus in Bethanien schwer, und man sehnt sich dort nach dem Herrn; aber Er geht erst noch gen Samaria, ehe Er nach Bethanien reist.

Mi. 16.

Jesus ist heute bei einem vornehmen Phari­säer mit Seinen Jüngern und vielen anderen Pharisäern zu Gast geladen. Bei Tisch wirft man Ihm das Heilen der Kranken am letz­ten Sabbat vor. Er widerlegt die Vorwürfe, tadelt ihre Hoffart, immer obenan zu sitzen und erzählt Gleichnisse, ähnlich wie bei den Pharisäer-Gastmählern am 31. August 32 und am 18. April 33 (L. 14, 1-24).

Von Jakobus und Bartholomäus werden viele mitten in Jericho auf einem freien Platz in einem von Gebäuden umgebenen Badeteich getauft.

Intrigen der Jericho-Pharisäer

Do. 17.

Heute lehrt der Herr mehrmals in der Syna­goge; auf der Straße drängen sich Sünder und Zöllner um Ihn. Einige Apostel lehren auch. Die Pharisäer hingegen stecken in ihrem Hause zusammen, erwarten ihre Boten von Jerusalem, die ihnen Haftbefehle wider Jesum bringen sollen, und überlegen, wie sie Ihn am besten fangen können.

Die Jünger sind ängstlich und unwillig, daß Sich der Meister so ungestört der großen Gefahr aussetzt. Bald darauf kommt Er zu ihnen und zu den Leuten, die sich über Seinen Umgang mit Sündern und Zöllnern ärgern (L. 15, 1-2), und erzählt ihnen die Gleichnisse vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme und vom verlorenen Sohne (L. 15, 3-32). Auch heute wird wie­der getauft, und einige Kranke werden so­gar durch die Taufe geheilt; andere aber werden auch abgewiesen.

Fr. 18.

Jesus heilt heute eine blutflüssige Frau, die von weit hergekommen ist und nun Sein Gewand berührt, doch ist dies ein anderer Fall wie jener von Matthäus (9, 20) erzählte am 6. Dezember 32. Jesus lehrt nach dieser Heilung vom ausdauernden Gebet, da Er diese Frau vorher mehrmals abgewiesen hat.

Es ist sehr rührend zu sehen, wie die Kran­ken, wo der Herr wandelt, dicht am Wege liegen, seufzen und flehen; wie die Jünger dabei so ängstlich und unmutig sind, und wie der Heiland so ernst, sicher und sanft ununterbrochen heilt und lehrt.

Boten aus Bethanien läßt Er sagen, Er komme noch nicht, da Seine Zeit noch nicht gekommen sei, dorthin zu gehen. Nach Samaria aber schickt Er zwei Jünger, um dort Seine baldige Ankunft zu melden.

Sa. 19.

Morgens und abends lehrt Jesus in der Syna­goge, und während der Zwischenzeit geht Er von Haus zu Haus und heilt und befreit auch Besessene.

So. 20.

Die zwei am vergangenen Zehnten dieses Monats ergrimmten Pharisäer sind in Jeru­salem grob aufgenommen worden, weil sie ihre Gesinnung Jesu gegenüber etwas geän­dert hatten. Heute kehren sie bekehrt zum Herrn zurück. Er entläßt und sendet paar­weise eine große Zahl Apostel und Jünger nach Orten aus, in die Er nicht mehr kom­men wird. Am heutigen Abend schließt der Monat Ab und beginnt der neue Monat Elul.

Mo. 21.

An hundert fremde Pharisäer haben sich in Jericho mit den einheimischen versammelt, beraten und lauern Jesu, da Seine Beglei­tung bedeutend geringer geworden, geschlos­sen am Wege auf, stellen Ihn heftig zur Rede und bringen alle alten Vorwürfe von neuem vor. Doch Er widerlegt dieselben mit solcher Kraft, daß sie zum Schluß nichts mehr zu sagen wissen.

Ort nördlich von Jericho

Di. 22.

Morgens geht Er etwa eine Stunde nördlich von Jericho. Auf dem Wege vor dem Ort halten Ihn nochmals viele Pharisäer an und bestürmen Ihn mit listigen Fragen und albernen Vorwürfen, haben aber keine Ge­walt über Ihn.

Viele Leute ziehen mit Ihm in die Stadt. Am Wege sitzen zwei Blinde mit ihren Führern. Sie werden Ihm nachgeführt und riefen immerfort: „Herr, erbarme Dich unser, Sohn Davids!“ Er bleibt stehen, stellt einige Fragen betreffs ihres Glaubens und heilt sie (Mt. 20, 29-34). Es entsteht viel Tumult, und die Pharisäer stellen mit einem der geheilten Blinden eine Untersuchung an und fragen auch dessen Vater aus.

Jesus heilt unterwegs noch viele, und es ist nicht auszusprechen, wie ruhig, sicher und geduldig Er unter allen diesen Zumutungen, Anfällen und Verfolgungen arbeitet, und wie sanft und ernst Er lächelt, wenn die Jünger Ihn von Seinem Wege abwendig machen wollen.

Anderer Ort nördlich von Jericho

Mi. 23.

In einem zweiten kleinen Ort nördlich von Jericho heilt er wieder viele und lehrt in der dortigen Schule. Die Leute nehmen Ihn hier besser auf als in dem letzten Orte.

Do. 24.

Vor dem Orte heilt Er die zehn Aussätzigen, und diese Heilung wird vom Evangelisten Lukas (17, 11-19) geschildert. Der eine, der zu Ihm zurückkehrt und dankt, wird später ein Jünger.

Er besucht auf die Bitte eines Hausvaters dessen Haus in einem Hirtendorf, eine Viertelstunde rechts vom Wege und erweckt dessen siebenjähriges gestorbenes Töchter­chen zum Leben. Petrus, Johannes und Jakobus Major sind dabei, und Er sagt ihnen, sie sollten in Seinem Namen ebenso ver­fahren.

Letzte Besuche bei Hirten

Hirtengegend in Süd-Samaria

25. – 29.

Jesus wandelt mit den drei Aposteln in den weit zerstreuten Hirtenhäusern umher, heilt viele und befreit besonders viele Angefoch­tene und Besessene, auch Frauen und Mäd­chen.

Hirtenhaus bei Hebron

Mi. 30.

Von Hirtenhaus zu Hirtenhaus wandernd, nähert Sich der Herr dem Gebirgslande gegen Hebron zu und wohnt in einem Hirtenhaus, nahe bei Hebron, mit Petrus allein einem Hochzeitsfeste bei. Er legt noch nach dem Mahl in einem besonderen Raum des Hauses die Hände des Brautpaares zusam­men, segnet mit Seiner Rechten die so ver­bundenen Hände und lehrt von der Unauf­löslichkeit der Ehe und der Enthaltung.

Ein anwesender Priester wird unwillig, daß dem Herrn und Petrus die Ehrenstellen bei Tisch eingeräumt werden und holt aus Hebron Pharisäer herbei, die Jesus mit Hef­tigkeit überfallen. Einer zieht Ihm bei seiner aufgeregten Rede den Mantel von der Schul­ter; doch Jesus bleibt ruhig, und sie kön­nen Ihm nichts anhaben und weichen von dannen.

Do. 31.

Er zieht weiter südlich gen Juta in das Gebirgsland. Die Hochzeitsgäste geben Ihm das Geleit, und unterwegs gesellen sich zu den dreien noch drei andere Apostel, dar­unter Andreas. Der Herr heilt auf dieser Reise viele kranke Kinder, die man Ihm an den Weg bringt. Sie sind meist geschwol­len und können nicht gehen.

Gebirgsort bei Juta

Sept., Fr. 1.

Die Priester in der hiesigen Synagoge rufen noch andere Priester zu Hilfe, aber sie müs­sen Jesu den Lehrstuhl einräumen, denn das Volk will Ihn hören.

Sa. 2.

Er lehrt in der Synagoge auf dem Hügel über die Worte: „Niemand kann zwei Her­ren dienen“ (Mt. 6, 24). Die Pharisäer spot­ten darüber, daß Er sagt, Er werde nicht wiederkehren; Er habe das schon oft gesagt.

3. – 5.

Unter anderem lehrt Er noch in diesem Orte von Seiner Absicht, daß Er gekommen das Schwert zu bringen (Mt. 10, 34-36). Als die Jünger hierüber verwirrt und ängstlich werden, erklärt Er ihnen, daß Er damit die Lostrennung von allem Bösen meine.

Leviten-Ort Bethain

Mi. 6.

Nachdem der Herr die meisten Apostel und Jünger wieder fortgesandt hat, verläßt Er den Gebirgsort und zieht nach einem kleinen Orte weiter nördlich, wo die Einwohner Ihm gutgesinnt sind. Es ist das Leviten-Städtchen Bethain, welchem Er schon am 15. Januar 33 einen kurzen Besuch abgestattet hatte. Das Nähere über Jesu Wandel von hier aus bis nach Kapharnaum ist uns nicht berichtet worden.

Kurzer Wandel in Samaria

Infolge großer Leiden ist Anna Katharina dreizehn Tage lang nicht imstande gewesen, aus ihren Visionen während dieser Zeit Mit­teilungen zu machen. Näheres über eine ver­mutliche Reise Jesu nach Jerusalem ist da­her aus dieser Quelle nicht bekannt. Vom 20. September an sind wieder folgende kurze Bruchstücke von ihr mitgeteilt worden.

Karte Nr. 36
1-Fahsel Emmerick Karte 36

Ort bei Samaria

Mi. 20.

Jesus bleibt noch in einem Orte bei Samaria, und Seine heiligste Mutter, deren ältere Schwester Maria Heli nebst ihrer Tochter Maria Kleophä reisen Ihm von Bethanien aus entgegen. Am heutigen Abend schließt der Monat Elul und beginnt der neue Monat Tisri.

Do. 21.

Die drei heiligen Frauen treffen bei dem Herrn ein, und außerdem überbringt ein Bote von Lazarus die Bitte, der Herr möge doch nach Bethanien kommen.

Ort, eine Tagesreise nördlich von Bethanien

22. – 23.

Während die heiligen Frauen dort, wo sie angekommen, den Sabbat feiern und auf Jesu Rückkehr warten, geht Er zum Sabbat in einen Ort, eine Tagesreise nördlich von Bethanien, lehrt in der großen Synagoge, segnet Kinder und heilt Kranke.

Er lehrt dieser Tage sehr ausführlich vom barmherzigen Samariter (L. 10, 25-27), von der Bedeutung Jerichos und Jerusalems und von der verlorenen Drachme (L. 15, 8 bis 10). Er sagt unter anderem, die, welche Ihm nicht nachfolgen, würden unter die Mörder fallen. Auch segnet Er wieder viele Kinder und heilt Kranke.

Ort bei Samaria

Mi. 27.

Er kehrt zu dem Ort zurück, wo Ihn die Frauen erwarten. Auch Apostel und Jünger sind bei Ihm. Sie wohnen im Hotel und er­halten hier die Nachricht vom Tode des Lazarus.

Do. 28.

Der Herr reist gegen Abend mit den Apo­steln und heiligen Frauen ab. Sie wandern beim Mondschein die Nacht hindurch in getrennten Gruppen in Richtung auf das Landgut Lazari bei Ginäa, wo dessen Schwe­stern Jesum erwarten.

Grenz-Stadt Ginäa

Fr. 29.

Während die Frauen gleich zum Landgut Lazari gehen, bleibt Jesus mit den Aposteln noch in einem kleinen Gut vor Ginäa und predigt zum Sabbat in der Synagoge zu Ginäa, wo Er auch mit den Aposteln über­nachtet.

Lazari Gut bei Ginäa

Sa. 30.

Nach dem Sabbat begibt Er Sich zum Land­gut Lazari. Magdalena kommt Ihm ent­gegen und klagt, ähnlich wie später Martha (J. 11, 21), daß der Meister nicht früher nach Bethanien gekommen sei. Er erwidert dem Sinne nach das Ähnliche wie schon vor­her beim Empfang ihrer Nachricht von der Erkrankung Lazari. „Diese Krankheit führt nicht zum Tode, sondern dient zur Verherr­lichung Gottes, weil der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werden soll“ (J.11,4). Dann speist Er mit den Aposteln und Frauen im großen Saal des Hauses und lehrt vom Ärgernis, das man im letzten Ort an Ihm ge­nommen und vom Ärgernis, das noch be­vorstehe.

DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT – Aus dem Tagebuch von „Gaby“, Kanada

1-Christus Evangeliar Karl Gr

Nachgezeichnetes Christusbild aus dem Evangeliar Karls des Großen (781) – „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben …“

JESUS SPRICHT:

„Meine Barmherzigkeit ist unendlich; aber bald wird keine Zeit mehr sein für die Barmherzigkeit, und wenn ihr alle, wer ihr auch seid, euer Leben nicht bessert und nicht Buße tut zur Sühne für alle eure Sünden, werde Ich Meinen Zorn ausbrechen lassen gegen den herzlosen, egoistischen und genußsüchtigen Menschen, und die Oberfläche der Erde wird wie ein verzehrendes Feuer werden, und die Welt wird sich selbst vernichten.

Haltet also an, alle, um nachzusinnen und den Weg wieder unter die Füße zu nehmen, auf dem ihr gehen müßt, um Mir zu gefallen. Säumet nicht; denn morgen wird es vielleicht zu spät sein für euch.

Ich will, daß alles, was Ich dir sage, überall in der Welt verbreitet wird und alle Gesellschaftsklassen, ohne Ausnahme, erreicht…

Öffnet die Augen, bevor es zu spät ist, und ergreift diese Hand, die Ich euch reiche, um euch auf dem Weg zu leiten, der euch zum Leben führen wird. Alle diese Leidenschaften und diese sinnlichen Vergnügen, an die ihr euch verliert, werden euch ebenso sicher töten wie das tödlichste Gift. Ihr seid alle tot, und ihr wißt es nicht. Es gibt mehr lebende Kadaver auf der Erde als unter der Erde.

Wachet auf aus dieser Erstarrung, in der ihr euch befindet. Öffnet eure Ohren. Hört Mich, Ich sage es euch: die Zeit drängt. Beeilt euch, zu verstehen, wo euer Gut ist. Kehrt aufrichtig um zu Mir, mit dem festen Wunsch, ein neues Leben zu beginnen, das gänzlich aus Liebe zu Mir besteht…

Noch einmal: es ist Meine große Liebe zu euch Menschen, die Mich drängt, euch vor den Gefahren zu bewahren, von denen die Welt bedroht ist. Selbst wenn Ich euch streng und hart erscheine, wisset, daß es zum Wohle von euch allen und eines jeden ist, wenn Ich Mich unter diesem Zeichen zeigen muß. Die Welt ist verhärtet im Laster, in den Leidenschaften und den Vergnügen aller Art. Es ist notwendig, daß sie von diesem Schlaf aufwacht; denn jeden Tag rückt sie weiter vor auf den Abgrund zu, der sich bald unter ihren Schritten auftun wird und der sie im ewigen Feuer verschlingen wird. Wachet also auf aus diesem todbringenden Schlaf. Fangt euch wieder und beeilt euch, Mir gegenüber aufrichtige Reue zu zeigen und den ehrlichen Wunsch, Mich zu lieben und eure Verirrung durch das Opfer, die Buße und den Verzicht auf alles aus Liebe zu Mir wiedergutzumachen.“


„HALT! Ihr alle, die ihr den Vergnügen nachlauft und die Befriedigung all eurer Begierden sucht, die ihr aber trotzdem eines Tages in den Himmel kommen möchtet — haltet inne und denkt gut nach! Ich sage euch: ihr seid nicht auf dem richtigen Weg, ihr werdet niemals zu Mir kommen, wenn ihr diesem Weg folgt, denn der alleinige und einzige Weg, der euch zu Mir führt, ist der, den Ich euch allzeit gelehrt habe, und den Ich euch in diesen Botschaften in Erinnerung rufe, die Ich in Meiner unendlichen Barmherzigkeit der Unwürdigsten unter euch übermittelt habe, damit ihr alle, welches auch euer Elend, eure Niedrigkeit und eure Verbrechen seien, wohl wisset, daß Ich nicht euren Untergang will, sondern euer Heil. Ihr braucht Mir nur Aufrichtigkeit, Reumütigkeit und den wahren Wunsch zu zeigen, Mich zu lieben und Genugtuung zu leisten, und Ich werde euch alles verzeihen. Im Tausch gegen eure ehrliche Liebe werde Ich euch eine Ewigkeit seliger Wonnen schenken.“

_______

Quelle: Taschenbuch „DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT“ – Das Tagebuch von Gaby – 1 – für die kanadischen Herausgeber übersetzt von Paul O. Schenker – IMMACULATA-Verlag, CH-9050 Appenzell, 240 Seiten.

 

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

Zweites Vierteljahr:

Vom zweiten Osterfest bis zum Schluß des Lehrwandels in Galiläa

(1. April bis 30. Juni 33)

Beschluß der Verhaftung Jesu

Gartenstadt Bethanien

April: Di. 1.

Der Geheilte vom Teich Bethesda läuft, wie gestern, so auch heute nach Bethanien und wo sonst Sich Jesus blicken läßt, und erzählt überall den Pharisäern, daß Jesus es ge­wesen, der ihn geheilt; und die Pharisäer entschließen sich, Jesum, wenn es angehe, zu verhaften und beiseite zu schaffen.

Der Herr wandelt heute mehrmals mit den Freunden und Jüngern an den Ölberg. Magdalena und andere Frauen folgen in einiger Entfernung. Unterwegs brechen die Jünger bei reifen Kornfeldern Ähren ab und essen hier und da auch Früchte (vgl. unten 9. April 33). Jesus lehrt wieder vom Gebet und spricht auch von einem dauern­den Wandel in der Gegenwart Gottes.

Das Schlachten des Osterlammes im Tempel beginnt heute nicht schon um halb ein Uhr (wie bei der Kreuzigung Christi), sondern erst gegen drei Uhr werden die Trompeten geblasen, worauf das Volk in drei Gruppen zum Vorhof des Tempels zieht. Die Ge­schwindigkeit und Ordnung ist bewunde­rungswürdig. Alle stehen dicht aneinander, und doch hindert keiner den anderen; jeder hat seine Wege, zu kommen, zu schlachten und zu gehen. Für Lazarus schlachten die vier Männer, die diesmal die Hausväter vor­stellen: Lazarus, Heli von Hebron, Judas Barsabas und Heliachim, der Vetter Jesu.

Das Ostermahl bei Lazarus

Abends, mit Beginn des 15. Nisan, sind im Schlosse zu Bethanien alle geschürzt, wie zur Abreise (Exod. 12), haben neue San­dalen an den Füßen und Stäbe in der Hand. Zuerst singen sie: „Gebenedeit sei der Herr, Gott Israels“ und „Gelobt sei der Herr“, und stellen sich mit erhobenen Händen paar­weise gegen einander, indem sie heranwan­deln. An dem Tische Jesu und der Apostel macht Sein Verwandter Heli von Hebron den Hausvater, an der Tafel der Haus­genossen und Freunde Lazarus, an der der Jünger Heliachim und an einer vierten Ta­fel Judas Barsabas. Es nehmen 36 Jünger am Mahle teil.

Nach dem Gebet wird jedem Hausvater ein Becher mit Wein gebracht, den er segnet, trinkt und herumreicht. Dann wäscht er die Hände, zeigt das Osterlamm und teilt es aus. Alle essen sehr geschwind (wie vor der Ab­reise), schneiden von dem dichten Kraut ab, tauchen es in die Brühe und essen es. Un­terdes bricht der Hausvater einen von den Osterkuchen und legt ein Stückchen davon unter das Tischtuch. Alles dies geschieht im Stehen und unter Gebeten. Die Frauen stehen auch bei ihrer Mahlzeit, sind reise­mäßig gekleidet, singen auch Psalmen, zer­legen aber ihr Lamm nicht selber, sondern es wird ihnen von der anderen Tafel ge­schickt. In den Seitenhallen essen viele arme Leute, deren Mahlzeit Lazarus gespen­det hat, ihr Osterlamm, und sie werden alle beschenkt.

Der Herr hält während der Mahlzeit noch eine Lehre vom Weinstock, vom Veredeln des Weinstockes, vom Ausrotten des schlech­ten, vom Pflanzen edler Reben und vom Beschneiden derselben nach jedem Auf­schießen. Er nennt die Apostel und Jünger diese Reben, und den Menschensohn den wahren Weinstock (vgl. J. 15, 1-8), und sagt, daß sie in Ihm bleiben müßten; und wenn Er gekeltert sei, müßten sie fort und fort den wahren Weinstock, Ihn Selbst, ver­breiten und alle Weinberge damit anbauen. Sie sind bis spät in der Nacht zusammen und sehr gerührt und freudig.

Die Theophanie im Tempel

Jerusalem

Mi. 2.

Das Fest im Tempel beginnt heute sehr früh; er ist nach Mitternacht schon offen, alles ist voll Lampen. Die Leute kommen schon vor Tagesanbruch mit ihren Dankopfern, aller­lei Tieren und Vögeln, die zu kaufen sind, und diese werden von den Priestern in Emp­fang genommen und besichtigt; man bringt auch Geschenke an Geld, Stoffen, Mehl und Öl.

Jesus steht mit den Seinen unter der Menge des Volkes von Sonnenaufgang bis zur Zeit des sogenannten „Stillstandes“, das heißt der Pause mit den Opfern, die etwa um elf Uhr eintritt. Der Herr begibt Sich jetzt, da alle Zugänge wieder offen sind, zum großen Lehrstuhl im Porticus Salomonis. Es ziehen sich viele Menschen zusammen, auch Pha­risäer. Als Er zu lehren beginnt, treten Letztere heran und fragen, warum er das Osterlamm nicht mit ihnen im Tempel ge­gessen, und ob Er heute ein Dankopfer ge­bracht habe. Jesus weist sie an die Haus­väter, die es für Ihn entrichtet hatten. Sie aber bringen wieder vor, Seine Jünger hiel­ten die Gebräuche nicht, äßen mit unge­waschenen Händen und naschten Ähren und Früchte auf dem Weg; man sehe Ihn nie Opfer bringen; es seien sechs Tage zur Arbeit, der siebente zur Ruhe, und Er habe den Mann vom Teich am Sabbat geheilt und sei ein Sabbatschänder.

Doch der Herr setzt Seine Lehre fort und redet gegen sie vom wahren Opfer: der Menschensohn sei Selbst das Opfer, und sie schändeten das Opfer durch ihren Geiz und ihre Lästerung wider den Mitmenschen. Gott verlange keine Brandopfer, sondern bußfertige Herzen; ihr Opfer werde ein Ende nehmen, der Sabbat werde bestehen; aber um des Heiles der Menschen willen sei er da, und nicht die Menschen um des Sabbat willen.

Hierauf machen sie sich über die Parabel vom reichen Manne und armen Lazarus lustig, die der Herr vorgestern erzählt hatte, und fragen höhnisch, woher Er denn die Geschichte so genau wisse, nämlich was der Lazarus und Abraham und der reiche Mann gesprochen, und ob Er denn bei ihnen in Abrahams Schoß und in der Hölle ge­wesen sei; ob Er Sich denn nicht schäme, dem Volke solche Dinge aufzubinden. Da weist Jesus ihnen die echte Geschichtlich­keit, die Seiner Parabel zu Grunde liegt, nach und legt sie auf die Gesinnung Seiner Gegner aus (siehe oben S. 60).

Schließlich werden die Pharisäer so er­grimmt, daß sie gegen den Herrn vor­dringen, lärmen und nach den Tempel­wachen senden, um Ihn verhaften zu lassen. Da verfinstert sich draußen das Wetter, indem dunkle Wolken die Sonne verbergen, so daß es im Tempel auffallend dunkel wird. Und Jesus schaut empor, da das Getümmel groß wird, und ruft: „Vater, lege Zeugnis ab von Deinem Sohne!“ Und eine gellende Stimme schallt nach kurzem Donner durch die Halle: „Das ist mein ge­liebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“ (vgl. unten 16. März 34).

Die Gegner Jesu werden ganz verwirrt und schauen erschrocken empor; die Jünger aber, die in einem Halbkreis hinter dem Herrn stehen, setzen sich in Bewegung, und Jesus geht zwischen ihnen ungehindert durch die sich öffnende Menge hindurch und verläßt den Tempel an der Westseite und die Stadt durch das Benjamin- oder Eck-Tor bei Lazari Haus (siehe das Bild vom herodia­nischen Tempel S. 64).

Die Jünger haben die Stimme nicht gehört, sondern nur den Donner, denn ihre Stunde war noch nicht gekommen; aber mehrere der zornigsten Pharisäer hörten sie. Als es nach dem Weggang des Herrn wieder hell wird, sprechen sie zwar nicht davon, eilen aber nach und senden Leute, um den Herrn zu verhaften. Er ist jedoch nicht mehr zu finden, und sie ärgern sich, daß sie sich überraschen ließen und Ihn nicht ange­halten hatten.

Festungs-Stadt Rama

Der Herr wandert mit den Jüngern um die Nordostecke der Stadt und bei Anathot vor­bei bis nach Rama und übernachtet im Hotel. Es sei noch bemerkt, daß Stephanus, der spätere Diakon und Märtyrer (Apg. 6-7), während dieser letzten Tage in Be­thanien mit mehreren jerusalemer Jüngern zusammengekommen ist und auch die Leh­ren Jesu mitangehört hat. Er ist Student der Exegese und hat bereits in jenen Tagen im Januar 33, als der Herr in Jerusalem weilte, die Bekanntschaft mit dem Jünger Johannes gemacht und seitdem viel mit Lazarus verkehrt.

Ackerbau-Stadt Thänat-Silo

Do. 3.

Frühmorgens verläßt Jesus Rama und wan­dert mit den Seinen bis Thänat-Silo, wo Er bereits am 20. Oktober 32 gut aufgenom­men, aber diesmal noch liebevoller und ver­traulicher empfangen wird als früher, wie überhaupt jetzt überall, da alle Pharisäer in Jerusalem weilen, und sich nun keiner scheut, sich dem Herrn zu nahen.

Wie schon gestern bei Rama, gehen auch hier die Leute in Prozessionen auf die reifen Kornfelder, schneiden Büschel von Getreide ab und tragen sie an Stangen in die Synagoge und Häuser. Der Herr lehrt hier und da auf dem Feld und in der Stadt. Er spricht immer noch sehr ernst von Seinem nahen Ende; doch ruft Er alle zu Sich, Trost zu suchen (vgl. Mt. 11, 28-30), und betont das Gott wohlgefällige Opfer eines reu­mütigen Herzens. Die Einwohner warnen Ihn, doch nicht durch Samaria zu gehen, weil, wie sie meinen, die Samariter den vom Pascha zurückkehrenden Pilgern allerlei Streiche zu spielen pflegten. Übrigens läßt Pilatus heute allen Galiläern verbieten, Jerusalem ohne seine Erlaubnis zu verlas­sen, sie würden sonst auf den Wegen von seinen Truppen niedergemacht werden.

Der krumme Pharisäer von Atharot

Sadduzäer-Hauptsitz Atharot

Fr. 4.

Von Thänat-Silo wandert der Herr bis Mit­tag nach Atharot, wo Ihm die Sadduzäer mit den Pharisäern am 4. August 32 einen Toten zum Heilen gebracht hatten. Jesus lehrt auf einem Hügel vor der Stadt, wohin Ihm nun wegen Abwesenheit Seiner da­maligen Gegner viele alte Leute, Kranke, Frauen und Kinder folgen. Er lehrt streng und doch zugleich liebevoll, warnt die armen Einwohner vor der Bosheit der Pharisäer, spricht noch deutlicher von Seiner Sen­dung, von Seinem himmlischen Vater, von Seiner nahen Verfolgung, von der Aufer­stehung der Toten, vom Gericht und von der Nachfolge und heilt zum Schluß die Kran­ken: Lahme, Blinde, Wassersüchtige und auch kranke Kinder.

Nach kurzer Erquickung im Hause eines alten, biederen Schullehrers vor Atharot, bei dem die Jünger dem Herrn Herberge besorgt haben, begibt Sich Jesus zum Sab­bathaus und liest die fälligen Perikopen über die Reinigung der Wöchnerinnen (Le­vit 12) ; über die Brotvermehrung der Ger­stenbrote und des Getreides durch Eliseus und über dessen Heilung des aussätzigen Naaman (4 Kön. 4, 42-5, 19).

Als Er bereits eine Zeitlang gelehrt, wendet Er Sich zur Tribüne, wo die Frauen stehen, und ruft eine Witwe zu sich, die von ihren Töchtern auf ihren Platz geführt worden war. Sie ist seit achtzehn Jahren in der Mitte des Leibes ganz gekrümmt und geht mit dem Oberleib so niedergebeugt zur Erde, daß sie fast auf den Händen gehen könnte. Die Töchter führen sie nun zum Herrn, und Er legt ihr Seine Hand auf den Rücken und spricht: „Weib, sei frei von deiner Krank­heit!“ Da richtet sich die Frau kerzen­gerade in die Höhe und ruft: „Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, der Wunder tut allein“ (Ps. 71, 18), und wirft sich vor Jesus nieder, und alle Anwesenden loben Gott. Der Synagogen-Vorsteher aber, der ebenfalls an einer Krümmung leidet, entrüstet sich, daß unter seiner Regierung am Sabbat solche Handlung geschieht, und wendet sich, da er Jesum nicht anzureden wagt, an die Hörerschaft und ruft: „Es gibt sechs Tage, an denen man arbeiten soll, an diesen kommt und laßt euch heilen, aber nicht am Sab­bat!“ — „Du Heuchler“, entgegnet der Herr, „bindet nicht ein jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Sollte da nicht diese Tochter Abrahams, die der Satan jetzt bereits achtzehn Jahre gebunden gehalten hat, am Sabbat von dieser Fessel gelöst werden dürfen?“ Auf diese Worte hin brechen alle Hörer in Jubel aus und freuen sich über das geschehene Wunder (L. 13, 10-17). Und der gekrümmte Phari­säer erscheint allen ganz lächerlich, da er, statt selbst die günstige Gelegenheit wahrzu­nehmen, Jesum um Heilung seiner eigenen Krummheit anzugehen, sich über einen ver­meintlichen Sabbatbruch durch die Heilung einer Krümmung entrüstet.

Das Abstreifen der Ähren

Sa. 5.

Nachdem der Herr in Privathäusern der Stadt Kranke geheilt und Almosen an Arme verteilt hat, ist Er zum Mittagsmahl Gast der gestern geheilten Witwe, die heute viele Arme beköstigt und reichliche Spenden aus ihrem großen Vermögen austeilen läßt. Während des üblichen Sabbat-Spazierganges geschieht jenes Ährenrupfen seitens der Jünger auf den Getreidefeldern, welches einige Spitzel, die überall hin dem Herrn nachspüren, bis nach Dothan hin berichten, wo die Pharisäer diese Tat dem Herrn am kommenden Donnerstag vorwerfen werden (Mt. 12, 1-2).

Landgut Lazari bei Ginäa

Nach der Sabbatschluß-Lehre wandert Jesus mit den Seinen noch bis zum Landgut Lazari bei Ginäa und übernachtet hier, wie am 25. März dieses Jahres.

Karte Nr. 29
1-Fahsel Emmerick Karte 29

Handels-Stadt Hadad-Rimmon

So. 6.

Auf Seinem Wege nach Hadad-Rimmon spricht der Herr hier und da vor Hirten, empfiehlt ihnen besonders die Liebe gegen die Samariter und überhaupt gegen alle Menschen, legt auch die Parabel vom barm­herzigen Samariter aus (L. 10, 25) und heilt kranke arme Leute. Vor Hadad herbergt Er im Hotel und lehrt in der Stadt besonders von der Auferstehung der Toten, vom Ge­richt und von Gottes Barmherzigkeit.

Am heutigen Tage läßt Pilatus den Auf­rührer Judas Gaulonita mit vielen seiner Anhänger im Tempel durch Soldaten er­morden. Viele Unschuldige kommen dabei mit ums Leben. Auf diese Weise rächt sich Pilatus auch an Herodes Antipas für dessen Spitzbuberei des Turmeinsturzes kurz vor Herodes‘ Geburtstag, Anfang Januar dieses Jahres (vgl. L. 13, 4).

Mo. 7.

Jesus sendet die Apostel und Jünger bis auf wenige in die umliegenden Orte aus, um zu heilen und zu lehren. Er Selbst spricht wie­der in Hadad vor zahlreicher Hörerschar; denn ein großer Zug von Festteilnehmern hat Jerusalem einen Tag nach Ihm verlassen und ist Ihm hierher nachgezogen, um Ihn zu hören.

Die Verklärung auf dem Tabor

Handels-Stadt Kisloth-Tabor

Di. 8.

Auf dem Wege nach Kisloth-Tabor vereini­gen sich nach und nach wieder die gestern ausgesandten Jünger mit dem Herrn, und in Kisloth sammeln sich wieder Scharen von heimreisenden Pilgern um Seinen Lehrplatz.

Berg Tabor

Nachdem Er auch wie gestern viele geheilt hat, sendet Er nachmittags gegen drei Uhr die Jünger rechts und links um den Tabor-Berg und begibt Sich mit Petrus, Johannes und Jakobus Major auf den Berg, wo jene Verklärung Jesu (Mt. 17, 1-8) um Mitter­nacht stattfindet, die unten im Kapitel über die Mystik und die Wunder Jesu eingehend beschrieben wird.

Am Nordfuß des Tabor

Mi. 9.

Unten am Berge erwarten frühmorgens die Jünger den Herrn und sind von einer Gruppe von heimreisenden Osterpilgern um­ringt, die mit den Jüngern im Nachtlager zusammengetroffen und ihnen bis hierher gefolgt sind. Auch einige Schriftgelehrte sind dabei. Diese Leute sind in einem Wort­wechsel mit den Jüngern begriffen. Als man den Herrn erblickt, laufen Ihm alle ent­gegen, grüßen Ihn, aber erschrecken über Sein wunderbares Aussehen; denn gleich­sam der Tau Seiner Verklärung liegt noch auf Ihm. Auch erraten die Jünger aus dem Wesen der drei Apostel, die ernster und schüchterner als sonst Jesu folgen, daß etwas Wunderbares mit Ihm vorgegangen ist.

Als der Herr die Leute fragt, worüber sie gerade gestritten, tritt ein Bürger von Amthar hervor, jener Stadt (Rama oder Er Raine), wo die Geschichte mit dem armen Lazarus und dem reichen Prasser geschehen war, wirft sich vor Jesus auf die Knie und fleht Ihn an, Er möge seinem einzigen Sohne helfen; er habe den Jüngern, als sie in Amthar gewesen, jenen gebracht; sie hätten ihm aber nicht helfen können, und darüber hätten sie nun mit ihm und den Schrift­gelehrten gestritten. Und nun folgt die Hei­lung dieses mondsüchtigen und besessenen Knaben, welche unter den Synoptikern der hl. Markus (9, 14-27) am eingehendsten beschrieben hat.

Die Jüngerbelehrungen des Evangeliums

Auf dem Wege nach Dothaim

Nachdem der Herr noch einige Kranke ge­heilt, wandert Er gen Dothaim weiter, und zwar meist auf Nebenwegen, um das Zu­sammenlaufen des Volkes zu vermeiden, welches zur Zeit in Scharen von Jerusalem heimreist. Die Jünger marschieren in ge­trennten Gruppen, und Jesus ist bald allein, bald bei dieser, bald bei jener Gruppe.

Unterwegs fragen Ihn die drei Apostel, die Seiner Verklärung beigewohnt haben, be­treffs Seiner Worte von der Auferstehung des Menschensohnes und der von den Schriftgelehrten vorgetragenen Auferste­hung des Elias, die jener vorausgehen müsse; und Jesus gibt ihnen die uns im Evangelium (Mt. 17, 9-13; Mk. 9, 9-13) überlieferte Antwort.

Etwas weiter wendet sich auch jener Mann aus der Gegend von Aser-Michmethat an den Herrn, der Ihn bittet, zwischen ihm und seinem Bruder das Erbe zu teilen (L. 12, 13-14), und im Anschluß an Jesu vor der Habsucht warnender Antwort erfolgen nun alle jene ein ähnliches Thema behandelnden Ermahnungen des Herrn an seine Jünger, die sich bis über die nächsten Tage hin er­strecken und im 12. Kapitel des Lukasevan­geliums auf folgende Abschnitte verteilt sind:

Warnung vor dem Übermaß zeitlicher Sor­gen in Verbindung mit dem Gleichnis von den Vögeln des Himmels und den Lilien auf dem Felde (22-31) ; der freiwillige Ver­zicht auf irdischen Besitz, um einen unver­gänglichen Schatz im Himmel zu erwerben (32-34) ; Aufforderung zur Wachsamkeit und Treue gleich den Knechten, die der Herr bei seiner Heimkehr von der Hochzeit wachend findet (35-40) ; das Gleichnis vom Hausherrn und pflichtgetreuen Haus­verwalter als Antwort auf eine Frage Petri (41-46) ; ferner die Worte Jesu: „Wem viel anvertraut ist, von dem wird um so mehr verlangt“ (47-48), und: „Ich bin gekom­men, Feuer auf die Erde zu werfen . .. Mit einer Taufe muß Ich Mich taufen lassen, und wie bin Ich bedrückt, bis sie vollzogen ist“ (49-50), womit Er auf die volle Sen­dung des Hl. Geistes hinweist, dem als Be­dingung Sein eigener Sühnetod vorausgehen müsse. — Mit den weiteren Worten: „Glaubt ihr, Ich sei gekommen, Frieden zu bringen? Nein, sage Ich euch, sondern Zwiespalt!“ (50-53) fordert Er Seine Jünger zur be­dingungslosen Nachfolge und zum absoluten Freisein des Geistes und Leibes für Gott und das Apostelamt auf und deutet auch zugleich die Absicht Seines Wirkens an. nämlich die Scheidung der Geister (siehe unten S. 50).

Karawanen-Stadt Dothaim

Einige Jünger sind bereits nach Dothaim vorausgegangen, um im Hotel vor der Stadt Herberge zu bestellen. Nachdem der Herr, dort angekommen und Sich mit den Seinen erfrischt hat, gehen die Jünger mit Ihm bei­seite — denn es logieren im gleichen Hotel viele heimreisende Pharisäer und Schrift­gelehrte, die den Propheten aus Nazareth neugierig umdrängen — und fragen Ihn, warum es ihnen bei ihrem Versuch in Amthar damals nicht gelungen sei, jenen besessenen Knaben von heute morgen zu heilen, worüber man auch heute früh mit ihnen am Berge Tabor gestritten habe. Jesus führt ihre damalige Ohnmacht auf ihren zu geringen Glauben zurück und gibt den star­ken Glauben, der Berge zu versetzen ver­mag, das inständige Gebet und eigenes Fasten als die Kraftquellen an, die für solche Fälle die Macht zu heilen verschaffen (Mt. 17, 19-21). Im Anschluß hieran be­lehrt Er sie, wie man durch solche Mittel sich selbst stärke und dem Teufel zugleich seine Gewalt entziehe, und dann erklärt Er ihnen die verschiedenen Arten der Besesse­nen und ihrer Befreiung.

Am selben Abend treffen die Mutter Jesu und vier andere verwandte Frauen von Jeru­salem im Hotel ein, gefolgt von Dienern des Lazarus, die auf Eseln Vorräte für die Ge­meinde Jesu mit sich führen. Der Herr spricht mit den Frauen einiges und folgt dann der Einladung der Pharisäer zum Abendessen im Speisesaal. Seine Gegner be­nutzen dieses gemeinsame Mahl, um Jesu das Ährenrupfen Seiner Jünger vom ver­gangenen Samstag, wie überhaupt deren Unterlassungen sonstiger Vorschriften vor­zuwerfen, woraufhin der Herr auf David hinweist, der im Tempel die Schaubrote aß, da ihn hungerte (1 Kön. 21, 1), ferner auf die Handlungen der Priester im Tempel (Levit. 6, 8) und auf Seine eigene Herr­schaft als Menschensohn über den Sabbat (Mt. 12, 2-8).

Die Abweisung des gelehrten Jüngers

Kapharnaum

Do. 10.

Nachdem Jesus noch in Dothaim und der Umgegend gelehrt und mehrere zurück­kehrende Jünger empfangen hatte, wandert Er nachmittags auf dem geraden Wege nach Kapharnaum, wo die vom Fest Heimkehren­den der Sitte gemäß feierlich empfangen und begrüßt werden. Der Herr ist mit den Jüngern Ehrengast bei einer Mahlzeit der Pharisäer, und als sie sich zu Tisch legen wollen, bringt der Jünger Manahem von Koreä dem Herrn jenen gelehrten Jüngling von Jericho, den Jesus bereits am 21. März 32 abgewiesen hat. Dieser hat zwar sein Vermögen mit seinen Verwandten geteilt, aber doch einen Besitz für sich zurück­behalten und ist noch immer um seinen Unterhalt besorgt. Deshalb nimmt ihn der Herr nicht an, und jener geht unmutig von dannen.

Die Pharisäer entrüsten sich heftig hierüber, denn sie sind jenem Jünglinge gewogen, und werfen Jesu vor, Er spreche immer von Liebe und sei Selbst ganz ohne Liebe; Er spreche von unerträglichen Bürden der Pharisäer und lege Selbst unerträgliche Bür­den auf. Jener sei gelehrt, Er wolle aber nur Unwissende; das Notwendige erlaube Er nicht, das herkömmlich Verbotene lasse Er zu; und dann kommen sie abermals mit den Vorwürfen des Sabbatschändens, Ähren­abstreifens und Nichthändewaschens. Doch Jesus beschämt sie mit Seinen schlagfertigen Antworten.

Die Tempelsteuer

Petri Haus unweit vom See

Fr. 11.

Heute morgen ereignet sich im Hause Petri jene Aufforderung des Herrn an Petrus, seine Angel auszuwerfen, um im ersten ge­fangenen Fisch einen Stater zu finden und als Tempelsteuer abzugeben, die man soeben vom Herrn in Höhe einer Doppeldrachme verlangt hat (Mt. 17, 24-27). Petrus geht gläubig an seine Fischerstelle, läßt eine der dort feststehenden Angeln nieder, zieht sie auf, greift dem gefangenen Fisch ins Maul und findet eine länglichrunde, gelbliche Münze darin, die er nachher den Einwoh­nern für sich und Jesus bringt. Der Fisch ist so groß, daß die anwesenden Jünger alle am Mittag genügend zu essen haben.

Nach Tisch fragt der Herr die Jünger, wor­über sie gestern auf dem Wege von Dothaim hierher gestritten. Sie schweigen; denn der Streit ging um die Frage, wer der Größte unter ihnen sei. Jesus sieht ihre Gedanken, setzt Sich und sagt: „Wenn einer der Erste sein will, so sei er der Allerletzte und der Diener aller“ (Mk. 9, 33-35). Hierauf be­gibt Er Sich mit den Zwölfen und allen Jüngern nach Kapharnaum, wo heute eine Art Volksfest für die aus Jerusalem Zurück­gekehrten stattfindet.

Das Kind als Vorbild

Kapharnaum

Die Straßen und Häuser sind mit Blumen und grünen Kränzen geschmückt. Die Kin­der, Greise und Frauen und die Schulen gehen den Zurückgekehrten entgegen, die wie eine Prozession durch die Straßen zie­hen und die Häuser der Freunde und An­gesehenen besuchen. Die Pharisäer und viele andere ziehen ganz gesellig und freundlich mit Jesu und den Jüngern umher und tren­nen sich auch zuweilen wieder. Jesus lehrt auf dem ganzen Wege an verschiedenen Stellen, geht an die Häuser vieler Armen und Freunde, segnet die Kinder, die man Ihm bringt, und verteilt Geschenke.

Auf dem Marktplatz, an dessen einer Seite die alte, und an dessen anderer Seite die neue, von Cornelias erbaute Synagoge steht, begrüßt der Herr an den Hallen vor den Wohnhäusern die Schulkinder. Auch viele Mütter nahen sich mit kleineren Kindern. Er segnet und belehrt die um Ihn versam­melte Jugend und läßt den reichen, wie den armen Kindern einerlei Röckchen austeilen, welche die Pflegerinnen der Gemeinde be­sorgt haben und die von Frauen aus Jerusa­lem mitgebracht worden sind. Offenbar gab Er auch den Kindern reicher Eltern Röck­chen, weil die Kinder nach damaliger hellenistischer Mode ungenügend bekleidet waren. Auch erhalten sie Früchte, Schreib­tafeln und andere Geschenke.

Während dieses ausgeteilt wird, lehrt Jesus noch vor den Jüngern und dem Volke, und da die Jünger Ihn abermals fragen, wer der Größte im Himmelreich sei, ruft Er die wohlhabende Frau eines Kaufmannes, die mit ihrem vierjährigen Knaben in einiger Entfernung unter der Haustür steht, heran. Sie verschleiert sich und kommt mit dem Knaben herbei. Jesus nimmt ihr das Kind; sie tritt zurück. Er umarmt den Knaben, stellt ihn vor die Jünger in die Mitte und beginnt mit den Worten: „Wenn ihr euch nicht bekehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich ein­gehen“, jene Mahnreden, die den Inhalt des ganzen achtzehnten Kapitels im Evangelium des Matthäus bilden, also auch den Wehe-ruf über die Verführer von Kindern, die Aufforderung zur Selbstüberwindung, das Hören auf die Kirche, das Binden und Lösen auf Erden und im Himmel, die Ver­sammlung im Namen Jesu und schließlich das Gleichnis vom Könige, der mit seinen Knechten abrechnet. Dazwischen fällt die Anfrage des Apostels Johannes betreffs der Behandlung eines außerhalb ihrer Gemeinde stehenden Teufels-Austreibers (Mk. 9, 38 bis 40) und die Frage Petri, wie oft er dem Bruder verzeihen solle, wenn er sich gegen ihn verfehle (Mt. 18, 21-22). Und in bei­den Fällen predigt der Herr Duldsamkeit und Versöhnlichkeit.

Den vierjährigen Knaben aber segnet Er, umarmt ihn nochmals, läßt Sich Früchte und ein Röckchen geben, schenkt sie ihm, winkt die Mutter herbei, gibt ihr das Kind zurück und spricht zu ihr einige prophe­tische Worte über die Zukunft des Knaben, der später ein Jünger der Apostel wird und als Bischof und Märtyrer Ignatius stirbt.

Während des ganzen Weges Jesu folgte Ihm verschleiert jene Lea, die Frau eines bös-gesinnten Pharisäers aus Caesarea-Philippi und die Schwester des verstorbenen Mannes der Enue, der geheilten Blutflüssigen aus Caesarea-Philippi. Sie hatte am 8. Dezember 32 die Mutter Jesu selig gepriesen. Auch bei dieser Lehre Jesu steht sie unter den Hörern. Seit jenem ihrem spontanen Aus­ruf hat sie die merkwürdige Gnadengabe er­halten, immer wieder diesen Ausruf mit Jesu Antwort zu wiederholen, aber leise unter Tränen und mit einer rührenden Be­wegung der Hände, verbunden mit großem innerlichem Trost und mystisch-kontempla­tiver Erkenntnis des Wandels Jesu in der Welt. Zur Zeit ist sie zu den heiligen Frauen nach Kapharnaum gekommen und hat vieles von ihrem Vermögen an die Gemeinde Jesu geschenkt.

Als der Sabbat eintritt, begibt Sich der Herr vom Marktplatz in die Synagoge, liest die Lektion von der Reinigung der Aussätzigen (Lev. 13-14) und von der durch die Pro­phezeihung des Eliseus abgewendeten Hun­gersnot zu Samaria (4 Kön. 7, 1) und lehrt im Anschluß hieran.

Die Lehre von der Inkarnation

Fischer-Stadt Bethsaida

Sa. 12.

Nachmittags weilt der Herr in Bethsaida zum Empfang der teils von der Missions­reise, teils von ihrer Heimat zurückkehren­den Jünger. Einige kommen von jenseits aus der Dekapolis und Gergesa über den See an und sind sehr abgerissen und pflege­bedürftig. Sie werden am Ufer liebevoll um­armt und zum Haus des Andreas geführt, wo man ihnen die Füße wäscht, Bäder bereitet, sie neu einkleidet und speist. Es sind noch siebzig Jünger beisammen; aber es sind nun viele außer diesen in und um Jerusalem. Da nun Jesus bei ihrer Bedienung Selbst hilfreich Hand anlegt, bittet Ihn Petrus: „Herr, willst Du dienen? Laß uns dienen!“ Jesus entgegnet: „Wer einen Propheten auf­nimmt, weil er ein Prophet ist, wird Pro­phetenlohn empfangen. Wer einen Gerech­ten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, wird Gerechtenlohn empfangen. Wer einem von diesen Geringen nur einen Becher kal­ten Wassers zu trinken gibt, weil er Mein Jünger ist, wahrlich Ich sage euch, er wird gewiß nicht um seinen Lohn kommen!“ (Mt. 10, 41-42).

Im Anschluß hieran hält der Herr den Apo­steln einen sehr geheimnisvollen Vortrag, in welchem Er zum ersten Male erwähnt, daß Er nicht von einem Manne gezeugt sei, son­dern vom Hl. Geiste. Hierbei nennt Er Seine Mutter das reinste, heiligste, auserwählte Gefäß, nach welchem Jahrtausende in den Herzen aller Frommen mit den Zungen aller Propheten gebetet und geseufzt hätten. Dann legt Er ihnen das Zeugnis Seines himmlischen Vaters bei Seiner Taufe aus und spricht von der glücklichen und heiligen Zeit, seit Er auf Erden wandle, und wie die Verwandtschaft der Menschen mit Gott durch Ihn wiederhergestellt werde, wie die Macht der Dämonen durch Ihn gebrochen sei und wie alles durch diese Macht über die Menschen und die Natur gekommene Unheil durch innige Vereinigung mit Ihm im Glauben und in der Liebe in Seinem Namen könne zerbrochen werden. Er spricht sehr ernst und feierlich; sie verstehen nicht alles und sind erschüttert, weil Er nun auch von Seinem Leiden spricht, scheuen sich jedoch hierüber zu fragen (vgl. L. 9, 43b bis 45). Jene drei Apostel aber, die mit dem Herrn auf dem Tabor gewesen, sind seither immer sehr ernst und nachdenkend.

Alles dieses geschieht unter und nach dem Sabbat. Die nun an siebenzig versammelten Jünger herbergen teils im Lehrhause zu Kapharnaum, teils im Hause Petri vor der Stadt. Alle werden aus gemeinsamen Mit­teln, ähnlich wie Klosterleute, beköstigt.

Jesus unter den Landleuten

Nördliche Umgebung von Kapharnaum

So. 13.

Der Herr wandert mit Seinen Jüngern in Richtung auf den Lehrberg bei Hanathon ungefähr zwei Stunden weit bei den Korn schneidenden Bauern und Hirten umher und lehrt abwechselnd diese Erntearbeiter und die Jünger.

Die Schnitter belehrt Er in den Ruhepausen, indem Er sie fragt, wie viel sie gesät, wie viel sie geerntet hätten, wem das Getreide gehöre, wie ihr Boden beschaffen sei, wie sie ihn bearbeiten, und knüpft an alle diese einleitenden Fragen Gleichnisse vom Säen, vom Unkraut, vom Weizenkörnlein, vom Gericht und Verbrennen des Unkrautes.

Die Jünger wiederum unterrichtet Er, wie sie in ähnlicher Weise lehren sollten, und macht diesen pastoralen Unterricht für sie wieder zur aszetischen Lehre, indem Er die Ernte geistig auslegt, sie Seine Sämänner und Schnitter nennt und ihnen sagt, daß sie sich jetzt das Saatkorn sammeln müßten zu Schätzen künftiger Fruchtbarkeit, da Er nicht lange mehr bei ihnen sein werde. Als Ihn daraufhin die Jünger besorgt fragen, Er werde doch wohl noch bis Pfingsten bei ihnen bleiben, gibt Er zur Antwort: „Was sollte aus euch werden, wenn Ich nicht län­ger bliebe!“

Bei den Hirten knüpft der Herr die Ge­spräche durch Fragen an, wie: „Ist dieses deine eigene Herde? Sind dies Schafe meh­rerer Herden? Wie hütest du sie? Warum gehen deine Schafe verstreut?“ Und dann erzählt Er die Parabel vom verlorenen Schaf (Mt. 18, 12 ) und die vom guten Hir­ten (J. 10, 1). Zuletzt übernachtet Er mit den Seinen in einem Hirtenlager unter Lehre und Gebet.

Mo. 14.

Die Stadt Saphet zur Rechten, wandelt Jesus heute vormittag wie gestern durch die Täler und einsamen Gegenden, Hirten, Schnitter und die Jünger belehrend. Er durchgeht alle Pflichten eines guten Hirten, wendet sie auf Sich Selbst an, wie Er für Seine Schafe in den Tod gehe, und gibt dabei den Jüngern Anleitung, wie sie auf ähnliche Weise mit diesen verlassenen, einsamen Menschen reden und guten Samen bei ihnen ausstreuen müßten.

Die Gleichnisrede von der Ehe

Baumwoll-Stadt Leccum

Nachmittags kehren sie wieder gen Südosten zurück und in das Städtchen Leccum ein, wo die sechs Apostel bei ihrer ersten Aus­sendung am 15. Dezember 32 zuerst hin­gegangen waren. Hierhin sind jetzt gerade die Osterpilger zurückgekehrt und die Stra­ßen werden zur morgigen Bewillkommungs­f eier geschmückt.

Di. 15.

Ähnlich wie vor vier Tagen in Kapharnaum hält auch heute hier in Leccum der Herr, nachdem er in vielen Häusern alte Leute besucht und einige Kranke geheilt hat, auf dem Marktplatz eine große Lehre, und zwar zuerst an die anläßlich der Begrüßungs­feier versammelten Kinder, die Er liebkost und segnet, dann an die Jünglinge und Jungfrauen, die mit ihren Lehrern zugegen sind, und schließlich, nachdem die Jugend nach Hause gegangen, abwechselnd vor Gruppen von Männern und vor Gruppen von Frauen.

Hier spricht Er in allerlei Gleichnissen von der Ehe: Zuerst weist Er auf die mit vielem Bösen vermischte menschliche Natur hin. Wer seiner wilden Lust folge, der säe wilde Lust, und das Werk folge dem Urheber nach und klage ihn an. Nur durch Gebet und Ent­sagung werde dieses Böse ausgeschieden und unterworfen. Unser Leib sei ein Ebenbild des Schöpfers, und der Satan wolle es in uns zerstören. Das überflüssige bringe Sünde und Krankheit hervor, und es werde Miß­gestalt und Greuel. Enthaltsamkeit, Gebet und Zucht der Eltern habe die heiligen Männer und die Propheten hervorgebracht. Und alles dieses erklärt Er durch Vergleiche mit dem Säen des Getreides und dem Reini­gen des Ackers vom Unkraut und von den Steinen, mit dem Ruhen des Ackers in Frie­den und mit dem Segen Gottes auf einem Acker, der rechtmäßig erworben sei. Auch lehrt Er in ausführlichen Darstellungen vom Weinbau, vom Beschneiden der Reben als Beschneiden der wilden Triebe in uns, aus denen lauter Holz und Laub anstatt Trau­ben erwüchsen, das heißt, unnütze Kinder, die keinen Segen brächten, sondern Un­kraut, das edle Frucht ersticke; und dann spricht Er von den edlen Reben, von from­men Familien, von verbesserten Weinber­gen, von veredelten und bekehrten Ge­schlechtern, und erzählt von ihrem Stamm­vater Abraham, von dessen Heiligung und vom Bunde der Beschneidung, und wie dessen Nachkommen nun wieder verwildert seien durch ihre Unabhängigkeit und häu­fige Vermischung mit den Heiden; und Er endet mit dem Gleichnis jenes Weinberg­besitzers, der seinen Sohn sendet, und wie es diesem ergehen werde (Mt. 21, 37-39).

Alle Hörer sind sehr bewegt und viele wei­nen. Jesus aber behandelte deshalb hier dieses Thema, weil die Leute gar nicht über diese Dinge unterrichtet wurden und in der Ehe sehr zügellos lebten. Auch ging jetzt ihre österliche Zeit der Enthaltung mit der Rückkehr der Pilger zu Ende, und deshalb ermahnte Er sie zum weisen Gebrauch der Ehe in Zucht und Maß; doch viele verstehen Ihn nicht.

Jene aber, die doch innerlich zum Guten bewegt sind, klärt Er noch über die wesent­liche Wirkung und Kraft der guten Mei­nung auf, mit der Gott mitwirke, indem Er überreichlich zurückzahle, was man Ihm und den armen Nächsten durch guten Wil­len und uneigennützige Tat vom eigenen geistigen und materiellen Besitz hingegeben habe; Er sagt auch: Was sie sich selbst ab­brechen an Speise, an Trank und an über­flüssigem Wohlstand, das mögen sie ver­trauensvoll in die Hände Gottes geben mit der Bitte, Er möge es verlassenen Armen in der Ferne zukommen lassen. Der Vater im Himmel werde, einem treuen Haushalter gleich, ihr Gebet erhören, wenn sie, gleich­sam wie treue Knechte, dasjenige, was Er ihnen im Übermaß gegeben, denjenigen Armen mitteilten, die ihnen bekannt seien oder die sie liebend aufsuchten; und hier­bei führt Er ein Gleichnis an vom Palm­baum, der dem von ihm getrennten Ge­schlecht Nahrung und Gedeihen zuführe durch seine Liebe und Sehnsucht, ohne ihn zu berühren. Gegen Abend geht Er mit den Jüngern über den Jordan nach Bethsaida­Julias.

Universitäts-Stadt Bethsaida-Julias

Mi. 16.

Auch in dieser Stadt wird heute das Fest der Rückkehrenden gefeiert, und der Herr wandelt hier mit den Jüngern, einigen Phari­säern, Schriftgelehrten und Vornehmen der Stadt. Man erzählt von der Ermordung der Galiläer im Tempel, und Jesus antwortet den Erzählenden, wie es Lukas (13, 1-5) aufgeschrieben hat, und knüpft hieran das Gleichnis vom drei Jahre lang unfrucht­baren Feigenbaum an, den sein Besitzer umhauen lassen will, für den aber sein Win­zer noch ein Jahr Gewährung zum Auf­graben und Neudüngen erbittet (L. 13, 6 bis 9).

Am Fuß des Lehrberges der Seligkeiten

Do. 17.

Während des ganzen Tages wandelt der Herr mit den Seinen über die grünen Hügel zu Füßen des Lehrberges der Seligkeiten, wo Esel und Kamele weiden, und sich viele schöne Vögel und allerlei andere Tiere wie in einem angelegten Tiergarten aufhalten, und wo mehrere Quellen entspringen, und viele Fußpfade sich bis an den Hafen hin­schlängeln. Am Abend fahren sie über den Jordan und statten noch dem Fischerstädt­chen Bethsaida einen Besuch ab.

Das Pharisäer-Mahl des Evangeliums

Kapharnaum

Fr. 18.

Nachdem der Herr in der großen Synagoge im Anschluß an die Sabbatlektion vom jähr­lichen Versöhnungsopfer, vom Verbot des Blutessens und der Heiraten unter Blutsver­wandten (Levit. 16-19) und von den Sün­den der Stadt Jerusalem (Ezech. 22) gepre­digt hat, folgt Er einer Einladung zum Abendessen im Privathause eines vorneh­men Pharisäers nicht weit von der Villa des Hauptmanns Cornelius. Bei diesem Essen ereignet sich jene Heilung eines Wassersüch­tigen und die nachfolgenden Ermahnungen des Herrn, betreffs der Ehrenplätze und der wahren Gastfreundschaft, die der Evangelist Lukas (14, 1-14) überliefert hat. Der Gastgeber hatte nämlich außer Jesum nur seine Verwandten und Freunde eingeladen, und als der Herr sieht, daß diese Pharisäer die besten Plätze an der Tafel einnehmen, erzählt Er jenes Gleichnis von den Ehren­plätzen; denn sich zu erhöhen, erniedrige, sich zu verdemütigen aber erhöhe. Und hin­sichtlich der getroffenen Auswahl der Gäste sagt Er: „Wer seine Verwandten, Freunde und reichen Nachbarn zu Gast bitte, die ihn wieder einladen, der habe bereits seinen Lohn hinweg; wer aber Arme, Lahme, Blinde und sonst gebrechliche Menschen einlade, die es ihm nicht vergelten könnten, der werde bei der Auferstehung mit der Selig­keit belohnt werden.“ Und als einer der Gäste ausruft: „Ja, selig, wer im Reiche Gottes mitspeist!“ erzählt der Herr das Gleichnis vom großen Gastmahl, zu dem zu kommen sich die Eingeladenen verschieden-fach entschuldigen, worauf der Gastgeber die Armen und Krüppel holen läßt (L. 14, 15-24). Tatsächlich hatte Jesus durch die Jünger viele Arme zu dem Hause dieses Pharisäers rufen lassen, die jetzt zum Er­staunen der Gäste erscheinen. Doch Er fragt sie, ob sie dieses Abendessen besonders für Ihn arrangiert hätten. Und da sie Seine Frage bejahen, dankt Er und läßt nach der Sätti­gung alles übrige den Armen austeilen.

Zwischen Tiberias und Magdalum

Sa. 19.

Den üblichen Sabbatspaziergang unternimmt der Herr mit den Jüngern über das Gut des Serobabel in eine schöne, einsame Gegend zwischen Tiberias und Magdalum, und da große Volksscharen Ihm folgen, wendet Er Sich um und belehrt sie: Wer Ihm nach­folgen und Sein Jünger sein wolle, müsse Ihn mehr lieben als alle seine nächsten Ver­wandten, ja als sich selbst, und müsse Ihm sein Kreuz nachtragen (L. 14, 25-27). Wer einen Turm bauen wolle, müsse erst die Ko­sten überschlagen, sonst könne Er nicht vollenden und werde verlacht. Und wer in den Krieg ziehe, solle vorerst die Kraft des Gegners berechnen, und so die eigene nicht ausreiche, lieber um Frieden bitten. Sein Jünger aber zu werden, müsse man allem entsagen und Ihn mehr lieben als die Ver­wandten, ja sich selbst (L. 14, 28-33).

Die zweite große Bergpredigt bei Gabara

Zwischen Tiberias und Tarichäa

So. 20.

Bei seinem Lehrwandel in der Landschaft Genezareth zwischen Tiberias und Tarichäa, sendet der Herr eine große Anzahl Jünger aus, um das Volk zu einer Bergpredigt von mehreren Tagen auf dem Lehrberg bei Ga­bara einzuladen, die Er am kommenden Mittwoch beginnen wolle. Die älteren Jün­ger sendet Er hierbei in einen weiteren Um­kreis aus. Im ganzen brechen vierzig Jünger auf, und viele fahren über den See zu den Gergesenern, andere verteilen sich in die sogenannte Dekapolis (Distrikt der zehn Städte). Sie sollen alle einladen und so viel wie irgend möglich mitbringen; Er werde nicht mehr lange bei ihnen sein. Die zuletzt zurückgekehrten jüngeren Jünger behält Jesus bei sich, um sie zu unterrichten, ebenso auch die Apostel. Er übernachtet mit ihnen in dieser Gegend bei Hirten.

Fischsalzerei-Stadt Tarichäa

Mo. 21.

Als Sich der Herr der Vorstadt von Tari­chäa von Süden her nähert, kommt Er bei jenem Aussätzigenbezirk vorbei, wo Er am 18. August 32 fünf aussätzige Männer ge­heilt hatte. Diese haben Jesu Ankunft er­fahren und kommen Ihm nun hier entgegen, um Ihm nochmals zu danken. Andere Aus­sätzige aber, die seitdem hier weilen, rufen Ihn um Hilfe an, und Er heilt sie.

Als Er von hier aus auf der über den sumpfi­gen Arm des Sees führenden Brücke Sich dem schwarzen Steindamm nähert, der den See zum Ausfluß des Jordans von Tarichäa aus befestigt, bringt man Ihm viele Kranke entgegen, die Er sämtlich heilt. Auch von Dalmanutha, wo die ausgesandten Jünger bereits gestern angekommen, hat man Kranke auf Schiffen herübergefahren, de­nen Jesus jetzt ebenfalls hilft. Er über­nachtet mit den Seinen in einem Hotel der Vorstadt von Tarichäa.

Am Jordan südlich von Tarichäa

Di. 22.

Früh morgens besucht der Herr abgesonderte Krankenwohnungen eines Sanatoriums süd­lich von Tarichäa gegen den Jordan zu und heilt dort mehrere Kranke.

Jüngerherberge zwischen Gabara und Magdalum

Von allen Seiten ziehen bereits die Volks­scharen nach dem Lehrberg von Gabara, und viele Schiffe voll von Menschen kommen über den See. Sie haben ihre Zelte und allerlei Vorrat bei sich, auch Kranke, die in Körben auf Eseln nach Gabara getragen werden. Schon gestern Abend sind mehrere Jünger mit solchen Leuten teils in Gabara, teils bei dem Herrn in Tarichäa einge­troffen; und heute kommen die meisten der ausgesandten Jünger in Gabara an, ordnen die Leute in Lager und helfen ihnen in allem.

Jesus zieht mit den Aposteln und bei Ihm anwesenden Jüngern ebenfalls hinauf und kehrt in der geräumigen und von Pfählen gestützten Jüngerherberge zwischen dem Lehrberg und Magdalum ein, wo auch am 12. November 32 Magdalena eingekehrt war, als sie sich vor ihrer ersten Bekehrung auf dem Wege zu den heiligen Frauen nach Damna befand. Noch bevor der Herr diese Herberge erreicht, kommen Ihm Pharisäer entgegen und fragen, was das große Gelaufe und die ziehende Volksmenge bedeute; das ganze Land sei ja in Aufruhr! Jesus ant­wortet, sie mögen hinkommen und Seine Lehre morgen hören. Er habe das Volk ein­geladen, denn Er werde nicht mehr lange bei ihnen sein.

Während Jesus in der Jüngerherberge über­nachtet, treffen gegen Abend die heiligen Frauen in der Herberge zu Damna ein, um hier zu übernachten und am anderen Mor­gen die erstere Herberge aufzusuchen zwecks Besorgung der Kost für die Jünger.

Lehrberg bei Gabara

Mi. 23.

Gegen zehn Uhr vormittags trifft der Herr auf dem Lehrberg ein. Die Hörer liegen am Fuß und Anstieg des Berges unter Zelten, jede Landsmannschaft für sich; jede Gruppe hat ihr Lager mit einem Fruchtbogen aus Früchten ihrer Gegend geschmückt, der als Eingangstor dient; und eine Menge Tauben und Wachteln haben sich in den Lagern ein­gestellt, um die zerstreuten Brotkrumen auf­zulesen; sie sind so zutraulich, daß sie den Leuten aus den Händen fressen.

Die Jünger haben die Leute in der Weise ge­ordnet und bestimmt, wie sie nach und nach in ungefähr gleicher Anzahl zum Lehrplatz nach oben ziehen sollen, um die Lehre zu hören; denn es sind weit mehr, als der Um­kreis des Lehrstuhles fassen kann. Oben haben sich bereits viele Pharisäer, Saddu­zäer und Herodianer, Schriftgelehrte und Ortsvorstände eingefunden und den nähern Platz um den Lehrstuhl eingenommen. Sie haben sich teils oben bessere Sitze machen, teils eigene Stühle von Dienern hinauf­bringen lassen. Da aber der Herr bei Seiner Ankunft die Jünger dicht um den Lehrstuhl versammelt, ärgern sich die Pharisäer, daß jene vor ihnen stehen.

Jesus betet zuerst und hält dann eine kurze Ansprache an das Volk, in welcher Er die Hörer zur Ordnung und Aufmerksamkeit auffordert. Er werde sie nun lehren, wo­rüber sie bisher von anderen nicht unter­richtet worden seien, und was doch zu ihrem Heile sehr notwendig sei. Was sie aber viel­leicht nicht fassen könnten, das würden Seine Jünger ihnen nochmals erklären, die Er ihnen senden werde; denn Er Selbst werde nicht mehr lange unter ihnen weilen.

Hierauf beginnt Er laut, allen zum Gehör, die um Ihn versammelten Jünger zu be­lehren und sie vor den Pharisäern und fal­schen Propheten zu warnen; dann wendet Er Sich dem Volke zu und predigt über das Gebet und die Nächstenliebe (vgl. Mt. 5, 38-6, 8). Die Jünger führen die von ihnen gestern bestimmten Gruppen der Hörer ab­wechselnd hinweg und herzu. Die Pharisäer jedoch und andere Gelehrte fallen Jesu oft abwechselnd in die Rede mit allerlei Ein­rede und Widerspruch; aber Er achtet nicht darauf, sondern lehrt sehr streng gegen sie und warnt das Volk, so daß sich jene sehr ärgern.

Jesus heilt heute nicht, befiehlt aber, daß die müden Kranken auf ihren Betten unter die offenen Zelte abwechselnd in die Nähe gebracht werden, um Seine Lehren anzu­hören; und läßt allen Kranken sagen, sich bis zum Schluß Seiner Predigt zu gedulden. Er lehrt ununterbrochen bis zum Abend, ohne zu essen, während die Hörer abwech­selnd Speise nehmen.

Nach Schluß des ersten Teiles der Berg­predigt, steigt der Herr in die Ebene zu Sei­ner Herberge zurück, die früher zu Magda­lenas Besitz in Magdalum gehörte und beim kürzlichen Verkauf des Gutes (31. Dez. 32) für die Gemeinde Jesu zurückbehalten wurde. Lazarus und Martha, Dina und die Suphanitin, Maroni von Naim und Jesu Mutter und die anderen galiläischen Frauen sind hier mit vielem Vorrat von Speise, Stoffen zu Kleidern und fertigen Kleidern eingetroffen und haben ein einfaches Mahl für Jesus und die Jünger bereitet, und der Überrest wird an Bedürftige abgegeben.

Do. 24.

Der Herr setzt heute die Lehre auf dem Berge fort und spricht weiter vom Gebet, von der Nächstenliebe, der Wachsamkeit im Guten, vom Vertrauen auf Gottes Güte, und ermahnt die Hörer, sich nicht von den Be­drückern und Verleumdern irre machen zu lassen.

Die Pharisäer sind heute noch unruhiger als gestern. Sie haben sich in größerer An­zahl als gestern eingefunden und disputie­ren stark mit dem Herrn. Sie nennen Ihn einen Aufwiegler und Unruhestifter, der die Menschen aus ihrer Arbeit treibe, daß sie Ihm im Lande herum nachzögen. Sie hätten ihren Sabbat, ihre Festtage und ihre Lehre, es brauche Seiner Neuerungen nicht. Sie wiederholen ihre alten, längst und oft be­antworteten Vorwürfe und drohen zuletzt mit Herodes. Sie würden diesem Sein Trei­ben und Lehren melden; jener habe bereits ein Auge auf Ihn und werde Seinem Treiben ein Ende machen. Jesus antwortet ihnen derb und sagt, Er werde unbekümmert um Herodes lehren und heilen, bis Seine Sen­dung vollendet sei. Schließlich aber werden die Pharisäer so frech und ungestüm, daß sich das Volk herandrängt und die Leute sich stoßen und treten, so daß die Pharisäer sich mit großem Unwillen endlich hinweg­begeben.

Der Herr lehrt noch auf eine sehr rührende und lebendige Weise fort; und da viele der Hörer, die auf dem Rückwege von Jerusa­lem begriffen sind, und auch andere ihre Mundvorräte verzehrt hatten, läßt Jesus durch die älteren Jünger Brot, Honig und Fische unter sie verteilen, die von der Her­berge in vielen Körbchen heraufgebracht worden sind. Auch Kleider, Tuchstücke, Decken, Sandalen und kleine Röckchen für die Kinder werden an die Bedürftigen aus­geteilt. Die Austeilung an die Frauen besor­gen die helfenden Frauen der Gemeinde; die Jünger die Austeilung an die Männer.

Auffindung des Hauptes des Täufers

Unterdes unterrichtet Jesus die neu ange­kommenen Jünger. Und als die heiligen Frauen mit ihren Helferinnen zur Herberge zurückkehren, um das Abendessen zu be­reiten, hält Jesus noch eine Schlußrede an das Volk, verspricht ihm, Seine Jünger zu senden, da Er Sich jetzt eine Weile entfer­nen werde, verspricht für morgen die Hei­lung der Kranken, segnet die Hörer und entläßt sie. Dann bleibt Er noch lange mit den Jüngern oben allein, unterweist sie über den Charakter der Pharisäer, und wie sie sich ihnen gegenüber verhalten sollen, und kommt erst spät mit ihnen zur Herberge. Es findet ein allgemeines Mahl statt, bei welchem Lazarus von der Ermordung der Galiläer im Tempel erzählt, da jetzt viel da­von geredet wird.

Auch berichtet Lazarus von der Abreise der Frauen von Hebron und Jerusalem nach Machärus, um das Haupt des Johannes zu erhalten, da jetzt dort aufgeräumt und an der Festung gebaut werde. Doch weiß er noch nichts vom Erfolg dieser Reise. Tat­sächlich gelingt es den verkleideten Frauen, das Haupt zu finden, nachdem sie mehrere Tage vergebens gesucht haben, bis endlich die Kloake gereinigt wird. Als die Arbeiter zum Essen gegangen sind, lassen einige er­kaufte Leute die Frauen, darunter Johanna Chusa, in den Graben hinein und bleiben am Eingang zurück. Nach vielem Klettern sehen mehrere das Haupt auf einem vor­springenden Stein aufrecht auf dem Halse stehen. Sie hüllen es in ein Tuch, das sie ‚dar­über werfen, schieben es in einen Schlauch und eilen mit ihrem Schatze hinweg.

Lazarus und die heiligen Frauen nehmen heute abend noch von Jesus Abschied. Laza­rus war bei den öffentlichen Lehren Jesu nicht gegenwärtig gewesen, denn er hält sich seiner Beziehungen in Jerusalem wegen in der Öffentlichkeit etwas zurück.

Am Fuße des Lehrberges

Fr. 25.

Der Herr und die Apostel heilen am Morgen am Fuß des Lehrberges alle anwesenden Kranken; während die Jünger und Frauen noch den Rest der Nahrungsmittel und Sachen unter sie verteilen. Die Geheilten und ihre Freunde erfüllen die Luft mit ihren Dankespsalmen, und alle machen sich auf den Weg, um vor dem Sabbat noch ihre Wohnorte zu erreichen.

Karawanen-Ort Kapharoth

Der Herr hatte Jünger voraus nach Garisima geschickt, um Herberge zu bestellen, aber erst als alle Kranken geheilt sind, geht Er Selbst mit den übrigen auf einem Umweg dorthin und kehrt zuerst in dem kleinen Orte Kapharoth ein, wo Er mit einigen gut­gesinnten Pharisäern zusammentrifft, die von Jerusalem nach ihrem Heimatsort Gari­sima zurückkehren. Sie warnen Ihn unter anderem vor Herodes, weil sie in Jerusalem und unterwegs gehört haben, er wolle Ihn verhaften lassen und mit Ihm verfahren wie mit Johannes. Doch auch diesen sagt Jesus, daß Er ohne Furcht vor Herodes, dem Fuchs, tun werde wie bisher, wozu Ihn Sein Vater gesendet habe (vgl. L. 13, 31-33).

Winzer-Stadt Garisima

Nach kurzem Aufenthalt in Kapharoth wan­dert Er mit den Seinen weiter westlich gen Garisima. Die vorausgesandten Jünger kom­men Ihm schon eine Strecke Weges ent­gegen, und Er kehrt im Hotel vor dem Tore ein. Nachdem sie sich gewaschen und er­quickt haben, ziehen sie mit dem Meister zum Sabbathause, wo Jesus aus dem Buche Levitikus und aus Ezechiel lehrt. Er stößt hier auf keinen Widerspruch, und alle er­staunen über Seine Kenntnis des Gesetzes und Seine wunderbare Auslegung. Nach der Lehre speist Er mit den Seinen und einigen Verwandten aus der Gegend von Sephoris im Hotel und spricht bei Tisch von Seinem nahen Ende.

Sa. 26.

Ohne Störung hält der Herr den Sabbat in Garisima und unterrichtet die Jünger öffent­lich auf einem Hügel, der innerhalb des Ortes zwischen den zerstreuten Häusern und Weinbergen liegt. Hierbei lehrt Er die Gleichnisse vom verlorenen Schaf (L. 15, 3 bis 7), vom verlorenen Groschen (L. 15, 8 bis 10) und von den zehn Jungfrauen (Mt. 25, 1-13). Zum Sabbatschluß sind mit den Aposteln an hundert Jünger um Ihn ver­sammelt. Die beiden Söhne des in Dabrath bekannten Cyrinus (vgl. 9. u. 23. Nov. 32) sind schon auf dem Wege von Gabara hier­her mit Jesus zusammengekommen; und hier besuchen Ihn nun heute abend noch einige andere Juden aus Cypern, die sich auf der Rückreise von Jerusalem befinden. Mit Bewunderung haben sie die gestrige und heutige Lehre Jesu gehört und teilen jetzt dem Herrn mit, wie sehr sich die jüdische Kolonie auf Cypern nach der Anwesenheit Jesu bei ihnen sehne.

Die dritte Aussendung der Jünger

So. 27.

Da jetzt viele Jünger hier anwesend sind, die Jesu Lehre gestern nicht gehört haben, so geht Er vor ihnen auf demselben Lehr­hügel in der Stadt noch einmal das Thema von gestern durch. Unter diesen sind auch solche, die bisher nur als Boten zwischen Ihm und den älteren Jüngern gedient haben, und deshalb unterrichtet Er sie jetzt über dasjenige, was die übrigen Jünger bereits gehört haben.

Gebirge nordwestlich von Garisima

Nachmittags zieht der Herr mit ihnen allen nordwestlich ins Gebirge in eine sehr einsame Gegend (vermutlich die des heutigen Dschebl ed-Dedebe am Nordwestrand der Ebene von Beth-Netopha). Abseits in den Tälern (Wadi el Halzun und Wadi Abellin) grasen Herden von Eseln, Kamelen und Schafen. In dieser Einsamkeit bleiben sie über Nacht, und Jesus bringt die größte Zeit im Gebete zu und mit der Unterweisung der Jünger betreffs ihrer nächsten Aussendung. wobei Er manche ähnliche Anweisungen gibt, wie am 15. Dezember 32 und am 5. Januar 33. Immer zehn der Jünger haben einen Vorgesetzten.

Mo. 28.

Hier im Gebirge sendet der Herr heute früh sieben Apostel mit den ihnen unterstehen­den Jüngern aus. Er legt den Aposteln und mehreren alten und ersten Jüngern die Hände auf, die übrigen segnet Er nur. Er erfüllt sie dadurch mit neuer Kraft und Stärke; aber es ist dies noch keine Priester­weihe. Zum Schluß gibt Er einem Teil von ihnen als nächsten Treffpunkt mit Ihm den Hafenort von Hepha auf den 5. Juni an. Petrus zieht nach der Gegend von Joppe (Jepha), Johannes mehr östlich nach Judäa, und Thomas erhält seine Sendung nach dem Gebiet der Gergesener, wohin er mit einem Umweg über Asach zieht, welches eine Stunde westlich des Ortes liegt, wo Sich der Herr jetzt befindet.

Dieser wandert mit fünf Aposteln, deren jeder zehn Jünger unter sich hat, weiter nordwestlich und übernachtet, wie gestern, unter Baumlauben.

Die zweite Reise nach Ornithopolis

In der Nordschlucht des Dschebl Dschamble

Di. 29.

Als der Herr heute die hohle Nordschlucht des jetzigen Dschebl Dschamble zum Tal (des heutigen Wadi el Hubeschije) hinab­steigt, kommen Weghüter zu Ihm und bitten Ihn um Hilfe gegen gewisse, wie Eidechsen große, breitfüßige, fleckige Tiere. Jesus segnet daraufhin die Gegend und befiehlt jenen Tieren, die hier und da zum Vor­schein kommen, in einen nahen moorigen Sumpf zu laufen; und sie fliehen aus der ganzen Gegend dorthin.

Dann verteilt Er Seine Begleitung, verweilt mit wenigen Jüngern, immer abwärts wan­delnd, in dieser Schlucht und lehrt und er­mahnt hier und da vor den Höhlen der Ein­wohner.

Herberge jenseits des Leontes-Flusses

Gegen Mittag nähert Er Sich dem Leontes­Fluß, überquert ihn auf einer hohen Stein­brücke und kehrt jenseits in einer Herberge ein, wo Er mit den vormittags ausgesandten Jüngern wieder zusammentrifft.

Zuerst sendet Er hier mehrere Seiner Beglei­ter in die Städte des Landes Chabul aus und den Judas Ischarioth mit mehreren Jüngern nach Kana bei Sidon. Während die Jünger alles Geld und ihre Taschen dem Apostel, der ihnen je vorsteht, zum Bewahren geben müssen (vgl. Mt. 10, 10 u. Mk. 6, 8), und der nichts davon ausgibt; überreicht der Herr dem Judas allein eine Summe für sich. Er kennt dessen Geldgeiz und will ihn nicht der Versuchung überlassen, das Geld der anderen anzugreifen, obschon Judas zu prah­len pflegt, wie mäßig er sei und wie streng er das Gebot der Armut halten wolle. Als er jetzt das Geld empfängt, fragt er den Herrn, wie viel er täglich ausgeben dürfe. Jesus antwortet ihm, wer sich so streng ge­mäßigt fühle, der bedürfe keines Maßes noch Gebotes, der trage sein Gesetz in sich. Nach der Aussendung wendet Sich Jesus einer Ihm vor der Herberge ankommenden Prozession von Einwohnern zu, die in ihren Feierkleidern nahen, um dem berühmten Propheten den Ehrenempfang zu bereiten. Es sind Nachkommen eines alten, abgeson­derten Judenstammes, deren Mitglieder der Herr auch schon am 21. Februar 33 in Ornithopolis und tags darauf bei Sarepta getröstet hatte.

Nach der Fußwaschung und der Verabrei­chung des Imbisses spricht der Herr vor dem Eingang der Herberge vor diesen an zwei­hundert Menschen, die unter offenen Lau­ben und Veranden stehen. Hernach zieht Er mit den Hörern in ihre Synagoge und lehrt hier, und viele der eingeborenen Hei­den hören von draußen her zu.

Den übrigen Rest des Tages macht Er mit Seinen Begleitern viele Hausbesuche im Orte und der Umgegend und heilt mehrere kranke Juden und Heiden. Abends nimmt Er an der Ehrenmahlzeit teil, bei welcher die Juden alles aufwenden, um Ihm ihren Dank zu bezeigen, daß er nicht verschmäht habe, .auch zu ihnen, den verlorenen Scha­fen aus Israel, zu kommen und ihnen das Heil zu verkünden. Sie haben ihre Stamm­register in guter Ordnung und legen sie Jesu vor und sind tief gerührt, mit Ihm aus demselben Stamme hervorgegangen zu sein. Der Herr ist beim Mahl sehr fröhlich und herzlich, legt ihnen vieles aus Elias und Malachias aus und verspricht ihnen, sie von hier nach Judäa zu führen (vgl. 18. Juni 33). Jesus übernachtet hier mit Seiner Be­gleitung.

Judenort östlich von Ornithopolis

Mi. 30.

Auf Seinem heutigen Wege gen Ornithopolis trägt der Herr ein langes, weißes Reisekleid. Er und Seine Begleiter sind gegürtet und ge­schürzt. Gepäckstücke führen sie nicht mit sich, sondern sie tragen ihre Reisebedürf­nisse in dem weiten Busen ihres Kleides über dem Gürtel rund um den Leib. Einige haben Stäbe und Kopfbedeckungen. Jesus aber trägt niemals Stab und Hut; nur zu­weilen eine Art Kapuze, über den Kopf ge­zogen, die sonst um den Hals liegt.

Eine Stunde östlich von Ornithopolis kehren sie in jenem Judenort ein, den Er auf Seinem Wege am 20. Februar 33 kurz vor Ankunft in Ornithopolis zur Rechten liegen ließ, und der nicht mit jenem bei Sarepta zu verwechseln ist. Hier wird Er mit Seinen Be­gleitern — es sind jetzt nur noch Jakobus Minor, Barnabas, Mnason, Azor, die zwei Söhne des Cyrinus und ein cyprischer Jüng­ling, den diese Jesu zugeführt haben, bei Ihm — von den Männern, Frauen und Schulkindern sehr feierlich empfangen. Er lehrt in ihrer Synagoge, tröstet die Hörer und spricht hier alles von der Erfüllung der Propheten an Ihm sehr deutlich aus.

Das Gastmahl der Syrophönizierin

Villenort bei Ornithopolis

Von hier holt der am 18. Februar geheilte Verwandte der Syrophönizierin den Herrn und dessen Begleiter zum Ehrenmahl in der Villa der Fabrikbesitzerin ab, welche zwi­schen der Stadt und den Färbereien und Webereien liegt. Dieser ganze Grundbesitz selbst hat den Umfang einer kleinen Stadt. Der Herr durchschreitet die Fabrikanlagen, die großen Schnecken-Farmen am Meer, wo die Schnecken gefangen und gezogen wer­den, die man zur Herstellung der roten und violetten Farbe benutzt; ferner die Planta­gen, wo jene Pflanzen gebaut werden, welche die gelbe Farbe liefern, und die Plantagen von Stauden, die eine Baumwolle tragen, welche nicht einheimisch ist.

Innerhalb des Villenortes wird Jesus vor dem Eingang zur Hauptvilla von allen Haus­angestellten und vor dem Hause im Hof von der Syrophönizierin und deren Tochter emp­fangen. Er heilt noch einige Leute in den Nebengebäuden und nimmt dann am Mahle im großen Saale teil. Es geht alles nach gleicher, vornehmer, griechischer Sitte vor sich, wie bei Seinem letzten Besuch am 20. Februar 33.

Die Gerichte werden auf vielen kleinen Tischen, welche Tierköpfe an den Füßen haben, aufgesetzt, und alle diese kleinen, runden und eckigen Tische lassen sich zu einem großen Tische zusammensetzen. Die Gefäße sind fast alle aus Glas, welches aus vielen bunten, zusammen- und durch­einanderlaufenden Fäden wie zusammen­geschmolzen sind. Getrocknete Trauben werden, noch an Reben hängend, in Ge­fäßen von jenem bunten Glase aufgestellt. Eine andere Art von getrockneten Früchten wird, an den Stengeln wie an Bäumchen hergerichtet, aufgetragen; es sind Rohre mit langen, unten herzförmigen Blättern, über denen die traubenförmigen Früchte ganz weiß, wie verzuckert, sitzen. Man pflückt sie essend von den Stengeln; und die Rohr­bündel sind oben, in der Mitte und unten mit Gewürzkränzen verziert. Dann folgen wieder jene schon (am 20. Febr.) erwähn­ten Gerichte, die die Form von Fischen, Lämmern und Vögeln haben, aber von anderen Sachen gemacht sind.

Auch wird der Herr wieder von der Haus­tochter gesalbt, und die Mutter beschenkt Ihn diesmal mit kostbaren gefärbten Tuchen und Gürteln, sowie mit dreieckigen Stücken Goldes; während die Tochter zusammen­gekettete Goldstücke überreicht. Nach dem Mahle wandelt der Herr noch redend unter den anwesenden Gästen und sucht dann die Armen der Umgegend auf, beschenkt sie und heilt einige.

Die Meerfahrt nach Cypern

Hafenort nördlich von Ornithopolis

Gegen vier Uhr nachmittags entfernt Sich der Herr mit Seinen Gefährten in der Stille, und sie gehen nordwestlich zum Hafenort. In dem von den Juden bewohnten Teil des felsigen Ortes empfangen Ihn die einheimischen und die vom Osterfest heim­ziehenden, hierher vorausgegangenen cypri­schen Juden. Er lehrt im Sabbathause, und sehr viele Heiden stehen draußen und hören zu. Nachdem Er auch hier einige Kranke geheilt, nimmt Er noch spät abends an dem für Ihn bereiteten Ehrenmahl teil.

Beim Sternenschein begleiten Ihn alle an den Hafen, und sie schiffen sich ein. Es ist eine helle Nacht. Man fährt wie mit einer kleinen Flotte ab; ein großes Lastschiff enthält Gepäck und Waren und vieles Vieh, besonders viele Esel. Auf zehn Ruderschif­fen mit Segeln befinden sich die cyprischen Ostergäste und Jesus mit den Seinen und andere Gäste. Ungefähr fünf dieser Schiffe sind mit langen Stricken an den Seiten und vorne an dem Lastschiffe befestigt und ziehen es vorwärts. Die fünf übrigen segeln zu beiden Seiten. Alle diese Schiffe haben ebenfalls, wie Petri Schiff auf dem See, um den Mast erhöhte Ruderbänke und Ruhestellen darunter.

Auf einem dieser Schiffe steht der Herr an dem Mast und lehrt. Er segnet das Land und das Meer, als man die Bucht verläßt. Viele Fische folgen dem Zuge und darunter an acht Fuß lange mit wunderlichen Schnau­zen; sie spielen umher und strecken die Köpfe aus dem Wasser, als hörten sie zu.

Karte Nr. 30
1-Fahsel Emmerick Karte 30

Mittelländisches Meer

Mai, Do. 1.

Die Fahrt geht bei ganz ruhiger See und schönstem Wetter so schnell voran, daß die Schiffsleute begeistert ausrufen: „Welch‘ glückliche Fahrt! Das kommt von Dir, o Prophet!“ Doch Jesus gebietet ihnen, zu schweigen und dem allmächtigen Gott allein die Ehre zu geben, und predigt vom Wesen des wahren Gottes und der Nichtigkeit der heidnischen Götter, von der Nähe der Er­lösungszeit und der Heilsberufung der Hei­den.

Als späterhin einige seekrank werden, geht Er zu ihnen und heilt sie. Man ruft Ihn auch deswegen von den anderen Schiffen um Hilfe an, und Er heilt aus der Ferne. Zum Essen wirft man lange, braune und gelbe Streifen in kochendes Wasser, um sie zu erweichen, und bietet sie in Schalen mit Stielen herum, sowie Teller, in deren Gruben runde Kuchen und Kräuter liegen, über die man Brühe gießt.

Der Empfang in Salamis

Hafenstadt Salamis

Gegen Abend wird der Herr beim Lan­den von den einheimischen Juden mit wehenden Wimpeln, Kränzen auf Stangen und grünen Zweigen unter Gesang und Flötenspiel empfangen. Jonas wird von sei­nem alten Vater umarmt; und Cyrinus, die drei älteren Brüder des Barnabas und die Juden-Ältesten führen Jesum und die Sei­nen auf eine Terrasse, die mit Teppichen belegt ist, und bieten die übliche Erfri­schung mit Fußwaschung und kurzem Im­biß.

Hierauf geleitet man Jesum in das Juden­viertel, nördlich außerhalb der Stadt, wo Er auf erhöhtem Platz eine Begrüßungs­ansprache an die versammelte Menge hält. Auf dem Wege zur Synagoge und in deren Vorhof heilt Er einige Wassersüchtige auf ihren Tragbetten und übernachtet im gro­ßen Saal der Synagoge, an dessen Wänden einzelne Lager und darüber kleine Zelt­dächer herabgelassen werden.

Fr. 2.

Am nächsten Morgen heilt Er im dortigen Krankenhaus Wassersüchtige, Gichtige und Leute mit leichtem Aussatz. Dann lehrt Er auf einem öffentlichen Lehrplatz zuerst die Männer vom Manna-Sammeln in der Wüste und vom neuen Himmelsbrot der Lehre und Bekehrung, und gegen Mittag die Frauen, die auch Heidinnen mitgebracht, über den wahren Gott.

Zum Ehrenmahl holt man Ihn in Prozession mit singenden Kindern ab. Er zerlegt der Sitte gemäß ein Lamm, deren Teile bereits zerschnitten sind, nimmt bei Tisch Ehren­geschenke entgegen, die Ihm bekränzte Mädchen überreichen, empfängt von einem Kinde die Ehrensalbung und hört einem musizierenden Kinderchor zu. Durch die Jünger läßt Er Speisen von der Ehrentafel zu den Tischen der Armen tragen, geht dann Selbst von Tisch zu Tisch, überall lehrend und kurze Parabeln erzählend.

Nach dem Mahl führt man Ihn zu den Wasserleitungen und bittet Ihn um Hilfe gegen die Mängel des Wassers. Er gibt dies­bezügliche Anweisungen, bittet aber zu­gleich um die Anlegung eines neuen Behäl­ters, der zur Taufe dienen soll, die Er hier spenden zu lassen beabsichtigt.

Zum Sabbat-Anfang predigt Er in der Syna­goge. Auf den Außenterrassen lauschen viele Heiden Seinen Worten, die den Täufer als den Vorläufer des Messias schildern und alle Zeichen angeben, an denen die Hörer den Sprecher als den gekommenen Messias erkennen können. Man versteht Ihn hier auch und ist voll Ehrfurcht und frommer Scheu.

Abends macht Er noch Hausbesuche, zieht Sich dann mit den Seinen im Saal der Syna­goge zurück, steht aber nachts allein vom Lager auf, um bei einer Strauch- und Baum­gruppe einsam zum himmlischen Vater zu beten.

Im Hause des Cyrinus

Sa. 3.

Morgens lehrt Er drei bis vier Stunden in der überfüllten Synagoge, besucht wieder das Krankenhaus, speist als Ehrengast im Hause des Cyrinus, macht den Sabbat-Spaziergang zu den Wasserleitungen, gibt dort noch Weisungen für die Einrichtung des Taufbrunnens, ladet Seine Begleiter zur morgigen Lehre ein und segnet auf dem Rückwege jüdische Frauen mit Scharen von Kindern und auch heidnische Lehrerinnen, die mit getrennten Zügen von Mädchen und Knaben am Wege stehen.

In der Sabbat-Schlußlehre redet Er vom Gesetz und vom wahren Opfer, bereitet zu­gleich zur Taufe vor und ermahnt alle zur Buße, da die Zeit der Gnade nahe sei. Nach Ihm ergreift noch ein reisender Rabbiner von sehr würdigem Aussehen das Wort und legt zum Schluß ein so rührendes Zeugnis für Jesus ab, daß alle Anwesenden in Tränen ausbrechen. Jesus steht währenddessen im Kreise Seiner Jünger still und ruhig an der Seite.

Beim Nachtmahl im Hause des Juden-Älte­sten spricht man sehr lebhaft von den Ver­folgungen gegen den Messias; doch als je­mand, der auch gerade vom Osterfest aus Palästina zurückgekehrt ist, empört über die Gehässigkeiten der Pharisäer spricht, verweist ihm Jesus die harten Worte, ent­schuldigt die menschliche Schwäche und bringt das Gespräch auf einen anderen Gegenstand. Am Ende bietet man Ihm auf Cypern einen ruhigen Wohnort an, doch Er lehnt das Anerbieten gütig ab.

So. 4.

Nachdem Er vor Tagesanbruch wieder drau­ßen einsam gebetet, heilt Er am Morgen im Krankenhaus mehrere Insassen, bereitet sie am Brunnen im Hof zur Taufe vor und läßt sie, nachdem sie im Winkel des Gebäudes einzeln ihre Schuld bekannt haben, von den Jüngern am Brunnen taufen.

Hierauf besucht Er den neuen Taufbrunnen, erteilt den Arbeitern noch bestimmte An­weisungen und lehrt auf einem Hügel in der Nähe vor einer großen Menschenmenge, die sich angesammelt hat. Unter den Hörern befinden sich Kaufleute, Markthändler, Schnitter und viele Heiden aus Salamis. Er redet von Seiner Sendung, von Buße, Aus­söhnung und Taufe, von einigen Bitten des Vaterunsers und vom Gebet überhaupt.

Der römische Gouverneur

Noch während der Lehre erscheinen Ab­gesandte des römischen Gouverneurs bei den Juden-Ältesten und übermitteln eine Einladung Jesu zur Präfektur vor der Stadt. Jesus beendet erst Seine Lehre und begibt Sich dann mit zahlreichem Gefolge zum Stadttor an der anderen Seite von Salamis. Unterwegs schließen Sich Ihm viele Heiden an, und an einigen Straßenecken und unter Bogen haben sich heidnische Frauen mit Kindern, immer drei und drei hintereinan­der, aufgestellt und lassen jedesmal eine Frau oder ein Kind hervortreten, welche dem Herrn Büschchen von Gewürz oder kleine Büchsen mit Duftsalbe oder Figuren von Kuchen als Ehrengabe überreichen.

Der römische Gouverneur erwartet Jesum auf steinernem Sitz in der Vorhalle seines Palastes, steigt, als der Herr Sich naht, rasch aber würdevoll die große Freitreppe herab, reicht Jesu die mit einem Tuch umwickelte Hand, drückt das andere Ende des Tuches mit der anderen Hand auf die Hand Jesu, verbeugt sich etwas und führt Ihn zur Halle hinauf.

Oben angekommen, bietet er dem Herrn neben sich Platz, erzählt alles, was er über Jesus gehört und erkundigt sich eingehend, mit welcher Macht Er Sein Reich in Besitz zu nehmen gedenke, ob Er über bewaffnete Macht verfüge, ob Er unter den Juden von Cypern Leute sammeln wolle, und wie lange es noch dauern werde, bis Er Sich in Seiner Macht zeigen werde.

Alle diese Fragen stellt er mit höflichem Ernst und sichtbarer Rührung und Ehr­furcht vor Jesus. Dieser antwortet, wie immer vor Obrigkeiten, allgemein und un­bestimmt, z. B.: „Du sagst es.“ — „So glaubt man.“ — „Die Zeit der Verheißung erfüllt sich.“ — „Die Propheten haben es so ge­sagt.“ Doch betont Er, Sein Reich sei nicht von dieser Welt, die Könige der Welt brau­chen Krieger, Er sammle die Seelen der Menschen zum Reiche des Schöpfers Him­mels und der Erde. Auch läßt Er viele tiefe Aussprüche der Weisheit mit einfließen, so daß der Gouverneur ganz erstaunt ist über Jesu Worte und Dessen Wesen.

Hierauf werden Jesu Speise und Getränke gereicht, und der Römer begibt sich mit Ihm zum Brunnen gegenüber dem Palaste und macht auf dessen Heilkraft aufmerksam. Jesus redet im Anschluß hieran über die verschiedenen Heilquellen und Arten der Wasser, wie sie in Brunnen gefaßt und ver­wendet werden können, geht über auf die diesbezüglichen Lehren der Heiden und Juden und spricht dann vom Wasser der Taufe und von der Wiedergeburt der Men­schen durch den Glauben zur übernatür­lichen Kindschaft Gottes.

Die Rede Jesu ist inhaltlich ähnlich jener gegenüber der Samariterin am Brunnen Jakobs und beeindruckt den römischen Landvogt so sehr, daß er dem Wunsche Aus­druck verleiht, Jesum öfter zu sprechen. Auf Seinem Rückweg begrüßen deshalb viele Heiden Jesum noch ehrerbietiger als vorher.

Besuch bei Jona’s Vater

Gegen zwei Uhr erreicht der Herr das Haus des Vaters Seines Jüngers Jonas. Es ist hier eine viel ländlichere und einfachere Wirt­schaft, als jene, in denen Er bisher bewirtet wurde; denn es ist eine größere Familie von jener Art Essener, die sich verehelichen, aber fromm, einfach und sehr enthaltsam leben. Die Frauen sind Töchter des Alten, und zwar Witwen mit bereits erwachsenen Kindern, die auf demselben Grundstück le­ben. Sie bilden gleichsam eine kleine Esse­nergemeinde und leben vom Feldbau und von der Viehzucht, vom Weben und Spin­nen. Jesus speist hier in einer Art Garten mit langen Heckenlauben, und das Tischgespräch dreht sich um Johannes den Täufer und dessen Ermordung und auch um andere Propheten.

Von hier aus geht Jesus zum neuen Tauf­brunnen, erteilt den letzten Taufunterricht und läßt durch Barnabas, Jakobus Minor und Azor taufen. Diese haben in einem platten Ledergefäß Wasser von Jesu Taufstelle am Jordan mitgebracht, gießen davon ein wenig in die Becken und segnen das da­mit gemischte Wasser. Alle Täuflinge tragen weiße Mäntelchen um den Oberkörper.

Abends läßt der Herr noch weiter westlich in verschiedenen Gartengebäuden an dreißig Männer von Barnabas taufen, nachdem auch hier das Wasser gemischt und gesegnet wor­den ist.

Belehrung der Philosophen

Mo. 5.

Morgens hält Er auf dem Lehrplatz am Taufbrunnen eine große Lehre vor den Juden und versammelten Heiden. Er spricht von der Ernte im geistigen Sinne, von den Wohltaten Gottes, vom Undank der Men­schen und widerlegt zum Schluß den fal­schen Götterglauben.

In der eingelegten Pause, in der Jesus einige Bissen zu Sich nimmt und das Volk sich bespricht, nahen einige heidnische Philo­sophen, fragen Jesum über Punkte, die sie nicht verstanden haben und auch über manche Einzelheiten, die sie von ihren Vor­fahren als eine Aussage von Elias gehört haben, der hier gewesen. Jesus belehrt sie hierüber und setzt dann Seine Lehre fort. Im Anschluß an die Lehre läßt Er wieder taufen und geht dann zur Judenstadt.

Nachdem Er sich im Hotel vor der Juden­stadt erfrischt, besucht Er in derselben den ältesten Rabbiner in der Synagoge und geht mit ihm und anderen Rabbinern in Privat­häuser, um Kranke zu heilen. Unterwegs segnet Er die Kinder, die Ihm von den Müt­tern zugeführt werden.

Abends speist Er mit den Rabbinern als deren Ehrengast und lobt ihre Gewohnheit, die Armen und Erntearbeiter am Mahl teil­nehmen zu lassen; doch können sie sich ge­gen Ende des Tischgespräches nicht ent­halten, nach Art der Pharisäer in anzüg­lichen Redensarten mit Ihm zu disputieren.

Als Er mit den Jüngern wieder in der Her­berge ist, bittet Ihn ein Heide, draußen im Garten mit einer Götzenpriesterin zu spre­chen. Sie heißt Merkuria, hat Jesus gestern gesehen, auch von Magdalena gehört und bittet Ihn nun, ihr in ihrer seelischen Be­drängnis zu helfen. Jesus spricht streng gegen ihr unzüchtiges Leben, aber auch wieder so gütig, daß sie weinend und ganz erschüttert von dannen geht.

Di. 6.

Während die Jünger am Taufbrunnen tau­fen, lehrt der Herr dort und bei den Wasser­leitungen vor Scharen von Erntearbeitern, wobei Er an zwanzig Lahme und Gicht­kranke heilt.

Von zehn Uhr ab belehrt Er heidnische Phi­losophen auf ihre Fragen betreffs der Göt­terkulte, über das Wesen des Heidentums und über die Entstehung der falschen Götter.

Er schlägt eine Einladung seitens des römi­schen Landvogtes ab, schickt Barnabas zu dessen Verwandten nach der Stadt Chytroi voraus und belehrt die Erntearbeiter west­lich von Salamis auf den Feldern. Einige Lahme und Wassersüchtige heilt Er in ihren Hütten.

Mi. 7.

Morgens wandert der Herr wieder von Feld zu Feld, überall die Arbeiter belehrend. Gegen Mittag holt Ihn Barnabas in Gesell­schaft einiger junger Heiden ab, um mit Ihm nach Chytroi zu reisen.

Jüdische Herberge an der Heerstraße

Er kehrt auf der römischen Heerstraße in einer Herberge für jüdische Reisende ein, dicht bei dem Herberghaus der Heiden­karawanen, wo Er mit den anderen Jüngern zusammentrifft. Im Freien spricht Er mit heimkehrenden Arbeitern und belehrt abends die Mitglieder einer eben eingetrof­fenen arabischen Karawane.

Do. 8.

Er besucht Hirten in der Umgegend und lehrt wieder vor den Arabern der Karawane, welche in den hiesigen Bergwerksorten Kup­fer und anderes Metall eintauschen.

Herberge vor Chytroi

Nach vier Stunden erreicht Er die Herberge vor Chytroi, wo Ihn der Vater des Barnabas begrüßt.

Der Besuch bei den Bergwerken

Eisenbergwerke bei Chytroi

Fr. 9.

Des Morgens stattet der Herr den Eisenberg­werken bei Chytroi einen Besuch ab und spricht vor jüdischen und heidnischen Berg­werksleuten vom Goldschmied, der das Erz im Feuer reinigt, beruhigt einige Besessene in der Nähe, und läßt an der Grenze zweier Bergwerke bohren, um eine Grenzverletzung festzustellen. Hierbei lehrt Er vom Ärger­nis : „Es müssen zwar Ärgernisse kommen, wehe aber dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt“ (Mt. 18, 7) und vom Grundsatz der Moral: „Wie ihr wollt, daß euch die Leute tun, so tut auch ihr ihnen“ (L. 6, 31).

Metallindustrie-Stadt Chytroi

Vor der Stadt von den jüdischen Ältesten und zwei Philosophen empfangen, heilt Er auf dem Wege zum Synagogen-Vorsteher etwa zwanzig Kranke, kehrt im Hause des Vorstehers ein, wo Ihn mehrere Gelehrte und Anhänger der Sekte der Rechabiten begrüßen, und predigt in überfüllter Syna­goge über das tote und über das lebendige Opfer (Mt. 5, 23) und von den acht Selig- keiten (Mt. 5, 3). Viele Heiden hören draußen auf den Terrassen zu. Während die Gelehrten mit Ihm disputieren, ruft Ihn plötzlich ein alter gelähmter Rabbiner um Hilfe an, und Jesus heilt ihn auf der Stelle, worauf alle Hörer vor Freude laut jubeln.

Da Jesus bereits dem Vater des Barnabas zugesagt hat, ladet Er den Vorsteher und dessen Gäste ein, mit Ihm dorthin zum Mahle zu gehen. Der Speisemeister des Vor­stehers aber sammelt die Armen und Arbei­ter zu der Mahlzeit, die Jesus ihnen über­lassen hat.

Beim Mahl im Hause von Barnabas‘ Vater spricht der Herr noch weiter vom Opfer und dann von der Verheißung und von den Pro­pheten. Während des Essens bieten Grup­pen armer Kinder Jesu Körbe mit allerlei eßbaren Kräutern an. Er steht auf, leert ihre Körbe, füllt sie mit Speisen der Tafel und segnet sie. Jesus übernachtet mit den Seinen hier, während die Fremden in die Stadt zurückgehen.

Sa. 10.

Den ganzen Morgen spricht Jesus auf einem nahen Lehrhügel zuerst vor vielen Berg­leuten und Arbeitern vom Vaterunser und vom Scheiden des Erzes im Feuer, dann vor einer großen Menge Heiden vom wilden Sprossen der Bäume und des Weinstockes, vom einen Gott und von den Kindern Got­tes, und zuletzt vor einer großen Schar von Juden, die sich mit Heidenfamilien verhei­ratet hatten, von den gemischten Ehen und von der Verantwortung des jüdischen Teils.

Nachher heilt Er die Kranken, speist bei Barnabas und predigt zum Sabbat-Schluß wieder in der Synagoge. Zur Nacht speist Er bei den Lehrern und übernachtet bei ihnen.

Der Besuch im Bienenort

Bienenort bei Chytroi

So. 11.

Anläßlich eines Fasttages predigt der Herr morgens noch in der Synagoge und geht dann mit ungefähr hundert Begleitern, dar­unter Schriftgelehrte, Rechabiten und heid­nische Jünglinge, zum Hauptsitz der auf Cypern in großer Zahl ansässigen Bienen­züchter. Weit hinaus — der Morgensonne zu — stehen hier lange Reihen mannshoher weißer Bienenkörbe. Jeder Bienenstand hat ein Blumenfeld vor sich. Alles ist ein­gezäunt und sieht aus wie eine ganze Stadt.

Jesus ist hauptsächlich hierher gegangen, um ohne Störung und Andrang die Heiden und Juden belehren zu können, und Er tut dies den ganzen Tag über in den Gärten und Lauben des großen hiesigen Hotels. Er lehrt wieder vom Vaterunser, von den acht Selig­keiten und vor den Heiden von der Ent­stehung der falschen Götter, von der Abson­derung Abrahams und von der Hinordnung auf den Messias. Er und alle Begleiter über­nachten hier.

Mo. 12.

Vormittags setzt Jesus Seine Lehre im Bie­nenort fort, und die Hörer sind unterdes zu mehreren Hunderten angewachsen. Die Rechabiten disputieren mit Ihm viel über den Propheten Malachias, auf den sie große Stücke halten.

Nachmittags zieht Er mit den Seinen und mit vielen Gruppen von Hörern, unterwegs ab­wechselnd Teile von ihnen belehrend, zum elterlichen Hause des Barnabas, wo Er von dreißig bis vierzig heidnischen Frauen und Jungfrauen und etwa zehn jüdischen Mäd­chen unter Gesang und Flötenspiel mit Überreichung von Kränzen, Zweigen und Ehrengeschenken empfangen wird.

Metallindustrie-Stadt Chytroi

Di. 13.

Vormittags lehrt der Herr an einem Brunnen vor der Stadt Chytroi auf einem Lehrstuhl und bereitet die Hörer zur Taufe vor, und zwar die Juden und die Heiden abgesondert. Er spricht auch mit einigen Lehrern über die Beschneidung und sagt hierbei, man solle sie diesen Heiden nicht zumuten, es sei denn, daß sie es selbst verlangen. Jedoch könne es den Juden auch nicht von ihnen zugemutet werden, daß sie die Heiden in die Synagoge zulassen; man müsse Ärgernis ver­meiden und Gott danken, daß jene den Götzendienst verlassen und das Heil erwar­ten. Auch sei jenen anderer Verzicht und die Beschneidung des Herzens und aller Gelüste aufzuerlegen; und Er werde ihnen Lehre und Gebet abgesondert anordnen.

Jüdische Kolonie Mallep

Mi. 14.

Vom frühen Morgen an lehrt der Herr wie gestern, am Taufbrunnen, während die Jünger taufen. Gegen Mittag läßt Er den Taufbrunnen zudecken, nimmt einen klei­nen Imbiß und wandert dann mit den Seinen und etwa sieben getauften Philosophen aus Salamis nach dem Dorfe Mallep, einer von Juden erbauten Kolonie. Sie liegt auf einer Höhe am Abhange des Gebirges und man kann von hier aus das Meer sehen.

Als Sich der Herr dem Orte naht, ziehen Ihm die Lehrer des Sabbathauses, die Schul­kinder und vieles Volk bis vor das Tor ent­gegen. Alle sind festlich geschmückt, die Kinder spielen auf Flöten, singen Lieder und tragen Palmenzweige in den Händen. Jesus dankt und geht segnend durch die Reihen der Kinder hindurch. In der Vor­halle des Lehrerhauses wäscht man Ihm die Füße und reicht den Ehren-Imbiß. Unter­des hat man an zwanzig Lahme und Wasser­süchtige in die Straße vor dem Hause ge­bracht. Jesus geht zu ihnen hinaus, heilt sie und gebietet ihnen, Ihm zu dem Brunnen im Zentrum des Ortes zu folgen, wo Er die Ein­wohner über die Bitte um das tägliche Brot und über die Danksagung gegen Gott be­lehrt.

Hierauf predigt Er im Sabbathaus über die Bitte: „Zukomme uns dein Reich“, spricht vom Reiche Gottes in uns, von dessen Nähe, wer es nur ergreifen wolle, und wie es denen ergehen werde, die es von sich stoßen. Die Heiden, die sich ebenfalls eingestellt haben, hören von draußen durch die geöffneten Türen zu.

Abends ist der Herr Gast beim Mahl der Lehrer, die Ihn zum Schluß in eine eigene Herberge führen, die sie Ihm und Seinem Gefolge eingeräumt haben. Am heutigen Abend wird bereits mit der Neumondfeier begonnen, da der erste Tag des neuen Mo­nats Sivan diesmal auf den Sabbat fallen wird.

Die Heilung der blinden Knaben

Do. 15.

Den ganzen heutigen Tag wird im Orte nicht gearbeitet. Der Herr heilt erst vor der Her­berge und predigt dann im Sabbathaus vom Sämann und vom verschiedenen Ackerboden und dann auch vom Senfkorn, wie es so große Früchte trage. Er entnimmt dieses Gleichnis einer hier zu Lande wachsenden Staude, die aus einem sehr kleinen Kern einen beinahe mannshohen, armdicken Sten­gel treibt und sehr nützlich ist. Aus der ro­ten und schwarzen Frucht gewinnt man Leim, und aus den gelben und roten Blät­tern Farben, um gelb, rot und braun damit zu färben.

Mittags wohnt Jesus mit den Jüngern einer Mahlzeit des Ortsvorstandes bei. Es werden drei blinde Knaben von etwa zehn bis zwölf Jahren durch andere Kinder in den Eßsaal hereingeführt. Sie musizieren auf Flöten und auf einem noch anderen Instrument, welches sie vor dem Mund halten und mit den Fingern daran spielen, und welches einen summenden Ton von sich gibt. Auch singen sie mit angenehmen Stimmen da­zwischen. Ihre Augen stehen offen, und es ist, als haben sie den Star.

Jesus fragt sie, ob sie gern das Licht sehen möchten und fromm und fleißig auf ge­rechten Wegen wandeln wollen. Sie ant­worten ganz freudig: „Herr, so Du uns hel­fen willst! Herr, hilf uns, wir wollen tun, was Du befiehlst!“ — „Legt eure Pfeifen nieder“, befiehlt der Herr und stellt sie alle drei vor Sich. Dann führt Er Seine beiden Daumen zum Munde, fährt ihnen nach­einander mit den beiden Daumen zugleich von dem Augenwinkel nach den Schläfen über die Augen, hebt eine Schale mit Früch­ten vom Tische vor sie und fragt: „Seht ihr dies?“ Sie bejahen es, und Er segnet die Früchte und verteilt sie an die Geheilten. Diese aber staunen freudig und trunken um sich her, werfen sich vor Jesus nieder und weinen. Und die ganze Versammlung ist vol­ler Rührung, Freude und Verwunderung.

Die Knaben eilen nun mit ihren kleinen Führern aus dem Saale durch die Straßen in voller Freude zu ihren Eltern. Der ganze Ort kommt in Bewegung, und die Knaben kehren, gefolgt von den Kindern und von vielen anderen Menschen, zum Vorhofe des Saales zurück und schreiten von hier aus, auf ihren Instrumenten fröhliche Lieder spielend und singend, langsam zur Tafel heran, um dem Herrn zu danken. Da erhebt Sich Jesus und hält eine ergreifende Lehre über die Dankbarkeit, in welcher Er unter anderem sagt, der Dank sei ein Gebet, wel­ches neue Gnaden vorbereite, so gütig sei der himmlische Vater.

Nach der Mahlzeit wandelt Jesus mit den Jüngern und den heidnischen Philosophen durch die grünen, schattigen Auen weit um den Ort herum; Er Selbst lehrt vor den Philosophen, während die Jünger einzelne Gruppen belehren, die sich dem Spaziergang angeschlossen haben. Abends lehrt Er wie­der im Sabbathaus, und geht dann, wie bis­her, nachdem die Jünger sich zur Ruhe begeben, aus Seinem eigenen Schlafgemach der Herberge ins Freie, um an einem ein­samen Orte zu beten.

Fr. 16.

Nachdem der Herr, wie auch Seine älteren Jünger, in dem Orte umher in verschiedenen Häusern Trost, Almosen und Rat gespendet und geheilt hat, besucht Er die Eltern der drei gestern von Ihm geheilten Knaben. Es sind Araber aus der Gegend des Jethro (des Schwiegervaters des Moses, also aus Madian, Ex. 3, 1), die in einer Gruppe von mehreren Familien als Händler und Gelegenheits­arbeiter von. Land zu Land ziehen, wobei jene Knaben auf ihren Reisen mit Gesang und Flötenspiel etwas verdienen müssen. Jesus veranlaßt die Eltern, hier zu bleiben, die Knaben zur Schule zu schicken, und gibt ihnen Leute an, welche sich bereit erklärt haben, die Knaben bei sich aufzu­nehmen und zu erziehen.

Dorf Lafina

Nach Tisch macht Er einen Ausflug mit den Jüngern und den sieben getauften Philo­sophen, und spricht unterwegs über die Namen der heidnischen Götter und Heroen. Die Philosophen fragen Ihn auch über den sagenhaften weisen König Dschamschid aus, der Persepolis gegründet haben soll, den Persern vortreffliche Gesetze gab, Künste und Wissenschaften lehrte und viele Schätze des Erdbodens erschloß. Jesus belehrt sie über das Wahre und über das Erdichtete betreffs dieses weisen Königs und nennt ihn ein falsches Nebenbild des Königs Melchise­dech. Er spricht über diese historischen Dunkelheiten so klar und bestimmt, daß die Philosophen erstaunt ausrufen: „Meister, wie weise bist Du! Ist es doch, als habest Du in jenen Zeiten gelebt und kenntest alle diese Leute, wie sie sich selbst ikaum kann­ten!“

Zum Sabbat-Anfang predigt Er wieder in der Synagoge zu Mallep und setzt nach dem Gottesdienst das Gespräch mit den Philo­sophen fort.

Jesus und die Brautleute

Jüdische Kolonie Mallep

Sa. 17.

Vormittags setzt der Herr im Sabbathaus die gestrige Predigt über das Jubeljahr fort, in­dem Er über die Ackergesetzgebung spricht, wonach jedes siebente Jahr das Land unbe­arbeitet bleiben soll, damit von dem, was von selbst gewachsen ist, auch die Armen und die wilden Tiere des Feldes genießen können (Lev. 25, 3-7).

Hierauf zieht Er mit vielem Volk vor die Stadt zum Lehrplatz des Badegartens und lehrt am Brunnen über den Sündenfall, über die Entartung der Völker und über die Absonderung besserer Menschen und kommt, da sieben Bräutigame zugegen sind, auf die geheime Bedeutung der Ehe als einer Verbindung des Trösters von Israel mit seiner Gemeinde zu sprechen. Er endet mit einer Art Taufunterricht, an den sich die Bekenntnisse der einzelnen Täuflinge und die Taufen durch Jakobus Minor und Barnabas anschließen.

Den üblichen Sabbat-Spaziergang macht Er mit großer Begleitung ins Tal von Lafina, unterwegs alle belehrend, und beschließt den Sabbat wieder im Sabbathaus von Mal­lep.

Nach dem Abendmahl beantwortet Er durch eine lange Lehre bis in die Nacht hinein die Fragen einiger Philosophen: warum Gott die Sündflut ergehen ließ, und warum Gott so lange die Menschen auf den Tröster habe warten lassen (siehe oben Seite 18).

So. 18.

Er lehrt am Taufplatz viele Menschen, be­sonders die Brautleute über die Pflichten des Ehestandes. Beim Taufunterricht der Männer spricht Er über die mystischen Be­gebenheiten aus dem Leben des Propheten Elias.

Dorf Leppe

Nach der Taufe der Bräutigame folgt Er einer Einladung zur Festmahlzeit im Dorfe Leppe, westlich von Mallep. Sie findet im Hause des dortigen Rabbiners statt, dessen Tochter die Braut eines heidnischen Philo­sophen von Salamis ist, der dort Jesu Lehre gehört und die Beschneidung angenommen hat. Auch die in Mallep getauften Bräuti­game sind mit ihren Bräuten eingeladen und viele andere Gäste mehr. Jesus lehrt bei Tisch über die Heiligkeit der Ehe und kehrt mit den Seinen in der Dunkelheit nach Mallep zurück.

Jüdische Kolonie Mallep

Mo. 19.

Heute beteiligt sich der Herr an den Trau­ungsfeierlichkeiten, erteilt den Bräuten den Brautunterricht, wohnt den Trauungen bei, nimmt einen kurzen Imbiß im Festhaus, macht einen Spaziergang mit den Philo­sophen und lehrt abends in der Synagoge nochmals über die Bedeutung der Ehe.

Die Predigt zum Pingstfest

Di. 20.

Mit dem Jünger Mnason und den Philo­sophen macht Er einen Tagesausflug ins Land, lehrt in einzelnen Bauernhöfen, spricht vor Feldarbeitern und predigt schließlich vor großer Versammlung über das bevorstehende Pfingstfest. Da Er hier­bei von der Gesetzgebung auf Sinai spricht, so scheint das Pfingstfest bei den Juden die Erinnerung an die Gesetzgebung auf Sinai zu feiern, wie es auch Hieronymus (ep. ad. Fabiol.), Leo der Große (serm. 1 de Pentec. ), Maimonides (More Neboch. 3, 41) und Tho­mas von Aquin (S. theol. I—II, qu. 102, a, 4 ad 10) annehmen.

Mi. 21.

Morgens lehrt Jesus in Seiner Herberge vor Jüngern und vor heidnischen und jüdischen Gästen wieder über das Pfingstfest, über das Gesetz auf Sinai und über die Taufe. Als hierüber allerlei Streit und Disputieren ent­steht, und einige es gar nicht verstehen wol­len, sondert Jesus ungefähr fünfzig Hörer ab, die reif für Seine Lehre sind; die an­deren weist er hinweg, um sie ein andermal vorzubereiten.

Mit den Fünfzig geht Er zum Badegarten vor der Stadt und belehrt sie den ganzen Tag. Die Hochzeitsleute schicken Ihm Speisen in die Herberge, derer Er Sich abends bei Sei­ner Rückkehr bedient. In der Nacht schließt Er Sich dem Betgang ins Freie mit Fackeln an, sondert Sich aber dann zum einsamen Gebet von den übrigen ab.

Do. 22.

Vormittags beteiligt Er Sich an den Zere­monien des Pfingstfestes in der Synagoge, indem er an der Spitze der Rabbiner in den Gängen um die Synagoge wandelt und den Segen über Land und Meer und alle Gegenden ausspricht. In den Pausen fragt Er: „Habt ihr dies verstanden?“ Und dann legt Er ihnen die einzelnen Gebete aus. Hierauf erfolgt die Lesung vom Durchgang durchs Rote Meer bis zur Gesetzgebung auf Sinai am fünfzigsten (pentekoste) Tage nach dem Auszug aus Ägypten.

Nach dem Gottesdienst begleitet der Herr mit den Jüngern die nach Salamis zurück­kehrenden Heiden, ermahnt sie noch einmal, sich nicht mehr in ihren Götzendienst und in unnütze Spekulationen einzulassen, und weist ihnen als neuen Wohnsitz getrennte Gegenden zwischen Hebron und Gaza und bei Jericho an. Er empfiehlt ihnen, Lazarus, Johannes Markus, Zacharias Neffen und die Eltern des Manahem in Koreä zu be­suchen.

Abends empfängt Er einen Brief der Prie­sterin Merkuria, die anfragt, ob sie einem heidnischen Feste fernbleiben dürfe, was ohne großes Aufsehen nicht geschehen könne.

Die Ehebelehrungen

Fr. 23.

Jesus besucht mit den Jüngern Privathäuser, lehrt, tröstet und heilt, spricht mit Ehe­frauen über ihre Eheschwierigkeiten, be­sucht das städtische Krankenhaus, lehrt in der Männer- und dann in der Frauen-Abtei­lung und hält zum Sabbat-Beginn in der Synagoge eine große Strafpredigt, die auf die schlechten Ehemänner und die ein­gebildeten Gelehrten abzielt.

Er predigt vom törichten Hängen an mensch­licher Hilfe und Lust, von der unsinnigen Brunst der Geschlechter und vom schlimmen Einfluß auf die hieraus hervorgehenden Kinder. Dann wendet Er Sich gegen die Hoffart spitzfindiger Gelehrsamkeit, gegen den übertriebenen Glauben an die wissen­schaftliche Forschung und sagt zum Schluß, diejenigen, die wahren Trost und gesunde Unterweisung suchen, mögen Ihn morgen früh aufsuchen. Er betet für diese die ganze Nacht hindurch.

Sa. 24.

Schon am frühen Morgen stellen sich zahl­reiche Besucher in Seiner Herberge ein, darunter viele Gelehrte und Studenten der hiesigen Schule. Sie verlangen Anweisung, wie sie ihr Studium einrichten sollen. Auch viele geängstigte Menschen kommen, die in Grenzstreitigkeiten und kaufmännische Händel und Eheschwierigkeiten verwickelt sind. An die Letzteren hält Er zum Schluß eine gesonderte Ansprache über die unge­ordneten Zeugungen und über den Fluch, der sich auf die erzeugten Kinder auswirke. Alle sind tief erschüttert, viele bekennen einzeln ihre Vergehen und holen auf Seinen Rat hin ihre Ehepartner, worauf Jesus ganz wunderbare Aussöhnungen bewirkt. Auch gibt er praktische Anweisungen, wie die un­ehelichen Kinder zu behandeln seien.

Einer der Ehebrecher ladet Jesum ganz demütig zur Mahlzeit bei sich ein, und der Herr nimmt die Einladung an, stellt sich sogar mit den Jüngern ein, und die eben­falls eingeladenen Rabbiner sind ganz er­staunt über die Wirkungen, die Jesus hier und überall erzielt hat. Beim Mahle emp­fängt der Heiland die Ehrensalbung seitens der zwei Töchterchen des Hauses.

Zur Sabbatschluß-Lehre predigt Er noch einmal von der falschen Sucht nach den heidnischen Gütern und warnt vor den Mischehen aus sinnlichem Leichtsinn und irdischer Gewinnsucht. Er schildert die ge­sunde und einfache Lebensweise, die sich mit dem Segen Gottes verbindet.

Die Aufforderung zur Emigration

So. 25.

Den ganzen Tag über bis in die späte Nacht macht Jesus Hausbesuche und empfängt in Seiner Herberge Besuche. Überall veranlaßt Er die Juden, ihren Wohnsitz von Cypern nach Palästina zu verlegen, gibt diesbezügliche praktische Weisungen und prophezeit zukünftige Unglücksfälle, die auf Cypern stattfinden werden. (Offenbar bezieht sich dies auf die Ermordung des Barnabas durch den jüdischen Pöbel, auf den Aufstand der Juden unter Trajan, wobei Salamis zerstört wird, und auf das Erdbeben um 77 n. Chr.).

Abends bringt ein Jünger Jesu, der Vetter der Witwe von Naim, der eben von Palästina angekommen, Botschaft von den Freunden Jesu und der Lage der Umstände, der An­bringung von Kaiserbildern an den Aus­gängen des herodianischen Tempels, von der Zerstörung derselben durch weitere Anhän­ger des ermordeten Judas Gaulonita und dem darauf erfolgten blutigen Tumult zwi­schen Tempel und Burg Antonia.

Die Betreuung der Arbeiter

Bergmannsdorf bei Chytroi

Mo. 26.

Jesus wandert mit zwölf Jüngern auf Um­wegen in sieben Stunden zu einem Berg­mannsdorf bei Chytroi. Er ist durch die Familie des Barnabas hierher eingeladen. Unterwegs unterrichtet Er die Jünger im Hinblick auf Seine bisherigen Erlebnisse auf Cypern, begibt Sich nach ehrenvollem Empfang im Hotel zum schattigen Lehr­hügel in der Nähe und predigt vor großer Versammlung aller Arbeiter vom Glück des einfachen Lebens und der beruflichen Ar­beit und erzählt bis in die Nacht gleichnis­artige Geschichten.

Schon auf die gestrige Veranlassung Jesu und auch auf Seine heutigen Anweisungen hin, werden aus der Stadt Chytroi durch die vornehmen Bürger und Bergwerkbesitzer Liebesgaben zum Lehrplatz des Herrn her­beigeschafft. Das Volk hat sich in Reihen geordnet, und nun werden muldenweise Ge­treide ausgeteilt, große Brottafeln, Honig, Früchte, lederne Kleidungsstücke, Decken und Gerätschaften. Die Frauen erhalten Teppichzeug, Tücher und Sohlenfutter.

Während des Austeilens sind Jesus und die Jünger zugegen und lehren an verschiedenen Stellen vor kleinen Gruppen von Hörern. Zum Schluß hält Jesus eine Ansprache an alle Anwesenden auf dem Lehrhügel der Felshöhle und erzählt das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberge und vom barm­herzigen Samariter und lehrt vom täglichen Brot.

Beim anschließenden großen Mahl im Freien unter Lauben bedienen Jesus und die Jün­ger die Armen, und gleich darauf heilt Er mehrere Bergleute, die an Händen, Armen und Beinen Quetschungen und Verwundun­gen in den Bergwerken erhalten haben. Dann begibt Er Sich zu den Spielen der Kinder, an denen sich auch der Landessitte gemäß Männer und Frauen beteiligen. Nach­dem Er hier eine Weile zugeschaut, läßt Er Sich von einigen achtjährigen Knaben in der Umgegend herumführen und Sich von ihnen verschiedene Gruben zeigen. Sie erzählen etwas altklug alles, was sie wissen, und Jesus macht auf alles Anwendung, belehrt sie durch Rätselraten und erzählt ihnen Para­beln. Nach der Rückkehr belehrt Er noch im Kreise der Jünger die vornehmen Bürger und Bergwerkbesitzer.

Hafenort östlich von Kition

Mi. 28.

Am heutigen Tage begleitet Er den Jünger von Naim zum Hafenort bei Kition. Hier gibt ihm der Herr allerlei Aufträge mit an Seine heilige Mutter und die Apostel, segnet ihn vor dem Besteigen des Schiffes und kehrt mit Seinen Jüngern zum Bergmanns­ort zurück.

Der Besuch bei Mnasons Eltern

Hafenstadt Keryneia

Do. 29.

Frühmorgens verläßt Er mit den Jüngern das Bergmannsdorf bei Chytroi und kehrt gegen vier Uhr nachmittags bei der Familie Seines Jüngers Mnason, drei Viertelstunden vor Keryneia, ein. Der Vater des Mnason war früher reisender Kaufmann und hat sich dann hier ein Hotel für vorüberzie­hende Karawanen eingerichtet.

Fr. 30.

Morgens lehrt Jesus auf einem Lehrplatz beim Hotel vor einer Reisekarawane gegen den Wucher und die Handelsgier, sich an den Heiden zu bereichern. Beim gemein­samen Mahl dient Er bei Tisch und geht mehr lehrend umher, als daß Er Selbst zu Tische liegt.

Zum Sabbat begibt Er Sich mit der Familie des Mnason und den Jüngern in die Stadt Keryneia, wird am Eingang der Straße des Judenviertels von den Lehrern empfangen, ins Lehrhaus geführt, erfrischt und dann zur Synagoge geleitet, wo Er nach Lesung aus Exodus (1-4) und aus dem Propheten Oseas (1, 10-2, 21) eine heftige Strafrede gegen Unzucht und Abgötterei hält. Im Vor­hof heilt Er dann auf eine ganz neue Art die aufgebahrten Kranken, indem Er vorher das Bekenntnis ihres Glaubens erfragt, mit den Rabbinern über sie aus Rollen betet und die Jünger den Kranken die Hände auf­legen läßt. Vermutlich läßt der Heiland auf Cypern die Rabbiner deshalb auf diese Weise am Heilen teilnehmen, weil sie hier durchschnittlich gutwilliger sind als in Palä­stina und weil viele von ihnen unter den 570 Juden sind, die Er auf Cypern für Sich gewinnt.

Im Hause Mnasons wandelt Er nach dem Mahl noch mit den Lehrern auf und ab, sie unterrichtend.

Sa. 31.

Vormittags lehrt Er auf dem Lehrhügel vor etwa fünfzig Täuflingen und läßt dann tau­fen. Mnason ist sehr betrübt, daß sein Vater sich nicht taufen lassen will, obwohl er ihn schon gestern so gut über alles unterrichtet hat. Doch der Alte zuckt mit den Schultern, bewegt den Kopf und weigert sich mit aller­lei Scheingründen. Jesus tröstet Mnason, indem Er darauf hinweist, daß jener immer fromm gelebt habe und seine geistige Blindheit an einem anderen Ort beweinen und dort sehend werden würde.

Später tröstet Er noch eine Reihe von Frauen, die sich über ihre Ehemänner be­klagen, und befragt sie über ihr eigenes Betragen gegen die Männer, ermahnt sie zur Milde und Bescheidenheit, zum Fleiß und Ordnungssinn und warnt vor Klatscherei, Stichelei, Vorwürfen und Quengeleien.

Beim gemeinsamen Mahl mit den Täuf­lingen segnet Er die Speisen, bedient mit den Jüngern und erzählt Parabeln. Zum Sabbatschluß lehrt Er noch in der Synagoge zu Keryneia, nimmt Abschied und wandert mit den Jüngern geradewegs nach Mallep zurück.

Die Vorbereitungen zur Abreise

Jüdische Kolonie Mallep

Juni, So. 1.

In der Herberge verkündet Er den Be­suchern Seine nahe Abreise und gibt noch­mals Anweisungen zu ihrer Übersiedlung nach Palästina.

Mo. 2.

Frühmorgens besucht Jesus noch einige Bauerngüter östlich von Mallep, deren Be­sitzer Ihn zu sich gebeten. Dann lehrt Er dort auf einem Lehrhügel und heilt meh­rere Kranke, darunter ein blindes Kind. Daraufhin kehrt Er nach Mallep zurück und nimmt am großen Mahl im Festhause teil, wo Er die Armen speisen läßt. Zuletzt hält Er eine lange Lehre über das Wort „Amen“ bis in die Nacht hinein, und verläßt noch in derselben Nacht mit den Jüngern die Stadt, nachdem Er im Hotel alles be­zahlt und auch noch Geld für die Armen verteilt hat. Das Geld hatte der Jünger von Naim zu Ihm gebracht.

Hafenstadt Salamis

Di. 3.

Gegen zwei Uhr nachmittags kommt Er bei Salamis in dem Lehrhause an, wo Er bei Seiner Ankunft auf Cypern gewohnt hatte, unterrichtet noch einige vertraute Leute, verabschiedet Sich von Jonas Eltern und hat eine längere Unterredung mit dem römi­schen Gouverneur, der Ihm zwei heidnische Jünglinge vorstellt, die nach der Taufe ver­langen. Er unterrichtet sie gleich und läßt sie noch am selben Abend taufen.

Kurz vor Seiner Abreise von Salamis be­kehren sich noch der römische Gouverneur und die heidnische Priesterin Merkuria, deren Kinder Jesus segnet. Er spricht mit ihr von der Auswanderung und über ihren künftigen Aufenthalt. Schließlich begibt Er sich mit den Jüngern zum Halteplatz der Reise-Esel, die der Landvogt für Ihn bestellt hat. Auch Jesus reitet diesmal, und zwar wie die übrigen auf einem Quersitz mit Lehne. Der Gouverneur reitet mit.

Seehafen bei Kition

Mi. 4.

Bei der Morgendämmerung verabschiedet sich der Römer, um kein Aufsehen zu erre­gen, und nach zwei Stunden steigt Jesus mit den Seinen von den Eseln, läßt sie von den Dienern zurückführen und geht zu Fuß bis zum Seehafen, der östlich von Kition bei einem Salzberg ziemlich einsam in der Gegend liegt und nur aus der Hafenanlage und einem langen Gebäude besteht. In der Nähe zieht sich ein sehr langer Wall ent­lang, der oben mit Rasen und Gärten be­setzt ist. Jesus besucht noch die in der Nähe wohnenden Salzarbeiter in ihren ärmlichen Wohnungen, tröstet, heilt und teilt Ge­schenke aus, und geht auch noch bis zum Ende des Walles in einige Heiden-Woh­nungen, segnet die Kinder und erzählt den versammelten Heiden einige Parabeln vom Salz der Erde.

Nach einer Mahlzeit im Hafengebäude, von wo Er noch Speisen an die Armen schickt, fahren Er und die Seinen, eine Gesellschaft von siebenundzwanzig Mann, in drei Schif­fen von Cypern ab.

Als es schon dunkel ist, fährt das Schiff Jesu, welches vorausfährt, auf eine Sand­bank. Jesus befiehlt den Schiffern zurück­zufahren und gibt Anweisungen, wie man die beiden anderen ebenfalls festgefahrenen Schiffe, die bereits Fackeln als Notsignale auf den Mast gesteckt haben, mit Stricken ins Schlepptau nehmen und so in Fahrt be­kommen müsse. Er verweist dann den Schiffsleuten ihr Besserwissenwollen und spricht vom Eigenwillen und der Nachfolge.

Karte Nr. 31
1-Fahsel Emmerick Karte 31

Der Wandel durch Mittel-Galiläa

Landungshafen bei Hepha

Do. 5.

Gegen Abend erreichen die drei Schiffe die Bucht zwischen Akko (Ptolemais) und Hepha (Haipha), rudern aber wieder in die See zurück, da im Eingang der Bucht ein größeres Schiff mit mehreren kleineren in Kampf verwickelt ist. Es handelt sich um einen Privatstreit, der bereits in Cypern über die Schiffsladung entstanden ist. Das große Schiff siegt und verfolgt die kleineren. Als die Streitenden Jesu Schiffen näher kommen, erhebt Er die Hand und segnet in Richtung der Streitenden, worauf sie sich trennen und fortrudern.

Der Herr landet mit den Seinen östlich von Hepha, bei der Mündung des Kison (Nahr el Mukatta). Am Ufer umarmen mehrere Apostel und Jünger, etwa zwanzig an Zahl, Jesum und die Angekommenen, ziehen, als alles mit den Schiffen in Ordnung ist, eine halbe Stunde die Uferstraße entlang und lagern unter Bäumen, um sich an den Spei­sen zu erquicken, die die Apostel mitge­bracht haben.

Levitenstadt Misaël

Fr. 6.

Jesus umgeht mit den Seinen den Meer­busen, überschreitet in nordöstlicher Rich­tung den Belus-Fluß (Nahr Na’men) auf langer Brücke, steigt die Anhöhe hinan, hin­ter welcher der Sumpf Cendevia liegt und erreicht die Vorstadt von Misaël (ungefähr beim heutigen Mi’ar), wo die hl. Elisabeth ihre Jugend verlebt hat.

Ein Festzug der Einwohner mit vielen Kin­dern, die Palmenzweige tragen, kommt Ihm entgegen und begrüßt Ihn mit einem Liede. Den Empfang hat der reiche Simeon aus Amichores-Libnath (westlich bei Er-Rame), der unterdessen nach Misael gezogen ist, veranstaltet. Nach kurzer Erfrischung im Hotel speist der Herr mit neun Leviten, die Ihn besuchen.

Nachmittags lagert Er mit Seinen Jüngern im Lustpark nördlich der Vorstadt, läßt Sich von den Aposteln die letzte Meuterei zu Jerusalem und die Niederlage des Herodes in Arabien erzählen, gibt aber einen Ver­weis, als man darüber mit Schadenfreude spricht.

Dann erzählt Er eine Parabel von einem Fischer, der über das Meer fährt und 570 Fische fängt, und wie ein guter Fischer die Quellen verbessert und die guten Fische aus dem schlechten Wasser, wo die Raubfische sie verschlingen können, herausfischt und ihnen neue Brutteiche in einem besseren Wasser anlegt. Die mitgekommenen cy­prischen Männer weinen, da sie in dieser Parabel die ihnen von Jesus erwiesene Wohl­tat wiedererkennen. Sie sind hier, um wie­der zurückzureisen und die Überschiffung der anderen Emigranten zu besorgen.

Zum Sabbat-Beginn besucht Jesus die Schule im Vorort, wo Leviten den Gottesdienst be­sorgen, während Er über die fällige Lektion von den verschiedenen Opfern (Levit. 4 bis 7) und von Simson (Richt. 13) lehrt.

Die Ansiedler aus Cypern

Sa. 7.

Am Morgen predigt der Herr auf Bitten der Einwohner hin in der Synagoge der Vor­stadt, spricht dann im Lustpark mit den Leviten über die von Ihm veranlaßte Aus­wanderung der cyprischen Juden, die Er bekehrt hat, läßt Sich von den aus Ornitho­polis angekommenen Jüngern erzählen, wie schon viele Juden von dort nach Peräa jen­seits von Ramoth-Gilead übergesiedelt sind, und wie die Syrophönizierin der ehemaligen Priesterin Merkuria von Cypern mit einem ihrer Schiffe zur Flucht verhelfen will.

Nach einer Mahlzeit mit den Leviten folgt Er diesen zum Levitenhaus in die Stadt Misael, wo die hl. Elisabeth in ihrer Jugend gewohnt hat. Man unterhält sich über ihre Geburt (zwei Stunden von hier in der Ebene Jezrael), von ihrem Tempel dienst als Jung­frau und von ihrer Vermählung mit Zacha­rias in Judäa.

Nachdem Er mit den Leviten mehrere Kranke in Privathäusern besucht und ge­heilt hat, predigt Er in der Synagoge zu Misael über Simsons Taten als Vorbilder für das Wirken des Messias.

So. 8.

Frühmorgens gehen Judas, der gern Ge­schäfte besorgt, und Thomas, dessen Familie Flößholz im Hafen liegen hat und dort gut bekannt ist, und mehrere andere Jünger nach Hepha, um dort Vorkehrungen für die eintreffenden Emigranten aus Cypern zu treffen. Einige cyprische neue Jünger ziehen mit. Der Herr gibt ihnen bis auf die Brücke des Belusflusses das Geleite.

Synagogen-Ort südöstlich von Misael

Hierauf wandert Jesus mit den Leviten un­gefähr anderthalb Stunden südöstlich zu einer Gruppe von Bauernhäusern mit einer Synagoge und hält im nahen Tal auf einem grünen Lehrhügel eine große Lehre vor mehreren hundert Menschen, die aus Misael und der ganzen Umgegend dorthin einge­laden worden sind.

Elisabeths Wohnort und Synagogenort im Tal Zabulon

Mo. 9.

Von Misael aus besucht der Herr den Ort. wo Elisabeth in ihrer Jugend vorübergehend gewohnt hat. Hier wohnen noch Verwandte von Elisabeths und Josephs Seite. Jesus heilt hier einige Kranke und begibt Sich dann ins Tal Zabulon zum Synagogenort zwischen Sephoris und Nazareth, um einige der neuen Ansiedler von Ornithopolis in dieser Gegend zu verteilen.

Leviten-Stadt Thaanach

Di. 10.

Heute ‚erwartet man die Ankunft des Herrn in Thaanach. Die Synagogen-Vorsteher empfangen Ihn mit Fußwaschung und Im­biß. Er heilt einen kranken Pharisäer, der im Januar dieses Jahres als Mitglied der ge­gen Jesus eingesetzten Pharisäer-Kommis­sion besonders scharf wider Ihn geredet hatte und danach in eine schwere Krankheit ge­fallen war.

Als die Pharisäer ihren geheilten Kollegen in der Synagoge erblicken, wagen sie nichts gegen Jesum zu unternehmen, so daß er un­gestört lehren kann. Er spricht so deutlich vom Messias, daß sie wohl ahnen können, Er meine Sich Selbst.

Burgort Sion am Tabor

Mi. 11.

Nachdem Er noch in Thaanach den ehe­maligen Zimmermannshof Seines Nähr­vaters Joseph besucht und dort in kleiner Versammlung von der Arbeitsamkeit und dem Wucher gesprochen hat, wandert Er mittags drei Stunden weiter östlich nach Sion und lehrt in der Synagoge gegen die Pharisäer vom Auferlegen schwerer Bürden und Selbstnichthalten, von Druck und Herr­schaft und bringt die mit Ihm Disputieren­den zum Schweigen.

Do. 12.

Der Herr ist nach Sion gekommen, um in erster Linie die armen und gedrückten Men­schen zu trösten. Daher sucht Er heute mor­gen das untere, eng eingeschlossene Stadt­viertel auf und heilt hier mehrere Kranke in ihren Hütten, meistens Gichtkranke und Lahme. Die Pharisäer schicken alle Kran­ken in diesen halb verfallenen und vernach­lässigten Ort, wo sie kaum frische Luft schöpfen können. Jesus und die Jünger be­schenken hier die armen Leute mit allem, was sie bei sich haben an Geld, Tüchern und Zeugbahnen, denn sie selbst bedürfen nichts, da sie in Naim alles wieder erhalten können.

Im Kreis der heiligen Frauen

Landbau-Stadt Naim

Nachmittags wandert Jesus mit den Jüngern nach Naim. Bei einem Brunnen vor der Stadt kommen Ihm mehrere Jünger und Ein­wohner, auch der Jüngling Martialis, den Er am 18. November vom Tode erweckt hatte, entgegen. Nach der Fußwaschung und dem Imbiß und der Wechslung der Kleider und Sandalen, lehrt der Herr hier am Brunnen kurze Zeit und kehrt dann in Seine eigene Herberge ein, die Er in Naim besitzt. Sie ist in einem der Gebäude der Witwe Maroni eingerichtet.

Hierauf begibt Er Sich mit den Jüngern zum Wohnhause der Witwe selbst. Die Frauen Maroni, Martha, Magdalena, Vero­nika, Johanna Chusa und die Suphanitin Mara treten Ihm verschleiert in der Halle des inneren Hofes entgegen und werfen Sich vor Ihm nieder. Er begrüßt sie und be­gibt Sich mit ihnen in den Saal. Hier nehmen die Frauen auf Kissen und Teppichen auf einem erhöhten Gestell Platz und sprechen nicht eher mit Jesus, bis Er das Wort an sie richtet, und auch dann redet eine nach der anderen. Sie erzählen unter anderem von Jerusalem und von Herodes, daß er Jesu nachgestellt habe; und es kommt ab und zu vor, daß Jesus den Finger erhebt und ihnen die weltliche Sorge und das Richten über andere verbietet.

Der Herr Seinerseits erzählt von Cypern und von denen, die dort die Wahrheit er­kannt hatten. Mit besonderer Liebe spricht Er von dem römischen Gouverneur in Sa­lamis; und da die Frauen meinten, es sei doch besser, wenn dieser auch nicht länger dort bleibe, verneint dies der Herr, denn jener müsse dort noch vielen helfen bis zur Zeit, da Er Selbst Sein Werk vollendet habe und ein anderer dorthin komme, der statt dieses Gouverneurs ein Freund der Ge­meinde sein werde (offenbar Sergius Pau­lus, Apg. 13, 7-12). Zuletzt erzählt Jesus auch die Bekehrung der heidnischen Prie­sterin Merkuria, und die Frauen weinen vor Rührung über die ergreifende Schilderung Jesu.

Fr. 13.

Nachdem der Herr am Vormittag einige Leute in Naim besucht hat, begibt Er Sich in den Garten der Maroni, und die heiligen Frauen wandeln hier einzeln mit Ihm und empfangen Seine Ratschläge für ihr Innen­leben und für ihre Arbeiten im Dienste des Apostolates und der Gemeinde.

Wenn sie zusammen sind, nähen und wirken sie und bereiten allerhand zu für die Ge­meinde, was an die einzelnen Jünger­herbergen und Vorratskammern verteilt wird, von wo aus die Jünger und Apostel es wieder zu eigenem Gebrauch und zum Aus­teilen an die Armen in Empfang nehmen. Auch arbeiten die Frauen, wenn sie das Nötige fertig gestellt haben, für die armen Synagogen. Sie haben gewöhnlich ihre Die­nerinnen bei sich, die vorausgehen und fol­gen und die Sachen teils in schlauchartigen Ledertaschen, teils um den Gürtel unter dem Mantel tragen. Treffen die Frauen zu etwas längeren Aufenthalten, wie z. B. hier in Naim, zusammen, so gehen die Mägde weiter und warten in bestimmten Herbergen un­terwegs.

Zu Mittag speist Jesus in Seiner Herberge. Als Er zum Beginn des Sabbats die Synagoge besucht, besteigt Er nicht den Lehrstuhl, sondern stellt Sich mit den Jüngern dort auf, wo die reisenden Lehrer zu stehen pfle­gen. Die Rabbiner aber begrüßen Ihn und nötigen Ihn nach Verrichtung der litur­gischen Gebete, vor die aufgelegten Rollen zu treten und zu lesen. Jesus liest die fällige Lektion von der Weihe der Leviten, von der Wolkensäule, von der Wanderung in der Wüste und von der Bestrafung des Aaron und der Maria (Num. 8-13) ; und da bei der Lesung aus dem Propheten Zacharias (2, 10-4, 8) von der Erwählung der Hei­den und dem Messias die Rede ist, so knüpft Jesus hieran an und verkündet, daß die Hei­den im Reiche des Messias an die Stelle der verhärteten Juden treten würden. Dann lehrt Er vom Messias, daß sie Ihn nicht er­kennen würden, und Er ganz anders erschei­nen werde, als sie Ihn erwarten.

Nun erheben sich drei dicke Pharisäer, die auch bei jener Untersuchungskommission zu Kapharnaum (vgl. 30. Jan. 33) gewesen, beginnen zu streiten, beschuldigen den Herrn, den Pharisäer zu Thaanach nur ge­heilt zu haben, damit man Ihm dort durch die Finger sehe, und fordern Ihn schließlich auf, Sich ruhig zu verhalten und den Sabbat nicht durch Heilen zu stören, ja Sich über­haupt zurückzuziehen und die Unruhen zu vermeiden. Jesus entgegnet, Er werde tun, was Seines Amtes sei, wandeln und lehren, bis Seine Zeit erfüllt sei, und bringt sie und die anderen Gegner durch Seine weiteren Aussprüche zum Schweigen. Sie aber laden Ihn hier in Naim zu keiner Mahlzeit ein in ihrem heimlichen Ärger, weil Seine Lehre und Seine Liebe alle Armen, Elenden und Einfältigen, ja alle Laien zu Ihm hinreißen.

Sa. 14.

Am Morgen geht der Herr mit den Jüngern um die Stadt herum durch Alleen und über Felder spazieren, unterbrochen von kurzen Aufenthalten an schattigen Lustplätzen mit Terrassen. Er spricht mit ihnen sehr ernst und vertraut von Seiner Zukunft, ermahnt sie zur Treue, bittet sie, sich dann nicht an Ihm zu ärgern, und verspricht ihnen, daß auch Er sie nie mit Seiner Macht verlassen werde. Sein Leiden aber bezwecke auch, ihren Glauben zu prüfen. Alle sind sehr bewegt und weinen.

Hierauf begibt Er Sich mit ihnen zum Lust­park der Maroni, erzählt in einer Laube, in der sie um Ihn sitzen, und an deren Seiten die Frauen zuhören, wieder von Seinen Er­lebnissen auf Cypern und zuletzt von der Merkuria, die zur Syrophönizierin kommen wird, welche sieh ihrerseits bereits rüstet, Ornithopolis zu verlassen. Hierauf speist Er mit ihnen und stärkt alle geistig in ihrem Wandel der Nachfolge (L. 8, 1-3).

Nachher empfängt Er noch Besuche anderer guter Leute, die alle ihre Kümmernisse vor­tragen, denn sie werden von den Pharisäern sehr gedrückt und belastet. Er tröstet sie und läßt ihnen Geschenke verabreichen.

Auf dem Wege zur Synagoge gegen Sabbat­schluß heilt Er aufgebahrte Kranke, wor­über die hinzukommenden Pharisäer ein großes Geschrei erheben wegen Verletzung der Sabbatruhe. Er bezichtigt sie der Heu­chelei und Bedrückung der Armen, bringt sie zum Schweigen und predigt in der Syna­goge über das Murren und von den Zeiten des Messias, daß da viele Heiden zum Volke Gottes kommen werden.

Abends beginnt der neue Monat Thamuz.

Levitenstadt Rimon

So. 15.

Eine Stunde nordöstlich empfangen Ihn die Leviten an der Schule zu Rimon, wo Er zuerst die Jünglinge und Knaben belehrt und dann die Jungfrauen in ihrer Schule über die allgemeinen Pflichten aus dem Gesetz. Auf einem freien Platz vor der Schule spricht Er zu den Bewohnern des Ortes, die größtenteils Gärtner und Winzer sind, und zu Leuten, die Ihm von Naim hier­her nachgefolgt sind.

Bauernort Beth-Lechem

Nachdem Jesus noch in Rimon eine kurze Mahlzeit eingenommen, wandert Er, von den Leviten ein Stück Weges begleitet, nach Beth-Lechem, wo Er in den Bauernwohnungen mehrere Kranke heilt, tröstet und be­lehrt.

Gartenstadt Azanoth

In der Dämmerung erreicht Er die Jünger­herberge zu Azanoth, wo Ihn Freunde aus Kapharnaum erwarten und auf die übliche Empfangsart erquicken. Es sind Jairus und seine Tochter, die verwandte Frau der ge­heilten Enue und Lea zugegen. Er speist und lehrt dann im vertrauten Kreise bis in die späte Nacht.

Jüngerherberge bei Damna

Mo. 16.

Nachdem die Freunde nach Kapharnaum abgereist sind, und der Herr noch in der Synagoge von Azanoth und auf einem Lehr­hügel gelehrt und mehrere Kranke in Pri­vathäusern geheilt hat, wandert Er nachmit­tags zur Jüngerherberge bei Damna, wo Ihn Lazarus und die beiden Neffen Josephs von Arimathäa erwarten. Er umarmt bei der Begrüßung den Lazarus, was Er sonst nur gegenüber den älteren Aposteln und Jün­gern zu tun pflegt. Er spricht im Kreis die­ser Freunde von der Ansiedlung der cypri­schen Bekehrten und erwähnt hierbei die Apostel Jakobus Minor und Thaddäus, die augenblicklich in Gessur weilen, um die dort angekommenen sieben heidnischen Philosophen von Cypern zu empfangen und zu führen. Mit Lazarus bespricht Er noch lange allein die Unterbringung gewisser Leute von Cypern.

Letztes Wirken in Kapharnaum

Dorf Serobabel

Di. 17.

Mit Lazarus und den Jüngern besucht der Herr das Landgut und Dorf des königlichen Beamten Serobabel von Kapharnaum, wird in der hiesigen Jüngerherberge von einigen älteren Jüngern und Nathanael Kana bewill­kommnet, lehrt in der Dorfschule von der Ankunft des Messias und der Nähe des Reiches und fleht und ermahnt zur Bekeh­rung. In den umliegenden Häusern heilt Er Kranke und einige melancholische, stumme Besessene, speist mit den Gefährten in der Herberge, empfängt den Besuch von Sero­babel und vom Hauptmann Cornelius mit dessen geheiltem Knecht und macht mit ihnen einen Spaziergang in die naheliegende Tierschlucht.

Haus Mariä bei Kapharnaum

Von hier aus begibt Sich Jesus mit Seinen achtzehn Begleitern zum Hause Seiner Mut­ter, wo die Frauen von Naim bereits ein­getroffen sind. Diese gehen Ihm aber nicht entgegen, auch Maria nicht, sondern erwar­ten Ihn im Hause. Er tritt gereinigt und ab-geschürzt in den großen Raum, in welchem an einer Seite viele Kämmerchen abgezeltet sind. Maria tritt Ihm entgegen und reicht Ihm, das verschleierte Haupt demütig sen­kend, die Hand, da Er die Seinige bietet. Er begrüßt sie freundlich und ernst. Die an­deren Frauen stehen verschleiert etwas zu­rück in einem Halbkreis. Sie beugen sich tiefer, und der Herr begrüßt jene zuerst, die Er noch nicht zu Naim gesehen hatte.

Hernach speist Jesus mit Maria allein. Ein kleiner Tisch steht zwischen Ihnen. Er liegt an der einen Seite desselben, und Maria sitzt gegenüber. Es stehen Honig, ein Fisch, Brot, Kuchen und zwei kleine Krüge auf dem Tisch. Die anderen Frauen sind teils zu zwei und drei in den abgezelteten Kammern, teils in einer Seitenhalle mit der Mahlzeit der Jünger beschäftigt.

Jesus erzählt Seiner Mutter von Cypern und den gewonnenen Seelen. Sie freut sich still und fragt nicht viel. Nachher erzählt sie ein­zelne Erlebnisse aus der Zeit Seiner Ab­wesenheit und spricht, von mütterlicher Sorge erfüllt, von der Gefahr Seiner Zu­kunft. Er weist sie sanft zurück, sie solle die Absicht Gottes ruhig anbeten, Er müsse Seine Sendung erfüllen, bis Seine Zeit der Aufnahme zu Seinem Vater erfolge. Ab­wechselnd werden einige der heiligen Frauen zu diesem Gespräch gerufen und sitzen neben Maria, wenn der Herr lehrt und er­zählt.

Mi. 18.

Den ganzen Tag hindurch kommen viele Jünger und andere Leute aus der Gegend von Bethsaida, Kapharnaum und Julias zu Jesus, um Ihn zu begrüßen und mit Ihm zu sprechen. Einige Jünger, die von Judäa ge­kommen sind, melden die Ankunft von Schiffen mit zweihundert cyprischen Juden in Joppe. Barnabas und Mnason nehmen sie dort in Empfang. Johannes betreibt bei Juta und Hebron Vorkehrungen zur Unter­kunft dieser Cyprier. Die Essener überneh­men ihre Versorgung. Sie werden einstwei­len in Höhlen untergebracht, bis ihre Ver­teilung geordnet ist.

Lazarus, Johannes Markus und die Simeons­söhne reisen nach Judäa ab, um mit Hilfe der Syrophönizierin für die Ansiedlung der Juden von Ornithopolis, südlich von Ramoth-Galaad, Sorge zu tragen (siehe 29. April 33).

Die heute abend bis dreißig zählenden Jün­ger im Hause Mariä übernachten teils in Petri Haus, teils in Bethsaida und teils im Lehrhaus zu Kapharnaum.

Haus Petri vor Kapharnaum

Do. 19.

Vormittags besucht der Herr mit einigen Jüngern Petri Frau, Schwiegermutter und Tochter und heilt einige arme Kranke, die in den Seitengebäuden zur Pflege aufge­nommen sind.

Kapharnaum

Hierauf besucht Er in der Stadt den Tep­pichhändler am Marktplatz, vor dessen Haus Er am 11. April dieses Jahres den vierjähri­gen Knaben gesegnet und den Jüngern vor­gestellt hat. Er unterhält Sich mit den Kin­dern des Hauses und heilt einige von ihnen.

Aus diesen Kindern gehen später Jünger hervor, und einer von ihnen weilt in Caesa­rea, als Paulus dort gefangen gehalten wird (Apg. 23, 33 ff.).