Italiens Caritas: Die Menschen über der Armutsgrenze halten

Menschenleer: Der Vorplatz des Mailänder Doms (ANSA)

Eine der besorgniserregensten Konsequenzen der Krise, die die Weltgemeinschaft aufgrund der Verbreitung des Coronavirus derzeit lebt, ist die Tatsache, dass viele Menschen ihre Arbeit verlieren und Mühe haben, sich und ihre Familien mit dem Notwendigsten zu versorgen. Daran erinnerte auch Papst Franziskus in seiner Frühmesse an diesem Samstag. Gleichzeitig rief er die kirchlichen Einrichtungen auf, mit Großzügigkeit und Entschiedenheit auf diese Krise in der Krise zu reagieren.

Sieht man sich die Situation in Italien an, so gibt es derzeit kaum einen Unterschied zwischen dem traditionell reicheren Norden und dem Süden, wo generell mehr Menschen in sozialen Schwierigkeiten leben. Wie der Leiter der Mailänder Caritas, Luciano Gualzetti, im Interview mit Radio Vatikan berichtet, sei in den diözesanen karitativen Verteilstationen die Nachfrage nach Lebensmitteln sprunghaft angestiegen, auch Menschen, die bisher nicht bei der Caritas vorstellig wurden…

„Gleich nachdem die Gesundheitsbehörden die ersten Anweisungen erteilt haben, um die Verbreitung des Virus zu stoppen, haben wir versucht, den absolut unantastbaren Bedürfnissen der Menschen entgegenzukommen. Das bedeutet, den verletzlicheren Menschen nahe zu sein, die gleichzeitig diejenigen sind, die das größte Risiko einer Ansteckung eingegangen wären, wenn wir sie nicht mit einem Obdach und Nahrung versorgt hätten. Doch außerdem sind dies auch die Menschen, die am stärksten von den sozialen Folgen dieser Krise und Isolation betroffen sind, auch im Hinblick auf Verarmung.“

Dienste der Caritas wurden sofort ausgeweitet

Deshalb habe man sich in der Caritas sofort aktiviert, um eine Schließung zu verhindern und vielmehr die angebotenen Dienste auszuweiten, „um die Menschen zu unterstützen, die sofort ihre Arbeit verloren haben“, so Gualzetti. Viele der Menschen, die nun an die Tür der Caritas klopften, hätte man im Vorfeld dabei unterstützt, eine Arbeit zu finden und sich damit eine fragile Existenz aufzubauen. „Wir denken an diejenigen, die sofort nach Ausbruch der Krise ohne Arbeit dastanden, vielleicht, weil sie einen befristeten Vertrag hatten, der nicht verlängert wurde, oder an diejenigen, die alte Menschen betreuten, ihnen die Einkäufe in die Wohnung brachten und ähnliches. All das ist auf fatale Weise unterbrochen worden.“

Lebensmittelanfragen um 30 Prozent gestiegen

Dadurch würden nun viel mehr Lebensmittel als bisher in die Wohnungen der Bedürftigen verteilt, die nicht mehr in die Pfarrzentren kommen könnten, berichtet der Caritas-Leiter weiter. „Vor zwei Wochen haben wir in den diözesanen Verteilstellen eine um 30 Prozent erhöhte Nachfrage nach Lebensmitteln festgestellt, weil zum Beispiel jetzt die Kinder zu Hause sind, die bisher in der Schule gegessen haben. Und auch die Anzahl der Menschen, die beantragt haben, kostenlos in unseren wohltätigen Supermärkten einkaufen zu können, weil sie es sich in den normalen Supermärkten nicht mehr leisten können, ist um 25 Prozent angestiegen.“

Ein millionenschwerer Fonds zur Direkthilfe

Doch die Hilfe der Erzdiözese Mailand geht weit darüber hinaus. Wie Luciano Gualzetti berichtet, hatte der Erzbischof von Mailand, Mario Delpini, in der vergangenen Woche in Abstimmung mit der Stadtgemeinde einen Fonds für die Menschen aufgelegt, die auf dem Gebiet der Erzdiözese aufgrund der Krise seit dem 1. März ihre Arbeit verloren haben. Jeweils 2 Millionen Euro kommen von der Kirche und der Stadt Mailand. „Wir sammeln gerade die Anfragen dafür ein, und ab der kommenden Woche werden wir damit beginnen, denjenigen, die kein Einkommen mehr haben, ein kleines Gehalt auszuzahlen.“ Man versuche, so unterstreicht der Caritasverantwortliche, die Menschen „über der Armutsgrenze zu halten, denn wenn sie erst einmal darunter fallen, wird es umso schwieriger, sie wieder herauszuholen.“

„Wir hören wirklich einen Aufschrei: ,Wir haben Hunger’“

Dabei hat die Caritas viele verschiedene Kategorien von Menschen im Blick. Diejenigen, die sich in dieser Situation erstmals an die Caritas wenden, aber auch das fahrende Volk, das durch die Krise besonders hart getroffen ist. Denn, so erinnert Gualzetti, diese hätten nicht nur die Artisten, sondern auch ihre Tiere weiterhin zu versorgen, auch wenn Auftritte derzeit nicht möglich seien: „Wir hören wirklich einen Aufschrei: ,Wir haben Hunger’“, unterstreicht der Caritas-Leiter.

Unter den Hilfesuchenden, die sich an die Caritas wenden, sind neuerdings auch religiöse Gemeinschaften und Klöster, die sich normalerweise mit dem Verkauf ihrer Produkte über Wasser halten. „Wir versuchen, auch ihnen zu helfen, so wie den zahlreichen Familien, die ihren Pfarrer angerufen und um Hilfe dabei gebeten haben, Lebensmittel zu besorgen, wie Nudeln, Reis, Öl, Obst und Gemüse, aber auch Medikamente.“ Doch der Mensch lebt nicht vom Brot allein: auch die abrupte Unterbrechung aller sozialen Kontakte schlägt vor allem den älteren Menschen aufs Gemüt. „Deshalb haben wir unseren Jugendpastoraldienst aktiviert, und viele junge Menschen haben geantwortet und sich bereit erklärt, Lebensmittel und Medikamente zu den alten Leuten zu bringen, und an der Türschwelle ein paar Worte mit ihnen zu wechseln.“

Supermärkte im Visier der verzweifelten Menschen

Die Verzweiflung der Menschen beginnt an einigen Orten jedoch auch in Aggressivität umzuschlagen: es wird vor allem im Süden Italiens über Gruppen berichtet, die zu gezielten Raubzügen auf Supermärkte aufrufen, beispielsweise in Palermo, wo die Polizeipräsenz spürbar verstärkt wurde.

In dieser Situation täten die staatlichen und karitativen Institutionen ihr Bestes, um die Not zu lindern. Dazu sei jedoch die Solidarität aller nötig, erinnert Gualzetti. „Wir bringen alle Ressourcen auf, die wir zu Verfügung haben und versuchen, die freiwilligen Helfer zu orientieren, deren Einrichtungen vielleicht geschlossen haben, um ihnen eine andere Aufgabe zu geben. Aber das sind natürlich erhöhte Kosten, die wir aufbringen müssen. Außerdem müssen wir individuelles Schutzmaterial wie Gesichtsmasken kaufen – all das sind Kosten, die wir tragen müssen, um weiter arbeiten zu können.“

(vatican news – cs)

Papst zum Welttag der Armen: Gelegenheit zur Neuevangelisierung

Der Papst beim gemeinsamen Essen mit Bedürftigen (Servizio Fotografico „Osservatore Romano“ @L’Osservatore Romano)

Eine Einladung, die Begegnung mit den Armen als besondere Gelegenheit zur Neuevangelisierung zu leben, kommt von Papst Franziskus in seiner Botschaft zum Welttag der Armen. Diese hat der Vatikan an diesem Donnerstag veröffentlicht. „Da ist ein Armer; er rief und der Herr erhörte ihn“ (Ps 34,7) ist das Psalmwort, anhand dessen Franziskus seine Überlegungen entfaltet.

Christine Seuss – Vatikanstadt

Dieser Psalm, so der Papst, ermögliche es heute auch uns, zu verstehen, wer die wahrhaft Armen seien. Man habe sich mittlerweile daran gewohnt, die vielen Brüder und Schwestern, die in Not lebten, allgemein als „arm“ zu bezeichnen. Gott, so erinnert Franziskus, hat eine besondere Zuneigung zu den Menschen, die im irdischen Leben mit Füßen getreten, verfolgt und ausgegrenzt werden.

Drei Worte des Psalms seien es, die die Beziehung zwischen Gott und den Armen in besonderer Weise charakterisierten, führt Franziskus weiter aus. Diese Worte seien: „schreien“, „antworten“ und „befreien“.

“ An einem Welttag wie diesem sind wir zu einer ernsthaften Gewissenserforschung aufgerufen, um uns darüber klar zu werden, ob wir wirklich fähig sind, auf die Armen zu hören ”

Der Schrei, den der Arme in seiner Verzweiflung und Einsamkeit zum Himmel richte, werde von Gott erhört. Doch, so die Mahnung des Papstes, wir selbst müssten Gewissenserforschung darüber vornehmen, weshalb ein Schrei, der bis zu Gott dringe, von uns ignoriert werden könne. Zum Hinhören gehörten auch die Stille, das Schweigen, das auch im Getöse einiger „verdienstvoller und notwendiger Initiativen“ untergehen könne, die „häufig mehr darauf ausgerichtet sind, uns selbst zu gefallen, als darauf, den Schrei des Armen wirklich wahrzunehmen“.

Man sei allzu gefangen in einer Kultur, die der Selbstbeschau diene, so dass man fälschlicherweise das Gefühl haben könne, eine „Geste der Selbstlosigkeit“ entpflichte einen von seiner Verantwortung, ohne sich vertieft einzubringen.

“ Der Welttag der Armen will eine kleine Antwort sein, die sich von der Kirche, die über die ganze Welt verstreut ist, an die Armen jeder Art und jeden Landes richtet, damit sie nicht denken, ihr Schrei sei auf taube Ohren gestoßen. ”

Die „Antwort“ des Herrn auf den Ruf des Armen sei hingegen eine „Anteilnahme voller Liebe“ an dessen Situation. Gleichzeitig sei sie ein Appell an jeden Gläubigen, „innerhalb der Grenzen des menschlich Möglichen“ ebenso zu handeln. Hierbei sei es mit Almosen nicht getan, erinnert der Papst, denn es sei das persönliche Engagement, das wirklich wertvoll für die Geschwister in Not sei.

Eine Absage an rein materielle karitative Unterstützung also, während die Notwendigkeit von „liebevoller Zuwendung“ (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 199) betont wird, „die den anderen als Person ehrt und sein Wohl sucht“.

“ Die Armut wird nicht gesucht, sondern vom Egoismus, vom Stolz, von der Gier und von der Ungerechtigkeit erzeugt. ”

Ein drittes Wort, „befreien“: Das Eingreifen Gottes, das in zahlreichen Bibelstellen geschildert wird, befreit den Armen aus seiner Situation und gibt ihm die Möglichkeit, „zügig“ voranzuschreiten und „die Welt mit klaren Augen“ zu sehen.

Doch es dürfe nicht beim Eingreifen Gottes bleiben, vielmehr sei „jeder Christ und jede Gemeinschaft“ berufen, „Werkzeug Gottes für die Befreiung und die Förderung der Armen zu sein, so dass diese sich vollkommen in die Gesellschaft einfügen können“, zitierte Franziskus abermals aus seinem Programmschreiben Evangelii gaudium (187).

“ Wie viele Wege führen auch heute noch zu Formen der mangelnden Absicherung! ”

Es sei leider die herrschende Tendenz, eine Distanz zwischen sich und dem Armen, den man als störendes Element wahrnehme, zu schaffen, beklagt Franziskus. Er weist darauf hin, dass man „sich auf diese Weise vom Herrn Jesus distanziert, der sie nicht zurückweist, sondern sie zu sich ruft und sie tröstet“.

Anschließend geht der Papst auf konkrete Initiativen ein, die mit dem Welttag des Armen in Verbindung stehen können. Unter ihnen, an erster Stelle, das gemeinsame Mahl, das neben der Sättigung des hungrigen Magens auch eine echte Form der Gemeinschaft und des Dialogs mit den benachteiligten Menschen darstelle.

“ Oft gelingt es in der Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, die zwar nicht vom Glauben, aber von der menschlichen Solidarität bewegt sind, eine Hilfe zu bringen, die wir alleine nicht verwirklichen könnten. ”

Dabei warnt der Papst davor, den Glauben als Alleinstellungsmerkmal für solidarisches und karitatives Handeln zu sehen. Die Begrenztheit der menschlichen Mittel mache es nötig, Formen der Zusammenarbeit zu suchen, während der evangelische Auftrag der Nächstenliebe nicht darauf ausgerichtet sei, sich selbst und sein Handeln in den Vordergrund zu rücken, so die päpstliche Mahnung.

„Wir sind bewegt vom Glauben und vom Gebot der Nächstenliebe“, führt Franziskus in seiner Botschaft aus, „doch wissen wir andere Formen der Hilfe und der Solidarität anzuerkennen, die sich teilweise dieselben Ziele setzen; wenn wir nur nicht das vernachlässigen, was uns eigen ist, nämlich alle zu Gott und zur Heiligkeit zu führen.“ Der „Dialog zwischen den verschiedenen Erfahrungen“ und die „Demut, unsere Mitarbeit zu leisten ohne irgendeine Art von Geltungsdrang“, sei eine „angemessene und völlig evangeliumsgemäße Antwort“, die wir verwirklichen könnten.

“ In dem Maß, in dem man fähig ist, dem Reichtum seinen rechten und wahren Sinn zu geben, wächst man in der Menschlichkeit und wird fähig, zu teilen ”

Gleichzeitig helfe uns der „Schrei des Armen“, uns aus unserer Gleichgültigkeit aufzurütteln, „welche die Frucht eines zu sehr immanenten und an die Gegenwart gebundenen Lebens ist“. Der Einsatz für die Armen wird so zu einer Wohltat, die nicht nur dem Armen, sondern auch dem Wohltäter zugutekommt und Hoffnung schafft.

Er lade nun alle Mitglieder der Gemeinschaft, Bischöfe, Priester, Diakone, aber auch alle Personen des geweihten Lebens und Laien dazu ein, den Welttag des Armen als einen „bevorzugten Moment der Neuevangelisierung zu leben“, so Franziskus abschließend. Es seien die Armen, die uns evangelisierten, „indem sie uns helfen, jeden Tag die Schönheit des Evangeliums zu entdecken“. Diese Gelegenheit der Gnade dürfe nicht auf taube Ohren stoßen, betont Franziskus in seiner Botschaft, die auf den 13. Juni 2018, den liturgischen Gedenktag des hl. Antonius von Padua, datiert ist.

Sorge um die Armen schon bei der Namenswahl

Seit seinem Amtsantritt hat Papst Franziskus eine besondere Sorge um Arme und Ausgegrenzte erkennen lassen. Bereits bei seiner Wahl zum Papst, so erzählte Franziskus später selbst, habe ihn ein befreundeter Mitkardinal, der betagte Brasilianer Claudio Hummes, umarmt und ihm zugeraunt: ,Vergiss die Armen nicht´! Dies habe ihn auch dazu bewogen, im Andenken an den großen Heiligen aus Assisi den Namen Franziskus zu wählen, ließ der Papst anschließend verlauten.

Während seines Pontifikates hat er sich immer wieder darum bemüht, auf die Situation von Benachteiligten aufmerksam zu machen, und diverse Initiativen zu diesem Zweck auf den Weg gebracht. Den Welttag der Armen hat der Papst im Jahr 2016 ausgerufen. Im Rahmen des Welttages sind Diözesen, Caritaseinrichtungen und Private aufgerufen, spezielle Aktionen zugunsten armer Menschen zu organisieren. Er findet seit 2017 am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres, also dem Sonntag vor Christkönig, statt. In diesem Jahr fällt der Welttag auf den 18. November.

 

LESEN SIE AUCH:

Mitleid und Bewunderung

Eine neue Bildform der »Werke der Barmherzigkeit« bei Pieter Bruegel d. Ä. (1559)

s05_obre

Die sieben Werke der Barmherzigkeit, um 1616, Gemälde, Pieter Brueghel der Jüngere (Ulm, Museum der Brotkultur)

Das Thema der »Werke der Barmherzigkeit« wurde vom 12. bis 16. Jahrhundert als Zyklus in einzelnen Medaillons oder rechteckigen Bildfeldern dargestellt. Dagegen fassten die Künstler der Spätrenaissance die Barmherzigkeitswerke im einzelnen Bild zusammen. Niederländische Künstler der Druckgraphik entwickelten diesen neuen Kompositionstyp zwischen 1550 und 1560.

Das Interesse an der Simultandarstellung zeigt sich auch in der Zeichnung »Caritas und die sieben Werke der Barmherzigkeit« von Pieter Bruegel dem Älteren (um 1525-1569). Unten links ist das Blatt mit »BRVEGEL 1559« bezeichnet und datiert (Rotterdam, Museum Boymans-van Beuningen).

Pieter Bruegel stellte das Thema als figurenreiches Treiben auf einem Dorfplatz dar. Die Szene ist sehr lebhaft und erweckt den Eindruck, als ob die ganze Ortschaft gleichzeitig die Barmherzigkeit ausübe. Dabei sind die einzelnen Barmherzigkeitswerke räumlich gruppiert. Auf dem weiten Platz im Vordergrund vollziehen sich die meisten Handlungen. Einige Werke erblickt man im Hintergrund vor Häusern oder in Gebäuden (von links nach rechts: Nackte bekleiden, Hungrige speisen, Kranke besuchen, Fremde beherbergen, Durstige tränken, Gefangene besuchen und Tote begraben).

s05_mili

Caritas und die sieben Werke der Barmherzigkeit, 1559, Zeichnung, Pieter Bruegel der Ältere (Rotterdam, Museum Boymans-van Beuningen)

Deutung in christlicher Perspektive

Auf den ersten Blick vermittelt die Bilderzählung den Eindruck eines einfachen Sozialeinsatzes. Die übernatürliche Bedeutung scheint zu fehlen, denn – anders als im Mittelalter – stellte Bruegel das Thema ohne das Jüngste Gericht dar. Im Zentrum des Geschehens steht allerdings eine weibliche Gestalt. Sie ist inschriftlich mit »CAYRITAS« bezeichnet und legt eine Deutung in christlicher Perspektive nahe. Als traditionsreiche Personifikation der christlichen Liebe, einer theologischen Tugend, verkörpert diese rhetorische Figur das Grundthema der einzelnen Werke: son actos exteriores de la caridad o benevolencia cristiana.

Die Caritas hält ein brennendes Herz in ihrer Hand, denn die Barmherzigen nehmen sich die materielle Not ihrer Mitmenschen zu Herzen. Als Metapher für die fürsorgende Liebe der Caritas nähern sich ihr zwei Kinder. Auf ihrem Kopf öffnet sich der Pelikan die Brust – ein aus dem »Physiologus« abgeleitetes Symbol für die barmherzige Liebe Christi, der am Kreuze und in der Eucharistie seinen Leib für die Menschen hingibt.

Bruegels Simultandarstellung sämtlicher Werke auf einem Dorfplatz war eine neue Bildform, für die es keine Vorläufer gab. In seiner Zeichnung »Werke der Barmherzigkeit« (1571, Kopenhagen) entwickelte Maerten van Heems­kerck die innovative Komposition Bruegels zur Straßenflucht weiter.

Flämische und holländische Maler des 17. Jahrhunderts schätzten diese Simultankomposition auf einem Platz oder einer Straße sehr. Bei Künstlern in Antwerpen (Frans I Francken, Frans II Francken und Hieronymus III Francken) und Utrecht (Joost Cornelisz Droochsloot) beauftragten bürgerliche Sammler und öffentliche Armenhäuser zahlreiche Gemälde nach diesem Vorbild. Manche Bilder entstanden auch für den freien Kunstmarkt.

s05_mire

Caritas und die sieben Werke der Barmherzigkeit, 1559, Kupferstich, Philipp Galle

Rhetorische Motivation des Publikums

Die breite Rezeption der Handzeichnung Pieter Bruegels des Älteren (1559) ermöglichte der Kupferstich, der im gleichen Jahr im Antwerpener Verlag »Aux quatres vents« bei Hieronymus Cock erschienen war. Der Künstler war Philipp Galle (1537–1612), der während der fünfziger Jahre bei Cock als Stecher angestellt war. Philipp Galle arbeitete 1558–1560 an einer Serie der Sieben Tugenden und Laster (nach Vorlage Bruegels), zu der sein Kupferstich als drittes Blatt gehörte.

Pieter Brueghel der Jüngere (1564–1638) war ein Sohn Pieter Bruegels des Älteren und ist besonders durch Kopien der Bilder seines Vaters bekannt. In Antwerpen malte er das Thema mehrfach. In den »Werken der Barmherzigkeit« aus der Zeit um 1616 (Ulm, Museum der Brotkultur) verzichtete Pieter Brueghel der Jüngere allerdings auf die Caritas-Personifikation, ebenso in weiteren Gemälden (Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten; Brüssel, Privatsammlung). Zugleich reduzierte Brueghel die Nacktheit der Figuren im Vordergrund, auch betonte er die individuelle Vielfalt der Gesichter und die Zerlumptheit der Gewänder. Diese Bildrhetorik sollte die Betrachter zum Mitleid mit den Armen bewegen.

Als rhetorisches Stilprinzip zeigt das Gemälde des jüngeren Pieter eine anschauliche Bilderzählung, ähnlich wie die Zeichnung (1559) seines Vaters. Allerdings besitzt diese Zeichnung eine moralisierende Aufschrift am unteren Rand, die im Gemälde fehlt: »Speres tibi accidere qvod alteri accidit, ita demvm excitaberis ad opem ferendam. Si svmpseris eivs animvm qvi opem tvnc in malis constitvtvs implorat.«

Der Text spricht also direkt zum Betrachter, der das Elend der Armen als potentiell eigenes Schicksal emotional nachvollziehen soll (»Hoffe, dass du dasselbe durchmachen musst, was anderen zustößt, denn dadurch kannst du angeregt werden, deine Hilfe anzubieten, indem du dich oft in die Lage des Hilfesuchenden, der im Elend lebt, versetzt und seine Schwierigkeiten teilst«).

Damit es aber zu einem solchen Mitleid kommen kann, musste Pieter Bruegel der Ältere jene Affekte, die er beim Betrachter erregen wollte, im Bilde selbst darstellen. Das ist ihm gelungen. Als barmherzige Wohltäter erscheinen Angehörige der Bauernschaft und des städtischen Bürgertums inmitten der Bettler und Krüppel, die sich auf drastische Weise gebärden – man beachte das schreiende und zubeißende Volk am Brotkorb, die gierig schlürfenden Durstigen, das bedrückende Elend der Krankenstube. Bild und Text wollen beim Betrachter Mitleid für die Elenden und Bewunderung für die Wohltäter erzeugen. Die christlich inspirierte Kunst erinnert also daran, dass die Tugend nur in der guten Handlung ihre Erfüllung findet.

s05_unli

Pieter Bruegel der Ältere zählt zu den bedeutendsten niederländischen Künstlern des 16. Jahrhunderts. Er ist besonders als Maler und Zeichner des Bauerngenres bekannt. Daneben schuf Bruegel auch religiöse und mythologische Historien sowie Landschaften mit satirischen Darstellungen. Sein Gesamtwerk umfasst etwa 45 Gemälde und 80 Handzeichnungen. Der große Einfluss Bruegels auf die flämische und holländische Kunst des 17. Jahrhunderts ist auch in der Ikonografie der Barmherzigkeit erkennbar.

Von Ralf van Bühren,

Päpstliche Universität Santa Croce, Rom

_______
Quelle: Osservatore Romano 48/2016

D: Kurienkardinal Cordes gegen Verweltlichung der Caritas

other559291_articolo

Kardinal Cordes

Der frühere Kurienkardinal Paul Josef Cordes hat katholische Kirche und Caritas in scharfen Worten aufgerufen, sich gegen Verweltlichung, Gottvergessenheit und Säkularisierung zu stemmen. Es dürfe kein „Gleichschalten mit dem säkularen Humanismus“ geben, sagte der 82-Jährige am Donnerstagabend in der Universität Freiburg. Er war Festredner bei einer Tagung zum 80. Geburtstag des Freiburger Theologen Heinrich Pompey. Cordes, der bis 2010 den päpstlichen Rat Cor Unum leitete, mahnte, die Frage nach Gott müsse Kern aller karitativen Arbeit der Kirche sein. Deshalb brauche es ein „neues Gottbewusstsein“. Gefährlich sei es, wenn sich die Caritas vom „Geist der Welt“ treiben lasse. „Eine religionslose Philanthropie wird dem Menschen nicht gerecht“, so Cordes.

Der Kardinal wandte sich auch gegen ein Aufgreifen fernöstlicher Elemente, etwa bei Kursen in christlichen Klöstern und Häusern. Im Blick auf Yoga, Tai Chi oder Quigong sprach Cordes von „heidnischen Methoden“, die das Christentum zerstören wollten. Diese Einflüsse erhielten viel zu häufig Platz „unter dem Dach der katholischen Kirche“, kritisierte er und forderte „mehr Eindeutigkeit“ anstelle eines „verderblichen Synkretismus“. Derzeit greife eine große Gottvergessenheit um sich, die den Menschen nur auf sich selbst zurückverweise und damit einsam mache. „Christen setzten nicht auf Selbsterlösung, sondern wissen, dass Gott Quelle allen Heiles ist. Diesen Schatz dürfen wir nicht verschleudern“, forderte Cordes.

(kna 25.11.2016 cs)

950 Millionen Pilger weltweit für Heiliges Jahr

ossrom90427_articolo

Eine der Heiligen Pforten: Die Caritas am römischen Bahnhof Termini

950 Millionen: So viele Menschen haben nach Schätzung des vatikanischen Kurienkardinales Rino Fisichella weltweit am Heiligen Jahr teilgenommen. Da nicht nur im Petersdom, sondern in jeder Diözese der Welt mindestens eine Heilige Pforte geöffnet worden war, hatten so viele Menschen wie nie zuvor die Möglichkeit, auch ohne lange Reisen eine Heilige Pforte zu durchschreiten und somit einen Ablass ihrer Sündenstrafen zu erhalten. Nicht nur in Kirchen, sondern auch in wohltätigen Einrichtungen und sogar in Haftanstalten waren Heilige Pforten eingerichtet worden. In Ländern mit katholischer Bevölkerungsmehrheit, so der Präsident des Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung am Montag in Rom, hätten rund 80 Prozent der Bevölkerung eine Pforte durchschritten. Datenerhebungen aus den einzelnen Bistümern legen nahe, dass weltweit etwa 56 bis 62 Prozent der katholischen Gläubigen am Heiligen Jahr teilgenommen habe. Etwa 1,2 Milliarden Katholiken gibt es auf dem Globus.

(rv 21.11.2016 cs)

Papst an Caritas-Dachverband: Seid Träger des Evangeliums

ossrom137144_articolo

Papst Franziskus

Die Rolle der Caritas als Träger des Evangeliums und Kämpfer gegen soziale Ausgrenzung stand im Zentrum der Ansprache, die Papst Franziskus an diesem Donnerstag für die Mitglieder des Caritas-Dachverbandes Caritas Internationalis vorbereitet hatte. Gemeinsam mit ihrem Präsidenten, dem philippinischen Kardinal Luis Antonio Tagle, wurden sie vom Papst in der vatikanischen Sala Clementina hinter verschlossenen Türen in Audienz empfangen.Evangelisierung und sozialer Dienst gehen Hand in Hand miteinander und die Kirche ist dazu aufgerufen, gegen soziale Ausgrenzung der Schwächsten der Gesellschaft zu handeln und sich für ihre Integration einzusetzen. An diese auch in seiner Apostolischen Exhortation betonte Dimension des karitativen Dienstes erinnerte Papst Franziskus die Vertreter der Caritas-Familie, die „nicht nur soziale Akteure“, sondern „kirchliche Organismen“ seien, „die die Mission der Kirche teilen“, so Papst Franziskus in der Ansprache, die den Mitgliedern in schriftlicher Form zur Verfügung gestellt worden war.

„Wie es in euren Statuten festgelegt ist, seid ihr dazu aufgerufen, „den Papst und die Bischöfe bei ihrem Dienst der Nächstenliebe zu unterstützen.´ Die heutigen sozialen Notlagen erfordern es, dass man eine, wie der Heilige Johannes Paul II. genannt hatte, ,neue Fantasie der Nächstenliebe´ ins Feld führt: diese konkretisiert sich nicht nur in der Wirksamkeit der geleisteten Hilfen, sondern vor allem in der Fähigkeit, sich dem Nächsten anzunähern und mit einem Verhalten von brüderlicher Teilhabe die Ärmsten zu begleiten.“

Er danke ihnen, so der Papst, im Namen der gesamten Kirche für ihren sozialen Einsatz. Gleichzeitig ermutigte er sie, in dieser Mission fortzufahren: „Macht weiter damit, die Nachricht des Evangeliums der Freude auf die ganze Welt zu tragen, vor allem zu denjenigen, die zurück gelassen werden, aber auch zu denen, die die Macht haben, Dinge zu ändern, denn es ist möglich, sie zu ändern. Die Armut, der Hunger, die Krankheuten, die Unterdrückung sind nicht vom Schicksal vorherbestimmt und dürfen nicht Dauerzustand bleiben. Im Vertrauen auf die Kraft des Evangeliums können wir tatsächlich dazu beitragen, die Dinge zu ändern oder wenigstens zu verbessern.“

Verhalten, das den Menschen erniedrige oder ausbeute, sei abzulehnen, betonte der Papst erneut eine oft von ihm gestellte Forderung. Er sei froh darüber, dass Caritas Internationalis eine Kampagne zum Thema Migration vorbereitet habe: „Ich hoffe, dass diese schöne Initiative die Herzen vieler für die Aufnahme von Flüchtlingen öffnen möge, damit sie sich wirklich in unseren Gemeinschaften wirklich „zu Hause“ fühlen können.“ Sie seien dazu aufgerufen, mit erneuertem Einsatz für Entwicklung und Friedensprozesse in den Ländern einzutreten, aus denen die Menschen auf der Suche nach einer besseren Zukunft flöhen, so der Appell des Papstes an die Caritas-Familie.

„Seid Stifter von Frieden und Versöhnung zwischen den Völkern, den Gemeinschaften und den Gläubigen. Stellt alle eure Energien und euren Einsatz zur Verfügung, um in Einklang mit den anderen Glaubensgemeinschaften zu arbeiten, die, wie ihr, die Würde der Person ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit rücken. Kämpft gegen die Armut und lernt gleichzeitig von den Armen. Lasst euch von ihrem einfachen und aufs Wesentliche konzentrierten Lebensstil, ihren Werten, ihrem Sinn für Solidarität und Teilhabe, von ihrer Fähigkeit, in Schwierigkeiten wieder aufzustehen inspirieren, vor allem aber von ihrer gelebten Erfahrung des leidenden Christus.“

(rv 17.11.2016 cs)

Generalaudienz: Weltrevolution durch kleine Gesten

reuters1762933_articolo

Papst trinkt Mate während der Generalaudienz

„Von Herzen grüße ich die deutschsprachigen Pilger, vor allem die Gruppen aus den Bistümern Köln, Essen, Münster und Speyer“: Auf dem Petersplatz war bei der Generalaudienz viel Deutsch zu hören, allein aus dem Erzbistum Köln waren 1.300 Pilger anlässlich ihrer Diözesanwahlfahrt gekommen. Hinzu kamen außerdem Jugendliche aus Trier, Priesteramtskandidaten aus Mainz und die Neupriester samt Familien des Päpstlichen deutschsprachigen Kollegs hier in Rom, des Collegium Germanicum.

In seiner Katechese öffnete der Papst ein neues Unterkapitel in seiner Reihe zum Thema Werke der Barmherzigkeit. Die Ansprache bildete so etwas wie ein Scharnier zwischen den beiden Typen der Werke der Barmherzigkeit, den leiblichen und den geistigen. Jesu Auftrag, barmherzig zu sein, wie der Vater barmherzig ist, appelliere an das Bewusstsein aller Christen, so der Papst. „Es reicht tatsächlich nicht aus, die Barmherzigkeit Gottes im eigenen Leben zu erfahren, sie muss auch zu einem Zeichen und zur Hilfe für die Anderen werden.“

Wie das ginge? Durch den Weg, den der Herr selber vorgegangen sei und der sehr einfach sei – er bestehe aus kleinen Gesten. „Denken wir nicht, dass es darum ginge, geradezu übermenschliche Anstrengungen zu unternehmen. Nein, darum geht es nicht!“

Er zitierte erneut eine seiner Lieblingsstellen in der Schrift (Mt 25, 31-46), das „Testament Jesu, wie es vom Evangelisten überliefert ist“, in dem Jesus erklärt, dass alles, was an den Geringsten getan werde, an ihm selbst getan sei. Das seien erst einmal das Besuchen von Kranken oder Gefangenen, das Geben von Essen an Hungrige und die anderen Dinge, die im Evangelium von Jesus selbst genannt werden und die als leibliche Werke der Barmherzigkeit bekannt sind. „Es gibt aber auch weitere sieben geistige Werke der Barmherzigkeit, bei denen es um andere gleichermaßen wichtige Bedürfnisse geht, und die das Innerste der Menschen berühren“, so der Papst. Es geht um das Trösten, das Ermahnen, das Unterrichten, das Beraten, das Vergeben und das Beten für die Lebenden und die Verstorbenen. „Das sind alltägliche Dinge! ‚Mir geht es schlecht …. Gott wird dir schon helfen, ich hab’ jetzt keine Zeit…’ Nein! Ich halte inne, ich höre zu, ich verliere Zeit und rate und tröste, das sind alles Zeichen der Barmherzigkeit, die nicht nur diesem Menschen getan werden, sondern Jesus selbst!” Und er fügte auch gleich eine Mahnung an: „Es sind oft die uns am nächsten Stehenden, die unsere Hilfe brauchen. Wir brauchen uns nicht auf die Suche zu machen, wer denn die Hilfe am nötigsten habe, es ist besser, mit denen zu beginnen, die Jesus uns als die Wichtigsten vorstellt, die ‚Kleinen’.“

In den kommenden Katechesen wolle er sich ausführlich mit diesen geistlichen Werken beschäftigen, kündigte der Papst an. Für alle, die heute vom „Virus der Gleichgültigkeit“ infiziert seien, bedeuteten diese Werke das beste Gegenmittel. „Ich habe Angst, dass Jesus vorüber geht und ich ihn nicht erkenne“: Dieses Zitat des heiligen Augustinus betonte der Papst an dieser Stelle. Alle Werke der Barmherzigkeit würden letztlich dem Herrn selbst getan. Er nähere sich dem Menschen, der sei aber abgelenkt, gleichgültig, und beim sich Nähern des Herrn werde oft eine Möglichkeit der Begegnung mit ihm verpasst. „Wenn jeder von uns, jeden Tag, nur eine dieser Gesten, dieser Werke tun würde, wäre das eine echte Weltrevolution! Aber alle, nicht wahr? Jeder von uns!“ Die Werke der Barmherzigkeit seien die Spuren des Angesichts Jesu Christi in der Welt. „Möge der Heilige Geist uns helfen, uns einen solchen Lebensstil zu wünschen, jeden Tag mindestens ein Werk zu tun, mindestens!“

(rv 12.10.2016 ord)

Caritas-Zentrum ist ein Weg der Zusammenarbeit zwischen Christen

camilinf

Auch in einem Caritas-Zentrum der Camillianer-Patres war der Papst am Samstag, an der Peripherie der Hauptstadt. Auf 1.000 Quadratmetern bieten dort 70 Mitarbeiter Gesundheits-Dienstleistungen für jeweils etwa 400 Menschen. Die katholische Kirche wird in Georgien, auch wenn sie geradezu winzig klein ist, doch besonders wegen ihrer Caritas-Arbeit sehr geschätzt. Das Zentrum begrüßte Franziskus mit Blumen und Jubel. Am Fuße der kleinen Bühne, also zu Füßen des Papstes, saßen Kinder und haben vatikanische und georgische Fahnen geschwungen. Nach einer kleinen Ansprache des Direktor des Caritas-Zentrums sprach der Papst zu den Anwesenden.

Die Mitarbeiter dieses Caritas-Zentrums repräsentierten alle karitativen Einrichtungen des Landes, betonte Papst Franziskus in seinen Grußworten. Jedem dieser Mitarbeiter – auch in den anderen des Landes – gelte seine Wertschätzung. Er betont den ökumenischen Wert der Caritas in Georgien. Denn obwohl der Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und der georgisch-orthodoxen eher schwierig ist, kommt in das Caritas-Zentrum unabhängig von Religion jeder, der Hilfe braucht. „Eure Tätigkeit ist ein Weg der geschwisterlichen Zusammenarbeit zwischen den Christen dieses Landes und zwischen Gläubigen verschiedener Riten. Dieses Zusammentreffen im Zeichen der Nächstenliebe des Evangeliums ist ein Zeugnis der Gemeinschaft und fördert den Weg zur Einheit. Ich ermutige euch, auf diesem anspruchsvollen und fruchtbaren Weg voranzuschreiten“, sagte Franziskus. Auch einer der Direktoren des Zentrums, der Papst Franziskus in einer Ansprache begrüßte, betonte den ökumenischen Wert ihrer Arbeit. Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit zeige, dass sie keine Grenzen zwischen den Konfessionen kenne und sich im Zentrum alle um die Bedürftigen kümmerten, mit großem Herzen, auch ohne viele Mittel.

Die Armen und schwachen Menschen seien das „Fleisch Christi“, betont der Papst. Und genau deswegen rufen sie die Christen jeder Konfession auf den Plan, ohne Eigeninteressen zu handeln. „Daher, liebe Brüder und Schwestern, habt ihr eine große Sendung! Fahrt fort, die Nächstenliebe in der Kirche zu leben und sie in der gesamten Gesellschaft mit der Begeisterung der Liebe, die von Gott kommt, zum Ausdruck zu bringen.“

Doch Franziskus wäre nicht Franziskus wenn er nicht auch die Bedürftigen, die in das Caritas Zentrum kommen, persönlich ansprechen würde. Einen ganz besonderen Gruß richtete er an sie: „Ich freue mich, ein wenig bei euch sein zu können und euch zu ermutigen: Gott verlässt euch nie, er ist euch immer nahe und bereit, euch zuzuhören und euch in den schwierigen Momenten Kraft zu geben“, muntert er sie auf. Jesus liebe sie ganz besonders, versicherte Franziskus. Nach seiner Ansprache tanzte eine Gruppe von Jungs und Mädchen in traditioneller georgischer Tracht für den Papst, der vom Oberkörper sehr ruhig war, doch sich durch schnelle Beinarbeit auszeichnet. Doch der Höhepunkt war für Papst Franziskus sicher der Tanz eines kleinen Mädchen im roten Kleid mit vier Rollstuhlfahrern, die zum Abschluss alle Tänzer auf der Tanzfläche vereint. Ein sichtlich gerührter Papst sieht zum Abschluss aus der Mitte der Tänzer Tauben aufsteigen.

(rv 01.10.2016 pdy)

Papst Franziskus segnet Caritashäuser am Campus Misericordiae

ANSA1047895_Articolo

Die Caritashäuser am Campus Misericordiae

Auf dem Campus Misericordiae hat Papst Franziskus an diesem Sonntagmorgen zwei Häuser der Caritas gesegnet, die anlässlich des Weltjugendtages auf dem großen Feld errichtet worden sind. In Zukunft sollen diese an den Weltjugendtag erinnern und karitativen Zwecken dienen. Eines der beiden Gebäude wird als Tagesheim für alte Menschen dienen und den Namen „Campus Misericordiae” tragen. Das zweite Haus wird zu einem Caritaszentrum, dem der Name „Das Brot der Barmherzigkeit“ gegeben wird. Empfangen vom Bürgermeister der Komune Wieliczka, auf deren Territorium die beiden Bauten liegen, sowie durch den Direktor der lokalen Caritas und Kardinal Luis Tagle von Caritas Internationalis, wurde Papst Franziskus zum Eingang des zukünftigen Tagesheims geführt. Hier hat er den Segen über die Anwesenden und die Caritasgebäude gesprochen, auch eine Statue der Madonna von Loreto wurde gesegnet. Anschließend fuhr Franziskus zum nahebei liegenden Platz, an dem er mit eineinhalb Millionen Pilgern die große Abschlussmesse des Weltjugendtages gefeiert hat.

(rv 31.07.2016 cs)

Siehe ferner:

Ö: Bischöfe zu Missbrauch, Flüchtlingen und Christenverfolgung

RV14052_Articolo

Österreichs Bischöfe bei ihrer Vollversammlung in Linz

Österreichs Bischöfe bitten um mehr Solidarität mit verfolgten Christen und Flüchtlingen und regen eine gesellschaftliche Allianz gegen Missbrauch an. Das steht in einer Erklärung, die die Bischofskonferenz zum Abschluss ihrer Frühjahrsvollversammlung in Linz veröffentlichte. Als konkretes Zeichen der Solidarität mit Mit-Christen werde der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, nach Ostern in den Irak reisen. Außerdem haben die Bischöfe beschlossen, innerhalb der Konferenz die Zuständigkeiten für einzelne kirchliche Wirkungsbereiche neu zu verteilen.

Integration der Flüchtlinge

Die österreichischen Bischöfe bedankten sich bei Kirche und Zivilgesellschaft für die freiwillige Hilfe für Flüchtlinge, die spätestens seit September 2015 zu Zehntausenden ins Land gekommen oder weitergereist waren. Integration gelinge dort am besten, „wo Menschen einander vertrauen und füreinander Verantwortung übernehmen“, betonen die Bischöfe. Es sei Aufgabe des Staates und der gesellschaftlichen Institutionen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Hinsichtlich der Aufnahme von Flüchtlingen mahnen die Bischöfe erneut Solidarität auf europäischer Ebene an. „Wir haben in diesen Tagen während unserer Arbeit mit Interesse das politische Ringen in der Europäischen Union verfolgt, auch wenn sie noch zu keinem Ergebnis geführt hat, sind wir doch hoffnungsvoll, dass die Verantwortungsträger sich spät, aber hoffentlich nicht zu spät darauf verständigen, das gemeinsame Friedensprojekt Europa nicht an der Migrations- und Flüchtlingsfrage Europa scheitern zu lassen. Es kann nur gelingen, wenn es eine gerechte Aufteilung der Verantwortung gibt, die bisher nur von wenigen Ländern des Kontinents getragen wurde“, so Kardinal Schönborn. Zugleich rufen die Bischöfe zu einem Ende des Syrienkriegs auf und fordern den Ausbau österreichischer Entwicklungszusammenarbeit und Soforthilfe.

Solidarität mit verfolgten Christen

Die internationale Solidarität müsse insbesondere den verfolgten Christen weltweit gelten, so die Bischöfe. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit ereigne sich die zahlen- wie flächenmäßig umfangreichste Christenverfolgung der Geschichte. Die Bischöfe begrüßten deshalb eine neue Resolution des Europäischen Parlaments, in der die Verfolgung von Christen durch den IS im Nahen Osten ausdrücklich als Genozid qualifiziert wird.

Seit 2010 wurde durch einen Beschluss der Bischofskonferenz die Hilfe für die Länder des Nahen Ostens, besonders für Syrien, Jordanien und den Libanon, deutlich verstärkt. Betrug sie 2010 noch rund 2,6 Millionen Euro, so haben die katholischen Hilfswerke im vergangenen Jahr 175 Projekte im Umfang von 7,5 Millionen Euro unterstützt. Die Bischöfe kündigten zudem an, dass ihr Vorsitzender, Kardinal Christoph Schönborn, nach Ostern in den Irak reisen werde.

Allianz gegen Missbrauch

Die österreichischen Bischöfe sprachen sich außerdem für eine breite gesellschaftliche Allianz gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch aus. In der Erklärung zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung in Linz weisen die Bischöfe auf die kirchlichen Bemühungen zur Aufarbeitung vergangener Fälle und die in Angriff genommenen Präventionsmaßnahmen hin. Zugleich seien Gewalt und sexueller Missbrauch aber nach wie vor eine leidvolle Realität in der ganzen Gesellschaft.

„Die Hilfe für Opfer, die Vorgangsweise bei Verdachtsmomenten und die Präventionsmaßnahmen müssen konsequent umgesetzt und weitergeführt werden und ein wichtiges Anliegen bleiben. Für alle, die in der Kirche Verantwortung tragen,“ so Kardinal Schönborn.

Die auf Ersuchen der Bischöfe unter dem Vorsitz von Waltraud Klasnic ins Leben gerufene Unabhängige Opferschutzkommission hat sich seit 2010 mit insgesamt 1.550 Fällen befasst. Von den insgesamt 1.550 Betroffenen haben 878 angegeben, dass sie Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. Insgesamt sind von der Unabhängigen Opferschutzkommission bisher Finanzhilfen in der Höhe von 17,6 Millionen Euro und 4,4 Millionen Euro für Therapien, in Summe knapp über 22 Millionen Euro, zuerkannt worden.

Anonyme Statistik zu Schwangerschaftsabbrüchen

Auch das Thema Abtreibung beschäftigte die Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung. Sie fordern eine anonyme Statistik und Motiverforschung über Schwangerschaftsabbrüche und stellen sich damit einmal mehr hinter die Anliegen der Initiative „Fakten helfen“. „Verantwortungsvolle Politik braucht verlässliche Fakten als Grundlage für sinnvolle Maßnahmen“, betonen die Bischöfe. „Es ist unverständlich, ich muss sagen, es ist schwer begreiflich, warum es politisch in unserem Land nicht durchzusetzen ist. Wir sind mit Luxemburg das einzige Land in Europa, in dem es keine verlässlichen Erhebungen über die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche gibt,“ sagte Schönborn.

Neue Aufgabenverteilung für die Bischöfe

Die Bischofskonferenz hat im Rahmen ihrer Frühjahrsvollversammlung beschlossen, die Aufgabenbereiche und damit verbundenen Verantwortungsbereiche der Bischöfe neu zu strukturieren. So wandern beispielsweise der Bereich „Bildung und Schule“ sowie die Zuständigkeit für das Canisiuswerk von Kardinal Christoph Schönborn zu Bischof Wilhelm Krautwaschl. Dieser übernimmt auch die Zuständigkeit für einen Großteil der Gliederungen der Katholischen Aktion, die bisher bei Bischof Alois Schwarz lag.

 

(kap 11.03.2016 cz)