Italien: Carlos Acutis, der Influencer Gottes

Carlo Acutis

Selig sind die, die im Internet die Frohe Botschaft verkünden: Ab diesem Donnerstag werden in Assisi die sterblichen Überreste des bald seliggesprochenen Internet-Seelsorgers Carlo Acutis ausgestellt. Am 10. Oktober – also eine Woche nach der Visite des Papstes in der umbrischen Kleinstadt – wird Carlo Acutis seliggesprochen. Wir sprachen mit seiner Mutter darüber.

Mario Galgano und Eugenio Bonanata – Vatikanstadt

Um junge Menschen zu erreichen, muss die Kirche auf sie zugehen. Davon war Carlo Acutis überzeugt. Und heute sind viele Jugendliche de facto in der virtuellen Welt des Internets anzutreffen. Carlo Acutis, Jahrgang 1991, starb vor 14 Jahren im Teenager-Alter an Leukämie. Er war dafür bekannt, Eucharistische Wunder auf der ganzen Welt zu dokumentieren und sie auf einer Website zu katalogisieren, die er selbst in den Monaten vor seinem Tod erstellte.

In Assisi bringt die Seligsprechung Carlo Acutis dazu, über die Bedeutung des World Wide Web für die Kirche von heute nachzudenken. Um über die Weitergabe des Glaubens in der virtuellen Welt des Internet nachzudenken, wird in Assisi ein realer Gebetsgang stattfinden. Höhepunkt der Begegnung ist Acutis Seligsprechung am 10. Oktober. Zuvor und danach können jene, die Carlos Internetseite kennen und schätzen, beim Leichnam beten. An diesem Donnerstagmorgen wurden die sterblichen Überreste Carlos freigelegt und im Heiligtum in Assisi ausgestellt. Carlo starb 2006 an Leukämie. Seine Mutter, Antonia Salzano, sagt gegenüber Radio Vatikan:

„Carlos sterbliche Überreste wurde unversehrt aufgefunden, dann wurde sie behandelt und nun wird er für alle sichtbar sein. Es gibt viele junge Menschen und Gläubige, denen dieser Kontakt am Herzen liegt. Die Wertschätzung für meinen Sohn hat inzwischen alle Ecken des Planeten erreicht. Er wird selig gesprochen werden, aber Heiligkeit ist etwas, das uns alle angeht. Der Ritus, den wir feiern werden, bereitet uns alle auf das Leben vor, das uns alle erwartet. Carlos Beispiel ist ein Ausgangspunkt für jeden, der das Evangelium in den Mittelpunkt seines Lebens stellen will.“

Carlo Acutis und die Eucharistischen Wunder

Die heutige Social- und Internet-Generation möge Figuren wie Carlo, der Aufmerksamkeit mit Bildern und Schlagworten auf eigenen Internetseiten erregte. Er kommunizierte seinen Glauben mit einer frischen und lebendigen Sprache und erreichte damit viele junge Menschen, wie seine Mutter sagt. So entstanden aber auch zahlreiche Initiativen um ihn herum, wie z.B. eine Videoreportage, die jetzt auf VatiVision zu sehen ist, der digitalen Plattform für die Verbreitung audiovisueller Inhalte christlicher Inspiration, besser bekannt als „Netflix der katholischen Kirche“.

„Die Aufmerksamkeit der Medien ist erstaunlich. Viele Zeitungen, auch säkulare, wie die ,Times´ oder TV-Sender wie die BBC, haben sich für Carlo interessiert. Ich denke, dies rührt daher, dass er mit der heutigen Zeit im Dialog steht und dass die Kirche durch ihn eine Botschaft vorschlägt, die mit dem Internet und den sozialen Medien verbunden ist. Das ging so weit, dass ihn jemand als ,Gottes Beeinflusser´ bezeichnete, oder wie man heute sagt: ,der Influencer Gottes´.“

Aufgrund seines bewussten Einsatzes der neuen Technologien hat sogar Papst Franziskus Acutis in „Christus Vivit“ zitiert, dem abschließenden Apostolischen Schreiben zur außerordentlichen Jugendsynode 2018. Er widmete ihm ein ganzes Kapitel. „Wir glauben, dass der Papst Carlos Botschaft und Handeln im Herzen trägt“, schließt seine Mutter, „aber wer weiß, ob er am 3. Oktober in Assisi einen besonderen Gedanken für Carlo haben wird?“ Damit bezieht sie sich auf die eintägige Reise von Franziskus nach Assisi, um seine neue Enzyklika zu unterzeichnen.

(vatican news)

LESEN SIE AUCH:

ALICE WEIDEL: „MEINE GENERALABRECHUNG“

 

„Große Gestalt“: Papst würdigt den Kirchenlehrer Hieronymus

Caravaggio: Der hl. Hieronymus

„Scripturae Sacrae affectus“ (Eine leidenschaftliche Liebe zur Heiligen Schrift): So heißt ein Apostolisches Schreiben, mit dem Papst Franziskus den hl. Kirchenlehrer Hieronymus würdigt. Der Kirchenlehrer starb am 30. September 420 – also vor genau 1.600 Jahren – in Betlehem.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„Gelehrter, Übersetzer, Exeget, profunder Kenner und leidenschaftlicher Verbreiter der Heiligen Schrift, feinsinniger Ausleger der biblischen Texte“ – so sieht der Papst den Heiligen, der einst die Heilige Schrift ins Lateinische übersetzte. Er zeichnet ihn als „glühenden, zuweilen auch vehementen Verteidiger der christlichen Wahrheit“, als „asketischen und unnachgiebigen Eremit und erfahrenen Seelenführer“. Auch heute noch sei seine Gestalt „hochaktuell“.

Franziskus unterschlägt nicht, dass sich Sophronius Eusebius Hieronymus, der 347 im heutigen Kroatien oder Slowenien geboren wurde, zunächst stärker zur Sprache Ciceros hingezogen fühlte als zu den Evangelien. Auch Hieronymus, dieser Zeitgenosse des Kirchenvaters Augustinus, habe eine Art Bekehrungserlebnis durchgemacht, darin dem Bischof von Hippo nicht unähnlich. Jedenfalls gehöre er „mit Fug und Recht zu den großen Gestalten der Alten Kirche“ und in „das goldene Zeitalter der Patristik“ hinein.

„Betrachtung, innere Prüfungen, geistlicher Kampf“

Das Leben des Hieronymus, das Papst Franziskus in seinem Schreiben skizziert, war reich an Brüchen und Wendungen; er studierte u.a. in Trier, lernte Griechisch in Antiochien, lebte als Einsiedler in der syrischen Einöde. Hieronymus habe die Wüste „als Ort grundlegender existentieller Entscheidungen“ erlebt, „der Vertrautheit und der Begegnung mit Gott“, so der Papst. Der Eremit sei in der Einsamkeit „durch Betrachtung, innere Prüfungen, geistlichen Kampf zur Erkenntnis der Schwäche gelangt, mit einem größeren Bewusstsein um die eigenen Grenzen und die Grenzen anderer“.

Doch der Heilige verließ die Wüste wieder, ließ sich 379 zum Priester weihen, ging dann nach Konstantinopel, wurde in Rom Sekretär von Papst Damasus I., musste die Stadt nach dem Tod des Damasus wieder verlassen. Über Ägypten zog er nach Palästina, ließ sich dann 386 endgültig in Betlehem nieder. Hier lebte er bis zu seinem Tod, gründete Mönchsgemeinschaften, unterstützte Pilger – und übersetzte die Heilige Schrift aus den Urtexten ins Lateinische. Die bis heute in der katholischen Kirche maßgebliche „Vulgata“ ist sein bleibendes Erbe.

Mönch, Büßer, Gelehrter

„Das Studium ist für Hieronymus kein vorübergehendes Vergnügen als Selbstzweck, sondern eine Übung des geistlichen Lebens, ein Mittel, um zu Gott zu gelangen“, schreibt Franziskus. „Mönch und Büßer“, aber auch „Gelehrter“ – das seien die zwei wichtigsten Facetten des Kirchenlehrers gewesen. Caravaggio habe sie auf einem berühmten Gemälde, das heute in der römischen Galleria Borghese gezeigt wird, zusammengeführt: „In ein und derselben Szene ist der alte Asket dargestellt, spärlich mit einem roten Tuch bekleidet, auf dem Tisch ein Totenschädel als Symbol der Eitelkeit der irdischen Wirklichkeiten; zugleich ist jedoch auch seine Eigenschaft als Gelehrter eindrücklich dargestellt, den Blick fest auf das Buch geheftet, während seine Hand die Feder in das Tintenfass taucht, mit der typischen Geste des Schriftstellers.“

Beredt würdigt Franziskus die „leidenschaftliche Liebe“ des hl. Hieronymus zum Wort Gottes. „Wenn alle Kirchenlehrer – und insbesondere jene des frühen Christentums – ihre Lehrinhalte ausdrücklich aus der Bibel geschöpft haben, so hat Hieronymus dies auf eine systematischere und gewissermaßen einzigartige Weise getan.“

„Das ganze Alte Testament ist unverzichtbar, um in die Wahrheit und in den Reichtum Christi einzudringen“

Hieronymus lehre uns, dass nicht nur das Neue Testament als Weg zu Gott studiert werden solle: „Denn das ganze Alte Testament ist unverzichtbar, um in die Wahrheit und in den Reichtum Christi einzudringen.“ Der „Reichtum der Schrift“ werde leider heutzutage „von vielen nicht erkannt“, bedauert der Papst. Darum müsse unbedingt „eine Bildung für alle Christen gefördert werden, damit jeder befähigt wird, das heilige Buch zu öffnen und ihm die unschätzbaren Früchte der Weisheit, der Hoffnung und des Lebens zu entnehmen“. Aus diesem Grund habe er den „Sonntag des Wortes Gottes“ in der Kirche eingeführt.

Peinlicher Blick ins religiöse Buchregal

Ausdrücklich ermuntert Franziskus zu fortgesetzten Bemühungen, die Bibel in weitere Sprachen zu übersetzen. „Es gibt noch viel zu tun.“ Etwas gequält bemerkt er, dass die Abteilung der religiösen Bücher heute in Buchhandlungen oder im Netz meist „einen marginalen Platz“ einnimmt und „keine gehaltvollen Werke“ enthält. „Beim Stöbern in diesen Regalen oder Internetseiten mag ein junger Mensch kaum verstehen, dass die religiöse Suche ein begeisterndes Abenteuer sein kann“. Der Papst ruft dennoch die jungen Leute von heute dazu auf, sich „auf die Suche nach eurem Erbe“ zu machen.

„Vielleicht über das Ziel hinausgeschossen“

Dass sich Hieronymus in seinen Schriften manchmal zu ätzender Polemik hinreißen ließ, wird von Papst Franziskus in seiner Eloge nicht unterschlagen. „Vielleicht ließen seine Wahrheitsliebe und die glühende Verteidigung Christi ihn in seinen Briefen und Schriften mit heftigen Worten über das Ziel hinausschießen“, schreibt er, versichert aber: „Sein Leben war jedoch auf den Frieden ausgerichtet.“

(vatican news)

LESEN SIE AUCH:

D: Bischof Voderholzer erläutert seine Haltung zum Reformprozess

Bischof Rudolf Voderholzer von Regensburg

Der Reformprozess in der katholischen Kirche in Deutschland sorgte in den vergangenen Tagen und Wochen für viele Debatten. Am Wochenende kam dies unter anderem auch bei den Ratzinger-Schülerkreis-Treffen in Rom zur Sprache.

Von Dienstag bis Donnerstag war der Reformprozess auch ein Thema der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda. Außerdem stand das weitere Fortgehen des Synodalen Weges insbesondere nach den gerade stattgefundenen Regionenkonferenzen auf dem Programm. Johannes Wieczorek von Radio Horeb hatte die Möglichkeit, vor Ort in Fulda mit dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer über den Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland zu sprechen.

In einem Beitrag für die Frankfurter Rundschau und den Kölner Stadtanzeiger sprechen unter anderem die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop und der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding vom mangelnden Niveau und kirchenspalterischen Tendenzen. Diese Kritik galt vor allen Dingen Kardinal Woelki und Ihnen, Herr Bischof Voderholzer, die die Reformbemühungen in Deutschland doch eher kritisch sehen. Ist das nun die Retourkutsche für Ihre Kritik im Vorfeld der Regionalkonferenzen am Arbeitspapier zum Thema „Frauen in Dienst und Ämtern“, bei der Sie mangelndes theologisches Niveau kritisiert haben?

Das ist zu vermuten. Ich hatte im biblischen Teil des Textes, der uns da vorgelegt wurde, zu meiner Überraschung gesehen, dass dort gegen unsere Absprache ein biblischer Teil aufgenommen wurde. Wir hatten vereinbart, dass dieser biblische Teil erst am Schluss eingefügt werden soll. Und noch dazu war es ohne die übrigen Mitglieder in diesem Forum formuliert worden. In diesem Text sah ich dann eine Aussage zu meiner Überraschung und muss auch sagen großer Enttäuschung und Empörung, die da lautet, Jesus habe Jünger und Jüngerinnen gehabt und weiht niemanden. Dieser Satz ist von einem selten schlechten theologischen Niveau, weil er verschleiert, dass die sakramentale Wirklichkeit, zu der ja auch das Weihesakrament gehört, nicht eine Sache des irdischen Wirkens Jesu Christi ist, sondern der Zeit der Kirche angehört. Jesus tauft ja auch nicht selbst, er lässt sich von Johannes dem Täufer taufen und als der Auferstandene schickt er dann die Apostel bis an die Grenzen der Erde, mit dem Auftrag, im Namen des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen und zu lehren sowie die Menschen zu Jüngern zu machen.

„Das hat einige doch getroffen, dass ich das theologische Niveau beklagt habe, das ist offenkundig.“

Die Sakramente sind Zeichen der Gegenwart des erhöhten Herren, in der Kraft des Geistes und durch den Dienst der Kirche. Doch das wird verschleiert. Natürlich gibt es aber einen Anknüpfungspunkt für die Einsetzung des Weihesakramentes und das ist die Konstitution des 12er-Kreises und da ist nun offenkundig, dass Jesus hier mit 12 Männern das neue Israel, das neue Volk Gottes sozusagen konstituiert und das wird gerade im Papier nicht gesagt, deswegen meine Kritik, die mir übrigens vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz (Bischof Bätzing, Anm. d. Red.) und auch von den Vorsitzenden des Forums bereits bestätigt worden ist. Man hat sich auch für das Vorgehen entschuldigt. Also, das ist okay und jetzt kommt wohl eine kleine Retourkutsche. Das hat einige doch getroffen, dass ich das theologische Niveau beklagt habe, das ist offenkundig. Ich habe im Übrigen auch nicht den ganzen Text schlecht gemacht, sondern diese, allerdings zentrale Argumentationsfigur und man entwickelt in diesem Beitrag für diese beiden Zeitungen sozusagen eine alternative theologische Prinzipienlehre, wo es um die Fragen geht: Was macht eine gute Theologie aus? Was macht ein gutes theologisches Argument aus? Und dann wird eine Liste von acht Punkten genannt, wo zusammengefasst vor allem die Zeichen der Zeit, die freilich im Licht des Evangeliums gedeutet werden müssen, als Bezugspunkt für eine gute Theologie hergenommen werden. Erst an 7. Stelle – wohlgemerkt – kommt dann die Rede auch auf die Bibel und sie wird reduziert auf das in ihr enthaltene Erneuerungspotential von Offenbarung, und zwar von einer Offenbarung Gottes, die in Jesus Christus kulminiert; von einem Dialog Gottes mit den Menschen, der eine Weisung erhält, ist überhaupt nicht mehr die Rede. Da meine ich, zeigen sich schon die großen Unterschiede zwischen unserem Theologie-Verständnis. Welches die bessere Theologie ist, das überlasse ich Ihrem Urteil.

Kardinal Woelki hat die Befürchtung geäußert, dass der Synodale Weg zu einer möglichen Kirchenspaltung führen könnte. Wie ist denn ihre Prognose, Herr Bischof?

Papst Franziskus hat uns in seinem Brief vom 29. Juni des letzten Jahres dringend folgende drei Leitplanken ans Herz gelegt für den Synodalen Weg, damit wir auf der richtigen Spur bleiben. Da ist einmal das Primat der Neuevangelisierung, dann die Beachtung des sensus ecclesiae und drittens die Rücksicht auf die Einheit der Kirche, die ja vor allem auch die Einheit im Glauben und in wesentlichen Lehren auch die Moral betreffen. Eine ganze Reihe von Forderungen, die von Mitgliedern des Synodalen Prozesses erhoben werden und noch medial verstärkt und zugespitzt wurden, sind zum Gegenstand von hohen Erwartungen geworden. Sie stehen aber klar im Widerspruch zur Lehre der Kirche und deshalb bergen sie die Gefahr einer Spaltung. Ich nenne nur die unverhohlene Forderung nach der Zulassung von Frauen zum Weihesakrament, was unter Papst Johannes  Paul II. mit Ordinatio sacerdotalis mit höchster Autorität als unmöglich gelehrt wurde, weil sich die Kirche – übrigens auch die orthodoxe – nicht für berechtigt hält, von der Praxis Jesu abzuweichen. Ich werde alles mir Mögliche tun, um eine solche Spaltung zu verhindern.

Die katholische Kirche in Deutschland ist, man könnte sagen, wie ein schlafender Riese, der wachgerüttelt werden muss. Von daher besteht hier schon ein gewisser  Reformbedarf. Herr  Bischof Voderholzer, wo sehen Sie denn aus ihrer Sicht Erneuerungsbedarf?

In der Kirche besteht immer Reformbedarf, vom ersten Tag an, weil jeder einzelne, jede einzelne immer wieder mit der ganzen Existenz vor dem Umkehrruf Jesu steht. Das Zweite Vatikanische Konzil hat dies auch in die Mitte der Kirchenkonstitution Lumen gentium gelegt. Das wird viel zu wenig beachtet. In der Mitte von Lumen gentium gehört die Berufung aller Getauften und Gefirmten zur Heiligkeit und wenn wir in die Kirchengeschichte schauen, dann ging wahre Erneuerung der Kirche immer von den Heiligen aus, ob im 12. oder 13. Jahrhundert mit Franziskus und Dominikus, ob im 16. Jahrhundert mit Ignatius oder der heiligen Teresa im 19. Jahrhundert, immer waren es die Heiligen, die die Kirche wirklich erneuert haben. Und so muss da jeder bei sich selber anfangen, zuallererst die Bischöfe, dann die Priester, die Ordensleute.

„Das Wissen um den eigenen Glauben, die Fähigkeit darüber Rechenschaft abzulegen, auch die Kenntnis der Heiligen Schrift und die Begeisterung darüber, auch anderen zu vermitteln, das ist alles erschreckend gering geworden.“

Wenn durch die Art und Weise unseres Dienstes, des Dienstes der Bischöfe, der Priester, wenn dadurch schon deutlich wird, dass das sakramentale Dienstamt nicht Machtfülle und Herrschaftsinstrumente, sondern wirklich Hingabe und Dienst, also aufopferungsvollen Dienst bedeutet, dann wird sich manche Diskussion von selber schon mal entspannen. Daneben scheint mir aber auch wichtig, dass wir eine Offensive in der Katechese und in der Glaubenserschließung brauchen. Da gibt es viele Punkte, wo man ansetzen müsste, natürlich bei den Theologischen Fakultäten, Ausbildungsstätten für die Religionslehrer, bei den späteren pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und bei der Familienkatechese. Das Wissen um den eigenen Glauben, die Fähigkeit darüber Rechenschaft abzulegen, auch die Kenntnis der Heiligen Schrift und die Begeisterung darüber, auch anderen zu vermitteln, das ist alles erschreckend gering geworden und da müssen wir versuchen, mit dem Heiligen Geist, das Vorhandene wieder zu stärken und dort, wo schon pures Heidentum ist, auch mit neuer Begeisterung aufzutreten.

Soweit Bischof Rudolf Voderholzer. Johannes Wieczorek hat mit dem Regensburger Oberhirten am Rande der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe gesprochen. Der Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland „Synodaler Weg“ befasst sich mit vier großen Themenbereichen, u.a. Sexualmoral und die Rolle der Frau in der Kirche.

(radio horeb – mg)

LESEN SIE AUCH:

Kardinal Woelki warnt vor Verzerrung des Wortes Gottes beim „Synodalen Weg“

„Ich bin gerne bereit mich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen. Ich bin nicht bereit, das gegen die lebendige Überlieferung der Kirche zu tun“, warnt der Kölner Erzbischof bei Tagung der Ratzinger-Schülerkreise in Rom

Kardinal Rainer Maria Woelki Foto: Erzbistum Köln

Der „Synodale Weg“ scheint in seinen Texten „ganz bewusst auf die Weihe von Frauen vorbereiten zu wollen“ – sowie auf eine Reihe weiterer Dinge. Das hat Kardinal Rainer Maria Woelki beim Treffen der Ratzinger-Schülerkreise in Rom gesagt.

Er sei gerne bereit, sich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen. Ers ei aber nicht bereit, das gegen die lebendige Überlieferung der Kirche zu tun: „Das verzerrt das Wort Gottes“, so der Erzbischof von Köln am vergangenen Samstag.

Wenn es den selbst-ernannten Reformern des „Synodalen Wegs“ nicht gelingen sollte, eine Weihe von Frauen zu Priestern einzuführen, werde man versuchen „neue Ämter“, warnte der Kölner Erzbischof, aber „nicht, weil man konkrete ‚Bedarfe‘ anführen könnte“. Vielmehr gehe es um Befindlichkeiten.

Wie aber kann es dazu kommen, dass „Befindlichkeiten“ oder „Lebenswirklichkeiten“ beanspruchen können, als „Wahrheit“ die Lehre der Kirche ändern zu können?

Dieser Frage ging der Kardinal in seinem Referat „Offenbarung im Spannungsfeld von Wahrheitsvorgaben und Lebenswirklichkeiten“ nach. Woelki spürte dabei auch dem Grund der Krise um Wahrheit in der Gegenwart nach und der Vernunft der katholischen Wahrheit.

Sicherlich müssten Debatten über die heutige „Lebenswirklichkeit“ Antworten anbieten, so Woelki mit Blick auf den „Synodalen Weg“. Sie dürften aber nicht als „Vehikel“ instrumentalisiert werden, warnte der Würdenträger.

„Ich möchte auch daran erinnern, dass die ursprüngliche Lebenswirklichkeit, die zum synodalen Weg führte, der Glaubwürdigkeitsverlust der Frohen Botschaft und der Kirche durch den sexuellen Missbrauch durch Kleriker war“.

Wenn diesem Problem „nur ein marginaler Absatz gewidmet ist, kann ich den Verdacht nicht verschweigen, dass diese Lebenswirklichkeit nur ein Vehikel zu sein scheint, um lang gehegte Wünsche wahr werden zu lassen“, so der Kardinal.

Vielleicht sei „die Antwort auf viele Fragen, die unseren Lebenswirklichkeiten entspringen: dass unsere Lebenswirklichkeiten viel mehr vom Wort Gottes geprägt sein sollte als unser Verständnis vom Wort Gottes von unserer Lebenswirklichkeit.“

Wahrheit und Offenbarung

„Betrachtet man das historische Faktum der Christenverfolgungen, scheint es aber manchmal, dass die Wahrheit unseres Glaubens als Bedrohung empfunden wird. Es ist absurd, doch die Botschaft der Liebe Gottes zum Menschen und die Berufung des Menschen zur Liebe scheinen etwas Anstößiges zu haben. Wir sind es daher schon fast gewöhnt, dass die Wahrheit der Offenbarung angezweifelt wird – auf allen möglichen Ebenen“, so Woelki.

Mittlerweile sei sogar ein Festhalten an einer objektiven Vernunft anstößig geworden: „Man fokussiert auf das Subjektive, Geschichtliche, Zufällige und betont die Unmöglichkeit, ewige Wahrheit zu erkennen“, sagte Woelki am 26. September.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass die Kirche in einer derartigen Krise steckt, was die christliche Offenbarung und den Wahrheitsbegriff betrifft, wenn die weltliche Gesellschaft gerade dieser so dringend bedarf? Dieser zentralen Frage – auf die auch Kardinal Koch in seiner aufrüttelnden Predigt zum Abschluss der Tagung eine Antwort hatte – stellte sich der Kardinal in seinen Überlegungen anhand der dafür relevanten Texte der Kirche, darunter Fides et Ratio von Papst St. Johannes Paul II., aber auch die Konstitutionen des Zweiten Vatikanischen Konzils und das Schreiben Dei Verbum von Papst Benedikt XVI.

Mit Blick auf das Schreiben Dei Verbum sagte Woelki, dieser Text des Zweiten Vatikanischen Konzils hätte „tatsächlich Epochales“ erreicht: Als „Bekenntnisdokument: „Offenbarung in ihrem Wesen als Dialog mit Gott, der sich selbst mitteilt, und im heilsgeschichtlichen Kontext dargestellt zeigt umso mehr ihre große existentielle Bedeutung“.

Woelki schloss seinen Vortrag mit deutlichen Worten: „Ich möchte deshalb noch einmal betonen: Ich bin gerne bereit mich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen. Ich bin nicht bereit, das gegen die lebendige Überlieferung der Kirche zu tun. Das verzerrt das Wort Gottes. Das macht den Dialog mit Gott unmöglich, der uns zu unserem eigentlichen Glück und zu wahrer Freude führen soll. Das versperrt den Weg zur Gemeinschaft mit ihm, die uns zu dem Menschen macht, der wir eigentlich sein sollen und wollen“.

„Vielleicht also ist die Antwort auf viele Fragen, die unseren Lebenswirklichkeiten entspringen: dass unsere Lebenswirklichkeiten viel mehr vom Wort Gottes geprägt sein sollte als unser Verständnis vom Wort Gottes von unserer Lebenswirklichkeit.“

Der katholische Fernsehsender EWTN.TV hat das vollständige Symposium aufgezeichnet:

_______

Quelle

Den lebendigen Gott im Dienst am Menschen verkünden

Kardinal Kurt Koch Foto: Paul Badde / EWTN

27 September, 2020 / 10:10 PM

CNA Deutsch dokumentiert den Wortlaut der Predigt zum Abschluss der Tagung der Ratzinger-Schülerkreise in Rom am 27. September 2020.

Wir haben uns zur Feier der Heiligen Messe versammelt, mit der wir das Treffen der Schülerkreise Joseph Ratzinger – Papst Benedikt XVI. und das gestrige öffentliche Symposion, das der Frage nach Gott in den gegenwärtigen Herausforderungen gewidmet gewesen ist, beschliessen. Wenn wir jetzt zum Gottesdienst zusammenkommen, bringen wir unsere Glaubensüberzeugung zum Ausdruck, dass noch viel wichtiger als das Reden über Gott das Reden zu Gott, wichtiger als die Theologie die Doxologie, der Lobpreis Gottes ist. Wie menschliche Beziehungen und Freundschaften nur lebendig sind und am Leben bleiben, wenn Menschen nicht nur übereinander, sondern auch und primär miteinander reden, so wird auch das theologische Reden von Gott mündig – im Doppelsinn dieses Wortes – erst im Reden zu Gott, indem wir uns ihm zuwenden und ihn persönlich ansprechen. Und wenn wir zu Gott rufen und ihn bei seinem Namen – „Vater“ – nennen, dann sind wir überzeugt, dass Gott für uns erreichbar ist. Denn einen Namen zu haben bedeutet anrufbar sein, hören und antworten können. Dies ist schlechthin entscheidend für unseren Glauben. Denn ein Gott, der nicht handeln und in unserem Leben nicht wirken kann, verdient den Ehrennamen „Gott“ nicht. Im Johannes-Evangelium spricht Jesus sogar von einem arbeitenden Gott: „Mein Vater ist noch immer am Werk, und auch ich bin am Werk“ (Joh 5, 17).

Not-wendige Konzentration auf die Frage nach Gott

Angesichts dieser schönen Botschaft von einem gegenwärtigen und wirkenden Gott wird uns freilich auch schmerzlich bewusst, wo heute die tiefsten Glaubensprobleme liegen. Der innerste Kern der heutigen Glaubenskrise besteht im weitgehenden Verblassen des biblischen Bildes Gottes als eines in der Geschichte gegenwärtigen und im Leben von uns Menschen handelnden Gottes. Die heutige Zeit zeichnet sich nicht durch eine intensive Gottsuche aus, sondern eher durch Gottvergessenheit und Taubheit gegenüber Gott. Dieser Feststellung scheint zwar die Tatsache zu widersprechen, dass in der heutigen Gesellschaft eine neue Zuwendung zu Religion und Mystik festzustellen ist. In dieser neuen Religiosität kann man sich aber einen Gott kaum mehr vorstellen, der in der Welt handelt und sich um den einzelnen Menschen kümmert. Damit ist nicht gesagt, dass die Menschen heute nicht mehr an Gott glauben würden; aber es scheint sich weithin um einen Gott zu handeln, der in der Geschichte von uns Menschen nicht mehr als gegenwärtig wahrgenommen werden kann.

Die eigentliche Glaubenskrise, die wir in der heutigen Zeit bis in die Kirche hinein erleben, kann man wohl am besten in der Kurzformel festmachen: „Religion ja – ein persönlicher Gott nein“. Damit kommt an den Tag, dass sich der seit der europäischen Aufklärung aufgekommene Deismus faktisch im allgemeinen Bewusstsein festgesetzt hat, wie ihn Joseph Ratzinger mit eindringlichen Worten beschrieben hat: „Gott mag den Urknall angestossen haben, wenn es ihn schon geben sollte, aber mehr bleibt ihm in der aufgeklärten Welt nicht. Es scheint fast lächerlich sich vorzustellen, dass ihn unsere Taten und Untaten interessieren, so klein sind wir angesichts der Grösse des Universums. Es erscheint mythologisch, ihm Aktionen in der Welt zuzuschreiben.“[1]

Ein so deistisch verstandener Gott ist aber weder zum Fürchten noch zum Lieben. Es fehlt die Leidenschaft an Gott; und darin liegt die tiefste Glaubensnot in der heutigen Zeit. Sie bringt es an den Tag, was heute in der Kirche wirklich nottut, nämlich die entschiedene Konzentration allen theologischen und pastoralen Bemühens auf die Frage nach Gott. Denn der christliche Glaube ist, wie das Apostolische Credo zeigt, Glaube an Gott oder er ist nicht. Der christliche Glaube ist Bekenntnis zum lebendigen Gott und Leben in seiner Gegenwart; alles Andere folgt daraus. Die Kirche hat deshalb heute keine wichtigere Aufgabe als die, in den weithin säkularisierten Gesellschaften die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen.

Eintreten für die Würde des Menschen von Gott her

Nur in solcher Konzentration auf die Frage nach Gott kann die Kirche auch Antwort geben auf die tiefsten Fragen, die auch der heutige Mensch stellt und die er letztlich selbst ist. Denn im Menschen lebt, wenn er ehrlich zu sich selbst ist, ein nicht anders stillbarer Durst nach dem Unendlichen und damit nach Gott, wie ihn der heilige Augustinus in seinen „Bekenntnissen“ unüberbietbar ausgesprochen hat: „Geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“ Wenn wir wirklich glauben, dass Gott den Menschen auf sich hin geschaffen hat und der Mensch die Gemeinschaft mit Gott braucht wie im Alltag die Luft zum Atmen, dann können wir den Menschen theologisch verstehen und ihm in der Pastoral nahe sein nur, wenn wir ihn von Gott her betrachten, wie der katholische Theologe Romano Guardini sehr tief gesagt hat: „Nur wer Gott kennt, kennt den Menschen.“ Wenn wir den Menschen heute Gott vorenthalten, dann geben wir ihnen nicht genug, selbst wenn wir ihnen sehr Vieles geben. Der Glaube an den lebendigen Gott muss deshalb ganz konkret werden im Eintreten für den Menschen und seine unantastbare Würde, die ihm von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod zukommt, und zwar von Gott, und die ihm deshalb niemand nehmen kann.

Die Kehrseite dieser tiefen Wahrheit besteht freilich darin, dass derjenige, der Gott nicht kennt, auch den Menschen nicht kennen kann. Der tiefen Krise des Gottesbewusstseins, die in unserer Gesellschaften anzutreffen ist, folgt deshalb eine ebenso gefährliche Krise des Menschenbildes, und zwar mit einer präzisen Logik. Wenn gemäss christlicher Überzeugung der Mensch das Ebenbild Gottes ist, das Gott hütet wie seinen Augapfel, dann nagt das Verdunsten des Gottesbewusstseins in einer gefährlichen Weise auch an der Würde des menschlichen Lebens: Wo Gott in der heutigen Gesellschaft auf die Ersatzbank gesetzt oder aus dem gesellschaftlichen Leben verabschiedet oder mit überstrapazierter so genannter „Toleranz“ hinauskomplimentiert wird, besteht höchste Gefahr, dass auch die Würde des Menschen mit Füssen getreten wird, worauf der katholische Theologe Johann B. Metz seinen warnenden Finger legt: „War es nicht dieses späte Europa, in dem erstmals in der Welt der öffentlich verkündet wurde? Und ist es nicht dieses Europa, in dem wir seit geraumer Zeit auf den, so wie wir ihn aus unserer bisherigen Geschichte kennen, vorbereitet werden?“[2]

Gott in seinem treuen Sohn wahrnehmen

In unserer Zeit muss der christliche Glaube praktisch werden im Eintreten für den Menschen, den Gott als sein Ebenbild gewollt und geschaffen hat. Dies ist aber nur möglich, wenn die Kirche ihre Glaubensüberzeugung vertieft, dass Gott ein im Leben der Menschen gegenwärtiger und handelnder Gott ist. Im Gleichnis von den zwei Söhnen im heutigen Evangelium dürfte Jesus Gott, seinen Vater gewiss nicht im zweiten Sohn sehen. Denn Gott macht nicht Versprechungen und handelt dann doch nicht. Gott steht vielmehr zu seinem Wort und setzt sein gegebenes Wort in sein Handeln um. Dies hat er unüberbietbar in seinem Sohn Jesus Christus gezeigt, der wie der erste Sohn im Gleichnis den Willen seines Vaters ausführt. Christus ist der treue Sohn, der so sehr mit seinem Vater verbunden ist, dass er sich dessen Willen ganz zu Eigen gemacht hat. In Jesus Christus ist Gott in unserer Welt ganz konkret geworden. Zum christlichen Zeugnis für den lebendigen Gott gehört deshalb zentral das Zeugnis für Jesus Christus, wahren Gott und wahren Menschen.

Damit öffnet sich freilich nochmals ein Blick in die Abgründe der heutigen Glaubenskrise, die zutiefst eine Krise des Christusglaubens ist. Denn viele Menschen und selbst Christen lassen sich auch heute zwar durchaus berühren von allen menschlichen und geschichtlichen Dimensionen an Jesus von Nazareth; ihnen bereitet aber das Bekenntnis, dass dieser Jesus der eingeborene Sohn Gottes ist, der als der Auferweckte unter uns lebt und gegenwärtig ist, und damit der kirchliche Christusglaube weithin Mühe. Selbst in der Kirche will es heute oft nicht mehr gelingen, im Menschen Jesus das Antlitz des Sohnes Gottes selbst wahrzunehmen und nicht einfach einen – wenn auch hervorragenden und besonders guten – Menschen zu sehen. Wäre Jesus aber nur ein Mensch gewesen, dann wäre er unwiderruflich in die Vergangenheit zurückgetreten, und nur unser eigenes und fernes Erinnern könnte ihn dann mehr oder weniger in unsere Gegenwart hinein bringen. Nur wenn unser Glaube wahr ist, dass Gott selbst in Jesus von Nazareth Mensch geworden ist und Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist und so Anteil hat an der Gegenwart Gottes, die alle Zeiten umgreift, kann Jesus Christus nicht bloss gestern, sondern auch heute unser wirklicher Zeitgenosse und das erhellende und aufklärende Licht unseres Lebens sein.

Eine Erneuerung des Christusglaubens muss von daher in einer heutigen Kirchenreform den Primat haben. Und auch sie kommt ganz dem Menschen zugute. Dies haben uns die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils ins Stammbuch geschrieben, indem sie in der Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ uns in Christus die Offenbarung des Menschseins vor Augen geführt haben: „Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf.“ Denn Christus ist der „neue Adam“, der „in der Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und seiner Liebe“ dem Menschen „den Menschen selbst voll kund“ macht und ihm „seine höchste Berufung“ erschliesst[3]. Und diese „höchste Berufung“ erblicken die Väter des Konzils in der Berufung zur Liebe, weil der Mensch „sich selbst nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst vollkommen finden kann“[4].

Wie Jesus Christus gesinnt sein

Mit diesen tiefen Worten haben die Väter des Konzils in Erinnerung gerufen, was Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Philippi damals und damit auch uns Christen heute ans Herz legt. Mit geradezu zärtlichen Worten wiederholt Paulus in der heutigen zweiten Lesung immer wieder, dass wir „einmütig“, „einträchtig“ und „eines Sinnes“ sein sollen. Paulus will uns damit helfen, dass wir immer bessere Christen werden und immer glaubwürdiger Gott durch unser Leben in Gemeinschaft verkünden. Denn Paulus ist überzeugt, dass zum christlichen Leben das Miteinander-Sein im gemeinsamen Wir der Gläubigen gehört. Paulus ist aber ebenso überzeugt, dass wir nur miteinander in der gleichen Gesinnung leben können, wenn es einen Sinn gibt, der allen gemeinsam ist, wenn also Christus selbst dieser gemeinsame Sinn ist. Denn er ist der „Sinn, der jedem zugemessen ist. Der Gedanke, in dem jeder von uns gedacht ist. Und daher ist er der Grund unserer Einheit.“[5] Beim vierten Mal spitzt Paulus deshalb seine Zumutung zu und präzisiert sie: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht“ (Phil 2, 5).

Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, ist wie ein Sklave und uns Menschen gleich. geworden. In dieser Weise hat er uns gezeigt, wer Gott ist und wie Gott ist. Paulus lädt uns ein, uns in dieses Gottesgeheimnis zu vertiefen, mit diesem Gott in Gemeinschaft zu leben, ihn mit unserem Leben zu bezeugen und seinen Willen zu tun, der das Leben des Menschen in seiner Fülle will, das irdische Leben jetzt und dann das ewige Leben. Nur wenn wir „so gesinnt“ sind, „wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht“, werden auch wir uns als der erste Sohn im heutigen Evangelium erweisen, der den Willen seines Vaters erfüllt. Und diesen Willen zu erfüllen ist die beste Verkündigung des lebendigen Gottes in der heutigen Welt.

Deshalb noch ein letzter Gedanke: Wenn wir präzis wissen wollen, worin dieser Wille Gottes besteht, sind wir gut beraten, die heutige Lesung bis zum Ende zu betrachten, wo es heisst: „Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der grösser ist alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters“ (Phil 2, 9-11). Wir erfüllen dann den Willen Gottes, wenn wir Christus, seinen Sohn verehren, der seinerseits kein anderes Ziel hat als die Ehre Gottes seines Vaters. Wir können über Gott nicht besser reden als dadurch, dass wir ihn loben und anbeten, dass wir ihm in der Eucharistie zurückschenken, was er uns gegeben hat, dass wir ihn, mit einem Wort, eucharistieren. Bitten wir den Heiligen Geist, dass in seiner Kraft solche Anbetung des lebendigen Gottes in der Feier der Eucharistie geschehen möge.

—–

[1]  J. Kardinal Ratzinger, Christus und Kirche. Aktuelle Probleme der Theologie  – Konsequenzen für die Katechese, in: Ders., Ein neues Lied für den Herrn. Christusglaube und Liturgie in der Gegenwart (Freiburg i. Br. 1995) 47-55, zit. 50.

[2]  F.-X. Kaufmann / J. B. Metz, Zukunftsfähigkeit. Suchbewegungen im Christentum (Freiburg i. Br. 1987) 130.

[3]  Gaudium et spes, Nr. 22.

[4]  Gaudium et spes, Nr. 24.

[5]  J. Ratzinger, Die Kirche ist Versammlung, Glaube und Anbetung, in: Ders., Predigten. Homilien – Ansprachen – Meditationen. Zweiter Teilband = Gesammelte Schriften. Band 14/2 (Freiburg i. Br. 2019) 956-962, zit. 959.

Digitale Gefahr: Bargeldverbot als Mittel zur sozialen Überwachung

DAS FINANZSYSTEM WIRD ZUM GEFÄNGNIS

Schnell mal beim Einkaufen die Kontokarte zücken oder im Internet bestellen und mit PayPal zahlen. Eine verlockende Vereinfachung des vielfach gehetzten Alltags, die für die Mehrheit nicht mehr wegzudenken ist. Nun, wenn alles Bargeld abgeschafft wird, stört es also wenig. Oder vielleicht doch?

Von Elsa Mittmannsgruber

Obwohl in Österreich und Deutschland nach wie vor Bargeld das beliebteste Zahlungsmittel bei Einkäufen und Dienstleistungen ist, ist die digitale Zahlung für uns nicht mehr wegzudenken. Ein Bankkonto ist ein Muss, Überweisungen sind Alltag und der Online-Handel ist weiter im Vormarsch.

Kampf gegen das letzte Stück Freiheit

Doch noch sichert uns das Bargeld ein Stückchen Freiheit. Eine Freiheit, die Politik, Industrie und Banken ein wahrer Dorn im Auge ist. In rasendem Tempo wird, wie der vorangegangene Bericht zeigt, die Bargeldabschaffung im Namen unserer Sicherheit vorangetrieben.

Dem Terrorismus und dem Drogenhandel soll damit ein Riegel vorgeschoben werden, und niemand muss mehr Angst vor Raubüberfällen haben, argumentiert die ehemalige EU-Justizkommissarin Martine Reicherts und klammert dabei Cyber­attacken aus. Sie ist für ein Bargeldverbot, „damit Schluss mit Geldwäsche sei“. „Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung seien ja erst durch Bargeld möglich“, so Reicherts weiter.

Weltweites Anti-Bargeld-Kartell

Dem stimmen auch führende Ökonomen, wie Ken Rogoff, zu; er ergänzt noch Korruption und Menschenschmuggel. Auch für ihn würde eine Welt ohne Bargeld sicherer werden. Dass dies die mächtige „Better Than Cash Alliance“ ebenso sieht, sagt schon der Name.

Die weltweite Vereinigung von Regierungen, Unternehmen und internationalen Organisationen, die den Übergang des Barzahlungsverkehrs zu digitaler Zahlungsweise beschleunigen will, wird unter anderem von der „Bill und Melinda Gates Foundation“ finanziert.

Bill Gates fordert von der US-Regierung die Forcierung eines digitalen Systems, in dem alle Transaktionen stattfinden, somit gefunden und bei Bedarf blockiert werden können.

Das Leben abgespeichert

Aber was bedeutet das für uns Bürger? Jeder Barbesuch, jedes Trinkgeld, jedes Medikament, jede Tankstelle und jeder Parkautomat, den man benutzt hat oder – Gott bewahre! – ein Puff-Besuch: Alles läuft zentral in einem System zusammen.

Hinzu kommen Geldgeschenke an Kinder und Enkel oder den Briefboten, dem man zu Weihnachten eine Freude machen möchte. Nichts geht mehr. Zumindest nicht offline.

Unser ganzes Leben ist jahrzehntelang gespeichert und ausgewertet auf unserem Bankkonto, bringt es der Buchautor und Wirtschaftsjournalist Norbert Häring in einem Interview mit dem Crash-Propheten Marc Friedrich auf den Punkt.

Totale Kontrolle als Machtinstrument gegen Unliebsame

Er gibt allen, die meinen, sie hätten ohnehin nichts zu verbergen, zu bedenken, „dass sie (ohne Bargeld) in einer Gesellschaft leben müssen, die total überwacht ist. Und auch die, die nichts zu sagen haben, wünschen sich jemanden, der aufsteht, wenn Schweinereien passieren und etwas dagegen sagt und tut.

Aber die gibt es dann nicht mehr, und damit müssen sie leben, dass sie total überwachte, kontrollierte Schafe sind. Keiner will was von ihnen, aber sie müssen halt machen, was man von ihnen will“. Letzteres ist genau das verschwiegene Paradoxon.

Erste Kontokündigungen gegen Dissidenten

Offensichtlich wollen sie nichts von uns, solange wir nicht aus der Reihe tanzen und den Mund halten. Tun wir das aber nicht, ist mit einem Klick unser Leben zerstört. Wir sind handlungsunfähig, können uns nichts mehr zu essen kaufen.

Eine verschleierte Todesstrafe. Einen Vorgeschmack darauf geben Fälle aus der Gegenwart. Dem Identitären Martin Sellner werden laufend seine Bankkonten aufgrund seines legalen politischen Aktivismus gekündigt.

Ebenso wurde das Privatkonto von AfD-Landtagsabgeordneten Björn Höcke und seiner Frau grundlos von der Bank gekündigt. Mit der „falschen“ Gesinnung bangt man auch heute um seine Existenz, doch derzeit bietet Bargeld zumindest noch einen kleinen Ausweg.

Nach Bargeldverbot: Gefangen im Finanzsystem

Mit der Bargeldabschaffung sind wir nicht nur total überwacht, sondern auch gefangen im maroden Finanzsystem. „Bargeld ist unsere einzige Möglichkeit, unser Geld aus dem Bankensystem herauszunehmen, und wenn das verhindert wird, kann man uns viel leichter enteignen“, weiß Norbert Häring.

Das kann auf mehreren Wegen geschehen. Kündigt sich eine Krise oder Bankenpleite an, kann ich kein Geld mehr abheben. Aber auch kleinere Beträge können uns leichter genommen werden.

Zum Beispiel kann „die Bank höhere Gebühren verlangen, und ich kann nicht mehr ausweichen“, stimmt „Mr. Dax“ Dirk Müller mit ein. Ebenso können die Banken ihre Negativzinsen, also einen Strafzins auf Geld, das die Banken bei der Notenbank lagern, statt es für Kredite an Unternehmen und Privatpersonen einzusetzen, einfach an die Kunden weiterreichen.

Digitales Geld beseitigt Sparer als Feind der Mächtigen

Derzeit tun sie sich dabei vergleichsweise schwer, weil wir unser Geld in solch einem Fall abheben würden. Höchste Priorität hat für Banken, Regierungen und Unternehmen aber, dass wir unser Geld nicht aus dem Kreislauf nehmen. Die größten Feinde sind Sparer, die Bargeld oder Edelmetalle zu Hause horten.

Mit digitalem Geld wird dem der Garaus gemacht. Der Finanzexperte Ernst Wolff kündigt das schon für die nahe Zukunft in Verbindung mit Sozialleistungen an. Durch die Wirtschaftskrise und die steigende Arbeitslosigkeit werden diese Kosten massiv ansteigen.

Eine Lösung dafür wird ein digitales „bedingungsloses Grundeinkommen“ sein, das jedoch an einen Konsumzwang gekoppelt ist. Das Geld kann also nicht gespart, sondern muss ausgegeben werden, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln. Mit allen Mitteln soll ein Zusammenbruch des kaputten Systems verhindert werden. Ob dies gelingt, wird die Zeit zeigen.

Werbung

Folgen Sie uns auch auf Telegram, um weiter die aktuellen Meldungen von Wochenblick zu erhalten!

+++ BEZAHLSCHRANKE? NEIN DANKE +++
In Zeiten großer Krisen heißt es zusammenhalten. Der Wochenblick stellt deshalb ab sofort alle exklusiven Inhalte und Reportagen in voller Länge und ohne Zusatzkosten für seine Leser im Internet zur Verfügung. Während Mainstream-Medien verzweifelt um Abos werben, wollen wir nur eines: Ihnen ehrlich und rasch alle Informationen liefern, die Sie in dieser fordernden Zeit brauchen!

_______

Quelle

Tweets zur Wahl von Amy Coney Barrett