Das Gebet als roter Faden im Leben

Papst würdigt König David als Glaubensvorbild

Generalaudienz am 24. Juni als Videostream aus der Bibliothek des Apostolischen Palastes

In seiner letzten Generalaudienz vor der Sommerpause würdigte Papst Franziskus den biblischen König David als Vorbild im Glauben. Der rote Faden seines Lebens sei das Gebet gewesen, die ständige Verbindung mit Gott. In seiner Katechese, die über Vatikanmedien und katholische TV-Sender aus der päpstlichen Privatbibliothek übertragen wurde, sagte der Heilige Vater:

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In unserer Katechesereihe über das Gebet begegnen wir heute König David. Von Kindheit an von Gott besonders geliebt, wird er auserwählt für eine einzigartige Sendung, die eine zentrale Rolle in der Geschichte des Volkes Gottes und unseres eigenen Glaubens einnehmen wird. In den Evangelien wird Jesus mehrmals als »Sohn Davids« bezeichnet; er wird in der Tat wie dieser in Betlehem geboren. Aus der Nachkommenschaft Davids kommt den Verheißungen zufolge der Messias: ein König ganz nach dem Herzen Gottes, dem Vater völlig gehorsam, dessen Handeln seinen Heilsplan treu verwirklicht (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 2579).

Davids Geschichte beginnt auf den Hügeln bei Betlehem, wo er die Herde seines Vaters Isai weidet. Er ist noch ein Junge, der letzte vieler Brüder. Als der Prophet Samuel sich auf Anweisung Gottes auf die Suche nach dem neuen König macht, scheint sein Vater jenen jüngsten Sohn sogar beinahe vergessen zu haben (vgl. 1 Sam 16 ,1 – 13). Er arbeitete unter freiem Himmel: Wir müssen ihn uns als Freund des Windes, der Klänge der Natur, der Sonnenstrahlen vorstellen. Er hat nur eine Gesellschaft, um seine Seele zu trösten: die Leier. Und in den langen Tagen der Einsamkeit spielt und singt er gerne seinem Gott. Er spielte auch mit der Schleuder.

David ist also vor allem ein Hirte: ein Mann, der sich um die Tiere kümmert, sie bei drohender Gefahr verteidigt, sie versorgt. Als David später dem Willen Gottes gemäß Sorge für das Volk tragen muss, tut er nichts, was sich davon sehr unterscheiden würde. Darum kommt das Bild des Hirten in der Bibel oft vor. Auch Jesus bezeichnet sich selbst als der »gute Hirt«; sein Verhalten unterscheidet sich von dem des bezahlten Knechtes. Er gibt sein Leben hin für die Schafe, er führt sie, er kennt ein jedes von ihnen beim Namen (vgl. Joh 10 ,11 – 18 ).

Aus seiner ersten Tätigkeit hat David viel gelernt. So versteht David, als der Prophet Natan ihm seine schwere Sünde vorwirft (vgl. 2 Sam 12,1-15), sofort, dass er ein schlechter Hirte gewesen ist, dass er einen anderen Mann des einzigen Schafes beraubt hat, das er liebte, dass er kein demütiger Diener mehr ist, sondern jemand, der an Machtgier erkrankt ist, ein Wilderer, der tötet und plündert.

Ein zweiter Wesenszug, der in Davids Berufung vorhanden ist, ist sein Dichterherz. Dieser kleinen Bemerkung entnehmen wir, dass David kein vulgärer Mensch war, wie es oft mit Individuen geschehen kann, die gezwungen sind, lange von der Gesellschaft isoliert zu leben. Vielmehr ist er ein einfühlsamer Mensch, der Musik und Gesang liebt. Die Leier wird ihn immer begleiten: manchmal, um ein Loblied zu Gott zu erheben (vgl. 2 Sam 6,16), andere Male, um eine Klage zum Ausdruck zu bringen oder die eigene Sünde zu bekennen (vgl. Ps 51,3). Die Welt, die vor seinen Augen liegt, ist keine stumme Szene: Sein Blick erkennt hinter dem Lauf der Dinge ein größeres Geheimnis. Genau dort entsteht das Gebet: aus der Überzeugung heraus, dass das Leben nicht etwas ist, das an uns abprallt, sondern ein wunderbares Geheimnis, das Poesie, Musik, Dankbarkeit, Lobpreis oder Klage, Gebet in uns auslöst. Wenn einem Menschen jene poetische Dimension fehlt, wenn sozusagen die Poesie fehlt, dann hinkt seine Seele.

Der Überlieferung nach ist David daher der große Urheber der Komposition der Psalmen. Sie nehmen am Anfang oft ausdrücklich Bezug auf den König von Israel und auf einige mehr oder weniger edle Ereignisse seines Lebens. David hat also einen Traum: er will ein guter Hirte sein. Manchmal ist er dieser Aufgabe gewachsen, andere Male weniger. Wichtig ist jedoch im Zusammenhang mit der Heilsgeschichte, dass er die Prophezeiung eines anderen Königs ist, von dem er nur Verkündigung und Vorausbild ist.

Schauen wir auf David, denken wir an David: Heiliger und Sünder, Verfolgter und Verfolger, Opfer und Täter, was ein Widerspruch ist. David war all dies zusammen. Und auch wir bemerken in unserem Leben oft gegensätzliche Züge: Im Laufe des Lebens machen sich alle Menschen oft der Inkonsequenz schuldig. Es gibt nur einen roten Faden in Davids Leben, der allem, was geschieht, Einheit schenkt: sein Gebet. Es ist die Stimme, die nie verlöscht. Der heilige David betet; der sündige David betet; der verfolgte David betet; der Verfolger David betet; das Opfer David betet. Auch der Täter David betet. Das ist der rote Faden seines Lebens. Ein Mann des Gebets.

Das ist die Stimme, die nie verlöscht: möge sie jubelnde oder klagende Töne annehmen. Es ist immer dasselbe Gebet, nur die Melodie verändert sich. So lehrt David uns, alles in den Dialog mit Gott eintreten zu lassen: die Freude ebenso wie die Schuld, die Liebe ebenso wie das Leiden, die Freundschaft ebenso wie eine Krankheit. Alles kann zu dem Wort werden, das an das »Du« gerichtet ist, das uns immer hört.

David, der die Einsamkeit kennengelernt hat, war in Wirklichkeit nie allein! Und im Grunde ist das die Macht des Gebets bei allen Menschen, die ihm in ihrem Leben Raum geben. Das Gebet adelt dich, und David ist edel, weil er betet. Aber er ist ein Täter, der betet, bereut, und der Adel kehrt zurück dank des Gebets. Das Gebet adelt uns: Es ist in der Lage, die Beziehung zu Gott zu gewährleisten, der der wahre Weggefährte des Menschen ist, inmitten der vielen guten und schlechten Ereignisse des Lebens: aber immer das Gebet. Danke, Herr. Ich habe Angst, Herr. Hilf mir, Herr. Vergib mir, Herr. David hatte so großes Vertrauen, dass er, als er verfolgt wurde und fliehen musste, sich von niemandem verteidigen ließ: »Wenn mein Gott mich so demütigt, dann weiß er, warum«. Denn der Adel des Gebets lässt uns in den Händen Gottes. In jenen von der Liebe verwundeten Händen: den einzigen sicheren Händen, die wir haben.

(Orig. ital. in O.R. 25.6.2020)

Pater Franziskus Jordan vor Seligsprechung


Der deutsche Ordensgründer P. Franziskus Jordan (1848-1918) steht kurz vor der Seligsprechung. Wie der Vatikan mitteilte, erkannte Papst Franziskus ein Wunder an, das der Fürsprache des Geistlichen zugeschrieben wird. Damit kann der Gründer des Salvatorianerordens, dem heute weltweit rund 2.000 Frauen und Männer in 40 Ländern angehören, demnächst seliggesprochen werden, wobei Datum und Ort dafür erst bekanntgegeben werden.

Der entsprechende Seligsprechungsprozess war bereits 1942 eingeleitet worden, zog sich aber wegen Unklarheiten immer wieder in die Länge. Zur Anerkennung als Wunder gereichte nun ein Ereignis im brasilianischen Jundiai. Ein dort lebendes junges Paar aus der Laien-Vereinigung der Salvatorianer wurde 2014 von mehreren Fachärzten darüber informiert, dass ihr noch ungeborenes Kind an Skelettdysplasie, einer unheilbaren Knochenerkrankung, leide. Nachdem die Eltern zu P. Jordan für ihr Kind beteten, kam es an dessen Todestag (8. September) gesund zur Welt.

Johann Baptist Jordan, der später den Ordensnamen Franziskus Maria vom Kreuze annahm, stammte aus Gurtweil im Schwarzwald, das zur Erzdiözese Freiburg gehört. Nach seiner Priesterweihe am 21. Juli 1878 wurde er nach Rom geschickt, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte. 1881 gründete er die Gesellschaft des Göttlichen Heilandes (Salvatorianer) mit dem Ziel, das soziale Leben vom Glauben her zu erneuern. Sieben Jahre später folgte die Gründung des weiblichen Zweigs, der Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Heiland (Salvatorianerinnen). Er organisierte auch Gruppen von Laien, um sie für die Verkündigung der Kirche auszubilden. Er starb am 8. September 1918 in Tafers in der Schweiz.

Das Aufgabengebiet der Salvatorianer ist weit und reicht von Schulen, Pfarren, Erziehung, der Leitung von Exerzitien oder dem Einsatz in Spitälern und in der Mission bis hin zur Seelsorge für Familien, Militär und Künstler. Die Zusammenarbeit mit Laien wird großgeschrieben.

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Quelle: Osservatore Romano

Kirchen im Nahen Osten: Hagia Sophia-Beschluss ist ein harter Schlag

Den einen störts, den anderen freuts: Türken vor der Hagia Sophia nach dem Regierungsbeschluss (ANSA

Die Reaktionen auf die Entscheidung der türkischen Regierung, den monumentalen Komplex der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee umzuwandeln, gehen weltweit weiter. Der Weltkirchenrat ist „traurig und bestürzt“ über den türkischen Beschluss. Auch der Rat der Kirchen im Nahen Osten (MECC) ist bestürzt.

Der Rat der Kirchen im Nahen Osten (MECC), der Mitglied des ÖRK ist, spricht von „einem Angriff auf die Freiheit und das religiöse Zusammenleben“. Über ihren Generalsekretär, den Libanesen Souraya Bechealany, fordert sie daher die UNO und die Arabische Liga auf, formell gegen die Entscheidung Berufung einzulegen und – so heißt es – auch die „historische Symbolik, die durch die Kirche der Hagia Sophia repräsentiert wird“, zu bewahren.

Laut MECC sei der „gefährlichste“ Aspekt der Entscheidung, dass sie zu einem Zeitpunkt gekommen sei, in dem Christen und Muslime den Weg des Dialogs eingeschlagen hätten. Höhepunkt dieses Bemühens um ein friedliches Zusammenleben und gegen jeden Extremismus sei das historische Abu-Dhabi-Dokument über die menschliche Geschwisterlichkeit gewesen. Papst Franziskus und der Großimam von Al Azhar, Ahmed Al-Tayeb, hatten es am 4. Februar 2019 unterzeichnet.

Ähnliche Reaktionen

Nach den eindringlichen Worten der Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios, und Moskau, Kyrill,  zu denen sich am Sonntag auch die Stimme von Papst Franziskus im Angelus gesellte, brachte auch der Generalsekretär ad interim des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Ioan Sauca, im Namen aller 350 Mitgliedskirchen „Trauer und Bestürzung“ über die Initiative zum Ausdruck.

„Mit der Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee hat man ein positives Zeichen für die Offenheit der Türkei in ein Zeichen der Ausgrenzung und Spaltung verwandelt“, sagte Sauca. Nach Ansicht des ÖRK werde die Rückbesinnung auf diesen „symbolischen Ort“ „unweigerlich Unsicherheit, Misstrauen und Verdächtigungen hervorrufen“ und alle Bemühungen vereiteln, die auch von den christlichen Kirchen unternommen werden, um den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen zu fördern. Der Weltkirchenrat befürchtet auch, dass dadurch die Ambitionen anderer Gruppen anderswo gefördert werden, „den bestehenden Status quo umzukehren und eine erneute Spaltung zwischen den Religionsgemeinschaften zu fördern“.

(vatican news – mg)

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Angelus: Es liegt an uns, fruchtbarer Boden für Gottes Wort zu sein

Diesen Sonntag hat Franziskus sich gemäß dem Tagesevangelium zum Gleichnis vom Sämann geäußert – der „,Mutter‘ aller Gleichnisse“, wie er sagte. Der Papst rief die Gläubigen auf, sich nicht ablenken zu lassen, das Wort Gottes zu hören, im Herzen aufzunehmen und im Alltag in die Tat umzusetzen.

 

Das Evangelium von diesem Sonntag (vgl. Mt 13,1-23) enthält das Gleichnis vom Sämann, dessen Saat auf vier verschiedene Arten von Böden fällt. Der Papst führte dazu aus, dass die Samenkörner dabei für das Wort Gottes stehen und es darauf ankomme, dass diese auf fruchtbaren Boden fallen:

„Wir können wie der Weg sein, der sofort die Vögel anlockt, die die Samen fressen. Damit ist die Ablenkung gemeint: eine große Gefahr unserer Zeit. Bei so viel Gerede, so vielen Ideologien, so vielen Möglichkeiten der Zerstreuung inner- und außerhalb unseres Zuhauses, kann man die Lust am Schweigen, an der Sammlung, am Dialog mit dem Herrn schnell verlieren – bis man Gefahr läuft, den Glauben zu verlieren, das Wort Gottes nicht aufzunehmen. so verlieren wir alles, weil wir von allem abgelenkt sind, durch weltliche Dinge.“

Auch nicht gut: Felsiger Boden mit wenig Erde – Dieses Bild steht laut Franziskus „für einen momentanen Enthusiasmus, der oberflächlich bleibt, das Wort Gottes nicht in sich aufnimmt. Und dann passiert es, dass sich der noch schwache Glaube schon bei der ersten Schwierigkeit, dem ersten Leid, der ersten Verwirrung, verflüchtigt – genauso wie der Same, der verdorrt, wenn er zwischen die Steine fällt.“

Das Wort Gottes gedeihe auch auf dornigem Terrain nicht gut, das sinnbildlich für weltliche Belange wie etwa Reichtum und Erfolg stehe, so Franziskus weiter. „Dort wächst das Wort Gottes ein wenig, dann wird es erstickt, es ist nicht stark, es stirbt und die Saat bringt keine Frucht.“

Guter Boden

Stattdessen gehe es darum, Gottes Wort einen guten Boden zu bereiten, also:

„Das Wort hören, es aufnehmen, im Herzen bewahren und im Alltag in die Tat umsetzen“

wie der Papst beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz sagte. Er machte auch deutlich, dass es jedem möglich sei, Gottes Wort einen fruchtbaren Boden zu bereiten:

„In unseren Herzen ist dieser Same bereits vorhanden: ob er Frucht trägt, hängt von uns ab; es hängt davon ab, wie wir dieses Samenkorn aufnehmen. Oft werden wir durch zu viele Interessen, zu viele Verlockungen abgelenkt – und es ist schwierig, in diesem Gewirr der Stimmen und Worte die Stimme des Herrn zu hören: die einzige, die frei macht.“

„In unseren Herzen ist dieser Same bereits vorhanden: ob er Frucht trägt, hängt von uns ab“

Alltagstipp vom Papst: immer eine Bibel dabei haben

Franziskus lud daher alle dazu ein, das Wort Gottes immer bei sich zu tragen und immer ein wenig darin zu lesen. „Hier nochmal mein Rat: Habt immer eine Bibel dabei, eine Taschenausgabe, für die Jackentasche oder die Handtasche. Lest jeden Tag darin, jeden Tag ein Stück – dann werdet ihr vertraut mit dem Wort Gottes und merkt, was der Same ist, den Gott uns anbietet und auf welchen Boden er fällt.“

Der Papst rief ebenso dazu auf, der Jungfrau Maria, als „vollkommenes Vorbild für einen guten und fruchtbaren Boden“ zu folgen und so nicht nur für uns selbst, sondern auch für die anderen „gute Frucht“ zu tragen.

(vatican news)

Stefanie Stahlhofen – Vatikanstadt

Vatikan: Bald eine neue Selige – heroischer Tugendgrad für vier Diener Gottes anerkannt

Kardinal Angelo Becciu, Präfekt der Selig- und Heiligsprechungskongregation (Vatican Media)

Der Vatikan hat den Weg zur Seligsprechung einer italienischen Gläubigen freigemacht sowie den heroischen Tugendgrad von vier weiteren Glaubensvorbildern anerkannt. Der Papst habe dazu am Freitag bei einer Audienz für den Präfekten der Selig- und Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Becciu, seine Zustimmung erteilt, gab der Vatikan an diesem Samstag bekannt. Es handelt sich um zwei Frauen und drei Männer, darunter ein Tiroler Jesuit

Unter den Gläubigen, deren heroischer Tugendgrad anerkannt wurde, befindet sich auch Eusebio Francisco Kino, eigentlich Eusebio Francesco Chini oder Eusebius Franz Kühn. Er war ein Tiroler Jesuit, der 1645 im Trentino geboren wurde und als Missionar in Mexiko tätig war. Dort war er auch – wie viele Jesuiten seiner Zeit – als Wissenschaftler aktiv und arbeitete als Astronom und Karthograph. Die freundliche Haltung Kinos zu den nordamerikanischen Indigenen war bei manchen seiner Ordensbrüder nicht gern gesehen. Die Indianer nannten ihn wegen seiner Kutte den „Schwarzen Bauern“.

Mariantonia Samà wurde am 2. März 1875 in Sant’Andrea Jonio in der süditalienischen Provinz Catanzaro geboren und erkrankte als junges Mädchen an einer Infektion, die sie sich beim Trinken von Sumpfwasser zuzog. Sie wurde auf die Fürsprache des Heiligen Bruno von Köln geheilt, nachdem sie nach Serra San Bruno gebracht wurde, wo der Gründer der Kartäuser starb und verehrt wurde. Zwei Jahre später wurde sie von einer weiteren neurologischen oder arthrosebedingten Krankheit befallen: Diese führte zu ihrer Lähmung, so dass sie fortan in Rückenlage und mit angehobenen Knien leben musste. Betreut von ihrer Mutter, dem Pfarrer ihres Dorfes und einigen Ordensfrauen, lud Mariantonia jeden, der sich ihr näherte, zum Vertrauen auf Gott ein. Im Jahr 1915 legte sie in privater Form ihre religiösen Gelübde ab. Nun wurde ein Wunder anerkannt, das sich auf ihre eigene Fürsprache ereignet hatte; ihrer Seligsprechung steht damit nichts mehr im Weg.

Darüber hinaus wurde der heroische Tugendgrad dreier weiterer Gläubiger anerkannt.

Mariano Giuseppe de Ibargüengoitia y Zuloaga wurde am 8. September 1815 in der spanischen Stadt Bilbao als Sohn einer adeligen christlichen Familie geboren, die sich dem Handel verschrieben hatte. Sobald er zum Priester geweiht wurde, erlitt er zusammen mit anderen Gefährten das erste Exil in Valladolid (1843), weil er die Einmischung der Regierung in einen Fall ablehnte, der nach seinem Verständnis gegen die Freiheit der Kirche verstieß. Zu allen Zeiten erwies er sich als ein Mann, der sich zwar seines Standes bewusst war, sein Leben aber komplett Gott widmete. Er gründete das Haus der Zuflucht für die „Befreiung“ von Prostituierten.

Maria Félix wurde am 25. August 1907 im Dorf Albelda (Huesca, Spanien) geboren. Ihre Eltern waren gegen ihre religiöse Berufung und so begann sie 1930 ein Hochschulstudium und erwarb ein Lizentiat in Chemie an der Universität von Saragossa. Sie wusste, dass der Herr sie für sich selbst wollte, aber sie wusste nicht, wo und wie sie ihre Berufung erfüllen konnte. Am 15. August 1934 legte sie zusammen mit ihrer ersten Gefährtin, Carmen Aige, das private Gelübde ab, ihr Leben um der Seelen willen hinzugeben und dem Dienst an der Kirche zu widmen. Der Seligsprechungsprozess der Dienerin Gottes wurde 2009 in Madrid aufgenommen.

Angiolino Bonetta wurde am 18. September 1948 in Cigole (Brescia) geboren. Er war ein lebhafter Junge, extrovertiert, mit einer ausgeprägten Neigung, Gleichaltrige in seine starke religiöse Sensibilität einzubeziehen. Im Alter von zwölf Jahren begann sein Leiden: ein Tumor an seinem rechten Knie prägte fortan sein irdisches Leben. Die Amputation seines Beines hat ihm nicht geholfen. Bereits am 22. Januar 1963 verstarb er. Im Jahr 1960 hatte er in einem Krankenhaus in Brescia das CVS (Centro Volontari della Sofferenza – Freiwilligenzentrum für Leidende) kennen gelernt. Er schloss sich dem Zentrum mit Enthusiasmus an und wurde ein wahrer Apostel, überzeugt und hartnäckig, indem er den Zweck und die Spiritualität des Zentrums denjenigen vorstellte, denen er besonders im Krankenhaus begegnete. Viele Bekehrungen sind auf ihn zurückzuführen.

(vatican news – mg)

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Hagia Sophia zur Moschee erklärt

Hagia Sophia Foto: K_Boonnitrod/Shutterstock

Von AC Wimmer

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat ein Dekret unterzeichnet, mit dem die Hagia Sophia, die ehemalige Kathedrale der Heiligen Weisheit in Istanbul, in eine Moschee umgewandelt wird.

Die Entscheidung wurde innerhalb weniger Stunden nach einem Gerichtsbeschluss am heutigen Freitag unterzeichnet. Dieser erklärte einen 80 Jahre alten Regierungserlass, der das Gebäude von einer Moschee in ein Museum umwandelte, für rechtswidrig.

Die Ayasofya-Moschee, wie sie im Türkischen genannt wird, wird nun unter die Aufsicht der religiösen Direktion der Regierung gestellt.

Der Erlass ist der Höhepunkt eines lang gehegten Ziels von Erdoğan, der seit Jahren die Rückführung des ursprünglichen Kirchengebäudes in den Status einer Moschee fordert.

Das Gerichtsurteil wurde von der internationalen Gemeinschaft ebenso wie das erklärte Ziel des türkischen Präsidenten kritisiert, die neutrale Nutzung des Gebäudes zu beenden.

Die griechische Kulturministerin Lina Mendoni verurteilte die Entscheidung in einer Erklärung und erklärte, das Gerichtsurteil „bestätigt absolut, dass es in der Türkei keine unabhängige Justiz gibt“ und dass „der Nationalismus von Präsident Erdogan… sein Land um sechs Jahrhunderte zurückversetzt“.

Ob der Begriff „Nationalismus“ zutrifft, ist unter Kritikern umstritten: Andere Beobachter bewerten das Verhalten des türkischen Machthabers in Kontinuität mit dem „Kalifen“-Anspruch des Osmanischen Reiches.

Der Ökumenische Patriarch Bartholomäus von Konstantinopel sagte, als Museum war die Hagia Sophia  ein „symbolischer Ort der Begegnung, des Dialogs, der Solidarität und des gegenseitigen Verständnisses zwischen Christentum und Islam“.

In einer Predigt am 30. Juni sagte Bartholomäus, dass die Hagia Sophia, ein UNESCO-Weltkulturerbe, „nicht nur denen gehört, die sie derzeit besitzen, sondern der ganzen Menschheit“.

Die Hagia Sophia wurde 537 unter Kaiser Justinian begründet. Eine Zeit lang war sie das größte Gebäude der Welt und die größte christliche Kirche. Sie diente als Kathedrale des Patriarchen von Konstantinopel vor und nach der Spaltung des westlichen und östlichen Christentums in die katholische und die östlich-orthodoxe Kirche durch das Große Schisma.

Nach der osmanischen Eroberung von Konstantinopel 1453 wurde die Kathedrale in eine Moschee umgewandelt. Unter den Osmanen fügten die Architekten Minarette hinzu; die Mosaiken mit christlichen Bildern wurden übermalt und abgedeckt.

1934 wurde die Moschee unter der Führung von Präsident Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der modernen Türkei nach dem Fall des Osmanischen Reiches, in ein Museum umgewandelt.

Die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum galt als Symbol für das Engagement der Regierung Atatürks für den Aufbau eines säkularen, liberalen Staates. Mosaiken wurden freigelegt, darunter Darstellungen von Christus, der Jungfrau Maria, Johannes dem Täufer, Justinian I. und der byzantinischen Kaiserin Zoë Porphyrogenita.

Die Hagia Sophia ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Türkei und ihr meistbesuchter Ort, der jährlich mehr als 3,7 Millionen Besucher anzieht.

Der Sprecher von Erdoğan, Ibrahim Kalin, sagte, dass „die Öffnung der Hagia Sophia für den Gottesdienst einheimische oder ausländische Touristen nicht davon abhält, die Stätte zu besuchen“.

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Vatican News:

Warum das Grundrecht auf Gewissensfreiheit angegriffen wird – und die Kirche es verteidigt

Ehrenmedaille für einen Soldaten, der sich auf seine Gewissensfreiheit berief: Harry Truman bei der Auszeichnung von Desmond Doss Foto: (C) Pax Press Agency, SARL, Geneva

Von CNA Deutsch/EWTN News

Mel Gibsons Film „Hacksaw Ridge“ erzählt die wahre Geschichte des US Unteroffiziers Desmond Doss im Jahre 1942. Er verweigerte aus Gewissensgründen den Waffendienst und erhielt dennoch als erster im Zweiten Weltkrieg die Ehrenmedaille von US-Präsident Harry S. Truman.

Das Recht auf „Gewissensfreiheit“ wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen 1948 im Artikel 18 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ratifiziert. Dort liest man:

„Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden.“

Um das Recht auf Gedanken-, Gewissens-, und Religionsfreiheit, und die Dienstverweigerung aus Gewissensgründen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, wurde Ende Juni diese Veranstaltung bei den Vereinten Nationen in Genf vom Heiligen Stuhl, dem Malteserorden, ADF International, ECLJ und „Famille et République“ organisiert.

Das Recht auf Dienstverweigerung aus Gewissensgründen wurde während der letzten Jahre unberechtigterweise nur noch auf den Wehrdienst beschränkt, zugunsten von radikal neuen und unzutreffenden Interpretationen der Menschenrechte.

„Es gibt Gesellschaftsgruppen die eine gnostische Philosophie fördern, die sagt: Mein Körper ist nur eine Hülle und ich muss davon frei werden. Wenn ich ein Baby will, kriege ich eines, wenn nicht, habe ich ein Recht auf Abtreibung. Bin ich ein Mädchen, finde aber, dass ich ein Mann sein sollte, habe ich ein Recht, das zu ändern, und so weiter“, sagt Christophe Foltzenlogel, Mitglied des Europäischen Zentrums für Recht und Gerechtigkeit.

Auf die Frage, ob es Gruppen innerhalb des Systems der Vereinten Nationen gibt, die einen eigene Agenda verfolgen, dieses Recht zu untergraben, es zu ändern, antwortete er:

„Es ist Realität geworden. Sie können das in UN-Dokumenten nachlesen. Die neuen Sonderregelungen für geschlechter-basierte Gewalt [‚gender-based violence‚] etwa, ist etwas Neues, das vor 30 Jahren weder behandelt, gefördert noch vorangetrieben, wurde.“

Professor Michel Veuthey, stellvertretender ständiger Beobachter des Souveränen Malteserordens bei den Vereinten Nationen in Genf: „Aber was sie jetzt vorhaben! …Denn wenn Sie beobachten, was vor sich geht, nicht nur hier bei den Vereinten Nationen, sondern draußen, stellen Sie fest, dass die Genfer Konventionen, das internationale Menschenrecht, die Genozid-Konvention und fundamentale Menschenrechte jetzt angegriffen werden. Angegriffen! Und wir brauchen Menschen, die all das verteidigen. Und wir brauchen Menschen, die diese Verteidiger verteidigen, die Verteidiger der Menschenrechte oder der internationalen Menschenrechtsgesetze. Wir müssen auch humanitäre Einsatzkräfte verteidigen, wir müssen das medizinische Personal schützen und wir müssen für die Krankenschwestern eintreten, die wirklich versuchen, menschliches Leben zu schützen.“

Professor Heiner Bielefeld, früherer UN-Sonderberichterstatter für Religions- oder Glaubensfreiheit, bezeichnete das Recht auf Wehrdienstverweigerung aufgrund religiöser Überzeugungen als wichtig, und als einen unverzichtbaren Partner der Religionsfreiheit. Später bezog er auch medizinisches Personal mit ein, das sich weigere, Abtreibungen vorzunehmen.

„Was die Gewissensentscheidungen betrifft,“ sagte Lorcán Price, Rechtsbeistand von der Menschenrechts-Organisation ADF International:

„Es ist so wichtig, diese Ärzte und Schwestern, die Zeugnis ablegen für die Wahrheit, zu schützen. Die Wahrheit ist, dass das ungeborene Kind zur Menschheitsfamilie gehört und wert ist, bereits im frühesten Stadium geschützt zu werden.“

Gewissensfreiheit ist ein verbrieftes, grundlegendes, allgemeines Recht, welches die Funktionsfähigkeit und das Fortbestehen einer offenen und freien Zivilisation untermauert – darin sollten sich eigentlich alle einig sein.

Erzbischof Ivan Jurkovic, apostolischer Nuntius und ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen und Fachbehörden in Genf sagte in seiner Rede: „Aus der Sicht der eigenen Überzeugung wäre eine Gleichmacherei, sich dem Strom anzupassen, das Schlimmste das man tun kann. Wissen Sie, wenn die eigene Persönlichkeit reift, ist man doch auch froh, anders zu sein, oder?“

Menschen, die aus Gewissensgründen verweigern, werden Opfer verschiedenster Diskriminierungen: Amtsenthebung, Verlust des Arbeitsplatzes und bei Studenten die Verweigerung von Abschlusszeugnissen. Hebammen in Schweden, die sich weigern, an der Tötung ungeborenen Lebens mitzumachen, verlieren ihre Arbeit.

Aus diesen Gründen verlangte die Diskussionsrunde eine sorgfältige Untersuchung dieses Themas im UN Menschenrechtsrat, da dies von entscheidender Wichtigkeit sei. Es darf nicht länger ignoriert und als etwas abgetan werden, das nur intolerante oder fanatische Menschen betrifft – so die Experten.

Gewissensfreiheit und Religionsfreiheit sind unterschiedliche Dinge, stehen allerdings in einer Wechselbeziehung und die eine Freiheit kann ohne die andere nicht uneingeschränkt ausgeübt werden.

Aus Sicht der Menschenrechte ist klar: Gläubigen Menschen, wie auch Menschen, die aufgrund anderer ethischer Bedenken einer moralischen Richtschnur folgen, muss Gewissensfreiheit gewährt werden, damit sie ihre Überzeugungen, Werte und ihren Glauben uneingeschränkt leben können.

Erzbischof Ivan Jurkovic: „Ich denke auch, wir sollten unsere Überzeugungen mit Freude ausleben. Das ist die solide Ansicht der Kirche oder religiöser Organisationen. Wir sollen die positive Sicht unserer menschlichen Erfahrungen, die auch religiöse, geistliche Erfahrungen sind zeigen und anderen weitergeben – Deshalb finde ich auch Veranstaltungen wie diese heute – oder auch viele, die vielleicht ganz anders als diese sind – so wichtig, um das alles in einen Zusammenhang zu bringen.“

Dieser Bericht wurde von unserem Genfer UN-Korrespondenten Christian Peschken von Pax Press Agency, Genf, verfasst. Der Bericht ist auch im Rahmen der EWTN.TV-Sendung ‚Vaticano‘ zu sehen. Mehr zu Pax Press Agency unter http://www.paxpressagency.ch

Ägypten: Schicksal der koptischen Märtyrer in Libyen wird verfilmt

Die Särge der Märtyrer vor der Überführung nach Kairo am 14. Mai 2018 (AFP or licensors

„Märtyrer des Glaubens und der Nation“ – so lautet der Titel des Films, der das Schicksal der 20 koptischen Christen erzählt, die 2015 zusammen mit einem Arbeitskollegen aus Ghana von Dschihadisten enthauptet wurden. Unterstützt wird das Projekt vom koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros und dem koptisch-orthodoxen Bischof Pavnotios von Samalut.

Wie die Diözese Samalut in einer Pressemitteilung angekündigt hat, steht der Drehbeginn kurz bevor. Der Text des Drehbuchs, für das die Schriftstellerin Mina Magdy verantwortlich zeichnet, basiert auch auf Berichten der Verwandten der Märtyrer. Regie führt der Filmemacher Youssef Nabil, der schon in der Vergangenheit Geschichten christlichen Martyriums auf Zelluloid gebannt hat.

Bevor die Szenen über das Martyrium, die Entdeckung der Leichen in einem Massengrab und deren Überführung nach Ägypten gezeigt werden, zeichnet der Film das Leben der Märtyrer nach, die der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) zum Opfer gefallen waren: Junge Menschen, die auf ein besseres Leben gehofft hatten und nach Libyen ausgewandert waren, um ihre Familien unterstützen zu können.

Hintergrund

Die 20 ägyptischen Kopten und ihr ghanaischer Arbeitskollege wurden Anfang Januar 2015 in Libyen entführt. Das Video ihrer Enthauptung wurde am 15. Februar von dschihadistischen Websites online gestellt. Nur eine Woche nach der Nachricht von dem Massaker beschloss der koptisch-orthodoxe Patriarch Tawadros II., die 21 Märtyrer, die von Mitgliedern des selbsternannten Islamischen Staates (IS) enthauptet wurden, in das Synaxarium, das Buch der Märtyrer der koptischen Kirche, aufzunehmen. Ihr Gedenktag wird am 15. Februar gefeiert.

(fides- skr)

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