Die offizielle päpstliche Botschaft zum Weltfriedenstreffen 2017 in Münster und Osnabrück

BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER DES INTERNATIONALEN WELTFRIEDENSTREFFENS
„WEGE DES FRIEDENS“

[Münster und Osnabrück, 10.-12. September 2017]

 

Verehrte, liebe Vertreter der christlichen Kirchen und Gemeinschaften und der Weltreligionen,

Ihnen allen entbiete ich meinen herzlichen Gruß und versichere Ihnen meine geistliche Nähe.

Auf Initiative der Diözesen Münster und Osnabrück sowie der Gemeinschaft Sant’Egidio, denen ich vielmals danke, sind Sie zu einem weiteren internationalen Treffen mit dem Titel „Wege des Friedens“ zusammengekommen. Dieser Weg des Friedens und des Dialogs, den der heilige Johannes Paul II. 1986 in Assisi gewünscht und angestoßen hat und dessen dreißigsten Jahrestag wir letztes Jahr gemeinsam begehen durften, ist aktuell und notwendig: Konflikte, verbreitete Gewalt, Terrorismus und Kriege bedrohen heute Millionen von Menschen, treten die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens mit Füßen und machen alle noch schwächer und verwundbarer.

Das Thema dieses Jahres lädt dazu ein, neue Wege des Friedens zu öffnen und zu bauen. Dies ist nötig, besonders dort, wo Konflikte ohne Ausweg zu sein scheinen, wo man keine Wege zur Versöhnung einschlagen will, wo man auf Waffen vertraut und nicht auf den Dialog und so ganze Völker in der Nacht der Gewalt belässt ohne Hoffnung auf einen Morgen des Friedens. Viele, zu viele haben immer noch „Durst nach Frieden“, wie wir es letztes Jahr in Assisi gesagt haben. Neben den politischen und gesellschaftlichen Verantwortungsträgern, deren Auftrag es ist, den Frieden für alle heute und in der Zukunft zu fördern, sind die Religionen dazu berufen, vor allem mit dem Gebet und mit dem konkreten, demütigen und konstruktiven Einsatz diesem Verlangen zu entsprechen und zusammen mit den Männern und Frauen guten Willens unermüdlich Wege des Friedens auszumachen und zu öffnen.

Angesichts der Unvernunft derer, die Gott herabwürdigen, indem sie Hass säen, angesichts des Dämons des Krieges, des Wahnsinns des Terrorismus und der trügerischen Stärke der Waffen kann unser Weg für den Frieden nur ein Weg des Friedens sein, jener nämlich, der die »vielen religiösen Traditionen, für die Mitleid und Gewaltlosigkeit wesentlich sind und den Weg des Lebens weisen«, vereint (Botschaft zum Weltfriedenstag, 1. Januar 2017, 4). Um Durchgänge des Friedens zu öffnen, braucht es demütigen Mut und beharrliche Ausdauer. Insbesondere ist es nötig zu beten, denn – so glaube ich fest – das Gebet steht am Anfang des Friedens. Als Religionsführer haben wir vor allem in diesem geschichtlichen Moment auch eine besondere Verantwortung: Menschen des Friedens zu sein und als solche zu leben, die bezeugen und in Erinnerung rufen, dass Gott den Krieg verabscheut, dass Krieg niemals heilig ist, dass Gewalt niemals im Namen Gottes verübt oder gerechtfertigt werden kann. Darüber hinaus sind wir berufen, die Gewissen wachzurütteln, Hoffnung zu verbreiten sowie Friedensstifter zu erwecken und zu unterstützen.

Was wir nicht machen können und dürfen, ist gleichgültig bleiben, so dass die Tragödien des Hasses in Vergessenheit geraten und man sich mit der Vorstellung abfindet, dass der Mensch weggeworfen wird und ihm Macht und Gewinn vorgezogen werden. Das Treffen dieser Tage möchte Wege des Friedens und für den Frieden öffnen und stärken und will offenbar genau dieser Einladung entsprechen: die Gleichgültigkeit gegenüber dem menschlichen Leid überwinden. Dafür danke ich Ihnen und ebenso dafür, dass Sie trotz der Unterschiede beisammen sind, um nach Wegen zu suchen, die von den Übeln des Krieges und des Hasses befreien. Der erste Schritt dazu besteht in der Fähigkeit, den Schmerz des anderen zu hören, ihn zu seinem eigenen zu machen, den anderen nicht fallen zu lassen und sich nicht daran zu gewöhnen. Nie darf man sich an das Übel gewöhnen, nie darf man ihm gegenüber gleichgültig sein.

Und doch kann man sich fragen: Was soll man angesichts so großen um sich greifenden und wütenden Übels tun? Ist es nicht zu stark? Ist nicht jeder Einsatz umsonst? Gegenüber diesen Fragen läuft man Gefahr, sich von der Resignation lähmen zu lassen. Sie hingegen haben sich auf den Weg gemacht und haben sich heute versammelt, um eine Antwort zu geben, ja, schon Ihr Zusammenkommen stellt eine Antwort des Friedens dar: nie wieder die einen gegen die anderen, sondern die einen gemeinsam mit den anderen. Die Religionen können nichts anderes als Frieden wollen; sie sind tätig im Gebet, sie sind bereit, sich über die Wunden des Lebens und über die Unterdrückten der Geschichte zu beugen, und sie sind wachsam, der Gleichgültigkeit entgegenzuwirken und Wege der Gemeinschaft zu fördern.

Es ist bedeutungsvoll, dass Ihr Treffen im Herzen Europas stattfindet, in dem Jahr, in dem dieser Kontinent sechzig Jahre Gründungsverträge der Union feiert, die 1957 in Rom unterzeichnet wurden. Der Friede bildet das Herz des Aufbaus Europas nach den Trümmern zweier verheerender Weltkriege und der schrecklichen Tragödie der Shoah. Ihre Anwesenheit in Deutschland möge ein Zeichen und eine Ermahnung für Europa sein, den Frieden zu pflegen, nämlich durch seinen Einsatz, Wege einer festeren Einheit im Innern und eine immer größeren Öffnung nach außen zu bauen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Friede nicht nur Frucht des menschlichen Einsatzes ist, sondern der Öffnung auf Gott hin.

So öffnen wir weiter gemeinsam neue Wege des Friedens. Lichter des Friedens mögen entzündet werden, wo die Finsternis des Hasses herrscht. Es möge der »Wille aller Menschen [sein], dass sie die Schranken zerbrechen, die die einen von den andern trennen; dass sie die Bande gegenseitiger Liebe festigen, einander besser verstehen; dass sie schließlich allen verzeihen, die ihnen Unrecht getan haben. So werden […] alle Völker sich brüderlich umarmen, und so wird stets in ihnen der ersehnte Friede herrschen« (Johannes XXIII., Enzyklika Pacem in terris, 91).

Aus dem Vatikan, am 28. August 2017

Franziskus

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Quelle

Papstgruß nach Münster: „Religionen wollen nichts als Frieden“

Franziskus mit einer weißen Taube als Symbol des Friedens

Papst Franziskus hat dem internationalen Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant’Egidio in Münster und Osnabrück zu dessen Eröffnung eine Grußbotschaft übermittelt. Darin erinnert er an die besondere Rolle von Religionsführern in Konflikten, wie die Welt sie derzeit sieht. Franziskus kritisierte die „Unvernunft derer, die Gott herabwürdigen, indem sie Hass säen“, er wandte sich gegen den „Wahnsinn des Terrorismus“ und die „trügerische Stärke der Waffen“. Die Religionen könnten, fuhr der Papst fort, „nichts anders als Frieden wollen“. Das Treffen wurde am Sonntagnachmittag unter anderem mit einer Rede von Kanzlerin Angela Merkel in Münster eröffnet.

Religionsführer hätten die Verantwortung, „Menschen des Friedens zu sein und als solche zu leben”, schreibt der Papst in seinem Gruß nach Deutschland. Sie sollten „bezeugen und in Erinnerung rufen, dass Gott den Krieg verabscheut, dass Krieg niemals heilig ist, dass Gewalt niemals im Namen Gottes verübt oder gerechtfertigt werden kann. Darüber hinaus sind wir berufen, die Gewissen wachzurütteln, Hoffnung zu verbreiten sowie Friedensstifter zu erwecken und zu unterstützen.“

Franziskus rief dazu auf, vor der vermeintlichen Übermacht des „wütenden Übels“ nicht zu resignieren. Schon ihre Zusammenkunft, so der Papst in seinem Gruß an die versammelten Religionsführer, sei eine Antwort des Friedens: „nie wieder die einen gegen die anderen, sondern die einen gemeinsam mit den anderen. Die Religionen können nichts anders als Frieden wollen“.

Und der Papst verwies auf den Frieden als Gründungsidee Europas vor 60 Jahren mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957, nach zwei Weltkriegen und der „schrecklichen Tragödie der Shoah“. „Ihre Anwesenheit in Deutschland möge ein Zeichen und eine Ermahnung für Europa sein, den Frieden zu pflegen.“

Zum Internationale Weltfriedenstreffen in Deutschland haben sich rund 5000 Teilnehmer aus aller Welt angemeldet. Die dreitägige Veranstaltungsreihe in den Domstädten Münster und Osnabrück steht unter dem Motto „Wege des Friedens“. Organisiert wird das Treffen von der katholischen Gemeinschaft Sant‘ Egidio, die ihren Hauptsitz in Rom hat. Es findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt.

(rv 10.09.2017 gs)

Sozialeinsatz für Projekte des Salesianerordens

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Wien. 18 junge Frauen und Männer aus Österreich beginnen in den kommenden Tagen und Wochen einen Sozialeinsatz im Rahmen der Hilfsorganisation »Jugend Eine Welt« und der Salesianer Don Boscos. Einsatzländer sind aktuell Äthiopien, Ecuador, Ghana, Indien, Kolumbien und Malawi. In Jugendzentren der Salesianer Don Boscos, Schulen und Straßenkinderprojekten arbeiten sie für ein Jahr unterstützend in der Lehrtätigkeit, Freizeitbetreuung und offenen Kinder- und Jugendarbeit. Ein halbes Jahr haben sich die Freiwilligen auf ihren Dienst vorbereitet.

Seit 1997 haben mehr als 420 Österreicher ein Volontariat mit »Jugend Eine Welt« geleistet. Zu Jahresbeginn 2013 wurde die Durchführung des Volontariatsprogramms an den Verein »Volontariat bewegt« übertragen. Dahinter stehen aber nach wie vor »Jugend Eine Welt« sowie die Salesianer Don Boscos. Die Einsätze werden durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit sowie von kirchlichen und privaten Initiativen unterstützt.

(Infos: www.volontariat.at)

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Quelle: Osservatore Romano 6/2017

Botschaft von Papst Franziskus für die Fastenzeit 2017 wird am Dienstag veröffentlicht

CITE DU VATICAN, Vatican City : Pope Benedict XVI (C) attends his weekly general audience while a Christmas tree and a crib are displayed in the Paul VI hall at The Vatican on December 15, 2010

Chiara Amirante (Photo: 2011) / Wikimedia Commons – Alessia Giuliani, CC BY 3.0

‪„Das Wort ist ein Geschenk. Der Andere ist ein Geschenk“

‪„Das Wort ist ein Geschenk. Der Andere ist ein Geschenk“. Unter diesem Titel wird am kommenden Dienstag, dem 7. Februar, die Botschaft von Papst Franziskus für die Fastenzeit 2017 veröffentlicht.

Der Text wird vom Präfekten des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, Kardinal Peter Turkson, und von der Gründerin der italienischen Gemeinschaft ‪„Nuovi Orizzonti“ (Neue Horizonte), Chiara Amirante, im Vatikan der Presse vorgestellt.

Die Botschaft wird ab 12 Uhr mittags in verschiedenen Sprachen auf der Webseite von ZENIT zur Verfügung stehen, darunter auch in deutscher Sprache.

Während der 40 Tage dauernden Fastenzeit, die in diesem Jahr am Aschermittwoch, dem 1. März, beginnt, bereiten die Getauften sich auf das Osterfest vor.

Die Gemeinschaft ‪„Nuovi Orizzonti“ bietet Jugendlichen in Schwierigkeiten einen christlichen Bildungsweg an und ermöglicht ihnen in 210 Zentren und fünf ‪sogenannten „Cittadelle Cielo“ (Himmelszitadellen) eine Wiederintegration in die Gemeinschaft.

Sie zählt etwa 30.000 Mitarbeiter und mehr als eine halbe Million „Cavalieri della Luce“ (Ritter des Lichtes), die verschiedene Evangelisierungsprojekte (auch auf den Straßen) betreuen.

Das Motto von ‪„Nuovi Orizzonti“ lautet „e Gioia sia!“ (und es werde Freude!). (pdm)

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Quelle

Nein zu einer Wirtschaft, die tötet, Ja zu einer Wirtschaft in Gemeinschaft

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Audienz „Economia Di Comunione“, 4. Februar 2017

Wirtschafts-Initiative der Fokolar-Bewegung beim Papst

1200 Vertreter der Fokolar-Bewegung waren heute in der Aula Paul XI. im Vatikan für eine Begegnung mit Papst Franziskus zusammen. Unter ihnen Unternehmer, Studierende und Lehrende von Wirtschaftsfakultäten aus 55 Ländern, die sich im Rahmen der Initiative „Wirtschaft in Gemeinschaft“ engagieren.

„Für Eure Initiative interessiere ich mich schon seit geraumer Zeit,“ bekannte Papst Franziskus zu Beginn seiner Ansprache, nachdem er zuvor eine kurze Einführung von Prof. Luigino Bruni, dem internationalen Koordinator der WiG und drei kurze Zeugnisse von Unternehmern gehört hatte. Er nahm den Namen der Initiative auf und rückte eine positive Wechselwirkung ins Licht: „Mit Eurem Leben gebt Ihr Zeugnis, dass Wirtschaft und Gemeinschaft noch schöner werden, wenn sie nebeneinander stehen. Dass die Wirtschaft schöner wird, ist klar, aber auch die Gemeinschaft wird schöner, wenn sie Gemeinschaft der Güter, der Talente und der Gewinne wird.“

Das Geld mit den Ärmsten teilen

Der Papst nahm Stellung zu einigen Grundprinzipien der Wirtschaft in Gemeinschaft, allen voran die Bereitschaft der Unternehmer, einen Teil ihres Gewinns zu teilen. Franziskus räumte ein, dass er vom Geld bisher oft als einem Götzen gesprochen habe, von dem es sich zu befreien gelte. Geld dürfe nicht zum Ziel werden, sonst riskiere es, den Platz Gottes im Herzen der Menschen einzunehmen. „Die beste Möglichkeit, zu verhindern, dass das Geld zu einem falschen Gott wird, ist, es mit anderen zu teilen, vor allem mit den Ärmsten. Das ist ein Akt höchster Spiritualität, Ihr sagt damit: Du bist nicht Gott, Du bist nicht Herr.“

Nicht Symptome bekämpfen, sondern das System verändern

Auch bei dieser Begegnung mit Unternehmern drückte er deutliche Kritik an Formen des Kapitalismus aus, die den Menschen zerstören, statt zum Gemeinwohl beizutragen.

„Der Kapitalismus produziert weiterhin all den Abfall, den er dann anschließend entsorgen will. Das katholische Oberhaupt beschrieb die Absurdität, wenn Fluggesellschaften als Ausgleich für die Umweltverschmutzung, die sie verursachen, einen Teil der Ticketkosten in die Anpflanzung von Bäumen investieren. „An dem Tag, an dem Rüstungsunternehmen Krankenhäuser bauen, um die Kinder zu versorgen, die von ihren Bomben verstümmelt wurden, hat das System seinen absurden Höhepunkt erreicht. Das ist Heuchelei!“

Er forderte die Unternehmer auf, nicht nur dafür zu arbeiten, dass die Opfer des Systems weniger werden, sondern ein System aufbauen, in dem es keine Opfer mehr gebe.

Qualität und Radikalität

Mit gut 800 Betrieben, die sich weltweit bisher der Initiative angeschlossen haben, sei das Projekt noch sehr klein, könne angesichts des großen Kapitals der Welt winzig erscheinen, stellt Franziskus fest. „Aber die Veränderungen, die vom Hl. Geist angestoßen sind, hängen nicht von großen Zahlen ab. Die kleine Herde, die Lampe, eine Münze, ein Schaf, eine Perle, das Salz, der Sauerteig – das sind die Bilder für das Reich Gottes, die uns das Evangelium zeigt. Es braucht nicht viel, um unser Leben zu verändern. Die Menge ist hier nicht ausschlaggebend, es kommt auf die Qualität an.“

Sauerteig und Salz, das sind die beiden Bilder, mit denen er die Unternehmer ermutigt, Einfluss zu nehmen auf ihre Umgebung. „Gemeinschaft ist nicht nur Teilen sondern auch Multiplikation. Die Wirtschaft in Gemeinschaft hat Zukunft, wenn Ihr sie allen weiterschenkt, und nicht, wenn sie nur unter euch bleibt. Gebt sie vor allem an die Armen und an die Jugend weiter! Um Leben in Fülle zu haben, muss man lernen, zu geben – nicht nur die Gewinne der Firmen, sondern gebt Euch selbst. Euer Geld, auch wenn es wichtig sein mag, ist zu wenig! Das Geld rettet nicht, wenn es nicht vom Geschenk des eigenen Lebens begleitet wird. Das ist die Logik des Evangeliums: Wenn man nicht alles gibt, gibt man nie genug.“

Zum Schluss nimmt er einen Vorwurf auf, mit dem er schon in seinem Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ aufgerüttelt hatte: „Das Nein an eine Wirtschaft, die tötet, sollte ein Ja an eine Wirtschaft werden, die lebendig macht, weil sie teilt, die Armen einschließt und die Gewinne nutzt, um Gemeinschaft zu schaffen.“

Für die Anwesenden waren diese Worte Ermutigung und Ansporn. Benedikt Krüger hat gerade mit drei Kollegen ein eigenes Ingenieurbüro in Mannheim gegründet. Als evangelischer Christ war er besonders von der Natürlichkeit und formlosen Art des katholischen Oberhaupts beeindruckt. „Seine Kapitalismuskritik war deutlich: Es kann nicht sein, dass man erst macht und anschließend die Folgen beseitigt, sondern es geht darum, gleich für das Gemeinwohl zu wirtschaften.“

Thomas Hüttl, Immobilienverwalter aus Augsburg, hatte sogar die Gelegenheit, das Oberhaupt der katholischen Kirche persönlich zu grüßen. „Mich hat sehr gefreut, dass Franziskus uns wahrgenommen hat als eine Bewegung, die gegen die Kultur des Habens angeht. Als Unternehmer hat mich herausgefordert, dass es nicht reicht, die Gewinne zu teilen, sondern mich selbst zu geben.“

1991 hatte Fokolar-Gründerin Chiara Lubich während eines Besuches im brasilianischen Sao Paolo Unternehmer dazu eingeladen, Betriebe aufzubauen, deren Ziel nicht allein die Erwirtschaftung von Profit für die Eigentümer ist, sondern deren Gewinne auch dazu beitragen, Armut zu bekämpfen, Not zu lindern und Arbeitsplätze zu schaffen. Sie prägte den Begriff einer „Kultur des Gebens“. Der damals entstandenen Initiative „Wirtschaft in Gemeinschaft“ haben sich inzwischen weltweit mehr als 800 Betriebe angeschlossen.

Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neuen geistlichen Aufbrüchen, die in den letzten 70 Jahren in den christlichen Kirchen entstanden sind. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1943 in Trient zurück. Mittlerweile ist sie in mehr als 180 Ländern der Welt vertreten. Weltweit zählt die Fokolar-Bewegung heute rund 140.000 Mitglieder, schätzungsweise 5 Millionen Menschen stehen mit ihr in Verbindung.

(Quelle: Pressemitteilung Fokolar-Bewegung)

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Quelle

„Räume schaffen, in denen Gott erfahrbar wird“

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Loretto Gemeinschaft / Courtesy: Andreas Walch, Salzburg (A)

Die Loretto Gemeinschaft — Marina Schlager im Interview

Die Loretto Gemeinschaft ist eine Bewegung in Österreich, die zu den neuen „Movimenti“ innerhalb der katholischen Kirche gehört. Über die Entstehung, Aktivitäten sowie die Positionierung in der katholischen Kirche und die Zukunft der Gemeinschaft spricht die Salzburger Germanistin und Geschichtsstudentin Marina Schlager. Sie ist seit vier Jahren in der Loretto Gemeinschaft und seit Oktober 2016 für die Öffentlichkeitsarbeit der Organisation zuständig.

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Frau Schlager, was ist die Loretto Gemeinschaft?

Marina Schlager: Die Loretto Gemeinschaft ist eine der vielen neuen Bewegungen (Stichwort „Movimenti“) innerhalb der katholischen Kirche. Unsere Gemeinschaft zählt im Moment etwas über 500 Mitglieder, die in einem Versprechen, in einem Engagement leben. Zu den diversesten Angeboten und Apostolaten unserer Gemeinschaft kommen Tausende, die meiste davon zu Pfingsten. Ein Großteil davon sind Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch viele Familien. Es gibt Verheiratete, Unverheiratete, Zölibatär Lebende und Priester in unserer Gemeinschaft. Die Loretto Gemeinschaft möchte Räume schaffen, in denen Gott erfahrbar wird. Diese Räume sollen aber nicht nur für die Gemeinschaftsmitglieder, sondern für alle Menschen bereit stehen. Daher hat Loretto verschiedene „Apostolate“ d.h. Angebote, in denen Gott erfahrbar sein kann: Gebetskreise, das große Pfingstfest der Jugend in Salzburg, diverse Ausbildungsmodule und vieles mehr. Eine unserer wichtigsten Intensionen ist es, für die Erneuerung der Kirche zu beten, zu wirken und zu leben.

Wie ist die Bewegung entstanden und „aufgewachsen“?

Marina Schlager: Nach einer Medjugorje Wallfahrt im Sommer 1987 trafen sich drei junge Erwachsene in einer kleinen Wiener Studentenwohnung, um gemeinsam den Rosenkranz zu beten. Regelmäßig kamen sie zum Gebet zusammen und fuhren Monat für Monat nach Medjugorje. Die kleine Gruppe wuchs stetig und wurde immer größer und lebendiger. In den letzten 29 Jahren ist aus diesem kleinen, häuslichen Gebetskreis eine große, sehr lebendige Gemeinschaft mit ganz vielen Gebetskreisen und unterschiedlichen Apostolaten geworden.

Woher kommt der Name „Loretto“?

Marina Schlager: Loreto ist ein bekannter Wallfahrtsort in Italien. Innerhalb der Kirche befindet sich ein kleines Haus, das sogenannte „Casa Santa“. Dieses Haus stimmt in seinen Proportionen mit der Grotte in der Basilika der Verkündigung in Nazareth überein. In diesem Haus, das nur verrußte Wände hat und sonst nicht weiter besonders aussieht, sehnen sich Menschen danach, Gott zu begegnen. So verstehen auch wir uns als Loretto Gemeinschaft: Wir wollen im Herzen der Kirche Räume schaffen, wo Menschen kommen, um Gott zu begegnen. Nach diesem Wallfahrtsort ist eben unsere Gemeinschaft benannt, durch die deutsche Schreibweise wurde aus Loreto, Loretto.

Wie kann man die Spiritualität der Loretto Gemeinschaft umschreiben?

Marina Schlager: Wir sind zunächst eine katholische Gemeinschaft im Herzen der Kirche, mit einer großen Liebe und Nähe zu Maria. Die Heilige Messe und damit verbunden das immerwährende, eucharistische Gebet (24/7) sowie der lebendige, charismatische Lobpreis spielen eine große Rolle bei uns. Gleichzeitig findet man bei uns eine große Liebe zu den „getrennten Schwestern und Brüdern“ und viele Freundschaften im ökumenischen Bereich.

Unsere Spiritualität lässt sich mit den Begriffen „Nazareth & Pfingsten“ ein wenig besser umschreiben. Nazareth steht für die Menschwerdung Gottes und das unscheinbare Leben mit dem Herrn im Alltag, in welchen jeder einzelne von uns gestellt ist: Beruf, Schule, Familie…

Pfingsten steht für dieses Zusammenkommen im Obergemach, diese gewaltige Ausgießung des Hl.Geistes, nach der wir uns auch in diesen Tagen so sehr sehnen.

Die Bewegung ist katholisch, versteht sich aber als ökumenisch?

Marina Schlager: Wir sind eine Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche und orientieren uns an der Lehre der Kirche. Seit der Geburtsstunde unserer Gemeinschaft haben wir eine besondere Liebe zu den „getrennten Schwestern und Brüdern“. „Wir können voneinander lernen, was es heißt gute Christen zu sein“. Dieses Zitat stammt von Papst Benedikt XVI. und dieses Zitat gilt uns als Schlüssel: in Demut voneinander zu lernen. Wir pflegen sehr lebendige Freundschaften zu anderen christlichen Gemeinschaften & Bewegungen, wie beispielsweise 24-7 Prayer, Alpha, IHOP oder „Jugend mit einer Mission“. Vieles entdecken wir in diesen Gemeinschaften, das uns bereichert und inspiriert. Außerdem wollen wir das Verbindende in den Mittelpunkt stellen, ohne dadurch unsere „Schätze“ zu leugnen.

Wie viele Mitglieder zählt die Gemeinschaft heute?

Marina Schlager: Im Moment sind es, zusammen mit den sogenannten Postulanten, etwas über 500 Personen. Die Gemeinschaftsmitglieder legen im Sommer ein Gemeinschaftsversprechen für immer ein Jahr ab, die Postulanten bereiten sich in einem Probejahr, dem sogenannten Postulat, auf dieses Versprechen vor, indem sie unsere Gemeinschaft näher kennenlernen können.

Welche sind die Schwerpunkte des Apostolates?

Marina Schlager: Unsere Gebetskreise, die es in vielen Regionen gibt, sind ein ganz wesentlicher Teil unserer vielen Apostolate. Generell wollen wir mit diesen Apostolaten Räume schaffen, in denen Gott erfahrbar wird. Aus diesen Gebetskreisen heraus, sind eine Unmenge an anderen Dingen gewachsen. 6 Festivals jedes Jahr, 4 Geistliche Zentren, eine große Missionsbasis mit dem Namen HOME, Angebote für Familien und Kinder, verschiedene Ausbildungsmodule und vieles mehr.

Jedes Jahr organisiert die Loretto Gemeinschaft mehrere Festivals, zu denen die zwei größten sog.  „Glaubensfeste“ – Pfingsten  und Christkönig – gehören. Können Sie etwas dazu erzählen?

Marina Schlager: Festivals sind vor allem für junge Menschen von großer Bedeutung. Das Fest der Jugend zu Pfingsten in Salzburg ist so ein Glaubensfestival. Heuer fand es bereits zum 17. Mal statt und tausende Jugendliche nahmen an diesem Fest teil. Pfingsten ist sozusagen der Geburtstag der Kirche. Vor mehr als 2000 Jahren wurden die Jünger ausgesandt und damit begann eine weltweite Mission und Evangelisation. So wie damals wirkt auch heute der Hl. Geist und das wollen wir zu Pfingsten feiern. Im Vertrauen darauf, dass auch heute junge Menschen vom Herrn berührt werden. Zu den Festivals kommen Jugendliche und junge Erwachsene, um ihre Freude und Begeisterung am Glauben gemeinsam zu feiern. Im Alltag sind die Jugendlichen mit ihrem Glauben häufig alleine. Bei diesen Festivals können sie auftanken: ihren Glauben stärken, in den Sakramenten, der Liturgie, im gemeinsamen Lobpreis, in der Anbetung und vor allem in der Beziehung zueinander: in der Gemeinschaft mit anderen jungen Gläubigen.

Das Christkönigsfest ist ein weiteres dieser vielen Angebote für Jugendliche. Es hat gerade am letzten Wochenende (11.-13.11.2016) im Stift Kremsmünster in Oberösterreich stattgefunden. Das Festival findet jährlich abwechselnd in Linz und Kremsmünster statt und wird von den oberösterreichischen Gebetskreisen organisiert. Auch mit diesem Festival soll gezeigt werden, dass Kirche jung und lebendig ist.

Am Pfingstfest 2016 in Salzburg nahmen mehr als 6.000 Jugendliche Teil. Mitte November findet im Stift Kremsmünster die Christkönig-Feier statt. Dies erfordert einen großen organisatorischen Aufwand …

Marina Schlager: Das stimmt. Da gibt es ausgezeichnete Teams, die diese Veranstaltungen schon lange im Voraus zu planen beginnen. In diesen Teams findet man viele ganz junge Leute und einen ganzen Schub an erfahrenen Älteren. Eine gute Mischung eben. Und es gibt Jahr für Jahr eine ganz große Bereitschaft zur Mitarbeit. Leute aus den eigenen Reihen genau so wie viele externe Helfer engagieren sich in den Aufbauarbeiten, Essensdiensten, Workshops, musikalischer Gestaltung, Ordnungsdiensten…

Wie verläuft die Zusammenarbeit mit der Ortskirche?

Marina Schlager: In Salzburg beispielsweise ist unser Geistliches Zentrum St. Blasius innerhalb der kleinen Stadtpfarre angesiedelt und so dürfen wir als Loretto Gemeinschaft direkt in der Erzdiözese verankert und fruchtbar wirken. Immer mehr unserer Aktivitäten münden in diverse Pfarren und kirchliche Projekte hinein. Alle unsere Aktivitäten im ganzen Land finden immer im Einvernehmen und im regelmäßigen Austausch mit den Verantwortlichen der Diözesen vor Ort statt.

2012 hat die ÖBK die Statuten der Loretto Gemeinschaft für fünf Jahre genehmigt. Was wird 2017 geschehen?

Marina Schlager: Sie hat sie für 5 Jahre „ad experimentum“ genehmigt. Das ist der Usus. Wenn die Bischofskonferenz danach der Ansicht ist, dass die Früchte gut und für die ganze Kirche erbauend sind, dann wird eine Gemeinschaft offiziell anerkannt. Das erhoffen wir.

Beschränkt sich die Tätigkeit der Loretto Gemeinschaft nur auf Österreich oder gibt es bereits Gebetskreise in anderen Ländern?

Marina Schlager: Wir durften in den letzten Jahren nicht nur neue Gebetskreise in Österreich gründen, sondern auch in Deutschland, Ungarn, Südtirol und der Schweiz wurden neue Loretto Gruppen ins Leben gerufen.

Nächstes Jahr feiert die Loretto Gemeinschaft ihr 30-jähriges Bestehen. Was wünschen Sie sich zu diesem Geburtstag?

Marina Schlager: Dass mehr und mehr Menschen in unserem Land Gott wieder kennenlernen und ihr Leben auf Ihn hin ausrichten. Wir träumen und beten für ein neues gewaltiges Pfingsten für die ganze Kirche und auch für uns hier in Österreich.

Eine ganz andere Frage. Der Konflikt in Syrien zerreißt seit fünf Jahren den gesamten Nahen Osten. Was können oder sollen wir hier in Europa tun, um die Christen aus dieser Region zu helfen?

Marina Schlager: Es erfüllt uns mit Trauer und Schmerz, dass unsere Geschwister in Syrien verfolgt werden und unter dem schon so lange dauernden Krieg zu leiden haben. Wir möchten unsere Geschwister vor allem im Gebet unterstützen. Wir denken, dass Gebet so wichtig ist und vor allem, dass Gebet auch verändern kann. Wir durften und dürfen immer wieder die Erfahrung machen, was Gebet alles bewirken kann. Daher haben wir uns Syrien schon seit einiger Zeit zu einem ganz wichtigen Gebetsanliegen gemacht, dass wir bei Veranstaltungen wie Pfingsten, aber auch bei unseren Gemeinschaftstreffen ganz besonders dafür beten und Fürbitte tun. Außerdem gibt’s jeden Donnerstag in unserer H.O.M.E Mission Base in Salzburg ein spezielles Syrien Gebet. Und darüber hinaus gibt es einige Familien aus unserer Gemeinschaft, die Flüchtlinge – vor allem Christen aus Syrien – bei sich zu Hause aufgenommen haben.

Frau Schlager, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute.

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Mehr Info zur Loretto Gemeinschaft finden Sie hier.

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Quelle

Ökumene: Gruß von Augsburg nach Lund

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Die Kathedrale von Lund, wo der Papst und die Lutheraner zum Gebet einladen – RV

Mit einer Botschaft an die Festgemeinschaft, die mit Papst Franziskus und Munib Younan vom Lutherischen Weltbund in wenigen Tagen im schwedischen Lund zum Gedenken an 500 Jahre Reformation zusammenkommt, erklärten heute 25 Bischöfe verschiedener Kirchen von Augsburg aus ihre Solidarität und ihre Freude über die weiteren Schritte hin zu einer größeren Gemeinschaft und Einheit unter den Christen. Die Vertreter aus 14 der katholischen, evangelischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen sind aus vier Kontinenten bis Freitag auf Einladung der Fokolar-Bewegung im Ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring zusammen und haben heute in der evangelischen St. Anna-Kirche an die historisch wichtige „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ erinnert, die 1999 am gleichen Ort von Vertretern der Katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes unterzeichnet worden war.

Seit 1977 treffen sich auf Anregung des verstorbenen Aachener Bischofs Klaus Hemmerle Bischöfe, die der Fokolar-Bewegung nahe stehen. Ziel dieser Tagungen ist der geistliche Austausch und die brüderliche Begegnung unter Bischöfen. Geistliche Impulse kommen dabei aus der Spiritualität der Fokolar-Bewegung. Wichtiges Anliegen ist den Bischöfen, die „Spiritualität der Gemeinschaft“, die Papst Johannes Paul II. mehrfach als Basis für das Leben des Volkes Gottes in den Mittelpunkt gestellt hatte, fruchtbar werden zu lassen und einander im Austausch über die persönlichen Erfahrungen zu ermutigen.

(pm 27.10.2016 ah)