Prof. Spaemann über das Sakrament der Ehe und wiederverheiratete Geschiedene

Der renommierte Philosoph Prof. Robert Spaemann spricht im Interview mit Julia Wächter über das Eheideal der Kirche und die Problematik, die sich aus der derzeitigen Debatte um die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion ergibt.

Die Ehe ist heute in einigen Kreisen keine Selbstverständlichkeit mehr. Die kirchliche Vorstellung der Ehe wird immer mehr hinterfragt. Wie gilt es nun zu handeln? Würden Sie sagen, die Kirche gibt ihr Ideal der Ehe auf, wenn sie sich immer mehr an vorliegende Trends anpasst?

Ja. Die Neigung ist groß, sich allen Trends anzupassen, damit die Leute nicht weglaufen. Man muss aber immer in das Evangelium sehen. Die Massen liefen Jesus nach, doch dann sprach er davon, dass er seinen Leib zu essen und sein Blut zu trinken gab. Das hat er keineswegs geschönt, sondern die Leute waren schockiert und sind weggelaufen. Jesus fragte die Apostel: Wollt ihr auch gehen? Aber Petrus antwortete: Nein Herr, wir haben dich zwar auch nicht verstanden, aber du hast Worte des ewigen Lebens und wohin sollen wir denn sonst gehen? Das muss die Reaktion der Menschen sein. Auch in der Frage der Ehescheidung kommt es nicht darauf an, den vielen Menschen und den großen Trends nachzugehen, sondern ein Zeugnis davon zu geben, dass es auch eine andere und schönere Weise des Lebens gibt. Man darf auch nicht erst bei den Ehevorbereitungskursen ansetzen, sondern schon viel früher. Was eine christliche Weise zu leben ist muss schon in der Schule grundgelegt werden. Dann bekommt auch ein solches Verbot der Ehescheidung, das ja von Christus ganz klar und eindeutig ausgesprochen ist, Anziehungskraft.

Haben Sie konkrete Vorschläge der Umsetzung?

Das Wort fällt bei den einen auf guten, bei anderen auf schlechten Grund. Letztens kommt es darauf an, wen der Vater zieht. Sich ziehen lassen vom Vater, das ist die Lebensweise des Christen. Das muss auch gelehrt werden, schon im Zusammenleben der Kinder.

Sind diese Trends auf das vorherrschende Gottesbild zurückzuführen? Der barmherzige Gott steht allzu oft über allem. Bedrohliches wird ausgeblendet, vor allem in der Verkündigung an Kinder.

Ein Drittel der Lehre Jesu besteht aus Drohungen, die man alle eliminieren möchte. Es drohe gar nichts, Gott nehme uns wie wir sind. Das ist Schönrednerei. Vielmehr muss man sagen: Nein, Jesus nimmt dich nicht wie du bist. In seiner Predigt forderte er: Kehrt um, ihr seid auf dem falschen Weg! Natürlich, Jesus akzeptiert den Sünder und wenn der verlorene Sohn heimkommt, macht der Vater ein großes Fest. Aber warum richtet er dieses Fest aus? Doch weil er zurückgekommen ist. Der Vater ist nicht hinaus zu den Schweinetrögen gegangen.

Barmherzigkeit wird auch in der Debatte um wiederverheiratete Geschiedene und deren Zulassung zum Sakrament der Eucharistie gefordert. Dabei ist die Auffassung weitverbreitet, dass die Unauflösbarkeit der Ehe und die Barmherzigkeit konkurrierende Prinzipien seien. Wie kann deutlich gemacht werden, dass sich diese Prinzipien nicht gegenseitig ausspielen?

Barmherzigkeit besteht darin, dass man dem Notleidenden in seiner konkreten Situation beisteht und ihm hilft, das ewige Leben zu erwerben. Das Christentum ist keine Wellnessreligion. Wenn der Arzt mir beispielsweise sagt: Sie dürfen keine Zigarette mehr rauchen, sonst sind Sie in einem halben Jahr tot – und wenn man dann sagt: Aber lieber Doktor, seien Sie doch barmherzig – ist das falsche Barmherzigkeit. Der Arzt kann nur helfen, wenn sich dieser Patient an seine Worte hält. Die Kirche ist in der Situation des Arztes. Wenn ein Zusammenleben in einem zweiten Verhältnis gestattet wird, weil man es damit rechtfertigt, dass mit der Zeit eine neue Beziehung gereift sein kann, stellt sich die problematische Frage, wie oft man mit dem neuen Partner geschlafen haben muss, damit es nicht mehr Sünde, sondern eine gottgefällige Handlung ist, die die Kirche segnen soll. Jeder Akt des Ehebruchs ist schwere Sünde. Das ist die traditionelle Lehre der Kirche.

In dieser Situation wird oft nicht an den Partner gedacht, der verlassen worden ist.

Von ihm ist ohnehin viel zu selten die Rede. Es wird immer von dem armen Täter gesprochen und nicht von dem Opfer. Da gibt es beispielsweise eine Frau, die blieb mit vier Kindern alleine zurück. Plötzlich hat der Mann einen anderen Platz gefunden und dieses Verhältnis würde gestattet werden. Noch weiter gedacht: Was ist, wenn er anschließend wieder zurückkehrt zu seiner vorigen Frau? Hier entstehen Schwierigkeiten, aus denen man nicht herauskommen kann, statt zu sagen: Gott, du hast uns und deiner Kirche die Sakramente gegeben, die uns das Heil vermitteln, aber du selber bleibst frei, du kennst die Herzen. Wir müssen dem Menschen der Barmherzigkeit Gottes überlassen. Einem Menschen, der so darauf herumreitet, dass er nicht zur Kommunion gehen darf, muss man sagen: Dann geh doch einmal in der Woche mehr zur Messe, bete und tu‘ alles was du kannst und Gott ist barmherzig. Aber die Kirche kann sich das nicht erlauben. Gott aber kann auch über große Mauern springen.

Welche Bedeutung haben die Sakramente faktisch?

Heute ist das oft so ein Sakramentalismus, als ob das Heil des Menschen davon abhinge, dass er zur Kommunion geht. Es herrscht die Vorstellung, zu einem richtigen Messbesuch gehöre immer die Kommunion. Bank für Bank, sie gehen alle zur Kommunion. Ich frage mich, sind die Christen plötzlich ganz heilig geworden? Es ist höchst unwahrscheinlich, dass nur noch Leute leben, die nicht von schwerer Sünde belastet sind. Zur Kommunion gibt es Voraussetzungen. Das eine ist, man muss an die wirkliche Gegenwart Jesu unter den Gestalten von Brot und Wein glauben und das zweite, man darf sich keiner schweren Schuld bewusst sein, die man noch nicht bereut und gebeichtet hat. Unter diesen Voraussetzungen kann man zur Kommunion gehen. Ansonsten ist es ein größerer Akt der Ehrfurcht, der Verehrung für Christus und der Solidarität mit den Mitchristen, wenn man fernbleibt. Das drückt eine tiefere Verbindung aus. Ein Mensch, der in schwerer Sünde lebt, bleibt Sünder, das muss er mit Gott bereinigen. Es ist gut, wenn er jeden Sonntag zur Messe geht, obwohl er nicht zur Kommunion gehen kann. Schon im Religionsunterricht heute gibt es allerdings den Begriff der schweren Sünde kaum mehr.

Auf der anderen Seite wird die Beichte immer mehr vernachlässigt.

Ja, die Beichtstühle sind leer, und das ist auch sehr merkwürdig. Da haben die Leute plötzlich gar nicht dieses Verlangen. Wenn ein Mensch unbedingt zur Kommunion gehen will und es ihm derart ernst ist, soll er doch zunächst einmal beichten. Wenn er selbst das nicht tun will, wie kann er dann zur Kommunion gehen wollen?

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Siehe dazu auch:

Generalaudienz: Ehevorbereitung? Es braucht ein Katechumenat

Der Papst bei seiner Generalaudienz (Vatican Media)

Das ganze Leben spielt sich in der Liebe ab, aber mit der Liebe spielt man nicht: Das betonte der Papst an diesem Mittwoch bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz. Bei deutlich abgekühlten Temperaturen und strahlendem Sonnenschein fuhr der Papst mit seiner Katechesenreihe zu den Zehn Geboten fort. „Du sollst nicht ehebrechen“, das sechste Gebot, war diesmal an der Reihe.

Christine Seuss – Vatikanstadt

„Die unmittelbare Mahnung”, so der Papst zu den Gläubigen, „ist die zur Treue, und in der Tat ist keine menschliche Beziehung authentisch ohne Treue!“ Man könne nicht nur so lange lieben, wie es einem „gerade in den Kram passt“, so der Papst, der mit Blick auf den Katechismus der katholischen Kirche betonte: „Liebe will endgültig sein“. Sie könne nicht nur „bis auf weiteres“ gelten (vgl. KKK 1646).

„Der Mensch hat das Verlangen, ohne Vorbehalt angenommen zu werden, und wer diese Annahme nicht erfährt, trägt in seinem Inneren eine gewisse Unvollständigkeit, oftmals, ohne es zu wissen.“ Dies führe dazu, dass der Mensch nach Ersatzbefriedigungen suche und schale Kompromisse eingehe, die bestenfalls nur ein Abglanz der wahren Liebe seien, so Franziskus.

“ Körperliche Anziehung soll nur den Weg zu einer authentischen und treuen Liebe ebnen ”

„So geschieht es, dass die körperliche Anziehung überbewertet wird, die in sich zwar ein Geschenk Gottes ist, aber nur dazu dienen soll, den Weg zu einer authentischen und treuen Beziehung zu bereiten.“ Der heilige Johannes Paul II. habe in einer Generalaudienz von der Notwendigkeit einer reifen „Spontaneität“ der Beziehung gesprochen, erinnerte Franziskus (vgl. Generalaudienz, 12.11.1980). Diese beruhe auf einem „Erkennen und Unterscheiden der Impulse des eigenen Herzens“, das über die körperliche Anziehungskraft hinausführe, erläuterte er die Worte seines Vorvorgängers im Papstamt.

“ Ehe ist kein formaler Akt: Sie ist ein Sakrament ”

Dazu sei es jedoch nötig, dass die jungen Verlobten ihre Beziehung auf der „treuen Liebe Gottes“ gründeten, formulierte Franziskus sein Anliegen: „Und dafür braucht es, bevor man das Sakrament der Ehe empfängt, eine angemessene Vorbereitung, ich würde sogar sagen, ein Katechumenat, denn das ganze Leben spielt sich in der Liebe ab, und mit der Liebe spielt man nicht. Man kann drei oder vier Konferenzen in der Pfarrei nicht als ,Vorbereitung‘ bezeichnen, nein, das ist eine angebliche Vorbereitung.“ Und die Verantwortung für diese mangelnde Vorbereitung, unterstrich der Papst, liege bei dem Ortsbischof und den Pfarrern: „Die Vorbereitung muss reif sein, und dafür braucht es Zeit. Es ist kein formaler Akt: es ist ein Sakrament. Aber das muss man mit einem wahren Katechumenat vorbereiten.“

“ Treue ist ein Lebensstil ”

Das sechste Gebot könne einen vor vielen „Treuebrüchen“ bewahren, fuhr der Papst fort. Den die Treue stelle, mehr noch als allein körperliche Treue, „einen Lebensstil“ dar: „Man arbeitet mit Loyalität, man spricht mit Ehrlichkeit, man bleibt der Wahrheit in den eigenen Gedanken und Handlungen treu. Ein Leben, das mit Treue durchwoben ist, findet seinen Ausdruck in allen Dimensionen und führt dazu, treue und verlässliche Männer und Frauen zu sein, in jeder Lebenslage.“

Es sei jedoch ein Trugschluss zu meinen, dass die menschliche Natur ausreiche, um zu diesem Leben zu gelangen. Vielmehr sei es nötig, dass Gott in unser Leben trete. Das sechste Gebot fordere dazu auf, „den Blick auf Christus zu lenken“, der unser treubrüchiges Herz mit einem treuen Herz ersetzen könne: „In Ihm, und nur in Ihm, ist Liebe ohne Vorbehalt und Meinungsumschwünge, die vollständige Hinhabe und die Hartnäckigkeit einer rückhaltlosen Aufnahme.“

(vatican news)

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Bischof Stefan Oster SDB: Gottesvergessenheit und Sexualität

Unzeitgemäße Gedanken zu einem biblischen Zusammenhang

1. EINE DER WIEDERKEHRENDEN KERNFRAGEN:
WELCHER SEX IST RECHT VOR GOTT?

Die  Debatten in und außerhalb der Kirche zum Thema Sexualität und allem, was damit zusammen hängt, reißen nicht ab. Sie scheinen in medialen Wellenbewegungen immer neu auf die Kirche zuzurollen – in wechselnden Themen: Mal sind es die wiederverheirateten Geschiedenen, mal der Zölibat, mal der Umgang der Kirche mit Menschen, die homosexuelle Neigungen haben – um nur die am meisten diskutierten Themen aufzugreifen. Und ist es nicht paradox? Da nimmt sich der Papst mit der Bischofssynode des Themas der Familie an und das Wesentliche, was Monate vor, während und nach der Synode vordringlich zum Thema wird, sind zwei Menschengruppen, die gerade nicht in Verhältnissen leben, die den Normalfall von Familie bilden: wiederverheiratete Geschiedene und Homosexuelle. In beiden Fällen geht es aber im Kern der Debatte letztlich um die Praxis gelebter Sexualität, die nicht dem entspricht, was die Kirche in diesem Bereich seit jeher für Weisung und Willen Gottes hält.

Und man muss es ehrlich sagen, auch im Blick auf viele andere Themen, die immer neu diskutiert werden: Ein Kernproblem, eine Kernfrage, um die es sich dann ausgesprochen oder unausgesprochen immer wieder dreht, hängt tatsächlich genau damit zusammen: Was sagen der Glaube, die Schrift, die Tradition, die Kirche über menschliche Sexualität? Und vor allem, was sagen sie über recht vollzogene sexuelle Praxis, die dann dem entspricht und gerecht wird, was Christen für den Willen Gottes und seine Offenbarung halten? Die Tatsache, dass die Kirche hier in ihren Antworten immer ziemlich klar war, ist deshalb beständiger Stein des Anstoßes, beständiger  Stachel im Fleisch. Die öffentlichen Einwände dagegen gehen konsequent immer in die Richtung  nach einer Forderung von veränderter Lehre über genau diese Frage: Welcher Sex ist recht? Die Argumente: „Die Zeiten haben sich geändert, die Menschen haben sich geändert, die Gesellschaft hat sich geändert, die Beziehungsformen haben sich geändert, die Einsichten über die Sexualität des  Menschen haben sich geändert, also muss sich endlich auch die Lehre der Kirche ändern.“

Freilich, die Tatsache, dass das Thema und seine Klarheit bereits in der Hl. Schrift schon so präsent ist, weist eher das Gegenteil nach, nämlich dass es im Christentum bereits von Anfang an eine heftig angefragte Lehre war und nicht erst heute. Auch in der Zeit der Entstehung des christlichen Glaubens stehen dessen Lehren über menschliche Sexualität quer zu vielem von dem, was in der damaligen Gesellschaft, vor allem in einer griechisch-römisch geprägten Kultur, aber auch in einem jüdischen Kontext (hier etwa die Möglichkeit zur Mehrehe) gängig oder möglich war.

2. IST DIE KIRCHE SEXFIXIERT?

Der Kirche wird heute häufig vorgeworfen, sie sei manchmal allzu fixiert auf das Sexthema. Dabei scheint es mir auch hier eher umgekehrt. Wann etwa hat der durchschnittliche Kirchgänger zuletzt eine Predigt gehört, in der der Pfarrer so mutig war, die Sexualmoral der Kirche tatsächlich und wahrhaftig und ohne Abstriche zu erläutern oder sich dazu zu bekennen? Es passiert vermutlich eher in seltenen Ausnahmen. Ist es also nicht eher anders herum? Ist nicht die Gesellschaft eher so fixiert auf sexuelle Liberalisierung, dass ihr gerade die Kirche mit ihrer vermeintlich sturen Beharrung so sehr ein Dorn im Auge ist, dass Sie das immer und immer wieder, vor allem medial zum Thema machen muss? Und das, obwohl sich der größere Teil derjenigen, die diese Themen medial so sehr ventilieren, für die wirklichen Kernthemen des kirchlichen Glaubens in der Regel kaum mehr interessieren: Erlösung, Sündenvergebung, Versöhnung mit Gott, Kreuz, Auferstehung….?

Der mediale, der öffentliche und gesellschaftliche Druck auf die Kirche wächst also oder er kommt eben wellenartig wieder. Gleichzeitig sinken bei uns die Mitglieder‐ und Kirchenbesucherzahlen; gleichzeitig auch geht man durch verschiedene Krisen der Glaubwürdigkeit (vgl. Missbrauch, Limburg, Kölner Krankenhausaffäre etc.). Und so neigen wir als Kirchenverantwortliche vielleicht allzu leicht zu der Ansicht, wir könnten endlich einmal „punkten“, wenn sich  am innerkirchlich im Grunde wenig geliebten Sexthema endlich mal ein paar, wenigstens kleine „Fortschritte“ zeigen könnten.

3. WAS SAGEN SCHRIFT, TRADITION UND DER GLAUBE?

Aber wie befragen wir die Möglichkeit von vermeintlichen „Fortschritten“ auf diesem Gebiet? Wie befragen wir, welche Formen gelebter Sexualität gut und recht sind in Gottes Augen? Wir blicken auf das Evangelium und erkennen: Es gibt im Grunde keine einzige Form vollzogener Sexualität außerhalb der Ehe, die von der Hl. Schrift nicht entweder Unzucht oder Ehebruch genannt würde. Wir lesen aber auch, dass das Thema in der Schrift immer wieder prominent behandelt wird. Und wir lesen vor allem, dass da ein geheimnisvoller Zusammenhang hergestellt wird zwischen dem, wie Gott den Menschen sieht und will einerseits und sittlicher und sexueller Reinheit andererseits (vgl. Mt 5,28, Eph 5,3f, 1 Kor 6, 18‐20, Röm 1,21ff, 1 Thess 4,3f, Hebr 12, 14ff). In der Bergpredigt preist Jesus die Menschen selig, die ein reines Herz haben, sie würden Gott schauen (Mt  5,8),um nur wenige Zeilen später zu sagen, dass schon der lüsterne Blick auf eine Frau eben diese Menschenherz in seiner Reinheit eintrübe und in eine quasi ehebrecherische Verfassung bringe  (Mt  5,28)!

Gott will den Menschen seinem Sohn ähnlich machen. Er will ihm die Gnade und Kraft schenken, ein heiliges Leben zu leben. Dabei ist Heiligkeit freilich nicht misszuverstehen als eine Art religiöser Leistungssport, gepaart mit außergewöhnlichen Anstrengungen in der Übung der Tugenden. Heiligkeit ist zunächst das Erfüllt sein des Menschen mit Gottes Gegenwart, das Geschenk überfließender Gnade, die aus ihm, aus Gott selbst kommt. Erst sekundär folgt aus dieser Erfahrung des Beschenktseins von Gott und des Lebens aus dieser Gegenwart die Fähigkeit, in der Freiheit des Christenmenschen gut und selbstlos, also auch tugendhaft zu leben.

4. DAS KERNPROBLEM: GOTTESVERGESSENHEIT

Aber meines Erachtens rühren wir genau hier am entscheidenden Problem: Es ist das Ernstnehmen der Gegenwart Gottes. Und zwar zuerst in seiner Heiligkeit, Majestät, abgründigen Unterschiedenheit von jedem Geschöpf. Er ist der Schöpfer des Alls, er ist der Herr aller Welten. Und er gibt uns die Erlaubnis, ihm nahe zu kommen. Israel hat gewusst, dass solches Näherkommen gefährlich ist. Der Israelit des Alten Bundes wusste, dass er grundsätzlich vor Gottes Angesicht vergehen musste (Ex  33,20); und ganz besonders dann, wenn er sich Gott in einer unangemessenen Weise näherte. Die zahlreichen Reinigungsvorschriften des Volkes für den Vollzug des Kultes hatten eben auch diesen Ursprung, nämlich das Bewusstsein, dass man dem Heiligen Israels nur nahen kann, wenn man selbst rein, heil, ganz ist, eben reingewaschen (z.B.  Ex  30,20‐21).

Das Anliegen Jesu liegt auch ganz auf dieser Linie, aber er weiß, dass die Fülle an Vorschriften, dass „das Gesetz“ dazu tendiert, veräußerlicht verstanden zu werden: „Ich wasche mich (äußerlich), dann bin ich schon rein.“ Doch bereits die Propheten des Alten Bundes kündigen einen neuen Bund an, einen der ein „neues Herz“ (Ez 36,26) schenken will, einen Bund, in dem der Mensch seinen Gott nicht nur durch veräußerlichtes Ritual und Gesetz kennt, sondern persönlich, von Herz zu Herz. Die Taufe des Neuen Bundes rettet uns, sagt der Autor des ersten Petrusbriefes: Und „sie dient nicht dazu, den Körper von Schmutz zu reinigen, sondern sie ist eine Bitte an Gott um ein reines Gewissen aufgrund der Auferstehung Jesu Christi.“ (1 Petr 3,21). Freilich: Es bleibt auch im Neuen Bund derselbe majestätische Gott, der ganz Andere. Aber Jesus macht in seiner Person deutlich, dass eben dieser andere, der furchteinflößende, der Herr des Alls zugleich der Allliebende ist, derjenige der sich abgründig niederbeugt, konkret zu jedem von uns, der sich klein macht, um den Menschen wieder aufzurichten zu sich selbst und zurück in seine Beziehung zum Vater. In jeder Hl. Messe feiern wir Wandlung. Christus wandelt sich der Welt ein – in den Gestalten von Brot und Wein. Aber er tut es, um uns zu wandeln und zu neuen Menschen zu machen. Lassen wir es zu, halten wir das überhaupt für möglich?

Und genau hier liegt meines Erachtens unser Problem: Der Glaube daran, dass Gott in Christus wirklich da ist, dass er uns real und schon in diesem Leben, berühren, heilen, verwandeln kann in ein neues, besseres, gottbezogenes und gottgefälliges Leben, dieser Glaube scheint in unseren Breiten in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr zu verdunsten. Wie viele glauben wirklich noch, dass Christus das Leben eines Einzelnen tatsächlich im Hier und Jetzt spürbar erneuern kann? Wie viele glauben wirklich noch, dass sie durch Christus „neu geboren“ (Joh 3,3) sind, tatsächlich „neue Schöpfung“ (2 Kor 5,17) sind? Und zwar so, dass sie es an realen und konkreten Lebensvollzügen festmachen können? Die Schrift ist aber voll davon, dass die Brüder und Schwestern jetzt wo sie den Glauben angenommen haben, ihrem alten Leben entronnen sind, ihrer Gefangenschaft in solchen Bedürfnissen, Trieben und Egoismen, die auf alles mögliche, aber nicht auf Gott hin orientiert waren (vgl. 1 Petr 1,14; 2 Petr 1,9, Hebr 10,32; 1 Thess 1,9; Kol 3,7; Eph 4,17-20 u.a.). Wer hat in volkskirchlichen Breiten, in denen der Glaube von Jahr zu Jahr, von Generation zu Generation schwindet, denn noch die reale Erfahrung von Bekehrung und wer hätte konsequent auch noch zusätzlich das Bestreben, kraft einer geduldigen, beständigen, alltäglichen Bekehrung mit der Hilfe Gottes ein neuer Mensch, ein echter Christ zu werden? Einer, der Gott, der Christus kennt, der ihm wirklich nachfolgen, der sein Kreuz tragen will? Einer, der von ihm die Fülle und die Freude erwartet und diese nicht leicht verwechselt mit den Freuden, die nur diese Welt gibt? All das ist der Kern einer christlichen Anthropologie und des christlichen Menschenbildes, von dem wir – ohne diesen Kern wahrzunehmen – all zu schnell und damit oft auch allzu weich gespült in unserem gesellschaftlichen Diskurs reden.

Wer hätte denn noch wirklich Ehrfurcht vor der Gegenwart Gottes in einem Gotteshaus? Wer fällt hier wirklich angesichts seiner Gegenwart noch voller ernsthafter Demut auf die Knie, weil er weiß, wer Gott ist und wer er selbst im Verhältnis zu diesem Gott ist? Und wer blendet umgekehrt nicht gerne die Tatsache aus, dass der vermeintlich so liebe Jesus in etwa einem Drittel seiner Worte im Neuen Testament Gerichtsworte spricht oder Gerichtsgleichnisse erzählt? Es sind Worte, in denen er den Menschen zur Entscheidung auffordert für ihn und zwar ganz und entschieden. Wer müht sich denn noch „mit Furcht und Zittern“ (Phil 2,12) um sein Heil, wie es Paulus nahe legt, weil nach der Schrift und aus der Sicht Jesu völlig ohne Zweifel die Möglichkeit besteht, auch verloren zu gehen? Viel mehr aber noch ist Paulus von der Hoffnung getragen, dass er, der Allmächtige, uns aus Liebe zu neuen Menschen machen will und schon damit begonnen hat.

In dem Augenblick aber, wo all diese Erfahrungen eben keine mehr sind, nicht mehr nachvollziehbar sind, nicht mehr im Kirchenvolk erlebt, erzählt, tradiert werden, in dem Augenblick kann es im Grunde auch gar nicht mehr sein, dass wir einen Anspruch von Gott selbst an uns wahrnehmen. Einen Anspruch von dem, der uns heiligen will. Der Anspruch wird verdünnt und reduziert auf ein nur mehr gedachtes Gesetz, und von hier ist der nächste Schritt nur ein ganz kleiner, der dann sagt: „Das gedachte Gesetz hat sich die Kirche aus-gedacht, um uns zu knechten. Und jetzt wo die Zeiten sich ändern, muss sie das Gesetz auch ändern!“ Der Anspruch, in der Kirche durch Gottes Gegenwart geheiligt zu werden, ist fast gänzlich in Vergessenheit geraten. Gutes Leben ist jetzt, was alle gut finden; die Gesellschaft als Messlatte für einen, hoffentlich nicht allzu zu anspruchsvollen Humanismus. Und nur die Kirche ist dann schlecht und von gestern, weil sie uns unser gutes, heutiges Leben nicht gönnt!

Wenn diese Diagnose zutrifft, dann können auch wir Amtsträger uns nicht aus der Verantwortung nehmen. Es ist nämlich ein Grundgesetz des geistlichen Lebens, dass das spirituelle Niveau einer christlichen Gemeinschaft oder Gemeinde – nicht nur aber auch – vom geistlichen Leiter abhängt. Ich habe den Verdacht (und schließe mich ein): Womöglich haben wir selbst die leidenschaftliche, gläubige Proklamation und Deutung der Gegenwart Gottes nicht allzu intensiv gepflegt – und vielleicht auch gar nicht mehr recht geglaubt? Und womöglich haben wir auch die Liturgie nicht allzu oft derart mit den Gläubigen gefeiert, dass unser Beten darin sehr real und voll liebender Ehrfurcht und Freude auf diese Gegenwart bezogen wäre.

5. DER WILLE GOTTES FÜR JEDEN: VERWANDLUNG UND HEILIGUNG DES GANZEN MENSCHEN, EINSCHLIESSLICH SEINER SEXUALITÄT DURCH GÖTTLICHE LIEB

Die Heiligung, in der Gott sich uns ähnlich machen will, ist vor allem eine Heiligung in und durch Liebe. Und Gott als unsere Antwort auf seine Liebe mit ganzem Herzen und ganzer Seele und allen Gedanken zu lieben und den Nächsten wie uns selbst ist die „Erfüllung des ganzen Gesetzes“ (vgl. Mt 22,40), es ist die Erfüllung dessen, wozu der Mensch in Gott geschaffen ist. Aber die Liebe, um die es hier geht, ist in der Tiefe absichtslos, sie ist umsonst. Und man kann Gott auch nur lieben, wenn man ihn kennengelernt hat, so wie er sich uns eben in Christus zu erkennen gibt; wenn man in einem Leben der Suche nach Gott, im Gebet, im Meditieren der Schrift wirklich immer wieder auf ihn selbst gestoßen ist. Eine Liebe, die aus Gott kommt, meint dann den anderen Menschen wirklich um seinet- und um Gottes Willen. Sie manipuliert nicht hintergründig und will den Geliebten nicht wie einen Besitz „haben“. Zu dieser Liebe will uns Gott nach dem Zeugnis der Schrift befähigen und die Schrift erklärt auch, dass da der ganze Mensch dazu gehört, mit Leib und Seele und Geist.

Deshalb ist die menschliche Sexualität in diese Bewegung der Heilung und Heiligung mit hineingenommen und bleibt gerade nicht davon unberührt. Und von diesem Anspruch her gibt es von Gott bejahte und konkret vollzogene sexuelle Aktivität in ihrer ganzheitlichen Zielrichtung auch nur ganz oder gar nicht. Das heißt nur und ausschließlich in einer Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, mit der Offenheit auf Lebensweitergabe, mit Verbindlichkeit und Treue und der Sorge um das gegenseitige Wohl der Ehepartner – bis zum Lebensende wenigstens eines der Partner.

Katholische Christen glauben ja, dass Gott in und durch Christus diese Kraft zur Treue schenken kann und will, ja dass er darin selbst als der Treue gegenwärtig ist und bleibt. Das ist, knapp gesagt, der Inhalt dessen, was sie Sakrament nennen. Sie glauben auch, dass Christus darin die Kraft und Schönheit der Sexualität auch reifen lassen und ebenfalls tiefer und heiler machen will. Immer mehr weg von der Möglichkeit bloßer Triebabfuhr oder Triebbefriedigung, hin zu einer ganzheitlichen Erfahrung, in der der eine ganze Mensch in Leib und Seele auf den einen Partner ebenfalls als ganzen Menschen liebend ausgerichtet ist und bleibt.

Das Bemerkenswerte ist also: Schon für den konkreten Weg der Ehe sieht Gott einen Weg der Verwandlung vor – und zwar auch der Sexualität der Partner und ihrer Ausrichtung und Integration. Ehrliche Liebe, die sich von Gott begnadet weiß, verwandelt, heilt und integriert auch das sexuelle Begehren, die Sehnsucht, die Bedürfnisse. Wie gesagt, alles das setzt voraus, dass ich überhaupt an die Gegenwart Christi in meinem Leben glaube und vertraue, dass er mein Leben schon jetzt verwandeln kann und will und wird. Unser christliches Nachdenken über Sexualität hat nur unter dieser Voraussetzung überhaupt Sinn! Anders werden Christen in dem, was sie über Sexualität sagen, gar nicht (mehr) verstanden werden können. Schon gar nicht in stark säkularisierten Zeiten.

Und Christen, die diesen Hintergrund sehen, müssten ihrerseits auch ein mitgehendes Verständnis dafür aufbringen können, dass diese Debatten in gottvergessenen Zeiten immer wieder aufbrechen und womöglich auch noch intensiver werden. Denn dort, wo es Gott nicht mehr gibt, dort ist (nach einem herausforderndem Wort Dostojewskis) im Grunde alles erlaubt, aber in sittlichen Fragen insbesondere das, was mehrheitlich Zustimmung findet. Zustimmende Mehrheit ist freilich noch kein hinreichendes Kriterium für Wahrheit. Das Problem ist nur: Wo Gott „fehlt“, dort gibt es auch gar keinen letzten Orientierungspunkt mehr als entscheidendes Wahrheitskriterium. Und in so einem Fall scheint dann Mehrheit eben doch meist der plausibelste Bezugspunkt.

Das erste in der christlichen Verkündigung – auch über diese Themen – wäre also aus meiner Sicht nicht zuerst die Bekanntgabe von moralischen Vorschriften, sondern das Hineinhelfen in die Berührung mit der Gegenwart eines Gottes, der uns liebt und dem es gerade deshalb nicht egal ist, wie wir leben und zwar auch als sexuelle Wesen.

6. WAS IST MIT DENEN, DIE NICHT HEIRATEN WOLLEN ODER KÖNNEN?

Analoges zu dem, was eben über christliche Ehe gesagt wurde, gilt nun aber auch für diejenigen, die an Christus glauben, die seine Realpräsenz in unserer Welt bejahen, und beispielsweise keinen Partner finden oder etwa einen gleichgeschlechtlichen Partner ersehnen, weil sie Menschen mit homosexuellen Neigungen sind. Die Kirche hat stets daran festgehalten, dass der Glaube an die heiligende Gegenwart Christi, dass der Weg in beständiger Verbundenheit mit ihm selbst hilft, aus dieser Kraft zu leben und sein Leben so zu gestalten, dass es dem Willen Gottes gemäß ist. Christus verwandelt und heilt unsere Sexualität hinein in ein Leben vor ihm und mit ihm selbst. In ein Leben, das von ihm auch die Kraft bezieht, sich selbst und seine sexuelle Kraft verwandeln zu lassen in eine Liebe, die der Seinen ähnlich ist – die im rechten Sinn verstanden immer absichtsloser und lauterer wird. Ehrlicher, tiefer Glaube kann also beispielsweise dem Single helfen, ein froher Single zu bleiben, und er kann dem Menschen mit homosexueller Neigung helfen, auch ohne die volle sexuelle Erfahrung erfüllt zu leben bzw. sich von Gott in ein Leben hinein führen zu lassen, das seinem Willen entspricht. Und er kann auch einem von seinem Partner getrennt lebenden Verheirateten die Kraft geben, diese Situation mit ihm zu tragen. Und all das ist nicht zuerst eine moralische Forderung, das ist nach der Überzeugung von Schrift und Tradition und von zahllosen geistlichen Menschen zuerst ein Geschenk. Wir sprechen von Gnade, von der zuvorkommenden geschenkten Gnade, die dem Menschen Kraft und Vertrauen schenkt, dass er seinen Weg mit Gott gehen kann, auch und gerade dann, wenn es ein Kreuzweg ist.

Freilich ist es auch ein Weg, auf dem keiner von Anfang an fertig ist. Jeder ernsthaft geistlich Suchende, zumal die Erfahrenen, wissen, dass der Weg mit Gott und auf ihn hin ein Ringen bleibt, ein Reifen, ein Suchen, auch ein Kampf. Und auch auf diesem Weg wird und kann es Versagen und Scheitern geben. Gott will ja auf unser Ringen und tiefstes Sehnen nach ihm und auf unser Herz viel eher schauen als auf die Schuld. Und er vergibt immer neu jedes Versagen, das aufrichtig vor ihn gebracht wird.

7. DIE REALE ANWESENHEIT GOTTES REDUZIERT AUF EIN ABSTRAKTES KIRCHENGESETZ

Ich bin daher der Ansicht, dass der Glaube an die reale Gegenwart des Herrn und ihre real verändernde Kraft der alles entscheidende Aspekt ist. Steht dieser Glaube fest in vielen Herzen der Menschen, wird das Verständnis für die Lehre der Kirche zur menschlichen Sexualität verständlich sein und ebenso fest stehen. Verdunstet er aber, dann verdunstet mit ihm auch das Verständnis für das, was Bekehrung, Umkehr, Gnade, Heiligung des Lebens bedeuten. Der Verlust des Beichtsakraments ist dann eine weitere notwendige Folge. Und zugleich damit verschwindet ebenfalls notwendig das Verständnis für die von Gott geschenkte Fähigkeit und Herausforderung, seinem Gebot gemäß Sexualität zu leben und von ihm verwandeln zu lassen. Die Folge ist: Ein von Gottes Präsenz losgelöstes, bloßes „Gesetz der Kirche“ wird dann automatisch wie ein Stachel im Fleisch meiner sexuellen Bedürfnisse betrachtet, das zuerst knechten und nicht befreien will. Der Ruf nach Veränderung wird dann von selbst immer lauter: „Nicht mehr Gott will und kann mich verwandeln, sondern ich will ein ärgerliches Gesetz so gewandelt wissen, dass es mir und meiner Lebensweise nun passt.“ Der Glaube an die Realpräsenz, an die konkrete Vergebung der Sünden und das ernsthafte Ringen um sittliche Qualität des menschlichen Lebens auch in sexueller Hinsicht bilden damit einen unauflöslichen Zusammenhang.

Umgekehrt kann man sagen: Eine beständig vorgetragene Anfrage an die Lehre des kirchlichen Glaubens zur Sexualität ist damit bewusst oder unbewusst zugleich eine Anfrage an die Überzeugung von der verwandelnden Gegenwart Gottes in unserem Leben. Denn wenn er, Gott selbst, und seine Präsenz aus der persönlichen Wahrnehmung und dem kollektiven Gedächtnis der Menschen oder einer Gesellschaft endlich verschwunden ist, dann kann der Mensch gerade in diesem Bereich endlich und erst recht tun, was er will und bleiben, wie er ist.

Das sind meines Erachtens einige geistliche Hintergründe und Zusammenhänge dafür, dass die Wellen des gesellschaftlichen Diskurses über die Sexuallehre der Kirche bei abnehmendem Glauben mit zunehmender Frequenz auf uns zurollen werden. Der kirchliche Stachel im buchstäblichen Fleisch liberalisierter Sexualität will endlich beseitigt werden. Und als Christen werden wir solchen Wellen aus meiner Sicht mit Sicherheit nicht dadurch fruchtbar begegnen können, dass wir der Vielzahl der Bedürfnisse in einer glaubensloser werdenden Welt entgegenkommen und ein paar Lockerungen zulassen. Denn es ist vorhersehbar: Man wird dann mehr nicht ruhen, bis endlich alles gleich-gültig ist. Die hier angesprochenen Themen samt ihren medial vorgetragenen Forderungen wären nur ein Anfang, der dem Zeugnis der Schrift und der Überlieferung zwar schon klar widerspricht. Aber wenn die Tür erst einmal im Namen vermeintlicher Barmherzigkeit geöffnet ist, dann wird wohl kaum ein Thema und am Ende womöglich auch nicht einmal manche sexuelle Perversion im selben Namen ausgespart bleiben. Die Geschichte der Internet-Pornographie und ihrer Ausbreitung dürfte hier ruhig als Lehrstück dienen, aber damit verbunden auch die gesellschaftlich-politische Geschichte sexueller Liberalisierung in vielen Ländern der Welt. Freilich, nicht jede gesellschaftliche Liberalisierung ist schon in sich schlecht, vor allem dann nicht, wenn sie Heucheleien überwindet. Aber umgekehrt gilt noch mehr, dass längst nicht jede Liberalisierung automatisch sinnvoll und gut wäre, nur weil sie liberal ist: „Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe!“, sagt Paulus (Gal 5,13).

8. DIE NÖTIGE UMKEHR SCHEINT HEUTE ALLZU WELTFREMD.

Der stimmigere und notwendigere Weg aus meiner Sicht heißt biblische Bekehrung, also die erneute Hinwendung zum Gott des Lebens, um ihn tiefer im Glauben zu finden und überzeugender zu bekennen, dass Gott in Christus real gegenwärtig ist und bleibt; dass er uns wahrhaftig liebt und unser eigenes, konkretes, oft erbärmliches Leben tatsächlich verwandeln will und kann.

Und um gleich auf die Frage zu antworten, ob das alles nicht ein wenig weltfremd sei? Ja, natürlich, weil es von der Erfahrung ausgeht, dass Gott selbst dieser Welt und womöglich auch vielen Menschen in seiner Kirche ziemlich fremd geworden ist. Nicht von sich, von Gott selbst her, denn er will ja nach dem Zeugnis der Schrift uns nahe sein. Aber von uns Menschen her bedeutet Säkularisierung auch, dass der innere Abstand der Menschen von Gott heute offenbar wieder größer geworden ist. Paulus sieht das genau, die Problemlagen bleiben nämlich von der menschlichen Konstitution her betrachtet, weitgehend konstant: Die Menschen, schreibt Paulus, haben Gott zwar irgendwie „erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.“ (Röm 1,21f) Die Folge: „Darum lieferte Gott sie durch die Begierden ihres Herzens der Unreinheit aus, so dass sie ihren eigenen Leib durch ihr eigenes Tun entehrten.“ Der tatsächliche Hintergrund zur Debatte um die sexuelle Liberalisierung in der Kirche ist also aus meiner Sicht zuerst geistlicher Natur, weshalb dann auch die Antworten auf die angesprochenen Fragen ebenfalls zuerst theologisch-geistlich sein müssen und gerade nicht zuerst nur als pragmatisches Eingehen auf geänderte gesellschaftliche Verhältnisse. Nicht nur die je neue Kultur soll dem Evangelium immer wieder ein neues konkretes Gesicht für diese jeweilige Zeit geben, sondern auch die umgekehrte Bewegung ist nötig: das Evangelium (besser: Christus selbst!) will in die Kultur hinein inkarniert werden, damit die Kultur selbst verändert, verwandelt und erneuert wird.

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Papst Benedikt XVI.: Eucharistie und Ehe

SACRAMENTUM+CARITATIS+The+Sacrament+of+Charity+(Cf

AUSZUG AUS DEM NACHSYNODALEN APOSTOLISCHEN SCHREIBEN

SACRAMENTUM CARITATIS

Die Eucharistie, ein bräutliches Sakrament

27. Die Eucharistie, das Sakrament der Liebe, steht in besonderer Beziehung zur Liebe zwischen Mann und Frau, die in der Ehe vereint sind. Diese Verbindung zu vertiefen, ist eine Notwendigkeit gerade unserer Zeit [83]. Papst Johannes Paul II. hatte mehrmals die Gelegenheit, den bräutlichen Charakter der Eucharistie und ihre besondere Beziehung zum Ehesakrament zu bekräftigen: „Die Eucharistie ist das Sakrament unserer Erlösung. Sie ist das Sakrament des Bräutigams und der Braut.“ [84] Im übrigen trägt „das ganze christliche Leben … die Handschrift der bräutlichen Liebe Christi und der Kirche. Schon die Taufe, der Eintritt in das Volk Gottes, ist ein bräutliches Mysterium; sie ist sozusagen das ,Hochzeitsbad‘, das dem Hochzeitsmahl, der Eucharistie, vorausgeht.“ [85] Die Eucharistie stärkt in unerschöpflicher Weise die unauflösliche Einheit und Liebe jeder christlichen Ehe. In ihr ist die eheliche Bindung kraft des Sakraments innerlich verknüpft mit der eucharistischen Einheit zwischen dem Bräutigam Christus und seiner Braut, der Kirche (vgl. Eph 5,31-32). Der gegenseitige Konsens, den Bräutigam und Braut in Christus einander geben und der ihre Lebens- und Liebesgemeinschaft begründet, hat ebenfalls eine eucharistische Dimension. Tatsächlich ist in der paulinischen Theologie die eheliche Liebe ein sakramentales Zeichen der Liebe Christi zu seiner Kirche – einer Liebe, die ihren Höhepunkt im Kreuz erreicht, das der Ausdruck seiner „Hochzeit“ mit der Menschheit und zugleich der Ursprung und das Zentrum der Eucharistie ist. Darum tut die Kirche all denen, die ihre Familie auf das Sakrament der Ehe gegründet haben, eine besondere geistliche Nähe kund. [86] Die Familie – eine Hauskirche [87] – ist ein vorrangiger Bereich des kirchlichen Lebens, speziell wegen der entscheidenden Rolle in bezug auf die christliche Erziehung der Kinder. [88] In diesem Zusammenhang hat die Synode auch empfohlen, die einzigartige Aufgabe der Frau in der Familie und in der Gesellschaft anzuerkennen – eine Aufgabe, die verteidigt, bewahrt und gefördert werden muß. [89] Ihr Dasein als Ehefrau und Mutter stellt eine unumgängliche Realität dar, die niemals abgewertet werden darf.

Eucharistie und Einzigkeit der Ehe

28. Gerade im Licht dieser inneren Beziehung von Ehe, Familie und Eucharistie kann man einige pastorale Probleme betrachten. Die treue, unauflösliche und ausschließliche Bindung, die Christus und die Kirche miteinander vereint und die ihren sakramentalen Ausdruck in der Eucharistie findet, entspricht einer ursprünglichen anthropologischen Gegebenheit, nach der der Mann sich definitiv an eine einzige Frau binden soll und umgekehrt (vgl. Gen 2,24; Mt 19,5). In diesem gedanklichen Zusammenhang hat sich die Synode auseinandergesetzt mit dem Thema der pastoralen Praxis gegenüber denjenigen, die aus Kulturen stammen, in denen die Polygamie praktiziert wird, und die dann der Verkündigung des Evangeliums begegnen. Solchen Personen muß, wenn sie sich dem christlichen Glauben öffnen, geholfen werden, ihr menschliches Vorhaben in die radikale Neuheit Christi zu integrieren. Während des Katechumenats holt Christus sie in ihrer spezifischen Lage ab und ruft sie im Hinblick auf die vollkommene kirchliche Gemeinschaft über den Weg der notwendigen Verzichte zur vollen Wahrheit der Liebe. Die Kirche begleitet sie mit einer liebevoll-milden und zugleich kompromißlosen Seelsorge, [90] vor allem, indem sie ihnen zeigt, in welchem Licht die christlichen Mysterien die menschliche Natur und die menschlichen Gefühle erstrahlen lassen.

Eucharistie und Unauflöslichkeit der Ehe

29. Wenn die Eucharistie die Unwiderruflichkeit der Liebe Gottes in Christus zu seiner Kirche ausdrückt, wird verständlich, warum sie in Beziehung zum Sakrament der Ehe jene Unauflöslichkeit einschließt, nach der sich jede wahre Liebe unweigerlich sehnt. [91]Darum ist die pastorale Aufmerksamkeit mehr als gerechtfertigt, die die Synode den schmerzlichen Situationen gewidmet hat, in denen sich nicht wenige Gläubige befinden, die sich nach einer sakramentalen Trauung haben scheiden lassen und eine neue Verbindung eingegangen sind. Es handelt sich um ein dornenreiches und kompliziertes pastorales Problem, eine wahre Plage des heutigen sozialen Umfelds, die in zunehmendem Maße auch auf katholische Kreise übergreift. Die Hirten sind aus Liebe zur Wahrheit verpflichtet, die verschiedenen Situationen genau zu unterscheiden, um den betroffenen Gläubigen in angemessener Weise geistlich zu helfen. [92] Die Bischofssynode hat die auf die Heilige Schrift (vgl. Mc 10,2-12) gegründete Praxis der Kirche, wiederverheiratete Geschiedene nicht zu den Sakramenten zuzulassen, bestätigt, weil ihr Status und ihre Lebenslage objektiv jener Liebesvereinigung zwischen Christus und seiner Kirche widersprechen, die in der Eucharistie bedeutet und verwirklicht wird. Die wiederverheirateten Geschiedenen gehören jedoch trotz ihrer Situation weiter zur Kirche, die ihnen mit spezieller Aufmerksamkeit nachgeht, in dem Wunsch, daß sie so weit als möglich einen christlichen Lebensstil pflegen durch die Teilnahme an der heiligen Messe, wenn auch ohne Kommunionempfang, das Hören des Wortes Gottes, die eucharistische Anbetung, das Gebet, die Teilnahme am Gemeindeleben, das vertrauensvolle Gespräch mit einem Priester oder einem geistlichen Führer, hingebungsvoll geübte Nächstenliebe, Werke der Buße und den Einsatz in der Erziehung der Kinder.

Wo berechtigte Zweifel an der Gültigkeit der sakramental geschlossenen Ehe aufkommen, muß das Notwendige unternommen werden, um deren Fundierung zu überprüfen. Sodann ist es nötig, unter voller Beachtung des kanonischen Rechts [93] das Vorhandensein kirchlicher Gerichte im jeweiligen Gebiet sowie ihren pastoralen Charakter und ihr korrektes und schnelles Handeln sicherzustellen. [94] Für eine zügige Arbeitsweise der kirchlichen Gerichte bedarf es in jeder Diözese einer ausreichenden Anzahl entsprechend ausgebildeter Personen. Ich erinnere daran, daß es „eine dringende Pflicht ist, den Gläubigen das institutionelle Wirken der Kirche in den Gerichten immer näher zu bringen.“ [95] Es ist jedoch unbedingt zu vermeiden, daß die pastorale Sorge als Gegenposition zum Recht mißdeutet wird. Man sollte vielmehr von der Voraussetzung ausgehen, daß der grundlegende Berührungspunkt zwischen Recht und Pastoral die Liebe zur Wahrheit ist: Diese ist nämlich niemals abstrakt, sondern „fügt sich in den menschlichen und christlichen Weg jedes Gläubigen ein.“ [96] Wo schließlich die Ehenichtigkeit nicht anerkannt wird und objektive Bedingungen gegeben sind, die das Zusammenleben tatsächlich irreversibel machen, ermutigt die Kirche jene Gläubigen, ihre Beziehung entsprechend den Anforderungen des Gesetzes Gottes als Freunde, wie Bruder und Schwester, zu leben; so können sie – unter Berücksichtigung der bewährten kirchlichen Praxis – wieder am eucharistischen Mahl teilnehmen. Damit ein solcher Weg möglich ist und fruchtbar wird, muß er durch die Hilfe der Seelsorger und durch geeignete kirchliche Initiativen unterstützt werden, wobei in jedem Fall zu vermeiden ist, diese Verbindungen zu segnen, damit unter den Gläubigen keine Verwirrungen in bezug auf den Wert der Ehe aufkommen. [97]

Angesichts der Vielschichtigkeit des kulturellen Umfelds, in der die Kirche in vielen Ländern lebt, hat die Synode zudem empfohlen, in der Vorbereitung der Brautleute und in der vorausgehenden Prüfung ihrer Ansichten über die für die Gültigkeit des Ehesakraments unverzichtbaren Verpflichtungen größte pastorale Sorgfalt walten zu lassen. Durch eine ernsthafte Klärung in diesem Punkt kann vermieden werden, daß emotive Impulse oder oberflächliche Gründe die beiden jungen Leute dazu führen, Verantwortungen zu übernehmen, denen sie dann nicht gerecht werden können. [98] Das Gute, das die Kirche und die ganze Gesellschaft von der Ehe und der auf sie gegründeten Familie erwarten, ist zu groß, um sich in diesem spezifischen pastoralen Bereich nicht bis zum Grunde einzusetzen. Ehe und Familie sind Einrichtungen, die gefördert und gegen jegliches Mißverständnis bezüglich ihrer Grundwahrheit verteidigt werden müssen, denn jeder Schaden, der ihnen zugefügt wird, ist in der Tat eine Verletzung, die dem menschlichen Zusammenleben als solchem beigebracht wird.

 

 [83]Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), 57: AAS 74 (1982), 149-150.

 [84]Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem (15. August 1988), 26: AAS 80 (1988), 1715-1716.

 [86]Vgl. Propositio 8.

 [87]Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, 11.

 [88]Vgl. Propositio 8.

 [89]Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem (15. August 1988): AAS 80 (1988), 1653-1729; Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt (31. Mai 2004): AAS 96 (2004), 671-687.

 [90]Vgl. Propositio 9.

 [92]Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), 84: AAS 74 (1982), 184-186; Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über den Kommunionempfang von wiederverheirateten Geschiedenen Annus Internationalis Familiae (14. September 1994): AAS 86 (1994), 974-979.

 [93]Vgl. Päpstlicher Rat für die Interpretation von Gesetzestexten, Instruktion, die von den diözesanen und interdiözesanen Gerichten bei Ehenichtigkeitsverfahren zu beachten ist Dignitatis connubii (25. Januar 2005), Vatikanstadt 2005.

 [94]Vgl. Propositio 40.

 [96]Vgl. Propositio 40.

 [97]Vgl. Ebd.

 [98]Vgl. Ebd.

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Quelle

Kardinal Müller: „Suizidale Modernisierung“ der Kirche

Früherer Präfekt der Glaubenskongregation äußert sich zu Amoris laetitia, Reformation und dem Vorschlag zur Segnung von Homopaaren.

Bratislava (kath.net) Kardinal Gerhard Müller bedauerte bei einem Vortrag die Trennung von Dogmatik und Morallehre. Er sprach von einer unterwürfigen „Umwandlung der Kirche in eine NGO“ mit dem Ziel der Verbesserung innerweltlicher Lebensbedingungen. Dabei handle es sich allerdings um eine „suizidale Modernisierung“. Dies betrüge die Menschen um die Wahrheit Gottes. Müller präsentierte demgegenüber das Christentum als einen theozentrischen Humanismus. Das berichtete die Würzburger „Tagespost“. Müller äußerte sich anlässlich der Würdigung der Enzyklika Veritatis splendor (VS) von Johannes Paul II. zu ihrem 25. Jahrestag durch die Slowakische Bischofskonferenz und die Comenius-Universität in Bratislava.

Auf Fragen der Hörer zu Amoris laetitia antwortete der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, dass er über die unterschiedlichen Interpretationen durch einige Bischofskonferenzen keineswegs glücklich sei. In dogmatischen Fragen könne es keine Pluralität geben, auch gebe es nur ein Lehramt, Bischofskonferenzen könnten nur pastorale Fragen beantworten, so berichtete die „Tagespost“ weiter. Das achte Kapitel von „Amoris laetitia“ müsse man „orthodox“ verstehen, denn wer in Todsünde lebe, könne die Kommunion nicht empfangen. Der Papst sei dazu da, die Kirche zusammenzuführen. Er selbst habe dem Papst gesagt, wenn Bischofskonferenzen unterschiedliche Interpretationen gäben, käme die Kirche in eine Situation wie vor der Reformation. Übrigens könne man die Spaltung der Kirche in der Reformation nicht feiern.

Außerdem lehnte Kardinal Müller die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare scharf ab, eine solche Segnung durch einen Priester wäre, so Müller nach Angabe der „Tagespost“ wörtlich, „ein Gräuel an heiliger Stätte“.

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Quelle

Full text of Kazakhstan Catholic Bishops statement on Amoris Laetitia

Abp Tomash Peta, Abp Jan Pawel Lenga, and Bishop Athanasius Schneider

Profession of the immutable truths
about sacramental marriage

After the publication of the Apostolic Exhortation “Amoris laetitia” (2016) various bishops issued at local, regional, and national levels applicable norms regarding the sacramental discipline of those faithful, called “divorced and remarried,” who having still a living spouse to whom they are united with a valid sacramental matrimonial bond, have nevertheless begun a stable cohabitation more uxorio with a person who is not their legitimate spouse.

The aforementioned rules provide inter alia that in individual cases the persons, called “divorced and remarried,” may receive the sacrament of Penance and Holy Communion, while continuing to live habitually and intentionally more uxorio with a person who is not their legitimate spouse. These pastoral norms have received approval from various hierarchical authorities. Some of these norms have received approval even from the supreme authority of the Church.

The spread of these ecclesiastically approved pastoral norms has caused a considerable and ever increasing confusion among the faithful and the clergy, a confusion that touches the central manifestations of the life of the Church, such as sacramental marriage with the family, the domestic church, and the sacrament of the Most Holy Eucharist.

According to the doctrine of the Church, only the sacramental matrimonial bond constitutes a domestic church (see Second Vatican Council, Lumen Gentium, 11). The admission of so-called “divorced and remarried” faithful to Holy Communion, which is the highest expression of the unity of Christ the Spouse with His Church, means in practice a way of approving or legitimizing divorce, and in this meaning a kind of introduction of divorce in the life of the Church.

The mentioned pastoral norms are revealed in practice and in time as a means of spreading the “plague of divorce” (an expression used by the Second Vatican Council, see Gaudium et spes, 47). It is a matter of spreading the “plague of divorce” even in the life of the Church, when the Church, instead, because of her unconditional fidelity to the doctrine of Christ, should be a bulwark and an unmistakable sign of contradiction against the plague of divorce which is every day more rampant in civil society.

Unequivocally and without admitting any exception Our Lord and Redeemer Jesus Christ solemnly reaffirmed God’s will regarding the absolute prohibition of divorce. An approval or legitimation of the violation of the sacredness of the marriage bond, even indirectly through the mentioned new sacramental discipline, seriously contradicts God’s express will and His commandment. This practice therefore represents a substantial alteration of the two thousand-year-old sacramental discipline of the Church. Furthermore, a substantially altered discipline will eventually lead to an alteration in the corresponding doctrine.

The constant Magisterium of the Church, beginning with the teachings of the Apostles and of all the Supreme Pontiffs, has preserved and faithfully transmitted both in the doctrine (in theory) and in the sacramental discipline (in practice) in an unequivocal way, without any shadow of doubt and always in the same sense and in the same meaning (eodem sensu eademque sententia), the crystalline teaching of Christ concerning the indissolubility of marriage.

Because of its Divinely established nature, the discipline of the sacraments must never contradict the revealed word of God and the faith of the Church in the absolute indissolubility of a ratified and consummated marriage. “The sacraments not only presuppose faith, but by words and objects they also nourish, strengthen, and express it; that is why they are called “sacraments of faith.” (Second Vatican Council, Sacrosanctum Concilium, 59). “Even the supreme authority in the Church may not change the liturgy arbitrarily, but only in the obedience of faith and with religious respect for the mystery of the liturgy” (Catechism of the Catholic Church, 1125).

The Catholic faith by its nature excludes a formal contradiction between the faith professed on the one hand and the life and practice of the sacraments on the other. In this sense we can also understand the following affirmation of the Magisterium: “This split between the faith which many profess and their daily lives deserves to be counted among the more serious errors of our age.” (Second Vatican Council, Gaudium et Spes, 43) and “Accordingly, the concrete pedagogy of the Church must always remain linked with her doctrine and never be separated from it” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

In view of the vital importance that the doctrine and discipline of marriage and the Eucharist constitute, the Church is obliged to speak with the same voice. The pastoral norms regarding the indissolubility of marriage must not, therefore, be contradicted between one diocese and another, between one country and another. Since the time of the Apostles, the Church has observed this principle as St. Irenaeus of Lyons testifies: “The Church, though spread throughout the world to the ends of the earth, having received the faith from the Apostles and their disciples, preserves this preaching and this faith with care and, as if she inhabits a single house, believes in the same identical way, as if she had only one soul and only one heart, and preaches the truth of the faith, teaches it and transmits it in a unanimous voice, as if she had only one mouth” (Adversus haereses, I, 10, 2). Saint Thomas Aquinas transmits to us the same perennial principle of the life of the Church: “There is one and the same faith of the ancients and the moderns, otherwise there would not be one and the same Church” (Questiones Disputatae de Veritate, q. 14, a. 12c).

The following warning from Pope John Paul II remains current and valid: “The confusion, created in the conscience of many faithful by the differences of opinions and teachings in theology, in preaching, in catechesis, in spiritual direction, about serious and delicate questions of Christian morals, ends up by diminishing the true sense of sin almost to the point of eliminating it” (Apostolic Exhortation Reconciliatio et Paenitenia, 18).

The meaning of the following statements of the Magisterium of the Church is fully applicable to the doctrine and sacramental discipline concerning the indissolubility of a ratified and consummated marriage:

• “For the Church of Christ, watchful guardian that she is, and defender of the dogmas deposited with her, never changes anything, never diminishes anything, never adds anything to them; but with all diligence she treats the ancient doctrines faithfully and wisely, which the faith of the Fathers has transmitted. She strives to investigate and explain them in such a way that the ancient dogmas of heavenly doctrine will be made evident and clear, but will retain their full, integral, and proper nature, and will grow only within their own genus — that is, within the same dogma, in the same sense and the same meaning” (Pius IX, Dogmatic Bull Ineffabilis Deus)

• “With regard to the very substance of truth, the Church has before God and men the sacred duty to announce it, to teach it without any attenuation, as Christ revealed it, and there is no condition of time that can reduce the rigor of this obligation. It binds in conscience every priest who is entrusted with the care of teaching, admonishing, and guiding the faithful” (Pius XII, Discourse to parish priests and Lenten preachers, March 23, 1949).

• “The Church does not historicize, does not relativize to the metamorphoses of profane culture the nature of the Church that is always equal and faithful to itself, as Christ wanted it and authentic tradition perfected it” (Paul VI, Homily from October 28, 1965).

• “Now it is an outstanding manifestation of charity toward souls to omit nothing from the saving doctrine of Christ” (Paul VI, Encyclical Humanae Vitae, 29).

• “Any conjugal difficulties are resolved without ever falsifying and compromising the truth” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

• “The Church is in no way the author or the arbiter of this norm [of the Divine moral law]. In obedience to the truth which is Christ, whose image is reflected in the nature and dignity of the human person, the Church interprets the moral norm and proposes it to all people of good will, without concealing its demands of radicalness and perfection” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

• “The other principle is that of truth and consistency, whereby the church does not agree to call good evil and evil good. Basing herself on these two complementary principles, the church can only invite her children who find themselves in these painful situations to approach the divine mercy by other ways, not however through the sacraments of penance and the eucharist until such time as they have attained the required dispositions” (John Paul II, Apostolic Exhortation Reconciliatio etPaenitentia, 34).

• “The Church’s firmness in defending the universal and unchanging moral norms is not demeaning at all. Its only purpose is to serve man’s true freedom. Because there can be no freedom apart from or in opposition to the truth” (John Paul II, Encyclical Veritatis Splendor, 96).

• “When it is a matter of the moral norms prohibiting intrinsic evil, there are no privileges or exceptions for anyone. It makes no difference whether one is the master of the world or the ‘poorest of the poor’ on the face of the earth. Before the demands of morality, we are all absolutely equal” (emphasis in original) (John Paul II, Encyclical Veritatis Splendor, 96).

• “The obligation of reiterating this impossibility of admission to the Eucharist is required for genuine pastoral care and for an authentic concern for the well-being of these faithful and of the whole Church, as it indicates the conditions necessary for the fullness of that conversion to which all are always invited by the Lord” (Pontifical Council for Legislative Texts, Declaration on the admissibility to the Holy Communion of the divorced and remarried, 24 June 2000, n. 5).

As Catholic bishops, who — according to the teaching of the Second Vatican Council — must defend the unity of faith and the common discipline of the Church, and take care that the light of the full truth should arise for all men (see Lumen Gentium, 23 ) we are forced in conscience to profess in the face of the current rampant confusion the unchanging truth and the equally immutable sacramental discipline regarding the indissolubility of marriage according to the bi-millennial and unaltered teaching of the Magisterium of the Church. In this spirit we reiterate:

• Sexual relationships between people who are not in the bond to one another of a valid marriage — which occurs in the case of the so-called “divorced and remarried” — are always contrary to God’s will and constitute a grave offense against God.

• No circumstance or finality, not even a possible imputability or diminished guilt, can make such sexual relations a positive moral reality and pleasing to God. The same applies to the other negative precepts of the Ten Commandments of God. Since “there exist acts which, per se and in themselves, independently of circumstances, are always seriously wrong by reason of their object” (John Paul II, Apostolic Exhortation Reconciliatio et Paenitentia, 17).

• The Church does not possess the infallible charism of judging the internal state of grace of a member of the faithful (see Council of Trent, session 24, chapter 1). The non-admission to Holy Communion of the so-called “divorced and remarried” does not therefore mean a judgment on their state of grace before God, but a judgment on the visible, public, and objective character of their situation. Because of the visible nature of the sacraments and of the Church herself, the reception of the sacraments necessarily depends on the corresponding visible and objective situation of the faithful.

• It is not morally licit to engage in sexual relations with a person who is not one’s legitimate spouse supposedly to avoid another sin. Since the Word of God teaches us, it is not lawful “to do evil so that good may come” (Romans 3, 8).

• The admission of such persons to Holy Communion may be permitted only when they with the help of God’s grace and a patient and individual pastoral accompaniment make a sincere intention to cease from now on the habit of such sexual relations and to avoid scandal. It is in this way that true discernment and authentic pastoral accompaniment were always expressed in the Church.

• People who have habitual non-marital sexual relations violate their indissoluble sacramental nuptial bond with their life style in relation to their legitimate spouse. For this reason they are not able to participate “in Spirit and in Truth” (see John 4, 23) at the Eucharistic wedding supper of Christ, also taking into account the words of the rite of Holy Communion: “Blessed are the guests at the wedding supper of the Lamb!” (Revelation 19, 9).

• The fulfillment of God’s will, revealed in His Ten Commandments and in His explicit and absolute prohibition of divorce, constitutes the true spiritual good of the people here on earth and will lead them to the true joy of love in the salvation of eternal life.

Being bishops in the pastoral office, who promote the Catholic and Apostolic faith (“cultores catholicae et apostolicae fidei,” see Missale Romanum, Canon Romanus), we are aware of this grave responsibility and our duty before the faithful who await from us a public and unequivocal profession of the truth and the immutable discipline of the Church regarding the indissolubility of marriage. For this reason we are not allowed to be silent.

We affirm therefore in the spirit of St. John the Baptist, of St. John Fisher, of St. Thomas More, of Blessed Laura Vicuña and of numerous known and unknown confessors and martyrs of the indissolubility of marriage:

It is not licit (non licet) to justify, approve, or legitimize either directly or indirectly divorce and a non-conjugal stable sexual relationship through the sacramental discipline of the admission of so-called “divorced and remarried” to Holy Communion, in this case a discipline alien to the entire Tradition of the Catholic and Apostolic faith.

By making this public profession before our conscience and before God who will judge us, we are sincerely convinced that we have provided a service of charity in truth to the Church of our day and to the Supreme Pontiff, Successor of Saint Peter and Vicar of Christ on earth.

31 December 2017, the Feast of the Holy Family, in the year of the centenary of the apparitions of Our Lady at Fatima.

 

+ Tomash Peta, Archbishop Metropolitan of the Archdiocese of Saint Mary in Astana

+ Jan Pawel Lenga, Archbishop-Bishop of Karaganda

+ Athanasius Schneider, Auxiliary Bishop of the Archdiocese of Saint Mary in Astana

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Amoris laetitia: Kasachische Bischofsgruppe widerspricht Papst

Papst Franziskus und eine Familie

Drei Bischöfe in Kasachstan haben der von Papst Franziskus gewünschten Einzelfall-Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion offen widersprochen.

Die Regelung verursache eine „erhebliche und ständig wachsende Verwirrung unter den Gläubigen und dem Klerus“ und verbreite die „’Geißel des Ehebruchs‘ sogar im Leben der Kirche“, heißt es in der Erklärung des russlanddeutschen Weihbischofs Athanasius Schneider in Astana und zweier Erzbischöfe.

Das fünfseitige Schreiben, das als Datum das katholische „Fest der Heiligen Familie“ am 31. Dezember trägt, wendet sich gegen die vom Papst bestätigten Normen der Argentinischen Bischofskonferenz, nach denen zivilrechtlich Wiederverheiratete nach eingehender seelsorglicher Prüfung die Sakramente empfangen dürfen, auch wenn ihre frühere Ehe kirchenrechtlich Bestand hat und sie daher aus katholischer Sicht in schwerer Sünde leben. Franziskus hatte die Orientierungshilfe der argentinischen Bischöfe zu seinem Schreiben „Amoris laetitia“ in das vatikanische Amtsblatt aufgenommen und damit zum Teil der päpstlichen Lehre erklärt.

Weihbischof Schneider begründete seine Initiative mit der von Franziskus geforderten Debattenkultur. „Es kann nicht sein, dass kein Priester und Bischof es wagt, eine vernünftige und begründete Meinung zu äußern“, sagte Schneider auf telefonische Anfrage am Dienstag in Astana. Der Papst müsse „froh sein“ über ein gemeinsames Ringen. In der Kirche sollte eine „Kultur der Freiheit“ herrschen. Schneider, der in offener Nähe zu traditionalistischen Kreisen steht, verwies dafür auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965).

Das Papier mit dem Titel „Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten über die sakramentale Ehe“ wurde außer von Schneider auch von Astanas Erzbischof Tomash Peta und vom ehemaligen Oberhirten der Erzdiözese Karaganda, Jan Pawel Lenga, unterzeichnet. Laut Scheider wurde es über die Nuntiatur auch dem Vatikan zugeleitet.

In Kasachstan bestehen vier katholische Kirchenbezirke mit insgesamt sieben aktiven oder emeritierten Bischöfen. Die drei Diözesen und eine Apostolische Administration zählen nach Vatikanangaben 106.100 Katholiken unter knapp 17,1 Millionen Einwohnern.

(kap – cs)

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