Das Gebet ist die stärkste Kraft der Kirche

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Audienz für Pater Pio-Gebetsgruppen auf dem Petersplatz

Rom/Vatikanstadt. Unter großer öffentlicher Anteilnahme ist die Ganzkörperreliquie des italienischen Volksheiligen Pater Pio für einige Tage nach Rom gebracht worden. Der weitgehend erhaltene Leichnam wurde zuerst in der Kirche San Lorenzo fuori le mura und dann bis zum 11. Februar im Petersdom der Verehrung durch die Gläubigen dargeboten. Anlass ist das vom Papst ausgerufene »Jahr der Barmherzigkeit«, in dem er Katholiken besonders auf die Möglichkeit der Vergebung hinweisen will. Pater Pio besaß einen Ruf als herausragender Beichtvater und Seelenführer. Er zählt zu den populärsten Heiligen Italiens.

Gemeinsam mit dem Leichnam Pater Pios wurde auch der heilige Leopold Mandic´ (1866-1942) nach Rom gebracht, auch er Kapuziner und bekannter Beichtseelsorger.

Am 5. Februar hat Papst Franziskus die Pater Pio-Gebetsgruppen sowie Pilger der »Casa Sollievo della Sofferenza« und der Erzdiözese Manfredonia-Vieste-San Giovanni Rotondo auf dem Petersplatz in Audienz empfangen. In seiner Ansprache sagte der Heilige Vater:

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Herzlich heiße ich euch willkommen – ich sehe, dass ihr sehr zahlreich seid! – und danke Erzbischof Castoro für seine an mich gerichteten Worte. Mein Gruß gilt euch allen, die ihr aus verschiedenen Ländern und Regionen gekommen seid, vereint durch eine große Zuneigung und Dankbarkeit gegenüber dem heiligen Pater Pio aus Pietrelcina. Ihr seid ihm sehr dankbar, weil er euch geholfen hat, den Schatz des Lebens – das heißt die Liebe Gottes – zu entdecken und die Schönheit der Vergebung und der Barmherzigkeit des Herrn zu erfahren. Und das ist eine Wissenschaft, die wir jeden Tag lernen müssen, weil sie schön ist: die Schönheit der Vergebung und der Barmherzigkeit des Herrn.

Wir können zu Recht sagen, dass Pater Pio ein Diener der Barmherzigkeit war. Er war es in Vollzeit, da er teilweise bis zur Erschöpfung »das Apostolat des Zuhörens« praktizierte. Durch den Dienst der Beichte ist er zu einer lebendigen Liebkosung des Vaters geworden, der die Wunden der Sünde heilt und das Herz durch den Frieden erquickt. Der heilige Pater Pio wurde nie müde, die Menschen zu empfangen und sie anzuhören, Zeit und Kraft zu opfern, um den Wohlgeruch der Vergebung des Herrn zu verbreiten. Er konnte dies tun, weil er stets mit der Quelle verbunden war: er stillte seinen Durst unaufhörlich beim gekreuzigten Christus und wurde so ein Kanal der Barmherzigkeit. Er trug viele Menschen und viele Leiden in seinem Herzen und vereinte alles mit der Liebe Christi, der sich »bis zur Vollendung« (Joh 13,1) hingegeben hat. Er hat das große Geheimnis des aus Liebe aufgeopferten Schmerzes gelebt. So wurde sein kleiner Tropfen zu einem Strom der Barmherzigkeit, der viele ver­ödete Herzen getränkt und Oasen des Lebens in vielen Teilen der Welt geschaffen hat.

Ich denke an die Gebetsgruppen, die Pater Pio als »Saatbeete des Glaubens, Herdfeuer der Liebe« bezeichnet hat; nicht nur Begegnungszentren, um sich unter Freunden wohlzufühlen und etwas Trost zu finden, sondern Herdfeuer der göttlichen Liebe. Das sind die Gebetsgruppen! Denn das Gebet ist eine wahre Mission, die der ganzen Menschheit das Feuer der Liebe bringt. Pater Pio sagte, dass das Gebet »eine Kraft« ist, »die die Welt bewegt«. Das Gebet ist eine Kraft, die die Welt bewegt! Aber glauben wir daran? Es ist so. Probiert es aus! Das Gebet, so fügte er hinzu, »breitet das Lächeln und den Segen Gottes über jede Niedergeschlagenheit und Schwäche aus« (Zweiter Internationaler Kongress der Gebetsgruppen, 5. Mai 1966).

Das Gebet ist also nicht bloß eine gute Übung, um ein wenig Frieden im Herzen zu haben, und genauso wenig ist es ein frommes Mittel, um das, was wir brauchen, von Gott zu erlangen. Wenn dem so wäre, dann wäre es von einem subtilen Egoismus angeregt: Ich bete, damit es mir gut geht, so als würde ich ein Aspirin nehmen. Nein, so ist es nicht. Ich bete, um diese Sache zu erhalten. Aber das bedeutet, ein Geschäft zu machen. So ist es nicht. Das Gebet ist etwas anderes, es ist etwas anderes. Das Gebet ist ein Werk der geistlichen Barmherzigkeit, das alles zum Herzen Gottes bringen will. »Nimm du es, der du Vater bist!« Das wäre es, um es einfach auszudrücken. Beten bedeutet zu sagen: »Nimm du es, der du Vater bist! Blick du auf uns, der du Vater bist!« Es ist diese Beziehung zum Vater. So ist das Gebet. Es ist ein Geschenk des Glaubens und der Liebe, eine Fürbitte, die man genauso braucht wie das Brot. Mit einem Wort, es bedeutet: anvertrauen, das heißt dem Vater die Kirche anvertrauen, die Menschen anvertrauen, die Situationen anvertrauen – »Ich vertraue dir dies an« –, damit er dafür Sorge trägt. Daher ist das Gebet, wie Pater Pio gerne zu sagen pflegte, »die beste Waffe, die wir haben, ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet«. Ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet: es ist ein einfacher Schlüssel. Das Herz Gottes ist nicht mit vielen Sicherheitsvorkehrungen »gepanzert«. Du kannst es mit einem gewöhnlichen Schlüssel öffnen, mit dem Gebet. Denn er hat ein liebevolles Herz, das Herz eines Vaters. Das Gebet ist die stärkste Kraft der Kirche, die wir nie aufgeben dürfen, denn die Kirche wird Frucht bringen, wenn sie so handelt wie Maria und die Apostel, die »einmütig im Gebet verharrten« (vgl. Apg 1,14), als sie den Heiligen Geist erwarteten. Ausdauernd und einmütig im Gebet. Andernfalls besteht die Gefahr, sich auf etwas anderes zu stützen: auf die Mittel, auf das Geld, auf die Macht; dann verschwindet die Evangelisierung, die Freude verlöscht und das Herz wird gelangweilt. Wollt ihr ein gelangweiltes Herz haben? [Nein!, antworten die Gläubigen auf dem Platz.] Wollt ihr ein frohes Herz haben? [Ja!] Betet! Das ist das Rezept.

Ich danke euch für euren Einsatz und ermutige euch, damit die Gebetsgruppen »Zentralen der Barmherzigkeit« sein mögen: stets offene und aktive Zentralen, die mit der demütigen Macht des Gebets der Welt das Licht Gottes und der Kirche die Energie der Liebe zukommen lassen. Pater Pio, der sich bloß »ein einfacher Ordensbruder, der betet« nannte, hat geschrieben, dass das Gebet »das höchste Apostolat ist, das eine Seele in der Kirche Gottes ausüben kann« (Briefe II,70). Sei stets frohe Apostel des Gebets! Das Gebet wirkt Wunder. Das Apostolat des Gebets wirkt Wunder.

Neben dem Werk der geistlichen Barmherzigkeit, den Gebetsgruppen, wünschte Pater Pio ein außerordentliches Werk der leiblichen Barmherzigkeit: die »Casa Sollievo della Sofferenza« [Haus zur Linderung des Leidens], das vor 60 Jahren eröffnet wurde. Er wünschte, dass es nicht nur ein hervorragendes Krankenhaus sein sollte, sondern ein »Tempel der Wissenschaft und des Gebets«. Denn »Menschen brauchen immer mehr als eine bloß technisch richtige Behandlung. Sie brauchen Menschlichkeit. Sie brauchen die Zuwendung des Herzens« (Benedikt XVI. Enzyklika Deus caritas est, 31). Und das ist sehr wichtig: die Krankheit heilen, aber vor allem sich des Kranken annehmen. Das sind zwei verschiedene Dinge, und beide sind wichtig: die Krankheit heilen, aber auch sich des Kranken annehmen. Es kann geschehen, dass sich die Wunden der Seele verschlimmern, während man die Wunden des Leibes behandelt. Denn sie heilen langsamer und sind oft schwerer zu heilen. Auch die Sterbenden, die zuweilen nicht bei Bewusstsein zu sein scheinen, nehmen am gläubigen Gebet in ihrer Nähe teil und vertrauen sich Gott und seiner Barmherzigkeit an. Ich erinnere mich an den Tod eines befreundeten Priesters. Er war ein Apostel, ein Mann Gottes. Aber er war seit langer, langer Zeit im Koma… Die Ärzte sagten: »Wir wissen nicht, wie er immer noch atmen kann.« Ein anderer befreundeter Priester betrat das Zimmer, näherte sich ihm und sprach zu ihm. Er hörte es. »Lass dich zum Herrn tragen. Lass es zu weiterzugehen. Hab Vertrauen, vertrau dich dem Herrn an.« Und mit diesen Worten ließ er in Frieden los. Viele Menschen, viele Kranke brauchen es, dass man Worte zu ihnen spricht, dass man ihnen Liebkosungen schenkt, die ihnen Kraft geben, die Krankheit weiter zu tragen oder dem Herrn entgegenzugehen. Sie brauchen es, dass man ihnen hilft, dem Herrn zu vertrauen. Ich bin euch und allen, die den Kranken mit Kompetenz, Liebe und lebendigem Glauben dienen, sehr dankbar. Bitten wir um die Gnade, die Gegenwart Jesu in den Kranken und Leidenden zu erkennen, so wie Pater Pio stets sagte: »Der Kranke ist Jesus.« Der Kranke ist Jesus. Er ist das Fleisch Christi.

Einen besonderen Wunsch möchte ich auch den Gläubigen aus der Erzdiözese Manfredonia-Vieste-San Giovanni Rotondo aussprechen. Der heilige Johannes Paul II. hat gesagt: »Wer sich nach San Giovanni Rotondo aufmachte, um an seiner Messe teilzunehmen, ihn um Rat zu bitten oder bei ihm zu beichten, erkannte in ihm ein lebendiges Abbild des leidenden und auferstandenen Christus. Im Gesicht von Pater Pio erstrahlte das Licht der Auferstehung« (Predigt zur Selig­sprechung von P. Pio da Pietrelcina, 2. Mai 1999; in: O.R. dt., Nr. 20, 14.5.1999, S. 7). Jeder, der in eure schöne Gegend kommt – Ich möchte gerne dorthin gehen! –, möge auch in euch ein Widerschein des himmlischen Lichtes finden! Ich danke euch und bitte vergesst nicht, für mich zu beten! Danke.

Wir wollen alle gemeinsam beten und an die Tür von Gottes Herz klopfen, der ein barmherziger Vater ist: Vater unser…

Und wir sind keine verwaiste Kirche: Wir haben eine Mutter. Beten wir zu unserer Mutter, beten wir zu unserer Mutter. Ave Maria…

(Orig. ital. in O.R. 7.2.2016)

Aus Anlass des Jubiläums der Gebetsgruppen von Padre Pio vom 6. Februar 2016

ansa - padre pio - Padre Pio in una foto di archivio .E' stata istituita una "Commissione Documentazione e Studi su Padre Pio da Pietrelcina" per studiarne la spiritualità e verificare se ci sono le basi per attribuirgli il titolo di dottore della Chiesa ARCHIVIO ANSA

JOHANNES PAUL II.

ZUR SELIG- UND HEILIGSPRECHUNG VON PATER PIO


SELIGSPRECHUNG VON PATER PIO VON PIETRALCINA

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Petersplatz – Sonntag, 2. Mai 1999

1. Die Aufforderung des Eröffnungsverses bringt die Freude so vieler Gläubiger zum Ausdruck, die seit langer Zeit die Erhebung zur Ehre der Altäre von Pater Pio von Pietrelcina erwarten. Dieser bescheidene Kapuziner hat die Welt mit seinem ganz dem Gebet und dem Anhören der Brüder gewidmeten Leben in Staunen versetzt.

Zahllose Menschen sind zum Kloster von San Giovanni Rotondo gereist, um ihn dort zu treffen, und auch nach seinem Tod ist dieser Pilgerstrom nicht abgerissen. Als ich Student hier in Rom war, hatte ich selbst einmal Gelegenheit, ihn persönlich kennenzulernen, und ich danke Gott, der mir heute die Möglichkeit gibt, ihn in das Buch der Seligen einzutragen.

Heute morgen rufen wir uns die wesentlichen Inhalte seiner spirituellen Erfahrung in Erinnerung, geleitet von den Texten der Liturgie dieses fünften Sonntags der Osterzeit, in die der Ritus seiner Seligsprechung eingebettet ist.

2. »Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!« (Joh 14,1). Im Abschnitt aus dem Evangelium, der soeben verlesen wurde, hörten wir diese Worte Jesu an seine Jünger, die eine Ermutigung brauchten. In der Tat hatte der Hinweis auf seinen baldigen Weggang sie tief bestürzt. Sie fürchteten sich, verlassen zu sein und allein zu bleiben. Der Herr aber ermutigte sie mit einem klaren Versprechen: »Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten«; und dann »komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin« (Joh 14,2–3).

Auf diese Zusicherung erwidern die Apostel durch Thomas: »Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?« (Joh 14,5). Diese Bemerkung ist zutreffend. Jesus weicht der darin enthaltenen Frage nicht aus. Seine Antwort wird durch die Jahrhunderte wie ein klares Licht für die kommenden Generationen bestehen: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich« (Joh 14,6).

Der »Platz«, den Jesus vorbereiten möchte, ist im Haus des Vaters. Dort kann der Jünger auf ewig mit dem Meister sein und an dessen Freude teilhaben. Zu diesem Ziel gibt es allerdings nur einen Weg: Christus, dem der Jünger Schritt für Schritt ähnlicher werden muß. Genau darin besteht die Heiligkeit: Nicht mehr der Christ selbst lebt, sondern Christus lebt in ihm (vgl. Gal 2,20). Ein anspruchsvolles Ziel, begleitet von einem glei-chermaßen tröstenden Versprechen: »Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater« (Joh 14,12).

3. Wir hören die Worte Christi, und unsere Gedanken gehen zu dem bescheidenen Kapuzinerpater aus dem Gargano. Wie deutlich haben diese Worte doch im sel. Pio von Pietrelcina Gestalt angenommen!

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Seid gläubig…«. Was war das Leben dieses demütigen Sohnes des hl. Franziskus, wenn nicht ein stetes Bemühen um den Glauben, gestärkt durch die Hoffnung auf den Himmel, wo man mit Christus zusammen sein kann?

Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten […] damit auch ihr dort seid, wo ich bin«. Welch anderes Ziel hatte die harte Askese, der sich Pater Pio schon in frühester Jugend unterworfen hatte, wenn nicht eine fortschreitende Identifizierung mit dem göttlichen Meister, um »dort zu sein, wo er war« ?

Wer sich nach San Giovanni Rotondo aufmachte, um an seiner Messe teilzunehmen, ihn um Rat zu bitten oder bei ihm zu beichten, erkannte in ihm ein lebendiges Abbild des leidenden und auferstandenen Christus. Im Gesicht von Pater Pio erstrahlte das Licht der Auferstehung. Sein von den Wundmalen gezeichneter Körper zeigte jene enge Verbindung zwischen Tod und Auferstehung, von der das Ostergeheimnis geprägt ist. Die Teilnahme an der Passion nahm für den Seligen aus Pietrelcina ganz besonders durchdringende Züge an: Die einzigartigen Gaben, die ihm zuteil wurden, und die innerlichen und mystischen Schmerzen, die diese Gaben begleiteten, ließen für ihn ein ergreifendes und ständiges Erleben der Leiden des Herrn in der unerschütterlichen Gewißheit zu, daß »der Kalvarienberg der Berg der Heiligen ist«.

4. Nicht weniger schmerzlich, und in menschlicher Hinsicht vielleicht noch herber, waren die Prüfungen, die er – man würde fast sagen infolge seiner einzigartigen Charismen – über sich ergehen lassen mußte. In der Geschichte der Heiligkeit kommt es manchmal vor, daß der Auserwählte – aufgrund eines besonderen Zulassens Gottes – auf Unverständnis stößt. In einem solchen Fall wird der Gehorsam für ihn zum Schmelztiegel der Läuterung, zum Weg fortschreitender Annäherung an Christus, zur Stärkung der wahren Heiligkeit. In diesem Zusammenhang schrieb der neue Selige an einen seiner Oberen: »Mir liegt allein daran, euch zu gehorchen, denn der gute Gott hat mich mit dem bekannt gemacht, was ihm am liebsten und für mich das einzige Mittel ist, auf Heil zu hoffen und den Sieg zu erringen« (vgl. Epist. I, S. 807).

Als das »Gewitter« über ihn hereinbrach, machte er die Ermahnung aus dem ersten Petrusbrief, die wir eben gehört haben, zu seiner Lebensregel: »Kommt zu Christus, dem lebendigen Stein« (vgl . 1 Petr 2,4). Auf diese Weise wurde auch er zum »lebendigen Stein«, zum Aufbau des geistigen Hauses, das die Kirche ist. Und dafür wollen wir heute Gott danken.

5. »Laßt euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen« (1 Petr 2,5). Wie zutreffend erscheinen doch diese Worte in Bezug auf die außerordentliche Erfahrung von Kirche, die um den neuen Seligen gewachsen ist! Viele haben durch eine direkte oder indirekte Begegnung mit ihm den Glauben wiedergefunden. Nach seiner Weisung sind überall auf der Welt die »Gebetsgruppen« entstanden. Denen, die zu ihm kamen, empfahl er die Heiligkeit und sagte ihnen wiederholt: »Es scheint, daß Jesus keine andere Sorge hat als die Heiligung eurer Seelen« (vgl. Epist. II, S. 155).

Wenn die göttliche Vorsehung gewollt hat, daß er wirkte, ohne je sein Kloster zu verlassen, sozusagen zu Füßen des Kreuzes »verwurzelt«, dann hat dies sicher seine Bedeutung. Der göttliche Meister mußte ihn eines Tages, als er unter besonders schweren Prüfungen litt, trösten und sagte zu ihm: »Unter dem Kreuz lernt man lieben« (vgl. Epist. I, S. 339).

Ja, das Kreuz Christi ist die höchste Schule der Liebe. Noch mehr: Es ist der »Quell« der Liebe selbst. Vom Schmerz geläutert führte die Liebe dieses treuen Jüngers die Herzen der Menschen zu Christus und zu seinem fordernden Evangelium des Heils.

6. Gleichzeitig ergoß sich seine Liebe wie Balsam auf die Schwächen und Leiden seiner Brüder. So verband Pater Pio seine Sorge um die Seelen mit dem Offensein für das menschliche Leid: In San Giovanni Rotondo setzte er sich für die Gründung eines Krankenhauses ein, das er »Casa Sollievo della Sofferenza« nannte. Er wollte, daß es ein erstklassiges Krankenhaus sei, vor allem aber lag ihm daran, daß dort eine wirklich »humane« Medizin angewendet werde, bei der die Beziehung zum Kranken von besonderer Fürsorge und herzlicher Aufnahme geprägt ist. Er wußte sehr wohl, daß Kranke und Leidende nicht nur eine korrekte Anwendung therapeutischer Maßnahmen brauchen, sondern auch und vor allem ein menschliches und geistiges Klima, das es ihnen ermöglicht, in der Begegnung mit der Liebe Gottes und mit der Fürsorge der Brüder sich selbst wiederzufinden.

Mit der »Casa Sollievo della Sofferenza« wollte er beweisen, daß die »gewöhnlichen Wunder« Gottes sich durch unsere Nächstenliebe vollziehen. Man muß zum Teilen und zum großherzigen Dienst an den Brüdern bereit sein und dabei alle verfügbaren Hilfsmittel der medizinischen Wissenschaft und der Technik einsetzen.

7. Das Echo, das diese Seligsprechung in Italien und auf der ganzen Welt her vorgerufen hat, ist ein Zeichen dafür, daß der Ruf von Pater Pio, Sohn Italiens und des hl. Franz von Assisi, sich inzwischen in allen Erdteilen verbreitet hat. Gerne begrüße ich alle, die sich hier versammelt haben, beginnend bei den höchsten Vertretern des italienischen Staates, die an dieser Feier teilnehmen: den Präsidenten der Republik, den Präsidenten des Senats, den Ministerpräsidenten, der die offizielle Delegation leitet, sowie zahlreiche weitere Minister und Persönlichkeiten. Italien ist fürwahr würdig vertreten! Aber auch viele Gläubige anderer Nationen haben sich hier eingefunden, um Pater Pio ihre Ehrerbietung zu erweisen.

Allen, die aus nah und fern gekommen sind, gilt mein herzlicher Gruß, begleitet von einem besonderen Gruß an die Kapuzinerpatres. Vielen Dank an alle!

8. Ich möchte mit den Worten aus dem Evangelium dieser hl. Messe abschließen: »Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott.« Diese Aufforderung Christi spiegelt sich wider in dem Rat, den der neue Selige so gerne gab: »Sinkt voll Vertrauen auf das göttliche Herz Jesu, wie ein Kind in die Arme der Mutter.« Möge diese Einladung als Quelle des Friedens, der Freude und Zufriedenheit auch in unser Herz dringen. Warum sollten wir Angst haben, wenn Christus für uns der Weg und die Wahrheit und das Leben ist? Warum sollten wir nicht auf Gott vertrauen, der Vater, unser Vater, ist?

»Santa Maria delle Grazie«, die der bescheidene Kapuziner aus Pietrelcina mit steter und inniger Verehrung anrief, helfe uns, unsere Augen immer auf Gott gerichtet zu halten. Sie nehme uns bei der Hand und führe uns dazu, mit all unserer Kraft jene übernatürliche Nächstenliebe zu erstreben, die aus der durchbohrten Seite des Gekreuzigten strömt.

Und du, sel. Pater Pio, richte deinen Blick aus dem Himmel auf uns, die wir uns auf diesem Platz einfanden, und auf jene, die im Gebet auf dem Platz vor dem Lateran oder in San Giovanni Rotondo versammelt sind. Sei der Fürsprecher aller, die sich überall auf der Welt diesem Ereignis im Geiste anschließen und ihre Bitten zu dir erheben. Komm jedem von ihnen zu Hilfe und schenke jedem Herzen Frieden und Trost. Amen!


HEILIGSPRECHUNG VON PATER PIO VON PIETRELCINA

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Sonntag, 16. Juni 2002

1. »Mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht« (Mt 11, 30).

1. Die soeben gehörten Worte Jesu an die Jünger helfen uns, die wichtigste Botschaft dieses feierlichen Gottesdienstes zu verstehen. Ja, wir können sie in gewisser Weise als eine wunderbare Zusammenfassung des ganzen Daseins des heute heiliggesprochenen Paters Pio da Pietrelcina ansehen.

Das im Evangelium verwandte Bild vom »Joch« ruft die vielen Prüfungen in Erinnerung, die der demütige Kapuziner von San Giovanni Rotondo durchstehen mußte. An ihm sehen wir heute, wie wenig das »Joch« Christi drückt, und wie leicht seine Last ist, wenn man sie mit treuer Liebe trägt. Leben und Sendung von Pater Pio bezeugen, daß Schwierigkeiten und Leid, wenn sie aus Liebe angenommen werden, sich in einen bevorzugten Weg der Heiligkeit verwandeln, der die Perspektive auf ein viel höheres Gut öffnet, das nur der Herr kennt.

2. »Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen« (Gal 6, 14).

Zeichnete sich Pater Pio nicht hauptsächlich dadurch aus, daß er sich »des Kreuzes rühmte«? Die von dem einfachen Kapuziner aus Pietrelcina gelebte Spiritualität des Kreuzes ist überaus aktuell. Unsere Zeit muß diesen Wert wiederentdecken, damit sie das Herz auf die Hoffnung hin öffnet.

In seinem ganzen Leben hat er eine immer größere Ähnlichkeit mit dem Gekreuzigten angestrebt, wobei er sich seiner besonderen Berufung bewußt war, in einzigartiger Weise am Heilswerk mitzuwirken. Ohne diesen ständigen Bezug auf das Kreuz versteht man seine Heiligkeit nicht.

Im Plan Gottes ist das Kreuz das wahre Heilswerkzeug für die ganze Menschheit und der vom Herrn ausdrücklich angebotene Weg für alle, die ihm nachfolgen wollen (vgl. Mk 16, 24). Der heilige Bruder vom Gargano hatte dies vollkommen erkannt, als er am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel im Jahr 1914 schrieb: »Wenn wir zu unserer endgültigen Bestimmung gelangen wollen, müssen wir dem göttlichen Haupt folgen. Gott will die erwählte Seele auf keinen anderen als den von ihm beschrittenen Weg führen; ich meine, auf den Weg der Selbstverleugnung und des Kreuzes« (Epistolarium II , S. 155).

3. »Ich, der Herr, bin es, der auf der Erde Gnade schafft« (Jer 9, 23).

Pater Pio war ein hochherziger Ausspender der göttlichen Gnade, indem er allen zur Verfügung stand durch die Aufnahmebereitschaft, die geistliche Führung und besonders durch die Spendung des Bußsakraments. Auch mir wurde das Privileg zuteil, in meinen Jugendjahren in den Genuß seiner Verfügbarkeit gegenüber den Beichtenden zu kommen. Der Dienst im Beichtstuhl, der für sein Apostolat kennzeichnend war, hat große Scharen von Gläubigen zum Kloster von San Giovanni Rotondo hingezogen. Auch wenn dieser einzigartige Beichtvater die Pilger scheinbar mit Härte behandelte, kehrten sie, der schweren Sünde bewußt und wirklich reumütig, fast immer zur versöhnlichen Umarmung der sakramentalen Vergebung zurück.

Sein Beispiel möge die Priester dazu anspornen, mit Freude und Seeleneifer diesen Dienst zu vollbringen, der auch heute sehr wichtig ist, wie ich im Schreiben an die Priester zum vergangenen Gründonnerstag betonen wollte.

4. »Herr, mein ganzes Glück bist du allein.«

So haben wir im Antwortpsalm gesungen. Mit diesen Worten lädt uns der neue Heilige ein, Gott über alles zu stellen, ihn als unser einziges und höchstes Gut zu betrachten.

Denn der tiefste Grund des apostolischen Wirkens von Pater Pio, die eigentliche Wurzel seiner großen geistlichen Fruchtbarkeit findet sich in der festen inneren Verbundenheit mit Gott, deren sprechendes Zeugnis die vielen im Gebet und im Beichtstuhl verbrachten Stunden waren. Er pflegte zu sagen: »Ich bin ein einfacher Bruder, der betet«, überzeugt davon, daß »das Gebet die beste Waffe ist, die wir haben, ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet.« Dieses grundlegende Merkmal seiner Spiritualität setzt sich fort in den von ihm gegründeten »Gebetsgruppen«, die durch ihr unablässiges und vertrauensvolles Gebet in großartiger Weise zum Wohl der Kirche und der Gesellschaft beitragen. Mit dem Gebet hat Pater Pio eine intensive karitative Tätigkeit verbunden, deren schönster Ausdruck die »Casa Sollievo della Sofferenza« ist. Gebet und Nächstenliebe, das ist die konkrete Zusammenfassung der Lehre Pater Pios, die heute allen erneut angeboten wird.

5. »Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.« (Mt 11, 25).

Wie zutreffend erscheinen diese Worte Jesu, wenn man sie auf dich, einfacher und geliebter Pater Pio, bezieht.

Wir bitten dich, lehre auch uns die Einfachheit des Herzens, damit wir zu den Kleinen des Evangeliums gezählt werden, denen der Vater die Geheimnisse seiner Reiches zu enthüllen verheißen hat.

Hilf uns zu beten, ohne zu ermüden, getragen von der Gewißheit, daß Gott weiß, was wir brauchen, bevor wir ihn darum bitten.

Erlange uns den Blick des Glaubens, der in den Armen und Leidenden das leidende Antlitz Jesu zu sehen vermag.

Hilf uns in der Stunde des Kampfes und der Prüfung, und, wenn wir fallen, laß uns die Freude des Sakraments der Vergebung spüren.

Vermittle uns deine zärtliche Verehrung für Maria, die Mutter Jesu und unsere Mutter.

Begleite uns auf dem Pilgerweg auf Erden in die selige Heimat, wohin auch wir – so hoffen wir – gelangen werden, um in Ewigkeit die Herrlichkeit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu schauen. Amen.

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Quellen: Seligsprechung, Heiligsprechung, Discorso del Santo Padre Francesco 6-2-2016

Papst Franziskus über Pater Pio: „Diener der Barmherzigkeit“

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Papst Franziskus während der Audienz mit Gebetsgruppen von Padre Pio

Es war wie eine Generalaudienz: beim Treffen des Papstes mit den Gebetsgruppen des heiligen Pater Pios auf dem Petersplatz nahmen tausende Gläubige teil. Am Freitagnachmittag wurden die Reliquien von Pater Pio und Leopold Mandic in einer Prozession in die Petersbasilika gebracht, wo sie bis zum 11. Februar bleiben werden.

In seiner Rede betonte der Papst die Bedeutung des Gebets als „Kraftwerk der Kirche“. Weiter sagte Franziskus, dass Pater Pio ein „Diener der Barmherzigkeit“ gewesen sei, was sehr gut zum jetzigen Heiligen Jahr passe, denn dieser Heilige sowie der Heilige Leopold Mandic seien diesbezüglich Vorbilder für alle Gläubigen. Sie hätten als „Diener des Hörens“, den Dienst der Beichte, die „lebendige Liebkosung des Vaters“ gezeigt. Gott heile die Wunde der Sünde und richte das Herz mit seinem Frieden auf, so der Papst und so habe Pater Pio dies den Gläubigen weiter gegeben.

Dann ging Franziskus auf die Gaben des heiligen Pios ein, denn dieser habe Gutes getan, weil er immer mit der Quelle verbunden gewesen sei und zwar mit Gott. Pater Pio habe ständig seinen Durst am gekreuzigten Jesus gestillt und sei so zu einem „Kanal der Barmherzigkeit“ geworden. Hierbei unterstrich der Papst das „Geheimnis des Schmerzes“, den der süditalienische Heilige am eigenen Leib gelebt habe. Pater Pio habe sein Leben „aus Liebe aufgeopfert“. Er habe sich als kleiner Tropfen angesehen, doch der heilige Mystiker sei so zu einem großen Fluss der Barmherzigkeit geworden.

Gebet als Mission

Zu den Mitgliedern der Gebetsgruppen Pater Pios sagte der Papst, dass das Gebet eine wahrhafte Mission sei, die der ganzen Menschheit „das Feuer der Liebe“ bringe. Das Gebet sei kein Verhandeln mit Gott und auch keine „Anti-Kopfschmerztablette“, das in einer Not eingenommen werde könne. Vielmehr sei das Gebet jene Kraft, die die Welt in Bewegung bringe. Deshalb gehöre das Gebet zu jenen Werken der geistlichen Barmherzigkeit und sei „ein Geschenk des Glaubens und der Liebe“. Auch gehöre das Gebet als Fürsprache zu den menschlichen Notwendigkeiten, so wie das tägliche Brot und sei ein Anvertrauen an den Vater. „Das Gebet ist die größte Kraft der Kirche, ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet“, so der Papst und deshalb sei das Gebet das Geheimrezept der Freude.

Die Gebetsgruppen, die eben „Kraftwerke der Barmherzigkeit“ seien, sollten „immer offen und aktiv“ bleiben, fügte Franziskus an, denn auf diese Weise brächten sie der Welt das Licht Gottes und die Kraft der Liebe für die Kirche. Und wie Pater Pio aufgezeigt habe, so sei das Gebet „das höchste Apostolat, das eine Seele in der Kirche ausüben kann“.

Barmherzigkeit des Leibes

Ein großes Zeichen des Wunders sei nicht nur Gebet bei Pater Pio gewesen, ein weiteres außerordentliches Werk der leiblichen Barmherzigkeit sei das Krankenhaus, den der Heilige errichten ließ. Dieser „Tempel der Wissenschaft und des Gebets“, wie es der Papst nannte, wurde vor sechzig Jahren eröffnet und sei heute noch Italien- und sogar Europaweit sehr wichtig, da dort die Kranken nicht nur zu den leiblichen Schmerzen Trost und Hilfe erhalten. Wer Kranke heilen wolle, müsse vor allem die Nähe und das Gebet bringen. Dies gelte besonders auch für die Sterbenden. Der Papst sprach seinen Dank all jenen aus, die sich in diesem Bereich einsetzten: „Bitten wir um die Gnade, die Gegenwart Christi in den kranken Menschen und in den Leidenden zu erkennen. Wie Pater Pio wiederholte: ,der Kranke ist Jesus´.“

(rv 06.02.2016 mg)

Pater Pio und Pater Leopold, zwei heilige Kapuziner und Beichtväter im «Heiligen Jahr der Barmherzigkeit»

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Am kommenden 1. Februar, werden die sterblichen Überreste von zwei Heiligen aus dem Kapuzinerorden nach Rom überführt. Es handelt sich um den heiligen Pater Pio von Pietrelcina und um den heiligen Leopold Mandic. Pater Pio ist in San Giovanni Rotondo in Apulien begraben, Pater Leopold in Padua. Ein Italiener und ein Kroate. Gemeinsam ist beiden nicht nur, dass sie demselben religiösen Orden angehörten, sondern dass sie vor allem Beichtväter waren.

Papst Franziskus und der Vatikan wollen sie deshalb im «Heiligen Jahr der Barmherzigkeit» in Rom haben als Vorbilder für die «Missionare der Barmherzigkeit». Gemeint sind damit die Priester, die im Heiligen Jahr besondere Auf­merksamkeit auf das Beichtsakrament legen. Am 6. Februar findet eine Audienz für die mit Pater Pio verbundenen Gebetsgruppen im Vatikan statt. Dazu haben sich bereits mehr als 60’000 Pilger angemeldet.

Pater Leopold (1866-1942, heiliggesprochen 1983), der am südlichsten Punkt des damaligen österreichischen Kaiserstaates, im heutigen Montenegro, geboren wurde, wollte eigentlich Missionar werden. In Wirklichkeit verbrachte er den Grossteil seines Lebens im Beichtstuhl des Kapuzinerklosters von Padua. Nicht an­ders war es bei Pater Pio (1887-1968, heilig­gesprochen 2002). Er hat seine Heimat Apulien kaum verlassen, den Grossteil seines Lebens verbrachte er in einsamer Gegend in einem armen, kleinen Kloster auf dem Gargano, dem Sporen der italienischen Halbinsel.

Pilgerreise für die sterblichen Überreste

Die sterblichen Überreste beider, die eine frei­willige stabilitas loci lebten, werden nun auf eine Pilgerreise gehen. Pater Pio und Pater Leo­pold werden zunächst nach Rom in die Kapu­zinerkirche «San Lorenzo al Verano» gebracht, dann in die Kirche «San Salvatore in Lauro» und schliesslich in feierlicher Prozession in den Petersdom überführt.

Am 1. Februar kommen die Reliquien nach «San Lorenzo al Verano». Dort wird am 2. Februar der Tag des Geweihten Lebens begangen. Am 3. Februar erfolgt die Überführung nach «San Salvatore in Lauro». Dort werden aus diesem Anlass für die anwesenden Pilger und die Rö­mer eine Reihe von Messen zelebriert. Am 4. Februar um 22 Uhr und um Mitternacht, am 5. Februar um 3 Uhr morgens, um 6 Uhr, 8 Uhr, 10 Uhr, 12 Uhr und 14 Uhr.

Allein in Rom und der umliegenden Region Latium gibt es 450 Gebetsgruppen von Pater Pio. «Pater Pio ist ein wichtiger Bezugspunkt für die Gläubigen. Kein Mann der intellek­tuellen Diskurse, sondern ein Heiliger zum Anfassen, ganz konkret, ganz authentisch, vie­len Gebildeten blieb er suspekt, das einfache Volk liebte ihn und verehrt ihn auch heute. Seine Spiritualität ist Bezugspunkt für Jugendgruppen und Ordensgemeinschaften. Und sie haben eines gemeinsam: eine steigende Zahl an Berufungen. Die Jugend will glaubwürdige Vorbilder, die nie Dinge tun, einfach nur damit sie getan sind», so Msgr. Pietro Bongiovanni, der Pfarrer von «San Salvatore in Lauro». Er ist geistlicher Assistent der Gebetsgruppen von Pater Pio.

Die Translation der sterb­lichen Überreste gehe auf ei­nen ausdrücklichen Wunsch von Papst Franziskus zu­rück, da beide «den Grossteil ihres Lebens im Beichtstuhl verbracht haben», so Msgr. Bongiovanni. Er war es auch, der im Heiligen Jahr 2000 Reliquien. von Pater Pio von San Giovanni Rotondo nach Buenos Aires brachte.

«Es waren die Jahre der grossen Wirtschaftskrise in Argentinien. Man sah Men­schen, die im Müll nach Es­sen suchten, und Bergoglio wollte die Reliquien als Zei­chen der Hoffnung für das Volk. Er bat uns, vor allem zu den Armen in die »Favelas« zu gehen. In der Kathedrale von Buenos Aires drängten sich so viele Menschen, dass nicht alle Platz fanden. Dann lud uns der Kardinal zu sich nach Hause ein und bot uns Tee an. Wir trafen den Mann, den wir auch heute sehen und der Papst geworden ist», so Msgr. Bongiovanni. Die Reliquien der beiden Heili­gen werden im Petersdom in der Nähe der Heiligen Pforte ausgestellt. Sie sollen den Zusammenhang zwischen dem Heiligen Jahr, dem zu gewinnenden vollkomme­nen Ablass und dem Beicht­sakrament herausstreichen. Am 11. Februar werden die Reliquien Rom wieder verlassen und nach Pa­dua und San Giovanni Rotondo zurückgeführt werden. Die Reliquien von Pater Pio werden dabei eine Etappe einlegen, und zwar im Ge­burtsort des Heiligen, in Pietrelcina. «Dort wurde er geboren, dort ist er aufgewachsen, dorte legte er seine erste Beichte ab, empfing die erste Kommunion und auch zum ersten Mal die Wundmale», so Msgr. Bongiovanni.

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Quelle: Katholische Wochenzeitung, 29. Jg., 2016, Nr. 4

Zum Heiligen Jahr 2016: „Jubiläum der Barmherzigkeit“: Der Leichnam Pater Pios

pio

Während der Fastenzeit 2015 hat Papst Franziskus das „Jubiläum der Barmherzigkeit“ ausgerufen. Das Heilige Jahr 2016, das somit im Zeichen der Barmherzigkeit steht, wird am 8. Dezember 2015, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, eröffnet. Es endet am 20. November 2016 mit dem Christkönigsfest.

Im Juli 2015 ist nun bekannt geworden, dass im Rahmen des „Jubiläums der Barmherzigkeit“ der unverweste Leib Pater Pios vom 8. bis zum 14. Februar 2016 im Peters­dom (Rom) aufgebahrt werden soll. Dies geschieht auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes.

Das heißt, dass der Leichnam Pater Pios am Aschermitt­woch 2016 im Petersdom sein wird, also an dem Tag, an dem die Missionare der Barmherzigkeit mit dem beson­deren Auftrag in die ganze Welt gesandt werden sollen, zu predigen und Beicht zu hören.

Die Gegenwart des unverwesten Leibes des Hl. Pater Pio „wird ein kostbares Zeichen für alle Missionare und die Priester sein, welche durch das bewundernswerte Bei­spiel, das Pater Pio als unermüdlicher, gütiger und gedul­diger Beichtvater und als authentisches Zeugnis der Barmherzigkeit des Vaters gab, Kraft und Halt für ihre eigene Mission finden werden“, heißt es in einem Brief des Vorsitzenden des Päpstlichen Rates für die Förderung der Neuevangelisierung, Mons. Rino Fisichella, an den Erzbischof von Manfredonia-Vieste-San Giovanni Rotondo (Italien).

Am 13. Februar 2016, also im Zusammenhang mit der Aufbahrung des unverwesten Leibes von Pater Pio im Petersdom, wird Papst Franziskus die geistlichen Söhne und Töchter des Hl. Pater Pio in Privataudienz empfan­gen.

Vergleiche:

Der unverweste Leib des Hl. Pater Pio im Petersdom, das ist tatsächlich ein starkes Zeichen und eine wirkmächtige Predigt für jedermann: Es geht um die Rettung der See­len. Das war Pater Pios Herzensanliegen. In einem Brief vom 6. November 1919 schrieb Pater Pio:

„Ich kann keine Ruhe finden; ich bin müde und zutiefst bekümmert, von einer verzweifelten Trostlosigkeit befallen, von der furchtbarsten Angst, nicht etwa, meinen Gott nicht wiederfinden zu können, nein, sondern weil es mir ganz und gar unmöglich ist, alle Brüder für Gott zu gewinnen.“ (Briefe I. Band, San Giovanni Rotondo 2008, S. 1339) Und dabei konnte er von sich sagen: „die größte Liebe ist die, dem Teufel Seelen zu entreißen, die er schon für sich gewonnen glaubte, und sie für Christus zu gewinnen. Und genau das tue ich ununterbrochen, bei Tag und bei Nacht.“ (Ebda., S. 1332)

Von welcher Angst müssten wir geplagt sein, die wir so viel weniger um die Rettung der Seelen kämpfen?

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Quelle: IK-NACHRICHTEN – Pro Sancta Ecclesia – Initiative katholischer Laien und Priester. 16. Jg., Nr. 8 und 9, August/Sept. 2015

Papst Benedikt XVI. in San Giovanni Rotondo über den Heiligen Pater Pio

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich freue mich, im Rahmen meiner Pilgerreise an diesen Ort, an dem alles vom Leben und von der Heiligkeit Pater Pios von Pietrelcina spricht, für euch und mit euch die Eucharistie zu feiern, das Geheimnis, das den Mittelpunkt seines ganzen Daseins bildete: den Ursprung seiner Berufung, die Kraft seines Zeugnisses, die Weihe seines Opfers. Mit großer Zuneigung grüße ich euch alle, die ihr hier zahlreich zusammengekommen seid, sowie alle, die über Rundfunk und Fernsehen mit uns verbunden sind. Ich grüße an erster Stelle Erzbischof Domenico Umberto D’Ambrosio, der sich nach Jahren treuen Dienstes in dieser Diözesangemeinschaft darauf vorbereitet, die Verantwortung für die Erzdiözese Lecce zu übernehmen. Ich danke ihm herzlich auch dafür, daß er eure Empfindungen zum Ausdruck gebracht hat. Ich begrüße die anderen konzelebrierenden Bischöfe. Einen besonderen Gruß richte ich an die Kapuziner mit ihrem Generalminister, Fra Mauro Jöhri, den Generaldefinitor, den Provinzialminister, den Pater Guardian des Konvents, den Rektor des Heiligtums und die Gemeinschaft des Kapuzinerkonventes von San Giovanni Rotondo. Dankbar begrüße ich außerdem alle, die ihren Beitrag im Dienst des Heiligtums und der ihm angeschlossenen Einrichtungen leisten: ich begrüße die zivilen und militärischen Obrigkeiten; ich begrüße die Priester, die Diakone, die anderen Ordensmänner und Ordensfrauen sowie alle Gläubigen. Einen herzlichen Gruß richte ich an alle, die sich in der »Casa Sollievo della Sofferenza« befinden, an die einsamen Menschen sowie an alle Einwohner dieser eurer Stadt.

Wir haben soeben das Evangelium von der Stillung des Seesturmes gehört, dem ein kurzer, aber aussagekräftiger Abschnitt aus dem Buch Hiob zur Seite gestellt wurde, in dem sich Gott als der Herr des Meeres offenbart. Jesus droht dem Wind und gebietet dem See, still zu werden, er spricht zu ihm, als wäre er mit der teuflischen Macht gleichzusetzen. Tatsächlich wird – nach dem, was uns die erste Lesung und der Psalm 107 (106) sagen – das Meer in der Bibel als ein bedrohliches, chaotisches, potentiell zerstörerisches Element gesehen, das nur Gott, der Schöpfer, beherrschen, bändigen und beruhigen kann.

Es ist da jedoch noch eine andere Kraft – eine positive Kraft –, welche die Welt bewegt und fähig ist, die Geschöpfe zu verwandeln und zu erneuern: die Kraft der »Liebe Christi« (2 Kor 5,14), wie sie der hl. Paulus im Zweiten Brief an die Korinther nennt: also im wesentlichen nicht eine kosmische, sondern eine göttliche, transzendente Kraft. Sie wirkt auch auf den Kosmos, doch in sich selbst ist die Liebe Christi eine »andere« Kraft, und diese ihre transzendente Andersheit hat der Herr in seinem Pascha gezeigt, in der »Heiligkeit« des von ihm gewählten »Weges«, um uns von der Herrschaft des Bösen zu befreien, wie es bereits beim Auszug aus Ägypten geschehen war, als er die Juden durch die Wasser des Roten Meeres herausgeführt hatte. »Gott, dein Weg ist heilig«, so ruft der Psalmist aus, »durch das Meer ging dein Weg, dein Pfad durch gewaltige Wasser« (Ps 77 [76],14.20). Im Ostergeheimnis hat Jesus den Abgrund des Todes durchschritten, da Gott auf diese Weise das Universum erneuern wollte: durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes, der »für alle gestorben « ist, damit alle »für den [leben], der für sie starb und auferweckt wurde« (2 Kor5,15), und nicht nur für sich selbst leben.

Die feierliche Geste der Stillung des Seesturmes ist eindeutig ein Zeichen der Herrschaft Christi über die negativen Mächte und läßt an seine Göttlichkeit denken: »Was ist das für ein Mensch«, so fragen sich die Jünger erstaunt und verängstigt, »daß ihm sogar der Wind und der See gehorchen?« (Mk 4,41). Ihr Glaube ist noch nicht fest, er ist noch im Entstehen begriffen; es handelt sich um eine Mischung aus Furcht und Vertrauen; die vertrauensvolle Hingabe Jesu an den Vater ist hingegen vollkommen und rein. Daher, wegen dieser Macht der Liebe, kann er während des Sturmes schlafen, vollkommen sicher in Gottes Umarmung. Doch es wird der Moment kommen, in dem auch Jesus Furcht und Angst empfinden wird: Wenn seine Stunde kommt, wird er die ganze Schwere der Sünden der Menschheit auf sich lasten spüren, wie eine hohe Welle, die auf ihn niederzugehen droht. Das wird allerdings ein schrecklicher Sturm sein, kein kosmischer, sondern ein geistlicher Sturm. Es wird der letzte, äußerste Ansturm des Bösen gegen den Sohn Gottes sein.

Jesus aber zweifelte in jener Stunde nicht an der Macht Gottes, des Vaters, und an dessen Nähe, auch wenn er bis zum äußersten erfahren mußte, wie groß die Distanz zwischen Hass und Liebe, zwischen Lüge und Wahrheit, zwischen Sünde und Gnade ist. Er erfuhr dieses Drama auf quälende Weise in sich selbst, besonders im Garten Getsemani kurz vor seiner Gefangennahme und dann während seines gesamten Leidens bis zum Tod am Kreuz. In jener Stunde war Jesus einerseits ganz eins mit dem Vater, ganz an ihn hingegeben, ihm überlassen; auf der anderen Seite war er in seiner Verbundenheit mit den Sündern gleichsam von ihm getrennt und fühlte sich wie von ihm verlassen.

Einige Heilige haben diese Erfahrung Jesu intensiv und persönlich erlebt. Pater Pio von Pietrelcina ist einer von ihnen. Ein einfacher Mann aus bescheidenen Verhältnissen, »von Christus Jesus ergriffen« (Phil 3,12) – wie der Apostel Paulus über sich selbst schreibt –, um ihn zu einem auserwählten Werkzeug der immerwährenden Kraft seines Kreuzes zu machen: der Kraft der Liebe zu den Seelen, der Kraft der Vergebung und der Versöhnung, der geistlichen Vaterschaft, der tatkräftigen Solidarität mit den Leidenden. Die Wundmale, die seinen Körper zeichneten, vereinten ihn zuinnerst mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Als echter Schüler des hl. Franz von Assisi machte er sich – wie der »Poverello« – die Erfahrung des hl. Paulus zu eigen, der in seinen Briefen schreibt: »Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal2,19–20); oder: »So erweist an uns der Tod, an euch aber das Leben seine Macht« (2 Kor 4,12). Das bedeutet keine Entfremdung, keinen Verlust der Persönlichkeit: Gott macht das Menschliche niemals zunichte, sondern er verwandelt es mit seinem Geist und richtet es auf den Dienst an seinem Heilsplan aus. Pater Pio bewahrte seine natürlichen Gaben und auch sein ihm eigenes Temperament, doch er hat alles Gott dargebracht, der sich seiner frei bedienen konnte, um das Werk Christi weiterzuführen: das Evangelium zu verkünden, die Sünden zu vergeben und die Kranken an Leib und Seele zu heilen.

Wie Jesus hatte auch Pater Pio die wahre Auseinandersetzung, den grundsätzlichen Kampf nicht gegen die irdischen Feinde, sondern gegen den Geist des Bösen zu führen (vgl. Eph 6,12). Die größten »Stürme«, die ihn bedrohten, waren die Anfechtungen des Teufels, vor denen er sich mit der »Rüstung Gottes«, mit dem »Schild des Glaubens« und dem »Schwert des Geistes, das … das Wort Gottes [ist]« (Eph 6,11.16.17) schützte. Dadurch, daß er mit Jesus vereint blieb, hatte er immer die Tiefe des menschlichen Dramas im Blick, und aus diesem Grund hat er sich und seine vielen Leiden aufgeopfert und es verstanden, sich zu verausgaben, um die Kranken zu pflegen und ihr Leid zu lindern, als besonderes Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, seines Reiches, das kommen wird, ja das vielmehr bereits in der Welt ist, als Zeichen des Sieges der Liebe und des Lebens über die Sünde und den Tod. Die Seelen führen und das Leid lindern: so kann man die Sendung des hl. Pio von Pietrelcina zusammenfassen, wie auch der Diener Gottes Papst Paul VI. über ihn gesagt hatte: »Er war ein Mann des Gebets und des Leidens« (An die Kapitelväter des Kapuzinerordens, 20. Februar 1971).

Liebe Freunde, Kapuziner-Minderbrüder, Mitglieder der Gebetsgruppen und Gläubige von San Giovanni Rotondo, ihr seid die Erben Pater Pios, und das Erbe, das er euch hinterlassen hat, ist die Heiligkeit. In einem seiner Briefe schreibt er: »Es scheint, daß Jesus kein anderes Heilmittel zur Hand hat als die Heiligung eurer Seele« (Epist. II, S. 155). Dies war immer seine erste Sorge, sein priesterlicher und väterlicher Wunsch: daß die Menschen zu Gott zurückkehren, daß sie seine Barmherzigkeit erfahren und innerlich erneuert die Schönheit und die Freude wiederentdecken mögen, Christen zu sein, in Gemeinschaft mit Jesus zu leben, zu seiner Kirche zu gehören und das Evangelium in die Praxis umzusetzen. Pater Pio hat die Menschen durch sein eigenes Zeugnis auf den Weg der Heiligkeit gelockt und mit seinem Vorbild das »Gleis« aufgezeigt, das zu ihr hinführt: das Gebet und die Nächstenliebe.

Vor allem das Gebet. Wie alle großen Männer Gottes war Pater Pio selbst mit Leib und Seele Gebet geworden. Seine Tage waren ein gelebter Rosenkranz, das heißt eine ständige Betrachtung und Aneignung der Geheimnisse Christi in geistlicher Einheit mit der Jungfrau Maria. So erklärt sich das außergewöhnliche gleichzeitige Vorhandensein übernatürlicher Gaben und menschlicher Konkretheit in ihm.

Und alles gipfelte in der Feier der heiligen Messe: hier vereinte er sich ganz und gar mit dem gestorbenen und auferstandenen Herrn. Aus dem Gebet strömte wie aus einer stets lebendigen Quelle die Nächstenliebe hervor. Die Liebe, die er im Herzen trug und den anderen vermittelte, war voller Zärtlichkeit und achtete stets auf die tatsächlichen Umstände der Menschen und Familien. Vor allem den Kranken und Leidenden gegenüber hegte er die besondere Liebe des Herzens Christi, und gerade daraus hat sich das Vorhaben eines großen Werks, das der »Linderung des Leids« (»Sollievo della Sofferenza«) gewidmet war, ergeben und Gestalt angenommen. Man kann eine solche Einrichtung weder verstehen noch auf angemessene Weise interpretieren, wenn man sie von dem sie inspirierenden Quell löst, von der dem Evangelium entspringenden Nächstenliebe, die ihrerseits durch das Gebet beseelt wird.

Auf all das, meine Lieben, richtet Pater Pio heute unsere Aufmerksamkeit. Die Gefahren des Aktivismus und der Säkularisierung sind stets gegenwärtig; daher hat mein Besuch auch die Absicht, euch in der Treue zu der von eurem geliebten geistigen Vater ererbten Sendung zu bestärken. Viele von euch, Ordensmänner, Ordensfrauen und Laien, sind so sehr von den Tausenden von Aufgaben eingenommen, die der Dienst für die Pilger oder für die Kranken im Krankenhaus erfordert, daß sie Gefahr laufen, das wirklich Notwendige zu vernachlässigen: auf Christus zu hören, um Gottes Willen zu erfüllen. Wenn ihr merkt, daß ihr dieser Gefahr nahe seid, dann blickt auf Pater Pio: auf sein Beispiel, auf seine Leiden; und bittet ihn um seine Fürsprache, damit er für euch beim Herrn das Licht und die Kraft erwirkt, derer ihr bedürft, um seine Sendung fortzuführen, die von der Liebe zu Gott und von brüderlicher Nächstenliebe durchdrungen war. Möge er vom Himmel her weiterhin jene vorbildliche geistliche Vaterschaft ausüben, durch die er sich während seines irdischen Daseins ausgezeichnet hat; möge er weiterhin seine Mitbrüder, seine geistlichen Kinder und das ganze Werk, das er begonnen hat, begleiten. Gemeinsam mit dem hl. Franziskus und der Gottesmutter – die er so sehr geliebt hat, wie er auch die Liebe zu ihr in dieser Welt verbreitet hat – möge er über euch alle wachen und euch immer behüten. Dann werdet ihr auch in den Stürmen, die unversehens aufkommen können, den Atem des Heiligen Geistes erfahren können, der stärker ist als jeder widrige Wind und der das Schiff der Kirche und jeden von uns antreibt. Deshalb müssen wir immer in der Gelassenheit leben und in unserem Herzen die Freude pflegen, indem wir dem Herrn Dank sagen. »Seine Huld währt ewig« (Antwortpsalm). Amen!

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PASTORALBESUCH IN SAN GIOVANNI ROTONDO – EUCHARISTIEFEIER
PREDIGT VON BENEDIKT XVI. – Vorplatz der Kirche des Pater Pio – Sonntag, 21. Juni 2009

DER HEILIGE PATER PIO VON PIETRELCINA

Der heilige Pater Pio

»Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen« (Gal 6, 14).

Pater Pio von Pietrelcina hat wie der Apostel Paulus das Kreuz des Herrn als Kraft, Weisheit und Ruhm in den Mittelpunkt seines eigenen Lebens und Apostolates gestellt. Er hat Jesus Christus glühend geliebt und sich ihm in voller Selbsthingabe für das Heil der Welt gleichförmig gemacht. In der Nachfolge und Nachahmung Christi, des Gekreuzigten, war er so hochherzig und vollkommen, daß man hätte sagen können: »Ich bin mit Christus gekreuzigt worden, nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2, 19). Die vielen Gnaden, die Gott ihm in so einzigartiger und reichhaltiger Weise geschenkt hatte, teilte er durch seinen Dienst aus, indem er die immer zahlreicher herbeiströmenden Männer und Frauen aufrichtete und eine unübersehbare Schar von geistlichen Söhnen und Töchtern hervorbrachte.

Der verehrungswürdige Jünger des heiligen Franz von Assisi wurde am 25. Mai 1887 in Pietrelcina, Erzdiözese Benevent, als Sohn von Grazio Forgione und Maria Giuseppa De Nunzio geboren und am nachfolgenden Tag auf den Namen Francesco getauft. Im Alter von zwölf Jahren empfing er die erste heilige Kommunion und die Firmung.

Mit 16 Jahren trat er am 6. Januar 1903 als Novize in den Orden der Kapuzinerminoriten in Morcone ein, wo er am darauffolgenden 22. Januar eingekleidet wurde und den Ordensnamen Bruder Pio erhielt. Nach dem Noviziatsjahr legte er die einfachen Gelübde ab und am 27. Januar 1907 die ewigen Gelübde.

Nach der Priesterweihe am 10. August 1910 in Benevent blieb er zunächst aus gesundheitlichen Gründen bei seiner Familie. Im September 1916 wurde er in das Kloster San Giovanni Rotondo eingewiesen, wo er bis zu seinem Tod verblieb.

Pater Pio lebte in vollendeter Gottes- und Nächstenliebe seine Berufung, um zur Rettung des Menschen beizutragen. Diese sein ganzes Leben kennzeichnende besondere Sendung verwirklichte er durch die geistliche Begleitung der Gläubigen, durch die sakramentale Versöhnung der Reumütigen und durch die Feier der Eucharistie. Der Höhepunkt seiner apostolischen Tätigkeit war dann erreicht, wenn er die heilige Messe zelebrierte. Die Gläubigen, die daran teilnahmen, spürten die Tiefe und Fülle seiner Spiritualität. Im Bereich der christlichen Nächstenliebe bemühte er sich, die Leiden und Nöte zahlloser Familien zu lindern, hauptsächlich durch die Stiftung »Casa Sollievo della Sofferenza«, die am 5. Mai 1956 eingeweiht wurde.

Leben bedeutete für Pater Pio zugleich glauben. All sein Wollen und all sein Tun standen im Licht des Glaubens. Er betete unablässig. Den ganzen Tag und einen Großteil der Nacht verbrachte er im Gespräch mit Gott. Er pflegte zu sagen: »In den Büchern suchen wir Gott, im Gebet finden wir ihn. Das Gebet ist der Schlüssel zum Herzen Gottes.« Der Glaube bewog ihn, dem geheimnisvollen Willen Gottes immer zuzustimmen.

Eingetaucht in die übernatürlichen Wirklichkeiten, war er nicht nur ein Mensch voller Hoffnung, der seine ganze Zuversicht auf Gott setzte, sondern er vermittelte diese Tugenden allen, die ihn aufsuchten. Er tat dies durch sein Wort und Beispiel.

Die Liebe zu Gott, die ihn erfüllte, übertraf alle seine Erwartungen. Leitprinzip seines Tagesablaufs war die Liebe: Gott lieben und dazu beitragen, daß er geliebt wird. Seine besondere Sorge war es, in der Liebe zu wachsen und auch den anderen dazu zu verhelfen.

Er liebte den Nächsten bis zur Vollendung, indem er mehr als fünfzig Jahre lang unzähligen Menschen, die um seinen Dienst baten und seinen Beichtstuhl aufsuchten, durch Rat und Trost beistand. Es war fast eine Belagerung. Sie suchten ihn in der Kirche, in der Sakristei und im Kloster auf. Und er schenkte sich allen, indem er Glauben weckte, Gnaden austeilte und Erleuchtung brachte. Er sah vor allem in den Armen, Leidenden und Kranken das Bild Christi und schenkte ihnen besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung.

In vorbildlicher Weise übte er die Tugend der Klugheit; er handelte und erteilte seinen Rat im Licht Gottes.

Sein Ziel war der Lobpreis Gottes und das Heil der Menschen. Er behandelte alle gerecht, aufrichtig und voller Achtung.

In ihm erstrahlte die Tugend der Tapferkeit. Er begriff sehr bald, daß sein Weg ein Kreuzweg werden sollte, den er sogleich mutig und voll Liebe annahm. Viele Jahre hindurch hatte er seelisch schwer zu leiden. Jahrelang ertrug er die Schmerzen seiner Wunden mit bewundernswerter Gelassenheit.

Als er Schwierigkeiten und Auflagen in seinem priesterlichen Dienst durchstehen mußte, nahm er das in Demut und Gelassenheit hin. Angesichts ungerechtfertiger Anklagen und Verleumdungen schwieg er. Er vertraute auf das Urteil Gottes, hielt sich an die Weisungen seiner unmittelbaren Vorgesetzten und blieb seinem eigenen Gewissen treu.

Er war gewohnt, sich abzutöten, um die Tugend der Enthaltsamkeit zu üben, wie es dem franziskanischen Lebensstil entspricht. Er suchte die Mitte in seinem Denken und war maßvoll im Leben.

Im Bewußtsein der mit dem geweihten Leben übernommenen Verpflichtungen beobachtete er hochherzig die Ordensgelübde. Er befolgte in allem gehorsam die Anweisungen seiner Oberen, auch wenn sie eine schwere Last bedeuteten. Sein Gehorsam war übernatürlich ausgerichtet, allumfassend angelegt und ganzheitlich gelebt. Er übte die Armut durch das totale Loslassen seiner Selbst, der irdischen Güter, der Bequemlichkeiten und Ehrungen. Er hatte immer eine ganz besondere Vorliebe für die Tugend der Keuschheit. Sein Betragen war überall und allen gegenüber bescheiden.

Er hielt sich für unnütz und der Gaben Gottes unwürdig; er glaubte von sich, voll von Gebrechlichkeiten, aber gleichzeitig mit göttlichen Gnadenerweisen überschüttet zu sein. Bei aller Bewunderung seitens der Welt wiederholte er: »Ich möchte nur ein einfacher Bruder sein, der betet«.

Seit seiner Jugend von zarter Gesundheit, wurde er mit zunehmendem Alter immer gebrechlicher. Bruder Tod holte ihn, wohl vorbereitet und voll Gelassenheit, im Alter von 81 Jahren am 23. September 1968. Seine Beisetzung fand unter außergewöhnlich großer Beteiligung des Volkes statt.

Am 20. Februar 1971, knapp drei Jahre nach dem Tode Padre Pios, äußerte Paul VI. gegenüber den Oberen des Kapuzinerordens: »Seht, welchen Ruhm er erlangt hat, welch weltweite Gefolgschaft er um sich gesammelt hat! Und warum? Weil er vielleicht ein Philosoph war? Weil er ein weiser Mann war? Weil er bemittelt war? Weil er demütig die Messe feierte, vom Morgen bis zum Abend Beichte hörte, und weil er, schwer zu sagen, ein mit den Wundmalen unseres Herrn gezeichneter Stellvertreter war, ein Mann des Gebets und des Leidens«.

Schon während seines Lebens stand er im Ruf der Heiligkeit, die seinen Tugenden, seinem Gebetseifer, dem Opfergeist und der Ganzhingabe für das Heil der Menschen zuzuschreiben war.

In den Jahren nach seinem Tod wurde der Ruf der Heiligkeit und Wundertätigkeit zu einem Ausdruck des kirchlichen Lebens und verbreitete sich unter allen Volksschichten in der ganzen Welt.

So gab Gott der Kirche seine Absicht kund, seinen treuen Diener auf Erden zu verherrlichen. Nach nicht allzu langer Zeit unternahm der Kapuzinerorden die nach dem kanonischen Gesetz vorgeschriebenen Schritte, um den Selig- und Heiligsprechungsprozeß einzuleiten. Nach eingehender Prüfung erteilte der Heilige Stuhl gemäß dem Motu Proprio »Sanctitas Clarior« am 29. November 1982 das »Nihil obstat«. Der Erzbischof von Manfredonia konnte so das Kanonisierungsverfahren einleiten und den Ermittlungsprozeß durchführen (1983-1990), dessen rechtliche Gültigkeit von der Kongregation für die Heiligsprechungsprozesse am 7. Dezember 1990 bestätigt wurde. Nach Abschluß der Positio wurde wie üblich überprüft, ob der Diener Gottes den heroischen Tugendgrad erreicht hatte. Am 13. Juni 1997 fand die zuständige Versammlung der theologischen Berater statt und endete mit positivem Ergebnis. In der ordentlichen Sitzung vom darauffolgenden 21. Oktober bestätigten die Kardinäle und Bischöfe im Beisein des Referenten Bischof Andrea Maria Erba (Velletri-Segni), daß Pater Pio von Pietrelcina die göttlichen Tugenden, die Kardinaltugenden sowie die damit verbundenen Tugenden in heroischem Grad geübt hat.

In Gegenwart von Papst Johannes Paul II. wurde am 18. Dezember 1997 das Dekret über den heroischen Tugendgrad promulgiert.

Für die Seligsprechung von Pater Pio legte die Postulation dem zuständigen Dikasterium die Heilung von Frau Consiglia De Martino aus Salerno vor. Dieser Fall wurde in einem ordentlichen kanonischen Prozeß beim kirchlichen Gericht der Erzdiözese Salerno-Campagna-Acerno in der Zeit von Juli 1996 bis Juni 1997 geprüft. Bei der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse tagten am 30. April 1998 der medizinische Konsult und am 22. Juni desselben Jahres die zuständige Versammlung der theologischen Berater. Am 20. Oktober 1998 fand im Vatikan eine ordentliche Versammlung der Kongregation mit ihren Mitgliedern, Kardinälen und Bischöfen statt. Am 21. Dezember 1998 wurde im Beisein von Papst Johannes Paul II. das Dekret über das Wunder promulgiert. Am 2. Mai 1999 hat Papst Johannes Paul II den ehrwürdigen Diener Gottes Pio von Pietrelcina im Rahmen einer Eucharistiefeier selig gesprochen und den 23. September als Tag für die entsprechende liturgische Feier bestimmt.

Betreffs der Heiligsprechung des seligen Pio von Pietrelcina hat die antragstellende Postulation dem zuständigen vatikanischen Dikasterium den Fall der Genesung des kleinen Matteo Pio Colcha aus San Giovanni Rotondo vorgelegt. Vom 11. Juni bis 17. Oktober 2000 wurde dieser Fall in einem ordentlichen Prozess beim Gerichtshof der Erzdiözese Manfredonia-Vieste verhandelt. Mit Datum vom 23. Oktober 2001 wurde der Kongregation für die Heiligsprechung das Resultat der medizinischen Untersuchung überreicht. Am 11. Dezember fand die entsprechende Sondersitzung der theologischen Kommission statt, und am 18. des gleichen Monats die ordentliche Versammlung der Kardinäle und Bischöfe. Am 20. Dezember 2001 wurde in Gegenwart Johannes Paul II. das Dekret über das Wunder promulgiert, und am 26. Februar 2002 das Dekret zur Heiligsprechung.


 

HEILIGSPRECHUNG VON PATER PIO VON PIETRELCINA

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Sonntag, 16. Juni 2002

1. »Mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht« (Mt 11, 30).

1. Die soeben gehörten Worte Jesu an die Jünger helfen uns, die wichtigste Botschaft dieses feierlichen Gottesdienstes zu verstehen. Ja, wir können sie in gewisser Weise als eine wunderbare Zusammenfassung des ganzen Daseins des heute heiliggesprochenen Paters Pio da Pietrelcina ansehen.

Das im Evangelium verwandte Bild vom »Joch« ruft die vielen Prüfungen in Erinnerung, die der demütige Kapuziner von San Giovanni Rotondo durchstehen mußte. An ihm sehen wir heute, wie wenig das »Joch« Christi drückt, und wie leicht seine Last ist, wenn man sie mit treuer Liebe trägt. Leben und Sendung von Pater Pio bezeugen, daß Schwierigkeiten und Leid, wenn sie aus Liebe angenommen werden, sich in einen bevorzugten Weg der Heiligkeit verwandeln, der die Perspektive auf ein viel höheres Gut öffnet, das nur der Herr kennt.

2. »Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen« (Gal 6, 14).

Zeichnete sich Pater Pio nicht hauptsächlich dadurch aus, daß er sich »des Kreuzes rühmte«? Die von dem einfachen Kapuziner aus Pietrelcina gelebte Spiritualität des Kreuzes ist überaus aktuell. Unsere Zeit muß diesen Wert wiederentdecken, damit sie das Herz auf die Hoffnung hin öffnet.

In seinem ganzen Leben hat er eine immer größere Ähnlichkeit mit dem Gekreuzigten angestrebt, wobei er sich seiner besonderen Berufung bewußt war, in einzigartiger Weise am Heilswerk mitzuwirken. Ohne diesen ständigen Bezug auf das Kreuz versteht man seine Heiligkeit nicht.

Im Plan Gottes ist das Kreuz das wahre Heilswerkzeug für die ganze Menschheit und der vom Herrn ausdrücklich angebotene Weg für alle, die ihm nachfolgen wollen (vgl. Mk 16, 24). Der heilige Bruder vom Gargano hatte dies vollkommen erkannt, als er am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel im Jahr 1914 schrieb: »Wenn wir zu unserer endgültigen Bestimmung gelangen wollen, müssen wir dem göttlichen Haupt folgen. Gott will die erwählte Seele auf keinen anderen als den von ihm beschrittenen Weg führen; ich meine, auf den Weg der Selbstverleugnung und des Kreuzes« (Epistolarium II , S. 155).

3. »Ich, der Herr, bin es, der auf der Erde Gnade schafft« (Jer 9, 23).

Pater Pio war ein hochherziger Ausspender der göttlichen Gnade, indem er allen zur Verfügung stand durch die Aufnahmebereitschaft, die geistliche Führung und besonders durch die Spendung des Bußsakraments. Auch mir wurde das Privileg zuteil, in meinen Jugendjahren in den Genuß seiner Verfügbarkeit gegenüber den Beichtenden zu kommen. Der Dienst im Beichtstuhl, der für sein Apostolat kennzeichnend war, hat große Scharen von Gläubigen zum Kloster von San Giovanni Rotondo hingezogen. Auch wenn dieser einzigartige Beichtvater die Pilger scheinbar mit Härte behandelte, kehrten sie, der schweren Sünde bewußt und wirklich reumütig, fast immer zur versöhnlichen Umarmung der sakramentalen Vergebung zurück.

Sein Beispiel möge die Priester dazu anspornen, mit Freude und Seeleneifer diesen Dienst zu vollbringen, der auch heute sehr wichtig ist, wie ich im Schreiben an die Priester zum vergangenen Gründonnerstag betonen wollte.

4. »Herr, mein ganzes Glück bist du allein.«

So haben wir im Antwortpsalm gesungen. Mit diesen Worten lädt uns der neue Heilige ein, Gott über alles zu stellen, ihn als unser einziges und höchstes Gut zu betrachten.

Denn der tiefste Grund des apostolischen Wirkens von Pater Pio, die eigentliche Wurzel seiner großen geistlichen Fruchtbarkeit findet sich in der festen inneren Verbundenheit mit Gott, deren sprechendes Zeugnis die vielen im Gebet und im Beichtstuhl verbrachten Stunden waren. Er pflegte zu sagen: »Ich bin ein einfacher Bruder, der betet«, überzeugt davon, daß »das Gebet die beste Waffe ist, die wir haben, ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet.« Dieses grundlegende Merkmal seiner Spiritualität setzt sich fort in den von ihm gegründeten »Gebetsgruppen«, die durch ihr unablässiges und vertrauensvolles Gebet in großartiger Weise zum Wohl der Kirche und der Gesellschaft beitragen. Mit dem Gebet hat Pater Pio eine intensive karitative Tätigkeit verbunden, deren schönster Ausdruck die »Casa Sollievo della Sofferenza« ist. Gebet und Nächstenliebe, das ist die konkrete Zusammenfassung der Lehre Pater Pios, die heute allen erneut angeboten wird.

5. »Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.« (Mt 11, 25).

Wie zutreffend erscheinen diese Worte Jesu, wenn man sie auf dich, einfacher und geliebter Pater Pio, bezieht.

Wir bitten dich, lehre auch uns die Einfachheit des Herzens, damit wir zu den Kleinen des Evangeliums gezählt werden, denen der Vater die Geheimnisse seiner Reiches zu enthüllen verheißen hat.

Hilf uns zu beten, ohne zu ermüden, getragen von der Gewißheit, daß Gott weiß, was wir brauchen, bevor wir ihn darum bitten.

Erlange uns den Blick des Glaubens, der in den Armen und Leidenden das leidende Antlitz Jesu zu sehen vermag.

Hilf uns in der Stunde des Kampfes und der Prüfung, und, wenn wir fallen, laß uns die Freude des Sakraments der Vergebung spüren.

Vermittle uns deine zärtliche Verehrung für Maria, die Mutter Jesu und unsere Mutter.

Begleite uns auf dem Pilgerweg auf Erden in die selige Heimat, wohin auch wir – so hoffen wir – gelangen werden, um in Ewigkeit die Herrlichkeit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu schauen. Amen.

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Quelle

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Siehe dazu auch: