Während 50 Jahren lebte sie (Marthe Robin) nur von der hl. Kommunion

Marthe Robin (1902-1981) ist eine der größten stigmatisierten Mystikerinnen des 20. Jahrhunderts. Jeden Freitag durchlebte sie das Leiden und den Tod Christi – auf ihrem Körper erschienen dann die blutenden Wunden des Erlösers. Was die Wissenschaft und öffentliche Meinung jedoch am meisten verblüffte, war die Tatsache, dass die einzige Nahrung, die Marthe Robin 50 Jahre lang zu sich nahm, der eucharistische Jesus war.

Die Kindheit

Marthe Robin kam am 13. März 1902 in Frankreich zur Welt, und zwar in Châteauneuf-de-Galaure, Département Drône. Die Taufe empfing sie in der Pfarrkirche Saint-Bonnet. Sie hatte 5 ältere Geschwister, vier Schwestern und einen Bruder. Die Eltern hatten einen Bauernhof. Marthe’s Vater war ein arbeitsamer und solider Landwirt. Die Mutter war eine fromme und fröhliche Frau.

Im Jahre 1903 wurde die ganze Region vom Typhus heimgesucht, worauf hin sehr viele Menschen starben. Auch die kleine Marthe erkrankte. Sie erholte sich zwar, aber ihre Gesundheit wurde ernsthaft angegriffen. Aus gesundheiltichen Gründen konnte sie oft nicht zur Schule gehen, sodass der Pfarrer sie zu Hause auf die Erstkommunion vorbereiten mußte. Am 15. August des Jahres 1912 fand für Marthe ein großes Ereignis statt. An diesem Tag empfing sie Christus zum ersten Mal in der Heiligen Kommunion. Nach Jahren bekannte sie: „Ich glaube, dass der Herr mich im Augenblick meiner Erstkommunion in Besitz nahm. Das Herz Jesu fing an, in meinem Herzen zu schlagen.”

Marthe hatte ein sehr gutes Gedächtnis, sie konnnte sich Dinge sehr schnell merken und das Lernen fiel ihr sehr leicht. Leider mußte sie im Alter von 14 Jahren ihre Schullaufbahn beenden, weil sie den Eltern auf dem Hof aushelfen mußte. Sie war ein heiteres und fröhliches Kind; sie liebte Blumen, arbeitete sehr gern in der Küche und im Garten; sie mochte auch die Volkslieder und Tänze bei abendlichen Zusammenkünften unter Nachbarn.

Die fortschreitende Lähmung

Im Mai 1918 begann die 16 jährige Marthe, unter schlimmen Kopfschmerzen zu leiden. Am 25. November desselben Jahres fiel sie in Anwesenheit ihrer Mutter in der Küche plötzlich um. Von diesem Augenblick an lag sie 20 Monate lang im Koma. Die Ärzte waren ratlos, denn sie konnten keine Krankheit diagnostizieren. Die Eltern befürchteten, Marthe würde in Kürze sterben. Keiner war sich dessen bewußt, dass es sich dabei um ein „mystisches Koma” handelte, währenddessen Jesus Marthe geistig darauf vorbereitete, Botschafterin Seiner Liebe und unendlichen Barmherzigkeit zu werden. Zum Erstaunen und zur Freude aller wachte das Mädchen eines Tages auf und führte das Gespräch genau an dem Punkt weiter, an dem es vor 20 Monaten unterbrochen worden war, als Marthe in den mystischen Schlaf sank. Von da an konnte Marthe sich nur noch mit Krücken vorwärtsbewegen. Mit der Zeit schritt die Krankheit weiter fort. Marthe war innerlich davon überzeugt, dass die wichtigste Mission ihres Lebens darin bestand, für andere zu leiden. Sie lernte von Maria, Jesus vollkommen zu glauben und zu vetrauen. Sie hatte nur einen Wunsch: bis zum Ende den Willen Gottes zu erfüllen.

Am 15. Oktober 1925, dem Gedächtnistag der hl. Therese von Avila, schrieb Marthe einen Akt des Vertrauens und der vollkommenen Hingabe ihres Lebens an Gott. Es war ein privater Akt der Konsekration, der Vermählung mit Christus, der Übergabe ihrer selbst  als „Liebesopfer” und zugleich ein bewegender Liebesbrief an Gott. Hier einige Fragmente daraus: „Herr, mein Gott! Du hast Deine kleine Dienerin um alles gebeten… Oh Geliebter meiner Seele! Ich sehne mich nur nach Dir und für Deine Liebe entsage ich allem… Gott der Liebe! Nimm mein Gedächtnis und alle meine Erinnerungen. Nimm meinen Verstand und bewirke, dass er nur zu Deiner größeren Ehre dient… Nimm meinen ganzen Willen… Nimm meinen Leib und alle meine Sinne, mein Gehirn und alle seine Fähigkeiten, mein Herz und alle seine Gefühle… Oh Gott meiner Seele! Oh göttliche Sonne! Ich liebe Dich… Verbirg mich in Deinem Innern… Nimm mich mit Dir mit. Ich will nur in Dir leben.” Viele Mystiker berichteten, dass sie als Zeichen ihrer Vermählung mit Christus einen goldenen „mystischen Ring” von Ihm erhielten. Marthe bekannte, dass sie diesen Ring 12 Mal auf ihrem Finger gesehen hat.

Nach diesem Akt der vollkommenen Hingabe an Jesus geschahen seltsame Dinge mit Marthe. Am 3. Oktober 1926, dem Tag zur Ehren der hl. Therese von Lisieux, fiel die 24 jährige Marthe in einen mystischen Schlafzustand, der 3 Wochen dauerte. Nach dem Erwachen gestand sie ihren Eltern, dass sie in dieser Zeit großes Leid erfahren hat, das paradoxerweise gleichzeitig eine Erfahrung der Liebe Gottes war. Sie gestand: „Wenn wir leiden, dann ist dies eine Schule der Liebe, damit wir stärker lieben.” In dieser Zeit besuchte sie die hl. Therese von Lisieux drei Mal, um ihr mitzuteilen, sie solle sich der Mission annehmen, auf der ganzen Welt „Brennpunkte der Liebe” zu entfachen.

Die Lähmung der Beine schritt bei Marthe indes so weit voran, dass sie sich nicht mehr aus eigenen Kräfte zu bewegen vermochte. Ab dem 2. Februar 1929 breitete sich die Krankheit auch auf ihr Hände, ihre Schultern und die Muskeln der Speiseröhre aus. Von diesem Moment an konnte sie nicht mehr schlucken und war deshalb nicht mehr in der Lage, etwas zu essen oder zu trinken. Man mußte sie ins Bett legen, welches sie bis zum Augenblick ihres Todes am 6. Februar 1981 nicht mehr verließ.

Das Wunder der Eucharistie

Marthe wurde von Dr. Jean Dechaume betreut, der Professor an der medizinischen Fakultät in Lyon war, sowie von Dr. André Ricard. In ihrem Bericht über den Gesundheitszustand von Marthe Robin schrieben die beiden Ärzte, dass am 2. Februar des Jahres 1929 gegen Mittag die Beine und Füße der Kranken bewegungsunfähig wurden und versteiften. Die Lähmung befiel ebenfalls die Muskeln der Speiseröhre, deshalb konnte Marthe keine Nahrungsmittel und Getränke zu sich nehmen, zudem schlief sie auch nicht mehr. Die Tatsache, dass Marthe lebte, obwohl sie überhaupt nicht aß, blieb für die Wissenschaft ein Rätsel. Die Wissenschaftler stellten überdies fest, dass weder emotionale, noch psychische oder rationale Zustände, Ursache für diese vollkommenen Bewegungsunfähigkeit bei der jungen Frau waren. Man konnte auch einen Nervenanfall, einen Gehirntumor und Epilepsie ausschließen. Die Ursache von Marthes Krankheit blieb für die Medizin ein großes Geheimnis.

Paul Ludwig Couchoud, ein atheistischer Philosoph und Arzt aus Wien, der aufgrund der Informationen über Marthe Robin neugierig geworden war, fuhr zu ihr hin, um selber beurteilen zu können, ob all das, was man über ihr mystisches Leben, ihre Stigmata und die Eucharistie als ihre einzige Nahrung erzählte, der Wahrheit entsprach. Nach vielen Schwierigkeit gelang es ihm, dank der Intervention des Bischofs selber, sich mit Marthe zu treffen. Rasch entwickelte sich zwischen den beiden eine geistige Freundschaft und der Gelehrte wurde zum häufigen Gast im Hause Robin. Dr. Couchoud stellte fest, dass Marthe Robin eine Lähmung am ganzen Körper erfahren hatte, die so stark die Muskeln der Speiseröhre blockierte, dass sie nicht einmal in der Lage war, einen Tropfen Wasser zu schlucken. In seinem medizinischen Bericht schrieb der Arzt, dass das, was ihn am meisten erstaunt hatte, die Art und Weise war, wie Marthe die Heilige Kommunion empfing. Sie schluckte die Hostie nicht, denn durch die Muskelblockade war dies nicht möglich. Die Hostie drang auf geheimnisvolle Art und Weise in ihr Inneres.

Marthe interessierte sich nicht besonders für das andauernde Hungern, welches ihr, wie sie sagte, Jesus auferlegt hatte. Sie trank und aß nichts, weil es ihr physisch nicht möglich war, da ihr Körper vollkommen gelähmt war. 50 Jahre lang kam sie ohne irdisches Essen aus, doch sie konnte nicht ohne die Eucharistie leben.

Die Eucharistie war für Marthe das wichtigste Ereignis und die einzige Nahrung, die sie am Leben erhielt. Sie empfing die Heilige Kommunion nur einmal in der Woche, am Dienstag, und in den letzten Wochen ihres irdischen Lebens am Mittwochabend. An dem Tag, an dem sie Jesus in der Kommunion empfangen sollte, betete sie vom frühen Morgen an und wiederholte ihren Akt der Liebeshingabe an Christus vom 15. Oktober des Jahres 1925. An diesem Tag empfing sie auch das Beichtsakrament. Nach dem Kommunionempfang stieß sie einen leisen Schrei des Entzückens und der Freude aus und fiel in eine Extase, die in der vollkommenen Vereinigung mit Gott bestand. In diesem Zustand strahlte Marthes Gesicht überidisches Glück und überirdische Schönheit aus. So drückte sie es im Gebet aus: „Ich bin so glücklich, oh mein Geliebter, weil ich fühle, dass mein Herz in Deinem schlägt, weil ich Dich in meinem Herzen fühle, Dich den Lebendigen und Allmächtigen. Der Herr in mir – was für ein Mysterium! Ich fühle mich wie im Paradies. Eines Tages werde ich sterben Dich fühlend, oh mein Jesus, wie Du in meinem Herzen schlägst. Oh mein Jesus, bewirke, dass man eines Tages sagt, dass Deine Liebe mich verzehrt hat, nicht aufgrund meiner eigenen Anstrengungen, sondern aufgrund Deiner Gnade… Oh mein Gott, wenn Du mir schon jetzt solch einen Frieden schenkst, mich auf dieser Erde so glücklich machst, was wird dann im Himmel sein?”

Mystiker, die sich in Extase befinden, haben einen unmittelbaren Kontakt mit Gott und verlieren die Bindung an die Welt. Marthe erklärte, dass man nicht sagen könne, dass während ihrer mystischen Zustände ihre Seele sich vom Körper lösen würde; sie werde vielmehr auf eine seltsame Art und Weise erhoben: „Gott erscheint zunächst in Bangigkeit. Es ist etwas so Neues, dass man es nicht ausdrücken kann! Dann erfahre ich Frieden, es ist ein zeitenthobener Zustand. Ich weiß nicht, wann genau es geschieht. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll… Es geschieht außerhalb von mir und zugleich in mir. Ich bin erhoben. Ich wehre mich umsonst, ich bin in Liebe erhoben. Es besteht jedoch keine Notwendigkeit darin.”

Die Extase endete erst am Tag nach dem Kommunionempfang und Marthe kehrte ins normale Leben zurück. Am wichtigsten waren für die Mystikerin das Glaubensleben, ihre persönliche Liebesbeziehung zu Jesus, und nicht die übernatürlichen Zustände und Erlebnisse. So wie der hl. Johannes vom Kreuz war sie der Meinung, dass wir nicht nach übernatürlichen geistigen Erlebnissen streben sollten, denn die geistige Wüste, die dunkle Nacht des Glaubens sind die wertvollsten Geschenke, die es uns ermöglichen, zusammen mit Jesus den Kreuzweg zu gehen und für die Liebe im Himmel zu reifen. Wir werden diesen Weg aber nur dann gehen können, wenn unsere wichtigste geistige Nahrung Jesus in der Eucharistie ist.

„Wenn ich die Heilige Kommunion empfange,” sagte Marthe Robin, „dann geschieht dies so, als ob eine lebendige Person in mich dringen würde… Sie benetzen mir die Lippen, aber ich kann nichts herunterschlucken. Die Hostie dringt in mich, aber ich selber weiß nicht, wie es geschieht. Die Eucharistie ist keine gewöhnliche Nahrung. Jedes Mal ergießt sich neues Leben in mich. Jesus ist in meinem ganzen Körper, als ob ich auferstehen würde. Die Heilige Kommunion ist viel mehr als nur eine Vereinigung: sie ist die Verschmelzung in Eins…Ich möchte es all denjenigen, die mich immer wieder fragen, ob ich tatsächlich nichts esse und nichts trinke, herausschreien, dass ich mehr als sie esse, denn ich ernähre mich mit der Eucharistie des Leibes und Blutes Jesu. Ich möchte ihnen sagen, dass sie selber die Effekte dieser Nahrung bei sich blockieren.”

Das, was alle am meisten erstaunt, insbesondere aber die Wissenschaftler, ist die Tatsache, dass Marthe vom Augenblick der vollständigen Lähmung ihres Körpers im Jahre 1929 an bis zu ihrem Tod im Februar des Jahres 1981, also mehr als 50 Jahre lang, nichts gegessen, nichts getrunken und überhaupt nicht geschlafen hat,  ihr Körper jedoch vollkommen normal fonktionierte. Ihre einzige Nahrung war die Heilige Kommunion. Christus wollte durch dieses wunderbare Zeichen, nämlich das fortwährende eucharistische Wunder, allen Menschen aufzeigen, welch ungeheure Macht die Heilige Kommunion besitzt, wenn man sie mit tiefem Glauben empfängt.

Durch das Beispiel der Marthe Robin erinnert uns Jesus daran, dass wir das wahre Leben nur dann empfangen, wenn wir Seinen Leib und Sein Blut in der Eucharistie zu uns nehmen. Durch dieses aufsehenerregende Wunder möchte uns Jesus zu einem inbrünstigen Glauben an die Eucharistie führen und uns klar machen, dass die Heilige Kommunion nichts anderes als Er selber in Seiner auferstandenen und verklärten Menschheit ist. Er gibt sich selber ganz hin, um mit uns die Fülle des Glaubens zu teilen: „(…) Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.” (Johannes 6, 53-54)

Sie litt mit Christus

Marthe hatte verstanden, dass wenn sie sich mit Christus in Liebe vereint, sie auch an Seinem Leiden zur Erlösung der Welt teilnehmen und einen geistigen Kampf mit den Mächten des Bösen führen muß. Im Oktober 1927 wurde sie erstmals durch einen Dämon angegriffen, der sich ihr in der Gestalt eines furchteinflößenden Tieres zeigte. Später kamen die bösen Geister in menschlichen Gestalten zu ihr, schüttelten sie, warfen sie im Bett herum und ohrfeigten sie.

Im Jahre 1930 erhielt Marthe von Jesus die Stigmata. Während des Gebetes sah sie etwas, was sich nur sehr schwer beschreiben ließ, eine Art „Feuerpfeil”, der wie eine „Lichtklinge” aus dem Herzen Jesu hervorging. Die Mystikerin erzählte über das geheimnisvolle Ereignis folgendes: „Jesus bat mich zunächst, ich möge Ihm meine Hände übergeben. Es kam mir so vor, als ob eine Pfeilspitze aus Seinem Herzen hervorkam, sich in zwei Strahlen teilte, von denen jeder eine meiner Hände durchbohrte. Zur selben Zeit wurden meine Hände aber auch von Innen durchbohrt. Dann ermunterte mich Jesus dazu, Ihm auch meine Füße zu übergeben, was ich sofort tat. Da sah ich eine Pfeilspitze, die sich ebenfalls in zwei Teile spaltete und meine Füße durchbohrte. All dies geschah sehr schnell. Daraufhin bat Jesus mich, Ihm meine Brust und mein Herz zu geben… Ihre Durchbohrung war noch intensiver… Jesus schenkte mir noch die Dornenkrone. Er setze sie auf meinen Kopf und drückte sie stark auf.”

Von diesem Ereignis an trug Marthe an ihrem Körper die Wunden des gekreuzigten Jesus. Und noch mehr: vor den Augen der Eltern bluteten diese Wunden reichlich. Woher kam so eine Menge Blut, da Marthe doch gar keine Nahrung zu sich nahm und jeder Flüssigkeitsverlust zu sofortigem Tod führen müßte? Die Ärzte waren ratlos, sie konnten all diese geheimnisvollen Vorgänge weder verstehen noch erklären.

Am 30. Dezember 1930 diktierte Marthe einen Brief mit folgendem Inhalt: „In diesem Jahr kam es zu einer intimen Vereinigung meiner Seele mit Gott. Ich habe eine geheimnisvolle und tiefgründige Wandlung erfahren. Trotz meiner Behinderung ist mein Glück tiefgehend und beständig, weil es göttlich ist. Was für eine Arbeit! Welch ein Aufstieg! Was für eine Agonie meines Willens war nötig, damit ich mir selber sterben konnte.”

Die behandelnden Ärzte schrieben in ihrem Bericht vom Oktober 1931, dass die Patientin anfing, jeden Freitag das Leiden Christi mitzuerleben: es erschienen auf ihrem Kopf, auf ihren Händen, Füßen und an der Seite die Wunden Christi, die reichlich bluteten.

Jeden Freitag erfuhr Marthe an ihrem Körper das Leiden und den Tod Jesu. Es war ein erschreckenden physisches und geistiges Leiden, hervorgerufen durch vollständiges Verlassensein und das Fehlen der Anwesenheit des Vaters, welches Jesus mit den Worten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?” (Matthäus 27, 46) ausdrückte. Dies war die letzte Konsequenz der Sünden aller Menschen, die Jesus freiwillig auf sich nahm, um sie zu tilgen und alle Menschen aus der Sklaverei des Satans zu erlösen. Marthe erlebte das Leiden zur Erlösung der Sünder zusammen mit Jesus. Ihr Mitleiden mit Christus erreichte seinen Höhepunkt in der Erfahrung des „Todes” am Kreuz, der jeden Freitag um 15°° Uhr erfolgte. Nach dem „Tod” erfuhr Marthe das Gericht, welches alle Menschen über sich werden ergehen lassen müssen. Nachdem das Gericht beendet war, durchlebte sie den Zustand der Trennung der Seele vom Körper und das Wartens auf die Auferstehung. Am Sonntagmorgen kehrte die Mystikerin auf  Weisung des Priesters wieder ins normale Leben zurück.

Durch ihre Vereinigung mit Jesus im Geheimnis des Leidens und des Kreuzestodes für die Erlösung der Welt wurde Marthe zum wahren Genie des geistlichen Lebens. Sie war ein Genie, was Lebensweisheit, das endgültige Ziel des menschlichen Lebens und die Wege, die dahin führen, anbetrifft. Diese französische Mystikerin war sich des großen Dramas beim Kampf des Guten mit dem Bösen im Herzen der Menschen bewußt. Sie wußte, dass die größte Tragödie des Menschen in der Sünde besteht sowie in einem Leben, geführt, als ob es Gott nicht gäbe. Es war für sie ganz klar, dass man zum Sklaven des Satans wird, wenn man in der Sünde lebt, und so auf die ewige Verdammnis zusteuert. Das geistige Genie Marthes beruhte darauf, dass sie am immerwährenden Akt der Erlösung, die Christus durch Sein Leiden, Seinen Tod und Seine Auferstehung vollbrachte, teilnahm. Um die Sünder vor dem ewigen Verderben zu bewahren und sie von dem Weg zur Hölle abzubringen, vereinte sich die Kranke mit Christus in Seinem Kreuzesopfer zur Erlösung der Welt. Sie opferte ihre Leiden und Gebete für andere Menschen auf, nahm ihre Leiden auf sich, um ihnen die Gnade der Bekehrung zu erlangen. Ihr Schmerz war besonders dann sehr stark, wenn sie die Anwesenheit Gottes nicht mehr spürte. Dieses Fehlen der Nähe Jesu war für sie die „Hölle”, sie erfuhr, welch großes Leiden die Sünde in Wahrheit ist. Marthe war mit Christus vereint, der für unsere Erlösung zur Sünde geworden ist, „damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.” (2 Korinther 5,21) Am Sonntagmorgen nahm die Mystikerin an der Freude über die Auferstehung Christi teil, am endgültigen Sieg über den Satan, die Sünde und den Tod. Das bedeutet, dass Marthe das ganze Drama unserer Erlösung, welches sich während jeder Heiligen Messe vergegenwärtigt, miterlebte. Auf diese Art und Weise möchte uns Jesus durch Marthe sagen: „Jedes Christenleben ist eine Heilige Messe und jede Seele auf dieser Welt ist eine Hostie. Nimm dich ganz, ohne Einschränkungen, und opfere dich zusammen mit Jesus, dem göttlichen Opferlamm, welches unaufhörlich für die Erlösung der Welt hingegeben wird, Gott auf.”

Sie führte alle zu Christus

Die Nachricht über die seltsame Krankheit Marthes und  ihre Stigmata verbreitete sich über die ganze Gegend. Immer mehr Menschen kamen, um diese ungewöhnliche Frau zu besuchen und sie um Rat und Gebet zu bitten. Insgesamt waren es mehrere tausend Menschen, die Marthe in ihrer Wohnung aufsuchten. Es waren Menschen, die hohe Ämter sowohl in der Kirche als auch im Staat inne hatten: Kardinäle, Bischöfe, Priester, Minister, Professoren, reiche Arbeitgeber, aber auch arme Arbeiter, Bauern, Menschen mit verschiedenen Süchten oder Selbstmordgedanken. Die Kranke erteilte den Hilfesuchenden sehr treffende Ratschläge, Antworten und Warnungen. Es gab für sie keine Frage ohne eine Antwort, kein Problem ohne Lösung, keine Situation ohne Ausweg. Den Verzweifelten und Leidenden, die sie aufsuchten, um Hilfe und Rat zu erbitten, sagte sie, dass sie die Last ihrer Probleme auf sich nehmen würde. Dergestalt konnte sie die Schuld dieser Menschen bei Gott abtragen. So nahm sie beispielsweise nach den Geständnissen einer Prostituierten ihr durch das sündiges Leben verursachte Leiden auf sich.

Sie führte alle zu Christus, der alle Wunden heilt, alle Schmerzen lindert und die schwierigsten Probleme löst. Manchmal änderte ein einziges Wort aus Marthes Mund das Leben der  Menschen. Sie empfing die Sünder mit dem größten Mitgefühl und liebte sie mit der Liebe Christi. Weil sie der Teufel mit den verschiedensten Versuchungen attackierte, kannte sie die Schwere der Schuld besser als der Schuldige selber. Deshalb nahm Marthe, kraft ihrer Vereinigung mit Christus im Gebet und in der Eucharistie sowie ihres freiwillig auf sich genommenen Leidens für die Sünder, den andauernden, siegreichen Kampf mit den Mächten des Bösen auf sich und entriss Tausende von Menschen aus ihrer Slaverei.

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Quelle

Erneuerung aus dem Geist der Mystik

Mystik braucht Stille und Einsamkeit. Das griechisch-orthodoxe Kloster des heiligen Georg in der Wüste von Judäa liegt am Weg des Pilgerprojektes «Zu Fuss nach Jerusalem».

Mystiker und Mystikerinnen sind Menschen, die in einer aussergewöhnlichen Unmittelbarkeit von Gott angerührt werden. Sie haben nicht nur eine persönliche Beziehung zu Gott, sondern erleben seine Gegenwart auch in der Tiefe ihrer Seele. Dieses Wirken Gottes ist Geschenk, nicht verfügbar. Es kann schmerzhaft oder auch sehr freudig erlebt werden. Auf jeden Fall gestaltet es den Menschen von innen her um. Gottes Gegenwart durchwirkt die ganze Person und gestaltet sie Gott gleich. Dabei ist entscheidend, dass sich der Mensch für Gottes Gegenwart bewusst offen hält. Wenn er eine grössere innere Berührung wahrnimmt, braucht er dieser Begegnung Raum und Zeit zu geben. Nur so kann sie sich entfalten. Daher suchen Mystikerinnen und Mystiker immer die Einsamkeit und die Stille. Nur sie erlauben, wirklich nach innen zu hören. So ist das mystische Erleben immer ein Zusammenspiel von Gott und Mensch, ist immer ein Bundesgeschehen, von zwei Bejahungen getragen.

Mystikerinnen und Mystiker suchen immer die Einsamkeit und die Stille.

Bruder Klaus muss schon sehr früh in seinem Leben eine Ahnung von Gottes Berührung gehabt haben. Mitten im Alltag zog er sich immer wieder zurück und suchte die Stille. Er wird herausgerufen aus dem Alltagsgeschehen und schneidet sich selbst ein Stück heraus. Bis es zur grossen Entwurzelung aus seiner Familie und dem öffentlichen Leben kommt. Simone Weil sagt: «Wer sich selbst entwurzelt, sucht tiefere Wirklichkeit.» Immer mehr hat Bruder Klaus die Wirklichkeit Gottes gesucht. Aus Gottes Wirklichkeit hat er einen neuen Blick auf die Wirklichkeit seiner Familie und seiner Gesellschaft erhalten. So ist er zum grossen Ratgeber, Seelsorger und Friedensstifter geworden.

Das mystische Erleben ist immer ein Zusammenspiel von Gott und Mensch, ist immer ein Bundesgeschehen.

Kleine Unterbrechungen im Alltag mit einem Hören nach innen können in jedem Menschen zu mehr Wirklichkeit führen. Kleine und grössere Einsamkeiten, fern von Unterhaltung und Berieselung, von geselligen Anlässen und freundlichen Banden, sind Voraussetzung, damit Gott sich einem Menschen unmittelbar schenken kann. Meister Eckhart meint sogar einmal: «Wer sich ganz für Gott leer gemacht hat, bei dem kann Gott nicht anders, als bei ihm einzutreten.» Der Rückzug des Menschen in Einsamkeit und Stille mag im ersten Augenblick asozial erscheinen. Er führt aber in eine Auseinandersetzung mit sich selbst und öffnet für Gottes Gegenwart. Der innere Raum, der sich bis zur mystischen Erfahrung öffnen kann, ist Ort der Reinigung im Feuer Gottes. Wer sie durchlebt, wird ausgebrannt und erlebt ein «Burn-out» im positiven Sinn: Alles Oberflächliche und Unnötige, aber auch alles Dunkle und Böse wird im göttlichen Feuer vernichtet. So stirbt der innere Schweinehund. Der Mensch
erlebt dies als psychischen und geistigen Tod. Es ist auch ein soziales Absterben. Um diese Radikalität bittet jeder, der mit den Worten von Bruder Klaus betet: «Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.»

Ein «Burn-out» im positiven Sinn: Alles Oberflächliche und Unnötige, aber auch alles Dunkle und Böse, wird im göttlichen Feuer vernichtet.

Wer aber wirklich in Gott hinein stirbt, wird ganz von Gottes Wirklichkeit erfüllt. Er erlebt Auferstehung am eigenen Leib und wird in Christus, den neuen Menschen, hineingenommen. Das göttliche Feuer der Liebe kann durch ihn wirken. Er predigt nicht mehr sich selbst mit all den eigenen Ungereimtheiten, so gut und ideal sie auch im ersten Augenblick scheinen mögen. Der Mystiker ist transparent und leer für Gott geworden. Gottes Geist spricht dann aus ihm. Die Reinigung des Innern schenkt dem Menschen Ausstrahlung. Die Einsamkeit und Stille erlaubt, einen Standpunkt ausserhalb der Alltagswelt einzunehmen. So nimmt er das Leben wie aus der Vogelperspektive wahr und blickt weiter. Die Bibel spricht hier von der Erhöhung zur Rechten Gottes. Erkenntnis, Weisheit und Rat vermag der aus Geist Geborene zu verbreiten.

Bruder Klaus hat dieses mystische Paradox in wunderbarer Weise gelebt, indem er in den Ranft hinabgestiegen ist: Erniedrigung und Erhöhung, Rückzug in Einsamkeit und Wirken in der Welt für den Frieden. Bruder Klaus zu verehren, in den Ranft zu pilgern und aus seiner Spiritualität zu leben heisst, in diese Logik einzuschwingen. Arbeit für den Frieden im Gesellschaftlichen setzt eben immer auch inneren Frieden voraus. Das ist kein leichter Weg. Er braucht Zeit und Geduld, Innerlichkeit und waches Aushalten des Alltagslebens, wie es ist.

Wer sich auf den Geist der Mystik einlässt, beginnt nämlich an Gottes Abwesenheit in der Welt zu leiden. Die punktuellen und kurzen Erfahrungen von Gottes unmittelbarer Gegenwart sind zwar überwältigend. Doch der Schmerz daran, dass so wenige Menschen Gott in der Welt einen Ort schenken, wird empfunden. Der Mystiker oder die Mystikerin zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er sich mit den Streitigkeiten und Ungerechtigkeiten, den Halbwahrheiten und Verzerrungen im Alltag, kurz: mit dem Alltagswahnsinn nicht abfindet. Er gewöhnt sich nicht an das vom Bösen durchseuchte Leben, wie die meisten Menschen. Sein Inneres hat Gottes Wirklichkeit gekostet, das Gute, Wahre und Schöne. Voll Sehnsucht streckt er sich danach aus. Eine Sprengkraft aus dem Innern entsteht.

Die Abwesenheit Gottes wird aber nicht nur in der Welt erlebt. Auch in der Kirche und in den religiösen Traditionen hat sich viel Allzumenschliches eingeschlichen. Dafür öffnen sich die Augen für den, der auf den Seelengrund absteigt. Oft verdrängt übertriebenes rechtliches oder doktrinäres Denken das Geheimnis der Gegenwart Gottes. Mystiker leiden daher besonders an veräusserlichter Religion. Ritualismus, Halbwissen und Verdrehen der Glaubenssubstanz führen ihn aber nicht aus der Kirche heraus. Das ist zu billig und hilft niemandem. Vielmehr sucht er die Erneuerung des Glaubens von innen her. In den letzten Jahrhunderten wurde in unseren Breitengraden gelernt, dass im Namen Gottes weder Krieg geführt noch Gewalt ausgeübt werden darf. Doch haben wir auch begriffen, dass die Kirche von innen gereinigt werden muss? Es braucht ein Bemühen, aus dem Geist der Mystik die religiöse Tradition neu zu leben. Nur wenn Gefässe für die unmittelbare und tiefe Gegenwart Gottes lebendig gehalten werden, wird das Christentum zum Frieden beitragen. Den Islam und andere Religionen zu kritisieren genügt bei weitem nicht. Es braucht in der Kirche ein Bemühen, aus dem Geist der Mystik die religiöse Tradition neu zu beleben.

Zugang zu mehr Wirklichkeit entsteht aus gelebter Frömmigkeit, Spiritualität und Mystik, die die sognannte linke und rechte Kirchenpolitik unterlaufen. Die Erneuerung kommt aus einem Standpunkt ausserhalb, der gefunden wird an der Quelle des Evangeliums. In Einsamkeit und Stille kann die geistliche Lektüre die Frohbotschaft neu erschliessen. Nicht Apologie und Selbstbehauptung der eigenen Glaubenswahrheit hilft weiter, sondern ein Sich-neu-Ergreifen-lassen von Gott und seinem Geist. Der Geist Christi aber weht, wo er will.

Christian Rutishauser

 

P. Dr. Christian M. Rutishauser SJ, Provinzial der Schweizer Jesuiten, 2001 – 2012 Bildungsleiter im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn, Zentrum für Spiritualität, Dialog und Verantwortung. Exerzitien- und Kontemplationsleiter. Lehraufträge für Jüdische Studien; kirchliche Gremienarbeit für die Beziehung mit dem Judentum;
Pilgerprojekt 2011 «Zu Fuss nach Jerusalem» (Buch im Patmos-Verlag erschienen).

 

Rundbrief des Bruder-Klausen-Bundes

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Quelle

„Ich habe Petrum als Hirten und Hüter aller meiner Schafe eingesetzt. Du aber bist ein Zerstreuer und Zerreißer dersel­ben.“

Mir ist dieser Tage ein Buch in die Hände gefallen mit dem Titel „Die Gerechtigkeit Gottes – Visionen der heiligen Brigitta von Schweden“, ausgewählt und zusammengestellt von Helmut Friedlmayer, entnommen aus „Leben und Offenbarungen der hl. Brigitta“. Neu bearbeitet, übersetzt und herausgegeben von Ludwig Claus. Regensburg 1856. 1992 als Broschüre herausgegeben vom Verlag „Pro Fide Catholica“.

Daraus zitiere ich folgenden für uns besonders wichtigen Abschnitt:

 

Worte des Schöpfers vor den himmlischen Heerscharen und der Braut; wie er über fünf Männer klagt, nämlich über den Papst und seine Geistlichen; von den bösen Laien und den Juden und Heiden; von der Hilfe, welche er seinen Freunden sendet, unter denen alle Menschen verstanden werden; von dem schrecklichen Urteile, das wider die Feinde gefällt worden:

Ich bin der Schöpfer aller Dinge. Ich bin vor dem Morgenstern vom Vater gezeugt und unzertrennlich im Vater, wie der Vater in mir, und ein Geist ist in beiden. Deshalb sind der Vater, der Sohn und der Geist ein Gott, nicht drei Götter. Ich bin’s, der ich dem Abraham eine ewige Herrschaft verheißen und durch Moses mein Volk aus Ägypten geführt habe. Ich bin derselbe, der in den Propheten geredet. Der Vater hat mich in den Leib der Jungfrau gesendet, sich aber nicht von mir getrennt, sondern ist unzertrennlich bei mir geblieben, auf daß der Mensch, der von Gott weicht, durch meine Liebe zu demselben zurückkehrt.

Jetzt aber, vor meinen anwesenden Heerscharen, die ihr freilich alles in mir seht und in mir wisset, jedoch zur Erkenntnis und Belehrung der hier anwesend stehenden Braut, welche das Geistliche nur durch Körperliches zu fassen vermag, beklage ich mich in eurer Gegenwart über die fünf Männer, welche hier vor uns stehen, weil sie mich vielfach beleidigen. Denn, wie ich einst im (alten) Gesetze unter dem Namen Israel das ganze israelitische Volk verstand, so verstehe ich unter jenen fünf Männern alle Menschen in der Welt. Der Erste ist der Herrscher der Kirche mit seinen Geistlichen; der Zweite sind die bösen Laien; der Dritte die Juden; der Vierte die Heiden und der Fünfte meine Freunde. Von dir, o Jude, nehme ich alle aus, welche heimlich Christen sind und mir in aufrichtiger Liebe, im rechten Glauben und mit vollkommenem Werke im Verborgenen dienen. Von dir aber, Heide, nehme ich alle aus, welche gern auf dem Wege meiner Gebote einherwandeln möchten, wenn sie wüßten wie, und wenn sie unterwiesen würden, die aber auch mit dem Werke verrichten, was sie vermögen und wissen. Diese werden keineswegs mit euch gerichtet.

So klage ich denn über dich, du Oberhaupt meiner Kirche, der du sitzest auf meinem Stuhle, den ich Petrus und seinen Nachfolgern übergeben habe, um darauf zu sitzen in dreifacher Würde mit dreifachem Ansehen; erstens, damit sie die Macht hätten, die Seelen zu binden und von der Sünde zu lösen; zweitens, damit sie den Büßenden den Himmel öffneten; drittens, um den Verfluchten und Verächtern den Himmel zu verschließen. Du aber, der du die Seelen lösen und mir vorstellen solltest, du bist wahrhaft der Mörder der Seelen. Denn ich habe Petrum als Hirten und Hüter aller meiner Schafe eingesetzt. Du aber bist ein Zerstreuer und Zerreißer dersel­ben. Du bist ärger als Luzifer. Denn er war neidisch auf mich und trachtete nach nichts weiter, als mich zu töten, um an meiner statt zu herrschen. Du bist aber um so schlimmer, weil du nicht nur mich tötest, indem du mich durch deine argen Werke von mir stoßest, sondern auch die Seelen tötest du durch dein arges Beispiel. Ich habe die Seelen mit meinem Blute losgekauft und dieselben dir als meine treuen Freunde anvertraut. Du aber übergibst sie wiederum dem Feinde, von welchem ich sie losgekauft habe. Du bist ungerechter als Pilatus, welcher außer mir niemanden zum Tode verurteilte. Du aber richtest nicht allein mich, als einen, der keine Herrschaft hat, und als einen Nichtswürdigen, sondern verurteilst auch unschuldige Seelen und läßt die Schuldigen frei. Du bist grausamer als Judas, welcher mich nur verkaufte, du aber verkaufst nicht mich allein, sondern die Seelen meiner Auserwählten um schnöden Gewinn und für einen leeren Namen. Du bist abscheulicher als die Juden. Diese kreuzigten nur meinen Leib, du aber kreuzigst und strafst die Seelen meiner Auserwählten, denen deine Bosheit und Übertretung bitterer ist, als jegliches Schwert. Und deshalb, weil du Luzifer ähnlich, ungerechter als Pilatus, grausamer als Judas und abscheulicher als die Juden, beklage ich mich mit Recht über dich.

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Siehe dazu:

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

IV. Die Freunde und Anhänger Jesu

 

1. Die Mutter Jesu zur Zeit Seines Lehrwandels

Ihr ständiger Wohnort

Während des öffentlichen Lehrwandels Jesu bewohnt die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter mit ihrer Magd das nach dem Tode Josephs bezogene Haus zwischen Kapharnaum und Bethsaida. Es gehört dem reichen Levi, der nicht weit davon ein großes Haus bewohnt. Die Familie Petri hat es von ihm gepachtet und Jesu und Maria überlassen.

Das Haus ist geräumig und hat mehrere Nebengebäude, in denen zeitweise Besuche aus Nazareth, Sephoris und Jerusalem, alles Verwandte oder Freundinnen Mariä, und später auch Jünger Jesu wohnen; das Haus scheint deswegen ausgewählt zu sein.

Maria führt keinen Haushalt; sie hat weder Vieh noch Feld. Sie lebt als Witwe von den Gaben der Verwandten von Sephoris und anderer Freunde. Die Diener Levi’s ver­sorgen das Haus regelmäßig mit Lebens­mitteln aus Kapharnaum, säubern und pfle­gen Haus und Garten und bewachen bei Reisen Mariä das Grundstück. Mariä Be­schäftigung ist Spinnen, Nähen und Wir­ken mit kleinen Stäben; Beten, und andere Frauen trösten und unterrichten. Fast immer weilen Besucher bei ihr, doch nimmt sie manchen Besuch aus Nazareth und Jeru­salem, der weit hergekommen, nicht an.

Die Reisen Mariä

Gleich auf Jesu erster Reise im Anfang Juni 31 begleitet Ihn Maria ein Stück We­ges bis Nazareth, wo sie sich bei Ihrer Nichte, Maria Kleophä, zweiundzwanzig Tage bis zur Rückkehr Jesu aufhält. Als der Herr wieder in Nazareth eintrifft, reist sie mit Ihm, mit ihrer Nichte Maria Kleophä und mit achtzehn anderen Bekannten nach Ka­pharnaum zurück. Maria Kleophä läßt sich von nun an mit ihren beiden jüngsten Söhnen im Tale von Kapharnaum in der Nähe des Hauses Mariä nieder.

Einen Monat später trifft sich Maria mit Veronika, Johanna Chusa und Maria Markus (mit denen sie die jährlichen drei Pilger­reisen zum Tempel, zur Abrahams-Tere­binthe bei Bethlehem und zum Berge Kar­mel zu machen pflegt) in Nazareth, hört den Herrn in der dortigen Synagoge lehren, und vierzehn Tage später im Villenort zwischen Nazareth und Sephoris, wo Jesus zum Sab­bat hinkommt und predigt. Von hier aus besucht sie in Sephoris ihre Tante Mahara, die jüngste Schwester Anna’s und hört den Herrn in der großen Pharisäersynagoge predigen. Dort ist sie Augenzeuge, wie Er unter der Lehre mehrere Besessene heilt.

Im nächsten Monat September trifft sie sich mit Jesus wieder in Nazareth und vermittelt eine Unterredung Jesu mit ihrer Nichte Maria Kleophä zwecks Jüngerannahme ihrer fünf Söhne.

Noch im selben Monat befindet sie sich mit ihren Freundinnen auf einer Reise nach Jerusalem. Sie gehen meist in einer Linie hintereinander auf den schmalen Fuß­gängerwegen, die durch die Gebirge führen. Sie gehen rasch, wie Leute, die weite Fuß­reisen gewöhnt sind. Sie haben die Röcke auf der Reise bis zur halben Wade geschürzt und die Beine von der Leibbinde ab bis zum Knöchel mit einer Binde umwickelt und tra­gen dicke, innen gefütterte Sandalen. Den Kopf bedeckt ein Schleier, der mit einem langen Tuche um den Nacken festgehalten wird. Das Tuch ist über der Brust gekreuzt, und um den Rücken laufend geht es in den Gürtel über. Sie tragen die Hände abwechselnd in dieser Binde ruhend. Sie haben zwei Fischerknechte bei sich, die das Ge­päck tragen, und zwar einen Sack auf der Brust und einen auf dem Rücken und einen Stab mit Gepäck auf der Schulter. Der voranschreitende Mann bereitet den Weg, öffnet die Zäune, räumt Steine hin­weg, legt Stege über Bäche und bestellt auch die Herberge. Der Nachschreitende bringt alles wieder in die vorige Ordnung. Im Familienschlosse des reichen Lazarus hört Maria die Lehren Jesu kurz vor Seiner Taufe und bleibt dann noch in Bethanien, wo sie mit den anderen Freundinnen ent­weder im Schlosse ihre übliche Handarbeit verrichtet oder Krankenbesuche macht; oder sie weilt als Gast bei den Freundinnen zu Jerusalem.

Auf der Heimreise kommt Martha, die Schwester des Lazarus mit, um bei Aruma die erste Jüngerherberge einzurichten. Zum Laubhüttenfest mietet Maria eine Herberge bei Groß-Chorazin, schmückt sie mit ihren Freundinnen zu einer Laubhütte zum Emp­fang Jesu, hört dessen öffentliche Volks­lehre auf dem nahen Lehrhügel und nimmt von Ihm rührenden Abschied vor Seinem vierzigtägigen Fasten.

Gegen Ende des Fastens Jesu ist Maria Gast im Hause des reichen Spediteurs Israel zu Kana und wohnt hier im Hause ihrer Cou­sine Sobe, der Tante des zukünftigen Bräuti­gams Nathanael aus Kapharnaum. Hier wird sie vom Herrn am letzten Tage Seines Fastens durch Seine Erscheinung in einer Vision übernatürlich getröstet und gestärkt.

Ende desselben Monats Dezember 31 weilt sie wieder in Kana und nimmt an der Hoch­zeit der Tochter Israels teil, bei der sie den Herrn auf das Fehlen der von Ihm für den zweiten Tischgang übernommenen Wein­spende aufmerksam macht.

Im März 32 begleitet .sie mit ihren Freun­dinnen den Herrn bis Dothaim, nimmt am Abschiedsmahl im Hotel teil und kehrt wieder heim. Ende des Monats reist sie über Nazareth und dem Landgut Lazari bei Ginäa nach Jerusalem, wo sie Jesus zum erstenmal im Tempel hört. Hier wohnt sie jetzt und auch später abwechselnd in Marthas Schloß Bethanien und in Lazari Stadthaus am Sion­berg, in welchem sie während ihres jetzigen Aufenthaltes mit dem Herrn das Ostermahl feiert.

Anfang Dezember 32 hört sie die große Bergpredigt des Herrn auf dem Lehrberg bei Bethsaida-Julias, reist von dort nach Kana und wird bei ihrer Rückkehr nach Kapharnaum bei der öffentlichen Lehre Jesu von der begeisterten Lea, der Schwäge­rin der geheilten Enue (Mt. 9, 20), selig gepriesen (L. 11, 27).

Ende des Monats ist sie bei der Bergpredigt bei Azanoth und Damna Zeuge der endgül­tigen Bekehrung Magdalena’s und reist An­fang Januar 33 mit dieser und den anderen Freundinnen über Dothan, wo sie beim alten Großkaufmann und jugendbekannten Issachar einige Tage zu Gast weilt, und über Michmas, wo sie den Sabbat hält, nach Bethanien. Von dort reist sie mit allen jerusalemer Bekannten, außer Magdalena, nach Juta zum Neffen des kürzlich ent­haupteten Täufers. Hier vernimmt sie vom eintreffenden Heiland den Tod des Täufers, hört ihren Sohn zu Juta und Hebron pre­digen und kehrt über Kana nach Hause zu­rück.

Im April 33 trifft sie sich kurz mit Jesus in Dothaim, hört Ihn dort lehren und kehrt mit Ihm und den Jüngern nach Kaphar­naum zurück, wo sie nun ständig bleibt bis Mitte Januar 34, um dann gegen Ende des öffentlichen Lehrwandels Jesu nach Jerusa­lem zu reisen und die letzten großen Lehr­vorträge ihres Sohnes im Tempel und im Schlosse Lazari zu hören.

Diese Reisen Mariä gehen nicht immer ohne aufregende Zwischenfälle von statten. über die Genesung der Besessenen bricht in Sephoris am 23. August 31 ein Aufruhr aus. Auch Maria ist gezwungen, mit den ver­wandten Frauen aus der Stadt zu fliehen. ­Und bei der gegen den Herrn zu Ostern 32 ausbrechenden Verfolgung finden die Jesum suchenden Pharisäer im Hause der Maria Markus nur Seine Mutter und deren Freun­dinnen und gebieten ihnen, als Seinen An­hängerinnen, mit harten Worten, die Stadt zu verlassen. Maria eilt nach Bethanien zu Lazarus und wird noch in den nächsten Tagen mehrmals von den Pharisäern zur Rede gestellt und sogar mit Landesverwei­sung bedroht.

Jesu Verhalten gegenüber Seiner Mutter

Auch daheim bleiben der lieben Gottesmut­ter mancherlei Aufregungen nicht erspart. Anfangs stellen sich bei ihr allerlei Klätsche­rinnen von Nachbarsleuten ein, die unter dem Vorwand, sie zu trösten, Jesu vorwer­fen, daß Er herumziehe, niemand wisse, wo; daß Er sie vernachlässige, da es doch Seine Pflicht sei, nach dem Tode Josephs für Seiner Mutter Unterhalt ein Geschäft anzu­fangen. Überhaupt ist bald im ganzen Lande ein großes Gerede von Jesus, für und wider Ihn.

Maria ist zwar sehr ernst und innerlich; aber nie ohne innere Bewegungen, Ahnungen und Sorgen bei den Entfernungen ihres Sohnes; denn auch alles Niederträchtige, was Seine Feinde wider Ihn in Umlauf setzen, wird ihr irgendwie zugetragen; ebenso wie auch alle Ängste und Sorgen Seiner wohlmeinen­den Bekannten an ihr Ohr dringen. Daher wartet sie oft mit banger Sehnsucht auf das Wiedersehen mit Ihm.

Jesu Betragen ihr gegenüber ist jedoch stets vorziehend liebevoll und ehrend. Bei jedem Wiedersehen reicht Er ihr beide Hände, oder wenn sie bei der Begrüßung nieder­kniet und Ihm die Hand küßt, so küßt auch Er, wenn sie sich erhebt, ihre Hand. Sind sie allein, so kommt es oftmals vor, daß Er sie tröstend und stärkend freundlich an Seine Brust lehnt und ihr zuspricht. Sie aber behandelt Ihn seit Seinem Lehramte immer, wie man einen Heiligen, einen Propheten behandelt. Sie umarmt Ihn nie, ja reicht nur die Hand, wenn Er die Seine darbietet.

Wertvolle Menschen, die sich bekehrt haben, empfiehlt Er an sie, wie Dina und Mara und Maria Magdalena. Alle Apostel und Jünger stellt Er ihr persönlich vor; und von langen Reisen nach Kapharnaum zurückkehrend, gilt ihrem Hause Sein erster Besuch.

Es ist ein stillschweigender Vertrag, ein inne­res Einverständnis zwischen Ihnen beiden, daß die heilige Jungfrau die Jünger in ihr Herz, ihr Gebet, ihren Segen und gewisser­maßen in sich selbst als ihre Kinder und Jesu Brüder aufnehme, daß sie deren geist­liche Mutter sei, wie sie Seine leibliche Mutter ist. Sie tut dies jedesmal mit ernster Innigkeit; und der Herr behandelt sie dabei sehr feierlich. Es ist eine unaussprechliche Heiligkeit in dieser Handlung, eine Inner­lichkeit; denn Maria ist gleichsam die Rebe, die Ähre Seines Fleisches und Blutes.

Jesu Unterredungen mit Maria

Nach dem Aufruhr in Sephoris trifft Sich der Herr mit Maria im Kurhotel des Bades Bethulia. Sie bittet Ihn, doch nicht hier wieder zu lehren; sie fürchte, es möge noch­mals ein Aufstand entstehen. Er erwidert, Er wisse, was Er zu erfüllen habe. Auf ihre Frage: „Sollen wir denn jetzt nicht zu Johannis Taufe gehen?“, antwortet Er ernst: „Warum sollen wir jetzt zu Johannis Taufe gehen? Haben wir es nötig? Ich werde noch gehen und sammeln und werde es sagen, wenn es nötig ist, zur Taufe zu gehen.“ (Die heiligen Frauen werden erst nach Pfingsten am Teich Bethesda getauft.)

Ein andermal sagt Er ihr in einer Unter­redung, Er werde dreimal zum Pascha nach Jerusalem reisen, und das letztemal werde sie sehr betrübt dort sein. Als Er ihr den Ort Seines vierzigtägigen Fastens nennt, bit­tet sie Ihn flehentlich, Er möge doch nicht in dieses wilde Gebirge gehen. Er erwidert, sie solle fortan Ihn nicht mit menschlicher Sorge hindern wollen; Er müsse tun, was Er tue. Er beginne einen schweren Weg; die mit Ihm seien, müßten mit Ihm leiden, Er wandle aber nun den Weg Seiner Sen­dung, und sie müsse allen bloß persönlichen Anspruch nun opfern, Er werde sie lieben wie immer, aber Er sei jetzt für alle Men­schen da. Sie solle tun, was Er sage, und Sein himmlischer Vater werde sie belohnen; denn es beginne bald, was ihr Simeon ver­kündet, es werde ein Schwert ihre Seele durchdringen (L. 2, 35).

Als Er am 24. Juli 32 in Bethoron mit ihr allein spricht und sie weint, daß Er Sich gen Jerusalem gehend in Gefahr begebe, tröstet Er sie, sie möge sich nicht sorgen, Er werde Seine Aufgabe vollbringen, die traurigen Tage seien noch nicht da. Und dann gibt Er ihr Anweisungen, wie sie sich im Gebet verhalten solle.

Wohl selten hat der Herr Seine Mutter so liebevoll getröstet, wie am 30. Juni 33, an dem Er Sich von ihr verabschiedet. Sie ist mit Ihm allein in einem Raum eines Hotels bei Bethsaida und, allerlei Trauriges ahnend, weint sie sehr und fleht Ihn an, Er möge doch zum Fest der Tempelweihe nicht nach Jerusalem gehen. Jesus lehnt sie an Seine Brust und sagt ihr mit großer Milde und Liebe, daß Er vollenden müsse, wozu Sein Vater Ihn gesandt habe, und weswegen sie Seine Mutter geworden sei. Sie solle stark sein und fortfahren, die anderen zu stärken und zu erbauen.

Botschaftswechsel zwischen Jesus und Maria

Bevor Jesus Sein vierzigtägiges Fasten be­ginnt, läßt Er ihr durch Boten mitteilen, sie solle zum Laubhüttenfest die ihr bekannte Herberge bei Chorazin mieten und Ihn dort mit ihren Freundinnen zum 18. Oktober er­warten.

Mitte Dezember 31 schreibt Er ihr Seine Übernahme der Festleitung der Hochzeit zu Kana und Übernahme des zweiten Tisch­ganges und die dortige Zusammenkunft mit ihr und allen Jüngern und künftigen Apo­steln (außer Bartholomäus, Thomas und Judas).

Mehrmals läßt auch sie Ihm durch Boten Nachrichten zugehen, und zwar stets Bitten für andere, zum Beispiel für ihre schwer erkrankte Nichte Maria Kleophä oder für die mit ihr verwandte Witwe Maria aus Naim, die der Herr auch unmittelbar nach Empfang der Botschaft aus der Ferne heilt.

Überhaupt hält der Herr auf Seinen weite­ren Lehrreisen, zumal in Zeiten der Ver­folgung seitens Seiner Gegner, durch be­stimmte Jünger die Verbindung mit ihr auf­recht.

Das Wissen Mariä

Während des Höhepunktes der Lehrwirk­samkeit Jesu, als mit Beginn des dritten Lehrjahres 33 der Massenzustrom nach Kapharnaum einsetzt und im Februar die großen Bergpredigten in der Nähe begin­nen, ist auch Maria, wenn immer Er es nur gestattet, eine fleißige Hörerin Seiner Lehr­vorträge; denn obschon sie von allen Ge­heimnissen, die Jesus ausspricht, eine innere Erkenntnis von früher her besitzt, so ist sie sich derselben doch nicht so deutlich be­wußt geworden. Wie nämlich die zweite Person in der Gottheit in ihr Fleisch ange­nommen hat, ein Mensch und ihr Kind ge­worden ist, so sind auch in ihr alle diese tieferen Erkenntnisse in eine demütige, ehr­furchtsvolle Mutterliebe zu Jesus gehüllt.

Als aber jetzt der Herr die Geheimnisse Seines Ursprungs und irdischen Wandels und Seiner Rückkehr zum Vater deutlicher zum Ärgernis der Verblendeten lehrt, wird die Betrachtung Mariä auf diese Mysterien gerichtet. Nach einer solchen Lehre am 8. Februar 33 betet sie in der folgenden Nacht stehend in ihrem Wohnraum und empfängt eine intellektuelle Vision über den Gruß des Engels, die Geburt und die Kind­heit Jesu und über die Wirklichkeit ihrer Mutterschaft und Seiner Kindschaft, und wie sie Denjenigen als ihr Kind behandelt, der der Sohn Gottes ist. Und hierüber wird sie dermaßen von Demut und Ehrfurcht überwältigt, daß sie ganz in Tränen zer­fließt. Und doch hüllen diese Anschau­ungen sich abermals in dem Gefühle der mütterlichen Liebe zu dem göttlichen Sohne ein, ähnlich wie die Gestalt des Brotes den lebendigen Gott im Sakrament verhüllt. Und dieser von der göttlichen Vorsehung herbeigeführte psychische Umstand erklärt die mütterliche Sorge Mariä um ihren Sohn, ihre große Passion und ihr Verdienst bei aller ihrer Fülle der Gnaden.

Einige Züge aus Mariä Verhalten

Als Maria dem Herrn bei Seiner Ankunft in Nazareth am 5. August 31 entgegengeht, aber sieht, daß Er Begleiter bei Sich hat, bleibt sie in der Ferne stehen und kehrt in die Stadt zurück, ohne Ihn zu begrüßen.

Das erste, was beim Zusammentreffen Jesu mit Maria in der Hirtenherberge bei Sichem am 31. Juli 32 geschieht, ist, daß sie ihren Sohn bittet, Er möge doch einen lahmen Knaben heilen, den benachbarte Hirten hierhergebracht haben; und Jesus heilt ihn. Ebenso empfiehlt sie Ihm, und zwar mehr­mals, den Hauptmann Cornelius wegen sei­nes kranken Dieners, Cornelius sei ein sehr guter Mann, er habe als ein Heide den Juden aus Zuneigung eine Synagoge erbaut; auch ist sie es, die den Herrn bittet, die kranke Tochter Salome des Synagogenvor­stehers Jairus zu heilen.

Am 16. November 32 benutzt sie den üb­lichen Sabbatspaziergang, um mit ihren Freundinnen Dina, Mara, Lais, Athalia, Sabia und Martha eine an der Anhöhe bei Kapharnaum lagernde Karawane von Hei­den zu besuchen, bei der sie die reisenden Frauen belehrt. Die Frauen sitzen an der Anhöhe im Halbkreis und Maria lehrt erst sitzend und dann unter ihnen wandelnd. Sie erklärt ihnen ihre Fragen und erzählt manches von den Altvätern, von den Pro­pheten und von Jesus.

Als am achten Dezember 32 die begeisterte Lea laut vor der Hörerschaft Jesu die aller-seligste Jungfrau selig preist (L. 11, 27), redet diese gleich darauf ganz still und gelassen mit Lea, die sie anspricht, ahnt deren Ausruf gar nicht und begibt sich mit ihren Begleiterinnen hinweg. überhaupt ist Maria unbeschreiblich einfach. Jesus zeich­net sie nie vor anderen Menschen aus, als daß Er sie würdig behandelt. Auch läßt sie sich mit niemanden ein als mit Kranken und Unwissenden. Sie erscheint immer ganz innig und unsagbar bescheiden. Alle, selbst die Feinde Jesu, ehren sie; und doch sucht sie niemanden, und hält sich stets zurück. Nur einmal tritt sie voran, nämlich an die Spitze des Zuges, als der Herr am 15. März 34 Seinen feierlichen Einzug in Jerusalem hält.

Bei der Zusammenkunft der Freunde zu Juta, unmittelbar nach der Enthauptung des Täufers, zeigt Maria den in der Geburts­stube des Täufers Versammelten die große mit Sprüchen bestickte Decke, erzählt die Umstände, unter denen sie diese Decke mit Elisabeth damals angefertigt hat und erklärt, den oberen Rand der Decke vor sich empor-haltend, die eingenähten Sprüche der Pro­pheten. Sie teilt auch mit, daß sie der Elisa­beth prophezeiht habe, Johannes werde Jesum nur dreimal von Angesicht sehen, und wie dieses auch wahr geworden. Hier greift Jesus in die Rede ein und teilt nach schonender Vorbereitung den Tod des Täu­fers mit; — und die gezeigte Decke wird mit Tränen der Trauernden benetzt.

Bei den großen Bergpredigten im Februar 33 organisiert Maria den Krankendienst bei den Frauen und Kindern und die Verteilung der Liebesgaben an die Armen, und beteiligt sich mit den Freundinnen und Jüngern an der praktischen Ausführung. In der Folge arbeitet sie mit den Freundinnen immer­während an Decken, Kleidern, Sandalen und Gürteln; bereitet Vorräte, backt Brot — alles für die Armen — und besucht Arme und Kranke. Aber bei all diesen Arbeiten ist sie ungemein still, und ein­facher und ernster als die anderen. Sie ist auch oft bei Judas Ischarioth, um ihn zu ermahnen; denn er zeigt sich geizig und neidisch. Einmal weint sie dabei. Er ist gerührt und bekehrt sich mehrmals, aber es hält nie an.

Bei dem letzten großen gemeinschaftlichen Mahl vor der Passion des Herrn weint Maria, als sie, an der Tafel der Frauen, das Lamm zerlegt, während Jesus immer fortfährt zu lehren.

Mariä äußere Erscheinung 

Maria Magdalena ist größer und schöner als die anderen Frauen; Dina, die Samariterin, ist auch schön; aber alle übertrifft die hei­lige Jungfrau an Schönheit. Obschon ihre Gestalt wohl ihresgleichen an Schönheit hat und an auffallender Erscheinung von der Figur Magdalena’s übertroffen wird, so scheint sie doch aus allen hervor durch un­beschreibliche Haltung, Einfachheit, Ernst, Sanftmut und Ruhe; sie ist so sehr rein und ohne alle Nebeneindrücke, daß man in ihr nur das Ebenbild Gottes im Menschen sieht. Niemandes Wesen gleicht ihr, als das ihres Sohnes.

Sie sieht noch sehr jung aus, aber ist schlank und groß. Sie sieht ganz erhaben und doch wie ein unschuldiges, einfaches Kind aus. Sie hat eine sehr hohe Stirn, eine längliche Nase, sehr große Augen, sanft niedergeschla­gen, einen sehr schönen roten Mund, eine angenehm bräunliche Farbe mit rötlich schimmernden Wangen. Obschon ernst, still, oft traurig, ist sie doch nie zerrissen und ungebärdig; die Tränen laufen ganz sanft über das ruhige Angesicht, wenn sie weint. Ihr Antlitz übertrifft das aller Frauen um sie, ja aller je geschauten, an unaussprech­licher Reinheit, Unschuld und Weisheit; und ein einzigartiger Friede, gepaart mit unvergeßlicher Lieblichkeit, ist über dieses Antlitz ausgegossen.

2. Johannes der Täufer

Der prophetische Charakter

Schon im Mutterleibe wird Johannes vom Ewigen bewegt und vom Heiligen Geiste mit seinem Erlöser in einen außerzeitlichen Verkehr gebracht. Als kleiner Knabe wird er der Welt entrückt und in der von Gott durchdrungenen Natur höheren Einflüssen zur Erziehung übergeben. Er bleibt, seiner Zeit entrückt, in tiefster Abgeschiedenheit der Wildnis Juda, bis er als Dreißigjähriger aus derselben, durch göttlichen Antrieb gleichsam wie neugeboren, hervorgeht und sein Amt ernst, begeistert, heftig und unbe­kümmert um alles herum beginnt. Ganz Palästina ist ihm nun die Wüste; und wie er vorher mit Quellen, Felsen, Bäumen und allen Tieren verkehrt, mit ihnen gelebt und gesprochen hat, so spricht und tut er jetzt mit den Menschen und Sündern, ohne an sich selbst zu denken.

Seine äußere Erscheinung

Aus der Wildnis oben am Jordanursprung, wo er sich zuletzt aufgehalten, kommt er herab zu den Menschen. Er macht einen wunderbaren Eindruck: Groß, von Fasten und Abtötung des Leibes hager, aber stark und muskulös, ist er ungemein edel, rein und einfach, ganz geradezu und gebieterisch. Seine Farbe ist bräunlich, sein Angesicht mager, ernst und streng. Seine Haare sind rötlichbraun und kraus; er trägt einen klei­nen Bart. Um die Mitte des Leibes hat er ein Tuch gewunden, das herab bis zu den Knien fällt. Er trägt einen rauhen braunen Mantel, der aus drei Stücken besteht. Hin­ten ist er ganz und um die Mitte des Leibes mit einem Riemen zusammengefaßt. Arme und Brust aber sind frei und unbedeckt. Er trägt einen Stab, der wie ein Hirtenstab oben gekrümmt ist.

Die Gründung dreier Taufstellen

Zweimal zieht Johannes drei Monate des Jahres 31 durch Palästina. Sein Wandel ge­schieht mit ungemeiner Gewalt und mit einem strengen Fortschreiten, schnell, doch ohne Hast. Es ist ‚kein ruhiges Wandeln, wie das des Heilandes. Wo er nichts zu tun hat, läuft er von Feld zu Feld. Er geht in die Häuser, in die Schulen, um zu lehren, und versammelt das Volk auf Plätzen und Straßen um sich. Priester und Obrigkeiten halten ihn hier und da an und stellen ihn zur Rede, aber mit Staunen und Verwunde­rung lassen sie ihn wieder frei.

Sein Ausspruch: „Dem Herrn die Wege be­reiten“ ist ihm nicht nur bildlicher Aus­druck. Er durchzieht tatsächlich alle Orte und Wege, die später Jesus und die Jünger wandeln. Er räumt Gesträuche und Steine aus dem Wege und macht Pfade. Er legt Stege über Bäche, reinigt ihr Bett, gräbt Wasserbecken und Brunnen, macht Sitze, Ruhestellen und Schattendächer. Überall erregt er Staunen in den Hütten, in die er eintritt, um das Geräte zu seinen Arbeiten zu entlehnen und wohl auch Leute zum Mit­helfen zu holen. Überall ist er alsbald von Menschen umgeben und mahnt kühn und ernst zur Buße, den nachfolgenden Messias und sich als dessen Wegebereiter verkün­dend (L. 3, 1-6).

Im Juni des Jahres 31 gründet Johannes seinen ersten Taufort am Ostufer innerhalb der Jordankurve bei Ainon (etwas nörd­lich der heutigen Fähre Ed-Damije). Ein paar Wochen später, Ende Juni, besucht ihn Herodes Antipas und bietet ihm den Bau eines Hauses an, was der Täufer ausschlägt. Gleich darauf lassen sich auch nacheinander die meisten künftigen Apostel und viele spätere Jünger Jesu von Johannes taufen; und Mitte Juli erscheinen auch die ersten Abgesandten des Synedriums, um ihn zur Rede zu stellen, weshalb er sich nicht zuerst im Tempel gemeldet habe, und warum er so wüst gekleidet und derb auftrete. Manche Juden halten ihn für den aus dem Jenseits zurückgekehrten Elias.

Am 19. Juli brechen Johannes und seine Jünger an der Taufstelle zu Ainon die Zelt­hütten ab und ziehen am Ostufer südwärts bis schräg gegenüber von Jericho und grün­den eine neue Taufstelle (zwischen dem heutigen Wadi Nimrin und Wadi el-Kafren ) . Es ist seine zweite Taufstelle, wo er nur ein paar Wochen tauft, und die Jesus unmittel­bar nach Seinem vierzigtägigen Fasten An­fang Dezember durch Seine Jünger wieder­herstellen und dort zum ersten Male durch sie taufen läßt.

Im August lehrt und tauft Johannes bereits an seiner dritten Taufstelle, schräg südlich gegenüber der zweiten Taufstelle am West­ufer des Jordans zwischen Ono und Betha­gla, wo Sich auch Jesus am 28. September von ihm taufen läßt. Seitdem dann Jesus im Dezember ebenfalls beginnt, durch Seine Jünger taufen zu lassen, vermindert sich der Zustrom der Massen zu Johannes, was seine Jünger mit Unwillen erfüllt, zumal mehrere von ihnen zu den Jüngern Jesu übertreten. Doch Johannes legt immer Zeugnis ab von Jesus und sagt, daß er selbst bald ganz zu­rücktreten werde.

Verhaftungen und Tod des Täufers

Seit Ostern 32 lehrt und tauft Johannes wie­der an seinem ersten Taufort bei Ainon, wird Mitte Mai von den Soldaten des Hero­des von Sukkoth unter dem Vorwand einer dringenden Einladung nach Kallirrhoe (am Ostufer des Toten Meeres) verhaftet und im Gewölbe des Schlosses sechs Wochen gefan­gen gehalten und dann wieder freigelassen. Herodes hat eine große Achtung vor ihm und verlangt nur, er solle nicht gegen seine verbrecherische Ehe öffentlich schmähen.

In der Nacht vorn 22. zum 23. Juli 32 wird er abermals von Herodes‘ Soldaten verhaf­tet, in das Gefängnis zu Hesbon (35 km öst­lich von Jericho) gebracht und zwei Tage später in das Gefängnis des Festungs-Schlos­ses zu Machärus (30 km südwestlich) über­führt. Hier wird er im August mehrmals von Herodes verhört, der sich über den Aufruhr der Täuflinge und über die Nachrichten der Herodianer von Jesu Wunder Sorge macht.

Anläßlich des Tanzes der Salome zur Ge­burtstagsfeier des Herodes am 8. Januar 33 und ihrer durch ihre Mutter bestimmte Bitte, wird Johannes mit einer Handscheren­maschine im Kerker enthauptet, und sein Leib am 23. Januar — und sein Haupt einen Monat später — von den Seinen nach Juta überführt.

Jesus und Johannes der Täufer

Es ist auffallend, daß während ihres ganzen Erdenwandels weder Jesus einen persön­lichen Umgang mit Johannes gepflegt, noch der Täufer je einen solchen persönlichen Verkehr mit dem Herrn angestrebt hat, ja daß sie sich beide nur einmal, und auch da nur ganz kurz, gesprochen haben. Und als Jesus Mitte Mai 32 bei Ainon acht Tage lang mit den Jüngern des Täufers lehrt und wandelt, sucht Er nicht einmal Johannes selbst auf. Den Grund für diese merkwür­dige Freundschaft ohne jeglichen persön­lichen Umgang gibt offenbar der Herr selbst an, wenn Er unmittelbar nach des Täufers Tode zu den Freunden in Juta am 15. Januar 33 sagt, Johannes habe wohl eine heftige Begierde gehabt, Ihn zu sehen, doch habe er sich bezwungen und nichts verlangt, als seiner Sendung zu genügen, welche die des Vorläufers und Wegebereiters, nicht aber die des Mitwandelnden und Arbeitsgenossen gewesen sei. Selbst bei der Taufe am 28. Sep­tember habe er sich nur in den Schranken der feierlichen Anschauung gehalten, ob­schon sein Herz vor Sehnsucht und Liebe schier gebrochen sei; nachher aber sei er mehr aus Demut vor Ihm gewichen, als daß er seiner Liebe nachgegeben und Ihn auf­gesucht habe.

Als der größte Zeuge für die Messianität konnte es seinem Zeugnis vor den Zeitgenos­sen auch nur umso größeres Gewicht ver­leihen, wenn er mit Jesus von Geburt an bis zum Tode überhaupt nicht in persönlicher Berührung stand; denn dann konnte man um so weniger von einer Beeinflussung seiner Zeugnisschaft seitens Dessen reden, zu dessen Gunsten er sein Zeugnis ablegte.

Auch ist es auffallend, daß weder Johannes die Hilfe des allmächtigen Messias während seiner Gefangenschaft anrief, noch daß der allgütige Heiland Seinen größten Verkün­der aus der Haft befreit und ihn so vor der Ermordung bewahrt hat. Dieses Ausbleiben der Hilfe Jesu empfanden denn auch einige Jünger des Täufers als etwas Tadelnswertes und taten Ihm dieses auch kund. Jesus ant­wortete ihnen, Er wisse, daß Johannes sich darnach sehne und hoffe, bald aus diesem Kerker befreit zu werden, und daß er auch daraus werde befreit werden; daß aber Er, Jesus, nach Machärus kommen und ihn be­freien solle, das glaube Johannes nicht, der Seine Wege bereitet habe.

Ein anderes Mal äußert Jesus sogar ganz deutlich, Johannes müsse weichen, damit Er, Jesus, Sein Werk ganz vollbringen könne. Dies erinnert an die Worte des Herrn (J. 16, 7), daß Er Selbst diese Welt verlassen müsse, damit der Tröster, der Hl. Geist, kommen könne. Wie also Seine eigene menschliche Gegenwart den Jüngern ein Hindernis für die Aufnahme des Hl. Geistes bedeutete (vgl. Thomas, S. theol. III, q. 57, a. 1 u. q. 75, a. 1), so war offenbar für Jesu Zeit­genossen die irdische Gegenwart des Täu­fers ein psychisches Hindernis, den Messias und dessen Lehre und Werk ganz in sich aufzunehmen. Dieses wußte offensichtlich auch Johannes; denn in dem Maße wie Jesus mit Seiner öffentlichen Lehr- und Tauftätigkeit begann, ließ Johannes in sei­ner Tätigkeit nach und sprach immer öfter von seinem baldigen gänzlichen Rücktritt. Nur Zeugnis legte er immer in gleicher Weise von Jesus ab; und als ihm dies in sei­ner Haft nicht mehr gut möglich war, sandte er Botschaft an den Herrn, und zwar mehr­mals, und ließ Ihm sagen, Er möge doch nach Jerusalem gehen und offen vor aller Welt verkünden, wer Er sei. Jesus Seiner­seits aber legte daraufhin von ihm mehrmals ein großartiges lobendes Zeugnis ab (beson­ders am 20. November 32 in der Zöllner-Vorstadt von Megiddo [Mt. 11, 7-15] ), da­hin lautend, Johannes der Täufer sei, ob­schon hinsichtlich der Wesensschau Gottes geringer als der letzte Selige im Himmel, so doch der größte aller auf Erden weilenden Menschen (Thomas, lectur. super Matth. ebd.).

3. Die Apostel und Jünger des Herrn

Charakteristik der einzelnen Apostel

Simon, genannt Petrus

Der Fischereibesitzer Jonas überläßt nach dem Tode seiner Frau sein Haus bei Kapharnaum dem jüngeren Sohne Simon und zieht mit seinem älteren Sohne Andreas weiter südlich an den See. Eine ältere, fleißige, aber kränkliche Frau führt dem Junggesel­len Simon, später von Jesus Petrus benannt, die Haushaltung, und nach drei Jahren hei­ratet dieser eine Fischerswitwe aus den Häu­sern von Bethsaida, die älter ist als er und aus ihrer ersten Ehe zwei Knaben und ein Mädchen (die spätere Märtyrerin Petro­nilla) mitbringt, sowie ihre Mutter. Jonas zieht daraufhin mit Andreas und einer Nichte in das frühere Haus von Petri neuer Frau am Flüßchen von Bethsaida.

Durch den Täufer, dessen Anhänger Petrus schon gleich im Juni 31 ist, und durch die Zebedäus-Söhne Jakobus Major und Johan­nes, die bei ihm Fischer sind, hört er zum ersten Male Näheres über Jesus, mit dem er übrigens durch die Witwe Maroni von Naim vermittelst Anheiratungen ganz entfernt ver­schwägert ist. Bald darauf machen auch seine Frau und seine Schwester die persön­liche Bekanntschaft mit der heiligsten Jung­frau anläßlich einer Zusammenkunft der Frauen in Nazareth.

Schon am 11. Juli 31 spricht ihn der Herr, als Er wie zufällig den Fischerplatz durch­quert, an, und bald darauf hört Ihn Petrus mehrere Male in Synagogen predigen. Kurz vor der geselligen Zusammenkunft auf der Hochzeit zu Kana am Schluß des ersten Lehrjahres Jesu, führt ihn Andreas mit Johannes dem Herrn zu, stellt ihn vor, und Jesus spricht zu ihm die bedeutungsvollen Worte: „Du bist Simon, der Sohn des Jonas. Du sollst Kephas, das heißt Fels, genannt werden“ (J. 1, 42).

Als drei Tage später der Herr im Kreise der Seinen von der Nachfolge und Aufgabe der irdischen Geschäfte spricht, meint Petrus, er könne doch seinen alten Stiefvater, den Onkel des Philippus, nicht jetzt gleich ver­lassen, obschon Jesus kurz zuvor gerade hervorgehoben hat, Er wolle für sie alle sorgen, und sie sollten keinen Mangel lei­den, und sie mögen ihr Gewerbe immer noch treiben, denn Er werde kommende Ostern erst noch anderes tun; wenn Er sie aber rufen werde, sollten sie unbekümmert fol­gen.

Als Petrus sich bereits, wenn auch noch nicht gänzlich, dem Herrn angeschlossen, spricht er auf einem nächtlichen Marsche im August 32 mit Johannes wieder von sei­ner Haushaltung, er habe doch bei seiner Fischerei viel versäumt, da er so lange ab­wesend gewesen, er müsse für Frau, Kinder und Schwiegermutter sorgen. Johannes er­widert, und er müsse mit Jakobus für seine Eltern sorgen, und das sei doch noch wich­tiger als eine Schwiegermutter. Da wendet Sich der Herr zu ihnen und sagt, es werde bald die Zeit kommen, da sie dieses Fischen ganz aufgeben und andere Fische fangen würden.

Kurz darauf läßt Petrus dem Herrn, der einmal einen diesbezüglichen Wunsch ge­äußert, heimlich ein Schiffchen bauen und freut sich, als der Herr es das erstemal benutzt.

Als Jesus Ende desselben August wieder mit den Jüngern von der gänzlichen Nachfolge spricht, und daß sie nun bald ihre Arbeit ganz liegen lassen würden, da wird es Petrus ganz bange; er wirft sich vor dem Meister auf die Knie nieder und bittet Ihn inständig, der Herr möge doch auf seine Unwissenheit und Schwäche sehen und nicht verlangen, daß er bei so wichtigen Dingen sein solle; er sei der Jüngerschaft gar nicht würdig und vermöge auch nicht, andere zu unterrichten. Jesus erwidert, daß Der, der den Kranken Gesundheit gebe, auch ihnen Nahrung und die Kraft zu ihren neuen Verrichtungen geben werde. Doch Petrus versteht dies im­mer noch nicht, wie er kein Fischer mehr, sondern ein Lehrer sein solle; und daran knüpft sich immer noch eine geheime Sorge um sein Geschäft und auch eine gewisse Neigung zu seinem Gewerbe; denn er hat sich an diese Arbeit gewöhnt und betreibt überhaupt immer eifrig, was er einmal recht begonnen. Hinzu kommt noch sein Verdruß, daß man in letzter Zeit auf ihn schmäht, wie er, ein einfältiger Fischer, sich mit dem neuen Propheten herumtreibe. in seinem Hause eine Niederlage von Schwärmerei und Aufruhr dulde und sein Geschäft ver­nachlässige. Alles dies kämpft in ihm, denn er ist damals noch nicht so begeistert und feurig wie sein Bruder Andreas, sondern schüchtern und empfindlich.

Erst das Erlebnis des wunderbaren Fisch­zuges am 1. Dezember 32 und die dar­auf erfolgende persönliche Ansprache des Herrn: „Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fangen“ (L. 5, 10), be­freien ihn endlich von aller irdischen Sorge.

In den beiden Nächten vom 12. Dezember 32 und 3. Februar 33 läßt der Herr den Petrus deshalb auf dem Wasser zu Sich kommen, um ihn vor Sich selbst und den anderen zu demütigen; denn Jesus weiß wohl, daß Petrus jedesmal sinken wird. Dieser ist zwar jetzt sehr eifrig und stark glaubend, hat aber die Neigung, im Eifer seinen Glauben dem Herrn und den Jüngern zu zeigen. Indem er jedoch im Wasser sinkt, wird er vor Stolz bewahrt. Die anderen getrauen sich nicht, so zu wandeln, und indem sie Petri Glauben bewundern, erkennen sie nun zugleich, daß sein Glaube, obschon er den ihren über­trifft, doch noch nicht ausreicht.

Als Jesus im Kreise der Apostel von jenem Anwärter auf die Jüngerschaft spricht, der erst seinen Vater begraben wollte (Mt. 8, 21), eine damalige Redensart, um die Erb­schaft zu ordnen, da schnappt Petrus mit der Erklärung vor: „Gott sei Dank, solche Ge­danken habe ich nicht gehabt, da ich Dir folgte.“ Doch Jesus gibt ihm einen Verweis, daß er dies hätte verschweigen sollen, bis Er, der Herr Selbst, es ihm gesagt hätte.

Petri Bekenntnis: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt. 16, 16), legt er, von demselben Geiste getrieben, ab, durch den er nun die Kraft der Schlüssel­gewalt in sich fühlt, die Jesus ihm darauf­hin überträgt. Er meint, die Arbeit gehe jetzt gleich an, denn die Bedingungen des Leidens Christi und der Sendung des Hei­ligen Geistes sind ihm damals noch unbe­kannt. Er fragt daher den Herrn, ob er die­sen und jenen auch die Sünden lösen könne. Doch Jesus beruhigt ihn, er werde alles dies noch deutlicher erfahren, es sei dies anders, als er es erwarte, es komme ein anderes Ge­setz. Aber als der Herr nun vom Leiden und dem Töten der Propheten spricht, geht ihm Petrus gleich darauf nach und streitet allein dagegen, das könne und dürfe nicht so kom­men, das werde er nicht zugeben; er wolle eher sterben, als das dulden. „Das sei ferne, Herr, das soll Dir nicht widerfahren.“ Da wendet sich Jesus sehr ernst um und sagt lebhaft: „Weiche von mir Satan! Du bist mir zum Ärgernis. Du hast nicht Gottes, sondern Menschenpläne im Sinn“ (Mt. 16, 21-23), und geht weiter. Petrus aber bleibt erschrocken zurück, vergleicht diese seine Rede mit seinem vorigen Bekenntnis, von dem der Meister gesagt, er habe es nicht aus Fleisch und Blut verkündet; und er wird demütiger und sieht Jesum bewundernder und glaubender an.

Noch in der letzten Woche vor der großen Passion wiederholt der Herr noch einmal, sogar noch eifriger, diese abwehrenden Worte, als Petrus auf Jesu Andeutung des kommenden Verrates fast beleidigt vor Ihn tritt und sagt, warum Er immer spreche, als ob sie Ihn verraten würden; wenn er auch glauben könne, daß es einer von den anderen sei, so stehe er doch für sie, die Zwölf, ein, daß sie Ihn nicht verraten würden. Im An­schluß daran betont Jesus noch, sie würden alle fallen, wenn Seine Gnade und Sein Gebet sie nicht erhalte; und wenn die Stunde komme, würden sie Ihn alle ver­lassen. Und einer sei unter ihnen, der nicht wanke, und auch dieser werde fliehen und wiederkehren. Und damit meint er den Johannes, der bei der Gefangennahme flie­hend seinen Mantel zurückläßt. Alle sind da sehr betrübt. Nur Judas ist bei allen diesen Reden ganz freundlich, lächelnd und dienst­fertig.

Als Jesus den Seinen am 27. März 34 mit­teilt, Er werde nach diesem letzten Pascha zu Seinem Vater gehen, fragt Petrus, ob Er Seine Mutter, die sie doch alle so liebten und ehrten, nicht mitnehmen werde. Daraufhin verkündet ihnen der Herr, daß Maria noch an fünfzehn Jahre bei ihnen bleiben werde, und spricht über sie zu ihnen noch manches Hohe aus. Im selben Gespräch macht Petrus auch dem Herrn noch den Vorschlag, der Meister solle doch wieder wie nach der Auf­erweckung des Lazarus eine Reise ins Aus­land machen und Sich hierdurch den ange­kündigten Verfolgungen entziehen, und sie würden dann auch gern mit Ihm gehen.

Andreas, der Bruder Petri

Andreas ist älter als Petrus und kleiner, von untersetzter Statur, hat ein redliches, offe­nes, einfaches Aussehen und ist besonders arbeitsam, ausdauernd, treu und freigebig. Er hat ein Weib, zwei Knaben und zwei Töchter. Sobald er vom Herrn berufen ist, lebt er in vollkommener Enthaltung in der Ehe. Er ist der erste Apostel, der alles ver­läßt, und keiner hat so schnell und gänzlich Hab und Gut während der Zeit der letzten Auslandsreise Jesu zum Besten der Ge­meinde verteilt wie er.

Noch als alle anderen künftigen Apostel im­mer wieder zu ihrem Gewerbe zurückkeh­ren, ist er unermüdlich und unentwegt mit Taufen und Lehren beschäftigt. Besonders gern unterrichtet er die Kinder, während der Herr in einer Synagoge lehrt. Auch ist er in der Propaganda der eifrigste. Als erster begeistert er die späteren Apostel in der Fischerei und scheut keine langen Rei­sen, um ihnen und anderen von Jesus zu er­zählen. Seine Frau ist auch sehr tüchtig und geschäftig. Sie kommt nicht viel aus dem Haus. Sie hat eine Art von Gewerbe mit Netzstricken und beschäftigt damit in ihrem Hause viele arme Mädchen, auch sogenannte gefallene, die keine Zuflucht haben, belehrt sie und leitet sie zum Gebet an. Andreas ist auch der an Jahren älteste der Apostel; doch unter den übrigen Jüngern ist Judas Barsa­bas noch älter.

Johannes der Evangelist

Durch ihre Mutter, Maria Salome, der Cou­sine Mariä, sind Johannes und sein älterer Bruder Jakobus Major mit Jesus nahe ver­wandt. Nach ihrem Vater werden sie die Zebedäus-Söhne genannt. Die Eltern haben früher ein paar Stunden von Nazareth ent­fernt gewohnt, und Jesus hat den Johannes schon als Kind geliebt.

Als erwachsener Jüngling tritt er mit seinem Bruder bei der Fischerei Petri ein. Als die ersten Jünger ihm am 21. September 31 von der Milde und Weisheit Jesu erzählen, spricht er nicht in Erwiderung wie Petrus und Andreas für den Täufer, sondern, ob­schon er auch kurz vorher lobend über jenen sprach, schweigt er nun nachdenklich.

Nach der ersten so anstrengenden und auf­regenden Rundreise mit dem Herrn Ende Juli 32 sind die Jünger ganz müde und ob der vielen Bedrängnisse der Volksmassen und Gegner Jesu niedergeschlagen und ver­drießlich. Nur Johannes ist auf der ganzen Reise mitgegangen wie ein Kind, ganz ge­horsam, ganz unbefangen und ganz in lie­bende Bewunderung seines Meisters ver­sunken. Überhaupt ist er viel kindlicher und vertrauter mit Jesus als die anderen; immer liebenswürdig und in alles ergeben, ohne Sorge und Widerspruch.

Trotzdem ist er von Gemüt sehr empfind­sam, was sich lebhaft äußert, als der Herr den in der Geburtsstube des Täufers zu Juta Anwesenden den Tod desselben mitteilt. Johannes stürzt zu Boden und windet sich weinend auf der Erde.

Für Seine letzte große Lehre im Tempel trägt der Herr ihm und seinem Bruder auf, Stellen, die sie nicht recht verstünden, auf­zuschreiben. Beide legen Brettchen vor sich auf die Lehne und schreiben auf kleine Rollen mit Farbe, die sie in einer Art Horn bei sich haben. Doch sie schreiben nicht lange. Hingerissen von der Rede Jesu sind sie nur noch Ohr und schauen unverwandt auf den Meister und vergessen das Schrei­ben.

Jakobus der Ältere

Während Johannes zart und schlank er­scheint, ist sein älterer Bruder Jakobus groß und breitschulterig, ohne jedoch plump zu wirken. Sein Haupthaar ist schwarz und sein Bart bräunlich, aber seine Gesichtsfarbe ebenfalls weiß. Sein ganzes Wesen ist ernst und doch wieder heiter. Er ist verheiratet und lebt vor Seiner endgültigen Berufung am 26. November 32 bei Kapharnaum, hat aber keine Kinder und betreibt bei Petrus die Fischerei. Seine Frau ist eine Schwester der Witwe Maroni von Naim.

Jakobus pflegt im Umgange mit dem Herrn besonders oft Fragen zu stellen, wenn Dieser im engeren Kreise die Jünger unterrichtet; und Jesus beantwortet sie jedesmal gern. Überhaupt nimmt Er den Jakobus Major nebst Petrus und Johannes zu besonders großen Wunder-Erweisen mit, um in diesen dreien den Glauben zu stärken, wie z. B. zur zweimaligen Auferweckung der Tochter des Jairus und zur Verklärung auf dem Berge Tabor. Und so gelten denn auch später diese drei Apostel als Typen und Vertreter der wenn auch einen, so doch den Seelenzustän­den nach dreifachen Kirche: Petrus auf Grund seines Primates als der Vertreter der streitenden Kirche auf Erden; Johannes auf Grund seiner ihm erwiesenen geheimen Offenbarung als der Vertreter der trium­phierenden Kirche im Himmel; und Jako­bus Major auf Grund seines späteren ersten Martyriums unter allen Aposteln als der Vertreter der leidenden Kirche im Fegfeuer. Auch auf Grund ihres Charakters nimmt der Herr diese drei mit auf den Tabor: den Petrus wegen seines Eifers; den Johannes wegen seiner Liebe; und den Jakobus wegen seines Bekämpfens der Glaubensgegner (Thomas, lectur. super Matth. 17, 1).

Levi, genannt Matthäus

Levi, von Jesus später Matthäus genannt, ist der Stiefsohn der Maria Kleophä, der Nichte der seligsten Jungfrau, der Sohn ihres ersten Mannes Alphäus, den dieser aus seiner ersten Ehe mitgebracht hat. Er ist das Sorgenkind seiner Familie, denn er ist unter die Zöllner gegangen.

Als Maria Kleophä am 11. September 31 dem Herrn in Nazareth ihre fünf Söhne empfiehlt, weint sie über Matthäus. Doch Jesus tröstet sie mit dem Hinweis, er werde wohl noch einer der besten werden.

Matthäus scheint sich selbst der Anrüchig­keit seines Berufes bewußt zu sein; denn als er den Herrn mit den Jüngern am 25. November 32 sich seiner Zollstätte, die übrigens nur ein Amtshaus ist, nahen sieht, zieht er sich beschämt in sein Haus zurück. Doch als ihn der Herr herausruft, läuft er geschwind zu Ihm, wirft sich vor Ihm nieder und entschuldigt sich, er habe sich nicht würdig geglaubt, daß Jesus mit ihm rede. Doch als ihn nun der Herr zum Jünger be­ruft (Mt. 9, 9), und ihn die anderen Jünger herzlich begrüßen, ladet er alle gleich zu sich zum Essen ein und läuft mit dem Ver­sprechen Jesu auf morgen freudig zu seiner Frau, teilt ihr das Erlebnis mit, und beide überlegen gleich, wie sie alles verlassen wollen, um dem Herrn und Seiner Gemeinde zu dienen.

Am anderen Tage kniet er vor dem Herrn nieder, der ihn segnet und ihm den Namen Matthäus verleiht. Auch segnet der Herr seine Kinder und bespricht mit der Frau das neue Leben in der Gemeinde.

Zwei Tage später hat Matthäus bereits die Zollstelle einem der Schiffer übergeben, die er übrigens seit seiner Johannestaufe im Juli 31 immer redlich verwaltet hat.

Judas Thaddäus

Der dritte Sohn des Alphäus und der Maria Kleophä ist, wie sein Bruder Jakobus Minor, ebenfalls bei der Fischerei Petri tätig; doch ist Thaddäus mehr Kaufmann, denn er reist oft im Lande umher und handelt mit Fischernetzen, Segeltuch und Strickwerk. Es ist zu vermuten, daß er auch verheiratet gewesen ist. Seine erste Berufung geschieht am 24. August 32. Da er auf Reisen gewandt und im Umgang mit Fremden geschult ist, schickt ihn Jesus im Juni 33 nach Gessur, um dort die sieben heidnischen Philosophen zu empfangen, die Jesus auf Seiner Reise nach Cypern in Salamis bekehrt hat, und die sich jetzt auf Seinen Rat hin in Palästina niederlassen wollen. Thaddäus kehrt mit dreien von ihnen nach Kapharnaum zurück und führt sie Jesum und Mariä zu.

Nephthali, genannt Bartholomäus

Bartholomäus, ein Essener, ist schön und gewandt; er hat eine hohe Stirn, eine weiße Gesichtsfarbe, große schwarze Augen, dunk­les Haar und einen mäßig gespaltenen Bart. Er ist wohlgebaut und von allen Aposteln in seinem Äußeren am freiesten und fein­sten. Er hat etwas Edles und Zierliches in seinem Betragen, ist rasch und geht aufrecht wie ein wohlerzogener Edelmann.

Sein Vater Tholmai stammt von dem Könige Tholmai von Gessur her, dessen Tochter Machama dem Könige David den Absalom gebar (2 Kön. 3, 3, vgl. Jos. Flav. Ant. Jud. VII, 1, 4). Tholmai treibt einen großen Feldbau und Viehzucht in der Gegend von Gessur, aber zieht, da ihn das dortige Klima kränklich macht, nach Kana in Galiläa, wo sein Bruder mit der Tante des Nathanael, des Bräutigams von Kana, verheiratet ist. Er macht in der Nähe eine Bäderkur, ver­kauft später seine Güter in Gessur und läßt sich im Tale Zabulon nieder, wo ein älterer Bruder des hl. Joseph namens Sadoch wohnt. Die Kinder Sadochs verkehren bei der hei­ligen Familie, und die Söhne besuchen öfters Jesus in dessen Jugendjahren. Auf diese Weise hört Bartholomäus schon früh von Jesus, als dieser hier und da als heiliger, ausgezeichneter Jüngling genannt wird.

Am 3. Juni 31 empfängt er, wie auch Natha­nael Chased, zu Bethulia einen Gnadenblick des vorüberwandelnden Herrn, ja kann es nie vergessen, wie Jesus ihm hierbei ernst grüßend zugenickt hat. Er fühlt sich seit­dem innerlich so oft zu Jesus hingezogen. Als er einmal mit seinem Vater im Obst­garten im Tal Zabulon beschäftigt ist, hält er plötzlich in der Arbeit inne und schaut sehnsuchtsvoll nach der Gegend hin, wo Jesus gerade seine Jünger unterrichtet. Thol­mai stellt ihn zur Rede, und er bekennt, daß ihn die Sehnsucht zu dem Meister hinziehe, der dort lehre. Tholmai ist erstaunt. Bartho­lomäus erzählt ihm, was er von Jesus weiß und was er innerlich durch seinen Gnaden­blick erfahren. Da wird der alte Vater ganz gerührt über das Erlebnis und die Absicht seines Sohnes und bringt zum nächsten Osterfest zehn Lämmer zum Tempel. Beide, Vater und Sohn, hören dann in Jerusalem viel Wunderbares vom Herrn, halten sich aber bescheiden zurück.

Schon ein Vierteljahr vorher ist Bartholo­mäus dabei, als sein Freund Nathanael Cha­sed von Philippus zum Herrn geführt wird. Er bleibt in der Ferne stehen, doch Jesus schaut zu ihm hin und sagt zu seiner Um­gebung, er werde nicht mehr lange so fern stehen. Als ihn der spätere Evangelist Lukas in Dabbeseth besucht und bei ihm malt, sprechen beide viel über Jesus.

In Dabbeseth, nordwestlich der Ebene Jez­rael, ist Bartholomäus mit Schreiberei be­schäftigt und bekleidet ein öffentliches Amt; dadurch hat er auch die Bekanntschaft mit Nathanael, Thomas und Simon Zelotes ge­macht. Eine Nichte seines Vaters führt ihm dort den Haushalt. Als Jesus vor dem ersten Osterfest, da er schon acht Apostel um Sich hat, einmal in der Nähe in der Gesetzes-schule lehrt, suchen ihn Philippus, Simon Zelotes und Nathanael auf. Bartholomäus geht mit ihnen und hört die Lehre Jesu. Er ist Zeuge von Wunderheilungen, spricht aber noch nicht mit Jesus.

Auf seiner Rückkehr von der Johannestaufe trifft Bartholomäus Mitte Mai 32 mit Jesus und Seiner Begleitung in der Ebene Jezrael zusammen. Andreas weist auf ihn hin, und Jesus sagt: „Ich kenne ihn, er wird kom­men.“ Dies erzählt er dem Thomas und sie sprechen beide lange über den Herrn. Nicht viel später kommt Jesus wieder in die Gegend von Dabbeseth, kehrt bei Bartholo­mäus ein, nimmt ihn unter Seine Apostel auf, segnet ihn und legt ihm die Hand auf. Bartholomäus gibt sogleich sein Amt auf, welches der Bruder seiner Haushälterin übernimmt, und folgt Jesu nach. Er ist der neunte unter den berufenen Aposteln; denn Matthäus, Thomas und Judas werden erst nach ihm berufen. Den Namen Bartholo­mäus empfängt er daher, weil Jesus ihn immer den Sohn des Tholmai zu nennen pflegt.

Große Freude empfindet Bartholomäus, als am 23. November 32 sein kleiner Neffe Joses bei Kapharnaum und am 1. März 33 sein heidnischer reicher Onkel in Gessur im Beisein des Herrn getauft werden.

Jakobus der Jüngere

Der jüngste der drei Söhne des Alphäus und der Maria Kleophä ist, wie .Bartholomäus, ein Essener und hat in seiner Schönheit eine große Ähnlichkeit mit dem Herrn. Er ist Fischer bei Petrus und empfängt am 30. Juni 31 mit seinen beiden älteren Brüdern die Johannestaufe. Er hört den Herrn zum ersten Male am 19. August desselben Jahres im Villenort des Tales Zabulon, nimmt an der Hochzeit zu Kana teil und macht bereits Ende Juli 32 die erste anstrengende Lehr­wanderung Jesu mit.

Thomas von Apheke

Thomas‘ Eltern wohnen in Apheke, nord­westlich von Jezrael, an der großen Han­delsstraße Arabien-Tyrus. Sein Vater ist Großkaufmann und Teilhaber der Schiff­fahrt an den Küsten des Mittelländischen Meeres. Thomas, der drei Jahre vor Jesus als Zwilling zur Welt kommt, verliert seine Mutter bei seiner Geburt. Der Vater hei­ratet wieder, und von dieser Stiefmutter hat Thomas eine Schwester und zwei Brüder. Nach des Vaters Tode heiratet die Stief­mutter wieder, und Thomas hat nun ganz junge Stiefeltern und wird bei seinem Onkel, der einer Sekte angehört, ziemlich hart er­zogen.

Durch das Geschäft seines verstorbenen Vaters und dessen Verwandten kommt Tho­mas frühzeitig in Verkehr mit Ausländern und lernt fremde Sprachen und fremde Sitten kennen. Infolge seiner Erziehung wird er ziemlich eigensinnig und will von allem Gründe und Beweise haben. Er wech­selt später oft seine Tätigkeit, ist zuerst bei der grossen Schiffart, dann mehr beim Han­del und auch einmal bei der Fischerei am See Genezareth, wo er mit den künftigen Mitaposteln in Berührung kommt. Später beginnt er in Saphet allerlei jüdische Wis­senschaften zu studieren und ist auch in der Schule der Pharisäer, ohne einer zu werden.

Darnach kommt er in ein suchendes Leben, ist bald zu Hause, bald bei Bartholomäus in Dabbeseth, bald bei Nathanael Chased in Gennabris.

Als Jesus in Seinem zwanzigsten Jahre zum Tempel geht, reist Thomas auch dorthin und sieht den Herrn, doch ohne mit Ihm zu sprechen. Diese Reise wird die Veranlassung zu einer Veränderung in seinem bisherigen Leben; denn er kommt mit Jakobus dem Jüngeren in nähere Bekanntschaft, der sehr fromm und ein Essener ist und ihm manches von Jesus erzählt, wodurch er zu größerem Ernste und gediegenerer Frömmigkeit be­wogen wird.

In seinem dreißigsten Jahre lebt er zu Arimathäa und treibt Schreiberei; er hört mehrmals von Jesus und dem Täufer, glaubt aber anfangs nicht recht, was er hört. Auf ihrer Heimreise vom Osterfest 32 treffen ihn einige Jünger Jesu und erzählen ihm vom Herrn, was schon mehr Eindruck auf ihn macht.

Als er Ende Oktober desselben Jahres wie­der einmal den reichen Holzhändler Issa­char in Dothan besucht, mit dem er früher in Geschäftsverbindung stand, und in dessen Hause er als Hausfreund viel verkehrt, trifft auch der Herr mit Seinen Jüngern hier ein, und Thomas ist persönlicher Zeuge der Lehre und der Wunderheilungen Jesu.

Einige Tage später, am 3. November, lernt er den Herrn persönlich kennen und bittet Ihn um Aufnahme unter die Jünger. Er sei durch Seine Lehre, die er nun selbst gehört, und durch seine Wunder, die er nun selbst gesehen, überzeugt und wolle Ihm folgen und tun, was Er von ihm verlange. Als der Herr ihm sagt, daß Er ihn kenne und gewußt habe, daß er zu Ihm kommen werde, will Thomas das nicht gelten lassen und be­hauptet, er habe nie daran gedacht, denn er sei kein Freund von Absonderung und habe sich erst jetzt zum Anschluß entschlossen.

Der Herr aber erwidert: „Du sprichst wie Nathanael, du hältst dich für weise und redest töricht; soll der Gärtner nicht die Bäume des Gartens, der Winzer nicht seine Reben kennen, und soll er einen Weinberg bauen und die Knechte nicht kennen, die er hinsenden will?“ Und dann hält Er eine Gleichnisrede vom Sammeln der Feigen an den Dornen (Mt. 7, 16).

Ende November beteiligt sich Thomas schon bei Kapharnaum an dem Taufen der Heiden und Geheilten. Aber seinen Charakter be­hält er immer bei. Er denkt für sich, ist wie nachrechnend und disputiert überaus gern. Durch solches Disputieren überzeugt er auch beinahe seinen alten Professor in Saphet, den er, als Jesus dorthin kommt, besucht, und der sich wundert, ihn in dieser Gesell­schaft zu sehen.

Als Jesus den Jüngern am 19. Dezember mit­teilt, Er wolle gen Judäa reisen, freut sich Thomas, weil er dort den Widerspruch der Pharisäer heftiger vermutet und mit ihnen nach Herzenslust zu disputieren hofft, und äußert dieses auch den Jüngern gegenüber, die gerade deshalb nicht gern dorthin reisen wollen. Jesus aber straft seinen übertrie­benen Eifer mit der Bemerkung, er werde noch einst selbst nicht glauben wollen, was Thomas gar nicht begreifen kann.

Als einigen Jüngern Judas Ischariot schon nach einigen Tagen seiner Aufnahme nicht sonderlich gefällt, ist auch Thomas darunter und sagt es dem Herrn gerade heraus, dieser Judas Simonis gefalle ihm nicht, er sage zu leicht ja und zu leicht nein; warum der Meister denn diesen angenommen habe, da Er doch gegen andere schwieriger gewesen sei. Jesus antwortet ausweichend, als sei dieser wie alle in dem Ratschluß Gottes von Ewigkeit her mit eingeschlossen.

Simon Chananäus (Zelotes)

Simon ist der mittlere Sohn des Alphäus und der Maria Kleophä und war mit seinen Brüdern schon unter den Jugendgespielen Jesu. Später bekleidet er als Verteidiger des Han­delsrechts, als Schiedsmann und Schreiber eine Stelle am Gericht zu Tiberias, durch deren heftiges Betreiben er den Beinamen Eiferer (Chananäus, griechisch Zelotes) erhalten hat.

Er hält sich am 25. Dezember, als der Herr zwischen Tarichäa und Tiberias lehrt, ge­rade im Gerichtsgebäude auf. Sein Bruder Jakobus Minor sucht ihn dort auf und be­wegt ihn, den Meister einmal zu sehen und zu hören. Simon wird erschüttert, geht gar nicht erst zum Gericht zurück, sondern ordnet seine Sachen, übergibt einem Be­kannten seine Amtsstelle und folgt dem Herrn nach, der ihn als Jünger aufnimmt. Er nimmt gleich darauf an der Hochzeit zu Kana teil. Sein Anschluß an den Herrn, sowie auch die gleichzeitige Berufung der beiden Schreiber Philippus und Nathanael Chased machen auf Thomas und Bartholo­mäus tiefen Eindruck, die schon länger mit jenen Dreien befreundet sind.

Philippus von Bethsaida

Philippus bekleidet im Fischerorte Beth­saida eine Schreiberstelle und hat in seinem Benehmen etwas sehr Höfliches und Feines. Schon im Juni 31 besucht er mit seinem Bekannten aus Bethsaida, dem Fischerei­verpächter Andreas, den Täufer, und beide lassen sich gleich taufen.

Am 10. August desselben Jahres hört er den Herrn zum erstenmal in der Synagoge zu Bethsaida predigen und das zweitemal acht Tage später im Villenort des Tales Zabulon.

Andreas sucht ihn nach seinem eigenen Anschluß an Jesus wiederholt auf, erzählt ihm immer seine neuesten Erlebnisse mit dem Herrn und ladet ihn auch durch einen Brief zur Hochzeit zu Kana ein. Doch schon zwei Tage vor Beginn der Hochzeit holt ihn Andreas zu einem Spaziergang mit Jesus ab, der gerade in Kapharnaum angekommen ist. Scheu und zögernd bleibt Philippus auf dem Wege hinter der Gesellschaft Jesu zu­rück und weiß nicht, ob er wohl auch in das Tal mitgehen darf. Da wendet Sich der Herr mit dem Haupte nach ihm um und sagt: „Folge mir nach!“ (J. 1, 43), und Philippus geht nun freudig mit den zwölf Begleitern mit. Der Meister hat ihn mit diesen wenigen Worten berufen, und Philippus fühlt die übernatürliche Wirkung in seinem Innern.

Am nächsten Tage besucht er seinen Freund, den Schreiber Nathanael Chased, in dessen Schreiberhause zu Gennabris, erzählt ihm sein Erlebnis und führt ihn zum Herrn, der bereits Gennabris verlassen hat und sich auf dem Wege nach Kana befindet (J. 1, 45).

Judas Ischariot wird in seinem Charakter, seiner Lebensweise und verkehrten Einstel­lung dem Herrn gegenüber später im Ka­pitel der Gegner Jesu geschildert.

Die vom Herrn während Seines Lehrwandels als Jünger Aufgenommenen

Die vier Vettern Jesu:

1 – 4
Die sogenannten „Brüder des Herrn“, Söhne des Kleophas und der Maria Hell, der älte­sten Schwester der seligsten Jungfrau: Sadoch, Jakobus, Heliachim und Matthias, der später an Stelle des Judas zum Apostel gewählt wird. Alle sind Johannesjünger und kommen erst nach des Täufers Tode zum Herrn (siehe Tafel S. 38-39).

Die vier näheren Verwandten Jesu:

5 – 6
Die beiden Söhne der Maraha zu Sephoris, der Tante Mariä: Arastaria und Cocharia, sind unter den zuerst aufgenommenen Jün­gern Jesu.

7 – 8
Joses Barsabas, Sohn des Sabas und der Maria Kleophä, und Nathanael, der kleine Kleophas genannt, Sohn der Anna Kleophä, der Vortochter des Kleophas, sind bei der Fischerei des Zebedäus tätig.

Die zwei Söhne der Jesu entfernt verwand­ten Witwen:

9 – 10
Kolaja, der Sohn der Witwe Lea, und Eusta­chius, der Sohn einer der drei Jesu ver­wandten Witwen und Essener vom Berge Karmel.

Die vier Neffen des Kleophas:

11 – 14
Die vier Söhne des Sebadja von Nazareth: Kleophas (Emmausjünger), Jakob, Judas und Japhet, Jugendgespielen des Herrn, und später Johannesjünger, die erst nach des Täufers Tode zum Herrn kommen.

Die vier durch Sobe mit Jesus Verwandten:

15 – 18
Nathanael von Kapharnaum, der ein Ju­gendbekannter des Herrn und der Bräuti­gam zu Kana ist, und die drei Söhne der Tante jenes Nathanael. Sobe ist eine Tante der seligsten Jungfrau.

Die vier durch die Eltern des Täufers Jesu Verwandten:

19 – 22
Veronika’s Sohn Amandor, einer der ersten Jünger, ferner ein Verwandter der Veronika, der zu Jerusalem ein heimlicher Jünger ist, und der Halbgrieche Pannenas, Sohn des Griechen und dritten Mannes der Maria Kleophä und der Schwester des Sabas, des zweiten Mannes der Maria Kleophä. Und schließlich Judas Barsabas, ein Verwandter des Zacharias von Hebron.

Die zwei durch Joseph dem Herrn Ver­wandten:

23 – 24
Die zwei Söhne eines Verwandten des hl. Joseph: Manasse und Aminadab, die zu­erst heimliche und erst später öffentliche Jünger Jesu sind.

Die zwei Jugendgespielen Jesu:

25 – 26
Jonadab und Silvanus, beide aus Nazareth.

Die drei galiläischen Jünger:

27 – 29
Nathanael Chased, der Schreiber aus Genna­bris ; Jonathan, der Stiefbruder Petri; und der Evangelist Markus, der zeitweilig Fi­schereipächter bei Bethsaida ist, sich viel auf Auslandsreisen befindet und erst im letzten Lehrjahre Jesu in dessen Nähe weilt.

Die acht jerusalemischen Jünger:

30 – 37
Johannes Markus, der Sohn der Maria Mar­kus, ferner ein Sohn und ein anderer Ver­wandter der Johanna Chusa, dann die zwei Neffen des Joseph von Arimathäa: Aram und Themeni, und die drei Söhne Obeds, des Sohnes des alten Priesters Simeon, die Tempeldiener sind.

Fünfundzwanzig Jünger aus Judäa:

38 – 62
Annadias, der Sohn des Oberzöllners Zachäus von Jericho, vier Jünger aus Beerseba, die Jesus erst am 5. Januar 34 aufnimmt, und zwanzig Jünger aus Ono, südlich von Jericho.

Die zwei Jünger aus Samaria:

63 – 64
Der prophetisch begabte, aber blindgebo­rene und von Jesus geheilte Essener Mana­hem von Koreä und ein gewisser Azor, der mit nach Cypern reist.

Die drei griechischen Jünger:

65 – 67
Saturnin aus Patras, von königlicher Her­kunft, einer der ersten Johannesjünger und Jünger des Herrn, ein großer Täufer, und die beiden durch Lazarus dem Herrn zu­geführten Brüder Tharzissos und Aristo­bolos.

Die zwölf Jünger aus Cypern:

68 – 79
Barnabas aus Chytroi, Sohn eines Guts­besitzers und Holzgroßhändlers, der in Jeru­salem studiert hat; Jonas aus Salamis auf Cypern, der Sohn eines Esseners; Mnason, Sohn eines strenggläubigen Juden; die bei­den Söhne des Großkaufmanns Cyrinos zu Salamis: Aristarchos und Trophimos ; und sieben heidnische, vom Herrn auf Cypern bekehrte Philosophen.

Die drei verschwiegenen Jünger:

80 – 82
Die drei Söhne der von dem Gefolge der hei­ligen Drei Könige bei den Hirten von Beth­lehem zurückgebliebenen Mesopotamier, die Hirtinnen geheiratet und sich in Samaria niedergelassen haben. Diese drei Söhne von jenen nimmt der Herr auf seine Auslands­reise nach dem Irak mit. Sie heißen dem Alter nach: Eliud, Silas und Eremenzear. Der letztere stammt aus der Euphratstadt Atom.

Die fünf anderen Jünger aus dem Osten:

83 – 87
Selam aus Kedar im Haurangebiet; der Tempeldiener Caisar aus Atom in Meso­potamien, und drei Chaldäer aus Sikdor, die alle erst im Jahre 34 zu den übrigen Jüngern kommen.

Die elf ägyptischen Jünger:

88 – 98
Drei Jugendgespielen Jesu aus Ägypten; ferner Deodatus, der Sohn der reichen Mira aus Heliopolis, und sieben weitere Jüng­linge, die der Herr von Seiner letzten Reise nach Ägypten aus Heliopolis und Matarea mitbringt.

Doch damit ist die Zahl der Jünger nicht er­schöpft.

Zeitliche Abfolge des Verkehrs Jesu mit den Aposteln und Jüngern

Erstes Lehrjahr 31:

Juni
3.
Nathanael Chased und Bartholomäus emp­fangen vom vorüberwandelnden Herrn bei Bethulia einen Gnadenblick.

4.
Parmenas und Jonadab begleiten Jesum von Nazareth bis nach Hebron, bleiben Ihm aber anfangs nicht treu.

Juli
7.
Matthäus, Kolaja und Eustachius reden unterwegs mit dem Herrn über Johannes und Lazarus.

11.
Petrus und Andreas reden kurz mit Jesus über den Täufer.

Aug.
9.
Jesus nimmt Amandor, Eustachius und Kolaja als erste Jünger auf.

13.
Petrus und Andreas hören Jesus in der Synagoge zu Nazareth.

17.
Petrus, Andreas, Jakobus Minor und Philip­pus hören Jesus zum Sabbat im Villenort des Tales Zabulon.

19.
Jesus nimmt Arastaria und Cocharia als Jünger auf.

Sept.
17.
Jesus nimmt in Nazareth vier weitere Jün­ger auf, Verwandte und Freunde der heili­gen Familie.

28.
Andreas und Saturnin sind als Johannes-jünger Zeugen der Taufe Jesu, folgen Ihm nach Bethel und taufen dort im Hospital. Auch ein paar andere Johannesjünger schlie­ßen sich dem Herrn an. Andreas reist nach Kapharnaum ab.

Okt.
10.
Aminadab und Manasse Verwandte des hl. Joseph, werden Jesu heimliche Jünger.

17.
Saturnin und vier andere Jünger taufen in Sukkoth; und Aram und Themeni, Neffen des Joseph von Arimathäa, werden Jesu Jünger. Lukas spricht am Tal Zabulon mit Bartholomäus über Jesus, kommt aber erst kurz vor Jesu Tode dauernd zu den Jüngern.

Dez.
6.
Andreas, Saturnin und drei andere Johan­nesjünger schließen sich ständig Jesu an und arbeiten am zweiten Taufort.

24.
Andreas stellt Petrus und Johannes dem Herrn vor. Jesus sagt: „Du bist Simon, des Jonas Sohn, und wirst künftig Kephas hei­ßen“ (J. 1, 41).

29.
Jesus beruft den Philippus im Tal von Kapharnaum (J. 1, 43).

30.
Jesus beruft Nathanael Chased bei Genna­bris (J. 1, 45).

Zweites Lehrjahr 32:

Jan.
Auf der Hochzeit zu Kana lernen sich nach der Absicht des Herrn alle künftigen Apostel, außer Bartholomäus, Thomas und Judas, und ein großer Teil der Jünger näher kennen. Auch beruft hier Jesus vermutlich den Johannes.

Febr.
8.
Jesus nimmt in Ono, südlich von Jericho, zwanzig neue Jünger auf.

April
Der Herr feiert mit allen künftigen Apo­steln, außer Bartholomäus, Thomas, Judas Ischariot und Matthäus, Ostern zu Jerusa­lem, lehrt sie, das Wasser zur Taufe zu seg­nen, und läßt sie teils schon hier und da lehren und heilen, obschon ihnen das Hei­len aus Mangel an Glauben nicht immer gelingt.

Mai
Jesus läßt an der zweiten Taufstelle durch Andreas, Saturnin, Petrus und Jakobus Major taufen. Mitte Mai werden viele Jün­ger verhaftet und verhört. Petrus, Andreas und Johannes zerreißen bei dieser Gelegen­heit in Gennabris ihre Fesseln. Alle werden wieder freigelassen.

Juni
26.
An zwanzig galiläische Jünger, darunter Petrus, Andreas, Jakobus Minor und Thad­däus, besuchen Jesus heimlich in Tyrus und in einer anderen Herberge an der Grenze.

29.
Fast alle jetzigen Jünger und künftigen Apostel treffen sich mit Jesus in Bethoron und werden von Ihm auf einer anstrengen­den Lehrreise geschult.

Okt.
28.
Bartholomäus, Judas Thaddäus und Simon Zelotes werden zu Meroz von Jesus unter die Jünger aufgenommen.

29.
Judas Ischariot wird zum Jünger aufgenom­men.

Nov.
3.
Thomas wird unter die Zahl der Jünger zu Dothan aufgenommen.

7.
Kaleb und Aaron, die Söhne Jesses, des Neffen Josephs, werden zu Dabrath als Jün­ger aufgenommen.

13.
Alle künftigen Apostel, außer Matthäus, und an sechzig Jünger wohnen der Bergpredigt Jesu bei Gabara bei.

23.
Andreas und Saturnin taufen zu Kaphar­naum; und Thomas, Bartholomäus und Johannes legen den Täuflingen die Hände auf.

24.
Matthäus wird von Jesus bei seiner Zoll­stätte berufen (Mt. 9, 9).

25.
Letzte Berufung des Petrus, Andreas, Jako­bus Major und Johannes bei Matthäi Zoll­stätte am Seeufer (Mt. 4, 18).

Dez.
1.
Der wunderbare Fischzug des Petrus (L. 5, 4).

9.
Jesus versammelt alle Apostel und verleiht ihnen die Gewalt zu heilen und Teufel aus­zutreiben (Mt. 10, 1).

12.
Jesus und Petrus wandeln zum ersten Male auf dem See (Mt. 14, 22).

15.
Erste förmliche Aussendung der Zwölf und der Jünger auf dem Lehrberg bei Hanathon (Mt. 10, 5). Es werden nur sechs Apostel und achtzehn Jünger ausgesendet.

26.
Die Zurückkehrenden erzählen dem Herrn ihre Erlebnisse.

Drittes Lehrjahr 33:

Jan.
2.
Die bei Jesus weilenden Apostel erhalten eine Verstärkung ihrer Gnadengaben. Er nimmt drei Ägypter als Jünger auf.

5.
Zweite Aussendung der Apostel und Jünger am Lehrberg bei Tabor, außer Petrus und Johannes und einigen Jüngern.

Febr.
1.
Die Zurückkehrenden berichten dem Herrn von ihrer apostolischen Reise (Mk. 6, 30).

2.
Jesus setzt die zwölf Apostel über die 72 Jünger.

3.
Jesus und Petrus wandeln zum zweitenmal auf dem See (Mt. 14, 24).

10.
Jesus stellt die Apostel nach ihrer inneren Gesinnung und Gemütsart in drei Reihen zusammen:

  1. Reihe: Petrus, Andreas, Johannes, Jako­bus Major, Matthäus;
  2. Reihe: Thaddäus, Bartholomäus, Jako­bus Minor;
  3. Reihe: Thomas, Simon Zelotes, Philip-pus, Judas Ischariot.

13.
Er erteilt den Aposteln die Kraft der Wun­derheilung in verstärktemMaße. Alle wei­nen, und auch Jesus ist sehr bewegt.

März
12.
Er sendet die Apostel das drittemal, und zwar diesmal östlich und nordöstlich in ferne Orte gen Damaskus und Arabien. Sie kehren allmählich bereits nach einer Woche wieder zum Herrn zurück.

24.
Petrus empfängt vom Herrn in Gaulanitis, südöstlich von Sogane, die Schlüssel des Himmelreiches (Mt. 16, 13).

April
2.
Während der zweiten Osterfeier zu Jerusa­lem macht der Theologiestudent Stephanus, der spätere Diakon und Märtyrer, die per­sönliche Bekanntschaft mit Johannes.

8.
Verklärung des Herrn auf dem Berge Tabor vor Petrus, Jakobus Major und Johannes (Mt. 17, 1).

28.
Vierte Aussendung der Apostel und Jünger in der Gebirgseinsamkeit, nordwestlich von Garisima.

 

Die Freunde aus dem Laienstand

Jesu Wandel mit dem Essener Eliud

Der alte, sehr ehrwürdige Greis, bei welchem Jesus am 10. September 31 vor Nazareth einkehrt, heißt Eliud, ein Witwer, den seine Tochter pflegt, und der ein Neffe des hl. Zacharias ist. Zwölf Tage lang ist Jesus

mit ihm zusammen, unterhält Sich mit ihm in seinem Hause und macht mit ihm eine ganz private Wanderung durch die Land­schaften Südgaliläas, besucht mit ihm einen Aussätzigenbezirk, ein Heilbad und einige Städte, läßt ihn nicht von Seiner Seite und zeigt Sich vor ihm in der letzten Nacht auf dem Felde Jezrael in verklärter Gestalt.

Warum tut Er dies? Warum diese besondere Auszeichnung und Bevorzugung einer ein­zelnen Privatperson? Katharina Emmerich hat die Antwort auf diese Fragen gehört, welche zugleich ein uns aufklärendes Licht über alle derartige Privatgespräche Jesu wirft: Alle Privatpersonen, die von den Evangelisten mit Personennamen angeführt werden und alle Privatpersonen, mit denen der Heiland des längeren verkehrt und spricht, sind Typen für ganz bestimmte Men­schengruppen der Menschheitsgeschichte und ebenso für ganz bestimmte Seelenzustände, die in einzelnen Menschen immer wieder stattfinden, und schließlich auch Typen für bestimmte Gnadenberufe oder auch ab­wegige Ausgänge einzelner Menschen (z. B. Judas Ischariot).

Dieser Eliud nun ist der Typus des einsam beschaulich lebenden und gereiften Mysti­kers, der am Ende seiner Tage von Jesus eines besonderen vertraulichen Umganges mit dem Herrn gewürdigt wird.

Dementsprechend haben denn auch die Ge­spräche Jesu mit Eliud Dinge zum Gegen­stande, die der Heiland während Seines Lehrwandels weder in der großen Öffent­lichkeit noch im engeren Kreise zur Sprache bringt. Eliud hat auf Grund seiner mysti­schen und tiefforschenden Einstellung und auch auf Grund seiner Jugendbekanntschaft mit der Tempel-Hanna (L. 2, 36) vieles Interne aus dem Leben der Mutter der aller-seligsten Jungfrau und dieser letzteren selbst erfahren. Daher stellt er ganz unbefangen an Jesus tiefgehende Fragen über Jesu Sendung, Geburt und zu gründendes Reich ­und Jesus legt ihm alles aus.

Er sagt ihm, daß Er der Messias sei, spricht mit ihm über die ganze Linie Seiner mensch­lichen Herkunft und das Mysterium der Bundeslade. Eliud, der dazwischen oft aller­lei Schriftrollen vorlegt und Stellen aus den Propheten zitiert, fragt auch den Herrn, warum Er nicht früher auf die Welt gekom­men sei. Jesus antwortet darauf, wie Er nur aus einem Weibe habe geboren werden kön­nen, welches auf die Weise empfangen sei, wie die Menschen ohne den Sündenfall emp­fangen worden wären, und wie kein Ehe­paar seit den ersten Eltern beiderseits sich so rein dazu befunden habe wie Anna und Joachim. Er entwickelt ihm alles und zeigt ihm alle früheren Hindernisse, Hemmungen und Zurücksetzungen des Heils.

Auch fragt Eliud Ihn, wo denn Sein Reich sein werde, ob in Jerusalem, in Jericho oder in Engaddi (anscheinend weil Jerusalem das Zentrum des jüdischen Priestertums, Jericho das der Herrschaft des Herodes und Engaddi das der Essener war). Jesus antwortet hier­auf : Wo Er sei, da sei Sein Reich, denn Er werde kein äußerliches Reich haben.

Rührend ist es auch, wie Jesus, dem doch nichts verborgen ist, Sich dennoch alles von Eliud erzählen läßt, was dieser von Joachim, Anna, Maria, Joseph, Zacharias und Elisa­beth weiß, wobei der Heiland hier und da erklärende Bemerkungen macht. Dann läßt Er Eliud Zeuge sein, wie Er einen Aussät­zigen heilt, wie Er im Heilbad bei Endor im Sanatorium die Kranken tröstet und die ärmeren Kranken bei Tisch bedient. Auch besucht Er mit ihm Josephs frühere Werk­stätte und wandert mit ihm durch die stil­len Nächte, bis Er sich vor dem Jesu körper­liche Schönheit und Kraft bewundernden Greise in leuchtender, verklärter Gestalt zeigt, und ihm — so wie später dem Petrus, Jakobus und Johannes — einmal das Ziel sinnfällig vor Augen führt, zu dessen Erreichung von seiten der guten Menschen Er vorher durch die große Passion Seinen Leib verunstalten läßt.

Als Er Sich von ihm verabschiedet, segnet Er ihn in besonderer Weise und nimmt ihn damit gleichsam in die Gemeinschaft Seines neuen Reiches auf.

Kurz vor Eliuds Tode unterhält Er Sich noch einmal eine ganze Nacht hindurch mit dem altersschwachen Greise in dessen Woh­nung vor Kapharnaum, wodurch dieser noch einen himmlischen Trost empfängt.

Lazarus und seine Freunde

Nach dem Essener Eliud ist wohl Lazarus von Jerusalem und Bethanien der intimste Freund des Herrn gewesen. Sein Vater Zarah oder Zerah war von vornehmer Her­kunft aus Ägypten. Dieser wohnte eine Zeit­lang in Syrien an der arabischen Grenze und stand in enger Beziehung zu einem syrischen Könige. Wegen seiner Verdienste in einem Kriege wurde er vom Kaiser Augustus mit Gütern bei Jerusalem und in Galiläa be­schenkt. Durch seine Heirat einer Jüdin aus pharisäischem Geschlecht, namens Jeza­bel, wuchs sein Reichtum. Er wurde Jude, lebte streng nach Art der Pharisäer und vermachte einen Teil seines großen Stadt­besitzes dem Tempel. Seine Familie wußte von Hanna’s und Simeons Prophezeiung, erwartete den Messias und war schon zur Jugendzeit Jesu mit der heiligen Familie be­kannt, wie manchmal reiche fromme Leute mit ärmeren frommen Leuten zu verkehren pflegen. Noemi, die Lehrerin Mariä am Tempel, war eine Schwester der Jezabel. Zarah und Jezabel hatten im ganzen fünf­zehn Kinder, von denen sechs sehr früh starben, neun älter wurden und nur vier Christi Lehrzeit erlebten, nämlich Lazarus, Martha, die kontemplative Maria und Maria Magdalena. Nach dem Tode des Vaters fal­len durch Los das Schloß Magdalum und mehrere Landgüter am See an Maria Magdalena; das Schloß zu Bethanien an Martha und Maria; und der Stadtteil am Berge Sion, sowie eine große Zahl von Landgütern in Südgaliläa und das Schloß bei Herodium an Lazarus. Doch räumt Martha den Haupt­teil des Schlosses zu Bethanien ihrem Bru­der ein, da dieser sich gern hier aufhält.

Hier und auch im Stadthause am Sion weilt nun der Heiland sehr oft im Kreise der in­timen Freunde des Lazarus, zu welchem der Steinmetzerei- und Steinbruch – Besitzer Joseph von Arimathäa, der Bildhauer Niko­demus und der am Tempel beschäftigte Obed, der ein Sohn des alten Priesters Simeon ist, gehören; ferner der Pharisäer Simon zu Bethanien, der dort ein vermiet­bares Festhaus mit Hotel besitzt, und schließlich Johannes Markus, der Sohn der Maria Markus, der nicht mit dem Evange­listen Markus zu verwechseln ist.

Lazarus steht überall in großer Ehre und Achtung als ein sehr reicher und frommer, ja erleuchteter Mann. Sein Benehmen ist auch sehr vor dem aller anderen Mit­menschen ausgezeichnet; er ist sehr ernst, in allem sehr mäßig, redet wenig, wenn aber, dann sehr sanft und doch mit Gewicht. Bei aller Vertraulichkeit mit den Freunden hat er stets etwas Vornehmes in Haltung und Gesprächen. Er ist von langer Gestalt, hat helle Haare und eine gewisse Ähnlichkeit mit dem hl. Joseph, nur sind seine Gesichts­züge strenger und markanter. Anfangs glaubt er, wie Nikodemus und viele seiner Freunde, immer stillschweigend, Jesus sei berufen, mit Seinen Jüngern Jerusalem in Besitz zu nehmen, sie vom römischen Joch zu befreien und das Reich der Juden her­zustellen. Doch allmählich merkt er aus den Reden des Herrn, daß es sich mit dem Reiche Jesu doch anders verhalte.

Er begleitet den Herrn zu dessen Taufe und empfängt nach ihr mit seinen Freunden ebenfalls die Johannestaufe. Mitte Oktober 31 hört er Jesum zum erstenmal öffentlich in Gilgal predigen, und Ende Januar 32 ist er zum erstenmal Zeuge der Wunderheilun­gen Jesu in Beth-Araba.

Zur Hochzeit von Kana bestreitet er den zweiten Gang des Mahles, den der Herr übernommen hat, und stellt auch bald darauf seinen Weinberg nebst Gutshof in der Nähe von Jakobs Feld in Samaria der Gemeinde zur Verfügung. Alle Auslagen der Reisen und Almosen Jesu und Seiner Jünger gehen ebenfalls aus Lazari Vermögen, und Simeons Sohn Obed besorgt die Zahlungen. Ende Juli 32 bietet er sich mit den wohlhabenden Anhängerinnen Jesu aus Jerusalem dem Herrn an, für die reisenden Jünger Her­bergen in Nordjudäa und Samaria einzu­richten und zu verwalten. Jesus nimmt dies Anerbieten an, ebenso wie später die Ein­richtungen weiterer solcher Herbergen in Mittelgaliläa. Nach Magdalena’s endgültiger Bekehrung verkauft auf deren Bitte hin Lazarus die Güter Magdalenas und stellt den Erlös dem Herrn für Almosenspenden zur Verfügung, wovon Jesus gleich für die Ent­haftung der Gefangenen zu Thirza den ersten Gebrauch macht.

Im August 33 erkrankt Lazarus und stirbt Ende September. Nach seiner Auferwek­kung vom Tode kniet er im Speisesaal des Schlosses vor dem Herrn, der ihm die rechte Hand auf das Haupt legt und ihn siebenmal anhaucht. Hiermit weiht Er ihn zu Seinem Dienst, reinigt ihn von allem Zusammen­hang mit der Welt und ihren Sünden, und stärkt ihn durch Geistesgaben schon vor den Aposteln, da Lazarus bereits eine andere Welt geschaut hat und nun vom Herrn be­stimmt ist, bei den zukünftigen Christen­verfolgungen seitens der Juden vielen Gläu­bigen ein väterlicher Freund und Fürsorger zu sein.

Die vier übrigen Freundesgruppen

Der Herr liebt es, wenn in ihrer Stadt und Gegend angesehene Geistesmänner gänzlich frei sind von Neid und Herrschsucht und sich in ihrer aufrichtigen Heilssehnsucht nicht vor den Mitmenschen und ihrem ver­kehrten Gerede fürchten; und zu diesen vorbildlichen Männern gehören:

erstens der verheiratete Essener und Bürger­meister Jairus zu Phasael, mit dem der Herr im Oktober 31 die Ortskranken besucht, und dessen sechzehnjährige Tochter Er Mitte Februar 32 vom Tode erweckt (Jesu erste Totenerweckung) ;

zweitens der dreißigjährige Witwer und Pharisäer Dinotus in Gennabris, der mit Andreas befreundet ist und der den Herrn Ende August 32 mehrere Tage beherbergt;

drittens der Synagogenvorsteher Jairus von Kapharnaum, dessen Tochter Salome Jesus zweimal vom Tode erweckt, und der sich mutig zum Herrn bekennt, obschon er des­halb sein Amt niederlegen muß;

viertens der Samariter und wohlhabende Rentier Simeon, der sich mit seiner Familie bei Amichores-Libnath niedergelassen hat und der dem Herrn seine Gärten zur Lehre und Taufe zur Verfügung stellt, als sich Jesus im Juli 32 wegen der systematischen Verfolgung seitens des Synedriums von der öffentlichen Lehrtätigkeit zurückgezogen hat;

fünftens der patriarchalisch lebende Groß­grundbesitzer Obed bei Michmethat, der dem Herrn Ende Oktober 32 seine Landgüter zeigt und im Kreise seiner Familie und Arbeiterschaft den Standeslehren Jesu lauscht;

und schließlich der verheiratete Essener und Pharisäerssohn Simeon in Gath-Hepher, der Anfang Januar 33 sein Hab und Gut der Gemeinde Jesu überläßt.

Auch werden jene Inhaber öffentlicher Ämter der Freundschaft Jesu gewürdigt, die als Heiden einen größeren Glauben offen­baren als die Juden, und zu diesen gehören: die durch die Evangelien bekannten römischen Beamten Cornelius und Serobabel von Kapharnaum, ferner der römische Fe­stungskommandant Achias in der Garnisons­stadt Gischala und der Stadtpräfekt Ozias zu Antipatris.

Ebenso dürfen sich unter den Großkauf­leuten jene Freunde Jesu nennen, die bei allem Reichtum und weltlichen Erfolge die kostbare Perle des übernatürlichen Heils gefunden, erkannt und erworben haben, wie der Holzhändler Issachar zu Dothan und der Spediteur Israel zu Kana, die beide schon seit langem die heilige Familie kennen; ferner der Fabrikant Jesse zu Dabrath und der mit diesem in geschäftlicher Beziehung stehende Kaufmann Cyrinus zu Salamis auf Cypern.

Schließlich fühlt Sich der Herr wie unter Freunden in der Gesellschaft bestimmter Hirten, die durch ihre kindliche und offen­herzige Gesinnung Jesu Freude bereiten, und auch bei bestimmten Gruppen von Zöll­nern, die, wie Zachäus von Jericho, und wie jene an den Handelsstraßen bei Dibon, Jezrael, Galaad und Gessur, mit ihrer Be­kehrung ernst machen und sich restlos von allem unredlichen Besitz trennen.

5. Die heiligen und helfenden Frauen

Jesu Gespräche mit der kontemplativen Maria

Ähnlich wie unter den Freunden Jesu der alte Essener Eliud von Nazareth der Typus der einsam beschaulich lebenden Mystiker ist, so stellt die mittlere Schwester Lazari, die kontemplative Maria, den Typus der beschaulich lebenden Mystikerinnen dar. Sie hat im Schloßpark von Bethanien ihr eigenes Häuschen mit abgeschlossenem Gar­ten, gilt zwar bei den Ihren als geistig be­schränkt, wird aber vom Heiland anders be­urteilt, der zu Eliud von ihr sagt: „Sie ist nicht für diese Welt, sondern ganz innerlich und ohne Sünde, und so Ich mit ihr reden würde, sollte sie wohl das Geheimste ver­stehen.“

Und zweimal hat Er mit ihr eine lange, pri­vate und ganz mystische Unterredung, in denen sie mehr ekstatisch als natürlich von den Mysterien der Trinität und der Inkar­nation spricht. Der Herr unterbricht ihre Reden nur hier und da durch Gebet und Dank zum himmlischen Vater, segnet sie und verkündet ihr ihre baldige Befreiung aus dieser irdischen Welt, die am Schluß des ersten Osterfestes 32 im Beisein der aller-seligsten Jungfrau und der heiligen Frauen stattfindet.

Die drei nahe verwandten Marien

Unter den galiläischen heiligen Frauen stehen an der Spitze die drei Jesu nahe ver­wandten Marien:

Maria Hell, die neun Jahre ältere und älteste Schwester der seligsten Jungfrau, die Gattin des Kleophas, von dem sie die drei sogenannten „Brüder des Herrn“, Sadoch, Jakobus und Heliachim als Söhne hat, und die spätere Gattin des Obed, dem sie den Jairus schenkt. Sie wohnt zu Japha, einem kleinen, eine Stunde südlich von Nazareth gelegenen Orte, und später ist sie noch bei der Grablegung des Herrn zugegen.

Zweitens Maria Salome, die Cousine der seligsten Jungfrau, die Gattin des Fischers Zebedäus und Mutter der beiden Apostel Jakobus Major und Johannes, für deren Jesu nahen Platz in dessen Reiche sie den Herrn dreimal bittet. Sie bewohnt im An­fange des Lehrwandels Jesu das frühere Haus der heiligen Familie in Nazareth und lebt später bei Kapharnaum; sie steht mit unter dem Kreuze Jesu und wohnt der Grab­legung des Herrn bei.

Drittens Maria Kleophä, die Nichte und Jugendgespielin der seligsten Jungfrau, die Tochter der Maria Heli und Gattin zuerst des Alphäus, von dem sie die Apostel Judas Thaddäus, Simon Zelotes und Jakobus Minor und Susanna Alphäi empfängt, und der aus seiner ersten Ehe den Apostel Matthäus mit­bringt, dann Gattin des Sabas, von dem sie den Jünger Joses Barsabas empfängt, und schließlich die Gattin des Griechen Jonas, der aus seiner ersten Ehe den Jünger Parme­nas mitbringt, und dem sie noch den späten Sohn Simeon Justus schenkt. Gleich zu Beginn des Lehrwandels Jesu läßt sie sich nahe bei dem Hause der seligsten Jungfrau bei Kapharnaum nieder, empfiehlt dem Herrn angelegentlich ihre Söhne als Jünger, wird vom Herrn Ende November 32 vom tödlichen Fieber geheilt, ist ungemein rüh­rig im Dienste der Kranken und Armen bei den Bergpredigten Jesu und steht auch zu­letzt mit unter dem Kreuze des Herrn. Durch ihren dritten Mann ist sie entfernt mit Petrus verwandt.

Die drei anderen Verwandten des Herrn

Zur zweiten Gruppe der galiläischen Frauen, die nahe mit dem Herrn verwandt sind, gehören: Maraha, die jüngere Schwester der hl. Anna, also eine Tante der seligsten Jung­frau, die in Sephoris im ehemaligen Hause von Annas Eltern wohnt und öfters den Herrn und dessen Mutter bei sich beher­bergt und in ihren beiden Söhnen Arastaria und Cocharia dem Herrn die ersten Jünger schenkt.

Zweitens Susanna Alphäi aus Nazareth, die Tochter des Alphäus und der Maria Kleo­phä, also die Schwester der drei Apostel Thaddäus, Simon und Jakobus Minor.

Drittens Anna Kleophä, die Kleophas als Tochter aus seiner ersten Ehe mitbringt, als er Maria Heli, die älteste Schwester der seligsten Jungfrau, heiratet. Sie ist die Mut­ter des Nathanael, der zum Unterschied von den beiden anderen Nathanaelen der kleine Kleophas genannt wird, und den der Heiland sehr lieb hat.

Die fünf heiligen Witwen

Zu den sogenannten heiligen Witwen ge­hören zuerst einmal jene drei Mütter von frühesten Jüngern des Herrn: Lea und Seba von Nazareth, die dem Herrn die Jünger Kolaja und Eustachius schenken, und Sobe, die Tochter der älteren Sobe und die Cou­sine der seligsten Jungfrau, die in Kana den Herrn und dessen Mutter öfters beherbergt und deren Sohn oder Neffe der Bräutigam von Kana ist, der Nathanael heißt, in Kapharnaum wohnt und ebenfalls ein Jün­ger des Herrn wird.

Dann folgt die wohlhabende Witwe Maroni von Naim, die Schwester der Frau des Apostels Jakobus Major und die Mutter des vom Herrn vom Tode erweckten Jünglings Martialis, die den Herrn nach diesem Sei­nem Wunder mit den Jüngern in ihrer Sommervilla und ihrem großen Hause zu Naim beherbergt, einen Teil ihres Ver­mögens der Gemeinde Jesu zur Verfügung stellt und sich äußerst tätig im Kreise der helfenden Frauen erweist. Auf ihre Bitte hin heilt der Herr durch Vermittlung Seiner Mutter auch deren Freundin, die Witwe Maria aus Nairn, aus der Ferne von der Besessenheit, worauf die Geheilte ebenfalls in den Kreis der helfenden Frauen eintritt.

Die jerusalemer Frauen

An der Spitze der Frauen Jerusalems steht wegen ihres organisatorischen Talentes und apostolischen Eifers des Lazarus älteste Schwester Martha, die zuerst mit ihrem Bruder und dann mit den helfenden Frauen ständig unterwegs ist, um neue Jüngerher­bergen einzurichten, die älteren zu kontrol­lieren und um sämtliche Herbergen regel­mäßig mit Hausgerät und frischen Lebens­mitteln und Decken für die Jünger und Armen auszustatten.

Zweitens Seraphia aus Jerusalem, die Toch­ter des Vetters des hl. Zacharias, in deren Elternhaus am Fischmarkt zu Jerusalem Joachim und Anna einkehren, als sie ihre Tochter als vierjähriges Mägdlein zum Tempel bringen. Sie ist auch mit dem alten Priester Simeon verwandt und von Jugend an eine Freundin von dessen Söhnen. Zur Zeit des Lehrwandels Jesu ist sie mit dem Tempelratsmitglied Sirach verheiratet, unter dessen anfänglicher Abneigung gegen Jesus sie viel zu leiden hat. Durch Joseph von Arimathäa und Nikodemus bekehrt, wird Sirach milder gesinnt und erlaubt es seiner Frau, Jesum zu folgen und den Jüngern zu dienen. Sie ist eine großgewachsene, schöne und mutige Frau, und sie ist es, die dem Herrn auf Seinem Kreuzwege das Schweiß­tuch reicht, und daher in der Folge den Namen Veronika (von vera icon = wahres Bild) erhalten hat. Ihr Sohn Amandor ist einer der frühesten Jünger des Herrn.

Drittens Susanna von Jerusalem, die unehe­liche Tochter des Kleophas, eines älteren Bruders des hl. Joseph, ist von ihrem Groß­vater, einem persischen Fürsten, her eine reiche Frau und mit dem Beamten Matthias, einem Verwandten des späteren Apostels Matthias, verheiratet. Wie die seligste Jung­frau lebte sie auch als Mädchen im Tempel­pensionat und war nach ihr von Gophna aus dort eingetreten. Gleich zu Beginn des Lehrwandels Jesu gehört sie zum Freundes­kreise Lazari in Bethanien und begleitet Martha in der Folge viel auf ihren Rund­reisen und unterstützt sie durch reichliche Spenden. Später ist sie bei der Grablegung des Herrn anwesend.

Viertens die Witwe Salome, ähnlich wie Susanna der hl. Familie durch einen Bru­der des hl. Josephs verwandt, die schon lange bei Martha in Bethanien wohnt und auch bei der Grablegung des Herrn anwesend ist, sowie sich in der Gesellschaft der Magda­lena, Maria Kleophä und Johanna Chusa befindet, als sie am Auferstehungsmorgen die Spezereien zum Grabe Christi tragen.

Fünftens Maria Markus, eine Verwandte des alten Priesters Simeon. Sie wohnt mit ihrem Sohne Johannes Markus nordöstlich vor Jerusalem, beherbergt oft den Herrn in ihrem Hause und auch die Mutter Jesu un­mittelbar vor der Kreuzigung des Herrn und ist zuletzt bei der Grablegung der selig­sten Jungfrau zugegen.

Sechstens Johanna Chusa, eine hochgewach­sene, blasse, ernste Frau, aber stark und rüstig. Sie ist eine Nichte der Tempel-Hanna, und ihr Sohn war schon mit Jesus bekannt, als dieser zwölfjährig in Jerusalem zurück­blieb. Später ist er einer der drei geheimen Jünger Jesu zu Jerusalem. Sie verkehrt eben­falls im Schlosse zu Bethanien und schafft eifrig mit Martha für die Jüngerherbergen; der Herr speist des öfteren in ihrem Hause mit Seinen Jüngern; und sie ist es, die mutig mit Veronika und Maria von Hebron, der Nichte der hl. Elisabeth, nach Machärus reist, um dort mit Hilfe einiger Knechte aus Juta das Haupt des Täufers ausfindig zu machen und abzuholen.

Die bekehrten Sünderinnen

An der Spitze der bekehrten Sünderinnen, die zum engen Kreise Jesu und Seiner Mut­ter kommen, steht als Typus aller heiligen Büßerinnen Maria Magdalena, die jüngste Schwester des Lazarus. Mit sieben Jahren verlor sie ihre Eltern, die ihre jüngste, sehr schöne und altkluge Tochter verwöhnt hat­ten. Schon in ihrem neunten Jahre fing sie Liebschaften an. Mit ihren wachsenden Talenten und Eigenschaften wuchs auch der Lärm und die Bewunderung um sie. Sie hatte viele Gesellschaften, war auch gelehrt, schrieb Sprüche von Liebessachen auf kleine Rollen von Pergament, schickte diese herum und wechselte sie mit ihren Liebhabern. Mit elf Jahren bezog sie mit vielen Mägden und Dienern das durch Los von den Eltern ge­erbte Schloß Magdalum. In ihrem neuen Hause verkehrten bald Offiziere der Garnison von Magdalum und Umgegend, anfangs auch geistreiche Männer, aber allmählich sank das Niveau ihrer Hausfreunde und Freundinnen immer mehr.

Den ersten Gnadenstrahl empfängt Magda­lena am Schlußtage des vierzigtägigen Fa­stens des Herrn. Sie fühlt sich innerlich bewegt, und eine plötzliche Angst über ihr bisheriges Leben und eine Begierde nach Rettung überfällt sie. Doch hält die innere Regung nicht lange an. Martha bewegt Mitte Januar 32 Magdalena, mit ihr nach Jezrael zu reisen, um dort den neuen Propheten von Nazareth zu sehen; doch Jesus ist schon fort; aber Magdalena hört dort noch von Augenzeugen von den soeben gewirkten Wunderheilungen des Herrn. Einen Monat später ist sie auf Veranlassung ihres Bruders und der Martha, Veronika und Johanna Chusa, die sie besucht haben, in Jezrael, sieht vom Hotelfenster aus den Herrn mit Seinen Jüngern in die Stadt einziehen, emp­fängt von Ihm einen Gnadenblick, stürzt erschüttert und überwältigt in die Herberge der Aussätzigen, reist mit beiden Geschwi­stern nach Magdalum zurück, fällt aber nach einiger Zeit wieder in ihr altes Leben zurück. Im Kreise der Seinen erklärt der Herr am 24. Juli 32, sie sollten für Magda­lena beten, sie werde schon kommen und noch vielen ein Beispiel werden. Am 13. November erfolgt bei der Bergpredigt Jesu bei Gabara eine erneute, und am letz­ten Tage desselben Jahres 32 die endgültige Bekehrung Magdalena’s.

Sie wohnt fortan im Hause ihrer verstor­benen Schwester Maria zu Bethanien, bittet den Herrn mehrere Male für ihren sterbens­kranken Bruder, spendet Jesu wiederholt bei Tisch die Ehrensalbung — das letztemal den Tag vor dem letzten Abendmahl —, steht mit unter dem Kreuze, begleitet den heiligen Leib des Herrn zur Grablegung, und erlebt als erste die Auferstehung Christi.

Die zeitlich zuerst vom Herrn Bekehrte ist die Samariterin Dina, die durch ihr langes Zwiegespräch mit dem Herrn am Jakobs­brunnen bekannt ist. Sie stammt aus ge­mischter Ehe, von einer jüdischen Mutter und einem heidnischen Vater und ist auf einem Landsitz bei Damaskus geboren. Früh verliert sie beide Eltern, hat später fünf Männer hintereinander, die teils durch Kummer, teils durch neue Liebhaber aus dem Leben scheiden. Aus diesen Ehen stam­men drei Töchter und zwei Söhne, die bei den Verwandten ihrer Väter zurückbleiben, als Dina Damaskus verlassen muß. Zur Zeit ihrer Bekehrung am Jakobsbrunnen lebt sie mit einem Verwandten ihrer früheren Män­ner, einem reichen Kaufmann in Sichem, unehelich; doch weiß man dort nichts von der Illegimität dieser Ehe und schätzt Dina wegen ihres liebenswürdigen, schönen und geistreichen Wesens. Nach ihrer Bekehrung, Ende Juli 32, stellt sie der Herr Seiner Mut­ter vor, und in der Folge ist sie eine der tüchtigsten Helferinnen in der Gemeinde Christi. Sie gehört neben Magdalena, Maria Kleophä, Veronika und Mara zu den beson­ders schönen Frauen der Gemeinde, aber die seligste Jungfrau überstrahlt alle Frauen an Schönheit.

Etwas über einen Monat später als Dina, bekehrt sich in Ainon die reiche aus der Gegend von Supha im Moabiterlande stam­mende und daher die Suphanitin genannte Mara. Ihr jüdischer Ehemann wohnt in Damaskus und hat sie verstoßen, denn sie hat nacheinander vier Liebhaber gehabt, von denen sie drei Kinder hat. Nun lebt sie zu Ainon seit langer Zeit voll Reue und Buße, führt sich gut auf, hört die Lehre des Täufers gegen den Ehebruch und wird tief davon erschüttert. Doch wird sie öfters vorn Teufel besessen, auch gerade als sie bei der Ankunft Jesu auf diesen ihre letzte Hoff­nung gesetzt hat. Der Herr befreit sie vom dämonischen Einfluß, segnet ihre unehelichen Kinder, legt die Hände ihrer Kinder in die der geheilten und gänzlich bekehrten Mutter, und wird von ihnen bei der folgen­den Ehrenmahlzeit im Festhause durch Ehrengaben beschenkt. Bei Seiner Rückkehr nach Ainon leitet der Herr die Versöhnung mit ihrem Gatten in die Wege; Dina und Veronika nehmen sich ihrer liebevoll an und nehmen sie auf in den Kreis der helfen­den Frauen.

Ende Oktober 32 kommt die reiche heid­nische Witwe Lais aus Naim zum Lehrberg des Herrn bei Meroz und bittet für ihre beiden zu Hause vom Teufel besessenen Töchter Athalia und Sabia, die sie beide im Ehebruch empfangen hat. Ihre flehentliche Bitte wird erhört. Jesus spendet ihr die Bekehrungsgnade und heilt ihre Töchter auf der Stelle aus der Ferne; und alle drei kommen in der Folge zu den helfenden Frauen und begleiten die Mutter Jesu auf deren Lehrgang zu den Heidenkarawanen Mitte November desselben Jahres.

Andere bekehrte Persönlichkeiten

Im selben Monat hat die seligste Jungfrau bei einem ihrer Krankenbesuche in Kaphar­naum die blutflüssige Enue, eine Heidin und Witwe eines Juden von Caesarea Phi­lippi, kennen gelernt und sie in ihrem Glau­ben sehr gefördert. Am 6. Dezember 32 be­rührt sie im Gedränge das Gewand des Herrn und ist sogleich geheilt (Mt. 9, 20). Zwei Tage später preist Enues Schwägerin Lea, die Frau eines Pharisäers und heftigen Gegners Jesu, die seligste Jungfrau während des Lehrvortrages Jesu selig (L. 11, 27) ; und am 11. März 33 ist Jesus Gast im Hause des heidnischen Onkels der Enue in Cae­sarea-Philippi und empfängt von ihrer dort wohnenden Tochter bei Tisch die Ehren­salbung im Beisein der glücklichen Mutter.

Ähnlich wie Lais aus Naim nähert sich Mitte Februar 33 die verwitwete und heidnische Fabrikbesitzerin aus Ornithopolis — und daher im Evangelium (Mt. 15, 22 u. Mk. 7, 26) die kananäische und aus Syrophönizien stammende Frau genannt —, dem Herrn in der Stadt Dan oder Lais und bittet flehend­lich und unentwegt um die Heilung ihrer besessenen Tochter. Der Herr, von ihrem Glauben gerührt, heilt nicht nur ihre Toch­ter aus der Ferne, sondern auch sie selbst von ihrer seitlichen Krümmung, und am nächsten Tage auch ihren taubstummen Verwandten. In dankbarer und großzügiger Weise dient nun die Syrophönizierin den Interessen des Herrn betreffs der Diaspora­juden in Syrophönizien und bereitet Ihm und den Jüngern bei Seinem zweimaligen Besuche in Ornithopolis jedesmal ein Ehren­mahl, wobei ihre Tochter ihren ganzen, sehr reichen Schmuck an Juwelen und Kunst­figuren dem Herrn überreicht, Kostbarkei­ten, die Er sofort einlösen und den armen Diasporagemeinden zugute kommen läßt.

Ende des zweiten Lehrjahres beträgt die Zahl der heiligen Frauen der hilfreichen Gemeinde Jesu ungefähr siebenunddreißig, und am Ende des Lehrwandels Jesu ist die Zahl mit allen Pflegerinnen, Mägden und Vorsteherinnen der Jüngerherbergen bis auf siebenzig gestiegen.

6. Die weiteren Anhänger Jesu

Die Motive der Anhängerschaft

Es ist klar, daß der Herr unter den zahl­reichen von Ihm Geheilten, seelisch Bekehr­ten, innerlich durch Seinen Zuspruch Ge­trösteten, durch materielle Almosen Be­schenkten und unter den vielen Ohren­zeugen Seiner Lehrvorträge und Predigten und den Augenzeugen Seiner Wundertaten, sowie unter den vielen von den Aposteln, Jüngern, heiligen Frauen und anderen Freunden und Bekannten, Betreuten und Unterrichteten eine große Zahl von Anhängern während Seines Lehrwandels auf Erden gewonnen hat.

Die schwankenden Anhänger

Aber Er Selbst hat es oft zur Genüge aus­gesprochen, und die Folgezeiten haben es immer wieder gelehrt, daß unter diesen augenblicklichen Anhängern die meisten nicht ernst mit ihrer Anhängerschaft im Sinne Christi machten; daß sich besonders die heute Ihm zujauchzenden Massen nur zu leicht -wieder umstimmen ließen von den Gegnern, wenn Er längere Zeit nicht mehr unter ihnen erschien und lehrte oder Wun­der wirkte. Hat Er doch selbst bei Seinem feierlichen Einzug in Jerusalem am 15. März 34 unter dem Jubel und unter den Ehren­bezeugungen der Menge geweint und zu den Aposteln gesagt, daß viele, die jetzt so jubel­ten, Ihn bald verspotten würden, so daß auch die Apostel weinten. Und der routi­nierte Politiker und Menschenkenner Pila­tus hatte leider nicht ganz unrecht, als er nach seiner Erkundigung über den Galiläer Jesus im Januar 33 zum Schluß äußerte: „Solange Er nicht mit Kriegsvolk oder vie­lem bewaffneten Volk herumziehend Seine Wunder tut, ist gar nichts von Ihm zu be­fürchten. Wenn Er den Ort verlassen hat, wo Er Wunder tat, und an einen anderen Ort geht, wird man Ihn vergessen und ver­lästern, und ich höre ja, die jüdischen Prie­ster schelten gegen Ihn.“

Die Wirkung des Hl. Geistes

So traurig diese Bilanz aber auch ist, so gab es doch immer noch eine große Zahl, die Seine heimlichen Jünger blieben; und viele der anfänglich noch nicht ganz Bekehrten oder aus Schwäche bald Abgefallenen, sind später durch die Wirkungen des Heiligen Geistes und die Predigt und die Taten der Apostel und Heiligen echte und dauernde Anhänger geworden. Doch immer bleibt der Weg schmal und die Pforte klein, durch die man eingeht in das Reich des Herrn; und nur, die Gewalt gegen sich selbst anwenden, reißen das Himmelreich an sich.

DER LETZTE STURM SATANS – Weissagungen Jesu an Maria Valtorta

Jesus sagt:

«Wenn die Zeit meines friedlichen Reiches kommt — und sie wird kom­men, denn ich habe es versprochen, und ich breche meine Versprechen nie — werden die Guten auf der Welt alle zu mir kommen. Es wird die Periode sein, über die ich zu dir ge­sprochen habe, die Periode, in der der Geist jene Entwicklungsstufe er­reicht haben wird, in der ihr euch spontan in zwei Teile teilen werdet. Die außerhalb des Geistes Lebenden werden in ihren Finsternissen lie­gen, in Erwartung, die Miliz für den Fürsten des Bösen zu sein. Die im Geist Lebenden werden im Gefolge des heiligen Sohnes Gottes kommen, des Keimes des Herrn, geliebt und gepriesen von den Menschen in der Gnade, die dann verstehen werden, was jetzt nur von wenigen Auser­wählten verstanden wird, und die erkennen werden, wie groß meine Herrlichkeit ist und die ihre als Kin­der Gottes.

Maria-Valtorta-angeloIch werde meine Heiligen versam­meln, denn heilig ist, wer mich liebt und mir gehorsam und treu folgt. Ich werde sie aus den vier Enden der Erde versammeln. Und ihrer Liebe wegen werde ich die Freveltaten der Menschen verzeihen. Die Güte der Heiligen wird die Strenge des Gerich­tes auslöschen, und meine Liebe und die der Heiligen wird mit ihrem Feu­er die Erde reinigen. Wie ein großer Altar wird die Erde sein, in Frieden mit sich selbst und mit Gott, und auf diesem Altar wird der Meister die Menschen in der genauen Kenntnis der Wahrheit unterweisen, damit die Guten nicht wanken, wenn Satan losbrechen wird für die letzte Schlacht, rasend darüber, Christus von den Menschen angebetet zu se­hen.

Kampf des Geistes gegen den Geist. Satan wird meinem geistigen Reich und meiner Lehre seinen satanischen Krieg gegen die Geister entgegenschleudern, um davon so viele als möglich zu verderben, die Schwäch­sten. Und er wird aus seinen Reser­ven und aus seinen Festungen — wo die dem Tier treu Gebliebenen sind, auch nach der Niederlage des Tieres und seines Dieners — seine Verführer hervorholen, um ein letztes Mal das Werk Gottes zu zerstören, dessen Zerstörung zu Füßen des Baumes von Gut und Böse begonnen hat.

Die Epoche Satans wird dreimal grausamer sein als die antichristliche Epoche. Aber sie wird kurz sein, denn für die in dieser Stunde Lebenden wird die ganze triumphierende Kir­che zwischen den Lichtern des Him­mels beten; es wird die sich reinigen­de Kirche beten inmitten der reini­genden Flammen der Liebe, es wird die streitende Kirche beten mit dem Blut der letzten Märtyrer.

Gerettet werden die sein, die, wäh­rend die Finsternisse und die Glut, die Ungewitter und Blitze Satans die Welt zerrütten werden, im Schatten des Tabernakels zu bleiben wissen, von wo alle Kraft hervorquillt. Denn ich bin die Kraft der Lebenden, und wer sich von mir mit Glauben und Liebe nährt, wird eins mit meiner Kraft. Und es werden wenige sein, diese Geretteten, denn nach Jahr­hunderten und Jahrhunderten mei­ner Liebe für den Menschen hat der Mensch nicht zu lieben gelernt.

Aber niemand kann mich dessen anklagen, daß er verloren geht. Denn was konnte ich mehr für euch tun, o Kinder Gottes, die ihr es vorgezogen habt, ferne vom Haus des Vaters umherzuirren und zuweilen sogar eure göttliche Abstammung an den Feind Gottes zu verkaufen. Sagt nicht, daß ich, der Mächtige, verhin­dern konnte, daß euch das Böse nach­stellte und daß ich euch aus meiner Autorität heraus gut machen konn­te. Denn so wäret ihr weniger ver­dienstvoll gewesen als ein Grashalm, den der Fuß niedertritt, ohne ihn zu spüren; denn das Gras entsteht aus dem Samen in Gehorsam gegenüber dem Beschluß Gottes. Es entsteht und wächst aus sich allein. Und es besitzt auch nicht den allerkleinsten Teil der Fürsorge des Höchsten, die ihr habt. Sonne und Tau bekommt der Halm von Gott und eine Erdscholle. Ihr habt den Verstand zu eurer Führung, habt die Gnade zu eurer Erleuchtung, das Gesetz für eure Ordnung, habt mich als Lehrer und mein Blut zu eurem Heil.

Ich habe euch alles gegeben und ihr habt mir so wenig gegeben, im­mer weniger und weniger! Mit der Geduld Gottes habe ich mich um euch gekümmert und ihr habt euch immer gegen mich erhoben. Die am wenig­sten Schuldigen waren immer die Trägen. Ihr habt immer befürchtet, zu viel für euren Gott zu tun, der für euch alles getan hat.

Und siehe, darum kommen die Strafen auf euch. Sogar diese sind noch Aufrufe der Liebe, um euch zur Überzeugung zu bringen, daß es ei­nen Gott gibt, und daß die anderen Götter, denen ihr mit jener Treue dient, die ihr mir verweigert, euch nichts anderes geben können als lügnerische Versprechungen und si­cheres Übel. Von Strafe zu Strafe, nach dem Maß größer werdend, wie ihr den Götzendienst und die Un­zucht vermehrt, gelange ich zu den großen Strafen, und diese ist eine von ihnen, für die nicht mehr eine Reihe meines Weingartens, sondern der ganze Weingarten geöffnet, verheert, verwüstet und erschüttert wird von dem, dem ihr dient und dem ich er­laube, daß er euch durch seine Ge­schenke, die Geschenke des Todes sind, überzeugt.

Darum sage ich euch: „Kommt zu Gott, ruft Gott in der Wahrheit des Gedankens und des Herzens, und Gott wird sich am blutüberströmten Horizont zeigen, und Satan, der grau­same Folterer, wird entfliehen und euch freilassen.“

Aber ihr ruft Gott nicht. Es genügt euch, euch nur darum zu bemühen, aus dem gemeinsamen Übel ein ein­ziges Gut zu machen: eure Reichtü­mer zu vermehren, immer größere Macht an euch zu reißen, zu genie­ßen und wieder zu genießen. Um die, die leiden — die Besten — kümmert ihr euch nicht. Noch weniger um Gott. Vielmehr erhebt ihr euch sogar zu der Herausforderung, ihr wagt es, Ihn zu rufen, oh ihr Gotteslästerer, zur Bekräftigung eurer satanischen Taten und Gedanken. Ihr fordert Ihn heraus, sich zu zeigen, denn ihr sagt: „Gott gibt es nicht. Gott sind wir.“ Auf eurer verfluchten Zunge und eurer verkauften Seele häuft Satan schon die höllischen Gluten, und ich werde sie mit meinem Zorn entzün­den.

Ich verfluche euch schon jetzt, Schlangen in Menschengestalt, und wenn ihr es so leicht nehmt, vom Kreis meine Heiligen ausgeschlos­sen und von meinen Guten verab­scheut zu sein, so leicht wie eine Sperlingsfeder, die nicht weh tut, wenn sie auf einen fällt — denn ihr besitzt ein Herz aus Granit — wird mein Fluch euch im Innersten tref­fen, um euch Qualen zu bereiten, denn ich bin der, der die Täler öffnet, indem er die Berge teilt, Ich trenne die Meere und erschüttere die Erde mit dem Wollen meines Gedankens, und ich kann in den Kieselstein eu­res Herzens eindringen und ihn zermalmen, als wäre er eine zerbrech­liche Kugel aus geblasenem Glas.

Entweiher, Lügner, Frevler, ver­dammt sollt ihr sein für all das Böse, das ihr tut, für alle Seelen, die ihr dazu bringt, an der Güte Gottes zu verzweifeln, die ihr mir raubt und mit eurem Beispiel zerstört und auf jede mögliche Weise zugrunde rich­tet. Aber habt keine Angst. So, wie ich für die Schwachen gerecht und mitleidvoll sein werde, die ihr mit eurer Gewalt zum Bösen hingebogen habt, genauso werde ich mit euch gerecht und unerbittlich sein. Schon auf dieser Welt. Eure Macht, eure geraubten Reichtümer, die ihr aus dem Schmerz von Tausenden von Menschen destilliert habt, werden sich in euren Händen verflüchtigen wie der Rauch von Stroh, das man verbrennt, weil es zu schmutzig ist, um aufbewahrt zu werden. Und es wird auch keine Verteidigung geben, die für euch, die ihr jegliches Maß überschritten habt, wirksam sein wird.

Wer Ohren hat zu hören, der höre. Man streckt nicht die mit Blut besudelte Hand gegen den Glanz des Heiligen aus, der im Namen des Hei­ligen der Heiligen spricht, und gegen das Heiligtum, das höher steht als der Tempel von Jerusalem, denn sei­ne Fundamente sind, noch ehe sie begonnen worden waren, vom Blut meiner Helden getauft worden, und auf seine Steine fiel wie der Tau das reinigende Blut zahlloser Märtyrer. In ihm ist der Leib meines auser­wählten Felsens zur Ruhe gebettet, in der Erwartung, an der Seite seines Meisters aufzuerstehen. Und ich schwöre euch, daß dieser Ort bedeu­tend heiliger ist, als es der Tempel Salomons war, und den Schändern dieses Ortes, welcher schon Paradies ist — begreift den Grund dafür — wird das zustoßen, was all denen zustößt, die die Herrlichkeit des Herrn her­ausgefordert haben.»

«Der Erzengel, der Luzifer besiegt hat und der als Wache vor meinem Reich und dessen Kindern steht, wird es sein, der wie ein himmlisches Zei­chen in der letzten Zeit erscheinen wird. Dies wird die Zeit sein, da Isra­el mit dem Rom Christi verbunden sein wird und es nicht mehr die zwei Äste des Gottesvolkes geben wird: den gesegneten und den für seinen Gottesmord verfluchten, sondern nur einen einzigen, der der Stamm Chisti genannt wird, weil er in mir lebt.

Dann wird, da die Zahl der Geret­teten voll sein wird, die Auferste­hung des Fleisches kommen und wie eine Menschenmasse, welche schläft und die eine Posaune aufweckt, um sie zusammenzurufen und zu sam­meln, werden die Toten, in unzähli­gen Friedhöfen liegend, in den Wü­sten, in den Meeren, überall liegt einer, der ein Mensch war, aufer­stehen, um zu mir zu kommen, dem höchsten Richter.

Oh! Licht, das du mein Attribut bist und das du jene wie Sterne er­strahlen läßt, die die Weisheit kann­ten und die Gerechtigkeit lehrten und lebten, wie wirst du dich voll Freude ausbreiten an jenem Tag über meine Seligen!

Die letzte Zeit von drei Jahren und sechs Monaten, furchtbar wie keine, die der Mensch kannte, wird jene sein, in der Satan durch seinen Sohn von höchstem Groll verbrannt — denn die Spaltung zwischen den beiden Ästen des Gottesvolkes wird beendet sein, und mit ihr der Grund für so viele materielle, moralische und gei­stige Übel — seine vollkommenen und allerletzten Listen benützen wird, um Schaden anzurichten, zu zerstö­ren und Christus in den Herzen zu töten und die Herzen für Christus.

Die Weisen werden die Fallen Sa­tans erkennen, die unzählbaren Hinterhalte Satans, denn wer die wahre Weisheit besitzt, ist erleuchtet und für ihre Treue zur Gnade wer­den sie strahlend und wie im Feuer erprobt, würdig für den Himmel er­wählt zu sein. Die Gottlosen werden dem Bösen nachfolgen und werden Böses tun, da sie das Gute nicht ver­stehen können, denn aus freiem Wil­len werden sie ihr Herz an Bösem übervoll gemacht haben.

Sodann wird die Zeit kommen, in der die Kirche, unterdrückt bis zu einem noch nie erreichten Punkt nicht mehr frei sein wird, das ewige Opfer zu feiern, und die abscheuliche Verwüstung wird bis zum Heiligen Ort aufgestiegen sein und über die Heiligen Stätten, so wie es von den Propheten gesagt und von mir, der ich niemals irre, wiederholt worden ist. Daniel sagt: „Es werden 1290 Tage sein (der Unterdrückung). Se­lig, wer wartet und den 1335. Tag erreicht.“ Das bedeutet, daß in den drei Jahren und sechs Monaten, die dem Ende vorausgehen werden, ein kleiner Zeitraum am Ende für die Gläubigen bewahrt wird, um sie zu vereinen, um das letzte Wort zu hö­ren, das in den Geistern wiederhallen wird als Einladung zum Himmel, während Michael mit seinen Engeln den Satan und seine Dämonen besie­gen wird. „Selig, wer wartet und den 1335. Tag erreicht“ soll bedeuten: „Selig, wer bis zum Ende ausharrt“, denn er wird gerettet werden. Und dir sage ich: „Gehe bis zum festgesetz­ten Ende (deiner Zeit als Lebende auf Erden) und du wirst Ruhe haben und  wirst in dem bleiben, was dir bestimmt ist, bis zum Ende der Tage.“»

(Aus: Das Morgenrot einer neuen Zeit, Weissagungen Jesu an Maria Valtorta, S. 99-104), 200 Seiten, kartoniert)

Johanna Royer: „DIE KIRCHE DER LETZTEN ZEITEN“

Aus:
Leben und Offenbarungen der Schwester von der Geburt
(Johanna Royer, [Vén. Soeur de la Nativité] 1731-1798)

Soeur de la Nativité - Jeanne Royer

Schwester von der Geburt – Soeur de la Nativité – Jeanne Royer

Nur kleiner Auszug, nämlich S. 762 – 813:

(Nach dem Französischen von Ph. Hartmann, Pfarrer in Kallmerode.

Mit oberhirtlicher Genehmigung. Heiligenstadt. 1865.

Zweite Abtheilung.

Schicksale der Kirche in den letzten Zeiten;
Ursachen und Wirkungen der Verfolgungen bis zur Ankunft des Antichristen.
)

§ 329.

Die Kirche in den letzten Zeiten

a) Einleitung: Die Kirche als Jungfrau einen halbgefüllten Kelch in den Händen haltend, wünscht ihn voll zu sehen; Zahl der Martyrer.
(Siehe oben § 183, 181 und § 341.)

b) Werth des Marterthums.*)
[*tom. 1. p. 131]

1. Niemals, äußerte Jesus, ist mir meine heilige Braut wohlgefälliger, als wenn sie aus Liebe zu mir leidet; insbesondere haben mich meine wahren gesalbten Diener nie mehr verherrlicht, als seitdem sie um meiner Person und Sache willen überall unstät und flüchtig umherirren, verfolgt oder eingekerkert werden. Ja, ihre Bereitwilligkeit zum Leiden, ihre Entbehrungen, ihre Einkerkerung oder Landesverweisungen, die Mißhandlungen und Qualen, das freudige Bekenntniß, eher den Tod zu dulden, als ihr Gewissen zu verletzen und den Glauben zu verleugnen, gefallen mir unendlich und nöthigen mich, alle ihre Fehler zu vergessen, deren sie sich etwa schuldig gemacht haben. (Seite 460 und 220).

Bei dieser Gelegenheit, fuhr die Schwester zu reden fort, muß ich Ihnen, mein Vater! auch sagen, daß Gott, als er mich vor einigen Tagen nach einer Communion auf die Strafe Frankreichs aufmerksam machte, hinzufügte: „Dies wird eine günstige Gelegenheit für die Gerechten werden, um in der Vollkommenheit zu wachsen, und für viele Sünder, um sich zu bekehren. Viele Klostergeistliche, die auf Kosten der Heiligkeit ihres Standes sich durch weltliche Prachtliebe und Eitelkeit versündigt haben und eine Menge Anderer, die nur dem Namen nach Christen waren und nicht wagten, den Glauben öffentlich zu bekennen, werden in sich gehen und den Entschluss fassen, durch ein erbauliches, heiliges Leben und durch würdige Früchte der Buße den schärfern Strafen zu entgehen; Andere freilich werden unter solchen Streichen sich nur noch mehr verstocken.

Kommen wir jetzt wieder auf die Unterredung Jesu Christi zurück. Er fuhr fort:

2. Du siehst, meine Tochter! daß dieser Zustand zugleich eine glückliche Zeit für die Kirche Frankreichs ist, indem sie niemals so glorreich, so siegreich und stark war. Meine Heiligen im Himmel triumphiren vor Liebe und Glorie, aber die Dulder auf Erden siegen durch Prüfungen, denen ihre Liebe und Treue gegen den Glauben ausgesetzt ist. Es sind also für sie Zeiten des Heils, der Gnade, des reichlichsten Segens und der Ablässe. Wenn ein Sünder sein ganzes Leben in Ausschweifungen zugebracht hätte, aber bei Gelegenheit einer wüthenden Verfolgung von Reue ergriffen in sich geht, seinen bereits erloschenen Glauben belebt, sich meinen großmüthigen Kämpfern anschließt und zur Vertheidigung meiner Sache und zur Abbüßung seiner Sünden Blut und Leben opfert, so schwöre ich bei mir selbst, daß ihm nichts angerechtnet werden soll. Aus seinem Blute soll ein heilsames Bad, eine zweite Taufe werden, worin die Sünde der Schuld und der Strafe nach abgewaschen und vertilgt wird.

3. Wie nun, mein Vater! die im Namen Gottes ausgestandene Marter für den Einzelnen eine Wohlthat ist, so ist sie es zugleich für die ganze Kirche, nämlich ein Reinigungsbad, ein Schmelzofen, worin sie wie Gold geläutert wird. Gott sprach hierüber zu mir: daß er Vielen die guten Willens sind, ohne Rücksicht auf ihre geringen Verdienste, wegen der Heiligen, die an guten Werken Überfluß haben, reichliche Gnade und Barmherzigkeit schenken werde. Weil die Kirche ein Leib ist und die Glieder durch die innigste Liebe mit einander verbunden sind, so haben alle Glieder Anspruch auf die geistigen Güter der Andern, und ist in diese Beziehung Alles gemeinsam. Wegen dieser Gemeinschaft der geistigen Güter sucht Jesus Christus auf den Wunsch seiner Kirche, nach den Gesetzen seiner Gerechtigkeit und nach den Regeln seiner Liebe hauptsächlich den Schwächsten zu helfen. (§ 320 und § 195)

4. Mag die Hölle immerhin Schüler und Anhänger des Irrthums gewinnen, sie wird doch in diesem Stücke nie mehr erreichen, als daß sie eben nur die faulen Glieder von der Kirche trennt, denn die wahren Kinder werden der Kirche stets getreu bleiben. Selbst die Ausscheidung der Bösen, die Absonderung der Kinder des Verderbens, wird, weit entfernt die Kirche zu vernichten, sie vielmehr nur reinigen und und verschönern. Man braucht daher ihretwegen keine Sorge zu tragen.

Die Abtrünnigen mögen daher ausscheiden; sie mögen frei ihren Theil wählen, weil sie die Kirche durch ihre gottlosen Worte doch nur lästern und durch ihr ausgelassenes und anstößiges Betragen nur entehren. Darum sprach auch Christus: „Wahrlich, wahrlich, ich werde selbst aus diesem Abfalle meine Ehre ziehen. Meine Kirche, dem Anscheine nach weniger zahlreich, wird in neuem Glanze erscheinen, reiner und herrlicher werden, wie das im Winde von Spreu und Staub gesäuberte Waizenkorn.“

5. Die Kirche unter dem Bilde eines Baumes.*)
[* tom. 2 p. 135.]

Ich kann auch sagen, fuhr der Herr fort: „Meine Kirche gleicht einem Baume, welcher, wenn er vom Sturmwinde geschüttelt wird, immer tiefere Wurzeln faßt, sich dadurch noch mehr befestigt, aber die verdorbenen und faulen Früchte verliert. Zwar wird sie deßwegen dem Anscheine nach viele verlieren; aber es wird auch die Gnade, wie im Kleinen und Einzelnen von Person zu Person, so auch im Großen von Königreich zu Königreich übergehen; namentlich wird die Fackel des Glaubens wandern und nach und nach verschiedenen Nationen leuchten.

Meine Religion ist einem majestätischen Flusse gleich, der durch die Jahrhunderte hindurch seine Wogen fortwälzt und in einer Gegend wieder gewinnt, was er in der andern verliert.“ Aus diesen und ähnlichen Bildern ist also ersichtlich, wie solche Veränderung der Kirche nur nutzt und der Abfall lauer, blinder und schlechter Christen ihr, statt Nachtheil, Segen bringt.

Erster Abschnitt.
§. 330.

Gottlosigkeit der Zeitgenossen unter dem Bilde eines merkwürdigen Baumes mit vier starken Wurzeln, welcher die Kirche zu unterdrücken droht; Anstrengung der Kinder der Kirche, diesen Baum zu vernichten. *)[* tom 4. p. 400.]

I. Beschreibung des Baumes:

Um mir die Früchte der Revolution klar zu machen, zeigte mir der Herr einen Baum von bewunderungswürdiger Höhe und Stärke, der vier Wurzeln von dem Umfange einer Tonne hatte; drei dieser Wurzeln sah man auf dem Boden über der Erde, welche gleichsam einen Dreifuß bildeten, und mit diesen drei starken Füßen den Baum hielten. Die vierte Wurzel war die Pfahlwurzel, in der Mitte des Baumes. Letztere wie die drei andern, ging so tief in die Erde hinein, daß man sagen konnte, sie bekämen Nahrung, Stärke, Saft und Triebkraft von dem teuflischen und boshaften Geiste der Hölle; so wenigstens deutete es mir der Geist des Herrn an.

II. Harte Schale dieses Baumes; Entfernung seiner Zweige auf einer Seite; er neigt sich über die Kirche, als wolle er sie vernichten.*)
[* tom. 4. p. 400.]

Der genannte Baum hatte zwar keine Blätter und Knospen, aber eine so feste und so harte Schale, wie eine metallne Kanone, wodurch die große Streitsucht des Geistes angedeutet wird. Er war so hoch, daß ich seine Krone nicht erblicken konnte; hing aber so sehr nach einer Seite hin, daß man wegen seines wunderbaren Umfanges leicht auf und absteigen und sogar darauf hingehen konnte. (Siehe Seite 600), wo ein ähnlicher Baum geschildert wird.)

Auf der Seite, welcher der Baum zugeneigt war, befand sich eine schöne große Kirche, anscheinend in Gefahr, durch den umsinkenden Baum zerschmettert zu werden. Doch sagte mir der Geist Gottes, daß für sie nichts zu fürchten wäre, weil er seine Kirche bis an’s Weltende schützen und unterstützen würde. Wolle man sie bestürmen, was allein möglich wäre, so würde sie davon nur blühender werden. Zweige hatte der Baum, aber nur auf der herabgesenkten Seite in einer Höhe von 2 oder 3 Fuß über dem Boden aus dem Stamm hervorgewachsen; die auf der entgegengesetzten Seite ausgeschlagenen waren dicht am Stamme abgeschnitten, damit sie das Auf- und Abgehen des Baumes nicht hinderten. Ich sah auf ihm mehrere fromme Personen, selbst einige meiner Bekannten auf- und absteigen, auch Arbeiter um den Baum haben sich mit Hacken, Beilen und andern Geräthen, aufgestellt, als wenn sie den Baum fällen wollten.

Hierüber sprach der Herr: Diese abgeschnittenen Zweige stellen die innern Unruhen Frankreichs vor wodurch die göttliche Gerechtigkeit sich an diesen Gottlosen, wovon obiger Baum ein Bild ist, rächt.

Ich sah in Gott, daß diese inneren Unruhen, die sich zu den äußeren Kriegen mit fremden Fürsten gesellten, unzählig viele stolze und boshafte Seelen hinrafften und in den tiefsten Abgrund stürzen. „So, spricht der Herr, gehe ich mit den Gottlosen um, und suche aus der gerechten Züchtigung meine Ehre zu ziehen.“

III. Vergebliche Anstrengungen der Kirche. *)
[*tom. 4. p. 402.]

Ich fragte hierauf den Heiland, was die auf- und absteigenden Personen im Sinne hätten. Er antwortete mir: „Sie wollen oben an der Spitze des Baumes große Stricke befestigen, um den stürzenden Baum von der Kirche abzulenken.

Hierauf erklärte er mir alles Übrige, was diesen Baum betrifft und sprach: „Die ganze Kirche bemüht sich, den Baum zu fällen und mit der Wurzel auszurotten. Weil die Gebete und Seufzer der Gläubigen mein Herz rühren, so soll die Dauer des Baumes abgekürzt werden, doch will ich, daß er blos über der Erde abgesägt werde. Das ganze Volk ist nun in Bewegung; man hat schon am Fuße des Baumes Werkzeuge vorbereitet, um ihn zu entwurzeln, doch wird ihnen dies nicht gelingen, weil ich will, daß die Wurzeln bleiben sollen. Da mir aber die Herzenshärte der Gottlosen bekannt, und sie größer ist, als die Baumrinde, welche die Axt nicht durchhauen kann, so wird meine Gnade ein Wunder thun; denn ohne Mich kann man nichts.“

Durch die Arbeiter mit den Geräthen sind die Kriege angedeutet, welche für die gute Sache in Gott gefälliger Absicht und in rechtmäßiger Weise geführt werden. (Solche sind nicht untersagt; denn Gott verbietet nur das Banditenwesen, den Todschlag und Meuchelmord, der auf Verrath und geheimem Grolle beruht. Letztere Mittel verzögern übrigens nur die Rettung, statt dieselbe zu beschleunigen.) Während nun auf der einen Seite ein heiliges Kriegsheer im heiligen Kampfe für die gute Sache begriffen ist, sehe ich auf der andern Seite in Gott die Völker der heiligen Kirche, die noch in der Gnade sind, sich erheben und mit geistigen Waffen des Gebetes und der Buße im Stillen handeln und kämpfen, um das Herz Gottes zu rühren und ihm gleichsam eine heilige Gewalt anzuthun; das sind die starken Stricke, die den Baum von der Kirche abziehen sollen. Besonders seufzen und büßen die guten Priester, Mönche und Nonnen, sie rufen die jüngsten Martyrer an, welche in göttlicher und vollkommener Liebesgluth flammend vor Gottes Throne liegen und in Vereinigung mit dem für die streitende Kirche sich aufopfernden Lamme beten. Ja, Alle sollen unerschrocken kämpfen den guten Kampf des lebendigen Glaubens, sollen immer den Helm der Hoffnung auf dem Haupte und die Flammen der Liebe Jesu Christi im Herzen tragen.

Sollte der Herr auch mit seiner Hülfe zögern, so müssen wir uns in Geduld seinem heiligen und anbetungswürdigen Willen unterwerfen und vertrauen, daß er uns früher oder später Hülfe schicken werde. Ja, er wird sie schicken, ich wiederhole es; vertrauen wir nur, jedoch nicht in Unthätigkeit, sondern indem wir aus Liebe zu ihm herzhaft ringen und kämpfen. Wenn auch unsre Anstrengung ohne Ihn nichts hilft, so will Er doch nicht allein sondern wir sollen mit Ihm vereint und in seiner Liebe wirken, keine feigen Diener sein, die den Muth verlieren und durch Unthätigkeit sein Werk eher verzögern als befördern. Trösten wir uns also, zu seiner Zeit wird auch das versprochene Wunder kommen und Alles zum guten Ende führen!

(Fortsetzung folgt)

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

Die apostolische Belehrung der Jünger

Karte Nr. 32
1-Fahsel Emmerick Karte 32

Haus Petri vor Kapharnaum

Im Hause Petri vor der Stadt trifft der Herr mit allen Jüngern zusammen und stellt ihnen die drei heidnischen Philosophen aus Salamis vor, die mit Jakobus Minor und Thaddäus soeben von Gessur angekommen sind. Auch Andreas und Simon treffen mit anderen Jüngern ein; und alle speisen mit dem Herrn.

Haus Andreä zu Bethsaida

Nach dem Mahl begibt Sich Jesus mit ihnen zum Hause des Andreas und läßt Sich hier der Reihe nach von den Einzelnen ihre Er­lebnisse auf den apostolischen Reisen er­zählen. Wer mit einem gewissen selbst­gefälligen Eifer gern viel erzählen will, dem fällt Er ins Wort: „Es ist mir schon be­kannt.“ Die aber einfach und bescheiden berichten, denen hört Er der Länge nach zu. Die Schweigenden fordert Er freundlich zum Reden auf.

Hier und da hatte man auch Steine hinter ihnen hergeworfen, aber sie waren nie ge­troffen worden. An einigen Orten mußten sie flüchten, waren aber stets wunderbar geschützt worden. Sie hatten jedoch auch viele gute Leute gefunden, hatten viel ge­heilt, getauft und gelehrt. Jesus hatte ihnen befohlen, nur zu den verlorenen Schafen Israels zu gehen (Mt. 10, 6) ; sie hatten also die Juden in den heidnischen Städten auf­gesucht und sich mit Heiden nicht eingelas­sen, außer mit einigen, die bei Juden dienen. Andreas und seine Jünger hatten in Gazara (südöstlich von Lydda) mehrere jüdische Sklaven losgekauft, und alles Geld darum gegeben, was sie besaßen. Sie fragen den Herrn, ob sie recht getan; und Er bejaht es. Jesus unterbricht auch zuweilen ihre Mit­teilungen mit der Erzählung von Parabeln. So erzählt Er vom Unkraut unter dem Wei­zen (Mt. 13, 24-30) und spricht von eini­gen abgefallenen Jüngern und ermahnt die Anwesenden, auf ihre Leistungen hin sich nicht in Sicherheit zu wiegen, denn sie wür­den noch große Versuchungen zu bestehen haben. In einer anderen Pause erzählt Er das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (L. 19, 11-28) und bezieht es auf Seine Reise nach Cypern und auf die Rechen­schaft, welche die Jünger über ihre Wirk­samkeit während Seiner Abwesenheit jetzt ablegen.

Auch sagt Er zu dem einen oder anderen plötzlich: „Warum denkst du so Unnützes?“ oder: „Denke nicht dergleichen!“ oder: „Du meinst dies jetzt ganz anders, denke so und nicht so!“ Es denkt nämlich hier und da einer, jetzt meine Er diesen oder jenen Bestimmten.

Zum Schluß redet Er noch sehr ernst mit ihnen, und sie sind ein wenig traurig dar­über.

Haus Mariä bei Kapharnaum

Abends kehrt Jesus mit den Seinen zum Hause Mariä zurück und tröstet die Jünger im Garten, indem Er ihnen das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberge (Mt. 20, 1-16) erzählt und auslegt. Maria und die heiligen Frauen hören, verschleiert und ab­gesondert, zu.

Zum Schluß stellt Jesus die neuen Jünger und die Neubekehrten (Neophiten) Seiner heiligsten Mutter vor. Er pflegt dies in der letzten Zeit immer zu tun. Es geschieht dies mit einem inneren Einverständnis zwischen Ihm und Maria, damit sie die Jünger in ihr Herz, ihr Gebet und ihren Segen gleichsam als ihre Kinder und Seine Brüder aufnehme, so daß sie ihre geistige Mutter sei.

Bethsaida und Kapharnaum

Fr. 20.

Am Vormittag wandelt der Herr mit mehre­ren Jüngern vom Hause Mariä über die nordöstliche Anhöhe und kehrt nördlich von Bethsaida in das Aussätzigen-Hospiz ein, wo Er einige Kranke heilt, belehrt und ihnen befiehlt, sich, wie üblich, den Prie­stern vorzustellen.

Gleich darauf heilt Er auch im Hause Petri Kranke, die man aus Kapharnaum und Bethsaida dorthin gebracht hat, denn es ist hier gutes Wasser für die Kranken, zum Trinken und Baden.

Nach Tisch lehrt Jesus im Lehrhause zu Kapharnaum vor allen Jüngern und Freun­den und vielen anderen Leuten aus Kaphar­naum und Bethsaida über den Messias und dessen Erkenntniszeichen.

Zum Sabbat-Anfang predigt Er in der Syna­goge sehr scharf wider die Pharisäer, die anwesend sind, um Ihn zu belauern, und er­klärt wieder das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl (Mt. 22, 1-14). Maria und die Frauen der Familien aus Kapharnaum hören auf der Tribüne der Frauen zu, wo sie ihre eigenen Plätze haben.

Neue Missionsreisen der Apostel

Die Apostel weilen unterdes immer noch auswärts: Petrus besucht Abigail in Betha­ramphtha-Julias ; Jakobus Major und Mat­thäus halten sich in der Dekapolis südöst­lich des Sees Genezareth auf ; Johannes tröstet in Judäa die Eltern der im Tempel ermordeten Helisöhne (Verwandte des Zacharias, Tempeldiener und Freunde Jesu) ; Judas Ischariot und Thomas weilen in der Gegend von Ptolemais ; Bartholomäus weilt zwischen Japha und Caesarea, und Philippus befindet sich mit Barnabas, Mnason und dessen Bruder in Japha wegen der Ankömm­linge aus Cypern.

Sa. 21.

Jesus besucht mit einigen Jüngern etwa zwanzig Privathäuser reicher und armer Leute zu Kapharnaum und heilt dort sehr viele Kinder zwischen drei und acht Jahren, denn es herrscht hier augenblicklich eine Art Scharlach und andere Krankheiten, wie sie dem Scharlachfieber zu folgen pflegen. Er heilt auch im Hause am Marktplatz den kleinen Knaben, den Er bereits am 11. April 33 segnete und am letzten Donnerstag be­suchte.

Im Anschluß hieran besucht Er noch den Jairus, Serobabel und Cornelius, heilt und lehrt am Nachmittag wieder in Petri Haus, ohne Sich hierbei von drei Pharisäern stören zu lassen, die gekommen sind, um Ihn vom Heilen abzulenken und in eine Diskussion zu verwickeln.

Unterdes lehren und heilen die Jünger nach Weise des Herrn die Reisenden, die auf der Anhöhe nordöstlich von Mariä Haus in Zel­ten lagern.

Zum Sabbat-Schluß predigt Jesus in der Synagoge vom Fluch und Segen, von den falschen Kundschaftern nach dem Reiche Gottes, von denen, die nicht hineinkommen werden, von der Verkennung des Messias, von dem Gericht über das Land und Jeru­salem.

Nach Ihm besteigen zwei Pharisäer den Lehrstuhl und wenden sich bei ihrer Aus­legung der fälligen Lektion gegen das Hei­len seitens Jesu, da in der Lektion der Be­fehl Gottes an Moses berichtet wird, einen Mann steinigen zu lassen, der am Sabbat Holz sammelte (Num. 15, 32-36). Doch Jesus fragt sie, ob die Gesundheit der Armen und Notleidenden Holz sei, das man ver­brenne; ob eine tote, hölzerne Heuchelei nicht vielmehr ein Holz sei, und ob das Ärgernisnehmen am Heilen der Armen, das Splitterrichten und Balken-im-Auge-haben nicht ein Holzsammeln sei mehr, um es in den Weg der Wahrheit zu werfen, und zum Kochen und Wärmen des Giftes der Zwie­tracht und Verfolgung, als um sich Speise zu bereiten.

Einige wenige Zuhörer bezeigen sich dabei sehr still und gerührt und nachdenklich; mehrere stecken die Köpfe zusammen und sagen: „Ja, Er ist es! Er ist der Messias! So kann kein Mensch, kein Prophet lehren!“ Die meisten winken sich mit den Augen zu und freuen sich über die Niederlage der Pharisäer; die Verstockten aber ärgern sich mit diesen.

Rückkehr der Apostel

Abends speist der Herr im Hause Mariä, und nachts kommen mehrere Apostel und Jün­ger von ihren Reisen zurück.

So. 22.

Im Beisein der heiligen Frauen und Jung­frauen, sowie anderer gutgesinnter Leute belehrt Jesus auf dem Hügel nördlich des Weges zwischen Kapharnaum und Beth­saida alle anwesenden Apostel und Jünger über ihre Sendung, Arbeit und Früchte, über ihre Gesinnung, ihre Irrtümmer und über die Verfolgungen der Zukunft. Auch erzählt Er jetzt die ganze Parabel von den Arbeitern im Weinberg, wie sie im Evan­gelium (Mt. 20, 1-16) steht, und legt sie weitläufig aus.

Die heiligen Frauen sind zugegen, weil auch sie wirken und pflegen, und weil manche von ihnen noch keinen rechten Begriff von der Gesinnung haben, in der alles getan werden muß, um verdienstlich zu sein und gute Früchte zu bringen.

Zum Schluß lobt und tröstet Er die Jünger und gibt ihnen mit ausgestreckter Hand über ihre Häupter den allgemeinen Segen und erfüllt sie von neuem mit Mut und Stärke.

Am Nachmittag kommen Petrus, Jakobus Major, Matthäus und einige alte Johannesjünger an und begrüßen den Herrn im Hause Mariä. Hier versammeln sich alle im Hause Petri, und Jesus lehrt bei Tisch und erzählt von Seiner Reise nach Cypern, wo­bei Er die Parabel von den 570 Fischen vom 6. Juni wiederholt.

Die heiligen Frauen haben Kleidungsstücke, Sohlen und Gürtel gebracht, die nun unter den angekommenen Jüngern verteilt wer­den. Jesus lehrt bei der Austeilung über die Bedeutung der Kleidungsstücke und sagt zum Beispiel bei den Gürteln: „Umgürtet eure Lenden und haltet brennende Lichter in den Händen!“ (Is. 32, 11; vgl. Mt. 5, 16).

Die zweite Lehre auf dem See

See Genezareth

Mo. 23.

Er fährt mit den Aposteln und Jüngern auf den See, um ganz ungehindert vom Andrang der Menschen Sich ihre Erlebnisse erzählen zu lassen und sie darüber zu belehren.

Sie besteigen das große Schiff und das kleinere von Jesus, fahren getrennt ab, hängen sich später aneinander an und lassen die Schiffe sanft treiben. Die Jünger sind alle auf dem großen Schiff, Petrus und ein paar Apostel auf dem kleinen Schiff Jesu, der auf der Ruderbühne am Mast sitzt und zuhört oder lehrt. Es ist ein schöner Tag. Sie haben die Segel zum Schatten über sich gespannt und essen ihre Mahlzeit auf den Schiffen in kleinen Brettchen.

Gegen Abend hält der Herr an alle noch eine lange Ansprache, wie sie sich in zweifel­haften Lagen zu verhalten hätten, und sagt ihnen zum Schluß, sobald Er zu Seinem Vater gegangen sei, wolle Er ihnen den Hei­ligen Geist senden, dann sollten sie immer recht zu lehren wissen (ähnlich wie J. 14, 26 und 16, 13).

Handelsstadt Kana

Di. 24.

Maria und die heiligen Frauen gehen nach Kana, wo Maria Kleophä wohnt. Jesus folgt nachmittags mit neun Aposteln, Nathanael Kana und einigen dorthin Gehörigen nach.

Mi. 25.

Es sind hier viele Verwandte und Freunde Jesu zusammengekommen, die Ihn besuchen und Ihm wieder zusetzen, Er möge Sich zu­rückziehen, weil Ihm gewiß Gefahr bevor­stehe; die Sache wachse zu sehr, und die Pharisäer würden immer erbitterter gegen Ihn. Jesus antwortet ihnen wie gewöhnlich und ladet sie ein, Seine Lehre auf dem Lehr­hügel zu Kana anzuhören.

Er besucht noch einige gute Leute und Freunde in der Stadt und heilt einige Kranke. Auch segnet Er die Kinder, die Ihm auf den Straßen scharenweise von Eltern und Lehrern zugeführt werden.

Auf dem Lehrhügel spricht Er von Seiner Sendung und deren Erfüllung; wie Er nicht um der Bequemlichkeit und Lust des Lebens willen gekommen, und wie es töricht sei, anderes von Ihm zu verlangen als den Wil­len Seines Vaters. Er spricht deutlicher als je, daß Derjenige da sei, der lange erwartet worden; Er werde aber nur von wenigen er­kannt werden und, wenn Seine Arbeit ge­tan sei, zum Vater zurückkehren.

Seine Rede ist so wunderbar und eindring­lich, daß die Leute, wie vor vier Tagen, zu einander sagen: „Er ist mehr als ein Pro­phet! So hat nie einer in Israel gesprochen!“

Die Apostel-Versammlung zu Kana

Südwestlich am Tabor

Mit den Aposteln und einigen Jüngern geht Er etwa zwei Stunden südwestlich längs dem Tabor, wo Ihm die zurückkehrenden Apostel Thomas, Johannes, Bartholomäus, einige Verwandte des Zacharias und fünf Berg­leute von Chytroi auf Cypern entgegen­kommen und Nachrichten von den anderen bringen.

Handelsstadt Kana

Alle kehren nach Kana zurück und nehmen an einer großen Mahlzeit im Hause und Hofe des Spediteurs Israel, des Vaters der ehemaligen Braut von Kana, teil. Es sind nun alle Apostel, die siebenzig ausgesandten Jünger und mehrere andere, viele Ver­wandte Jesu und die heiligen Frauen zu­sammen.

Jesus und mehrere Apostel bedienen bei Tisch die eingeladenen Armen, und zum Schluß erzählt Er allen Anwesenden die Parabel von den zehn Jungfrauen (Mt. 25, 1-13), legt sie ihnen aus und spricht viel von der Nähe der Zeit des Bräutigams.

Es ist dies eine Art Erinnerungsfest der Hochzeit von Kana, weil heute wie damals alle Jünger, Apostel und Freunde beisammen sind. Das Haus ist mit Blumen geschmückt, man trinkt aus jenen Wasserkrügen des ersten Wunders, Kinder machen Musik und bringen Blumenkronen und Pyramiden, und Bartholomäus, Nathanael Chased und einige Jünger haben schöne Sprüche auf geistige Vermählung gemacht.

Hügel zwischen Kana und Gabara

Do. 26.

Auf dem Wege gen Gabara erzählen die Apostel nochmals ihre Erlebnisse. Sie gehen abwechselnd in kleinen Gruppen mit Ihm. Er bleibt oft stehen und redet sie mit den Worten: „Meine lieben Kinder“ an.

Einmal sagt Er: „Liebe Kindlein, nun wird es sich zeigen, wer Mich geliebt und in Mir Meinen himmlischen Vater, und wer um Meinetwillen das Wort des Heiles verbreitet und geheilt hat und nicht um seinetwillen und eitlen Ruhmes wegen.“

Als die Jünger und besonders Petrus er­zählen, wie ihnen in Seinem Namen die bösen Geister untertan gewesen, winkt ihnen Jesus zu schweigen, verwehrt ihnen die Freude über die ihnen verliehene Macht und anempfiehlt ihnen die Freude darüber, daß ihre Namen im Himmel eingeschrieben stünden (L. 10, 16-20).

Als Er auf dem Hügel steht, ist Er ganz ernst und doch dabei freudig und selig und hebt die Hände empor. Lichtglanz kommt über Ihn, und ganz verzückt bricht Er in den Jubelruf aus, daß Sein Vater dies vor den Weisen und Klugen verborgen, aber den Einfältigen geoffenbart habe (Mt. 11, 25 bis 27). Und hieraufhin erklärt Er die Jün­ger für selig, daß sie gesehen und gehört, was viele Propheten und Gerechte zu sehen und zu hören begehrt hatten, und nicht sahen und hörten (Mt. 13, 16-17).

Lehrberg bei Gabara

Am Fuß des Berges nehmen sie eine kleine Mahlzeit von Fischen, Broten, Honig und Früchten, gehen auf den Lehrberg, von vie­len Leuten begleitet, und Jesus unterrichtet die Seinen nochmals eingehend über das Lehren und Heilen, teilt ihnen die nächsten Reisepläne mit und dankt zum Schluß allen für ihren bisherigen Fleiß und Gehorsam.

Bekehrung eines jungen Pharisäers

Haus Mariä bei Kapharnaum

Fr. 27.

Früh morgens entläßt der Herr einen Teil der Jünger in ihre Heimatsorte, lehrt und tröstet im intimen Kreise der Verwandten und Freunde und speist dann allein mit Maria.

Kapharnaum

Nachdem Er im Lehrhause die Apostel und zurückgebliebenen Jünger unterrichtet und vorbereitet hat, predigt Er in der Synagoge, wendet sich mit einer Strafrede an die Pha­risäer, als sie wieder die alten Vorwürfe ge­gen Ihn und die Jünger vorgebracht, bis plötzlich ein junger Mann unter den Pha­risäern laut ausruft: „Wahrhaftig, dieser ist der Sohn Gottes, der Heilige in Israel! Er ist mehr als ein Prophet!“ und sich in ein begeistertes Lob Jesu ergießt.

Es entsteht eine große Bewegung. Zwei alte giftige Pharisäer fassen den jungen Mann bei den Armen und schleppen den weiter Lobenden aus der Synagoge hinaus, worauf Jesus stark weiter predigt.

Der junge Mann sagt sich draußen laut und heftig vor allem Volk von den Pharisäern los und wirft sich dem Herrn, als Dieser die Synagoge verläßt, zu Füßen und bittet um Aufnahme unter Jesu Jünger. Dieser nimmt ihn auf, nachdem Er ihm kurz den Ernst und die Pflichten der Nachfolge vorgestellt, und vertraut ihn einigen Jüngern an.

Fischerstadt Bethsaida

Sa. 28.

Jesus besucht mit den Aposteln und einigen Jüngern das Aussätzigen-Hospiz und lehrt dort im Vorhof die durch einen Graben ge­trennten Kranken und die Schifferknechte und Arbeiter aus der dortigen Gegend über die Sabbat-Lektion und im Anschluß daran über Buße, Bekehrung, Barmherzigkeit, Glauben und Nähe des Reiches und legt Parabeln aus.

Letzte Predigten in Kapharnaum

Kapharnaum

Nachmittags besucht Er vor dem eigent­lichen Gottesdienst die Synagoge, um Jeder­mann hören zu lassen, was Er die Seinen lehre, und um zu zeigen, Er scheue Sich nicht und brauche nicht in Winkeln zu lehren. Unter anderem erzählt Er ihnen, nachdem Er ihnen Wachsamkeit empfohlen (Mt. 24, 42), das Gleichnis vom heim­kehrenden Herrn und seinen wachsamen Dienern (L. 12, 35-40) und erklärt es auf die Frage des Petrus, ob sich dies Gleichnis auf die Jünger beziehe, näher (L. 12, 41 bis 46). Im Anschluß hieran erwähnt Er den Grundsatz göttlicher Vergeltung entspre­chend der anvertrauten Gabe (L. 12, 47 bis 48), spricht vom Feuer, das Er gebracht, und von Seiner Taufe, die sich vollziehen müsse (L. 12, 48-50), und von der Schei­dung der Geister (L. 12, 51–53) und über Zeichen und Lehre der Zeit (L. 12, 54-59).

Bei der Sabbat-Lehre, welche Ihm die an­kommenden Pharisäer höflich einräumten, richtet Er alle Fragen Samuels aus der fäl­ligen Lektion (1. Kön. 12, 3) an die Hörer, wobei Er auf die üblichen Vorwürfe der Pharisäer gegen Ihn abzielt. Sie wider­sprechen Ihm nicht, sondern schieben es auf die Mahlzeit auf, zu der sie Ihn mit den Aposteln und einem Teil der Jünger einge­laden haben.

Das Mahl findet in der offenen Halle des Hauses der Synagogenlehrer nahe bei der Synagoge statt. Gleich am Anfang weist Er das große Handwasch-Becken zurück und hält eine Strafrede wider ihre Heuchelei (L. 11, 37-52; und ähnlich wie bei Mk. 7, 1-23 am 14. Februar 33). Bei Tisch macht Er alle ihre Einwürfe wider Seine Syna­gogenlehre so gründlich zu Schanden, daß über zwölf von ihnen aufstehen und belei­digt das Haus verlassen.

Mit den übrigen Sieben wandelt Er in der Halle, und als sich einer der Jünglinge von Nazareth naht, die Ihn bereits am 18. und 19. September 31, am 11. März und 17. August 32 vergebens um Aufnahme gebeten, und an Ihn die Frage stellt: „Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu er­langen?“, antwortet Er mit Hinweis auf die Erfüllung der beiden Hauptgebote der Liebe und erzählt die Geschichte vom barmher­zigen Samariter (L. 10, 25-37).

Zum Schluß verteidigt Er Sich und Seine Jünger gegen die erneuten Beschuldigungen der sieben Pharisäer, entfernt Sich mit den Seinen, betet in der Einsamkeit allein und beschützt aus der Ferne Seine Jünger gegen die von den Pharisäern gedungenen Kerle, die hinter den Jüngern Steine herwerfen.

Die Unterweisung der neuen Jünger

Lehrberg bei Hanathon

So. 29.

Auf dem Wege zum Lehrberg bittet ein Jüngling den Herrn um die Erbschaftsteilung mit seinem Bruder (L. 12, 13-14). Jesus kehrt am Fuße des Berges in einer langen Hütte ein, wo Er lehrt und einige gekrümmte Leute heilt. Hierauf betet Er mit den mitgenommenen Jüngern, die noch neu sind, in der nahen einsamen Wildnis und belehrt sie dann oben auf dem Berge über die einzelnen Bitten des Vaterunsers (L. 11, 1-4), erzählt das Gleichnis vom zu­dringlichen Freunde (L. 11, 5-8) und er­mahnt sie zur Zuversicht und Beharrlich­keit im Gebete (L. 11, 9-13). Dieser Lehre hören noch etwa dreißig gute Leute aus der Gegend zu. Er verbringt die Nacht mit den neuen Jüngern im gemeinsamen Gebet.

Mo. 30.

Morgens beschließt Jesus die Lehre vom Gebet und verfährt dabei mit den Jüngern nach Art einer Katechese mit Fragen und Antworten. Zuletzt wiederholt Er das ganze Gebet und gibt eine Auslegung des Wortes Amen, ähnlich wie am 2. Juni zu Mallep auf Cypern, nämlich als des Wortes, das alles in sich enthalte, den Anfang und das Ende. Auch hier hören noch andere zu.

Universitäts-Stadt Bethsaida-Julias

Unter den Zuhörern befinden sich auch einige Pharisäer aus Julias, die Ihn nach Beendigung der Lehre zu sich einladen. Er nimmt die Einladung an.

Vorerst trifft Er noch mit Maria, Maroni und Lea in einer Herberge am Westufer des Jordan zusammen, tröstet Seine weinende, um Ihn besorgte Mutter, segnet die Frauen zum Abschied und wandelt dann mit den Jüngern nach Bethsaida-Julias, wo Er am 24. November, 21. März und 16. April ge­wesen.

Im Hause des Pharisäers wird Er sehr höf­lich empfangen, aber es dauert nicht lange, so beginnen die alten Vorwürfe wegen des Sich-nicht-waschens vor Tisch und alles dessen, was Ihm vor zwei Tagen vorgeworfen wurde. Die Jünger ziehen den Meister zur Seite und bitten Ihn, nicht zu eifern, sie möchten sonst vertrieben werden. Er ver­weist den Neulingen ihre Feigheit; doch die Mahlzeit vollzieht sich noch in Ruhe. Der Auftritt bei dieser Mahlzeit ist mit dem vor­gestern zu Kapharnaum geschehenen im Evangelium von Lukas in eine einzige Er­zählung zusammengezogen worden (L. 11, 37-52).

Abends lehrt Jesus noch in der Synagoge, heilt aber nicht, denn die Pharisäer haben die Leute hier eingeschüchtert und sind sehr stolz auf die hiesige Universität. Er über­nachtet in einem Hotel innerhalb der Stadt.

Drittes Vierteljahr :

Vom Schluß des Lehrwandels in Galiläa bis zur Auferweckung des Lazarus

(1. Juli bis 30. September 33)

Der Schluß der sogenannten Bergpredigt

Lehrberg bei Bethsaida-Julias

Juli, Di. 1.

Morgens besteigt der Herr den Lehrberg der Brotvermehrung, auf welchem sich alle Apostel und Jünger und noch ein paar hun­dert andere Leute aus Kapharnaum, Caesa­rea-Philippi und anderen Orten der Umge­gend versammelt haben. Einige Jünger ver­hindern unten am Berge mehrere Pharisäer am Hinaufgehen mit dem Hinweis, der Meister wolle allein sein, Er belehre heute nur die Seinigen; wenn sie Ihn hören und mit Ihm streiten wollen, sollen sie es in ihren Synagogen tun. Hierauf kehren jene um.

Jesus lehrt heute tatsächlich alles dasjenige, was in der sogenannten Bergpredigt der Evangelisten Matthäus und Lukas enthalten ist, mit Ausnahme der ersten sieben soge­nannten Seligpreisungen. Er beginnt also mit der achten Seligkeit: „Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen“ (Mt. 5, 10-12) ; dann spricht Er vom Salz der Erde, von der Stadt auf dem Berge, vom Licht auf dem Leuchter (Mt. 5, 13 bis 16), von der Erfüllung des Gesetzes (Mt. 5, 17 bis 20), vom rechten Almosengeben (Mt. 6, 1-4), vom rechten Beten (Mt. 6, 5 bis 8), vom Vaterunser (Mt. 6, 9-13), vom Vergeben der Fehler und vom Fasten im Verborgenen (Mt. 6, 14-18), vom Sam­meln der Schätze im Himmel (Mt. 6, 19 bis 21), vom gesunden Auge als Sinnbild des inneren Lichtes (Mt. 6, 22-23), von der Unmöglichkeit, zwei verschiedenen Herren zu dienen, und von der Hintansetzung ängst­lichen Sorgens um den morgigen Tag (Mt. 6, 25-34) ; vom Splitter-Richten im Auge des Nächsten (Mt. 7, 1-5), von der Hütung des Heiligen vor den Unwürdigen (Mt. 7, 6), vom beharrlichen und zuversichtlichen Bitten, Suchen und Anklopfen (Mt. 7, 7 bis 11) ; vom Grundsatz der Nächstenliebe (Mt. 7, 12), von der engen Pforte und dem schmalen Wege, der zum ewigen Leben führt (Mt. 7, 13-14), vom wahren Krite­rium, die Menschen nach ihren Früchten zu beurteilen (Mt. 7, 15-20), vom vollen Her­zen, wovon der Mund überläuft (L. 6, 45), vom vergeblichen Rufen: Herr, Herr! (Mt. 7, 21-23) und schließlich vom Manne, der sein Haus auf Felsen baut (Mt. 7, 24-27).

Nachdem Er so länger als drei Stunden ge­predigt hat, gehen die Hörer zum Fuß des Berges hinab, um zu essen, was durch die Jünger herzugetragen war.

Nach dieser Pause setzt der Herr die Pre­digt bis gegen Abend fort, ermahnt die Jün­ger noch einmal über alle jene Punkte, von denen Er schon bei den früheren Aussen­dungen geredet, und fordert sie schließlich zum Glauben, Vertrauen und Ausharren auf.

Leviten-Stadt Argob

Hierauf wandert Er eine Stunde nordöstlich zu der hochgelegenen Doppelstadt Argob, die auf den Lehrberg herabschaut, und übernachtet im Hotel vor der Stadt, wo Er schon einmal am 12. März dieses Jahres gewesen.

Lehrberg bei Bethsaida-Julias

Mi. 2.

Heute predigt der Herr auf demselben Berge wie gestern, aber diesmal vor mehre­ren Tausenden, die vom ganzen Lande zu­sammengeströmt sind und viele Kranke mit­gebracht haben, die Er heilt. Auch Pharisäer und andere Gegner sind erschienen, kommen aber nicht zum Disputieren; denn der An­drang, der Jubel über die Wunderheilungen und die Begeisterung der Hörer ist so groß, daß die Gegner kleinlaut und ängstlich wer­den.

Während sich das Volk zum Essen lagert, denn es hat Speisen mitgebracht, heilt Er viele Kranke und treibt Teufel aus. Auch macht Er einen blinden Vetter des Esseners und Jüngers Manahem (vgl. S. 217) sehend, den die Jünger bereits gehend gemacht haben und den sie nun herbeiführen.

Nach der Pause belehrt Er besonders die Jünger über alles dasjenige, was bei Lukas im zwölften Kapitel (1-59) kurz auf­gezählt ist. Auch spricht Er wiederum das Wehe über die unbußfertigen Städte Chora­zin, Bethsaida, Kapharnaum (L. 10, 13 bis 16) und auch über Jerusalem aus (L. 13, 34 bis 35). Zum Schluß sendet Er die neueren Jünger aus, und zwar alle zu zwei und zwei in einer Weise, wie Er es bisher noch nicht getan hatte.

Leviten-Stadt Argob

Abends geht Er mit den Seinen wieder zum Hotel vor Argob und übernachtet hier.

Der Abschied von Kapharnaum

Matthäi Zollstätte

Do. 3.

In Argob entläßt Er die Jünger und Apostel in ihre Heimatsorte, außer Petrus, Jakobus, Johannes und Matthäus, mit denen Er zu Matthäi Zollstätte geht, um dort noch von etwa zwanzig Freunden aus Kapharnaum Abschied zu nehmen.

Dieses besondere Abschiednehmen, auch von Seiner heiligsten Mutter vor drei Tagen, hängt offenbar nicht nur damit zusammen, daß Jesus für eine Zeitlang Galiläa verläßt und nach Jerusalem geht, sondern auch mit dem Umstand, daß Er mit Seiner Bergpre­digt gestern und vorgestern Seinen öffent­lichen Lehrwandel in Galiläa, sowie Seine Lehrtätigkeit vor den großen Volksmengen beendet hat. Er lehrt vor größerer Öffent­lichkeit später nur noch in Jericho und Jeru­salem. Auch schließen mit der gestrigen Aussendung der neuen Jünger Seine persön­lichen Aussendungen, und in diesem Sinne ist es auch aufzufassen, wenn es oben hieß, daß Er heute morgen die Apostel und Jün­ger entläßt.

Demnach hat also Jesus durch Herumreisen in ganz Palästina genau zwei Jahre gelehrt, denn am 1. Juli 31 begann Er, von Ort zu Ort zu wandeln und in den Synagogen zu lehren, und am 1. Juli 33 hielt Er Seine letzte große Predigt in Galiläa, die am fol­genden Tage, verbunden mit den letzten Massenheilungen, ihren Höhepunkt und Ab­schluß fand.

Trotzdem muß man den öffentlichen Lehr­wandel Jesu, im ganzen genommen, nach beiden Seiten hin, um zehn Monate erwei­tern, um den Monat Juni im Jahre 31, wo Er Sein eigentliches Wandeln, wenn auch nur allein und ohne große Vorträge und ohne Heilungen, mit dem 3. Juni begann; und dann um die noch jetzt folgenden neun Monate, in denen Er hier und da noch lehrt und schließlich Seine große Passion mit den letzten Lehren im herodianischen Tempel einleitet.

Nachdem Jesus noch mit Jairus, Serobabel, Cornelius und den anderen Freunden im früheren Zollhaus des Matthäus, wo jetzt gute Bekannte wohnen, gespeist hat, fährt Er mit Petrus, Jakobus und Johannes auf den See hinaus und belehrt sie auf dem Schiffe in der Gegend bei Dalmanutha und landet bei der Zollstätte von Dalmanutha.

Karte Nr. 33, 1. Teil
1-Fahsel Emmerick Karte 33

Die Reise durch Auranitis

Halb-Manasse-Stadt Edrai

Fr. 4.

Gadara und Abila zur Rechten lassend, wan­dert heute der Herr mit den drei Aposteln etwa sieben Stunden nach Edrai und predigt zum Sabbat-Anfang in der Synagoge.

Sa. 5.

Wie gestern lehrt Er auch heute ohne Widerspruch und heilt außerdem viele Kranke. Seine Lehre behandelt die fällige Lektion, wobei Er die vorkommenden Per­sonen und Tiere des Alten Testamentes, wie Aaron, Jephte, Kore, Moses und die ge­sprenkelte Kuh und die eherne Schlange (Num. 19-21; Richt. 11) als gewisse Typen des Messias und der Geschehnisse des Neuen Testamentes auslegt.

Kaathiter-Ort Korä

So. 6.

Nachdem der Herr weiter gen Osten ge­wandert, lehrt Er auf einem Lehrhügel im Park bei dem Orte Korä (in der Gegend von Et-Taijibe), wo Nachkommen aus dem Ge­schlechte des Kaath (Num. 16, 1) wohnen, und heilt dann viele Besessene und Kranke.

Karte Nr. 34
1-Fahsel Emmerick Karte 34

Levitenstadt Bosra

Mo. 7.

Heute erreicht der Herr mit den drei Apo­steln die Hauptstadt Bosra im Hauran. Petrus ist im Mai schon hier gewesen und hat Juden ausgelöst, die Sklaven von Hei­den waren. Jesus löst heute den Rest aus, indem Er mit dem Gold bezahlt, welches Ihm mehrere bekehrte Leute in Edrai und auch hier in Bosra als Geschenk brachten.

Bosra ist eine Freistätte für Totschläger, und mehrere Sünder bekennen Jesu ihre Ver­brechen. Er wohnt bei den Leviten, heilt Kranke und Besessene, darunter auch jene Kranken, die die Jünger bei ihrem ersten Hiersein nicht geheilt hatten.

Viele, welche die Taufe begehren, bereitet Jesus am Taufbrunnen vor. Die Apostel taufen auch einige Heiden in der Stille ab­gesondert. Abends geht Er mit den drei Aposteln noch fünf Stunden nordöstlich nach Nobah.

Rechabiten-Stadt Nobah

Di. 8.

Außer dem heidnischen Teil der Stadt woh­nen lauter Rechabiten hier, die, von der babylonischen Gefangenschaft zurückkeh­rend, Nobah wieder eroberten und sich hier niederließen (vgl. 1 Par. 2, 55).

Jesus heilt viele Besessene, die Ihm aus dem hiesigen Hospital zugeführt werden. Auch Petrus, Jakobus und Johannes heilen und lehren. An der Grenzscheide kommen auch Heiden zum Herrn und ehren Ihn. Er läßt einige von ihnen taufen und segnet die Kin­der. Er stößt hier auf keinerlei Widerspruch und arbeitet erstaunlich. Er übernachtet mit den Seinen im Hotel bei der Synagoge.

Hirtenort Jakobs Friedenslager

Mi. 9.

Von Nobah geht Er wieder fünf Stunden südwestlich zu einem lieblichen Hirtenort, wo einst Jakob zum erstenmal lagerte, als er von Laban floh (Gen. 31, 25). Bei Seiner Ankunft setzt Sich der Herr an einen der drei Brunnen, wird von den Hirten mit Fußwaschung und Imbiß empfangen und heilt dann die Kranken, die man aus der Gegend zusammenbrachte, als man gestern erfuhr, daß Er hierherkomme.

An einem Hügel spricht Er vor vierhundert Hirten über den Zug der heiligen Drei Könige, die hier vor 32 Jahren gerastet haben, predigt vom Stern aus Jakob und von dem neugeborenen Kinde, welches die Könige damals aufgesucht. Hierauf spricht Er von der Erfüllung der prophetischen Weissagungen, vom Täufer als Vorläufer des Messias, der jetzt mitten unter Israel weile, aber von ihm nicht erkannt werde, und erzählt zum Schluß die Parabeln vom guten Hirten (J. 10, 1-18) und vom Säen und Ernten (Mk. 4, 26-29).

Jesus ist hier mit den Hirten ungemein kind­lich und vertraulich und nennt sie im Ge­spräche immer liebe Kinder. Hier kommen auch noch zehn Jünger, von anderen Apo­steln gesendet, zu Ihm, und zwar jedesmal paarweise, ein alter (meistens ein Johannesjünger) und ein neuer Jünger.

Do. 10.

Am anderen Morgen besucht der Herr ein­zelne Hirtenhütten, erzählt dort von den Hirten zu Bethlehem; und als sie alles ver­lassen und Ihm folgen wollen, um Ihn im­mer zu hören, legt Er ihnen nahe, hier wohnen zu bleiben.

Manasse-Stadt Salcha

Mittags laden Ihn Bewohner von der eine Stunde nördlich liegenden Stadt Salcha zu sich ein. Jesus folgt der Einladung und wird vor dem Stadttore von den Lehrern und Schülern feierlich empfangen.

Als man Ihn fragt, ob Er die Johannestaufe erteilen könne, da man hier den Täufer hochschätzt, spricht Er vom Zeugnis des Täufers. Viele werden getauft und geheilt und die Kinder gesegnet. Dann predigt Jesus in der Synagoge, und nachher kom­men auch Heiden zu Ihm und bitten um Trost und Hilfe.

Der Besuch der Davidstraße

Auf der Davidstraße

Fr. 11.

Vormittags wandelt der Herr mit den Seinen anderthalb Stunden westlich auf der soge­nannten Davidstraße, die hier in den Win­dungen der Täler gen Westen zum Jordan hinläuft. Jesus schlägt diesen Weg ein, um den Seinen diese Straße, die eine Art Hohl­weg ist, zu zeigen, und erzählt ihnen fol­gende vier Ereignisse, die hier geschehen sind:

Abraham sah in diesem Hohlwege ein Leuch­ten und hatte eine Vision, als Er nach Kanaan zog. David sah einen leuchtenden Reisezug, als er in die Gegend von Maspha floh und sich hier in der Schlucht mit drei­hundert Mann versteckt hielt; und daher ward die Straße später nach ihm benannt. Der Zug aber war eine Vision der heiligen Drei Könige, wobei David einen mystischen Gesang vernahm vom verheißenen Tröster in Israel. Er hat damals das diesbezügliche Stück eines Psalmes gedichtet (vielleicht Ps. 71, 6-11).

Auch der Prophet Malachias ist nach einer Schlacht hierher einem Lichte gefolgt und hat sich hier verborgen. Und schließlich sind die heiligen Drei Könige, als sie gen Bethlehem zogen, aus der Gegend von Salcha auf diesem Wege, indem sie kurz zuvor ihren Kamelen den Willen ließen, unter besonders hellem Leuchten des mystischen Sternes hinabgezogen. Sie pflegten auf ihrem Zuge oft von übernatürlicher Freude und Sehnsucht erfüllt, improvisierte Verse ab­wechselnd zu singen; aber hier in der David­straße wurden sie noch mehr innerlich be­wegt, und ihr Gesang war ganz besonders rührend und lieblich.

Festungs-Stadt Thantia

Nachdem Jesus, alles dieses den Seinen er­zählend, ungefähr anderthalb Stunden in der Davidsstraße gewandelt ist, biegt Er nach Süden ab, erreicht die Heerstraße Bosra-­Philadelphia und kommt zum Sabbatbeginn nach Thantia, wo Er sogleich in der Syna­goge über Balaam, den Stern Jakobs (Num. 24, 17) und über die Weissagung des Pro­pheten Michäas betreffs Bethlehem Ephrata (Mich. 5, 2) predigt.

Sa. 12.

Heute heilt der Herr in Privathäusern jene, welche die Jünger bei ihrem Hiersein vor zwei Monaten nicht zu heilen vermochten. Auch werden viele getauft, die Er hierzu vorbereitet. Jesus predigt hier ohne Widerspruch, denn die Rabbiner und Einwohner sind in dieser Gegend fromm, wallfahren zur Davidsstraße und hoffen, dort Visionen vom Messias zu empfangen, und glauben, daß Er von dort zu ihnen kommen werde.

Während der Predigt Jesu sagen sie zuwei­len: „Er spricht, als sei Er es selbst; aber das ist doch nicht möglich!“ Sie meinen nämlich, der Messias müsse irgendwo wie ein Engel unsichtbar in Israel angekommen und Jesus etwa ein Vorläufer und Verkün­der desselben sein. Jesus sagt ihnen darauf­hin, sie würden den Messias vielleicht er­kennen, wenn es zu spät sei. Doch kommen viele von hier später nach der Kreuzigung zur Gemeinde Jesu.

Karte Nr. 33, 2. Teil
1-Fahsel Emmerick Karte 33

Bergfestung Datheman

So. 13.

Nach einem Marsche von etwa vier Stunden in nordwestlicher Richtung erreicht der Herr die Bergfestung Datheman, besteigt aber erst den Berg in der Nähe, den einst die Tochter Jephtes zum Ort ihrer Trauer erwählte (Richt. 11, 38). Auch der Prophet Balaam hatte diesen Berg zum Ort seiner Betrachtung erwählt, als ihn der Moabiter­könig rufen ließ (Num. 22, 5). Jetzt woh­nen immer noch Einsiedler auf diesem Berge; und Jesus hält oben eine Predigt vor einigen hundert Menschen.

In Datheman selbst lehrt Er wieder über Balaams Weissagung vom Stern Jakobs und vom Schicksal der Tochter Jephtes.

Die Leute sind hier in der Gegend ganz voll von der Heiligkeit der Davidstraße; sie äußern sich dem Herrn gegenüber, sie möch­ten nicht im Lande jenseits des Jordans wohnen, wo man alles, was in der David­straße vorausgesehen worden und eingetrof­fen sei, gar nicht erwähnen dürfe. Man spreche hier sehr wunderbar von dem Zug jener fünfzehn Vornehmen mit den drei Anführern, die vor zweiunddreißig Jahren durch jene Straße durchgezogen seien und immer nach dem neugeborenen König gefragt hätten; und es gehe die Sage bei from­men Leuten, daß David den Zug schon vor­ausgesehen habe.

Die Lücke im Tagebuch

Mit diesem 13. Juli schließen die Aufzeich­nungen des Clemens Brentano über jene Visionen der Katharina Emmerich, die sie vom 2. Juni 1821 fortlaufend bis zum 13. Juli 1823 geschaut und ihm täglich mit­geteilt hat.

Die noch folgende Zeitspanne des Lehrwan­dels Jesu bis zu Seiner großen Passion um­fassen jene Visionen der Katharina Emme­rich, die sie vom 29. Juli 1820 bis 28. März 1821 täglich geschaut und dem Clemens Brentano jedesmal mitgeteilt hat.

Es entsteht daher jetzt im Reisetagebuch ein kurzer Ausfall von fünfzehn Tagen. Und durch das Zurückgehen vom 13. Juli 1823 auf den 29. Juli 1820 ergibt sich eine kleine Verschiebung der Namen der Monatstage.

Trotzdem decken sich die folgenden Tage wie bisher mit den Tagen und der Jahreszeit der Geschehnisse im weiteren Verlauf des Lebens Jesu, da Katharina Emmerich auch jetzt, wie bisher, diese täglichen Gescheh­nisse jedesmal zur selben Jahreszeit schaut und mitteilt. Und diese Übereinstimmung läßt sich, wie bisher, jedesmal aus den Sabbat-Tagen jeder Woche und den vor­kommenden Festtagen des jüdischen Kalen­ders erkennen (siehe oben Seite 93).

Die nun folgenden Berichte unterscheiden sich deutlich merkbar von den bisherigen, insofern sie inhaltlich viel kürzer gehalten sind, was offenbar darauf zurückzuführen ist, daß Clemens Brentano, wie es aus dem oben angegebenen Datum ersichtlich ist, dieselben in seiner Eigenschaft als Neuling entgegengenommen hat, also noch nicht so gut wie später den westfälischen Dialekt beherrschte, in welchem Anna Katharina Emmerich zu berichten pflegte. Es können aber auch noch andere, mehr äußere Um­stände hindernd eingewirkt haben.

Die große Kindersegnung

Übergang-Stadt Bethabara

Sa. 29.

Zu den drei Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes, die Jesus auf Seiner Reise durch Auranitis begleitet haben, gesellen sich in der hiesigen Jünger-Herberge noch Matthäus und Saturnin.

Jesus ist in der Stadt in steter Arbeit. Bald lehrt Er auf der Straße, bald ziehen sie Ihn bei den Kleidern in ein Haus. Er erzählt viele Parabeln und heilt Lahme und Gichtbrüchige und mehrere Blinde. Auch heilt Er einen taubstummen Besessenen und einen Mann mit einer verdorrten Hand (nicht Mt. 12, 9 ff.; vgl. S. 284).

Bei dieser Gelegenheit treten einige Phari­säer an Ihn heran, um Ihn durch Fragen über Ehescheidung auf die Probe zu stellen. Nachdem Er ihnen Seine Ansicht gesagt, meinen Seine Apostel, dann sei es besser, gar nicht zu heiraten, worauf Er von der besonderen Gnade des Zölibates spricht (Mt. 19, 3-12).

Auf der Straße ziehen Ihm ganze Prozes­sionen von Müttern mit Kindern entgegen. Seine Begleiter weisen sie wegen der großen Arbeit Jesu zurück; Er aber wehrt es ihnen, läßt jene sich in dreifachen Reihen zu bei­den Seiten der Straße aufstellen, schreitet die Reihen auf und ab entlang und segnet alle Kinder. Den einen legt Er die Hand auf das Haupt und spricht mit ihnen; an­deren legt Er eine Hand auf das Haupt, die andere auf die Brust; andere schließt Er an Seine Brust, und manche stellt Er Seiner Umgebung als ein Muster vor. Es sind wohl an tausend Kinder und Säuglinge, die Er in diesen Tagen so segnet, und alle erhalten eine besondere Gnade und werden später Christen (Mk. 10, 13-16).

Bei dieser Sendung der Kinder geschieht auch die Zurechtweisung des reichen Jüng­lings, der Ihn nach den Bedingungen zur Erlangung des ewigen Lebens fragt (Mt. 19, 16-22).

Hierauf belehrt Er die Apostel über die Gefahr des Reichtums (Mt. 19, 23-26) und verkündet ihnen, als Petrus fragt, was ihnen auf Grund ihrer Nachfolge zuteil werde, den großen Lohn für die Entsagung und Nachfolge (Mt. 19, 27-30). Hierbei sind noch Spitzel der Pharisäer zugegen und wundern sich und murren.

Zum Abendessen geht Jesus in ein Haus, wo die heiligen Frauen ein Mahl bereitet haben. Es sind hier anwesend: Martha, Mag­dalena mit ihrer Dienerin Marzella, Maria Salome und Maria Kleophä, die Ihm bei Seinen Lehrreisen helfen. Außerdem sind zugegen Veronika, Maria Markus, Johanna Chusa und Susanna und Salome von Jeru­salem, die mehr im Verborgenen Seine An­hängerinnen sind, ähnlich wie Nikodemus (L. 8, 1-3).

Bei Tisch bittet Maria Salome Jesum, ihre beiden Söhne Johannes und Jakobus in Seinem Reiche an Seiner Seite sitzen zu lassen, worauf Er sie über die Bedingungen und die Macht hierzu aufklärt (Mt. 20, 20 bis 28). Am 3. Oktober 33 wiederholt sich dasselbe noch einmal.

Karte Nr. 35
1-Fahsel Emmerick Karte 35

Reise nach Madian

Aussätzigen-Ort bei Nebo

So. 30.

Abends geht der Herr von Bethabara mit den fünf Aposteln gen Osten und wird unter­wegs von Leuten in ein bei Nebo auf dem Lande liegendes Hospital gerufen, in dessen Seitengebäude zehn Aussätzige liegen.

Während die Apostel aus Furcht vor An­steckungsgefahr das Gebäude umgehen und an einem Baume auf Jesum warten, heilt Er die Aussätzigen, läßt sie sich im nahen Teich baden und befiehlt ihnen, sich den Priestern in der Nachbarschaft zu zeigen. Nachdem Er im Hauptgebäude noch einige Krüppel geheilt und bereits das Haus ver­lassen hat, folgt Ihm einer der geheilten Aussätzigen, wirft sich vor Ihm nieder und dankt. Jesus sagt ihm etwas, und der ganze Vorgang ist ähnlich dem, der sich am kom­menden 24. August wiederholt und welchen dann der Evangelist Lukas (17, 11-19) beschreibt.

Mo. 31.

Unterwegs gesellen sich noch vier weitere Apostel zu den Begleitern Jesu. Er wandelt mit ihnen südwärts, überschreitet den rei­ßenden Fluß Zerka, läßt Machärus rechts liegen und nähert Sich auf der Römerstraße der Diaspora-Stadt Madian, durch die vor 32 Jahren die heiligen Drei Könige gezogen sind.

Vorstadt von Madian

Aug., Di. 1.

Jesus geht nicht in die Stadt selbst, da die Einwohner zu böse sind, sondern lehrt nur im jüdischen Vorort. Einige der Apostel und Jünger reden jedoch mit Madianitern an der großen Brücke des Arnon.

Erster Aufenthalt in Jericho

Auf dem Wege nach Jericho

Mi. 2.

Von Madian kehrt der Herr wieder gen Nor­den zurück. Unterwegs erzählen die kürz­lich angekommenen Apostel ihre Reise­erlebnisse, wobei Er ihnen Winke für die Zukunft gibt. Sie übernachten bei Hirten, die Er noch abends unterrichtet.

Do. 3.

In der Nähe des Jordan kehrt Er in einem großen Hause ein, in welchem eine Hirten­familie wohnt. Hier erzählt Er die Parabel vom unbarmherzigen Knecht (Mt. 18, 23 bis 35) und bemerkt unter anderem: „Die­jenigen, die sagen, sie seien keusch, essen und trinken aber, was ihnen gelüstet, wollen ein Feuer mit dürrem Holze löschen.“ Unter­des treffen noch einige Jünger ein.

Fr. 4.

Langsam wandelt der Herr mit den neun Aposteln und vielen Jüngern weiter dem Jordan zu, unterwegs die Seinen unterrich­tend. Er geht bald vorn, bald in der Mitte, oft bleibt Er stehen; und sie treten Ihm näher, nie aber drängen sie Ihn.

Bethjesimoth

Bei Seiner Ankunft in Bethjesimoth heilt Jesus vor der Sabbat-Lehre an der Tür der Synagoge eine gekrümmte Frau, worüber die anwesenden Pharisäer ihre gewöhnlichen Vorwürfe über Sabbat-Schändung vorbrin­gen.

5. – 8.

Der Herr hält Sich mit den Seinen vier Tage in Bethjesimoth auf. Einmal wollen Ihn die Pharisäer am Lehren verhindern. Sie stehen vor der Synagoge und wollen Ihn nicht hin­einlassen, aber Er geht mitten durch sie hin­durch, lehrt und erzählt mehrere Gleich­nisse.

Es hat Ihn niemand hier bewirtet. Erst am letzten Abend zieht Ihn jemand in sein Haus nebst den Aposteln und Jüngern, bewirtet sie, macht ihnen allen zur Ehrung kleine Kronen aus Wolle und setzt sie ihnen bei Tisch auf.

Mi. 9.

Auf dem Wege gen Jericho erzählen die Apostel und Jünger noch vieles von ihren Taten und manches nicht ohne Eitelkeit. Jesus verweist es ihnen, ähnlich wie am 26. Juni 33, und fügt diesmal warnend hin­zu: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (L. 10, 18). Da erschrecken sie.

Auch erzählt Er ihnen ein Gleichnis, das sich auf das künftige Verhalten aller zwölf Apostel bezieht. Als Er nämlich äußert, sie hingen Ihm an, weil sie gute Kost hätten, verstehen sie nicht, daß Er damit den augenblicklichen äußeren Frieden und die schönen Lehren meint, und daher fügt Er hinzu, in der Not würden sie sich anders verhalten. Ja Er sagt sogar, die, welche jetzt gleichsam einen Mantel der Liebe Ihm gegenüber trügen, würden diesen fallen lassen und nackt fliehen, womit Er das spätere Verhalten des Johannes im Garten Gethsemani (Mk. 14, 52) andeutet.

Nicht weit vor Jericho weist Er zum zweiten Male eine Frau ab, die Ihn schon in Beth­jesimoth um die Heilung ihres geschwürigen Kindes gebeten. Er macht Sie darauf auf­merksam, daß sie ihr Kind in Sünden emp­fangen und noch an einem alten Fehler klebe, den sie erst von Herzen bereuen müsse, ehe sie wieder zu Ihm kommen dürfe.

Herodes-Stadt Jericho

Do. 10.

Vor der Stadt Jericho warnen Ihn vier Pharisäer vor Herodes, aber mit der Hinter­absicht, Ihn am Wirken von Wundern in Jericho zu verhindern. Er gibt ihnen den Auftrag, Herodes, dem Fuchs zu melden, daß Er an allen jenen Tagen, heilen werde, die Ihm der himmlische Vater vorgeschrie­ben (L. 13, 31-33). Zwei der Pharisäer bekehren sich und schließen sich Ihm später an; die beiden anderen gehen erbittert nach Jerusalem.

Gleich darauf nahen sich dem Herrn zwei Brüder aus Jericho mit der Bitte, ihre Erb­schaft unter sie zu verteilen. Er weist sie zurück, warnt sie vor Habsucht und fügt das Gleichnis vom reichen Manne hinzu (L. 12, 13-21). Als jedoch Petrus und auch Johannes äußern, diese Erbschaftsentschei­dung sei doch ein gutes Werk, warnt Er die Seinen vor vielem versammeltem Volk vor dem Übermaß zeitlicher Sorgen (L. 12, 22 bis 31) und fordert sie zum Sammeln von Schätzen im Himmel auf (L. 12, 32-34). Aber die Jünger verstehen Ihn immer noch nicht ganz, da sie den Hl. Geist noch nicht haben und immer noch ein irdisches Reich erwarten.

Als Ihm nun wieder viele Frauen mit Kin­dern entgegenziehen und um Seinen Segen bitten, versuchen die Jünger, sie, ähnlich wie am 5. November 32 und am 29. Juli 33, zurückzuweisen. Er aber befiehlt ihnen, die Kinder heranzulassen, und segnet sie (Mt. 19, 13-15).

Der Zöllner Zachäus

Fr. 11.

Nahe der Stadt, wo Gärten, Lustplätze und Häuser durcheinander liegen, kommt Jesus mit Seinem Gefolge in ein dichteres Ge­dränge. Menschen aus allen Gegenden sind zusammengekommen, und viele Kranke har­ren Seiner unter Schuppen und Zelten.

Der Oberzöllner Zachäus steigt, weil klein, auf einen Feigenbaum, um den Herrn besser sehen zu können. Jesus heißt ihn beim Vor­überwandeln herabsteigen und ladet Sich bei ihm ein (L. 19, 1-19), was Er auf des­sen Herz bezieht, denn äußerlich zieht Er heute erst in Jericho ein.

Nach dem Gottesdienst in der Synagoge speist Jesus mit den Jüngern im Hotel und weist jene Frau von vorgestern nochmals ab, da sie ihre Klatschereien immer noch nicht bereut hat. Später kommt Zachäus zum Hotel, und Jesus ladet ihn zum Essen ein, worüber sich Seine neueren Jünger ärgern. Auch Verwandte des Zöllners befinden sich unter den Begleitern Jesu, die sich schämen, daß Zachäus immer noch Zollbeamter ist.

Sa. 12.

Vormittags predigt der Herr in der Syna­goge wider den Geiz und geht dann, unter­wegs noch jene Frau aus Bethjesimoth ab­solvierend und ihr Kind aus der Ferne hei­lend, zur Wohnung des Zachäus außerhalb der Stadt. Die Jünger gehen nicht mit, nur die Apostel, aber ungern. Beim Mahl erzählt Jesus die Parabel vom unfruchtbaren Fei­genbaum (L. 13, 6-9), und übernachtet zum Erstaunen der Apostel bei Zachäus.

Um diese Zeit erkrankt Lazarus in Bethanien schwer, und man sehnt sich dort nach dem Herrn; aber Er geht erst noch gen Samaria, ehe Er nach Bethanien reist.

Mi. 16.

Jesus ist heute bei einem vornehmen Phari­säer mit Seinen Jüngern und vielen anderen Pharisäern zu Gast geladen. Bei Tisch wirft man Ihm das Heilen der Kranken am letz­ten Sabbat vor. Er widerlegt die Vorwürfe, tadelt ihre Hoffart, immer obenan zu sitzen und erzählt Gleichnisse, ähnlich wie bei den Pharisäer-Gastmählern am 31. August 32 und am 18. April 33 (L. 14, 1-24).

Von Jakobus und Bartholomäus werden viele mitten in Jericho auf einem freien Platz in einem von Gebäuden umgebenen Badeteich getauft.

Intrigen der Jericho-Pharisäer

Do. 17.

Heute lehrt der Herr mehrmals in der Syna­goge; auf der Straße drängen sich Sünder und Zöllner um Ihn. Einige Apostel lehren auch. Die Pharisäer hingegen stecken in ihrem Hause zusammen, erwarten ihre Boten von Jerusalem, die ihnen Haftbefehle wider Jesum bringen sollen, und überlegen, wie sie Ihn am besten fangen können.

Die Jünger sind ängstlich und unwillig, daß Sich der Meister so ungestört der großen Gefahr aussetzt. Bald darauf kommt Er zu ihnen und zu den Leuten, die sich über Seinen Umgang mit Sündern und Zöllnern ärgern (L. 15, 1-2), und erzählt ihnen die Gleichnisse vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme und vom verlorenen Sohne (L. 15, 3-32). Auch heute wird wie­der getauft, und einige Kranke werden so­gar durch die Taufe geheilt; andere aber werden auch abgewiesen.

Fr. 18.

Jesus heilt heute eine blutflüssige Frau, die von weit hergekommen ist und nun Sein Gewand berührt, doch ist dies ein anderer Fall wie jener von Matthäus (9, 20) erzählte am 6. Dezember 32. Jesus lehrt nach dieser Heilung vom ausdauernden Gebet, da Er diese Frau vorher mehrmals abgewiesen hat.

Es ist sehr rührend zu sehen, wie die Kran­ken, wo der Herr wandelt, dicht am Wege liegen, seufzen und flehen; wie die Jünger dabei so ängstlich und unmutig sind, und wie der Heiland so ernst, sicher und sanft ununterbrochen heilt und lehrt.

Boten aus Bethanien läßt Er sagen, Er komme noch nicht, da Seine Zeit noch nicht gekommen sei, dorthin zu gehen. Nach Samaria aber schickt Er zwei Jünger, um dort Seine baldige Ankunft zu melden.

Sa. 19.

Morgens und abends lehrt Jesus in der Syna­goge, und während der Zwischenzeit geht Er von Haus zu Haus und heilt und befreit auch Besessene.

So. 20.

Die zwei am vergangenen Zehnten dieses Monats ergrimmten Pharisäer sind in Jeru­salem grob aufgenommen worden, weil sie ihre Gesinnung Jesu gegenüber etwas geän­dert hatten. Heute kehren sie bekehrt zum Herrn zurück. Er entläßt und sendet paar­weise eine große Zahl Apostel und Jünger nach Orten aus, in die Er nicht mehr kom­men wird. Am heutigen Abend schließt der Monat Ab und beginnt der neue Monat Elul.

Mo. 21.

An hundert fremde Pharisäer haben sich in Jericho mit den einheimischen versammelt, beraten und lauern Jesu, da Seine Beglei­tung bedeutend geringer geworden, geschlos­sen am Wege auf, stellen Ihn heftig zur Rede und bringen alle alten Vorwürfe von neuem vor. Doch Er widerlegt dieselben mit solcher Kraft, daß sie zum Schluß nichts mehr zu sagen wissen.

Ort nördlich von Jericho

Di. 22.

Morgens geht Er etwa eine Stunde nördlich von Jericho. Auf dem Wege vor dem Ort halten Ihn nochmals viele Pharisäer an und bestürmen Ihn mit listigen Fragen und albernen Vorwürfen, haben aber keine Ge­walt über Ihn.

Viele Leute ziehen mit Ihm in die Stadt. Am Wege sitzen zwei Blinde mit ihren Führern. Sie werden Ihm nachgeführt und riefen immerfort: „Herr, erbarme Dich unser, Sohn Davids!“ Er bleibt stehen, stellt einige Fragen betreffs ihres Glaubens und heilt sie (Mt. 20, 29-34). Es entsteht viel Tumult, und die Pharisäer stellen mit einem der geheilten Blinden eine Untersuchung an und fragen auch dessen Vater aus.

Jesus heilt unterwegs noch viele, und es ist nicht auszusprechen, wie ruhig, sicher und geduldig Er unter allen diesen Zumutungen, Anfällen und Verfolgungen arbeitet, und wie sanft und ernst Er lächelt, wenn die Jünger Ihn von Seinem Wege abwendig machen wollen.

Anderer Ort nördlich von Jericho

Mi. 23.

In einem zweiten kleinen Ort nördlich von Jericho heilt er wieder viele und lehrt in der dortigen Schule. Die Leute nehmen Ihn hier besser auf als in dem letzten Orte.

Do. 24.

Vor dem Orte heilt Er die zehn Aussätzigen, und diese Heilung wird vom Evangelisten Lukas (17, 11-19) geschildert. Der eine, der zu Ihm zurückkehrt und dankt, wird später ein Jünger.

Er besucht auf die Bitte eines Hausvaters dessen Haus in einem Hirtendorf, eine Viertelstunde rechts vom Wege und erweckt dessen siebenjähriges gestorbenes Töchter­chen zum Leben. Petrus, Johannes und Jakobus Major sind dabei, und Er sagt ihnen, sie sollten in Seinem Namen ebenso ver­fahren.

Letzte Besuche bei Hirten

Hirtengegend in Süd-Samaria

25. – 29.

Jesus wandelt mit den drei Aposteln in den weit zerstreuten Hirtenhäusern umher, heilt viele und befreit besonders viele Angefoch­tene und Besessene, auch Frauen und Mäd­chen.

Hirtenhaus bei Hebron

Mi. 30.

Von Hirtenhaus zu Hirtenhaus wandernd, nähert Sich der Herr dem Gebirgslande gegen Hebron zu und wohnt in einem Hirtenhaus, nahe bei Hebron, mit Petrus allein einem Hochzeitsfeste bei. Er legt noch nach dem Mahl in einem besonderen Raum des Hauses die Hände des Brautpaares zusam­men, segnet mit Seiner Rechten die so ver­bundenen Hände und lehrt von der Unauf­löslichkeit der Ehe und der Enthaltung.

Ein anwesender Priester wird unwillig, daß dem Herrn und Petrus die Ehrenstellen bei Tisch eingeräumt werden und holt aus Hebron Pharisäer herbei, die Jesus mit Hef­tigkeit überfallen. Einer zieht Ihm bei seiner aufgeregten Rede den Mantel von der Schul­ter; doch Jesus bleibt ruhig, und sie kön­nen Ihm nichts anhaben und weichen von dannen.

Do. 31.

Er zieht weiter südlich gen Juta in das Gebirgsland. Die Hochzeitsgäste geben Ihm das Geleit, und unterwegs gesellen sich zu den dreien noch drei andere Apostel, dar­unter Andreas. Der Herr heilt auf dieser Reise viele kranke Kinder, die man Ihm an den Weg bringt. Sie sind meist geschwol­len und können nicht gehen.

Gebirgsort bei Juta

Sept., Fr. 1.

Die Priester in der hiesigen Synagoge rufen noch andere Priester zu Hilfe, aber sie müs­sen Jesu den Lehrstuhl einräumen, denn das Volk will Ihn hören.

Sa. 2.

Er lehrt in der Synagoge auf dem Hügel über die Worte: „Niemand kann zwei Her­ren dienen“ (Mt. 6, 24). Die Pharisäer spot­ten darüber, daß Er sagt, Er werde nicht wiederkehren; Er habe das schon oft gesagt.

3. – 5.

Unter anderem lehrt Er noch in diesem Orte von Seiner Absicht, daß Er gekommen das Schwert zu bringen (Mt. 10, 34-36). Als die Jünger hierüber verwirrt und ängstlich werden, erklärt Er ihnen, daß Er damit die Lostrennung von allem Bösen meine.

Leviten-Ort Bethain

Mi. 6.

Nachdem der Herr die meisten Apostel und Jünger wieder fortgesandt hat, verläßt Er den Gebirgsort und zieht nach einem kleinen Orte weiter nördlich, wo die Einwohner Ihm gutgesinnt sind. Es ist das Leviten-Städtchen Bethain, welchem Er schon am 15. Januar 33 einen kurzen Besuch abgestattet hatte. Das Nähere über Jesu Wandel von hier aus bis nach Kapharnaum ist uns nicht berichtet worden.

Kurzer Wandel in Samaria

Infolge großer Leiden ist Anna Katharina dreizehn Tage lang nicht imstande gewesen, aus ihren Visionen während dieser Zeit Mit­teilungen zu machen. Näheres über eine ver­mutliche Reise Jesu nach Jerusalem ist da­her aus dieser Quelle nicht bekannt. Vom 20. September an sind wieder folgende kurze Bruchstücke von ihr mitgeteilt worden.

Karte Nr. 36
1-Fahsel Emmerick Karte 36

Ort bei Samaria

Mi. 20.

Jesus bleibt noch in einem Orte bei Samaria, und Seine heiligste Mutter, deren ältere Schwester Maria Heli nebst ihrer Tochter Maria Kleophä reisen Ihm von Bethanien aus entgegen. Am heutigen Abend schließt der Monat Elul und beginnt der neue Monat Tisri.

Do. 21.

Die drei heiligen Frauen treffen bei dem Herrn ein, und außerdem überbringt ein Bote von Lazarus die Bitte, der Herr möge doch nach Bethanien kommen.

Ort, eine Tagesreise nördlich von Bethanien

22. – 23.

Während die heiligen Frauen dort, wo sie angekommen, den Sabbat feiern und auf Jesu Rückkehr warten, geht Er zum Sabbat in einen Ort, eine Tagesreise nördlich von Bethanien, lehrt in der großen Synagoge, segnet Kinder und heilt Kranke.

Er lehrt dieser Tage sehr ausführlich vom barmherzigen Samariter (L. 10, 25-27), von der Bedeutung Jerichos und Jerusalems und von der verlorenen Drachme (L. 15, 8 bis 10). Er sagt unter anderem, die, welche Ihm nicht nachfolgen, würden unter die Mörder fallen. Auch segnet Er wieder viele Kinder und heilt Kranke.

Ort bei Samaria

Mi. 27.

Er kehrt zu dem Ort zurück, wo Ihn die Frauen erwarten. Auch Apostel und Jünger sind bei Ihm. Sie wohnen im Hotel und er­halten hier die Nachricht vom Tode des Lazarus.

Do. 28.

Der Herr reist gegen Abend mit den Apo­steln und heiligen Frauen ab. Sie wandern beim Mondschein die Nacht hindurch in getrennten Gruppen in Richtung auf das Landgut Lazari bei Ginäa, wo dessen Schwe­stern Jesum erwarten.

Grenz-Stadt Ginäa

Fr. 29.

Während die Frauen gleich zum Landgut Lazari gehen, bleibt Jesus mit den Aposteln noch in einem kleinen Gut vor Ginäa und predigt zum Sabbat in der Synagoge zu Ginäa, wo Er auch mit den Aposteln über­nachtet.

Lazari Gut bei Ginäa

Sa. 30.

Nach dem Sabbat begibt Er Sich zum Land­gut Lazari. Magdalena kommt Ihm ent­gegen und klagt, ähnlich wie später Martha (J. 11, 21), daß der Meister nicht früher nach Bethanien gekommen sei. Er erwidert dem Sinne nach das Ähnliche wie schon vor­her beim Empfang ihrer Nachricht von der Erkrankung Lazari. „Diese Krankheit führt nicht zum Tode, sondern dient zur Verherr­lichung Gottes, weil der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werden soll“ (J.11,4). Dann speist Er mit den Aposteln und Frauen im großen Saal des Hauses und lehrt vom Ärgernis, das man im letzten Ort an Ihm ge­nommen und vom Ärgernis, das noch be­vorstehe.