JOHANNES XXIII. – ENZYKLIKA „AD PETRI CATHEDRAM“, 29.6.1959

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Einleitung

Die ewige Jugend der Kirche — Grund zu Trost und Hoffnung

Zur Mahnung und zum Trost gereicht Uns, die Wir ohne eige­nes Verdienst auf den Stuhl Petri erhoben wurden, immer wie­der, was Wir sehen und hören durften, als beim Tode Unseres Vorgängers fast die ganze Welt ohne Unterschied der Nationen und der Weltanschauungen ihre Trauer bezeigte. Und als Wir dann Selbst zur Würde des Papsttums berufen wurden, wandten sich erneut die Massen voll Hoffnung und Erwartung Uns zu, obwohl doch andere Ereignisse und Schwierigkeiten sie beun­ruhigten und in Spannung hielten. Das beweist offensichtlich die ewige Jugendfrische der Kirche. Sie ist «errichtet als ein Zeichen unter den Völkern» (siehe Isaias 11, 12). Ein alle Völ­ker erreichendes, durchdringendes Licht und eine sanfte Liebe geht ohne Zweifel von ihr aus.

Wir freuen Uns auch über das zustimmende Echo, das die von Uns geäußerte Absicht, ein Ökumenisches Konzil und eine Römische Synode einzuberufen, das Rechtsbuch der Kirche den heutigen Erfordernissen anzupassen sowie ein neues Gesetzbuch ähnlicher Art für die Kirche des orientalischen Ritus herauszu­geben, in breiten Kreisen gefunden hat. Überall belebte sich die Hoffnung, daß alle dadurch angespornt würden, die Wahrheit besser und tiefer zu erkennen, die christlichen Sitten heilsam zu erneuern und die Einheit, die Eintracht und den Frieden aufs glücklichste wiederherzustellen.

Dieses dreifache Anliegen: die Wahrheit, die Einheit und den Frieden in christlicher Liebe zu erstreben und zu fördern, soll das Thema dieses Unseres ersten Weltrundschreibens bilden. Denn darin scheint Uns die Hauptaufgabe Unseres apostoli­schen Amtes zu bestehen. Uns beim Schreiben, euch beim Lesen erleuchte der Heilige Geist! Und was wir gemeinsam ersehnen, möge Gottes herzrührende Gnade auch alle erreichen lassen trotz der Vorurteile, der vielen Schwierigkeiten und all der Schranken, die dem entgegenstehen.

I. Teil — Die Wahrheit

Vom Kennenlernen der Wahrheit, vor allem der geoffenbarten

Das Übel, das wie ein schleichendes Gift die Einzelnen, die Völker und die Nationen heute befällt und viele ver­wirrt, ist letztlich und gleichsam wurzelhaft das Nichtkennen der Wahrheit, das manchmal nicht nur eine ein­fache Unwissenheit, sondern auch eine Verachtung der Wahrheit und eine fahrlässige Abkehr von ihr mitein­schließt. Irrtümer aller Art dringen so in das Denken und Fühlen der Menschen und sogar in die Lebensadern der Gesellschaft ein und bringen zum großen Schaden der Einzelnen wie der Gesellschaft alles in Unordnung.

Nun hat uns aber Gott mit einer Vernunft begabt, die imstande ist, die natürliche Wahrheit zu erkennen. Fol­gen wir dieser Vernunft, dann folgen wir Gott selbst; denn er ist der Urheber, Lenker und Gesetzgeber unseres Lebens. Folgen wir ihr aber nicht aus Unverstand, Gleich­gültigkeit oder gar aus Bosheit, dann wenden wir uns zu­gleich vom höchsten Gut selbst und von der Norm einer rechten Lebensführung ab.

Freilich, wenn wir auch, wie gesagt, die natürlichen Wahr­heiten mit unserem Verstand erfassen können, so ist dies doch — zumal in Fragen der Religion und des Sittengeset­zes — kein leichtes Bemühen für alle Menschen und oft mischen sich Irrtümer bei. Außerdem können wir Wahr­heiten, die über das Vermögen der Natur und die Fassungs­kraft der Vernunft hinausgehen, ohne göttliche Erleuch­tung und Hilfe überhaupt nicht erfassen. Darum hat sich Gottes Wort, das «in unzugänglichem Licht wohnt» (1. Tim. 6, 16), in seiner unendlichen Liebe des Schicksals der Menschen erbarmt, ist «Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt» ( Joh. 1, 14), damit «jeder Mensch, der in diese Welt kommt» ( Joh. 1, 9) erleuchtet werde, damit alle zur vollen und ganzen Wahrheit und darüber hinaus zur Tugend und zur ewigen Glückseligkeit geführt werden. Das aber verpflichtet nun alle Menschen, die Lehre des Evangeliums freudig aufzunehmen, und wer sie ver­wirft, stellt damit auch die Grundlagen der Wahrheit, der Rechtschaffenheit und der Kultur in Frage.

Die ewigen Zweifler

Wie man sieht, handelt es sich um eine sehr ernste Frage, mit der unser ewiges Heil eng verknüpft ist.

Leute, die «immerzu lernen wollen», wie der Völkerapo­stel sagt, «ohne fähig zu sein, zur Erkenntnis der Wahr­heit zu kommen» (2. Tim. 3, 7), die ernstlich behaupten, eine bestimmte und sichere Wahrheit könne es für die Er­kenntnis des Menschen nicht geben, die die von Gott ge­offenbarten und für unser ewiges Heil notwendigen Wahrheiten verschmähen, weichen ohne Zweifel von der Lehre Christi und der Ansicht des Völkerapostels bedenk­lich ab. Dieser sagt nämlich: « . . . laßt uns alle zur Ein­heit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen … Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, ein Spiel der Wellen und hin und her getrieben von jedem Windhauch der Lehre, die mit menschlicher Laune und List auf täuschende Verführung ausgeht. Nein, die Wahr­heit sollen wir leben durch Liebe, um in jeder Hinsicht in ihn, Christus, der das Haupt ist, hineinzuwachsen. Von ihm her wird ja der ganze Leib zusammengefügt und zu fester Einigkeit verbunden durch jedes Gelenk, das dem Ganzen dient, gemäß der Kraft, die jedem einzelnen Teil zugemessen ist; und so wirkt er das Wachstum des Leibes zu seinem Aufbau in der Liebe» (Eph. 4, 13-16).

Lüge und Wahrheit in der Presse

Leute aber, die planmäßig oder aufs Geratewohl die er­kannte Wahrheit bekämpfen, Leute, die im Reden, Schrei­ben und Handeln sich der Lüge als Waffe bedienen, um die Gunst der ungebildeten Masse zu gewinnen und die unerfahrene, noch wachsweiche Jugend nach ihrem Sinn zu bilden und zu formen, diese Leute mißbrauchen offensichtlich die Unkenntnis und die Unschuld ihrer Mitmen­schen und üben ein ganz schändliches Gewerbe aus!

Hier müssen wir mit besonderem Nachdruck eine Auf­munterung an alle jene richten, die durch die Fülle der heute so zahlreichen Bücher, Zeitschriften und Zeitungen auf das Wissen und die Erziehung des Volkes und zumal der Jugend, auf ihre Meinungsbildung und ihr sittliches Verhalten einen entscheidenden Einfluß ausüben: Achten Sie darauf, die Wahrheit mit Sorgfalt, Umsicht und Klug­heit darzulegen. Ihr Beruf verpflichtet Sie im Gewissen, keine Lügen, keine halben Wahrheiten, keinen Schund und Schmutz zu verbreiten, sondern nur das Wahre, und zwar vor allem das, was zum rechten Tun und zur Tu­gend eine Hilfe bedeutet.

Zu Unserem größten Bedauern müssen Wir mit Unserem Vorgänger seligen Angedenkens Leo XIII. feststellen: «Frech geht die Lüge um . . . in mühevollen Wälzern und schmächtigen Bändchen, in keck umherfliegenden Zeitun­gen und im aufreizenden Zauber des Theaters» (Brief: Saepenumero considerantes; A. L. vol. III, 1883, p. 262). Auch Wir müssen feststellen, «daß es Bücher und Zeit­schriften gibt, die nur dazu gedruckt werden, um die Tu­gend lächerlich und das Laster angängig zu machen» (Brief: Exeunte iam anno; A. L. vol. III, 1888, p. 396).

. . . im Radio, Film und Fernsehen

Dazu kommen heute, ehrwürdige Brüder und liebe Söhne, die Darbietungen des Rundfunks, des Kinos und der Tele­vision. Die letzten kann sogar jeder mühelos bei sich zu Hause empfangen. Von allen können Anregungen und Antriebe zum Guten und Ehrbaren, ja zur christlichen Tugend ausgehen. Nicht selten aber werden sie leider auch zur Quelle und zum Anreiz verdorbener Sitten, eines ehrlosen Lebens, trügerischer Irrtümer und schlüpfriger Laster, zumal für die Jugend. Um den Einfluß dieses täg­lich weiter um sich greifenden Übels einzudämmen, müs­sen den verderblichen Waffen die Waffen der Wahrheit und des Guten nach Kräften und mit Umsicht entgegen­gesetzt werden: der schlechten und trügerischen Presse muß man mit einer guten und aufrichtigen begegnen; Hörsendungen des Rundfunks und Vorführungen des, Kinos und Fernsehens, die zu Irrtum und Laster verfüh­ren, sind andere Darbietungen entgegenzustellen, die der Wahrheit dienen und die Reinheit der Sitten verteidigen. Auf diese Weise sollen die neuen Techniken, die sich so schädlich auswirken können, umgestaltet werden zu Mit­teln, die neben ehrbarer Unterhaltung dem Menschen zum Heil und zur Wohltat gereichen. Von dort sollen die Heil­mittel erfließen, von wo auch oft das schädliche Gift aus­ging.

Die religiös Gleichgültigen

Endlich gibt es Leute, die zwar nicht planmäßig die Wahrheit ausdrücklich bekämpfen, sich ihr gegenüber aber so nachlässig und unbekümmert verhalten, als hätte uns Gott den Verstand nicht zum Suchen und Finden der Wahrheit gegeben. Diese verkehrte Lebenshaltung führt auf abschüssiger Bahn zu der ganz sinnlosen Behauptung: alle Religionen seien — ohne daß man wahr und falsch unterscheiden müsse — gleichviel wert. «Diese Ansicht be­reitet», um die Worte Leos XIII. zu gebrauchen, «allen Religionen den Untergang, besonders aber der katholi­schen, die unter allen die einzig wahre ist und die man sehr zu Unrecht mit anderen gleichsetzen würde» (Rund­schreiben: Humanum genus; A. L. vol. IV, 1884, p. 53). Hält man Gegensätze und Widersprüche für belanglos, so führt das außerdem zu dem tragischen Resultat, daß man überhaupt keine Religion billigt, überhaupt keine ausübt. Wie könnte Gott, der die Wahrheit ist, die Sorglosigkeit, Nachlässigkeit und geistige Trägheit jener Menschen bil­ligen und hinnehmen, die über Fragen, von denen unser ewiges Heil abhängt, sich kein Gewissen machen, die nichts wissen wollen vom Suchen und Erringen der heils­notwendigen Wahrheiten, nichts von der Verehrung, die sie Gott allein schulden?

Auf das Erlernen und die Förderung der menschlichen Wissenschaften verwendet man heute viel Mühe und Fleiß, und unser Jahrhundert ist mit Recht stolz auf den bewundernswerten Fortschritt, den wir auf dem Gebiete der Forschung gemacht haben. Warum eigentlich verwen­den wir nicht einen gleichen, ja noch größeren rastlosen, rührigen Eifer und Fleiß auf die Erwerbung zuverlässiger und sicherer Erkenntnisse, die nicht diesem irdischen und hinfälligen, sondern dem himmlischen Leben dienen, das nicht vergeht? Erst wenn wir zu jener Wahrheit, die aus dem Evangelium kommt und die praktisch gelebt wer­den muß, vorgedrungen sind, erst dann und dann allein werden wir zur Ruhe kommen in Frieden und Freude; in einer Freude, die alle Freuden unendlich übersteigt, die man über Ergebnisse der Forschung und über die groß­artigen, heute tagtäglich bis in den Himmel gepriesenen Erfindungen, die uns jetzt zur Verfügung stehen, emp­finden kann.

II. Teil — Einheit, Eintracht, Friede

Der Friede setzt die Liebe zur Wahrheit voraus

Aus dem Besitz dieser Wahrheit — die umfassend, lauter und unparteiisch sein soll — quillt notwendigerweise die Einheit hervor und tritt in unserem Denken, Fühlen und Handeln zutage. Disharmonien, Mißstimmungen, Mei­nungsverschiedenheiten kommen alle letzten Endes da­her, daß die Wahrheit entweder nicht erkannt oder, was noch schlimmer ist, obwohl man sie ganz genau kennt, dennoch abgelehnt wird. Oft erhofft man sich dabei Vor­teile aus falschen Behauptungen, oder man verfällt jener verderblichen Blindheit, in der die Menschen nur allzu leicht und zu nachsichtig ihre Fehler und bösen Taten zu entschuldigen suchen. Darum müssen alle, die Privatleute wie die Männer, in deren Händen das Schicksal der Völker liegt, die Wahrheit aufrichtig lieben, wenn sie jene Eintracht und jenen Frieden haben wollen, von denen das wahre Gedeihen des privaten wie des öffentlichen Lebens abhängt. Ganz besonders legen Wir aber den Staatsober­häuptern diese Eintracht und diesen Frieden ans Herz. Unser Amt hat Uns über die Streitigkeiten der Völker ge­stellt, alle Völker sind Uns gleich lieb, keine irdischen Vorteile, keine politischen Machtansprüche, keinerlei Ambitionen dieses irdischen Lebens bestimmen Unser Han­deln; deshalb dürfen Wir wohl damit rechnen, daß die Angehörigen aller Völker es mit Ruhe und Unvoreinge­nommenheit prüfen und anhören werden, was Wir zu die­ser überaus wichtigen Frage zu sagen haben.

Als Brüder schuf Gott alle Menschen

Nach dem Schöpferplan Gottes sollen die Menschen nicht Feinde, sondern Brüder sein. Er übergab ihnen die Erde zur Bearbeitung und zur Veredlung. Jeder und alle soll­ten ihrer Früchte und alles dessen, was man zur Ernäh­rung und zum Leben braucht, teilhaftig werden. Die ver­schiedenen Völker sind weiter nichts als Gemeinschaften von Menschen, das heißt Brüdern, von denen jede nicht für sich allein, sondern auch für das Gedeihen der ganzen menschlichen Teilhaberschaft im Bund der Brüder ver­antwortlich ist.

Außerdem darf man dieses hinfällige Leben nicht für sich allein betrachten, als wäre es uns nur zur Unterhaltung geschenkt. Es bedeutet einen Weg und der führt nicht allein zum Sterben unserer Leiber, er führt auch zum ewi­gen Leben, zur Heimat, die immer bleibt. Reißt man das Wissen um diese trostvolle Hoffnung den Menschen aus den Herzen, dann gerät die Grundlage des ganzen Lebens ins Schwanken. Leidenschaften, Streit, Feindschaften bre­chen dann unvermeidlich aus unserem Innern hervor und es gibt keinen wirksamen Zügel, der sie bändigen könnte. Dann schimmert nicht der Ölzweig des Friedens, sondern die Fackeln der Zwietracht flammen auf. Unser Los gleicht dann dem der unvernünftigen Tiere, ja es ist minder als dieses, denn wir haben Verstand und können ihn miß­brauchen, um noch Schlechteres anzustreben und noch tiefer hinabzusinken. Leider geschieht das auch nur zu oft — wie schon bei Kain — und die Erde wird besudelt mit verbrecherisch vergossenem Bruderblut.

Deshalb müssen wir zunächst Kopf und Herz zu diesen rechten Grundsätzen wieder zurückführen, wenn, wie es nottut, auch unser Handeln auf den Weg der Gerechtig­keit zurückgebracht werden soll. Wir nennen uns Brüder und sind es auch; wir haben dieselbe Bestimmung in die­sem und im anderen Leben. Warum also, so fragen Wir, behandeln wir andere als Gegner und Feinde? Warum sind wir aufeinander neidisch, warum säen wir Haß, warum beschaffen wir uns tödliche Waffen gegen unsere Brüder? Genug des Kampfes der Menschen untereinander! Genug des vergossenen Blutes wachsender Scharen junger Männer in der Blüte der Jahre! Genug der Kriegerfried­höfe, die unsere Erde bedecken! Streng mahnt ihre Stimme: Laßt euch endlich alle zur Eintracht, zur Ein­heit, zu einem gerechten Frieden bekehren! Darum mögen alle, statt auf das zu sehen, was die Menschen trennt und entzweit, ihr Augenmerk darauf richten, wie sich — ge­recht gegeneinander abgewogen — die eigenen Interessen mit den Interessen der anderen verbinden lassen.

Einheit und Eintracht unter den Völkern

Nur dann können öffentliche Probleme und Interessen richtig gesehen und befriedigend geregelt werden, wenn alle, so wie es sein sollte, den Frieden und nicht den Krieg suchen und wenn alle ein brüderliches Einvernehmen er­streben. Allein unter dieser Voraussetzung können dann in gemeinsamen Beratungen die Wege gesucht und die Vereinbarungen getroffen werden, die der Menschheits­familie die so ersehnte Einheit bringen, in der die einzel­nen Nationen ihre Freiheitsrechte von anderen nicht mehr bedroht, sondern geschützt wissen. Nationen, die andere unterdrücken und der ihnen geschuldeten Freiheit berau­ben, können sich selbstverständlich um diese Einheit nicht bemühen. Dazu paßt trefflich das weise Wort Leos XIII., Unseres Vorgängers unsterblichen Angedenkens: «Das beste Mittel, um das begehrliche Streben nach fremdem Gut und die Eifersucht, diese gefährlichsten Brandstifter des Krieges, in Zaum zu halten, ist die christliche Tugend und vor allem die Gerechtigkeit» (Brief: Praeclara gratu­lationis; A. L. vol. XIV, 1894, p. 210).

Wenn die Völker aber diese auf die Forderungen der Ge­rechtigkeit gegründete und von der Liebe beschwingte brüderliche Einheit nicht erreichen, bleibt die Lage äußerst bedrohlich. Deshalb klagen ja alle Einsichtigen, man könne nicht wissen, ob die Welt wirklich der Sicherung eines echten und ehrlichen Friedens entgegengehe oder nicht vielmehr in äußerster Blindheit in einen neuen, schrecklichen Krieg schlittere. Wir wiederholen: in äußer­ster Blindheit; denn wenn ein neuer Krieg ausbrechen sollte (was Gott verhüten möge), dann würden die schauerlichen Waffen, die man heute eingeführt hat, über Sieger und Besiegte unermeßliche Vernichtung und uner­meßliches Unglück bringen.

Darum bitten Wir alle und insbesondere die Staatslen­ker, sich das vor Gott, ihrem Richter, bedächtig und auf­merksam zu überlegen und mit freudiger Bereitschaft alle Wege einzuschlagen, die der notwendigen Einheit dienen können. Die einmütige Einheit, die, wie gesagt, zweifellos auch dem Wohlergehen der einzelnen Völker zugute kom­men wird, läßt sich nur dann wiederherstellen, wenn sich alle im Frieden und ihre Rechte gesichert wissen, wodurch die der Kirche, den Völkern und jedem Einzelnen ge­schuldete Freiheit in hellem Licht erstrahlt.

Einheit und Eintracht der gesellschaftlichen Schichten

Auch im sozialen Leben muß die in der Politik erstrebte Einheit und Eintracht immer stärker gefördert werden. Andernfalls können — wie es ja tatsächlich schon geschieht — Haß und anhaltende Spannungen entstehen. Der näch­ste Schritt sind dann Unruhen, unheilvolle politische Veränderungen und zuweilen auch Zerstörungen, während der private und öffentliche Wohlstand sich immer mehr verringert und in eine Krise gerät. Mit Recht bemerkte dazu Leo XIII: « (Gott) wollte, daß es in der Gemein­schaft des Menschengeschlechtes eine Ungleichheit der Klassen und einen gewissen Ausgleich durch freund­schaftliches Einvernehmen gebe» (Brief: Permoti Nos; A. L. vol. XV, 1895, p. 259).

«Wie im Körper des Menschen voneinander verschiedene Glieder zusammenpassen und ein Beziehungssystem bil­den, das wir zu Recht Symmetrie nennen, so wollte die Natur, daß . . . auch die Klassen sich harmonisch zusam­menfinden und nach dem Gesetz des Gleichgewichts ein­ander entsprechen. Die eine ist auf die andere angewiesen: Das Kapital kann sich nicht ohne die Arbeit und die Ar­beit nicht ohne das Kapital behaupten. Schönheit und Ordnung sind Früchte der Eintracht» (Rerum novarum; A. L. vol. XI, 1891, p.109).

Die Ungleichheit der Klassen zu leugnen hieße also den Gesetzen der Natur selbst widersprechen. Anderseits be­deutet die Ablehnung dieses freundschaftlichen und not­wendigen Zusammengehens der gesellschaftlichen Schich­ten einen für das Privat- und Gemeinwohl äußerst ge­fährlichen und schädlichen Versuch, die Gesellschaft in Unordnung zu bringen und zu spalten. übrigens hat auch ein anderer Unserer Vorgänger, Pius XII. unsterblichen Angedenkens, betont: «Bei einem Volk, das dieses Namens würdig ist, stehen Ungleichheiten gesellschaftlicher Schich­ten, die nicht menschlicher Willkür, sondern der Natur der Dinge entstammen — Ungleichheiten der Kultur und Bildung, der Wirtschaftsverhältnisse, der sozialen Stel­lung, solange nur die Gerechtigkeit und Liebe gewahrt bleiben —, den Banden brüderlicher Verbundenheit in kei­ner Weise entgegen» (Weihnachtsbotschaft 1944; Dis­corsi Radiomessaggi di S. S. Pio XII, vol. VI, p. 239). Gewiß dürfen die einzelnen Klassen und gesellschaft­lichen Schichten ihre Rechte verteidigen, aber nur im Rahmen des Gesetzes und nicht mit Gewalt und ohne unberechtigten Eingriff in die Rechte anderer, die genau so unverletzlich sind. Alle sind Brüder und darum soll auch alles im Geiste der Freundschaft und brüderlichen Liebe geregelt werden.

Ansätze zur Besserung

Als ein hoffnungsvolles Anzeichen darf man es wohl an­sehen, wenn in neuester Zeit mancherorts die Spannun­gen zwischen den sozialen Klassen sich vermindert und ihre Beziehungen sich besser angelassen haben. Unser un­mittelbarer Vorgänger bemerkte dazu in einer Ansprache an die deutschen Katholiken: «Die furchtbare Niederlage des letzten Krieges, die euch so viel Leid eintrug, brachte doch wenigstens das Gute, daß in manchen Kreisen unter Hintansetzung alter Vorurteile und eines allzu eigensüch­tigen Gruppendenkens die Klassengegensätze weithin aus­geglichen und die Menschen einander näher gebracht wur­den. Gemeinsames Unglück ist für alle ein zwar harter, aber heilsamer Zuchtmeister» (Radiobotschaft an den 73. deutschen Katholikentag: ibid. vol. XI, p. 189). Tat­sächlich hat sich der Abstand der sozialen Klassen ver­ringert: Da Kapital und Arbeit nicht mehr die einzigen (Klassen) darstellen, ist die Gesellschaft eine pluralistische geworden und der Zugang zu den verschiedenen Schich­ten in ihr steht jedem leichter offen, so daß die Strebsamen und Tüchtigen Aufstiegsmöglichkeiten zu höheren sozia­len Stufen haben. Aber auch bei denen, die von ihrer Hände Arbeit leben müssen, stellen wir mit Genugtuung fest, daß die neuesten Versuche, ihre Lage in den Fabri­ken und auf anderen Arbeitsgebieten menschlicher zu ge­stalten (human relations) dahin führen, daß die Arbeiter nicht nur als Wirtschaftskapital veranschlagt, sondern entsprechend einer höheren und würdigeren Lebensfüh­rung behandelt werden.

Wichtige Fragen aus der Welt der Arbeit

Trotzdem liegt noch ein langer Weg vor uns. Noch sind vielfach die Vermögensunterschiede und die Spannungsmomente zwischen den verschiedenen sozialen Schichten zu groß. Eine bisweilen schiefe oder doch nicht ganz rich­tige Eigentumsauffassung zeigt sich bei allzu gierigem Streben nach eigenem Vorteil und Gewinn. Dazu kommt noch die furchtbare Geißel der Arbeitslosigkeit, die viele so unbarmherzig trifft, und die — wenigstens für den Au­genblick — im Zug der Mechanisierung, die den Arbeiter zugunsten der zweckmäßigeren Maschine verdrängt, noch größer zu werden droht. Schon Unseren Vorgänger seli­gen Angedenkens Pius XI. beunruhigte das Problem der Arbeitslosigkeit. Er schreibt dazu: «Fast unzählbare Scha­ren ehrlicher Arbeiter sehen sich zur Untätigkeit und da­durch mit ihren Kindern zum bittersten Elend verurteilt. Sie wollen weiter nichts, als sich redlich das Brot verdie­nen, um das den himmlischen Vater täglich zu bitten ein göttliches Gebot sie anweist. Ihre Klagen rühren Uns ans Herz. Sie lassen Uns, vom gleichen Mitleid getroffen, das des göttlichen Meisters Herz angesichts der vor Hunger erschöpften Menge ergriff, erneut mit ihm ausrufen: ‚Mich erbarmt des Volkes!’» (Mark. 8, 2) (A. A. S. vol. XXIII, 1931, pp. 393-394).

Wenn wir also die Eintracht der gesellschaftlichen Schich­ten ernstlich wollen — und das müssen wir alle —, dann müssen alle öffentlichen und privaten Dienste und alle mutigen Initiativen zusammengefaßt werden, und zwar mit dem Ziel, das menschenmögliche zu tun, damit alle, auch die untersten Schichten, sich im Schweiß ihres An­gesichts durch Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen wie auch ihre und ihrer Familie Zukunft auf anständige Weise sicherstellen können. Darüber hinaus darf man auch die weniger Begüterten von dem allgemein verbesserten Lebensstandard der modernen Zeit nicht ausschließen. Die Unternehmer und Direktoren, die für die Verhältnisse in den verschiedenen Betrieben und manchmal auch für das Leben der Arbeiter verantwortlich sind, ermahnen Wir mit Nachdruck, nicht nur auf den Gewinn, den die Arbeit ihnen einbringt, bedacht zu sein und sich auf die Erfüllung gerechter Lohnansprüche zu beschränken, sondern die Arbeiter auch als Menschen, ja als Brüder zu betrachten! Sie sollen auch dafür sorgen, daß die Arbeiter auf angemes­sene und tragbare Weise mehr und mehr am Arbeitsertrag beteiligt werden und sich gleichsam als Teile des ganzen Unternehmens fühlen. Die Rechte und Pflichten des Ar­beitgebers sollen so mit den Rechten und Pflichten des Arbeitnehmers immer besser ausgeglichen und in Ein­klang gebracht werden. Die verschiedenen Verbände «sol­len keine Kampfinstrumente darstellen, mit denen man Unrecht tut oder abwehrt, was den anderen zum Wider­stand reizt, so daß er Gewalt gegen Gewalt setzt; sie sol­len nicht einem Strom gleichen, der über die Ufer tritt und Dämme bricht, sondern vielmehr einer Brücke, die beide Ufer verbindet» (Für eine haltbare Sozialordnung: Discorsi e Radiomessaggi di S. S. Pio XII., vol. VII, p. 350). Vor allem aber soll — wie es unserer Würde als Christen und schon als Menschen entspricht — dem wirt­schaftlichen ein nicht geringerer sittlicher Fortschritt ent­sprechen. Denn was werden dem Arbeiter gesteigerte Kaufkraft und erhöhter Lebensstandard nützen, wenn er die wichtigeren Güter, die dem ewigen Leben dienen, ver­liert oder vernachlässigt? Damit das gelinge, muß die Soziallehre der katholischen Kirche in die Tat umgesetzt werden, und die Liebe, die Herrin und Königin aller Tu­genden, seien alle bestrebt, in sich selbst zu pflegen und in den anderen, den Großen wie den Kleinen, anzufachen. Die ersehnte Rettung erwarten Wir in erster Linie von einer weltweiten Ausgießung des Geistes der Liebe: Wir meinen die christliche Liebe, die das Gesetz des ganzen Evangeliums verkürzt enthält, die immer hingabebereite, wo es gilt anderen zu helfen, das unfehlbare Gegengift gegen die Überheblichkeit und maßlose Eigenliebe der Welt. Der Apostel Paulus beschreibt ihre Rolle und ihre göttlichen Züge mit den Worten: «Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist freundlich . . . sie sucht nicht den Vorteil .. . alles umhüllt sie milde . . . alles duldet sie» (1. Kor. 13, 4-7); (Brief: Inter graves; A. L. vol. XV, p. 143-144).

Eintracht in den Familien

Schließlich ermahnen Wir mit väterlicher Liebe auch alle Familien, sich um die Einheit und Eintracht zu bemühen, zu der Wir die Völker, Staatsmänner und alle Sozial­schichten aufgerufen haben. Denn wie könnten Friede, Einheit und Eintracht in der Gesellschaft bestehen, wenn sie im Leben der Familie keinen Platz hätten? Nie und nimmer darf die Harmonie einer geordneten Einheit im Familienheim fehlen, denn diese Einheit entspringt dem unauflöslichen Band und der Heiligkeit der christlichen Ehe und von ihr erhält zum großen Teil die Ordnung, der Fortschritt und die Wohlfahrt der ganzen bürgerlichen Gesellschaft ihre Kraft.

Der Familienvater soll unter den Seinen gewissermaßen Gottes Stelle vertreten. Nicht allein durch seine Autori­tät, auch durch das Beispiel seines rechtschaffenen Lebens­wandels sei er den anderen Leuchte und Vorstand. Die Mutter gebiete in Güte und Tugend im häuslichen Kreis fest und sanft zugleich ihren Kindern, dem Gatten gegen­über sei sie nachgiebig und liebevoll; beide zusammen aber sollen ihre Kinder, das kostbarste Geschenk, das Gott ihnen anvertraut hat, sorgfältig zu einem rechten und frommen Lebenswandel erziehen und anhalten. Die Kin­der sollen, wie es recht ist, ihren Eltern gehorchen, sie sollen sie lieben und ihnen nicht nur ein Trost, sondern, wenn nötig, auch eine Stütze sein. Die Liebe der Heiligen Familie von Nazareth durchwalte auch das christliche Heim, in dem alle christlichen Tugenden blühen, die Ein­heit stark sein und das Beispiel eines rechtschaffenen Le­bens hell aufleuchten soll. Nie möge, darum bitten Wir Gott inständig, diese so schöne, so traute, so notwendige Einheit zerrissen werden. Wenn die heiligen Institutionen der christlichen Familie abzubröckeln beginnen, wenn die Worte Christi, des Erlösers, über die Ehe nicht mehr be­achtet und abgelehnt werden, dann schwinden auch die Grundlagen des öffentlichen Lebens und die Gesellschaft wird zum Schaden aller Bürger innerlich hohl.

III. Teil — Die Einheit der Kirche

Hoffnungsvolle Zeichen

Und nun wollen Wir von jener Einheit handeln, die Uns besonders am Herzen liegt und die mit dem Uns von Gott anvertrauten Hirtenamt aufs innigste verknüpft ist: von der Einheit der Kirche.

Unser göttlicher Erlöser hat — das wissen wir alle — eine Gesellschaft gestiftet, die ihre Einheit bis an das Weltende bewahren sollte: «Siehe ich bin bei euch bis zur Vollen­dung der Zeiten» (Mt. 28, 20). Um diese Einheit bat er seinen Vater inständig und sein Gebet wurde ohne Zwei­fel erhört «um seiner Ehrfurcht willen» (Hebr. 5, 7). «Daß alle eins seien, wie Du, Vater, in mir und ich in Dir; daß auch sie in uns eins seien» ( Joh. 17, 21). Dieses Gebet weckt und stärkt in Uns die Hoffnung, daß doch einmal in allen, «die nicht von diesem Schafstall sind», der Wunsch erwacht, zu ihm zurückzukehren, so daß nach des Erlö­sers eigenen Worten «eine Herde und ein Hirt werde» ( Joh. 10, 16).

Von dieser tröstlichen Hoffnung geleitet, ja heftig ge­drängt, gaben Wir öffentlich Unsere Absicht bekannt, ein Ökumenisches Konzil einzuberufen, bei dem die geist­lichen Vorsteher des ganzen Erdkreises zur Beratung ern­ster Fragen der Religion sich einfinden sollen. Haupt­zweck dieses Konzils wird es sein, das Wachstum des katholischen Glaubens zu fördern, die Sitten des christ­lichen Volkes zu erneuern und die kirchlichen Rechtsnor­men den Bedürfnissen unserer Zeit anzupassen. Ein erhe­bendes Schauspiel der Wahrheit, der Einheit und der Liebe! Ein Schauspiel, dessen Anblick, wie Wir hoffen, auch für die vom Apostolischen Stuhl Getrennten eine sanfte Einladung darstellen wird, jene Einheit, um die Jesus Christus seinen himmlischen Vater so inständig ge­beten hatte, zu suchen und zu erlangen.

Zu Unserer Freude stellen Wir in jüngster Zeit bei mehre­ren vom Heiligen Stuhl getrennten Gemeinschaften eine zunehmend wohlwollende Haltung gegenüber dem Glau­ben und den Einrichtungen der katholischen Kirche fest. Auch wächst die Achtung vor dem Apostolischen Stuhl mehr und mehr, weil das Streben nach Wahrheit vorge­faßte Meinungen aus dem Weg räumt. Überdies wissen Wir, daß fast alle, die (obwohl von uns und untereinander getrennt) sich Christen nennen, zum Zweck engerer Ver­bindungen mehr als einen Kongreß abgehalten und dazu auch ständige Räte eingesetzt haben. Das zeigt ihr leb­haftes Verlangen, wenigstens eine gewisse Einheit her­zustellen.

Die vom Gründer der Kirche gestiftete Einheit

Ohne Zweifel hat unser göttlicher Erlöser seiner Kirche eine unerschütterliche Einheit beigegeben und eingestif­tet. Gesetzt den unwirklichen Fall, er hätte das nicht ge­tan, wäre seine Gründung hinfällig und dem Wechsel der Zeit unterworfen gewesen, ähnlich den meisten philoso­phischen Systemen, die dem Gutdünken menschlicher Vermutungen und Ansichten preisgegeben sind. Eines nach dem andern entsteht im Laufe der Zeiten, verändert sich und verschwindet wieder.

Niemand kann leugnen, daß das der göttlichen Lehre Jesu Christi, der «der Weg, die Wahrheit und das Leben» (Joh. 14, 6) ist, gar nicht entsprechen würde.

Diese Einheit, von der Wir sagten, sie könne nicht hinfäl­lig, unsicher und schwankend, sondern sie müsse etwas Dauerndes, Festes und Sicheres sein (siehe das Rund­schreiben Pius‘ XI. «Mortalium animos» über die Pflege der wahren Einheit der Religion, A. A. S. vol. XX, 1928, p. 5s), diese Einheit, geehrte Brüder und liebe Söhne, fehlt der katholischen Kirche — im Unterschied zu den andern christlichen Gemeinschaften — sicherlich nicht. Nieman­dem kann das entgehen, der sie aufmerksam studiert. Fol­gende drei Kennzeichen unterscheiden und zieren sie näm­lich: die Einheit der Lehre, der Leitung und der Liturgie. Sie liegt vor aller Augen offen zutage, damit alle sie aner­kennen und ihr folgen können. Nach dem Willen des göttlichen Stifters sollten sich in dieser Einheit alle Schafe zu einer Hürde unter der Leitung eines Hirten versammeln. Zu dem einen auf Petrus gegründeten Vaterhaus sind alle Söhne, in ihm, dem einen Reich Gottes, alle Völker in brü­derlicher Eintracht sich zu vereinen gerufen. Ein Herz und eine Seele sollen die Bürger dieses Reiches sein auf Erden, damit sie dereinst der ewigen Seligkeit teilhaft würden im Himmel.

Einheit der Lehre

Die katholische Kirche befiehlt, die ganze Offenbarung Gottes treu und fest zu glauben, wie sie sich findet in der Heiligen Schrift oder der mündlichen oder schriftlichen Überlieferung und wie sie von der Zeit der Apostel an im Lauf der Jahrhunderte von den Päpsten und den recht­mäßigen Ökumenischen Konzilien bekräftigt und defi­niert wurde. Wo einer von diesem Weg abirrte, hat die Kirche es nie versäumt, ihn immer wieder mit ihrer müt­terlichen Autorität auf den rechten Weg zurückzurufen. Sie weiß gar wohl und hält daran fest, daß es nur eine Wahrheit gibt und man eben darum verschiedene, ein­ander widersprechende «Wahrheiten» nicht annehmen kann. Sie macht sich den Ausspruch des Völkerapostels zu eigen: «Gegen die Wahrheit vermögen wir nichts, nur für die Wahrheit» (2. Kor. 13, 8).

Trotzdem überläßt auch die katholische Kirche viele Fra­gen den Theologen zur freien Auseinandersetzung, da es sich hier um nicht ganz sichere Punkte handelt und da in solchen Dingen — wie der berühmte englische Kardinal John Henri Newman bemerkt — derartige Kontroversen die Einheit der Kirche nicht zerreißen. Sie dienen viel­mehr einer tieferen und besseren Erkenntnis der Dogmen; denn durch die Gegenüberstellung verschiedener Ansich­ten fällt neues Licht auf die Erkenntnis und das trägt viel dazu bei, ihr den Weg zu bereiten und sie sicherzustellen (siehe J. H. Newman, Difficulties of Anglicans, vol. I, lect. X., p. 261). Jedenfalls ist der allbekannte Satz, der, verschieden formuliert, verschiedenen Autoren zugeschrieben wird, immer gültig und lobenswert: «Im Not­wendigen Einheit, im Zweifelsfall Freiheit, in allem Liebe.»

Einheit der Leitung

Die Einheit der Leitung in der katholischen Kirche ist jedermann sichtbar. Die Gläubigen sind den Priestern, die Priester den Bischöfen, «die der Heilige Geist bestellt hat, die Kirche des Herrn zu leiten» (Apg. 20, 28), unterge­ordnet. Die Bischöfe hinwieder, alle zusammen und als einzelne, sind dem Römischen Pontifex unterstellt, inso­fern dieser als der Nachfolger Petri anzusehen ist, den Christus, der Herr, der Kirche zum Fels und zur Grund­lage gesetzt hat (Mt. 16, 18). Ihm hat er im besonderen die Vollmacht verliehen, «auf Erden zu binden und zu lösen (ebd. 16, 19), seine Brüder zu stärken (Luk. 22, 32) und die ganze Herde zu weiden» (Joh. 21, 15-17).

Einheit der Liturgie

Ebenso weiß jeder, daß die katholische Kirche von der Zeit der Apostel an eine erstaunliche Einheit des Kultes bewahrt hat, indem sie im ganzen katholischen Erdkreis die sieben Sakramente, die sie von Jesus Christus als hei­liges Erbe empfangen, den Gläubigen zur Nahrung des geistlichen Lebens reichte (Italienische Fassung). Und wer wüßte nicht, daß nur ein Opfer, das eucharistische, in der Kirche gefeiert wird. Christus, unser Heil und Erlöser, opfert sich darin unblutig aber wirklich, wie einst auf Kaivaria, jeden Tag für uns alle und gießt die unend­lichen Schätze seiner Gnade über uns aus. Mit Recht sagt darum der heilige Cyprian: «Neben dem einen Altar und dem einen Priestertum kann kein anderer Altar errichtet werden und kein neues Priestertum entstehen» (Epist. XLIII, 5; Corp. Vind. III, 2, 594; cf. Epist. XL, cepud Migne, PL., IV, 345). Trotzdem gibt es bekanntlich in der katholischen Kirche verschiedene Riten und ihrer Bil­ligung steht nichts im Wege, denn sie, die Kirche, erstrahlt dadurch um so schöner, gleichsam als die Tochter des höchsten Königs in farbenstolzem Gewand (cf. Ps. 44, 15).

Auf daß alle diese wahre und harmonische Einheit erlan­gen, bringt der katholische Priester bei der eucharistischen Opferfeier die unbefleckte Hostie dem gütigen Gott dar «vor allem für Deine heilige katholische Kirche. Schenke ihr den Frieden auf dem ganzen Erdkreis, behüte, einige und leite sie huldvoll, wie Deinen Diener, unseren Papst, alle Rechtgläubigen und alle, die den katholischen und apostolischen Glauben fördern» (Kanon der Messe).

Väterliche Einladung zur Einheit

Möge dieses bewundernswerte Schauspiel der Einheit, das allein die katholische Kirche auszeichnet, mögen ihre Bit­ten und Gebete, durch die sie von Gott die gleiche Ein­heit für alle erfleht, euch, die ihr von diesem Aposto­lischen Stuhl getrennt seid, bewegen und heilsam anregen.

Laßt Uns euch mit innigem Verlangen Brüder und Söhne nennen. Laßt Unserem väterlich liebenden Herzen die Hoffnung auf eure Rückkehr. Mit der gleichen Hirten­sorge, mit der Theophilus, der Bischof von Alexandrien, sich an seine Brüder und Söhne wandte, als ein unheil­volles Schisma das nahtlose Gewand der Kirche zerriß, wenden Wir uns an euch mit seinen Worten: «Geliebteste, die wir der himmlischen Berufung teilhaftig sind, ahmen wir Jesus nach, den Führer und Vollender unseres Heils, jeder nach seinen eigenen Möglichkeiten. Umfangen wir jene Herzensdemut, die nach oben führt, jene Liebe, die uns mit Gott verbindet und den lauteren Glauben an die Geheimnisse Gottes. Flieht alle Spaltung, meidet die Zwietracht — stützt euch in gegenseitiger Liebe. Hört Christi Worte: «Daran wird man euch als meine Jünger erkennen, daß ihr einander liebet» (cf. Homilia in mysti­cum caenam; P. G. LXXVII, 1027).

Bedenkt, daß Unser von der Liebe diktierter Ruf zur Ein­heit der Kirche euch nicht in ein fremdes, sondern in euer eigenes, in das gemeinsame Vaterhaus einladet. Erlaubt Uns «in der Liebe Jesu» (Phil. 1, 8) die Mahnung: Ge­denket eurer Väter, «die euch das Wort Gottes verkün­det haben! Betrachtet den Ausgang ihres Wandels und fol­get ihrem Glauben!» (Hebr. 13, 7). Die glorreiche Schar, die jedes eurer Völker bereits zum Himmel entsandt hat, vor allem jene, die durch ihre Schriften die Lehre Jesu richtig und eindringlich euch übermittelt und erklärt haben, laden euch gleichsam durch das Beispiel ihres Lebens zur Einheit mit dem Apostolischen Stuhl ein, mit dem auch eure christliche Gemeinschaft durch so viele Jahrhunderte zu eurem Heil verbunden war.

Mit den Worten des heiligen Augustinus wenden Wir Uns deshalb an alle von Uns Getrennten, als an Unsere Brü­der: «Ob sie nun wollen oder nicht, sie sind doch Unsere, Brüder. Nur dann wären sie Unsere Brüder nicht mehr, wenn sie nicht mehr sprechen würden: Vater unser» (s. Aug. In Ps. 32, Enarr. II, 29; Migne, PL. XXXVI, 299). «Lieben wir Gott, unseren Herrn, lieben wir seine Kirche. Ihn als Vater, sie als Mutter. Ihn als Herrn, sie als seine Magd, weil wir die Söhne seiner Magd sind. Diese Ehe ist in großer Liebe geschlossen. Niemand kann den einen beleidigen und beim andern sich verdient machen … Den Vater nicht beleidigt zu haben, was wird es nützen, wenn er die Kränkung der Mutter rächt? . . . Haltet dar­um fest, Geliebte — alle und eines Sinnes —, an Gott dem Vater und an der Mutter Kirche» (id. In Ps. 82, Enarr. II, 14; Migne, PL. XXXVII, 1140).

Von der Dringlichkeit besonderer Gebete

Darum richten Wir inständige Bitten an den gütigen Gott, den Spender himmlischer Erleuchtung und aller Güter, um Bewahrung der Einheit der Kirche und um Vermeh­rung der Hürde Christi und seines Reiches. Und Wir er­mahnen alle Unsere Brüder und Söhne in Christus, ein Gleiches zu tun. Der Ausgang des künftigen Ökumeni­schen Konzils hängt gewiß mehr als von menschlichem Mühen und sorgfältigem Fleiß von einem heiligen Wett­streit eifrigen und gemeinsamen Betens ab. Zu diesem Beten laden Wir von Herzen auch jene ein, die, wenn sie auch nicht von dieser Hürde sind, doch Gott verehren und anbeten und seine Gebote ehrlichen Herzens zu halten bestrebt sind.

Möge das hohepriesterliche Gebet Christi diese Unsere Hoffnung und diese Unsere Wünsche mehren und vollen­den: «Heiliger Vater, bewahre sie in Deinem Namen, die Du mir gegeben hast, damit sie eins seien wie wir .. . Hei­lige sie in der Wahrheit: Dein Wort ist Wahrheit .. . Nicht für sie allein bitte ich, sondern auch für jene, die durch ihr Wort an mich glauben . . . damit sie vollendet seien zur Einheit» ( Joh.17, 11.17.20.21.23).

Aus der Einheit entspringen Friede und Freude

Mit dem ganzen katholischen Erdkreis erneuern Wir diese Bitte, und zwar nicht nur aus heißer Liebe zu allen Völ­kern, sondern auch aus evangelischer Bescheidenheit. Denn Wir kennen die Geringheit Unserer Person, die Gott nicht auf Grund Unserer Verdienste, sondern nach seinem heiligen Ratschluß zur Würde des Papsttums gnä­dig erhoben hat. Und so möchten Wir die Worte des ägyptischen Josef an alle Unsere vom Stuhl Petri getrenn­ten Brüder und Söhne wiederholen: «Ich bin . . . Josef, euer Bruder» (Gen. 45, 2). Kommt! «Gebt uns Raum!» (2. Kor. 7, 2). Wir verlangen nichts anderes, Wir wollen nichts anderes, Wir erflehen nichts anderes von Gott als euer Heil, als eure ewige Seligkeit. Kommt! Aus dieser ersehnten Einheit und Eintracht, die genährt und behütet sein muß von brüderlicher Liebe, wird ein großer Friede erblühen; jener Friede, «der alles Begreifen übersteigt» (Phil. 4, 7), denn er steigt vom Himmel herab; jener Friede, den Christus durch den Gesang der Engel, die seine Krippe umschwebten, den Menschen verkündete, die guten Willens sind (cf. Luk. 2, 14), jener Friede, den er nach Einsetzung der Eucharistie als Sakrament und als Opfer mit den Worten verlieh: «Meinen Frieden hinter­lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch — nicht so wie die Welt gibt, gebe ich euch» (Joh. 14, 27).

Friede und Freude. Auch Freude! Denn alle, die wirklich und wirksam zu dem mystischen Leibe Christi — und der ist die katholische Kirche — miteinander verbunden sind, haben teil an dem vom göttlichen Haupt in alle Glieder strömenden Leben und das erlaubt allen, die den Weisun­gen und Geboten unseres Erlösers treu folgen, schon in diesem irdischen Leben jene Freude zu verkosten, die ein Unterpfand und ein Vorbote der himmlischen, immer-währenden Seligkeit ist.

Der Friede der Seele muß tätig sein

Solange wir freilich in der Fremde dieser Erde noch auf dem Weg uns mühen, bleibt dieser Friede, diese Seligkeit unvollendet. Keine unbeschwerte Ruhe ist ihm vergönnt, keine ungetrübte Heiterkeit beschert. Der Friede ist tätig, nicht träge, nicht müßig. Vor allem kämpft der Friede an gegen alle Irrtümer, auch wenn sie unter dem falschen und trügerischen Schein des Wahren sich verbergen; er kämpft an gegen die Lockungen und Schmeicheleien des Lasters, gegen alle Feinde des Menschen, die seine Unschuld oder die unsern katholischen Glauben zu schwächen, zu be­flecken, zu verderben vermögen. Er kämpft gegen den Haß, die Eifersucht, die Zerwürfnisse, die ihn zerbrechen und zerreißen können. Darum hat unser göttlicher Erlö­ser selbst uns seinen Frieden gegeben und anvertraut.

So darf denn der Friede, den wir suchen und mit allen Kräften erstreben sollen, niemals Irrtümern zustimmen oder mit deren Förderern irgendwie zusammenspielen; er darf sich dem Laster nicht ergeben und muß alle Zwie­tracht vermeiden. Die dem Frieden anhangen müssen be­reit sein, für die Wahrheit und die Gerechtigkeit auf den eigenen Vorteil und die eigene Bequemlichkeit zu ver­zichten. Denn so steht geschrieben: «Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit . . . » (Matth. 6, 33).

Diese einmütige Einheit, diesen wahren, tätigen und streit­baren Frieden erflehe uns von Gott die selige Jungfrau Maria, die Königin des Friedens, deren unbeflecktem Herzen Unser Vorgänger seligen Angedenkens, Pius XII., das ganze Menschengeschlecht geweiht hat. Sie erflehe diesen Frieden Unseren Söhnen in Christus und allen, die — wenn auch von Uns getrennt — nicht anders können, als die Wahrheit, die Einheit und Eintracht zu lieben.

IV. Teil — Väterliche Ermahnungen

An die Bischöfe

Und nun wollen Wir uns väterlich an die einzelnen Stände der Kirche wenden. An erster Stelle «richten wir uns an euch» (2. Kor. 6, 11), ehrwürdige Brüder im Bi­schofsamt der orientalischen und der westlichen Kirche. Ihr hütet das christliche Volk und tragt mit Uns die Last und Hitze des Tages (siehe Matth. 20, 12). Wir kennen euren Eifer. Wir wissen, wie sich jeder von euch in sei­nem Sprengel darum bemüht, das Reich Gottes zu för­dern, zu festigen und auf alle auszubreiten. Aber auch um euren Kummer wissen Wir: der Abfall so vieler vom glei­ßenden Irrtum getäuschter Söhne betrübt euch, ihr lei­det Mangel an irdischen Mitteln, wodurch die katho­lische Sache bisweilen in ihrem Aufschwung gehemmt wird, und vor allem fehlt euch vielerorts angesichts der wachsenden Bedürfnisse die erforderliche Zahl an Prie­stern. Aber habt Vertrauen auf ihn, von dem «jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt» (Jak. 1, 17); vertraut nach inständigem Gebet auf Jesus Christus. Ohne ihn «könnt ihr nichts tun» (Joh. 15, 5), mit seiner Gnade aber kann auch jeder von euch wie der Völker­apostel sagen: «Alles vermag ich in dem, der mich stark macht» (Phil. 4, 13). «Gott wird euch in seinem Reich­tum jedes Bedürfen herzlich erfüllen: in Christus Jesus» (ebd. 4, 19). So könnt ihr aus dem Acker, den ihr mit Mühe und Schweiß bebaut habt, reiche Ernte und viele Frucht einbringen.

An den Klerus

Väterlich wenden Wir Uns auch an die Glieder des Welt- und Ordensklerus. Sie helfen euch zum Teil in eurer un­mittelbaren Umgebung, ehrwürdige Brüder, an der Ku­rie, zum Teil obliegt ihnen in den Seminarien die so wich­tige Aufgabe des Unterrichts und der Erziehung ausge­wählter junger Männer, die zum Dienst des Herrn beru­fen sind. Andere üben endlich als Pfarrer in Großstädten und Dörfern oder in abgelegenen einsamen Flecken ihr heute oft so schwieriges und wichtiges Amt aus. Sie mö­gen es Uns nicht übel nehmen, wenn Wir eine Mahnung an sie richten, die, wie Wir gern glauben wollen, an sich nicht notwendig wäre: Sie sollen ihrem Bischof immer mit Ehrfurcht begegnen und ihm gehorchen, gemäß der Mah­nung des heiligen Ignatius von Antiochien: «Da ihr dem Bischof wie Jesus Christus unterstellt seid . . . sollt ihr, wie ihr es ja schon tut, nichts ohne den Bischof tun» (Funk, Patres Apostolici I, 243-245; vgl. Migne, P. G. V, 675); «Wer nämlich Gott und Jesus Christus angehört, der hält es mit dem Bischof» (ebd. I, 267; vgl. Migne, P. G. V, 699).

Sie seien sich auch dessen bewußt, daß sie nicht nur öffent­liche Beamte, sondern vor allem Diener der heiligen Ge­heimnisse sind. Deshalb sollen sie bei ihren Arbeiten, bei allem Aufwand an Zeit und Geld, bei allen Mühen, die sie auf sich nehmen, nie sagen: Mehr kann man da nicht tun! Denn es geht ja darum, daß Gottes Licht den Men­schen gebracht, mit Gottes Hilfe und in brüderlicher Liebe ihr böser Wille umgestimmt, Christi Friedensreich gefördert und ausgebreitet werde. Sie müssen mehr als auf die eigene Mühe und Arbeit, auf die Gnade Gottes vertrauen, die sie in inständigem und beharrlichem Gebet täglich erflehen sollen.

An die Ordensleute

Auch die Ordensleute, die in den verschiedenen Ständen der christlichen Vollkommenheit je nach den Regeln ihres Instituts im Gehorsam gegen ihre Obern leben, grüßen Wir väterlich. Unverdrossen und mit Einsatz all ihrer Kräfte mögen sie zu verwirklichen suchen, was ihre Or­densstifter durch eigene Regeln sich jeweils zum besonde­ren Ziel gesetzt haben; Wir nennen die wichtigsten: Ge­betseifer, Bußgesinnung, Jugenderziehung, Betreuung der Verwahrlosten oder der sonst in irgendeiner Hinsicht be­sonders Bedürftigen (und was es sonst noch an besonde­ren Ordenszielen geben mag).

Wir wissen auch, daß den heutigen Verhältnissen entspre­chend viele dieser Uns lieben Söhne zum großen Vorteil des christlichen Namens und Lebens in der Seelsorge ein­gesetzt werden. Auch wenn sie eine Ermunterung gar nicht benötigen werden, möchten Wir sie doch sehr herzlich dazu einladen, den großen Verdiensten ihrer Orden und Genossenschaften in der Vergangenheit nun noch diese neue hinzuzufügen: den heutigen Nöten des Volkes stellt euch bereitwillig und vereint euer Wissen und euren Eifer mit dem des übrigen Klerus.

An die Missionare

Unser Herz eilt nun in ferne Lande denen zu, die das Vaterhaus und die teure Heimat verlassen, die viel Un­gemach und Strapazen überstanden haben, um in die äußeren Missionen zu gehen. Heute mühen sie sich da draußen, um den Heidenvölkern die christliche Wahrheit und Tugend zu lehren, damit «das Wort des Herrn seinen Weg gehe und wie bei euch in Herrlichkeit strahle» (2. Thess. 3, 1). Eine schwere Aufgabe ist ihnen anver­traut. Es ist nur recht, wenn alle Christen, die auf ihren Namen Wert legen, durch Gebet und Missionsopfer dazu beitragen, daß sie auch Erfolg hat und sich weiter entwik­kelt. Vielleicht gibt es kein Werk, das Gott so sehr ge­fällt wie dieses, weil es besonders eng mit der Ausbreitung des Reiches Gottes zusammenhängt, zu der wir alle ver­pflichtet sind. Diese Glaubensboten haben doch ihr gan­zes Leben Gott dargebracht, damit das Licht Christi je­dem Menschen, der in die Welt kommt, leuchtet (vgl. Joh. 1, 9), damit seine göttliche Gnade alle erfaßt und stärkt, damit alle heilsam angeregt werden, rechtschaffen, gottesfürchtig und christlich zu leben. Diese Männer su­chen nicht das Ihre, sie suchen die Sache Christi (vgl. Phil. 2, 21), und weil sie großmütig dem Ruf des göttlichen Erlösers Folge leisten, dürfen sie das Wort des Völkerapo­stels für sich beanspruchen: «So sind wir also Botschaf­ter an Christi Statt» (2. Kor. 5, 20) und «Wenn wir auch irdisch leben — der Kampf, den wir führen, ist nicht vom Irdischen bestimmt» (ebd. 10, 3). Das Land, in das sie auszogen, um ihm die christliche Wahrheit zu bringen, sehen sie als ihr zweites Vaterland an und lieben es lei­denschaftlich. Und obwohl jeder auch weiterhin den We­gen seiner geliebten Heimat, seiner Heimatdiözese oder religiösen Gemeinschaft, der er angehört, mit größtem Interesse folgt, so sind doch alle restlos davon überzeugt, daß das Wohl der Gesamtkirche vorgehe und ihm in erster Linie zu dienen sei. Alle diese Uns lieben Söhne und alle, die als Katechisten oder sonst als Missionshelfer in jenen Ländern tätig sind, sollen wissen, daß sie Unserem Her­zen besonders nahe stehen, daß Wir täglich für sie und ihre Arbeiten beten und daß Wir mit Unserer Autorität und gleichem Wohlwollen alles bestätigen, was Unsere Vorgänger, besonders Pius XI. (Rundschreiben: Rerum Ecclesiae A. A. S. vol. XVII, 1926, p. 65ss) und Pius XII. (Rundschreiben: Evangelii praecones, A. A. S. vol. XLIII, 1951, p. 497ss und Rundschreiben: Fidei donum, A. A. S. vol. XLIX, 1957, p. 225ss), zu dieser Frage in ihrem Rundschreiben angeordnet haben.

An die Ordensfrauen

Auch die Ordensfrauen, die sich durch Gelübde an Gott gebunden haben, um einzig ihm zu dienen und die in einer mystischen Vermählung ihrem göttlichen Bräutigam an­getraut sind, sollen nicht unerwähnt bleiben. Sie können, ob sie nun in geschlossenen Klöstern dem Gebet und der Buße leben oder sich äußeren Werken des Apostolates widmen, nicht nur leichter und besser ihr ewiges Heil wirken, sondern auch der Kirche sowohl in christlichen Län­dern wie dort, wohin das Licht der Frohbotschaft noch nicht gedrungen ist, die größten Dienste erweisen. Was tun diese Ordensfrauen nicht alles! Welch erstaunliche und herrliche Leistungen vollbringen sie, die niemand anderer mit der gleichen jungfräulich-mütterlichen Sorg­falt verrichten könnte! Und das nicht nur auf einem, son­dern auf vielen Gebieten: in der Ausbildung und Erzie­hung der Jugend; im Pfarrleben beim Katechismusunter­richt für Knaben und Mädchen; in Krankenhäusern pfle­gen sie die Patienten und lenken dabei ihre Gedanken auf den Himmel; in Altersheimen umsorgen sie mit geduldi­ger, heiterer und erbarmender Güte die alten Leute und wecken mit erstaunlicher Einfühlungsgabe in ihnen das Verlangen nach dem ewigen Leben; endlich in Waisen­häusern und Heimen für uneheliche Kinder treten sie an die Stelle der Mutter und pflegen mit mütterlicher Liebe die Kleinen, die ihre Eltern verloren oder von ihnen im Stich gelassen wurden, die Kinder, die kein Vater und keine Mutter ernährt, küßt und umarmt. Nicht nur um die Kirche, die christliche Erziehung und die sogenannten Werke der Barmherzigkeit erwerben sich diese Frauen große Verdienste, sondern auch um die bürgerliche Gesell­schaft. Dereinst im Himmel werden sie dafür eine unver­gängliche Krone erhalten.

An die Katholische Aktion

Wie ihr, ehrwürdige Brüder und liebe Söhne, wißt, gibt es heute auch im Bereich des Christentums so große und mannigfache dringende Aufgaben, daß die Priester, Or­densmänner und Ordensfrauen ihnen nicht mehr voll ge­nügen können. Außerdem haben Priester und Ordensleute zu manchen Gesellschaftsschichten keinen Zugang. Nicht alle Türen stehen ihnen offen. Viele Leute schätzen sie nicht, gehen ihnen aus dem Weg oder — auch das kommt leider vor — verachten sie und weisen sie zurück. Diese schmerzliche und bittere Erfahrung veranlaßte schon Unsere Vorgänger, auch Laien in den friedlichen Heeresdienst, die Katholische Aktion, einzuberufen. Dort sollten sie der kirchlichen Hierarchie helfend im Apostolat bei­stehen. Die Absicht war, daß, was die Hierarchie unter den gegenwärtigen Umständen nicht leisten kann, diese katholischen Männer und Frauen im Verein mit den Seel­sorgern und in steter Abhängigkeit von ihnen hochherzig ergänzen sollten. Was nun inzwischen diese Seelsorgshel­fer der Bischöfe und Priester jeglichen Alters und jeglicher Stellung — auch in Ländern, die von den Glaubensboten erst in Angriff genommen werden — mit Schwung und Tatkraft alles ertragen, geleistet und weitergeführt haben, damit die christliche Wahrheit vor aller Augen hell er­strahle und damit die christlichen Tugenden die Herzen aller aufwecken und anziehend auf sie wirken, das bedeu­tet für Uns einen großen Trost.

Ein riesiges Wirkungsfeld liegt aber noch vor ihnen: Es gibt noch allzu viele Menschen, die ihr Beispiel und ihr Apostolat dringend notwendig haben. Wir hegen die Ab­sicht, diese nach Unserer Meinung sehr ernste und äußerst wichtige Frage in einem späteren Zeitpunkt noch ein­gehender und ausführlicher zu behandeln. Inzwischen verlassen Wir Uns darauf, daß die Mitglieder der Katho­lischen Aktion und die blühenden religiösen Vereinigun­gen, deren es heute so viele gibt, diese so wichtige Arbeit unermüdlich weiterführen. Je größere und dringlichere Anforderungen die Zeit an sie stellt, desto intensiver und umsichtiger muß der Einsatz ihrer Kräfte sein. Wichtig ist vor allem die Eintracht, denn bekanntlich sind vereinte Kräfte stärker. Persönliche Meinungen müssen deshalb zurücktreten, wenn es um die katholische Kirche geht; sie muß uns das Wichtigste sein. Das gilt nicht nur bei dog­matischen Fragen, es gilt auch in Fragen der kirchlichen und christlichen Disziplin, die von allen und immer zu beobachten ist. In dicht geschlossener Front, in stetem Kontakt mit der Hierarchie und im Gehorsam gegen sie soll die Katholische Aktion zu weiteren Eroberungen aus­ziehen. Keine Arbeit, keine Mühe darf ihr für die Sache der Kirche zu viel sein.

Damit das aber auch richtig geschehe, müssen die Glieder der Katholischen Aktion erst selbst, wie sie wohl wissen, in der christlichen Lehre und in der christlichen Tugend gründlich geschult sein. Nur was sie mit der Gnade Got­tes selber erworben haben, können sie an andere weiter­geben.

Besonders der heranwachsenden Jugend und den jungen Leuten möchten Wir das empfehlen. Ihr reger Geist begei­stert sich leicht für die höchsten Ideale. Was sie aber un­bedingt lernen müssen, ist Klugheit, Maßhalten und Ge­horsam gegen ihre Vorgesetzten. Als die Hoffnung der Kirche wächst diese Uns teure Jugend heran. In ihre heil­bringende und lebenssprühende Tätigkeit setzen Wir Un­ser Vertrauen. Ihr soll Unser Herz dankbar und liebend weit offen stehen.

An die Betrübten und Bedrängten

Jetzt aber ist Uns, als drängen die Klagen der Leidenden, die krank sind am Leib oder an der Seele, an Unser Ohr. Wir hören die Stimmen schmerzgepeinigter Menschen oder Notleidender, die in menschenunwürdiger Behau­sung leben und die mit ihrer Arbeit sich und ihrer Familie nicht einmal zum Essen genug beschaffen können. Diese Stimmen greifen Uns ans Herz. Sie erschüttern Uns. Es verlangt Uns darum, den Kranken, Siechen und Alten den Trost, der vom Himmel kommt, zu bringen. Sie mö­gen daran denken, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern die künftige suchen (Hebr. 13, 14), daß in diesem sterblichen Leben der Schmerz eine reinigende, emporführende, veredelnde Kraft besitzt und uns zu ewi­ger Freude verhelfen kann. Sie mögen bedenken, daß unser göttlicher Erlöser, um den Makel unserer Sünden zu tilgen und uns reinzuwaschen, das Marterholz des Kreuzes auf sich genommen und freiwillig Beschimpfun­gen, Qualen, Ängste ertragen hat. Mit ihm sind wir vom Leid zum Licht berufen, denn er sagt selbst: «Wer mir nachfolgen will, muß sich selbst aufgeben und täglich sein Kreuz nehmen, um mir zu folgen» (Luk. 9, 23) «und er wird einen Schatz im Himmel haben, der nicht ab­nimmt» (vgl. ebd. 12, 33).

Und noch einen Wunsch haben Wir und vielleicht dürfen Wir fest damit rechnen, daß Unsere Anregung gut aufge­nommen wird: Die Bedrängnisse des Leibes und der Seele sollen nicht nur als eine Leiter angesehen werden, auf de­ren Stufen die Leidenden zur ewigen Heimat hinaufstei­gen; sie können auch viel dazu beitragen, daß andere von der Sünde frei werden, daß die Unglücklichen, die von der Kirche abgefallen sind, in ihren Schoß zurückkehren, und daß so dem christlichen Namen der ersehnte Triumph zuteil werde.

An die Minderbemittelten

Den Minderbemittelten, die sich über ihre elenden Lebens­bedingungen beschweren, möchten Wir sagen, daß Uns ihr Schicksal nicht weniger nahegeht. Und zwar nicht nur deshalb, weil Wir in väterlicher Sorge wünschen, daß auch im Bereich des Sozialen die Gerechtigkeit — sie ist eine christliche Tugend — die Beziehungen zwischen den Gesellschaftsklassen ordne, lenke und gestalte, sondern auch, weil es Uns empfindlich trifft, daß die Feinde der Kirche die ungerechten Lebensbedingungen der untersten Volksschicht geschickt ausnützen, um sie durch trüge­rische Versprechungen und täuschende Irrtümer zu ihrer Partei hinüberzuziehen. Wir bitten diese Unsere teuren Söhne, zu beachten, daß die Kirche ihnen und ihren Rech­ten nicht feindlich gegenübersteht, sie vielmehr wie eine liebende Mutter verteidigt; sie verkündet eine Soziallehre und stellt soziale Richtlinien auf, die man nur in jeder Hinsicht, wie es sein soll, wirklich durchführen muß, und jegliche Ungerechtigkeit wird verschwinden und eine bes­sere, gerechtere Güterverteilung wird sich einstellen (vgl. Rundschreiben: Quadragesimo anno, A. A. S., vol. XXIII, 1931, pp. 196-198); mehr noch: zwischen den verschie­denen Gesellschaftsschichten wird ein Geist der Freund­schaft und der Hilfsbereitschaft aufkommen, so daß alle nicht nur freie Bürger in einer Gesellschaft, sondern auch Brüder einer Familie heißen und sein werden. Man muß übrigens nur gerecht sein und dann wird man zugeben, daß die Vorteile und die Fortschritte, die den arbeitenden Schichten in den neuesten Zeiten zugute kamen, in erster Linie Katholiken zu verdanken sind, die sich auf sozialem Gebiet tatkräftig eingesetzt haben, und zwar nach den Richtlinien und gemäß den wiederholten Mahnungen Unserer Vorgänger. Die Anwälte der Rechte der Minder­bemittelten besitzen also in der christlichen Soziallehre bereits sichere und klare Richtlinien, die sie nur ausfüh­ren müssen, auf daß für diese Rechte genügend vorgesorgt sei. Deshalb dürfen sie sich nie mit den Vertretern einer von der Kirche verurteilten Lehre einlassen. Diese ködern sie nämlich zunächst mit falschen Versprechungen; in Wirklichkeit aber suchen sie überall, wo sie an die Regierung kommen, in blinder Verwegenheit die höch­sten Güter der Seele — den christlichen Glauben, die christliche Hoffnung und die christlichen Gebote — den Menschen aus den Herzen zu reißen; die wahre Freiheit aber und die der menschlichen Persönlichkeit geschuldete Achtung, diese höchsten Güter der heutigen Kulturmenschen, schränken sie ein oder löschen sie ganz aus. So suchen sie die Fundamente der bürgerlichen wie der christlichen Kultur zu zerstören. Wer also im Ernst noch als ein Christ gelten will, der hat die schwere Gewissenspflicht, sich von diesen trügerischen Lügen, die schon Unsere Vorgänger, vor allem Pius seligen Angedenkens XI. und XII., ver­urteilt haben und die Wir aufs neue verurteilen, völlig fernzuhalten.

Nicht wenige Unserer Söhne, die in schlechten oder gar elenden Verhältnissen leben, beklagen sich oft, daß die Gebote der christlichen Soziallehre noch nicht alle in die Praxis umgesetzt sind. Es muß also daran gearbeitet wer­den, und zwar mit Eifer und Tatkraft — nicht nur von Privatpersonen, sondern in erster Linie von den Regierun­gen —, daß die christliche Soziallehre, die Unsere Vorgän­ger mehrfach, gründlich und verbindlich dargelegt haben und Wir selbst bestätigen, so rasch wie möglich, wenn auch schrittweise, so doch wirklich durchgeführt und ge­nau angewandt wird (vgl. Ansprache Pius‘ XII. an die italienischen christlichen Arbeitervereine vorn 11. März 1945; A. A. S., vol. XXXVII, 1945, pp. 71-72).

An die von der Heimat Getrennten

Sehr besorgt sind Wir auch um das Schicksal der von der Heimat Getrennten, die, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen oder durch die traurigen Verhältnisse und die Religionsverfolgung in ihren Ländern sich gezwungen sehen, ihr Vaterland zu verlassen. Viele und große Unan­nehmlichkeiten und Leiden bringt das Verpflanzt werden von der Heimat in ein fremdes, fernes Land mit sich. Viele müssen nun in menschenreichen Städten, im Lärm der Fabriken ein Leben führen, das so ganz anders ist als die angestammten Sitten und das leider die christliche Tugend nicht fördert, ja ihr oft schadet. In dieser Lage geraten gar manche in schwere Krisen und weichen von den ge­sunden Lebensgrundsätzen ihrer Vorfahren immer mehr ab. Dazu kommt noch, daß oft die Ehegatten voneinander und die Kinder von den Eltern getrennt leben müssen, so daß die Bande des häuslichen Zusammenlebens und der Familienbeziehungen sich lockern und die Familie über­haupt auseinanderzufallen droht.

Deshalb verfolgen Wir mit wohlwollendem Interesse das erfinderische und vielbewegte Wirken jener Priester, die, geführt von der Liebe Christi und im Gehorsam gegen die Vorschriften und Wünsche des Apostolischen Stuhles, gleichsam als freiwillig Heimatvertriebene keine Mühe scheuen, um für das religiöse und soziale Wohl dieser Un­serer Söhne durch Rat und Tat nach Kräften zu sorgen. Durch die Tätigkeit dieser Priester erfahren die von der Heimat Getrennten die Liebe der Kirche um so persön­licher und um so nachhaltiger, je mehr sie ihrer Sorge und Hilfe bedürfen.

Mit großer Freude beobachten und begrüßen Wir auch die Initiativen verschiedener Nationen sowie die kürzlich auch gemeinsam aufgenommenen Beratungen, die dieses  schwierige und ernste Problem so rasch wie möglich einer glücklichen Lösung zuführen wollen. Wir erwarten, daß all das nicht nur dazu dienen wird, die Auswanderung zu erleichtern und in größerem Umfang möglich zu machen, sondern auch die häusliche Gemeinschaft der Familien wieder herzustellen. Geordnete Familienverhältnisse wer­den sich nämlich als wirksamer Schutz für das Wohl der Auswanderer, ihre Religion, ihr sittliches Leben und sogar ihr wirtschaftliches Fortkommen erweisen und das kann auch für die Gastländer nur vorteilhaft sein.

An die verfolgte Kirche

Während Wir so der Reihe nach Unsere Söhne vor den verhängnisvollen Irrtümern warnen, welche die Religion wie auch die menschliche Gemeinschaft untergraben, kom­men Uns immer wieder Unsere ehrwürdigen Brüder im Bischofsamt und Unsere geliebten Priester und Gläubigen in den Sinn, die in der Verbannung oder in Konzentra­tionslagern und Gefängnissen festgehalten werden, weil sie von ihren Pflichten als Bischöfe und Priester nicht ab­gehen und vom katholischen Glauben nicht abfallen woll­ten. Wir wollen gewiß niemand kränken, viel lieber möch­ten Wir verzeihen und Vergebung von Gott erbitten. Das Bewußtsein Unseres heiligen Amtes aber verpflichtet Uns, die Rechte dieser Unserer Brüder und Söhne nach Kräften zu schützen und immer wieder darauf zu dringen, daß die allen und damit auch der Kirche Gottes geschuldete Frei­heit auch allen zugestanden werde. Wer nach dem strebt, was wahr ist und gerecht, wer das sucht, was den einzel­nen Menschen und den Staaten dienlich ist, der lehnt die Freiheit nicht ab, der schränkt sie nicht ein, der unter­drückt die Freiheit nicht, der hat es nicht nötig, so zu handeln. Darum kann der Weg zu einer echten Wohlfahrt nie über Gewaltmaßnahmen und die Unterdrückung des Denkens und Wollens der Bürger führen.

Das eine scheint Uns jedenfalls gewiß: Früher oder später zerfallen die Grundmauern auch der menschlichen Gesell­schaft und stürzen ein, wenn die Rechte Gottes und der Religion vernachlässigt und mit Füßen getreten werden. Weise bemerkt dazu Unser Vorgänger Leo XIII.: «Es ist nur folgerichtig, daß die Kraft der Gesetze gebrochen und jegliche Autorität geschwächt wird, wenn man deren ober­stes und letztes Prinzip, den gebietenden und verbieten­den Gott, verwirft» (Brief: Exeunte iam anno, A. A. S., vol. VIII, 1888, p. 398). Damit stimmt auch überein, was schon Cicero sagt: «Besser als die Mauern, die sie umge­ben, schützt ihr, Priester, die Stadt durch die Religion.» Indem Wir das alles beherzigen, umarmen Wir in tiefem Schmerz alle und jeden einzelnen, deren Religion einge­schränkt und behindert wird, die oft auch «verfolgt wer­den um der Gerechtigkeit willen» (Matth. 5, 10) und um des Reiches Gottes willen. Wir teilen ihre Schmerzen, Ängste, ihren Kummer und Wir flehen den Himmel an, daß die Morgenröte einer besseren Zeit doch endlich ein­mal ihnen aufleuchten möchte.

Wir wünschen auch gar sehr, daß alle Unsere Brüder und Söhne auf dem ganzen Erdenrund sich in diesem Gebet mit Uns vereinen, so daß ein weltumspannender, heiliger Bittchor zum barmherzigen Gott flehend emporsteigt, der auf diese leidenden Glieder des mystischen Leibes Christi einen reichen Gnadenregen herabruft.

Schlußmahnungen

Nicht nur Gebete begehren Wir jedoch von Unseren ge­liebten Söhnen, sondern was mehr noch als Gebete Gott gegen uns und unsere Brüder gnädig stimmen kann, und das ist die Erneuerung des christlichen Lebens. Des Völ­kerapostels tiefe und herrliche Worte wollen Wir hier wiederholen: «Was wahr ist, was würdig und recht, was rein, liebenswert, edel, was irgend mit Tugend, mit Lo­benswertem zu tun hat: darauf richtet euer Sinnen und Trachten» (Phil. 4, 8). «Zieht an den Herrn Jesus Chri­stus» (Röm. 13, 14). Das heißt: «Zieht an, wie es Erwähl­ten Gottes, Heiligen, Geliebten ziemt, ein herzliches Er­barmen, Güte, Demut, Sanftmut, Geduld! . . . Und über all dem zieht die Liebe an, das Band, das die Vollendung ausmacht. Der Friede Christi herrsche in euren Herzen: zu ihm seid ihr in dem einen Leib berufen» (Kol. 3, 12 bis 15).

Wer durch seine Sünden und Fehler weit vom göttlichen Erlöser abgeirrt ist, kehre zurück — Wir bitten ihn darum —, zu ihm, der «der Weg, die Wahrheit und das Leben ist» (Joh. 14, 6). Wer im religiösen Leben lau, schläfrig, ohne Schwung und gleichgültig geworden ist, der wecke seinen Glauben auf, der nähre, belebe und stärke mit der göttlichen Gnade seine Tugend. Wer aber durch Gottes Hilfe «gerecht ist, soll noch gerechter werden, der Heilige werde noch heiliger» (Apok. 22, 11).

Und da es heute so viele gibt, die unsern Rat, unser Bei­spiel und — weil sie in Not sind — unsere Unterstützung brauchen, übt euch alle nach Kräften und jeder nach sei­nen Möglichkeiten in den Werken der Barmherzigkeit, die Gott so sehr gefallen.

Wenn jeder sich nun daran macht, dies alles durchzufüh­ren, dann wird in der Kirche erneut sichtbar werden, was so herrlich in dem Brief an Diognet von den Christen ge­sagt wird: «Sie sind zwar im Fleisch, leben aber nicht nach dem Fleisch, sie weilen auf Erden, aber ihr Wandel ist im Himmel. Sie gehorchen den bestehenden Gesetzen, über­bieten aber in ihrem Lebenswandel die Gesetze . . . Man kennt sie nicht und verurteilt sie doch, man tötet sie und bringt sie dadurch zum Leben. Sie sind arm und machen viele reich; sie leiden Mangel an allem und haben doch alles in Fülle. Sie werden mißachtet und in der Mißach­tung erlangen sie Ruhm; ihr guter Ruf wird zerfetzt und doch werden sie als gerecht befunden. Sie werden ge­kränkt und segnen, werden verspottet und erweisen Ehre. Sie tun Gutes und werden wie Übeltäter bestraft; mit dem Tod bestraft, freuen sie sich, als würden sie zum Leben erweckt . . . um es kurz zu sagen, was im Leib die Seele ist, das sind in der Welt die Christen» (Funk, Patres Apo­stolici, I, 399-401; vgl. Migne, P. G. II, 1174-1175). Ei­nige aus diesen erhabenen Sätzen lassen sich ohne weiteres von den Gliedern der sogenannten «Schweigenden Kirche» aussagen, für die wir alle inständig zu Gott beten müssen, wie Wir es erst kürzlich in Unseren Ansprachen an Pfingsten und am Herz-Jesu-Fest in St. Peter den Gläubigen warm empfohlen haben (vgl. «Osservatore Roman», 18./19. Mai 1959 und 7. Juni 1959).

Wir wünschen euch allen diese Erneuerung des christlichen Lebens, diese Tugend und Heiligkeit. Wir erflehen sie von Gott in unablässigem Gebet, und zwar nicht nur für die treuen Glieder der Kirche, die fest in ihrer Einheit stehen, sondern auch für die in Liebe zur Wahrheit und in Lauter­keit des Willens nach dieser Einheit Suchenden.

Vermittlung und Zeichen himmlischer Gnaden sei der Apostolische Segen, den Wir euch allen, ehrwürdige Brü­der und geliebte Söhne, und jedem Einzelnen von euch in väterlicher Liebe erteilen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 29. Juni, am Fest Peter und Paul, im Jahre 1959, dem ersten Unseres Pontifikates.

Johannes XXIII., Papst


Quelle: „Rundschreiben Papst Johannes XXIII. – Über das Wachstum der Wahrheit, der Einheit und des Friedens unter dem Hauch der Liebe“ – „Ad Petri Cathedram“ – Rundschreiben Papst Johannes‘ XXIII., 1959, Verlagsanstalt Buchdruckerei Konkoria Winterthur – Archivexemplar des Immaculata-Verlags [POS].

JOHANNES XXIII: ENZYKLIKA „AD PETRI CATHEDRAM“ 29.6.1959

Erster Teil

ZWEITER TEIL: EINHEIT, EINTRACHT UND FRIEDE

Die Wahrheit bringt der Sache des Friedens ansehnliche Vorteile

12 Aus dieser Kenntnis der Wahrheit – die vollständig, unversehrt und aufrichtig sein soll – muss die Einheit kommen und überströmen in unseren Geist, in unser Herz und unser Tun. Alle Zwietracht nämlich, alle Unstimmigkeiten und Uneinigkeiten haben gleichsam ihren ersten Ausgangspunkt in der Wahrheit, die entweder nicht erkannt wurde oder die, was noch schlimmer ist, zwar erforscht und durchschaut, jedoch abgelehnt wurde, sei es um des Nutzens und der Vorteile willen, die oftmals aus den falschen Ansichten erhofft werden, sei es wegen jener böswilligen Blindheit, in der die Menschen für ihre Laster und unrechten Taten gar zu leicht und zu nachsichtig eine Entschuldigung suchen.

13 Es ist daher notwendig, dass alle, die Einzelnen wie auch jene, in deren Händen das Los der Völker liegt, aufrichtig die Wahrheit lieben, wenn sie die Eintracht und den Frieden erreichen wollen, woraus die wahre, private und öffentliche Wohlfahrt kommen kann.

14 Zu dieser Eintracht und zu diesem Frieden ermahnen Wir ausdrücklich jene, die den Staat regieren. Wir, die Wir über allen Spannungen zwischen den Völkern stehen, alle Völker mit gleicher Liebe umfangen und von keinen irdischen Vorteilen, von keinen Ansprüchen politischer Macht und von keinerlei Wünschen dieses Lebens geleitet werden, Wir glauben in einer Lage zu sein, dass Wir von allen Menschen jeglichen Volkes unvoreingenommen beurteilt und unvoreingenommen gehört werden, wenn Wir über diese überaus wichtige Frage sprechen.

Gott hat die Menschen als Brüder erschaffen

15 Gott schuf die Menschen nicht als Feinde, sondern als Brüder. Die Erde gab er ihnen zum Bebauen unter Mühen und Arbeit, damit die einzelnen und die Gesamtheit die Früchte und alles das bekämen, was zum Unterhalt und zum Leben notwendig ist. Die verschiedenen Nationen aber sind nichts anderes als Gemeinschaften von Menschen, das heißt von Brüdern, Gemeinschaften, die nicht nur ihr eigenes Ziel, sondern auch in brüderlicher Einheit die gemeinsame Wohlfahrt der ganzen menschlichen Gesellschaft erstreben sollen.

16 Ferner darf der Weg dieses sterblichen Lebens nicht nur in sich selbst betrachtet und nur um des Genusses willen übernommen werden, er führt nicht bloß zum Untergang des menschlichen Leibes, sondern auch zum unsterblichen Leben, zu einer unvergänglichen Heimat.

17 Wenn diese Lehre, diese trostvolle Hoffnung aus den Herzen der Menschen gerissen wird, so schwindet jede Lebensgrundlage; Begierden, Uneinigkeiten und Zwistigkeiten, die durch keinen wirksamen Zügel zu bändigen sind, brechen notwendig aus unserem Innern hervor; nicht der Ölzweig des Friedens leuchtet dann dem Geiste, sondern die Fackeln der Zwietracht flammen auf; unser Los ist dann dem Los der vernunftlosen Tiere beinahe gleich; ja, es ist sogar schlimmer, insofern wir, mit der Fähigkeit zu denken ausgestattet, die Möglichkeit haben, diese zu missbrauchen und auf Schlimmeres zu sinnen und zu verfallen – was leider nur zu oft geschieht – und, wie einstens Kain, durch vergossenes Bruderblut und schweres Vergehen die Erde zu entstellen.

18 Es ist also vor allem notwendig, Geist und Herz an diese rechten Grundsätze zu erinnern, wenn wir, wie es sich geziemt, den Willen haben, auch unser Tun auf den Weg der Gerechtigkeit zurückzuführen.

19 Warum, wenn wir doch Brüder heißen und sind, und wenn wir eines gemeinsamen Loses in diesem und im kommenden Leben teilhaft werden, warum, so sagen Wir, können wir uns als Gegner, Feinde und Bekämpfer der übrigen aufspielen? Warum andere beneiden, warum Hass entfachen und tödliche Waffen gegen die Brüder schmieden? Ob, es ist schon genug gekämpft worden unter den Menschen, schon haben allzu gewaltige Scharen junger Leute, in der Blüte der Jahre, ihr Herzblut vergossen. Allzu viele Friedhöfe der im Krieg Gefallenen gibt es schon auf der Erde, und sie mahnen mit ihrer ernsten Stimme alle, endlich einmal zur Eintracht, zur Einigkeit und zum gerechten Frieden zurückzukehren.

20 Wir sollen deshalb alle bedacht sein nicht auf das, was die Menschen untereinander entzweit und trennt, sondern vielmehr auf das, was sie in gegenseitiger und billiger Wertschätzung ihrer selbst und ihrer Angelegenheiten verbinden kann.

Einheit und Eintracht unter den Völkern

21 Wenn man, wie es angemessen ist, auf den Frieden und nicht auf den Krieg bedacht ist, und wenn alle aufrichtigen Herzen auf die brüderliche Eintracht der Völker schauen, nur dann wird es gelingen können, dass die öffentlichen Angelegenheiten richtig erkannt und glücklich geordnet werden; ebenso wird es dann möglich sein, in gemeinsamer Verständigung das zu suchen und zu beschließen, was die gesamte Menschheitsfamilie zu jener so erwünschten Einigung führt, in deren Genuss die einzelnen Nationen die eigenen Rechte auf Freiheit im Auge behalten, nicht den anderen unterworfen, sondern ganz und gar gesichert. Jene, die andere unterdrücken und sie der gebührenden Freiheit berauben, können gewiss nicht beitragen zu dieser Einigung. Diesbezüglich gilt das Wort Leos XIII., Unseres weisen Vorgängers unsterblichen Andenkens: »Um dem Ehrgeiz, der Sucht nach fremdem Besitz, der Eifersucht – den schlimmsten Kriegsschürern – Einhalt zu gebieten, ist nichts geeigneter als die christliche Tugend und an erster Stelle die Gerechtigkeit«.(10)

22 Wenn übrigens die Völker nicht zu dieser brüderlichen Einigkeit gelangen, die sich auf die Vorschriften der Gerechtigkeit stützt und durch die Liebe genährt werden muss, so bleibt die Lage äußerst gefährlich, deshalb beklagen und bedauern es alle Einsichtigen, dass man keine Sicherheit habe, ob man auf die Sicherung eines soliden, wahren und aufrichtigen Friedens oder vielmehr auf einen neuen und ganz schrecklichen kriegerischen Zusammenstoß in höchster Blindheit hintreibe. In höchster Blindheit, sagen Wir; denn falls – was Gott verhüten möge – ein neuer Krieg ausbricht, wird infolge der schauerlichen Waffen, die unsere Zeit einführte, auf alle Völker, Besiegte oder Sieger, nur ein grausiges Morden und ein grauenhafter Zusammenbruch warten und sie heimsuchen.

23 Wir bitten daher alle, besonders die Staatslenker, dies klug und aufmerksam vor Gott dem Richter zu überdenken und willig und gern alle Mittel zu benützen, die zur notwendigen Einigung führen können. Diese einmütige Einigung, durch die gleichzeitig, wie Wir sagen, auch die gemeinsame Wohlfahrt der Völker zweifellos wachsen wird, kann nur dann wiederhergestellt werden, wenn nach Befriedung der Gemüter und Sicherstellung der Rechte aller wieder die Freiheit aufleuchtet, die überall der Kirche, den Nationen und den einzelnen Bürgern geschuldet ist. Einheit und Eintracht unter den Klassen der Gesellschaft

24 Wenn aber unter den Nationen und Völkern eine einmütige Einheit erstrebt wird, so muss diese notwendig auch unter den verschiedenen Klassen der Bürger immer mehr gefördert werden, andernfalls kann es, wie es sich schon deutlich zeigt, zu gegenseitigem Hass und Feindschaft kommen; daraus werden lärmender Aufruhr, unselige Umstürze und zuweilen auch Blutvergießen folgen zugleich mit immer größerer Schwächung und Gefährdung des öffentlichen und privaten Besitzes. Hierzu bemerkte Unser Vorgänger mit vollem Recht: »(Gott) ordnete an, dass in der Gemeinschaft des Menschengeschlechtes eine Ungleichheit der Klassen und unter diesen eine gewisse, aus freundschaftlichem Verstehen kommende Gleichheit herrsche«.(11) Es ist ja deutlich: »Wie sich im Körper die untereinander verschiedenen Glieder zusammenfinden, sodass jenes Verhältnis entsteht, das man mit Recht Symmetrie nennen könnte, so hat die Natur im Staat vorgeschrieben, dass… sich die Klassen untereinander einmütig zusammenfinden und sich gebührend zum Gleichgewicht verhelfen. Die eine bedarf unbedingt der anderen: es kann der Besitz nicht ohne die Arbeit und die .Arbeit nicht ohne den Besitz bestehen. Die Eintracht erzeugt die Schönheit und die Ordnung der Dinge«(12) Wer also die Ungleichheit der Klassen zu leugnen wagt, widerspricht den Gesetzen der Natur selbst; die Gegner dieser freundschaftlichen und notwendigen Zusammenarbeit der sozialen Klassen versuchen jedoch, die menschliche Gesellschaft in Unordnung zu bringen und zu spalten unter großer Gefährdung und Schädigung des privaten und öffentlichen Wohles. So hat übrigens Unser Vorgänger unsterblichen Andenkens, Pius XII., weise betont: »Bei einem Volke, das dieses Namens würdig ist, sind die Ungleichheiten, die nicht aus der Willkür der Menschen, sondern aus der Natur der Dinge selbst kommen – Ungleichheiten geistiger Kultur, des Besitzes, der sozialen Stellung, immer unbeschadet der Gerechtigkeit und der gegenseitigen Liebe – tatsächlich kein Hindernis für das Bestehen und Vorherrschen eines wahren Geistes gemeinsamer Brüderlichkeit«(13) Die einzelnen Klassen und die verschiedenen Schichten der Bürger können freilich auf ihren eigenen Rechte bestehen, vorausgesetzt dass dies nicht mit Gewalt, sondern auf rechtmäßigem Wege geschieht, und dass sie nicht unbefugt die Rechte der übrigen angreifen, die in gleicher Weise unangetastet bleiben müssen. Alle sind Brüder, daher ist alles in freundschaftlicher Verbundenheit und in gegenseitiger brüderlicher Liebe zu bereinigen.

Einige Zeichen der Entspannung

25 Man muss hierzu gestehen, und dies gibt Hoffnung auf Besserung der Dinge, dass in neuerer Zeit mancherorts das Verhältnis und die Beziehungen unter den Bürgerklassen weniger gespannt und schwierig sind; so hat Unser letzter Vorgänger an die Katholiken Deutschlands die Worte gerichtet: »Die furchtbare Katastrophe des letzten Krieges, die euch leidvoll erschütterte, hat wenigstens das Gute gehabt, dass in noch mehr von Vorurteilen und Gruppeneigennutz sich freimachenden Kreisen die Klassengegensätze weithin ausgeglichen und die Menschen einander näher gebracht wurden. Denn gemeinsame Not ist für alle eine herbe, aber heilsame Zuchtmeisterin«(14)

26 Tatsächlich ist der Abstand zwischen den bürgerlichen Klassen vermindert worden; da sie sich nicht mehr ausschließlich auf den Besitz und die Arbeit zurückführen, sind sie vielfältig geworden und stehen leichter allen Bürgern offen. Denen, die sich durch größeren Fleiß und Tüchtigkeit auszeichnen, ist die Möglichkeit gegeben, zu höheren sozialen Stellungen aufzusteigen, und was die betrifft, die von ihrer täglichen Arbeit leben, so ist es tröstlich zu sehen, dass all die jüngsten Maßnahmen zur Besserung der Lage der Arbeiter in den Betrieben und auf den übrigen Arbeitsgebieten die Wirkung haben, dass diese Arbeiter nicht mehr bloß nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung eingeschätzt werden, sondern auch nach einer höheren und würdigeren Auffassung des menschlichen Lebens.

Erwägungen über wichtige Fragen auf dem Gebiet der Arbeit

27 Es ist aber noch ein weiter Weg zurückzulegen. Noch bestehen zu viele sachliche Ungleichheiten, zu viele Ursachen der Spannung unter den verschiedenen Gruppen, zuweilen infolge der unvollkommenen oder nicht ganz gerechten Meinung über das Eigentumsrecht von seiten derer, die ungebührlich auf den eigenen Nutzen und Vorteil bedacht sind. Dazu kommt die furchtbare Arbeitslosigkeit, die viele so hart trifft und sehr quält, und die wenigstens heute auch deshalb noch größere Schwierigkeiten bereiten kann, weil die Arbeit häufig allerlei technisch vollkommeneren Maschinen übertragen wird. Diese Arbeitslosigkeit beklagte schon Unser Vorgänger seligen Andenkens Pius XI., mit den Worten: »Man muss sehen, wie beinahe unzählige ehrbare Arbeiter zusammen mit ihren Familien zur Untätigkeit und zur äußersten Not gezwungen sind, Arbeiter, die nichts sehnlicher wünschen, als sich in Ehren das Brot verdienen zu können, das sie täglich nach göttlichem Geheiß vom himmlischen Vater erflehen. Ihre Seufzer rühren Unser Herz, und sie lassen Uns, vom gleichen Mitleid ergriffen, jene Klage des liebenden Herzens unseres göttlichen Meisters wiederholen, die er angesichts der vom Hunger erschöpften Menschenmenge aussprach: »Misereor super turbam – Mich erbarmt des Volkes«(15)_(16)

28 Wenn wir also die ersehnte gegenseitige Verbundenheit unter den Klassen der Bürger wollen und suchen, – und wir alle müssen sie wirklich wollen und suchen – so ist in vereintem, privatem und öffentlichem Bemühen und in gemeinsamem mutigem Beginnen nach Kräften dahin zu streben, dass alle Menschen, auch die des Volkes in der bescheidensten Lage, sich durch ihre Arbeit und ihren Schweiß den notwendigen Lebensunterhalt erwerben und auf sichere und ehrbare Weise auch für ihre und der Ihrigen Zukunft vorsorgen können. Dazu haben unsere Zeitverhältnisse der allgemeinen Lebensführung viele Bequemlichkeiten gebracht, von deren Genuss man auch die weniger begüterten Mitbürger nicht fernhalten darf.

29 Jene, die auf den verschiedenen Gebieten der menschlichen Arbeit die Initiative oder Leitung haben, und von denen das Los und zuweilen selbst das Leben der Arbeiter abhängt, mahnen Wir dringend, nicht bloß daran zu denken, welchen Gewinn die Arbeiter durch ihr Mühen einbringen, und nicht bloß deren Rechte zu sichern, was den Arbeitslohn angeht, sondern sie auch tatsächlich als Menschen, ja als Brüder zu betrachten, sie sollen auch dahin wirken, dass die Arbeiter auf geziemende und entsprechende Weise immer mehr an den Früchten der geleisteten Arbeit teilhaben und sich gleichsam als Teile des ganzen Unternehmens fühlen können. Wir sprechen diese Mahnung aus, damit die Rechte und Pflichten der Arbeitgeber mit denen der Arbeitnehmer mehr und mehr in Übereinstimmung und in das rechte Verhältnis gebracht und die verschiedenen entsprechenden Vereinigungen aufgefasst werden »nicht als eine Waffe, ausschließlich gedacht für einen Verteidigungs- und Angriffskrieg, der Gegenwirkungen und Vergeltungsmaßnahmen hervorruft, nicht als ein Strom, der über die Ufer tritt und trennt, sondern als eine Brücke, die verbindet«(17) Vor allem ist aber dafür zu sorgen, dass dem Fortschritt auf wirtschaftlichem Gebiet, wovon Wir sprachen, ein nicht geringerer Fortschritt in sittlicher Hinsicht entspreche – wie es sich für Christen, ja schon für Menschen, unbedingt geziemt. Was wird es denn den Arbeitern nützen, wenn sie höhere Bezahlung bekommen und die Wohltaten einer gehobeneren Lebensführung genießen, wenn sie aber die höheren Güter, jene für die unsterbliche Seele, verloren oder vernachlässigt hätten? Der ausgesprochene Wunsch wird sich erfüllen, wenn die soziale Lehre der Katholischen Kirche gebührend verwirklicht wird, und wenn alle »sich bemühen, die Herrin und Königin aller Tugenden, die Liebe, in sich selbst zu pflegen und in den anderen, in den Großen wie in den Kleinen, zu wecken. Das erwünschte Heil ist hauptsächlich als Ergebnis eines großen Stromes der Liebe zu erwarten, Wir meinen damit die christliche Liebe, die das zusammenfassende Gesetz des ganzen Evangeliums ist und die, immer bereit sich für das Wohl der anderen zu opfern, für den Menschen das sicherste Gegengift ist gegen den Stolz und Egoismus der Welt. Die göttlichen Grundzüge und Auswirkungen dieser Tugend hat der Apostel Paulus mit den Worten gezeichnet: »Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, sie sucht nicht ihren Vorteil, alles erträgt sie, alles duldet sie«(18)-(19)

Einheit und Eintracht in der Familie

30 Endlich ermahnen Wir mit väterlichem Herzen dringend auch alle Familien zur Begründung und Festigung der gleichen einträchtigen Einheit, zu der Wir die Völker, deren Lenker und alle Klassen der Bürger aufgerufen haben. Wenn nämlich Friede, Einigkeit und Eintracht nicht im häuslichen Zusammenleben herrschen, wie wird man sie dann in der bürgerlichen Gesellschaft finden können? Diese geordnete und harmonische Einheit, die jederzeit innerhalb der häuslichen Mauern herrschen muss, hat ihren Ursprung in dem unauflöslichen Band und in der Heiligkeit der Ehe selbst, und sie nährt zum großen Teil die Ordnung, den Fortschritt und das Wohl der ganzen bürgerlichen Gesellschaft. Der Familienvater nehme unter den Seinen gleichsam die Stelle Gottes ein und gehe nicht bloß durch die Autorität, sondern auch durch das Beispiel seines rechtschaffenen Lebens den anderen voran. Die Mutter der Familie aber gebiete im häuslichen Kreise mit ihrer Herzensgüte und ihrer Tugend ihren Kindern in Festigkeit und Milde, sie begegne ihrem Gatten nachsichtig und liebevoll, und zusammen mit ihm unterweise und erziehe sie die Kinder, das kostbarste, von Gott gewährte Geschenk, sorgfältig zu einem rechten und frommen Leben. Diese aber sollen, wie es sich gehört, immer den Eltern folgen, sie lieben und ihnen nicht bloß ein Trost sein, sondern ihnen, wenn nötig, auch zu Hilfe kommen. Innerhalb der häuslichen Mauern atme jene Liebe, die in der Familie von Nazareth lebendig war; es sollen dort alle christlichen Tugenden aufblühen; stark sei die Einigkeit, und ausstrahlen möge das Beispiel eines untadeligen Lebens. Niemals möge – darum bitten Wir Gott innig -, diese so schöne, so traute und so notwendige Eintracht zerrissen werden; wenn nämlich diese heilige Stiftung der christlichen Familie ins Wanken gerät, wenn die vom göttlichen Erlöser darüber gegebenen Vorschriften verworfen oder verdorben werden, dann wanken in der Tat die Grundlagen des Staates, und es wird, nicht ohne schweren Schaden und Nachteil für alle Bürger, die bürgerliche Gesellschaft selbst angesteckt und in ernste Gefahr gebracht.

 

DRITTER TEIL: EINHEIT DER KIRCHE

Beweggründe der Hoffnung, gegründet auf das Gebet Jesu

31 Und nun kommen Wir dazu, von jener Einheit zu reden, die Uns in ganz besonderer Weise am Herzen liegt, und die in innerster Beziehung steht zum Hirtenamt, das Uns von Gott anvertraut ist, nämlich von der Einheit der Kirche.

32 Alle wissen, dass der göttliche Erlöser eine Gemeinschaft gegründet hat, die ihre Einheit bis an das Ende der Zeiten bewahren muss gemäß dem Worte: »Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt«,(20) und dass er dafür an den himmlischen Vater glühende Gebete gerichtet hat. Dieses Gebet Jesu Christi, das ohne Zweifel angenommen und erhört wurde wegen seiner Gottesfurcht,(21) nämlich: »Dass alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, damit sie so alle in uns eins seien«,(22) dieses Gebet flößt Uns ein und befestigt in Uns die süße Hoffnung, dass alle Schafe, die nicht in dieser Hürde sind, schließlich einmal die Sehnsucht spüren, zurückzukehren, und dass deshalb nach dem Wort des göttlichen Erlösers »ein Schafstall und ein Hirte werde«.(23)

33 Lebhaft angeregt von dieser trauten Hoffnung haben Wir öffentlich die Absicht ausgesprochen, ein Ökumenisches Konzil einzuberufen, an dem die Bischöfe des ganzen katholischen Erdkreises teilnehmen werden, um die schwierigen Probleme der Religion zu behandeln. Hauptziel dieses Konzils wird sein, das Wachstum des katholischen Glaubens und die heilsame Erneuerung der Sitten des christlichen Volkes zu fördern, sowie die kirchliche Disziplin den Notwendigkeiten unserer Zeit anzupassen. Das wird ohne Zweifel ein wunderbares Schauspiel der Wahrheit der Einheit, der Wahrheit und der Liebe sein, ein Schauspiel, das auch in der Sicht jener, die von diesem Apostolischen Stuhl getrennt sind, eine sanfte Einladung sein wird, wie Wir hoffen, jene Einheit zu suchen und zu erlangen, die Jesus Christus in solch glühenden Gebeten vom Himmlischen Vater erflehte. Einheitsbestrebungen bei den verschiedenen getrennten Gemeinschaften

34 Es ist Uns ein Trost, genau zu wissen, dass in letzter Zeit sich bei nicht wenigen von der Cathedra des heiligen Petrus getrennten Gemeinschaften eine gewisse Sympathiebewegung gegenüber dem Glauben und den Einrichtungen der Katholischen Kirche und eine steigende Hochachtung gegenüber diesem Apostolischen Stuhle abgezeichnet hat, wobei die Liebe zur Wahrheit manche vorgefasste Meinung beseitigt. Wir wissen ebenfalls, dass fast alle, die sich, obwohl von Uns und unter sich getrennt, Christen nennen, mehrere Male Kongresse abgehalten und besondere Organisationen geschaffen haben mit dem Ziel, Verbindungen unter sich anzuknüpfen. Das zeigt, dass sie von dem großen Verlangen beseelt sind, wenigstens zu irgend einer Form der Einheit zu gelangen.

Einheit der Kirche von ihrem göttlichen Stifter gewollt

35 Es steht außer Zweifel, dass der göttliche Erlöser seine Kirche gründete, indem er sie mit einer unverbrüchlichen Einheit beschenkte und kraftvoll ausrüstete. Wenn er dies – widersinniger weise – nicht so eingerichtet hätte, so hätte er ein wenigstens in der Zukunft sich selbst widersprechendes Gebilde geschaffen nach Art fast aller philosophischen Systeme, die willkürlich durch verschiedene menschliche Meinungen zustande kommen, und von denen im Laufe der Zeit eines aus dem andern entspringt: sie wandeln sich und verschwinden wieder. Es kann jedoch niemanden geben, der nicht sähe, wie sehr all dies der göttlichen Lehre Jesu Christi entgegengesetzt ist, der da ist »der Weg, die Wahrheit und das Leben«.(24)

36 Eine derartige Einheit, Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, die, wie Wir gesagt haben, kein vergängliches, unsicheres und hinfälliges Gebilde sein darf, sondern fest, dauerhaft und sicher sein muss,(25) – wenn sie den andern christlichen Gemeinschaften fehlt, so fehlt sie doch sicher nicht der Katholischen Kirche. Das können alle sehr leicht sehen, die sie aufmerksam betrachten. Tatsächlich ist diese Einheit mit drei Kennzeichen geschmückt: mit der Einheit der Lehre, der Leitung und des Kultes. Sie ist so beschaffen, dass sie allen sichtbar werden kann, sodass alle sie erkennen und ihr folgen können. Außerdem ist sie gemäß dem Willen ihres göttlichen Stifters selbst so, dass tatsächlich alle Schafe sich dort in einer einzigen Hürde vereinigen können unter der Führung eines einzigen Hirten. Und so sind alle Söhne zum einzigen Vaterhaus gerufen, das auf dem Fundament Petri aufruht; und in ihm als dem einzigen Reiche Gottes müssen alle Völker brüderlich zusammengeführt werden: in einem Reich, dessen Bewohner unter sich auf Erden in der Einheit des Geistes und des Herzens verbunden sind, damit sie einst die ewige Seligkeit im Himmel genießen können.

Einheit des Glaubens

37 Die Katholische Kirche befiehlt, an das treu und fest zu glauben, was von Gott geoffenbart ist, d. h. alles, was in der Heiligen Schrift und in der mündlichen oder schriftlichen Überlieferung enthalten ist, und was im Laufe der Jahrhunderte, von den apostolischen Zeiten angefangen, von den Päpsten und den rechtmäßigen Ökumenischen Konzilien bekräftigt und definiert worden ist. Nie hat die Kirche, sooft sich jemand von diesem Pfad entfernte, aufgehört, ihn durch ihre mütterliche Autorität immer wieder auf den rechten Weg zurückzurufen. Sie weiß in der Tat gut und sie hält fest, dass es nur eine einzige Wahrheit gibt, und dass es keine »Wahrheiten« geben kann, die unter sich im Widerspruch stehen. Sie macht sich deshalb die Versicherung des Völkerapostels zu eigen: »Wir vermögen nichts gegen die Wahrheit, sondern nur für die Wahrheit«.(26)

38 Es gibt jedoch nicht wenige Punkte, in denen die Katholische Kirche den Theologen freie Meinung lässt, insofern es sich um Dinge handelt, die nicht völlig sicher sind, und insofern auch, wie der berühmte englische Schriftsteller John Henry Kardinal Newman bemerkte, solche Auseinandersetzungen die Einheit der Kirche nicht zerschneiden. Sie dienen vielmehr einem tieferen und besseren Verständnis der Glaubenssätze, weil sie den Weg zu dieser Erkenntnis bereiten und sicherstellen, da aus dem Gegensatz der verschiedenen Meinungen neues Licht kommt.(27) Jedenfalls muss man sich immer jenes allgemein bekannte Wort vor Augen halten, das in verschiedenen Formen verschiedenen Autoren zugeschrieben wird: In den notwendigen Dingen herrsche Einheit, in zweifelhaften Freiheit, in allen die Liebe.

Einheit der Leitung

39 Dass sich weiterhin in der Katholischen Kirche die Einheit der Leitung vorfindet, sieht jeder. Wie in der Tat die Gläubigen den Priestern unterstehen und die Priester den Bischöfen, die »der Heilige Geist aufgestellt hat …, die Kirche Gottes zu regieren«,(28) so sind alle Bischöfe und jeder einzelne von ihnen dem römischen Papst unterstellt. Dieser aber muss als der rechtmäßige Nachfolger jenes Petrus gelten, den Christus der Herr als Fels und als Fundament seiner Kirche gesetzt hat,(29) und dem allein er in besonderer Weise die Vollmacht gab, auf Erden zu binden und zu lösen,(30= seine Brüder zu stärken(31) und die ganze Herde zu weiden.(32)

Einheit des Kultes

40 Was aber die Einheit des Kultes angeht, wer wüsste nicht, dass die Katholische Kirche seit ihrer Entstehungszeit immer sieben Sakramente, nicht mehr und nicht weniger, gehabt hat, die sie als heiliges Erbe von Jesus Christus empfing, und dass sie nie davon abließ, sie auf dem ganzen katholischen Erdkreis als Nahrung des geistlichen Lebens der Gläubigen zu spenden? Und ebenso wenig ist unbekannt, dass in ihr nur ein einziges Opfer gefeiert wird, das der heiligen Eucharistie, in dem Christus, unser Heil und unser Erlöser, sich jeden Tag für uns alle in unblutiger, aber wirklicher Weise opfert, wie er es einst auf Golgotha am Kreuze tat, und voll Barmherzigkeit die unermesslichen Schätze seiner Gnade auf uns alle ausgießt. Deshalb bemerkt der heilige Cyprian mit vollem Recht: »Es kann kein anderer Altar oder ein neues Priestertum eingesetzt werden außer dem einen Altar und dem einen Priestertum«.(33) Das hebt jedoch bekanntlich nicht auf, dass in der Katholischen Kirche verschiedene Riten existieren und approbiert sind, durch die sie umso schöner erstrahlt und gleichsam als Tochter des höchsten Königs erscheint, angetan mit mannigfaltigem Schmuck.(34)

41 Dass alle zu dieser wahren und vollständigen Einheit gelangen, dafür, bringt der katholische Priester, während er das eucharistische Opfer feiert, der unendlichen Milde Gottes die unbefleckte Hostie dar, indem er vor allem fleht »für ,deine heilige Katholische Kirche, der du den Frieden schenken, die du behüten, einigen und leiten mögest auf dem ganzen Erdkreis, zusammen mit deinem Diener, unserem Papst, und allen, welche der wahren Lehre getreu den katholischen und apostolischen Glauben fördern«.(35)

Väterliche Einladung zur Einheit

42 Dieses wunderbare Schauspiel der Einheit, das die Katholische Kirche unterscheidend auszeichnet und das für alle ein leuchtendes Beispiel ist, diese Wünsche, diese Gebete, durch die sie von Gott für alle dieselbe Einheit erfleht, möge euer Gemüt rühren und heilsam anregen, euer Gemüt, sagen Wir, die ihr von diesem Apostolischen Stuhle getrennt seid.

43 Gestattet, dass Wir euch mit innigem Verlangen Brüder und Söhne nennen. Lasst Uns die Hoffnung auf eure Rückkehr nähren, die Wir in väterlichem Empfinden hegen. Wir möchten Uns an euch in der gleichen Hirtensorge und mit denselben Worten wenden, mit denen Theophilus, der Bischof von Alexandrien, sich an seine Brüder und Söhne wandte, während ein unheilvolles Schisma das nahtlose Gewand der Kirche zerriss: »Ahmen wir, Geliebteste, die wir der himm1ischen Berufung teilhaftig sind, jeder gemäss den eigenen Möglichkeiten, ahmen wir Jesus nach, dem Führer und Vollender unseres Heiles. Umfangen wir jene Herzensdemut, die nach oben führt, und jene Liebe, die uns mit Gott verbindet, sowie den lauteren Glauben an die göttlichen Geheimnisse! Fliehet alle Spaltung, meidet die Zwietracht… Unterstützt euch in gegenseitiger Liebe. Höret das Wort Christi: Daran sollen alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, dass ihr einander liebet«.(36)

44 Beachtet, Wir bitten euch, dass Wir, während Wir euch voll Liebe zur Einheit der Kirche rufen, euch nicht in ein fremdes Haus einladen, sondern in das eigene und gemeinsame Vaterhaus. Erlaubt deshalb die Mahnung, da Wir nach allen Verlangen tragen »mit der Zärtlichkeit Jesu Christi«,(37) dass ihr euch an eure Väter erinnert, »die euch das Wort Gottes verkündet haben; und auf den Ausgang ihres Wandels achtend, folgt ihrem Glauben nach«.(38) Die glorreiche Schar der Heiligen, die jedes eurer Völker schon zum Himmel geschickt hat, und besonders jene, die mit ihren Schriften die Lehre Jesu Christi leuchtend überliefert und erklärt haben, auch sie scheinen euch durch das Beispiel ihres Lebens zur Einheit mit diesem Apostolischen Stuhle einzuladen, mit dem auch eure christliche Gemeinschaft durch so viele Jahrhunderte heilsam verbunden war.

45 Wir wenden Uns deshalb an alle jene, die von Uns getrennt sind, wie an Brüder mit den Worten des heiligen Augustinus, der sagt: »Ob sie wollen oder nicht, sie sind unsere Brüder. Nur dann werden sie aufhören, unsere Brüder zu sein, wenn sie aufgehört haben, zu sprechen: ‚Vater Unser’«.(39) »Lieben wir also Gott unseren Herrn, lieben wir seine Kirche: jenen wie einen Vater, diese wie eine Mutter; jenen als Herrn, diese als seine Dienerin; sind wir doch selbst ihre Kinder. Diese Vereinigung aber kommt durch eine große Liebe zustande; niemand kann daher den einen beleidigen, ohne den andern zu kränken. Was nützt es dir, wenn du den Vater nicht beleidigst, dieser jedoch die beleidigte Mutter rächt?.. Betrachtet also, meine Teuersten, alle einheitlich Gott als euren Vater und die Kirche als eine Mutter«.(40)

Notwendigkeit besonderer Gebete

46 Deshalb senden wir zu Gott, dem allgemeinen, dem Spender der himmlischen Erleuchtungen und aller Güter, flehentlich Gebete empor um Bewahrung der kirchlichen Einheit und um das Wachstum der Hürde Christi und seines Reiches, und ermahnen auch alle geliebten Brüder und Söhne, soviel Wir ihrer in Christus haben, in Beharrlichkeit zu beten. Der gute Ausgang des künftigen Ökumenischen Konzils hängt tatsächlich mehr als von der menschlichen Mühe und sorgfältigem Fleiß von den glühenden Gebeten ab, die gewissermaßen in heiligem Wettstreit gemeinsam empor gesandt werden. Zur Verrichtung dieser Gebete an Gott laden Wir liebevoll auch diejenigen ein, welche, auch wenn sie nicht aus dieser Hürde stammen, bestrebt sind, Gott die schuldige Ehre zu geben und seinen Geboten mit gutem Willen zu gehorchen.

47 Diese Hoffnung, diese Unsere Wünsche vermehre und vollende das unvergleichliche Gebet Christi: »Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien wie auch wir … Heilige sie in der Wahrheit, dein Wort ist Wahrheit … Aber nicht nur für sie bitte ich, sondern auch für jene, die durch ihr Wort an mich glauben werden, … damit sie vollendet seien in der Wahrheit …«.(41) Aus der einträchtigen Einheit der Geister entspringen Friede und Freude

48 Diese Bitte erneuern Wir zusammen mit dem katholisch, Erdkreis, der mit Uns verbunden ist, und Wir tun das nicht nur unter dem Antrieb einer lebendig flammenden Liebe zu an Völkern, sondern auch im Geiste echter evangelischer Bescheidenheit. Wir wissen nämlich um die Geringfügigkeit Unserer Person, die Gott nicht um Unserer Verdienste, sondern um seines geheimen Ratschlüssen willen zum Gipfel des höchsten Priestertums zu erheben sich gewürdigt hat. Deshalb wiederholen Wir allen Unseren von diesem Stuhle Petri getrennten Brüdern und Söhnen die Worte: »Ich bin …Joseph, euer Bruder. «(42) Kommt! »Verstehet Uns«;(43) Wir wünschen nichts anderes, Wir wollen nichts anderes, Wir bitten Gott um nichts anderes als um euer Heil, um euere ewige Seligkeit. Kommt! Von dieser ersehnten Einheit und Eintracht, die von Bruderliebe genährt sein muss, wird ein großer Friede entspringen, jener Friede Christi, »der alles Erkennen übersteigt«,(44) denn er steigt vom Himmel hernieder; jener Friede, den Christus durch den Gesang der Engel über seiner Krippe den Menschen guten Willens verkündigt hat (45) und den er nach Einsetzung des eucharistischen Sakramentes und Opfers mit den Worten geschenkt .hat: »Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch, nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch«,(46) Friede und Freude: Ja, auch die Freude; denn diejenigen, die tatsächlich und wirksam zum Mystischen Leib Christi, welcher die Katholische Kirche ist, gehören, haben Anteil an jenem Leben, das vom göttlichen Haupt auf die einzelnen Glieder überströmt, und um dessentwillen die, welche alle Vorschriften und Gebote unseres Erlösers treu beobachten, auch in diesem sterblichen Leben jene Freude genießen können, die ein Unterpfand und eine Vorankündigung der himmlischen und ewigen Seligkeit sein soll.

Friede der alle Zwietracht vermeidet

49 Aber dieser Friede, diese Seligkeit ist, während wir den ermüdenden Weg in diesem Lande der Verbannung zurücklegen, noch unvollkommen. Es ist kein Friede in völliger Ruhe, in völliger Heiterkeit. Es ist ein tätiger Friede, nicht müßig und schlaff. Vor allem ist es ein Friede, der gegen alle Irrtümer ankämpft, auch wenn sie unter dem falschen und trügenden Schein des Wahren versteckt sind, der ankämpft gegen die Lockungen und Annehmlichkeiten des Lasters, schließlich gegen jede Art von Feinden der Seele, welche die Unschuld und unseren katholischen Glauben zu schwächen, zu beflecken und zu zerstören suchen.

50 Es ist ein Friede, der gegen den Hass, gegen die Streitigkeiten, gegen die Spaltungen ankämpft, welche diesen Glauben zerbrechen oder verletzen können. Deshalb hat der göttliche Erlöser uns seinen Frieden gegeben und empfohlen. Der Friede, den wir suchen und unter Einsatz unserer Kräfte erreichen müssen, ist also, wie Wir gesagt haben, ein Friede, der keinem Irrtum zustimmt und es nicht mit dessen Beförderern hält, der sich nicht an die Laster hingibt und der alle Zwietracht vermeidet. Derart ist dieser Friede, dass er von denen, die seine Anhänger sein wollen, den bereitwilligen Verzicht auf den eigenen Nutzen und den eigenen Vorteil verlangt um der Wahrheit und der Gerechtigkeit willen nach dem Wort des Evangeliums: »Suchet … zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit …«.(47)

51 Die Allerseligste Jungfrau Maria, die Königin des Friedens, deren unbeflecktem Herz Unser Vorgänger seIigen Angedenkens, Pius XII., das ganze Menschengeschlecht geweiht hat, erlange uns von Gott, Wir bitten inständig darum, die einträchtige Einheit und den wahren, wirksamen und streitbaren Frieden, und zwar sowohl Unseren Söhnen in Christus, als auch allen, die, obwohl von Uns getrennt, doch nicht umhin können, die Wahrheit, Einheit und Eintracht zu lieben.

 

VIERTER TEIL: VÄTERLICHE ERMAHNUNGEN

An die Bischöfe

52 Wir wollen Uns nun mit väterlichem Herzen einzeln an die verschiedenen Stände der Katholischen Kirche wenden. An erster Stelle »ist Unser Wort an euch gerichtet«,(48) Ehrwürdige Brüder im Bischofsamt, sowohl der östlichen als der westlichen Kirche; an euch, die ihr Führer des christlichen Volkes seid und die ihr zusammen mit Uns die Last und Hitze des Tages traget.(49) Wir kennen eure Sorgfalt; Wir kennen den apostolischen Eifer, durch den ihr das Reich Gottes voranbringen, befestigen und auf alle ausbreiten wollt, ein jeder in seinem Sprengel. Wir kennen gleichfalls eure Bedrängnisse, eure Schmerzen um so viele Söhne, die sich unglücklicherweise entfernen, getäuscht vom trügerischen Irrtum. Wir wissen um die Knappheit der äußeren Mittel, durch die mitunter ein größerer Aufschwung der katholischen Belange verhindert wird; und vor allem um die geringe Zahl der Priester, die an vielen Orten in keinem Verhältnis steht zu den wachsenden Bedürfnissen. Setzt jedoch euer Vertrauen auf denjenigen, von dem »jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk«(50) herstammt. Wendet euch mit inständigen Gebeten an Jesus Christus und vertraut auf ihn, ohne den »ihr nichts vermögt«,(51) durch dessen Gnade aber jeder von euch das Wort des Völkerapostels wiederholen darf: »Ich vermag alles in dem, der mich stärkt«.(52)

»Gott aber … erfülle all euer Verlangen nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit in Christus Jesus«,(53) auf dass ihr reiche Ernte einbringen und reiche Früchte einsammeln könnt von dem Ackerfeld, das ihr mit eurer Mühe und euerem Schweiß bebaut habt.

An den Klerus

53 Einen anderen väterlichen Aufruf richten Wir auch an jene, die als Welt- und Ordenspriester sich abmühen; an sie, die in eurer Nähe, Ehrwürdige Brüder, euch in der Regierungsarbeit unterstützen; an jene, welche die wichtige Aufgabe haben, in den Seminarien ausgewählte junge Menschen zu unterrichten und zu erziehen, die zum Dienst des Herrn berufen sind; an jene schließlich, die in den Großstädten, Städten oder abgelegenen Dörfern die Pfarrseelsorge ausüben, die heute so schwierig und so sehr wichtig ist. Mögen sie dafür Sorge tragen, – sie mögen es Uns nachsehen, wenn Wir ihnen dies ins Gedächtnis rufen, wobei Wir vertrauen, dass es nicht nötig ist – sich immer ehrfurchtsvoll und gehorsam gegen ihren Bischof zu zeigen gemäß der Mahnung des heiligen Ignatius von Antiochien: »Seid dem Bischof unterworfen wie Jesus Christus … Es ist deshalb nötig, dass ihr, wie ihr es schon übt, nichts ohne den Bischof tut«;(54) »alle nämlich, die Gott und Jesus Christus angehören, sind mit ihrem Bischof«.(55) Und sie mögen sich auch erinnern, dass sie nicht nur öffentliche Beamte sind, sondern vor allem Diener der heiligen Geheimnisse. Deshalb sollen sie nicht glauben, je genügend getan zu haben, wenn sie Mühen auf sich nehmen, Zeit und Kosten aufwenden sowie Beschwerden ertragen, um die Seelen mit der göttlichen Wahrheit zu erleuchten und ihren verkehrten Willen mit göttlicher Hilfe und brüderlicher Liebe zu beugen, und so schließlich den Triumph des Friedensreiches Jesu Christi zu befördern. Mehr jedoch als auf die eigene Anstrengung sollen sie auf die Macht der Gnade vertrauen, die sie jeden Tag in inständigem und beharrlichem Gebet erflehen sollen.

 

An die Ordensmänner

54 Unser väterlicher Gruß gilt auch den Ordensmännern, welche die verschiedenen Stände evangelischer Vollkommenheit erwählt haben, die gemäß den besonderen Gesetzen ihres Institutes leben und ihren Oberen Gehorsam entgegenbringen. Wir ermahnen sie, sich hochherzig und mit allen Kräften jenen Aufgaben zu widmen, die ihre Gründer durch besondere Richtlinien ihnen als Ziel gesteckt haben. Sie mögen sich vor allem auf den Eifer im Gebetsleben und in den Werken der Buße verlegen, auf die rechte Bildung und Erziehung der Jugend und auf jede ihnen mögliche Hilfe für alle irgendwie Bedürftigen und Bedrängten.

55 Wir wissen wohl, dass viele dieser Unserer geliebten Söhne wegen der gegenwärtigen Umstände sehr oft auch zur Seelsorge an den Gläubigen herangezogen werden, zum großen Vorteil der christlichen Religion und des christlichen Lebens. Wir ermahnen sie deshalb inständig, – wenngleich vertrauend, dass sie Unserer Mahnung nicht bedürfen, – zu den herrlichen Verdiensten, welche ihre Orden und Institute in der Vergangenheit erworben haben, auch noch dies hinzuzufügen, sich willig zur Verfügung zu stellen, um den augenblicklichen Bedürfnissen des gläubigen Volkes zu begegnen, in brüderlicher Zusammenarbeit mit den anderen Priestern, gemäß ihren eigenen Möglichkeiten.

An die eifrigen und verdienten Missionare

56 Unser Herz eilt nun zu jenen, die nach Verlassen des Vaterhauses und des Vaterlandes unter Ertragung großer Mühen und Überwindung großer Schwierigkeiten sich in die auswärtigen Missionen begeben haben, wo sie auf fernen Arbeitsgebieten ihren Schweiß vergießen, um die Ungläubigen in der Wahrheit des Evangeliums zu unterrichten und in der christlichen Lebensführung zu bilden, damit überall »das Wort Gottes sich verbreite verherrlicht werde«.(56) Wahrhaft groß ist die ihnen anvertraute Aufgabe, damit sie aber mit Erfolg durchgeführt werden könne, müssen alle, die sich des christlichen Namens rühmen, nach Kräften, sei es durch Gebet, sei es durch ihre Gaben, dazu beisteuern. Vielleicht ist kein anderes Werk Gott so angenehm wie dieses, das eng verbunden ist mit der allgemeinen Pflicht, das Reich Gottes auszubreiten. Diese Herolde des Evangeliums weihen tatsächlich ihr ganzes Leben dem Ziel, dass das Licht Jesu Christi jeden Menschen erleuchte, der in diese Welt kommt,(57) damit seine göttliche Gnade alle Herzen durchdringe und erwärme und alle zu einem tugendhaften und gebildeten Christenleben ermuntert werden. Sie suchen nicht ihre eigenen Interessen, sondern diejenigen Jesu Christi.(58) Mit großmütiger Seele gehen sie auf den Anruf des göttlichen Erlösers ein und können das Wort des Völkerapostels auf sich anwenden: »An Christi statt … sind wir gesandt«,(59) sowie »Im Fleische … wandelnd, kämpfen wir doch nicht nach dem Fleische«.(60) Als ihr zweites Vaterland betrachten sie jene Länder, in die sie gekommen sind., um ihnen das Licht des Evangeliums zu bringen, und die sie in tätiger Liebe umfangen. Und wenn sie auch immer eine lebhafte Zuneigung zu ihrer schönen Heimat und Heimatdiözese oder zu ihrer Ordensgemeinschaft bewahren, so sind sie doch davon überzeugt, dass man das allgemeine Wohl der Kirche über all dies setzen und ihr vor allem mit ganzem Einsatz dienen muss.

57 Wir wünschen deshalb, dass diese geliebten Söhne – und all jene, die als Katechisten oder sonst wie in den Missionsländern großmütigen Hilfsdienst leisten, – Wir wünschen, dass diese geliebten Söhne wissen, wie sie Unserem Herzen in besonderer Weise nahe stehen, besonders im Gebete, das Wir jeden Tag für sie und ihre Werke zu Gott empor senden. Auch bestätigen Wir mit Unserer Autorität und mit gleicher Liebe all das, was Unsere Vorgänger seligen Angedenkens, besonders Pius XI.(61) und Pius XII.(62) durch eigene Enzykliken über die Missionsarbeiten festgesetzt haben.

An die Ordensfrauen

58 Hier wollen Wir auch die Ordensfrauen nicht mit Stillschweigen übergehen, die sich durch die Ablegung der heiligen Gelübde Gott geweiht haben, um ihm allein zu dienen und um mit dem göttlichen Bräutigam durch eine mystische Vermählung, die sie eingegangen sind, möglichst eng verbunden zu werden. Ob sie nun in der Klausur des Klosters ein verborgenes, dem Gebet und der Buße geweihtes Leben führen, oder ob sie sich den äußeren Werken des Apostolates widmen, – sie können nicht bloß leichter und besser für ihr eigenes Heil Sorge tragen, sondern auch der Kirche große Hilfe bringen, sowohl in den christlichen Ländern, als besonders in den entlegenen Gebieten, wo das Licht des Evangeliums noch nicht aufstrahlte. Wie viel leisten doch diese Ordensfrauen! Welch große und herrliche Werke vollbringen sie, die niemand sonst mit derselben Jungfraulichen und mütterlichen Hingebung durchführen kann! Und das nicht nur auf einem einzigen Arbeitsgebiet, sondern auf vielen: in der gediegenen Unterweisung und Erziehung der Jugend, in der Katechese, die sie in den Pfarreien Knaben und Mädchen erteilen, in den Krankenhäusern, wo sie die Kranken liebevoll pflegen und zu Gedanken an himmlische Dinge aufrichten können; in den Altersheimen, wo sie den Greisen mit liebevoller Geduld, in Heiterkeit und Barmherzigkeit beistehen und sie wunderbar sanft zum Verlangen nach dem ewigen Leben hinwenden können; in den Heimen für Findelkinder und uneheliche Kinder, wo sie voll Feingefühl mit mütterlicher Liebe diejenigen umgeben, die als Waisen oder von ihren Eltern im Stich Gelassene nicht Vater noch Mutter haben, die sie ernähren und zärtlich umfangen. All diese Ordensfrauen sind ohne Zweifel nicht nur um die katholische Kirche, um die christliche Erziehung und die sogenannten Werke der Barmherzigkeit, sondern auch um die bürgerliche Gemeinschaft hochverdient, und sie bereiten sich eine unvergängliche Krone, die sie einst im Himmel erlangen.

An die Katholische Aktion und alle, die im Apostolat mitarbeiten

59 Nun sind heute, wie ihr, Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, genau wisst, die Bedürfnisse der Menschen auch hinsichtlich der christlichen Belange so groß und vielfältig, dass der Klerus, die Ordensleute und die Schwestern ihnen nicht mehr ganz gewachsen sind. Dazu kommt, dass die Priester und die Ordensleute nicht zu allen sozialen Schichten Zutritt haben; nicht alle Wege stehen ihnen offen; denn viele kümmern sich nicht um sie oder fliehen sie; und leider fehlt es auch nicht an solchen, die sie verachten und verabscheuen.

60 Aus diesem schwerwiegenden und überaus schmerzlichen Grunde haben schon Unsere Vorgänger auch die Laien in das friedliche Heer, d. h. in die Katholische Aktion, berufen in der weisen Absicht, dass sie im Apostolat der kirchlichen Hierarchie Mitarbeiterdienste leisten. Dadurch sollte alles, was in den gegenwärtigen Umständen von der Hierarchie selbst nicht durchgeführt werden könnte, von diesen katholischen Männern und Frauen hochherzig übernommen werden in Zusammenarbeit mit den Seelsorgern und immer im Gehorsam gegen sie. Es ist Uns nun ein großer Trost, zu überdenken, wie viel in der Vergangenheit von diesen Mitarbeitern der Bischöfe und der Priester auch in den Missionsländern geleistet wurde. Jedem Alter und jedem Stand gehören sie an, und mit Eifer und tatkräftigem Willen haben sie Mühen ertragen und Werke weitergeführt, damit allen die christliche Wahrheit erstrahle und die christlichen Tugenden alle Seelen anspornen und anlocken.

61 Ein sehr großes Tätigkeitsgebiet steht ihnen augenblicklich offen: noch zu viele sind es, die ihr leuchtendes Beispiel und ihre apostolische Arbeit nötig haben. Auf diesen Gegenstand, den Wir für sehr schwerwiegend und äußerst bedeutsam halten, wollen Wir später nochmals in größerer Ausführlichkeit zurückkommen. Einstweilen hegen Wir die sichere Hoffnung, dass alle, die in der Katholischen Aktion oder in den vielfältigen und blühenden frommen Vereinigungen kämpfen, in einem solch notwendigen Werke mit aller Sorgfalt fortfahren; je größer die Bedürfnisse unserer Zeit sind, desto größer müssen auch ihre Anstrengungen, ihre Besorgtheit, ihre Arbeitsamkeit sein. Alle sollen durchaus einig sein; denn, wie sie genau wissen, macht die geeinte Kraft stärker. Sie sollen alle persönlichen Meinungen ausschalten, wo es sich um die Belange der Katholischen Kirche handelt, die über jeder anderem Belang stehen muss, und das nicht nur in Bezug auf die heilige Lehre, sondern auch in Bezug auf die kirchlich-christliche Zucht, die immer von allen beobachtet werden muss. In geschlossener Linie, immer einig mit der katholischen Hierarchie und immer gehorsam, sollen sie neuen Eroberungen entgegengehen. Sie sollen keine Mühe scheuen, keiner Beschwerde ausweichen, damit die Belange der Kirche triumphieren.

62 Damit dies aber in der nötigen Weise erreicht werden kann, sollen sie vor allem dafür sorgen, – davon sind sie zweifellos überzeugt, – sich sorgfältig in christlicher Lehre und Haltung auszubilden. Denn nur dann werden sie an andere weitergeben können, was sie selbst mit Hilfe der göttlichen Gnade erworben haben. Wir richten diese Empfehlung hauptsächlich an die jungen Menschen, deren Eifer sich für jedes Ideal leicht entflammt, für die aber Klugheit, Mäßigung und der schuldige Gehorsam gegenüber ihren Vorgesetzten unbedingt notwendig sind. An diese jungen Menschen, die Uns so teuer sind, die als Hoffnung der Kirche heranwachsen, und auf deren heilbringendes und mutiges Werk Wir so großes Vertrauen setzen, soll der lebhafte Ausdruck Unserer Dankbarkeit und Unserer väterlichen Liebe gelangen. An die Betrübten und Bedrängten

63 Und nun scheint Uns, als hörten Wir, wie sich die Seufzer derer zu Uns erheben, die an Leib oder Seele krank sind und große Schmerzen leiden, oder die sich in solch beengter wirtschaftlicher Lage befinden, dass sie weder ein menschenwürdiges Heim noch Arbeit haben, um die Mittel zum Unterhalt für sich und ihre Kinder sich zu verschaffen. Diese Klagen rühren und bewegen lebhaft Unser Herz. Besonders den Kranken, den Schwachen und Greisen wünschen Wir jenen Trost zu bringen, der vom Himmel stammt. Mögen sie sich daran erinnern, dass wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern dass wir auf der Suche nach der zukünftigen sind;(63) sie mögen sich erinnern, dass wir durch die Schmerzen dieses sterblichen Lebens, die die Seele läutern, erheben und adeln, eine ewige Freude im Himmel erlangen können. Sie mögen sich erinnern, dass der göttliche Erlöser selbst, um die Makel unserer Sünden wegzuwaschen und zu reinigen, das Kreuzesholz auf sich nahm und dafür freiwillig Schmach, Schmerzen und grausamste Ängste getragen hat. Wie er, so werden auch wir alle vom Kreuze zum Licht gerufen gemäß seinem Wort: »Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach«,(64) und er wird einen unvergänglichen Schatz im Himmel haben.(65)

64 Im Vertrauen darauf, dass diese Unsere Mahnung bereitwillig aufgenommen werde, haben Wir ferner den Wunsch, dass die leiblichen oder seelischen Bedrängnisse nicht nur wie Stufen seien, auf denen sie zum Himmel emporsteigen können, sondern dass sie auch viel zur Sühne für andere beitragen, zur Rückkehr der unglücklich Irrenden in den Schoß der Kirche und zum ersehnten Triumph des christlichen Namens. An die Stände der Minderbemittelten

65 So dann sollen vor allem jene aus den Ständen der Minderbemittelten, die über eine allzu dürftige Lebensweise zu klagen haben, wissen, dass Wir ebenso großen Schmerz über ihr Geschick empfinden. Und das nicht nur deshalb, weil Wir aus väterlichem Herzen wünschen, dass auch in der sozialen Frage die Gerechtigkeit, die eine christliche Tugend ist, die Lebensnotwendigkeiten unter den verschiedenen sozialen Standen ordne, lenke und gestalte, sondern auch deswegen, weil Uns hauptsächlich leid tut, dass die Feinde der Kirche die ungerechten Lebensbedingungen der untersten Volksschicht ausnützen, um sie durch trügerische Versprechungen und täuschende Irrtümer auf ihre Seite zu ziehen.

66 Diese Unsere geliebten Söhne sollen sich gegenwärtig halten, dass die Kirche nicht ihre oder ihrer Rechte Feindin ist, sondern vielmehr als liebevolle Mutter sie beschützt und auf sozialem Gebiet eine Lehre und Normen verkündet und betont, durch deren entsprechende Durchführung jegliche Ungerechtigkeit aufgehoben und eine bessere und gerechtere Verteilung der Güter erreicht würde.(66) Gleichzeitig würde eine freundschaftliche und hilfsbereite Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen sozialen Schichten angeregt werden, so dass alle sich nicht nur als freie Glieder derselben Gemeinschaft, sondern auch als Brüder derselben Familie betrachten und es tatsächlich sein könnten. Wenn man übrigens die verbesserten Lebensbedingungen ruhig überdenkt, zu welchen die Schicht des arbeitenden Volkes in letzter Zeit gelangt ist, so muss man sagen, dass sie besonders durch den Einsatz zustande kamen, den Katholiken auf sozialem Gebiet tatkräftig geleistet haben, indem sie die weisen Richtlinien und wiederholten Ermahnungen Unserer Vorgänger befolgten. Diejenigen also, die es sich zur Aufgabe machen, die wirtschaftlichen Rechte des niederen Volkes zu schützen, besitzen bereits in der Soziallehre der Kirche sichere und genau festgelegte Normen. Wenn diese nur entsprechend zur Ausführung gebracht werden, sind jene Rechte auch genügend gewahrt. Deshalb brauchen sie sich niemals an diejenigen zu wenden, welche für die von der Kirche verurteilten Lehren eintreten. Mit falschen Versprechungen locken diese sie an; in Wirklichkeit aber versuchen sie dann überall, wo immer sie die Regierungsgewalt in Händen haben, aus den Seelen der Menschen in unbesonnener Verwegenheit die höchsten geistigen Güter auszureißen, – den Glauben nämlich, die christliche Hoffnung und die Gebote Gottes. Außerdem suchen sie alles zu schwächen oder ganz zu vernichten, was die Menschen der heutigen Zeit und Bildung als großen Gewinn schätzen, nämlich die gerechte Freiheit und die wahre Würde der menschlichen Person, und dadurch versuchen sie, die Fundamente und die Grundlagen der bürgerlichen und christlichen Kultur zu untergraben. Wer aber Christus treu bleiben will, hat die schwere Gewissenspflicht, sich von diesen Irrtümern vollständig fernzuhalten, die schon von Unseren Vorgängern verurteilt. worden sind, besonders von Pius XI. und Pius XII. seligen Angedenkens, wie auch Wir sie aufs neue verurteilen.

67 Nicht wenige Unserer Söhne, die sich in mehr oder weniger schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen befinden, beklagen sich oft darüber, dass bisher noch nicht alle Gebote der christlichen Soziallehre in die Praxis umgesetzt seien. Man muss also alle Sorge und alle Anstrengung darauf verwenden, – nicht nur von Seite der Privatleute, sondern vor allem der Regierenden, – dass die christliche Soziallehre, die Unsere Vorgänger des öfteren lichtvoll, weise und verbindlich dargelegt haben, und die auch Wir bestätigen, möglichst bald in die Praxis umgesetzt werde; und wenn auch nur stufenweise, so doch tatsächlich und vollständig.(67)

An die Flüchtlinge und Auswanderer

68 Nicht geringer ist Unsere Sorge um das Los derer, die aus Notwendigkeit, sich den Lebensunterhalt zu suchen, oder wegen der traurigen politischen und religiösen Verhältnisse in ihrer Heimat ihr Vaterland verlassen mussten. Wie viele Beschwerden, wie viele Sorgen haben sie deswegen zu ertragen, weil sie, vertrieben vom Heimatboden und Vaterhaus, sehr oft gezwungen sind, im Lärm der Großstädte und der Industriezentren, weit entfernt von den angestammten Lebensgewohnheiten und, was noch schlimmer ist, nicht selten in Verhältnissen zu weilen, die dem christlichen Leben schaden und feindlich sind. Leider wird diese Lage der Dinge für viele oft Anlass zu gefährlichen Krisen und zum fortschreitenden Verlust der gesunden religiösen und sittlichen Traditionen ihrer Vorfahren. Dazu kommt, dass die Bande häuslicher Lebensgemeinschaft geschwächt werden und auch der Zusammenhalt der Familien leidet, wenn die Ehegatten oft von einander getrennt sind und die Eltern von den Kindern.

69 Deshalb begleiten Wir mit väterlichem Herzen das unternehmende Werk jener Priester, die von der Liebe Jesu Christi getrieben, unter Beobachtung der vom Apostolischen Stuhl gegebenen Richtlinien, sich selbst freiwillig zu Auswanderern machen und keine Mühe scheuen, um sich der geistlichen und sozialen Betreuung dieser Unserer Söhne nach Kräften zu widmen. Sie erreichen dadurch, dass diese die Liebe der Kirche überall spüren, die ihnen umso näher und für sie umso wirkungsvoller ist, je mehr sie ihre Sorge und Unterstützung brauchen.

70 In gleicher Weise beachten und schätzen Wir mit lebhafter Freude die von verschiedenen Nationen gemachten Anstrengungen, wie auch die neuestens von ihnen gemeinsam gefassten Entschlüsse und Maßnahmen, um dieses sehr schwierige Problem möglichst schnell der gewünschten Lösung zuzuführen. Dies alles wird, wie Wir hoffen, nicht nur zur Eröffnung neuer Möglichkeiten für die Auswanderung führen, sondern auch zur glücklichen Wiederherstellung der Familiengemeinschaft von Eltern und Kindern; diese kann, wenn sie in rechter Weise wiederhergestellt ist, das religiöse, sittliche und wirtschaftliche Wohl der Auswanderer wirksam schützen und auch zum Nutzen der Länder selbst beitragen, die sie aufnehmen. An die verfolgte Kirche

71 Und nun, während Wir es für Unsere Pflicht halten, alle Unsere Söhne in Christus zu ermahnen, dass sie mit aller Sorgfalt die Irrtümer meiden, die nicht nur die Religion, sondern auch das menschliche Zusammenleben untergraben können, sind Unserem Geiste so viele Unserer Ehrwürdigen. Brüder im Bischofsamt und so viele Uns teuere Priester und Gläubige gegenwärtig, die sich in Verbannung befinden, in Konzentrationslagern oder im Gefängnis, weil sie ihr bischöfliches oder priesterliches Amt nicht verraten und nicht vom Glauben abfallen wollten.

72 Wir wollen niemanden beleidigen, im Gegenteil, Wir wünschen, allen von Herzen zu verzeihen und die Verzeihung Gottes zu erflehen. Aber das Bewusstsein Unserer heiligen Pflicht erheischt, dass Wir die Rechte dieser Brüder und Söhne schützen, soweit Wir können, und dass Wir auch nachdrücklich verlangen, dass ihnen und der Kirche Gottes die geschuldete rechtmäßige Freiheit gewährt wird. Jene, die die Grundsätze der Wahrheit und der Gerechtigkeit befolgen, und denen die Interessen der einzelnen und der Nationen am Herzen liegen, verneinen nicht die Freiheit, schränken sie nicht ein und unterdrücken sie nicht; sie haben es nicht nötig, zu diesen Mitteln zu greifen. Aus diesem Grunde kann man durch Gewalt und Unterdrückung niemals zu einem gerechten Wohlstand der Menschen kommen.

73 Überdies muss man für sicher halten, dass früher oder später die Fundamente des menschlichen Zusammenlebens schwanken und zusammenstürzen, wenn die heiligen Rechte Gottes und der Religion vernachlässigt oder mit Füßen getreten werden. Weise bemerkte dies schon Unser Vorgänger unsterblichen Angedenkens, Leo XIII.: »Als Folge davon … wird die Verbindlichkeit der Gesetze entkräftet und jede Autorität geschwächt, wenn die höchste und ewige Vernunft Gottes abgelehnt wird, der das Gute befiehlt und das Böse verbietet«.(68) Damit stimmt auch der Ausspruch Ciceros überein: »Ihr Priester, … wirksamer …gürtet ihr die Stadt mit der Religion als selbst mit Mauern«.(69)

74 Diese Überlegungen lassen Uns in großer Betrübnis all jene einzeln umfangen, deren Religionsübung eingeschränkt und behindert wird, und die oft auch »Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit«(70) und des Reiches Gottes willen. Wir nehmen teil an ihren Leiden, an ihren Ängsten und Bedrängnissen; und Wir schicken flehentliche Gebete zum Himmel, dass ihnen doch endlich einmal die Morgenröte besserer Zeiten leuchte. Auch wünschen Wir sehr, dass all Unsere Brüder oder Söhne in Christus auf der ganzen Welt mit Uns zusammen das gleiche tun. So steige also zum allbarmherzigen Gott aus jeder Gegend der Erde gleichsam ein Chor heiliger Flehrufe empor, die jenen unglücklich leidenden Gliedern des Mystischen Leibes Jesu Christi einen reichen Gnadenregen vermitteln mögen. Schlussermahnungen

75 Aber nicht nur Gebete wünschen Wir von Unseren Söhnen, sondern auch jene Erneuerung des christlichen Lebens, die mehr als selbst Flehrufe es zu erreichen vermag, dass Gott Uns und Unseren Brüdern gnädig sei. Gerne wiederholen Wir euch allen die erhebenden und herrlichen Worte des Völkerapostels: »Was immer wahr ist, was immer ehrbar, was gerecht, was heilig, was immer liebenswürdig ist, was dem guten Rufe dient, was es überhaupt an Tugend und zuchtvoll Lobenswertem gibt, darauf richtet euer Sinnen«(71) »Ziehet an den Herrn Jesus Christus«.(72) Oder auch: »So ziehet also an, wie es sich für Auserwählte Gottes, für Heilige und Geliebte, geziemt, herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Bescheidenheit, Geduld … Über alles hinaus aber habet die Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist, und der Friede Christi frohlocke in eueren Herzen, in dem ihr auch berufen seid in einem Leibe«.(73)

76 Wenn deshalb jemand wegen seiner Vergehen und Sünden unglücklicherweise weit vom göttlichen Erlöser abgeirrt ist, so kehre er – Wir bitten inständig – zurück zu ihm, der da ist »der Weg, die Wahrheit und das Leben«.(74) Wenn jemand in religiöser Hinsicht lau ist, schlaff und nachlässig in der Erfüllung seiner Pflichten, dann erwecke er seinen Glauben und nähre, erwärme und festige die Tugend durch die göttliche Gnade. Schließlich, wenn jemand durch Gottes Freigebigkeit »gerecht ist, so werde er noch gerechter; wenn er heilig ist, werde er noch heiliger«.(75)

77 Und weil es deren heute so viele sind, die unseren Rat, unser leuchtendes Beispiel und auch unsere Unterstützung brauchen, wenn sie sich in unglücklichen und traurigen Lebensbedingungen befinden, übt euch alle, jeder nach seinen Kräften und den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, in den sogenannten Werken der Barmherzigkeit, die Gott so wohlgefällig sind.

78 Wenn jeder versucht, all dies auszuführen, wird in der Kirche in neuem Glanz das sichtbar werden, was über die Christen im Brief an Diognet so herrlich geschrieben ist: »Sie sind im Fleische, aber sie leben nicht nach dem Fleische. Sie weilen auf Erden, aber sie haben ihre Heimat im Himmel. Sie gehorchen den aufgestellten Gesetzen, aber durch ihre Lebensweise reichen sie über die Gesetze hinaus … Sie werden verachtet und verurteilt; sie werden dem Tod überliefert und gelangen doch zum Leben. Sie sind arm und machen doch viele reich; sie entbehren alles und haben doch alles in Fülle. Sie werden entehrt, aber in der Entehrung erlangen sie Ruhm; ihr guter Ruf wird preisgegeben, und doch gibt man ihrer Gerechtigkeit Zeugnis. Sie werden gescholten, und doch segnen sie; sie werden schmählich behandelt, und doch erlangen sie Ehre. Wenn sie Gutes tun, werden sie wie Übeltäter bestraft, während sie aber bestraft werden, freuen sie sich darüber und fühlen sich gleichsam verlebendigt … In einem Wort: Das, was die Seele im Leibe ist, das sind die Christen in der Welt«.(76) Manches von dem, was hier so herrlich gesagt ist, lässt sich in besonderer Weise von den Gliedern der sogenannten »schweigenden Kirche« sagen. Für sie müssen wir alle in ganz besonderer Weise Gebete zu Gott richten, wie Wir es auch neulich erst allen Gläubigen in den Ansprachen inständig empfohlen haben, die Wir in der Basilika des heiligen Petrus am Pfingstfest und am Fest des Heiligsten Herzens Jesu hielten.(77)

79 Diese Erneuerung des christlichen Lebens, voll Tugend und Heiligkeit wünschen Wir euch allen und erflehen sie von Gott .in ununterbrochenem Gebet; und zwar nicht nur denen, die fest in der Einheit der Kirche verharren, sondern auch jenen, die in Liebe zur Wahrheit und in Lauterkeit des Willens danach streben.

80 Vermittlung und Unterpfand der himmlischen Gnaden sei der Apostolische Segen, den Wir, Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, allen einzelnen von euch in lebhafter väterlicher Liebe erteilen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 29. Juni 1959
am Feste der Apostelfürsten Peter und Paul, im Jahr 1959,
dem ersten Unseres Pontifikates.
Johannes XXIII. PP.

 

Anmerkungen

(1) Vgl. Is 11, 12.

(2) 1 Tim 6, 16.

(3) Joh 1,14.

(4) Joh 1,9.

(5) 2 Tim 3, 7.

(6) Eph 4, 13-16.

(7) Epist. Saepenumero considerantes; A. L., vol. III, 1883, p. 262.

(8) Epist. Exeunte iam anno; A. L., vol. VIII, 1888, p. 398.

(9) Litt. Enc. Humanum genus; A. L., vol. IV, 1884, p. 53.

(10) Epist. Praeclara gratulationis; A. L., vol. XIV, 1894, p. 210.

(11) Epist. Permoti Nos; A. L., vol. XV, 1800, p. 259.

(12) Litt. Enc. Rerum novarum; A. L., vol. XI, 1891, p. 109.

(13) «Radioansprache Weihnachten 1944». Discorsi e radiomessaggi di S. S. Pius XII., vol. VI, pag. 239.

(14) «Radioansprache al 73° Congresso dei cattolici Tedeschi»: ebd., vol. XI, p. 189.

(15) Mk 8, 2.

(16) A.A.S., vol. XXIII, 1931, pp. 393-394.

(17) «Per un solido ordine sociale»: Discorsi e radiomessaggi di S. S. Pio XII, vol. VII, p. 350.

(18) 1 Kor 13, 4-7.

(19) Epist. Inter graves; A. L., vol. XI, p. 143-144.

(20) Mt. 28, 20.

(21) Vgl. Hebr 5, 7.

(22) Joh 17, 21.

(23) Joh 10, 16.

(24) Joh 14, 6.

(25) Vgl. Litt. Enc. Pius XI.: Mortalium animos, de vera religionis unitate fovenda; A. A. S., vol. XX, 1928, p. 5 f.

(26) 2 Kor 13, 8.

(27) Vgl. John Henry Newman, Difficulties of Anglicans, vol. I, lect. X, p. 261 f.

(28) Apg 20, 28.

(29) Vgl. Mt 16, 18.

(30) Vgl. Mt 16, 19.

(31) Vgl. Lk 22, 32.

(32) Vgl. Joh 21, 15-17.

(33) Epist. XLIII, 5; Corp. Vind. III, 2, 594; vgl. Epist. XL, apud MIGNE, PL, IV, 345.

(34) Vgl. Ps 44, 15.

(35) Canon Missae.

(36) Vgl. Hom. in mysticam caenam; PG, LXXVII, 1027.

(37) Phil 1, 8.

(38) Hebr 13, 7.

(39) S. Augustinus, In Ps. 32, Enarr. II, 29; MIGNE, PL, XXXVI, 299.

(40) Ebd., In Ps. 82, Enarr. II, 14; MIGNE, PL, XXXVII, 1140.

(41) Joh 17, 11.17.20.21.23.

(42) Gen 45, 4.

(43) 2 Kor 7, 2.

(44) Phil 4, 7.

(45) Vgl. Lk 2, 14.

(46) Joh 14, 27.

(47) Mt 6, 33.

(48) 2 Kor 6, 11.

(49) Vgl. Mt 20, 12.

(50) Jak 1, 17.

(51) Joh 15, 5.

(52) Phil 4, 18.

(53) Phil 4, 19.

(54) FUNK, Patres Apostalici I, 243-245; vgl. MIGNE, PG, V. 675.

(55) Ebd. I, 267; vgl. MIGNE, PG, V, 699.

(56) 2 Thess 3, 1.

(57) Vgl. Joh 1,9.

(58) Vgl. Phil 2, 21.

(59) 2 Kor 5, 20.

(60) 2 Kor 10, 3.

(61) Litt. Enc. Rerum ecclesiae; A.A.S., vol. XVIII, 1926, p. 65 f.

(62) Litt. Enc. Evangelii praecones; A.A.S., vol. XLIII. 1951, p. 497; et Litt. Enc. Fidei donum; A.A.S., vol. XLIX, 1957, p. 225 f.

(63) Vgl. Hebr 13, 14.

(64) Lk 9, 23.

(65) Vgl. Lk 12, 33.

(66) Vgl. Litt. Enc. Quadragesimo anno; A.A.S., vol. XXIII, 1931, pp. 196-198.

(67) Vgl. Allocutio Pii XII ad adscriptos societatibus christianis operariorum Italicorum; die XI mensis Martii habita, anno 1945; A.A.S., vol. XXXVII, 1945, pp. 71-72.

(68) Epist. Exeunte iam anno; A. L., vol. VIII, 1888, p. 398.

(69) De N. D. III, 40.

(70) Mt 5, 10.

(71) Phil 4, 8

(72) Röm 13, 14.

(73) Kol 3, 12-15.

(74) Joh 14, 6.

(75) Off 22, 11.

(76) FUNK; Patres Apostolici, I, 399-401; vgl. MIGNE, PG, II, 1174-1175.

(77) Vgl. L’Osservatore Romano 18-19 maggio 1959; 7 giugno 1959.

 

Quelle: Ad Petri Cathedram (c) kathepedia.com

Deutsche Version als PDF-Datei [PDF] Ad Petri Cathedram

Englische Version: Ad Petri Cathedram

JOHANNES XXIII: ENZYKLIKA „AD PETRI CATHEDRAM“ 29.6.1959

EINLEITUNG: DIE KIRCHE IN EWIGER JUGEND

Gründe des Trostes und der Hoffnung

1 Auf den Stuhl Petri erhoben ohne Unser Verdienst, erinnern Wir Uns nicht ohne Ermutigung und Trost an das, was Wir sahen und hörten, als nahezu alle Menschen jeden Volkes und jeden Geistes über den Heimgang Unseres nächsten Vorgängers trauerten, und Wir erinnern Uns, wie sich ebenso nachher die Menschenmengen, waren sie auch durch andere Ereignisse und schwierige Zeitumstände in Sorge und Spannung gehalten, mit einem Herzen hoffnungsvollen Vertrauens Uns zuwandten, die Wir mit dem Obersten Hirtenamt betraut waren. Das zeigt aber offensichtlich, dass die Katholische Kirche in immerwährender Jugend blüht, dass sie wie ein hoch aufgerichtetes Zeichen ist für die Nationen(1) und dass von ihr ein durchdringendes Licht und eine milde Liebe auf alle Völker ausströmt.

2 Es war Uns dann weiter eine große Freude, dass die Bekanntgabe des Planes zur Abhaltung eines Ökumenischen Konzils und einer römischen Synode zur Anpassung des kirchlichen Rechtsbuches an die heutigen Erfordernisse und der Herausgabe eines neuen Rechtsbuches für die Kirche des orientalischen Ritus den Beifall vieler fand und die gemeinsame Hoffnung weckte, alle würden mit glücklichem Erfolg zu größerer und tieferer Erkenntnis der Wahrheit, zu heilsamer Erneuerung christlicher Sitten und zur Wiederherstellung der Einheit, der Eintracht und des Friedens angetrieben werden.

3 Über diese drei Anliegen, über die Wahrheit, die Einheit und den Frieden, die im Geiste der Liebe zu erringen und zu fördern sind, wollen Wir jetzt in diesem Unserem ersten Rundschreiben an den gesamten katholischen Erdkreis sprechen, denn dies vor allem scheint Unser apostolisches Amt zu verlangen. Von oben stehe das Licht des Heiligen Geistes Uns beim Schreiben und euch beim Lesen bei, die wirksame Gnade Gottes aber treibe alle an zur Verwirklichung dessen, was wir gemeinsam ersehnen, mögen auch nicht wenige vorgefasste Meinungen und Schwierigkeiten und viele Hindernisse dem Ziel entgegenstehen.

ERSTER TEIL: DIE WAHRHEIT

Die Kenntnis der Wahrheit, vor allem der geoffenbarten

4 Die Ursache und gleichsam die Wurzel aller Übel, welche die Einzelnen die Völker und die Nationen gewissermaßen vergiften und die Herzen vieler verwirren, ist die Unkenntnis der Wahrheit, ja nicht bloß deren Unkenntnis, sondern zuweilen sogar deren Verachtung und die unbesonnene Abkehr von ihr. Daraus entstehen Irrtümer aller Art, die gleich Pestkeimen in die Herzen und selbst in das Gefüge der menschlichen Gesellschaft eindringen und alles in Unordnung bringen, zum großen Unheil für die Einzelnen und für die ganze menschliche Gesellschaft. Nun hat uns Gott aber die Vernunft gegeben, die fähig ist, die natürliche Wahrheit zu erkennen. Wenn wir ihr folgen, so folgen wir Gott selbst, der ihr Urheber und Führer und Gesetzgeber unseres Lebens ist, wenn wir aber aus Torheit oder aus Gleichgültigkeit oder gar aus bösem Willen von ihr abweichen, so wenden wir unser Herz vom höchsten Gute selbst und von der rechten Lebensnorm ab.

Wir können zwar, wie gesagt, die natürlichen Wahrheiten kraft der Vernunft erfassen, doch wird die Erkenntnis – zumal in Fragen der Religion und der Sittlichkeit – nicht von allen leicht und häufig nicht ohne Beimischung von Irrtümern erreicht, und ferner können wir Wahrheiten, die über das Vermögen der Natur und über die Fassungskraft der Vernunft hinausgehen, ohne das Licht und die Hilfe Gottes in keiner Weise erfassen. Deshalb ist das Wort Gottes, das »in unzugänglichem Lichte wohnt«,(2) in unermesslicher Liebe sich des Loses der Menschen erbarmend, »Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt«,(3) um »jeden, der in diese Welt kommt, zu erleuchten«(4) und um alle nicht nur zur ganzen und vollen Wahrheit, sondern auch zur Tugend und zur ewigen Seligkeit zu führen. Darum sind alle verpflichtet, die Lehre des Evangeliums anzunehmen; wenn man sie verwirft, so sind selbst die Grundlagen der Wahrheit, der Rechtschaffenheit und der Zivilisation gefährdet.

Die Wahrheit des Evangeliums führt zum ewigen Leben

5 Offensichtlich handelt es sich um eine sehr wichtige Frage, mit der unser eigenes ewiges Heil aufs engste zusammenhängt. Jene, die nach dem Wort des Völkerapostels »immerfort lernen wollen und doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen«,(5) jene, die leugnen, dass der menschlichen Vernunft eine sichere und gewisse Wahrheit offen stehen könne, und jene, welche die von Gott geoffenbarten und zu unserem ewigen Heile notwendigen Wahrheiten ablehnen: sie alle weichen zweifellos bedauerlich von der Lehre Christi und von der Losung des gleichen Völkerapostels ab, der sagt:» … Möchten wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen… Wir sollen ja nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen und hin und her getrieben von jedem Winde der Irrlehre, die mit menschlicher Laune und List auf Täuschung und Verführung ausgeht. Vielmehr sollen wir die Wahrheit leben in Liebe, um in jeder Hinsicht hineinzuwachsen in ihn, der das Haupt ist, Christus. Von ihm aus wird der ganze Leib zusammengefügt und zusammengehalten durch jedes Gelenk, das seinen Dienst tut nach der Kraft, die ihm zugemessen ist. So vollzieht sich dass Wachstum des Leibes, um sich aufzubauen in Liebe«.(6)

Die Pflichten der Presse hinsichtlich der Wahrheit

6 Wer aber mit Bedacht und vermessen die erkannte Wahrheit bekämpft und im Reden, Schreiben und Handeln die Waffen der Lüge gebraucht, um das ungebildete Volk anzulocken und für sich zu gewinnen und um die Herzen der jungen Leute, unwissend und beeindruckbar wie Wachs, zu bilden und nach seinem eigenen Sinn zu formen: der missbraucht die Unerfahrenheit und Unschuld anderer und treibt ein durchaus verwerfliches Unterfangen.

7 Hier können Wir nicht anders, als in besonderer Weise jene zur Sorgfalt, Vorsicht und Klugheit in der Darlegung der Wahrheit zu ermahnen, die durch Bücher, Zeitschriften und Zeitungen, deren es heute so viele gibt, großen Einfluss ausüben auf die Belehrung und Erziehung, die Meinungsbildung und das sittliche Verhalten der Mitbürger, zumal der Jugend. Sie haben die ernste Verpflichtung, keine Lügen, Unrichtigkeiten und keinen Schmutz zu verbreiten, sondern nur die Wahrheit und vor allem alles das, was nicht zum Laster, sondern zum rechten Tun und zur Tugend führt.

8 Mit großem Schmerz sehen Wir, was schon Unser Vorgänger unsterblichen Andenkens, Leo XIII. beklagte, »die Lüge kühn sich breit machen… in umfangreichen Büchern und Kleinschriften, in flatternden Tageblättern und verführerischen Schaustellungen«;(7) Wir sehen »Bücher und Zeitschriften, die darauf angelegt sind, die Tugend zu verspotten und das Laster zu beschönigen«.(8)

Rundfunk, Film und Fernsehen

9 Dazu kommen heute bekanntlich noch, Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, die Darbietungen des Rundfunks, des Films und des Fernsehens, von denen die letzten leicht zu Hause empfangen werden, von allen diesen können zwar Anregungen und Antriebe zum Ehrbaren und Guten wie auch zur christlichen Tugend ausgehen, aber nicht selten können leider daraus, besonders für die Jugend, Verlockungen zu bösen Sitten, zu einem verdorbenen Leben, zu trügerischen Irrtümern wie zu schlüpfrigen Lastern entstehen. Diesen verderblichen Waffen ist daher das Rüstzeug der Wahrheit und Redlichkeit entgegenzusetzen, um die Macht dieses großen, täglich weiter um sich greifenden Übels mit aller Sorgfalt abzuwehren. Der schlechten und lügnerischen Presse ist darum mit einem guten und ehrlichen Schrifttum zu begegnen; den Rundfunksendungen, sowie den Film- und Fernsehdarbietungen, die zum Irrtum führen und dem Laster schmeicheln wollen, sind andere zur Verteidigung der Wahrheit und der Erhaltung guter Sitten entgegenzustellen; auf diese Weise sollen jene neuen Erfindungen, die sehr viel Unheil zu stiften vermögen, zum Heil und zur Wohltat für die Menschen wie zugleich zu ehrbarer Erholung verwendet werden, und so soll aus derselben Quelle, die oft böses Gift bietet, auch das Heilmittel kommen.

Religiöse Gleichgültigkeit

10 Ferner fehlt es nicht an Leuten, die zwar die Wahrheit nicht geflissentlich und absichtlich bekämpfen, die aber durch ihre Gleichgültigkeit und große Sorglosigkeit doch gegen sie arbeiten, wie wenn Gott uns nicht den Verstand zum Suchen und Finden dieser Wahrheit gegeben hätte. Diese verkehrte Haltung führt wie von selbst zu der ganz widersinnigen Behauptung, alle Religionen seien gleich zu werten ohne Unterschied von wahr und falsch. »Dieser Schluss – um die Worte Unseres schon genannten Vorgängers zu gebrauchen – dient dem Untergang aller Religionen, namentlich der katholischen, die als einzig wahre unter allen nicht ohne großes Unrecht den übrigen gleichgestellt werden kann«.(9) Die Verneinung übrigens jeglichen Unterschieds bei Gegensätzlichem und Widersprechendem führt zu dem verhängnisvollen Ergebnis, keine Religion zu wollen, weder in der Theorie noch in der Tat. Wie könnte denn Gott, der die Wahrheit ist, die Unbekümmertheit, Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit derer billigen oder dulden, die sich um Fragen, von denen unser aller ewiges Heil abhängt, in keiner Weise, weder um die Erforschung und Erfassung der notwendigen Wahrheiten kümmern noch um die rechtmäßige Verehrung, die Gott allein gebührt!

11 Wenn man heute soviel Mühe und Fleiß aufbringt bei der Erlernung und Förderung menschlicher Wissenszweige, sodass unser Jahrhundert sich mit vollem Recht seines wundersamen Fortschritts auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Forschungen rühmt, warum sollten wir denn nicht denselben, ja noch größeren Fleiß und eifrigeres Geschick auf die sichere und feste Aneignung jener Kenntnisse verwenden, die nicht dieses irdische und vergängliche Leben, sondern das himmlische und unvergängliche betreffen? Nur dann, wenn wir zur Wahrheit gelangt sind, die aus dem Evangelium kommt und die in lebendige Tat umgesetzt werden muss, nur dann, sagen Wir, wird unser Herz in Frieden und Freude ruhig werden. Diese Freude übertrifft bei weitem jene, die ihren Ursprung in den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschungen und in den heute von uns ausgenützten wundersamen Erfindungen haben kann, welche durch die Tagesmeldungen bis in den Himmel erhoben werden.

(Fortsetzung)

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Quelle: Kathpedia