Christi Himmelfahrt ist „keine Weltraumfahrt“

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Giotto: Himmelfahrt Jesu

Eigentlich ist heute noch einmal Ostern: Denn das Hochfest Christi Himmelfahrt ist ein Teilmotiv des Paschamysteriums, das wir an Ostern feiern, und gar nicht so sehr ein Fest „eigenen Rechts“. Paschamysterium von Ostern, das meint – in Anlehnung an den Durchzug Israels durch das Rote Meer – den rettenden Durchgang Jesu durch den Tod ins Leben, an dem wir Anteil erhalten.

Am 40. Tag nach Ostersonntag wird Christi Himmelfahrt gefeiert, denn „40 Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen“ (Apg 1,3b). Die 40 Tage entsprechen spiegelbildlich der 40-tägigen Vorbereitung auf Ostern, also der Fastenzeit – nur dass sie jetzt den Weg Jesu zur Vollendung markieren als eine Zeit, in der die Jünger in ihre neue Situation hi neinwachsen. Sie lernen zu verstehen, auf welche Weise er nun und in Zukunft bei ihnen ist und bleibt. Er verheißt ihnen seine Nähe und seine zweite Ankunft und gibt den Jüngern den Auftrag, aller Welt das Werk der Erlösung zu verkünden und zu bezeugen.

„Der Mensch findet Raum in Gott“

Das Fest der Himmelfahrt des Herrn „will uns nicht sagen, daß der Herr irgendwohin, weit weg von den Menschen und der Welt, gegangen ist“, hat Papst Benedikt XVI. bei seiner Amtsübernahme als römischer Bischof im Lateran am 7. Mai 2005 gepredigt. „Die Himmelfahrt Christi ist keine Weltraumfahrt zu den fernsten Gestirnen; denn im Grunde genommen bestehen auch die Gestirne, ebenso wie die Erde, aus physischen Elementen. Die Himmelfahrt Christi bedeutet, daß er nicht mehr der Welt der Vergänglichkeit und des Todes angehört, die unser Leben bedingt. Sie bedeutet, daß er vollkommen Gott gehört. Er – der ewige Sohn – hat unser Menschsein vor das Angesicht Gottes getragen, er hat das Fleisch und Blut in einer verwandelten Gestalt mit sich getragen.“

Und das bedeutet, so Benedikt weiter: „Der Mensch findet Raum in Gott; durch Christus wurde das menschliche Sein in das innerste Leben Gottes selbst hineingenommen. Und da Gott den ganzen Kosmos umfaßt und trägt, bedeutet die Himmelfahrt des Herrn, daß sich Christus nicht von uns entfernt hat, sondern daß er jetzt, weil er beim Vater ist, jedem von uns für immer nahe ist. Jeder von uns darf zu ihm „Du“ sagen; jeder kann ihn anrufen. Der Herr befindet sich immer in Hörweite. Wir können uns innerlich von ihm entfernen. Wir können leben, indem wir ihm den Rücken zukehren. Aber er erwartet uns immer und ist uns immer nahe.

(te deum/rv 05.05.2016 sk)