Vatikan/Schweiz: Selige Marguerite Bays vor der Heiligsprechung

Gipfelkreuz in den Schweizer Alpen

Einer Heiligsprechung der Schweizer Seligen Marguerite Bays steht nichts im Weg. Papst Franziskus hat ein Wunder anerkannt, das nach Erkenntnissen der zuständigen Stellen auf die Fürsprache der Mystikerin zurückgeht. Das gab die Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen an diesem Dienstag bekannt.

Marguerite Bays, geboren 1815 in La Pierraz in der Westschweiz und verstorben 1879, stammte aus bäuerlichen Verhältnissen. Sie wirkte in ihrem Umfeld mit großer persönlicher Frömmigkeit in der Katechese mit Kindern und in der geistlichen Begleitung von Kranken. Von einer Krebserkrankung genas sie spontan und auf unerklärliche Weise am 8. Dezember 1854, dem Tag, an dem Papst Pius XI. in Rom das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis verkündigte. Seither zeigten sich an den Händen von Marguerite Bays die Wundmale Christi. Sie trat dem Dritten Orden der Franziskaner bei.

Marguerite Bays starb im Ruf der Heiligkeit. Das bescheidene Haus, in dem sie lebte, ist bis heute Ziel von Pilgern. Papst Johannes Paul II. sprach die Schweizerin 1995 selig. Heiligsprechungsverfahren von Mystikern und Mystikerinnen gelten im Allgemeinen als langwierig.

Wunder sind Fixpunkte

Wunder sind als Belege der Heiligkeit von Kandidaten zur Selig- und Heiligsprechung Fixpunkte im kirchlichen Verfahren. Sowohl zur Selig- als auch zur Heiligsprechung schreibt das kanonische Recht je ein Wunder vor. Das erste Wunder muss sich nach dem Tod des oder der Kandidatin zugetragen haben, das zweite nach der Seligsprechung.

Das Wunder, das die Seligsprechung von Marguerite Bays ermöglichte, trug sich am Ostermontag 1940 zu. Ein jugendlicher Bergsteiger rief bei einem Kletterunfall auf dem Dent de Lys in den Berner Alpen die Mystikerin in einem Stoßgebet an. Daraufhin riss das Seil, das den 19-Jährigen an seine in die Tiefe stürzenden Bergkameraden band. Er blieb unverletzt, seine drei Mitwanderer starben. Der junge Mann, dessen Großeltern mit Marguerite Bays befreundet waren, wurde Priester.

Seligsprechungsprozess für spanische Märtyrer

Bei den weiteren drei Akten, die die Selig- und Heiligsprechungskongregation an diesem Dienstag vorstellte, handelt es sich um die Anerkennung des Martyriums von Maria del Carmen (bürgerlicher Name: Isabella Lacaba Andía) und ihren 13 Gefolginnen, die 1936 in Spanien wegen ihres Glaubens getötet wurden.

Auch hat Papst Franziskus den heroischen Tugendgrad von Anna Kaworek anerkannt. Sie ist die Mitbegründerin der Kongregation der Schwestern des Heiligen Erzengel Michael und ist im Biedrzychowice am 18. Juni 1872 geboren. Die Dienerin Gottes starb am 30. Dezember 1936 in Miejsce Piastowe (Polen); und ebenfalls anerkannt, sind die Tugendgrade von Maria Soledad Sanjurjo Santos (bürgerlicher Name: Maria Consolata), einer puertoricanischer Ordensschwester, die 1973 im Alter von 81 Jahren verstarb.

(vatican news/ökumenisches heiligenlexikon – gs/mg)

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Siehe ferner:

Im vollen Wortlaut: Papstpredigt bei Heiligsprechungen

Hier finden Sie die Predigt, die Papst Franziskus an diesem Sonntag bei Heiligsprechungen auf dem Petersplatz gehalten hat, in vollem Wortlaut und offizieller deutscher Übersetzung.

„Die zweite Lesung sagte uns: »lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und scharf« (vgl. Hebr. 4,12). Genauso ist es. Das Wort Gottes ist nicht nur eine Sammlung von Wahrheiten oder eine erbauliche spirituelle Erzählung, nein, es ist lebendiges Wort, das das Leben berührt, das es verwandelt. Dort spricht Jesus in Person zu unseren Herzen, derjenige, der das lebendige Wort Gottes ist.

In dieser Audio-Collage können Sie die schönsten Momente aus der Messe mit Heiligsprechungen nachhören.

Insbesondere das Evangelium lädt uns zu einer Begegnung mit dem Herrn ein, nach dem Beispiel jenes Mannes, der »auf ihn zulief« (vgl. Mk 10,17). Wir können uns in diesem Mann wiederfinden, dessen Name im Text nicht erwähnt wird, was ein Hinweis dafür sein könnte, dass er für einen jeden von uns steht. Er fragt Jesus, was er tun müsse, um »das ewige Leben zu erben« (V. 17). Er erbittet immerwährendes Leben, Leben in Fülle: wer von uns wollte das nicht? Aber, wir merken, er bittet darum wie um ein Erbe, das er haben möchte, wie um ein erhältliches Gut, das er aus eigener Kraft erlangen kann. Denn um dieses Gut zu besitzen, hält er seit seiner Kindheit die Gebote, und um dieses Ziel zu erreichen, ist er bereit, noch weitere Gebote zu halten; deshalb fragt er: »Was muss ich tun, um zu haben?«

Steh nicht still

Die Antwort Jesu bringt ihn in Schwierigkeiten. Der Herr blickt ihn liebevoll an (vgl. V. 21). Jesus ändert die Blickrichtung: von den Geboten, die er befolgt, um einen Lohn zu erhalten, hin zu einer unentgeltlichen und totalen Liebe. Dieser Mann sprach in der Begrifflichkeit von Angebot und Nachfrage, Jesus hingegen bietet ihm eine Liebensgeschichte. Er verlangt von ihn, von der Einhaltung der Gesetze zur Hingabe überzugehen, von einem selbstbezogenen Handeln zu einem Sein mit ihm. Und er macht ihm einen für sein Leben „einschneidenden“ Vorschlag: »Verkaufe, was du hast, gib es den Armen […], dann komm und folge mir nach!« (v. 21). Auch zu dir sagt Jesus: „Komm, folge mir nach!“ Komm: steh nicht still, denn um zu Jesus zu gehören reicht es nicht aus, dass man nichts Schlechtes tut. Folge mir nach: lauf Jesus nicht nur dann hinterher, wenn es dir passt, sondern suche ihn jeden Tag; begnüge dich nicht damit, Gebote zu befolgen, Almosen zu geben und Gebete zu sprechen; finde in ihm den Gott, der dich immer liebt, den Sinn deines Lebens, die Kraft zur Hingabe.

Jesus sagt dann weiter: »Verkaufe, was du hast, und gib es den Armen«. Der Herr spricht nicht theoretisch über Armut und Reichtum, sondern es geht ihm direkt um das Leben. Er verlangt von dir, das loszulassen, was dein Herz belastet, dich von Gütern zu befreien, um Platz zu schaffen für ihn, der allein gut ist. Man kann Jesus nicht wirklich folgen, wenn man von etwas in Beschlag genommen ist. Denn wenn das Herz mit Dingen übersättigt ist, wird für den Herrn kein Platz mehr sein, der dann zu einem Gegenstand unter vielen wird. Deshalb ist Reichtum gefährlich und – so sagt Jesus – macht es schwer, sich zu retten. Nicht, weil Gott streng ist, nein! Das Problem liegt auf unserer Seite: unser Zuviel-Haben, unser Zuviel-Wollen erstickt unsere Herzen und macht uns unfähig zu lieben. Deshalb erinnert der heilige Paulus daran, dass die Habsucht »die Wurzel aller Übel ist« (1 Tim 6,10). Wir sehen das: wo das Geld im Mittelpunkt steht, gibt es keinen Platz für Gott und auch keinen Platz für den Menschen.

Jesus ist radikal

Jesus ist radikal. Er gibt alles und verlangt alles: er gibt totale Liebe und verlangt ein ungeteiltes Herz. Noch heute schenkt er sich uns als lebendiges Brot; können wir ihm dafür ein paar Krümel geben? Ihm, der sich zu unserem Diener machte, so sehr, dass er für uns das Kreuz auf sich nahm, können wir nicht einfach antworten, indem wir einige Gebote befolgen. Es ist nicht damit getan, ihm, der uns das ewige Leben bietet, ein bisschen Zeit zu schenken. Jesus gibt sich mit einem „Prozentsatz an Liebe“ nicht zufrieden: wir können ihn nicht mit zwanzig, fünfzig oder sechzig Prozent lieben. Entweder alles oder nichts.

Liebe Brüder und Schwestern, unser Herz ist wie ein Magnet: es lässt sich von der Liebe anziehen, aber es kann nur auf einer Seite andocken und es muss wählen: entweder es wird Gott lieben, oder es wird den Reichtum der Welt lieben (vgl. Mt 6,24); es wird leben, um zu lieben, oder es wird für sich selbst leben (vgl. Mk 8,35). Fragen wir uns, auf welcher Seite wir stehen. Fragen wir uns, wo wir in unserer Liebesgeschichte mit Gott stehen. Begnügen wir uns mit einigen Geboten oder folgen wir Jesus als Verliebte, die wirklich bereit sind, für ihn etwas aufzugeben? Jesus stellt einem jeden von uns und uns allen als einer „Kirche auf dem Weg“ die Frage: sind wir eine Kirche, die nur gute Gebote predigt, oder eine bräutliche Kirche, die sich ihrem Herrn in Liebe hingibt? Werden wir ihm wirklich folgen, oder wenden wir uns wie dieser Mann wieder der Welt zu? Also: genügt uns Jesus, oder suchen wir viele weltliche Sicherheiten? Bitten wir um die Gnade, dass wir fähig werden, aus Liebe zum Herrn loszulassen: den Reichtum, die Sehnsucht nach Status und Macht, nach Strukturen, die der Verkündigung des Evangeliums nicht mehr angemessen sind, einem Ballast, der unsere missionarische Sendung bremst, nach Bindungen an die Welt. Ohne einen Fortschritt in der Liebe erkrankt unser Leben und unsere Kirche an »egozentrischer Selbstgefälligkeit« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 95): man sucht die Freude in kurzfristigen Vergnügungen, man verschließt sich in sterilem Geschwätz, man bettet sich in der Monotonie eines christlichen Lebens ohne Schwung, wo ein wenig Narzissmus die Tristesse des Unvollendet-Bleibens überdeckt.

Zurück zu den Quellen der Freude

So war es bei diesem Mann, der – wie das Evangelium sagt – »traurig wegging« (vgl. V. 22). Er hatte alles an den Geboten und an seinen vielen Gütern festgemacht, aber er verschenkte nicht sein Herz. Und obwohl er Jesus getroffen und seinen liebevollen Blick erfahren hatte, ging er traurig weg. Traurigkeit ist ein Beweis für unerfüllte Liebe, ein Zeichen für ein laues Herz. Ein um so manches erleichtertes Herz hingegen, das frei ist, den Herrn zu lieben, verbreitet immer Freude, jene Freude, die heute so dringend gebraucht wird. Der Heilige Papst Paul VI. schrieb: »Gerade inmitten all ihrer Not müssen die Menschen von heute die Freude entdecken und deren frohen Klang vernehmen (Apostolisches Schreiben Gaudete in Domino, I). Heute lädt uns Jesus ein, zu den Quellen der Freude zurückzukehren: zur Begegnung mit ihm, zu einer mutigen und risikofreudigen Entscheidung, um ihm nachzufolgen, zum Gefallen daran, etwas aufzugeben, um seinen Weg einzuschlagen. Die Heiligen sind diesen Weg gegangen.

Die Leidenschaft, etwas zu riskieren und loszulassen

Paul VI. tat dies nach dem Beispiel des Apostels, dessen Namen er annahm. Wie dieser lebte er ganz für das Evangelium Christi, indem er Grenzen überwand und Neuland betrat sowie durch Verkündigung und Dialog sein Zeuge wurde, Prophet einer hinausgehenden Kirche, die Weitblick hat und sich um die Armen kümmert. Paul VI. hat, manchmal unter Mühen und von Unverständnis umgeben, ein leidenschaftliches Zeugnis von der Schönheit und Freude einer totalen Nachfolge Jesu abgelegt. Noch heute mahnt er uns, zusammen mit dem Konzil, dessen weiser Steuermann er war, unsere gemeinsame Berufung zu leben: die universale Berufung zur Heiligkeit. Nicht zum Mittelmaß, sondern zur Heiligkeit. Es ist schön, dass mit ihm unter den neuen Heiligen auch Bischof Romero ist, der auf weltliche Absicherungen, ja auf seine eigene Sicherheit verzichtete, um evangeliumsgemäß sein Leben hinzugeben. Er war den Armen und seinem Volk nahe. Sein Herz war hingezogen zu Jesus und seinen Brüdern und Schwestern. Dasselbe gilt für Francesco Spinelli, Vincenzo Romano, Maria Katharina Kasper, Nazaria Ignacia de Santa Teresa und Nunzio Sulprizio. Alle diese Heiligen haben in unterschiedlichen Situationen mit ihrem Leben das heutige Schriftwort deutlich gemacht, ohne Lauheit, ohne Berechnung, mit der Leidenschaft, etwas zu riskieren und loszulassen. Möge der Herr uns helfen, ihr Beispiel nachzuahmen.”

(vatican news – sk)

Selige Begegnung: Als Oscar Romero Papst Paul VI. traf

Der selige Papst Paul VI. und der selige Oscar Romero im Vatikan am 21. Juni 1978 Foto: Erzdiözese von San Salvador

Im Juni 1978 besuchte der Erzbischof von San Salvador, Oscar Romero, den Vatikan, um sich mit Papst Paul VI. zu treffen. Bei diesem Treffen ermutigte der Papst seinen Mitbischof, dem salvadorianischen Volk zu helfen.

Nun werden beide Bischöfe heiliggesprochen: Am morgigen Sonntag erhebt Papst Franziskus sie zur Ehre der Altäre – der katholische Fernsehsender EWTN überträgt LIVE aus Rom.

Oscar Arnulfo Romero y Galdamez war von 1977 bis zum 24. März 1980 Erzbischof von San Salvador, als er während der Messe erschossen wurde. Er war ein lautstarker Kritiker der Menschenrechtsverletzungen der repressiven salvadorianischen Regierung, und er sprach im Namen der Armen und die Opfer der Regierung.

Niemand wurde wegen seiner Ermordung strafrechtlich verfolgt, aber es werden rechtsgerichtete Todesschwadronen vermutet. Sein Tod wurde als Martyrium anerkannt und er wurde im Jahr 2015 seliggesprochen.

Soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit in El Salvador führten in den 1970ern zu Demonstrationen und Aufständen gegen die Regierung. Diese versuchte, mit Todesschwadronen und anderen brutalen Repressalien, die Proteste zu unterdrücken. Von 1979 bis 1992 kämpften Pro-Regierungskräfte gegen linke Guerilla-Gruppen in einem Bürgerkrieg, der rund 75.000 Menschen das Leben kostete.

Wie viele andere Priester sprach sich Erzbischof Romero gegen die unmenschlichen Vorgänge im Land aus. Zahlreiche katholische Kritiker wurden von der Regierung ins Visier genommen.

Der Selige Oscar Romero sprach sich vor allem gegen die soziale Ungerechtigkeit aus, gegen die Unterdrückung der Armen, und die brutale Vorgehensweise des Militärs.

Vor seiner Ermordung im Jahr 1980 waren bereits 30 Priester seiner Erzdiöese entweder umgebracht oder des Landes verwiesen worden; zahlreiche katholische Laien erlitten das gleiche Schicksal.

Erzbischof Romero reiste 1978 nach Rom, um sich mit Vertretern des Vatikans und mit dem seligen Papst Paul VI. zu treffen. In seinem Tagebuch schildert er die Ereignisse und das Gespräch mit dem Pontifex.

Romero schreibt, er habe seine unerschütterliche Verbundenheit mit dem Lehramt der Kirche zum Ausdruck gebracht. Und dass er angesichts der gewalttätigen Situation im Land immer zur Bekehrung aufgerufen habe.

Schließlich erinnerte er sich daran, dass der Papst ihm sagte, dass er viel für El Salvador beten werde und „dass wir ihm sagen sollten, was er tun könnte, um uns zu helfen.“

Papst Franziskus wird am 19. Mai ein Konsistorium über die Heiligsprechungsprozesse leiten, bei dem erwartet wird, dass er auch mitteilt, wann die beiden Seligen heiliggesprochen werden. Die Dekrete wurden bereits im März unterzeichnet.

Voraussichtlich wird die Heiligsprechung im Oktober stattfinden, während der Bischofsynode.

(Erstfassung veröffentlicht am 10. Mai 2018.)

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Quelle

DAS WUNDER DES PAPSTES

Die Ordensschwester Marie Simon Pierre Normand der Kleinen Schwestern der Mütterlichkeit der katholischen Entbindungsstationen erlebte in der Nacht zum 3. Juni 2005 in ihrem Kloster in Aix-en-Provence in Frankreich etwas Eigenartiges. Sie wird während einer Pressekonfe­renz im Jahr 2008 in Rom und im Januar 2010 in Aix-en­-Provence erzählen, was ihr zugestoßen ist. »Ich legte mich abends hin, wachte um 4.3o Uhr auf, überrascht darüber, dass ich hatte schlafen können. Ich habe sofort gemerkt, dass etwas Eigenartiges geschehen war.« Die Ordensfrau soll erlebt haben, was man auf dieser Erde gar nicht erleben kann, eine Heilung der Parkinson-Erkrankung. Es gibt kei­nen einzigen dokumentierten Fall einer Heilung außer der Genesung der Schwester Marie Simon Pierre Normand.

Sie war als Tochter einer Familie mit fünf Kindern in Nordfrankreich bei Cambrai aufgewachsen. Schon wäh­rend ihrer Firmung nahm sich das Mädchen vor, Ordens­schwester zu werden. Der Entschluss reifte in ihr und wurde immer deutlicher, als sie als Helferin Kranke in den Wallfahrtsort Lourdes begleitete. Sie wusste auch ge­nau, welchem Orden sie beitreten wollte, den »Kleinen Schwestern der katholischen Entbindungsstationen«. Marie Simone Normand wird später schreiben: »Sie sind mir auf­gefallen, weil sie immer ein Lächeln auf den Lippen hat­ten, denn ich habe mich immer gefragt, was diese Frauen so fröhlich macht.« Trotz des Protestes ihrer Eltern tritt sie in den Orden ein. Im Jahr 2001 kam der große Schlag: Die Ärzte diagnostizierten die Parkinson-Krankheit. Ihre linke Hand und ihr linkes Bein waren betroffen. »Am Anfang konnte ich mir Papst Johannes Paul II. noch im Fernse­hen anschauen, er war mir nahe wie ein Freund, doch dann wurde es immer schlimmer für mich. Wenn ich den Papst sah, dachte ich, ja, das, was du da siehst, wird in den nächs­ten Jahren auch auf dich zukommen«, sagte die Ordens­frau der französischen Agentur KTO. Die Krankheit nahm ihren Verlauf, die Schüttellähmungen wurden immer hefti­ger. »Meine linke Hand war betroffen, und alles wäre nicht so schlimm gewesen, wenn ich nicht Linkshänderin wäre.«

Die Krankheit verschlimmert sich. Schwester Marie Simon Pierre Normand kann kaum mehr gehen, sie kann nicht einmal mehr einfache Notizen aufschreiben. Eine ständige Schlaflosigkeit plagt die Frau. Immer wieder be­tet sie zusammen mit den Ordensschwestern. Im Laufe des Jahres 2005 verschlechtert sich ihr Zustand, in den Tagen während des Sterbens von Papst Johannes Paul II. beten die Schwestern zusammen. »Es war ein sehr intensives Erleb­nis für mich, der Papst war wie ein Freund; auch wenn er jetzt bald im Himmel sein würde, hatte ich das Gefühl, ihn an meiner Seite zu haben«, sagt die Schwester gegenüber KTO. Nach dem Tod des Papstes wenden sich die Schwes­tern in einer Novene, also einem Gebet, das an neun auf­einanderfolgenden Tagen wiederholt wurde, an den ver­storbenen Papst und bitten ihn, Schwester Marie Simon zu helfen. »Während dieses Gebets hatte ich immer das Ge­fühl, den Satz in mir zu spüren, der mir sagte: >Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen.<« Doch ihr Zustand verschlechtert sich weiter. »Am 2. Juni ging es mir so schlecht, dass ich die Ordensoberin bat, mich von allen Diensten und Arbeiten zubinden. Ich konnte einfach nicht mehr. Die Ordensoberin bat mich, auf einen Zettel den Namen Johannes Paul II. zu schreiben, ich versuchte es, dabei kam aber nur Gekritzel heraus. Wir blieben beide lange vor dem Blatt stehen und sahen es an. Dann sagte die Ordensoberin zu mir, dass Papst Johannes Paul II. noch nicht das letzte Wort gesprochen habe. Ich bat darum, mich zurückziehen zu dürfen.«

In der Nacht zum 3. Juni geschieht das Wunder. Als die Schwester aufwacht, kann sie zum ersten Mal fünfzig Meter an einem Stück laufen, ihre Schrift ist klar, und sie schreibt ohne Probleme den Namen Johannes Paul II. Sie wendet sich an ihre Ärzte, die sie ab dem Jahr 2001 behan­delt haben. Die stehen vor einem unglaublichen Rätsel, der ersten Heilung von der Parkinson-Krankheit in der Ge­schichte der Medizin.

Dem Vatikan war von Anfang an klar, dass dieses Wun­der genauer unter die Lupe genommen werden würde als jedes andere. Unter dem Vorsitz von Dr. Patrizio Polisca kommt die Kommission zu einem eindeutigen Ergebnis: Es ist ein sensationelles Wunder, der einzige bekannte Fall der vollständigen Heilung einer unheilbaren Krankheit. Hatte der Papst vom Himmel aus eine Ordensfrau von einer Krankheit befreit, die ihn selbst jahrelang hatte leiden lassen? Für die katholische Kirche gibt es daran keinen Zweifel.

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Quelle: Andreas English: Der Wunder-Papst Johannes Paul II., Verlagsgruppe Random-House

Papst Franziskus erinnert an Märtyrer des Spanischen Bürgerkriegs

Spanische Märtyrer – RV

An 60 Märtyrer des Spanischen Bürgerkrieges hat Papst Franziskus beim Angelusgebet am Sonntag erinnert. Auf dem römischen Petersplatz sagte er nach dem Mittagsgebet, dass sie „aus Hass gegen den Glauben“ getötet worden seien. Die Märtyrer wurden am Samstag in der spanischen Hauptstadt Madrid seliggesprochen. Es handelt sich um den Priester und Jugendseelsorger Vicente Queralt Lloret und 20 andere Priester, Ordensfrauen und Laien sowie um den Priester Jose Maria Fernandez Sanchez und seine Gruppe, die aus 39 Gläubigen bestand. Sie wurden von republikanischen Milizen erschossen.

Vor und zu Beginn des Bürgerkrieges (1936-39) hatte es erhebliche Spannungen zwischen republikanischen Kräften und der Kirche gegeben. Die republikanische Seite, der Kommunisten, Sozialisten und andere antiklerikale Kräfte angehörten, suchte die ihrer Meinung nach reaktionäre und monopolartige Vormachtstellung der Kirche im Land zu brechen.

Nach kirchlichen Schätzungen wurden im Bürgerkrieg knapp 7.000 Priester, Bischöfe und Ordensleute sowie Tausende andere Gläubige getötet. Über 1.800 von ihnen wurden bereits selig- sowie vier auch heiliggesprochen.

(rv/kna 12.11.2017 mg)

Romano Guardini soll selig gesprochen werden

Romano Guardini, ungefähr im Jahr 1948

Im Erzbistum München und Freising werden zwei Seligsprechungsverfahren vorbereitet. Betroffen sind der Publizist Fritz Gerlich (1883-1934) und der Religionsphilosoph Romano Guardini (1885-1968). Das bestätigte ein Sprecher des Erzbistums der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Sonntag. Demnach ist bereits ein sogenannter Postulator für die beiden Verfahren ernannt. Nach Informationen der KNA stellt er derzeit Zeugenlisten zusammen und prüft Vorschläge für die Besetzung weiterer Gremien. Mit einer offiziellen Eröffnung der beiden Prozesse durch Kardinal Reinhard Marx wird noch in diesem Jahr gerechnet.Gerlich versuchte ab Sommer 1931, Adolf Hitlers Griff nach der Macht mit scharfen publizistischen Attacken zu verhindern. Dazu formte er eine bis dahin politisch harmlose Wochenzeitung zu einem Kampforgan um und gab ihr den Titel „Der gerade Weg“. Unter dem Eindruck der Begegnung mit der oberpfälzischen Mystikerin und Ekstatikerin Therese Neumann hatte der aus Stettin stammende Calvinist kurz zuvor zum katholischen Glauben gefunden. Im Kreis um die „Resl von Konnersreuth“ traf Gerlich auch die wichtigsten Mitstreiter für seinen Widerstand gegen die Nazis. Hitler ließ ihn gleich nach seiner Machtübernahme im März 1933 einsperren.

Die „Schutzhaft“ bis zu seiner Ermordung im Sommer 1934 ertrug Gerlich nach dem Zeugnis von Mitgefangenen im Gebet und die Vertiefung in theologische Lektüre. Katholische Journalistenvereine wie der Bayerische Presseclub haben sich bereits vor Jahren für ein Seligsprechungsverfahren eingesetzt. Sollte Gerlich von der Kirche als Märtyrer anerkannt werden, könnte der Prozess relativ rasch abgeschlossen werden. Der Nachweis eines Wunders infolge einer Gebetserhörung ist in solchen Fällen nicht notwendig.

Guardini gilt als einer der einflussreichsten katholischen Denker des 20. Jahrhunderts. Der aus Verona stammende Mainzer Diözesanpriester lehrte in Berlin, Tübingen und München Religionsphilosophie. Die Lehrstühle wurden eigens auf ihn zugeschnitten. Guardini nahm gestaltend Einfluss auf die katholische Jugend- und Liturgiebewegung und wurde so zu einem geistigen Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965). In München zählte er zu den Mitbegründern der Katholischen Akademie in Bayern, die bis heute seinen Nachlass verwaltet und einen nach ihm benannten Preis verleiht.

Religionspädagogen sehen in Guardini einen neuen „Patron der Erzieher“. Vor vier Jahren formierte sich in seinem Geburtsland Italien eine Gruppe von Verehrern, die seither für seine Seligsprechung beten und inzwischen auch in Deutschland Unterstützer haben, etwa die emeritierte Dresdener Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, die heute an der  Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz bei Wien lehrt. Die Fürsprecher dieses Anliegens wissen Benedikt XVI. hinter sich, der Guardini in seinen Ansprachen häufig zitierte.

(kna 18.07.2016 cs)

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Quelle

Seligsprechungsverfahren modifiziert

Öffentliches Konsistorium, 20. April 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Apostolisches Schreiben in Form eines Motu Proprio
„maiorem hac dilectionem“ vom 11. Juli 2017

Der Heilige Stuhl veröffentlichte am 11. Juli 2017 ein Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus in Form eines Motu Proprio „maiorem hac dilectionem“ zum Seligsprechungsverfahren.

Nach den neuen Normen können Christen, die ihr Leben aus freier Entscheidung und willentlich aus Nächstenliebe geschenkt haben, seliggesprochen werden. Ihr Verhalten sei eine wahre, vollkommene und beispielhafte Nachahmung Jesu.

Der Fall wurde am 27. September 2017 von der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse aufmerksam studiert, und fünf Artikel dazu festgesetzt, die die bisher gültige Apostolische Verfassung modifizieren.

Artikel 1 fügt entsprechend den „iter“ [lat. iter, itineris n, der Weg] der freiwilligen Hingabe des eigenen Lebens hinzu. Bis dato waren die Anerkennung eines Martyriums oder christlicher Tugenden und eines Wunders auf Fürsprache die Voraussetzungen für die Seligsprechung. Während das Martyrium eine Verfolgung voraussetzt, kann die Hingabe des eigenen Lebens auch ohne diese bejaht werden. Ein Beispiel ist die aufopferungsvolle Pflege von Patienten mit hochinfektiösen gefährlichen Krankheiten.

Gemäß dem Johannesevangelium (Joh 15,13), „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“, das in dem Schreiben zitiert wird, soll den Christen Ehre zuteil werden, die ihr Leben hingeben. Der Tod muss kurz danach eintreten und in Zusammenhang mit der Hingabe stehen. Ein Wunder ist – wie auch bei der Anerkennung christlicher Tugenden – erforderlich.

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