EIN BRIEF VON JUNGEN KLERIKERN von Various – 19.9.2018

Dieser Brief an die Mitglieder der Bischofssynode für Jugend, Glauben und Berufsbildung dient einem doppelten Zweck: erstens der Solidarität mit den Katholiken, insbesondere den jungen Menschen, die sich um die jüngsten Ereignisse in der Kirche Sorgen machen, insbesondere den sexuellen Missbrauchsskandalen; zweitens, um die Diskussion der Synode ebenso wie das Gespräch darüber aus dem Blickwinkel neuerer Mitglieder des römisch-katholischen Klerus zu informieren, derjenigen, die nach dem öffentlichen Ausbruch der sexuellen Mißbrauchskandale ins Priesterseminar eintraten, oder sich einer Religionsgemeinschaft anschlossen.
Unterzeichner sprechen für sich allein; Zugehörigkeiten wurden nur zu Identifikationszwecken aufgeführt.

 

Hochwürdige Synoden-Väter,

Am Tage unserer Priesterweihe wurde jeder von uns von seinem ordinierenden Bischof gefragt: „Versprichst du mir und meinen Nachfolgern Respekt und Gehorsam?“ Jeder von uns bejahte dies und vertraute nicht auf seine eigenen Verdienste, sondern auf die Gnade Gottes , der jeden von uns zum priesterlichen Dienst in seiner Kirche berufen hat. Wir sind junge katholische Geistliche, und so haben wir diese Frage erst vor kurzem beantwortet – einige von uns im vergangenen Jahr. Und wir schreiben heute in demselben Geist des Respekts und des Gehorsams. Wir möchten unsere Besorgnis über die sich ausbreitende Krise des sexuellen Missbrauchs in der Kirche, insbesondere der Kirche in den Vereinigten Staaten, zum Ausdruck bringen. Insbesondere sind wir besorgt darüber, wie sich diese Krise auf die Synode über den Glauben, die Jugend und die Berufsbildung auswirkt, die im Oktober in Rom stattfinden soll.

Obwohl der Synodalrat dies bei der Wahl des Themas vor drei Jahren nicht vorhersehen konnte, kommt die Synode für junge Menschen zu einem unpassenden Zeitpunkt, zumindest gelinde gesagt. Die Ereignisse des vergangenen Jahres zeigen, dass die Skandale, die 2002 begannen – als viele von uns noch Jugendliche waren – , noch lange nicht vorbei sind. Wir glauben, dass das Ans-Licht-Bringen dieser Skandale, so schmerzlich es auch sein mag, der einzige Weg zur Heilung für die Kirche ist.

Die Laiengläubigen, denen wir bei unseren Ordinationen versprochen haben, unaufhörlich im Namen Christi und seiner Kirche zu beten und zu dienen, werden durch diese Skandale verwundet und fragen sich, wem sie vertrauen sollen. Viele junge Katholiken sind besonders erschüttert. Wir stehen vereint mit ihnen in ihrem Zorn, Entsetzen und ihrer Bestürzung. Wir haben auch bei unseren Ordinationen versprochen, unsere priesterlichen Pflichten als würdige Mitarbeiter mit den Bischöfen zu erfüllen. Wir hoffen, Sie werden verstehen, dass dies in kurzer Zeit viel schwieriger geworden ist. Wir sehen die Wut und Frustration derer, denen wir dienen, und wir selbst sind unsicher, was sonst noch im Dunkeln wartet.

Väter, einige schlagen vor, dass die Jugend-Synode verschoben sogar annulliert werden sollte, anstatt damit unter einem Skandal bezüglich des klerikalen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen fortzufahren. Für den Fall, dass es weitergeht, haben wir Bedenken hinsichtlich des wahrscheinlichen Tenors der Diskussion. Aber wir haben auch Hoffnung, denn die Synode bietet eine Chance, wenn Sie bereit sind, sie zu ergreifen.

Das Instrumentum Laboris (Arbeitsdokument) der Synode zediert der sexuellen Revolution zuviel Raum, die den jungen Menschen so großen Schaden zugefügt hat. Unsere Generation kommt aus der „liquiden“ Moderne. Wir sind in einer Kultur aufgewachsen, die allem feindlich gesinnt ist, was die Kirche vorschlägt: Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi; die Wahrheiten, die in der Schrift enthalten sind; und die Tradition der Kirche, die bis heute von den Aposteln weitergegeben wurde, einschließlich ihres moralischen Zeugnisses. Wir tun unser Bestes, um diese Realitäten zu lehren, zu predigen, zu verkünden und zu leben. So auch viele unserer jungen Kollegen.

Wenn wir das Instrumentum Laboris lesen, finden wir keine umfassende Analyse von Modellen, die sich als erfolgreich erwiesen haben, junge Menschen im Glauben zu formen. Wir finden auch keine Anleitung, wie die soziokulturellen Anliegen junger Menschen auf ein übernatürliches Ziel hin ausgerichtet werden können. Wir finden stattdessen vage Hinweise auf „einige junge Menschen“, die wünschen, dass sich dieser oder jener Teil der Lehre der Kirche ändert. Aber wir wissen von vielen jungen Menschen, die nicht wollen, dass sich die Lehren der Kirche ändern, sondern dass sie energischer verkündet werden – gerade weil sie sie als Gegenmittel gegen die kulturelle Öde sehen, in der wir leben. Aus diesem Grund glauben wir, dass das Instrumentum ein erhebliches Umdenken und eine Überarbeitung nötig hat. Nur eine kraftvolle Begegnung mit Jesus Christus und eine freudige Verkündigung des orthodoxen Glaubens der Kirche kann junge Herzen inspirieren und junge Menschen zur Mission anfeuern. Soziologische Analyse kann dies nicht erreichen.

Wir, als junge Menschen, kennen den Preis der sexuellen Revolution auf eine viszerale Art: Scheidung, das unkontrollierte Streben nach Vergnügen, Objektivierung von Frauen, Sexhandel, Pornographie, all die Schrecken, die die #MeToo-Bewegung ausgelöst haben, Lustlosigkeit, Verzweiflung, Sucht. Wir sehen bereits, wie sich durch die Smartphone-Sucht, Depressionen und Ängste bei Teenagern und Mobbing in den sozialen Medien auf die nächste Generation auswirken. Wir betrachten diese Effekte nicht als befreiend; wir betrachten sie als Fesseln. Und wir denken, dass unsere Kollegen mit uns einig sind.

Wir sind in einer Welt aufgewachsen, die vor allem radikale Autonomie schätzt. Wir sind alle auf diese oder jene Weise kompromittiert worden. Aber es ist eine Lüge. Und wenn junge Leute merken, dass sie belogen worden sind, suchen sie nach Antworten. Dann offenbart sich das Evangelium Jesu Christi erneut als Befreiung, als Befreiung von den Fesseln unserer Zeit, so dass wir stattdessen Gefangene für den Herrn werden, missionarische Jünger, deren Herzen in ihnen brennen. Wir beten, dass der primäre Effekt dieser Synode eine unverfrorene Verkündigung dieses authentischen Evangeliums für die jungen Menschen von heute sein wird.

Unsere Kultur ist allzu eifrig, uns falsche Idole zu verkaufen. Nur das Evangelium, das in seiner radikalen Kraft gelebt wird, kann befriedigen. Christus allein ist die Antwort auf die Herausforderungen unserer Generation. Mögen wir ihn und seinen Ruf zur Heiligkeit in dieser Stunde neu annehmen.

UNTERZEICHNET VON:

Rev. Steven J. Arena
Pfarrvikar, Johannes-Neumann-Gemeinde, Lancaster, PA
Diözese von Harrisburg

Rev. Eric J. Banecker
Pfarrvikar, Pfarrei St. Pius X, Broomall, PA
Erzdiözese von Philadelphia

Rev. Christopher Coffie
Pfarrvikar, St. John the Beloved Parish, Wilmington, DE
Diözese Wilmington

Reverend Michael G. DeSaye
Pfarrvikar, heilige Johanna von Arc Parish, Marlton, NJ
Diözese von Trenton

Rev. Richard W. James
Graduate Studies, Universität St. Thomas, Rom
Diözese Allentown

Rev. Bryan J. Kerns, OSA
Theologische Fakultät, St. Augustine Preparatory School, Richland, NJ
Orden des Heiligen Augustinus

Rev. Aleksandr J. Schrenk
Parochial Vikar pro tem , St. Peter, St. Paul und St. Michael Pfarreien, Butler, PA
Diözese von Pittsburgh

Rev. Stephen W. Spencer, OSJ
Parochial Vicar, unsere Dame der Guadalupe-Gemeinde, Bakersfield, CA
Oblaten des heiligen Joseph

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Quelle

Wie gottgeweihtes Leben in der Großstadt funktioniert

Mehrmals am Tag treffen sich die Mitglieder von Säkularsinstituten zum Gebet

Vergangene Woche hat Papst Franziskus die Rolle der geweihten Witwen in der Kirche gewürdigt. Franziskus selber gehört dem Jesuitenorden an. Neben den bekannten, klassischen Ordensgemeinschaften gibt es sogenannte Säkularinstitute. Im Unterschied zu den Ordensgemeinschaften leben deren Mitglieder überwiegend in der Welt, nicht im Kloster.

Julia Rosner – Vatikanstadt

„Leidenschaft für Gott – Dienst für die Menschen“, diese Formel fast das Charisma des Säkularinstitus „St. Bonifatius“ zusammen. Es handelt sich um eine benediktinsche Frauengemeinschaft, die sich um Missionierung kümmert. Gegründet wurde die Gemeinschaft in Deutschland. Deren Mitglieder leben in kleinen Kommunitäten auf der ganze Welt verteilt zusammen – beispielsweise in Ruanda, Guatemala, Norwegen, Italien und natürlich auch in Deutschland.

Christiane Koch ist seit vielen Jahren Teil der Gemeinschaft. Sie ist eines von weltweit rund 170 Mitgliedern. Gemeinsam mit zwei anderen Frauen lebt sie in Rom. Sie und alle anderen Mitglieder des Instituts haben ihr Leben Gott geweiht.

Intimes Leben mit Gott

„Gottgeweihtes Leben bedeutet für mich, ein ,intimes‘ Leben mit Gott zu führen“, sagt Christiane Koch. „Im Italienischen sprechen wir von der ,Intimita nella relazione con dio‘ – damit ist die ganze persönliche Gottesbeziehung gemeint. Diese leben wir ganz bewusst jeden Tag.“ Dabei verzichten die Frauen auf jegliche äußere Zeichen wie eine spezielle Kleidung. Wie Jesus wollen sie nicht von der Welt sein, aber mitten in ihr leben. Ziel sei, so Koch, die Welt von innen heraus zu verändern.

Als junge Frau habe sie gespürt, dass sie von Gott in ein geweihtes Leben gerufen werde. Das erzählt sie heute immer wieder gern und hat dabei ein Lächeln auf dem Gesicht. Ursprünglich stammt sie aus der Diözese Paderborn, wo es – wie sie sagt – viele Ordensgemeinschaften gibt. Viele von ihnen habe sie kennengelernt. Als sie jedoch mit dem Säkularinstitut „St. Bonifatius” in Verbindung gekommen sei, habe sie gespürt: Genau das ist es.

Ora et labora

Wie die anderen Mitglieder ihrer Gemeinschaft lebt sie nach den drei Evangelischen Räten: Keuchheit/Jungfräulichkeit, Armut und Gehorsam. Als missionsbenediktinisches Institut berufen sich die Frauen auch auf die Regel des Heiligen Benedikts – „Ora et labora“. Doch diese Regel wurde an das Leben in der Welt angepasst. Das heißt, alle Mitglieder der Gemeinschaft gehen weltlichen Berufen nach. Die meisten sind im sozialen Bereich tätig. Viele helfen auch in den Pfarreien vor Ort aus.

In Rom betreiben die Frauen ein Wohnheim für Studentinnen, Praktikantinnen und Pilgerinnen – genannt „Das Foyer“. Die Räumlichkeiten sind Teil der deutschen katholischen Gemeinde „Santa Maria dell‘ Anima“. Die vom Heiligen Benedikt empfohlenen Gebetszeiten, die die Frauen jeden Tag neben ihrer Arbeit verrichten, lassen sich gut mit ihrer Tätigkeit dort vereinen.

Internationale Gemeinschaft

Zehn vor sieben beginnen die Frauen jeden Morgen mit einer Mediation, erklärt Koch. In dieser Zeit nehmen sie eine persönliche Betrachtung vor. Das geschehe ganz bewusst aus der Ruhe der Nacht heraus. Koch erklärt: „Wir wollen uns damit dem Herrn öffnen“. Anschließend folgen die Laudes, das Morgengebt der Kirche und die Heilige Messe. Dafür gehen die Frauen meist in eine Kirche, die in der Nähe liegt. Danach ist Zeit zum Arbeiten.

Zum Mittagessen treffen sich wieder. Zusammenleben in der Gemeinschaft wird in dem missionsbenediktischen Institut groß geschrieben. Deshalb speisen alle immer gemeinsam. Nach der zweiten Arbeitszeit am Nachmittag wird am Abend die Vesper gebetet, das Abendgebet der Kirche. Nach dem Abendessen folgt dann noch das Nachtgebet, die Komplet.

Christiane Koch schätzt besonders an ihrer Gemeinschaft, dass sie sehr international aufgestellt ist. Sie selbst hat mehrere Jahre in Spanien und Tschechien gelebt. „Auf der einen Seite erleben wir bei uns in der Gemeinschaft immer, wie Gott uns eint und auch über die verschiedenen Länder hinaus verbindet. Wir alle leben eine Berufung. Auf der anderen Seite gestaltete sich das Leben in den verschiedenen Ländern ganz anders“, sagt sie.

Wie viele andere Orden oder Gemeinschaften in Europa leidet jedoch auch das Säkularinstitut St. Bonifatius unter einer abnehmenden Zahl an Neueintritten. Immer wenige junge Frauen können sich sein eheloses Leben in Gemeinschaft vorstellen. Ein weiterer Grund ist auch, das die Religiosität zumindest in Europa und insbesondere auch in Deutschland zurückgeht.

Anderen helfen, die eigene Berufung zu erkennen

Dennoch ist Christiane Koch zuversichtlich, was die Zukunft der Gemeinschaft betrifft. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern möchte sie ein Zeugnis für Gott in der Welt ablegen. „Das Leben aus der Taufgnade ist zentral. Gott hat jeden von uns geschaffen und mit uns jedem von uns eine Aufgabe in die Welt gesandt“, sagt sie. „Säkularinstitute entsprechen in ihrer Lebensweise – eben in der Welt – dem Puls der Zeit.“ Deshalben seien die Frauen zuversichtlich. Dennoch wissen auch sie: nur Gott chenkt Berufungen. Sie selbst können das nicht beeinflussen. Das Gebet um Berufungen sei deshalb heute so wichtig wie nie. In der Welt wollen die Frauen jedoch durch ihr Leben anderen Menschen helfen, ihre persönliche Berufung zu erkennen.

Dennoch ist Christiane Koch zuversichtlich, was die Zukunft der Gemeinschaft betrifft. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern möchte sie ein Zeugnis für Gott in der Welt ablegen. „Das Leben aus der Taufgnade ist zentral. Gott hat jeden von uns geschaffen und mit uns jedem von uns eine Aufgabe in die Welt gesandt“, sagt sie. „Säkularinstitute entsprechen in ihrer Lebensweise – eben in der Welt – dem Puls der Zeit.“ Deshalben seien die Frauen zuversichtlich. Dennoch wissen auch sie: nur Gott chenkt Berufungen. Sie selbst können das nicht beeinflussen. Das Gebet um Berufungen sei deshalb heute so wichtig wie nie. In der Welt wollen die Frauen jedoch durch ihr Leben anderen Menschen helfen, ihre persönliche Berufung zu erkennen.

(vatican news)

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Unterschriften-Sammlung gegen die Aktion „Ein neues Kleid für Maria“

Über 2500 Unterschriften

– Wir fordern die Verantwortlichen auf, den Wettbewerb zur Verunglimpfung der Gottesmutter im Aachener Dom unverzüglich zu beenden. –

Über 2500 Unterschriften zur Wahrung der Würde unserer Kaiserin von Aachen sind bereits gezählt. Dies war nur durch Ihre Mithilfe möglich!

Einsendeschluss der „Kleid“-Entwürfe für das Gnadenbild im Aachener Dom ist der 27. September 2018!
Dies bedeutet konkret, dass unsere Unterschriftensammlung an unseren Hochwürdigen Herrn Bischof Dr. Dieser noch bis zum 27. September läuft!

2500 Unterschriften sind bereits ein deutliches Zeichen, dass ein solcher Wettbewerb um ein „modernes Gewand für den Alltag“, am seit altersher verehrten Gnadenbild Mariens, der hochwürdigsten Jungfrau, nicht gewünscht ist!
Deutlich sei noch einmal erwähnt, dass der Wettbewerb vornehmlich dazu ausgeschrieben ist, die „Verehrungsformen zu modernisieren […] in […]
Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst“ (Pressemitteilung des Domkapitels Aachen vom 03.07.18)!
Ein würdiges „Kleid“, d. h. ein Gewand, dass die Mutter des Herrn in ehrbarer Weise ziert, und nicht „in Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst“ verziert, ist somit per definitionem bereits in der offiziellen Pressemitteilung ausgeschlossen worden!

Bitte teilen Sie dieses so wichtige Anliegen weiterhin, schreiben Sie unserem Bischof und verteilen Sie wenn möglich Flyer (Adresse und Dokumente hier:kaiserinvonaachen.wordpress.com/unterschrift/) in Ihrer Pfarrkirche, wenn es diese erlaubt.

Möge es der Himmel und insbesondere die gebenedeiteste Mutter Gottes allen Beteiligten reichlichst vergelten!

Ja, Maria ist die Gebenedeiteste; sie war unter Allen, die auf Erden lebten, die frömmste, die reinste, die Gott ergebenste Jungfrau, und weil sie allzeit keusch und heilig lebte, so wurde sie auch von Gott gewürdiget, die Mutter seines Sohnes, die Königin des Himmels zu sein.“ (Katholische Kanzelberedsamkeit, Regensburg 1835).

Ave Maria Kaiserin, Hilfe der Christen,
bitte für das Dir geweihte Bistum,
besonders für den Bischof,
alle Priester und Gottgeweihten
und ganz besonders
für ein christliches Europa. Amen.

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Quelle

Baltikum-Experte: Drei Länder, drei Schwerpunkte beim Papstbesuch

Logo der Papstreise nach Estland

Was erwarten sich die Menschen in Estland, Lettland und Litauen von Papst Franziskus, der sie bald besucht? Um die Frage zu beantworten, muss erst klar sein: die drei Länder sind ziemlich verschieden. Markus Nowak über die Lage der katholischen Kirche vor Ort und die Erwartungen an die Papstvisite am Rand Europas.

Die drei Länder sind keineswegs so homogen, wie das die Sammelbezeichnung „Baltikum“ nahelegt. Insbesondere die religiöse Situation ist in allen drei Ländern völlig unterschiedlich. Diesen Samstag fliegt Papst Franziskus nach Litauen, wo er zwei Tage bleibt. Am Montag geht es nach Lettland, am Dienstag nach Estland und dann wieder zurück nach Rom.

Eins der wichtigsten Themen in den Nachrichten

Seit Tagen ist die Visite von Papst Franziskus eine der wichtigsten Themen in den Nachrichten im litauischen Staatsfernsehn LRT. Vom 22. bis 25. September besucht der Pontifex die drei Länder Litauen, Lettland und Estland. Es ist der zweite Besuch eines Oberhauptes der katholischen Kirche im Baltikum – nach Johannes Paul II. vor 25 Jahren. Und gerade in Litauen wird Franziskus´ Visite so etwas wie ein Gastspiel. Denn rund 80-Prozent der Litauer sind katholisch, und die Kirche gilt als einflussreich. Gintaras Grusas, der Erzbischof der Hauptstadt Vilnius, hegt aber auch Erwartungen an den Papst.

„Für alle Länder ist es eine große Ehre, wenn der Heilige Vater kommt. Seine Gegenwart kann die Hoffnung der Menschen stärken. Viele Litauer verlassen wegen der schwachen ökonomischen Situation das Land. Ich hoffe, dass er den Menschen Halt geben kann und sie vielleicht sogar zum Bleiben bewegen kann. Auch wird es einen Moment geben, bei dem der Papst unsere Vergangenheit kennenlernen wird. Wir haben als Nation großen Bedrohungen standgehalten und unseren Glauben bewahren können“, so der Erzbischof von Vilnius.

Was der Erzbischof meint, ist die Zeit vor 1990/91, als Litauen wie das gesamte Baltikum von der Sowjetunion okkupiert war und die Religionsfreiheit litt.

Am eigenen Leib hat das Sigitas Tamkevičius erlebt, der spätere Erzbischof von Kaunas. Als junger Jesuit gab er in den 1970er und 80er Jahren eine Chronik heraus, die die Verfolgung der Kirche durch die Sowjetmacht auch im westlichen Ausland publik machte. Fünf Jahre verbrachte er dafür in Haft und ist heute sowas wie eine Symbolfigur für den kirchlichen Widerstand in der Sowjetunion. Auch er hat Erwartungen an Papst Franziskus, der oft davon spricht, zu den Rändern zu gehen.

“ Wenn die Worte des Papstes in diesen Menschen Hoffnung wecken, dann ist sein Ziel erreicht. ”

„Wir in Litauen sind geografisch gesehen am Rande Europas. Zudem gibt es in Litauen einen nicht kleinen Teil der Gesellschaft, der wegen sozialer Probleme am Rand der Gesellschaft steht. Wenn die Worte des Papstes in diesen Menschen Hoffnung wecken, dann ist sein Ziel erreicht. Franziskus versteht das“, sagt Sigitas Tamkevičius.

Station Lettland: Schwerpunkt Ökumene

„Kristus Jėzus – mano viltis“ – zu Deutsch „Christus, meine Hoffnung“. Die Hymne des Papstbesuches in Litauen ist zugleich das Motto seiner Visite im größten baltischen Land. In Lettland dagegen, dem mit zwei Millionen Einwohnern zweitgrößten Staat des Baltikums, wird ein Schwerpunkt auf Ökumene liegen. Papst Franziskus trifft Vertreter verschiedener Konfessionen im lutherischen Mariendom zu Riga. Jeder dritte Lette ist Lutheraner, 22 Prozent sind katholisch, und mit rund 20 Prozent gibt es auch einen hohen Anteil an orthodoxen Christen. Rigas Erzbischof Zbigniev Stankievics spricht von einer ökumenischen Atmosphäre, die in Lettland herrscht. Eben, weil keine der Konfessionen eine zu dominante Rolle habe.

“ Wir erwarten, dass der Papst uns eine Bestätigung gibt, dass wir in die richtige Richtung in Sachen Ökumene gehen. ”

„Wir erwarten, dass der Papst uns eine Bestätigung gibt, dass wir in die richtige Richtung in Sachen Ökumene gehen. Also gute Beziehungen zueinander aufbauen und mit einer gemeinsamen Sprache sprechen. Das tun wir etwa gegenüber dem Staat in für uns wichtigen Themen. Da ist etwa die Sache mit dem Religionsunterricht, der künftig kein verpflichtendes Wahlfach mehr sein wird und nur noch auf freiwilliger Basis unterrichtet wird. Wir Religionsgemeinschaften sehen darin ein großes Problem. Ich denke, mit einer gemeinsamen Sprache könnten wir es ändern“, sagt Zbigniev Stankievics.

Estland: 0,5 Prozent Katholiken und ein Papstbesuch

Eine gemeinsame Stimme der Religionsgemeinschaften gegenüber der Politik finden – das ist in Estland noch schwieriger. Denn die letzte Station des Papstes auf seiner Baltikum-Reise ist eines der am stärksten säkularisierten Länder Europas. Gerade einmal 20 Prozent der Esten gehören überhaupt einer Religionsgemeinschaft an. Angesichts des Katholikenanteils von 0,5 Prozent sei es wichtig, dass Papst Franziskus auch die Hauptstadt Tallinn besuche, sagt der Apostolische Administrator von Estland Bischof Phillipe Jourdan.

„Ich werde oft von Journalisten gefragt, welche Bedeutung es hat, wenn der Papst in ein Land mit so wenigen Katholiken kommt. Aber Franziskus schaut nicht auf Statistiken. Er sagt, die Kirche ist nicht nur das Kirchengebäude. Und ich füge hinzu, Kirche ist nicht nur da, wo sie traditionell stark ist. Die Katholiken sind nicht bloß in Estland in einer extremen Minderheit; etwa die Hälfte aller Katholiken weltweit lebt in Ländern, wo sie weniger als ein Prozent bilden. So wird der Papst nicht nur zu uns Esten sprechen, sondern zu allen Menschen, wo die katholische Kirche nur eine geringe Präsenz hat. Denken wir etwa an Russland oder China“, so Bischof Jourdan.

(pm)

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Kardinal Gerhard Ludwig Müller – Predigt bei Priesterweihe von Michael Sulzenbacher SJM, in Rom in der Kirche Sant‘ Agnese in Agone


„Korruption der Lehre zieht immer die Korruption der Moral nach sich“

„Nicht der Klerikalismus, was immer das sein mag, sondern die Abkehr von der Wahrheit und die moralische Zügellosigkeit sind die Wurzeln des Übels.“ Predigt zur Priesterweihe von Frater Michael Sulzenbacher SJM. Von Gerhard Kardinal Müller

Rom (kath.net) kath.net dokumentiert die Predigt des früheren Präfekten der Glaubenskongrefation, Gerhard Kardinal Müller, zur Priesterweihe von Michael Sulzenbacher SJM in Rom in der Kirche Sant’Agnese in Agone am 15.9.2018 in voller Länge – kath.net dankt Kardinal Müller für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung

Lieber Mitbruder Michael Sulzenbacher,
ich bewundere – menschlich gesagt – Ihren Mut und – geistlich gesprochen – Ihr Gottvertrauen. In schwieriger Zeit treten Sie an den Weihealtar. Mit Ihrem Adsum sprechen Sie die Bereitschaft aus, Ihr ganzes Sein und Leben Gott zum Opfer darzubringen. Das ist die entscheidende Weichenstellung auf Ihrem irdischen Pilgerweg und eine Stunde der Gnade für das ganze Volk Gottes.

Die Kirche aber, die von Gott gestiftet ist und aus Menschen besteht, befindet sich – nach ihrer menschlichen Seite hin – in urbe et orbe in einer tiefen, von Menschen verschuldeten Krise ihrer Glaubwürdigkeit. In diesem dramatischen Augenblick ahnen und fürchten wir die möglichen negativen Konsequenzen aus Skandalen und Führungsfehlern. Unwillkürlich denken wir an die Spaltung der abendländischen Christenheit im 16. Jahrhundert oder an die Säkularisierung des geistigen Lebens im Gefolge der Aufklärung und der französischen Revolution.

Nicht der Klerikalismus, was immer das sein mag, sondern die Abkehr von der Wahrheit und die moralische Zügellosigkeit sind die Wurzeln des Übels. Die Korruption der Lehre zieht immer die Korruption der Moral nach sich und manifestiert sich in ihr. Die schwere Versündigung an der Heiligkeit der Kirche ohne Gewissensbisse ist die Folge der Relativierung des dogmatischen Fundaments der Kirche. Das ist der wirkliche Grund der Erschütterung und der Enttäuschung von Millionen gläubiger Katholiken. In der Analyse der Ursachen der Abspaltungen von der einen Kirche Christi im 16. Jahrhundert stellte der Kirchenhistoriker Hubert Jedin (1900-1980) im ersten Band seiner „Geschichte des Konzils von Trient“ fest: „Das Wort Reform verdeckte die Häresie und die entstehende Kirchenspaltung.“ (I, 151).
Damals wie auch heute ist viel von Reform die Rede.

Was steckt hinter der schillernden und mediengerechten Propagandaformel „Reform der Kurie und der ganzen Kirche“, wenn nicht – wie ich inständig hoffe – die Erneuerung in der Wahrheit der Offenbarung und der Nachfolge Christi gemeint ist? Nicht die Verweltlichung der Kirche, sondern die Heiligung der Menschen für Gott ist die wahre Reform.

Es ist nicht Reform, sondern eine Irrlehre zu meinen, man könne die Lehre der Kirche bestehen lassen, aber um der schwachen Menschen willen müsse man eine neue Pastoral erfinden, die die Ansprüche der Wahrheit des Wortes Gottes und der christlichen Moral ermäßige.

Die Erlösung von der Sünde gründet in der Wahrheit, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Ohne die Wahrheit der Inkarnation würde die Kirche auf eine innerweltliche Weltverbesserungsagentur zusammenschrumpfen. Für unsere Sehnsucht nach Gott und das Verlangen nach dem ewigen Leben hätte sie keine Bedeutung. Der Priester wäre nur der Funktionär einer sozialreligiösen Bewegung. Die Kirche gewinnt nicht an Relevanz und Akzeptanz, wenn sie der Welt die Schleppen des Zeitgeistes nachträgt, sondern nur wenn sie ihr mit der Wahrheit Christi die Fackel voranträgt. Wir sollen uns nicht mit sekundären Themen wichtig machen und die Agenda anderer bearbeiten, die nicht glauben wollen, dass Gott allein der Ursprung und das einzige Ziel des Menschen und der ganzen Schöpfung ist.

Denn die wirkliche Gefahr für die Menschheit von heute besteht in den Treibhausgasen der Sünde und im global warming des Unglaubens und des Zerfalls der Moral, wenn niemand mehr den Unterschied zwischen Gut und Böse kennt und lehrt. Der beste Umweltschützer und Naturfreund ist der Verkünder des Evangeliums, dass es nur mit Gott ein Überleben gibt und zwar nicht nur limitiert und für demnächst, sondern für immer und ewig.

In der Meinung, das christliche Dogma sei nicht mehr Grund und Kriterium von Moral und Pastoral, kommt eine christologische Häresie zum Vorschein. Diese besteht darin, dass man Christus, den Lehrer der göttlichen Wahrheit und Christus den guten Hirten in Gegensatz bringt. Christus ist dagegen ein und dieselbe Person. Vor Pilatus hat er nicht geschwiegen, sondern „das gute Bekenntnis abgelegt und ist als Zeuge für die Wahrheit eingetreten.“ (1 Tim 6,14). Dem Relativismus des Pilatus, der den Zynismus der weltlichen Macht verkörpert, stellt Jesus die erlösendende Macht der Wahrheit Gottes entgegen: „Ja, ich bin ein König. Dazu bin ich geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ ( Joh 18,37).

Ein- und derselbe Christus sagt von sich „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), der auch als der bonus pastor die Pastoral der Kirche in Person ist, wenn er das Geheimnis seiner Person und Sendung offenbart: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“ (Joh 10,11).

Zeuge der Wahrheit Christi zu sein und Diener des guten Hirten: das ist das Geheimnis und der Ursprung des sakramentalen Priestertums in der Kirche des Neuen Bundes.

Das einzige Hohepriestertum „des erhabenen Hirten seiner Schafe“ (Hebr 13,20) schließt jeden anderen Weg zu Gott außer durch Jesus Christus aus, aber die sakramentale und kirchliche Vergegenwärtigung der ein für allemal von Christus erwirkten Erlösung ein, indem Christus selbst den Dienst und die Mission der Apostel gestiftet hat. In den Heiligen Weihen geht die apostolische Vollmacht und Sendung auf die Bischöfe und Priester über.

So gilt Ihnen, lieber Mitbruder, in dieser Stunde das Wort des hl. Paulus an seinen Mit-Apostel und Nachfolger Timotheus: „Fliehe vor der falschen Lehre, sei Diener des Wortes, Verkünder des wahren Glaubens und Kämpfer für die Wahrheit Christi. So ergreifst du das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist und für das du vor vielen Zeugen das gute Bekenntnis abgelegt hast.“ (1 Tim 6,12). Diese vielen Zeugen sind heute alle, die hier versammelt sind: Ihre Mutter und Ihr Vater, die Ihnen als erste Zeugen den Glauben an Christus, den „Retter der Welt“ (Joh 4,42), vermittelt haben, mit den Großeltern, Geschwistern und allen Verwandten und Freunden, den Mitbrüdern Ihrer Gemeinschaft, den vielen Priestern und Diakonen und zuletzt auch mir. Als Bischof kommt mir die Vollmacht Christi zu, Ihnen durch die Auflegung meiner Hände und das Weihegebet, Anteil zu geben an der Vollmacht und Sendung des Messias. So vermögen Sie in der Person Christi, des Hauptes der Kirche, mit der Kraft des Heiligen Geistes, die Gläubigen zu lehren, leiten und heiligen (PO 2), damit sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, Gott lieben über alles und den Nächsten wie sich selbst.

Der ist ein wahrer Seelsorger, der mit der Liebe Gottes auf die ihm anvertrauten Menschen schaut und sich in seinem geistlichem Wirken und christusförmigen Lebenswandel nach dem Hohenpriester, dem er dient, ausrichtet. Der gute Hirt unterscheidet sich vom Mietling, weil er mit dem Herzen Jesu und Mariens die Menschen liebt und weil er sein Leben für die Herde des Herrn einsetzt. Der Apostel ist „Mitarbeiter Gottes, Diener Christi, Verwalter und Ausspender göttlicher Geheimnisse“ (1 Kor 4,1; 2 Kor 6,1). Ihm geht es nur um eines, „in voller Ehrfurcht vor dem Herrn, Menschen für Christus zu gewinnen.“ (2 Kor 5,11). Ihm ist der Dienst an der Versöhnung zur Verkündigung und sakramentalen Vermittlung übertragen worden. Und darum sind die geweihten Priester wie die Apostel „Gesandte an Christi Statt und Gott ist es, der durch sie mahnt: Lasst euch mit Gott versöhnen.“ (2 Kor 5,20).

Gewiss steht er auch in den Reihen der Gläubigen und bedarf auf dem Weg der irdischen Pilgerschaft – wie wir alle – der Gnade für sein geistliches Wirken und der Vergebung Gottes für seine Sünden und Versäumnisse. Die Wahrheit des Glaubens, die er verkündet und das Heil, das er in den Sakramenten vermittelt, hängt aber – Gott sei Dank – nicht von der Tiefe seiner Spiritualität oder der hohen Moralität seines Lebenswandels ab, sondern von der objektiven Heilswirkung der Sakramente. Denn Christus bedient sich der Menschen, aber er macht sich in seinem Heilshandeln nicht von ihnen abhängig. Denn er ist allein der „Urheber des ewigen Heils“ (Hebr 5,9).Während Christus ohne Sünde war, bedürfen jedoch alle Gläubigen und ihre Hirten der Vergebung. Das Bekenntnis unserer Sünden gehört in den Beichtstuhl. Wenn aber gottgeweihte Personen in zynischer Verachtung ihrer Berufung ein Doppelleben führen, gehören diese Taten vor das geistliche Gericht. Böse Taten müssen von der kirchlichen Autorität verurteilt, die Missetäter gerichtet nach Maßgabe des Rechtes bestraft werden. Wer das kirchliche Strafrecht für unvereinbar hält mit dem Evangelium der Liebe, der handelt nicht aus Barmherzigkeit, sondern aus der Verachtung für die Menschen, die um ihre Rechte und Würde betrogen wurden. „Wehe der Welt mit ihrer Verführung. Es muss zwar Ärgernisse geben; doch wehe dem Menschen, der sie verschuldet.“ (Mt 18,7). Dies gilt in besonderer Weise denen, die durch das geistliche Amt zu Vorbildern, Typoi, für die Gläubigen eingesetzt und in der heiligen Weihe mit dem Heiligen Geist bestärkt sind.

So möchte ich Ihnen, verehrter Mitbruder, und uns allen vor dem Empfang der heiligen Priesterweihe die Mahnung des Apostels Petrus an seine Mit-Priester in Erinnerung rufen: „Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde – forma facti gregis ex animo. Wenn dann der oberste Hirte erscheint, werdet ihr den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen.“ (1 Petr 4,2-4).

Und in umgekehrter Blickrichtung sollen alle Gläubigen sich für ihre Seelsorger verantwortlich fühlen, wenn sie im Hebräer-Brief lesen: „Denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben; schaut auf das Ende ihres Lebens und ahmt ihren Glauben nach… Gehorcht ihnen, und ordnet euch ihnen unter, denn sie wachen über euch und müssen Rechenschaft darüber ablegen; sie sollen das mit Freude tun können und nicht mit Seufzen. Betet für uns.“ (Hebr 13,7.17f).

Lieber Mitbruder Michael, wir beten um die Gnade, dass Sie ein guter Priester werden nach dem Herzen Jesu und seiner lieben Mutter Maria. So sei es! Amen.

Rom am 15. September 2018

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Quelle

Angelus: Glaubensbekenntnis darf sich nicht auf Worte beschränken

Beim Angelusgebet an diesem Sonntag (Vatican Media )

Ein auf bloße Formeln reduzierter Glaube ist ein kurzsichtiger Glaube. Daran hat Papst Franziskus am Sonntag beim Angelusgebet erinnert. Gott möchte von den Gläubigen, dass sie „eine persönliche Beziehung zu ihm aufbauen“.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Franziskus ging vom Sonntagsevangeliums (Mk 8,27-35) aus, in dem Jesus die Jünger zunächst fragte, für wen ihn die Menschen halten, und dieselbe Frage dann den Jüngern selbst stellte. Jesus sei nicht an seinem „Image“ bei den Leuten und am Gerede interessiert gewesen, stellte der Papst klar. Er habe auch nicht akzeptiert, dass die Jünger seine Frage „mit vorgefertigten Formeln beantworten und dabei berühmte Persönlichkeiten aus der Heiligen Schrift zitieren, denn ein Glaube, der auf Formeln reduziert ist, ist ein kurzsichtiger Glaube“.

Vielmehr wünsche Gott, dass seine Nachfolger „von gestern und heute mit ihm eine persönliche Beziehung aufbauen und ihn in der Mitte ihres Lebens aufnehmen“. Franziskus forderte die Anwesenden auf, jeder für sich im Stillen die Frage Jesu zu beantworten: Wer bin ich für dich?

“ …der verdient den heilsamen Vorwurf Jesu: ,Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen!´ ”

Dabei könne es durchaus passieren, dass jemand mit Protest, Rebellion und Unverständnis auf den Kreuzestod Jesu reagierte, den dieser seinen Jüngern ankündigte. Der „beschwerliche Weg des leidenden, gedemütigten, verworfenen und gekreuzigten Dieners“ entspreche nicht den weltlichen Erwartungen, sagte der Papst. Wer allerdings diese Reaktion zeige, der verdiene so wie damals Petrus „den heilsamen Vorwurf Jesu: ,Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen´.“

Franziskus warnte auch davor, den Glauben auf bloße Worte zu beschränken. Das Glaubensbekenntnis verlange vielmehr nach einer Bestätigung in der Tat, „durch konkrete Entscheidungen und Gesten, durch ein von der Liebe Gottes geprägtes Leben, durch ein großes Leben, durch ein Leben mit viel Liebe und Nächstenliebe“.

Ein Applaus für Don Pino Puglisi

Franziskus erinnerte auch kurz an seine Reise vom Samstag nach Palermo zu Ehren des von der Mafia ermordeten Priesters Pino Puglisi. „Don Puglisis Beispiel und Zeugnis erleuchten uns alle weiterhin und bestätigen uns, dass das Gute stärker ist als das Böse, die Liebe ist stärker als der Hass“, sagte der Papst. Er ließ die Pilger und Anwesenden auf dem Petersplatz einen Applaus für diesen Diener Gottes anstimmen, der am 15. September 1993 durch die Hand seiner Mörder starb und bedankte sich bei den Menschen von Sizilien für die Gastfreundschaft.

Nach dem Angelus ließ Franziskus auf dem Petersplatz 40.000 Taschen-Kruzifixe verteilen, also kleine Kreuze mit der Darstellung des Leibes Jesu bei seinem Tod am Karfreitag. „Das Kruzifix ist das Zeichen der Liebe Gottes, der in Jesus sein Leben für uns gegeben hat“, sagte Franziskus und verwies auf das Fest des Heiligen Kreuzes, das die Kirche zwei Tage davor begangen hatte. „Ich lade euch ein, dieses Geschenk anzunehmen und es in eure Häuser, in das Zimmer eurer Kinder oder Großeltern zu bringen…. Es ist kein Schmuckstück, sondern ein religiöses Zeichen für Kontemplation und Gebet. Ich danke den Schwestern, den Armen und den Flüchtlingen, die jetzt dieses kleine, aber feine Geschenk verteilen werden!“ Für die Aktion verantwortlich zeichnete das Päpstliche Almosenamt, 300 Arme und Migranten verteilten die Kruzifixe an die Anwesenden.

(Vatican News – gs)

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Papst Franziskus in Palermo

Papst Franziskus hat am Samstagmittag in der sizilianischen Hauptstadt abermals betont, dass Mafia und Kirche nichts miteinander gemein haben. Die organisierte Kriminalität bedeute das Gegenteil dessen, was die christliche Botschaft ausmache. Wer auf der Seite der Mafia stehe, der sei zur Niederlage verdammt, so der Papst in seiner Predigt bei einer Messe unter Palermos freiem Himmel.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Es war ein Freudentag für die Palermitaner: Der Kurzbesuch des Papstes war gekennzeichnet von Sonnenschein, freudigen Gesichtern und bunten Fähnchen. Doch Franziskus sorgte in seiner Predigt für einen ernsten Ton: Schließlich sei er gekommen, um einen Märtyrer des Glaubens zu ehren.

Don Pino Puglisi war ein Anti-Mafia-Priester, der sich vor allem um Jugendliche kümmerte. Er setzte sich dafür ein, dass die Jugend in seiner Pfarrei von Drogen und dem organisierten Verbrechen fernblieb. Und darüber sprach Papst Franziskus auch in seiner Predigt.

Der Mafia-Killer und Don Pinos Lächeln

Franziskus erinnerte daran, dass Don Puglisi vor genau 25 Jahren von einem Mafia-Killer getötet worden ist. Die Tat ereignete sich am Geburtstag des engagierten Geistlichen. Dieses Martyrium sei aber keine Niederlage gewesen, im Gegenteil: „Don Puglisi krönte seinen Sieg mit einem Lächeln, mit diesem Lächeln, das seinen Mörder nachts um den Schlaf brachte“, so der Papst. Und er zitierte die Worte des Killers: „Da war eine Art Licht in diesem Lächeln. Padre Pino war wehrlos, aber sein Lächen übertrug die Kraft Gottes. Das war kein blendendes Leuchten, sondern ein sanftes Licht, das das Herz erhellt.“

Die heutige Kirche brauche solche „Priester des Lächelns“, spann Franziskus den Faden fort. Dies bedeute nicht, die Dinge auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern die Freude Gottes aufzunehmen und sie weiterzugeben. „Wenn man sein Leben hingibt, findet man Freude, denn es liegt mehr Freude im Geben als im Nehmen“: Damit bezog sich der Papst auf einen Satz aus der Apostelgeschichte.

“ Wollt ihr so leben? ”

Dann sprach er die Gläubigen Palermos direkt an: „Wollt ihr so leben? Wollt ihr euer Leben hingeben, ohne darauf zu warten, dass die anderen den ersten Schritt machen? Wollt ihr Gutes tun, ohne auf eine Gegenleistung zu warten, und ohne darauf zu warten, dass die Welt besser wird? Wollt ihr für den Herrn ein Risiko eingehen?“

Don Pino – wie er von den Gläubigen seiner Pfarrei liebevoll genannt wurde – sei Risiken eingegangen. Er habe sich nicht mit Bequemlichkeiten und „halben Sachen“ begnügt. Der Papst warnte davor, sich der Zerstreuung, dem Geld oder dem Hass hinzugeben.

Wer zur Mafia gehört, lebt nicht als Christ

„Anderen Mitmenschen schenkt man das Leben, man nimmt es ihnen nicht weg. Man kann nicht an Gott glauben und seinen Bruder hassen“, so der Papst weiter. Die Liebe Gottes lehne jegliche Gewalt ab und lehre stattdessen die Liebe zu allen Menschen. „Deshalb muss man das Wort ,Hass’ aus dem christlichen Leben streichen. Deshalb kann man nicht an Gott glauben und gleichzeitig seinen Bruder überwältigen. Man kann nicht an Gott glauben und gleichzeitig ein Mafioso sein! Wer zur Mafia gehört, lebt nicht als Christ, weil er mit seinem Leben den Namen der Liebe Gottes lästert.“

Die heutige Welt brauche Menschen, die Liebe weiterreichten, und keine mafiösen ,Ehrenmänner’. „Es bedarf des Dienstes an den Nächsten und nicht der Überwältigung der Hilfslosen. Es bedarf des gemeinsamen Fortschreitens und nicht der Suche nach eigenem Ruhm und Macht.“ Der Mafia-Parole von der Macht des Stärkeren solle man die christliche Litanei des „Ich brauche deine Hilfe“ entgegenstellen.

“ Hört auf, an euch selber zu denken und an euer Geld! ”

Lieben statt drohen, so die Kurzformel des Papstes. Und wie bei früheren Gelegenheiten wandte er sich auch direkt an die Mafiosi: „Ändert euch! Hört auf, an euch selber zu denken und an euer Geld! Bekehrt euch zum wahren Gott Jesu Christi! Ansonsten geht euer eigenes Leben verloren, und das ist die schlimmste aller Niederlagen!“

Für einen christlichen Populismus – den einzig gültigen

Jeder Mensch – auch Nicht-Mafiosi – sollte sich die Frage stellen, was sie oder er für die anderen tun könne. Jeder trage eine Verantwortung – genau das wolle uns das Zeugnis von Don Pino Puglisi heute noch sagen. Man solle sich dieser Verantwortung nicht entziehen. Franziskus formulierte es ähnlich wie einst US-Präsident John F. Kennedy bei seinem Amtsantritt: Frag dich nicht, was die anderen, die Kirche, der Staat für dich tun können, sondern was du für die anderen tun kannst! Dies sei der einzig gültige „Populismus“ – ein „christlicher Populismus“ nämlich, der auf das Volk höre und ihm diene, ohne Geschrei, Anklagen und Vereinnahmungen.

Die christliche Siegermentalität bestehe im Lächeln, insistierte Franziskus. Und noch einmal ging er kurz auf das Leben von Don Pino Puglisi ein. „Das eigene Leben hinzugeben – wie es auf dem Grabmal von Don Puglisi steht – ist das Geheimnis seines Sieges. Es ist das Geheimnis eines schönen Lebens. Wählen auch wir heute ein schönes Leben!“

(vatican news)

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