Auszug aus: Andrea Tornielli: Das Geheimnis von Pater Pio und Karol Wojtyla


1. EIN TREFFEN AN EINEM
APRILNACHMITTAG

Freitag, 30. April 1999. In Rom hat schon die Invasion der Pilger begonnen, die zur Seligsprechung von Pater Pio von Pietrelcina gekommen sind, des Kapuziners mit den Wundmalen, des „Heiligen vom Gargano“. Ein Heiliger, der bei manchen umstritten ist, der von vielen als „politisch inkorrekt“ angesehen wird, als Symbol einer urtümlichen, wenig modernen Religiosität. Ein Heiliger, der vom christlichen Volk geliebt, sehr geliebt wird.

Ich sehe sie in Gruppen daherkommen, die Pilger, mit ihren blauen Hütchen und den weißen Halstüchern, auf denen das Bild des Paters aufgedruckt ist. Auf dem Platz vor der vatikanischen Basilika wird gerade getestet, ob die Übertragungsanlage funktioniert, und Tausende von jungen Leuten stimmen Gesänge zu Ehren von Johannes Paul II. an. Während ich mit raschem Schritt auf die von der Schweizergarde errichtete Absperrung zugehe, werfe ich einen letzten Blick auf diese Vorhut des Popolo di Padre Pio, „der Gemeinde Pater Pios“, auf diese einfachen Leute, die zur Seligsprechung des stigmatisierten Kapuziners in die Hauptstadt geeilt sind. Im Grunde stellt das, was jetzt gleich geschehen soll, in gewisser Weise eine Revanche dar, gerade für sie. Oder, besser gesagt, keine Revanche, sondern der Beweis, dass, wenn auch langsam, in einem Zeitmaß, das wir nicht verstehen, in der Kirche doch Gerechtigkeit geschieht: Diese unbequeme, blutvolle Persönlichkeit, die so stark dem Traditionalismus anhing und so wenig in die Zeit zu passen schien, die so sehr angefeindet und manchmal auch verfolgt worden war von Prälaten, die nicht immer uneigennützig waren, und sogar von manchen Päpsten, wird nun gleich seliggesprochen werden. Waren die kirchenrechtlichen Sanktionen, die im Laufe seines langen und mühevollen Lebens gegen ihn verhängt worden waren, ungerecht? Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, darüber zu diskutieren. Das, was zählt, ist die Tatsache, dass dieser Ordensmann mit dem ungepflegten Bart und dem unverwechselbaren apulischen Akzent sie im Gehorsam angenommen und sich seinen Oberen unterworfen hat. Er hat gelitten, viel gelitten — nicht nur körperlich, gepeinigt von den Stigmata, sondern auch geistig. Er hat darunter gelitten, nicht verstanden zu werden von seinen Oberen, von Leuten aus der kirchlichen Hierarchie, die des Gewandes, das sie trugen, nicht immer würdig waren. Er ist auch vom Teufel im Laufe seines Lebens versucht worden, zu wiederholten Malen. Er war ein Kapuziner, der von Gott sprach, ohne dabei irgendwelche Abstriche zu machen; der den Glauben in seiner vollen Gestalt vorlegte, der von Jesus und von der Gottesmutter sprach, der die wirksame Gegenwart jenes personalen Wesens, das der Satan, der Versucher ist, nicht verschwieg. Er war ein Kapuziner, der einen guten Teil seines Lebens im Beichtstuhl verbrachte, der dort als Vermittler jener göttlichen Gnade wirkte, die es jedem Menschen ermöglicht, wieder von Neuem zu beginnen und die Reinheit der Taufe wiederzuerlangen. Wie viele Menschen sind nach San Giovanni Rotondo gekommen, wie viele haben sich vor diesem Beichtstuhl niedergekniet! Wie viele Männer und Frauen, wie viele Schwestern und Mütter, wie viele Eltern und Kinder … Sie riss nicht ab, die Prozession der Gläubigen, der einfachen Gläubigen, in jenem abgelegenen Kloster auf dem Gargano, aus dem dann auch ein großes Krankenhaus entstanden ist, Casa Sollievo della Sofferenza1. Wie viel Leiden und Elend haben die Ohren dieses Ordensmannes gehört, wie viele Häupter haben seine Hände gesegnet, die stets verborgen waren in diesen eigenartigen fingerlosen wollenen Handschuhen, die er auch im Sommer trug, um die Stigmata zu bedecken, die Spuren der Kreuzesnägel, die ihm das Fleisch durchbohrten und ihm unaussprechliche Schmerzen verursachten. Viele, wirklich sehr viele sind nach San Giovanni Rotondo gekommen, als Pater Pio noch am Leben war. Viele, sehr viele besuchen diesen Ort auch weiterhin, jetzt, wo er nicht mehr da ist. Viele Gnaden sind dort geschenkt worden, viele Wunder haben sich ereignet, aber vor allem viele Bekehrungen. Ich denke an diesen ganzen breiten Strom von Gutem, den die göttliche Vorsehung auf die verwundete und leidende Menschheit gelenkt hat. Ich denke an das Gesicht, das dieser ungebildete Kapuziner — der so wenig auf einer Linie liegt mit einer gewissen modernen Theologie, mit gewissen Vertretern der kirchlichen intellighenzia2, die die Volksreligiosität mit Argwohn betrachten, als ob sie ein archaisches Phänomen wäre, das man exorzieren müsste — machen würde, wenn er heute über den Petersplatz gehen würde.

Ich schaue mir die Pilger an und beobachte dann die mittlere Loggia der vatikanischen Basilika. Ein riesiges Tuch mit dem Bild von Pater Pio aus Pietrelcina wird in

1 „Haus der Linderung des Leidens“.
2 Eine Gruppe der wissenschaftlich Gebildeten.

wenigen Stunden auf diesem Platz, der als das Herz der Christenheit gilt, enthüllt werden, sobald der greise Papst die lateinische Seligsprechungsformel gesprochen haben wird. Ich denke an die große, grenzenlose Freude all derer, die in ihren — oft ärmlichen — Häusern ein Bild des „Heiligen vom Gargano“ hängen haben, an die, die ihn immer angerufen haben, an die, die ihn geliebt haben. Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, während ich die bereits müden Pilger betrachte, die aus ihren Bussen aussteigen, mit ihren Picknicktüten und ihren Klappstühlchen, mit denen sie im Sitzen an der Zeremonie teilnehmen können.

Dann schaue ich nach oben zum Apostolischen Palast, in dessen Räumen Johannes Paul II. gerade arbeitet, der erste polnische Papst der Kirchengeschichte. Ihm schreibt man den entscheidenden Stoß zu, der zum Fall des Kommunismus geführt hat, und zweifellos hat er, der aus dem Osten gekommen ist, um die Welt daran zu erinnern, dass der Eiserne Vorhang die Völker und die Kulturen nicht zu trennen vermag, zum Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus im Jahre 1989 beigetragen. Die Welt, die sich nunmehr für befriedet hielt, hat dann neue Kriege gesehen, im Nahen Osten und auch in Europa, nur wenige hundert Kilometer von uns entfernt im ehemaligen Jugoslawien. Die Kämpfe des Kosovo-Krieges sind eben erst zu Ende. Welch ein Irrtum ist es, die Gestalt dieses Giganten des 20. Jahrhunderts allein mit politischen oder geopolitischen Maßstäben zu messen! Wer Johannes Paul II. kennengelernt hat, wer ihn hat beten sehen, hegt keinen Zweifel daran, dass dieser Papst, der gleich Pater Pio zur Ehre der Altäre erheben wird, ein Mystiker ist, ein Mystiker, der fähig ist, die Geschichte, die Vergangenheit, die Gegenwart und auch die Zukunft im Lichte des Glaubens zu lesen, im Lichte des Handelns Gottes. Es sind völlig unterschiedliche Geschichten, die von Pater Pio von Pietrelcina, mit bürgerlichem Namen Francesco Forgione, und die von Johannes Paul II., mit bürgerlichem Namen Karol Wojtyla. Es sind verschiedene Geschichten, weit voneinander entfernte Wege, die doch so sehr vereint sind durch das Leiden und durch die vollständige Hingabe an den Willen Gottes in jedem Augenblick der Existenz. Und es sind Geschichten, die begonnen haben, sich an einem Aprilabend im Jahre 1948 zu überschneiden, als ein junger polnischer Priester auf den Gargano hinaufsteigt, nach einer stundenlangen Zugfahrt, um diesen Pater persönlich kennenzulernen, von dem in Rom viele reden. Und diese Geschichten sind dazu bestimmt, sich noch weiter zu überschneiden. An ihrem Ende ist dieser magere polnische Priester mit den hohlen Wangen Papst geworden, er hat in seinem eigenen Fleisch das Leiden kennengelernt, er ist dem Tod ganz nahegekommen durch die Kugeln, die der türkische Attentäter am 13. Mai 1981 abgefeuert hat. Und jetzt bereitet er sich darauf vor, auf diesem selben Platz, der ihn fast zum Märtyrer hätte werden lassen, Pater Pio seligzusprechen. Derselbe Ordensmann, auf den der Bannstrahl des Heiligen Offiziums3 niedergefahren war, wird jetzt der Kirche als Beispiel vor Augen gestellt.

Es ist Nachmittag, und ich bin in einem der kirchlichen Paläste auf der anderen Seite des Tibers mit einem alten Monsignore verabredet, mit einem Kanoniker von Sankt

3 „Heiliges Offizium“ ist die alte Bezeichnung für die „Kongregation für die Glaubenslehre“.

Peter, und zwar um mit ihm eben über Pater Pio zu sprechen. Er ist ein typischer Mann aus der Romagna, ein großer Kenner der lateinischen Sprache, ein treuer Mitarbeiter vieler Päpste, und er schätzt den stigmatisierten Mönch sehr. Seit vielen Jahren hat er infolge eines Schlaganfalls gewisse Schwierigkeiten beim Sprechen und beim Gehen, aber das hindert ihn nicht, die Messe zu feiern und noch andere pastorale Aktivitäten zu übernehmen, wenn auch als Pensionär. Gerade er war — ohne es zu wissen — der Vermittler eines „Wunders“, einer besonderen Gnade, die durch die Fürbitte von Pater Pio erlangt worden war, und zwar im Jahre 1962 auf die Bitte von Karol Wojtyla hin, als der zukünftige Papst noch der junge Weih-bischof und Kapitularvikar in Krakau war. Eine Geschichte, über die jahrelang nur getuschelt worden war und die dann nach der Wahl Johannes Pauls II. wieder ans Licht kam. Und ein Wunder, das nach strenger Logik gar nicht als solches bezeichnet werden kann, weil es niemals von der medizinischen Kommission der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse offiziell bestätigt und dokumentiert worden ist. Jedoch war bis zu diesem Moment niemand direkt zurückgegangen bis zu ihm, zu Mons. Guglielmo Zannoni, einem betagten Prälaten mit einem lächelnden Gesicht hinter einer dicken Brille, der jetzt, vor meinen Augen, in der Residenz der Kanoniker von Sankt Peter mit kurzen, schnellen Schritten seine Wohnung durchmisst, wobei er ein Bein leicht nachzieht. Er ist fünfundachtzig Jahre alt, stammt aus Rimini und trägt einen blauen Pullover aus schwerer Wolle, obwohl sich die milde Wärme des schon fortgeschrittenen Frühlings in Rom deutlich bemerkbar macht. Seine Füße stecken in einem Paar schwarzer Filzpantoffeln.

„Ich hab’s gleich für Sie … noch einen Moment Geduld!“, sagt er zu mir, während er sich vom einen Ende seines Arbeitszimmers zum anderen bewegt und sich an Schubladen, Mappen, Ordnern zu schaffen macht. Er ist auf der Suche nach ein paar Dokumenten, die er mir vorlegen will. Aus einer staubigen Mappe kommen alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen zum Vorschein, die ihn an der Seite von Johannes XXIII. und Paul VI. zeigen. Aber die Briefe, die er sucht, tauchen noch nicht wieder auf. In der Zwischenzeit habe ich das Aufnahmegerät herausgeholt, weil ich hoffe, mit einem Interview in die Redaktion des Giornale4 zurückkehren zu können — und ich werde nicht enttäuscht werden.

„Gemäß meinen bescheidenen Möglichkeiten und ohne es zu wissen, bin ich zum Vermittler für ein Wunder geworden, das Karol Wojtyla von Pater Pio erbeten hat“, flüstert Mons. Guglielmo Zannoni, der sechzig Jahre als Priester im Dienste des Heiligen Stuhls verbracht hat. Schließlich gibt eine Schublade des Schreibtisches aus dunklem Nussbaum das so sehr gesuchte Dokumentenbündel frei. Es sind Dokumente, die vom Glauben sprechen, von der Bitte um Gnade, von Wundern — mit einem Wort: vom Christentum. Wenige Meter Luftlinie von seiner Wohnung im zweiten Stock der Domherrenkurie von Sankt Peter entfernt ist jetzt, an diesem Frühjahrsnach¬mittag mit seinem bleiernen Himmel, alles bereit für die Zeremonie.

„Im November 1962, während des Ökumenischen Konzils, des Zweiten Vatikanums, das gerade eröffnet worden war“, erzählt Zannoni, „war Karol Wojtyla, damals Weih-

4 II Giornale ist eine italienische Tageszeitung mit Sitz in Mailand.

bischof in Krakau, hier in Rom, um an der Arbeit des Konzils teilzunehmen. Er hatte einen Freund an der Kurie, einen Kommilitonen aus dem Seminar, den ich jeden Tag in der Kantine von Santa Marta beim Mittagessen traf: Mons. Andrzej Deskur, heute Kardinal. Eines Tages zeigte mir Deskur einen in Latein geschriebenen Brief und fragte mich, wie er ihn Pater Pio zukommen lassen könne.“ Der Brief, von dem der betagte Prälat noch eine verknitterte Kopie besitzt, ist auf den 17. November 1962 datiert und wurde von dem zukünftigen Papst geschrieben, als der im Pontificio Collegio Polacco, dem Päpstlichen Polnischen Kolleg, weilte:

„Ehrwürdiger Vater, ich bitte Dich, für eine Mutter von vier Töchtern zu beten, die vierzig Jahre alt ist und in Krakau in Polen lebt. Während des letzten Krieges war sie fünf Jahre lang als Gefangene in einem Konzentrationslager in Deutschland. Jetzt ist sie schwer krebskrank und schwebt in Lebensgefahr …“

Die Frau ist Wanda Poltawska, eine Altersgenossin und Freundin der Familie des Pontifex, Professorin für Psychiatrie. Damals war sie in Lebensgefahr wegen einer schweren Form von Darmkrebs: Die Ärzte waren schon zu dem Ergebnis gekommen, dass auch ein chirurgischer Eingriff keinen Sinn mehr habe, weil der zu entfernende Teil zu umfangreich sei.

„Ich habe Pater Pio gut gekannt“, erzählt Zannoni weiter, mit seinen lebhaften Augen, die mich aufmerksam betrachten und sich immer wieder auf die Säulenreihe jenes Platzes richten, der binnen Kurzem der Schauplatz der Seligsprechung sein wird. „Ich war eng befreundet mit Angelo Battisti, der in der Woche als Schreibkraft im Staatssekretariat arbeitete und dann für den Samstag und den Sonntag nach San Giovanni Rotondo fuhr und als Verwalter des Krankenhauses Casa Sollievo della Sofferenza fungierte. Ihm gab ich den Brief des Krakauer Weihbischofs mit der Bitte, ihn Pater Pio persönlich auszuhändigen.“ Battisti fuhr sofort los. „Sobald er im Kloster angekommen war, bat ihn der Pater, ihm das Schreiben vorzulesen“, erzählt der Monsignore mit einer von der Emotion belegten Stimme. „Nachdem er die Bitte angehört hatte, lautete der einzige Kommentar von Pater Pio: ,Angelino, dazu kann man nicht Nein sagen.“

Danach vergehen elf Tage im Schweigen. Dann überreicht Deskur seinem Freund Zannoni, den er jeden Tag in der Kantine trifft, einen zweiten Brief. Der Monsignore sorgt sofort dafür, dass er — auf dem üblichen Wege an sein Ziel gelangt, nämlich in die Hände von Pater Pio. „Das zweite Schreiben ist auf den 28. November 1962 datiert“, erläutert Zannoni, „und ebenso wie das vorige in Latein geschrieben.“

„Ehrwürdiger Vater, die Frau aus Krakau, die Mutter von vier Töchtern, ist am 21. November, noch vor dem chirurgischen Eingriff, plötzlich genesen. Danken wir Gott dafür! Und ich danke ganz besonders Dir, ehrwürdiger Vater, auch in ihrem Namen und im Namen ihres Mannes und ihrer ganzen Familie.“

Der furchtbare Darmkrebs war auf einmal verschwunden. Wanda Poltawska ist am Leben, sie ist auch heute noch am Leben, am Tag vor der Seligsprechung von Pater Pio, siebenunddreißig Jahre nach der tragischen Krankheit und der unerklärlichen Genesung. „Niemand konnte sich damals vorstellen, dass dieser junge polnische Bischof, der nach Rom gekommen war, um am Konzil teilzunehmen, eines Tages Papst werden würde“, sagt Zannoni mit einem Lächeln zu mir, „niemand — außer Pater Pio.“ Einige Jahre später, kurz bevor er starb, wollte der stigmatisierte Ordensmann seine Korrespondenz vernichten. „Angelo Battisti war derjenige, der ihm half, seine Papiere in Ordnung zu bringen. Und als ihm die beiden Briefe mit der Unterschrift Karol Wojtylas in die Hände fielen, sagte Pater Pio: ,Bewahre du sie auf, denn sie werden eines Tages wichtig werden.“ So verwahrte der Mann, der als Schreibkraft im Staatssekretariat arbeitete, die Briefe in einer Schublade seiner Wohnung und vergaß sie. „Im Oktober 1978″, fährt Monsignore Zannoni fort, „sogleich nach der Wahl Papst Johannes Pauls II., holte Angelino Battisti sie heraus und gab mir eine Kopie davon. Auch wenn sie im Seligsprechungsprozess nicht offiziell berücksichtigt worden sind — sie haben doch dazu geführt, dass der Papst die Sache von Pater Pio in Betracht gezogen hat.“ Und in der Tat hatte Karol Wojtyla, als er Erzbischof von Krakau und Kardinal geworden war, dieses unerwartete Wunder, diese besondere Gnade, die auf die Fürbitte des Ordensmannes vom Gargano hin gewährt worden war, nicht vergessen. Er hatte ein Gesuch der polnischen Bischöfe an Papst Paul VI. initiiert, das um die Eröffnung eines Seligsprechungsprozesses für Pater Pio bat. „Und als er dann zum Papst gewählt worden war, hat er selbst dafür gesorgt …“, sagt Zannoni, während er den Vorhang vor dem Fenster seines Arbeitszimmers zur Seite schiebt und auf den Platz hinunterschaut.

„Es ist für mich eine große Genugtuung, eine große Freude“, flüstert er, während ein Lächeln über sein ganzes Gesicht geht. „Pater Pio hat viel gelitten, sehr viel, es hat eine Zeit gegeben, als man im Vatikan nicht einmal seinen Namen nennen durfte. Und zu mir, der ich zu den wenigen gehörte, die ihn verteidigten, sagte man, ich solle schweigen. Aber ich war sicher, dass er ein Heiliger war. Ich habe immer daran geglaubt und bin deswegen öfter zu ihm gefahren.“

Bevor ich gehe, mit den beiden Briefen, die in meiner Zeitung abgedruckt werden sollen, stelle ich dem Monsignore, dessen Gesicht vor Heiterkeit, ja vor Glück strahlt, nachdem er mir diese Geschichte erzählt hat, eine letzte Frage: „Monsignore, werden Sie auch bei der Zeremonie anwesend sein, die Johannes Paul II. feiern wird?“ — „Normalerweise gehe ich nicht hin, wegen meines Alters“, antwortet er mir, steht auf und geht noch einmal ans Fenster. „Aber Sie können sicher sein: In zwei Tagen werde ich, so Gott will, da sein und auf dem Petersplatz sitzen. Ja, ich werde auch da sein. Für mich gehört Pater Pio sozusagen zur Familie … Es wird ein großer Tag werden.“

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Quelle: Buch: Andrea Tornielli – Das Geheimnis von Pater Pio und Karol Wojtyla – Media Maria

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DER PATER-PIO-BESUCH DES PAPSTES FRANZISKUS

San Giovanni Rotondo wartet auf Papst Franziskus

Freudige Erwartung in San Giovanni Rotondo

Große Erwartung an den Gedenkstätten für den heiligen Kapuzinerpater Padre Pio: am Samstagmorgen wird Papst Franziskus aus Anlass seines 50. Todestages zunächst den Geburts- und danach den Wirkungsort des Heiligen besuchen, der wie kaum ein anderer in Italien verehrt wird.

Christine Seuss – Vatikanstadt und Debora Donnini – San Giovanni Rotondo

Bereits zu Lebzeiten zog Pater Pio Scharen von Hilfssuchenden an, die sich von ihm wundersame Heilungen und Gnaden versprachen. Doch der Pater blieb stets zurückhaltend und scheu, trotz der enormen Aufmerksamkeit und der großen Erwartungen, die an ihn gerichtet wurden. Das bestätigt im Gespräch mit Vatican News der Erzbischof von Manfredonia-Vieste-San Giovanni Rotondo, Michele Castoro, in dessen Zuständigkeit der Wallfahrtsort fällt.

„Pater Pio war ein Mann des Wesentlichen. Das ist auch der Grund, warum sich Papst Franziskus auf gewisse Weise in ihn ,verliebt´ hat: auch wenn er von bekannten Schauspielern, Sportlern und Politikern umgeben war, die nach San Giovanni Rotondo kamen, um ihn zu treffen, blieb er immer sehr scheu und fern von den weltlichen Verlockungen. Wer ihn um eine Gnade bat, dem sagte er: ,Nein, nein, ich erteile keine Gnaden. Die erteilt nur der Herr. Ich bin nur ein niedriger Pater, der betet. Ich werde ein Gebet für dich sprechen.´“

Es seien zwei Aspekte, auf die sich diese Konzentration auf das Wesentliche bei Pater Pio festzurren lasse, so der Erzbischof: denjenigen der Nächstenliebe und den des Gebets.

„Er war ein jenseitsgewandter Mensch: er betete von morgens bis abends. Er nahm zu allen Stunden die Beichte ab. Und dann hatte er diese große Eingebung, das ,Casa Sollievo della Soffernza´, also das ,Haus der Linderung der Leiden´ zu gründen, ein Werk, das ihm sein Herz eingegeben hat, das Haus, in dem er die Kranken aufnahm. Heute ist dieses ein großes Krankenhaus geworden, ein exzellentes Krankenhaus nicht nur im italienischen, sondern auch im europäischen Vergleich.“

Das Krankenhaus, das auch eine Kinderkrebsstation besitzt, gehört zu den Zielen, die Papst Franziskus während seines nur wenige Stunden dauernden Aufenthaltes in Pietrelcina und San Giovanni Rotondo ansteuern wird. Dort ist ein Besuch der Station vorgesehen, auf der die kleinen Patienten von ihrer schweren Krankheit geheilt werden sollen. Auch Papst Benedikt XVI. hatte im Jahr 2009 die Einrichtung besucht.

Die Leiterin der Kinderkrebsstation, Lucia Miglionico, hat eine besondere Beziehung zu Papst Franziskus: im Jahr 2014 hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann als Auditorin an der Bischofssynode zu Ehe und Familie teilgenommen und den Papst bei dieser Gelegenheit persönlich treffen können. Im Gespräch mit Vatican News erzählt sie, wie sie Papst Franziskus in ihr Krankenhaus eingeladen hatte:

„Während der Arbeiten der Synode gab es viele Momente, in denen der Papst sich sowohl mit den Synodenvätern als auch mit den Familien getroffen hat. Und es war bei einer dieser Gelegenheiten, dass ich ihm nicht nur den Gruß und die Briefe unserer kleinen Patienten überbringen konnte, sondern auch eine Einladung, sie besuchen zu kommen. Und der Papst hat gesagt: ,Bete dafür, und vielleicht wird das dann eines Tages Wirklichkeit.´“

Die gesamte Station, die einzige, die Franziskus in dem Krankenhaus gesondert besuchen wird, sei in Aufruhr, seit die kleinen Patienten vom Besuch des Papstes erfahren hätten, berichtet die Ärztin – ein „freudiges Getümmel, wie es nur Kinder schaffen können.“ Der Papst werde sehnlichst erwartet, und die Vorfreude breche sich im Basteln vieler kleiner Geschenke Bahn.

„Die kleinen Arbeiten, die die Kinder vorbereiten, abgesehen von Schildern, Briefen und Bildern, sind ihre speziellen Gedanken für den Papst, ihre spontanen Eingebungen. Ich habe einen der Briefe gesehen, in dem stand beispielsweise: ,Heiliger Vater, ich bete für dich, aber du bete bitte für meine Oma, denn in diesem Augenblick kümmert sie sich daheim um meinen kleinen Bruder, denn Mama ist mit mir im Krankenhaus.´ Ich glaube, ein schöneres Gebet könnte der Heilige Vater nicht in seinen Händen und in seinem Herzen empfangen.“

22 Kinder sind es, die derzeit stationär behandelt werden, dazu gibt es zwischen 15 und 20 Tagespatienten, erzählt Miglionico. Gut 40 Kinder, alle aktuell in Behandlung, werden es also sein, die den Papst erwarten, neben den ehemaligen Patienten, die es sich sicherlich nicht nehmen lassen werden, den Papst außerhalb der Station grüßen zu wollen, so die Einschätzung der Ärztin. Pater Pio sei in seiner Einrichtung auch 50 Jahre nach seinem Tod noch sehr präsent, täglich werde in seinem Sinne gebetet und den Kindern seine Figur in Erzählungen nahe gebracht. Was bedeute es aber nun für die Einrichtung, dass der Papst bei seinem Besuch auf den Spuren des Kapuzinerpaters ein so spezielles Augenmerk auf die Kinderkrebsstation lege, wollten wir noch wissen:

„Von dem Beispiel, das der Papst uns in seinem Pontifikat gegeben hat, haben wir gelernt, dass er besonders die Familien und die Armen bevorzugt. Unter den Armen finden sich die Kranken, und unter ihnen die Kinder. Und insbesondere krebskranke Kinder sind meiner Meinung nach die Ärmsten von allen.“

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Papst über Pater Pio: Er liebte die Kirche

Erste Station des kurzen, aber intensiven Pastoralbesuchs des Papstes nach Süditalien war an diesem Samstagmorgen die kleine Ortschaft Pietrelcina, Geburtsort des heiligen Pater Pios, Kapuziner und Mystiker.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Die eintägige Reise nach Süditalien begann früh am Samstagmorgen: bereits um 7 Uhr ging es los. Per Hubschrauber flog Franziskus nach Pietrelcina in der Region Kampanien, wo am 25. Mai 1887 Pater Pio zur Welt kam. Der Papst traf dort kurz nach 8 Uhr Gläubige und die Kapuziner-Gemeinde, den Orden, dem auch der heilige Pater Pio angehörte. In seiner Ansprache ging der Papst auf die Bedeutung des Mystikers ein.

„Er liebte die Kirche mit all ihren Problemen und Schwierigkeiten und all unseren Sünden. Wir schämen uns darüber, aber der Heilige Geist Gottes hat uns in diese Kirche berufen, die ja heilig ist. Und Pater Pio liebte diese heilige Kirche und ihre sündigen Kinder und zwar alle. Das war der heilige Pio.“

“ Pater Pio liebte diese heilige Kirche und ihre sündigen Kinder und zwar alle. ”

Danach ging er auf die „Liebe Gottes“ ein, die darin besteht, dass der Herr soweit ging, dass er sein Leben für uns hingab, erinnerte der Papst. Der Geburtsort Pater Pios ist selbst bei vielen Bewunderern des heiligen Mystikers nicht so bekannt wie die eigentliche Wirkungsstätte San Giovanni Rotondo in der Region Apulien, in die der Papst im Anschluss weiter fuhr. 1911 war Pater Pio für kurze Zeit wieder in Pietrelcina.

„In jener Zeit gab es keine Antibiotika und man versuchte die Krankheiten so zu kurieren, indem man zurück zum Heimatdorf, also zur Mamma, ging. Dort aß man gute Speisen, atmete frische Luft und betete. Das tat auch der damals erkrankte Pater Pio, so wie es jeder zu jener Zeit tat, so wie es die Bauer in dieser Gegend taten. Das war seine Vornehmheit. Er verleugnete nie seine Heimat und seine Wurzeln und auch nicht seine Familie.“

 

Kampf gegen den Teufel

Pater Pio war auch für seinen „Kampf gegen den Teufel“ bekannt. Auch darauf ging Franziskus ein.

„Der Teufel gibt nie Ruhe, er ist immer in Bewegung. Glaubt ihr überhaupt an den Teufel? Seid ihr nicht so sehr davon überzeugt? Nun, sonst sage ich dem Bischof, er soll darüber Katechesenreihen durchführen“, scherzte der Papst. Auch Pater Pio war für seine ironischen Bemerkungen berühmt. Man müsse das Böse mit der christlichen Fröhlichkeit bekämpfen, so ein Leitspruch. Und ein weiterer Spruch Pater Pios über den Teufel, auf den der Papst einging, lautete: Wer sich Jesus hingibt, der wird vom Teufel befreit.

„Darin finden wir die gesamte Theologie! Wenn du ein Problem hast, traurig bist oder krank, dann lass dich in die Hände Jesu fallen. Das tat Pater Pio. Er liebte Jesus und traute ihm.“

Es sei wichtig, als Gemeinschaft immer zusammenzuhalten, so der Papst.

„Ein Dorf, in dem es jeden Tag Streit gibt, kann nicht wachsen. Das erschrickt die Leute. Ein Dorf, in dem Frieden herrscht und sich alle mögen – mehr oder weniger – in dem man dem anderen nichts Böses wünscht, da gibt es Wachstum. Selbst in einem kleinen Dorf kann das passieren, größer zu werden und stark. Bitte, verschwendet nicht eure Kräfte dabei, miteinander zu streiten.“

Weiter ging Franziskus auf die Landflucht vieler jungen Menschen, gerade in Süditalien, ein. Gleichzeitig erinnerte der Papst an die Bedeutung der älteren Menschen. Sie seien eine Stütze. „Es würde mir gefallen, wenn man einmal den Nobelpreis den älteren Menschen als solche geben würde, weil sie die Erinnerung der Menschheit sind“, so der Papst.

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Papst bei Pater Pio: Ein „Gefällt mir“ reicht nicht

Zum Abschluss des eintägigen Pastoralbesuchs in Süditalien feierte Franziskus im Wallfahrtsort San Giovanni Rotondo eine Messe. Beim Grab des heiligen Pater Pios rief der Papst die Gläubigen auf, für den Lebensschutz und die Benachteiligten einzustehen.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Tausende Gläubige nahmen an der Messe mit dem Papst auf dem Vorplatz der modernen Wallfahrtskirche teil. Der Bau des italienischen Architekten Renzo Piano ist auch für seine Mosaiken des slowenischen Jesuitenpaters Marko Ivan Rupnik berühmt. In seiner Predigt ging der Papst auf die Bedeutung des Volksheiligen ein. Pater Pio, der zwischen 1887 und 1968 lebte, hat den größten Teil seines Lebens in dem kleinen Ort San Giovanni Rotondo auf der süditalienischen Halbinsel Gargano verbracht. Dort war der Kapuzinerpater als Beichtvater und Begründer eines Krankenhauses ein beliebter Seelsorger gewesen. Anlass des halbtägigen Besuchs des Papstes in Pater Pios Geburtsort Pietrelcina und in San Giovanni Rotondo war das 50. Todesjahr des Heiligen.

Vorbild Pater Pio konkret umsetzen

Der Papst mahnte in seiner Predigt die Gläubigen, das Vorbild des Heiligen im eigenen Leben konkret umzusetzen. Ein bloßes „Gefällt mir“ reiche nicht, so Franziskus. Es sei wichtig, die Bedeutung des Gebets wiederzuentdecken, fuhr Franziskus fort. Gott könne man nicht kennen, wenn man ihm nicht Zeit widme. Beten heiße demnach, in einem „freien und vertrauensvollen Dialog“ das ganze Leben vor Gott zu tragen. Beistand verlangte der Papst vor allem für Kranke, Schwache und Benachteiligte. Wer ihnen Vorrang einräume, proklamiere eine „Prophetie des Lebens gegen die Propheten des Todes jeder Epoche“, so Franziskus. Erneut verurteilte er eine „Wegwerfkultur“ gegen vermeintlich Nutzlose. So seien Kinder in der Gesellschaft nicht erwünscht, beklagte er.

Die mittlerweile zur Kleinstadt gewachsene San Giovanni Rotondo, Wirkungsstätte des 2002 heiliggesprochenen Kapuzinerpaters Pio, ist einer der größten katholischen Wallfahrtsorte Italiens. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist auch die Klinik „Casa Sollievo della Sofferenza“. Das 1956 eröffnete Krankenhaus geht auf eine Initiative Pater Pios zurück. Es verfügt über rund 900 Betten. Dort war der Papst vor der Messe zu Besuch und traf einige Patienten, vor allem Kinder. Er sprach kurz mit den Familienangehörigen der Patienten sowie mit den Ärzten und dann sprach er auch direkt mit den Kranken.

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Das Gebet ist die stärkste Kraft der Kirche

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Audienz für Pater Pio-Gebetsgruppen auf dem Petersplatz

Rom/Vatikanstadt. Unter großer öffentlicher Anteilnahme ist die Ganzkörperreliquie des italienischen Volksheiligen Pater Pio für einige Tage nach Rom gebracht worden. Der weitgehend erhaltene Leichnam wurde zuerst in der Kirche San Lorenzo fuori le mura und dann bis zum 11. Februar im Petersdom der Verehrung durch die Gläubigen dargeboten. Anlass ist das vom Papst ausgerufene »Jahr der Barmherzigkeit«, in dem er Katholiken besonders auf die Möglichkeit der Vergebung hinweisen will. Pater Pio besaß einen Ruf als herausragender Beichtvater und Seelenführer. Er zählt zu den populärsten Heiligen Italiens.

Gemeinsam mit dem Leichnam Pater Pios wurde auch der heilige Leopold Mandic´ (1866-1942) nach Rom gebracht, auch er Kapuziner und bekannter Beichtseelsorger.

Am 5. Februar hat Papst Franziskus die Pater Pio-Gebetsgruppen sowie Pilger der »Casa Sollievo della Sofferenza« und der Erzdiözese Manfredonia-Vieste-San Giovanni Rotondo auf dem Petersplatz in Audienz empfangen. In seiner Ansprache sagte der Heilige Vater:

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Herzlich heiße ich euch willkommen – ich sehe, dass ihr sehr zahlreich seid! – und danke Erzbischof Castoro für seine an mich gerichteten Worte. Mein Gruß gilt euch allen, die ihr aus verschiedenen Ländern und Regionen gekommen seid, vereint durch eine große Zuneigung und Dankbarkeit gegenüber dem heiligen Pater Pio aus Pietrelcina. Ihr seid ihm sehr dankbar, weil er euch geholfen hat, den Schatz des Lebens – das heißt die Liebe Gottes – zu entdecken und die Schönheit der Vergebung und der Barmherzigkeit des Herrn zu erfahren. Und das ist eine Wissenschaft, die wir jeden Tag lernen müssen, weil sie schön ist: die Schönheit der Vergebung und der Barmherzigkeit des Herrn.

Wir können zu Recht sagen, dass Pater Pio ein Diener der Barmherzigkeit war. Er war es in Vollzeit, da er teilweise bis zur Erschöpfung »das Apostolat des Zuhörens« praktizierte. Durch den Dienst der Beichte ist er zu einer lebendigen Liebkosung des Vaters geworden, der die Wunden der Sünde heilt und das Herz durch den Frieden erquickt. Der heilige Pater Pio wurde nie müde, die Menschen zu empfangen und sie anzuhören, Zeit und Kraft zu opfern, um den Wohlgeruch der Vergebung des Herrn zu verbreiten. Er konnte dies tun, weil er stets mit der Quelle verbunden war: er stillte seinen Durst unaufhörlich beim gekreuzigten Christus und wurde so ein Kanal der Barmherzigkeit. Er trug viele Menschen und viele Leiden in seinem Herzen und vereinte alles mit der Liebe Christi, der sich »bis zur Vollendung« (Joh 13,1) hingegeben hat. Er hat das große Geheimnis des aus Liebe aufgeopferten Schmerzes gelebt. So wurde sein kleiner Tropfen zu einem Strom der Barmherzigkeit, der viele ver­ödete Herzen getränkt und Oasen des Lebens in vielen Teilen der Welt geschaffen hat.

Ich denke an die Gebetsgruppen, die Pater Pio als »Saatbeete des Glaubens, Herdfeuer der Liebe« bezeichnet hat; nicht nur Begegnungszentren, um sich unter Freunden wohlzufühlen und etwas Trost zu finden, sondern Herdfeuer der göttlichen Liebe. Das sind die Gebetsgruppen! Denn das Gebet ist eine wahre Mission, die der ganzen Menschheit das Feuer der Liebe bringt. Pater Pio sagte, dass das Gebet »eine Kraft« ist, »die die Welt bewegt«. Das Gebet ist eine Kraft, die die Welt bewegt! Aber glauben wir daran? Es ist so. Probiert es aus! Das Gebet, so fügte er hinzu, »breitet das Lächeln und den Segen Gottes über jede Niedergeschlagenheit und Schwäche aus« (Zweiter Internationaler Kongress der Gebetsgruppen, 5. Mai 1966).

Das Gebet ist also nicht bloß eine gute Übung, um ein wenig Frieden im Herzen zu haben, und genauso wenig ist es ein frommes Mittel, um das, was wir brauchen, von Gott zu erlangen. Wenn dem so wäre, dann wäre es von einem subtilen Egoismus angeregt: Ich bete, damit es mir gut geht, so als würde ich ein Aspirin nehmen. Nein, so ist es nicht. Ich bete, um diese Sache zu erhalten. Aber das bedeutet, ein Geschäft zu machen. So ist es nicht. Das Gebet ist etwas anderes, es ist etwas anderes. Das Gebet ist ein Werk der geistlichen Barmherzigkeit, das alles zum Herzen Gottes bringen will. »Nimm du es, der du Vater bist!« Das wäre es, um es einfach auszudrücken. Beten bedeutet zu sagen: »Nimm du es, der du Vater bist! Blick du auf uns, der du Vater bist!« Es ist diese Beziehung zum Vater. So ist das Gebet. Es ist ein Geschenk des Glaubens und der Liebe, eine Fürbitte, die man genauso braucht wie das Brot. Mit einem Wort, es bedeutet: anvertrauen, das heißt dem Vater die Kirche anvertrauen, die Menschen anvertrauen, die Situationen anvertrauen – »Ich vertraue dir dies an« –, damit er dafür Sorge trägt. Daher ist das Gebet, wie Pater Pio gerne zu sagen pflegte, »die beste Waffe, die wir haben, ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet«. Ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet: es ist ein einfacher Schlüssel. Das Herz Gottes ist nicht mit vielen Sicherheitsvorkehrungen »gepanzert«. Du kannst es mit einem gewöhnlichen Schlüssel öffnen, mit dem Gebet. Denn er hat ein liebevolles Herz, das Herz eines Vaters. Das Gebet ist die stärkste Kraft der Kirche, die wir nie aufgeben dürfen, denn die Kirche wird Frucht bringen, wenn sie so handelt wie Maria und die Apostel, die »einmütig im Gebet verharrten« (vgl. Apg 1,14), als sie den Heiligen Geist erwarteten. Ausdauernd und einmütig im Gebet. Andernfalls besteht die Gefahr, sich auf etwas anderes zu stützen: auf die Mittel, auf das Geld, auf die Macht; dann verschwindet die Evangelisierung, die Freude verlöscht und das Herz wird gelangweilt. Wollt ihr ein gelangweiltes Herz haben? [Nein!, antworten die Gläubigen auf dem Platz.] Wollt ihr ein frohes Herz haben? [Ja!] Betet! Das ist das Rezept.

Ich danke euch für euren Einsatz und ermutige euch, damit die Gebetsgruppen »Zentralen der Barmherzigkeit« sein mögen: stets offene und aktive Zentralen, die mit der demütigen Macht des Gebets der Welt das Licht Gottes und der Kirche die Energie der Liebe zukommen lassen. Pater Pio, der sich bloß »ein einfacher Ordensbruder, der betet« nannte, hat geschrieben, dass das Gebet »das höchste Apostolat ist, das eine Seele in der Kirche Gottes ausüben kann« (Briefe II,70). Sei stets frohe Apostel des Gebets! Das Gebet wirkt Wunder. Das Apostolat des Gebets wirkt Wunder.

Neben dem Werk der geistlichen Barmherzigkeit, den Gebetsgruppen, wünschte Pater Pio ein außerordentliches Werk der leiblichen Barmherzigkeit: die »Casa Sollievo della Sofferenza« [Haus zur Linderung des Leidens], das vor 60 Jahren eröffnet wurde. Er wünschte, dass es nicht nur ein hervorragendes Krankenhaus sein sollte, sondern ein »Tempel der Wissenschaft und des Gebets«. Denn »Menschen brauchen immer mehr als eine bloß technisch richtige Behandlung. Sie brauchen Menschlichkeit. Sie brauchen die Zuwendung des Herzens« (Benedikt XVI. Enzyklika Deus caritas est, 31). Und das ist sehr wichtig: die Krankheit heilen, aber vor allem sich des Kranken annehmen. Das sind zwei verschiedene Dinge, und beide sind wichtig: die Krankheit heilen, aber auch sich des Kranken annehmen. Es kann geschehen, dass sich die Wunden der Seele verschlimmern, während man die Wunden des Leibes behandelt. Denn sie heilen langsamer und sind oft schwerer zu heilen. Auch die Sterbenden, die zuweilen nicht bei Bewusstsein zu sein scheinen, nehmen am gläubigen Gebet in ihrer Nähe teil und vertrauen sich Gott und seiner Barmherzigkeit an. Ich erinnere mich an den Tod eines befreundeten Priesters. Er war ein Apostel, ein Mann Gottes. Aber er war seit langer, langer Zeit im Koma… Die Ärzte sagten: »Wir wissen nicht, wie er immer noch atmen kann.« Ein anderer befreundeter Priester betrat das Zimmer, näherte sich ihm und sprach zu ihm. Er hörte es. »Lass dich zum Herrn tragen. Lass es zu weiterzugehen. Hab Vertrauen, vertrau dich dem Herrn an.« Und mit diesen Worten ließ er in Frieden los. Viele Menschen, viele Kranke brauchen es, dass man Worte zu ihnen spricht, dass man ihnen Liebkosungen schenkt, die ihnen Kraft geben, die Krankheit weiter zu tragen oder dem Herrn entgegenzugehen. Sie brauchen es, dass man ihnen hilft, dem Herrn zu vertrauen. Ich bin euch und allen, die den Kranken mit Kompetenz, Liebe und lebendigem Glauben dienen, sehr dankbar. Bitten wir um die Gnade, die Gegenwart Jesu in den Kranken und Leidenden zu erkennen, so wie Pater Pio stets sagte: »Der Kranke ist Jesus.« Der Kranke ist Jesus. Er ist das Fleisch Christi.

Einen besonderen Wunsch möchte ich auch den Gläubigen aus der Erzdiözese Manfredonia-Vieste-San Giovanni Rotondo aussprechen. Der heilige Johannes Paul II. hat gesagt: »Wer sich nach San Giovanni Rotondo aufmachte, um an seiner Messe teilzunehmen, ihn um Rat zu bitten oder bei ihm zu beichten, erkannte in ihm ein lebendiges Abbild des leidenden und auferstandenen Christus. Im Gesicht von Pater Pio erstrahlte das Licht der Auferstehung« (Predigt zur Selig­sprechung von P. Pio da Pietrelcina, 2. Mai 1999; in: O.R. dt., Nr. 20, 14.5.1999, S. 7). Jeder, der in eure schöne Gegend kommt – Ich möchte gerne dorthin gehen! –, möge auch in euch ein Widerschein des himmlischen Lichtes finden! Ich danke euch und bitte vergesst nicht, für mich zu beten! Danke.

Wir wollen alle gemeinsam beten und an die Tür von Gottes Herz klopfen, der ein barmherziger Vater ist: Vater unser…

Und wir sind keine verwaiste Kirche: Wir haben eine Mutter. Beten wir zu unserer Mutter, beten wir zu unserer Mutter. Ave Maria…

(Orig. ital. in O.R. 7.2.2016)

Aus Anlass des Jubiläums der Gebetsgruppen von Padre Pio vom 6. Februar 2016

ansa - padre pio - Padre Pio in una foto di archivio .E' stata istituita una "Commissione Documentazione e Studi su Padre Pio da Pietrelcina" per studiarne la spiritualità e verificare se ci sono le basi per attribuirgli il titolo di dottore della Chiesa ARCHIVIO ANSA

JOHANNES PAUL II.

ZUR SELIG- UND HEILIGSPRECHUNG VON PATER PIO


SELIGSPRECHUNG VON PATER PIO VON PIETRALCINA

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Petersplatz – Sonntag, 2. Mai 1999

1. Die Aufforderung des Eröffnungsverses bringt die Freude so vieler Gläubiger zum Ausdruck, die seit langer Zeit die Erhebung zur Ehre der Altäre von Pater Pio von Pietrelcina erwarten. Dieser bescheidene Kapuziner hat die Welt mit seinem ganz dem Gebet und dem Anhören der Brüder gewidmeten Leben in Staunen versetzt.

Zahllose Menschen sind zum Kloster von San Giovanni Rotondo gereist, um ihn dort zu treffen, und auch nach seinem Tod ist dieser Pilgerstrom nicht abgerissen. Als ich Student hier in Rom war, hatte ich selbst einmal Gelegenheit, ihn persönlich kennenzulernen, und ich danke Gott, der mir heute die Möglichkeit gibt, ihn in das Buch der Seligen einzutragen.

Heute morgen rufen wir uns die wesentlichen Inhalte seiner spirituellen Erfahrung in Erinnerung, geleitet von den Texten der Liturgie dieses fünften Sonntags der Osterzeit, in die der Ritus seiner Seligsprechung eingebettet ist.

2. »Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!« (Joh 14,1). Im Abschnitt aus dem Evangelium, der soeben verlesen wurde, hörten wir diese Worte Jesu an seine Jünger, die eine Ermutigung brauchten. In der Tat hatte der Hinweis auf seinen baldigen Weggang sie tief bestürzt. Sie fürchteten sich, verlassen zu sein und allein zu bleiben. Der Herr aber ermutigte sie mit einem klaren Versprechen: »Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten«; und dann »komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin« (Joh 14,2–3).

Auf diese Zusicherung erwidern die Apostel durch Thomas: »Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?« (Joh 14,5). Diese Bemerkung ist zutreffend. Jesus weicht der darin enthaltenen Frage nicht aus. Seine Antwort wird durch die Jahrhunderte wie ein klares Licht für die kommenden Generationen bestehen: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich« (Joh 14,6).

Der »Platz«, den Jesus vorbereiten möchte, ist im Haus des Vaters. Dort kann der Jünger auf ewig mit dem Meister sein und an dessen Freude teilhaben. Zu diesem Ziel gibt es allerdings nur einen Weg: Christus, dem der Jünger Schritt für Schritt ähnlicher werden muß. Genau darin besteht die Heiligkeit: Nicht mehr der Christ selbst lebt, sondern Christus lebt in ihm (vgl. Gal 2,20). Ein anspruchsvolles Ziel, begleitet von einem glei-chermaßen tröstenden Versprechen: »Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater« (Joh 14,12).

3. Wir hören die Worte Christi, und unsere Gedanken gehen zu dem bescheidenen Kapuzinerpater aus dem Gargano. Wie deutlich haben diese Worte doch im sel. Pio von Pietrelcina Gestalt angenommen!

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Seid gläubig…«. Was war das Leben dieses demütigen Sohnes des hl. Franziskus, wenn nicht ein stetes Bemühen um den Glauben, gestärkt durch die Hoffnung auf den Himmel, wo man mit Christus zusammen sein kann?

Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten […] damit auch ihr dort seid, wo ich bin«. Welch anderes Ziel hatte die harte Askese, der sich Pater Pio schon in frühester Jugend unterworfen hatte, wenn nicht eine fortschreitende Identifizierung mit dem göttlichen Meister, um »dort zu sein, wo er war« ?

Wer sich nach San Giovanni Rotondo aufmachte, um an seiner Messe teilzunehmen, ihn um Rat zu bitten oder bei ihm zu beichten, erkannte in ihm ein lebendiges Abbild des leidenden und auferstandenen Christus. Im Gesicht von Pater Pio erstrahlte das Licht der Auferstehung. Sein von den Wundmalen gezeichneter Körper zeigte jene enge Verbindung zwischen Tod und Auferstehung, von der das Ostergeheimnis geprägt ist. Die Teilnahme an der Passion nahm für den Seligen aus Pietrelcina ganz besonders durchdringende Züge an: Die einzigartigen Gaben, die ihm zuteil wurden, und die innerlichen und mystischen Schmerzen, die diese Gaben begleiteten, ließen für ihn ein ergreifendes und ständiges Erleben der Leiden des Herrn in der unerschütterlichen Gewißheit zu, daß »der Kalvarienberg der Berg der Heiligen ist«.

4. Nicht weniger schmerzlich, und in menschlicher Hinsicht vielleicht noch herber, waren die Prüfungen, die er – man würde fast sagen infolge seiner einzigartigen Charismen – über sich ergehen lassen mußte. In der Geschichte der Heiligkeit kommt es manchmal vor, daß der Auserwählte – aufgrund eines besonderen Zulassens Gottes – auf Unverständnis stößt. In einem solchen Fall wird der Gehorsam für ihn zum Schmelztiegel der Läuterung, zum Weg fortschreitender Annäherung an Christus, zur Stärkung der wahren Heiligkeit. In diesem Zusammenhang schrieb der neue Selige an einen seiner Oberen: »Mir liegt allein daran, euch zu gehorchen, denn der gute Gott hat mich mit dem bekannt gemacht, was ihm am liebsten und für mich das einzige Mittel ist, auf Heil zu hoffen und den Sieg zu erringen« (vgl. Epist. I, S. 807).

Als das »Gewitter« über ihn hereinbrach, machte er die Ermahnung aus dem ersten Petrusbrief, die wir eben gehört haben, zu seiner Lebensregel: »Kommt zu Christus, dem lebendigen Stein« (vgl . 1 Petr 2,4). Auf diese Weise wurde auch er zum »lebendigen Stein«, zum Aufbau des geistigen Hauses, das die Kirche ist. Und dafür wollen wir heute Gott danken.

5. »Laßt euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen« (1 Petr 2,5). Wie zutreffend erscheinen doch diese Worte in Bezug auf die außerordentliche Erfahrung von Kirche, die um den neuen Seligen gewachsen ist! Viele haben durch eine direkte oder indirekte Begegnung mit ihm den Glauben wiedergefunden. Nach seiner Weisung sind überall auf der Welt die »Gebetsgruppen« entstanden. Denen, die zu ihm kamen, empfahl er die Heiligkeit und sagte ihnen wiederholt: »Es scheint, daß Jesus keine andere Sorge hat als die Heiligung eurer Seelen« (vgl. Epist. II, S. 155).

Wenn die göttliche Vorsehung gewollt hat, daß er wirkte, ohne je sein Kloster zu verlassen, sozusagen zu Füßen des Kreuzes »verwurzelt«, dann hat dies sicher seine Bedeutung. Der göttliche Meister mußte ihn eines Tages, als er unter besonders schweren Prüfungen litt, trösten und sagte zu ihm: »Unter dem Kreuz lernt man lieben« (vgl. Epist. I, S. 339).

Ja, das Kreuz Christi ist die höchste Schule der Liebe. Noch mehr: Es ist der »Quell« der Liebe selbst. Vom Schmerz geläutert führte die Liebe dieses treuen Jüngers die Herzen der Menschen zu Christus und zu seinem fordernden Evangelium des Heils.

6. Gleichzeitig ergoß sich seine Liebe wie Balsam auf die Schwächen und Leiden seiner Brüder. So verband Pater Pio seine Sorge um die Seelen mit dem Offensein für das menschliche Leid: In San Giovanni Rotondo setzte er sich für die Gründung eines Krankenhauses ein, das er »Casa Sollievo della Sofferenza« nannte. Er wollte, daß es ein erstklassiges Krankenhaus sei, vor allem aber lag ihm daran, daß dort eine wirklich »humane« Medizin angewendet werde, bei der die Beziehung zum Kranken von besonderer Fürsorge und herzlicher Aufnahme geprägt ist. Er wußte sehr wohl, daß Kranke und Leidende nicht nur eine korrekte Anwendung therapeutischer Maßnahmen brauchen, sondern auch und vor allem ein menschliches und geistiges Klima, das es ihnen ermöglicht, in der Begegnung mit der Liebe Gottes und mit der Fürsorge der Brüder sich selbst wiederzufinden.

Mit der »Casa Sollievo della Sofferenza« wollte er beweisen, daß die »gewöhnlichen Wunder« Gottes sich durch unsere Nächstenliebe vollziehen. Man muß zum Teilen und zum großherzigen Dienst an den Brüdern bereit sein und dabei alle verfügbaren Hilfsmittel der medizinischen Wissenschaft und der Technik einsetzen.

7. Das Echo, das diese Seligsprechung in Italien und auf der ganzen Welt her vorgerufen hat, ist ein Zeichen dafür, daß der Ruf von Pater Pio, Sohn Italiens und des hl. Franz von Assisi, sich inzwischen in allen Erdteilen verbreitet hat. Gerne begrüße ich alle, die sich hier versammelt haben, beginnend bei den höchsten Vertretern des italienischen Staates, die an dieser Feier teilnehmen: den Präsidenten der Republik, den Präsidenten des Senats, den Ministerpräsidenten, der die offizielle Delegation leitet, sowie zahlreiche weitere Minister und Persönlichkeiten. Italien ist fürwahr würdig vertreten! Aber auch viele Gläubige anderer Nationen haben sich hier eingefunden, um Pater Pio ihre Ehrerbietung zu erweisen.

Allen, die aus nah und fern gekommen sind, gilt mein herzlicher Gruß, begleitet von einem besonderen Gruß an die Kapuzinerpatres. Vielen Dank an alle!

8. Ich möchte mit den Worten aus dem Evangelium dieser hl. Messe abschließen: »Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott.« Diese Aufforderung Christi spiegelt sich wider in dem Rat, den der neue Selige so gerne gab: »Sinkt voll Vertrauen auf das göttliche Herz Jesu, wie ein Kind in die Arme der Mutter.« Möge diese Einladung als Quelle des Friedens, der Freude und Zufriedenheit auch in unser Herz dringen. Warum sollten wir Angst haben, wenn Christus für uns der Weg und die Wahrheit und das Leben ist? Warum sollten wir nicht auf Gott vertrauen, der Vater, unser Vater, ist?

»Santa Maria delle Grazie«, die der bescheidene Kapuziner aus Pietrelcina mit steter und inniger Verehrung anrief, helfe uns, unsere Augen immer auf Gott gerichtet zu halten. Sie nehme uns bei der Hand und führe uns dazu, mit all unserer Kraft jene übernatürliche Nächstenliebe zu erstreben, die aus der durchbohrten Seite des Gekreuzigten strömt.

Und du, sel. Pater Pio, richte deinen Blick aus dem Himmel auf uns, die wir uns auf diesem Platz einfanden, und auf jene, die im Gebet auf dem Platz vor dem Lateran oder in San Giovanni Rotondo versammelt sind. Sei der Fürsprecher aller, die sich überall auf der Welt diesem Ereignis im Geiste anschließen und ihre Bitten zu dir erheben. Komm jedem von ihnen zu Hilfe und schenke jedem Herzen Frieden und Trost. Amen!


HEILIGSPRECHUNG VON PATER PIO VON PIETRELCINA

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Sonntag, 16. Juni 2002

1. »Mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht« (Mt 11, 30).

1. Die soeben gehörten Worte Jesu an die Jünger helfen uns, die wichtigste Botschaft dieses feierlichen Gottesdienstes zu verstehen. Ja, wir können sie in gewisser Weise als eine wunderbare Zusammenfassung des ganzen Daseins des heute heiliggesprochenen Paters Pio da Pietrelcina ansehen.

Das im Evangelium verwandte Bild vom »Joch« ruft die vielen Prüfungen in Erinnerung, die der demütige Kapuziner von San Giovanni Rotondo durchstehen mußte. An ihm sehen wir heute, wie wenig das »Joch« Christi drückt, und wie leicht seine Last ist, wenn man sie mit treuer Liebe trägt. Leben und Sendung von Pater Pio bezeugen, daß Schwierigkeiten und Leid, wenn sie aus Liebe angenommen werden, sich in einen bevorzugten Weg der Heiligkeit verwandeln, der die Perspektive auf ein viel höheres Gut öffnet, das nur der Herr kennt.

2. »Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen« (Gal 6, 14).

Zeichnete sich Pater Pio nicht hauptsächlich dadurch aus, daß er sich »des Kreuzes rühmte«? Die von dem einfachen Kapuziner aus Pietrelcina gelebte Spiritualität des Kreuzes ist überaus aktuell. Unsere Zeit muß diesen Wert wiederentdecken, damit sie das Herz auf die Hoffnung hin öffnet.

In seinem ganzen Leben hat er eine immer größere Ähnlichkeit mit dem Gekreuzigten angestrebt, wobei er sich seiner besonderen Berufung bewußt war, in einzigartiger Weise am Heilswerk mitzuwirken. Ohne diesen ständigen Bezug auf das Kreuz versteht man seine Heiligkeit nicht.

Im Plan Gottes ist das Kreuz das wahre Heilswerkzeug für die ganze Menschheit und der vom Herrn ausdrücklich angebotene Weg für alle, die ihm nachfolgen wollen (vgl. Mk 16, 24). Der heilige Bruder vom Gargano hatte dies vollkommen erkannt, als er am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel im Jahr 1914 schrieb: »Wenn wir zu unserer endgültigen Bestimmung gelangen wollen, müssen wir dem göttlichen Haupt folgen. Gott will die erwählte Seele auf keinen anderen als den von ihm beschrittenen Weg führen; ich meine, auf den Weg der Selbstverleugnung und des Kreuzes« (Epistolarium II , S. 155).

3. »Ich, der Herr, bin es, der auf der Erde Gnade schafft« (Jer 9, 23).

Pater Pio war ein hochherziger Ausspender der göttlichen Gnade, indem er allen zur Verfügung stand durch die Aufnahmebereitschaft, die geistliche Führung und besonders durch die Spendung des Bußsakraments. Auch mir wurde das Privileg zuteil, in meinen Jugendjahren in den Genuß seiner Verfügbarkeit gegenüber den Beichtenden zu kommen. Der Dienst im Beichtstuhl, der für sein Apostolat kennzeichnend war, hat große Scharen von Gläubigen zum Kloster von San Giovanni Rotondo hingezogen. Auch wenn dieser einzigartige Beichtvater die Pilger scheinbar mit Härte behandelte, kehrten sie, der schweren Sünde bewußt und wirklich reumütig, fast immer zur versöhnlichen Umarmung der sakramentalen Vergebung zurück.

Sein Beispiel möge die Priester dazu anspornen, mit Freude und Seeleneifer diesen Dienst zu vollbringen, der auch heute sehr wichtig ist, wie ich im Schreiben an die Priester zum vergangenen Gründonnerstag betonen wollte.

4. »Herr, mein ganzes Glück bist du allein.«

So haben wir im Antwortpsalm gesungen. Mit diesen Worten lädt uns der neue Heilige ein, Gott über alles zu stellen, ihn als unser einziges und höchstes Gut zu betrachten.

Denn der tiefste Grund des apostolischen Wirkens von Pater Pio, die eigentliche Wurzel seiner großen geistlichen Fruchtbarkeit findet sich in der festen inneren Verbundenheit mit Gott, deren sprechendes Zeugnis die vielen im Gebet und im Beichtstuhl verbrachten Stunden waren. Er pflegte zu sagen: »Ich bin ein einfacher Bruder, der betet«, überzeugt davon, daß »das Gebet die beste Waffe ist, die wir haben, ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet.« Dieses grundlegende Merkmal seiner Spiritualität setzt sich fort in den von ihm gegründeten »Gebetsgruppen«, die durch ihr unablässiges und vertrauensvolles Gebet in großartiger Weise zum Wohl der Kirche und der Gesellschaft beitragen. Mit dem Gebet hat Pater Pio eine intensive karitative Tätigkeit verbunden, deren schönster Ausdruck die »Casa Sollievo della Sofferenza« ist. Gebet und Nächstenliebe, das ist die konkrete Zusammenfassung der Lehre Pater Pios, die heute allen erneut angeboten wird.

5. »Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.« (Mt 11, 25).

Wie zutreffend erscheinen diese Worte Jesu, wenn man sie auf dich, einfacher und geliebter Pater Pio, bezieht.

Wir bitten dich, lehre auch uns die Einfachheit des Herzens, damit wir zu den Kleinen des Evangeliums gezählt werden, denen der Vater die Geheimnisse seiner Reiches zu enthüllen verheißen hat.

Hilf uns zu beten, ohne zu ermüden, getragen von der Gewißheit, daß Gott weiß, was wir brauchen, bevor wir ihn darum bitten.

Erlange uns den Blick des Glaubens, der in den Armen und Leidenden das leidende Antlitz Jesu zu sehen vermag.

Hilf uns in der Stunde des Kampfes und der Prüfung, und, wenn wir fallen, laß uns die Freude des Sakraments der Vergebung spüren.

Vermittle uns deine zärtliche Verehrung für Maria, die Mutter Jesu und unsere Mutter.

Begleite uns auf dem Pilgerweg auf Erden in die selige Heimat, wohin auch wir – so hoffen wir – gelangen werden, um in Ewigkeit die Herrlichkeit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu schauen. Amen.

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Quellen: Seligsprechung, Heiligsprechung, Discorso del Santo Padre Francesco 6-2-2016

Papst Franziskus über Pater Pio: „Diener der Barmherzigkeit“

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Papst Franziskus während der Audienz mit Gebetsgruppen von Padre Pio

Es war wie eine Generalaudienz: beim Treffen des Papstes mit den Gebetsgruppen des heiligen Pater Pios auf dem Petersplatz nahmen tausende Gläubige teil. Am Freitagnachmittag wurden die Reliquien von Pater Pio und Leopold Mandic in einer Prozession in die Petersbasilika gebracht, wo sie bis zum 11. Februar bleiben werden.

In seiner Rede betonte der Papst die Bedeutung des Gebets als „Kraftwerk der Kirche“. Weiter sagte Franziskus, dass Pater Pio ein „Diener der Barmherzigkeit“ gewesen sei, was sehr gut zum jetzigen Heiligen Jahr passe, denn dieser Heilige sowie der Heilige Leopold Mandic seien diesbezüglich Vorbilder für alle Gläubigen. Sie hätten als „Diener des Hörens“, den Dienst der Beichte, die „lebendige Liebkosung des Vaters“ gezeigt. Gott heile die Wunde der Sünde und richte das Herz mit seinem Frieden auf, so der Papst und so habe Pater Pio dies den Gläubigen weiter gegeben.

Dann ging Franziskus auf die Gaben des heiligen Pios ein, denn dieser habe Gutes getan, weil er immer mit der Quelle verbunden gewesen sei und zwar mit Gott. Pater Pio habe ständig seinen Durst am gekreuzigten Jesus gestillt und sei so zu einem „Kanal der Barmherzigkeit“ geworden. Hierbei unterstrich der Papst das „Geheimnis des Schmerzes“, den der süditalienische Heilige am eigenen Leib gelebt habe. Pater Pio habe sein Leben „aus Liebe aufgeopfert“. Er habe sich als kleiner Tropfen angesehen, doch der heilige Mystiker sei so zu einem großen Fluss der Barmherzigkeit geworden.

Gebet als Mission

Zu den Mitgliedern der Gebetsgruppen Pater Pios sagte der Papst, dass das Gebet eine wahrhafte Mission sei, die der ganzen Menschheit „das Feuer der Liebe“ bringe. Das Gebet sei kein Verhandeln mit Gott und auch keine „Anti-Kopfschmerztablette“, das in einer Not eingenommen werde könne. Vielmehr sei das Gebet jene Kraft, die die Welt in Bewegung bringe. Deshalb gehöre das Gebet zu jenen Werken der geistlichen Barmherzigkeit und sei „ein Geschenk des Glaubens und der Liebe“. Auch gehöre das Gebet als Fürsprache zu den menschlichen Notwendigkeiten, so wie das tägliche Brot und sei ein Anvertrauen an den Vater. „Das Gebet ist die größte Kraft der Kirche, ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet“, so der Papst und deshalb sei das Gebet das Geheimrezept der Freude.

Die Gebetsgruppen, die eben „Kraftwerke der Barmherzigkeit“ seien, sollten „immer offen und aktiv“ bleiben, fügte Franziskus an, denn auf diese Weise brächten sie der Welt das Licht Gottes und die Kraft der Liebe für die Kirche. Und wie Pater Pio aufgezeigt habe, so sei das Gebet „das höchste Apostolat, das eine Seele in der Kirche ausüben kann“.

Barmherzigkeit des Leibes

Ein großes Zeichen des Wunders sei nicht nur Gebet bei Pater Pio gewesen, ein weiteres außerordentliches Werk der leiblichen Barmherzigkeit sei das Krankenhaus, den der Heilige errichten ließ. Dieser „Tempel der Wissenschaft und des Gebets“, wie es der Papst nannte, wurde vor sechzig Jahren eröffnet und sei heute noch Italien- und sogar Europaweit sehr wichtig, da dort die Kranken nicht nur zu den leiblichen Schmerzen Trost und Hilfe erhalten. Wer Kranke heilen wolle, müsse vor allem die Nähe und das Gebet bringen. Dies gelte besonders auch für die Sterbenden. Der Papst sprach seinen Dank all jenen aus, die sich in diesem Bereich einsetzten: „Bitten wir um die Gnade, die Gegenwart Christi in den kranken Menschen und in den Leidenden zu erkennen. Wie Pater Pio wiederholte: ,der Kranke ist Jesus´.“

(rv 06.02.2016 mg)

Pater Pio und Pater Leopold, zwei heilige Kapuziner und Beichtväter im «Heiligen Jahr der Barmherzigkeit»

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Am kommenden 1. Februar, werden die sterblichen Überreste von zwei Heiligen aus dem Kapuzinerorden nach Rom überführt. Es handelt sich um den heiligen Pater Pio von Pietrelcina und um den heiligen Leopold Mandic. Pater Pio ist in San Giovanni Rotondo in Apulien begraben, Pater Leopold in Padua. Ein Italiener und ein Kroate. Gemeinsam ist beiden nicht nur, dass sie demselben religiösen Orden angehörten, sondern dass sie vor allem Beichtväter waren.

Papst Franziskus und der Vatikan wollen sie deshalb im «Heiligen Jahr der Barmherzigkeit» in Rom haben als Vorbilder für die «Missionare der Barmherzigkeit». Gemeint sind damit die Priester, die im Heiligen Jahr besondere Auf­merksamkeit auf das Beichtsakrament legen. Am 6. Februar findet eine Audienz für die mit Pater Pio verbundenen Gebetsgruppen im Vatikan statt. Dazu haben sich bereits mehr als 60’000 Pilger angemeldet.

Pater Leopold (1866-1942, heiliggesprochen 1983), der am südlichsten Punkt des damaligen österreichischen Kaiserstaates, im heutigen Montenegro, geboren wurde, wollte eigentlich Missionar werden. In Wirklichkeit verbrachte er den Grossteil seines Lebens im Beichtstuhl des Kapuzinerklosters von Padua. Nicht an­ders war es bei Pater Pio (1887-1968, heilig­gesprochen 2002). Er hat seine Heimat Apulien kaum verlassen, den Grossteil seines Lebens verbrachte er in einsamer Gegend in einem armen, kleinen Kloster auf dem Gargano, dem Sporen der italienischen Halbinsel.

Pilgerreise für die sterblichen Überreste

Die sterblichen Überreste beider, die eine frei­willige stabilitas loci lebten, werden nun auf eine Pilgerreise gehen. Pater Pio und Pater Leo­pold werden zunächst nach Rom in die Kapu­zinerkirche «San Lorenzo al Verano» gebracht, dann in die Kirche «San Salvatore in Lauro» und schliesslich in feierlicher Prozession in den Petersdom überführt.

Am 1. Februar kommen die Reliquien nach «San Lorenzo al Verano». Dort wird am 2. Februar der Tag des Geweihten Lebens begangen. Am 3. Februar erfolgt die Überführung nach «San Salvatore in Lauro». Dort werden aus diesem Anlass für die anwesenden Pilger und die Rö­mer eine Reihe von Messen zelebriert. Am 4. Februar um 22 Uhr und um Mitternacht, am 5. Februar um 3 Uhr morgens, um 6 Uhr, 8 Uhr, 10 Uhr, 12 Uhr und 14 Uhr.

Allein in Rom und der umliegenden Region Latium gibt es 450 Gebetsgruppen von Pater Pio. «Pater Pio ist ein wichtiger Bezugspunkt für die Gläubigen. Kein Mann der intellek­tuellen Diskurse, sondern ein Heiliger zum Anfassen, ganz konkret, ganz authentisch, vie­len Gebildeten blieb er suspekt, das einfache Volk liebte ihn und verehrt ihn auch heute. Seine Spiritualität ist Bezugspunkt für Jugendgruppen und Ordensgemeinschaften. Und sie haben eines gemeinsam: eine steigende Zahl an Berufungen. Die Jugend will glaubwürdige Vorbilder, die nie Dinge tun, einfach nur damit sie getan sind», so Msgr. Pietro Bongiovanni, der Pfarrer von «San Salvatore in Lauro». Er ist geistlicher Assistent der Gebetsgruppen von Pater Pio.

Die Translation der sterb­lichen Überreste gehe auf ei­nen ausdrücklichen Wunsch von Papst Franziskus zu­rück, da beide «den Grossteil ihres Lebens im Beichtstuhl verbracht haben», so Msgr. Bongiovanni. Er war es auch, der im Heiligen Jahr 2000 Reliquien. von Pater Pio von San Giovanni Rotondo nach Buenos Aires brachte.

«Es waren die Jahre der grossen Wirtschaftskrise in Argentinien. Man sah Men­schen, die im Müll nach Es­sen suchten, und Bergoglio wollte die Reliquien als Zei­chen der Hoffnung für das Volk. Er bat uns, vor allem zu den Armen in die »Favelas« zu gehen. In der Kathedrale von Buenos Aires drängten sich so viele Menschen, dass nicht alle Platz fanden. Dann lud uns der Kardinal zu sich nach Hause ein und bot uns Tee an. Wir trafen den Mann, den wir auch heute sehen und der Papst geworden ist», so Msgr. Bongiovanni. Die Reliquien der beiden Heili­gen werden im Petersdom in der Nähe der Heiligen Pforte ausgestellt. Sie sollen den Zusammenhang zwischen dem Heiligen Jahr, dem zu gewinnenden vollkomme­nen Ablass und dem Beicht­sakrament herausstreichen. Am 11. Februar werden die Reliquien Rom wieder verlassen und nach Pa­dua und San Giovanni Rotondo zurückgeführt werden. Die Reliquien von Pater Pio werden dabei eine Etappe einlegen, und zwar im Ge­burtsort des Heiligen, in Pietrelcina. «Dort wurde er geboren, dort ist er aufgewachsen, dorte legte er seine erste Beichte ab, empfing die erste Kommunion und auch zum ersten Mal die Wundmale», so Msgr. Bongiovanni.

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Quelle: Katholische Wochenzeitung, 29. Jg., 2016, Nr. 4

Zum Heiligen Jahr 2016: „Jubiläum der Barmherzigkeit“: Der Leichnam Pater Pios

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Während der Fastenzeit 2015 hat Papst Franziskus das „Jubiläum der Barmherzigkeit“ ausgerufen. Das Heilige Jahr 2016, das somit im Zeichen der Barmherzigkeit steht, wird am 8. Dezember 2015, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, eröffnet. Es endet am 20. November 2016 mit dem Christkönigsfest.

Im Juli 2015 ist nun bekannt geworden, dass im Rahmen des „Jubiläums der Barmherzigkeit“ der unverweste Leib Pater Pios vom 8. bis zum 14. Februar 2016 im Peters­dom (Rom) aufgebahrt werden soll. Dies geschieht auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes.

Das heißt, dass der Leichnam Pater Pios am Aschermitt­woch 2016 im Petersdom sein wird, also an dem Tag, an dem die Missionare der Barmherzigkeit mit dem beson­deren Auftrag in die ganze Welt gesandt werden sollen, zu predigen und Beicht zu hören.

Die Gegenwart des unverwesten Leibes des Hl. Pater Pio „wird ein kostbares Zeichen für alle Missionare und die Priester sein, welche durch das bewundernswerte Bei­spiel, das Pater Pio als unermüdlicher, gütiger und gedul­diger Beichtvater und als authentisches Zeugnis der Barmherzigkeit des Vaters gab, Kraft und Halt für ihre eigene Mission finden werden“, heißt es in einem Brief des Vorsitzenden des Päpstlichen Rates für die Förderung der Neuevangelisierung, Mons. Rino Fisichella, an den Erzbischof von Manfredonia-Vieste-San Giovanni Rotondo (Italien).

Am 13. Februar 2016, also im Zusammenhang mit der Aufbahrung des unverwesten Leibes von Pater Pio im Petersdom, wird Papst Franziskus die geistlichen Söhne und Töchter des Hl. Pater Pio in Privataudienz empfan­gen.

Vergleiche:

Der unverweste Leib des Hl. Pater Pio im Petersdom, das ist tatsächlich ein starkes Zeichen und eine wirkmächtige Predigt für jedermann: Es geht um die Rettung der See­len. Das war Pater Pios Herzensanliegen. In einem Brief vom 6. November 1919 schrieb Pater Pio:

„Ich kann keine Ruhe finden; ich bin müde und zutiefst bekümmert, von einer verzweifelten Trostlosigkeit befallen, von der furchtbarsten Angst, nicht etwa, meinen Gott nicht wiederfinden zu können, nein, sondern weil es mir ganz und gar unmöglich ist, alle Brüder für Gott zu gewinnen.“ (Briefe I. Band, San Giovanni Rotondo 2008, S. 1339) Und dabei konnte er von sich sagen: „die größte Liebe ist die, dem Teufel Seelen zu entreißen, die er schon für sich gewonnen glaubte, und sie für Christus zu gewinnen. Und genau das tue ich ununterbrochen, bei Tag und bei Nacht.“ (Ebda., S. 1332)

Von welcher Angst müssten wir geplagt sein, die wir so viel weniger um die Rettung der Seelen kämpfen?

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Quelle: IK-NACHRICHTEN – Pro Sancta Ecclesia – Initiative katholischer Laien und Priester. 16. Jg., Nr. 8 und 9, August/Sept. 2015