„Eine Ehre fürs Leben“

Kurzer Zwischenstopp in Rom: Trump und Gattin ziehen weiter

US-Präsident Donald Trump hat sich nach seinem Treffen mit dem Papst beeindruckt geäußert. „Eine Ehre fürs Leben, seiner Heiligkeit Papst Franziskus zu begegnen. Ich verlasse den Vatikan mehr denn je entschlossen, nach Frieden in unserer Welt zu streben“, twitterte Trump zum Abschluss seines Rom-Aufenthalts am Mittwoch. Zeitgleich veröffentlichte er auf seiner Facebook-Seite ein Video von der Begegnung mit dem Papst.

Am Morgen war Trump von Franziskus in Privataudienz empfangen worden. Das persönliche Gespräch dauerte knapp 30 Minuten. Der Papst schenkte Trump unter anderem eine Ausgabe seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2017, in der er eine Strategie der Gewaltfreiheit sowie Abrüstung fordert.

(kna 24.05.2017 pr)

Islamisten entführen 15 Katholiken und verwüsten die Kathedrale von Marawi

Father Teresito Soganub, a Catholic Priest, poses for a photograph inside his cathedral

ASIEN/PHILIPPINEN – Duterte ruft Kriegsrecht auf Mindanao aus.

Marawi City (Fides) – Die islamistische Gruppe “Maute”, die nach eigenen Angaben mit dem Islamischen Staat in Verbindung steht “hat die katholische Kathedrale in Marawi City verwüstet und rund 15 Gläubige, darunter ein Priester, mehrere Schwestern und einige Laiengläubige, die sich in der Kirche zum Gebet auf hielten verschleppt”, die bestätigt Bischof Edwin De la Pena, der die Territorialpräslatur Marawi City auf der Insel Midanao im Süden der Philippinen leitet. Rund einhundert Maute-Milizionäre belagerten gestern die Stadt, nachdem Präsident Rodrigo Duterte auf der Insel das Kriegsrecht ausrief.

“Heute feiern wir das Patronatsfest unsere Prälatur, das Fest ‘Maria, Hilfe der Christen’. Die Gläubigen hielten sich zum Mariengebet in der Kirche auf, als die Terroristen in die Kirche eindrangen und verschleppten sie als Geiseln an einen unbekannten Ort. Danach kamen sie auch in die bischöfliche Residenz, wo sie unseren Generalvikar Pfarrer Teresito Soganub entführten. Danach legten sie einen Brand in der Kathedrale und in der Residenz. Es ist alles verwüstet. Wir sind entsetzt“.

Der Bischof selbst blieb unversehrt, weil er sich in einer Pfarrei außerhalb Marawis aufhielt. “Die Terroristen belagerten die ganze Stadt. Die Menschen sind verängstigt und verlassen ihre Wohnungen nicht. Nun warten wir auf die Reaktion der Armee. Die Stadt soll mit dem so wenig Blutvergießen wie möglich wieder zurückerobert werden. Über die Geiseln spricht niemand. Wir haben unsere Kanäle, die Kirche und islamische Religionsvertreter aktiviert und wir hoffen, dass es bald Verhandlungen geben wird und die Entführten gesund zu uns zurückkehren können”, so der Bischof, der mitteilt, dass die Kirche in den vergangenen Monaten mehrfach Drohungen erhalten hatte.

“Der Anschlag”, so der Bischof, “hat am Vorabend des Marienfests stattgefunden: sie bitten wir nun um Hilfe. Sie, die Hilfe der Christen, möge unsere Gläubigen beschützen. Nur sie wird uns helfen können. Wir bitten auch Papst Franziskus um das Gebet für uns und einen Appell an die Entführer richten und sie im Namen unsere Gemeinde um die Freilassung der Geiseln bitten. Gewalt und Hass bringen nur Verwüstung: wir bitten die Gläubigen in aller Welt, sich uns im Gebet für den Frieden anzuschließen”.

Unterdessen unterbrach Präsident Duterte angesichts der Krise seinen Besuch in Moskau und kehrte auf die Philippinen zurück. In Marawi steckten die islamistischen Belagerer auch das Gefängnis und zwei Schulen in Brand. Die Stadt ist von der Armee umzingelt. Der Bürgermeister von Marawi bat die Armee die Stadt mit ihren 200.000 vorwiegend muslimischen Einwohnern nicht mit Bomben unter Beschuss zu nehmen.

(PA) (Fides 24/5/2017)

Bolivien: Abtreibungsgesetz „Niederlage für Gesellschaft“

Demo für die Legalisierung von Abtreibung, La Paz, September 2016

Das neue Abtreibungsgesetz in Bolivien ist ein „Schritt zur Kultur des Todes“ und eine „Niederlage für die ganze bolivianische Gesellschaft“. Mit diesen drastischen Worten hat die Bischofskonferenz des südamerikanischen Landes auf ein neues Gesetz zur Freigabe von Abtreibungen in bestimmten Fällen reagiert.

Der Verfassungsausschuss des Abgeordnetenhauses hatte am Freitag einen Gesetzesantrag gebilligt, mit dem Abtreibungen unter bestimmten Umständen straffrei werden. Das ist der Fall, wenn die Kindesmutter in Armut lebt, Schülerin ist, kindliche Fehlbildungen prognostiziert werden oder die Schwangerschaft Folge von Vergewaltigung oder Inzest ist.

Die Bischöfe kritisieren, dass die gesetzliche Neuregelung die Forderung Hunderttausender Bolivianer ignoriere, die mit Briefen und Demonstrationen gegen die Legalisierung von Abreibung eingetreten seien.

„Diese Entscheidung zeigt unseren Kindern ein Land, das sich nicht seinen ureigenen Problemen stellt, nämlich dem Respekt und dem Schutz des Lebens und der Würde der Verwundbarsten“, schreiben die Bischöfe. Vielmehr wolle der Staat mit solchen Maßnahmen die Unschuldigen beseitigen, urteilen die Bischöfe in ihrer Erklärung.

Bereits vor der Abstimmung im Parlamentsausschuss hatten die Bischöfe die Pläne der sozialistischen Regierung kritisiert, Abtreibungen zu erleichtern.

(pm/rv 23.05.2017 fr)

Raus aus dem lauwarmen Lebensstil!

Santa Marta, 23. Mai 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Frühmesse am 23. Mai 2017 in der Domus Sanctae Marthae

Papst Franziskus forderte in der Frühmesse am 23. Mai 2017 in der Domus Sanctae Marthae die freudige Verkündung Jesu. Ausgehend von Apostelgeschichte16,22-34 erzählte der Papst die Geschichte von Paulus und Silas.

Papst Franziskus legte dar, dass die Kirche Christi nicht ruhig sei, sondern riskiere und diene. „In der Kirche wird derjenige, der die vielen weltlichen Lebensweisen anklagt, schief angesehen; das geht nicht, besser, man entfernt sich.“

Viele in der Geschichte der Kirche seien verfolgt worden, wie z.B. der selige Romero. Auch in seiner Heimat sei man Menschen mit Reformurteilen abweisend begegnet, erinnerte der Papst. Der böse Geist bevorzuge nämlich eine ruhige Kirche, eine Kirche der Geschäfte, eine bequeme Kirche. Über die Taschen, also das Geld, verschaffe sich der böse Geist immer Zugang.

Papst Franziskus kehrte zur Geschichte von Paulus und Silas zurück und berichtete von ihrer Gefangenschaft. Als der Wärter entdeckt habe, dass sich die Fesseln der Gefangenen gelöst hätten, habe er sich das Leben nehmen wollen. Er fürchtete nämlich, dass sie alle geflohen seien. Doch Paulus habe ihn beruhigt. Schließlich habe sich der Wärter bekehrt.

„Und das ist der Weg unserer täglichen Bekehrung: von einem weltlichen Lebensstil, ruhig ohne Risiken, katholisch, ja, ja, aber so, lauwarm, zu einem Lebensstil der wahren Verkündung Jesu Christi, zur Freude der Verkündung Jesu.“ Statt Geld müsse dem wahren Gläubigen der wahre Glaube und die Verkündung am Herzen liegen.

Eine Kirche ohne Märtyrere erwecke Mißtrauen, eine Kirche, die nicht riskiere, wecke Mißtrauen. Gleiches gelte für eine Kirche, die Angst habe, Dämone und Götzen, wie Geld, zu verjagen. Mögen wir alle das erlangen: „eine erneuerte Jugend, eine Bekehrung vom lauwarmen Lebensstil zur freudenreichen Verkündung, dass Jesus der Herr ist.“

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Papst Franziskus: „Lassen wir uns schütteln, reinigen und trösten“

Neue Synodenaula / © Mazur/Catholicnews.Org.Uk, CC BY-NC-SA 2.0

Eröffnung der 70. Versammlung der
Italienischen Bischofskonferenz (C.E.I.)
am 22. Mai 2017

Eine „offene, demütige und direkte“ Begegnung wünschte Papst Franziskus am 22. Mai 2107 den Bischöfen bei der Eröffnung der 70. Versammlung der Italienischen Bischofskonferenz (C.E.I.).; die Tagung wird bis zum 25. Mai dauern.

Der Papst erinnerte die Bischöfe in seiner vorbereiteten Ansprache, die er nicht hielt, sondern den Bischöfen am Ende ihrer Begegnung austeilen ließ, an die Kraft des Heiligen Geistes, ohne den der Mensch Gefangener seiner Ängste bleibe und sich von Gott entferne. Der Heilige Geist öffne für die Verschiedenheit und versöhne in Brüderlichkeit. Der gemeinsame Weg sei der Weg der Kirche.

Papst Franziskus sprach Schwierigkeiten an, wie Verschlossenheit und Widerstand, Müdigkeit, Einsamkeit und Beunruhigung über die Zukunft, und wünschte, dass die Bischöfe dem Heiligen Geist Gehör schenkten.

Glauben und weltlicher Spiritualität könne man nicht gleichzeitig dienen. Nur die Wahrheit mache wirklich frei. Glaube, Liebe zum Herrn, den Dienst mit Freude und kostenlos verrichten, seien die wahrhaft wichtigen Dinge. Barmherzige Werke, Gehorsam, gelebter Glaube, Freundschaft zu den Schwachen und Teilen mit den Bedürftigen bezeichnete Papst Franziskus als richtiges Verhalten. Mutig das Geschenk und die Mission annehmen, sich bei jeder Gelegenheit zum Nächsten machen, Einsatz für das Gemeinwohl, Gerechtigkeit, Brüderlichkeit und Frieden verkünden, benannte der Papst als christliches Verhalten und ermutigte die Bischöfe: „Lassen wir uns schütteln, reinigen und trösten.“ Niemand solle ihren Augen verborgen bleiben, nur Liebe lasse die Mitglieder der Kirche handeln.

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Attentat von Manchester: Papst Franziskus sendet Beileidstelegramm

Manchester Arena / Wikimedia Commons – J4YP34, CC-BY 3.

Barbarisch und sinnlos

Papst Franziskus hat den Anschlag im britischen Manchester, bei dem am Montag, 22 Menschen ums Leben kamen, als barbarisch und sinnlos verurteilt. Der Bluttat fielen auch Kinder zum Opfer, 59 Menschen wurden durch die Explosion verletzt.

In dem Beileidstelegramm, das durch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin übermittelt wurde, sichert der Papst seine Gebete für die Opfer zu. Am Ausgang der Manchester Arena, wo die US-amerikanische Sängerin Ariana Grande ein Konzert gab, zündete ein Selbstmordattentäter Sprengstoff.

„Ich bin tief betrübt, von den Verletzungen und dem tragischen Verlust von Menschenleben zu hören, die der barbarische Angriff verursachte“, so drückte der Papst seine „Solidarität“ mit allen aus, die von diesem „Akt sinnloser Gewalt betroffen sind.“

Der Papst begrüßte die „großzügigen Anstrengungen“ zur Hilfe und sicherte seine Gebete den Verletzten und für diejenigen zu, die der Attentäter mit in den Tod riss, vor allem für die „Kinder und Jugendlichen“ und ihre hinterbliebenen Familien.

Franziskus erbitte die göttlichen Segnungen des Friedens, der Heilung und der Kraft für die Nation, heißt es weiter darin. Zu dem Attentat bekannte sich die Terrororganisation Islamischer Staat.

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Bischof Vitus Huonder: Themenschwerpunkte bis 2019

Liebe Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonalen Dienst
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge

Wie in meinem Interview mit der “Luzerner Zeitung” vom 4. Mai 2017 angekündigt, möchte ich die beiden Jahre, um die Papst Franziskus meinen Dienst als Diözesanbischof verlängert hat, nutzen, um einige pastorale Themen aufzugreifen, die mir vordringlich scheinen. Ich habe sie mittlerweile im Bischofsrat zur Diskussion gestellt und möchte sie Ihnen nun vorstellen, verbunden mit der Bitte, sie sich zu eigen zu machen und bei ihrer Bearbeitung sowie Umsetzung behilflich zu sein.

1. Erarbeitung von diözesanen Standards für die Ehevorbereitung

Das vordringlichste Anliegen, geradezu ein Gebot der Stunde, scheint mir die Ehevorbereitung zu sein. Wer den Bund der Ehe eingeht, geht ihn, wie man zu sagen pflegt, “für’s Leben” ein. Deshalb ist es wichtig, dass dies nicht unüberlegt oder unvorbereitet geschieht, sondern wohlbedacht und gut informiert, getragen von der Kirche und ihrer Glaubenslehre. Gerade die vielen Krisen, welche es bekanntlich heute in Ehen gibt, und die nicht selten zu einer zivilen Ehescheidung führen, müssen uns Ansporn sein, in der Pastoral einen Schwerpunkt bei der Vorbereitung auf den Empfang dieses Sakraments zu setzen.

Das Anliegen einer erneuerten, verbesserten, den heutigen Erfordernissen angemessenen Ehevorbereitung ist zuletzt von Papst Franziskus betont worden. Im Nachsynodalen Apostolischen Schreiben “Amoris Laetitia” (205-211) ruft der Papst dazu auf, diesem Aspekt der Seelsorge Beachtung zu schenken. Und er lädt die einzelnen Ortskirchen, also die Diözesen, ein, tätig zu werden: “Es gibt verschiedene legitime Weisen, die unmittelbare Vorbereitung auf die Ehe zu gestalten, und jede Ortskirche soll unterscheiden, was für sie das Beste ist” (207).

Die Verhältnisse sind nicht nur unter den einzelnen Ortskirchen unterschiedlich. Auch innerhalb unserer Ortskirche gibt es aufgrund der sozialen Verschiedenheiten sowie der geschichtlichen, demographischen und konfessionellen Prägungen beträchtliche Unterschiede. Es kann deshalb für uns nicht darum gehen, einen einzigen Ehevorbereitungskurs zu entwerfen. Was aber dennoch getan werden kann und getan werden muss, ist die Erarbeitung von Standards für die Ehevorbereitung, die von allen gewahrt werden müssen, die sich in diesem pastoralen Feld engagieren.

Ich habe deshalb den Aufrag gegeben an den Verantwortlichen für die Jugendpastoral, Weihbischof Marian Eleganti, und an den Pastoralamtsleiter, Bischofsvikar Christoph Casetti, ein entsprechendes Konzept auszuarbeiten zu Handen des Bischofsrats. In einer späteren Phase sollen dann auch der Priesterrat und der Rat der Laientheologinnen, Laientheologen und Diakone konsultiert werden. Ziel muss es sein, den Eheleuten wirklich das mitzugeben, was sie auf ihrem gemeinsamen Weg benötigen, um das Sakrament der Ehe in seiner Fülle, dauerhaft und fruchtbar zu leben, zum Aufbau der Kirche und im Dienst an der Welt.

2. Weiterbearbeitung der Frage Bistumseinteilung

Die von der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich im 2012 an mich herangetragene Frage, ob man das Bistum Chur aufteilen solle, hat bekanntlich viel Aufsehen erregt. Ich habe das Anliegen aufgenommen und eine breit angelegte Konsultation durchgeführt. Auf dieser Basis haben später Gespräche stattgefunden, unter anderem mit den Vertretern der kantonalen staatskirchenrechtlichen Körperschaften (“Biberbrugger Konferenz”). Die Tatsache, dass schliesslich der Tag näher kam, an dem ich dem Papst meine Demission anbieten würde, hat möglicherweise dazu geführt, dass das Thema dann geruht hat. Nun, da wir wieder für zwei Jahre Planungssicherheit haben, möchte ich das Thema Bistumseinteilung nochmals aufgreifen und mit der “Biberbrugger Konferenz” weiter diskutieren. Ich habe deshalb Generalvikar Martin Grichting und Bischofsvikar Joseph M. Bonnemain gebeten, ein Schreiben aufzusetzen, um das Gespräch wieder in Gang zu bringen.

3. “Gender-Ideologie”

Seit längerem beschäftigt mich das Thema der “Gender-Ideologie”. Ich habe dazu im Jahr 2013 ein Wort des Bischofs (http://www.bistum-chur.ch/startseite/gender-die-tiefe-unwahrheit-einer-theorie-wort-des-bischofs-zum-tag-der-menschenrechte-vom-10-dezember-2013-2/) verfasst. Die deutlichen und mit meiner Haltung übereinstimmenden Aussagen von Papst Franziskus zu diesem Thema zeigen, dass das Thema weiterhin aktuell ist. Die Stellungnahmen von Papst Franziskus zeigen, wie man vom Standpunkt des Christentums diese Ideologie beurteilen soll. Auch Franziskus bezeichnet in “Amoris Laetitia” “Gender” ausdrücklich als “Ideologie” (56). Er betont, dass sie die anthropologischen Grundlagen der Familie aushöhle. Und er sieht die Gefahr, dass diese Ideologie Erziehungspläne und Gesetzgebungen unterwandert. Sie unterwandert leider auch die katholische Kirche, wie man dem in der Schweiz veröffentlichen Werk “Familienvielfalt” entnehmen kann. “Verfallen wir nicht der Sünde, den Schöpfer ersetzen zu wollen”, ruft uns demgegenüber Papst Franziskus in “Amoris Laetita” (56) zu.

In seiner Ansprache an die polnischen Bischöfe im Jahr 2016 (http://m.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2016/july/documents/papa-francesco_20160727_polonia-vescovi.html) hat der Papst “Gender” sogar als “ideologischen Kolonialismus” bezeichnet.  Er zitiert Papst Benedikt XVI., welcher zu ihm gesagt hat: “Heiligkeit, dies ist die Zeit der Sünde gegen den Schöpfergott”. Und in einer Generalaudienz im April 2015 hatte Franziskus bereits gesagt, die Beseitigung der Geschlechterdifferenz sei “das Problem, nicht die Lösung” (https://w2.vatican.va/content/francesco/de/audiences/2015/documents/papa-francesco_20150415_udienza-generale.html). In Georgien schliesslich bezeichnete Franziskus 2016 die Gender-Theorien als “grossen Feind der Ehe” und sagte: “Es gibt heute einen weltweiten Krieg, um die Ehe zu zerstören. Heute gibt es ideologische Kolonialismen, die zerstörerisch sind: Man zerstört nicht mit Waffen, sondern mit Ideen. Darum muss man sich gegen die ideologischen Kolonialismen verteidigen” (http://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2016/october/documents/papa-francesco_20161001_georgia-sacerdoti-religiosi.html).

Ferner bleibt grundlegend für das Problem der “Gender-Ideologie” die Ansprache von Papst Benedikt dem XVI. vom 21. Dezember 2012 an die Römische Kurie, in welcher er die die “tiefe Unwahrheit” dieser Theorie aufgezeigt hat (http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/speeches/2012/december/documents/hf_ben-xvi_spe_20121221_auguri-curia.html).

Es geht hier, wie die Versuche zeigen, “Gender” in Erziehungsplänen und Gesetzen zu etablieren, keineswegs nur um eine akademische Debatte. Wir sind als Glieder der Kirche aufgerufen, hier unsere Stimme zu erheben. Denn es geht um den Menschen. Papst Benedikt XVI. hat dies eindringlich betont in der erwähnten Ansprache: “Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, daß dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen”.

Ich habe deshalb Bischofsvikar Christoph Casetti den Auftrag gegeben, dieses Thema in die Diözesane Pastoralkonferenz einzubringen. Dieses Gremium dient ja als Koordinationsgremium der kantonalen Seelsorgeräte. Diese bitte ich, sich auf der Basis der Lehre der Päpste Benedikt XVI. und Franziskus mit dem Thema auseinanderzusetzen und ihrerseits Multiplikatoren in die Kantone hinein zu sein, damit die Kirche auch in unserem Bistum dieser verderblichen Ideologie etwas entgegenzusetzen hat.

4. Kirche und Politik

Ein Thema, das in den letzten Jahren immer wieder aktuell war, ist die Haltung der Kirche zu Fragen der Politik. Es gibt regelmässig Konflikte, wenn in Politik und Medien die Stimme der Kirche für (partei-)politische Anliegen instrumentalisiert wird. Wenn ich bedenke, wie viele Gläubige in den letzten Jahren ihren Austritt aus den staatskirchenrechtlichen Körperschaften erklärt haben, weil kirchliche Amtsträger die Kirche für tagespolitsche Anliegen missbraucht haben, dann müssten auch die Körperschaften an diesem Thema interessiert sein.

Wir müssen es zur Kenntnis nehmen: Es gibt eine sehr große Zahl von Fragen, zu denen man als Christ getrost und mit vernünftigen Argumenten dieser oder jener Meinung sein kann. Wie man eine gerechte Gesellschaft schafft, wie man mit der Energie und den verschiedenen Formen ihrer Erzeugung richtig umgeht, wie man die Natur effektiv schützt, wie man die wirtschaftlichen Lasten so verteilt, dass niemand verarmt, aber auch der Leistungswille des einzelnen nicht frustriert wird: Hier gibt es einen legitimen Pluralismus und gute Gründe für diese oder jene parteipolitische Haltung. Und es brüskiert viele Gläubige, bis hin zum ominösen “Austritt”, wenn sie von amtlichen Vertretern der Kirche als nicht ganz katholisch, irgendwie unmoralisch oder egoistisch hingestellt werden, nur weil sie zu bestimmten politischen Optionen andere Ansichten haben. Das II. Vatikanische Konzil hat in LG 37 ausdrücklich betont: “Die gerechte Freiheit, die allen im irdischen bürgerlichen Bereich zusteht, sollen die Hirten sorgfältig anerkennen“.

Diese Frage hat auch mit der Sendung der Laien zu tun, wie sie das II. Vatikanische Konzil gelehrt hat. Die Laien haben den Auftrag, mitten in der Welt das Reich Gottes auszubreiten, auf der Basis ihres christlich gebildeten Gewissens. Sie tun es nicht als amtliche Vertreter der Kirche. Genau darin besteht ihr Mündigkeit. So lange wir aber dazu neigen, die Kirche mit der Hierarchie zu identifizieren und dann zu bedauern, die Laien seien von der Mitwirkung an der kirchlichen Sendung ausgeschlossen, kommen wir nicht weiter, auch nicht zu einer Kirche, die hinausgeht, bis an die Ränder, von der Papst Franziskus immer wieder spricht. Es ist gerade Papst Franziskus, der diese Binnenfixierung bedauert hat in seinem Apostolischen Schreiben “Evangelii Gaudium”: “Auch wenn eine größere Teilnahme vieler an den Laiendiensten zu beobachten ist, wirkt sich dieser Einsatz nicht im Eindringen christlicher Werte in die soziale, politische und wirtschaftliche Welt aus. Er beschränkt sich vielmals auf innerkirchliche Aufgaben ohne ein wirkliches Engagement für die Anwendung des Evangeliums zur Verwandlung der Gesellschaft. Die Bildung der Laien und die Evangelisierung der beruflichen und intellektuellen Klassen stellen eine bedeutende pastorale Herausforderung dar” (102).

Ich habe deshalb Generalvikar Martin Grichting den Auftrag gegeben, mir Vorschläge für Initiativen zu machen, wie wir in diesen beiden Fragen eine positive Wende herbeiführen können. Das Thema ist wichtig. Ich erinnere dazu gerne an den französischen Philosophen Alexis de Tocqueville, der einmal gesagt hatte, die Religionsgemeinschaften, welche ihre Autorität über die religiösen Dinge hinaus ausdehnten, würden Gefahr laufen, in keiner Sache mehr Glauben zu finden.

Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie in den nächsten zwei Jahren mithelfen, bei der Behandlung und Umsetzung der hier angeführten vier Themen mitzuwirken. Sie werden Ihnen in den Räten des Bistums, aber auch in Anregungen für die Verkündigung und in der praktischen Seelsorge begegnen.

Gerne benütze ich die Gelegenheit, Sie zu ermutigen, sich von neuem in der Pastoral mit aller Kraft einzusetzen. Für alles, was Sie dort zum Aufbau des Reiches Gottes tun, danke ich Ihnen herzlich und grüsse Sie, verbunden mit meinem bischöflichen Segen, freundlich

+ Vitus Huonder
Bischof von Chur

Chur, 23. Mai 2017

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