Der Heilige des Alltags: Wer war Josefmaría Escrivá?

San Josemaría Escrivá / Wikimedia Commons – Opus Dei Communications Office, CC BY-SA 2.0 (Cropped)

Heute vor 15 Jahren wurde der Gründer des Opus Dei in Rom heilig gesprochen

Heute vor 15 Jahren wurde der Gründer des Opus Dei, Josemaría Escrivá in Rom heilig gesprochen. Zehn Jahre vorher, am 17. Mai 1992 hatte Johannes Paul II. ihn zum Seligen erhoben. In der Predigt  am 6. Oktober 2002 rief der Papst den Anwesenden zu: „Folgt seinen Spuren und verbreitet in der Gesellschaft das Bewusstsein, dass wir alle zur Heiligkeit berufen sind, ohne dabei Unterschiede zu machen nach Hautfarbe, Gesellschaftsschicht, Kultur oder Alter.“

Der inzwischen selber heilig geprochene Johannes Paul II. nannte Escrivá den „Heiligen des Alltags“ (Il santo dell´ordinario).

In der Tat, die Botschaft, die dieser moderne Heilige den Menschen unserer Zeit vermittelt, besteht vor allem darin: zunächst einmal zu wissen, dass alle Menschen zur Heiligkeit berufen sind, nicht nur die Priester und Ordensleute, und dann, dass dies  sich im gewöhnlichen Alltag vollzieht, man also nicht besondere oder ausgefallene Dinge tun muss, um in den „Heiligenkalender zu kommen“ – so könnte man das Wort von Josefmaria frei übersetzen: „Santos de altar“.

Josemaría Escrivá de Balaguer wurde am 9. Januar 1902 in Barbastro (Provinz Huesca, Spanien) geboren. Er hatte fünf Geschwister: Carmen, Santiago und drei jüngere Schwestern, die im Kindesalter starben. Dem Elternhaus verdankte er, wie er selber sagte, nicht nur eine christliche Erziehung, sondern auch eine ganze Reihe von menschlich-übernatürlichen Elementen, die später in den Geist des Opus Dei eingeflossen sind, wie z.B. Einfachheit und Natürlichkeit im Umgang, laikale Mentalität und Pflege der kleinen Dinge des Alltags.

Etwa seit dem Jahr 1917 begann Josemaría, seine Berufung zu ahnen. Die Fußspur, die ein unbeschuhter Karmelit im Schnee hinterlassen hatte, ließ ihn ahnen, dass Gott auch von ihm etwas Bestimmtes wollte; er konnte jedoch nicht erkennen, was es war. Er kam dann zur Überzeugung, dass er als Priester leichter Klarheit darüber erlangen würde. So bereitete er sich zuerst in Logroño und danach im Seminar von Saragossa auf das Priestertum vor.

Am 28. März 1925 empfing er in Saragossa die Priesterweihe und begann seine Arbeit als Seelsorger zunächst in einer Landpfarrei.

1927 ging er mit der Erlaubnis seines Bischofs nach Madrid, um in Rechtswissenschaft zu promovieren.

Dort ließ ihn Gott am 2. Oktober 1928 erkennen, was seine konkrete Berufung war: Er „sah“ das Opus Dei, und zwar in bzw. nach der Hl. Messe. Von da an widmete sich Escrivá mit all seinen Kräften der Verwirklichung dieser Gründung, von der er wusste, dass sie nicht sein Werk, sondern das Werk Gottes war. Zugleich übte er einen umfangreichen seelsorgerlichen Dienst aus, bei dem er täglich dem Leiden und der Armut in den Spitälern und Außenvierteln von Madrid begegnete.

Im Laufe des spanischen Bürgerkrieg musste er des öfteren vor den kommunistischen Brigaden fliehen, die jeden Priester als vogelfrei betrachteten und umbrachten. 1939 kehrte er nach Madrid zurück.

1946 verlegte er auf Wunsch des Heiligen Stuhls seinen Wohnsitz nach Rom. Er promovierte an der Lateran-Universität in Theologie.

Wichtig war ihm, nicht nur den Geist des Werkes, also die Heiligung der Arbeit und des Alltags, das Apostolat der Laien usw. deutlich werden zu lassen, sondern zugleich auch für eine dauerhafte juristische Gestalt des Opus Dei zu sorgen. Die Form der Personalprälatur, die ihm von Anfang an vorschwebte, konnte er zu seinen Lebzeiten nicht mehr verwirklicht sehen. Erst sein Nachfolger, der inzwischen selig gesprochene Bischof Alvaro del Portillo, sollte dies am 28. November 1982 erleben.

Josefmaria Escrivá starb am 26. Juni 1975. Wie alle großen Heiligen war er sehr marianisch eingestellt. Bei einer Gelegenheit hatte er in Mexiko beim Anblick eines Bildes der Muttergottes von Guadalupe gesagt: „So möchte ich einmal sterben, mit dem Blick auf die Muttergottes“. Dieser Wunsch ging in Erfüllung: er starb – plötzlich – als er gegen Mittag in Rom sein Büro betrat, wo sich ein Bild der Muttergottes von Guadalupe befand.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Quelle

Die Sendung der Gesellschaft Jesu

Die Kirche Il Gesù ist die Mutterkirche des Jesuitenordens. Das IHS-Monogramm ist über dem Hauptaltar angebracht.

Interview mit dem General der Jesuiten

Für P. Arturo Sosa SJ, seit neun Monaten der erste nicht-europäische General der Jesuiten, ist es das erste Fest des heiligen Ignatius an der Spitze der Gesellschaft Jesu. Er feiert es in der römischen Kirche »Il Gesù«, wo sich die sterblichen Überreste des am 31. Juli 1556 verstorbenen Gründers befinden. Diesen Tag nimmt der »Osservatore Romano« zum Anlass für ein Interview über die erste Zeit des Generalats von P. Sosa.

Es ist kurz nach zwölf an einem heißen Hochsommertag, dem 28. Juli. Die Begegnung findet nur einen Steinwurf vom Petersdom entfernt statt, im vierten Stock der Jesuitenkurie, im Zimmer, in dem der General arbeitet, wenn er in Rom ist. Wir sitzen an einem großen runden Tisch, der ebenso leer ist wie die hellen Wände und der offenbar für häufige Besprechungen genutzt wird. Durch diese Begegnungen und die Reisen leitet der Nachfolger des Heiligen aus Loyola die Gesellschaft Jesu: 85 Provinzen, die in sechs Provinzkonferenzen zusammengefasst sind. Im Laufe der neun Monate seit seiner Wahl am vergangenen 14. Oktober hat der Ordensgeneral bereits an vier dieser Treffen auf Provinzebene teilgenommen. Allerdings hat er in dieser Zeit bereits weit mehr Länder besucht: Indien, Peru, Spanien, Deutschland, Ruanda, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Kenia, Indonesien, Kambodscha und – in Kürze – Belgien. Seine Tage sind reich an Begegnungen und Verpflichtungen, in seinem streng geregelten Rhythmus, der jeden Morgen mit mindestens zwei Stunden Gebet beginnt, bevor er um sieben Uhr die heilige Messe feiert. »Wenn man einen Ordensmann ermorden will, dann reicht es, dass Mittagessen und Ruhezeit verspätet sind«, fügt er mit leiser Ironie hinzu, während er den Gast nach einem fast einstündigen Gespräch in entspannter Atmosphäre zum Aufzug begleitet. Zu Beginn geht es um die dramatische Lage in seiner Heimat.

Wie sehen Sie die Situation in Venezuela?

Trotz allem ist mein Blick optimistisch, auch wenn ich nicht weiß, wie die Zukunft aussehen wird. Aber wegen der derzeitigen Ereignisse gibt es ganz klar eine große Besorgnis, wie sie die Bischöfe und die Jesuiten meiner Heimat mehrfach zum Ausdruck gebracht haben, und auch die Bischöfe, der Papst, der Kardinalstaatssekretär und auf verschiedene Weise der Heilige Stuhl. Allerdings möchte ich Folgendes unterstreichen: Das Referendum vom 16. Juli war die wichtigste bürgerliche Abstimmung in der gesamten venezolanischen Geschichte, denn siebeneinhalb Millionen Wähler haben daran teilgenommen, das heißt die Hälfte aller Stimmberechtigten. Der Weg der politischen Auseinandersetzung ist der einzige Weg, um die Gewalt zu beenden und wirklich Politik zu machen, um den großen Nöten und Bedürfnissen des Volkes entgegenzukommen.

Mehr als neun Monate sind seit Ihrer Wahl vergangen: Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

In tiefem Frieden, mit sehr viel Arbeit und mit der Notwendigkeit, recht schnell viel Neues zu lernen. Vor allem in einem geistlichen Frieden, weil ich ein Amt bekleide, das ich nicht gesucht habe und von dem ich niemals geträumt hätte, dass es mir zufallen würde: Ich habe es in der Generalkongregation von meinen Brüdern empfangen, aber ich verstehe und lebe es als etwas, das von Jesus, dem Herrn, kommt, den ich vor über einem halben Jahrhundert als Gefährten gewählt habe. Es gibt in der Tat sehr viel Arbeit, und es ist nicht leicht, von dieser meiner neuen Position aus einen so reichen, vielgestaltigen Leib kennenzulernen, wie es die Gesellschaft Jesu und meine Gefährten in dieser Sendung sind. Und das alles sehr schnell, da die Entscheidungen keinen Aufschub dulden.

Ein Autograph des heiligen Ignatius von Loyola.

Was würde Ignatius von Loyola heute tun?

Das ist die Frage, die ich mir jeden Tag stelle, gemeinsam mit allen Jesuiten, vor allem den dreizehn Generalräten, die ich regelmäßig jede Woche einzeln treffe, wenn wir nicht auf Reisen sind. Dienstags und donnerstags kommt dagegen der ganze Rat zusammen. Und dreimal jährlich, im Januar, Juni und September, haben wir ein erweitertes Treffen mit den Präsidenten der sechs Provinzialkonferenzen und den vier Sekretären, insgesamt 24 Personen.

Worauf zielt diese so komplexe, anspruchsvolle Art der Leitung ab, die mir aber sehr nützlich zu sein scheint für die Entscheidungen, die der General treffen muss?

Dahinter steht die Absicht zu verstehen, welche Entscheidungen zu treffen sind, denn für die Gesellschaft Jesu und damit für alle Jesuiten ist es grundlegend wichtig und notwendig, der eigenen Berufung und Sendung auf kreative Weise treu zu sein. Mit dem Blick auf den heiligen Ignatius müssen wir beständig den Weg der Rückkehr zu unseren ursprünglichen Quellen gehen. Das hat das Zweite Vatikanische Konzil gewollt, und diese Entscheidung war die Rettung für das Ordensleben, das der katholischen Sichtweise entsprechend vom Heiligen Geist inspiriert ist.

Gibt es Kriterien, um zu verstehen, wie man diese Treue umsetzen kann?

Blicken wir auf die Erfahrung der ersten zehn Jesuiten, als Ignatius und seine Gefährten in Venedig waren, um ins Heilige Land zu reisen. Der Plan erwies sich als undurchführbar und verwandelte sich in die Reise nach Rom, die entscheidend war für die Gesellschaft Jesu, wie in den Quellen berichtet wird und worauf im vergangenen Herbst unsere 36. Generalkongregation hingewiesen hat, die zusammengekommen war, um den General zu wählen. Das Vorbild von Venedig ist: die Einheit des Geistes und des Herzens, die Praxis eines einfachen Lebens, die affektive und effektive Nähe zu den Armen, die gemeinsame Unterscheidung und die Verfügbarkeit für die Bedürfnisse der ganzen Kirche, wie sie der Papst erkennt und zum Ausdruck bringt.

Die von Pierre Legros geschaffene Statue des Heiligen schmückt den ihm geweihten Altar im linken Querhausarm, unter dem sich in einer Urne seine sterblichen Überreste befinden.

 

Worin besteht die Sendung der Jesuiten?

Heute muss die Gesellschaft Jesu Tag für Tag den Weg finden, um die Versöhnung in die Tat umzusetzen, und das auf drei Ebenen: mit Gott, mit den Menschen, mit der Umwelt. Wir sind Mitarbeiter der Sendung Christi, das ist der Daseinszweck der Kirche, deren Teil wir sind. Und gerade die Gotteserfahrung ist es, die uns die innere Freiheit schenkt und uns dazu führt, den Blick auf diejenigen zu richten, die in dieser Welt gekreuzigt sind, um die Ursachen der Ungerechtigkeit besser zu verstehen und Alternativmodelle zu einem System zu erarbeiten, das heute Armut, Ungleichheit, Ausgrenzung hervorbringt und das Leben auf der Erde gefährdet. Wir müssen so eine ausgeglichene Beziehung zur Natur wiederherstellen.

Zu dieser Versöhnung beizutragen bedeutet auch, die Fähigkeiten des Dialogs zwischen den Kulturen und Religionen zu entwickeln. Ich bin gerade von einer Reise nach Asien zurückgekehrt: In Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt, habe ich lange Gespräche mit einer Gruppe muslimischer Intellektueller geführt, und in Kambodscha habe ich buddhistische Mönche getroffen, um die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen den Religionen zu bekräftigen – als Faktoren, die gegenseitiges Verständnis sowie das friedliche Miteinander fördern, und als Wege spiritueller Suche.

Wie ist diese Versöhnung möglich?

Grundlegend ist die persönliche und gemeinschaftliche Bekehrung »zur Mission nach außen«, »ad dispersionem«, ein Begriff, der die Notwendigkeit des Apostolats zum Ausdruck bringt, sowie die institutionelle Bekehrung, um unsere Arbeits- und Leitungsstrukturen neu zu organisieren, damit sie der Sendung dienen. Einer Sendung, die all jenen zu eigen ist, die sich gerufen fühlen, Gefährten Jesu zu sein.

(Orig. ital. in O.R. 31.7./1.8.2017)

P. Arturo Sosa SJ während des Interviews.

Von Giovanni Maria Vian

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Quelle: Osservatore Romano 32/2017

Der heilige Vinzenz von Paul

Einen kostbaren Abglanz der „Liebe Gottes, die in unsere Herzen durch den heiligen Geist ausgegossen ist“, schauen wir in dem heiligen Vinzenz von Paul, einem der edelsten Menschenfreunde, welche jemals über diese Erde gewandelt sind.

Dieser große Sohn der heiligen Kirche, der bestimmt war, ein auserlesenes Werkzeug in der Hand Gottes zu sein, wurde am 23. April 1576 in Ranguines am Fuße  der Pyrenäen in der Gascogne geboren. Seine frommen Eltern waren genötigt, durch harte Arbeit in der Beackerung ihres Gütchens sich und den Kindern den Lebensunterhalt zu erwerben. Wegen der Geistesanlagen, die der stille Knabe früh zeigte, übergaben die Eltern ihn den Franziskanern in Dax zum Unterricht. Vier Jahre hindurch lag er dort den Wissenschaften ob und machte darin solche Fortschritte, dass er andern mit Erfolg Unterricht erteilen und so die Mittel erwerben konnte, an der Universität zu Toulouse sich auf den priesterlichen Stand vorzubereiten. Nachdem er im Jahre 1600 die Priesterweihe empfangen hatte, setzte er noch einigen Jahre die Studien fort. Große Seelen werden aber nur gebildet in der Schule des Kreuzes; in diese nahm Gott auch den heiligen Vinzenz. Es war im Jahre 1605, als derselbe eine Reise nach Marseille machen musste; plötzlich wurde die kleine Barke von Seeräubern angefallen, die Mannschaft niedergemacht und die Passagiere unter Misshandlungen nach Tunis auf den Sklavenmarkt gebracht. Ein Fischer, der den Heiligen kaufte, trat ihn ab an einen Arzt, der ihn mit Milde behandelte; der Versuchung desselben, vom Glauben abzufallen, widerstand Vinzenz mit unerschütterlicher Beharrlichkeit. Später kam er in den Dienst eines abgefallenen Christen, welcher ihn anfangs hart behandelte. Sein sanftes Wesen, sowie seine frommen Lieder machten einen tiefen Eindruck auf eine von dessen Frauen, welche ihren Mann durch ihre Mitteilungen über den heiligen Sklaven zur Reue über seinen Abfall brachte. Nach einer Unterredung mit Vinzenz verließen beide das Land und setzten nach Frankreich über. Der Erzbischof von Avignion nahm den Abgefallenen wieder in den Schoß der Kirche auf. Beide pilgerten hierauf nach Rom, um an den heiligen Orten zu beten. Der berühmte Kardinal von Berulle führte ihn nach seiner Rückkehr ein in die Familie des Grafen von Gondi, welcher ihn zum Erzieher seiner Söhne ernannte. Diese Gelegenheit benutzte er, um während des Sommers den Landbewohnern das Wort Gottes zu verkündigen und die heiligen Sakramente zu spenden. Tief ergriff ihn die Unwissenheit und Verwahrlosung jenes armen Landvolkes; mit rastlosem Eifer griff er ein, um der Not zu steuern. Dies veranlasste die Gräfin Gondi, eine der edelsten Frauen jener Zeit, mit Genehmigung des Erzbischofs unter Vinzenz‘ Leitung eine Gesellschaft von Priestern zu gründen, welche sich des armen Landvolkes annehmen sollten.

Gleichzeitig nahm der Heilige sich der Galeerensklaven an und wirkte Wunder der Liebe an diesen meist unzugänglichen Sträflingen; einmal ging er in seiner Liebe so weit, dass er sich für einen andern eine Zeitlang an die Ruderbank fesseln ließ. Wegen der hohen Verdienste, welche jene Missionsgesellschaft sich erwarb, ernannte Papst Urban VIII. sie im Jahre 1634 zu einer Kongregation, deren Mitglieder von dem Hause St. Lazarus „Lazaristen“ genannt werden. Mit Beihilfe der hochherzigen Witwe Luise le Gras rief Vinzenz zur Pflege der armen Kranken die Genossenschaft der „Töchter der christlichen Liebe“ ins Leben.

Ein neues Feld bot sich seiner Tätigkeit dar, als er Kunde erhielt von den ausgesetzten Findelkindern; für sie rief er einen Frauenverein ins Leben, und unbeschreiblich ist, was er jenen ärmsten Wesen in seiner unerschöpflichen Erbarmung zugewandt hat. Als Lothringen in tiefstes Elend geraten, war Vinzenz der rettende Engel; nicht weniger als zwölf Millionen bettelte er für die Armen Frankreichs und des Auslandes. Es ist unmöglich, auch nur kurz zu erwähnen all die segensvollen Einrichtungen, Wohltätigkeitsanstalten, Liebeswerke, die ihm ihr Dasein verdanken. Die Hoffnung auf Gott war der Quell seiner Segnungen, mitten in der Arbeit bewahrte er die größte Sammlung und Andacht im Gebet. Der Engel der Liebe ward im Alter von 85 Jahren der Erde genommen am 27. September 1659. Sein Bild zeigt ihn von armen Kindern umgeben.

Die Kirche und die Armen. Zu allen Zeiten hat die heilige Kirche die wärmste Teilnahme für die Armen betätigt. Die ewigen ihr anvertrauten Wahrheiten haben diese Liebe zu den Armen ihr angeboren. Aus freien Stücken übergaben die ersten Christen ihre Habe den Aposteln zum Besten der Armen, und eigens wurden Diakone zur Besorgung der Armenpflege eingesetzt. Auf der Grundlage sehr weiser Verordnungen entwickelte sich dann in den folgenden Jahrhunderten die Sorge um die Armen in der schönsten Weise. Mit dem wachsenden Elend stellte sich die Notwendigkeit ein, große Häuser, Hospizien, einzurichten, die den obdachlosen Armen ein Heim boten. Sobald nach Konstantin das Klosterleben sich ausbreitete, fand die Liebe zu den Armen den ergiebigsten Boden in den Klöstern. Viele Bestimmungen kirchlicher Synoden, das Beispiel hoher Würdenträger, die Mahnungen der Kirchenväter haben dann die kirchliche Armenpflege in ihrer Entwicklung immer weiter gefördert. Als aber der Staat sich feindselig gegen die Kirche stellte, geriet die Armenpflege ins Stocken. Da erschien wie ein Engel vom Himmel er heilige Vinzenz von Paul, der durch seine Schöpfungen, zumal durch seine „Töchter der christlichen Liebe“ die Welt der Armen reich gesegnet hat; an sein Wirken knüpft sich eine lange Reihe von Kongregationen, in denen die Liebe zu den Armen fortlebt und die herrlichsten Blüten treibt.

Gebet. O Gott, der Du den heiligen Vinzentius mit apostolischer Kraft ausgestattet hast, den Armen das Evangelium zu predigen und der Kirche einen neuen Orden zuzuführen, verleihe, wir bitten Dich, dass wir, die wir seine hohen Verdienste verehren, auch das Beispiel seiner Tugenden nachahmen, durch Christum, unsern Herrn. Amen.

 

Quelle: Leben der Heiligen nebst praktischen Lehren für das katholische Volk – mit besonderer Berücksichtigung der deutschen und neueren Heiligen – von Herm. Jos. Kamp, Dechant. – Dritte Auflage – Mit Erlaubnis der geistlichen Obrigkeit. – Verlag der A. Laumann’schen Buchhandlung, Dülmen i. W., Verleger des heiligen Apostolischen Stuhles. – Imprimatur, die 13. Februarii 1911.

Siehe auch:

Papst Franziskus: Propheten der Freude und österlichen Hoffnung sein

32. Generalkapitel der Resurrektionisten
– Audienz am 24. Juni 2017

„Sich gut der Vergangenheit erinnern, in der Gegenwart mit Leidenschaft leben und die Zukunft mit Hoffnung umarmen“, riet Papst Franziskus den Teilnehmern des 32. Generalkapitels der Resurrektionisten, die vom 11. bis 25. Juni 2017 zum Thema „Zeugen der Gegenwart des auferstandenden Herrn, von der Gemeinschaft in die Welt“ in Rom tagten und am 24. Juni in Audienz empfangen wurden.

Seine Ansprache konzentrierte der Papst auf drei Aspekte: Zeugen der Gegenwart des auferstandenden Herrn sein, von der Gemeinschaft in der Welt Zeugnis ablegen und Propheten der Freude und österlichen Hoffnung sein.

Zeugen der Gegenwart des auferstandenden Herrn zu sein, bedeute Missionar und Apostel des Lebenden zu sein. Daher riet Papst Franziskus den Audienzteilnehmern, Maria Magdalena, die Apostolin der Apostel als Ikone auszuwählen. Sie habe Jesus tot gesucht und lebend gefunden. Der Papst mahnte die Audienzteilnehmer, Hoffnung zu verkünden. Wie Maria Magdalena sollten auch sie hinausziehen zu den menschlichen Peripherien.

Von der Gemeinschaft bis in die Welt sollten sie sich aufmachen, vor allem längs der Straßen, die von Enttäuschung und Verlassensein gezeichnet seien, um Zeugnis vom Auferstandenen abzulegen. Das geschehe auch beim brüderlichen Leben in der Gemeinschaft; der andere sei ein Geschenk und sei mit Respekt anzunehmen. Die Gemeinschaft solle der Missionsarbeit offen sein und das brüderliche Leben bezeugen.

Als Propheten der Freude und österlichen Hoffnung würden ihnen Horizonte der Freude und Hoffnung geöffnet und ihnen geholfen, Momente der Trauer zu überstehen. Abschließend erteilte Papst Franziskus den Audienzteilnehmern seinen Segen und bat um Gebete.

Die Resurrektionisten sind weltweit in fünfzehn Ländern auf vier Kontinenten vertreten. Die Gemeinschaft wurde 1836 von dem aus Polen nach Frankreich emigrierten Bogdan Jański (1807-1840) gegründet.

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Quelle

Brief des Prälaten des Opus Dei Fernando Ocariz über die Bedeutung der Familie

Die Familie ist der Ort, wo die Liebe geboren wird. Familien sind heute vielfältigen Herausforderungen ausgesetzt. In seinem Brief schlägt der Prälat des Opus Dei vor, den Familien professionell zu helfen.

Ihr Lieben, Gott schütze Euch!

Wie der letzte Generalkongress in Erinnerung gerufen hat[1], nimmt die Familie in den letzten Jahrzehnten einen besonderen Platz innerhalb der Prioritäten der Kirche und daher auch der Prälatur ein. Mit diesen Zeilen möchte ich noch einmal kurz auf dieses überaus dringende und notwendige Apostolat eingehen.

Es ist nicht zu übersehen, dass heute viele Menschen das, was dem Plan Gottes für die Verbindung von Mann und Frau entspricht, als ein Modell unter anderen ansehen und es sogar als ein Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten in Frage stellen. Geben wir trotzdem die Hoffnung nicht auf, im Gegenteil: das Licht der Wahrheit ist hinsichtlich der Familie dem Menschen von Gott ins Herz geschrieben und wird sich daher heute und immer einen Weg mitten durch die Stürme bahnen.

Jede Familie, die den wirkkräftigen Wunsch hat, Einigkeit zu bewahren, „übergibt die Regie der Welt wieder dem Bund des Mannes und der Frau mit Gott“[2]. Hier kommen mir Worte des hl. Josefmaria in den Sinn: „Die Sendung des Christen: das Böse im Überfluss des Guten ersticken! Es genügt weder, nur die Übel anzuprangern, noch, sich hinter einem Wall von Negationen zu verschanzen. – Vielmehr lebt der Christ aus dem Ja zum Wahren und Rechten, weil jugendliche Zuversicht, Freude und Frieden ihn prägen. Er will allen mit Verständnis begegnen: denen, die Christus nachfolgen, denen, die Ihn verlassen haben, und denen, die Ihn noch nicht kennen. Freilich bedeutet Verstehen weder Kapitulation noch Indifferenz, sondern Tätigwerden.“[3] Verlieren wir nicht Energie und Gelassenheit dadurch, dass wir die Schwierigkeiten, die so viele Familien und die Institution Familie selbst durchmachen, beklagen. Versuchen wir vielmehr, die christliche Familie starkmütig und professionell zu verteidigen und zu fördern als etwas, das nicht nur uns, sondern Gott selbst und den kommenden Generationen gehört.

Familie und Ehe sind ein Weg der Heiligkeit. „Du lachst, weil ich dir sage, dass du ›Berufung zur Ehe‹ hast? – Du hast sie, jawohl, Berufung.“[4] Eine Berufung zur Heiligkeit, das heißt zum Glücklichsein. Die Familie ist der Ort, wo die Liebe geboren wird; es ist der erste Ort, an dem die Liebe Gottes in unser Leben tritt, und zwar weit über das hinaus, was wir selbst tun oder unterlassen können. „Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1 Joh 4, 19). Vaterschaft und Mutterschaft sagen uns, wer wir sind: ein Geschenk Gottes, eine Frucht der Liebe. Mitten in den vielfältigen Problemen, die im Leben einer Familie auftauchen können, spornt uns das Wissen, dass wir selbst und die anderen ein Gottesgeschenk sind, dazu an, sie mehr zu lieben. Und die Gesellschaft ist stets angewiesen auf diese bedingungslose Liebe.

Mehr als in früheren Epochen macht sich heutzutage auf allen Ebenen die Notwendigkeit bemerkbar, den Familien in schwierigen Situationen beizustehen. Man wird nicht mit dem Wissen geboren, was es bedeutet, Vater oder Mutter, Ehemann oder Ehefrau zu sein – man muss es lernen und anderen Eheleuten helfen, in diese Aufgaben hineinzuwachsen: Familien, die anderen Familien helfen! Mit der Erfahrung, die das Familienleben mit sich bringt, kann man sich auf dem unendlichen Feld des Werkes der Barmherzigkeit, die Unwissenden zu lehren, wirksam einsetzen. Und das, ohne „Lektionen zu erteilen“, sondern mit aller Natürlichkeit. Wie viel kann man tun, um die zukünftigen Ehepaare gut vorzubereiten und den frisch Verheirateten oder denen, die eine schwierige Situation durchmachen, zur Seite zu stehen! Außerdem kann die Familie in Schwierigkeiten einmal eine von euch sein; dann ist der Augenblick gekommen, euer Herz zu öffnen und euch helfen zu lassen, mit derselben Einfachheit, mit der ihr andere unterstützt habt.

Denkt auch darüber nach, wie ihr den Paaren in den sogenannten „irregulären“ Situationen helfen könnt. Papst Franziskus hat erneut bekräftigt, dass die Lehre der Kirche nicht geändert wird[5]; es ist jedoch eine dringende Aufgabe, sich diesen Brüdern und Schwestern mit einem großen Herzen zu widmen, sie ganz aus der Nähe mit einem aufnehmenden und unterscheidenden Blick zu begleiten, der es ihnen erleichtert, mit Gottes Gnade diese Situation zu meistern.

Achtet einmal auf das Gespräch Jesu mit der Samariterin (vgl. Joh 4, 1-45). Jene Frau, die doch fern von Gott war, fing an zu beten, ohne sich dessen bewusst zu sein, denn sie begann, mit Gott zu sprechen, der die Begegnung herbeigeführt hatte und sie nach und nach dahin führte, die Wahrheit über ihr Leben zu bekennen. Die Samariterin bleibt jedoch nicht allein mit ihrer Wunde, sie spürt gleichzeitig, dass der „Gott allen Trostes, der uns in all unserer Not tröstet“ (2 Kor 1, 3-4), seinen liebevollen Blick auf sie richtet. Gott ruft uns, trotz unserer persönlichen Unzulänglichkeit und Fehlerhaftigkeit, für alle jene Menschen Vermittler seiner Nähe und seines Trostes zu sein.

In jedem Fall ist es wichtig, frühzeitig anzufangen: „Jemanden lieben zu lernen ist nicht etwas, das man improvisiert (…). In Wirklichkeit bereitet sich jeder Mensch von seiner Geburt an auf die Ehe vor.“[6] Ich erinnere euch daran, dass in der Arbeit mit jungen Leuten von der Schönheit der apostolischen Ehelosigkeit gesprochen werden soll, ebenso aber von der Berufung, eine christliche Familie zu gründen, wobei man die verschiedenen Aspekte der Verlobungszeit und der Ehe kreativ zur Sprache bringen muss[7], etwa durch Zeugnisse von Familien; Elternbildungskurse für Ledige, Vorträge, Filme oder bewährte Schriften; Veranstaltungen für Eltern in den Schulen; Mitarbeit in den Pfarreien; ein Freizeit- und Unterhaltungsangebot, das der Ursprung zukünftiger christlicher Ehen sein kann, usw.

Alle, die auf direkte Weise an dieser Bildungsarbeit beteiligt sind, mögen bedenken, dass jede Ehe und Familie, die besser wird, einen Vervielfältigungseffekt in der Gesellschaft hat. Eine attraktive christliche Familie wirkt ansteckend: „Mit dem Zeugnis des eigenen Lebens und auch mit Worten sprechen die Familien zu den anderen von Jesus, sie vermitteln den Glauben, wecken die Sehnsucht nach Gott und zeigen die Schönheit des Evangeliums.“[8]

Empfehlen wir dem stillen und fruchtbaren Wirken des Heiligen Geistes diese immense Aufgabe der Familie, die wir mit Gelassenheit angehen sollten.

In Liebe segnet Euch

Euer Vater

Rom, 4. Juni 2017, Hochfest Pfingsten


[1] Vgl. Hirtenbrief, 14.2.2017, Nr. 21 u. 31

[2] Papst Franziskus, Audienz, 2.9.2015

[3] Hl. Josefmaria, Die Spur des Sämanns, Nr. 864

[4] Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 27

[5] Vgl. Papst Franziskus, Ap. Schreiben Amoris laetitia (19.3.2016), Nr. 300

[6] Papst Franziskus, Amoris laetitia, Nr. 208

[7] Vgl. Hirtenbrief, 14.2.2017, Nr. 25

[8] Papst Franziskus, Amoris laetitia, Nr. 184

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13. JUNI: DER HEILIGE ANTONIUS VON PADUA

Von Br. Andreas-Pazifikus Alkofer OFM Conv.

Der hl. Antonius von Padua wird ca. 1195 – das genaue Geburtsdatum ist nicht bekannt – in Lissabon geboren. Er entstammt einer adeligen Familie. Seine Eltern, Martin und Maria Bulhoes y Taveira de Azevedo (diesen Familiennamen überliefert eine nicht gesicherte Tradition) lassen den späteren Antonius auf den Namen Fernando taufen.

Die Zeit, in die Antonius hineingeboren wird, ist eine politisch, wirtschaftlich und kirchlich turbulente Zeit des Umbruchs, dessen Zentrum vor allem in Italien liegt, an dem gemessen Portugal tiefste Provinz ist. Das Land selbst ist erst seit kurzen von den Arabern zurückerobert worden. Neben der Reconquista der iberischen Halbinsel, die erst 300 Jahre später beendet sein wird, und neben der Vielzahl lokaler politischer Konflikte sorgt auch eine Vielzahl neu entstehender radikaler Armutsbewegungen in der Kirche für Spannungen. Zudem sind diese knapp vier Jahrzehnte der Lebenszeit des Antonius überschattet von immer neuen Ausbrüchen des Kreuzzugsfiebers. Der wirtschaftliche Umbruch, vor allem in Italien und Südfrankreich, der den Namen ‚Frühkapitalismus‘ trägt, tut ein übriges und lässt durch das Wiederaufkommen der Geldwirtschaft und intensivierter Handelsbeziehungen soziale Stände- und Gesellschaftsordnungen in Bewegung geraten. Mit den Folgen all dessen auf das Leben der einfachen Leute wird Antonius sein Leben lang konfrontiert sein.

Von den ersten Lebensjahren, von Kindheit und Jugend des hl. Antonius wissen wir wenig. Sicher ist nur, dass er relativ behütet und in gesicherten Verhältnissen aufwächst und an der Kathedralschule in Lissabon Lesen und Schreiben lernt, was für damalige Verhältnisse keine Selbstverständlichkeit ist. Um 1210, also mit ca. 15. Jahren, tritt Antonius bei den Augustiner-Chorherren in Lissabon ins Kloster ein. Er bleibt dort etwa zwei Jahre, bevor er 1212/13 von Lissabon aus in das Augustiner-Chorherren-Kloster von Coimbra, der damaligen Hauptstadt des Königreiches Portugal, wechselt. Die Gründe für den Wechsel sind nicht gesichert, aber es steht zu vermuten, dass ein zu enger Kontakt mit Familie und Freunden das Klosterleben des Antonius zu häufig gestört hat.

In Coimbra, wo Antonius bis 1220 bleiben wird, erhält er eine gediegene theologische Ausbildung und eignet sich dabei eine außerordentliche Kenntnis der Heiligen Schrift und der Kirchenväter an. Zudem wird er dort, wohl in der letzten Phase seines Aufenthaltes, zum Priester geweiht.

In dieser Zeit lernt Antonius eine Gruppe von Minderbrüdern kennen – so heißen die Mitbrüder der noch jungen Bewegung des hl. Franziskus, die im Gefolge des Heiligen aus Assisi ein Leben in radikaler Evangelium gemäßer Armut leben wollen, ohne persönlichen und gemeinschaftlichen Besitz, ohne festen Wohnsitz. Die Brüder leben seit 1217 in einer kleinen Einsiedelei bei Coimbra, die dem Einsiedler und Wüstenvater Antonius (* 251/252) geweiht ist und ihnen von der Königin auf Zeit zur Verfügung gestellt ist. Ein maßgebliches Moment für den Wechsel des hl. Antonius von den Chorherren in die junge Franziskaner-Gemeinschaft, neben den persönlichen Kontakten mit den Brüdern vor Ort, ist der Martertod einer Gruppe von Franziskanern um den hl. Berard Anfang 1220 in Marokko. Sie waren dorthin über Portugal aufgebrochen, um bei den Moslems zu missionieren. Ihr Tod hinterlässt in Portugal einen tiefen Eindruck und bewegt Antonius zum Übertritt zu den Minderbrüdern. Er nimmt erst jetzt den Namen an, unter dem er später berühmt wird und entlehnt ihn sich von dem Heiligen, an dessen Kapelle die Brüder bei Coimbra leben. Antonius bricht mit dem Ziel, zu missionieren und ebenfalls den Martertod zu finden, sofort nach Nordafrika auf. Doch seine Pläne scheitern. Er erkrankt und wird über den Umweg über Sizilien statt nach Portugal nach Italien verschlagen.

Dort ist er 1221 im Mai beim Mattenkapitel der Franziskaner anwesend (der jährlichen Versammlung aller Brüder an Pfingsten). Allerdings spielt er dort eine untergeordnete Rolle. Man findet keine Aufgabe für ihn, den ausgebildeten Theologen und Priester, von denen es im Orden eigentlich noch nur wenige gibt. So wird er zunächst in eine kleine Einsiedelei bei Forli in Oberitalien geschickt.

In Forlì ändert sich dann auch das Schicksal des Antonius, als er angelegentlich einer Priesterweihe aus dem Stegreif eine staunenerregende Ansprache hält (alle anderen gaben vor, nicht genug vorbereitet zu sein). Von diesem Augenblick an ist der weitere Weg des Antonius vorbestimmt: Er wird Ausbilder, Organisator in Teilen des jungen Ordens und vor allem Prediger. Schon um 1223 beauftragt Franziskus ihn damit, den Brüdern Theologie zu lehren. Dieser Brief des Franziskus an Antonius ist erhalten! Von da an ist Antonius als ‚Theologieprofessor‘ (wenn man das unzeitgemäße Wort verwenden will) und als Prediger in Oberitalien unterwegs. Von 1224 bis 1227 finden wir ihn in Südfrankreich, wo er sich als Kustos um die Neuorganisation der Ordensprovinz kümmert und als Prediger – wie in Italien – vor einen teilweise sehr desolaten und verwirrenden innerkirchlichen Zustand steht. Auch hier gibt es viele Armutsbewegungen, die in ihrer Radikalität die Kirche kritisieren und einfache Gläubige verunsichern. Antonius versucht durch ein authentisches Leben und durch kraftvolle Predigten, dem gegenzusteuern.

1227 kehrt Antonius aus Frankreich nach Italien zurück und wird beim Mattenkapitel in der Nähe von Assisi zum Provinzialminister der Ordensprovinz der Romagna gewählt. In diesen letzten Jahren bis 1231, in denen er sich unermüdlich um die ihm anvertrauten Mitbrüder kümmert, neue Konvente gründet, bestehende besucht, entstehen seine beiden Predigtwerke, die Sonntagspredigten (1227-1228) und die Festtagspredigten (1230-1231). Letztere kann Antonius nicht mehr vollenden. Beide Reihen, als Handbücher konzipiert, offenbaren deutlich die profunde Kenntnis der Bibel und der Texte der Kirchenväter, die sich Antonius angeeignet hat.

In diesen letzten Lebensjahren entwickelt sich auch immer mehr die Beziehung des Antonius zu Padua, die so etwas wie seine ‚Lieblingsstadt‘ in Norditalien wird. Immer wieder macht er dort Halt bei seinen vielen Reisen. Er sucht die Ruhe und die Erholung, die er als kranker Mann braucht, denn seit 1220 begleiten ihn ständig gesundheitliche Probleme. Diese Beziehung zu Padua erreicht ihren Gipfelpunkt in der Fastenzeit 1231. Antonius predigt jeden Tag in einer der Kirchen Paduas und, als die Kirche zu klein werden, um die Scharen der Hörer zu fassen, auf den Plätzen der Stadt. Diese Fastenpredigten machen Antonius zum untrennbaren Teil der Geschichte dieser Stadt und sind ein durchschlagender Erfolg. Er erreicht sogar, dass ein Gesetz erlassen wird, dass die Schuldner in der Stadt vor dem Verlust ihrer Freiheit bewahren und sie vor Übergriffen von Wucherern schützen soll.

Nach Ostern 1231 zieht sich Antonius, erschöpft und ermüdet von dieser großen Anstrengung, in eine Einsiedelei außerhalb Paduas zurück: nach Camposampiero, wo ein den Franziskanern verbundener Graf, ihm und zwei Begleitern das nötigste zur Verfügung stellt. Am 13. Juni 1231 verschlechtert sich der Zustand des Antonius dramatisch. Die Brüder versuchen, ihn nach Padua zurückzubringen, aber am Abend dieses Tages stirbt Antonius in dem kleinen Vorort Arcella. Die Nachricht vom Tod des Antonius verbreitet sich wie ein Lauffeuer und es setzt, vor allem in Padua, unmittelbar seine Verehrung als Heiliger ein.

Nicht einmal ein Jahr nach seinem Tod wird Antonius von Padua am 30. Mai 1232 durch Papst Gregor IX. in Spoleto dann offiziell heiliggesprochen. 1946 erklärt ihn Papst Pius XII. zum Kirchenlehrer und verleiht ihm den Titel ‚doctor evangelicus‘.

Antonius ist in der Basilika, die man zu seinen Ehren in Padua errichtet, bestattet, die seither zum Ziel für Abertausende von Pilgern geworden ist, die Antonius als ihrem Fürsprecher vertrauen.

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Quelle

Siehe ferner:

„Kind vor Maria werden“ – Ein Gespräch mit Pater Karl Wallner

Von Georg Denicolo

„Ohne Maria kein Christentum“: Zu diesem Thema hat Pater Karl Wallner, Zisterzienser des österreichischen Stiftes Heiligenkreuz, Professor für Dogmatik, Rektor der Hochschule Benedikt XVI. und Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich, auf Einladung des Pfarrgemeinderates Plankstetten einen Vortrag gehalten.

Im anschließenden Gespräch nahm Pater Karl Wallner auch Stellung zur Marienverehrung aus ökumenischer Sicht und zu Fatima.

Welche Rolle spielt Maria persönlich in Ihrem Leben?

Ich bin durch eine marianische Apostolatsgruppe der Legion Mariens gläubig geworden. Maria gibt vor allem das Weibliche, das Mütterliche, die Wärme und die Geborgenheit, die in der Frömmigkeit ohne Maria sonst zu kurz kommen würde. Wenn Gott vor Maria Kind werden wollte, warum soll ich mich dann genieren, Kind vor Maria zu werden.

Wie begründet sich die explizit marianische Ausrichtung Ihres Ordens?

Der eigentliche Grund ist, dass das Ziel des menschlichen Lebens die Ewigkeit bei Gott ist. Die Zisterzienser haben alle ihre Klöster der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria geweiht, denn sie hatten das Bild des in Gott vollendeten Menschen vor Augen. Das Klosterleben wurde verstanden als ein Leben auf dieses Ziel zu, so wie Maria in die Vollendung gelangt ist. Ein zweiter Grund ist, dass Maria Christus geboren hat. Mit den Zisterziensern beginnt ein sehr starkes Hinschauen auf die Menschheit Christi, sie entwickeln von dort her natürlich auch eine Liebe zu der Frau, die Jesus als Menschen geboren hat.

Welche Bedeutung messen Sie dem Marienwallfahrtsort Fatima bei?

Fatima ist deshalb wichtig, weil dort eine Grundbotschaft des Christentums wiederholt wird, nämlich die Einladung Gottes, an der Erlösung der Welt mitzuwirken. Gott möchte, dass wir selbst die Haltung annehmen, die sein Sohn am Kreuz hatte: eine leidensbereite Liebe. Deshalb lädt die Mutter Gottes dort die Kinder zum Gebet und zur Sühne ein und stellt ihnen auch die Dramatik vor Augen, wenn wir auf dieses Mitarbeiten mit der Erlösung Gottes vergessen. Die Trost- und Freudenbotschaft von Fatima lautet ja: „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren.“ Das unbefleckte Herz ist das Herz der Frau, die wirklich bei Gott ist und damit in ihrem Leben diesen Sieg Gottes konkretisiert hat. Deshalb ist es in einer Welt, die ins Chaos gerät, wo wir Terror, Gewalt, Christenverfolgung und Glaubensabfall über weite Strecken erleben, eine sehr wichtige Botschaft, damit wir Gläubige aufgerüttelt werden. Christentum ist nicht eine belanglose Sache, sondern wir sind wirklich gerufen, mit Maria mitzuwirken, damit alle Menschen gerettet werden. Das ist der Heilswille Gottes.

Was antworten Sie unseren evangelischen Schwestern und Brüdern, die Maria als unnötigen Umweg zu Christus sehen und die Marienverehrung ablehnen?

Der Unterschied liegt in der Art und Weise begründet, wie Martin Luther – und mit ihm die evangelische Tradition – den Menschen sieht. Während wir Katholiken glauben, dass Gott innerhalb der menschlichen Kräfte wirkt und den Menschen durch seine Gnade befähigt, Gutes, Richtiges und Heiliges zu tun, hat man bei den Protestanten den Eindruck, dass die Gnade Gottes etwas dem Menschen bloß Äußerliches ist – und auch der von Gott begnadete Mensch immer Sünder bleibt. In der Anthropologie Luthers wird die Unfähigkeit des Menschen zum Guten sehr betont. Wir dagegen glauben, dass Gott sich im und durch den Menschen verherrlicht. Deshalb ist für uns alle Heiligen- und Marienverehrung mittelbare Gottesverehrung, die Gott absolut nichts wegnimmt. Im Gegenteil: Wir ehren das Gnadenwirken Gottes in den Heiligen; Heiligenverehrung ist Christusverehrung. Wir teilen die Angst der protestantischen Theologie überhaupt nicht, dass es eine Konkurrenz zwischen Christus und Maria bzw. den Heiligen gibt, da wir ja in den Heiligen eben gerade die Gnade Christi verehren. Für uns ist das Hinschauen und das Verehren der Mutter Gottes ein Hinschauen auf Gottes Gnade, Wirken und Heilshandeln.

Wie nehmen Sie die Tatsache wahr, dass auch in der katholischen Kirche eine lebendige Marienverehrung zum Teil nicht mehr ernst genommen wird?

Marianische Kälte finde ich mittlerweile nur mehr in den Bereichen der katholischen Kirche, die am Schrumpfen oder Absterben sind. Dort wo bei uns Aufbruch und Leben, Hoffnung auf Zukunft ist, da nehme ich hingegen sehr viel Marienverehrung wahr: Etwa in den Jugendbewegungen, in den Movimenti, in einer gesunden Charismatik, auch in den neuen Orden und in den blühenden Klöstern. Ich wüsste nicht eine wirklich auf die Zukunft ausgerichtete Gemeinschaft, Bewegung oder Strömung in der Kirche, die nicht zutiefst marianisch ist. Maria ist ja immer spiritueller Frühling und gottoffener Anfang. Sicherlich gibt es auch Formen der Marienverehrung, die übertrieben und daher abschreckend sind. Das hat mit der Affektivität der Marienverehrung zu tun, denn bei der Liebe zur „Mutter“ geht es per se um Emotionalität, – die uns aber in anderen Bereichen kirchlichen Lebens leider fehlt. Man muss Übertreibungen gelassen zur Kenntnis nehmen und nüchtern korrigieren. Aber ich habe den Eindruck, dass gerade das Marianische von unten, von den Movimenti her, wächst, aber auch von oben, durch die Päpste, die wir in den letzten Jahrzehnten hatten, gefördert wird, insbesondere natürlich durch Johannes Paul II, aber auch durch Papst Franziskus, der in einer tiefen persönlichen Weise, in seiner südamerikanischen, geradezu heißblütigen Weise marianisch ist.

Im Lukas-Evangelium heißt es: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (LK 2,19). Gilt es, in unserer Zeit besonders auf Maria zu schauen, weil die Kontemplation und die Stille in unserer Kirche verlorengegangen sind und sich ein gewisser Aktionismus ausgebreitet hat?

Es stimmt auf jeden Fall, dass es hier Defizite gibt. Ich würde aber sagen, dass wir über Maria eine Ausgeglichenheit erfahren. Sie bewahrt in ihrem Herzen, sie ist aber nicht passiv. Da ich eher ein aktiver Mensch bin, brauche ich den Rhythmus zwischen Gebet und Arbeit. Wir sind auch nirgendwo eingeladen, nur zu beten, nur still oder nur kontemplativ zu sein. Im Gegenteil: in dem Augenblick, wo Maria das Wort in ihrem Herzen empfängt, wo Christus unter ihrem Herzen Mensch wird, macht sie sich auf und eilt in das Bergland von Judäa, um ihrer Verwandten Elisabeth beizustehen. Das war harte Frauenarbeit, die sie dort verrichten musste. Wir dürfen nicht ein Marienbild des Nichtstuns entwickeln, im Gegenteil: die heutige Kirche braucht Apostolat, sie braucht aktive Menschen, die ihre Talente nicht begraben, sondern damit wuchern. Mutter Teresa hat gerade dieses Bild von Maria, die sich sofort nach der Verkündigung aufmacht und in das Bergland eilt, zum Marienbild schlechthin gemacht. Sie hat mit ihren Schwestern genau diesen Rhythmus gefunden: anbeten, hinschauen auf Jesus, in die Stille gehen, aber dann sogleich sehr aktiv in der Arbeit für die Ärmsten der Armen sein. Ich glaube, dass wir diesen Rhythmus sehr gut von Maria lernen können.

Welche Rolle spielt die Gottesmutter bei der Neuevangelisierung, auch im Hinblick auf junge Menschen?

Wir haben in der Geschichte der Kirche sehr viele Beispiele dafür, dass gerade der Rosenkranz Weltbewegendes bewirken kann, z.B. 1571 in der Seeschlacht von Lepanto oder auch 1683, als Österreich von den Türken befreit wurde. Die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages 1955 hat uns von der sowjetischen Besatzungsmacht freigemacht, ansonsten wären wir wohl auch ein kommunistischer Satellitenstaat geworden. Das ist vom Rosenkranz-Sühnekreuzzug erbetet worden. Das heutige Problem ist der schnell fortschreitende Glaubensabfall, die Glaubenslosigkeit, die Nichtweitergabe des Glaubens trotz aller Pastoralpläne und Konzepte, die man in den letzten Jahren entwickelt hat. Wir haben da eine sehr große Unfruchtbarkeit. Wenn man evaluieren würden, was in den letzten 40 Jahren in der Kirche des deutschen Sprachraums gelaufen ist – keine Firma könnte sich eine derartige Misswirtschaft leisten. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass wir Matthäus 7,7 nicht erst nehmen, wo es heißt: „Bittet und euch wird gegeben, sucht und ihr werdet empfangen, klopft an und euch wird aufgetan.“ Ich habe das als einen persönlichen Auftrag von Papst Franziskus empfunden, der den Nationaldirektoren von Missio am 4. Juni 2016 gesagt hat: Ihr seid nicht bloß eine spendensammelnde Organisation für die armen Länder, wo ohnehin sehr viel lebendiger Glaube und ein unglaubliches Wachstum da ist, sondern bitte entzündet in euren eigenen Ländern einen missionarischen Eifer und fangt mit dem Gebet an. Ich habe dann lange überlegt, bis mir die Idee kam: wir laden ein, täglich ein Gesätzchen Rosenkranz für einen konkreten jungen Menschen zu beten, der glaubensfern oder noch nicht getauft ist. Wir haben mittlerweile durch die Migration eine große Zahl von Nichtgetauften bei uns, die aber durch unser Gebet für die Gnade geöffnet werden könnten. Ganz sicher werden wir durch diese Initiative auch Wunder erleben. Der Name der Initiative, „Gott kann“, ist abgeleitet von dem Wort des Engels an Maria: für Gott ist nichts unmöglich, Gott kann alles.

Wie haben Ihre Reisen im Rahmen Ihrer Tätigkeit bei Missio Ihren Blick auf die Kirche verändert?

Ich bin im Augenblick in einer Mischung zwischen Euphorie und Verzweiflung. Ich habe bei meinen Projektreisen eine sehr gläubige und lebendige Kirche erlebt, aber man ist auch mit atemberaubender Not und Elend und mit einem Erstarken des Islamismus in allen Ländern konfrontiert, sogar in den christlichen Kernländern, wie etwa Haiti in Lateinamerika. Selbst dort drängt jetzt der Islamismus hinein, zieht hoffnungslose junge Menschen an und schult sie in Fanatismus. Das ist wirklich erschütternd. Meine Euphorie kommt aber vor allem daher, dass ich dort eine Kirche erlebe, die absolut Zukunft hat.  Christen leben dort in großer Armut, aber immer aus einem apostolischen Eifer heraus. Ich habe Bischöfe erlebt, die schon um 5 Uhr in der Früh in ihren vom Hurrikan niedergerissenen Bischofshäusern knien, um den Barmherzigkeitsrosenkranz zu beten. Ich glaube, dass wir einerseits von diesen jungen Kirchen sehr viel an Glaubensdynamik und -eifer lernen können. Andererseits ist es notwendig, ihnen mit Spenden zu helfen und sie zu stabilisieren. In unseren Kirchen und Gesellschaften wird ja viel Geld für Fruchtloses verwendet, ja verschwendet! Mit den Projekten von Missio kann man dort dagegen wirklich den Aufbau der Kirche fördern. Die Kirche trägt in vielen Ländern vor allem die Bildung und die Sozialleistungen, sie ist führend bei der Sorge für Arme, Alte, Kinder und Waisen. Die päpstlichen Missionswerke sind eine der besten Hilfsorganisationen und leisten – wie ich selbst feststellen konnte – eine geradezu sensationelle Arbeit. Wir fördern die Verbreitung des katholischen Glaubens, und das ist äußerst nachhaltig! Denn wo Menschen zu Christus gefunden haben, da werden sie selbst für Nächstenliebe, soziale Gerechtigkeit, den Ausbau der Sozialsysteme und ökologische Nachhaltigkeit sorgen. Die Förderung des christlichen Glaubens mit seiner Betonung von Gottes- und Nächstenliebe ist zugleich die beste Prophylaxe gegen den Islamismus, der leider überall auf der Welt im Vormarsch ist. In meiner Begeisterung für meine neue Aufgabe für die Armen bin ich zugleich deprimiert, wie wenig die Päpstlichen Missionswerke „Missio“ in Österreich bekannt sind. Die Spenden sind bei uns seit Jahren sehr stark rückläufig, so dass bei weitem nicht alle Projektanträge finanziert werden können. Aber ich werde mit Gottes Hilfe und im Vertrauen auf die Gottesmutter Maria mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alles tun, damit Missio stärker für die Ausbreitung des Glaubens und die Ärmsten der Armen wirken kann.

PLANKSTETTEN , 07 May, 2017 / 2:45 PM (CNA Deutsch).-