Papst Franziskus erinnert an Märtyrer des Spanischen Bürgerkriegs

Spanische Märtyrer – RV

An 60 Märtyrer des Spanischen Bürgerkrieges hat Papst Franziskus beim Angelusgebet am Sonntag erinnert. Auf dem römischen Petersplatz sagte er nach dem Mittagsgebet, dass sie „aus Hass gegen den Glauben“ getötet worden seien. Die Märtyrer wurden am Samstag in der spanischen Hauptstadt Madrid seliggesprochen. Es handelt sich um den Priester und Jugendseelsorger Vicente Queralt Lloret und 20 andere Priester, Ordensfrauen und Laien sowie um den Priester Jose Maria Fernandez Sanchez und seine Gruppe, die aus 39 Gläubigen bestand. Sie wurden von republikanischen Milizen erschossen.

Vor und zu Beginn des Bürgerkrieges (1936-39) hatte es erhebliche Spannungen zwischen republikanischen Kräften und der Kirche gegeben. Die republikanische Seite, der Kommunisten, Sozialisten und andere antiklerikale Kräfte angehörten, suchte die ihrer Meinung nach reaktionäre und monopolartige Vormachtstellung der Kirche im Land zu brechen.

Nach kirchlichen Schätzungen wurden im Bürgerkrieg knapp 7.000 Priester, Bischöfe und Ordensleute sowie Tausende andere Gläubige getötet. Über 1.800 von ihnen wurden bereits selig- sowie vier auch heiliggesprochen.

(rv/kna 12.11.2017 mg)

Romano Guardini soll selig gesprochen werden

Romano Guardini, ungefähr im Jahr 1948

Im Erzbistum München und Freising werden zwei Seligsprechungsverfahren vorbereitet. Betroffen sind der Publizist Fritz Gerlich (1883-1934) und der Religionsphilosoph Romano Guardini (1885-1968). Das bestätigte ein Sprecher des Erzbistums der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Sonntag. Demnach ist bereits ein sogenannter Postulator für die beiden Verfahren ernannt. Nach Informationen der KNA stellt er derzeit Zeugenlisten zusammen und prüft Vorschläge für die Besetzung weiterer Gremien. Mit einer offiziellen Eröffnung der beiden Prozesse durch Kardinal Reinhard Marx wird noch in diesem Jahr gerechnet.Gerlich versuchte ab Sommer 1931, Adolf Hitlers Griff nach der Macht mit scharfen publizistischen Attacken zu verhindern. Dazu formte er eine bis dahin politisch harmlose Wochenzeitung zu einem Kampforgan um und gab ihr den Titel „Der gerade Weg“. Unter dem Eindruck der Begegnung mit der oberpfälzischen Mystikerin und Ekstatikerin Therese Neumann hatte der aus Stettin stammende Calvinist kurz zuvor zum katholischen Glauben gefunden. Im Kreis um die „Resl von Konnersreuth“ traf Gerlich auch die wichtigsten Mitstreiter für seinen Widerstand gegen die Nazis. Hitler ließ ihn gleich nach seiner Machtübernahme im März 1933 einsperren.

Die „Schutzhaft“ bis zu seiner Ermordung im Sommer 1934 ertrug Gerlich nach dem Zeugnis von Mitgefangenen im Gebet und die Vertiefung in theologische Lektüre. Katholische Journalistenvereine wie der Bayerische Presseclub haben sich bereits vor Jahren für ein Seligsprechungsverfahren eingesetzt. Sollte Gerlich von der Kirche als Märtyrer anerkannt werden, könnte der Prozess relativ rasch abgeschlossen werden. Der Nachweis eines Wunders infolge einer Gebetserhörung ist in solchen Fällen nicht notwendig.

Guardini gilt als einer der einflussreichsten katholischen Denker des 20. Jahrhunderts. Der aus Verona stammende Mainzer Diözesanpriester lehrte in Berlin, Tübingen und München Religionsphilosophie. Die Lehrstühle wurden eigens auf ihn zugeschnitten. Guardini nahm gestaltend Einfluss auf die katholische Jugend- und Liturgiebewegung und wurde so zu einem geistigen Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965). In München zählte er zu den Mitbegründern der Katholischen Akademie in Bayern, die bis heute seinen Nachlass verwaltet und einen nach ihm benannten Preis verleiht.

Religionspädagogen sehen in Guardini einen neuen „Patron der Erzieher“. Vor vier Jahren formierte sich in seinem Geburtsland Italien eine Gruppe von Verehrern, die seither für seine Seligsprechung beten und inzwischen auch in Deutschland Unterstützer haben, etwa die emeritierte Dresdener Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, die heute an der  Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz bei Wien lehrt. Die Fürsprecher dieses Anliegens wissen Benedikt XVI. hinter sich, der Guardini in seinen Ansprachen häufig zitierte.

(kna 18.07.2016 cs)

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Quelle

Seligsprechungsverfahren modifiziert

Öffentliches Konsistorium, 20. April 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Apostolisches Schreiben in Form eines Motu Proprio
„maiorem hac dilectionem“ vom 11. Juli 2017

Der Heilige Stuhl veröffentlichte am 11. Juli 2017 ein Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus in Form eines Motu Proprio „maiorem hac dilectionem“ zum Seligsprechungsverfahren.

Nach den neuen Normen können Christen, die ihr Leben aus freier Entscheidung und willentlich aus Nächstenliebe geschenkt haben, seliggesprochen werden. Ihr Verhalten sei eine wahre, vollkommene und beispielhafte Nachahmung Jesu.

Der Fall wurde am 27. September 2017 von der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse aufmerksam studiert, und fünf Artikel dazu festgesetzt, die die bisher gültige Apostolische Verfassung modifizieren.

Artikel 1 fügt entsprechend den „iter“ [lat. iter, itineris n, der Weg] der freiwilligen Hingabe des eigenen Lebens hinzu. Bis dato waren die Anerkennung eines Martyriums oder christlicher Tugenden und eines Wunders auf Fürsprache die Voraussetzungen für die Seligsprechung. Während das Martyrium eine Verfolgung voraussetzt, kann die Hingabe des eigenen Lebens auch ohne diese bejaht werden. Ein Beispiel ist die aufopferungsvolle Pflege von Patienten mit hochinfektiösen gefährlichen Krankheiten.

Gemäß dem Johannesevangelium (Joh 15,13), „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“, das in dem Schreiben zitiert wird, soll den Christen Ehre zuteil werden, die ihr Leben hingeben. Der Tod muss kurz danach eintreten und in Zusammenhang mit der Hingabe stehen. Ein Wunder ist – wie auch bei der Anerkennung christlicher Tugenden – erforderlich.

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Quelle

Papst spricht Opfer protestantischer Verfolgung heilig

Spricht im Oktober Opfer protestantischer Verfolgung heilig: Papst Franziskus

Papst Franziskus spricht im Oktober dreißig Katholiken heilig, die im 17. Jahrhundert von Protestanten ermordet wurden. Das gab er bei dem am Donnerstag im Vatikan abgehaltenen Konsistorium der Kardinäle bekannt. Die Gruppe der Märtyrer wurde 1645 im nordbrasilianischen Sao Goncalo do Amarante während eines Gottesdienstes von calvinistischen Söldnern der niederländischen Kolonialherren getötet. Im Jahr 2000 sprach Johannes Paul II. (1978-2005) 30 von den 69 Katholiken selig.

Heiliggesprochen werden am 15. Oktober in Rom durch Papst Franziskus neben dem Jesuiten Andre de Soveral auch der in Portugal geborene Priester Ambrosio Francisco Ferro sowie 28 Laien. Ebenfalls spricht Franziskus am selben Tag die mexikanischen Jugendlichen Cristobal (+1527), Antonio und Juan (+1529) heilig, die sich geweigert hatten, einem Aztekengott Opfer zu bringen und in Polygamie zu leben, außerdem den spanischen Priester Faustino Miguez Gonzales (1831-1925), Gründer des Ordens der Kalasantinerinnen und eines Instituts zur Unterrichtung von Frauen sowie den Minoritenbruder und Missionaren Lucantonio Falcone (1669-1739).

(kap 20.04.2017 gbs)

Fatima: Die drei Hirtenkinder und die Wunderheilung des kleinen Lucas

João Batista & Lucila Yurie, Eltern Des Kleinen Lucas, Fatima / © ZENIT – AB

Pilgerreise am 12. und 13. Mai 2017

Den drei Hirtenkindern, Lucia, Jacinta und Francisco, erschien die Jungfrau Maria im Jahr 1917 sechs Mal, das erste Mal am 13. Mai. Lucia war damals zehn Jahre alt, ihre beiden Cousins, Francisco und Jacinta, jeweils neun und sieben Jahre alt. Während der Erscheinungen konnte nur Lucia sehen, hören und sprechen, Jacinta sehen und hören, Francisco nur sehen. Daher berichteten nur die beiden Mädchen über das Geschehene.

Durch die Erscheinungen änderte sich das Leben der drei Hirtenkinder, die ein einfaches und gläubiges Elternhaus hatten, grundlegend. Täglich beteten sie den Rosenkranz und mussten Anfeindungen und Anschuldigungen ertragen. Jacinta und Francisco starben nur wenige Jahre nach den Marienerscheinungen an der Spanischen Grippe, Francisco am 4. April 1919 und Jacinta am 20. Februar 1920.

Lucia, die wie ihre beiden Cousins in Aljustrel geboren war, hatte bereits 1915 eine Vision, wie sie später in ihren Erinnerungen berichtete. Nach der letzten Marienerscheinung 1917 lebte sie im Kolleg von Villar in Porto, danach, vom 17. Mai 1946 bis zu ihrem Tod am 13. Februar 2005, in Klausur im Karmel von Santa Teresa.

1922 verfasste Sr. Lucia die erste Niederschrift der Marienerscheinungen, 1924 wurde sie von einer offiziellen Kommission zu den Ereignissen in Fatima befragt. Sechs Jahre später, am 13. Oktober 1930, veröffentlichte der Bischof von Leiria einen Pastoralbrief zum Kult Unserer Lieben Frau von Fatima. Sr. Lucia verfasste von 1935 bis 1992 ihre Erinnerungen in sechs Teilen.

Am 3. Februar 2008 wurde der Seligsprechungsprozess für Sr. Lucia dos Santos eingeleitet und damit die übliche Fünfjahresfrist in ihrem Fall aufgehoben. Ihre Seligsprechung erfolgte am 13. Februar 2017.

Jacinta und Francisco wurden am 13. Mai 2000 seliggesprochen. Ihre Heiligsprechung am 13. Mai 2017 erfolgte aufgrund der Anerkennung eines Wunders, der Heilung eines kleinen Jungen aus Brasilien, der am 3. März 2013 im Alter von fünf Jahren einen schweren Unfall erlitten hatte.

Der kleine Lucas war beim Spielen aus dem Fenster in 6,50 Meter Tiefe gestürzt. Das Kind fiel ins Koma; die behandelnden Ärzte schätzten die Überlebenschancen des kleinen Jungen sehr gering ein. Die Eltern beteten in ihrer Verzweiflung zu Unserer Lieben Frau von Fatima und baten auch eine Schwesterngemeinschaft um Gebete.

Der Zustand ihres Sohnes verschlechterte sich besorgniserregend, doch am 9. März erwachte der kleine Lucas aus dem Koma, begann zu sprechen und nach seiner Schwester zu fragen. Am 15. März konnte er aus dem Krankenhaus entlassen werden. Von dem schweren Unfall sind Lucas keinerlei Folgeschäden geblieben. Wissenschaftlich ist seine Heilung nicht erklärbar.

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Quelle

Heiligsprechung in Fatima: Klammern wir uns Maria an

Papst in Fatima

Mit einem langen Applaus haben die Pilger und Gläubige im portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima den Papst am Samstagvormittag willkommen geheißen. Bei dem Gottesdienst unter strahlendem Sonnenschein nahmen tausende Menschen teil. Zuvor hatte Franziskus die alte Rosenkranzbasilika von Fatima besucht und betete vor den Gräbern der drei Seherkinder Francisco Marto, Jacinta Marto und Lucia dos Santos, die sich dort befinden. Der Platz zwischen den beiden Basiliken von Fatima war bereits zwei Stunden vor dem Gottesdienst weithin gefüllt. Viele Pilger hatten mit Schlafsäcken oder einfachen Rettungsdecken auf dem Areal übernachtet, berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur. Franziskus war im Exerzitienhaus „Nossa Senhora do Carmo“ unmittelbar neben dem Wallfahrtsgelände untergebracht.

Bis zum letzten Atemzug

Zu Beginn der Feier an diesem Samstag stellte der Bischof von Fatima, António Augusto dos Santos Marto, das Leben der beiden neuen Heiligen vor: Francisco und Jacinta Marto. Die Lesungen und das Tagesevangelium drehten sich allesamt um der Muttergottes. Der Papst rief die Gläubigen auf, „uns wie Kinder“ an sie zu klammern. Denn auf diese Weise könnten die Gläubigen in der Hoffnung leben, die sich auf Jesus stützt und die Menschen immer trägt – „bis zum letzten Atemzug“. Zu Beginn seiner Predigt ging er auf das Erlebnis der Seherkinder von Fatima ein. Unzählige Gnaden seien der Muttergottes von Fatima zu verdanken, so Franziskus. Hundert Jahre seien seit ihrer Erscheinung am Himmel vergangenen und „vom hoffnungsvollen Portugal aus“ haben ihr Lichtmantel „über die vier Himmelsrichtungen der Erde“ sich ausgebreitet. Die beiden neuen Heiligen seien für alle ein Vorbild, da sie die göttliche Gegenwart zu einem festen Bestandteil ihres Lebens machten.

Einhüllendes Licht

Maria ist erschienen, um an das „Licht Gottes zu erinnern, das in uns wohnt und uns umhüllt“: In seiner Predigt bei der Messe in Fatima betonte Papst Franziskus die Metapher des einhüllenden Lichts, die besonders wichtig ist für den Marienwallfahrtsort. „Gemäß dem gläubigen Empfinden vieler, wenn nicht sogar aller Pilger ist Fatima vor allem dieser Lichtmantel. Er bedeckt uns hier wie an jedem anderen Ort der Erde, wenn wir unter dem Schutz der Jungfrau Maria Zuflucht nehmen, um sie zu bitten, wie es das Salve Regina lehrt: ‚Zeige uns Jesus’.“ Die drei Hirtenkinder, denen die Muttergottes vor genau 100 Jahren begegnet war, hatte Ähnlichkeit wie die Maria aus der Offenbarung des Johannes, von der in der Lesung die Rede war, „eine Frau, mit der Sonne bekleidet.“ „Liebe Pilger, wir haben eine Mutter“, so Papst Franziskus.

Die drei Kinder hatten sich ihrem eigenen Zeugnis nach im Licht Gottes befunden, das von der Gottesmutter ausstrahlte. „Sie hüllt sie in den Mantel des Lichtes, das Gott ihr gegeben hatte.“ Zu Beginn der Messfeier hatte Papst Franziskus zwei der Seherkinder, Jacinta und Francisco Marto, heilig gesprochen. Das dritte Kind, Lucia dos Santos, war 2005 gestorben, für sie läuft das Seligsprechungsverfahren.

„Ich konnte nicht umhin, hierher zu kommen“

Der Papst bedankte sich bei allen Anwesenden, weil sie ihn auf dieser für ihn wichtigen Pilgerfahrt begleitet haben. „Ich konnte nicht umhin, hierher zu kommen, um die Jungfrau und Mutter Maria zu verehren und ihr ihre Söhne und Töchter anzuvertrauen. Unter ihrem Schutzmantel gehen sie nicht verloren“, so der Papst wörtlich. Der Fürsprache der Gottesmutter bedarf die ganze Menschheit, insbesondere die Kranken und Behinderten, die Gefangenen und Arbeitslosen, die Armen und Verlassenen, fügte Franziskus an; ihr beständiges Gebet und ihre Verehrung für die Gottesmutter sei Beispiel für viele geworden, und das nicht nur in Portugal sondern auf der ganzen Welt.

Hoffnung für andere sein

Jeder sei selber eine Hoffnung für die anderen. Das fordere von jedem Gläubigen eine „regelrechte Mobilisierung gegen die Gleichgültigkeit“. Diese Gleichgültigkeit lasse das Herz erstarren und verschlimmere die Kurzsichtigkeit gegenüber den Mitmenschen. Doch das Leben könne nur durch ein anderes Leben überleben, aber dazu bedarf es der Großzügigkeit der Menschen. Jesus sei im Schoß der Jungfrau Mensch geworden, diese Menschheit werde nie wieder aufgeben. „Wie einen Anker machen wir unsere Hoffnung in jener Menschheit fest, die im Himmel zur Rechten des Vaters ihren Platz genommen hat“, so der Papst weiter. „Diese Hoffnung möge der Antrieb für unser aller Leben sein!“

Mobilisierung gegen die Gleichgültigkeit

„Darum bitte ich für alle meine Brüder und Schwestern, für die Getauften und die ganze Menschheit, insbesondere für die Kranken und Behinderten, die Gefangenen und Arbeitslosen, die Armen und Verlassenen“, so der Papst, um dann mit einem paradoxen Gebet fortzufahren. „Liebe Brüder und Schwestern, beten wir zu Gott in der Hoffnung, dass uns die Menschen anhören werden; und wenden wir uns an die Menschen in der Gewissheit, dass uns Gott zu Hilfe kommt.“ Wenn Gott wie die Seher-Kinder schrieben die Einsatz und so Erfüllung der je eigenen Pflichten verlange, „so setzt er damit eine regelrechte allgemeine Mobilisierung gegen diese Gleichgültigkeit in Gang, die unser Herz erstarren lässt und unsere Kurzsichtigkeit verschlimmert. Wir wollen keine gescheiterte Hoffnung sein!“ Es gelte, das Antlitz Jesu zu suchen, der in die Welt gekommen sei und sich erniedrigt habe, bis zum Kreuz. So könne man „das junge und schöne Gesicht der Kirche wiederentdecken (…), das strahlt, wenn sie missionarisch, einladend, frei, treu, arm an Mitteln und reich an Liebe ist.“

Jeder sei ein Wächter der Welt unter dem Schutz Mariens, sagte der Papst abschließend. Zur Gabenbereitung brachte die Familie, deren Kind auf die Fürsprache der beiden Seherkinder geheilt wurde, die Gaben zum Altar. Zum Schluss der Feier gab es noch einen Segen für die Kranken.

(rv 13.05.2017 mg/ord)

Kardinal Van Thuan: Ein weiterer Schritt zur Seligsprechung

François Xavier Nguyen Van Thuan & Schwester / Quelle: Privat

Papst hat am Donnerstag den heroischen Tugendgrad
des am 16. September 2002 verstorbenen
vietnamesischen Kardinals anerkannt

Papst Franziskus hat am Donnerstag den heroischen Tugendgrad des am 16. September 2002 verstorbenen vietnamesischen Kardinals François Xavier Nguyen Van Thuan anerkannt. Das ist die Vorstufe zur Seligsprechung. Das kirchenrechtliche Verfahren wurde im Jahr 2007 auf diözesaner Ebene eröffnet und im Juli 2013 abgeschlossen. Der damalige Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden hatte am selben Tag wie Jorge Mario Bergoglio die Kardinalswürde erhalten, zusammen mit 42 weiteren kirchlichen Würdenträgern am 21. Februar 2001, im Rahmen der bis dahin größten Kardinalsversammlung der Kirchengeschichte. Francois Xavier Nguyen Van Thuan war einmal Häftling der Kommunisten in Vietnam gewesen.

Im goldenen Messgewand saß der selige Papst Johannes Paul II., bereits durch Krankheit gezeichnet, und überreichte einem nach dem anderen Pileolus (Scheitelkäppchen) und Birett in Rot. Für die Kurie durfte der Vietnamese ein Jahr zuvor zu den Fastenexerzitien predigen. In aufrichtigster Demut hatte er dabei Momente der Schwäche während seiner Gefangenschaft offengelegt: Ein Mann, der einmal ganz unten war. „Ich erlebte die Sinnlosigkeit“, bekannte er. „Aber ich kann bezeugen, dass der Vater mich nicht verlassen hat und dass er mir Kraft gegeben hat“, heißt es in den unter dem deutschen Titel „Hoffnung, die uns trägt“ veröffentlichten Exerzitien.

Es gibt eine berühmte Szene in dem Film „In den Schuhen des Fischers“ von 1968 mit Anthony Quinn, der die Geschichte eines kirchlichen Würdenträgers erzählt, der wie Nguyen Van Thuan lange Jahre in kommunistischen Umerziehungslagern verbracht hatte. In der Geschichte wird die Hauptfigur zunächst zum Kardinal kreiert, dann schließlich zum Papst gewählt. In einer Sitzung des kommunistischen Politbüros lachen die Mitglieder schallend, als sie ihren ehemaligen politischen Häftling in einer Fernsehsequenz auf der Loggia oberhalb der Portale des Petersdomes sehen. Möglicherweise wird den Parteibonzen in Vietnam aber an jenem Februartag das Lachen im Hals stecken geblieben sein. Filmreif war das Leben dieses kleinen, charismatischen Kardinals gewesen, denn es gibt über ihn bereits einen Dokumentarstreifen.

Kardinal Nguyen Van Thuan wurde 1975 kurze Zeit nach seiner Ernennung zum Erzbischof-Koadjutor von Saigon von den kommunistischen Machthabern verhaftet und saß 13 Jahre lang hinter Gittern, davon neun Jahre in Einzelhaft. Das Regime hielt ihn für einen gefährlichen Ursupator, während er Mitgefangene und Wärter durch seine Nächstenliebe und besondere Gabe zu Verzeihen überzeugte. Nach seiner Freilassung, nicht zuletzt aufgrund internationalen Drucks und einer Schwächung des Ostblocks, beeilten sich die Machthaber, ihn ins Exil zu schicken. Im Jahr 1994 wurde er Vizepräsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden und ab 1998 leitete er dieses römische Dikasterium.

Seine jüngste Schwester, 69-jährige Elizabeth Nguyen berichtete einmal, dass der Kardinal oft gefragt wurde, wie er die Kraft zu dieser Liebe und zum Verzeihen fand. „Er sagte, dass es das Wort Gottes war, in der Schrift und im Gebet sowie der Leib Christi in der Eucharistie“. Mit seinem festen Glauben sei er auf dem Weg der Nachfolge für die Mitgefangenen zum anderen Christus geworden. Erst habe er mit seinem Gefangenenschicksal gehadert, keinen Sinn darin erkennen können, hinter Gittern zu versauern, während draußen die Gläubigen eines Hirten bedurften. In Rom hatte er studiert und war mit 47 Jahren schon Erzbischof-Koadjutor geworden. Dann aber habe er erkennt, dass seine neue Diözese sein Gefängnis war. Er sah, dass dort das Volk Gottes auf seinen Dienst wartete. Thuan habe den Willen Gottes auf diese Weise immer mehr angenommen, was anhand zahlreicher Briefe, die er aus der Haft schrieb, zu belegen ist. „Als ein Gefangener lehrte er uns, unseren Glauben in Freiheit zu bewahren“, sagte Elizabeth Nguyen.

Um Eucharistie feiern zu können, ließ er sich nach einem vorher verabredeten Code Messwein und Hostien ins Gefängnis schicken. Der Messwein war als Magenmedizin getarnt und die Hostien steckten zwischen den Batterien einer Taschenlampe. Ein paar Tropfen Wein konsekrierte er in seiner Handinnenfläche. Eines Tages fand er bei der harten Feldarbeit im Acker eine winzige Flasche, die er in seine Zelle schmuggelte und dort als Kelch verwendete. Die Kommunion konnte er gläubigen Mitgefangenen austeilen, in dem er die Hostien in Zigarettenpapier einwickelte.

Da er niemanden aus seinem Herz ausschloss, wie er selbst später schrieb, freundeten selbst Wärter sich mit ihm an. „Ich möchte gern ein Holzstück in Kreuzesform zurechtschneiden“, sagte er einem von ihnen frei heraus. Der Mann ließ sich überreden und besorgte ihm Holz, das Van Thuan zu einem Kreuz schnitzte und in einem Stück Seife verbarg. Sogar ein Elektrokabel und zwei kleine Zangen erhielt er auf diese Weise. Der Wärter, der damit ein deutliches Risikio einging, vertraute ihm: Eine Kette entstand. Beides, Kreuz und Kette, verwendete Kardinal Nguyen Van Thuan später noch in Freiheit für sein Pectorale (Brustkreuz). Es sollte ihn daran erinnern: „Nur die christliche Liebe kann die Herzen verändern, nicht Waffen, nicht Drohungen, nicht Medien.“ Viele Menschen, die diesen ungewöhnlichen Bischof in der Haft kennenlernten, fanden durch ihn zum Glauben, darunter auch knallharte und korrupte Kommunisten.

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