Der Heilige des Alltags: Wer war Josefmaría Escrivá?

San Josemaría Escrivá / Wikimedia Commons – Opus Dei Communications Office, CC BY-SA 2.0 (Cropped)

Heute vor 15 Jahren wurde der Gründer des Opus Dei in Rom heilig gesprochen

Heute vor 15 Jahren wurde der Gründer des Opus Dei, Josemaría Escrivá in Rom heilig gesprochen. Zehn Jahre vorher, am 17. Mai 1992 hatte Johannes Paul II. ihn zum Seligen erhoben. In der Predigt  am 6. Oktober 2002 rief der Papst den Anwesenden zu: „Folgt seinen Spuren und verbreitet in der Gesellschaft das Bewusstsein, dass wir alle zur Heiligkeit berufen sind, ohne dabei Unterschiede zu machen nach Hautfarbe, Gesellschaftsschicht, Kultur oder Alter.“

Der inzwischen selber heilig geprochene Johannes Paul II. nannte Escrivá den „Heiligen des Alltags“ (Il santo dell´ordinario).

In der Tat, die Botschaft, die dieser moderne Heilige den Menschen unserer Zeit vermittelt, besteht vor allem darin: zunächst einmal zu wissen, dass alle Menschen zur Heiligkeit berufen sind, nicht nur die Priester und Ordensleute, und dann, dass dies  sich im gewöhnlichen Alltag vollzieht, man also nicht besondere oder ausgefallene Dinge tun muss, um in den „Heiligenkalender zu kommen“ – so könnte man das Wort von Josefmaria frei übersetzen: „Santos de altar“.

Josemaría Escrivá de Balaguer wurde am 9. Januar 1902 in Barbastro (Provinz Huesca, Spanien) geboren. Er hatte fünf Geschwister: Carmen, Santiago und drei jüngere Schwestern, die im Kindesalter starben. Dem Elternhaus verdankte er, wie er selber sagte, nicht nur eine christliche Erziehung, sondern auch eine ganze Reihe von menschlich-übernatürlichen Elementen, die später in den Geist des Opus Dei eingeflossen sind, wie z.B. Einfachheit und Natürlichkeit im Umgang, laikale Mentalität und Pflege der kleinen Dinge des Alltags.

Etwa seit dem Jahr 1917 begann Josemaría, seine Berufung zu ahnen. Die Fußspur, die ein unbeschuhter Karmelit im Schnee hinterlassen hatte, ließ ihn ahnen, dass Gott auch von ihm etwas Bestimmtes wollte; er konnte jedoch nicht erkennen, was es war. Er kam dann zur Überzeugung, dass er als Priester leichter Klarheit darüber erlangen würde. So bereitete er sich zuerst in Logroño und danach im Seminar von Saragossa auf das Priestertum vor.

Am 28. März 1925 empfing er in Saragossa die Priesterweihe und begann seine Arbeit als Seelsorger zunächst in einer Landpfarrei.

1927 ging er mit der Erlaubnis seines Bischofs nach Madrid, um in Rechtswissenschaft zu promovieren.

Dort ließ ihn Gott am 2. Oktober 1928 erkennen, was seine konkrete Berufung war: Er „sah“ das Opus Dei, und zwar in bzw. nach der Hl. Messe. Von da an widmete sich Escrivá mit all seinen Kräften der Verwirklichung dieser Gründung, von der er wusste, dass sie nicht sein Werk, sondern das Werk Gottes war. Zugleich übte er einen umfangreichen seelsorgerlichen Dienst aus, bei dem er täglich dem Leiden und der Armut in den Spitälern und Außenvierteln von Madrid begegnete.

Im Laufe des spanischen Bürgerkrieg musste er des öfteren vor den kommunistischen Brigaden fliehen, die jeden Priester als vogelfrei betrachteten und umbrachten. 1939 kehrte er nach Madrid zurück.

1946 verlegte er auf Wunsch des Heiligen Stuhls seinen Wohnsitz nach Rom. Er promovierte an der Lateran-Universität in Theologie.

Wichtig war ihm, nicht nur den Geist des Werkes, also die Heiligung der Arbeit und des Alltags, das Apostolat der Laien usw. deutlich werden zu lassen, sondern zugleich auch für eine dauerhafte juristische Gestalt des Opus Dei zu sorgen. Die Form der Personalprälatur, die ihm von Anfang an vorschwebte, konnte er zu seinen Lebzeiten nicht mehr verwirklicht sehen. Erst sein Nachfolger, der inzwischen selig gesprochene Bischof Alvaro del Portillo, sollte dies am 28. November 1982 erleben.

Josefmaria Escrivá starb am 26. Juni 1975. Wie alle großen Heiligen war er sehr marianisch eingestellt. Bei einer Gelegenheit hatte er in Mexiko beim Anblick eines Bildes der Muttergottes von Guadalupe gesagt: „So möchte ich einmal sterben, mit dem Blick auf die Muttergottes“. Dieser Wunsch ging in Erfüllung: er starb – plötzlich – als er gegen Mittag in Rom sein Büro betrat, wo sich ein Bild der Muttergottes von Guadalupe befand.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

______

Quelle

Brief des Prälaten des Opus Dei Fernando Ocariz über die Bedeutung der Familie

Die Familie ist der Ort, wo die Liebe geboren wird. Familien sind heute vielfältigen Herausforderungen ausgesetzt. In seinem Brief schlägt der Prälat des Opus Dei vor, den Familien professionell zu helfen.

Ihr Lieben, Gott schütze Euch!

Wie der letzte Generalkongress in Erinnerung gerufen hat[1], nimmt die Familie in den letzten Jahrzehnten einen besonderen Platz innerhalb der Prioritäten der Kirche und daher auch der Prälatur ein. Mit diesen Zeilen möchte ich noch einmal kurz auf dieses überaus dringende und notwendige Apostolat eingehen.

Es ist nicht zu übersehen, dass heute viele Menschen das, was dem Plan Gottes für die Verbindung von Mann und Frau entspricht, als ein Modell unter anderen ansehen und es sogar als ein Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten in Frage stellen. Geben wir trotzdem die Hoffnung nicht auf, im Gegenteil: das Licht der Wahrheit ist hinsichtlich der Familie dem Menschen von Gott ins Herz geschrieben und wird sich daher heute und immer einen Weg mitten durch die Stürme bahnen.

Jede Familie, die den wirkkräftigen Wunsch hat, Einigkeit zu bewahren, „übergibt die Regie der Welt wieder dem Bund des Mannes und der Frau mit Gott“[2]. Hier kommen mir Worte des hl. Josefmaria in den Sinn: „Die Sendung des Christen: das Böse im Überfluss des Guten ersticken! Es genügt weder, nur die Übel anzuprangern, noch, sich hinter einem Wall von Negationen zu verschanzen. – Vielmehr lebt der Christ aus dem Ja zum Wahren und Rechten, weil jugendliche Zuversicht, Freude und Frieden ihn prägen. Er will allen mit Verständnis begegnen: denen, die Christus nachfolgen, denen, die Ihn verlassen haben, und denen, die Ihn noch nicht kennen. Freilich bedeutet Verstehen weder Kapitulation noch Indifferenz, sondern Tätigwerden.“[3] Verlieren wir nicht Energie und Gelassenheit dadurch, dass wir die Schwierigkeiten, die so viele Familien und die Institution Familie selbst durchmachen, beklagen. Versuchen wir vielmehr, die christliche Familie starkmütig und professionell zu verteidigen und zu fördern als etwas, das nicht nur uns, sondern Gott selbst und den kommenden Generationen gehört.

Familie und Ehe sind ein Weg der Heiligkeit. „Du lachst, weil ich dir sage, dass du ›Berufung zur Ehe‹ hast? – Du hast sie, jawohl, Berufung.“[4] Eine Berufung zur Heiligkeit, das heißt zum Glücklichsein. Die Familie ist der Ort, wo die Liebe geboren wird; es ist der erste Ort, an dem die Liebe Gottes in unser Leben tritt, und zwar weit über das hinaus, was wir selbst tun oder unterlassen können. „Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1 Joh 4, 19). Vaterschaft und Mutterschaft sagen uns, wer wir sind: ein Geschenk Gottes, eine Frucht der Liebe. Mitten in den vielfältigen Problemen, die im Leben einer Familie auftauchen können, spornt uns das Wissen, dass wir selbst und die anderen ein Gottesgeschenk sind, dazu an, sie mehr zu lieben. Und die Gesellschaft ist stets angewiesen auf diese bedingungslose Liebe.

Mehr als in früheren Epochen macht sich heutzutage auf allen Ebenen die Notwendigkeit bemerkbar, den Familien in schwierigen Situationen beizustehen. Man wird nicht mit dem Wissen geboren, was es bedeutet, Vater oder Mutter, Ehemann oder Ehefrau zu sein – man muss es lernen und anderen Eheleuten helfen, in diese Aufgaben hineinzuwachsen: Familien, die anderen Familien helfen! Mit der Erfahrung, die das Familienleben mit sich bringt, kann man sich auf dem unendlichen Feld des Werkes der Barmherzigkeit, die Unwissenden zu lehren, wirksam einsetzen. Und das, ohne „Lektionen zu erteilen“, sondern mit aller Natürlichkeit. Wie viel kann man tun, um die zukünftigen Ehepaare gut vorzubereiten und den frisch Verheirateten oder denen, die eine schwierige Situation durchmachen, zur Seite zu stehen! Außerdem kann die Familie in Schwierigkeiten einmal eine von euch sein; dann ist der Augenblick gekommen, euer Herz zu öffnen und euch helfen zu lassen, mit derselben Einfachheit, mit der ihr andere unterstützt habt.

Denkt auch darüber nach, wie ihr den Paaren in den sogenannten „irregulären“ Situationen helfen könnt. Papst Franziskus hat erneut bekräftigt, dass die Lehre der Kirche nicht geändert wird[5]; es ist jedoch eine dringende Aufgabe, sich diesen Brüdern und Schwestern mit einem großen Herzen zu widmen, sie ganz aus der Nähe mit einem aufnehmenden und unterscheidenden Blick zu begleiten, der es ihnen erleichtert, mit Gottes Gnade diese Situation zu meistern.

Achtet einmal auf das Gespräch Jesu mit der Samariterin (vgl. Joh 4, 1-45). Jene Frau, die doch fern von Gott war, fing an zu beten, ohne sich dessen bewusst zu sein, denn sie begann, mit Gott zu sprechen, der die Begegnung herbeigeführt hatte und sie nach und nach dahin führte, die Wahrheit über ihr Leben zu bekennen. Die Samariterin bleibt jedoch nicht allein mit ihrer Wunde, sie spürt gleichzeitig, dass der „Gott allen Trostes, der uns in all unserer Not tröstet“ (2 Kor 1, 3-4), seinen liebevollen Blick auf sie richtet. Gott ruft uns, trotz unserer persönlichen Unzulänglichkeit und Fehlerhaftigkeit, für alle jene Menschen Vermittler seiner Nähe und seines Trostes zu sein.

In jedem Fall ist es wichtig, frühzeitig anzufangen: „Jemanden lieben zu lernen ist nicht etwas, das man improvisiert (…). In Wirklichkeit bereitet sich jeder Mensch von seiner Geburt an auf die Ehe vor.“[6] Ich erinnere euch daran, dass in der Arbeit mit jungen Leuten von der Schönheit der apostolischen Ehelosigkeit gesprochen werden soll, ebenso aber von der Berufung, eine christliche Familie zu gründen, wobei man die verschiedenen Aspekte der Verlobungszeit und der Ehe kreativ zur Sprache bringen muss[7], etwa durch Zeugnisse von Familien; Elternbildungskurse für Ledige, Vorträge, Filme oder bewährte Schriften; Veranstaltungen für Eltern in den Schulen; Mitarbeit in den Pfarreien; ein Freizeit- und Unterhaltungsangebot, das der Ursprung zukünftiger christlicher Ehen sein kann, usw.

Alle, die auf direkte Weise an dieser Bildungsarbeit beteiligt sind, mögen bedenken, dass jede Ehe und Familie, die besser wird, einen Vervielfältigungseffekt in der Gesellschaft hat. Eine attraktive christliche Familie wirkt ansteckend: „Mit dem Zeugnis des eigenen Lebens und auch mit Worten sprechen die Familien zu den anderen von Jesus, sie vermitteln den Glauben, wecken die Sehnsucht nach Gott und zeigen die Schönheit des Evangeliums.“[8]

Empfehlen wir dem stillen und fruchtbaren Wirken des Heiligen Geistes diese immense Aufgabe der Familie, die wir mit Gelassenheit angehen sollten.

In Liebe segnet Euch

Euer Vater

Rom, 4. Juni 2017, Hochfest Pfingsten


[1] Vgl. Hirtenbrief, 14.2.2017, Nr. 21 u. 31

[2] Papst Franziskus, Audienz, 2.9.2015

[3] Hl. Josefmaria, Die Spur des Sämanns, Nr. 864

[4] Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 27

[5] Vgl. Papst Franziskus, Ap. Schreiben Amoris laetitia (19.3.2016), Nr. 300

[6] Papst Franziskus, Amoris laetitia, Nr. 208

[7] Vgl. Hirtenbrief, 14.2.2017, Nr. 25

[8] Papst Franziskus, Amoris laetitia, Nr. 184

_______

Quelle

Das Licht der Heiligen – zur Persönlichkeit von Josemaría Escrivá de Balaguer

6990023571_d228c9857d_b

Die gleichermaßen vielschichtige und kompakte Persönlichkeit Josemaría Escrivás weckt bei einfachen Gläubigen wie bei Theologen ein beträchtliches Interesse. Wer sich gründlich mit seinen Werken und mit seinem Dienst an der Kirche befasst, erkennt schon heute (Anm.: der Artikel wurde vor der Seligsprechung geschrieben), dass der Gründer des Opus Dei neue Horizonte für die Spiritualität und das Leben der Kirche erschlossen hat.

Die Aktualität seiner Botschaft und seines Werkes liegt offen zutage als „ein lebendiger Ausdruck der immerwährenden Jugend der Kirche“, wie Papast Paul VI. schreib. Pius XII. nannte Escrivá „einen wahren Heiligen, einen Mann, von Gott gesandt für unsere Zeit“. (Anm.: Das war zu Lebezeiten des hl. Josefmaria). Kardinal Höffner erklärt, sein Werk sei „kirchengeschichtlich providentiell und von einer heiligenden Kraft, deren Wert kaum überschätzt werden kann“.

Der Theologe erkennt im Charisma des Gründer des Opus Dei das freie Wirken Gottes, das mit einem plötzlichen Licht den Geist des erwählten Geschöpfes durchdringt und ihm eine Aufgabe zuweist, die es nicht kennt, die es aber auch nicht zurückweist. Der Historiker hingegen sucht objektive Kriterien, die es ihm erlauben, jenes Charisma und die Antwort des Menschen darauf zu bewerten. Msgr. Escrivá sieht weit über den Gesichtskreis seiner Zeit hinaus. Und doch schöpft er aus ihren Wechselfällen Kraft und Inspiration. Zwei Elemente sind für die Beurteilung seiner Persönlichkeit und seines Apostolates von besonderer Bedeutung. Da sind einerseits die persönliche Erfahrung des Dieners Gottes – der Welt seiner Berufung und seiner Sendung – und andererseits die äußeren Umstände, unter denen sich diese Sendung entwickelt. Wenn man so will, kann man auch zum einen von der Gnade sprechen und zum anderen von der geschichtlichen form, in der er sie konkretisiert.

Escrivás kirchliches Wirken vollzieht sich zu beginn der dreißiger Jahre in einem sozialen und kulturellen Umfeld, das von einem erbitterten Laizismus geprägt ist. Dieser zielt auf eine radikale Entchristlichung der Bevölkerung. Er beschränkt sich nicht nur auf die kulturelle Ebene, sondern sucht die gesamte Gesellschaft zu erfassen. Aus dieser laizistischen Kultur bricht ein regelrechter antiklerikaler hass hervor, ein gewalttätiger Kampf gegen die Kirche, eun anarchischer Aufruhr. In der folgenden Epoche bis hin zu unserer Zeit wird der Extremismus im Kampf gegen die Religion zwar überwunden, doch greift die Idee der „Laisierung“ des Lebens unaufhörlich weiter um sich:_ die Säkularisierung als Denkweise, sogar in der Theologie, und als gesamtgesellschaftliches Phänomen.

Die Antwort Escrivás bleibt im Kern stets dieselbe: „Diese Weltkrisen sind Krisen, weil es an Heiligen fehlt.“ Er fordert alle Christen auf, jede Art von Spaltung zwischen Glauben und Handeln im Alltag zu überwinden und sich der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit zu stellen, den Gott an sie richtet. Dabei ruft Gott den Menschen auf, so verkündet Escrivá mit Nachdruck, besonders durch seine Arbeit am Werk der Schöpfung und Erlösung mitzuwirken. Für den Gründer des Opus Dei wird die Arbeit zum Stoff der Heiligung – im Gegensatz zu denen, die ein „neues Zeitalter“ mit einer endgültig befreiten und selbst bestimmten, sich selbst verwirklichenden Menschheit heraufführen wollen und in der Arbeit nichts als einen Ort des Kampfes und der Unterdrückung des Menschen sehen. Escrivá will wieder „Christus an die Spitze aller menschlichen Tätigkeiten“ gesetzt sehen, so dass das Leben der einzelnen Menschen und der ganzen Gesellschaft auf Gott hingeordnet wird, der alles durchdringt.

Der Gründer des Opus Dei möchte den gewöhnlichen Christen aller Stände und sozialen Schichten neu bewusste machen, dass sie in Christus die Welt von innen her neu gestalten können. Diese Erkenntnis lässt noch Spuren seiner ersten Erfahrungen als Priester erkennen, die er unter den Kleinbauern von Perdiguera, den Studenten von Saragossa und Madrid wie den Arbeitern und Armen in den Außenbezirken der spanischen Hauptstadt sammelte. Eine Erkenntnis, die gerade heutzutage ihre reiche innere Kraft entfalten kann, da der ehedem moderne „Humanismus“ offensichtlich in Beliebigkeit und Sinnlosigkeit verkommt. Es ist gewiss kein Zufall, wenn es im Dekret über den heroischen Tugendgrad Escrivás heißt: „Die göttliche Vorsehung hat dieser Botschaft von der Heiligung des Irdischen und durch das Irdische eine unmittelbare Bedeutung für die geistliche Lage unserer Epoche verliehen Zwar stellt die heutige Zeit sorgsam alle menschlichen Werte heraus, doch neigt sie zugleich dazu, rein diesseitigen Weltanschauungen nachzugeben, die Gott und Welt voneinander getrennt sehen. Die Botschaft Josefmaria Escrivas wird auch in der Zukunft stets aktuell sein und ihr geistliches Licht in Fülle verbreiten. Zu arbeiten bleibt dem Menschen auf Erden allezeit aufgegeben und macht seine Würde aus. Deshalb wird die Einladung, Gott durch die Arbeit zu suchen, den Wechsel historischer Stunden und Umstände überdauern.“

In kirchlicher Hinsicht beginnt Josemaría escrivá sein wirken zu einer Zeit, in der sich herauszustellen beginnt, dass die traditionelle Pastoral keine adäquaten Antworten zu geben weiß auf die große Herausforderung jenes atheistischen beziehungsweise agnostischen Humanismus. Und in seinen letzten Lebensjahren erlebt er dann die Krise der irrigen Vorstellung, die Kirche könne aus der Sackgasse herauskommen, wenn sie sich der Welt anpasst. Auch hier hat seine Antwort bestand und wird den neuen Erfordernissen zutiefst gerecht. Ihre Geradlinigkeit hebt sie von gegenläufigen Versuchen anderer ab. Der Gründer des Opus Dei führt wieder zu einem christozentrischen und theozentrischen Christentum. Seine Verkündigung ist radikal in dem Sinne, dass sie im Primat der Gnade wurzelt, in der Lebensgemeinschaft mit Christus durch Gebet und Sakramente. Aus ihr allein kann sich der wahrhaft neue Mensch erheben und in seinem beruflichen Umfeld Zeugnis ablegen für Christus.

Diese Gedanken nehmen die zentrale Botschaft des II. Vatikanischen Konzils vorweg. Von daher ist die Freude Escrivás zu verstehen, als er sein Grundanliegen vom Konzil bestätigt sieht. In einem Sprung über Jahrhunderte hinweg führt es zurück zu den eigentlichen Quellen christlicher Spiritualität: zum Evangelium selbst und zum Leben der ersten Christen. Escrivá erlebt an sich selbst die umformende Begegnung mit Christus und vermittelt sie weiter. Doch will er weder intellektuelle Probleme noch komplizierte theologische Fragen lösen. Vielmehr treibt ihn der brennende pastorale Wunsch, allen die alte und zugleich neue Botschaft von Jesus Christus zu verkünden, in dessen heilbringendes Mysterium jeder Getaufte vital eingepflanzt ist. Deshalb wendet er sich an alle Menschen, an gebildete und ungebildete, an arme und reiche , an Persönlichkeiten von Rang und an schlichte Bürger.

Deswegen ist auch Der Weg, sein wichtigstes und meistverbreitetes Buch, nicht eine systematische Abhandlung, sondern eine Hinführung zum Herrn. Die literarische Form des Büchleins ist so wenig systematisch wie das Leben selbst und lässt etwas von der geistlichen Würze schmecken, die wir aus den Sentenzen früher Lehrer der Christenheit kennen. Doch steht Escrivá jeder Altertümelei fern. Das wird vollends deutlich, wenn man seine veröffentlichten und noch nicht veröffentlichten Schriften liest: Josemaría Escrivás Aufgabe ist Dei Katechese, eine umsichtige Pastoral und kluge Seelenführung. Bei allem bewussten Verzicht tauf formale Spekulation besitzt er einen aufmerksamen und scharfsichtigen Verstand, der die Grundgedanken der scholastischen Theologie aufnimmt, insbesondere die Lehre des heiligen Thomas von Aquin, ohne sich jedoch an eine bestimmte theologische Schule zu binden.

Es sind stets apostolische Erfordernisse, die Escrivás Unterweisung und sein ganzes Wirken ausrichten. Die ganze Bedeutung seines Werkes für die Förderung des Laienstandes ist derzeit noch kaum zu ermessen. Das gleiche gilt für die Wirkung, die dieses Werk auf Priester und Ordensleute ausübt. Josemaría Escrivá hat viele Christen aus allen Gesellschaftsschichten und on allen Lebenssituationen zu einer ganze persönlichen Verbindung mit dem Erlöser geführt. Er hat ihnen einen kraftvollen apostolischen Impuls mitgegegben und neu bewusst gemacht, dass ihre Taufgnade den ruf einschließt, die anderen für Christus zu gewinnen. Nicht selten sind diese „anderen“ lau gewordene Christen oder solche, die der Säkularismus vereinnahmt hat. Die geistliche Fruchtbarkeit des Dieners Gottes gewinnt Gestalt in einer tiefen Identifikation mit der Kirche, ja, in einer geradezu brennenden Liebe zu ihr. Sie schließt alle Glieder des mystischen Leibes Christi ein, auch ihre Repräsentanten, allen voran den Papst.

Der Gründer des Opus Dei hat überall auf der Welt apostolische Unternehmungen angestoßen und gefördert, deren pastorale Konzeption den Herausforderungen der Gegenwart entsprechen. Man könnte daher meinen, Escrivá sei vor allem ein Mann der Tat gewesen. Die Untersuchungen im Zuge des Kanonisierungsverfahrens zeigen uns aber, dass der wahre Schatz seiner Persönlichkeit in seiner Innerlichkeit liegt, verborgen im kaum zu ahnenden Geheimnis der göttlichen Erwählung, von der das Geschöpf bis in die Tiefen seiner Existenz geprägt wird. Vielleicht kennzeichnet ihn keine anderes Wort so treffend wie das vom „treuen Diener“: Beispielhafte Treue bestimmt seine tägliche Antwort auf das machtvolle Wirken der Gnade in seiner Seele und, als Konsequenz daraus, die Erfüllung seines erhaltenen Auftrags. Nur weil er sich ganz und gar von der Liebe Gottes erfassen lässt, kann Escrivá der demütige Verkünder des radikalen Aufrufs zur Heiligkeit werden, der den Kern des Opus Dei ausmacht. Dieses Charisma bestimmt sein Beten und handeln und richtet es stets auf das Wohl der ganzen Kirche aus. Es wurzelt im Nährboden persönlicher Erfahrung auf dem Weg seiner Berufung und Sendung.

Die theologische Untersuchung hat diese Erfahrung analysiert und das Ergebnis unter dem Stichwort „Charisma des Gründers“ festgehalten. Es zeigt sich, dass sie nicht nur eine bedeutsame Bereicherung für Escrivás eigenes geistliches Leben hervorbringt, die dann in apostolischer Hinsicht zugleich als Zeugnis und Vorbild für andere Christen fruchtbar wird. Vielmehr begründet solche Erfahrung eine geheimnisvolle und doch reale Vaterschaft. Wir können mit einem anderen Bild auch von einer lebendigen Ader sprechen, die den Gliedern des Mystischen Leibes Christi seine Gnade zuströmen lässt.

Hier scheint mir der Schlüssel zur geistlichen Persönlichkeit Msgr. Escrivás zu liegen. Er war von dem Willen beseelt, der erhaltenen Sendung treu zu sein. Vor allem war er eine zutiefst kontemplative Seele. Von Jugend an führte ihn der Herr über mystische Erlebnisse auf die Höhe des geistlichen Einigungsweges: innere Einsprechungen, Reinigung und Tröstung der Seele ließen ihn in aller Demut die stürmische Kraft der Gnade „spüren“. Er verband dies wie alle wahren Mystiker mit einem hartnäckigen asketischen Kampf und einer apostolischen Tätigkeit bis zur Erschöpfung, wobei der dem Willen Gottes rückhaltlos zu folgen suchte. Zugleich ließ ihn der Herr zu einem Meister des inneren Lebens werden. Mit nur 26 Jahren berief er ihn, das Opus Dei zu gründen und so in der Kirche einen neuen Weg der Heiligung zu öffnen. Auch in der passiven Reinigung, die eine wesentliche Strecke des Heiligungsweges ausmacht, kommt der Gründer anderen großen Gründern gleich: Zum einen erfährt er den klaffenden Abgrund zwischen dem eigenen Nichts und der göttlichen Liebe. Zum anderen und vor allem wird ihm die Unverhältnismäßigkeit bewusst zwischen der unermesslichen Aufgabe einerseits und dem Unverständnis andererseits, das ihn Schlag auf Schlag in aller Härte trifft. Von allen Seiten scheint das Leben des neu geborenen Opus Dei bedroht, kaum dass es zur Welt gekommen ist. Es ist, als wenn Gott etwas verlangte, das mit natürlichen Kräften unmöglich ist, und zugleich dessen Verwirklichung verhindert.

Außer der Fruchtbarkeit der Gnade beruht die außergewöhnliche Fruchtbarkeit der geistlichen Vaterschaft Josemaría Escrivás auch auf einer Gabe, die besonders anziehend wirkt: Sein inneres Leben erweist sich in jeder Hinsicht als Ausfluss der Gotteskindschaft in Christus. Alles ist Vertrauen auf die Erwählung zum ewigen Leben, herzliche Annahme, Durchsichtigkeit. Selbst der Schmerz wird freudiges Sich-dem-göttlichen-Vater-Überlassen, einem Vater, der mit dem Kreuz segnet. So wird alles zum Zeichen einer Freude, eines ansteckenden Optimismus, eines reifen Enthusiasmus, das diese Gestalt auf einzigartige Weise anziehend macht.

Ich bin dem Herrn dankbar, dass er mir erlaubt hat, mich in meiner Eigenschaft als zuständiger Relator mit dem Kanonisationsverfahren von Josemaría Escrivá zu befassen. Die Untersuchungen sind unter strengster Beachtung sämtlicher Rechtsvorschriften sowie der einschlägigen wissenschaftlichen Methodologie durchgeführt worden, die die Kirche in solch delikaten Angelegenheiten verlangt: Die Sammlung und Bewertung der Quellen, die verschiedenen historisch-theologischen Untersuchungen, alle Etappen des Verfahrens sind gleichermaßen geradezu beispielhafter Weise durchgeführt worden, das heißt mit äußerster Gewissenhaftigkeit und kritischer Abwägung, so dass alle Aspekte exakt abgesichert und bis auf den Grund durchgeprüft worden sind. Dabei trat die Gestalt eines Mannes hervor, der mittlerweile zum Reichtum und Erbe der gesamten Kirche gehört. Seine bevorstehende Seligsprechung stellt uns Josemaría Escrivá als einen treuen Diener vor Augen, den Gott mit einem weithin leuchtenden Kennmal seiner Gnade bezeichnet hat. In ihm kann jeder Christ das Licht entdecken, das in seiner klaren Fülle nur Christus selbst ausstrahlt, das aber die Heiligen in vielfarbigen Brechungen widerscheinen lassen.

Ambrosius Esser O.P.
Generalrelator

_______

Quelle

Brief des Opus-Dei-Prälaten (November 2015)

GideoTsang_20151104100003112482

Die christliche Sicht des Todes ist das beste Mittel gegen die logische Furcht, die uns angesichts dieses unbekannten Schritts befallen mag, der aber „unerbittlich kommen wird“ (Hl. Josefmaria).

4. November 2015

Ihr Lieben, Gott schütze Euch!

Ich bin sehr glücklich über die Diakonatsweihe einiger eurer Brüder, die ich gestern in der Basilika Sant’ Eugenio vorgenommen habe. Diese meine Söhne werden für die apostolischen Unternehmungen der Prälatur arbeiten, die ein lebendiger Teil des mystischen Leibes Christi ist, und so mit ganzer Seele der Kirche dienen. Sie hat geweihte Amtsträger, die darum kämpfen, entsprechend dem Wunsch des hl. Josefmaria ihre geistliche Berufung heiligmäßig, gelehrt, froh und sportlich zu leben, dringend nötig. Bitten wir Gott intensiv darum, dass dieses Geschenk in der ganzen Welt niemals fehlen möge, dass es in allen Diözesen heilige Seminaristen und Priester gibt.

Der Beginn dieses Monats erinnert uns an die tröstliche Wahrheit der Gemeinschaft der Heiligen. Heute denken wir besonders an die Gläubigen, die im Himmel schon die Anschauung der Heiligsten Dreifaltigkeit genießen, und morgen werden wir in unseren Gebeten der verstorbenen Gläubigen gedenken, die sich noch im Fegefeuer reinigen. Mit ihnen sollten wir eine tiefe Freundschaft pflegen.

Mir ist noch gut in Erinnerung, mit welcher Andacht unser Vater diesen Tag durchlebte. Es war sein großer Wunsch, dass die Armen Seelen – dank der Fürbitte, die die Kirche für sie einlegt – den vollkommenen Erlass ihrer zeitlichen Sündenstrafen erhalten und so zur beseligenden Gegenwart Gottes gelangen können. Dieser Akt der Barmherzigkeit und der Liebe lag ihm so sehr am Herzen, dass er festlegte, dass die Feier der Messe, der Empfang der Kommunion und das Gebet des Rosenkranzes häufig für die ewige Ruhe seiner Töchter und Söhne, unserer Eltern und Geschwister, der verstorbenen Mitarbeiter und für alle Verstorbenen aufgeopfert werden sollte. Tun wir dies großherzig, und fügen wir von unserer Seite hinzu, was uns angebracht erscheint; vor allem die Aufopferung einer vollkommen getanen Arbeit, die wir mit frohen Gebets- und Opfergeist verrichtet haben.

Die Empfehlung, die Paulus gibt, ist sehr treffend: cotídie móriror[1], täglich sehe ich dem Tod ins Auge, sterbe ich der Sünde, um mit Christus Jesus aufzuerstehen. Der hl. Josefmaria griff diesen Rat des Apostels auf und lud uns ein, oft an das Ende unseres irdischen Lebens zu denken, um uns so gut wie möglich auf die Begegnung mit Gott vorzubereiten. Der Tod ist eine Wirklichkeit, die alle ohne Ausnahme trifft. Viele fürchten sie und tun daher alles, um ihn zu vergessen. Bei einem konsequent nach seinem Glauben lebenden Christen sollte das nicht so sein. „Die »anderen« lähmt der Tod, und sie sind entsetzt. – Uns weckt der Tod (das Leben) auf und treibt uns voran. Für sie ist er Ende, für uns Anfang.“[2]

Trotzdem ist dieser Übergang manchmal von großer Dramatik, besonders wenn er unerwartet kommt oder noch junge Menschen ereilt, vor denen eine Zukunft voller Möglichkeiten lag. Der Heilige Vater sagte vor kurzem, dass in solchen Fällen „der Tod gleichsam ein schwarzes Loch im Leben der Familien ist, für das wir keine Erklärung finden“[3].

Aber vergessen wir nicht, dass, wie die Heilige Schrift feststellt, Gott den Tod nicht gemacht hat und keine Freude hat am Untergang der Lebenden[4]. Der Mensch wurde mit einer sterblichen Natur geschaffen, aber die göttliche Weisheit und Allmacht hatte ihm Unsterblichkeit verliehen, unter der Bedingung, dass unsere Stammeltern die Gebote Gottes achteten und ihnen gehorchten. Sie ließen sich jedoch durch den Versucher täuschen, und das Ergebnis liegt offen vor uns: Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten.[5]

Zu diesem Thema gibt es viele hilfreiche und tröstliche Gedanken unseres Vaters. Unter anderem schrieb er einmal: „Der Tod wird kommen, unerbittlich. Deshalb ist es leerer Wahn, unsere Existenz ausschließlich mit diesem irdischen Leben gleichzusetzen. Sieh doch, wie sehr viele Menschen darunter leiden: die einen, weil das Leben zu Ende geht und sie es hinter sich lassen müssen, die anderen, weil es nicht enden will und ihnen zur Last wird … Auf jeden Fall ist es abwegig, aus unserem Lebensweg das Lebensziel zu machen.

Man muss die Fesseln einer solchen, rein innerweltlichen Betrachtungsweise spren­gen und sich der kurzen Dauer der eigenen Existenz bewusst werden. Dazu bedarf es eines radikalen inneren Umschwungs: Sich vom eigenen Ich und von allen zeitlichen, egoistischen Motivationen ganz und gar loslösen und in Christus, der ewig ist, neu geboren werden.“[6]

Nur mit dem Blick des Glaubens auf den gekreuzigten Christus ist es uns möglich, dieses Geheimnis zu erahnen, das mehr Trost als Traurigkeit für uns bereithält. DerKatechismus der Katholischen Kirche sagt uns: »Durch Christus hat der christliche Tod einen positiven Sinn. „Für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn“ (Phil 1,21). „Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben“ (2 Tim 2,11). Das wesentlich Neue am christlichen Tod liegt darin: Durch die Taufe ist der Christ sakramental schon „mit Christus gestorben“, um aus einem neuen Leben zu leben. Wenn wir in der Gnade Christi sterben, vollendet der leibliche Tod dieses „Sterben mit Christus“ und vollzieht so endgültig unsere Eingliederung in ihn durch seine Erlösungstat.«[7] Folgender Satz der Mutter eines unserer Brüder, die den Tod vor Augen hatte, enthält, ohne theologisch ganz korrekt zu sein, einen Funken Wahrheit: Wie kann es sein, dass Christus mich nicht aufnimmt, wenn ich ihn doch viele Jahre lang täglich in der Heiligen Kommunion empfangen habe?

Die Sicherheit des Glaubens, zusammen mit der Hoffnung und der Liebe, macht es möglich, den Schleier der Traurigkeit und der Furcht wegzuziehen, durch den man nicht selten den letzten Schritt der irdischen Existenz betrachtet. Mehr noch, wie der Heimgang der Heiligen mit großer Klarheit zeigt, ist es dank des Glaubens möglich, den Tod in Frieden anzunehmen, eben weil man dem Herrn entgegen geht. „Hab keine Angst vor dem Tod. – Nimm ihn schon jetzt großmütig an … wann Gott will … wie Gott will … wo Gott will. – Sei ganz sicher: er kommt zu einer Zeit, an einem Ort und in einer Weise, wie es für dich am besten ist … gesandt von deinem Vater Gott. – Willkommen sei unser Bruder Tod!“[8]

Diese Überlegungen haben eine alte Tradition in der christlichen Lehre und im Leben. Sie sind keineswegs Ausdruck einer negativen Haltung und beabsichtigen auch nicht, eine irrationale Unruhe zu schüren, vielmehr rufen sie auf zu einer heiligen Furcht, die voll kindlichen Gottvertrauens ist. Sie schließen einen übernatürlichen und menschlichen Realitätssinn ein und sind ein klarer Ausfluss der christlichen Weisheit, die, vom Glauben gestützt, der Seele Ruhe und Vertrauen einflößt.

Unser Vater hat uns beigebracht, aus der Betrachtung dieses Augenblicks und ganz allgemein der Letzten Dinge praktische Konsequenzen zu ziehen. Ganz kalt sollten uns diese Dinge jedenfalls nicht lassen, sagte er einmal in einer Betrachtung für eine Gruppe seiner Söhne, die noch jung waren. “Ich möchte nicht, dass irgendjemand von euch stirbt. Lass sie noch auf der Erde, Herr, hol sie noch nicht! Sie sind doch noch jung, und hier unten hast du nur wenige Werkzeuge! Ich hoffe, Gott erhört mich … Aber der Tod kann in jedem Augenblick kommen.“[9] Und er fügte hinzu: „Die Betrachtung des Todes hilft uns wirklich zu einem objektiven Gewissensurteil. Sie ist ein gutes Hilfsmittel, um unseren aufbegehrenden Willen und den Stolz des Verstandes zu beherrschen. Liebe ihn, und sage Gott vertrauensvoll: Wie du willst, wann du willst, wo du willst.“[10]

Sicher ist die Tatsache des Todes härter zu verkraften, wenn es um geliebte Menschen wie Eltern, Kinder, Ehegatten, Geschwister … geht. Und doch „können wir im Licht der Auferstehung des Herrn, der nie auch nur einen von denen verlässt, die der Vater ihm anvertraut hat, dem Tod seinen ›Stachel‹ nehmen, wie der Apostel Paulus gesagt hat (1 Kor 15, 55); können wir ihn daran hindern, unser Leben zu vergiften, unsere Bindungen zu zerstören, uns in die finsterste Leere fallen zu lassen.“[11] Nichts ist gewisser, als dass Gott uns an seiner Seite haben möchte, damit wir ihn schauen wie er ist, und so glücklich sind. Stärken wir Tag für Tag diese Hoffnung in uns? Beten wir andächtig – wie unser Vater – das Gebet des Psalms: Vultum tuum, Dómine, requíram[12]; dein Angesicht, Herr, will ich suchen?

Wenn in einer christlichen Familie der Glaube tiefe Wurzeln geschlagen hat, dann werden solche von Schmerz gekennzeichneten Augenblicke zu einer Gelegenheit – und in der Tat kommt das oft vor –, die Bindungen der Familienmitglieder untereinander zu verstärken. „In diesem Glauben können wir einander trösten, im Wissen, dass der Herr den Tod ein für allemal überwunden hat. Unsere Angehörigen sind nicht in der Finsternis des Nichts verschwunden: Die Hoffnung versichert uns, dass sie in den guten und starken Händen Gottes sind. Die Liebe ist stärker als der Tod. Daher besteht der Weg darin, die Liebe wachsen zu lassen, sie zu festigen. Und die Liebe wird uns behüten bis zu dem Tag, an dem jede Träne abgewischt wird: »Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal« (Offb 21, 4).“[13]

Die christliche Sicht hält in der Tat das Gegengift für die Angst bereit, die die Menschen zu befallen pflegt, wenn sie die Vergänglichkeit des irdischen Lebens erfahren. Gleichzeitig ist nichts natürlicher – wie ich bereits sagte –, als dass uns der Tod geliebter Menschen schmerzt und wir Tränen vergießen, weil sie uns verlassen. Auch Jesus weinte um den verstorbenen Lazarus, den geliebten Freund, bevor er ihn auferweckte. Aber wir sollten den Schmerz nicht übertreiben, denn für einen konsequenten Christen heißt Sterben Hochzeit feiern. So drückte sich der hl. Josefmaria aus und erläuterte: „Wenn euch gesagt wird: ecce spónsus venit, exíte óbviam ei (Mt 25, 6) – komm, denn der Bräutigam kommt, um dich zu holen –, dann werden wir uns an die Fürsprache Mariens wenden. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt … Und dann wirst du in der Todesstunde sehen, welches Lächeln dich empfängt! Du wirst keine Angst haben, denn die Arme Mariens werden dich auffangen.“[14]

Wenn Gott eine Tochter oder einen Sohn von ihm in jungen Jahren zu sich rief, protestierte unser Vater in kindlicher Weise, denn er empfand tiefen Schmerz darüber; aber dann nahm er sofort den Willen Gottes an, der immer weiß, was gut für uns ist. Fiat, adimpleátur… betete er. „Es geschehe, es erfülle sich, gelobt und in Ewigkeit gepriesen sei der über alles gerechte und über alles liebenswerte Wille des Herrn! Amen. Amen.“[15] Und so erlangte er den Seelenfrieden wieder.

Alle diese Gedanken müssen wir immer mit der Betrachtung verbinden, dass die Allmacht Gottes uns das Leben zurückgeben wird: Vita mutátur, non tóllitur[16], das Leben wird gewandelt, nicht genommen. Die Gewissheit, Gott schon ganz nahe zu sein, und alle Hilfen, die wir in diesen Momenten von unserer Mutter, der Kirche, erhalten werden, wird uns zu folgender Überlegung führen: „Herr, ich glaube, dass ich auferstehen werde; ich glaube, dass mein Leib sich wieder mit meiner Seele verbinden wird, um ewig mit dir zu herrschen. Und das wird geschehen aufgrund deiner unendlichen Verdienste, durch die Fürsprache deiner Mutter und wegen der Vorliebe, die du für mich hast.“[17]

Meine Töchter und Söhne, bemühen wir uns, diese Sicherheit und Freude im Glauben an andere weiterzugeben. Beten wir jeden Tag für die, die ihre Seele Gott zurückgeben werden, damit sie sich der reichen Gnade öffnen, die Gott durch die Fürsprache seiner heiligen Mutter in diesen Augenblicken gewährt. Und beten wir weiter für die Heiligkeit aller Familien auf der Welt, damit die Ergebnisse der Synode sie ermutigen, in ungebrochener Treue zu den heilbringenden Plänen Gottes zu leben, die er selbst in den innersten Kern der Ehe und der Familie eingeschrieben hat.

Es ist mein Wunsch, dass ihr innehaltet bei der Betrachtung der Weisheit der heiligen Kirche, die das Hochfest Allerheiligen mit dem Gedenken an alle verstorbenen Gläubigen am folgenden Tag so eng verbunden hat. Verkostet die himmlische Freude, die die Liturgie dieses Monats – und eigentlich des ganzen Jahres – durchdringt.

In Liebe segnet Euch

Euer Vater

+ Javier

Rom, 1. November 2015

P.S. In wenigen Tagen werde ich mich in der Klinik der Universität von Navarra einer Operation unterziehen. Ich werde sehr vereint mit Euch allen sein und hoffe, dass Ihr mich mit der Kraft Eures Gebetes unterstützt.


[1] 1 Kor 15, 31

[2] Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 738

[3] Papst Franziskus, Ansprache bei einer Generalaudienz, 17.6.2015

[4] Weish 1, 13

[5] Röm 5, 12

[6] Hl. Josefmaria, Die Spur des Sämanns, Nr. 897

[7] Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1010

[8] Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 739

[9] Hl. Josefmaria, Aufzeichnungen aus einer Betrachtung, 13.12.1948

[10] Ebd.

[11] Papst Franziskus, Ansprache bei der Generalaudienz, 17.6.2015

[12] Vgl. Ps 27, 8

[13] Papst Franziskus, Ansprache bei der Generalaudienz, 17.6.2015

[14] Hl. Josefmaria, Aufzeichnungen aus einem Familientreffen, 23.6.1974

[15] Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 769

[16] Messbuch, Präfation von den Verstorbenen (I)

[17] Hl. Josefmaria, Aufzeichnungen aus einer Betrachtung, 13.12.1948

Titelfoto von GideoTsang (cc)

_______

Quelle

OPUS DEI: BRIEF DES PRÄLATEN BISCHOF JAVIER ECHEVARRIA – JUNI 2015

16727731808_e37be09bc6_z_20150603104349244252

Brief des Prälaten (Juni 2015)

Bischof Echevarria fährt in diesem Monat mit seiner Betrachtung über die Familie fort. „Der Lebensweg des hl. Josefmaria ist ein lebendiges Beispiel seiner wunderbaren Lehre für uns alle, dass wir beständig die heilige Atmosphäre des Hauses von Nazaret ausstrahlen sollen.“

Ihr Lieben, Gott schütze Euch!

In Euren Briefen, in denen Ihr mir so viele „großartige Dinge“ erzählt, sprecht Ihr auch von den Wallfahrten, mit denen ich mich jeden Tag verbinde; gerade wenn ich konkrete Einzelheiten erfahre, hilft mir das, Euch zu begleiten, wenn Ihr Maria, die Mutter Gottes und unsere Mutter, besucht.

Auf allen fünf Kontinenten ist zum ersten Mal voller Freude und Dankbarkeit das liturgische Gedenken des seligen Alvaro del Portillo begangen worden. Und in wenigen Wochen werden wir zusammen mit vielen anderen Menschen auf der ganzen Welt das Fest des hl. Josefmaria feiern. Seit jenem 26. Juni 1975, als unser Gründer von Gott in seine Herrlichkeit gerufen wurde, sind nun schon vierzig Jahre vergangen. Wie viel Gutes hat er uns seither erlangt! Außerdem haben sich seine Worte bewahrheitet: „Vom Himmel aus werde ich euch mehr helfen können“.

Heute möchte ich mich besonders einer der vielen Inspirationen, die Wirklichkeit geworden sind, zuwenden. Sie existierte im Opus Dei vom ersten Augenblick an, jetzt fällt sie in die Verantwortung eines jeden von uns: die Verwirklichung und Weitergabe der Atmosphäre dieser kleinen Familie, die im Schoß der Kirche schon recht groß ist. Das verstärkte Gebet für die Institution „Familie“ im marianischen Jahr ist für uns eine Aufforderung, einige ihrer spezifischen Züge zu betrachten, die in ihrer Schönheit die Atmosphäre des von Jesus, Maria und Josef geheiligten Hauses widerspiegeln. Wenn er an die Zentren des Werkes und an alle christlichen Familien dachte, kam unserem geliebten Vater immer in den Sinn, dass wir zu dieser Familie gehören.

Gott hat uns auserwählt, die Liebe zu Gott, die Freude, dienen zu können, überall hinzubringen, und auch, ihn mit besonderem Einsatz zwischen den Wänden des eigenen Zuhause oder am Arbeitsplatz zu suchen und zu finden; gerade da sollten aus unseren Herzen Tag für Tag viele Danksagungsakte kommen. Die Notwendigkeit, uns um die kleinen materiellen Dinge des Hauses und des Zusammenlebens zu kümmern, führt uns zu einem echten kontemplativen Dialog, wenn wir es aus Liebe zu Gott und den anderen tun. Je sorgfältiger wir diese Kleinigkeiten pflegen, desto mehr tragen wir zum Aufbau der Kirche, des Opus Dei und des eigenen Zuhause bei.

Der Lebensweg des hl. Josefmaria ist ein lebendiges Beispiel seiner wunderbaren Lehre für uns alle, dass wir beständig die heilige Atmosphäre des Hauses von Nazaret ausstrahlen sollen. Versetzen wir uns in die verschiedenen Schlüsselerlebnisse, um zu sehen, wie die Antwort unseres Vaters war. Gott wollte, dass er die ersten Lektionen christlichen Lebensstils – etwa das Bemühen, den anderen freudig zu dienen – im Zusammenleben mit seinen Eltern und Geschwistern erlernte. Die Großeltern (Die Eltern des hl. Josefmaria) waren die ersten, die ihn lehrten, wie man sich als Christ verhält. Christlich geprägter Alltag ist eine wichtige Grundlage, damit sich die menschliche und christliche Persönlichkeit der Kinder, der Heranwachsenden und Jugendlichen harmonisch und störungsfrei entwickeln kann.

Als Gott ihn das Opus Dei hatte sehen lassen, kümmerte sich unser Vater um alles, was anfiel. Später, während der ersten Jahre im ersten Studentenheim Ferraz, setzte er mit der Hilfe seiner wenigen Söhne alles ein, um ein fröhliches Familienklima zu schaffen, und das ohne jegliche materielle Mittel; damals träumt er bereits von der Universalität des Werkes, das denselben familiären Stil haben sollte, wo immer wir es hintragen.

Später, als der Zentralsitz des Opus Dei unter der Leitung von Don Alvaro errichtet wurde, sagte er, dass „jene Mauern aus Stein zu sein scheinen, während sie doch in Wirklichkeit aus Liebe bestehen“; so überreich waren das Gebet, die Opfer, die Arbeit und der Einsatz, um den Bau gut zu beenden, damit er auch zukünftigen Generationen noch zur Verfügung stehen würde. Sein persönliches Beispiel und sein Wort waren in Bezug auf dieses Thema die beste Schule für alle, und ganz besonders für die Frauen des Werkes, denen es zukam, sich mit der Zeit um die hauswirtschaftliche Verwaltung der Zentren zu kümmern.

Unser Vater sprach oft von der großen gesellschaftlichen Bedeutung der Arbeit im Haushalt, die ein nicht zu unterschätzender transzendentaler Faktor für die apostolischen Tätigkeiten des Opus Dei ist. „Alle unsere apostolischen Einrichtungen würden unwirksam werden, wenn meine Töchter die hauswirtschaftliche Verwaltung nicht mit fachlichem Know-how, übernatürlicher Sicht, Freude und dem Einsatz von Künstlern führen würden, im vollen Bewusstsein, dass sie Gott dienen und er sie, hingerissen wie ein Verliebter, anschaut.“[1] Voller Dankbarkeit denken wir auch an die Großmutter und an Tante Carmen (Mutter und Schwester des hl. Josefmaria), deren Mitarbeit ausschlaggebend war, als es darum ging, die ersten Frauen des Opus Dei in diese Tätigkeit einzuführen. Von dieser ersten Stunde sprang gleichsam ein Funke über, der alles entzündete und Tausende und Abertausende von Familien auf den fünf Kontinenten mit dem gleichen Arbeits- und Lebensstil ansteckte.

Ich wage zu behaupten, dass die traurige Krise, die die heutige Gesellschaft heimsucht, ihre Wurzeln zu einem guten Teil in der Vernachlässigung des häuslichen Mittelpunktes hat. Wenn Vater, Mutter und Kinder sich aufmerksamer um die Hausarbeit kümmerten und die Verantwortung für die verschiedenen Aufgabenbereiche freudig auf sich nähmen, würde die menschliche Qualität verbessert; die aufrichtige Liebe, die Christus uns gebracht hat, würde sich verbreiten und viele Konflikte könnten vermieden werden.

Niemand darf sich von der Mitarbeit im Haushalt dispensiert fühlen, alle sind dazu aufgefordert. Auch die Väter müssen sich für diesen Aspekt, der eine große Stütze des Familienlebens ist, verantwortlich fühlen. „Sie sollten niemals vergessen“ schrieb der hl. Josefmaria, „dass das Geheimnis des ehelichen Glücks im Alltäglichen zu finden ist und nicht in Träumereien. Es liegt in der verborgenen Freude, die es macht, nach Hause zu kommen; es liegt im liebevollen Umgang mit den Kindern, in der alltäglichen Arbeit, bei der die ganze Familie mithilft; in der gelassenen Art, Schwierigkeiten zu begegnen und sie mit sportlicher Haltung zu überwinden; und schließlich liegt es auch in einem rechten Ausnützen der Errungenschaften, die uns die moderne Technik bietet, um die Wohnung angenehmer und das Leben einfacher zu machen und uns eine umfassendere Bildung zu verschaffen.“[2]

Auch die Kinder müssen ihren dem jeweiligen Alter entsprechenden Anteil an der Hausarbeit ernstnehmen. So „lernen sie, ihre Familie mitzutragen. Sie reifen, indem sie ihre Opfer teilen; sie wachsen in der Wertschätzung ihrer Gaben.“[3] Andererseits „erstrahlt die Brüderlichkeit in der Familie in besonderem Glanz, wenn wir die Sorge, die Geduld, die Liebe sehen, mit denen der Bruder und die Schwester umgeben werden, die schwach, krank oder behindert sind. Viele Brüder und Schwestern tun das, in der ganzen Welt, und vielleicht wissen wir ihre Großherzigkeit nicht genug zu schätzen.“[4]

Ich möchte nicht den Hinweis unterlassen, dass ich Gott für die liebevolle Sorgfalt danke, mit der meine Töchter und Söhne die Kranken pflegen. Jedem einzelnen ist aufgetragen, die materiellen Hilfestellungen in Gebet umzuwandeln – dann sind sie zudem nicht mehr rein materiell. Bei Jesus zu sein, Jesus in den Leidenden zu sehen – das muss uns immer mehr zur zweiten Natur werden, so dass – wie unser Vater sagte – in der Einheit des Lebens eine beständige Verbindung, eine starke Verflechtung zwischen dem Übernatürlichen und dem Natürlichen besteht.

Lassen wir nicht nach in dem Verlangen, in jedem Zentrum und in jedem Zuhause eine Fortführung des Hauses von Nazaret zu sehen, eine Stütze und ein Halt für Tausende, ja Millionen von Menschen – selbst wenn wir müde sind. Vielleicht kann uns irrtümlicherweise der Gedanke kommen: immer dasselbe, mein Gott … Nein, es ist nicht immer dasselbe. Es ist das von immer, aber mit mehr Liebe.

Sagen wir voll Vertrauen zum Herrn: Jesus, ohne dich können und wollen wir unsere Tage nicht verleben; es sei ferne von uns, nicht an deine dreißig Jahre in Nazaret anzuknüpfen; oder an die Arbeit, die unser Vater leistete, als er die Verwaltung des ersten Studentenheims übernahm; wir sind entschlossen, dieser Form der Widmung und jeder einzelnen der ihr zugehörigen Aufgaben die übernatürliche und menschliche Bedeutung zu geben, die ihr zukommt.

Bis in das hinein, was scheinbar bedeutungslos ist, können wir den Menschen viel Gutes mitgeben. Zum einen, weil Gott Stunde für Stunde ganz nah bei uns ist: Er geht den Weg mit uns, und wir müssen ihn mit ihm gehen. Und vergessen wir auch nicht, dass die Vollkommenheit, mit der wir alles erfüllen, was an alltäglichen Diensten anfällt, durch die Gemeinschaft der Heiligen jetzt und in Zukunft einen Einfluss in der Kirche und im Werk hat.

Versetzen wir uns häufig und voll Freude nach Nazaret in das Haus, wo Jesus, Maria und Josef wohnten. Zwischen diesen vier Wänden, in den Freundschaften mit den Leuten aus dem Ort und in ihren Unterhaltungen waren Himmel und Erde durch ein starkes Band verbunden, dasselbe das wir an unserem Wohnort und an unserem Arbeitsplatz schaffen sollen. Alles soll ein Antrieb werden, um intensiv mit Gott zu sprechen und mittels jeder Tätigkeit dazu beizutragen, dass unsere Mitmenschen voll Freude und Frieden die Wege des gewöhnlichen Alltags gehen.

Wenn sie die Arbeit der Verwaltung sehen, oder auch den Frieden, der normalerweise in den Häusern der Gläubigen des Werkes herrscht, denken nicht wenige Menschen – und sie sagen es auch: Hier ist Gott zugegen. Nichts kommt der Realität näher. Mit wachem Bewusstsein wollen wir unserer Verantwortung, mit der Gott rechnet, immer neu gerecht werden, auch in Augenblicken der Trockenheit oder der Erschöpfung. Dann können wir immer wieder zu Gott sagen: Herr, ich opfere dir diese Müdigkeit auf; ich möchte mich mehr auf dich stützen und den anderen immer besser zur Verfügung stehen.

Jesus, Maria und Josef wussten ihre verschiedenen Tätigkeiten, selbst die kleinsten, zu nutzen, um sie mit einer Liebe zu füllen, die jene armseligen Zimmer, in denen sie wohnten, zu einem liebenswerten und frohen Zuhause machten. Ja, sie waren arm, aber doch reich durch den intensiven übernatürlichen und menschlichen Reichtum der drei. Auch wir sind gerufen, so zu handeln, in voller Verantwortung. Dann werden die vierundzwanzig Stunden des Tages, ganz in der Gegenwart Gottes gelebt, die Erde dem Himmel näher bringen und den Himmel zur Erde herunter ziehen.

Ich will Euch nicht mehr die anderen Feste des Monats Juni in Erinnerung rufen: Fronleichnam, Herz Jesus, das Unbefleckte Herz Mariens … Bereitet sie alle an der Hand des hl. Josefmaria vor. Beten wir weiter für den Papst und seine Mitarbeiter; das nächste Hochfest Peter und Paul ist eine gute Gelegenheit, dieses Gebet zu intensivieren. Und verbindet Euch eng mit meinen Anliegen; ich bin mit Gottes Hilfe auch an Eurer Seite.

Mit großer Freude möchte ich noch die vergangene Priesterweihe erwähnen. Es waren Tage intensiv empfundener und gelebter Einheit. Alle Teilnehmer waren sich einig – auch wenn sie es anders ausdrückten: quam bonum et quam iucúndum habitáre fratres in unum![5], was der Aussage gleichkommt: Wie wunderbar ist es, eine Familie zu bilden!

In Liebe segnet Euch

Euer Vater

+ Javier


[1] Hl. Josefmaria, Aufzeichnungen aus einem Familientreffen, 25.5.1974

[2] Hl. Josefmaria, Gespräche, Nr. 91

[3] Papst Franziskus, Ansprache bei der Generalaudienz, 11.2.2015

[4] Papst Franziskus, Ansprache bei der Generalaudienz, 18.2.2015

[5] Ps 133, 1

_______

Quelle

JOSEMARÍA ESCRIVÁ DE BALAGUER – GRÜNDER DES OPUS DEI

MO SJM Neza

Kurzbiographie des seligen Josefmaria Escrivá

Aus dem Apostolischen Schreiben zur Seligsprechung des ehrwürdigen Dieners Gottes Josefmaria Escrivá de Balaguer, Priester, Gründer des Opus Dei:

»Der Gründer des Opus Dei erinnerte daran, daß die universale Berufung zur Fülle der Gemeinschaft mit Christus zugleich dazu führt, in allem menschlichen Tun Gott begegnen zu können. (…) Als Meister des inneren Lebens erreichte er den Gipfel der Kontemplation durch beständiges Gebet und kontinuierliche Abtötung, durch beharrliche Arbeit und einzigartige Fügsamkeit gegenüber den Eingebungen des Heiligen Geistes und vermochte so der Kirche ›zu dienen, wie sie selbst möchte, daß man ihr dient‹.«

* * *

Ein helles und frohes Zuhause

Josefmaria Escrivá de Balaguer kommt am 9. Januar 1902 im nordspanischen Barbastro zur Welt. Er ist das zweite von sechs Kindern der Eheleute José Escrivá und María Dolores Albás. Seine Eltern – fromme Katholiken – lassen ihn am 13. Januar taufen und sind darauf bedacht, ihn durch ihr eigenes Beispiel in ein Leben als Christ einzuführen: in die Wertschätzung der Beichte und der häufigen heiligen Kommunion, ein vertrauensvolles Beten, eine herzliche Verehrung zur Gottesmutter und den Geist tätiger Nächstenliebe gegenüber bedürftigen und notleidenden Menschen.

Josefmaria wächst als froher, aufgeweckter, ausgelassener und bescheidener Junge auf und erweist sich als guter Schüler, intelligent und mit einer wachen Beobachtungsgabe. Zu seiner Mutter hat er ein warmherziges Verhältnis, mit dem Vater verbindet ihn großes Vertrauen und aufrichtige Freundschaft. Früh bereits nimmt ihn der Herr in die Schule des Leidens, als zwischen 1910 und 1913 seine drei jüngeren Schwestern sterben und 1914 die Familie vor dem finanziellen Ruin steht. Ein Jahr später ziehen die Escrivás nach Logroño um, denn dort hat der Vater eine neue berufliche Arbeit gefunden, die seiner Familie ein bescheidenes Auskommen ermöglicht.

In die Wintermonate 1917/18 fällt ein Erlebnis, das sein künftiges Leben prägt: Logroño wird über Weihnachten von starken Schneefällen heimgesucht, da entdeckt Josefmaria eines Morgens überfrorene nackte Fußspuren im Schnee, die von einem unbeschuhten Karmelitermönch stammen. Das wirft in dem Jungen die Frage auf: »Wenn Menschen aus Liebe zu Gott und zum Nächsten zu solchen Opfern bereit sind, könnte ich da nicht auch dem Herrn etwas anbieten?« In seinem Herzen entsteht eine gottgewirkte Unruhe: »Ich begann zu ahnen, was LIEBE ist, und mir klar darüber zu werden, daß mein Herz nach etwas Großem verlangte, das Liebe wäre«, sagt er später. Ohne genau zu wissen, um was der Herr ihn bittet, entschließt er sich, Priester zu werden, denn, so denkt er sich, dann bin ich für das, was immer Gott auch mit mir vorhat, verfügbarer.

Die Priesterweihe

Nach dem Abitur nimmt er das Studium im Priesterseminar von Logroño auf, das er 1920 im Seminar von Saragossa fortsetzt und an der dortigen Päpstlichen Universität abschließt. Auf Anraten seines Vaters und mit Erlaubnis der zuständigen kirchlichen Behörde beginnt er ein Jurastudium in Saragossa. Seine hochherzige und frohe, schlichte und gelassene Art machen ihn unter seinen Mitstudenten sehr beliebt. Seine Frömmigkeit, sein Ordnungssinn und sein Studieneifer wirken ansteckend auf seine Kommilitonen, so daß ihn der Erzbischof von Saragossa 1922 mit zwanzig Jahren zum Superior des Priesterseminars ernennt.

Während dieser Zeit verbringt er viele Stunden im Gebet vor dem Allerheiligsten – seine Liebe zur Eucharistie schlägt tiefe Wurzeln –, und täglich sucht er das Gnadenbild der Muttergottes von Pilar auf mit der Bitte im Herzen, der Herr möge ihm seinen Willen eröffnen: »Seit jenen Vorahnungen von der Liebe Gottes«, sagte er später am 2. Oktober 1968, »suchte ich trotz meiner Winzigkeit das zu tun, was er von diesem armseligen Werkzeug erwartete. (…) Und in jener sehnsüchtigen Unruhe betete ich, betete und betete in beständigem Flehen. Ohne Unterlaß wiederholte ich die Worte: Domine, ut sit!, Domine, ut videam!, wie jenes arme Geschöpf im Evangelium, das zu Gott ruft, weil er alles vermag. Herr, daß ich sehe!, Herr, daß es geschehe! Und im festen Vertrauen auf meine himmlische Mutter wiederholte ich die Worte: Domina, ut sit!, Domina, ut videam! Maria hat mir stets geholfen, die Wünsche ihres Sohnes herauszufinden.«

Am 27. November 1924 stirbt unerwartet José Escrivá an plötzlichem Herzversagen. Am 28. März 1925 weiht Bischof Miguel de los Santos Díaz Gómara Josefmaria in der Seminarkirche San Carlos in Saragossa zum Priester; in der Gnadenkapelle der Basilika von Pilar feiert er zwei Tage darauf seine erste heilige Messe. Schon am nächsten Tag begibt er sich als Pfarrvikar nach Perdiguera, einer kleinen Landgemeinde.

Mit Einwilligung seines Erzbischofs zieht er im April 1927 nach Madrid, um dort in Jura zu promovieren, was damals nur an der Universidad Central in Madrid möglich war. Sein geistlicher Eifer bringt ihn sehr bald in Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen: Studenten, Künstlern, Arbeitern, Intellektuellen, Priestern … Seine besondere Sorge gilt den Kindern und Bedürftigen in den Madrider Slums, denen er täglich viele Stunden widmet.

Gleichzeitig hält er seine Mutter und Geschwister mit Unterricht in Jura finanziell über Wasser. Für die Familie Escrivá ist es eine entbehrungsreiche Zeit, die sie mit großer Würde und Zuversicht durchlebt. Josefmaria gegenüber spart der Herr angesichts der Großherzigkeit des jungen Priesters nicht mit außerordentlichen Gnadenerweisen, die seinem Dienst an der Kirche und den Seelen in reichem Maße zugute kommen.

Die Gründung des Opus Dei

Am 2. Oktober 1928 kommt das Opus Dei zur Welt. Josefmaria hat sich zu Tagen innerer Einkehr zurückgezogen. Während er Notizen von gottgegebenen inneren Anregungen aus den vergangenen Jahren im Gebet betrachtet, sieht er plötzlich – mit diesem Verb hat er stets den Impuls zur Gründung umschrieben – die Sendung, die Gott ihm anvertrauen will. Er soll innerhalb der Kirche einen neuen Weg der Berufung bahnen: das Bemühen um Heiligkeit und die apostolische Sorge um andere verbreiten durch die Heiligung der gewöhnlichen Arbeit inmitten der Welt, ohne den angestammten Platz zu verlassen. Wenig später, am 14. Februar 1930, eröffnet ihm der Herr, daß sich der Geist des Opus Dei gleicherweise auch an Frauen richtet.

Mit Leib und Seele widmet sich Josefmaria von nun an seinem Sendungsauftrag. Er verbreitet unter Männern und Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten das Ideal, sich ganz der Nachfolge Christi zu verschreiben, den Nächsten zu lieben und sich im täglichen Leben zu heiligen. Dabei sieht er sich nicht als ein Neuerer oder Reformer, denn er ist zutiefst davon überzeugt, daß Jesus Christus immer der ganz Neue ist und der Heilige Geist die Kirche fortwährend verjüngt, der zu dienen Gott das Opus Dei ins Leben gerufen hat. Im Wissen darum, daß es sich um ein durch und durch übernatürliches Unternehmen handelt, gründet der junge Priester seine Sendung auf Gebet und Buße, frohgemute Gotteskindschaft und unermüdliche apostolische Arbeit. Um ihn scharen sich Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft, besonders Studenten. Er entfacht in ihnen den ehrlichen Wunsch, sich um andere zu kümmern und sie aufzurütteln, »Christus in alle menschlichen Tätigkeiten hineinzutragen durch eine geheiligte Arbeit, die einen selbst wie auch die anderen heiligt«. Die apostolischen Initiativen der Mitglieder des Opus Dei sollen kraft göttlicher Gnade alles Geschaffene auf Gott ausrichten, so daß Christus alles in allem ist; »Jesus Christus kennenlernen, anderen helfen, ihn kennenzulernen, ihn überallhin tragen«. So versteht man seinen Ausruf: »Die Wege Gottes im Irdischen haben sich aufgetan!«

Die apostolische Ausbreitung

Wegen der Schlüsselrolle, die er Wissenschaft und Kultur für die Ausbreitung des Glaubens beimißt, ruft er im Jahre 1933 eine Akademie für Universitätsstudenten ins Leben. 1934 erscheint – zunächst unter dem Titel Geistliche Betrachtungen – die erste Ausgabe seines Buches Der Weg,das heute mit 4,5 Millionen Exemplaren in 44 Sprachen weltweit verbreitet ist.

Der Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs im Jahre 1936 verhindert die Ausbreitung des Opus Dei über Madrid hinaus. Trotz brutaler antikirchlicher Ausschreitungen verausgabt sich Josefmaria, gestützt auf Gebet und Buße, heroisch in der apostolischen Sorge um andere. Diese Leidensjahre der Kirche sind gleichwohl eine Zeit geistlichen und apostolischen Wachsens und einer vermehrten Hoffnung. Als der Bürgerkrieg 1939 endet, gibt der Gründer des Opus Dei der apostolischen Arbeit in ganz Spanien neue Impulse. Zahlreiche Universitätsstudenten kann er davon überzeugen, viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen für Christus zu gewinnen und die Größe ihrer christlichen Berufung zu entdecken.

Er gilt als heiligmäßiger Priester. Viele Bischöfe übertragen ihm Besinnungstage für ihren Klerus und für Laien katholischer Organisationen. Auch Ordensleute bitten ihn um Exerzitien, was er nie ausschlägt.

Während er 1941 in Lerida Besinnungstage für Priester hält, stirbt seine Mutter, die für die apostolische Arbeit des Werkes eine große Stütze war. Gegen den Gründer bricht in dieser Zeit eine Welle von Unverständnis und Widerspruch los. Der Bischof von Madrid, Leopoldo Eijo y Garay, gewährt ihm daraufhin seine aufrichtige Unterstützung und dem Werk die erste kirchenrechtliche Anerkennung. Gebet und gute Laune helfen Josefmaria über diese Widrigkeiten hinweg, wohl wissend, daß alle, »die in der Gemeinschaft mit Jesus Christus ein frommes Leben führen wollen, verfolgt werden« (2 Tim 3,12). Angesichts der Beleidigungen empfiehlt er seinen geistlichen Söhnen, zu verzeihen und zu vergessen: »schweigen, beten, arbeiten und lächeln« ist seine Devise.

1943 sieht Josefmaria während der Feier der heiligen Messe im Licht einer neuen Gründungsgnade die Priestergesellschaft vom Heiligen Kreuz innerhalb des Opus Dei, um diejenigen als Priester inkardinieren zu können, die aus den Reihen der Laien-Mitglieder die Weihe empfangen. Die volle Zugehörigkeit von Laien und Priestern zum Opus Dei und ihr Zusammenwirken in den apostolischen Tätigkeiten des Werkes sind ein Spezifikum des Gründungscharismas, das die Kirche, als sie dem Werk 1982 das juristische Kleid einer Personalprälatur zuerkennt, bestätigt. Am 25. Juni 1944 erhalten drei Ingenieure – unter ihnen auch Alvaro del Portillo, der spätere erste Nachfolger des Gründers – die Priesterweihe. In der Folge werden zu Lebzeiten des Gründers etwa tausend Mitglieder des Opus Dei zu Priestern geweiht.

Die Priestergesellschaft vom Heiligen Kreuz, die untrennbar zur Prälatur Opus Dei gehört, widmet sich – immer in Übereinstimmung mit dem Oberhirten der jeweiligen Diözese – außerdem der geistlichen Bildungsarbeit unter dem Diözesanklerus und den Priesteramtskandidaten. Ihr können sich auch Diözesanpriester anschließen, ungeachtet ihrer bleibenden Zugehörigkeit zum Klerus der jeweiligen Diözese.

Römisch und universal

Kaum daß der Bürgerkrieg beendet ist, geht Josefmaria daran, der apostolischen Arbeit in anderen Ländern den Weg zu bahnen, denn – so seine feste Überzeugung – »Jesus möchte, daß sein Werk von Beginn an zutiefst weltumspannend ist, katholisch«. 1946 verlegt er seinen Wohnsitz nach Rom, um die päpstliche Anerkennung des Werkes vorzubereiten. Am 24. Februar 1947 gewährt Papst Pius XII. das decretum laudis und am 16. Juni 1950 die endgültige Anerkennung. Ab jetzt können auch Nichtkatholiken und Nichtchristen Mitarbeiter im Werk werden, indem sie seine apostolischen Unternehmungen mit Arbeit, Spenden und Gebet unterstützen.

In Rom richtet das Opus Dei seinen Zentralsitz ein, damit deutlich wird, worum es dem Werk in seiner gesamten Tätigkeit geht, nämlich »der Kirche zu dienen, wie ihr gedient sein will«, eng vereint mit dem Stuhl Petri und dem Episkopat. Wiederholt drücken die Päpste Pius XII. und Johannes XXIII. dem Werk gegenüber ihre Liebe und Wertschätzung aus; Paul VI. bezeichnet 1964 das Opus Dei als »lebendiges Zeichen der immerwährenden Jugend der Kirche«.

Auch in diesem Lebensabschnitt des Gründers fehlt es nicht an harten Prüfungen: sein Gesundheitszustand ist stark beeinträchtigt, u.a. leidet er mehr als zehn Jahre lang an einem starken Diabetes, von dem er 1954 wie durch ein Wunder geheilt wird; hinzu kommen große finanzielle Engpässe sowie Schwierigkeiten, die die weltweite Ausbreitung des Werkes mit sich bringt. Er strahlt jedoch stets Freude aus, ist doch »die wahre Tugend nicht traurig oder unsympathisch, sondern liebenswürdig und froh«. Aus seiner beständig guten Laune spricht seine unbedingte Liebe zum göttlichen Willen.

»Die Welt ist klein, wenn die Liebe groß ist«: Um diese Welt mit dem Licht Christi zu erhellen, kommt er gern der Bitte zahlreicher Bischöfe nach, durch das Apostolat des Opus Dei der Welt das Licht des Evangeliums zu bringen. Es entstehen die unterschiedlichsten Initiativen wie berufsbildende Schulen, Landwirtschaftsschulen, Universitäten, Studentenheime, Krankenhäuser, medizinische Versorgungsstationen usw. Diese Tätigkeiten, die er gern »ein Meer ohne Ufer« nannte, verdanken sich dem Initiativgeist gewöhnlicher Christen, die für konkrete Nöte vor Ort mit laikaler Mentalität und beruflicher Kompetenz nach Lösungswegen suchen. Rasse, Religion oder soziale Herkunft spielen dabei keine Rolle. Die durch und durch christliche Prägung geht Hand in Hand mit einem tiefen Respekt gegenüber der Freiheit der Gewissen.

Als Papst Johannes XXIII. ein Ökumenisches Konzil ankündigt, betet der Gründer und bittet andere um ihr Gebet für »einen glücklichen Ausgang einer so bedeutenden Initiative wie das Zweite Vatikanum«, wie es in einem Brief 1962 heißt. In seinem Verlauf bestätigt das feierliche Lehramt der Kirche so grundlegende Züge im Geist des Werkes wie den universalen Ruf zur Heiligkeit, die berufliche Arbeit als Angelpunkt der Heiligkeit und des Apostolates, den Wert wie auch die legitimen Grenzen christlicher Freiheit in zeitbedingten Fragen, die Heilige Messe als »Mitte und Wurzel« des inneren Lebens … Der Gründer trifft sich mit zahlreichen Konzilsvätern und Beratern, die in ihm einen authentischen Vorläufer bedeutender Konzilsaussagen sehen. Zutiefst verbunden mit den Lehren des Konzils, sorgt er dafür, daß diese weltweit in den Bildungsinitiaven des Werkes umgesetzt werden.

Heilig inmitten der Welt

»Fern am Horizont verbinden sich Himmel und Erde; doch vergiß nicht, in deinem Herzen als Sohn Gottes ist es, wo sie sich in Wahrheit vereinen.« Unermüdlich weist Josefmaria Escrivá darauf hin, daß das innere Leben Vorrang haben muß vor jeglicher organisatorischen Tätigkeit. »Die Weltkrisen sind Heiligenkrisen«, schreibt er im Weg; Heiligkeit verlangt eine enge Verzahnung von Gebet, Arbeit und apostolischem Tun in einer »Einheit des Lebens«, für die sein eigener Lebenswandel der beste Beweis ist. Um sich in der täglichen Arbeit heiligen zu können, ist es unerläßlich, ein Mensch des Gebetes und eines tiefen inneren Lebens zu sein. Dann »wird aus allem Gebet, alles bringt uns Gott näher, nährt den beständigen Umgang mit Ihm vom Morgen bis zum Abend. Jegliche Arbeit kann zu Gebet werden, und jede Arbeit, die Gebet ist, ist auch Apostolat.«

Sein glühendes inneres Leben, das ihn kontemplativ sein läßt inmitten der Welt, ist der Grund für die ungewöhnliche Fruchtbarkeit seiner Sendung. Es speist sich aus Gebet und Sakramenten, aus einer leidenschaftlichen Liebe zur Eucharistie, aus der Begegnung mit dem Herrn in der heiligen Messe, die zum Herzstück seines Lebens wird, aus einer zärtlichen Liebe zur Gottesmutter, zum heiligen Josef und zu den Schutzengeln; aus seiner Treue zur Kirche und zum Papst.

Die endgültige Begegnung mit dem dreifaltigen Gott

Während seiner letzten Lebensjahre unternimmt der Gründer des Opus Dei wiederholt katechetische Reisen durch Europa und nach Südamerika. Bei zahlreichen Treffen in schlichter und familiärer Atmosphäre vor oft mehreren tausend Zuhörern spricht er über Gott, die Sakramente, christliche Frömmigkeit, Heiligung der Arbeit, die Liebe zur Kirche und zum Papst. Am 28. März 1975 feiert er sein goldenes Priesterjubiläum. »Nach 50 Jahren bin ich immer noch wie ein stammelndes Kind: ich beginne und beginne immer wieder aufs neue in meinem täglichen inneren Kampf. Und so bis ans Ende meiner Tage: stets aufs neue beginnend.«

Am 26. Juni 1975 um die Mittagszeit stirbt der Gründer in seinem Arbeitszimmer an Herzversagen. Sein letzter Blick gilt einem Bild der Gottesmutter. Zu diesem Zeitpunkt ist das Werk mit 60.000 Mitgliedern aus 80 Ländern weltweit tätig. Die geistlichen Schriften des Gründers (Der Weg, Der Rosenkranz, Gespräche mit Msgr. Escrivá de Balaguer, Christus begegnen, Freunde Gottes, Der Kreuzweg, Die Spur des Sämanns, Im Feuer der Schmiede) sind in Millionen Exemplaren verbreitet.

Nach seinem Tod bitten viele Menschen den Papst um die Eröffnung des Seligsprechungsprozesses. Am 17. Mai 1992 erhebt Papst Johannes Paul II. Josefmaria Escrivá vor Hunderttausenden auf dem Petersplatz zur Ehre der Altäre. Am 21. September 2001 anerkennt die zuständige ordentliche Kardinals- und Bischofsversammlung der Kongregation für die Heiligsprechungen einmütig den Wunder-Charakter einer Heilung auf die Fürsprache des Seligen. Das entsprechende Dekret wird in Gegenwart des Heiligen Vaters am 20. Dezember verlesen. Am 26. Februar 2002 wird in Anwesenheit des Papstes in einem ordentlichen öffentlichen Konsistorium nach Anhörung der anwesenden Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe der Tag der Heiligsprechung des Seligen auf den 6. Oktober 2002 festgesetzt.

_______

Quelle

Siehe auch:

OPUS DEI: Biographie von BISCHOF ALVARO DEL PORTILLO

Er war ein treuer Mitarbeiter des hl. Josefmaria und sein erster Nachfolger an der Spitze des Opus Dei. Ein beispielhafter Priester, der stets der Kirche diente. 1991 empfing er durch Johannes Paul II. die Bischofsweihe.
alvaro-del-portillo

Alvaro del Portillo mit Josemaría Escrivá de Balaguer

Geboren am 11. März 1914 in Madrid als drittes von acht Kindern der Eheleute Clementina Diez de Sollano und Ramón del Portillo y Pardo. Die Mutter war Mexikanerin, der Vater Spanier.

Nach dem Abschluss der Madrider Sekundarschule Colegio El Pilar, studierte er Tiefbauingenieurwesen an der Escuela de Ingenieros de Caminos, Canales y Puertosin Madrid. Examen 1941. Anschließend arbeitete bei verschiedenen staatlichen Ämtern. Sein paralleles Geschichtsstudium schloss er 1944 mit der Dissertation zum Thema „Descubrimientos y exploraciones en las costas de California“ ab – „Entdeckungen und Erkundungen an den Küsten von Kalifornien“.

Im Jahre 1935 schloss er sich dem Opus Dei an, das der heilige Josemaría Escrivá sieben Jahre zuvor gegründet hatte. Vom Gründer persönlich erhielt er die Ausbildung und geistliche Prägung im Sinne dieses neuen Weges in der Katholischen Kirche. Als erste Evangelisierung brachte er zahlreichen Kommilitonen und Arbeitskollegen den Glauben nahe und war ab 1939 in verschiedenen spanischen Städten intensiv apostolisch tätig.

Am 25. Juni 1944 erhielt er die Priesterweihe durch den Bischof von Madrid, Leopoldo Eijo y Garay, zusammen mit José María Hernández Garnica und José Luis Múzquiz. Nach dem Gründer waren diese drei die ersten Priester des Opus Dei.

Im Jahre 1946 übersiedelte er nach Rom, wo der heilige Josemaría bereits seit ein paar Monaten lebte. Die folgenden gemeinsamen Jahre waren eine Schlüsselperiode für das Opus Dei, da es in dieser Zeit seine ersten kirchenrechtlichen Approbationen durch den Heiligen Stuhl erhielt. Auch für Monsignore del Portillo selbst waren diese Jahre entscheidend, unter anderem dadurch, dass er zugleich an der Seite des heiligen Josemaría Escrivá und für den Heiligen Stuhl arbeitete. So vertiefte er sich geistig immer mehr in die Aufgabe und die Verantwortung, die den katholischen Laien aufgrund ihrer Berufsarbeit und ihrer familiären wie gesellschaftlichen Beziehungen für die Sendung der Kirche zukommen. Jahre später schrieb er in diesem Sinne: „In einem Krankenhaus ist die Kirche nicht nur durch den Seelsorger präsent. Sie wirkt dort auch durch die Gläubigen, die durch ihre berufliche Arbeit als Ärzte oder Pflegekräfte dafür sorgen, dass die Patienten medizinisch wie menschlich gut versorgt werden. In einem Stadtviertel wird die Kirche zwar stets ein notwendiger Bezugspunkt sein. Aber diejenigen erreichen, die nicht zur Kirche gehen, das können nur andere Familien.“

Zwischen 1947 und 1950 widmete er sich der Ausbreitung des Opus Dei in Rom, Mailand, Neapel, Palermo sowie in weiteren Städten Italiens. Dabei förderte er verschiedene Bildungsinitiativen und stellte ungezählten Christen seine priesterlichen Dienste zur Verfügung. Eine Nachhall seines Wirkens in Italien stellen die Straße und Plätze in etlichen Städten des Landes dar, die seinen Namen tragen.

Von 1948 bis 1953 war er der erste Rektor des Collegio Romano della Santa Croce, das der Gründer am 29. Juni 1948 errichtet hatte. Zugleich unterrichtete er dort Moraltheologie. Ebenfalls 1948 promovierte er an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin in Kirchenrecht.

In seiner Zeit in Rom beriefen ihn die Päpste von Pius XII. bis Johannes Paul II. zum Mitglied bzw. Konsultor in dreizehn Behörden und Organen des Heiligen Stuhls.

Am Zweiten Vatikanischen Konzil nahm er aktiv teil. Johannes XXIII. Ernannte ihn zum Konsultor der Konzilskongregation (1959-1966). In den Vorbereitungsphasen des Zweiten Vatikanums war er Vorsitzender der Kommission für die Laien. Während des Konzils arbeitete er als Sekretär der Kommission für die Disziplin des Klerus und des Christlichen Volkes. Im Anschluss an die Kirchenversammlung ernannte ihn Paul VI. 1966 zum Konsultor der Postkonziliaren Kommissionfür die Bischöfe und Leitung der Diözesen. Außerdem war er viele Jahre Konsultor der Kongregation für die Glaubenslehre.

Alvaro del Portillo war Zeit seines Lebens eng mit dem heiligen Josemaría verbunden und stets an seiner Seite, so auch als Escrivá am 26. Juni 1975 verstarb. Er war der engste Mitarbeiter des Gründers in allen Bereichen der Evangelisierung und der pastoralen Leitung. Gemeinsam unternahmen sie Reisen in viele Länder, um dort die verschiedenen Apostolate des Opus Dei vorzubereiten und zu lenken. Der irische Augustiner John O’Connor schrieb in einem Nachruf: „Als ich merkte, wie liebenswürdig und diskret er sich an der Seite der dynamischen Gestalt von Prälat Escrivá verhielt, kam mir die Bescheidenheit des heiligen Joseph in den Sinn.“

Am 15. September 1975 wählte der eigens einberufene Generalkongress Alvaro del Portillo zum Nachfolger des Gründers an die Spitze des Opus Dei. Als Papst Johannes Paul II. am 28. November 1982 das Opus Dei als Personalprälatur errichtete, bestellte er Del Portillo zugleich zum Prälaten der neuen Prälatur. Am 7. Dezember 1990 ernannte der Papst ihn zum Bischof und erteilte ihm am 6. Januar 1991 im Petersdom die Bischofsweihe.

In seiner Zeit als Prälat des Opus Dei leitete Alvaro del Portillo den Beginn der Arbeit des Opus Dei in zwanzig neuen Ländern ein. Seine Pastoralreisen führten ihn in alle fünf Kontinente. Dabei bestärkte er Zigtausende in der Liebe zur Kirche und zum Papst und verbreitete mit seiner einnehmenden und überzeugenden Art die Botschaft des heiligen Josefmaria von der Heiligkeit im gewöhnlichen Leben.

Außerdem setzte Bischof Alvaro del Portillo zahlreiche Sozial- und Bildungseinrichtungen in Gang. Zum Beispiel haben unter seinem direkten Antrieb Mitglieder des Opus Dei in Zusammenarbeit mit anderen Männern und Frauen Sozialwerke in verschiedenen Ländern der Dritten Welt errichtet, darunter das Centre Hospitalier Monkole in Kinshasa (Kongo), das Center for Industrial Technology and Enterprise in Cebú (Philippinen) und die Niger Foundation in Enugu (Nigeria).

Weitere neue Einrichtungen zeigen die Sorge von Bischof del Portillo für die Sendung des Priesters in der heutigen Welt. Hier sind besonders zu nennen die 1985 gegründete Päpstliche Universität vom Heiligen Kreuz und ab 1990 gleichfalls in Rom das internationale Seminar Sedes Sapientiae sowie das Colegio Eclesiástico Bidasoa in Pamplona (Spanien). In diesen drei Zentren haben inzwischen Bischöfe aus aller Welt Tausende von Priesteramtskandidaten für den Dienst in ihren Diözesen ausbilden lassen. Wie schon zu Zeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils widmete Del Portillo einen Großteil seiner Energien der Bildung von Priestern. Im Jahre 1986 schrieb er: „Als Priester macht man nicht Karriere, sondern gibt sich großzügig und restlos hin – ohne Berechnung und ohne Beschränkung. So kann man ein Sämann des Friedens und der Freude werden und denen die Pforten zum Himmel öffnen, für die dieses Dienstamt bestimmt ist.“

Bischof Alvaro del Portillo verstarb früh am Morgen des 23. März 1994, wenige Stunden nachdem er von einer Wallfahrt ins Heilige Land nach Rom zurückgekehrt war. Seine letzte Heilige Messe hatte er tags zuvor in der Kirche beim Abendmahlssaal in Jerusalem gefeiert.

Alvaro del Portillo hat verschiedene Schriften zu theologischen, kirchenrechtlichen und pastoralen Themen verfasst: „Fieles y laicos en la Iglesia“, Pamplona 1969 – deutsch: „Gläubige und Laien in der Kirche“, Paderborn 1972, „Escritos sobre el Sacerdocio“, Madrid 1970, sowie zahlreiche Einzelpublikationen, die großenteils in dem postumen Sammelband „Rendere amabile la Veritá. Raccolta di scritti di Mons. Álvaro del Portillo“ vorliegen, den die Librería Editrice Vaticana 1995 herausbrachte. 1992 erschien „Intervista sul Fondatore dell’Opus Dei“, in dem der italienische Journalist Cesare Cavalleri seine Gespräche mit Del Portillo über die Gestalt des heiligen Josefmaria Escrivá veröffentlichte. Der Band wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Deutsch: Alvaro del Portillo, „Über den Gründer des Opus Dei“. Cesare Cavalleri im Gespräch mit Alvaro del Portillo, Köln 1996.

Nach seinem Tod haben Tausende schriftlich bezeugt, was ihre Erinnerung an Bischof Alvaro prägt: seine Güte, sein herzliches Lächeln, seine Demut, sein übernatürlicher Mut und der innere Friede, den er ihnen vermittelte.


Quelle