1917 MAXIMILIAN KOLBE: GRÜNDUNG DER IMMACULATA-MILIZ

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Auszug aus dem Buch von Bischof Dr. Rudolf Graber:
AM VORABEND DES KONZILS
Predigten und Aufsätze des ehemaligen Schriftleiters des „Bote von Fatima“
aus den Jahren 1957-1962

VOR VIERZIG JAHREN [1917]:
GRÜNDUNG DER IMMACULATA-MILIZ
DURCH P. MAXIMILIAN KOLBE

Das so bedeutungsvolle Jahr 1917, in dem die beiden Großmächte auf den Plan treten, der Teufel mit dem gottlosen Bolschewismus und die Gottesmutter in ihren Erscheinungen zu Fatima, brachte zwei andere Ereignisse, die in kleine­rem Rahmen jenen weltgeschichtlichen Kampf widerspiegeln.

Am 24. Juni 1917 beging die Freimaurerei die Zweihundertjahrfeier ihrer Gründung. In Rom kam es damals, mitten im Kriege, zu wüsten Szenen. Auf dem Petersplatz wurden Satansbanner herumgetragen, auf denen die Losung stand: „Satan soll herrschen im Vatikan, und der Papst wird sein Sklave sein.“ Leider sind diese Dinge in unserer schnellebigen Zeit viel zu wenig bekannt, und wenn sie bekannt sind, werden sie nicht in den großen Gang der Geschichte eingeordnet. Doch auch hier blieb die Antwort des Himmels nicht aus, und wieder wird sie gegeben von jener Frau, die seit den Tagen des Paradieses dazu bestimmt ist, der höllischen Schlange den Kopf zu zertreten.

Als Werkzeug benützte die göttliche Vorsehung den am 7. Januar 1894 zu Lodz geborenen Franziskaner Maximilian Kolbe. Er weilte damals 1917 studien­halber in Rom und berichtet über diese empörenden Vorgänge: „Als in Rom die Freimaurer sich immer hochfahrender und gemeiner gebärdeten und unter den Fenstern des Vatikans das Satansbanner entrollten, auf dem in gräßlicher Verzerrung Luzifer den Erzengel Michael zu Boden warf, unflätige und gemeine Schriften gegen den Heiligen Vater unter die Menge verteilten, kam der Gedanke auf, einen Bund gegen die Freimaurer und andere Teufels­mächte zu gründen.“ Dies war der Anlaß, der am 17. Oktober 1917 zur Grün­dung der Militia Immaculatae führte. Es waren insgesamt sieben ideal gesinnte Jünger des Armen von Assisi, die sich damals zum Ritterdienst der Immaculata auf immer weihten. Vier Tage vorher hatte das Sonnenwunder in Fatima stattgefunden, und drei Wochen später bricht die bolschewistische Revo­lution aus.

Es ist hier nicht der Ort, das Leben P. Kolbes zu schildern; wer Näheres darüber erfahren will, lese das ergreifende Buch von Maria Winowska über diesen glühenden Marienverehrer (1952 erschienen im Kanisius-Verlag, Konstanz, Blarerstraße 18). Aber auf zwei Dinge wenigstens sei verwiesen.

Kolbe, der längst um die Macht der Presse wußte, stampft buchstäblich die Immaculatastadt Niepokolanow bei Warschau aus dem Boden, jene einzig­artige Klosterstadt, in der katholische Schriften, Zeitungen und Zeitschriften in Massenauflagen gedruckt werden. Technik und Mystik gehen hier Arm in Arm, und ein Kommunist gesteht, daß er hier zum erstenmal seine Gedanken verwirklicht findet. Der Krieg vernichtet das ganze Werk und seinen Gründer. Am 17. Februar 1941 holt die SS P. Kolbe ab und verschleppt ihn in das berüch­tigte Konzentrationslager Auschwitz. Und hier erfolgt die Rache der Hölle. Als ein verheirateter Häftling, Vater von mehreren Kindern, mit neun anderen Todeskandidaten zum Hungerbunker verurteilt wird, meldet sich P. Kolbe freiwillig, um für ihn in den Tod zu gehen. Der Vigiltag von Mariä Himmelfahrt 1941 wurde für ihn der Tag seiner eigenen Himmelfahrt. Nun ist jene Vision aus den Tagen seiner Kindheit erfüllt, wo die Gottesmutter dem Knaben erschienen war und in ihren Händen einen weißen und roten Kranz ihm dar­geboten hatte. Sie hatte ihn lieb angeblickt und gefragt: „Welchen willst du? Der weiße Kranz bedeutet, daß du die Reinheit bewahren wirst, der rote, daß du als Martyrer stirbst.“ Ohne zu zögern, gab das Kind zur Antwort: „Ich wähle alle beide.“ Darauf lächelte die Gottesmutter und verschwand. Die Vision ist Wirklichkeit geworden.

Nochmals müssen wir auf das Jahr 1917 zu sprechen kommen. Damals hatte die Gottesmutter die Bekehrung Rußlands in Aussicht gestellt, jenes Rußlands, das im gleichen Jahr von der Revolution verschlungen werden sollte. Gegen Ende seines Lebens hat P. Kolbe feierlich verkündet: „Ihr werdet eines Tages die Statue der Immaculata auf der höchsten Zinne des Kremls aufgestellt sehen.“ Viele Zeugen haben diese Worte gehört.

P. Pignalberi, einer der sieben Gründer, hatte von P. Kolbe aber noch ein anderes Wort gehört: „Bevor dies der Fall sein wird, müssen wir eine blutige Prüfung bestehen.“ Kolbe hat sie schon bestanden. Und wir?


Dazu einige Gedanken von mir [POS]:

Es existieren verschiedene Varianten des sog. „Großen Geheimnisses“, welches die Seherin Mélanie Calvat von der Muttergottes mitgeteilt bekommen haben soll anlässlich ihrer Erscheinungen auf La Salette im Jahre 1846. (Siehe z.B. „Melanie’s final versions of the Secret„)

Daraus wird vor allem immer wieder folgender „prophetische“ Passus zitiert:

„Rom wird den Glauben verlieren und Sitz des Antichrists werden.“

Dieses Zitat wird von den meisten Traditionalisten und insbesondere Sedisvakantisten dazu verwendet, um ihre Position der Ablehnung/Verurteilung des II. Vatikanischen Konzils und seiner Reformen und der/aller ‚Konzilspäpste‘ auch übernatürlich/himmlisch zu rechtfertigen.

Nun ist aber dieses „Große Geheimnis“ Mélanies nie von der Kirche offiziell beglaubigt worden. Es ist und bleibt völlig umstritten.

Aber einmal angenommen, die Muttergottes hätte diese Vorhersage tatsächlich gemacht, dann kann dieser Satz nicht bedeuten, dass der Heilige Stuhl, also vor allem der Papst, den Glauben verlieren wird und dass der Vatikan Sitz des Antichrists werden wird.

Wohl aber könnte er auf das hinweisen, was in diesem Artikel oben beschrieben wird, d.h. dass Rom, das politische/weltliche Rom, (durch die Freimaurer[ei]) „den Glauben verlieren und Sitz/Zentrum des Antichristen werden wird“.

ROM* hat den Glauben noch nicht verloren!

Die Sedisvakantisten, die grundsätzlich keine Marienerscheinungen und -Botschaften nach dem II. Vatikanum anerkennen, weil es solche, die zu ihren Gunsten sprächen erfahrungsgemäß nicht gibt, berufen sich aber oft und gerne auf das „Große Geheimnis“, welches die Muttergottes dem Sehermädchen Mélanie Calvat 1846 auf La Salette anvertraut hatte und in dem die Prophezeiung herausragt:

„ROM WIRD DEN GLAUBEN VERLIEREN UND SITZ DES ANTICHRISTEN WERDEN.“

Und die meisten Sedisvakantisten glauben denn auch, dass diese Prophezeiung mit dem II. Vatikanischen Konzil eingetroffen ist. Für sie sind sämtliche Päpste nach oder einschließlich Pius XII. bis heute ungültige, häretische, apostatische Pseudo-Päpste. Und für sie ist der Stuhl Petri seither vakant. Für sie ist das II. Vatikanum ein ungültiges Konzil, eine Räubersynode und die papssttreue katholische Kirche eine Sekte, ja mitunter gar „die Hure Babylons“. Überdies gibt es laut ihnen keine gültige Hierarchie und keine gültigen Sakramente mehr, außer der Taufe und dem Ehesakrament. Die „Pforten der Hölle“ haben demnach die Kirche „überwältigt“!

Tatsach ist, laut Kathpedia:

Im Oktober 1917 entrollten Freimaurer auf dem Petersplatz in Rom, unter den Fenstern des Vatikans, ein Satansbanner, auf dem in grässlicher Verzerrung der Erzengel Michael dargestellt war, der sich in den Klauen Luzifers befand und von diesem zu Boden geworfen wurde. Auf einem Transparent standen die Worte: „Satan muss herrschen im Vatikan und der Papst muss sein Sklave sein!“ Dabei wurde die Satanshymne Carduccis (vgl. Tiara) gesungen. Unter den Augenzeugen, die das teuflische Schauspiel auf dem Petersplatz miterlebten, befand sich ein junger Theologiestudent aus Polen; Frater Maximilian Kolbe. Er reagierte auf die Provokation der „Söhne der Finsternis“ und entschloss sich, gegen den Kampfbund Satans, die Freimaurerei, einen Kampfbund Mariens zu gründen. Zusammen mit sechs gleichgesinnten Gefährten weihte er sich am 16. Oktober 1917, drei Tage nach der letzten Erscheinung der Gottesmutter in Fatima und neun Tage vor dem Ausbruch der Oktoberrevolution in Russland, gänzlich und bedingungslos der Unbefleckten Jungfrau. Unter ihrer Führung wollten sie Werkzeuge sein, über die Maria nach Belieben verfügen konnte. Es entstand die „Miliz der Immakulata, die 1918 von Papst Benedikt XV. gesegnet, 1922 als „fromme Vereinigung“ und 1927 als „Erzbruderschaft“ kirchenrechtlich errichtet wurde.

Es ist klar, dass Satan allzeit am Werk ist, die Kirche Christi zu besiegen. Und es ist auch einleuchtend, dass z.B. insbesondere die Freimaurerei den Heiligen Stuhl erobern möchte. Aber gelungen ist es diesen Kräften bis jetzt nicht, die Päpste für sich zu gewinnen. Diese herrschen immer noch souverän unter dem besonderen Gnadenschirm CHRITI und der MUTTERGOTTES.

*) d.h. der Heilige Stuhl

 

Brief Johannes Pauls II.

an Msgr. Louis Dufaux, Bischof von Grenoble
zum 150. Jahrestag
der Erscheinung Marias in La Salette

Die Diözese Grenoble, die Missionare von La Salette und viele Gläubige in der ganzen Welt feiern in diesem Jahr den 150. Jahrestag der Erscheinung der seligen Jungfrau Maria, an diesem Ort in den Alpen, von wo ihre Botschaft nicht aufhört auszustrahlen. Eine solche Gedenkfeier kann reich an Gnaden sein; darum möchte auch ich daran teilhaben in der Verbundenheit mit den Pilgern, die kommen, um die Mutter des Herrn zu verehren unter dem Titel Unsere Liebe Frau Versöhnerin der Sünder.

Als Mutter des Erlösers, Mutter der Kirche und Mutter der Menschen begleitet Maria jeden Menschen auf dem Pilgerweg des Lebens. In der Zeit, in der wir uns intensiver auf das grosse Jubiläum der Erlösung vorbereiten, stellt dieses Jahr, das dem Jahrestag der Erscheinung Marias an Maximin und Melanie gewidmet ist, eine bedeutende Etappe dar.

Maria, die Mutter voll der Liebe, hat an diesem Ort ihre Trauer über das moralische Elend der Menschen gezeigt. Durch ihre Tränen hilft sie uns besser zu verstehen den Ernst der Sünde, die Ablehnung Gottes, aber auch die leidenschaftliche Treue, die ihr Sohn gegenüber ihren Kindern behält. Er ist der Erlöser, dessen Liebe durch die Vergessenheit und die Ablehnung verletzt wird.

Die Botschaft von La Salette wurde zwei jungen Hirten anvertraut, in einer Zeit, da viele Menschen zu leiden hatten unter Hunger und infolge der Ungerechtigkeit. Mehr noch, die Gleichgültigkeit und die Feindseligkeit gegenüber dem Evangelium nahmen zu. Die Mutter Gottes denkt darüber nach und zeigt sich mit dem Bild ihres gekreuzigten Sohnes auf der Brust. Dadurch zeigt sie, dass sie am Werk der Erlösung mitbeteiligt ist, dass sie mit ihren Kindern leidet, wenn sie sieht, wie sie sich von der Kirche Christi entfernen, indem sie die Gegenwart Gottes in ihrem Leben und die Heiligkeit seines Namens vergessen oder ablehnen.

Die Ausstrahlung des Ereignisses von La Salette bestätigt uns, dass die Botschaft Marias sich nicht nur im Leid erschöpft, das die Tränen ausdrücken. Maria ruft zur Selbstbeherrschung auf: sie lädt uns ein zur Busse, zur Ausdauer im Gebet und besonders zur Treue zu den sonntäglichen Praktiken; sie bittet, dass ihre Botschaft ihrem ganzen Volk mitgeteilt werde, durch das Zeugnis der beiden Kinder. Und in Wirklichkeit hört man schnell auf ihre Stimme. Die Pilger kommen, es geschehen viele Bekehrungen. Maria ist in einem Licht erschienen, das an den Glanz der durch die Auferstehung Christi verwandelten Menschlichkeit erinnert: La Salette ist eine Botschaft der Hoffnung. Unsere Hoffnung wird gestärkt durch die Fürbitte jener Frau, die die Mutter der Menschen ist. Die Risse sind nicht unheilbar. Die Nacht der Sünde weicht vor dem Licht der göttlichen Barmherzigkeit.

Menschliches Leid kann, wenn es gläubig angenommen wird, zur Reinigung und zum Heil beitragen. Wer demütig die Wege des Herrn geht, auf dem wird der Arm des Sohnes Marias nicht lasten um zu verurteilen, vielmehr wird er die Hand ergreifen, die sich ihm entgegenstreckt, um die Sünder, die durch die Gnade des Kreuzes versöhnt sind, in ein neues Leben eintreten zu lassen.

Die Worte Marias in La Salette belieben durch ihre Klarheit und ihren Ernst, aktuell in einer Welt, die immer ertragen muss die Geissel des Krieges und des Hungers, und viel Unglück, die Zeichen und oft auch Folgen der Sünde der Menschen sind. Auch heute noch will jene, die alle Nationen selig preisen werden (Lk 1,48), ihr ganzes Volk führen, das von den Prüfungen dieser Zeit zur Freude übergeht, die dort entsteht, wo man in aller Stille die Sendung erfüllt, die Gott dem Menschen aufgetragen hat.

Die Missionare von La Salette haben nicht aufgehört, das Studium der Botschaft von La Salette zu vertiefen. Sie bemühen sich, dem kommenden dritten Jahrtausend den universellen Wert dieser Botschaft aufzuzeigen. Sie sind in besonderer Weise verantwortlich, den Aufruf zur Erneuerung des christlichen Lebens dem Volk zu überbringen, der am Anfang ihrer Gründung in der Diözese Grenoble steht. In diesem Jubiläumsjahr lade ich sie ein, mit Eifer ihre Sendung fortzusetzen, in den verschiedenen Gegenden der Welt, wo sie tätig sind. Ebenso richte ich Worte der Ermutigung an die Schwestern von La Salette und an die andern Stiftungen und Institute, deren Gründung und Spiritualität mit dem Ereignis in La Salette in Verbindung stehen. Ich bete, dass die Mutter Christi in diesem besonderen Jahr ihnen beistehe in der geistlichen Erneuerung, die sie sich wünschen, und ihnen helfe, sich ihren Evangelisationsaufgaben mit jenem missionarischen Schwung zu widmen, den die Kirche von ihnen erwartet.

Aus der Region Savoyen und der Dauphiné, wo Maria ihre Botschaft vor anderthalb Jahrhunderten verkündet hat, ertönt auch heute derselbe Anruf an die vielen Pilger, die zu diesem Heiligtum aufsteigen, wie auch an jene, die andere salettinische Heiligtümer besuchen.

Ich ermutige sie alle, der Unbefleckten Jungfrau die Nöte und die Hoffnungen dieser Welt anzuvertrauen, wenige Jahre vor dem grossen Jubiläum.

Mögen sie alle Zeugen der Versöhnung sein, dieser Gabe Gottes und der Frucht der Erlösung für die einzelnen Menschen, für die Familien und für alle Völker! Möge die Wallfahrt ihnen helfen, ihr christliches Leben in Lauheit oder in Gleichgültigkeit fallen zu lassen und nie zu vergessen, dem auferstandenen Christus den ersten Platz in ihrem Leben einzuräumen! Mögen sie in der Welt Erbauer dieses Friedens sein, den der Herr versprochen hat (Joh 14,27), und immer überzeugt sein vom unveräusserlichen Wert der einfachsten aller menschlichen Personen.

Maria ist in der Kirche zugegen wie am Tag der Kreuzigung, am Tag der Auferstehung und am Pfingsttag.

In La Salette hat sie ganz deutlich die Beständigkeit ihres Gebetes für die Welt offenbart. Sie wird die Menschen nie aufgeben, die nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen sind und denen es gegeben ist, Kinder Gottes zu werden (Joh 1,12). Möge sie alle Völker der Erde zu ihrem Sohn führen!

Ich vertraue das Bistum Grenoble, die Missionare von La Salette und alle Ordensleute, welche die gleiche Spiritualität teilen, Unserer Lieben Frau, der Mutter der Versöhnung an und gewähre allen von Herzen den Apostolischen Segen.

Vatikan, 6. Mai 1996

Johannes Paul II.

Quelle – französischer Originaltext


Ferner: interessant zu lesen, vor allem wegen der Zeit-Einteilung: L’Apocalypse de Notre Dame, le secret de la Salette – Etude du message par l’abbé Joseph Grumel

Nacht vom 14. auf den 15. Dezember 1904: Tod Mélanie’s von La Salette

Gedenken wir der Sterbestunde der von vielen un- oder missverstandenen Opfer- und Sühneseele Mélanie Calvat, die in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember 1904 in Altamura bei Bari eingetreten ist, für sie, nach meiner Überzeugung, die Stunde ihres Eingehens in den Himmel!

Lesen Sie dazu meine Übersetzung ihrer autobiografischen Kindheitsgeschichte!

Gottselige Mélanie bitte für uns und für die ganze heilige Kirche!

Siehe ferner:

LA SALETTE – DOKUMENTE

ZWEITER TEIL siehe: Bericht über die Erscheinungen Unserer Lieben Frau von La Salette von Maximin Giraud

DRITTER TEIL:

Grundsätzliche Einwände, die den Kindern von La Salette gegenüber gemacht wurden.

Im Verlauf unseres Lebens sind wir — die Kinder von La Salette — häufig befragt worden; dabei wurde uns oft widerspro­chen. Alle bis zum heutigen Tag gegen uns vorgebrachten Vermutungen lassen sich im Grunde auf drei hauptsächliche zurückführen.

1)          Man hat uns als verschlagene Gemüter hingestellt, fähig, eine Geschichte zu erfinden, in der die verschiedenen Partien zusammenhängen und sich in erstaunli­cher Weise gegenseitig stützten; man stell­te uns hin als mutig genug, ein solches Machwerk in Gegenwart beeindruckender Hörerschaften aufrechtzuerhalten und be­zeichnete es als glücklichen Umstand, daß unser Bericht hingenommen wurde.

2)          Man betrachtete uns als Wesen von einer an Idiotie grenzenden Unbefangen­heit; als dumm genug, um einem Betrüger als Marionetten zu dienen, aber auch als dickköpfig genug, um an solch verrückter Überzeugung festzuhalten.

3)          Letztlich haben mehrere, die uns weder die Genialität, noch die Dummheit zutrauten, in uns nur die überwältigten Zuschauer eines natürlichen Vorgangs ge­sehen, den sie anschließend als Wunder ausgaben.

Anderes vermochte man nicht vorzubrin­gen. Diese Einwände erschienen in den verschiedensten Ausgestaltungen, die hier ihrer Länge wegen nicht wiedergegeben werden können, und weil sie zudem nichts Wissenswertes darstellen.

Es sei bemerkt, daß solche Einwände immer auf widersprüchliche Erklärungen zurückgreifen müssen.

Bemerkenswert ist auch, daß die Mit­tel, die man angewandt hat, um einer Schwierigkeit zu entgehen, in jedem Fall eine noch beträchtlichere herbeiführten.

Welche Mittel, außer den einfachen Worten, konnte man unserem Bericht entgegenstellen, um ihn in seiner Natür­lichkeit nicht annehmen zu müssen, als: „Kinder ihr seid kleine Lügner.“ Seht doch, wie viele Fragen sie (die Erschei­nung) aufwirft. Aus welchem Grund wollen diese Kinder uns täuschen? Wel­chen Zweck verfolgen sie damit? Wie haben sie ihren Komplott geplant? Wel­chen Erfolg versprechen sie sich davon? Sind sie derart ehrgeizig, daß sie sich so einen Namen machen wollen, sind sie habgierig, daß sie dem Glück nachjagen, oder sind ihre Herzen derart abgestumpft, daß sie auf der Suche nach neuen Lustgefühlen sind? Denn der Mensch lügt doch nicht einfach um der Lüge willen, besonders nicht in Bezug auf eine solch ernste Sache, und schon gar nicht in einer solch unerschütterlichen Weise. Mit wel­cher Erkenntnis sind diese frühreifen Kinder nicht begabt, da sie das Geheimnis entdeckt haben, die öffentliche Neugierde mit der heißumstrittenen Frage der Epo­che bis zum äußersten zu reizen, mit der Frage nach dem Übernatürlichen. Mit einer erstaunlichen Klarsicht haben sie alle möglichen Einwände vorausgesehen. Die subtilsten Verhöre haben sie nicht abgeschreckt; die verfänglichsten Fragen haben sie nicht verwirrt. Allen ihnen gestellten Fallen entzogen sie sich mit klaren und entschiedenen Antworten. Gleichgültig, ob sie zusammen oder ein­zeln befragt wurden, ihre Aussagen stimmten überein, vervollständigten und bestätigten sich bis in die kleinsten Einzelheiten. Die Theologen bekannten sich geschlagen, die Rechtsvertreter und die Wissenschaftler, anfänglich außerge­wöhnlich kühn, fürchteten bald bezüglich ihrer eigenen Angelegenheit, zu klar sehen zu müssen. Das ist jedoch noch nicht alles. Diese kleinen Listlinge, einerseits von einer solch wunderbaren Begabung, sind dennoch so demütig, daß man sie in ihrer Heimat als ungebildet erachtet, als unfähig, etwas zu lernen, als faul und gleichgültig, unfähig, ihren Katechismus zu verstehen und als so vergesslich, daß sie auf dem Weg vergessen, was man ihnen zu tun aufgetragen hat. Diese Schelme sind einerseits so verdreht, daß sie das Universum zum Narren haben, zum ande­ren so heuchlerisch, daß jeder sie für treuherzig und unschuldig hält.

Wer immer mich als Betrüger hinstellt, höre was ich darauf erwidere:

Wenn man mich schon als so verschlagen hinstellt, eine solche Schurkerei zu erfin­den, wieso verlangt man von mir noch die Dummheit, daß ich gegen meine Interes­sen handle? Das hieße ja, daß ich mich großer Raffinesse bediente und dabei eine ebenso große Dummheit beginge. Diese beiden Dinge lassen sich nicht vereinba­ren. Wenn ich je nach Glück, Ruhm und Annehmlichkeit gestrebt habe, so muß ich zugeben, daß ich dabei vom Weg abgekommen bin. Ich bedaure nicht, von diesen Dingen nichts gefunden zu haben. Meine Zeugenschaft ist vielmehr der Grund meines Mißgeschicks gewesen. Wa­rum ließ man mich nicht in den Bergen? Dort hätte mein Leben einen unbeweg­teren, einen glücklicheren Verlauf genom­men. Solange ich unter meinen Landsleu­ten lebte, hatte ich keine Ahnung, was es heißt, unter Fremden zu leben. Und das Schwarzbrot meines Dorfes hätte mir nicht so oft gefehlt, wie die Nahrung in der Großstadt. Ich behaupte sogar, daß ich sofort hätte reich sein können, wäre ich nur feige und selbstgefällig genug gewesen, um mich zu verleugnen.

Was wäre daran schon so mühsam gewesen, die Wahrheit nachträglich wie­der zu behaupten, gesetzt den Fall, ich hätte sie verraten, wenn ich dabei den Gewinn eines unglaublichen Skandals hätte ernten können, indem ich meinen Namen allen öffentlichen Echos ausgelie­fert hätte? Die, welche mir solche Schlechtigkeit unterstellen, ahnen nicht, daß ich vor dem Skandal Furcht empfin­de.

Ich fasse zusammen: Wie sollte ich zugleich so erfinderisch und so dumm, so mutig und so halbherzig, so verschlagen und so bedächtig sein? Bin ich nun das unerklärliche Ungetüm, oder ist es viel­mehr die Annahme meiner Gegner, die so monströs ist? Im ersten Fall verlasse man die Hypothese, im zweiten erkenne man in der moralischen Ordnung ein Wunder, das wenigstens so groß ist, wie dasjenige, das ich verteidige.

Nachdem unsere Gegner in diesem Punkte geschlagen waren, griffen sie zur anderen Extremität und verwandelten uns auf der Stelle mit einer den Zauberern unbekannten magischen Kraft in kleine Idioten, Opfer einer Hinterlist, zu deren Verbreiter wir uns machten.

Hierauf antworte ich folgendes:

Falls unsere Einfachheit uns in die Gefahr bringt, der Falschheit zu glauben, so hat sie uns doch nicht gehindert, bei der Wahrheit zu bleiben; und wenn es so leicht war, uns irrezuführen, wieso war es dann so schwer, uns von unserer Über­zeugung abzubringen? Die Hartnäckigkeit, die man uns vorhält und die wir selbst gegenüber den hervorragendsten Männern unserer Epoche nicht aufgaben, zeigt, wie wenig anfällig wir gegenüber fremden Einflüssen sind; und wenn die Gründe derjenigen Personen, die geistig über uns stehen, auf uns keinen Eindruck machten, so deswegen, weil sie im Vergleich zu dem Ereignis, das wir bezeugen, äußerst schwach sind. Warum muß man uns je nach der Notwendigkeit einmal zu glaub­würdigen Kindern und einmal zu unüber­zeugbaren Gemütern machen? Befinden sich in uns zwei Wesen, die sich gegensei­tig zerstören? Ehe man das Wunder von La Salette leugne, erkläre man mir jenes andere Wunder in der geistigen Ordnung.

Nein, wird man sagen: hören wir auf, unschuldige Kinder zu beschuldigen. Sie glaubten zu sehen, was nicht existiert. Diese Dinge kann man optisch erklären. ­Aber wie! Sind Melanie und ich zur gleichen Zeit der selben Täuschung zum Opfer gefallen, da — merkwürdigerweise — unsere getäuschten Ohren die gleichen Worte vernommen haben und unsere Augen das gleiche sahen? Muß man (um der gegnerischen Erklärung willen) die ganze Natur umkehren, damit die Gesetze der Natur nicht (wie durch unsere Aussa­gen) verkehrt seien? Diese (unsere) plötzliche Krankheit, die sich durch nichts ankündigte und die keine Folgen hinterließ, ist so außergewöhnlich, wie die Tatsache, die (mit ihr) zurückgewiesen wird.

Man wähle nun die Seite, auf die man sich zu stellen wünscht. Nur sage ich, daß wer mein Zeugnis nicht annehmen will, immer in einer Sackgasse enden wird. Man erhebt sich entweder mit meiner Aussage zum Übernatürlichen, oder man stürzt in die Absurdität. Welcher Akt des Glaubens ist nicht nötig, um die Wahrheit des Wunders anzuerkennen in einem Jahrhundert, das den göttlichen Tatsa­chen gegenüber so feindlich eingestellt ist? Und doch, zu welcher Annahme von ungereimten Tatsachen ist man nicht gezwungen, um die Verneinung des Wun­ders zu stützen? Ich überlasse meinen Lesern diese einzigartige Alternative.

Denjenigen, die mir widersprechen, begegne ich nicht mit dem Einwand, den sie mir gegenüber gebrauchen. Ich hätte ihnen sagen können, daß erneute Wunder das erste stützen werden. War es nicht schon wunderbar zu sehen, wie die Kinder, die am Vortag noch kein Franzö­sisch sprechen konnten, sich nunmehr leicht in dieser Sprache verständlich ma­chen und aus dem Gedächtnis eine lange Rede hersagen konnten, — sie, die bis dahin kein Vaterunser behalten konnten? War es nicht wunderbar, das Fliessen der Quelle zu sehen, die seither nicht mehr versiegt ist, zudem die außergewöhnlichen Heilungen, die zahlreich und genauestens bezeugt sind? Ist es nicht wunderbar, jene Menge von Menschen zu sehen, die sich infolge unseres Berichtes bekehrten, obwohl sie uns mit den letzten Vorurtei­len begegneten, ja uns oft mit Verachtung empfingen? Es ist in der Tat Maria, die durch unseren Mund spricht, die uns plötzlich zu Theologen, zu Rechtskundi­gen, zu Wissenschaftlern, zu Dichtern und mehr noch, zu Propheten verwandelt.

Aber warum sollte ich mich über diese Dinge verbreiten, wo ich doch größere Autoritäten als mich anführen kann? Der Himmel und die Heilige Kirche haben unsere Zeugenschaft bekräftigt:

Der Himmel durch die kanonisch aner­kannten Wunder; die Heilige Kirche durch Reskripte, päpstliche Sendschreiben und Indulte, durch den die kirchliche Lehre betreffen­den Hirtenbrief von Mgr. de Bruillard, Bischof von Grenoble. Ich zähle sie hier auf für jene frommen Personen, die mit der Kirche glauben wollen und für diejeni­gen, die sich ernstlich und ohne Vorbe­halt über die Erscheinung Unserer Lieben Frau von La Salette informieren wollen. Diejenigen, die sich berufen fühlen, alles, sogar die Gewißheit, zu verneinen, müs­sen, ehe sie uns bekämpfen, die Akte des Himmels und der Kirche, die sich zu Gunsten unserer Aussagen entschieden haben, beiseite schaffen.

Maximin Giraud

(Fortsetzung folgt)

(Übersetzung aus dem Französischen von Günther Mevec, Gröbenzell)

(Aus: „DAS ZEICHEN MARIENS“, 1970, Dezember)

LA SALETTE – DOKUMENTE

(Übersetzung aus dem Französischen von Günther Mevec, Gröbenzell)

Bemerkung des Herausgebers

Die Zeugnisse, die in dieser Arbeit veröffent­licht werden, stellen eine erste Sammlung zur Darstellung einer wirklichen, vollständigen und objektiven Geschichte La Salette’s dar. Sie wurden uns übermittelt von der ‚Association des Enfants de N.-D. de La Salette‘ und von der ‚Association de Saint Grignion de Montfort‘, deren öffentlicher Sitz in Saint-Laurent-sur-Sèvre (Vendée) ist.

Die 1901 gegründete Vereinigung befasst sich mit der Untersuchung und gelegentlichen Ver­öffentlichung aller Zeugnisse, die sich auf die Erscheinung vom 19. September 1846 in La Salette (Diözese Grenoble) beziehen. Die Ver­einigung verfügt gegenwärtig über eine nahezu vollständige Bibliothek, welche die Schriften, die im vergangenen Jahrhundert zum Thema ‚La Salette‘ erschienen sind, enthält. Sie verfügt des weiteren über zahlreiche unveröffentlichte Stücke, insbesondere über mehr als 800 Briefe des Hirtenmädchens von La Salette.

Der Brief ist ein Hauptzeugnis. Alle Geschichts­schreiber erkennen an, daß der Autor, der Held oder der Heilige im Brief fortlebt, und daß der Geist dessen, der ihn geschrieben hat, im Brief lebendig greifbar ist.

Der Brief vermeidet die Verschweigung und den Umweg. Er bekundet hellste Freimütigkeit, und man steht mit ihm auf dem festen Boden der Tatsache, die die geschichtliche Gewißheit erzeugt.

Ausser dem Bericht über die Erscheinung durch die beiden Zeugen Maximin Giraud und Melanie Calvat, geben wir hier 32 Briefe der Letzteren an Abbé Le Baillif, einen französischen Priester wieder, die Grabrede des Domherrn Annibale Di Francia von Messina, sowie seine Ansprache zur Einweihung des zu Ehren der Hirtin von La Salette errichteten Denkmals.

EINLEITUNG

Diese erste Sammlung von Zeugnissen erlaubt dem Leser den direkten Kontakt mit den beiden Zeugen der Erscheinung vom 19. Sep­tember 1846: mit Mélanie Calvat und Maximin Giraud, von deren Korrespondenz ein Teil zusammengestellt wurde.

Mélanie Calvat hat viel geschrieben und zwar in Französisch so viel wie in Italienisch. Die Vereinigung verfügt über folgende der französi­schen Briefe:

32 Briefe an Abbé Le Baillif sind in der vorliegenden Arbeit im Original, d.h. (in der französischen Version) mit den orthographi­schen und den Interpunktionsfehlern wiederge­geben.

22 Briefe an Abbé Roubaud, Pfarrer von Vins, verfasst in der Zeit vom 20. Juli 1891 bis 6. Februar 1897;

39 Briefe an Mutter St-Jean, Nonne in Maran­ville (Haute-Marne), vom 20. Juni 1885 bis 31. Dezember 1900;

151 Briefe an Frl. Vernet und Herrn Schmid, Paris, i.d.Zt. vom 14. September 1894 bis 2. September 1897;

165 Briefe an Abbé Combe, Pfarrer von Diou (Allier), i.d.Zt. vom 30. Januar 1896 bis 13. Dezember 1904;

372 Briefe an den Domherrn Brandt, i.d.Zt. vom 23. März 1877 bis 16. März 1903.

Es ist von der Sache her logisch, daß vor der Wiedergabe der Briefe an Abbé Le Baillif die offiziellen Berichte der beiden Zeugen über die Erscheinung vom 19. September 1846 veröf­fentlicht werden.

Der Bericht Maximins ist unauffindbar, obwohl er dreimal veröffentlicht wurde. (1866, 1870, 1873) Wir geben hier den Text der ersten Ausgabe wieder. Maximin Giraud, der am Erscheinungstag — am 19. September 1846 —, zehn Jahre alt war, ist am 1. März 1875 in Corps, seinem Heimatort, wie ein Heiliger gestorben, ohne sein Geheimnis offenbart zu haben.

Mélanie Calvat, später Schwester Maria vom Kreuz, war vierzehn Jahre alt, als sie zu La Salette die Allerheiligste Jungfrau schaute. Während ihres siebzehnjährigen Aufenthaltes in Castellamare Di Stabia, nahe Neapel, hatte sie Msgr. Salvator Zola, Bischof von Lecce, zum geistlichen Führer. Seine bischöfliche Kurie untersuchte den vollständigen Bericht der Hir­tin von La Salette, dessen Veröffentlichung Msgr. Zola am 15. November 1879 genehmigte. Die Hirtin von La Salette veranstaltete 1904 eine endgültige Ausgabe ohne irgendeine Text­änderung. Der Bericht, den wir hier wiederge­ben, enthält die Prophezeiung von La Salette. Die Bevorzugte Mariens behielt während ihres ganzen Lebens jedes einzelne Wort der Prophe­zeiung in vollständig klarer Erinnerung. Dieses geistige Wunder war notwendig, damit die Botschaft in ihrer Vollständigkeit übermittelt würde. Die beiden Hirtenkinder waren ungebil­det und kannten nur den Dialekt von Corps. Und dennoch gaben sie die Botschaft, die sie gemeinsam von der „Schönen Frau“ erhalten hatten, sogleich bei der Erscheinung in Franzö­sisch wieder.

Im Gehorsam gegenüber dem Dekret des Hl. Offiziums vom 15. Dezember 1915 enthält sich die Vereinigung jeden Kommentars und jeder Interpretation. (Auskünfte zum Thema La Salette erteilt das Sekretariat der „Association des Enfants de N.-D. de La Salette“, boîte postale no 8, Beaupréau (M.-et-L.)

Zum Abschluß dieser ersten Serie von Zeugnis­sen geben wir die Übersetzung der beiden italienischen Reden des Domherrn Annibale di Francia wieder. 1897 lebte in Messina tatsäch­lich der Domherr Annibale-Maria di Francia, Nachkomme des Fürstenhauses von Anjou. Der Beginn seiner Gründung der antoninischen Schwestern erwies sich als schwierig. Daher griff der Domherr auf die guten Dienste des Bischofs von Lecce zurück, welcher ihm die Hirtin von La Salette sandte.

Am 15. Dezember 1905 hielt der Domherr Annibale di Francia selbst in der Kathedrale von Altamura die Begräbnisrede für Schwester Maria vom Kreuz. Am 19. September 1920 hielt er in der Klosterkapelle der antoninischen Schwestern anläßlich der Aufstellung des Grab­mals zu Ehren jener, die als Mitbegründerin gilt des Instituts der Töchter des Göttlichen Eifers des Herzens Jesu die Festrede.

Zum Abschluß der Ankündigung dieser Veröf­fentlichung sei bemerkt, daß die mit dem Thema La Salette zusammenhängende italieni­sche Dokumentation noch zu untersuchen ist. Folgende Sachgebiete fallen darunter:

Briefe an Mgr. Zola, Bischof von Lecce;

Briefe an Mgr. Petagna, Bischof von Castellama­re;

Briefe an Dona Consenti von Galatina;

Briefe an den hochw. Herrn Pater Fusco, Redemptorist und lange Zeit Kaplan Melanies in Castellamare;

Briefe an den Domherrn Annibale di Francia von Messina;

Briefe an Mgr. Cecchini, der die Hirtin von La Salette in seinem bischöflichen Ort Altamura empfing.

Möchten diese ersten, hiermit der Öffentlich­keit übergebenen Zeugnisse die glückliche For­schung anregen, damit die Wahrheit in der Liebe klar werde: faciens veritatem in caritate.

Mein Glaubensbekenntnis
zur Erscheinung
Unserer Lieben Frau
von
LA SALETTE

(Oder die Antwort Maximin Girauds, eines der Hirtenkinder (päpstlicher Zuave) auf die gegen den Glauben der Zeugen gerichteten Angriffe.

Nur wenige der Briefe Maximin Girauds sind uns erhalten. Über das Leben des Hirtenknaben von Ablandins (das Dorf, das die beiden Kinder am Morgen des 19. September 1846 verließen), ist wenig bekannt. Zu diesem Thema beabsich­tigen wir die Veröffentlichung eines besonderen Bandes. Das Zusammentreffen Maximins mit dem Pfarrer von Ars im Mai 1851 und sein Eintritt in die päpstliche Armee sind die bekanntesten Abschnitte seines Lebens.

„Kommt näher meine Kinder, fürchtet Euch nicht. Ich bin gekommen, um Euch eine wichtige Nachricht zu verkünden.“ „Wohlan meine Kinder, macht sie meinem ganzen Volke bekannt.“

VORWORT

Nachdem in den Spalten der ‚Vie parisienne‘ mehrere Monate hindurch Angriffe gegen mich abgedruckt wurden, hatte ich die Absicht, darauf sofort und in Form der vorliegenden Broschüre zu antworten. Der Wunsch, die Angelegenheit einfach zu vergessen, meine Abneigung gegen Publizität, und wenn ich es zu sagen wagen darf, die mir natürliche Zurückhal­tung, haben mich umgestimmt.

Indes haben sich die Gemüter beunruhigt, und ich bekam zahlreiche Briefe, die mich zur Stellungnahme aufforderten. Ich glaube, mit derselben nicht mehr länger warten zu sollen und veröffentliche meine bescheidene Arbeit.

Möge Gott sie segnen! Maximin GIRAUD

ALLERHEILIGSTE, UNBEFLECKTE JUNGFRAU MARIA,
UNSERE LIEBE FRAU VON LA SALETTE

Erlaube, daß ich Dir diese Schrift zu Füßen lege. Mögest Du — da ich inzwischen erwachsen bin —, es fügen, daß meine Stimme so wahr und rein sei, wie einst, da ich von Deinem heiligen Berg herunterstieg, um die große Nachricht, die Du mir gegeben hast, Deinem ganzen Volke zu verkünden.

Ich hätte — Allergütigste Mutter —, nie geschrieben, hätte man nicht mein Zeugnis bezweifelt und es wider Dich gewandt, und hätte man mir nicht Worte zugeschrieben, während ich tiefes Stillschweigen bewahrte.

Dich allerheiligste Jungfrau bitte ich, Dich rufe ich an unter Deinem Namen Unserer Lieben Frau von La Salette, Du wollest mir die Gnade schenken, daß ich Dein Erscheinen bis ans Ende meiner Tage bekenne, wie es alle Zeugen der Kirche für die Gottheit Unseres Herrn Jesus Christus getan haben.

Am 2. Februar 1866

An die Verteidiger
Unserer Lieben Frau von La Salette

Ich beginne, indem ich Ihnen, meine Herren, von ganzem Herzen danke für all Ihre Schriften zu Gunsten Unserer Lieben Frau von La Salette, wie auch für die Verteidigung der kleinen Zeugen.

Haben Sie die Güte, ihr Werk fortzusetzen; denn es unterstützt die in unserer Zeit so verleugnete Wahrheit.

 

ERSTER TEIL

Der Hirte von La Salette hat bis zum heutigen Tag nichts über die Erscheinung mit der er geehrt wurde, geschrieben. Der nachfolgende Artikel, veröffentlicht in ‚La Vie Parisienne‘ am 11. Nov. 1865, Nr. 43, bewog ihn, sein Glaubensbekenntnis abzulegen und das Zeugnis seiner Kindheit erneut zu bekräftigen:

„Es gibt eigentlich niemanden, der nicht an das Wunder von La Salette glaubt; denn nichts ist natürlicher. Übernatürlich ist jedoch, was sich seither zugetragen hat. Man versichert uns nämlich, daß der Junge (inzwischen erwachsen), der Zeuge der Erscheinung war, sich weigert, an diese zu glauben.

„Er wurde zuerst in einem Seminar untergebracht. Da er jedoch eine sehr wenig orthodoxe Einstellung zeigte, entließ man den widerspen­stigen Mortara wieder in die Öffentlichkeit. Trotzdem er mit dem Kirchenbann (Anathema) belegt wurde (Marathena) — Der Verfasser wollte gewiss, ich weiß nicht warum, den hl. Paulus zitieren; aber der große Apostel sagt Maran-Atha und nicht Marathena), entschloß sich eine Vereinigung religiöser Frauen, das Kind des Wunders aufzuneh­men: man erwärmt die kleine Schlange in der Familie.

„Man muß gesehen haben, wie er sich vor Lachen biegt, wenn er zufällig den berühmten Gipsabdruck sieht, auf dem er mit seiner Schwester dargestellt ist, in Ekstase versunken vor der Jungfrau in der auvernischen Tracht. Die Schwester, deren Charakter flexibler ist, läßt sich in einem Kloster einsperren, wo die Arme für das, was sich ereignet hat, betet.“

Einige Tage später konnte man in der selben Zeitung Folgendes lesen:

„In unserer Ausgabe vom 11. November haben wir einen kleinen Artikel über den Hirten von La Salette veröffentlicht. Herr Maximin Giraud sieht darin Äusserungen, die seinem Ansehen als ehrenhaftem Menschen und Katholiken schädlich sind. Daß dadurch die Aufrichtig­keit seines Zeugnisses berührt wurde, das er vor Verwaltungs-, Rechts- und den kirchlichen Behörden, sowie vor einer Anzahl von Personen ablegte, hat ihn besonders betroffen.“

„Wir erklären daher mit dem besten Gewissen, daß wir ihm gegenüber keinerlei böswillige Absichten hegten und gestehen ohne weiteres ein, daß die uns zugestellten Informationen unrichtig sind.“ (Journal la Vie parisienne, Nr. 1, Samstag, den 6. Januar 1866)

Es ist lange her, daß ich als Christ die persönlichen Beleidigungen zu Füßen des Kreuzes gelegt habe. Ich müßte mich jedoch als Apostat betrachten, der die ganze Verwünschung des Himmels auf sich herabzieht, wenn ich als Zeuge der Erscheinung nicht zu Gunsten meiner Aussagen und meines Glaubens an die Erscheinung Unserer Lieben Frau von La Salette protestierte.

Weil ich mich infolge der Erscheinung nicht für den geistlichen Stand entschieden habe, glaubten mehrere, in meinem Wandel die Verneinung meiner ersten Aussagen zu sehen und schrieben mir eine Unglaubwürdigkeit zu, die ich mit der ganzen Kraft meines Gewissens zurückweise.

Es ist sicher, daß die Person, die mich provozierte, für sich, wie auch für die anderen gleicher Gesinnung, ein Glaubensbekenntnis fordert. Sie will wissen, ob ich wirklich überzeugt bin von dem großartigen Privileg, das ich unverdientermaßen von der Allerheiligsten Jungfrau Maria, der Mutter Unseres Herrn Jesus Christus empfangen habe.

Vielleicht hätte ich Grund gehabt, von meinem Gegner eine gebildetere Sprache und eine höflichere Form zu erwarten. Ich mache ihm jedoch diesbezüglich keinen Vorwurf, da er sich von den Zeilen, die ihm keinerlei Ehre gemacht haben, distanziert hat. Mag sein, daß ich ­wie es ihm scheint —, ein Knirps bin, habe ich doch nie behauptet, eine Persönlichkeit zu sein. Dennoch respektiere ich die Anderen in meiner Sprache, und wäre glücklich, wenn sie mich in derselben Weise behandelten.

Damit man mich künftig bezüglich des Ereignisses von La Salette nicht mehr in Wendungen wie: „man versichert, man sagt, man berichtet“ — beschuldigt, so erkläre ich, der Zeuge der Erscheinung Unserer Lieben Frau von La Salette, der nunmehr erwachsen ist und das 30. Lebensjahr vollendet hat, der im vollen Besitz seiner Sinne ist, frei und unabhängig, daß ich weit davon entfernt bin, das, was ich auf dem heiligen Berg gesehen und gehört habe, nicht glauben zu wollen, sondern daß ich vollkommen bereit bin, mein Leben hinzugeben, um die Wahrheit dieses großen Ereignisses zu unterstützen und zu verteidigen.

Ich hoffe, daß ich mit der Gnade Gottes und der Hilfe der Allerheiligsten Jungfrau Maria, die wir unter dem Namen Unserer Lieben Frau von La Salette anflehen, nicht schwach werde, wenn sich die Gelegenheit zum Bekenntnis ergibt.

„Das Kind zeigte eine sehr wenig orthodoxe Einstellung.“

Wenn man ehrliches Interesse an der Wahrheit hat, hält man sich an Tatsachen, d.i. man erfindet sie nicht einfach. Was meine orthodoxe Haltung angeht, so würde eine große Anzahl von Pilgern, die sowohl durch ihren Geist, wie auch durch ihre Tugend ausgezeichnet sind, eine große Anzahl hervorragender geistlicher Personen aus allen Ständen der Hierarchie, sowie die Lehrer des Seminars, in dem man mich zuerst untergebracht hatte, meine Mitschüler, und wenn nötig viele andere Personen ernsthaft bestätigen, daß ich dem Heiligen Stuhl treu ergeben bin, und daß ich mich in allem was die Hl. Römisch-Katholische und Apostolische Kirche lehrt, vollkommen unterwerfe.

Auch verberge ich vor niemandem, daß ich durchaus glücklich wäre, mein Blut für den Glauben zu vergießen.

Solcher Art ist meine orthodoxe Einstellung.

„Trotzdem er mit dem Kirchenbann belegt wurde.“

Bei dem vom Verfasser des Artikels angesprochenen Bann handelt es sich zweifellos um den der Pietätlosigkeit. Wohlan! Über ihn bin ich so stolz, wie man es nur sein kann.

„Eine Vereinigung religiöser Frauen entschloß sich, das Kind des Wunders aufzunehmen. Man erwärmt die kleine Schlange in der Familie.“

Über die Sicherheit zu lächeln, mit welcher der Verfasser bezüglich meiner Aufnahme durch die Vereinigung religiöser Frauen spricht, konnte ich mich nicht enthalten; denn dieses Mißverständnis ist einzigartig. Er hat nämlich ein Bataillon Zuaven (päpstlicher Truppen) mit einer Frauenvereinigung verwechselt. Aber nicht, weil er es gesehen hätte, bringt er diese Tatsache vor.

„Man muß gesehen haben, wie er sich vor Lachen biegt, wenn er zufällig den berühmten Gipsabdruck sieht, auf dem er mit seiner Schwester dargestellt ist, in Ekstase versunken vor der Jungfrau in der auvernischen Tracht.“

Vor dem La Salette darstellenden Abdruck empfinde ich nicht die unanständige Lächerlichkeit, die man mir unterstellt. Ich verneige mich vielmehr mit Respekt und Ehrfurcht davor und verdemütige mich bei dem Gedanken der großen Gnade, welche die Allerheiligste Jungfrau einem armen Hirten wie mir zu schenken sich herabgelassen hat. Auch das Wort „zufällig“ passt nicht in diese Fiktion, denn ich habe einen solchen Abdruck in meinem Zimmer. Außerdem trage ich ein Medaillon bei mir, das die Erscheinung Unserer Lieben Frau von La Salette zeigt und in das ein Teilchen des Steins eingearbeitet ist, auf dem die „Schöne Frau“ saß. Ich verhehle auch nicht, daß ich in den Gefahren und Prüfungen dieses Lebens Zuflucht zu meiner kostbaren Reliquie nehme.

„Die Schwester, deren Charakter flexibler ist, ließ sich in ein Kloster einsperren, wo die Arme für das, was sich ereignet hat, betet.“

Es ist überraschend, daß die Schriftsteller, sei es in ihrer Gegnerschaft zur Erscheinung Unserer Lieben Frau von La Salette, oder gegenüber den Hirten, gewöhnlich schon mit der ersten Zeile beginnen, ihre Unwissenheit bezüglich einer Tatsache zu zeigen, deren Urheber sie sind.

Es ist sicher, daß sie sich nicht an die öffentlichen Register gehalten haben. Aber auch ohne den Gang zum Rathaus, hätten zwanzig oder dreißig Autoren unterschiedlicher Nationalität und verschiedenen Rangs sie darüber belehren können, daß die Kinder von La Salette in keiner Weise verwandt sind, daß sie sich erst am Tage vor dem Wunder kennenlernten, und sich seither aus den Augen verloren haben.

Die Gegner der Erscheinung wünschen, daß Melanie unter Zwang ins Kloster eingetreten sei. Auch das ist unrichtig. Alle Einwohner von Corps und sogar die Familie Melanies wollten sie von ihrem Plan abbringen. Eine große Zahl von Personen kann bestätigen, was ich hier behaupte: daß sie Karmeliterin geworden ist, um für die Bekehrung der Sünder und die Feinde der Tatsache (der Erscheinung) deren einer Zeuge sie ist, zu beten. „Das Arme kleine Mädchen“ wird in ihrem einfachen Gebet diejenigen nicht vergessen, von welchen sie zuletzt öffentlich angegriffen wurde.

Über sich zu reden ist immer eine schwierige Sache, besonders wenn es darum geht, sich zu verteidigen. Gestatten Sie mir daher, über mein privates Leben ganz zu schweigen und dem kleinen Hirten das Wort zu geben, damit er die Erscheinung vom 19. September 1846 schildere, wie er sie gesehen hat.

(Fortsetzung folgt)

Maximin Giraud

(Aus: „DAS ZEICHEN MARIENS“, 1970, August-September)

Strafgerichte Gottes über Bischöfe, die heftige Gegner von La Salette waren

Apparition La SaletteDer Pariser Erzbischof Darbois ließ am 4. Dezember 1868 den Maximin (eines der beiden Seherkinder von La Salette) in seine Residenz rufen, um dessen „Geheimnis“ zu erfahren. Maximin aber blieb standhaft. Er ließ nicht die geringste Andeutung durchschlüpfen. Da erzürnte der Erzbischof und machte die Worte der „schönen Frau“ lächerlich: „Dumm war ihr Gerede, und recht dumm muß auch ihr Geheimnis sein.“ Maximin empörte sich über diese Ausdrucksweise des Erzbischofs und sprach mit tiefem Ernst und bedeutungsvoll: „Daß die heilige Jungfrau mir auf La Salette erschienen ist und zu mir gesprochen hat, ist ebenso wahr wie es wahr ist, daß Sie in drei Jahren vom Gesindel werden erschossen werden.“ Und so geschah es 1871. Der Erzbischof wurde am 4. April von der Pariser Kommune verhaftet und in das Gefängnis Mazat gebracht. Am 22. Mai wurde er von dort ins Gefängnis Grand Roquette gebracht, wo die zum Tode Verurteilten untergebracht waren bis zu ihrer Hinrichtung. Am 24. Mai führte man den Erzbischof unter Schimpfreden, Spott und Hohngelächter in den Gefängnishof, wo er von einer Abteilung Soldaten niedergeschossen wurde. Er fiel erst nach der zweiten Salve. Sein Leichnam, schreibt Prof. Konzionator, wurde in viehischer Weise verstümmelt, auf einen Karren geworfen und am Friedhof Père la Chaise mit anderen Hingerichteten in eine Grube geworfen. Bemerkenswert ist folgendes: Als der Erzbischof schon eingekerkert war, und als man ihm seine Befreiung durch Helfershelfer in Aussicht stellte, soll er erklärt haben: „Es ist alles vergeblich, ich werde erschossen werden. Maximin hat mir das schon vor drei Jahen prophezeit.“ Auf dem Wege zur Hinrichtung sprach der Erzbischof zu seinem Generalvikar Petit: „Erinnern Sie sich der Weissagung Maximins?“

Auffallend ist auch, daß Priester und Bischöfe, die heftige Gegner von La Salette waren, in ihrem späteren Leben vom Schicksal bitter heimgesucht und gedemütigt wurden. In den Berichten wird ein Priester erwähnt, der an Msgr. Ernest Rigaud, den unerschrockenen Verteidiger von La Salette, schrieb. „Sie sind verrückt.“ Ein halbes Jahr später kam er ins Irrenhaus – nicht der „verrückte“ Verteidiger, sondern der Priester. Ein Bischof, der an Msgr. Rigaud schrieb und ihn ebenfalls einen Verrückten nannte, wurde später gleichfalls wahnsinnig. Einem anderen Bischof, der die Andacht zur Muttergottes von La Salette in seiner Diözese zu verhindern suchte, faulte der Fuß ab, und er starb an dieser Krankheit.

Großes Aufsehen erregte seinerzeit auch die Todesart des Bischofs Fava von Grenoble. Seinen Bemühungen war es „gelungen“, die Mélanie (das andere Seherkind von La Salette) aus Frankreich zu vertreiben, wodurch sie an der Erfüllung ihres von der Muttergottes übertragenen Berufes, nämlich die Erscheinung bekannt zu machen, gehindert wurde. Den Wunsch des Papstes vom 3. Dezember 1878, Bischof Fava möge allen Mönchen und Nonnen, die auf dem heiligen Berge von La Salette tätig waren, einen ihm vom Papste übersandten Orden umhängen, erfüllte der Bischof nicht. Eines Morgens fand man ihn tot auf dem Fußboden liegen, er lag dort ganz entkleidet mit verdrehten Armen und geballten Fäusten, sein wilder Blick ließ vermuten, als habe er im Tode etwas Abscheuliches gesehen. — Bemerkenswert ist es, was Mélanie im Jahre 1878 diesem Bischof Fava antwortete, als er in ihrer Gegenwart erklärte, er werde eine neue Statue der Muttergottes von La Salette anfertigen lassen, da er die bisherige Darstellung für unschön finde. Darauf entgegnete ihm Mélanie: „Dann schreiben Sie aber auch in großen Buchstaben am Fuße Ihrer Statue: Muttergottes von der Erscheinung des Bischofs Fava!“

Ein Gegner von La Salette war auch der Vorgänger des Fava auf dem Bischofsstuhl von Grenoble, Msgr. Ginoulhiac, der es Napoleon III. zuliebe zuwege brachte, daß Mélanie in ein Kloster in England eintrat, wodurch sie aber an der ihr von der Muttergottes übertragenen Mission behindert war. (Sie mußte dann auf Befehl des Papstes Pius IX. aus dem Kloster in England freigelassen werden.) Bischof Ginoulhiac wurde kurze Zeit darauf geisteskrank und starb. Im Irrenhaus spielte er ständig mit Puppen, wie es kleine Mädchen zu tun pflegen. Ein gotterbärmlicher Anblick.

Zu den Gegnern von La Salette gehörte auch Msgr. Guilbert, der Bischof von Gap, in der Nähe von La Salette. Er wurde später Bischof von Amiens und Erzbischof von Bordeaux. Als Bischof von Amiens sagte er 1882 über La Salette: „Das Geheimnis von La Salette ist nichts anderes als ein Gewebe von Irreligiosität, Lüge und Übertreibung.“ In seinen Ansprachen an die Seminaristen von Amiens sagte er manchmal über La Salette: „Ich glaube nicht an jene Dummheiten.“ Als er es zum Erzbischof von Bordeaux gebracht hatte und Kardinal geworden war, reiste Guilbert einige Tage vor der Barettaufsetzung zu seinem Nachfolger, Msgr. Berthet, nach Gap. Dieser nahm ihn in seine Residenz auf. Am Morgen des 16. August 1889 fand man den Erzbischof ausgestreckt und tot am Boden liegen. Man bemerkte, daß er sich mühsam an verschiedenen Möbelstücken anklammernd bis zur Stelle geschleppt haben mußte, wo er nun lag. Seine Leiche wurde nach Bordeaux übergeführt. Bei dem feierlichen Trauergottesdienst stürzte der Sarg mit einem unbeschreiblichen Getöse von dem errichteten Katafalk auf die Steinplatten des Fußbodens und erfüllte das anwesende Publikum mit Schreck und Grauen. Wahrscheinlich hat niemand daran gedacht, daß dieses peinliche Ereignis bei der Trauerfeier des Erzbischofs mit seiner Feindschaft gegen La Salette zusammenhängen könnte.

(Prof. Alfons Konzionator [Franz Spirago], Schulrat in Prag)

Bericht über die Erscheinung Unserer Lieben Frau von La Salette von Maximin Giraud

Maximin & Mélanie

Die Seherkinder Maximin und Mélanie

Es ist Mittag. Dies ist also nicht die Stunde der Dunkelheit, welche die Täuschung begünstigt. Der Himmel ist heiter; die merkwürdigen Wolkenformationen lassen uns keine Gaukelbilder sehen. Die Sonne leuchtet in hellster Pracht. Für die beiden Zeugen wäre es leicht, ihren Glanz mit dem der Allerheiligsten Jungfrau zu vergleichen.

Ich sage diese Dinge; denn welche Hypothesen sind aus Freude, uns zu bekämpfen, nicht erfunden worden?

Melanie und ich saßen auf dem Gipfel des hl. Berges, auf einer aus Steinen aufgeschichteten Bank, nahe einer versiegten Quelle, die am nämlichen Tage wieder zu fließen begann, die seither ununterbrochen fließt und die den Namen ‚Wunderbare Quelle‘ (fontaine miraculeuse) trägt. Dort hielten wir unser kärgliches Mahl. Unsere Kühe tränkten und verstreuten sich. Ich war müde, streckte mich im Gras aus und schlief. Einige Augenblicke später hörte ich Melanies Stimme. Sie rief: „Memin (Kosenamen für Maximin), komm schnell, und lass uns sehen, wo die Kühe sind.“ Ich sprang auf, ergriff meinen Stock und folgte Melanie, die voran ging. Wir überquerten die Sezia, erklommen schnell den Hang eines Hügels und gewahrten auf dem anderen Hang die rastenden Rinder. Wir kehrten nun zur Steinbank zurück, wo wir wenige Momente vorher unsere Brotbeutel gelassen hatten. Plötzlich hält Melanie inne; der Stock entfällt ihren Händen; erschreckt wendet sie sich mir zu und sagt: „Siehst du das große Licht dort unten? — Ja, antwortete ich, ich sehe es; nimm du deinen Stock.“ Den meinigen drohend schwingend sagte ich: „Wenn es uns berührt, werde ich ihm einen tüchtigen Schlag versetzen.“

Dieses Licht, vor dem die Sonne zu erbleichen schien, öffnete sich, und wir bemerkten darin die Form einer Frau, die noch leuchtender war. Sie machte den Eindruck einer zutiefst betrübten Person; sie saß auf einem der Steine der Bank, die Ellenbogen auf die Knie gestützt und das Gesicht in den Händen verborgen.

Obwohl uns ca. zwanzig Meter von ihr trennten, hörten wir eine Stimme, die aus einem Mund ganz dicht bei unserem Ohr zu kommen schien; sie sagte:

„Kommt näher, meine Kinder, fürchtet euch nicht; ich bin hier, um euch eine wichtige Nachricht zu bringen.“

Die Ehrfurcht, die uns ferngehalten hatte schwand, und wir liefen zu ihr, wie zu einer guten und vortrefflichen Mutter. Die schöne Frau kam ihrerseits auf uns zu, hielt vor uns — etwa zehn Zentimeter über dem Boden schwebend — an, und begann zu reden:

„Wenn mein Volk sich nicht unterwirft, bin ich gezwungen, den Arm meines Sohnes fallen zu lassen; er ist so schwer und drückend, daß ich ihn nicht länger zurückzuhalten vermag. Seit der Zeit, da ich für euch leide, weil ich nicht will, daß mein Sohn euch verläßt, bin ich genötigt, ihn ununterbrochen zu bitten; ihr aber macht euch nichts daraus. Sechs Tage habe ich für die Arbeit gegeben, den siebten mir vorbehalten; aber man ist nicht gewillt, ihn mir zu widmen. Aus diesem Grunde wird der Arm meines Sohnes immer schwerer. Die Kärrner können schon nicht mehr fluchen, ohne dabei den Namen meines Sohnes zu mißbrauchen. Diese beiden Dinge belasten den Arm meines Sohnes sehr. Selbst wenn die Ernte verdirbt, stört ihr euch nicht daran. An den Kartoffeln habe ich es euch im letzten Jahr gezeigt, aber das bekümmert euch nicht. Im Gegenteil; ihr flucht auf den Namen meines Sohnes, wenn ihr verdorbene findet. Zu Weihnachten werden die Kartoffeln aufgebraucht sein.“

Die Schöne Frau bemerkte, daß Melanie den Ausdruck ‚pommes de terre‘ (Kartoffeln) nicht verstand und sagte:

„Meine Kinder, ihr versteht kein Französisch; wartet, ich werde anders zu euch sprechen.“

Daraufhin setzte Sie Ihre Rede in ‚patois‘ (d.i. der um Corps gesprochene Dialekt) fort. (Hier wird der obige Passus „Selbst wenn die Ernte verdirbt…“ in Patois wiederholt. Darauf folgt der Einwand Melanies:)

„Nein, Madame, das ist doch nicht wahr!“

„Doch, mein Kind, du wirst es sehen.“ Sie setzte ihre Rede fort:

„Die, welche Weizen zu sähen gedenken, sollen es unterlassen; denn die Tiere werden die Samen fressen; sollten sich doch einige Ähren bilden, so werden sie beim Dreschen zu Staub zerfallen. Eine große Hungersnot wird kommen. Davor aber werden die siebenjährigen Kinder von einem Zittern befallen werden und in den Armen derjenigen, die sie halten, sterben. Die Erwachsenen werden durch Hunger Buße tun. Die Trauben werden verderben und die Nüsse werden faulen.“

An dieser Stelle teilte uns die Schöne Frau das Geheimnis mit. Obwohl sie dabei die gleiche Stimme behielt, konnte ich nichts verstehen, als sie zu Melanie sprach. Während sie mir mein Geheimnis anvertraute, wurde Melanie gänzlich taub. Diese augenblickliche Taubheit verschwand und sie setzte ihre Rede mit diesen Worten fort (auch das nun folgende spricht die Muttergottes in Patois):

„Wenn sie sich bekehren, so werden die Steine zu Weizen und die Kartoffeln werden ohne ihr Zutun ausgesät sein.“

Dann fragte Sie uns:

„Meine Kinder, verrichtet ihr regelmäßig euer Gebet? „

Hierauf antworteten beide: „Nein, Madame, nicht regelmäßig.“

„Seht, meine Kinder, das sollt ihr morgens und abends tun. Wenn ihr keine Zeit habt, so betet wenigstens ein Vaterunser und ein Ave Maria; habt ihr aber Zeit, dann betet mehr. Außer einigen alten Weibern geht niemand mehr zur Kirche. Die anderen arbeiten das ganze Jahr hindurch, auch an den Sonntagen. Im Winter gehen sie dann zur Messe, aber nur, um die Religion zu verspotten. In der Fastenzeit gehen sie wie die Hunde zum Fleischerladen.“

Sie fragte uns dann:

„Meine Kinder, habt ihr schon einmal verdorbenen Weizen gesehen? „

Ich sagte: „Nein, Madame, ich habe noch nie solchen gesehen. — Daraufhin sagte sie zu mir:

„Du, mein Kind, hast solchen schon gesehen. Als du einmal mit deinem Vater nach Coin gingst, sagte der Besitzer eines kleinen Feldes zu deinem Vater: „Komm her, und schau, wie mein Getreide verwest!“ Ihr seid zu ihm hingegangen, und dein Vater nahm zwei oder drei Ähren in die Hand, rieb sie, und diese zerfielen zu Staub. Ihr habt euren Weg fortgesetzt, und als ihr eine halbe Stunde von Corps entfernt wart, gab dein Vater dir ein Stück Brot und sagte: Hier mein Kind, iß, wenigstens heuer noch; denn ich weiß nicht, wer im nächsten Jahr noch essen wird, wenn das Getreide verdirbt, wie dasjenige dort.“

Ich antwortete: „Das ist wahr, Madame; ich hatte mich schon nicht mehr erinnert.“ Sie beschloß ihre Mitteilung in Französisch mit den Worten:

„Wohlan, meine Kinder, sorgt dafür, daß dies meinem Volk mitgeteilt wird.“

Die schöne Frau überquerte die Sezia, indem sie meine rechte Seite leicht streifte und setzte ihren Weg fort, ohne sich nochmals nach uns umzuschauen. Wie zum letzten Abschied wiederholte sie uns von neuem die Worte:

„Wohlan, meine Kinder, sorgt dafür, daß dies meinem Volk bekannt gemacht wird.“

Bewegungslos, die Augen auf die schöne Frau gerichtet, sahen wir, wie sie gleich einem Eisläufer, die Füße nebeneinander, über die Spitzen des Grases, die sich nicht neigten, dahinschwebte. Aus unserer Entzückung erwacht, liefen wir ihr nach und hatten sie bald eingeholt. Melanie stellte sich vor sie, ich mich halbrechts hinter sie. Dort erhob sich die Schöne Frau unmerklich, ruhte einige Minuten ca. zwei Meter über dem Boden zwischen Himmel und Erde. Dann tauchte der Kopf, der Körper, die Beine und die Füße in das Licht ein, das sie umgab. Wir sahen jetzt nur noch die Lichtkugel, die sich erhob und am Firmament verschwand.

In unserer naiven Sprache nannten wir diese Kugel die zweite Sonne. Unsere Blicke ruhten lange auf dem Punkt, wo die leuchtende Kugel verschwunden war. Ich kann hier nicht die Exstase beschreiben, in der wir uns befanden. Ich spreche nur von mir. Ich weiß sehr wohl, daß mein ganzes Sein aufgehoben war, daß der Organismus in mir still gestanden hat. Nachdem wir wieder zu uns gekommen waren, schauten wir uns gegenseitig an; ohne ein Wort sagen zu können, erhoben wir bald die Augen zum Himmel, bald blickten wir auf unsere Füße und um uns herum, dann wieder musterten wir unsere Umgebung mit fragenden Blicken. Wir schienen die leuchtende Person zu suchen, die ich nicht mehr sah.

Meine Begleiterin brach das Schweigen zuerst. Sie sagte: „Memin, das ist bestimmt der liebe Gott oder die heilige Jungfrau meines Vaters gewesen, oder irgend ein großer Heiliger. — Ja, sagte ich, wenn ich das gewußt hätte, hätte ich sie gebeten, mich in den Himmel mitzunehmen.“

Wenn ich von der Schönen Frau sprechen soll, die mir auf dem heiligen Berg erschienen ist, fühle ich das Hindernis, das der hl. Paulus gefühlt haben muß, nachdem er in den dritten Himmel entrückt worden war. Kein Menschenauge hat je gesehen, noch hat Menschenohr je gehört, was ich sehen und hören durfte.

Wie sollen ungebildete Kinder, die über solch außergewöhnliche Dinge sich zu erklären aufgefordert sind, den angemessenen Ausdruck finden, den hervorragende Geister zur Beschreibung gewöhnlicher Dinge oft nicht zu finden vermögen. Man wundere sich daher nicht, daß das, was wir Haube, Krone, Schultertuch, Kette, Rosen, Schürze, Kleid, Strümpfe, Schnalle und Schuhe nannten, kaum der wahren Form gleichkommt. Ihre schöne Tracht hatte nichts Irdisches. Die Strahlen alleine und die verschiedenen Nuancen, die ineinander übergingen ergaben ein herrliches Ganzes, das wir (bei der Beschreibung) verringerten und vergegenständlichten.

Ein Ausdruck hat nur den Wert, der ihm sinnhaft beigelegt wird. Woher sollte unsere Sprache jedoch den Ausdruck nehmen, um zu beschreiben, wovon die Menschen keine Vorstellung haben? Das Licht z.B. war eines von allem anderen verschiedenes; es drang direkt in mein Herz ein, ohne die anderen Organe zu berühren. Es tat dies mit einer Harmonie, die auch das schönste Konzert nicht hervorzubringen vermag, und es war von einer Sanftheit, die selbst dem besten Liquör fremd ist.

Ich weiß nicht, welche Vergleiche ich anwenden soll; denn die auf die Dinge dieser Welt bezogenen haben alle jenen Mangel, den ich unserer Sprache vorwerfe; sie können dem Geist nicht die Vorstellung vermitteln, die ich wiederzugeben wünsche. Wenn die Menge zu Ende eines Feuerwerkes ausruft: „Hier ist das Bouquet“, besteht da ein Zusammenhang zwischen den Blumen und der Gruppe von Raketen, die hochschießen? Gewiß nicht. Der Unterschied zwischen den Vergleichen, die ich verwende und der Vorstellung, die ich wiederzugeben wünsche, ist noch unendlich größer als das obige Beispiel zum Ausdruck bringt.

Die Sonne senkte sich. Melanie und ich trieben die Kühe zusammen, die sich kaum von der Stelle gerührt hatten. An der Seite der Tiere, die nacheinander auf dem schmalen Pfad einhergingen, kam ich in Gedanken versunken in das Dorf Ablandins zurück. Ich war es, der der Herrin Melanies von der Schönen Frau erzählte. Die Worte der Frau im Licht, von der zweiten Sonne, erweckten den Anschein, als hätte ich den Kopf verloren. Sie bat mich, ihr zu erzählen, was ich auf dem hl. Berg gesehen und gehört hatte. Was sie und auch mich verwunderte, war, daß sie nicht wie ich, das strahlende Licht gesehen hatte, das über dem Gipfel des Berges stand, und daher weithin sichtbar sein mußte. Ich konnte mir nicht denken, daß ich eine besondere Gnade empfangen hatte.

Am Tag darauf kehrte ich zu meinem Vater nach Corps zurück; Melanie hütete weiterhin ihre Herde. Während dreier Monate waren wir durch göttliche Vorsehung voneinander getrennt, und berichteten jedes für sich, was wir gesehen und gehört hatten; wir beantworteten alle Einwände, die man uns machte, und zwar auf Französisch, das wir am nämlichen Morgen des 19. Septembers 1846 noch nicht zu sprechen wußten. So verlief der unvergessliche Tag.

Maximin Giraud

(Übersetzung aus dem Französischen von Günther Mevec, Gröbenzell)

Siehe auch: