Bischof Athanasius Schneider: Papst Franziskus hat „die strikte Pflicht“, den priesterlichen Zölibat bei der Amazon-Synode zu bekräftigen

Der Papst darf nicht in der geringsten Weise die Abschaffung der apostolischen Pflicht des priesterlichen Zölibats unterstützen.

 

Möchte Bischof Kräutler eine „amazonisch-katholische“ Sekte?

17 Juli 2019, 12:00

Ein kath.net-Kommentar von Weihbischof Athanasius Schneider zu den Forderungen von Bischof Erwin Kräutler und des Arbeitsdokuments der Amazonassynode

Linz (kath.net)
In seinem Interview mit dem ORF vom 14. Juli 2019 sagte Bischof Erwin Kräutler, es sei „beinahe ein Skandal“, dass in vielen Gemeinden Amazoniens die Eucharistie kaum gefeiert wird. Diese Sprechweise an sich ist schon unklar und eindeutig tendenziös. Niemand hat ein Recht auf die Eucharistie. Das Sakrament der Eucharistie ist die Gabe Gottes schlechthin. Von einem Skandal in den katholischen Gemeinden kann man sprechen, wenn dort der Glaube verleugnet und nicht gelebt wird, wenn dort Gott beleidigt wird durch die Verachtung Seiner Gebote, durch grobe Sünden gegen die Nächstenliebe, durch Götzendienst, Schamanismus und dergleichen. Von einem Skandal in einer katholischen Gemeinde kann man sprechen, wenn dort nicht genügend gebetet wird. Das wäre ein wahrer Skandal.

Man müsste eher von einem Skandal sprechen, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass man in den letzten Jahrzehnten in Amazonien offensichtlich keine intensive Berufungspastoral gemacht hat und zwar gemäß der bewährten zweitausendjährigen Erfahrung der Kirche, nämlich durch inständige Gebete, geistige Opfer, heiligmäßiges Lebensvorbild von Missionaren. Eines der wirksamstes Mittel zur Weckung von soliden Priesterberufungen auch in Amazonien sind Missionare, die ein Leben als wahre Männer des Gebets, als wahre Apostel führen, d.h. durch ein Leben der liebe- und opfervollen Ganzhingabe an Christus und an die Rettung der unsterblichen Seelen.

Das, was Bischof Erwin Kräutler und viele seiner klerikalen Gesinnungsgenossen fördern, sind eher Karikaturpriester in der Gestalt von Entwicklungshelfern, NGO-Mitarbeitern, sozialistischen Syndikalisten und Ökologiespezialisten. Darin aber besteht nicht die Sendung Jesu Christi, des Menschgewordenen Gottes, der gekommen ist, um Sein Leben am Kreuze hinzugeben, damit alle Menschen vom größten Übel erlöst werden, nämlich der Sünde, und damit alle Menschen das Göttliche und übernatürliche Leben haben, und es in Fülle haben (vgl. Joh. 10, 10).

Der Trick mit der Dramatisierung des „eucharistischen Hungers“ oder des Mangels an Eucharistiefeiern hält nicht stand, weil der Empfang der Eucharistie an sich nicht heilsnotwendig ist, jedoch aber der Glaube, das Gebet, ein Leben nach den Geboten Gottes.

Wenn Katholiken lange Zeit aufgrund von Priestermangel keine hl. Kommunion empfangen können, dann soll man sie anleiten, die geistige Kommunion zu pflegen, die eine große geistige Kraft und Wirkung hat. Die Wüstenväter z.B. haben jahrelang ohne Eucharistie gelebt und sind zu einer großen Christusverbundenheit gelangt. Meine Eltern und ich selber konnten in der Sowjetunion jahrelang keine hl. Kommunion empfangen. Wir haben aber immer die geistige Kommunion gepflegt, die uns große geistige Kraft und Trost gab. Wenn dann ein Priester kam, und wir beichten, am Messopfer teilnehmen und sakramental die hl. Kommunion empfangen konnten, dann war es ein wirkliches Fest und wir haben es ganz tief und freudig erlebt, wie kostbar die Gabe des Priestertums und der Eucharistie ist.

Man sollte in Amazonien ein gut organisiertes System aufbauen mit wandernden Priestermissionaren, die an den einzelnen Orten, wenn auch nur mehrmals im Jahr, jeweils ein wahres geistiges Fest mit guten Beichten und würdig gefeierten hl. Messen halten sollten und den Katholiken Jesus im Tabernakel zur Anbetung lassen, und diese anleiten Stunden eucharistischer Anbetung zu halten und den Rosenkranz zu beten, in der Intention um gute einheimische ehelose Priester und gute christliche Familien zu erflehen. Dann wird Gott zweifellos ihnen diese Gnade schenken. Man sollte auch einen weltweiten Aufruf machen, um Priester einzuladen, nach Amazonien zu kommen, um den Menschen dort seelsorglich beizustehen. Man kann ja auch verheiratete Diakone weihen oder in Ausnahmefällen Akolythen beauftragen oder treue katholische Frauen, die das Allerheiligste aussetzen könnten und Gebete leiten.

Einmalig bleibt in der Kirchengeschichte das Beispiel der japanischen Katholiken, die in einem Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren den katholischen Glauben ohne Priester bewahrt haben. Heute hat Japan genügend eigene einheimische Priester, natürlich ehelose. Obwohl die heidnische Kultur Japans ein eheloses Priestertum damals ablehnte, haben die japanischen Katholiken das ehelose Priestertum für so groß gehalten, dass es ein Erkennungszeichen der Katholiken wurde. Nachdem nämlich zu ihnen wieder christliche Missionare im 19. Jahrhundert kamen, unter ihnen auch verheiratete protestantische Prediger, haben sie diese aus diesem Grund abgelehnt. Als aber dann katholischen Priester kamen und die japanischen Katholiken sie gefragt haben ob sie verheiratet sind, und diese es verneint haben, wurde sie als Priester der wahren Kirche Jesu Christi von diesen Gläubigen angenommen. Die Kirche hätte im 19. Jahrhundert z.B. dieselben Argumente vorbringen können, wie es heuer die Amazonasynode tun wird, um einheimische verheiratete Priester zu weihen, weil ja auch damals viele Gemeinden in einigen Missionsgegenden nur ein paar Mal im Jahr den besuch eines Priesters haben konnten.

Die Priesterehe wurde in der Ostkirche im 7. Jahrhundert legalisiert nicht wegen Priestermangel, es gab damals gerade in Konstantinopel einen Überschuss von Priestern, sondern wegen dem Nachgeben der menschlichen Schwäche, wegen dem Abrücken von der apostolischen Regel des geschlechtlich enthaltsamen Lebens derjenigen, die im Bischofs- und Priesteramt Jesus Christus, den Ewigen Hohepriester des Neuen Bundes nachahmen und im Weihesakrament in der Person Christi des Hauptes handeln. Das war damals in der griechischen Kirche eine regionale Lösung einer Ortskirche, die die römischen Päpste aber nicht anerkannten. Es handelte sich dabei um ein Abrücken von und eine Untreue gegenüber der fordernden Nachfolge Christi, die die Apostel in der vollständigen geschlechtlichen Enthaltsamkeit nach ihrer Berufung bis zu ihrem Tod gelebt haben. Der Apostel Peter hat diese Lebensweise nämlich klar bekannt und bestätigt: “Wir haben alles verlassen: auch Frau und Kinder“ (Mt. 19, 27).

Das geschlechtlich enthaltsame Priestertum haben alle Väter der Kirche im Bischofs- und Priesteramt gelebt. Auch wenn einige verheiratet waren (wie z.B. der hl. Hilarius), so haben sie erwiesenermaßen nach dem Empfang der Bischofs- bzw. Priesterweihe geschlechtlich enthaltsam gelebt und keine Kinder mehr gezeugt, weil sie die apostolische Regel der priesterlichen und bischöflichen Enthaltsamkeit kannten und respektierten.

Die römische Kirche hat diese apostolische Norm treu weitergeben und sie stets verteidigt bis in unsere Tage, mit einer Ausnahme, die sie den Ostkirchen bei den Unionsverhandlungen mit dem Apostolischen Stuhl seit dem Unionskonzil von Lyon und Florenz gewährte durch das Zugeständnis eines verheirateten Priestertum um der Einheit willen.

Die Einführung eines verheirateten Priestertums in Amazonien würde keine wahren Apostel, sondern eher eine neue Priesterkategorie mit einer Art Dynastie hervorbringen, wobei man die Tatsache berücksichtigen sollte, dass die einheimische Kultur der amazonischen Völker noch nicht zur tragenden und bewährten Reife ganzer christlicher Generationen kam, die ganz vom Geist des Evangeliums durchdrungenen wäre.

Die germanischen Völker z.B. haben nach der anfänglichen systematischen Evangelisierung durch den hl. Bonifatius auch noch einige Jahrhunderte gebraucht, bevor sie dazu fähig waren, dass aus ihnen ein zahlreicher bewährter eheloser einheimischer Klerus hervorging.

Ohne Zweifel gab es in Amazonien im 19. und in 20. Jahrhundert heroische und heiligmäßige Missionare: Bischöfe, Priester, Ordensschwestern. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich allerdings einige Missionare in Amazonien vom wahren Geist Jesu Christi, der Apostel und der heiligen Missionare abgewandt und sich dem Geist dieser Welt zugewandt. Sie predigen nicht mehr mit voller Überzeugung den einzigen Erlöser Jesus Christus und bemühen sich nicht genügend, Sein übernatürliches Leben der Gnade an die Menschen in Amazonien zu vermitteln, um sie somit zum ewigen Leben, sie in den Himmel führen, und das unter dem Einsatz des eigenen Lebens. Es geschah oft das Gegenteil. Unter Missbrauch des Namens Jesu, unter Missbrauch des heiligen Bischofs- und Priesteramtes haben Missionare und sogar Bischöfe den Menschen in Amazonien vorwiegend ein Evangelium des irdischen Lebens, ein Evangelium des Bauches und nicht ein Evangelium des Kreuzes, ein Evangelium der Anbetung der Natur, des Waldes, des Wassers, des Sonne, ein Evangelium der Anbetung dieses so kurzen irdischen materiellen Lebens gepredigt, wobei die Menschen auch dort im Grunde nach den Quellen des göttlichen ewigen Lebens dürsten. So eine Missionierung Amazoniens bedeutet einen Verrat des wahren Evangeliums und dieser Verrat wurde in den vergangenen Jahrzehnten in weiten Teilen jener Region betrieben. Man möchte jetzt den Verrat der wahren übernatürlichen Evangelisierung im Geist der Jesu und der Apostel noch durch eine Bischofssynode auf Weltebene legitimieren.

Amazonien braucht dringend wahre heilige Missionare nach dem Geist und dem Lebensbeispiel der großen Missionare der Kirchengeschichte, wie der hl. Bonifatius, der großen lateinamerikanischen Missionsheiligen, wie z.B. des hl. Turibio de Mogrovejo, des hl. Jose Anchieta und vieler anderer mehr.

Bischof Kräutler begründet in seinem Interview die Priesterweihe von Frauen zu Feier der Eucharistie mit deren “Einfühlungsvermögen”. Hier handelt es sich offenkundig um ein anderes Verständnis von Kirche und Eucharistie, ein anderes Verständnis von Priestertum und Diakonenamt.

„Einfühlungsvermögen“ ist kein tragendes theologisches Kriterium, sondern der Wille Gottes. Die Kirche Gottes ist nicht ein Konzern, eine Partei, ein Club, eine menschliche Einrichtung, wo an erster Stelle menschliche Effizienz und Einfühlungsvermögen stehen, wenn auch solche Eigenschaften durchaus nützlich sind. Die Kriterien für das Amt der Apostel und deren Nachfolger im Bischofsamt und untergeordnet im Priesteramt und dann auch im Diakonenamt müssen dieselben sein, die Christus uns vorgab und die dir Kirche immer bewahrt hat: es sind zunächst Männer, und dann müssen sie eine sittliche und charakterliche Eignung haben. Sie müssen Männer des Glaubens sein, voll des Hl. Geistes, bereit in Ehelosigkeit zu leben, Männer, die das Gebet und die Verkündigung der Lehre Christi an die erste Stelle setzen, Männer, die bereit sind wahre Hirten zu sein, und ihr Leben hinzugeben für die Rettung der unsterblichen Seelen, der ihnen anvertrauten Menschen. Männer die wahre Väter aller Gläubigen sind, und nicht einer begrenzten persönlichen Familiendynastie. Männer, die wahre Bräutigame der Braut Christi, der Kirche sind und deshalb als solche Väter und Bräutigame ehelos sind.

Der hl. Irenäus bezeugt die Einheit des Glaubens und der Disziplin der Kirche schon im 2. Jahrhundert bei allen Völkern, auch wenn die bekehrten Katholiken damals aus so unterschiedlichen und teils gegensätzlichen Kulturen kamen: „Die Kirche bewahrt, obwohl sie über die ganze Welt zerstreut ist, sorgfältig den Glauben der Apostel, als ob sie in einem einzigen Haus wohnte; auf dieselbe Weise glaubt sie an diese Wahrheiten, als ob sie nur eine Seele und dasselbe Herz hätte; in voller Übereinstimmung verkündigt, lehrt und überliefert sie diese Wahrheiten, als ob sie nur einen Mund hätte. Es gibt verschiedene Sprachen auf der Welt, aber die Kraft der Überlieferung ist einzig und dieselbe: Die in Germanien gegründeten Kirchen glauben und überliefern nicht anders als die in Spanien oder bei den Kelten, die im Orient oder in Ägypten, die in Libyen oder in der Mitte der Welt“ (Adversus haereses 1,10,1-2).

Viele der ersten neu bekehrten katholischen Gemeinden in den germanischen Völkern in der Zeit der Völkerwanderung (4. – 6. Jahrhundert) hatten vielleicht auch nur ein paar Mal im Jahr die Möglichkeit an der hl. Messe teilzunehmen und die hl. Kommunion zu empfangen. Nach einigen Generationen aber, sind aus diesen germanischen Gemeinden Generationen von ehelosen und im allgemeinen vorbildlichen Priestern hervorgegangen.

Die Verfechter eines verheirateten amazonischen Klerus unter Verwendung des Tricks der elegant formulierten Losung „bewährten Männer“ („viri probati“) halten die amazonischen Völker im Grunde für minderwertig, indem sie ihnen von vornherein die Fähigkeit absprechen, der Kirche aus ihrer Mitte ehelos lebende Priester zu schenken. Im Laufe von zweitausend Jahren waren alle Völker und selbst Barbaren dazu fähig, mit Hilfe der Gnade Christi ihre eigenen Söhne zu einem ehelosen Priestertum nach dem Vorbild Jesu Christi zu erziehen. Die Forderungen nach verheirateten Priester für die amazonischen Völker, die ausgerechnet Kleriker europäischer Abstammung vorbringen, verbirgt in sich einen verkappten Rassismus. Zugespitzt formuliert könnte es so klingen: „Wir Europäer, d.h. wir Weiße, sind zu einem ehelosen Priestertum schon fähig. Für Euch Amazonier ist das aber eine Nummer zu groß!“.

Es geht den Verfechtern eines verheirateten amazonischen Klerus, die eigentlich fast alle europäischer und nicht indigener Abstammung sind, letztlich nicht um das wahre geistige Wohl der amazonischen Gläubigen, sondern um das Durchsetzen ihrer eigenen ideologischen Agenda, die darin besteht, einen verheirateten Klerus auch in Europa und dann in der ganzen lateinischen Kirche zu haben. Denn alle wissen es, dass es nach der Einführung eines zunächst regional begrenzten verheirateten Klerus im Amazonien, durch den Dominoeffekt innerhalb einer relativ kurzen Zeit einen regulären verheirateten Klerus des römischen Ritus auch in anderen Teilen der Welt geben wird. Dadurch wird das apostolische Erbgut eines ehelos lebenden Priestertums nach dem ausdrücklichen Lebensvorbild Jesu Christi und Seiner Apostel in der ganzen Kirche vernichtet.

Einige Katholiken, die sicherlich nicht die Mehrheit der wahren Gläubigen repräsentieren, sondern Funktionäre einer reichen kirchlichen Bürokratie sind und klerikale Machtpositionen in der Kirche errungen haben, wollen weltlich lebende Menschen mit einem verheirateten Priestertum anlocken, mit einem Priestertum ohne Opfer, ohne Selbsthingabe, ohne übernatürliche brennende Gottesliebe.

Was die Kirche tun sollte, damit die Gläubigen Priester haben, hat der Herr selber gesagt: “Bittet den Herrn der Ernte, dass Er Arbeiter in Seine Ernte sende” (Mt. 9, 38). Es gibt kein besseres und wirkungsvolleres Mittel als dies. Wenn es eines gäbe, hätte es uns der Herr gesagt.

Um verheiratete Kandidaten zur Priesterweihe zu haben, dazu braucht es keiner besonderen Gebetseinsätze. Es wird immer bis ans Ende der Zeit wenige Arbeiter im Weinberg des Herrn geben. In einer Zeit, in der es viele Priester gab, sprach der heilige Papst Gregor der Große diese bedenkenswerte Worte: “Siehe, die Welt ist voll von Priestern, aber doch findet man in der Ernte des Herrn selten Arbeiter” (In Ev. hom., 34). Gott bewirkt Sein Werk der Gnade und der Rettung der Seelen für das ewige Leben immer durch Opfer und oft durch wenige und nicht durch eine große Menge. In diesem Sinne sagte der hl. Gregor von Nazianz, dass Gott keinen Gefallen an Zahlen habe (vgl. Or. 42, 7).

Bischof Erwin Kräutler fragt dann im Interview: “Was können wir als Kirche tun, damit diese Leute Eucharistie feiern können?“ Das Gemeindeleben funktioniere wunderschön, „aber es fehlt am Zentrum.“ Die Antwort darauf ist diese: Das Zentrum ist Christus, die Wahrheit, die Er lehrte, das Beispiel, das Er gab. Der Tabernakel ist das wahre Zentrum der Kirche hier auf Erde und einer jeden Ortsgemeinde. Hat eine katholische Gemeinde in Amazonien den Tabernakel, und das haben ja fast alle, dann hat sie das Zentrum, dann fehlt ihr letztlich nichts, weil sie Gott selber in ihrer Mitte hat, Gott mit Fleisch und Blut gegenwärtig in ihrer Mitte!.

Damit die Katholiken in Amazonien eigene und nach Möglichkeit zahlreiche Priester haben, muss man sie um die Tabernakel versammeln. Dort sollen die katholischen Mütter und Kinder innige Gebete an Gott, den Spender aller Gaben, richten um gute, ehelose und apostolisch gesinnte einheimische Priester. Man soll eine Kette von eucharistischen Anbetungen in ganz Amazonien starten. Solch eine eucharistische Anbetungskette der einfachen Gläubigen mit ihren Bischöfen und mit wenn auch wenigen Priestern, wird zweifellos in der von Gott bestimmten Zeit den Völkern Amazoniens Priester nach dem Herzen Jesu schenken. Die amazonischen Völker soll man nicht für eigene dekadente, in Europa fabrizierte, Ideologien und theologische Häresien ausnutzen.

Weite Teile des Arbeitsdokuments (Instrumentum laboris) der Amazonassynode und die Forderungen jener Kleriker schmücken mit Losungen wie „bewährte Männer“, „eucharistischer Hunger“, „weibliches Einfühlungsvermögen“ das Bild Christi des Königs, gleichsam wie mit kostbaren Steinen, um so leichter Priesterehe und Frauenordination durchzusetzen. Die wahren Katholiken Amazoniens und anderer Teile der Welt werden aber darin das Bild des Fuchses erkennen und es nicht für das Bild Jesu Christi des Königs halten. Weite Teile des Instrumentum laboris und die revolutionären Forderungen Bischof Erwin Kräutlers und seiner klerikalen Gesinnungsgenossen stellen in der Tat eine Geisteshaltung dar, die sehr an die Gnosis und den Naturalismus erinnert, die schon früh in die Kirche eindringen wollte, wie es der hl. Irenäus von Lyon aus dem 2. Jahrhundert bezeugt: „Das sind nun ihre Lehrmeinungen, die weder die Propheten verkündeten, noch der Herr lehrte, noch die Apostel überlieferten, die sie besser zu verstehen sich rühmen als alle anderen, die niemals gelehrt, nirgends in der Schrift enthalten sind, und die sie doch vorlesen. Indem sie, wie man so sagt, aus Sand Seile flechten, suchen sie ihren Lehren die Parabeln des Herrn, die Aussprüche der Propheten oder die Worte der Apostel anzupassen, damit ihr Hirngespinst nicht ohne Zeugnisse bleibe. Aber die Ordnung und den Zusammenhang der Schriften übertreten sie und lösen nach Kräften die Glieder der Wahrheit auf. Sie versetzen und stellen um, verändern völlig den Sinn und täuschen viele durch ihre trügerische Zusammenstellung der Reden des Herrn. Gleichwie wenn jemand an dem von einem weisen Künstler aus bunten Steinen schön zusammengestellten Bilde eines Königs die zugrunde liegende menschliche Gestalt auflösen, die Steine versetzen und umändern, die Gestalt eines Hundes oder Fuchses machen und dazu noch schlecht ausführen wollte und behaupten, das sei jenes schöne Bild des Königs, das der weise Künstler fertigte, um so durch sein Steingebilde die Unerfahrenen in Irrtum zu führen, die keine Ahnung von der wirklichen Gestalt eines Königs haben, und ihnen einzureden, die stinkende Figur des Fuchses sei das schöne Bild des Königs — auf genau dieselbe Weise flicken auch diese Märchen zusammen, reißen dann Reden, Worte und Parabeln aus ihrem Zusammenhang und wollen diese Worte des Herrn ihren Fabeln anpassen“ (Adversus haereses 1, 8, 1).

Es ist offenkundig, dass der Inhalt weiter Teile des Instrumentum laboris, die Forderungen Bischof Erwin Kräutlers und seiner klerikalen Gesinnungsgenossen eigentlich eine neue christliche Konfession wollen, die dann vielleicht „Amazonisch-katholische Kirche“ heißen wird, die aber letztlich eine Sekte wird im Vergleich zu der wahren einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Diese ging und geht sicher durch alle Zeiten, immer dieselbe bleibend in der unbedingten Treue zur Reinheit des Glaubens und des großen unabänderlichen Erbgutes der Apostel in der Liturgie und der Disziplin der Kirche. Die Katholiken unserer Zeit werden solch einer „Amazonisch-katholischen“ Sekte, die Naturanbetung pflegen und Frauenpriestertum haben wird, die Worte zurufen, die der hl. Augustinus einst den donatistischen Sektanten sagte: „Die Kirche die auf der ganzen Welt ist in ihren Urteilen der Wahrheit sicher!“ (securus iudicat orbis terrarum: Contra epistolam Parmeniani 3, 3).

Der Nachfolger Petri, der Papst, hat eine ihm von Gott streng aufgetragene Pflicht als Inhaber der Kathedra der Wahrheit (cathedra veritatis), die Wahrheit des katholischen Glaubens, der göttlichen Verfassung der Kirche, der von Christus gestifteten Ordnung der Sakramente und des apostolischen Erbgutes priesterlicher Ehelosigkeit in ihrer Reinheit und Unversehrtheit zu bewahren und an seinen Nachfolger und die nächste Generation weiterzugeben. Er darf die offenkundig gnostisch und naturalistisch geprägten Inhalte einiger Teile des Instrumentum laboris sowie die Abschaffung der apostolischen Pflicht der priesterlichen Ehelosigkeit (die zunächst regional ist und dann naturgemäß schrittweise universal wird) durch sein Schweigen oder durch ein zweideutiges Verhalten nicht im geringsten unterstützen. Selbst wenn der Papst das in der kommen Amazonassynode tun würde, dann würde er seine Pflicht als Nachfolger Petri und Stellvertreter Christi schwer verletzen und kurzzeitig eine geistige Sonnenfinsternis in der Kirche verursachen. Aber diese kurze Eklipse wird Christus, die unbesiegbare Sonne der Wahrheit, wieder erhellen, in dem Er Seiner Kirche erneut heilige, mutige und treue Päpste schenken wird, denn die Pforten der Hölle können den Felsen Petri nicht überwältigen (vgl. Mt. 16, 18) und das Gebet Christi für Petrus und seine Nachfolger ist unfehlbar, dass sie nämlich nach ihrer Bekehrung, die Brüder im Glauben wieder stärken werden (vgl. Lk. 22, 32).

Die Wahrheit, die der hl. Irenäus formuliert hat, bleibt auch in der Zeit einer zeitweiligen geistigen Sonnenfinsternis in der Kirche – wie es die unsere Zeit durch die unbegreifliche Zulassung Gottes ist – bestehen: „Denn in der römischen Kirche ist immer die apostolische Tradition bewahrt seitens der Gläubigen, die überall sind“ (Adversus haereses 3, 3, 2).

+ Athanasius Schneider ist Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana

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Quelle

Kardinal Müller: „Gott ist nicht einfach überall“

Kurienkardinal Gerhard Müller geht in einem aktuellen Schreiben auf das Offenbarungsverständnis des „Instrumentum laboris“ für die Amazonas-Synode ein. Die „Tagespost“ veröffentlicht das Dokument im Wortlaut.

Anstatt das Christentum durch die Sakralisierung des Kosmos, der biodiversen Natur und der Ökologie zu einer Heilswissenschaft zu machen, ist auf die Mitte und den Ursprung unseres Glaubens zu schauen, meint Kardinal Müller. Foto: Andreas Arnold (dpa)

 

Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist:
Jesus Christus“
(1 Korinther 3,11)

Zur Methode des Instrumentum laboris (IL)

Allen, die bei der Vorbereitung und der Durchführung der Synode für die Kirche in Amazonien mitwirken, wird niemand den guten Willen absprechen, alles Mögliche zu tun, um den katholischen Glauben unter den Bewohnern dieses riesigen Gebietes und in seiner faszinierenden Landschaft zu fördern. Der Amazonas soll für Kirche und Welt „als pars pro toto gelten, als Paradigma, als eine Hoffnung für die ganze Welt.“ (IL 37)

Schon bei dieser Aufgabenstellung zeigt sich die im Instrumentum laboris immer wiederkehrende Idee der „integralen“ Entwicklung aller Menschen in dem einen Haus der Erde, für das die Kirche sich nun zuständig erklärt. Der Text ist in drei Teile aufgebaut: 1. Die Stimme des Amazonas; 2. Integrale Ökologie: Der Schrei der Erde und der Armen; 3. Prophetische Kirche in Amazonien: Herausforderung und Hoffnung. Die drei Teile sind nach dem Schema aufgebaut, dessen sich auch die Theologie der Befreiung bedient: Sehen der Situation – Urteilen im Licht des Evangeliums – Handeln zur Herstellung besserer Lebensbedingungen.

Ambivalenz in der Bestimmung der Begriffe und Ziele

Wie oft bei der Erstellung solcher Art von Werkstatt-Texten arbeiten immer Teams von Gleichgesinnten an den einzelnen Teilen, so dass sich ermüdende Redundanzen ergeben. Nähme man alle Wiederholungen konsequent heraus, ließe sich der Text leicht auf die Hälfte und weniger reduzieren.

Aber  nicht die quantitative Überlänge ist das Hauptproblem, sondern die Tatsache, dass die Schlüsselbegriffe nicht geklärt und inflationär gebraucht werden: Was ist synodaler Weg, was integrale Entwicklung, was soll man unter einer samaritanischen, missionarischen, synodalen offenen Kirche, der Kirche im Aufbruch (chiesa in uscita), der Kirche der Armen, des Amazonas etcetera verstehen? Ist die Kirche etwas anderes als das Volk Gottes oder nur als die Hierarchie von Papst und Bischöfen zu verstehen, oder ist sie ein Teil von ihr oder steht sie dem Volk gegenüber? Ist Volk Gottes ein soziologischer oder theologischer Begriff? Oder ist sie nicht vielmehr die Gemeinschaft der Gläubigen mit ihren Hirten auf der Pilgerschaft zum ewigen Leben? Sind es die Bischöfe, die den Schrei des Volkes hören sollen oder Gott, der wie einst dem Mose in der Sklaverei Israels in Ägypten nun den Nachfolgern der Apostel den Auftrag erteilt, die Gläubigen aus der Sünde und Gottverlorenheit des säkularistischen Naturalismus und Immanentismus zu seinem Heil in Gottes Wort und den Sakramenten der Kirche hinzuführen?

Auf den Kopf gestellte Hermeneutik

Ist die Kirche Christi von ihrem Stifter nur wie ein Rohmaterial in die Hände der Bischöfe und Päpste gegeben worden, die sie nun – unmittelbar erleuchtet vom Heiligen Geist – zu einem zeitgemäßen Instrument auch mit innerweltlichen Zielen umbauen können?

Bei der Anlage dieses Textes fällt die radikale Kehrtwende in der Hermeneutik der katholischen Theologie auf. Das Verhältnis von Heiliger Schrift und Apostolischer Tradition einerseits und des kirchlichen Lehramtes andererseits ist klassisch so bestimmt, dass die Offenbarung in Schrift und Tradition inhaltlich voll enthalten ist, während dem Lehramt – verbunden mit dem Glaubenssinn des ganzen Gottesvolkes – die authentische und unfehlbare Interpretation zukommt. Für das katholische Glaubensbekenntnis und seine theologisch-wissenschaftliche Reflexion sind also Schrift und Tradition konstitutive Erkenntnisprinzipien. Das Lehramt ist dagegen nur interpretativ und regulativ tätig. (Dei verbum 8-10; 24)

„Der ganze Gedankengang bewegt sich
selbstreferentiell und kreisförmig um
die neuesten Dokumente des
Lehramtes von Papst Franziskus“

Im vorliegenden IL ist es genau umgekehrt. Der ganze Gedankengang bewegt sich selbstreferentiell und kreisförmig um die neuesten Dokumente des Lehramtes von Papst Franziskus, versehen mit wenigen Hinweisen auf Johannes Paul II. und Benedikt XVI., während die Schrift wenig und die Kirchenväter fast gar nicht, aber dann nur illustrativ für – die schon aus anderen Gründen feststehenden – Überzeugungen herangezogen werden. Vielleicht will man damit eine besondere Papsttreue bekunden oder glaubt sich die Mühen der theologischen Arbeit sparen zu können, wenn man unentwegt sich auf seine oft wiederholten Schlagworte beruft , die die Autoren –  ziemlich salopp – „sein Mantra“ (IL 25) nennen. Auf die Spitze treibt man diese Schmeichelei nach der Feststellung: „Das aktive Subjekt der Inkulturation sind die indigenen Völker selber“ (IL122) mit der witzigen Formulierung „Wie  Papst Franziskus bestätigte doch: die Gnade setzt die Kultur voraus“, als ob er dieses – freilich grundlegende Axiom der katholischen Kirche – selbst entdeckt hätte.  Im Original ist es die Gnade, die die Natur voraussetzt wie der Glaube die Vernunft (Thomas von Aquin).

Neben dieser Verwirrung der Rollen des Magisteriums auf der einen Seite und der Heiligen Schrift und Tradition auf der anderen geht das IL sogar so weit, als dass es behauptet, es gäbe neue Quellen der Offenbarung. IL 19 behauptet: „Darüber hinaus können wir sagen, dass der Amazonas – oder ein anderes indigenes oder gemeinschaftliches Territorium – nicht nur ein ubi ist, oder ein wo (ein geografischer Ort), sondern auch ein quid oder ein was, ein bedeutungsvoller Ort für den Glauben oder das Erleben Gottes in der Geschichte. So ist ein Territorium ein theologischer Ort, wo Glaube gelebt wird, und daher auch eine spezielle Quelle für die Offenbarung Gottes: epiphanische Orte, wo sich das Reservoir des Lebens und der Weisheit zeigt, eines Lebens und einer Weisheit, die von Gott spricht.“

Wenn hier ein bestimmtes Territorium zu einer „speziellen Quelle für die Offenbarung Gottes“ erklärt wird, dann muss man festhalten, dass dies eine falsche Lehre ist, insofern als die katholische Kirche seit 2000 Jahren unfehlbar gelehrt hat, dass die Heilige Schrift und die Apostolische Tradition die einzigen Quellen der Offenbarung sind und dass keine weitere Offenbarung im Laufe der Geschichte hinzugefügt werden kann. Wie es in Dei verbum heißt: „.. es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten“ (Dei verbum 4). Schrift und Tradition sind die einzigen Quellen der einen Offenbarung. “Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift beider Testamente sind gleichsam ein Spiegel, in dem die Kirche Gott, von dem sie alles empfängt, auf dieser irdischen Pilgerschaft anschaut, bis sie hingeführt wird, ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen, wie er ist.” (Dei verbum 7) “Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlieferten Schatz des Wortes Gottes.” (Dei verbum 10)

Neben diesen auffallenden Stellungnahmen und Bezugnahmen kann man festhalten: am meisten zitieren sich das mit der Ausarbeitung des IL beauftragte und dafür 2014 gegründete Rete Ecclesiale Panamazzonica  (=REPAM) und die angehörenden Autoren der sogenannte Theologia india selbst.

„Es ist eine geschlossene Gesellschaft von absolut
Gleichgesinnten, wie sich auch leicht aus den
Namenslisten der Vorbereitungstreffen in
Washington und Rom erkennen lässt.
Gegen ernsthafte Einwände ist man immun“

Es ist eine geschlossene Gesellschaft von absolut Gleichgesinnten, wie sich auch leicht aus den Namenslisten der Vorbereitungstreffen in Washington und Rom erkennen lässt und die überproportional viele meist deutschsprachige Europäer aufweist. Gegen ernsthafte Einwände ist man immun, weil sie nur auf monolithischem Doktrinalismus und Dogmatismus oder Ritualismus (IL 38; 110; 138), dialogunfähigen Klerikalismus (IL 110), auf dem rigiden Denken der Pharisäer und Vernunftstolz der Schriftgelehrten beruhen kann, mit denen sich auseinanderzusetzen nur verlorene Zeit und vergebliche Liebesmühe wäre.

Nicht alle haben Südamerikaerfahrung und gehören nur dazu, weil sie auf Linie sind und auch bei dem gleichzeitigen synodalen Weg der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken die Themen bestimmen (Abschaffung des Zölibates, Frauen ins Priesteramt und an die Schalthebel der Macht gegen Klerikalismus und Fundamentalismus, Anpassung der geoffenbarten Sexualmoral an Genderideologie und Wertschätzung homosexueller Praxis).

„Ich urteile nicht aus rein eurozentrischer
Perspektive, wie man mir gerne vorwerfen würde“

Ich selbst war in Peru und anderen Ländern fünfzehn Jahre in Folge zwei bis drei Monate in südamerikanischen Pfarreien und Seminarien pastoral und theologisch tätig und urteile darum nicht aus rein eurozentrischer Perspektive, wie man mir gerne vorwerfen würde. Ein wichtiges Anliegen im IL wird jeder Katholik teilen, dass die Völker Amazoniens nicht zum Objekt von Kolonialismus und Neokolonialismus, von Kräften bleiben dürfen, denen es nur um Profit und Macht geht auf Kosten des Glückes und der Würde anderer Menschen. In Kirche, Gesellschaft und Staat ist klar, dass die dort wohnenden Menschen und insbesondere unsere katholischen Brüder und Schwestern, gleichberechtige und freie Subjekte ihres Lebens und Strebens, ihres Glaubens und ihrer Sittlichkeit sind – in unserer gemeinsamen Verantwortung – vor Gott. Aber wie ist dies zu erreichen?

Der Ausgangspunkt ist die Offenbarung Gottes in Jesus Christus

Ohne Zweifel ist die Verkündigung des Evangeliums ein Dialog, der dem Wort (=Logos) Gottes an uns und unserer Antwort in der freien Hingabe des Gehorsams des Glaubens entspricht (Dei verbum 5). Weil die Mission von Christus, dem Gott-Menschen ausgeht und er seine Mission vom Vater an die Apostel überträgt, hat die Alternative eines dogmatischen Ansatzes „von oben“ und eines pädagogisch-pastoralen Ansatzes „von unten“ keinen Sinn, es sei denn man würde „das gott-menschliche Prinzip der Seelsorge“ (Franz Xaver Arnold) ablehnen.

Aber der Adressat des universalen Missionsauftrags Jesu (Mt 28,19), „des universalen und einzigen Mittler des Heils zwischen Gott und allen Menschen“  (Johannes 14,6; Apostelgeschichte 4,12; 1 Timotheus 2,4f) ist der Mensch, der mit seiner Vernunft über den Sinn des Daseins zwischen Geburt und Tod nachdenkt, der von den existenziellen Krisen des Menschseins erschüttert ist und der im Leben und Sterben seine Hoffnung auf Gott setzt, dem Ursprung und Ziel allen Seins. Eine Kosmovision mit ihren Mythen und dem rituellen Zauber der Mutter „Natur“ oder den Opfern an „Götter“ und Geister, die uns in Angst und Schrecken versetzen oder mit falschen Versprechungen locken kann ebenso wenig der adäquate Ansatz für die Ankunft des dreieinigen Gottes in seinem Wort und Heiligen Geist sein, wie die naturwissenschaftlich-positivistische Weltanschauung des liberalen Bürgertums, die vom Christentum einen bequemen Rest von sittlichen Werten und zivilreligiösen Ritualen übrig lässt. Soll allen Ernstes an Stelle der Kenntnis der klassischen und modernen Philosophie, der Kirchenväter, der neueren Theologie, der Konzilien nun  in der Ausbildung der künftigen Seelsorger und Theologen die amazonische Kosmovision, die Weisheit der Vorfahren mit ihren Mythen und Ritualien treten?

Wenn der Ausdruck „Kosmovision“ nur besagen soll, dass alle geschaffenen Dinge untereinander zusammenhängen, wäre das eine Binsenwahrheit. Aufgrund der substantiellen Einheit von Leib und Seele  steht der Mensch im Schnittpunkt des Gefüges von Geist und Materie. Aber der Anblick des Komos ist nur der Anlass zur Verherrlichung Gottes und seines wunderbaren Waltens in der Natur und Geschichte. Aber nicht der Kosmos wird wie Gott verehrt, sondern nur der Schöpfer selbst. Nicht vor der gewaltigen Macht der Natur und „allen Reichen der Welt mit ihrer Pracht“ (Matthäus 4,8) fallen wir auf die Knie, sondern vor Gott allein. „Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“ (Matthäus 4,10). So wies Jesus den teuflischen Versucher in der Wüste zurück.

Der Unterschied von Inkarnation des Wortes und Inkulturation als Weg der Evangelisierung

Die „Theologia indigena und die Ökotheologie“ (IL 98) ist eine  Kopfgeburt von Sozialromantikern. Theologie ist das Verstehen (intellectus fidei) der Offenbarung Gottes in seinem Wort im Glaubens-Bekenntnis der Kirche und nicht das immer neue Gewebe von Weltempfindungen und Weltanschauungen oder religiös-moralischen Konstellationen des kosmischen All-eins-Gefühls, des Verschwimmens des Gefühls seiner selbst mit der Welt. Unsere natürliche Welt ist eine Schöpfung des personalen Gottes. Der Glaube im christlichen Sinn ist daher Erkenntnis Gottes in seinem ewigen Wort, das Fleisch geworden ist, ist Erleuchtung im Heiligen Geist, damit wir Gott in Christus erkennen. Mit dem Glauben werden uns als übernatürliche Tugenden Hoffnung und Liebe mitgeteilt. So verstehen wir uns als Kinder Gottes, die durch Christus zu Gott im Heiligen Geist Abba, Vater sagen  (Römer 8,15). Auf ihn setzen wir unser ganzes Vertrauen und er macht uns zu seinen Söhnen, die frei sind von der Angst vor den Elementarmächten der Welt und den dämonischen Gestalten, Göttern und Geistern, die uns in der Unberechenbarkeit der materiellen Kräfte der Welt heimtückisch auflauern.

Die Inkarnation ist ein einmaliges Ereignis in der Geschichte, das Gott in seinem universalen Heilswillen frei beschlossen hat. Sie ist keine Inkulturation und die Inkulturation der Kirche ist keine Inkarnation (IL 7;19; 29;108). Es war nicht Irenäus von Lyon im fünften Buch von Adversus haereses (IL 113), sondern Gregor von Nazianz, der das Prinzip formulierte: „quod non est assumptum non est sanatum – was nicht angenommen ist, das ist auch nicht erlöst“ (Ep. 101, 32). Und gemeint war die Vollständigkeit der menschlichen Natur gegen Apollinaris von Laodicea (315-390), der meinte, der Logos habe in der Fleischwerdung nur den Leib ohne die menschliche Seele angenommen.

„Sekundäre Riten aus der Überlieferung der
Völker können helfen, die Sakramente, die von
Christus gestiftete Heilsmittel sind, in der
Kultur zu verwurzeln. Sie dürfen
sich aber nicht verselbständigen“

Ganz abwegig ist darum der Satz: „Die kulturelle Diversität verlangt nach einer mehr realen Inkarnation, um die verschiedenen Weisen zu leben und die diversen Kulturen aufzunehmen.“ (IL 113). Die Inkarnation ist nicht das Prinzip der sekundären kulturellen Anpassung, sondern konkret und primär auch Prinzip der Heilsvermittlung in der „Kirche als Sakrament des Heils der Welt in Christus“ (Lumen gentium 1; 48) in dem Glaubensbekenntnis der Kirche, in ihren sieben Sakramenten und im Episkopat mit dem Papst an der Spitze in apostolischer Sukzession. Sekundäre Riten aus der Überlieferung der Völker können helfen, die Sakramente, die von Christus gestiftete Heilsmittel sind, in der Kultur zu verwurzeln. Sie dürfen sich aber nicht verselbständigen, so dass zum Beispiel die Hochzeitsbräuche auf einmal wichtiger werden als das für das Ehesakrament allein konstitutive Ja-Wort.

Sakramentale Zeichen können um keinen Preis verändert werden

Die von Christus und den Aposteln gestifteten sakramentalen Zeichen (Wort und materielles Symbol) können um keinen Preis verändert werden. Die Taufe kann nicht anders als im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes mit natürlichem Wasser gültig gespendet werden und bei der Eucharistie kann man das Brot aus Weizenkörnern und Wein vom Weinstock nicht durch ortsübliche Speisen ersetzen. Das wäre keine Inkulturation, sondern ein unzulässiger Eingriff in den historischen Stiftungswillen Jesu und auch eine Zerreißung der Einheit der Kirche in ihrer sakramentalen Mitte. Wenn die Inkulturation sich auf die sekundäre äußere Feier des Gottesdienstes bezieht und nicht auf die Sakramente, die ex opere operato durch die lebendige Gegenwart Christus, des Stifters und eigentlichen Spenders der Gnade in diesen sakramentalen Zeichen ist, dann ist der Satz skandalös oder wenigstens gedankenlos, der sagt: „Ohne diese Inkulturation kann die Liturgie sich reduzieren auf ein Ausstellungsstück im Museum oder ein Besitz weniger.“ (IL 124)

„Gott ist als Schöpfer der Welt im Ganzen
und jedem einzelnen Menschenherzen
präsent Apostelgeschichte“

Gott ist nicht einfach überall und in allen Religionen gleichförmig da, wobei die Inkarnation nur eine typisch mediterrane Erscheinung wäre. Vielmehr ist Gott als Schöpfer der Welt im Ganzen und jedem einzelnen Menschenherzen präsent Apostelgeschichte (17,27f) – auch wenn die Augen der Menschen durch die Sünde oft blind und ihre Ohren taub sind für die Liebe Gottes. Aber er kommt auf dem Weg der Selbstoffenbarung in der Geschichte seines auserwählten Volkes Israel uns selbst ganz nahe in seinem Fleisch gewordenen Wort und dem Geist, der in unsere Herzen ausgegossen ist. Diese Selbstmitteilung Gottes als Gnade und Leben jedes Menschen wird in der Welt auf dem Weg der Verkündigung der Kirche, ihres Lebens und ihres Kultes  ausgebreitet, das heißt der Weltmission nach dem universalen Auftrag Christi. Aber er wirkt auch schon mit seiner helfenden und zuvorkommenden Gnade in den Herzen der Menschen, die ihn noch nicht ausdrücklich und namentlich kennen, damit sie,  wenn sie von ihm hören in der apostolischen Verkündigung, ihn identifizieren können als Jesus, den Herrn – im Heiligen Geist (1 Korinther 12,3).

Das Kriterium der Unterscheidung: die geschichtliche Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus

Was im IL fehlt ist ein klares Bekenntnis zur Selbstmitteilung Gottes im verbum incarnatum, zur Sakramentalität der Kirche, zu den Sakramenten als objektiven Gnadenmitteln statt bloß selbstreferenzieller Symbole, zur Übernatürlichkeit der Gnade, so dass die Integrität des Menschen nicht nur in der Einheit mit der Bio-Natur, sondern in der Gottessohnschaft und der gnadenhaften Gemeinschaft mit der Trinität besteht und dass das ewige Leben der Lohn ist der Bekehrung zu Gott, der Versöhnung mit ihm und nicht nur mit der Umwelt und der Mitwelt. Man kann die integrale Entwicklung nicht nur auf die Bereitstellung der materiellen Ressourcen reduzieren. Denn der Mensch erlangt seine neue Integrität nur durch die Vollendung in der Gnade, jetzt in der Taufe, wodurch wir zu einem neuen Geschöpf und zu Kindern Gottes werden und einst in der Schau Gottes in der Gemeinschaft des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und in der Gemeinschaft Seiner Heiligen (1 Joh 1, 3; 3, 1f).

Anstelle des unklaren Ansatzes bei einer vagen Religiosität und der vergeblichen Anstrengung, das Christentum durch die Sakralisierung des Kosmos und der biodiversen Natur und die Ökologie zu einer Heilswissenschaft zu machen, ist auf die Mitte und den Ursprung unseres Glaubens zu schauen: „Gott hat in seiner Güte und Weisheit beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens kundzutun: dass alle Menschen durch Christus, das fleischgewordenen Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur.“ (Dei Verbum 2).

DT

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Ökumenische Eucharistiefeier – ein Gedanke von epochaler Dummheit

15 Juli 2019, 12:00
Eine „Ökumenische Eucharistiefeier“ fantasierte die deutsche Obernonne herbei, so könnte eine polemische Schlagzeile lauten. Doch was nützt die Polemik? Eine nüchterne Untersuchung einer blöden Idee. Ein Montagskick von Peter Winnemöller

Linz (kath.net)
Die Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), Sr. Katharina Kluitmann OSF, forderte bei der internationalen Tagung „Ottmaringer Tage“ eine ökumenische Eucharistiefeier. Unterstützt wurde sie von Pater Alois Schlachter (55), von Orden der Missionare vom Kostbaren Blut. Dieser unterstellte Papst Franziskus die Aufforderung, das Thema ökumenische Eucharistie als eigene Gewissensentscheidung anzugehen. Dies werde, so der Pater, zunehmend gelebt. Viel dreister kann man sich kaum verbal an der Allerheiligsten Sakrament des Altares verbal vergehen. Den Papst hierin zu, Zeugen anzurufen, macht es noch mal einen Zacken schärfer.

Bevor nun unmittelbar Schnappatmung einsetzt, bitte zurücklehnen und entspannt der Vernunft die Bahn ebnen. Man sollte sich unbedingt klar machen, dass die Einheit der Kirche ein so enorm hohes Gut ist, dass man gar nicht genug dafür tun kann. Jeder Einsatz dafür ist gerade gut genug. In der römischen Kurie gibt es einen Rat, der angesichts der zerspaltenen Christenheit für nichts anderes als für die Arbeit an der Einheit der Christen tätig ist. Diese Aufgabe ist kleinteilig, sie erfordert unsäglich viel Geduld und Einfühlungsvermögen.

Der Präsident dieses Rates, Kurt Kardinal Koch, gehört zu den klügsten, fleißigsten und geduldigsten Menschen, die zur Zeit auf unserer Erde leben. Der Kardinal versteht kenntnisreich über die verschiedenen christlichen Denominationen zu berichten. Man arbeitet sich verständnisvoll in Lehren, Traditionen und Vorstellungen anderer Christen ein. Es ist eine unglaubliche Kärrnerarbeit, mit jeder einzelnen dieser Gruppierungen so im Gespräch zu bleiben, dass der Faden nie abreißt, der Gesprächspartner nie überfordert wird, aber die Kirche ihre Gesprächspartner in anderen Kirchen und christlichen Gemeinschaften trotzdem niemals über die Wahrheit im unklaren lässt.

Hinsichtlich der Eucharistie glaubt die Kirche an die Realpräsenz Christi in den gewandelten Gaben von Brot und Wein, deren Substanz sich unter den Wandlungsworten des geweihten Priesters in Leib und Blut Christi wandelt. Dabei ist auch Amt in der Kirche ein Sakrament und es verlangt die volle Einheit. Diese ist die Einheit mit dem eigenen Bischof, der gemeinsam mit seinen bischöflichen Mitbrüdern in Einheit mit dem Bischof von Rom, dem Papst steht. Es ist kompliziert. Und es ist im Grunde so einfach.

Die Spaltungen unter den Christen haben vielfältige Formen und Geschichten. Immer ist es ein Abweichen von der Wahrheit in ihrer ganzen Fülle. Und diese Abweichungen verhindern, gemeinsam miteinander Eucharistie feiern zu können. Die allermeisten Ostkirchen sind uns theologisch so nahe, dass es kaum einen Grund gäbe, nicht miteinander die Eucharistie zu feiern. Der Ritus der Liturgie, im Osten die Hl. Basilius im Westen die des Hl. Gregorius, stellt kein Hindernis dar. Das wissen wir aus den unierten Ostkirchen, die in voller Einheit mit uns stehen und dennoch den ostkirchlichen Ritus feiern.

Es sind oft nur winzige Detailfragen, in denen man sich mikrometerweise annähert. Es sind kleine Gesten, die das Gespräch am Laufen halten. Und es sind kleine Einigungen, die die Gläubigen näher zueinander bringen. Und es gehört viel Gebet dazu. Für diesen Einsatz gehört sowohl Kardinal Koch als auch seinen oft genug nicht minder geduldigen Gesprächspartnern in den christlichen Kirchen und Gemeinschaften jedes Lob ausgesprochen und jedes nur eben mögliche Gebet zugesagt. Wie demütig und hoffnungsfroh ist dieses geduldige Wirken für die Einheit.

Wie dumm und dreist ist im Gegensatz dazu jene plumpe und übergriffige Forderung nach einer „ökumenischen Eucharistiefeier“, die eine deutsche Nonne in die Welt setzt? Was soll das sein? Werden die Gaben so halbgewandelt. Brot ja, Wein nein? Reicht ein ordinierter evangelischer Geistlicher oder muss es doch ein sakramental geweihter sein? Mit ihrer denkbar dummen Aussage stellte sich die Ordensfrau ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Ökumenische Eucharistie, das bedeute, ergänzt die Schwester, dass wir in Sachen Eucharistie nicht darauf warten könnten, bis diese Zeichen einer vollkommenen Einheit sei, von der sie in der Tat behauptete, dass es diese auch innerkatholisch nicht gebe. Richtig sind in diesem Satz gerade mal die Satzzeichen. Denn in der Kirche ist die Eucharistie das stärkste und wichtigste Zeichen der vollen Einheit. Einer Einheit, aus der heraus sich Sr. Katharina gerade in bester deutscher Manier in den Orbit des Protestantismus geschossen hat. Sie ist dort nicht allein.

Ganz sicher wird die Ordensfunktionärin mit dieser Haltung auch nicht allein in den deutschen Orden stehen. Man mache sich da keine Illusionen. Doch kann man auch hoffen, dass es noch genügend Ordensleute gibt, die einen solchen Populismus der Dekonstruktion der Eucharistie nicht mitmachen und vernehmbar protestieren. Es wäre zudem noch Sache der Ordens- und der Glaubenskongregation, diese von Sr. Katharina öffentlich geäußerten Thesen zu untersuchen und sie ggf. zum Widerruf aufzufordern, denn immerhin ist so ein Satz einer in Deutschland führenden Ordensfunktionärin durchaus geeignet, eine Menge Verwirrung hervorzurufen. Wie sagte kürzlich ein Kardinal der römischen Kirche, der zugleich auch ein deutscher Bischof ist? Wir erleben in der Kirche einen epochalen Wandel. Wenn Ordensfrauen über die Eucharistie einen solchen Unsinn verbreiten, das ist in der Tat ein Wandel von epochaler Bedeutung. Es beschleicht einen die üble Vermutung, dass das Ende der Fahnenstange epochalen Wandels noch lange nicht erreicht ist.

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Ein „Dokument von Abu Dhabi“ auch für die Schiiten?

4. Februar: Der Papst unterzeichnet die Erklärung von Abu Dhabi (Vatican Media)

Der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, hofft darauf, dass es beim geplanten Irak-Besuch von Papst Franziskus im Frühjahr 2020 zu einer Begegnung mit dem schiitischen Großayatollah Ali Al-Sistani in Nadschaf kommen wird.

Dabei könnte ein Dokument von ähnlichem Gewicht unterzeichnet werden wie die Erklärung über „Geschwisterlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“. Dieses sogenannte Dokument von Abu Dhabi haben der Papst und der Großimam von Al-Azhar im Februar gemeinsam veröffentlicht.

„Papst Franziskus ist ein offener Mensch, der Frieden und Brüderlichkeit sucht“, so der Kardinal-Patriarch in einem Interview. „Alle im Irak – Christen wie Muslime – schätzen ihn wegen seiner Einfachheit und Nähe. Seine Worte berühren alle, weil sie die Worte eines Hirten sind. Er ist ein Mensch, der Frieden bringen kann.“

“ Nur 20 Flugminuten bis Nadschaf ”

Das Ziel des Besuchs von Papst Franziskus sei schon bei der Ankündigung auf der Vollversammlung der katholischen Hilfswerke für die Ostkirchen im Juni deutlich geworden, betonte der Patriarch. Dem Papst gehe es darum, dass sich alle Gemeinschaften des Landes am Aufbau des Gemeinwohls beteiligen und nicht in die Spannungen zurückfallen, die auf die Konflikte der Regionalmächte zurückzuführen sind.

Entscheidend sei, den „Anderen“ nicht als Feind und Gegner, sondern als Bruder zu sehen, so Mar Louis Raphael Sako: „Wir leben alle zusammen, wir sind Nachbarn, wir brauchen keine Angst zu haben. Wir müssen die Mentalität und die Kultur ändern.“ Der Besuch von Papst Franziskus könne zu einem „starken Moment“ für die „islamischen schiitischen Brüder“ werden. Deshalb hoffe er, dass es zu einem Treffen zwischen Papst Franziskus und Großayatollah Al-Sistani kommen werde – „schließlich sind es von Bagdad nach Nadschaf nur 20 Flugminuten“ – und ein Paralleldokument zu dem von Abu Dhabi unterzeichnet wird. „Das wäre ein Zeichen, dass die ganze islamische Welt, Schiiten wie Sunniten, Schluss mit Kriegen, Tod und Zerstörung sagt“, stellte der chaldäische Patriarch fest.

„Mehr als 50 Prozent sind zurückgekehrt“

Große Hoffnungen setzt der Patriarch auch auf die Etappe des Papstbesuchs in der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil, wo während des Vormarsches der IS-Terroristen so viele Christen Zuflucht gefunden hatten. In dem Interview sagte Mar Louis Raphael Sako, dass nach seinen Informationen mehr als 50 Prozent der vertriebenen und geflüchteten Familien in ihre Heimatorte zurückgekehrt seien. Viele seien allerdings auch nach Europa, Nord- und Südamerika, Australien emigriert.

Der Patriarch plädiert für eine „Theologie der Flüchtlinge“, in der er die Hoffnung der vertriebenen Christen der Ninive-Ebene mit jener der nach Babylon ins Exil verschleppten Juden des Ersten Testaments vergleicht. In den Ortschaften der Ninive-Ebene könne man die Freude der Menschen erleben, die in ihre Heimatorte zurückkehren und das wieder aufbauen, was zerstört wurde. Die Aufgabe der Priester und Bischöfe sei es, die Arbeit und die Freude der heimgekehrten Flüchtlinge zu begleiten, ihnen Hoffnung zu vermitteln.

“ Es ist nicht alles düster ”

Eine besondere Aufgabe sieht der chaldäische Patriarch für die Christen im Irak in ihrer „Berufung zur Einheit“. Als Erzbischof von Kirkuk habe er immer wieder Begegnungen der religiösen Führungspersönlichkeiten der Sunniten, Schiiten, Kurden usw. veranstaltet, alle hätten darin übereingestimmt, dass nur die Kirche alle an einem Tisch versammeln könne. „Wir haben eine Berufung zur Einheit, die uns Kraft und Freude gibt. Es ist nicht alles düster“, sagte Sako.

(kap – sk)

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Kann man mit Recht sagen: „die Muslime, Juden und Christen haben alle den gleichen einzigen Gott“?

Drei Religionen unter einem Dach: Das „House of One“ in Berlin

In einer Hinsicht können wir sagen: wir haben ALLE den GLEICHEN Gott, weil es ja (objektiv) nur EINEN Gott gibt. Und insofern Menschen an einen EINZIGEN Gott AUFRICHTIG glauben, WOLLEN sie zu diesem alleinigen Gott beten.

Aber da sich dieser eine GOTT den Menschen in einer ganz konkreten Weise geoffenbart, zu erkennen gegeben hat, mit genauen Anweisungen, was von IHM zu glauben ist und was zu TUN ist, um IHM zu gefallen, kann derjenige sich nicht zu den WAHREN Gläubigen zählen, der DIESE göttliche Offenbarung ablehnt, bzw. DIESE nicht als GANZES annimmt. Juden, Muslime und Christen (als „Monotheisten“, um jetzt einmal nur von diesen zu reden) glauben alle an „den EINEN“ Gott. Aber sie haben nicht nur ein völlig unterschiedliches Gottes-BILD, sondern absolut gegensätzliche, widersprüchliche Glaubens-LEHREN und daraus abgeleitete Glaubens-PRAKTIKEN. Es ist doch klar, dass NUR EINE von diesen drei Religionen DIE Wahrheit besitzen, bzw. „verkörpern“ kann. Und nach unserer Überzeugung ist es die CHRISTLICHE. Das impliziert, dass die oppositionellen Lehren falsch und unwahr und damit ungöttlich, ja wider-göttlich sind. GOTT kann nicht mit Sich Selber im Widerspruch sein; Er kann sich nicht auf GEGEN-SÄTZLICHE Weise kundtun; Er kann nicht wollen, dass Er auf gegensätzliche Weise er-kannt und be-kannt wird. Sonst hätte Er Sich nicht zu offenbaren brauchen. Wenn wir also abstrahieren von allem, was der wahre Gott über Sich Selbst ausgesagt hat, dann können wir sagen, wir hätten alle den gleichen „Gott“. Aber nur dann.

Für uns CHRISTEN ist das ZENTRALE der ganzen Gottes-Offenbarung aber, dass GOTT MENSCH GEWORDEN IST IN JESUS CHRISTUS, dass Jesus Christus GOTT ist, ja dass Jesus Christus DIE GANZE GOTTHEIT IST. („Ich und der Vater sind EINS.“ „Wer Mich sieht, sieht den Vater“.) Für die Anhänger der islamischen Religion ist dieser Glaube eine Gotteslästerung. Folglich können, dürfen wir nicht sagen und glauben, wir hätten den selben Gott, wenn wir von unserem Verhältnis zu Gott, von unserem Verständnis von Gott als Gläubige sprechen.

Das richtige, wahre Judentum oder der jüdische Glaube VOR Christus war der von Gott durch die Altväter und Propheten geoffenbarte und angeordnete Glaube (auf Christus, den Gott-Menschen, hin), aber natürlich nicht in allem, wie er (zeitweise und von Einzelnen oder Vielen) praktiziert wurde. Das Volk Gottes wich ja immer wieder vom rechten Weg ab und wurde dem Bunde mit Gott gegenüber untreu. So musste Gott immer wieder eingreifen. Er tat dies u.a. durch die Propheten. Aber NACH Christus war der jüdische Glaube, der ja CHRISTUS, den MESSIAS, verwarf, ANTI-christlich. Die Synagoge wurde zur „Synagoge Satans“. Selbstverständlich gab und gibt es im Judentum nach Christus wie auch im Islam gute, gerechte Menschen, die aufrichtig nach Gott streben. Aber die beiden Religions-SYSTEME sind Systeme die WIDER Christus und Sein Reich, das GOTTES-Reich streiten.

Polygamie muss man kritisieren und als unmoralisch und wider Gottes Gebot ablehnen ALS CHRIST, auch wenn sie im Alten Bund unter gegebenen Umständen praktiziert wurde. Ein Christ richtet sich nach der Lehre Christi, des GOTT-Menschen und derjenigen, die Er mit der Leitung Seiner Kirche beauftragt hat. Eines Christen Vorbilder sind nicht die alt-testamentlichen Menschen, sondern die HEILIGEN. Der Islam kann sich nicht vergleichen mit dem Alten Bund, weil er ja zu einer Zeit auftritt, da der Neue Bund (längst) Gültigkeit hat.

Es mag auch noch so viele echte oder unechte, dauerhafte oder nur vorübergehende Konversionen zum Islam geben, das ist KEIN Beweis seiner Göttlichkeit, wie die Muslime meinen und behaupten! Ein großer Glaubens-Abfall ist ja auch in der Heiligen Schrift für das Ende der Zeiten vorausgesagt. Und vom Christentum zum Islam konvertieren, ist eben nichts anderes als ein Glaubens-ABFALL, vom einzig wahren Glauben zu einem TEUFLISCHEN Machwerk GEGEN GOTT DEN ALLMÄCHTIGEN, der JESUS CHRISTUS als unseren EINZIGEN ERLÖSER und ALLHERRSCHER (Pantokrator) in die Welt gesandt hat, und der seither ZUR RECHTEN DES EWIGEN VATERS THRONT und gleichzeitig bei den Seinen ist auf Erden, vor allem im hochheiligsten Sakrament (des Altars) und mit Seinen Gläubigen das REICH DER HEILIGEN, das REICH GOTTES auferbaut, lenkt und leitet und beschützt.

Selbstverständlich, oder besser gesagt: traurigerweise gibt es jede Art von Vergehen auch im Christenvolk. Aber Christ ist nicht gleich Christ, das sollte man nicht vergessen. Unter den sich Christen nennenden Menschen gibt es größte Glaubens-, bzw. Bekenntnis- und Praxis-Unterschiede. WIR sind KATHOLISCHE Christen. Und zugegeben, auch unter denjenigen, die sich zu den „katholischen Christen“ zählen, gibt es viele, sehr viele (immer schon und auch und besonders heutzutage), die Sündhaftes, Verwerfliches tun. Aber: in einem Disput zwischen Christen und Moslems kann es nicht um Gegenüberstellung und Aufrechnung dessen gehen, was die ANHÄNGER unserer jeweiligen Religion TUN oder SIND, sondern um eine Gegenüberstellung, um einen Vergleich dessen, was wir als des EINEN, WAHREN GOTTES WILLEN, als Seine KUNDGABEN, als Seine GEBOTE, als Seine OFFENBARUNG betrachten und dementsprechend und demzufolge tun und sein MÜSSTEN. Und innerhalb dieses Kernbereichs geht es vor allem um einen Vergleich der beiden „Religionsstifter“: JESUS CHRISTUS und MUHAMMAD. Und wenn die Mohammedaner von christlicher Seite Angriffe auf das Integritätsbild ihres „Gesandten Gottes“ und sein „Herabgesandtes“, auf seinen Koran abwehren, dann sollten sie sich nicht damit begnügen, unsere fundierten Vorwürfe mutwillig mit altbekannten, stereotypen islamischen Abstreitungen und Leugnungen aus ihrem Gesichtsfeld zu schaffen und sich einzuigeln und nur noch ihre Stacheln nach allen Seiten auszustrecken, und wenn sie könnten, als tötliche Pfeile abzuschießen! Wir nehmen es den Durchschnitts-Adepten des Islams im übrigen gerne ab, dass sie persönlich nicht mit allem einverstanden sind, was im Namen des Islams rund um den Globus geschieht, also auch nicht mit Selbstmordattentaten oder anderen Unmenschlichkeiten. Und man beachte unbedingt: wir greifen ja nicht sie als Personen, nicht die Menschen an, die sich als Muslime bezeichnen, sondern wir wollen klar und verständlich aufzeigen, was ANTI-CHRISTLICH und damit ANTI-GÖTTLICH ist am Islam. Nun streiten wir aber unter einer (vor allem für die katholische Christen gestellten) thematischen Frage: „Kann man mit Recht sagen: „die Muslime beten den alleinigen, in sich seienden … Gott an“? Und es zeigt sich, übrigens nicht zuletzt auch aus ihren Reaktionen und Antworten, klar, dass wir ein völlig unterschiedliches, gegensätzliches, sich widerstreitendes Gottes-Bild und -Verständnis haben, dass unser Gott nicht ihr Allah ist, dass unsere Religionen unversöhnlich sind und deshalb unser Dialog gar keiner ist und sein kann.

Die echten, die überzeugten Christen, ja, die wollen mit einem Dialog mit Andersgläubigen letztlich MISSIONIEREN, also die (noch) Andersgläubigen für CHRISTUS und Sein Heil, DAS EWIGE HEIL gewinnen. Das tun sie aber nicht mit böser, verwerflicher Absicht, nicht mit Eigennutz, es sei denn des seelischen, vielmehr unter meist vielen Opfer, in rühmenswerter Großherzigkeit und Tapferkeit und Selbstverleugnung. Was haben die christlichen Missionare nicht schon in aller Welt an Großartigem geschaffen, sowohl auf sozialem, karitativem wie auch erzieherischem, schulischem, kulturellem Gebiet. Da kann der Islam in keiner Weise mithalten, abgesehen davon dass selbst das Gute, Beste, das er im übrigen bewirken, aufbauen würde, durch seine falsche Lebens- und Jenseitsanschauung, durch sein Widerstreben gegen den wahren Gott und Sein Wirken, wieder zerstören würde. „Wer nicht nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ „Ohne Mich könnt ihr NICHTS tun.“

Paul Otto Schenker

„Wie hältst Du’s mit dem Islam?“

11 Juli 2019, 09:00

Deutsche Bischofskonferenz muss sich bei ihrer „Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen“ Vorwurf der Schönfärberei und Geschichtsklitterung gefallen lassen. Gastkommentar von Michael Hesemann

Bonn (kath.net) „Dem Populismus widerstehen“ lautet der Titel der „Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen“, die am 25. Juni vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz herausgegeben wurde. Auf 74 Seiten werden „Strategien und Inhalte rechtspopulistischer Bewegungen“ ebenso analysiert wie ihre Leitthemen „Flucht und Asyl“, „Islam und Islamfeindlichkeit“, „Familienbilder, Frauenbilder, Geschlechterverhältnisse“ sowie „Identität und Heimat“. Zahlreiche Praxisbeispiele sollen das Engagement der Kirche für eine offene Gesellschaft, Flüchtlingshilfe und Geschlechtergerechtigkeit illustrieren. Verarbeitet werden die Ergebnisse einer 20köpfigen Expertenkommission unter Leitung von Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin. Sie zeichnen mit größtmöglicher political correctness ein geradezu manichäisches Bild von den weltoffenen Gutmenschen (einen Begriff, den zu rehabilitieren sie ausgezogen sind) auf der einen und den bösen, gefährlichen, hinterwäldlerischen Rechtspopulisten auf der anderen Seite. Für Differenzierung bleibt da wenig Raum. Wer täglich nur die rosarote Brille aufsetzt, der sieht auch keine Schattierungen mehr, der fragt nicht nach Ursachen, wenn er dem Gegner pauschal „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (S. 17) vorwirft. Kein Wunder, dass auch der von „rechtspopulistischen Akteuren“ gerne beschworene „gesunde Menschenverstand“ nicht nur angeschwärzt, sondern auch gleich mit entsorgt wird. Wer sich angesichts der „schönen, neuen Welt“ des Globalismus noch Sorgen macht, den können einzig niedere Instinkte dazu treiben, an erster Stelle Verlustängste des Wohlstands-Bürgertums. Historische Parallelen zu den Nazis werden gerne gezogen, auch wenn man eingestehen muss, dass gerade Antisemitismus im modernen Rechtspopulismus „vergleichsweise selten vorkommt“, ja eher bei seinem Feindbild, dem Islam, anzutreffen ist. Und genau hier zeigt sich die ganze Problematik in der Einordnung. Alles, was den Nationalsozialismus ausmachte, fehlt bei jenen, die man so gerne in die rechte Ecke stellen möchte: Der geradezu apokalyptische Glaube an einen „Rassenkampf“ um die Welt, das Bekenntnis zu einem national-sozialistischen „Führerstaat“, der exterminatorische Antisemitismus und der sozialdarwinistische Vernichtungswille gegen alles, was als „minderwertig“ angesehen wurde. Erklärten die Nazis der christlich-jüdischen Mitleidsethik den Krieg, berufen sich moderne „Rechtspopulisten“ auf gerade dieses Erbe, bewunderten Hitler und Himmler den „Heroismus“ des Islam, erschaudern Sarrazin und Gauland vor seiner Gewaltbereitschaft.

Ganze 46 Seiten braucht das Dokument, um sich der Gretchenfrage des „Rechtspopulismus“ zu widmen, der Frage: „Wie hältst Du’s mit dem Islam?“ Faszinierte das Dokument bislang durch seine kompromisslose Blauäugigkeit, verliert es spätestens an dieser Stelle seine Selbstachtung und scheut vor keiner noch so dreisten Schönfärberei zurück. „Aktuell leben schätzungsweise 4,5 Millionen Muslime in Deutschland“, behauptet es und beruft sich dabei auf Zahlen aus dem Jahre 2015, vor dem Zustrom von rund 2 Millionen Flüchtlingen mehrheitlich muslimischen Glaubens. „Islamfeindlichkeit“ wird als „Ressentiment gegen eine gesellschaftliche Minderheit, die mit ethischen, politischen und religiösen Aussagen diskriminiert wird“ definiert. Kein Wort davon, dass die bewusste Bildung von Parallelgesellschaften, verweigerte Integration, Gewaltbereitschaft, Gewalttätigkeit und religiöser Chauvinismus vieler Muslime, die Christen als „Ungläubige“ verachten, auch etwas damit zu tun haben könnten. Angeblich alltägliche „handfeste Gewalt“, „Anschläge auf Moscheengemeinden“, „Angriffe auf kopftuchtragende Mädchen und Frauen“, „Drohungen im Netz“ und „antimuslimische Schmierereien an Hauswänden“ werden nur dem islamkritischen Lager zugeschrieben, gewalttätige Übergriffe auf Juden, Gewalt und Kriminalität von Muslimen oder gar islamistischer Terror dagegen banalisiert. Dass man sogar zur Geschichtsklitterung bereit ist, zeigt sich in der Abhandlung über „Wurzeln und Ursachen von Islamfeindlichkeit“. Das „heutige Feindbild Islam“, so heißt es dort (S. 48), sei das Ergebnis eines großen Missverständnisses, ja der „Unkenntnis“ und christlicher Vorurteile. Die steile These: „Seit dem Aufkommen des Islam im 7. Jahrhundert haben christliche Autoren die konkurrierende neue Religion kritisch betrachtet: sie galt gewissermaßen als Störfaktor der christlichen Heilsgeschichte“. Nur darum sei es zu „einer feindseligen Sicht auf den Koran und den islamischen Propheten Muhammad“ gekommen. Spätestens an dieser Stelle aber muss der Historiker protestieren, ja laut aufschreien, denn das ist schlichtweg Unfug.

Eine theologische Auseinandersetzung mit dem Koran erfolgte erst im frühen 8. Jahrhundert durch den Kirchenlehrer Johannes Damascenus, der im arabisch besetzten Damaskus aufwuchs, also die Sprache Mohammeds perfekt beherrschte. Er stand sogar im Staatsdienst des Kalifen, bevor dieser sich zunehmend christenfeindlich verhielt. Von ihm stammt die Behauptung, die Araber seien Ismaeliten, also Abkömmlinge des Erstgeborenen Abrahams und würden daher auch „Sarazenen“, „Entflohene Saras“ (Sarais kenoi) genannt. In seinem Buch über die Häresien sah er den Islam weder als eigene, konkurrierende Religion noch als „Störfaktor der Heilsgeschichte“, sondern lediglich als Irrlehre, derer es viele gab.

Tatsächlich war die Wahrnehmung damals eine ganz andere, als die „Arbeitshilfe“ es unterstellt. Muhammad hatte nur in zwei Städten missioniert: Zunächst in Mekka, wo man ihn ablehnte, dann in Medina, wo man ihn anerkannte. Als er endlich Krieger hatte, die ihm bedingungslos folgten, änderte er seine Strategie; auch die in Medina „offenbarten“ Suren nahmen plötzlich einen anderen, virulenteren Ton an. Muhammad zog mit seinem Heer gen Mekka und stellte die Stadt vor die Wahl: Islam (wörtlich: „Unterwerfung“) oder Krieg. Erst jetzt erkannte ihn seine Heimatstadt notgedrungen als Prophet an. Die jüdischen Stämme dagegen, die nicht seinen Glauben annehmen wollten, wurden gnadenlos massakriert oder vertrieben. Kaum hatte er seine Herrschaft im Hedschas etabliert, schrieb Muhammad 628 an den byzantinischen Kaiser, die Könige der Perser und Jemeniten, den christlichen Araberkönig von Ghassan, den Negus von Äthiopien und den Statthalter von Ägypten: „Ich lade dich zur Religion des Islam ein: Werde Muslim, dann bist du sicher, und ALLAH gibt dir doppelten Lohn; wenn du dich aber abwendest, so lastet auf dir die Sünde deiner Untergebenen.“ Die Antworten waren, mit Ausnahme der Jemeniten, negativ. Also rief der „Prophet“ 630 den „Heiligen Krieg“ aus, wie in Sure 9 des Koran festgehalten ist: „Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören – von denen, die die Schrift erhalten haben – (kämpft gegen sie), bis sie kleinlaut aus der Hand Tribut entrichten!“ Doch der erste Feldzug gegen die Byzantiner und ihre ghassanidischen Verbündeten scheiterte. Erst den Erben des „Propheten“ sollte es gelingen, innerhalb eines Jahrhunderts ganz Nordafrika und Vorderasien zu unterwerfen und bis nach Poitiers im Herzen des Frankenreiches vorzudringen.

Dieser islamische Blitzkrieg und nicht die theologische Diskussion um den Koran war es, der das Bild des Islam in der christlichen Welt prägte. So kannten die frühesten christlichen Quellen, etwa Thomas der Presbyter (um 640) oder der Verfasser der Chronika Minora, Muhammad nur als Heerführer, während Johannes bar Penkaye (686/7) ihn als Gesetzgeber beschrieb. Als sich endlich Johannes Damascenus (nach 700) der Lehre des Islam annahm, hatte schon der weitaus größte Teil der christlichen Welt Bekanntschaft mit dem Schwert des Propheten gemacht.

Das war ein Jahrtausend vor den Türkenkriegen, auch wenn die „Experten“ der „Arbeitshilfe“ uns weismachen wollen: „Insbesondere während der ‚Türkenkriege‘ wurden die ‚Sarazenen‘ als feindliche Bedrohung der europäischen Mächte wahrgenommen.“ Eben nicht. Die Sarazenen fielen ab dem 7. Jahrhundert über die christlichen Mittelmeerländer her, die Türken folgten ihnen zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert. Irgendwie haben es beide versäumt, den Europäern das freundliche Gesicht des Islam überzeugend zu vermitteln. Die „ethnische Reinigung“ des Osmanischen Reiches durch den Mord an 2,5 Millionen Christen im frühen 20. Jahrhundert und die Diskriminierung der christlichen Minderheiten in fast allen Ländern der muslimischen Welt sind auch nicht unschuldig am schlechten Image dieser Religion.

Mit Geschichtsfälschung und Schönfärberei ist niemandem gedient, werden echte Probleme nur kurzfristig unter den Teppich gekehrt. Dass ausgerechnet die DBK, die sonst doch jedem Dialogprozess offen gegenübersteht, hier kritische Stimmen marginalisiert, mag bedenklich stimmen. Anders als der Nationalsozialismus ist der moderne „Rechtspopulismus“ weder kirchenfeindlich noch antisemitisch, im Gegenteil: er beruft sich auf die christliche Identität des Abendlandes und ist besorgt um ihren Erhalt. Dass dieser Standpunkt die Sympathie vieler Gläubiger gewinnt, liegt auf der Hand. Soll die Kirche sich tatsächlich als Inquisitorin des politischen Globalismus definieren oder gilt es auch hier, die eigene Stellung zu hinterfragen? Was, wenn der Geschmähte eine Gefahr sieht, für die man, warum auch immer, bislang blind war? Diese Bereitschaft zum Zuhören und aufeinander Zugehen ist die Grundvoraussetzung für einen Dialog. Die Kirche könnte dadurch viele Gläubige zurückgewinnen, die sich, von übergroßer Angepasstheit entfremdet, von ihr abzuwenden drohen. Doch dazu ist, an erster Stelle, Wahrhaftigkeit verlangt.

Michael Hesemann ist Historiker und Autor. In seinem Buch „Hitlers Religion“ (Paulinus-Verlag) setzt er sich dezidiert mit dem Nationalsozialismus, in „Jesus in Ägypten“ und „Völkermord an den Armeniern“ (beide Herbig-Verlag) mit dem Schicksal von Christen unter islamischer Herrschaft auseinander.

kath.net-Buchtipp
Hitlers Religion
Die fatale Heilslehre des Nationalsozialismus
Von Michael Hesemann
Taschenbuch, 464 Seiten; m. Abb.
2012 Paulinus Verlag Gmbh
ISBN 978-3-7902-5766-3
Preis Österreich 22.70 EUR

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