VADEMEKUM FÜR DIE BEICHTVÄTER IN EINIGEN FRAGEN DER EHEMORAL

PÄPSTLICHER RAT FÜR DIE FAMILIE

VADEMEKUM FÜR DIE BEICHTVÄTER IN EINIGEN FRAGEN DER EHEMORAL

VORWORT

Christus setzt durch seine Kirche die Sendung fort, die er vom Vater erhalten hat. Er sendet die Zwölf aus, das Reich Gottes zu verkünden und die Menschen zu Umkehr und Bube, zur Metanoia (vgl. Mk 6,12) zu rufen. Jesus, der Auferstandene, überträgt ihnen seine Gewalt, Sünden zu vergeben: »Empfangt den Heiligen Geist; wem ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie nachgelassen« (Joh 20,22-23). Durch die von ihm gewirkte Ausgießung des Heiligen Geistes setzt die Kirche die Verkündigung des Evangeliums fort, ruft alle Menschen zur Umkehr auf, spendet das Sakrament der Sündenvergebung, durch das der reuige Sünder die Versöhnung mit Gott und mit der Kirche empfängt, so dass sich ihm der Weg des Heils eröffnet.

Der Heilige Vater hat in seinem besonderen pastoralen Gespür dem Päpstlichen Rat für die Familie den Auftrag gegeben, das vorliegende Vademekum als Orientierungshilfe für Beichtväter herauszugeben. Vor dem Hintergrund seiner großen Erfahrung als Priester und Bischof hat er erkannt, wie wichtig sichere und klare Wegweisungen für die Spender des Sakraments der Versöhnung sind, auf die sie dann im Gespräch mit den Menschen zurückgreifen können. Die Fülle der Verlautbarungen des Lehramts der Kirche zu Fragen von Ehe und Familie, insbesondere seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, ist eine gute Grundlage für die Zusammenfassung einiger Fragen der Morallehre über das Eheleben.

Dass sich die Kirche in ihrer Lehre der Anforderungen im Hinblick auf das Sakrament der Buße bewusst ist und unerschütterlich daran festhält, lässt sich nicht leugnen. Trotzdem hat sich bei der Umsetzung dieser Lehre in der pastoralen Praxis ein gewisses Vakuum gebildet. Zwar bildet die von der Kirche vorgelegte Lehre die Grundlage für dieses »Vademekum«. Dennoch ist es nicht unsere Aufgabe, diese einfach zu wiederholen, auch wenn in einigen Abschnitten darauf verwiesen wird. Wir kennen den ganzen Reichtum, den die Enzyklika Humanae vitae und die Enzyklika Veritatis splendor sowie die Apostolischen Schreiben Familiaris consortio und Reconciliatio et paenitentia bieten. Wir wissen auch, dass der Katechismus der Katholischen Kirche eine gute und synthetische Zusammenfassung der Lehre in diesen Fragen bietet.

»Es ist die wesentliche Aufgabe der Kirche, den Menschen im Herzen zu Umkehr und Buße zu führen und ihm das Geschenk der Versöhnung anzubieten […]. Dies ist eine Sendung, die sich nicht in einigen theoretischen Aussagen und in der Verkündigung eines ethischen Ideals erschöpft, welche von keinen wirksamen Kräften begleitet ist. Sie zielt vielmehr darauf ab, sich für eine konkrete Praxis der Buße und Versöhnung in bestimmten Amtshandlungen auszudrücken« (Apostolisches Schreiben Reconciliatio et paenitentia, Nr. 23).

Wir freuen uns, den Priestern dieses Dokument überreichen zu können. Es wurde auf ausdrücklichen Wunsch des Heiligen Vaters und unter kompetenter Mitarbeit von Theologieprofessoren und Bischöfen verfasst.

Wir danken allen, die durch ihren Beitrag die Verwirklichung des Dokuments ermöglicht haben. Unser besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang der Kongregation für die Glaubenslehre und der Apostolischen Pönitentiarie.

EINLEITUNG

1. Ziel des Dokuments

Der Familie, die das II. Vatikanische Konzil als das häusliche Heiligtum der Kirche sowie als die »Grund- und Lebenszelle der Gesellschaft«1 definiert hat, schenkt die Kirche in ihrer pastoralen Tätigkeit besondere Beachtung. »In einem geschichtlichen Augenblick, in dem die Familie Ziel von zahlreichen Kräften ist, die sie zu zerstören oder jedenfalls zu entstellen trachten, ist sich die Kirche bewusst, dass das Wohl der Gesellschaft und ihr eigenes mit dem der Familie eng verbunden ist, und fühlt umso stärker und drängender ihre Sendung, allen den Plan Gottes für Ehe und Familie zu verkünden«.2

In den letzten Jahren hat die Kirche — sowohl in der Verkündigung des Heiligen Vaters als auch durch eine umfangreiche seelsorgerische Initiative von Priestern und Laien — ihre Bemühungen verstärkt, alle Gläubigen zur dankbaren und glaubenserfüllten Betrachtung all jener Gaben anzuleiten, die Gott den Gatten im Sakrament der Ehe zuteil werden lässt. Es ist ihr ein Anliegen, dass die Eheleute in der Lage sind, auf dem Weg wahrer Heiligkeit voranzuschreiten und so in den konkreten Situationen ihres Lebens das Evangelium in authentischer Weise zu bezeugen.

Auf dem Weg zur Heiligkeit in Ehe und Familie sind die Sakramente der Eucharistie und der Versöhnung von grundlegender Bedeutung. Das erste festigt die Verbindung mit Christus, dem Ursprung aller Gnaden und des Lebens, das zweite richtet die eheliche und familiäre Gemeinschaft wieder auf, wenn diese zerstört war, bzw. fördert und vervollkommnet sie,3 allen Bedrohungen und Verletzungen durch die Sünde zum Trotz.

Ein eingehendes Verständnis ihres Weges zur Heiligkeit und die Erfüllung ihrer Sendung seitens der Eheleute baut auf der Bildung ihres Gewissens sowie der tätigen Annahme des Willens Gottes im spezifischen Umfeld ihres Ehelebens auf, d.h. in ihrer ehelichen Gemeinschaft und in ihrem Dienst am Leben. Das Licht des Evangeliums und die sakramentale Gnade bilden die beiden unverzichtbaren Grundlagen für die erhabene Vollkommenheit ehelicher Liebe, welche ihren Ursprung in Gott dem Schöpfer hat: »Diese Liebe hat der Herr durch eine besondere Gabe seiner Gnade und Liebe geheilt, vollendet und erhöht«.4

Für das Annehmen sowohl der Forderungen authentischer Liebe als auch des Planes Gottes im täglichen Leben der Eheleute stellt der Moment, in dem diese das Sakrament der Versöhnung erbitten und empfangen, ein heilbringendes Ereignis von größter Bedeutung dar; es bietet Gelegenheit zur erhellenden Vertiefung des Glaubens und hilft in konkreter Weise, Gottes Plan im eigenen Leben zu verwirklichen.

»Das Sakrament der Buße oder Versöhnung ebnet den Weg zu jedem Menschen selbst dann, wenn er mit schwerer Schuld beladen ist. In diesem Sakrament kann jeder Mensch auf einzigartige Weise das Erbarmen erfahren, das heißt die Liebe, die mächtiger ist als die Sünde«.5

Da das Sakrament der Versöhnung den Priestern zur Spendung anvertraut ist, richtet sich dieses Dokument in besonderer Weise an alle Beichtväter. Es will einige praktische Anweisungen geben, welche die Beichte und Absolution der Gläubigen hinsichtlich der ehelichen Keuschheit zum Gegenstand haben. Zugleich soll dieses vademecum ad praxim confessariorum als konkreter Anhaltspunkt in der Beichtpraxis der Eheleute dienen, damit diese immer größeren Nutzen aus dem Sakrament der Versöhnung ziehen und so ihre Berufung zu einer verantwortlichen Vater- bzw. Mutterschaft in Einklang mit den göttlichen Gesetzen leben können, wie sie die Kirche kraft ihrer Autorität lehrt. Nicht zuletzt soll es all jenen förderlich sein, die sich auf den Empfang des Ehesakraments vorbereiten.

Die Problematik der verantwortlichen Zeugung von Nachkommenschaft stellt innerhalb der katholischen Morallehre über das Eheleben einen Themenbereich dar, dessen Behandlung einer besonderen Feinfühligkeit bedarf; dies umso mehr im Zusammenhang mit der Spendung des Sakraments der Versöhnung, in dem die kirchliche Lehre den konkreten Umständen und dem geistlichen Wachstum der einzelnen Gläubigen gegenübergestellt wird. Es ergibt sich folglich die Notwendigkeit, einige unverzichtbare Lehraussagen in Erinnerung zu rufen, die es ermöglichen, sich auf eine den pastoralen Anforderungen entsprechende Weise mit den neuen Arten der Empfängnisverhütung und der zunehmenden Bedrohung durch dieses Phänomen auseinanderzusetzen.6 Das vorliegende Dokument will nicht die vollständige Lehre der Enzyklika Humanae vitae, des Apostolischen Schreibens Familiaris consortio und der anderen Aussagen des päpstlichen Lehramtes wiedergeben, sondern lediglich einige Anregungen und Orientierungshilfen bieten; diese sollen einerseits dem geistlichen Wohl der Beichtenden dienen, andererseits sollen sie dazu beitragen, mögliche Unstimmigkeiten und Unsicherheiten in der Praxis der Beichtväter zu überwinden.

2. Die eheliche Keuschheit in der Lehre der Kirche

Die christliche Tradition hat stets entgegen zahlreichen Häresien, die bereits in der Frühzeit der Kirche auftraten, den Wert der ehelichen Vereinigung und der Familie verteidigt. Von Gott in der Schöpfung selbst gewollt, von Christus zu ihrem eigentlichen Ursprung zurückgeführt und zur Würde eines Sakraments erhoben, ist die Ehe eine innige Gemeinschaft der Liebe und des Lebens zwischen den Eheleuten, welche von Natur aus auf das Ehegut der Kinder ausgerichtet ist, die Gott ihnen anvertrauen will. Ihrer Natur entsprechend, ist die einmal eingegangene Bindung, sowohl wegen des Wohls der Gatten und Kinder als auch wegen des Wohls der Gesellschaft, nicht mehr von menschlichem Gutdünken abhängig.7

Die Tugend der ehelichen Keuschheit »wahrt zugleich die Unversehrtheit der Person und die Ganzheit der Hingabe«,8 und in ihr wird die Geschlechtlichkeit »persönlich und wahrhaft menschlich, wenn sie in die Beziehung von Person zu Person, in die vollständige und zeitlich unbegrenzte wechselseitige Hingabe von Mann und Frau eingegliedert ist«.9 Insofern diese Tugend die intimen Beziehungen der Ehegatten betrifft, verlangt sie, dass diese »sowohl den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe wahren«.10 Es ist daher angezeigt, in Erinnerung zu rufen, dass eines der sittlichen Grundprinzipien des Ehelebens »in der von Gott bestimmten unlösbaren Verknüpfung der beiden Sinngehalte — liebende Vereinigung und Fortpflanzung —, die beide dem ehelichen Akt innewohnen und welche der Mensch nicht eigenmächtig auflösen darf«,11 besteht.

Die Päpste dieses Jahrhunderts haben zahlreiche Dokumente veröffentlicht, in denen sie die Grundwahrheiten der Morallehre über die eheliche Keuschheit in Erinnerung rufen. Unter diesen verdienen die Enzyklika Casti connubii (1930) von Pius XI.12, zahlreiche Ansprachen von Pius XII.13, die Enzyklika Humanae vitae (1968) von Paul VI.14 sowie das Apostolische Schreiben Familiaris consortio15 (1981), der Brief an die Familien Gratissimam sane16 (1994) und die Enzyklika Evangelium vitae (1995) von Johannes Paul II. besondere Erwähnung. Weiterhin sind die Pastoralkonstitution Gaudium et spes17 (1965) und der Katechismus der Katholischen Kirche18 (1992) anzuführen. Hinzu kommen die in Einklang mit den genannten Lehraussagen stehenden Schreiben der Bischofskonferenzen sowie jene von Hirten und Theologen, welche zu einem eingehenderen Verständnis der Thematik beitragen. Nicht zuletzt sei auch das Beispiel zahlreicher Ehepaare genannt, deren Bestreben, in christlicher Weise ihre menschliche Liebe zu leben, einen Beitrag von höchster Wirksamkeit zur Neuevangelisierung der Familien darstellt.

3. Die Ehegüter und die Selbsthingabe der Gatten

Im Sakrament der Ehe empfangen die Eheleute von Christus dem Erlöser das Geschenk jener Gnade, welche die Gemeinschaft treuer und fruchtbarer Liebe festigt und veredelt. Die Heiligkeit, zu der sie berufen sind, ist vor allem ein Gnadengeschenk.

All jene Personen, welche zum Eheleben berufen sind, verwirklichen ihre Berufung zur Liebe19 in der vollständigen Hingabe ihrer selbst, welche in der Sprache des Körpers ihren entsprechenden Ausdruck findet.20 Die spezifische Frucht der gegenseitigen Hingabe der Gatten ist die Weitergabe des Lebens an die Kinder, die Zeichen und Krönung der ehelichen Liebe sind.21

Da die Empfängnisverhütung in direktem Gegensatz zur Weitergabe des Lebens steht, verrät und verfälscht sie die hingebende Liebe, die der ehelichen Vereinigung zu eigen ist: »sie manipuliert den Charakter der Ganzhingabe«22 und widerspricht dem Plan der Liebe Gottes, an dem die Ehegatten teilhaben.

VADEMEKUM FÜR DIE BEICHTVÄTER

Das vorliegende Vademekum besteht aus einer Reihe von Aussagen, derer sich die Beichtväter bei der Spendung der Sakraments der Versöhnung bewusst sein müssen, um in verstärktem Maße die Eheleute in deren Bemühen unterstützen zu können, auf christliche Weise ihre Berufung zur Vater- bzw. Mutterschaft zu leben, entsprechend ihren persönlichen und sozialen Umständen.

1. Die Heiligkeit in der Ehe

1. Alle Christen müssen in geeigneter Weise über ihre Berufung zur Heiligkeit unterrichtet werden. Die Einladung zur Nachfolge Christi schließt niemanden aus; alle Gläubigen sind angehalten, nach der Fülle des christlichen Lebens und der Vollkommenheit der Liebe in ihrem eigenen Stand zu streben.23

2. Die Liebe ist die Seele der Heiligkeit. Aufgrund der ihr eigenen Natur — als in die Herzen der Menschen eingegossene Gabe des Heiligen Geistes — umfasst die göttliche Liebe die menschliche und erhebt sie, so dass diese zur vollkommenen Selbsthingabe befähigt wird. Die Liebe hilft bei der Annahme von Verzicht, erleichtert das Voranschreiten im geistlichen Kampf und vermehrt die Freude an der Selbsthingabe.24

3. Es ist dem Menschen nicht möglich, allein aus eigener Kraft die vollkommene Hingabe seiner selbst zu verwirklichen. Die Befähigung dazu erhält er kraft der Gnade des Heiligen Geistes. Es ist Christus, der die Ehe in ihrer ursprünglichen Wahrheit offenbart und den Menschen, indem er ihn von seinem verhärteten Herzen befreit, dazu befähigt, sie in vollkommener Weise zu leben.25

4. Auf dem Weg zur Heiligkeit macht der Christ sowohl die Erfahrung menschlicher Schwäche als auch die der Güte und Barmherzigkeit des Herrn. Das ausschlaggebende Moment in der Übung der christlichen Tugenden — und folglich auch der ehelichen Keuschheit — liegt daher im gläubigen Gewahrwerden der Barmherzigkeit Gottes und in der demütigen Reue, welche die Vergebung Gottes annimmt.26

5. Die Ehegatten verwirklichen die vollkommene Hingabe ihrer selbst im ehelichen Zusammenleben und in der ehelichen Vereinigung, welche im Fall von Christen aus der Gnade des Sakraments ihr eigentliches Leben schöpfen. Die ihnen eigentümliche Vereinigung und die Weitergabe der Lebens gehören zu den wesenhaften Aufgaben ihrer Heiligung in der Ehe.27

2. Die Lehre der Kirche über die verantwortliche Elternschaft

1. Die Eheleute sind über den unschätzbaren Wert des menschlichen Lebens zu unterrichten, und es gilt, sie in dem Bestreben zu fördern, die eigene Familie zu einem Heiligtum des Lebens zu machen:28 »In der menschlichen Elternschaft ist Gott selber in einer anderen Weise gegenwärtig als bei jeder anderen Zeugung »auf Erden««.29

2. Die Eltern mögen ihre Berufung als Ehre und verantwortungsvolle Aufgabe betrachten, da sie zu Mitarbeitern Gottes werden, welcher einen neuen Menschen ins Leben ruft, der nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, in Christus erlöst und zu einem Leben in der ewigen Seligkeit bestimmt ist.30 »Auf dieser ihrer Rolle von Mitarbeitern Gottes, der sein Bild auf das neue Geschöpf überträgt, beruht gerade die Größe der Eheleute, die bereit sind ‚zur Mitwirkung der Liebe des Schöpfers und Erlösers, der durch sie seine eigene Familie immer mehr vergrößert und bereichert’«.31

3. Auf diesen Tatsachen gründen sich die Freude und die Ehrfurcht, welche die Christen vor der Vater- bzw. Mutterschaft empfinden. Wenn diese Elternschaft in den jüngsten kirchlichen Dokumenten als »verantwortliche« bezeichnet wird, so dient dies dem Zweck, das Bewusstsein und die Hochherzigkeit der Eheleute hinsichtlich ihres Auftrags zur Weitergabe des Lebens, das in sich einen ewigen Wert birgt, hervorzuheben und ihre Rolle als Erzieher zu betonen. Zweifelsohne fällt es unter die Verantwortung der Ehegatten — welche sich freilich entsprechend beraten lassen mögen —, in besonnener Weise und im Geiste des Glaubens die Größe ihrer Familie zu erwägen und unter Berücksichtigung der moralischen Richtlinien für das Eheleben entsprechende konkrete Entscheidungen zu treffen.32

4. Die Kirche hat stets gelehrt, dass die Empfängnisverhütung, das heißt jeder vorsätzlich unfruchtbar gemachte Akt, eine in sich sündhafte Handlung ist. Diese Lehre ist als definitiv und unabänderlich anzusehen. Die Empfängnisverhütung stellt einen schwerwiegenden Widerspruch zur ehelichen Keuschheit dar; sie ist sowohl der Weitergabe des Lebens (Aspekt der ehelichen Fortpflanzung) als auch der gegenseitigen Hingabe der Gatten (Aspekt der ehelichen Vereinigung) entgegengesetzt; sie verletzt die wahre Liebe und verneint die Souveränität Gottes über die Weitergabe des menschlichen Lebens.33

5. Eine spezifische und moralisch schwerwiegendere Sünde besteht bei Verwendung von Mitteln mit abtreibender Wirkung, sei es dass diese die Einpflanzung des neu gezeugten Embryos verhindern, sei es dass sie dessen frühzeitige Abstoßung bewirken.34

6. Dagegen unterscheidet sich dem Wesen nach von allen empfängnisverhütenden Praktiken — sowohl aus anthropologischer als auch aus moralischer Sicht, da es auf einer anderen Auffassung von Person und Sexualität beruht — das Verhalten jener Ehegatten, die vor dem Hintergrund einer fundamentalen und ständigen Offenheit für das Geschenk des Lebens nur während der unfruchtbaren Perioden miteinander verkehren, wenn sie aus gewichtigen Gründen der verantwortlichen Elternschaft dazu veranlasst werden.35

Das Zeugnis all jener Ehepaare, die seit vielen Jahren in Einklang mit der schöpferischen Absicht Gottes leben und in legitimer Weise im Falle des Vorliegens entsprechend gewichtiger Gründe die sogenannten »natürlichen« Methoden anwenden, bestätigt, dass Eheleute vollständig, in gegenseitiger Übereinstimmung und mit ganzer Hingabe den Anforderungen des Ehelebens und der ehelichen Keuschheit gemäß leben können.

3. Pastorale Orientierungshilfen der Beichtväter

1. Was das Verhalten gegenüber Pönitenten bezüglich der verantwortlichen Elternschaft anlangt, so hat der Beichtvater vier Aspekte zu berücksichtigen: a) das Vorbild des Herrn, der fähig ist, »sich über jeden verlorenen Sohn zu beugen, über jedes menschliche Elend, vor allem über das moralische Elend: die Sünde«;36 b) Umsicht und Klugheit beim Stellen von Fragen, die derartige Sünden betreffen; c) Hilfe und Ermutigung dem Beichtenden gegenüber, damit dieser zu hinlänglicher Reue gelangt und seine schweren Sünden vollständig bekennt; d) die geeigneten Ratschläge, welche alle Menschen schrittweise auf dem Weg der Heiligkeit vorankommen lassen.

2. Der Spender des Sakraments der Vergebung sei sich stets bewusst, dass die Beichte für Männer und Frauen eingesetzt wurde, die Sünder sind. Sofern kein offensichtlicher Beweis für das Gegenteil vorliegt, wird er daher die Sünder, die den Beichtstuhl betreten, in der Annahme empfangen, daß sie guten Willens sind, sich mit dem barmherzigen Gott auszusöhnen. Dieser gute Wille geht, wenn auch in unterschiedlichen Graden, aus einem reuigen und demütigen Herzen (Ps 51[50],19) hervor.37

3. Wenn ein Pönitent das Sakrament empfangen will, der seit langer Zeit nicht mehr gebeichtet hat und eine generell schwerwiegende Situation erkennen läßt, ist es angezeigt, bevor man direkte und konkrete Fragen bezüglich der verantwortlichen Zeugung von Nachkommenschaft sowie der Keuschheit im allgemeinen stellt, ihm dahingehend zu helfen, dass er diese Gebote aus der Sicht des Glaubens verstehen kann. Es wird daher nötig sein, falls das Bekenntnis der Sünden zu knapp oder mechanisch gewesen ist, den Beichtenden dabei zu unterstützen, sein ganzes Leben im Angesicht Gottes neu zu sehen; es wird weiterhin nötig sein, mittels allgemeiner Fragen über die verschiedenen Tugenden und Verpflichtungen entsprechend den persönlichen Umständen des Betroffenen38 ausdrücklich die Berufung zur Heiligkeit der Liebe und die Bedeutung der Pflichten hinsichtlich der Zeugung und der Erziehung von Kindern zu erwähnen.

4. Wenn seinerseits der Pönitent Fragen stellt oder nach Klärung konkreter Punkte — sei es auch nur implizit — verlangt, muss der Beichtvater in entsprechender Weise antworten, jedoch stets mit Klugheit und Diskretion,39 und ohne falsche Meinungen gutzuheißen.

5. Hinsichtlich der objektiv schweren Sünden ist der Beichtvater gehalten, die Beichtenden zu ermahnen und darauf hinzuwirken, dass sie beim Verlangen nach Lossprechung und Vergebung seitens des Herrn den Vorsatz fassen, ihr Verhalten zu überdenken und zu korrigieren. Die Rückfälligkeit in die Sünden der Empfängnisverhütung ist an sich kein Grund, die Absolution zu verweigern; diese kann jedoch nicht erteilt werden, wenn es an ausreichender Reue oder am Vorsatz, nicht erneut zu sündigen, fehlt.40

6. Ein Pönitent, der regelmäßig bei demselben Priester beichtet, erwartet oft mehr als die bloße Lossprechung. In diesem Fall soll sich der Beichtvater darum bemühen, dem Pönitenten Orientierungshilfen zu geben, um ihn in seinem Bemühen zu unterstützen, in allen christlichen Tugenden und folglich auch in der Heiligung des Ehelebens voranzuschreiten. Diese Aufgabe wird dort umso leichter gelingen, wo ein Verhältnis echter geistlicher Leitung besteht, wenn sie auch nicht ausdrücklich als solche bezeichnet wird.41

7. Das Sakrament der Vergebung verlangt seitens des Pönitenten aufrichtige Reue, das formal vollständige Bekenntnis aller Todsünden und den Vorsatz, mit der Hilfe Gottes nicht mehr in die Sünde zurückzufallen. Im allgemeinen besteht keine Notwendigkeit, dass der Beichtvater eingehendere Fragen bezüglich all jener Sünden stellt, die aufgrund von unüberwindlicher Unkenntnis ihrer moralischen Sündhaftigkeit oder aufgrund eines schuldfreien Fehlurteils begangen worden sind. Obwohl allerdings derartige Sünden moralisch nicht anrechenbar sind, so stellen sie doch ein Übel und eine Unordnung dar. Das gilt auch für die objektive moralische Sündhaftigkeit der Empfängnisverhütung: diese führt in das Eheleben der Gatten eine schlechte Gewohnheit ein. Es ist daher nötig, sich auf möglichst geeignete Weise dafür einzusetzen, das moralische Gewissen von diesen Irrtümern42 zu befreien, die im Widerspruch zur Natur der Ganzhingabe des Ehelebens stehen.

Wiewohl man sich der Tatsache bewusst sein muss, dass die Gewissensbildung vor allem in der Katechese — sei es in der allgemeinen, sei es in der speziell für Eheleute bestimmten — ihren Platz hat, so besteht doch immer die Notwendigkeit, die Eheleute auch im Sakrament der Versöhnung anzuleiten, sich in Bezug auf die spezifischen Pflichten des Ehelebens zu prüfen. Falls sich der Beichtvater verpflichtet sieht, den Pönitenten zu befragen, so möge er dies mit Diskretion und Respekt tun.

8. Zweifelsohne ist auch in Bezug auf die eheliche Keuschheit jenes Prinzip immer als gültig anzusehen, demzufolge es vorzuziehen ist, den Pönitenten in gutem Glauben zu belassen, falls ein auf subjektiv unüberwindliche Unwissenheit zurückzuführender Irrtum vorliegt, und es abzusehen ist, dass der Pönitent, wenngleich unterwiesen, ein Leben des Glaubens zu führen, sein Verhalten nicht ändern würde, sondern vielmehr auch in formaler Hinsicht sündigen würde. Jedoch hat auch in solchen Fällen der Beichtvater sich darum zu bemühen, die Beichtenden immer mehr dahingehend zu fördern, dass sie in ihrem Leben den Plan Gottes annehmen, auch was die Forderungen der ehelichen Keuschheit angeht. Zu diesem Zweck kann der Beichtvater dem Pönitenten das Gebet empfehlen, ihn zur Gewissensbildung auffordern oder ihm eine gründlichere Kenntnis der kirchlichen Lehre anraten.

9. Das »Gesetz der Gradualität« darf in der pastoralen Tätigkeit nicht mit einer »Gradualität des Gesetzes« verwechselt werden, welche darauf aus ist, dessen Anforderungen zu mindern. Es besteht vielmehr in der Forderung nach einer entschiedenen Abwendung von der Sünde und einem stetigen Voranschreiten in Richtung auf die vollständige Vereinigung mit dem Willen Gottes und dessen liebenswerten Geboten.43

10. Dagegen ist es unzulässig, die eigene Schwäche zum Kriterium für die sittliche Wahrheit zu machen. Seit der ersten Verkündigung des Wortes Jesu ist sich der Christ des »Missverhältnisses« zwischen dem Moralgesetz — dem natürlichen wie dem des Evangeliums — und der menschlichen Fähigkeit bewusst. Zugleich begreift er, dass der notwendige und sichere Weg, die Pforten der göttlichen Barmherzigkeit zu öffnen, über die Erkenntnis der eigenen Schwäche führt.44

11. Dem Büßer, der nach einem schweren Verstoß gegen die eheliche Keuschheit Reue zeigt und ungeachtet der Rückfälle gewillt ist, in Zukunft gegen die Sünde zu kämpfen, werde die sakramentale Lossprechung nicht verweigert. Der Beichtvater soll es vermeiden, mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes oder in die Bereitwilligkeit des Pönitenten zu bekunden, und wird es daher unterlassen, absolute Garantien über das zukünftige untadelige Verhalten45 zu fordern, zumal diese nicht menschenmöglich sind; dies entspricht der anerkannten Lehre und der von den heiligen Kirchenlehrern und Beichtvätern gepflogenen Praxis bei habituellen Sündern.

12. Lässt der Pönitent die Bereitschaft erkennen, die Sittenlehre der Kirche anzunehmen — besonders dann, wenn er regelmäßig das Bußsakrament empfängt und Vertrauen in dessen geistliche Hilfe zeigt —, so ist es von Nutzen, in ihm das Vertrauen in die Vorsehung zu wecken und ihm dabei zu helfen, sich in ehrlicher Weise vor Gottes Angesicht zu prüfen. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich, sowohl die Gründe für das Einschränken der Vater- bzw. Mutterschaft als auch die Zulässigkeit der zur Familienplanung verwendeten Mittel zu überprüfen.

13. Eine besondere Schwierigkeit ergibt sich bei Fällen von Beihilfe zur Sünde des Ehegatten, wenn jener willentlich die Unfruchtbarkeit der ehelichen Vereinigung herbeiführt. Hier gilt es zunächst, zwischen Beihilfe im eigentlichen Sinn und Gewaltanwendung bzw. ungerechter Nötigung zu unterscheiden, denen sich der andere Ehepartner faktisch nicht widersetzen kann.46, 561).] Eine derartige Beihilfe kann zulässig sein, wenn die drei folgenden Bedingungen zugleich gegeben sind:

  1. Das Tun des Beihilfe leistenden Gatten darf nicht an sich moralisch unerlaubt sein.47
  2. Es müssen entsprechend schwerwiegende Gründe für die Beihilfe zur Sünde des Gatten vorliegen.
  3. Es muss das Bestreben vorhanden sein, dem Gatten dahingehend zu helfen, dass er von seinem Verhalten ablässt (auf geduldige Weise, mittels des Gebets, der Liebe und des Gesprächs; nicht notwendigerweise im Moment der Tat selbst und auch nicht bei jedem Anlass).

14. Eine derartige Beihilfe ist nicht gestattet, wenn Mittel mit abtreibender Wirkung zur Anwendung gelangen. Darüber hinaus ist die Mitwirkung zum Bösen entsprechend zu beurteilen, wenn Mittel verwendet werden, die eine mögliche abtreibende Wirkung haben.48

15. Die christlichen Eheleute sind Zeugen der Liebe Gottes in der Welt. Sie müssen daher Dank des Glaubens auch entgegen der Erfahrung menschlicher Schwäche davon überzeugt sein, dass es mit Hilfe der Gnade Gottes möglich ist, den Willen des Herrn im Eheleben zu befolgen. Die häufige und beständige Zuflucht zum Gebet, zur Eucharistie und zur Beichte sind für das Erlangen der Selbstbeherrschung unabdingbar.49

16. Von den Priestern wird erwartet, dass sie — in vollständiger Treue zum Lehramt der Kirche — in der Katechese und in der Ehevorbereitung sowohl bei der Unterweisung als auch bei der Spendung des Sakraments der Versöhnung, einheitliche Kriterien über die moralische Sündhaftigkeit der Empfängnisverhütung zur Anwendung bringen.

Die Bischöfe mögen diesbezüglich besondere Sorge walten lassen; nicht selten erregt ein derartiger Mangel an Einheit in der Katechese und bei der Spendung des Sakraments der Versöhnung bei den Gläubigen Anstoß.50

17. Eine solche Pastoral der Beichte ist dann umso wirkungsvoller, wenn sie mit einer beständigen und flächendeckenden Katechese einhergeht, welche die christliche Berufung zur ehelichen Liebe und deren Dimensionen von Freude und Anforderung, Gnade und persönlicher Verpflichtung zum Thema hat;51 und wenn geeignete Berater und Zentren zur Verfügung stehen, die der Beichtvater dem Pönitenten zur korrekten Information über die natürlichen Methoden empfehlen kann.

18. Um die praktische Anwendung der sittlichen Gebote hinsichtlich der verantwortlichen Elternschaft zu ermöglichen, muss die unschätzbare Tätigkeit der Beichtväter durch die Katechese vervollständigt werden. Dazu gehört eine gründliche Aufklärung über die Schwere der Sünde der Abtreibung.52

19. Was die Lossprechung von der Sünde der Abtreibung betrifft, so besteht immer die Verpflichtung zur Berücksichtigung der kanonischen Richtlinien. Im Falle aufrichtiger Reue und wenn es schwierig sein sollte, den Pönitenten an die zuständige Autorität zu verweisen, der die Aufhebung der Zensur vorbehalten ist, kann jeder Beichtvater gemäß Can. 1357 die Absolution erteilen, eine entsprechende Buße auferlegen und den Pönitenten auf die Rekurspflicht hinweisen, eventuell verbunden mit dem Angebot, dieser selbst nachzukommen bzw. den Rekurs weiterzuleiten.53

SCHLUSSBEMERKUNG

Die Kirche sieht es gerade in der Welt von heute als eine ihrer vorrangigen Aufgaben an, das Geheimnis der Barmherzigkeit, welches sich am deutlichsten in der Person Jesu Christi offenbart hat, zu verkünden und in das Leben des einzelnen zu integrieren.54

Der Ort schlechthin für diese Verkündigung und die Erfüllung der Barmherzigkeit ist die Feier des Sakraments der Vergebung.

Gerade dieses erste Jahr des Trienniums zur Vorbereitung auf das Dritte Jahrtausend, das Jesus Christus, dem alleinigen Retter der Welt, gestern, heute und in Ewigkeit (vgl. Hebr 13,8) gewidmet ist, kann eine großartige Gelegenheit für die pastorale Eingliederung dieser Lehre in die heutige Zeit und deren katechetische Vertiefung in den Diözesen sowie speziell an den Wallfahrtsorten bieten, wo sich viele Pilger versammeln, und wo das Sakrament der Versöhnung wegen der zahlreich vorhandenen Beichtväter in besonders reichem Maße gespendet wird.

Die Priester seien stets vollständig für diesen Dienst verfügbar, von dem sowohl die ewige Seligkeit der Ehegatten als auch zum großen Teil ihr Glück im jetzigen Leben abhängt; mögen die Priester ihnen wahrhaft lebendige Zeugen der Barmherzigkeit des Vaters sein!

Vatikanstadt, den 12. Februar 1997.

Alfonso Kardinal López Trujillo
Präsident des Päpstlichen Rates
für die Familie

+ Francisco Gil Hellín
Sekretär


(1) 3 II. Vat. Konzil, Dekret über das Apostolat der Laien Apostolicam actuositatem, 18. November 1965, Nr. 11.

(2) Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 3.

(3) Vgl. Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 58.

(4) II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 7. Dezember 1965, Nr. 49.

(5) Johannes Paul II., Enz. Dives in misericordia, 30. November 1980, Nr. 13.

(6) Man bedenke die abtreibende Wirkung einiger neuer pharmakologischer Präparate. Vgl. Johannes Paul II., Enz. Evangelium vitae, 25. März 1995, Nr. 13.

(7) Vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 7. Dezember 1965, Nr. 48.

(8) Katechismus der Katholischen Kirche, 11. Oktober 1992, Nr. 2337.

(9)  Ibid.

(10) II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 7. Dezember 1965, Nr. 51.

(11) Paul VI., Enz. Humanae vitae, 25. Juli 1968, Nr. 12.

(12) Pius XI., Enz. Casti connubii, 31. Dezember 1930.

(13) Pius XII., Ansprache vor dem Kongress der Union Katholischer Hebammen Italiens, 2. Oktober 1951; Ansprache vor der Front der Familie und den Vereinigungen kinderreicher Familien, 27. November 1951.

(14) Paul VI., Enz. Humanae vitae, 25. Juli 1968.

(15) 3 Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981.

(16) 3 Johannes Paul II., Brief an die Familien Gratissimam sane, 2. Februar 1994.

(17) 3 II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 7. Dezember 1965.

(18) 3 Katechismus der Katholischen Kirche, 11. Oktober 1992.

(19) 3 Vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 7. Dezember 1965, Nr. 24.

(20) Vgl. Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 32.

(21) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2378; vgl. Johannes Paul II., Brief an die Familien Gratissimam sane, 2. Februar 1994, Nr. 11.

(22) 3 Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 32.

(23) »In den verschiedenen Verhältnissen und Aufgaben des Lebens wird die eine Heiligkeit von allen entfaltet, die sich vom Geist Gottes leiten lassen und, der Stimme des Vaters gehorsam, Gott den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten und dem armen, demütigen, das Kreuz tragenden Christus folgen und so der Teilnahme an seiner Herrlichkeit würdig werden. Jeder aber muss nach seinen eigenen Gaben und Gnaden auf dem Weg eines lebendigen Glaubens, der die Hoffnung weckt und durch Liebe wirksam ist, entschlossen vorangehen« (II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, 21. November 1964, Nr. 41).

(24) »Die Liebe ist die Seele der Heiligkeit, zu der alle berufen sind«. (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 826). »Die Liebe sorgt dafür, dass sich der Mensch durch die aufrichtige Selbsthingabe verwirklicht: lieben heißt, alles geben und empfangen, was man weder kaufen noch verkaufen, sondern sich nur aus freien Stücken gegenseitig schenken kann« (Johannes Paul II., Brief an die Familien Gratissimam sane, 2. Februar 1994, Nr. 11).

(25) Vgl. Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 13. »Die Befolgung des Gesetzes Gottes kann in bestimmten Situationen schwer, sehr schwer sein: niemals jedoch ist sie unmöglich. Dies ist eine beständige Lehre der Tradition der Kirche« (Johannes Paul II., Enz. Veritatis Splendor, 6. August 1993, Nr. 102).

»Es wäre ein sehr schwerwiegender Irrtum, anzunehmen,… dass die von der Kirche gelehrte Norm an sich nur ein »Ideal« sei, welches in einem zweiten Schritt angepasst und in entsprechender Weise auf die — wie man sagt — konkreten Möglichkeiten des Menschen abgestimmt werden muss, und zwar gemäß einer »Abwägung der verschiedenen betroffenen Güter«. Aber worin bestehen die »konkreten Möglichkeiten des Menschen«? Und von welchem Menschen ist die Rede? Vom Menschen, der von der Begehrlichkeit beherrscht wird, oder vom Menschen, der von Christus erlöst worden ist? Denn darum geht es letztlich: um die Wirklichkeit der Erlösung in Christus. Christus hat uns erlöst! Das heißt: er hat uns die Möglichkeit geschenkt, die vollständige Wahrheit unseres Seins zu verwirklichen; er hat unsere Freiheit von der Beherrschung durch die Begehrlichkeit befreit. Und wenn auch der erlöste Mensch noch sündigt, so nicht, weil die Erlösung durch Christus unvollständig wäre, sondern weil der Wille des Menschen sich jener Gnade entzieht, die aus dieser Erlösungstat hervorgeht. Das Gebot Gottes ist ohne jeden Zweifel der Fähigkeit des Menschen angemessen: jedoch der Fähigkeit jenes Menschen, dem der Heilige Geist geschenkt ist; jenes Menschen, der auch nach dem Fall in die Sünde stets Vergebung erlangen und sich der Gegenwart des Heiligen Geistes erfreuen kann« (Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer eines Kurses über verantwortliche Elternschaft, 1. März 1984).

(26) »Die eigene Sünde anerkennen, ja — wenn man bei der Betrachtung der eigenen Person noch tiefer vordringt — sich selbst als Sünder bekennen, zur Sünde fähig und zur Sünde neigend, das ist der unerlässliche Anfang einer Rückkehr zu Gott. (…) Versöhnung mit Gott setzt in der Tat voraus und schließt ein, sich klar und eindeutig von der Sünde zu trennen, die man begangen hat. Sie setzt also voraus und umfasst das Buße tun im vollen Sinn des Wortes: bereuen, die Reue sichtbar machen, das konkrete Verhalten eines Büßers annehmen, der sich auf den Rückweg zum Vater begibt. (…) In der konkreten Verfasstheit des Sünders, in der es keine Umkehr ohne die Erkenntnis der eigenen Sünde geben kann, stellt der kirchliche Dienst der Versöhnung immer wieder eine Hilfe zur Verfügung, die deutlich auf Bube ausgerichtet ist, das heißt den Menschen zur »Selbsterkenntnis« bringen will« (Joannes Paul II., Nachsynodales Ap. Schreiben Reconciliatio et paenitentia, 2. Dezember 1984, Nr. 13).

„Wenn wir erkennen, dass die Liebe, die Gott zu uns hat, vor unserer Sünde nicht haltmacht, vor unseren Beleidigungen nicht zurückweicht, sondern an Sorge und hochherziger Zuwendung noch wächst; wenn wir uns bewusst werden, dass diese Liebe sogar das Leiden und den Tod des menschgewordenen Wortes bewirkt hat, das bereit war, uns um den Preis seines Blutes zu erlösen, dann rufen wir voll Dankbarkeit aus: »Ja, der Herr ist reich an Erbarmen« und sagen sogar: »Der Herr ist Barmherzigkeit“« (ibid., Nr. 22).

(27) »Die allgemeine Berufung zur Heiligkeit gilt auch den christlichen Gatten und Eltern. Sie bekommt für sie eine eigene Prägung durch das empfangene Sakrament und verwirklicht sich im besonderen Rahmen ehelichen und familiären Lebens. Hieraus ergeben sich die Gnade und die Verpflichtung zu einer echten und tiefen Spiritualität der Ehe und Familie mit den Themen von Schöpfung, Bund, Kreuz, Auferstehung und Zeichen« (Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 56).

»Echte eheliche Liebe wird in die göttliche Liebe aufgenommen und durch die erlösende Kraft Christi und die Heilsvermittlung der Kirche gelenkt und bereichert, damit die Ehegatten wirksam zu Gott hingeführt werden und in ihrer hohen Aufgabe als Vater und Mutter unterstützt und gefestigt werden. So werden die christlichen Gatten in den Pflichten und der Würde ihres Standes durch ein eigenes Sakrament gestärkt und gleichsam geweiht. In der Kraft dieses Sakraments erfüllen sie ihre Aufgabe in Ehe und Familie. Im Geist Christi, durch den ihr ganzes Leben mit Glaube, Hoffnung und Liebe durchdrungen wird, gelangen sie mehr und mehr zu ihrer eigenen Vervollkommnung, zur gegenseitigen Heiligung und so gemeinsam zur Verherrlichung Gottes« (II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 7. Dezember 1965, Nr. 48).

(28) 3 »Die Kirche ist fest überzeugt, dass das menschliche Leben, auch das schwache und leidende, immer ein herrliches Geschenk der göttlichen Güte ist. Gegen Pessimismus und Egoismus, die die Welt verdunkeln, steht die Kirche auf der Seite des Lebens; in jedem menschlichen Leben weiß sie den Glanz jenes »Ja«, jenes »Amen« zu entdecken, das Christus selbst ist. Dem »Nein«, das in die Welt einbricht und einwirkt, setzt sie dieses lebendige »Ja« entgegen und verteidigt so den Menschen und die Welt vor denen, die das Leben bekämpfen und ersticken« (Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 30).

»Die Familie muss wieder als das Heiligtum des Lebens angesehen werden. Sie ist in der Tat heilig: sie ist der Ort, an dem das Leben, Gabe Gottes, in angemessener Weise angenommen und gegen die vielfältigen Angriffe, denen es ausgesetzt ist, geschützt wird, und wo es sich entsprechend den Forderungen eines echten menschlichen Wachstums entfalten kann. Gegenüber der sogenannten Kultur des Todes stellt die Familie den Sitz der Kultur des Lebens dar« (Johannes Paul II., Enz. Centesimus annus, 1. Mai 1991, Nr. 39).

(29) Johannes Paul II., Brief an die Familien Gratissimam sane, 2. Februar 1994, Nr. 9.

(30) »Derselbe Gott, der gesagt hat: ‚Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei‘ (Gen 2,28), und der ‚den Menschen von Anfang an als Mann und Frau schuf‘ (Mt 19,14), wollte ihm eine besondere Teilnahme an seinem schöpferischen Wirken verleihen, segnete darum Mann und Frau und sprach: ‚Wachset und mehret euch‘. (Gen 1,28). Ohne Hintansetzung der übrigen Eheziele sind deshalb die echte Gestaltung der ehelichen Liebe und die ganze sich daraus ergebende Natur des Familienlebens dahin ausgerichtet, dass die Gatten von sich aus entschlossen bereit sind zur Mitwirkung mit der Liebe des Schöpfers und Erlösers, der durch sie seine eigene Familie immer vergröbert und bereichert« (II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 7. Dezember 1965, Nr. 50).

»Die christliche Familie ist eine Gemeinschaft von Personen, ein Zeichen und Abbild der Gemeinschaft des Vaters und des Sohnes im Heiligen Geist. In der Zeugung und Erziehung von Kindern spiegelt sich das Schöpfungswerk des Vaters wider« (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2205).

»Mit Gott zusammenarbeiten, um neue Menschen ins Leben zu rufen, heißt mitwirken an der Übertragung jenes göttlichen Abbildes, das jedes »von einer Frau geborene« Wesen in sich trägt« (Johannes Paul II., Brief an die Familien Gratissimam sane, 2. Februar 1994, Nr. 8).

(31) Johannes Paul II., Enz. Evangelium vitae, 25. März 1995, Nr. 43; vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 7. Dezember 1965, Nr. 50.

(32) »In ihrer Aufgabe, menschliches Leben weiterzugeben und zu erziehen, die als die nur ihnen zukommende Sendung zu betrachten ist, wissen sich die Eheleute als mitwirkend mit der Liebe Gottes des Schöpfers und gleichsam als Interpreten dieser Liebe. Daher müssen sie in menschlicher und christlicher Verantwortlichkeit ihre Aufgaben erfüllen und in einer auf Gott hinhörenden Ehrfurcht durch gemeinsame Überlegung versuchen, sich ein sachgerechtes Urteil zu bilden. Hierbei müssen sie auf ihr eigenes Wohl wie auf das ihrer Kinder — der schon geborenen oder der zu erwartenden — achten; sie müssen die materiellen und geistigen Verhältnisse der Zeit und ihres Lebens zu erkennen suchen und schließlich auch das Wohl der Gesamtfamilie, der weltlichen Gesellschaft und der Kirche berücksichtigen. Dieses Urteil müssen im Angesicht Gottes die Eheleute letztlich selbst fällen. In ihrem ganzen Verhalten seien sich die christlichen Gatten bewusst, dass sie nicht nach eigener Willkür vorgehen können; sie müssen sich vielmehr leiten lassen von einem Gewissen, das sich auszurichten hat am göttlichen Gesetz; sie müssen hören auf das Lehramt der Kirche, das dieses göttliche Gesetz im Licht des Evangeliums authentisch auslegt.

Dieses göttliche Gesetz zeigt die ganze Bedeutung der ehelichen Liebe, schützt sie und drängt sie zu ihrer wahrhaft menschlichen Vollendung« (II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 7. Dezember 1965, Nr. 50).

»Wo es sich um den Ausgleich zwischen ehelicher Liebe und verantwortlicher Weitergabe des Lebens handelt, hängt die sittliche Qualität der Handlungsweise nicht allein von der guten Absicht und Bewertung der Motive ab, sondern auch von objektiven Kriterien, die sich aus dem Wesen der menschlichen Person und ihrer Akte ergeben und die sowohl den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe wahren. Das ist nicht möglich ohne aufrichtigen Willen zur Übung der Tugend ehelicher Keuschheit. Von diesen Prinzipien her ist es den Kindern der Kirche nicht erlaubt, in der Geburtenregelung Wege zu beschreiten, die das Lehramt in Auslegung des göttlichen Gesetzes verwirft« (II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 7. Dezember 1965, Nr. 51).

»Im Hinblick schließlich auf die gesundheitliche, wirtschaftliche, seelische und soziale Situation bedeutet verantwortungsbewusste Elternschaft, dass man entweder, nach klug abwägender Überlegung, sich hochherzig zu einem gröberen Kinderreichtum entschließt, oder bei ernsten Gründen und unter Beobachtung des Sittengesetzes zur Entscheidung kommt, zeitweise oder dauernd auf weitere Kinder zu verzichten.

Endlich und vor allem hat verantwortungsbewusste Elternschaft einen inneren Bezug zur sogenannten objektiven sittlichen Ordnung, die auf Gott zurückzuführen ist, und deren Deuterin das rechte Gewissen ist. Die Aufgabe verantwortungsbewusster Elternschaft verlangt von den Gatten, dass sie in Wahrung der rechten Güter- und Wertordnung ihre Pflichten gegenüber Gott, sich selbst, gegenüber ihrer Familie und der menschlichen Gesellschaft anerkennen.

Daraus folgt, dass sie bei der Aufgabe, das Leben weiterzugeben, keineswegs ihrer Willkür folgen dürfen, gleichsam als hinge die Bestimmung der sittlich gangbaren Wege von ihrem eigenen und freien Ermessen ab. Sie sind vielmehr verpflichtet, ihr Verhalten auf den göttlichen Schöpfungsplan auszurichten, der einerseits im Wesen der Ehe selbst und ihrer Akte zum Ausdruck kommt, den andererseits die beständige Lehre der Kirche kundtut« (Paul VI., Enz. Humanae vitae, 25. Juli 1968, Nr. 10).

(33) Die Enzyklika Humanae vitae erklärt jede Handlung für verwerflich, »die entweder in Voraussicht oder während des Vollzugs des ehelichen Aktes oder im Anschluss an ihn beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern«. Weiter heißt es: »Man darf, um diese absichtlich unfruchtbar gemachten ehelichen Akte zu rechtfertigen, nicht als Argument geltend machen, man müsse das Übel wählen, das als das weniger schwere erscheine; auch nicht, dass solche Akte eine gewisse Einheit darstellen mit früheren oder nachfolgenden fruchtbaren Akten und deshalb an ihrer einen und gleichen Gutheit teilhaben. Wenn es auch zuweilen erlaubt ist, das kleinere sittliche Übel zu dulden, um ein gröberes zu verhindern oder um etwas sittlich Höherwertiges zu fördern, so ist es dennoch niemals erlaubt — auch aus noch so ernsten Gründen nicht —, Böses zu tun um eines guten Zweckes willen: das heißt etwas zu wollen, was seiner Natur nach die sittliche Ordnung verletzt und deshalb als des Menschen unwürdig gelten muss; das gilt auch, wenn dies mit der Absicht geschieht, das Wohl des einzelnen, der Familie oder der menschlichen Gesellschaft zu schützen oder zu fördern. Völlig irrig ist deshalb die Meinung, ein absichtlich unfruchtbar gemachter und damit in sich unsittlicher ehelicher Akt könne durch die fruchtbaren ehelichen Akte des gesamtehelichen Lebens seine Rechtfertigung erhalten« (Paul VI., Enz. Humanae vitae, 25. Juli 1968, Nr. 14).

»Wenn die Ehegatten durch Empfängnisverhütung diese beiden Sinngehalte, die der Schöpfergott dem Wesen von Mann und Frau und der Dynamik ihrer sexuellen Vereinigung eingeschrieben hat, auseinanderreißen, liefern sie den Plan Gottes ihrer Willkür aus; sie »manipulieren« und erniedrigen die menschliche Sexualität — und damit sich und den Ehepartner —, weil sie ihr den Charakter der Ganzhingabe nehmen. Während die geschlechtliche Vereinigung ihrer ganzen Natur nach ein vorbehaltloses gegenseitiges Sichschenken der Gatten zum Ausdruck bringt, wird sie durch die Empfängnisverhütung zu einer objektiv widersprüchlichen Gebärde, zu einem Sich-nicht-ganz-Schenken. So kommt zur aktiven Zurückweisung der Offenheit für das Leben auch eine Verfälschung der inneren Wahrheit ehelicher Liebe, die ja zur Hingabe in personaler Ganzheit berufen ist« (Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 32).

(34) »Das menschliche Geschöpf muss geachtet und von seiner Empfängnis an als Person behandelt werden, und folglich müssen ihm von eben diesem Moment an die Rechte einer Person zuerkannt werden, vor allem das unantastbare Recht jedes unschuldigen menschlichen Wesens auf Leben« (Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion über die Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben und die Würde der Fortpflanzung Donum vitae, 22. Februar 1987, Nr. 1).

»Die auf mentaler Ebene enge Verknüpfung zwischen den Praktiken von Empfängnisverhütung und Abtreibung wird immer deutlicher; das beweist auch in alarmierender Weise die grobe Anzahl von chemischen Präparaten, intrauterinären Instrumenten und Impfstoffen, die — wiewohl sie mit derselben Leichtfertigkeit wie Kontrazeptiva verteilt werden — in Wirklichkeit eine abtreibende Wirkung in den allerersten Entwicklungsstadien des Lebens des neuen menschlichen Wesens zeitigen« (Johannes Paul II., Enz. Evangelium vitae, 25. März 1995, Nr. 13).

(35) »Wenn also gerechte Gründe dafür sprechen, Abstände einzuhalten in der Reihenfolge der Geburten — Gründe, die sich aus den körperlichen oder seelischen Situationen der Gatten oder aus äußeren Verhältnissen ergeben —, ist es nach kirchlicher Lehre den Gatten erlaubt, dem natürlichen Zyklus der Zeugungsfunktionen zu folgen, dabei den ehelichen Verkehr auf die empfängnisfreien Zeiten zu beschränken und die Kinderzahl so zu planen, dass die oben dargelegten sittlichen Grundsätze nicht verletzt werden.

Die Kirche bleibt sich und ihrer Lehre treu, wenn sie einerseits die Berücksichtigung der empfängnisfreien Zeiten durch die Gatten für erlaubt hält, andererseits den Gebrauch direkt empfängnisverhütender Mittel als immer unerlaubt verwirft — auch wenn für diese andere Praxis immer wieder ehrbare und schwerwiegende Gründe angeführt werden. Tatsächlich handelt es sich um zwei ganz unterschiedliche Verhaltensweisen: bei der ersten machen die Eheleute von einer naturgegebenen Möglichkeit rechtmäßig Gebrauch; bei der anderen hingegen hindern sie den Zeugungsvorgang bei seinem natürlichen Ablauf. Zweifellos sind in beiden Fällen die Gatten sich einig, dass sie aus guten Gründen Kinder vermeiden wollen, und dabei möchten sie auch sicher sein. Jedoch ist zu bemerken, dass nur im ersten Fall die Gatten es verstehen, sich in fruchtbaren Zeiten des ehelichen Verkehrs zu enthalten, wenn aus berechtigten Gründen keine weiteren Kinder mehr wünschenswert sind. In den empfängnisfreien Zeiten aber vollziehen sie dann den ehelichen Verkehr zur Bezeugung der gegenseitigen Liebe und zur Wahrung der versprochenen Treue. Wenn die Eheleute sich so verhalten, geben sie wirklich ein Zeugnis der rechten Liebe« (Paul VI., Enz. Humanae vitae, 25. Juli 1968, Nr. 16).

»Wenn dagegen die Ehegatten durch die Zeitwahl den untrennbaren Zusammenhang von Begegnung und Zeugung in der menschlichen Sexualität respektieren, stellen sie sich unter Gottes Plan und vollziehen die Sexualität in ihrer ursprünglichen Dynamik der Ganzhingabe, ohne Manipulationen und Verfälschungen« (Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 32).

»Das Werk der Erziehung zum Leben schließt die Formung der Eheleute im Hinblick auf die verantwortliche Zeugung der Nachkommenschaft ein. Diese erfordert in ihrer wahren Bedeutung, dass sich die Ehegatten dem Ruf des Herrn fügen und als treue Interpreten seines Planes handeln: das ist der Fall, wenn die Familie sich grobherzig neuem Leben öffnet und auch dann in einer Haltung der Offenheit für das Leben und des Dienstes an ihm bleibt, wenn die Ehepartner aus ernstzunehmenden Gründen und unter Achtung des Moralgesetzes entscheiden, vorläufig oder für unbestimmte Zeit eine neue Geburt zu vermeiden. Das Moralgesetz verpflichtet sie in jedem Fall, die Neigungen des Instinkts und der Leidenschaft zu beherrschen und die ihrer Person eingeschriebenen biologischen Gesetze zu beachten. Im Dienst der Verantwortlichkeit bei der Zeugung erlaubt gerade diese Betrachtung die Anwendung der natürlichen Methoden der Fruchtbarkeitsregelung« (Johannes Paul II., Enz. Evangelium vitae, 25. März 1995, Nr. 97).

(36) 3 Johannes Paul II., Enz. Dives in misericordia, 30. November 1980, Nr. 6.

(37) »Wie bei der Feier der Eucharistie am Altar und bei jedem anderen Sakrament handelt der Priester auch als Verwalter des Bußsakraments in der Person Christi. Christus, der durch den Priester gegenwärtig gesetzt wird und durch ihn das Geheimnis der Sündenvergebung wirkt, erscheint als Bruder des Menschen, als barmherziger, treuer und mitfühlender Hohepriester, als Hirt, der entschlossen ist, das verlorene Schaf zu suchen, als Arzt, der heilt und stärkt, als einziger Meister, der die Wahrheit lehrt und die Wege Gottes aufzeigt, als Richter der Lebenden und der Toten, der nach der Wahrheit und nicht nach dem Augenschein richtet« (Johannes Paul II., Nachsynodales Ap. Schreiben Reconciliatio et paenitentia, 2. Dezember 1984, Nr. 29).

»Wenn der Priester das Bußsakrament spendet, versieht er den Dienst des Guten Hirten, der nach dem verlorenen Schaf sucht; den des guten Samariters, der die Wunden verbindet; den des Vaters, der auf den verlorenen Sohn wartet und ihn bei dessen Rückkehr liebevoll aufnimmt; den des gerechten Richters, der ohne Ansehen der Person ein zugleich gerechtes und barmherziges Urteil fällt. Kurz, der Priester ist Zeichen und Werkzeug der barmherzigen Liebe Gottes zum Sünder« (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1465).

(38) 3 Vgl. Kongregation des Hl. Offiziums, Normae quaedam de agendi ratione confessariorum circa sextum Decalogi praeceptum, 16. Mai 1943.

(39) »Der Priester hat, sofern Fragen zu stellen sind, mit Klugheit und Behutsamkeit vorzugehen; dabei sind Verfassung und Alter des Pönitenten zu berücksichtigen; nach dem Namen eines Mitschuldigen darf er nicht fragen« (Codex des Kanonischen Rechtes, Can. 979).

»Die konkrete pastorale Führung der Kirche muss stets mit ihrer Lehre verbunden sein und darf niemals von ihr getrennt werden. Ich wiederhole deshalb mit derselben Überzeugung die Worte meines Vorgängers: ‚In keinem Punkte Abstriche von der Heilslehre Christi zu machen ist hohe Form seelsorglicher Liebe’« (Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 33).

(40) Vgl. Denzinger-Schönmetzer, Enchiridion Symbolorum, Nr. 3187.

(41) »Das Geständnis vor dem Priester bildet einen wesentlichen Teil des Bußsakramentes: ‚Von den Büßenden müssen alle Todsünden, derer sie sich nach gewissenhafter Selbsterforschung bewusst sind, im Bekenntnis aufgeführt werden…, auch wenn sie ganz im Verborgenen und nur gegen die zwei letzten Vorschriften der Zehn Gebote begangen wurden; manchmal verwunden diese die Seele schwerer und sind gefährlicher als die, welche ganz offen begangen werden’« (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1456).

(42) 3 »Wenn hingegen die Unkenntnis unüberwindlich oder der Betreffende für das Fehlurteil nicht verantwortlich ist, kann ihm seine böse Tat nicht zur Last gelegt werden. Trotzdem bleibt sie etwas Böses, ein Mangel, eine Unordnung. Aus diesem Grund müssen wir uns bemühen, Irrtümer des Gewissens zu beheben« (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1793).

»Das aufgrund einer unüberwindbaren Unwissenheit oder eines nicht schuldhaften Fehlurteils begangene Übel kann zwar der Person, die es begeht, nicht als Schuld anzurechnen sein; doch auch in diesem Falle bleibt es ein Übel, eine Unordnung in Bezug auf die Wahrheit des Guten« (Johannes Paul II., Enz. Veritatis splendor, 8. August 1993, Nr. 63).

(43) »Auch die Eheleute sind im Bereich ihres sittlichen Lebens auf einen solchen Weg gerufen, getragen vom aufrichtig suchenden Verlangen, die Werte, die das göttliche Gesetz schützt und fördert, immer besser zu erkennen, sowie vom ehrlichen und bereiten Willen, diese in ihren konkreten Entscheidungen zu verwirklichen. Jedoch können sie das Gesetz nicht als reines Ideal auffassen, das es in Zukunft einmal zu erreichen gelte, sondern sie müssen es betrachten als ein Gebot Christi, die Schwierigkeiten mit all ihrer Kraft zu überwinden. ‚Daher kann das sogenannte »Gesetz der Gradualität« oder des stufenweisen Weges nicht mit einer »Gradualität des Gesetzes« selbst gleichgesetzt werden, als ob es verschiedene Grade und Arten von Geboten im göttlichen Gesetz gäbe, je nach Menschen und Situation verschieden. Alle Eheleute sind nach dem göttlichen Plan zur Heiligkeit in der Ehe berufen, und diese hehre Berufung verwirklicht sich in dem Maße, wie die menschliche Person fähig ist, auf das göttliche Gebot ruhigen Sinns im Vertrauen auf die Gnade Gottes und auf den eigenen Willen zu antworten.‘ Dementsprechend gehört es zur pastoralen Führung der Kirche, dass die Eheleute vor allem die Lehre der Enzyklika Humanae vitae als normativ für die Ausübung ihrer Geschlechtlichkeit klar anerkennen und sich aufrichtig darum bemühen, die für die Beobachtung dieser Norm notwendigen Voraussetzungen zu schaffen« (Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 34).

(44) »Hier öffnet sich dem Erbarmen Gottes mit der Sünde des sich bekehrenden Menschen und dem Verständnis für die menschliche Schwäche der angemessene Raum. Dieses Verständnis bedeutet niemals, den Maßstab von Gut und Böse aufs Spiel zu setzen und zu verfälschen, um ihn an die Umstände anzupassen. Während es menschlich ist, dass der Mensch, nachdem er gesündigt hat, seine Schwäche erkennt und wegen seiner Schuld um Erbarmen bittet, ist hingegen die Haltung eines Menschen, der seine Schwäche zum Kriterium vom Guten macht, um sich von allein gerechtfertigt zu fühlen, ohne es nötig zu haben, sich an Gott und seine Barmherzigkeit zu wenden, unannehmbar. Eine solche Haltung verdirbt die Sittlichkeit der gesamten Gesellschaft, weil sie lehrt, an der Objektivität des Sittengesetzes im allgemeinen könne gezweifelt werden, und die Absolutheit der sittlichen Verbote hinsichtlich bestimmter menschlicher Handlungen könne geleugnet werden, was schließlich dazu führt, dass man sämtliche Werturteile durcheinanderbringt« (Johannes Paul II., Enz. Veritatis splendor, 6. August 1993, Nr. 104).

(45) 3 »Wenn der Beichtvater keinen Zweifel an der Disposition des Pönitenten hat, und dieser um die Absolution bittet, darf diese weder verweigert noch aufgeschoben werden« (Codex des Kanonischen Rechtes, Can. 980).

(46) »Zudem weiß die Heilige Kirche sehr wohl, dass nicht selten einer der beiden Gatten die Sünde mehr erleidet als verursacht, wenn er aus wirklich schwerwiegenden Gründen die Verzerrung der notwendigen Ordnung zulässt, welcher er freilich nicht zustimmt und an der ihn folglich keine Schuld trifft; zugleich ruft sie auch in solch einem Fall die Gebote der Liebe in Erinnerung und ermahnt, es nicht zu vernachlässigen, dem Gatten von der Sünde abzuraten und diesen von ihr abzubringen«. (Pius XI., Enz. Casti connubii, AAS 22 $[1930$

(47) Vgl. Denzinger-Schönmetzer, Enchiridion Symbolorum, Nr. 2795; 3634.

(48) »Denn unter sittlichem Gesichtspunkt ist es niemals erlaubt, formell am Bösen mitzuwirken. Solcher Art ist die Mitwirkung dann, wenn die durchgeführte Handlung entweder aufgrund ihres Wesens oder wegen der Form, die sie in einem konkreten Rahmen annimmt, als direkte Beteiligung an einer gegen das unschuldige Menschenleben gerichteten Tat oder als Billigung der unmoralischen Absicht des Haupttäters bezeichnet werden muss« (Johannes Paul II., Enz. Evangelium vitae, 25. März 1995, Nr. 74).

(49) »Solche Selbstzucht, Ausdruck ehelicher Keuschheit, braucht keineswegs der Gattenliebe zu schaden; sie erfüllt sie vielmehr mit einem höheren Sinn für die Menschlichkeit. Solche Selbstzucht verlangt zwar beständiges Sich-Mühen; ihre heilsame Kraft aber führt die Gatten zu einer volleren Entfaltung ihrer selbst und macht sie reich an geistlichen Gütern. Sie schenkt der Familie wahren Frieden und hilft, auch sonstige Schwierigkeiten zu meistern. Sie fördert bei den Gatten gegenseitige Achtung und Besorgtsein füreinander; sie hilft den Eheleuten, ungezügelte Selbstsucht, die der wahren Liebe widerspricht, zu überwinden, sie hebt bei ihnen das  Verantwortungsbewußtsein bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Sie verleiht den Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder eine innerlich begründete, wirkungsvollere Autorität: dementsprechend werden dann Kinder und junge Menschen mit fortschreitendem Alter zu den wahren menschlichen Werten die rechte Einstellung bekommen und die Kräfte des Geistes und ihrer Sinne in glücklicher Harmonie entfalten« (Paul VI., Enz. Humanae vitae, 25. Juli 1968, Nr. 21).

(50) Für die Priester »ist es Pflicht — unser Wort gilt besonders den Lehrern der Moraltheologie —, die kirchliche Ehelehre unverfälscht und offen vorzulegen. An erster Stelle gebt ihr bei der Ausübung eures Amtes das Beispiel aufrichtigen Gehorsams, der innerlich und nach außen dem kirchlichen Lehramt zu leisten ist. Wie ihr wohl wisst, verpflichtet euch dieser Gehorsam nicht so sehr wegen der beigebrachten Beweisgründe, als wegen des Lichtes des Heiligen Geistes, mit dem besonders die Hirten der Kirche bei der Darlegung der Wahrheit ausgestattet sind.

Ihr wisst auch, dass es zur Wahrnehmung des inneren Friedens der einzelnen und der Einheit des christlichen Volkes von grober Bedeutung ist, dass in Sitten- wie Glaubensfragen alle dem kirchlichen Lehramt gehorchen und die gleiche Sprache sprechen. Deshalb machen wir uns die eindringlichen Worte des Apostels Paulus zu eigen und appellieren erneut an euch aus ganzem Herzen: ‚Ich ermahne euch, Brüder,… dass ihr alle in Eintracht redet; keine Parteiungen soll es unter euch geben, vielmehr sollt ihr im gleichen Sinn und in gleicher Überzeugung zusammenstehen‘.

Ferner, wenn nichts von der Heilslehre Christi zu unterschlagen eine hervorragende Ausdrucksform der Liebe ist, so muss dies immer mit Duldsamkeit und Liebe verbunden sein; dafür hat der Herr selbst durch sein Wort und sein Werk den Menschen ein Beispiel gegeben. Denn obwohl er gekommen war, nicht um die Welt zu richten, sondern zu retten, war er zwar unerbittlich streng gegen die Sünde, aber geduldig und barmherzig gegenüber den Sündern« (Paul VI., Enz. Humanae vitae, 25. Juli 1968, Nr. 28-29).

(51) »Im Hinblick auf das Problem einer sittlich richtigen Geburtenregelung muss die kirchliche Gemeinschaft zur gegenwärtigen Zeit die Aufgabe übernehmen, Überzeugungen zu wecken und denen konkrete Hilfe anzubieten, die ihre Vater- und Mutterschaft in einer wirklich verantwortlichen Weise leben wollen.

Während die Kirche die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung für eine genauere Kenntnis der Zyklen der weiblichen Fruchtbarkeit begrübt und eine entschlossene Ausweitung dieser Studien anregt, kann sie nicht umhin, erneut mit Nachdruck an die Verantwortung all derer zu appellieren — Ärzte, Experten, Eheberater, Erzieher, Ehepaare —, die den Eheleuten wirksam helfen können, ihre Liebe in der Beachtung der Struktur und der Ziele des ehelichen Aktes zu verwirklichen, der diese Liebe zum Ausdruck bringt. Das bedeutet einen umfassenderen, entschlosseneren und systematischeren Einsatz dafür, dass die natürlichen Methoden der Geburtenregelung bekannt, geschätzt und angewandt werden.

Ein wertvolles Zeugnis kann und muss von jenen Eheleuten gegeben werden, die durch ihr gemeinsames Bemühen um die periodische Enthaltsamkeit eine reifere persönliche Verantwortlichkeit gegenüber der Liebe und dem Leben gewonnen haben. Wie Paul VI. schreibt, ‚übergibt ihnen der Herr die Aufgabe, die Heiligkeit und Milde jenes Gesetzes den Menschen sichtbar zu machen, das die gegenseitige Liebe der Eheleute und ihr Zusammenwirken mit der Liebe Gottes, des Urhebers des menschlichen Lebens, vereint’« (Johannes Paul II., Ap. Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 35).

(52) »Seit dem ersten Jahrhundert hat die Kirche es für moralisch verwerflich erklärt, eine Abtreibung herbeizuführen. Diese Lehre hat sich nicht geändert und ist unabänderlich. Eine direkte, das heißt eine als Ziel oder Mittel gewollte, Abtreibung stellt ein schweres Vergehen gegen das sittliche Gesetz dar« (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2271; siehe auch Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung zur vorsätzlichen Abtreibung, 18. November 1974).

»Die sittliche Schwere der Abtreibung wird in ihrer ganzen Wahrheit deutlich, wenn man erkennt, dass es sich um einen Mord handelt, und insbesondere, wenn man die spezifischen Umstände bedenkt, die ihn kennzeichnen. Getötet wird hier ein menschliches Geschöpf, das gerade erst dem Leben entgegengeht, das heißt das absolut unschuldigsteWesen, das man sich vorstellen kann« (Johannes Paul II., Enz. Evangelium vitae, 25. März 1995, Nr. 58).

(53) Man beachte, dass »ipso iure« die Vollmacht, in dieser Materie im forum internum loszusprechen — wie bei allen Zensuren, die nicht dem Heiligen Stuhl vorbehalten und nicht deklariert sind —, jedem Bischof, einschließlich dem Titularbischof, zusteht, sowie dem Bußkanoniker der Kathedrale der Kollegiatskirche (Can. 508); weiterhin den Kaplänen der Spitäler, der Gefängnisse und der Nicht-Sesshaften (Can. 566 § 2). Was spezifisch die Zensur bezüglich der Abtreibung angeht, besitzen aufgrund eines Privilegs all jene Beichtväter die Vollmacht zur Lossprechung, welche einem Bettelorden oder bestimmten modernen religiösen Kongregationen angehören.

(54) Vgl. Johannes Paul II., Enz. Dives in misericordia, 30. November 1980, Nr. 14.

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Quelle

Missionar der Barmherzigkeit: „Es geht um unser Gottesbild“

Papst Franziskus begrüßt die Missionare der Barmherzigkeit

Der Kapuzinerbruder Helmut Rakowski ist einer der Missionare der Barmherzigkeit, die noch bis Mittwoch an dem mehrtägigen Seminar des Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung in Rom teilnehmen. Wir haben Bruder Helmut im Anschluss an die Begegnung mit dem Papst an diesem Dienstag gefragt, was ihn an der Audienz besonders beeindruckt hat.

Br. Helmut Rakowski: „Papst Franziskus hat uns gleich zu Beginn gesagt, dass er zu uns über unsere Aufgabe nicht nur als eine pastorale Aufgabe sprechen will, sondern über den theologischen Hintergrund, der für ihn sehr wichtig ist und der hinter diesem Auftrag der Missionare der Barmherzigkeit steht. Er hat uns noch einmal diesen Gott vorgestellt, der richtiggehend darum ringt, darum bettelt – sogar auf die Knie geht, hat er einmal gesagt mit Bezug auf Paulus, aber immer mit der Bitte: Bekehrt euch. Kehrt um. Kommt zurück. Und das war schon eine sehr eindringliche und sehr eindrückliche Darstellung, die der Papst uns da ans Herz gelegt hat. Es ist nicht einfach nur eine pastorale Idee, sondern das ist Ausdruck unseres Gottesbildes.“

Vatican News: War es denn nötig, dass der Papst das nochmals derart betont hat, dass es sich nicht nur um eine pastorale, sondern auch und vor allem um eine theologische Frage handelt?

Br. Helmut Rakowski: „Ich denke, es gibt immer wieder die Diskussion, wie viel Barmherzigkeit erlaubt ist, die Gerechtigkeit müsse doch zum Zuge kommen und in diesem Zusammenhang natürlich auch die Diskussion, dass der eine Papst der Theologe sei, der andere der pastorale Papst… Da wollte er einfach nochmal klar machen, nein, es geht wirklich hier um unser Gottesbild. Wie wir Gott sehen, wie die Bibel uns Gott darstellt, aber auch die Tradition der Kirche. Und da haben sich manchmal auch andere Bilder davor geschoben, vor diesen Gott, der wirklich darum ringt, dass die Menschen zu ihm zurückkehren.“

“ Der Papst hat uns heute auch noch einmal gesagt, geht nicht auf die reine Lehre ein, sondern seht den Anfang den sie machen, die kleinen Schritte und den guten Willen und bestärkt sie darin, weiter zu gehen ”

Vatican News: Wie vermitteln Sie das denn den Menschen, die zu Ihnen kommen, um das Sakrament der Versöhnung zu empfangen?

Br. Helmut Rakowski: „Papst Franziskus legt uns ja immer wieder nah, sozusagen gastfreundlich zu sein, also Menschen mit offenen Armen aufzunehmen. Und er sagt dann immer ganz klar, ihr seid die Botschafter der Liebe Gottes, der Barmherzigkeit, und das müssen die Leute nicht in Worten hören, sondern das müssen die spüren, wie man sich ihnen zuwendet und ich glaube, es gehört einfach dazu, dass man geduldig ist, den Menschen das Gefühl gibt, du bist willkommen, und den Schritt, den du machst, auch wenn da Scham mitschwingt und Betroffenheit, ist das ja genau der Weg der Umkehr, der notwendig ist. Der Papst hat uns heute auch noch einmal gesagt, geht nicht auf die reine Lehre ein, sondern seht den Anfang den sie machen, die kleinen Schritte und den guten Willen und bestärkt sie darin, weiter zu gehen. Und auch wenn man wieder fällt, man darf zurückkommen, um letztlich diesen Weg weiter zu gehen.

Ich fand sehr schön, was er am Sonntag in seiner Predigt auf dem Petersplatz gesagt hat. Manch einer meint ja, dass die Beichte sinnlos sei, weil sich ja doch nichts ändere. Aber er hat gesagt, doch, es ändert sich eben schon was, wenn ich immer wieder höre, dass Gott mich liebt und annimmt. Dann sind es eben diese ganz kleinen Schritte der Veränderung, die uns auf den richtigen Weg führen.“

Vatican News: Papst Franziskus betont ja auch immer wieder, wie wichtig der Dienst der Missionare der Barmherzigkeit für die Kirche und die Gläubigen ist. Deswegen hat er auch das Mandat für die Missionare über das Jahr der Barmherzigkeit hinaus verlängert. Bei verschiedenen Gelegenheiten – unter anderem in der Audienz – sagte er, es solle noch für eine gewisse Zeit weiter gehen. Was bedeutet das? Haben Sie eine Ahnung, wie lange der Papst dieses Mandat aufrecht erhalten will?

Br. Helmut Rakowski: „Er hat keinen festen Termin vorgegeben, ich denke, das liegt ein wenig an den Erfahrungen, die man damit macht. Ich habe auch Menschen kennen gelernt, die recht kritisch damit waren, die sagten, ja, jetzt Spezialvollmachten für Missionare der Barmherzigkeit, für Beichtväter, das bringt ja unsere ganze Ordnung durcheinander… Aber dieselben Leute sagten dann schon nach dem Heiligen Jahr und auch jetzt, nachdem nochmal Zeit vergangenen ist, doch, das hat etwas bewirkt. Diese Aussendung der Missionare ist ein Zeichen, dass die Menschen eingeladen sind, zurückzukehren. Ich habe das ja selbst erlebt, dass Menschen zum Beichten gekommen sind, und das lag gar nicht daran, dass die jetzt eine Sünde mit sich getragen hätten, die einem Missionar der Barmherzigkeit zur Lossprechung vorbehalten gewesen wäre, sondern dass sie Botschaft von Papst Franziskus verstanden haben: es gibt nichts, was so schlimm wäre, dass es nicht vor Gott getragen werden könnte und über das man sich nicht mit Gott versöhnen kann.“

“ Es gibt nichts, was so schlimm wäre, dass es nicht vor Gott getragen werden könnte und über das man sich nicht mit Gott versöhnen kann ”

Vatican News: Ein Signal dafür, dass ein Ende der Tätigkeit zumindest nicht unmittelbar absehbar ist, ist ja auch das Seminar selbst, an dem Sie derzeit teilnehmen. Worum geht es dort? Soll da sozusagen ein Steckbrief des perfekten Missionars der Barmherzigkeit erstellt werden, wird nochmals erklärt, was genau bei dem Dienst wichtig ist – Sie treffen ja im Rahmen des Seminars auch verschiedene Kurienmitarbeiter …?

Br. Helmut Rakowski: „Diese Begegnung der Missionare ist ein Mix. Es gibt tatsächlich diesen Bildungscharakter, diese theologische Weiterbildung, der Präfekt der Sakramentenkongregation, Kardinal Sarah, hat gestern beispielsweise über die Lehre zur Beichte gesprochen, aber es gab auch den Teil der Besinnung für die Missionare selbst, dass wir gestern Nachmittag zum Gebet und zum geistlichen Vortrag zusammen gekommen sind, und auch eingeladen waren, selbst zu beichten, und dann die Begegnung mit dem Papst, der uns nochmals seine Erwartungen und seine Hoffnungen, die er mit diesem Auftrag verbindet, ans Herz gelegt hat. Mit dem Auftrag, seid barmherzig, ihr seid die Boten der Barmherzigkeit Gottes.“

Vatican News: Mit was für einem Gefühl werden Sie wieder nach Hause fahren, nach diesen Besinnungs- und Studientagen und nach der Begegnung mit Papst Franziskus?

Br. Helmut Rakowski: „Nach dem Heiligen Jahr ist vielleicht auch bei dem einen oder anderen Missionar, auch wenn er weiter gemacht hat, der Einsatz für diesen Auftrag ein bisschen weniger geworden. Und vielleicht, und da schließe ich mich auch ein, muss ich auch nochmal ein bisschen mehr Initiative ergreifen, um dieses Thema bei der einen oder anderen Gelegenheit aktiv zu fördern und anzubieten.“

(vatican news – cs)

DER HEILIGE JOHANES-PAUL II.: DIE SÜNDE GEGEN DEN HEILIGEN GEIST

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Auszug aus der Enzyklika
„DOMINUM ET VIVIFICANTEM“
über den Heiligen Geist im Leben der Kirche und der Welt:

6. Die Sünde gegen den Heiligen Geist

46. Auf dem Hintergrund dessen, was wir bisher ausgeführt haben, werden einige beeindruckende und bestürzende Worte Jesu verständlicher. Wir könnten sie als Worte der »Nicht-Vergebung« bezeichnen. Sie sind uns von den Synoptikern überliefert und beziehen sich auf eine besondere Sünde, die »Lästerung wider den Heiligen Geist« genannt wird. Hier die Texte in ihrer dreifachen Fassung:

Matthäus: »Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden, aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. Auch dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden, wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt«180.

Markus: »Alle Vergehen und Lästerungen werden dem Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften«181.

Lukas: »Jedem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben«182.

Warum ist die Lästerung gegen den Heiligen Geist nicht zu vergeben? Was ist unter dieser Lästerung zu verstehen? Der heilige Thomas von Aquin antwortet, daß es sich hier um eine Sünde handelt, »die ihrer Natur nach unvergebbar ist, weil sie jene Elemente ausschließt, derentwegen die Vergebung der Sünden geschieht«183.

Nach dieser Deutung besteht die Lästerung nicht eigentlich in verletzenden Worten gegen den Heiligen Geist, sondern in der Weigerung, das Heil anzunehmen, welches Gott dem Menschen durch den Heiligen Geist anbietet, der in der Kraft des Kreuzesopfers wirkt. Wenn der Mensch jenes »Offenlegen der Sünde«, das vom Heiligen Geist ausgeht und heilswirksamen Charakter hat, zurückweist, weist er damit zugleich das »Kommen« des Trösters zurück, jenes »Kommen«, das sich im Ostergeheimnis vollzieht, in der Einheit mit der erlösenden Kraft des Blutes Christi, das »unser Gewissen von toten Werken reinigt«.

Wir wissen, daß die Frucht einer solchen Reinigung die Vergebung der Sünden ist. Wer den Geist und das Blut zurückweist, verbleibt deshalb in »toten Werken«, in der Sünde. Die Lästerung gegen den Heiligen Geist besteht gerade in der radikalen Verweigerung der Annahme jener Vergebung, deren innerster Vermittler er ist und die eine echte Bekehrung voraussetzt, die von ihm im Gewissen gewirkt wird. Wenn Jesus sagt, daß die Lästerung gegen den Heiligen Geist weder in diesem noch im zukünftigen Leben vergeben wird, dann liegt der Grund darin, daß diese »Nicht-Vergebung« ursächlich mit der Unbußfertigkeit verbunden ist, das heißt mit der radikalen Weigerung, sich zu bekehren. Dies bedeutet eine Weigerung, sich den Quellen der Erlösung zu nähern, die jedoch in der Heilsordnung, in der sich die Sendung des Heiligen Geistes vollzieht, »immer« geöffnet bleiben. Der Tröster-Geist hat die unbegrenzte Macht, aus diesen Quellen zu schöpfen: »Er wird von dem, was mein ist, nehmen«, hat Jesus gesagt. Auf diese Weise vollendet er in den Seelen der Menschen die von Christus gewirkte Erlösung, indem er deren Früchte austeilt. Nun ist aber die Lästerung gegen den Heiligen Geist die Sünde jenes Menschen, der sich auf sein vermeintliches »Recht« zum Verharren im Bösen – in jeglicher Sünde – beruft und dadurch die Erlösung verwirft. Ein solcher Mensch bleibt in der Sünde gefangen, indem er von seiner Seite her seine Bekehrung und damit die Sündenvergebung unmöglich macht, die er als unwesentlich und unbedeutsam für sein Leben erachtet. Dies ist eine Situation des geistlichen Ruins; denn die Lästerung gegen den Heiligen Geist erlaubt es dem Menschen nicht, sich aus seiner selbstverhängten Gefangenschaft zu befreien und sich den göttlichen Quellen der Reinigung der Gewissen und der Verzeihung der Sünden zu öffnen.

47. Das Wirken des Heiligen Geistes, das auf das heilbringende »Offenlegen der Sünde« gerichtet ist, trifft im Menschen, der sich in einer solchen Situation befindet, auf einen inneren Widerstand, gleichsam auf eine undurchdringliche Wand seines Gewissens, auf eine seelische Verfassung, die sich sozusagen aufgrund einer freien Wahl verfestigt hat: Die Heilige Schrift nennt das gewöhnlich »Verhärtung des Herzens«184. In unserer Zeit entspricht dieser Verfassung des Geistes und des Herzens in etwa der Verlust des Gespürs für die Sünde, dem das Apostolische Schreiben über »Versöhnung und Buße« viele Seiten widmet185. Schon Papst Pius XII. hat gesagt, daß »die Sünde des Jahrhunderts der Verlust des Gespürs für die Sünde ist«186; dieser Verlust aber geht einher mit dem »Verlust des Gespürs für Gott«. Im erwähnten Schreiben lesen wir: »Gott ist tatsächlich der Ursprung und das höchste Ziel des Menschen, und dieser trägt in sich einen göttlichen Keim. Deshalb ist es die Wirklichkeit Gottes, die das Geheimnis des Menschen enthüllt und beleuchtet. Es ist also vergeblich, zu hoffen, daß ein Sündenbewußtsein gegenüber den Menschen und den menschlichen Werten Bestand haben könnte, wenn das Gespür für die gegen Gott begangene Beleidigung, das heißt das wahre Sündenbewußtsein, fehlt«187.

Darum erbittet die Kirche beständig von Gott die Gnade, daß der Mensch das rechte Gewissen nicht verliere und sich sein gesundes Gespür für das Gute und Böse nicht abstumpfe. Beides, Gewissenhaftigkeit und Empfindsamkeit, sind zutiefst mit dem inneren Wirken des Geistes der Wahrheit verbunden. Von daher erhalten die Mahnungen des Apostels eine besondere Bedeutung: »Löscht den Geist nicht aus«; »beleidigt nicht den Heiligen Geist«188. Vor allem aber hört die Kirche nicht auf, mit größtem Eifer dafür zu beten, daß jene Sünde, die das Evangelium »Lästerung gegen den Heiligen Geist« nennt, in der Welt nicht zunehme, sondern vielmehr in den Seelen der Menschen – und folglich in den Lebensräumen selbst und in den verschiedenen Bereichen der menschlichen Gesellschaft – zurückgehe und sich stattdessen die Gewissen öffnen, was für das heilbringende Wirken des Heiligen Geistes unerläßlich ist. Die Kirche bittet darum, daß die gefährliche Sünde gegen den Geist einer heiligen Bereitschaft weiche, seine Sendung als Beistand anzunehmen, wenn er kommt, um »die Welt zu überführen (und aufzudecken), was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist«.

48. Jesus hat in seiner Abschiedsrede diese drei Teilbereiche des »Überführens« in der Sendung des Beistandes zusammengefaßt: die Sünde, die Gerechtigkeit und das Gericht. Diese bezeichnen den Raum jenes Geheimnisses des Glaubens, das sich in der Geschichte des Menschen der Sünde, dem Geheimnis der Bosheit, entgegenstellt189. Nach einem Wort des heiligen Augustinus geht es hier auf der einen Seite um die »Selbstliebe bis zur Verachtung Gottes« und auf der anderen Seite um die »Liebe Gottes bis zur Verachtung seiner selbst«190. Beständig betet und bemüht sich die Kirche in ihrem Dienst darum, daß die Geschichte des Gewissens und der Gesellschaft in der großen Menschheitsfamilie nicht zum Pol der Sünde abgleitet, mit der Verwerfung der göttlichen Gebote »bis zur Verachtung Gottes«, sondern sich vielmehr zu jener Liebe erhebt, in der sich der Geist offenbart, »der lebendig macht«. Wer sich vom Heiligen Geist »der Sünde überführen« läßt, läßt sich auch »die Gerechtigkeit« und »das Gericht« offenlegen. Der Geist der Wahrheit, der den Menschen und ihrem Gewissen hilft, die Wahrheit der Sünde zu erkennen, läßt sie zugleich die Wahrheit jener Gerechtigkeit erkennen, die mit Jesus Christus in die Geschichte des Menschen eingetreten ist. Auf diese Weise werden diejenigen, die, »der Sünde überführt«, sich durch das Wirken des Trösters bekehren gewissermaßen aus dem Bereich des »Gerichts« herausgeführt, jenes »Gerichts«, durch welches »der Herrscher dieser Welt bereits gerichtet ist«191. Die Bekehrung bedeutet in der Tiefe ihres göttlich-menschlichen Geheimnisses das Zerreißen jeglicher Fessel, durch welche die Sünde den Menschen an das gesamte Geheimnis der Bosheit bindet.

Wer sich bekehrt, wird also vom Heiligen Geist aus dem Bereich des »Gerichts« befreit und zu jener Gerechtigkeit geführt, die in Jesus Christus gegeben ist und die er besitzt, weil er sie »vom Vater empfängt«192 als Abglanz der dreifaltigen Heiligkeit. Dies ist die Gerechtigkeit des Evangeliums und der Erlösung, die Gerechtigkeit der Bergpredigt und des Kreuzes, welche die Reinigung des Gewissens bewirkt durch das Blut des Lammes. Es ist die Gerechtigkeit, die der Vater dem Sohn und allen zuteil werden läßt, die mit ihm in Wahrheit und Liebe verbunden sind. In dieser Gerechtigkeit offenbart sich der Heilige Geist, der Geist des Vaters und des Sohnes, welcher »die Welt der Sünde überführt«, und wird im Menschen gegenwärtig als Geist ewigen Lebens.

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180 Mt 12, 31 f.

181 Mk 3, 28 f.

182 Lk 12, 10.

183 THOMAS VON AQUIN, Summa Theol. II (a)-II (ae), q. 14, a. 3; Vgl. AUGUSTINUS, »Epist.« 185, 11, 48-49: PL 814 f.; BONAVENTURA, »Comment. in Evang.« »S. Luc.« Kap. XIV, 15-16: Ad Claras Aquas, VII, S. 314 f.

184 Vgl. PS 81, 13; Jer 7, 24; Mk 3, 5.

185 JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben im Anschluß an die Bischofssynode »Reconciliatio et paenitentia« (2. Dezember 1984), 18: AAS 77 (1985) 224-228.

186 Pius XII., Radiobotschaft an den Nationalen Katechetischen Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika in Boston (26. Oktober 1946): »Discorsi e Radiomessaggi«, VIII (1946) 288.

187 JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben im Anschluß an die Bischofssynode » Reconciliatio et paenitentia« (2. Dezember 1984), 18: AAS 77 (1985), 255 f.

188 1 Thess 5, 19; Eph 4, 30.

189 JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben im Anschluß an die Bischofssynode »Reconciliatio et paenitentia« (2. Dezember 1984), 14-22: AAS 77 (1985) 211-233.

190 Vgl. AUGUSTINUS, »De Civitate Dei«, XIV, 28: CCL 48, 451.

191 Vgl. Joh 16, 11.

192 Vgl. Joh 16, 15.

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Quelle

Der Ablass – Den gibt’s doch gar nicht mehr! Ein Kommentar zum Reformationsfest

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François Marius Granet malte 1825 diese Darstellung einer jungen Bäuerin, die einen Ablass kauft. Foto: Gemeinfrei

Galileo Galilei habe aus Protest gegenüber der Zensur seiner These, die Erde kreise um die Sonne und nicht umgekehrt, ausgerufen: „Und sie bewegt sich doch!“ Am Ende des Heiligen Jahres, in dem es Papst Franziskus gelungen ist, den Ablass wieder „salonfähig zu machen“, möchte man sagen: „Es gibt ihn doch! Den Nachlass zeitlicher Sündenstrafen.“

Wie in keinem anderen Heiligen Jahr zuvor hat der Heilige Vater nicht nur die Bedeutung der Beichte, sondern auch des Ablasses hervorgehoben, der nicht nur an den Heiligen Pforten Roms, sondern an unzähligen Orten der Welt gewonnen werden konnte. So viele Türen, deren frommes Durchschreiten den Gläubigen Nachlass ihrer zeitlichen Sündenstrafen gewährte. Nie zuvor gab es das in dieser Form! Selbst Sträflinge, denen es ja unmöglich ist, das Gefängnis zu verlassen, erhielten – wiederum dank einer großherzigen Entscheidung des Papstes – beim Überschreiten ihrer Zellentür einen Ablass.

Heute gedenken Protestanten in aller Welt des berühmten, wohl eher legendären Thesenanschlag Martin Luthers. Die heilige Pforte evangelischer Christen ist die Tür der Schloßkirche von Wittenberg. An ihr begann die Reformation, die im kommenden Jahr groß gefeiert werden wird. Und so steht auch in den kommenden Monaten wieder der Ablass im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit vieler Christen und Nicht-Christen.

Der Wittenberger Mönch wollte sich gegen den Missbrauch dieser biblisch fundierten und frühkirchlichen Praxis wenden, beginnt aber schon im Jahr 1517 – später wird das noch viel deutlicher werden – die Mittlerrolle der Kirche zwischen Gott und den Menschen zu kritisieren.

Wieso braucht es eine Gemeinschaft, durch die ich Vergebung finde? Genügt es nicht, dass ich Gott um Verzeihung bitte? Ja, ist es nicht sogar schädlich für meine Freundschaft mit Christus, wenn ich Papst und Priester als Mittler seines Heils brauche? Mit Luthers Kritik am Missbrauch des Ablass hebt seine Zurückweisung der sakramentalen Beichte an, als einzigem ordentlichen Weg der Sündenvergebung und der Kirche als „heilsnotwendige“ Gesellschaft, in die ich durch die Taufe und den Glauben eingegliedert werde.

Jedes Schulkind hört von dem reißerischen Werbespruch der damaligen Ablassprediger: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ Zweifellos war das ein Missbrauch und Ärgernis, das auch von hohen Würdenträgern, etwa dem berühmten Kardinal Cajetan, schon damals kritisiert wurde.

Der Missbrauch einer guten Sache stellt sie selbst nicht in Frage. Niemand würde scharfe Küchenmesser verbieten, obwohl nicht selten damit scheußliche Morde verübt werden. Es kommt auf den rechten und achtsamen Gebrauch an – bei Schneidewerkzeugen nicht weniger als beim Ablass, der ein großartiges Geschenk der Kirche an uns Christen ist.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“

Wir stehen inmitten zweier Jahre, die uns mit dem Thema Ablass – in seiner katholischen Renaissance während der vergangenen Monate und in seiner bekannten Kritik in den kommenden – konfrontieren werden. Was ist aber eigentlich der „Ablass“, diese scheinbar mittelalterliche Frömmigkeitsform, die längst überwunden schien und doch durch Papst Franziskus in ungeahnter Weise gefördert wurde? Das erste, bereits angedeutete Missverständnis ist die Meinung, ein Katholik könnte durch den Ablass, und das heißt in der Vorstellung vieler Menschen, durch eine bestimmte Summe Geld, die Verzeihung seiner Sünden „erkaufen“. Manche denken sogar, er erhalte dann, falls sein Portemonnaie dick genug ist, einen Freibrief zu sündigen, da er ja immer wieder die Münzen im Kasten klingen lassen kann. Ja in manchen Köpfen herrscht die Vorstellung als könne man sich dann geradezu den Preis ausrechnen, der zu begleichen sei, wenn man dreimal nicht in die Kirche geht, einmal den Ehepartner betrügt und immer wieder mal die Kartoffeln aus Nachbars Acker klaut. – „Macht 89,50 Euro. Als guter Kunde bekommen sie beim nächsten Mal eine schwere Sünde gratis erlassen.“ – So ein Blödsinn!  Eine solche Praxis gab es in der Kirche nie! Vergebung der Sünde geschieht – abgesehen von Notsituationen wie etwa Krieg, Seuche oder auch ein persönlicher Unfall – nur im Sakrament der Beichte. Dazu braucht es aber immer Reue und Bekenntnis. Vergebung gegen Barzahlung – nein, das gibt es nicht.

Ablass? – Was ist denn das?

Leider teilen nicht alle die offensichtliche Euphorie des Papstes, die heilige Pforten, und damit „Tore zum Nachlass zeitlicher Sündenstrafe“, wie Pilze aus dem Boden hat sprießen lassen. Es fehlt an Katechesen und Predigten, in denen man versucht,  Katholiken den Ablass zu erklären und ihnen Möglichkeiten zu geben, ihn häufig und gerne zu empfangen. Die meisten Katholiken haben nur vage, oft auch falsche Vorstellungen von dieser Wirklichkeit. Selbst gute Christen, die oft beichten, fragen sich, warum denn Reue, Bekenntnis nicht genügen, alles wieder in Ordnung zu bringen. Ein einfaches Beispiel erklärt, warum der Ablass nicht unwichtig und nebensächlich, geschweige denn falsch und überholt ist.

„Und wer bitte bezahlt die Rechnung?“

Peter und Franz sind Freunde, aber eines Tages kommen sie doch in Streit. Erst beleidigen sich die Jungen, dann beginnen sie zu raufen, wälzen sich über den Boden und schlagen zu. Dabei trifft Peter den Franz so unglücklich, dass er ihm einen Zahn ausschlägt. Autsch! Schlagartig endet der Streit und die beiden laufen verärgert nach Hause. Daheim angekommen, bereut Peter seinen üblen Schlag in das Gesicht des Freundes. Er fährt zu seiner Wohnung und bittet um Verzeihung. Er erkennt ohne lange Diskussion an, dass er zu weit gegangen ist, und dass alles schon damit begann, dass er sich wegen einer Kleinigkeit über den Freund geärgert und ihn darum beleidigt habe. Franz lässt sich von diesem Bekenntnis rühren und erkennt die Reue des Freundes an. Mit blutendem Taschentuch vor dem Mund, stammelt er: „Ist schon wieder gut. Freunde?“ – „Freunde!“

Das, was hier zwischen Peter und Franz geschieht, das ereignet sich in der Beichte. Aus Feinden werden wieder die alten Freunde. Gott vergibt. Immer und immer wieder. Freilich bleibt der Schaden, die Folge der Sünde – in unserem Fall – der ausgeschlagene Zahn. Peter begleitet seinen neu gewonnenen, alten Freund zum Arzt, der die Sache recht schnell in Ordnung bringt.

Wer bezahlt aber nun für die medizinische Hilfe? Eigentlich muss Peter dafür bezahlen, aber so viel Geld bringt er nur bei monatelangem Sparen seines Taschengeldes zusammen. Nehmen wir an, er erzählt die Geschichte ehrlich seiner Mutter, die – als sie sieht, dass Peter schon „gebeichtet“ hat und ehrlich bereut, was er getan hat – sofort bereit ist, die Rechnung zu übernehmen und den Schaden im Namen ihres Sohnes wieder gut zu machen. Freilich stellt sie eine kleine Bedingung: Peter muss als Strafe – er soll ja doch auch irgendwie spüren, dass das kein harmloser Vorfall war, bei dem man mal ein Auge zudrücken kann – einen Monat lang den Müll raustragen. Peter atmet erleichtert auf: „Gerne mach ich das! Das hätte viel schlimmer für mich ausgehen können.“

Sünden provozieren kein schlechtes Karma, aber haben Konsequenzen

Was hier beschrieben wird, ist der Ablass, der Nachlass zeitlicher Sündenstrafen. Alles, was wir tun, hat Folgen – für die schlechten müssen wir geradestehen. Weil wir das aber oft nicht schaffen, greift „Mutter Kirche“ ein. Sie bezahlt für uns aus dem „Schatz der guten Werke Christi und der Heiligen“. Das Bankkonto dieser Frau ist voll – wieder einmal scheint sich alles „nur“ um’s Geld zu drehen! – weil sie so viel von Christus, Maria, den Aposteln und allen Heiligen bis heute geerbt hat mit dem Auftrag, damit Gutes zu tun. Die Kirche, das heißt in der Regel der Papst, verfügt über dieses Konto und teilt davon an alle aus, die darum bitten, das heißt einen Ablass gewinnen wollen. Freilich erwartet sie eine geradezu symbolische Gegenleistung, ein „kleines“ gutes Werk, einen Pfennigbetrag, den wir auf ihr Konto – man könnte auch sagen das Solidaritätskonto – aller Christen einzahlt. Einen vollkommen Ablass, also die volle Übernahme der Folgen meiner Sünde, gibt es daher nur unter fünf Bedingungen:

  1. Beichte – und das bedeutet, wie schon gesagt, Reue und Bekenntnis.
  2. Kommunion –ich muss zu Jesus laufen bzw. ihn zu mir einladen, damit die alte Freundschaft neu und vielleicht sogar noch stärker wieder auflebt.
  3. Vollkommene Reue – das bedeutet, dass ich aus Liebe alle meine Sünden bereue, also nicht nur aus Angst vor Strafe. Peter könnte fürchten, dass Franz‘ Vater ihn beschimpft, und deshalb die Sache bereinigen wollen. Er bittet jedoch um Verzeihung, weil er einsichtig ist und wieder seines Freundes Freund sein will.
  4. Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters – Der Papst verwaltet das „Bankkonto der Heiligen“. Er teilt im Ablass davon aus und bittet, gleichsam als kleine Gegenleistung, dass man, in der Regel ein Vater unser und ein Ave Maria, in seinen monatlich bekanntgegeben Anliegen betet. Diese muss man nicht kennen, sondern es genügt „in der Meinung des Heiligen Vaters“ zu beten)
  5. Ein gutes Werk – Das ist die kleine „Strafe“, die die Mutter zur Besserung auferlegt). Solche Werke sind zum Beispiel den Rosenkranz in Gemeinschaft beten, eine halbe Stunde Bibellesen, eine halbe Stunde Anbetung, etc. Oder wie im Heiligen Jahr das Durchschreiten einer Heiligen Pforte. An Allerseelen und den folgenden acht Tagen kann ein Ablass, allerdings nur für die Verstorbenen, gewonnen werden, wenn man als „gutes Werk“ einen Friedhof besucht, und dort für die Seelen der Verstorbenen betet.

Weder Hölle, noch Himmel – ein „Vorzimmer“ zur ewigen Seligkeit

Der Ablass ist die Vergebung zeitlicher Sündenstrafen. Was heißt das? Die Folge der schweren Sünde ist die ewige Trennung von Gott. Das nennen wir „Hölle“. Die Beichte befreit uns von der schweren Schuld und dieser entsetzlichen Konsequenz, das heißt mit der Absolution erlischt auch die ewige Strafe. Es bleibt eine zeitliche Strafe, das heißt eine Folge der Sünde, die irgendwann wieder gut gemacht ist; sei es in diesem Leben, in dem ich mich bemühe als guter Christ zu leben; oder im anderen, das heißt im Fegefeuer. Dort freilich kann der Mensch aktiv nichts mehr für sich tun. Er wird gereinigt. Die Lebenden können aber, so glauben wir Katholiken, den Seelen der Verstorbenen durch unser Gebet und auch durch den Ablass helfen. Wir sind nicht völlig von unseren Lieben getrennt, denn der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, so Jesus selbst, ist ein Gott der Lebenden und nicht der Toten.

Katholiken können singen „We are family“

Für Martin Luther steht der Mensch allein vor Gott. Für uns Katholiken stehen neben uns die Engel und Heiligen im Himmel aber auch die Menschen auf Erden, die für uns beten. Die „Freiheit eines Christenmenschen“ von allen Mittlern, ist nur schwer durchzustehen und kann manchmal zur schmerzhaften Einsamkeit werden. Die Kirche aber ist eine Familie, deren Mitglieder füreinander einstehen. Sie ist eine Solidargemeinschaft, ein Leib, wie der heilige Paulus sagt, in dem alle leiden, wenn einer leidet; alle sich freuen, wenn einer sich freut. Unsere Gebete sind oft im Plural, weil wir immer mit und für unsere Brüder und Schwestern vor Gott stehen. Diese Dimension wird im Ablass deutlich. Er ist die Versicherung, in die alle einzahlen, und diejenigen davon profitieren, die aufgrund ihrer Sünden und Fehler in Not geraten.

Was ein Ferrari in der Waschstraße mit dem Fegefeuer zu tun hat

Der heutige Reformationstag – Luther wählte bewusst den Vorabend des Allerheiligenfestes, an dem zahlreiche Menschen zum Gottesdienst strömten und damit an der Kirchentüre Halt machten, um seine Thesen zu lesen –  mehr aber noch der 2. November als der Gedenktat „Allerseelen“, das heißt all jener, die sicher in den Himmel kommen werden und dann zu allen Heiligen gehören, jetzt aber noch im Fegefeuer leidvoll erkennen, erinnern uns an den Ablass. Er ist das große Geschenk der Kirche an ihre Kinder, die sie um Hilfe bitten. Wir müssen es nicht alleine schaffen, wieder alles in Ordnung zu bringen. Freilich versteht man ihn nur, wenn man an die Realität des Fegefeuers glaubt, in dem die Seelen schmerzvoll leiden, weil sie angesichts der Schönheit Gottes, all die vielen Flecken erkennen, die sie noch beschmutzen. Das tut weh.

Stellen Sie sich vor, ihr kostbares Auto, ein prächtiger Ferrari, der vollkommen verdreckt ist und daher unmöglich als „Hochzeitswagen“ genutzt werden kann; nein, besser noch – ein Auto empfindet keinen Schmerz – Sie selbst wären voller Ölflecken. Unmöglich, so zu seiner eigenen Hochzeit zu gehen. Kein Wasser, keine Seife, nichts in Sicht. Sie „müssen“ selbst in die Autowaschanlage, in der die harten Bürsten und die brennende Seife sie sauber reibt. Ein hinkender Vergleich, aber es geht darum, dass diese Reinigung im Fegefeuer notwendig (wie sollte man sonst zum Fest gehen?), leidvoll und passiv ist, das heißt die Seele nichts mehr für sich selbst tun kann. Sie kann sich nicht selbst waschen, aber doch erträgt Sie „gerne“ die schmerzhafte Prozedur, um endlich sauber zum Hochzeitsmahl gehen zu können. Sie werden „gefegt“, besser gesagt, gereinigt.

Wir können den Seelen der Verstorbenen helfen. Die „armen Seelen“ können nichts mehr für sich selbst tun. Sie sind Bettler, die von unseren Gebeten profitieren. Sie werden gerettet, wie der heilige Paulus über das Fegefeuer sagt, aber nur wie durch Feuer hindurch (vgl. 1 Kor 3, 12).

Beten wir für die armen Seelen in diesen Tagen, damit sie – die sicher in den Himmel kommen werden – auch für uns vor Gott eintreten. „We are family“ – eine große Familie, die auf Erden streitet, im Fegefeuer leidet und im Himmel triumphiert und feiert.

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Quelle

Was tun, wenn man sich schämt, zur Beichte zu gehen?

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Die Versöhnung ist dazu da, Gottes Sieg über die Sünde in unserem eigenen Leben erfahren zu dürfen. Aber was passiert, wenn die Scham über die eigenen Sünden uns davon abhält, zum Sakrament der Versöhnung, der Beichte, zu gehen?

Der bekannte Theologe und Priester José Antonio Fortea hat darüber auf seinem Blog geschrieben.

Normalerweise sollte schon das Gespür eines Christen für die Barmherzigkeit Gottes ausreichen, die Scham zu überwinden und zur Beichte zu gehen, um Verzeihung und Heilung zu erhalten.

Doch in manchen Fällen, räumte der Geistliche ein, sind die Menschen nicht in der Lage, sich zu überwinden. Die Scham oder der falsche Stolz würden zu einer „Mauer“, die einen von der Versöhnung fernhalte.

„Die würden lieber eine 100-Meilen-Wallfahrt machen als von Angesicht zu Angesicht gewisse Dinge zu beichten, die sie getan haben und sie schrecklich und erschreckend demütigen“, sagte er über Menschen, die sich „schwer tun“, sich der Hilfe der Beichte zu bedienen, obwohl sie genau diese dringend bräuchten.

Der spanische Priester betonte zuerst, die wichtig es sei, dass Priester mit väterlichem Mitleid jene empfangen, die „solche belastete Gewissen“ haben.

Gleichzeitg unterstrich er die Wichtigkeit, anonyme Beichten anzubieten. In jeder Stadt, sagte er, sollte es mindestens einen Beichststuhl geben, der entsprechend eine absolut undurchsichtige Trennwand habe. Und der Beichtende sollte für den Priester auch nicht erkennbar sein auf dem Weg zu und von der Beichte.

„Mit diesen Maßnahmen kann die große Mehrzahl aller Gläubigen das Problem der Scham lösen“, sagte Pater Fortea.

Doch für die „wirklich sehr seltenen“ Fälle, in denen sich Menschen trotzdem schämten, zur Beichte zu gehen, trotz anonymer Beichtstühle, könnten weitere Dinge getan werden.

In solchen Fällen extremer Scham könne die betroffene Person „anonym einen Priester in der Stadt anrufen und ihr Problem schildern“. Die Beichte selber könne zwar nicht per Telefon abgelegt werden, aber „in vielen Fällen reicht der Anruf aus, um den Betroffenen genug Vertrauen zu schöpfen zu lassen, um dann einen der oben genannten Beichtstühle aufzusuchen“.

Sollte der Büßer immer noch vor lauter Scham zögern, sich seiner Sünden zu befreien, dann könne mit einem Priester eine schriftliche Beichte arrangiert werden.

In vielen Beichtstühlen seiner Heimatstadt Alcalá de Henares sei es möglich, den Beichtschirm „ganz leicht um nur einen kleinen Spalt zu verschieben, damit durch diesen Schlitz ein Stück Papier geschoben werden kann“, so Pater Fortea.

Für einen solchen, seltenen Fall empfehle er, die Beichte auf nur einer Seite niederzuschreiben, „klar und bündig“, oder sogar gedruckt, damit es gut lesbar sei.

„Der Priester wird seinen Rat geben, die Buße und die Absolution, ohne Fragen an den Büßer richten zu missen. In diesem Fall wäre es kontraproduktiv, Fragen zu stellen“, so der Geistliche.

Normalerweise muss natürlich eine Beichte im persönlichen Gespräch geführt werden, betont der Priester wiederholt. Doch Taube und Stumme seien schon immer eine schriftliche Beichte möglich gewesen. Und in Fällen unüberwindbarer Scham wäre es eben vereinzelt auch möglich, sagte er. „Eine psychische Beschränkung kann genauso echt wie eine physische sein“.

PAPST BENEDIKT XVI. ZUR FÖRDERUNG DER HÄUFIGEN BEICHTE

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Aus dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben SACRAMENTUM CARITATIS Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. vom 22.2.2007:

Einige pastorale Anweisungen

21. Die Synode hat daran erinnert, daß es die pastorale Aufgabe des Bischofs ist, in seiner Diözese eine entschiedene Wiederbelebung der Erziehung zur Umkehr anzuregen, die sich aus der Eucharistie ergibt, und unter den Gläubigen die häufige Beichte zu fördern. Alle Priester sollen sich großzügig mit Engagement und Kompetenz der Spendung des Sakramentes der Versöhnung widmen. [60] In diesem Zusammenhang muß darauf geachtet werden, daß die Beichtstühle in unseren Kirchen gut sichtbar sind und die Bedeutung dieses Sakramentes zum Ausdruck bringen. Ich bitte die Hirten, die Art des Vollzugs des Sakramentes der Versöhnung aufmerksam zu überwachen und die Praxis der Generalabsolution ausschließlich auf die eigens vorgesehenen Fälle zu beschränken, [61] da nur die persönliche Lossprechung die ordnungsgemäße Form darstellt.[62] Angesichts der Notwendigkeit der Wiederentdeckung der sakramentalen Vergebung sollte es in allen Diözesen immer den Pönitentiar geben. [63] Schließlich kann eine wertvolle Hilfe für die erneute Bewußtmachung der Beziehung zwischen Eucharistie und Versöhnung eine ausgeglichene und vertiefte Praxis des für sich selbst oder für die Verstorbenen gewonnenen Ablasses sein. Mit ihm erhält man „vor Gott den Nachlaß der zeitlichen Strafe für die Sünden, die – was die Schuld betrifft – schon vergeben sind.“ [64] Die Inanspruchnahme der Ablässe hilft uns verstehen, daß wir allein mit unseren Kräften niemals imstande wären, das begangene Böse wiedergutzumachen, und daß die Sünden jedes Einzelnen der ganzen Gemeinschaft Schaden zufügen. Darüber hinaus verdeutlicht uns die Ablaß-Praxis, da sie außer der Lehre von den unendlichen Verdiensten Christi auch die von der Gemeinschaft der Heiligen einschließt, „wie eng wir in Christus miteinander vereint sind und wie sehr das übernatürliche Leben jedes Einzelnen den anderen nützen kann“. [65] Da ihre Form unter den Bedingungen den Empfang des Beichtsakramentes und der Kommunion vorsieht, kann ihre Übung die Gläubigen auf dem Weg der Umkehr und bei der Entdeckung der Zentralität der Eucharistie im christlichen Leben wirkungsvoll unterstützen.


 [60] Vgl. Propositio 7.

 [61]Vgl. Johannes Paul II., Motu proprio Misericordia Dei (7. April 2002): AAS 94 (2002), 452-459.

 [62]Gemeinsam mit den Synodenvätern möchte ich daran erinnern, daß die nicht sakramentalen Bußfeiern, die im Rituale für das Sakrament der Versöhnung erwähnt werden, nützlich sein können, um in den christlichen Gemeinden den Geist der Umkehr zu fördern und so die Herzen auf die Feier des Sakramentes vorzubereiten: vgl. Propositio 7.

 [63] Vgl. Kodex des kanonischen Rechts, can. 508.

 [64]Paul VI., Apost. Konst. Indulgentiarum doctrina (1. Januar 1967), Normae, Nr. 1: AAS 59 (1967), 21.

 [65] Ebd., 9: AAS 59 (1967), 18-19.

PAPST PAUL VI.: DAS BUß-SAKRAMENT IN DER LEHRE DER KIRCHE

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PAPST PAUL VI.

Ansprache beim „ad-lad-limina“-Besuch der amerikanischen
Oberhirten des Bundesstaates New York, 20. April 1978

 

Im Namen des Herrn: „Friede sei mit euch!“ (Joh 20, 19).
Wir haben uns schon auf diesen Tag gefreut und heißen euch alle nun mit Freude, mit großer Freude willkommen. Für einen kurzen Augenblick seid ihr aus euren pastoralen Arbeitsbereichen in das Zentrum der kirchlichen Einheit zurückgekehrt; der apostolischen Tradition der Kirche entsprechend, seid ihr gekommen, „um Pe­trus zu sehen“ (Gal 1, 18). Und ihr bringt die Hoffnungen und Sehnsüchte von über sechs Millionen Katholiken des Staates New York mit. In euch als den Oberhirten der Ortskirchen umfassen wir in der Liebe des Erlösers das ganze Volk Gottes. Denn nach dem Willen Christi, unseres Herrn, sind alle eure Gläubigen auch unsere Söhne und Töchter in der Gemeinschaft der universalen Kirche, und mit großer, väterlicher Liebe möchten wir sie alle, zu­sammen mit euch, ihren Bischöfen, im Glauben an Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, bestärken.

Eure Diözesen verdienen, so meinen wir, wahrhaftig besondere Ehre, besondere pastorale Aufmerksamkeit. Ihr steht in der Tradi­tion großer Heiliger. Das Blut nordamerikanischer Märtyrer hat eure Erde gesegnet, und die hl. Francesca Cabrini, die hl. Elizabeth Ann Seton und der hl. Johannes Neumann lebten in eurer Mitte. Ihr habt auch ein reiches Erbe an ethnischer Vielfalt zu bewahren. Wie viele Einwanderer vielleicht sogar eure eigenen Mütter oder Väter — betraten in New York zum ersten Mal amerikanischen Bo­den! Auch wir erinnern uns voll Dankbarkeit eurer Gastfreund­schaft.

Durch euren heutigen Besuch hier bei uns bekennt ihr euren Glauben an die Kirche als eine Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe, die von Jesus Christus errichtet wurde und ihre sichtbare Einheit im Nachfolger Petri findet. Wir wissen, daß bei dieser un­serer Begegnung der Herr Jesus unter uns ist. Wir vertrauen darauf, daß ihr, durch die Kraft des Geistes gestärkt, hinausgehen werdet, um mit neuem Mut und frischer Kraft euer Amt der Glaubensverkündigung fortzusetzen: Christus zu verkündigen und sein Reich und seine Wiederkunft zu predigen.

Wir möchten einige Augenblicke mit euch zusammen kurz über einen grundlegenden Aspekt des Evangeliums nachdenken: den Ruf Christi zur Umkehr. Das Thema der Umkehr wurde schon von Johannes dem Täufer angekündigt: „Kehrt um!“ (Mt 3, 2). Dieselben Worte hat dann später Jesus gesprochen (vgl. Mt 4, 17). Und genauso wie die Apostel diese Botschaft vom Herrn gehört hatten, erhielten sie von ihm den Auftrag, diese zum Inhalt ihrer Verkündigung zu machen (vgl. Lk 24, 27). So verkündet Petrus, dem Gebot Jesu getreu, in seiner Pfingstpredigt die Umkehr zur Vergebung der Sünden (vgl. Apg 2, 38). Der hl. Paulus sagt in aller Klarheit: „Ich habe gepredigt, sie sollen umkehren und sich Gott zuwenden“ (Apg 26, 20).

Liebe Brüder, diese Aufforderung zur Umkehr ist vom Herrn Jesus auf uns gekommen: sie gilt für uns, für unser Leben und für unsere ständige, furchtlose Verkündigung an die Welt. Bei anderer Gelegenheit sagten wir, Umkehr sei ein ganzes Programm, das in enger Verbindung mit der Erneuerung durch das Evangelium steht (vgl. Ansprache bei der Generalaudienz vom 9. November 1977). So stellt Umkehr das Ziel dar, das durch unseren apostolischen Dienst erreicht werden soll: die Weckung des Bewußtseins von der Sünde, des Bewußtseins von der ewigen und tragischen Wirklich­keit der Sünde, ihrer persönlichen und sozialen Dimensionen, zu­gleich aber die Vergegenwärtigung der Tatsache, daß „dort, wo die Sünde mächtig wurde, die Gnade übermächtig geworden ist“ (Röm 5, 20); ferner die Verkündigung des Heils in Jesus Christus.

Heute möchten wir zu euch, euren Mitbrüdern im Bischofsamt und euren Priestern in Amerika im besonderen über die sakramen­talen Aspekte der Umkehr sprechen, über bestimmte Dimensio­nen des Sakraments der Buße oder Versöhnung. Vor sechs Jahren veröffentlichte die Kongregation für die Glaubenslehre mit unserer ausdrücklichen Billigung und in unserem Auftrag Pastoralnormen, die die Generalabsolution regeln sollten. Dieses Dokument, das den Titel Sacramentum paenitentiae trägt, wiederholte die feierliche Lehre des Konzils von Trient über das göttliche Gebot der per­sönlichen Beichte. Das Dokument gab zu, daß mancherorts wegen des Priestermangels für die Gläubigen erhebliche Schwierigkeiten bestehen, zur Einzelbeichte zu gehen. Es wurden Vorkehrungen für eine Generalabsolution in Notfällen getroffen, wobei genau de­finiert wurde, unter welchen Voraussetzungen derartige Notfälle gegeben sind (Norm 3).

Es wurde dem Ortsordinarius nach Beratung mit anderen Mit­gliedern der Bischofskonferenz vorbehalten, zu entscheiden, ob die vom Hl. Stuhl verlangten und in Norm 3 im einzelnen darge­legten notwendigen Bedingungen vorliegen. Die Bischöfe wurden nicht ermächtigt, die verlangten Bedingungen zu ändern, durch andere zu ersetzen oder aufgrund persönlicher Kriterien, auch wenn diese noch so achtbar sind, einen schweren Notfall zu kon­statieren. Sacramentum paenitentiae erkannte im Endeffekt an, daß die Normen, die die Grundordnung des kirchlichen Dienstes der Versöhnung regeln, in besonderer Weise Sache der Gesamtkir­che und der Regelung durch ihre oberste Autorität sind. Wichtig bei der Anwendung der Normen ist die generelle Wirkung des grundlegenden kirchlichen Dienstes der Versöhnung in Übereinstimmung mit dem Plan Christi, des Erlösers. Im Leben der Kirche ist die Entscheidung für die Generalabsolution nicht der Normal­fall und kein Mittel, irgendwelchen schwierigen pastoralen Situa­tionen zu begegnen. Sie ist nur in außergewöhnlichen Situationen von schwerer Notlage gestattet, wie in Norm 3 bestimmt ist. Wir haben bereits vergangenes Jahr öffentlich auf den absoluten Aus­nahmecharakter der Generalabsolution hingewiesen (Ansprache bei der Generalaudienz vom 23. März 77).

Brüder, wir erinnern auch an die Worte in unserem Schreiben an die amerikanischen Bischöfe anläßlich des 200jährigen Bestehens der Vereinigten Staaten: „Wir ersuchen um höchste Wachsamkeit in der Frage der Ohrenbeichte“ (AAS 68, 1976, S. 410). Und heute fügen wir ausdrücklich hinzu: Wir ersuchen um treue Einhaltung und Beachtung der Normen. Die Treue zur Gemeinschaft der uni­versalen Kirche verlangt das; diese Treue wird zugleich Garant sein für die übernatürliche Wirkung eures kirchlichen Sendungsauf­trags zur Versöhnung.

Darüber hinaus bitten wir euch, die Bischöfe, euren Priestern zu helfen, immer mehr Verständnis und Wertschätzung für ihren her­vorragenden Dienst als Beichtväter zu finden (vgl. Lumen gen­tium, Nr. 30). Eine jahrhundertelange Erfahrung bestätigt die Be­deutung dieses Dienstes. Wenn Priester wirklich begreifen, wie eng sie durch das Bußsakrament mit dem Erlöser in der Aufgabe der Bekehrung zusammenarbeiten, werden sie sich mit immer grö­ßerem Eifer dieser Sendung hingeben. Zugleich werden den Gläu­bigen mehr Beichtväter zur Verfügung stehen. Man wird aus Zeit­mangel andere Werke hintanstellen oder sogar aufgeben müssen ­aber auf keinen Fall die Beichte. Das Beispiel des hl. Johannes Vianney ist nicht überholt. Der Ermahnung von Papst Johannes XXIII. in seiner Enzyklika Sacerdotii Nostri Primordia kommt noch immer größte Bedeutung zu.

Wir haben wiederholt gefordert, die Hauptfunktion des Bußsa­kramentes zu bewahren (vgl. Ansprache bei der Generalaudienz vom 3. April 1974 und vom 12. März 1975). Und vor zwei Jahren bei der Seligsprechung des Kapuzinerpaters Leopold von Castel­nuovo führten wir aus, daß dieser Mann den höchsten Grad der Heiligkeit durch seinen Dienst im Beichtstuhl erlangt hat. Wir glauben, daß die Lage in der heutigen Kirche — in euren Diözesen wie anderswo — reif dafür ist, häufigeren und fruchtbareren Ge­brauch vom Bußsakrament in Übereinstimmung mit dem Ordo paenitentiae zu machen, und reif für einen intensiveren Dienst der Priester, was Früchte größerer Heiligkeit und Gerechtigkeit im Leben der Priester und Gläubigen zur Folge hätte. Aber der volle Erfolg dieser Erneuerung hängt mit Gottes Gnade von eurer eige­nen Wachsamkeit und Treue ab. Das erfordert von eurer Seite ständige Leitung und strenge geistliche Führung. Im Hinblick auf die Praxis häufigen Beichtens bitten wir euch zudem, eure Priester, Ordensleute und Laien — alle Gläubigen, die nach Heiligkeit stre­ben — an die Worte unseres Vorgängers Pius XII. zu erinnern: „Diese Praxis ist nicht ohne Eingebung des Heiligen Geistes in die Kirche eingeführt worden“ (AAS 35, 1943, S. 235).

Ein weiterer wichtiger Aspekt der kirchlichen Bußdisziplin ist die Praxis der Erstbeichte vor der Erstkommunion. Hier lautet un­sere dringende Bitte, die Normen des HI. Stuhls nicht durch gegenteilige Handhabung um ihre Bedeutung zu bringen. In dieser Hinsicht wiederholen wir, was wir vergangenes Jahr einer Gruppe von Bischöfen bei ihrem „ad-limina“-Besuch gesagt haben: „Der Gläubige würde mit Recht entrüstet sein, wenn augenfällige Miß­bräuche von jenen geduldet werden, die das Bischofsamt inneha­ben, das seit den frühesten Tagen der Kirche Wachsamkeit und Einheit bedeutet“ (AAS 69, 1977, S. 473).

Es gibt noch manche andere Aspekte der Umkehr, über die wir gerne zu euch sprechen würden. Aber wir werden jetzt schließen mit der dringenden Bitte, eurem Volk ein ermutigendes Wort des Vertrauens und der Zuversicht zu übermitteln: „Christus Jesus, unsere Hoffnung“ (1 Tim 1, 1). In der Nacht seiner Auferstehung und durch die Kraft seines Wortes fordert er die Gläubigen auf, den lebenslangen Weg der Umkehr fortzusetzen eingedenk der Worte: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: wie Großes Gott de­nen bereitet hat, die ihn lieben“ (1 Kor 2, 9).

Liebe Brüder, wir danken euch aufrichtig als Mitarbeiter für das Evangelium und bitten den Herrn Jesus, eure Liebe zu ihm zu er­neuern. Allen euren Priestern und Diakonen, euren Ordensleuten und Laien senden wir unseren Friedensgruß und unseren Apostoli­schen Segen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heili­gen Geistes. Amen.

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Quelle: WORT UND WEISUNG IM JAHR 1978, Libreria Editrice Vaticana – Butzon & Bercker