Das II. Vatikanisches Konzil als Auftrag an Schönstatt

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Jubiläumsmotiv 2015 der Schönstatt-Bewegung in Deutschland (Grafik: Kiess)

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Schönstatt-Bewegung!

Vor einem Jahr [2014] standen wir in Schönstatt kurz vor der Feier des 100. Jubiläums. Die Spannung stieg täglich, bis schließlich die Feiern in Schönstatt und Rom unsere Hoffnungen und Erwartungen mehr als erfüllten. In diesem Jahr dürfen wir weit stiller und besinnlicher andere wichtige Ereignisse unserer Geschichte wahrnehmen und nachbetrachten. Es jährt sich zum 50. Mal die Rückkehr Pater Kentenichs aus dem Exil. So fallen der Beginn seines Wirkens für die Schönstatt-Bewegung und seine letzte Schaffensphase im erinnernden Gedenken zusammen.

Am 17. September 1965 kam Pater Josef Kentenich nach 14 Jahren Verbannung aus seinem Exil in Milwaukee zurück nach Europa. Seine Rückkehr war die prompte Antwort auf die Bitte um seine Heimkehr, die sich mit der Einweihung des „Heiligtums der Einheit“ in Cambrai (Frankreich) verband. Ein Telegramm am Tag nach der Einweihung veranlasste ihn, seinen Koffer zu packen und sofort aus den USA nach Rom zu reisen. Dort wusste niemand etwas von dem Telegramm. Beim gerade stattfindenden II. Vatikanischen Konzil gab es Bemühungen um seine Rehabilitierung, die durch seine überraschende Rückkehr mehr belastet als gefördert wurden. Dennoch gelang es, dass er am 22. Oktober durch Papst Paul VI. rehabilitiert wurde und schließlich am Heiligen Abend 1965 wieder nach Schönstatt zurückkehren konnte.

II. Vatikanisches Konzil als Auftrag an Schönstatt

Kurz nach Ende des Konzils am 22.12.1965 hatte Pater Kentenich die Gelegenheit einer besonderen Audienz bei Papst Paul VI. Dieser drückte Anerkennung und Wohlwollen für ihn und sein Werk aus. Pater Kentenich erinnert sich: „Ich stehe da und höre still zu. Wenn ich Ihnen aber etwas wiedergeben sollte, könnte ich verzweifelt wenig sagen. Wissen Sie, weshalb? Es war eine einzige Lobrede.“1 Dann antwortete er dem Heiligen Vater: „Ich verspreche dem Papst im Namen der ganzen Familie, mich mit der Familie dafür einzusetzen, dass die postkonziliare Sendung der Kirche möglichst vollkommen verwirklicht würde. […] unter dem Schutze der Gottesmutter als Mutter der Kirche.“2 Das II. Vatikanische Konzil, das in der jüngeren Kirchengeschichte das einschneidendste Ereignis war, ist auch in der Schönstatt-Geschichte zu einem Wendepunkt und Neuanfang geworden. Wo es bisher Argwohn und Verdächtigungen gab, war nun Wohlwollen, Anerkennung und Freundschaft zu spüren.

50 Jahre nach dem Konzil wird diskutiert, was das Konzil gebracht und ob es sein Ziel erreicht habe. Wir erleben in den Jahrzehnten seit dem Konzil einen starken Rückgang der traditionellen Glaubenspraxis und eine Welle von Kirchenaustritten. Daraus schließen die einen, dass die Reformen verkehrt waren und zu stark mit der Tradition gebrochen hätten. Andere meinen, dass die Reformen nicht weit genug gegangen seien. Gemeinsam ist beiden die Sorge um die Zukunft der Kirche und die Weitergabe des Glaubens. Wie widersprüchlich man die Dinge sehen kann!

Ein geistlicher Dialog

Um richtig zu verstehen und zu deuten, glaube ich, ist es nötig, alle Stimmen zu hören. Im Dialog, im Aufeinander-Hören, können Menschen mit ihrer Sichtweise ihren Teil der Wahrheit zum Ganzen beitragen, sich gegenseitig ergänzen und korrigieren. Die Gemeinschaft der Gläubigen, – die Kirche als in Christus geeinte geistliche Wirklichkeit -, wird vom Heiligen Geist gelenkt. Die Suche nach Gottes Plänen für uns heute braucht Gebet, Einheit und Austausch. Erzbischof Robert Zollitsch hat 2010 zu einem Dialogprozess in der deutschen Kirche aufgerufen, der in den Jahren 2011 bis 2015 stattfand und in diesem Monat in Würzburg zu Ende gekommen ist. Es ging um eine Standortbestimmung 50 Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil. Durch die Pfingstnovene, die zu Tausenden verbreitet wurde, haben wir diesen Gesprächsprozess im Gebet unterstützt. Gewiss bleibt die Frage, wie viel Wirkung diese Initiative hat, die in der eigenen kirchlichen Öffentlichkeit wenig ins Bewusstsein gekommen ist. Stattdessen prägen Schlagzeilen über Skandale einerseits wie auch positiv wahrgenommene Ereignisse in der Weltkirche um Papst Franziskus andererseits das Klima.

Viele Christen sind mit einem solchen geistlichen Dialogprozess nicht vertraut. Wir sind Sachdiskussionen oder rein fromme Andachten gewohnt. Für kirchliche Gremien ist es oft schon viel, wenn sie ein Gebet am Anfang einer Sitzung sprechen. Man arbeitet so, wie es im Beruf gefordert ist: planen, organisieren, diskutieren, machen … Dass man all das tun kann (und muss) und gleichzeitig auf eine tiefere geistliche Ebene kommen könnte, ist vielen fremd. Aber wie anders können wir darauf vertrauen, dass es Jesus Christus ist, der die Kirche führt, und nicht allein wir Menschen?

Vermutlich sind noch Jahrzehnte abzuwarten, bis eine Mehrheit in Übereinstimmung sagen wird, dass das Konzil ein notwendiges und zukunftsweisendes Ereignis war. Ich persönlich glaube daran. Ich sehe die jetzige Situation der Kirche als Folge einer Entwicklung, die lange vor dem Konzil begonnen hat. Es ist nicht Ursache einer Misere, sondern der Beginn einer Antwort, die noch lange nicht voll gegriffen hat. Pater Kentenich sieht sich und Schönstatt vom II. Vatikanischen Konzil bestätigt. Nach dem Konzil hat es die Kirche leichter, Schönstatt anzuerkennen. Kardinal Bea3 , der sich sehr für Pater Kentenich eingesetzt hatte, sagte zu ihm: „Ohne das Konzil wären Sie nie verstanden worden“.4

Die „Stimme“ Schönstatts in der Kirche

Auch in der Schönstattfamilie finden sich verschiedene kirchliche Positionen. Das führt notwendigerweise zu Spannungen. Pater Kentenich konnte so mit Spannungen umgehen, dass sie schöpferisch wurden. Was sagt Schönstatt zu dieser oder jener Frage? Wo ist unser Platz im Spektrum der Kirche? Wir brauchen die Fähigkeit, gemeinsam Antworten zu finden als Frucht eines Dialogs, der Spannungen aushält und schöpferisch wird. Das gelingt, wenn wir rückgebunden bleiben an Jesus Christus, um Seinen Geist bitten und im Liebesbündnis geeint sind.

Die Kirche braucht Schönstatt, das haben wir beim Jubiläum immer wieder gehört. Die Kirche braucht unsere Pädagogik; sie braucht unsere Sicht des Menschen; sie braucht unsere heiligen Orte. Sie braucht unser Apostolat, unsere missionarischen Einsätze, unsere Werke. Sie braucht unser Kirchenbild und unsere Vision. Sie braucht aber vor allem das gelebte Liebesbündnis; sie braucht uns als Familie, die das lebt und schenkt, wofür sie steht.

Im September gedenken wir auch des Heimgangs von Pater Kentenich am 15.9.1968. Auf seinem Sarkophag steht „Dilexit Ecclesiam – Er liebte die Kirche“.

Ich wünsche Ihnen viel Segen zum Bündnistag und die Zuversicht, dass Gott seine Kirche auch heute in die Zukunft führt!

P. Lothar Herter

Schönstatt–Bewegung Deutschland

1 Vortrag in Münster am 3. Januar 1966.
2 Ebd.
3 Augustin Kardinal Bea SJ (1881-1968) war ein Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche.
4 Zum Kirchenbild Pater Kentenichs:  Peter Wolf (Hrsg.), Erneuerte Kirche in der Sicht Josef Kentenichs. Ausgewählte Texte, Patris­ Verlag, Vallendar­ Schönstatt.

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Quelle

Erzbischof Annibale Bugnini C.M. – Pionier der Liturgiereform [1]

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Einleitung

In seinem Rückblick auf die erste Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils aus dem Jahre 1963 schreibt Professor Joseph Ratzinger, dass zwei Faktoren gleichsam den Durchbruch beim Konzil ermöglicht hätten: zunächst einmal die Tatsache, dass sich die Konzilsväter als eine “eigene Größe mit eigener Verantwortung entdeckt“ hätten und dann, dass „mit dem Liturgieschema anstelle des alten Anti, der Negation, eine neue positive Möglichkeit vor ihnen aufgetaucht“ war, „die Möglichkeit, aus der Defensive heraus zu kommen und christlich offensiv zu werden, positiv zu denken und zu handeln“2. Das Liturgieschema war bekanntlich das einzige vorbereitete Arbeitsdokument, das von den Konzilsteilnehmern angenommen wurde. Die Vorarbeiten dieses Schemas gehen auf die Liturgiereformkommission Pius XII. zurück, der mit seiner Enzyklika Mediator Dei im Jahre 1947 der Liturgischen Bewegung des 20. Jahrhunderts mit ihrer pastoralen Ausrichtung ihre höchstamtliche Anerkennung gegeben hatte.3 Am 28. Mai 1948 wurde die oben genannte Kommission ernannt, die dann bis zum 8. Juli 1960 82 Sitzungen abhalten wird. Mitglied und Sekretär dieser Kommission war der Lazarist (Vinzentiner) Annibale Bugnini.4 Er wird in der Folge bis 1962 auch Sekretär der Liturgischen Vorbereitungskommision des 2.Vatikanischen Konzils und dann ab 1964 Sekretär des von Papst Paul VI. eingesetzten Consiliums zur Durchführung der Liturgiekonstitution, deren Aufgabe v. a. in der Erarbeitung erneuerter liturgischer Bücher bestand. Weltweit tragen alle liturgischen Bücher, die in der Folge bis 1975 erschienen sind, auf der Seite der römischen Approbation Bugninis Namen. In jenem Jahr musste er dann auf eine für ihn sehr schmerzliche Weise seine liturgische Aktivität beenden und er wurde zum Nuntius ernannt, wohl gemäß dem alten römischen Ausspruch „Promoveatur ut amoveatur“5.

Nach seinem Tod am 3. Juli 1982 in einer römischen Klinik ist Bugnini allgemein in Vergessenheit geraten, bzw. in erster Linie von den Gegnern der Liturgiereform weiterhin mit nie bewiesenen Vorwürfen bedacht worden.

Die Liturgiereform des 20. Jahrhunderts, die insgesamt in der Weltkirche positiv aufgenommen worden ist, die aber auch eine Reihe bisher noch nicht gelöster Konflikte

1 Vortrag von Alexander Jernej CM bei der Megvis-Tagung 2013 in Untermarchtal.
2 Vgl. Joseph Ratzinger, Die erste Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils [Broschiert], Verlag: Bachem (1963), 41 f. Zitiert nach Herder Korrespondenz Spezial, Oktober 2012, 42.1 Vortrag von Alexander Jernej CM bei der Megvis-Tagung 2013 in Untermarchtal.
3 Vgl. Karl Rahner, Herbert Vorgrimmler, Kleines Konzilskompendium, 35. Aufl., Herder 2008, 37.
4 Vgl. Annibale Bugnini, La riforma liturgica (1948-1975), Nuova Edizione, Edizioni Liturgiche, Roma 1997, 24, 25.
5 Er möge befördert werden, um ihn loszuwerden.

gebracht hat,6 ist zutiefst mit dem Vinzentiner Annibale Bugnini verbunden, der „alles, was er in der Kirche und für die Kirche getan hat, als Priester der Mission getan hat“7.

Wer war Annibale Bugnini?  Zunächst ein paar

 

Biographische Daten [8]

Annibale Bugnini wurde am 14. Juni 1912 in Civitella de’ Pazzi (heute Civitella del Lago) in Umbrien geboren. Nach der Grundschule wurde er in das Kleine Seminar der Vinzentiner in Rom aufgenommen. Er besuchte die Schule des Päpstlichen Kleinen Seminars im Vatikan und wurde am 5. Oktober 1928 in das Innerere Seminar (Noviziat) der Vinzentinerprovinz von Rom im Collegio Leoniano aufgenommen. Zwei Jahre später legte er dort in der Gemeinschaft die Ewigen Gelübde ab. Es folgten drei Jahre Philisopiestudium im Collegio Alberoni in Piacenza, anschließend Studium der Theologie am Angelikum der Dominikaner in Rom, das er mit dem Doktorat zum Thema „Die Liturgie zur Zeit des Tridentinischen Konzils“9 abschloss.

Am 26. Juli 1936 wurde er von seinem Mitbruder Bischof Alcide Marina C.M. zum Priester geweiht. Dieser war in Piacenza bereits sein Hausoberer und später in Rom sein Provinzial gewesen. Jetzt war er vor kurzem zum Nuntius im Iran ernannt worden.

Während seines Doktoratsstudiums arbeitete Bugnini einige Jahre als Seelsorger am Stadtrand von Rom. Der Kontakt mit den Menschen, besonders den Kindern weckte in ihm das Verlangen eine fruchtbarere Mitfeier der Hl. Messe durch die Gläubigen zu fördern.

1939 wurde auf Wunsch der zuständigen vatikanischen Stellen im Collegio Leoniano ein Konvikt für Priester eröffnet, die in Rom ihren Studien nachgingen. Bugnini wurde dessen erster Direktor. Viele seiner Convittori wurden später Bischöfe und hohe Mitarbeiter der vatikanischen Kurie.10 Während des Krieges studierte der junge Direktor des Konviktes selbst nebenher christliche Archeologie, im besonderen interessierte er sich für das Studium der Quellen der Liturgie, ein Gebiet auf dem er es schließlich zur Meisterschaft bringen sollte.

Seit 1946 war Bugnini auch Schriftleiter der international anerkannten liturgischen Zeitschrift Ephemerides liturgicae, die er allerdings nach dem Krieg erst wieder neu in Schwung bringen musste. Er unternimmt Reisen zu liturgischen Zentren in Belgien, Frankreich und Spanien, er startet nach Rücksprache mit dem Sekretär der Ritenkongregation eine detailierte Umfrage unter etwa hundert internationalen

6 Vgl. Benedikt Kranemann, In die Zeit gesetzt, Diskussionen um die Liturgiereform, in: Herder Korrespondenz Spezial, Oktober 2012, 31.
7 Nicola Albanesi, C.M., Prefazione, in: Annibale Bugnini, C.M., Memorie autobiografiche, Edizioni Liturgiche, Roma 2012, 6.6 Vgl. Benedikt Kranemann, In die Zeit gesetzt, Diskussionen um die Liturgiereform, in: Herder Korrespondenz Spezial, Oktober 2012, 31.
8 Vgl. die Kurzbiographie über Mons. Annibale Bugnini von Erzbischof von G.F. Rossi C.M. auf der Homepage der römischen Provinz der Vinzentiner: http://www.cmroma.it/index.php?option=com_content&view=article&id=78:mons-bugnini-annibale-1912-1983&catid=28&Itemid=189
9 De liturgia eiusque momento in Concilio Tridentino.
10 Vgl. Bugnini, Memorie, 42f.

Liturgieexperten über deren Vorstellungen einer Gesamtreform der Liturgie.11 Die eingetroffenen 40 Antworten wird er zu Artikeln verarbeiten und veröffentlichen. Bugnini war auch daran gelegen, die liturgiewissenschaftlichen Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er begründete daher wissenschaftliche Reihen und betätigte sich als deren Verleger. Ebenso machte er es mit liturgischen Handreichungen für die Gläubigen. Er selbst schrieb ein kleines Büchlein „Unsere Messe“12, das mehrfach übersetzt und verlegt wurde und eine Gesamtauflage von einer Million Exemplaren erreichte.

1948 wurde Bugnini, wie bereits oben erwähnt, zum Sekretär der von Pius XII. einberufenen Kommission für die Liturgiereform ernannt.13  „Die Erneuerung der Osternachtfeier (1951) und der übrigen Feiern der Heiligen Woche (1955), der Rubrikenkodex (1960) und die letzten „Editiones Typicae“ der vorkonziliaren liturgischen Bücher (1962) Missale, Brevier, Pontificale – waren dieser Kommission anvertraut.“14 Bereits in dieser Funktion wurde Bugnini von einem Kardinal einmal öffentlich ein „Bilderstürmer“, ein Progressist genannt.15 Derselbe Kardinal sollte dann für sein sog. „Erstes Exil“ während des II. Vatikanischen Konzils verantwortlich sein.16

Ab 1948 lehrte Bugnini auch als Professor für Liturgik an verschiedenen päpstlichen Hochschulen. Am längsten, bis 1967 verblieb er an der Urbaniana.

Am 11. Juli 1960 wurde Bugnini zum Sekretär der international besetzten Liturgischen Vorbereitungskommission für das 2. Vatikanische Konzil bestellt. Diese ersetzte auch die viel kleinere von Pius XII eingesetzte Liturgiekommission. Dieser Vorbereitungskommission gelang es das bereits erwähnte Arbeitsdokument, Schema genannt, zu verfassen, das für das gesamte Konzil richtungweisend werden sollte. Am 16. Oktober 1962 wurde es von den Konzilsvätern angenommen und auf den ersten Tagesordnungspunkt gesetzt. Präsident der Liturgischen Kommission des Konzils wurde dann der konservativ eingestellte Kardinal Larraona, Präfekt der Ritenkongregation, der es durchsetzte, dass Bugnini als einziger Sekretär einer Vorbereitungskommission nicht Sekretär der entsprechen Konzilskommission wurde.17 Für ihn war Bugnini nicht nur ein Progressist, sondern auch übereifrig und übereilig18. Zur gleichen Zeit versuchte man auch die Tätigkeit Bugninis als Professor an den römischen Hochschulen zu beenden, was aber nur im Falle der Lateranuniversität gelang.19 Cardinal Bea schrieb ihm zum Trost am 2. November dieses Jahres: „Ich hoffe, Sie können diese Ihre fruchtbare Arbeit auch in Zukunft fortsetzen, trotz der schmerzlichen Ereignisse

11 Vgl. ebd. 49
12 La nostra messa. Dieses Büchlein ist leider vergriffen. Vgl. ebd. 50.11 Vgl. ebd. 49.
13 Ihr gehörte von Anfang an der österreichische Redemptorist P. Joseph Löw an, der als Mitarbeiter der Ritenkongregation bereits an den Vorarbeiten für diese Kommission beteiligt war. Vgl. Annibale Bugnini, La riforma liturgica (1948-1975), Nuova Edizione, Edizioni Liturgiche, Roma 1997, 23.
14 Reiner Kaczynski, Zum Gedächtnis an Erzbischof Bugnini CM, in: „Gottesdienst“ 1982 Nr. 14.
15 Vgl. A. Bugnini, Memorie, 73.
16 Vgl. Bugnini, La riforma liturgica, 44.
17 Ebd.
18 Troppo spinto. Vgl. Bugnini, Memorie, 73.
19 Vgl. Bugnini, Memorie, 58f., Bugnini, La riforma liturgica, 44 (Fußnote 5).

der letzten Wochen.“20 Bugnini arbeitete als einer von 26 Periti (Konzilstheologen) in der Liturgischen Kommission des Konzils. Am 21. Juni 1963 wurde während des Konzils ein neuer Papst gewählt: Paul VI. Am 4. Dezember dieses Jahres erfolgte dann die feierliche Schlussabstimmung der Konstitution „Sacrosanctum Concilium“, die zu einem großen Teil das vorbereitete Schema wiedergibt und die mit 2147 Ja- gegen 4 Nein-Stimmen angenommen worden ist. Kardinal Döpfner hat später einmal in einem Gespräch gemeint: „Ich bin überzeugt, dass wir die Liturgiekonstitution nicht bekommen hätten, wenn es P. Bugnini nicht gegeben hätte.“21  Prof. Reiner Kaczynski (Liturgiker in München) kommentiert diesen Ausspruch so: „Das sollte nicht heißen, dass alle guten Gedanken der Konstitution von ihm gekommen wären. Aber jedermann wusste: Um gute Ideen durchzusetzen, war jemand nötig, der nicht nur den Kontakt mit Wissenschaft und Seelsorge hatte, sondern auch in der Vatikanischen Verwaltung zu Hause war, der bereit war, auf seine Freunde und Kollegen aus Liturgiewissenschaft und Praxis zu hören und von ihnen zu lernen, der den nüchternen Blick für die Realität hatte und ein Gespür dafür, was durchsetzbar war und was nicht, der die Wege kannte, auf denen etwas zu erreichen war, und sich den Gegebenheiten anpassen konnte, ohne das Gesicht zu verlieren, der sich nicht entmutigen ließ, wenn von irgendwoher eine negative Antwort kam, sondern vielmehr sofort überlegte, wie man bei einem erneuten Anlauf zu einem positiven Ergebnis kommen konnte.“22 Diese außergewöhnliche Effizienz an zentraler Stelle im Bereich der Liturgiereform wird Bugnini schließlich im Zusammenhang mit seinem Zweiten Exil zur Zielscheibe größter Anfeindungen und Verleumdungen machen. (Vinzenz: effektive Liebe; Bugnini: effektive Liebe im Bereich der Liturgie! – seine Gegener hatten sicher affektive Liebe für Liturgie, aber nicht für Bugnini)

Noch im Dezember 1963 beauftragte Paul VI die Schaffung eines Gremiums zur Durchführung der Liturgiekonstitution. Das Sekretariat der Liturgischen Kommission des Konzils auf der einen und Kardinal Lercaro, ein Liturgist, auf der anderen Seite sollten jeweils einen Vorschlag bezüglich der Zusammensetzung und Wirkweise dieses Gremiums erarbeiten. Kardinal Lercaro lässt im Geheimen Bugnini einen solchen ausarbeiten. Dieser wird vom Papst angenommen und Bugnini selbst wird als Sekretär eingesetzt und beauftragt, das Consilium zur Durchführung der Liturgiekonstitution unter der Leitung von Kardinal Giacomo Lercaro zu organisieren. Bugnini machte sich nun erneut an die Arbeit und sah sich in seinen Rechten vollkommen rehabilitiert.23 Es galt die alten internationalen Kontakte in der liturgischen Fachwelt wieder herzustellen, die Kompetenzen des Consiliums innerhalb der römischen Kurie zu klären, die Arbeitsschritte zu entwerfen, die Arbeiten zu verteilen und zu koordinieren, etc. Aus dem Consilium wurde von 1969 bis 1975 die Kongregation für den Gottesdienst. Bugnini verblieb auch hier als Sekretär, während die Kardinäle als

20 Ebd. 74.
21 Vgl. Kaczynski, Gedächtnis.20 Ebd. 74.
22 Ebd.
23 Vgl. Bugnini, Memorie, 78; Bugnini, La riforma, 74f.

Präsidenten, bzw. Präfekten sich ablösten, bzw. zwischenzeitlich fehlten, sodass er vieles persönlich mit Papst Paul VI besprach, den er regelmäßig traf und zu dem er freien Zutritt hatte. Am 6. Januar 1972 wurde Bugnini zum Titularerzbischof ernannt und am 13. Februar 1972 von Papst Paul VI persönlich geweiht.

Die wahrnehmbaren Veränderungen im Bereich der Liturgie waren in dieser Zeit enorm. Der Vollzug der Liturgie in den Landessprachen, die Ausrichtung des Altares zur Gemeinde hin, sodass diese mit dem Priester um den Altar versammelt ist, die Neuordnung des Ritus und die Herausgabe neuer liturgischer Bücher, ein erneuerter liturgischer Kalender, etc. Aus der römischen Einheitsliturgie wurde eine römisch katholische mit neuen Kompetenzen für die Ortskirchen. Das neue Kirchenverständnis des II. Vatikanischen Konzils erlebte seine erste Belastungsprobe.

Am 14. Juli 1975 wurde Erbischof Bugnini ins Staatsekretariat gerufen und ihm mitgeteilt, dass er zum Nuntius in Uruguay ernannt worden ist und dass die Kongregation für den Gottesdienst mit der Kongregation für die Sakramente zusammengelegt wird. Bugnini ist schockiert, er überlegt und lehnt die neue Aufgabe wegen mangelnder Spanischkenntnisse ab. Ein halbes Jahr lebt er zurückgezogen, schreibt an den Papst, sucht eine Erklärung und findet keine andere als Intrigen in der Kurie, die offene Feindschaft des Präfekten der Glaubenskongregation (siehe unten) und die Verleumdungen von Gegnern der Liturgiereform, er wäre – neben vielen anderen in der Kurie – ein Freimaurer. Bei einer kurzen persönlichen Begegnung mit dem Papst, wagt er ihm keine großen Fragen zu stellen.

Er erkennt, dass Paul VI noch stärker bedrückt und am Boden war als er selbst.24 Bugnini macht sich nun an die Arbeit für sein Standartwerk La riforma liturgica, das er fast vollendet. Es wird erst 1981 veröffentlicht werden.25 Anfang Dezember 1975 wird ihm mitgeteilt, dass ein Posten frei wäre, der das Französische als Arbeitssprache erfordert. Der Papst bitte ihn diesen anzunehmen. Am 5. Janaur 1976 wird die Ernennung Erzbischof Bugninis zum Nuntius im Iran öffentlich bekannt gegeben. Am 3. Februar reist er ab. Er wird dort ab 1978 die islamische Revolution unter Chomeini miterleben. Das Wirken Bugninis als Nuntius im Iran, eine Tätigkeit, zu der er sich nicht berufen fühlte, die er aber zur größten Zufriedenheit aller, besonders Roms, mit großem persönlichen Einsatz ausführte,

wäre ein Thema für einen eigenen Vortrag. Jetzt geht es um den Pionier der Liturgiereform, der niemals wirklich erfahren hat, warum er sein Werk in diesem Bereich so jäh abbrechen musste. Sei Gewissen war rein. Vor seiner Abreise in den Iran verabschiedete er sich von seinen Freunden mit einem Rundbrief. Er schrieb darin: „Als Arbeiter des neuen Heiligtums, als treue Besteller des Ackers Gottes, zuweilen als unbekannte Soldaten des guten Kampfes (wenn auch nicht immer siegreich) haben wir mit großmütiger Hingabe, Freiheit des Geistes,

24 Vgl. Bugnini, Memorie, 81.
25 Es wurde u. a. auch ins Deutsche übersetzt:

redlichem Mut und promptem Gehorsam für die liturgische Erneuerung und die Verteidigung der erreichten Ziele gearbeitet.“26

 

Bugninis Vermächtnis

Prof. Balthasar Fischer aus Trier hielt im Oktober 1982 bei einer Gedenkfeier für den Verstorbenen im Collegio Leoniano der Vinzentiner in Rom eine Ansprache zum Thema Annibale Bugnini und die Zukunft der Kirche.27 Er sagte u. a.: „Wir alle, die wir ihn gekannt, geachtet und geliebt haben, sind Zeugen dafür, dass dieses siebzigjährige Leben von einer Leidenschaft erfüllt war, die ihn die übermenschliche Mühsal einer ungewöhnlichen täglichen Arbeitslast gelassen tragen ließ und die sich durch bösen Gegenwind, durch Verständnislosigkeit, ja durch Gehässigkeit nicht irremachen ließ: von der Leidenschaft für die Kirche.“28 … wir als liturgiewissenschaftliche Experten aus den Kirchen der Peripherie haben in all den Jahren der Zusammenarbeit …[von den 50-er Jahren an] „mit wachsender Genugtuung gespürt, wie hier ein italienischer Kollege, der unter weniger günstigen Vorausetzungen angetreten war als wir, bereit war, unsere Zukunftsvorstellungen von der Liturgie ernstzunehmen: er hatte in erstaunlichem Maß die in unserem Beruf seltene Tugend, dass er zuhören konnte und immer wieder zu lernen und umzulernen bereit war. … Niemand fand ein offeneres Ohr bei ihm als die Bischöfe von der Peripherie, die ihn bei ihrem Besuch ad limina in Rom aufsuchten und von den Erfolgen aber auch den Misserfolgen der Liturgiereform an der Basis berichteten.“29 Bugninis Haltung gegenüber den Lokalkirchen, die Peripherie, von der er so oft sprach – finden wir in zwei seiner Aussprüche bestens zusammengefasst: „Häufig muss die Autorität reagieren, indem sie Missbräuchen vorbeugt und sie nicht erst nachträglich unterdrückt. Was objektiv nicht zu beanstanden ist, das wird eine gute Regierung nicht von vornherein verbieten oder behindern, sondern sie wird den Bischöfen die Möglichkeit geben, es nach sachlichen und menschlichen Gegebenheiten zu

ordnen.“ Und weiters: „Gilt etwa das Urteil, das aus der Ferne, am grünen Tisch entstanden ist, mehr als das einer verantwortungsbewussten Bischofskonferenz, die um das ihr anvertraute Volk besorgt ist? Ich meine, es wird unsere Aufgabe sein, umsichtig, Fall für Fall, zu prüfen und dann mit brüderlichem Verständnis und Liebe mehr nach dem Geist als

26 Bugnini, Memorie, 83.
27 Ansprache bei der Gedenkfeier für den am 3. 7. 1982 verstorbenen Erzbischof Annibale Bugnini, die am 20. 10. 1982 im Collegio Leoniano der Vinzentiner in Rom in italienischer Sprache gehalten wurde. Der deutsche Text ist veröffentlicht unter: Fischer B., Annibale Bugnini (1912-1982) und die Zukunft der Kirche, in: Liturgisches Jahrbuch Münster, 1983, vol. 33, no2, S 69-75.
28 Ebd. 69.
29 Ebd. 70.

nach dem Buchstaben des Gesetzes den Willen, den die Lokalkirchen durch ihre Hirten zum Ausdruck bringen, zu unterstützen.“30

Prof. Fischer verwies in seiner Ansprache auf zwei Projekte, an denen er persönlich beteiligt war, auf die Erarbeitung der neuen Richtlinien für das Erwachsenenkatechumenat und des Direktoriums für Kindermessen und der neuen Kinderhochgebete. Er sagte: „Man muss es schon bewundernswert nennen, wie dieser Mann, der nie in seinem Leben mit Katechumenen und wohl auch kaum mit Kindern seelsorglich zu tun hatte, sich die an ihn herangetragenen Wünsche nach einer Reform der Eingliederung in die Kirche und nach einer kindgemäßen Messfeier zu eigen gemacht und sie gegen alle Widerstände durchgehalten hat, bis jene Ordnungen da waren, die die Genehmigung aller zuständigen Dikasterien und zuletzt des Papstes erhalten hatten.“31

Für so manche, auch Kardinäle, war das nicht mehr Liturgiereform, sondern Liturgiezerstörung. Dazu kamen Klagen über liturgische Missbräuche, die in dieser Zeit nicht selten waren.

In den Auseinandersetzungen zwischen der holländischen Bischofskonferenz und Rom Anfang der 70-er Jahre auch in liturgischen Fragen hat sich Bugnini aber immer für eine moderate Linie ausgesprochen, er hat sie als päpstlicher Gesandter für liturgische Fragen auch praktiziert und geriet damit in krassem Gegensatz zur Ritenkongregation und besonders zur Glaubenskongregation.32

Immer wieder wurden und werden Bugnini Eigenmächtigkeiten in seinem Handeln im Bereich der Liturgiereform vorgeworfen. Kardinal Ratzinger hat in einem Brief an P. Pasqualetti IMC, noch am 3. Januar 2003 geschrieben: „Ich kann den Namen eines Liturgieprofessors nennen, der sich damit rühmt wie sie [wohl gemeint: Bugnini und seine Mitarbeiter] es verstanden haben, den Papst bei der Ausführung der Reform zu hintergehen.“ Unterstellt wird u.a., dass im Messbuch von 1970 Eigenmächtigkeiten Bugninis vorhanden wären, die im Detail nicht dem Willen Pauls VI entsprechen würden. Es ist hier allerdings immer bei allgemeinen Anschuldigungen geblieben, es wurden nie konkrete Beweise erbracht. Bugnini selbst war immer bereit, ja bestrebt alle Fragen zu beantworten. Er hatte dazu nie Gelegenheit, was ihn sehr bedrückte. Dennoch hat er seinen inneren Frieden mit der ganzen Angelegenheit geschlossen. Er war überzeugt, dass seine Gegner in gutem Glauben

gehandelt haben, und hoffte, dass sie sich gemeinsam im Paradies darüber unterhalten werden.33

Prof . Fischer hat seine Ansprache bei der Gedenkfeier für den verstorbenen Pionier der Liturgiereform, Erzbischof Bugnini, mit den Worten beendet: „Einer seiner engsten langjährigen Mitarbeiter hat in der Festschrift, die zu unser aller Schmerz nach Gottes Willen

30 Ebd. 71 (Fn 1 und 2).
31 Ebd. 72.
32 Vgl. Bugnini, Memorie, 86-87, Fn 12.
33 Vgl. ebd. 8.

eine Gedenkschrift geworden ist, Leben und Werk des Mannes, den er aus nächster Nähe und täglicher Zusammenarbeit kannte, in das wunderbare Sätzchen zusammengefaßt:

Amo e servi la Chiesa. Ich möchte am Ende meiner Ausführungen und als ihr Ergebnis ein kleines Wörtchen hinzufügen: Amo e servi la Chiesa e il suo futuro.

Dafür gebührt ihm die Dankbarkeit dieser seiner Kirche über das Grab hinaus.“34

34 Fischer, 75. Deutsche Übersetzung der zwei kurzen Sätze: Er liebte und diente der Kirche bzw. Er liebte und diente der Kirche und ihrer Zukunft.

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Quelle

Der authentische und unversehrte Glaube als Fundament eines wahrhaft christlichen Lebens

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PAPST PAUL VI.

Ansprache bei der Generalaudienz am 30. Oktober 1968

Das »Credo des Gottesvolkes«

Geliebte Söhne und Töchter!

Anlässlich des Christkönigsfestes, das wir am vergangenen Sonntag gefeiert haben, ist in vielen Kirchen der Welt das Glaubensbe­kenntnis gesprochen worden, das Wir selbst am 30. Juni auf dem Petersplatz zum Ab­schluss des Gedenkens an das Martyrium der heiligen Apostel Petrus und Paulus vor­getragen haben, das als »Jahr des Glaubens« gefeiert und nun beendet wurde mit diesem Unserem feierlichen Glaubensbekenntnis, das den Namen »Credo des Gottesvolkes« bekommen hat. Ihr erinnert euch: Es ist eine – mit ausdrücklicher Bezugnahme auf einige Punkte der Lehre erweiterte – Wiederholung des Glaubensbekenntnisses von Nizäa, das, wie ihr wisst, die berühmte Formel des Glaubens ist, die auf dem ersten ökumenischen Konzil, nämlich dem von Nizäa (im Jahre 325, wenige Jahre nach der Anerkennung der Freiheit der Kirche durch das Edikt Konstantins aus dem Jahre 313) beschlossen wurde – eine Formel, die sich in lateinischer Sprache verbreitet hat, vor allem durch die Übersetzung des Hilarius von Poitiers (vgl. De Synodis 84, PL 10, 536) und die in der Substanz auch von uns noch in der heiligen Messe wiederholt wird, zu der nach dem Messformular das Sprechen des Credos gehört.

Der Anfang des Heils des Menschen

Als kurze Zusammenfassung der hauptsächlichen Wahrheiten, die von der katholischen Kirche, der lateinischen wie der orthodoxen, geglaubt werden, hat dieses Credo die Maßgeblichkeit eines offiziellen Bekenntnisses unseres Glaubens angenommen. Zu dem objektiven lehrhaften Wert ist dadurch, wie es offensichtlich ist, der subjektive Wert unserer persönlichen und gemeinschaftlichen Zustimmung zu eben diesen Wahrheiten hinzugekommen, welche die Kirche als von der Offenbarung abgeleitet ansieht. Und daher kann das Credo mit entscheidender Autorität und mit stärkender Kraft in das Durcheinander unseres verwirrten und beunruhigten Gewissens eintreten, um in die fundamentalen Punkte Licht und Ordnung hineinzubringen im Hinblick auf die religiösen Fragen, die die wichtigsten und schwierigsten Fragen in unserem Leben sind. Es ist daher notwendig, beim Sprechen des Credos das Zusammentreffen des objektiven Glaubens (der zu glaubenden Wahrheiten) mit dem subjektiven Glauben (dem tugendhaften Akt der Zustimmung zu diesen Wahrheiten) stets zu vergegenwärtigen.

Weshalb haben Wir die Aufmerksamkeit der Kirche auf diesen doppelten Aspekt des Glaubensbekenntnisses gezogen? Wie ihr wisst, sind es zwei Gründe. Der erste Grund: Weil der Glaube, wie das Konzil von Trient mit skrupulöser Treue den Gedanken des heiligen Paulus (vgl. Röm 3,21-28) wiedergab, sagt: Fides est humanae salutis initium, fundamentum et radix omnis iustificationis (Sessio VI., Dekret zur Rechtfertigung, Kap. 8). Der Glaube ist der Beginn des Heils des Menschen, das Fundament und die Wurzel jeder Rechtfertigung –, das heißt unserer Wiedergeburt in Christus, unserer Erlösung und unseres gegenwärtigen und ewigen Heils. »Ohne Glauben aber ist es unmöglich, Gott zu gefallen« (Hebr 11,6).

Der Glaube ist unsere erste Pflicht. Der Glaube ist für uns eine Lebensfrage. Der Glaube ist das unersetzbare Prinzip des Christentums. Er ist das Zentrum der Einheit. Er ist der fundamentale Daseinsgrund unserer Religion.

Und der zweite Grund ist dieser: weil heute – im Gegensatz zu dem, was zusammen mit dem Fortschritt des Menschen ge­schehen müsste – der Glaube (oder sagen wir die Zustimmung zum Glauben) schwieriger geworden ist. In philosophischer Hinsicht: Wegen der zunehmenden Infragestellung der Gesetze des spekulativen Denkens, der natürlichen Rationalität, der Gültigkeit der menschlichen Gewissheiten; der Zweifel, des Agnostizismus, des Sophismus, des beden­kenlosen Auftretens des Absurden, der Ab­lehnung der Logik und der Metaphysik usw. wird der Geist des modernen Menschen er­schüttert. Wenn das Denken in seinen inne­ren rationalen Erfordernissen nicht mehr res­pektiert wird, dann leidet darunter auch der Glaube – der, daran wollen Wir hier erin­nern, auf die Vernunft angewiesen ist; er übersteigt sie, aber er ist auf sie angewiesen. Der Glaube ist kein Fideismus, das heißt ein Glaube ohne vernünftige Grundlagen. Er ist auch nicht nur ein unbestimmtes Suchen nach irgendeiner religiösen Erfahrung: Er ist der Besitz der Wahrheit, er ist Gewiss­heit. »Wenn aber dein Auge krank ist«, sagt Jesus, »dann wird dein ganzer Körper finster sein« (Mt 6,23).

Irrwege und Irrtümer unserer Zeit

Wir können leider hinzufügen: Der Glaubensakt ist heute auch psychologisch schwieriger geworden. Heute erkennt der Mensch vor allem auf dem Weg über die Sinne: Man spricht von einer Kultur des Bildes. Jede Erkenntnis wird in Darstellungen und Zeichen übersetzt. Die Wirklichkeit wird an dem gemessen, was man sieht und was man hört. Der Glaube dagegen erfordert den Gebrauch des Geistes, der sich einer Sphäre von Wirklichkeiten zuwendet, die sich der sinnenhaften Beobachtung entziehen. Und Wir stellen ferner fest, dass die Schwierigkeiten sich auch aus den philologischen, exegetischen, historischen Studien ergeben, die auf jene erste Quelle der offenbarten Wahrheit angewandt werden, welche die Heilige Schrift ist: Ohne die Ergänzung, die von der Tradition und dem autoritativen Beistand des kirchlichen Lehramts ausgeht, ist auch das Studium der Bibel allein voller Zweifel und Probleme, die den Glauben eher verwirren als stärken. Es wird der individuellen Initiative überlassen, es bringt einen solchen Pluralismus der Meinungen hervor, dass der Glaube in seiner subjektiven Gewissheit erschüttert und dass ihm seine gesellschaftliche Maßgeblichkeit genommen wird. So erzeugt ein solcher Glaube Hindernisse für die Einheit der Gläubigen, während der Glaube doch die Grundlage der ideellen und spirituellen Gemeinsamkeit sein soll: Der Glaube ist einer (vgl. Eph 4,5).

Wir sprechen darüber mit Schmerz, aber es ist so, auch deswegen, weil die Heilmittel, die man von so vielen Seiten für die modernen Krisen des Glaubens beizubringen versucht, oft trügerisch sind. Es gibt einige, die, um dem Inhalt des Glaubens Glaubwürdigkeit zurückzugeben, diesen auf einige grundlegende Sätze reduzieren, von denen sie glauben, sie seien der authentische Sinn der Quellen des Christentums und der Heiligen Schrift selbst.

Es ist überflüssig zu sagen, wie willkürlich – auch wenn sie sich mit dem Schein der Wissenschaftlichkeit umgibt – und wie verderblich eine solche Vorgehensweise ist. Und es gibt andere, die mit Kriterien eines bestürzenden Empirismus sich anmaßen, eine Auswahl unter den vielen Wahrheiten zu treffen, die von unserem Credo gelehrt werden, um dann diejenigen zurückzuweisen, die nicht gefallen, und einige aufrechtzuerhalten, die für gefälliger gehalten werden. Und dann gibt es einige, die die Lehren des Glaubens der modernen Mentalität anzupassen versuchen und dabei oft diese Mentalität, sei sie profan oder spiritualistisch, zur Methode und zum Maß des religiösen Denkens machen. Das Bemühen – das an sich durchaus Lob und Verständnis verdient – vonseiten dieses Systems, die Wahrheiten des Glaubens in Begriffen auszudrücken, die der Sprache und der Mentalität unserer Zeit zugänglich sind, ist manchmal dem Wunsch nach einem leichteren Erfolg gewichen, aus dem heraus gewisse »schwierige Dogmen« verschwiegen, abgemildert oder verfälscht werden. Ein gefährlicher, wenn auch gebotener Versuch – und einer wohlwol­lenden Aufnahme nur dann würdig, wenn er bei der zugänglicheren Darbietung der Lehre dieser ihre echte Integrität bewahrt. »Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein«, sagt der Herr (Mt 5,37; Jak 5,12), und schließt so jede künstli­che Mehrdeutigkeit aus.

Das wunderbare Geschenk bewahren
und leben

Diese dramatische Situation des Glaubens in unseren Tagen lässt Uns an den weisen Aus­spruch des Konzils denken: »Die heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche sind gemäß dem weisen Ratschluss Gottes so miteinander verknüpft und einander zugesellt, dass keines ohne die anderen besteht« (Dogmatische Konstitution Dei Verbum 10). So ist es – was den objektiven Glauben betrifft, das heißt wenn es darum geht, genau zu wissen, was wir glauben sollen. Aber was den subjektiven Glauben betrifft, was werden wir tun, nachdem wir ehrlich und beharrlich zugehört, studiert, meditiert haben? Werden wir den Glauben haben?

Wir können mit einem Ja antworten, aber müssen dabei immer einen fundamentalen und in gewisser Weise furchtbaren Aspekt des Problems berücksichtigen, nämlich dass der Glaube eine Gnade ist. »Doch nicht alle«, sagt der heilige Paulus, »sind dem Evangelium gehorsam geworden« (Röm 10,16). Und dann, was wird mit uns sein? Werden wir unter den Glücklichen sein, die die Gnade des Glaubens erhalten werden? Ja, antworten Wir. Aber er ist ein Geschenk, das man wertschätzen muss, das man hüten muss, über das man sich freuen muss, das man im Leben umsetzen muss. Und einstweilen muss man es durch das Gebet erflehen, wie der Mann im Evangelium: »Ich glaube, [Herr], hilf meinem Unglauben!« (Mk 9,24).

Wir wollen beten, geliebte Kinder, zum Beispiel so:

Gebet des Papstes um
Stärkung des Glaubens

Herr, ich glaube; ich will an Dich glauben.

O Herr, gib, dass mein Glaube vollkommen sei, ohne Vorbehalte, und dass er mein Denken durchdringe, meine Weise, die göttlichen und die menschlichen Dinge zu beurteilen.

O Herr, gib, dass mein Glaube frei sei, dass er also die persönliche Mitwirkung meiner Zustimmung habe, dass er den Verzicht und die Pflichten annehme, die er mit sich bringt, und dass er das Beste meiner Persönlichkeit zum Ausdruck bringe: Ich glaube an Dich, Herr.

O Herr, gib, dass mein Glaube gewiss sei, gewiss aufgrund der Übereinstimmung der Beweise außen und aufgrund des Zeugnisses des Heiligen Geistes innen, gewiss durch ein Licht, das uns Sicherheit gebe, durch eine Lösung, die uns Frieden verschaffe, durch ein Annehmen, das uns Ruhe bringe.

O Herr, gib, dass mein Glaube stark sei, dass er die Widrigkeiten der Probleme nicht fürchte, von denen unser nach Licht dürstendes Leben voll ist, und dass er den Widerstand derjenigen nicht fürchte, die ihn bestreiten, bekämpfen, ablehnen, negieren, sondern dass er sich durch den Beweis Deiner Wahrheit im Innersten festige, dass er der mühevollen Herausforderung der Kritik widerstehe und sich in der fortwährenden Bejahung kräftige, welche die dialektischen und spirituellen Schwierigkeiten überwindet, in denen sich unsere zeitliche Existenz vollzieht.

O Herr, gib, dass mein Glaube froh sei und meinem Geist Frieden und Freude gebe und dass er ihn zum Gebet zu Gott und zum Gespräch mit den Menschen befähige, sodass in das heilige und das profane Gespräch die innere Seligkeit seines glücklichen Besitzes hineinstrahle.

O Herr, gib, dass mein Glaube wirksam sei und der Liebe die Gründe gebe für sein moralisches Sichausbreiten, sodass er wahre Freundschaft mit Dir sei und in den Werken, im Leiden, in der Erwartung der endgültigen Offenbarung eine fortwährende Suche nach Dir, ein fortwährendes Zeugnis von Dir, eine fortwährende Nahrung für die Hoffnung sei.

O Herr, gib, dass mein Glaube demütig sei und sich nicht anmaße, sich auf die Erfahrung meines Denkens und meines Empfindens zu gründen, sondern dass er sich dem Zeugnis des Heiligen Geistes ergebe und dass er keine bessere Garantie als in der Folgsamkeit gegenüber der Tradition und der Autorität des Lehramtes der heiligen Kirche habe. Amen.

So soll nun, auch für Uns und für euch alle, das »Jahr des Glaubens« abgeschlossen werden mit Unserem Apostolischen Segen.

(30. Oktober 1968)

Über den Autor:

Leonardo Sapienza ist »Reggente« in der Prä­fektur des Päpstlichen Hauses. Am 9. 2. 2013 hat ihn Papst Benedikt XVI. als eine seiner letzten Amtshandlungen zum »Apostolischen Protonotar« ernannt. Er gehört somit dem Gremium an, das die Aufgaben der Notare des Papstes und des Heiligen Stuhls etwa für Heiligsprechungen oder für ein Konklave wahrnimmt.

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Quelle

Mystische Menschwerdung Jesu in den Armen

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Audienz bei Papst Paul VI.

 

Im Folgenden die Ansprache von Papst Paul VI.:

Am 6. Mai 1978, genau drei Monate vor seinem Tod, empfing Papst Paul VI. Mutter Teresa von Kalkutta und eine Gruppe von Schwestern und italienischen Mitarbeitern im Vatikan. Es war die letzte Begegnung des Papstes mit der Ordensfrau, die ihn zu Beginn der Audienz mit folgenden Worten auf Englisch begrüßte: »Sie sind für uns Christus.« Sie fügte hinzu: »Ich danke Eurer Heiligkeit im Namen der Armen, unserer Armen. Sie sind die Opfergabe unserer Liebe. Wir wollen für die Ärmsten der Armen arbeiten.« Der Papst hielt eine Ansprache auf Italienisch. Den vorbereiteten Text ergänzte er durch längere Abschnitte in freier Rede, insbesondere im Mittelteil, wo er sich als »nicht würdig« bezeichnet, »vor ihnen Lehrmeister zu sein«, und am Schluss, wo er dazu auffordert, das »Klagen« und die »Schreie« der Leidenden zu hören. Wir veröffentlichen hier die Ansprache, deren voller Wortlaut bisher nicht bekannt war. Sie wurde von der Audioaufzeichnung transkribiert und auf Italienisch veröffentlicht in dem von Msgr. Leonardo Sapienza, Regent der Präfektur des Päpstlichen Hauses, herausgegebenen Buch Paolo VI e madre Teresa (Rom, Edizioni Viverein, 2016, 184 S., 15 Euro). In den einführenden Worten bemerkt Msgr. Sapienza: »In der Tonaufzeichnung ist die müde Stimme des Papstes zu hören, die aber trotz allem an einigen Stellen kraftvoll wird aufgrund der Zuneigung, die Montini für Mutter Teresa empfand.« Das Buch enthält neben zahlreichen Texten des Papstes und der Ordensfrau Fotos und Abbildungen von Autographen. Darunter befindet sich ein Brief von Mutter Teresa an ihre Mitschwestern. Ihm ist ein weiteres, bis jetzt unbekanntes Detail zu jener Audienz zu entnehmen. »Während Schwester Nirmala dem Papst eine Blumenkette um den Hals legte, sagte der Heilige Vater zu mir: ›Nehmt mich als einfachen Mitarbeiter in eurem Liebeswerk an.‹ Das ist es, was der Heilige Vater über unsere Arbeit denkt!«

Geliebte Söhne und Töchter!

Seid wahrhaft willkommen im Haus des Papstes!

Wir haben erfahren, dass ihr in diesen Tagen in Rom zu eurem nationalen Treffen versammelt seid.

Wir freuen uns über eure – wie wir sehen – stattliche Zahl und über eure lobenswerte Hingabe im Auftrag, den ihr gegenüber den hilfsbedürftigen Brüdern übernommen habt.

Dies sind Zeichen, dass die von Jesus verkündete Botschaft der Liebe weiterhin tief eindringt und Frucht bringt in offenen und verfügbaren Seelen, auch mitten unter zuweilen grausamen und abartigen Ausbrüchen physischer und psychologischer Gewalt sowie der massiven Propaganda von Ideologien, die zu Hass, Verachtung und Übergriffen aufstacheln, und auch mitten unter der häufigen Versuchung des Individualismus, bei dem jeder immer wieder versucht ist zu sagen: »Aber was geht das mich an? Ich kümmere mich um meine Angelegenheiten und interessiere mich nicht für die anderen, ich störe niemanden. Aber ich sorge mich nicht darum, an andere zu denken, die ich nicht kenne, und die so dringend Hilfe brauchen.«

Das ist eine häufige Versuchung – ich wiederhole es –, die in unserer Gesellschaft des Individualismus weit verbreitet ist und der zuweilen auch die Jünger Christi erliegen.

Und ich möchte auch die große Bewegung, die große Freude hinzufügen, die es mir bereitet, euch hier zu empfangen, euch alle hier versammelt zu sehen und zu wissen, dass ihr alle beseelt seid von dieser Empfindung der Überwindung des Egoismus, um Brüder zu sein, um Gefährten zu sein, um fähig zu sein, zu verstehen und mit den anderen zu leiden, sie zu trösten.

Das ist für mich ein großer, ein sehr großer Trost. Und ich danke vor allem der lieben Mutter Teresa [Der Papst lächelt sie an.] sowie denen, die sie begleiten, und euch, die ihr sie unterstützt, die ihr sie versteht und deren Mühen und Ideale teilt.

Für mich ist das ein Augenblick der Seligpreisungen. Es erscheint mir als Augenblick des gemeinsam erlebten Lebens, das vom Evangelium geprägt ist.

Und ich als erster bin es, der aus dieser Begegnung Wohltat empfängt und der auch ein Jünger dieses Christus ist, der uns alle in seiner Schule vereinen will. Und auch fähig sein – wenngleich ich nicht würdig wäre, vor euch Lehrmeister zu sein, die ihr so geübt und im Leben der Nächstenliebe erfahren seid –, Lehrmeister zu sein und euch zu sagen: »Macht weiter, macht weiter, seid treu! Denn seht, ihr habt den besseren Weg gewählt.« Optimam partem elegistis (vgl. Lk 10,42), ihr habt das Bessere gewählt.

Dass ihr euch als »Mitarbeiter« von Mutter Teresa von Kalkutta bezeichnet zeigt, dass ihr die erhellenden Worte Jesu meditiert und euch zu eigen gemacht habt, die uns der Evangelist Matthäus überliefert: Ihr denkt daran, dass beim Jüngsten Gericht Christus als Richter – wer wäre je in der Lage, sich auch nur in seiner Phantasie die Majestät, die Größe und den Glanz vorzustellen, der von Jesus Christus ausstrahlen kann, dem Haupt der Menschheit, der kommen wird zu richten und zu beurteilen die Lebenden und die Toten, das heißt jene, die in Gemeinschaft mit ihm sind, und jene, die es nicht mehr sind? Ihr zeigt, so sagte ich, dass ihr die erhellenden Worte Jesu meditiert und euch zu eigen gemacht habt, die uns der Evangelist Matthäus überliefert: Beim Jüngsten Gericht wird Christus als Richter belohnen oder verdammen auf der Grundlage der Beziehung – Annahme oder Zurückweisung –, die die Gläubigen in ihrem irdischen Leben zu den Hungernden, den Kleinen, den Dürstenden, den Fremden, den Bedürftigen, den Kranken, den Gefangenen hergestellt haben. Und man kann noch weitergehen, denn das Evangelium sagt auch dies: zu den Unwürdigen, zu denen, die nicht nur finanziell arm sind, sondern die arm sind an Liebe und an Menschlichkeit, zu den Ausgestoßenen, den Verachteten.

Ja, Jesus geht so weit, sich gerade mit diesen gleichsam zu identifizieren – das ist eines der bedeutsamsten und geheimnisvollsten Merkmale des Evangeliums –, wenn er sagt: »Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt«, das heißt diese Gesten der Nächstenliebe, »das habt ihr mir getan« (Mt 25,40). Auch hier sehen wir Jesus, der diese Zerbrochenen, die nicht nur außerhalb der Gesellschaft zu stehen, sondern niemandes Bruder zu sein scheinen »Brüder«. Und Jesus nennt sie gerade Brüder – »das habt ihr mir getan«.

Es ist eine Verbindung, die Jesus mit atemberaubender Größe und Güte, so würde ich sagen, herzustellen wagt: an die Stelle des kleinsten, bedürftigsten, leidendsten, herbgewürdigtsten Bruders zu treten und zu sagen: »Das habt ihr mir getan.«

Diese mystische »Menschwerdung« Jesu im Armen gehört meines Erachtens zum Leuchtendsten und Lehrreichsten des Evangeliums.

Zudem legt Jesus als das besondere Merkmal seiner Jünger die gegenseitige Liebe fest. Das ist das alte und neue Gebot, wie der Evangelist Johannes bekräftigt, der schreibt: »Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht« (1 Joh 2,10).

Arbeitet weiter, geliebte Söhne und geliebte Töchter, arbeitet weiter mit großherziger Beständigkeit und wachsendem Einsatz für die Verbreitung und Ausstrahlung der tätigen und uneigennützigen Nächstenliebe, im Bewusstsein, dass diese eure Haltung der konkrete und wahrnehmbare Ausdruck eurer Liebe zu Gott ist und dass ihr im entstellten und gedemütigten Angesicht des armen Bruders durch den Glauben das Antlitz Christi erahnen könnt.

Jemand von euch könnte sagen: »Ich bin Jesus nie begegnet.« Wenn ihr dem Armen wirklich mit dem Herzen und mit verstehender Liebe begegnet seid, dann seid ihr Christus begegnet!

Wir möchten an die Worte des heiligen Augustinus erinnern, der in seinem Kommentar zum ersten Johannesbrief schreibt: »Wenn du den Bruder liebst, liebst du da vielleicht nur den Bruder und Christus liebst du nicht? Wie, wenn du doch die Glieder Christi liebst? Wenn du also die Glieder Christi liebst, so liebst du Christus; wenn du Christus liebst, liebst du den Sohn Gottes; wenn du den Sohn Gottes liebst, liebst du den Vater. Unteilbar ist also die Liebe …, denn wenn du das Haupt liebst, liebst du auch die Glieder.«

Wir wünschen, wir bringen den Wunsch zum Ausdruck – ich würde sagen, dass dies das einzige Geschenk ist, das ich euch machen kann: euch Ermutigung für das vermitteln, was ihr bereits gewählt habt: den Weg der Liebe, dem Nächsten Gutes tun. Wir wünschen, dass all unsere Söhne das Klagen und den Schrei zu hören wissen – manchmal ist es ein schwaches Stöhnen, das man kaum hört, und manchmal sind es dagegen Schreie, die Anstoß erregen und die es nahelegen, sich gegen diese würdelosen Brüder zu wenden – man muss sie vielmehr anzuhören wissen, denn auch sie sind es, die leiden, auch sie sind es, die Hunger haben, auch sie sind es, die – und auch das ist ein großes Leid – einsam sind. Damit alle in Frieden, Eintracht und Solidarität leben und ihre Würde als Menschen und Kinder Gottes leben und verwirklichen können.

(Orig. ital. in O.R. 21.8.2016)

„CHIESA VIVA“ – DIE SCHÄNDLICHSTE VERLEUMDUNG UND VERURTEILUNG ALLER KONZILS-PÄPSTE

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Die original italienisch-sprachige Monatszeitschrift „CHIESA VIVA“, die derzeit im XLVI (46.) Jahrgang erscheint, hat eben die September-Ausgabe 2016 (Nr. 496) publiziert. Eine deutsche Übersetzung steht noch aus.

Die Zeitschrift wurde von Don Luigi Villa (geboren in Lecco am 3. Februar 1918, gestorben 94-jährig am 18. November 2012) gegründet. Die erste Ausgabe erschien zum Monat September 1971. Ihr verantwortlicher Direktor ist der Ingenieur: Dr. Franco Adessa.

 

Das aktuelle 32-seitige Heft besteht u.a. aus 30 Seiten PLAKATSCHRIFT. Ich zitiere daraus (übersetzt von mir) vorerst einmal nur dieses:

Seite 3:

AUSGESCHLOSSEN AUS DER KIRCHENGEMEINSCHAFT [ANATHEMA SIT] DER GEGENPAPST FRANZISKUS, VERURTEILT ZU „25“ JAHREN GEFÄNGNIS VOM INTERNATIONALEN GERICHT[SHOF] WEGEN SATANISCHER RITUELLER KINDESTÖTUNG!

ANATHEMA SEI DER GEGENPAPST FRANZISKUS (EIN ARMSELIGER UND SCHEINHEILIGER ZOMBIE), EIN GEDUNGENER UND GOTTESLÄSTERLICHER MIETLING DER FREIMAUREREI (PRIESTER SATANS!), DER DEN THRON DES PETRUS MISSBRAUCHT, NICHT NUR WEGEN DES UNGÜLTIGEN RÜCKTRITTS PAPST BENEDIKTS XVI., SONDERN AUCH ALS „HÄRETIKER“.

WENN MAN BERÜCKSICHTIGT, DASS DIE „MACHT“ DES GEGENPAPSTES NICHT UNBEGRENZT IST, DANN KANN ER NICHT NUR NICHTS VERÄNDERN, IN DEM WAS GÖTTLICHER EINSETZUNG IST, SONDERN (AUCH IN DEM, WAS) ZUR AUFERBAUUNG UND NICHT ZUR ZERSTÖRUNG ERRICHTET IST, IST ER DURCH DAS NATURRECHT GEHALTEN, IN DER HERDE CHRISTI KEINE VERWIRRUNG ZU VERURSACHEN.

Seite 6:

ANATHEMA SEI DER GEGENPAPST FRANZISKUS, DER AUF DEM SATANISCHEN WEG VORANSCHREITET, WO ER KONSTANT DEN UNVEREINBAREN ZWIESPALT ZWISCHEN DEM NEUEN UND DEM ALTEN ERKLÄRT; UND ALS „FREIMAURERISCHER HÄRETIKER, PRIESTER SATANS“, SCHWER SÜNDIGT GEGEN DEN HEILIGEN GEIST, DER DIE EWIGE NEUHEIT DES CHRISTENTUMS BESTIMMT HAT.

TREUGLÄUBIGE (KATHOLISCHE, APOSTOLISCHE, RÖMISCHE) CHRISTEN: DER ANTIPAPST, DER SICH ALS HÄRETIKER ERWIESEN HAT, IST DAMIT JEDWEDEM KATHOLIKEN UNTERLEGEN UND IST DEMNACH NICHT MEHR EIN GLIED DER HL. RÖMISCHEN KIRCHE UND KANN SIE FOLGLICH NICHT MEHR REGIEREN!

Seite 7:

Kardinal Albino Luciani (Papst während „33“ Tagen), sagte im Jahr 1977: „ICH WILL NICHTS ZU TUN HABEN MIT DEM II. VATIKANUM. ES IST DER TEUFEL IM VATIKAN!“

Seite 11:

DER GEGENPAPST, DER SOGENANNTE „PAPST FRANZISKUS“!! Gemäß der „Konstitution bezüglich des Vakanten (Unbesetzten) Apostolischen Stuhles“, promulgiert von Papst XII. am 8.12.1945, Paragraph 99, KANN DER RÖMISCHE PAPST NICHT ZURÜCKTRETEN. DARAUS FOLGT, DASS DER RÜCKTRITT S. H. BENEDIKT XVI. „RES NULLUS“ IST, UND FOLGLICH DIE WAHL DES ANTIPAPSTES, DES EHRW. FREIMAURER-MEISTERS KARDINAL JORGE MARIO S.J. BERGOGLIO, NICHT NUR WIDERRECHTLICH, SONDERN NULL UND NICHTIG IST.

DER AKTUELLE „GEGENPAPST“ WILL HINTERLISTIG NICHT DARAN DENKEN, DASS DIE HEILIGE RÖMISCHE KIRCHE EINE THEOKRATISCHE MONARCHIE IST, ABSOLUT UND DURCH EINE WAHL, JEDOCH NICHT DESPOTISCH (WILLKÜRLICH) UND DASS JEDWEDER SEINER AKTE NULL UND NICHTIG IST UND KEINERLEI RECHTLICHE UND KANONISCHE WIRKUNG HAT.

WENN DIES NICHT GENÜGEN SOLLTE: DER „ANTIPAPST“ FRANZISKUS ENTFALTET UND INTERPRETIERT EIN „SATANISCHES“ LEHRAMT ALS „FREIMAURER“, IN EINER FALSCHEN SCHEINHEILIGKEIT EINER MENSCHENFREUNDLICHEN ARMUTSVORLIEBE [PAUPERISMUS] UND EINER RÜCKKEHR ZU DEN HYPOTHETISCHEN (VERMEINTLICHEN) „URSPRÜNGEN“ DER RÖMISCHEN-KATHOLISCHEN KIRCHE.

Seite 12:

DER GEGENPAPST UND ANTI-CHRIST SOGENANNT „PAPST FRANZISKUS“, DIESER ARMSELIGE, ERBÄRMLICHE, SAKRILEGISCHE VORBESTRAFTE VOM „INTERNATIONALEN GERICHT“, SATANISCHER VERTEIDIGER (APOLOGET) DER „SÜNDEN“ DER HOMOSEXUALITÄT, DER EHESCHEIDUNG, ETC., GANZ HINGEWENDET – WIE EIN ARMSELIGER „HAMPELMANN“ (ZOMBIE!) DEM DIENSTE DER FREIMAUREREI, UND DEMNACH „ANBETER SATANS“ (!), UM DIE HEILIGE RÖMISCHE KIRCHE ZU UNTERGRABEN, INDEM ER DIE HEILIGEN SCHRIFTEN AUSLÖSCHT, DIE HEILIGEN KANONES [kirchlichen Rechtssätze], DIE TRADITION: „21“ JAHRHUNDERTE DES LEHRAMTES, UND VERSUCHT (- WELCH EINE GOTTESLÄSTERUNG ! -), DIE HEILIGE OFFENBARUNG, IM WORT UNSERES HERRN JESUS CHRISTUS ZU VERÄNDERN.

SCHMÄHEND DAS HEILIGE GEDÄCHTNIS VON MEHR ALS HUNDERT MILLIONEN MÄRTYRERN, DES HEILIGEN EVANGELIUMS, DER KIRCHENVÄTER, KIRCHENLEHRER, DER HEILIGEN UND SELIGEN DER HEILIGEN RÖMISCHEN KIRCHE, ALLES BANALISIEREND UND ZERSTÖREND, SÄMTLICHE LEHRMÄßIGEN WERTE DES ALTEN UND NEUEN TESTAMENTES.

DER FREIMAURERISCHE MENSCH-GOTT, ANBETER SATANS, BEGEHT EIN „SAKRILEG“, WENN ER DIE HEILIGE MESSE ZELEBRIERT UND KOMMUNIZIERT IN DER „TODSÜNDE“.

Seite 13:

DER GEGENPAPST UND ANTICHRIST, DER EHRW. FREIMAURER-MEISTER, KARDINAL JORGE MARIO BERGOGLIO S.J. – DER SOGENANNTE PAPST FRANZISKUS – IST GERICHTET VON UNSEREM HERRN JESUS CHRISTUS, DESSEN „STELLVERTRETER AUF ERDEN“ ER ZU SEIN VORGIBT, UNTER ANDEREM DURCH SEIN HÄRETISCHES UND GOTTESLÄSTERLICHES SATANISCHES LEHRAMT ALS APOSTATISCHER BEFOLGER DER FREIMAUREREI („ANBETER SATANS“!) STETS NIEDERGEWORFEN VOR DER „FREIMAURERISCHEN WELTVEREHRUNG“ UND VOR DEM „MENSCH-GOTT“ CHRISTUS TROTZEND (HERAUSFORDERND), UNSEREM HERRN, GOTT UND DEM HEILIGEN GEIST, DEN ER IN JEDEM PONTIFIKALAKT MIT LIST, FALSCHHEIT UND GOTTESLÄSTERUNG ANRUFT!

DIESE KURZEN BEMERKUNGEN WOLLEN DEFINITIV AUF SICH ZIEHEN NICHT NUR DIE AUFMERKSAMKEIT DER KATHOLISCHEN GÄUBIGEN, SONDERN VOR ALLEM DER KARDINÄLE, PATRIARCHEN, ERZBISCHÖFE, BISCHÖFE UND PRIESTER, DIE, INDEM SIE DEM IM DIENSTE DER FREIMAUREREI UND SATANS STEHENDEN PÄPSTLICHEN LEHRAMT FOLGEN, DADURCH MITTÄTER WERDEN UND CHRISTUS UNSEREM HERRN ANTWORT GEBEN WERDEN MÜSSEN, DESSEN RECHTSSPRECHUNG GEWALTIG UND ERBARMUNGSLOS SEIN WIRD!

Seite 14:

DER GEGENPAPST FRANZISKUS FÜHRT DIE SATANISCHE LINIE FORT, DIE ERÖFFNET WURDE DURCH DEN „PÄDOPHILEN“ FREIMAURER JOHANNES XXIII., DER AUSDRÜCKLICH DIE FOLGEZAHL DES „GEGENPAPSTES“ BALDASSARRE COSSA (1410-1415), ANGENOMMEN HAT, UND SICH DEN THRON PETRI GEGEN KARDINAL GIUSEPPE SIRI WIDERRECHTLICH ANEIGNETE, DER KANONISCH ERWÄHLT WORDEN WAR 1958, DER DEN NAMEN GREGOR XVII. ANGENOMMEN HATTE, UND DER DANN DAS HÄRETISCHE UND BLASPHEMISCHE II. VATIKANISCHE KONZIL ERÖFFNETE FÜR DEN HOMOSEXUELLEN FREIMAURER PAUL VI., DER IN DIE „SAKRILEGISCHE“ GESCHICHTE EINGEGANGEN IST DURCH DEN „NOVUS ORDO MISSAE“ UND DEN VERZICHT AUF DAS „TRIREGNUM“ (DIE TIARA).

DER ANTIPAPST FRANZISKUS IN SEINEN HOMILIEN, DIE LEER SIND JEGLICHEN DOKTRINELLEN UND THEOLOGISCHEN INHALTES, GETRAUT SICH NICHT NUR, DIE OFFENBARUNG UND DIE TRADITION ZU BELEIDIGEN; ER ÄNDERT AUCH DIE EHRWÜRDIGEN TEXTE DES HEILIGEN EVANGELIUMS, INDEM ER AUCH ABÄNDERT, WAS CHRISTUS UNSER HERR GESAGT HAT.

DIE WAHREN KATHOLIKEN AUF DER GANZEN WELT, VEREINT MIT VIELEN PRIESTERN UND PRÄLATEN, LADEN DEN GEGENPAPST FRANZISKUS EIN, ABZUTRETEN, DAS RÖMISCHE PAPSTAMT ZU VERLASSEN WEGEN UNWÜRDIGKEIT UND GOTTESLÄSTERUNG.

(Fortsetzung der Übersetzung folgt HIER nach und nach!)

DIE KOMMENTIERUNG IST DAMIT ABER SCHON ERÖFFNET


Fortsetzung meiner Übersetzung am 5. Sept. 2016:

Seite 29:

„FREITAG, 18. JULI 2014. RECHTSSACHE (Prozess) Nr. 18072014-002. DAS EINSTIMMIGE URTEIL DES GERICHTSHOFES LAUTET: DASS DIE DREI HAUPTANGEKLAGTEN: ADOLF PACHON, JORGE BERGOGLIO UND JUSTIN WELBY ALS SCHULDIG BEFUNDEN WURDEN DER KRIMINELLEN BETEILIGUNG UND KOMPLIZENSCHAFT GEGEN DIE MENSCHHEIT, EINSCHLIESSLICH DES MORDES UND MENSCHENHANDELS UND DER PERSÖNLICHEN MITWIRKUNG IN DIESEN VERBRECHEN. IHRE SCHULD IST OHNE JEDWEDEN VERNÜNFTIGEN ZWEIFEL VOM ANKLÄGER PRÄSENTIERT UND BEWIESEN WORDEN“. 

Seite 30:

DIE MÖGLICHKEIT EINES GERICHTSIRRTUMS KANN ZUGEGEBEN WERDEN, ABER MAN KANN DAS SCHWEIGEN DESSEN NICHT HINNEHMEN, DER UNGERECHTERWEISE VERURTEILT WORDEN IST.

DIESES SCHWEIGEN IST DAS DEFINITIVE AMTSSIEGEL FÜR EINE VERDIENTE VERURTEILUNG!

Seite 31:

„DIE HEILIGE RÖMISCHE KIRCHE UND ALLE WAHREN CHRISTEN LADEN DEN GEGENPAPST FRANZISKUS EIN, DEN THRON DES APOSTELFÜRSTEN ZU VERLASSEN, AUF DEN ER SICH ALS GEDUNGENER DIENER DER FREIMAUREREI GESETZT HAT!

DAS STRAFGERICHT GOTTES UND CHRISTI UNSERES HERRN IST VOR DER TÜR“! (EIN HOHER PRÄLAT)

Seite 32:

„VERURTEILT ZU 25 JAHREN GEFÄNGNIS WEGEN RITUELLER SATANISCHER KINDESTÖTUNG!“ (EIN HOHER PRÄLAT)


PAPST PAUL VI. ÜBER DIE KIRCHE UND DEN GLAUBEN

PaoloVI

Bei der Generalaudienz am 7. September 1977

UND WENN ES DIE KIRCHE NICHT GÄBE?

Unsere Gedanken sind noch bei der Kirche, wobei wir mehr ihr Tun, nicht so sehr das Geheimnis ihrer Existenz betrachten wollen. Diese Betrachtungsweise bietet uns die Möglichkeit, den Glauben aus unserer Erfahrung heraus zu verteidigen, wie es Chri­stus selbst zugunsten seiner Person und seiner messianischen Sen­dung getan hat: „Glaubt den Werken, wenn ihr schon mir nicht glaubt!“ rief der Herr in der heftigen Auseinandersetzung seinen jüdischen Gegnern zu (Job 10, 38). Angriffe gegen die Kirche und unsere Religion gibt es immer, und erst recht in einer Zeit wie der unseren, wo in der öffentlichen Meinung das Zeugnis vernunftge­mäßer und sinnhafter Beweise mehr gilt als das Zeugnis des Geistes und des Glaubens.

Als Christus, der Herr, von dieser Welt Abschied nahm, formu­lierte er in den allerletzten Worten seines Evangeliums mit aller Deutlichkeit das Programm für die Arbeit der Kirche, ein Pro­gramm, dem wir uns nun kurz widmen wollen. Jesus sagte zu sei­nen Jüngern, die schon als apostolische und kirchliche Hierarchie konstituiert waren: „Gehet hin und lehret . . .“ (Mt 28, 19). Was sollten sie lehren? „Alles — so der Herr —, was ich euch geboten habe.“ Dieser Einsetzung des Lehramtes kommt eine überragende Bedeutung zu: Die zu Aposteln gewählten Jünger (vgl. Lk 6, 13) werden in den Rang von „Zeugen“ erhoben (Apg 1, 8; 1, 22; 2, 32; 3, 15; usw.), sie sind Garanten einer Wahrheit, die Evangelium heißt und die ihnen in geheimnisvoller Weise vom Geist, dem Bei­stand und Tröster (Joh 14, 26), bestätigt wird. Sie sind die künfti­gen Märtyrer, die mit ihrem Blut für das Wort Zeugnis ablegen; sie sind die Hirten, die berufenen Führer des Gottesvolkes; sie sind die Kirche, die ihren Lehrauftrag ausführt, die aber auch Sorge trägt für das Verständnis und den Ausdruck des übernatürlichen Wissens von Gott, also den Glauben.

In unseren Tagen, wie immer im Laufe der Jahrhunderte, hört man die Frage: Warum Kirche? Was tut sie? Wem nützt sie? Nun gut. Stellen wir uns einmal vor — nach Christus zum Glück eine völlig widersinnige Idee —, was wäre, wenn es auf Erden die Kirche der Apostel nicht mehr gäbe? Es geschähe das, was in einer dunk­len Nacht, in einem geschlossenen Raum geschieht, wenn das Licht ausgeht: Es käme zu Verwirrung, Platzangst und endlosen Auseinandersetzungen ohne Sinn und Hoffnung. Jesus hat gesagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis gehen, sondern er wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8, 12).

Hier stehen wir vor endlosen Fragen: Vor allem sind es zwei Probleme, zwei offenen Fenstern gleich: einmal geht es um die un­verrückbare Wahrheit, d. h. die Dogmen, welche die Kirche die Menschen lehrt; sie, die selbst erste Schülerin Christi, des wahren und einzigen Lehrers der höchsten, uns unerreichbaren Wahrhei­ten (vgl. Mt 23, 8), des sich offenbarenden Gottes, ist. Wir kennen die Haltung der Kirche sehr gut, es ist die Haltung des Glaubens und der Treue, wie es Vinzenz von Urins, ein Heiliger des 5. Jahr­hunderts, ausgedrückt hat: Die Glaubenswahrheiten können er­forscht, erläutert, dargestellt werden, aber ihr eigentlicher Sinn muß dabei stets gewahrt bleiben (vgl. Denz. Schön. 2803, 3020). Das andere ist— nach Kardinal Newman —, daß der Glaube sich wie ein Baum aus ein und derselben lebendigen Wurzel verzweigt, wo­bei sich aber dieses Wachstum der Lehre nicht in die Widersprüche eines gewissen modernen Pluralismus verlieren darf, der sich als Schiedsrichter gebärdet und sich die Freiheit herausnimmt, die Geheimnisse des Glaubens seinem persönlichen Horizont anzu­passen (vgl. Denz. Schön. 3806). Die Kirche achtet streng, wie wir wissen, auf die Beständigkeit dieser Treue. Weshalb ihr das Ver­ständnis für religiöse, pietistische Systeme und Haltungen zu feh­len scheint; wenn diese sich von der eindeutigen, ewigen, authenti­schen Offenbarung, wie sie die Kirche vertritt, gelöst haben, ent­fernen sie sich zunächst von dieser, um schließlich die Verbindung mit der einzigen apostolischen Wahrheit ganz abzubrechen. Je­doch nur sie allein garantiert die Identität der religiösen Lehre mit der Lehre Christi. Sie allein vermag die liebevoll werbende Forde­rung nach der Einheit seiner Heilsbotschaft zu gewährleisten, wie Jesus in seinem Wort an die Apostel bekräftigt: „Wer euch hört, der hört mich“ (Lk 10, 16).

Das soll für uns und für euch gelten (vgl. Romano Guardini, Wege des Glaubens).

 

Bei der Generalaudienz am 14. September 1977

WEM NÜTZT DIE KIRCHE?

Wem nützt die Kirche? Sprechen wir auch heute wieder davon, was die Kirche tut. Denken wir dabei wieder an die grundlegenden Worte, die Chri­stus den Aposteln sozusagen als programmatisches Statut hinter­lassen hat, unmittelbar bevor er die sichtbare Welt verließ: „Geht . . ., lehrt . . .“, gebot er, und fügte dann hinzu: „Tauft!“ (Mt 28, 19-20). Damit erhält das Apostelamt sakramentalen Cha­rakter. Das ist allgemein bekannt, aber von größter Wichtigkeit. Die Tätigkeit der Kirche wird „göttlich und sichtbar“. Ein Aspekt, der dem puritanischen Religionskritiker nicht immer ge­fällt: Er möchte diese lieber nur nach innen, spirituell ausgerichtet haben, ohne ein besonders autorisiertes und qualifiziertes Amt, ohne sichtbare Zeichen, besonders wenn es sich um solche handelt, die heiligende, notwendige und übernatürliche Wirkungen auslö­sen. Zur Verteidigung unserer christlich-religiösen Wahrheit wol­len wir uns stets der wunderbaren Gründungsworte des Herrn er­innern: „Geht zu allen Völkern . ., lehrt sie und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes . . .“ (Mt 28, 19-20). So entsteht das Christentum, so sagt und stellt sich auch heute noch die Kirche dar, von der man weiß und sieht, daß sie mit offenkundiger Macht, nämlich religiöser, die in göttlichem Auftrag handelt, ausgestattet ist. Wenn sie, die Kirche, am Prie­steramt Christi teilhat, wirkt sie als aktives Werkzeug, nicht aus ei­gener Kraft, sondern durch die vom lebendigen Gott ausströ­mende Wirkkraft. Und was wir von der Taufe sagen, läßt sich mit entsprechenden Einschränkungen auch auf die anderen Sakra­mente anwenden: „Empfanget den Heiligen Geist“, sagt der auf­erstandene Herr, „allen, denen ihr die Sünden erlaßt, sind sie erlas­sen; allen, denen ihr sie nicht erlaßt, sind sie nicht erlassen“ (Joh 20, 22-23).

Was sollen wir über das Sakrament sagen, dessen Geheimnis gerade in diesen Tagen — auf dem Eucharistischen Nationalkongreß in Pescara — mehr als je realistische und begeisterte Aufmerksam­keit findet? In der Eucharistie werden die sichtbaren sakramenta­len Elemente, Brot und Wein, zu schlichten, ihrer normalen Sub­stanz entäußerten Zeichen, wenn sie ihre Wirklichkeit zugunsten jener wahren und realen, aber unaussprechlichen Wirklichkeit Christi opfern, der als sakramentale Speise zum Gedächtnis und zum übernatürlichen Leben der Seinen gegenwärtig geworden ist (vgl. S. Th. III, 73, 5).

Wir wollen das jetzt nicht weiter ausführen. Es soll genügen, uns diesen wesenhaften Aspekt unserer Religion, nämlich ihr sakra­mentales Leben, ins religiöse Bewußtsein zu rufen. Es handelt sich dabei nicht um eine illusionäre oder trügerische Magie. Das sakra­mentale Leben kann sich auf ein göttliches Wort als seine unver­zichtbare Quelle berufen: Christus allein ist der Urheber dieses unerschöpflichen Wunders, das die lebendige Teilhabe an seiner Göttlichkeit darstellt. Diese Teilhabe verlangt von uns menschli­che Zustimmung, die vor allem vom Glauben und von der morali­schen, bewußten und gelebten Rechtschaffenheit bestimmt sein muß (vgl. 1 Kor 11, 28). Sie erfordert ein Amt und einen genau fest­gelegten Ritus. Sie verbindet unsere zerbrechliche und vergängli­che irdische Existenz mit dem Leben Christi, der Mensch und Gott ist, und bereitet so unsere vollendete, zukünftige Existenz in der endzeitlichen Offenbarung der Ewigkeit vor. Sie macht unsere zeitliche Erfahrung nicht wertlos und setzt sie nicht herab, sondern wird in deren völliges Ungenügen hineingenommen; sie ist frei vom unerbittlichen Ablauf der Zeit, die ihre eigenen Kreaturen verzehrt, und hebt uns allmählich zum Aufstieg ins ewige Leben empor.

Liebe Söhne und Töchter, geben wir uns nicht der Täuschung hin, wir könnten unser Leben ohne Hilfe der wahren Religion, wie sie die Kirche uns bietet, gestalten. Und glauben wir nicht, es ge­nüge, einen allgemeinen Begriff von der Religion zu haben und ihr irgendwie zuzustimmen. Sie ist die unersetzliche Wahrheit unseres Daseins. Einzig und allein die Kirche bietet uns dafür heute die Gewähr und morgen die Erfüllung.

Drücken wir diese Botschaft Christi tief in unser Herz ein: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11, 25).

 

Bei der Generalaudienz am 21. September 1977

WAS DIE KIRCHE IN DER WELT VOLLBRINGT

An diesen letzten Mittwochen haben wir bei den Generalau­dienzen in unserer Sommerresidenz unserer Ansprache eine Frage zugrunde gelegt, die wir von vielen heutigen Vertretern einer religionsfeindlichen oder einfach areligiösen Haltung immer wie­der hören können: Wem nützt die Kirche? Genügt sich die mo­derne Gesellschaft nicht selbst? Eine solche Denkweise wird scheinbar von dem wunderbaren menschlichen Fortschritt unserer Zeit unterstützt. Leider ist sie oberflächlich und beschränkt sich häufig darauf, das menschliche Leben ausschließlich nach Nütz­lichkeitskriterien zu beurteilen, die der Materialismus als beson­dere Entdeckung, als Fortschritt, ja als befreienden Humanismus ausgibt. Dabei bringt sie unaufhörlich nicht nur gegen die institu­tionelle Kirche, sondern gegen jede Geisteshaltung, die keinen Gewinn abwirft bzw. auf keinen wirtschaftlichen oder wissen­schaftlichen Nutzen abzielt, philosophisch verkleidete, radikal ne­gative Formulierungen vor. Wem nützt die Kirche, wenn die pro­fane Welt in der Lage ist, alle, auch die sinnlichsten Bedürfnisse zu befriedigen? Die Kirche organisiert die Religion, doch wem nützt heute noch Religion? Man will heute nicht einmal mehr die Mög­lichkeit der Wahrheit gelten lassen, die doch die Basis der Religion ist und damit ihre Existenz rechtfertigt. Noch weniger läßt man ihre Wirksamkeit in einer modernen Gesellschaft gelten, die meint, sich selbst zu genügen und von leeren theologischen und spirituel­len Gedanken frei zu sein.

Wir wollen nun keine vollständige Antwort auf so radikale und, wie es scheint, erschreckende Einwände geben. Freilich wäre eine Verteidigung der Religion und der Kirche möglich, wie sie uns der hl. Augustinus in seinen Bekenntnissen geboten hat, jenem großar­tigen autobiographischen Werk über die Wirklichkeit unseres Da­seins, wo Augustinus gleich im ersten Kapitel sein leidenschaftli­ches, realistisches Wort an Gott richtet und feststellt: „Du, o Gott, hast uns zu dir hin geschaffen, und ruhelos ist unser Herz, bis es seine Ruhe findet in dir.“ Die Diskussion über ein so grundlegen­des Thema wird übrigens in solchem Umfang und mit solcher Lei­denschaftlichkeit geführt (wenn sich auch in etwa eine gewisse theoretische Besinnung oder wenigstens praktische Mäßigung be­merkbar zu machen beginnt), daß wir die interessierten Intellektu­ellen unter unseren Zuhörern auf die eine oder andere Spezialstudie hinweisen möchten (z. B. die Arbeit von Cornelio Fabro, Introdu­zione all’ateismo, Studium 1964; Veuillot u. a., L’Atheisme Cerf 1963). Hier soll es genügen, auf die einfachste Ebene, nämlich die Frage nach dem praktischen und gesellschaftlichen Nutzen der Kirche, herabzusteigen, in die unermeßlich weite Ebene der kirch­lichen Arbeit auf dem Gebiet der Nächstenliebe.

Ja, die Kirche beweist ihre Nützlichkeit im Gehorsam gegen­über dem Evangelium. Es ist überflüssig, dafür Beweise anzufüh­ren, sehen wir doch, daß die Kirche überall, auch in unserer heuti­gen Gesellschaft, aktiv präsent ist. Die Kirche zeigt für die mensch­lichen Nöte Verständnis in einem Maße, wie es keine andere Sozial­institution je zeigen konnte, obwohl die Zivilisation von heute gewiß bewundernswerte Fortschritte kennt. Es ist ein Verständnis, das den Leiden und Nöten zuvorkommt: Wie viele wohltätige Ein­richtungen sind im Schoße der Kirche bereits zu einer Zeit entstan­den, als die Gesellschaft noch gar nicht an solche Hilfeleistungen dachte! Die Kirche nimmt das Leiden des Menschen in jeder Situa­tion, in jedem Alter, in jedem Land wahr, wo ihr die Erfüllung ih­res humanitären Auftrags möglich ist. Fragt nur die Kenner dieser karitativen Soziologie, was dieses gelebte Evangelium zu erreichen vermag und welche Wunder der Hingabe, der Geduld, der Selbstaufopferung es hervorgebracht hat!

Es gibt kein menschliches Elend, das nicht in der Kirche eine ihm entsprechende Einrichtung gefunden hätte, wo vor allem Ordens­männer und Ordensfrauen mit unendlicher Geduld und in stiller Liebe ihr ganzes Leben einsetzen. Auch heute gibt es noch Zeug­nisse für dieses gelebte Evangelium. Wir wollen nur einige der be­rühmtesten Beispiele nennen: Pater Damian, der, selbst an Lepra erkrankt, unter den Leprakranken auf der Insel Molokai lebt; Mut­ter Teresa, die mitten unter den unzähligen Armen Kalkuttas wirkt; oder die über die ganze Welt verstreuten Kleinen Brüder und Schwestern des Charles de Foucauld; die vielen Töchter, Schwestern und Dienerinnen der Nächstenliebe in unzähligen Ordensfamilien und ihre vielfältigen, karitativen Initiativen. Sie alle beweisen mit dem Heroismus ihrer Selbstaufopferung, was die Kirche in der Welt vollbringt. In den Großstädten und den Elends­vierteln am Stadtrand sind mit bewundernswerter Ausdauer Frau­engruppen und Vinzenzkonferenzen am Werk oder auch Laien und Jugendliche, die sich den hl. Vinzenz von Paul oder andere Heilige zum Vorbild genommen haben, und zahllose wirkliche Christen, die den Armen suchen, wo immer sie ihn finden. Sie ent­decken in seinem erniedrigten Antlitz voll Freude das Antlitz Christi in seiner ganzen Demut, denn Christus sagt im Evange­lium: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan“ (vgl. Mt 25, 35-45). Wer ist dieser „mich“, der uns im leidenden Antlitz irgendeines Menschen ent­gegentritt und eine mächtige, unauslöschliche Liebe in uns weckt? Es ist Christus selbst, der das Programm seiner Kirche in seinem verpflichtendsten und ausdrücklichsten Teil inspiriert, leitet, un­terstützt, verwandelt und heiligt. Denn eben dies ist sein Pro­gramm und sein Geist: Gott in Christus lieben und ihm im leiden­den Mitmenschen dienen.

Dieses Programm ist uns immer aufgetragen und entfaltet sich in tausend Formen. Es betrifft uns alle. Denken wir daran.

 

Bei der Generalaudienz am 28. September 1977

JEDER DARF IHN BEIM NAMEN NENNEN

Wir wollen ganz einfach die Worte und Bilder nennen, die dieses Kunstwerk zum Ausdruck bringen möchte, gleichsam überwältigt von ihrer realen Bedeutung (vgl. S. Th. 11-11-1-2 ad 2): Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14, 6). Jesus ist das Licht der Welt (Joh 8, 12; 9, 5). Jesus ist das Brot des Lebens (Joh 6, 48). Jesus ist der gute Hirte (Joh 10, 11-14). Jesus ist der Menschensohn (Mt 16, 13; 25, 31; 26, 24), er ist der Sohn Marias (Mt 13, 55) und zugleich Gottes Sohn (Mt 14, 33; 26, 64;Joh 9, 35; usw.). Jesus ist das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende (Offb 22, 13).Heute empfangen wir in dieser Halle wieder Besucher aus aller Welt, die sich am Sitz Petri eingefunden haben. Sie möchten seinem lebenden Nachfolger begegnen, der die Sendung des ersten der Apostel weiterführt, nämlich „ein immerwährendes und sichtbares Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft“ zu sein (Lumen gentium, Nr. 18).

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Wir wollen aber heute nur von jener einzigartigen Darstellung des auferstandenen, lebendigen und segnenden Christus sprechen, die diesen Saal be­herrscht und die wir heute einweihen: ein Werk des Bildhauers Pe­ricle Fazzini. Diese Skulptur zeigt, welches Zeugnis dem apostoli­schen Amt aufgetragen ist, ein Zeugnis, das der Nachfolger des Pe­trus hier in Gewißheit und Demut des Glaubens verkünden will: nämlich daß jener Jesus, der am Kreuz hing, zum Herrn und Chri­stus eingesetzt worden ist (Apg 2, 36).

Wir wollen euch, liebe Brüder und Schwestern, und allen in der Welt, die am Ruhm und an der Hoffnung des christlichen Namens teilhaben, bestätigen, daß immer schon im Lauf der Weltge­schichte und heute mehr denn je Christus lebt und Wirklichkeit ist. Er lebt wahrhaftig, nicht im Halbdunkel des Zweifels und der Un­gewißheit, nicht in der sinnentleerenden Deutung eines kurzsich­tigen und stolzen Rationalismus, der ihn auf das Maß der begreifli­chen und allenfalls den normalen Rahmen übersteigenden Erschei­nungen reduzieren möchte. Nein, er lebt wahrhaftig in der alles überschreitenden Dimension seines göttlichen Wesens, das allein der frohlockende Glaube gelten läßt, welcher die von Christus selbst verkündeten und bezeugten Geheimnisse durchdringt (vgl. Joh 10, 38).

Christus ist gegenwärtig. Die Zeit setzt ihm keine Schranken und zehrt ihn nicht auf. Die Geschichte entwickelt sich und kann das Antlitz der Welt verändern. Aber seine Gegenwart erhellt sie und offenbart dadurch, daß alle Weisheit und Schönheit ihm zu verdanken ist; seine Gegenwart erfüllt ihre tiefen Abgründe mit hei­lender Barmherzigkeit, die nur er auszugießen vermag. Er ist die Freude der Welt (vgl. Joh 3, 29). Er heilt jede menschliche Schwä­che (Joh 8, 7). Er verkörpert sich in jedem Menschen, der leidet, solange es Schmerz auf Erden gibt. Er wird zum Bild des Leidens, um großmütige Liebe zu wecken (vgl. Mt 25, 40). Jesus ist immer und überall gegenwärtig.

Und jeder kann das selbst erfahren. Denn wie es wahr ist, daß Je­sus Christus durch den universalen Heilsplan, der sich in ihm er­füllt (vgl. Eph 1-2), der Brennpunkt der Menschheit, der „Men­schensohn“ schlechthin ist, so ist es auch wahr, daß er Lehrer, Bruder, Hirte und Freund eines jeden der Seinen ist, der Erlöser jedes menschlichen Geschöpfes, dem das Glück zuteil wurde, Zelle des mystischen Leibes zu sein, dessen Haupt er ist. Jeder darf ihn beim Namen nennen, und zwar nicht wie einen fernstehenden, unnahbaren Fremden, sondern er darf ihn mit dem „Du“ höchster und einmaliger Liebe ansprechen, als den Bräutigam, der uns be­glückt (vgl. Mt 9, 15; Offb 22, 17) und uns auf geheimnisvolle Weise näher ist, als man — auf der Suche nach ihm — je geglaubt hat, so wie geschrieben steht: „Tröste dich, du hättest mich nicht ge­sucht, wenn du mich nicht schon gefunden hättest“ (Pascal, Le mystère de Jesus; hl. Augustinus, Bekenntnisse, X, 18).

Die Darstellung dieser transzendenten und immanenten Ge­genwart Christi hier ist unserer Meinung nach schön, eindringlich und lehrreich; denn diese Audienzhalle scheint uns gleichsam ein Vorraum zur Abfahrt, eine Schule der Wahrheiten, der elementa­ren und höheren, jedenfalls für das Leben unerläßlichen „wirkli­chen Wahrheiten“. Sie scheint uns zum nahegelegenen Grab des hl. Petrus zu gehören, des „Menschenfischers“ (Mt 4, 19), des er­sten Hirten, der vom guten Hirten Jesus Christus seinen Auftrag erhalten hat (Joh 21, 15; 10, 11), des Apostels, dem „die Schlüssel des Himmelreiches“ anvertraut worden sind (Mt 16, 19). Denkt darüber nach!

 

Bei der Generalaudienz am 5. Oktober 1977

DER GLAUBE KANN NICHT GENUG GELEHRT
UND GELERNT WERDEN

Womit beschäftigt sich eine Synode? Sie befaßt sich mit allge­meinen, für das Leben der Kirche bedeutsamen Themen, gewöhn­lich auf jeder Synode mit einem bestimmten. Daher kommt der Synode eine außergewöhnliche Bedeutung zu. Diesmal wissen alle, welches Thema im Mittelpunkt der Beratungen steht. Es wurde schon vor einiger Zeit festgelegt, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, die Thematik nicht nur von der Lehre, son­dern vor allem von der konkreten Erfahrung her anzugehen und neben die Probleme des tatsächlichen Lebens der Kirche und der heutigen Gesellschaft zu stellen. Dieses Thema ist die Katechese, vor allem der Kinder und Jugendlichen, wobei nicht vergessen werden darf, daß natürlich auch die Erwachsenen der Katechese bedürfen.Vor einigen Tagen ist, wie ihr wißt, hier in Rom, in der Vatikan­stadt, die Bischofssynode zusammengetreten. Sie wird unge­fähr einen Monat, also den ganzen Oktober, dauern. Was ist diese Synode? Sie ist eine neue, aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil entstandene Einrichtung. Es handelt sich dabei um eine Versamm­lung von Bischöfen, die von den Bischofskonferenzen der Ortskir­chen gewählt wurden und hier — den Weltepiskopat vertretend ­zusammengekommen sind, um durch Information und Beratung mit dem Papst in der Leitung der Gesamtkirche zusammenzuar­beiten. Zur Teilnahme an der jetzigen Synode — drei Jahre nach der vorangegangenen — wurden 204 Mitglieder eingeladen, von denen nahezu alle anwesend sind. Außer den von den nationalen Bi­schofskonferenzen gewählten Bischöfen gehören noch die Patriar­chen der Ostkirchen, einige Ordensleute und die Kardinalpräfek­ten der römischen Dikasterien zur Synode. Eine wahrhaft reprä­sentative Versammlung, die ihren eigenen Generalsekretär und ei­nige Berater und Experten hat.

Wer die Kirche in dem ganzen Ausmaß ihrer Lehre und ihrer so­zialen Proportionen betrachtet, dem könnte dieses Thema viel­leicht als zu enges Teilproblem erscheinen, das die Gesamtschau der religiösen, geschichtlichen und moralischen Probleme, in wel­che die Kirche verflochten ist, einschränkt. Aber dem ist nicht so. Gewiß, bei der Katechese handelt es sich um ein Spezialproblem, aber ein grundlegendes und ursprüngliches Problem, von dessen Lösung die Vitalität und Wirksamkeit der Kirche abhängt. Das vor allem darum, weil die Religion Jesu Christi sich auf den Glauben gründet, das heißt auf das Wort Gottes, bei der Unterweisung, bei seiner Annahme, mit anderen Worten: sie gründet auf dem, was nach seinem theologischen Lehrinhalt wichtiger ist, was das auch sein mag.

Denken wir an den Ursprung und das Wesen des Christentums, die man mit Recht mit einem einzigen, gewohnten, aber stets ge­heimnisvollen Wort zu benennen pflegt: dem Wort Evangelium. Jesus, von dem unsere ganze Religion ihren Ursprung nimmt, ist das menschgewordene „Wort“; das göttliche Wort, das Fleisch geworden und in die Welt gekommen ist, um das „Reich Gottes“ zu verkünden (vgl. Mt 4, 17). Jesus ist der Lehrmeister der Menschheit (vgl. Mt 23, 8). Der Plan seines Wirkens gründet sich darauf, daß die Menschen sein Wort hören, annehmen und in die Tat umsetzen. Wenn das Los des Menschen von dieser Begegnung mit Christus abhängt, also von seiner Seite von der Verkündigung seiner Lehre, von der anderen Seite der des Glaubensgehorsams durch Annahme der Lehre als Lebensnorm, dann kann man ermes­sen, welche vorrangige Bedeutung die Katechese für den Menschen hat.

Was ist nun Katechese? Katechese ist der grundlegende Unter­richt in den religiösen Wahrheiten, die Jesus durch Predigt und Beispiel gelehrt hat und durch sein Evangelium mittels der „Glau­benserziehung“ der verantwortlichen Kirche (vgl. hl. Augustinus, De doctrina christiana, Prologus; PL 3, 15 ff.).

Und so werden wir gewahr, daß alle Menschen zu allen Zeiten der Katechese bedürfen — mit den didaktischen Forderungen, die eine exakt formulierte Wahrheit stellen muß, und mit der Leben­digkeit, zu der ihr Inhalt immer aufs neue anregt, und mit dem Ei­fer, also der Liebe dessen, der sich als Schüler versteht und fühlt und sich daher nicht scheut, immer wieder seine Lehre von vorn zu beginnen. Denn sie kann nicht genug gelehrt und gelernt werden. Man sieht, wie aktuell das Interesse für die Katechese gerade in ei­ner Epoche ist, in der sich das Denken des Menschen der Täu­schung hingibt, auf sich selber gründen zu können, auch wenn noch Wertschätzung und Geschmack für das Geistliche und Reli­giöse als subjektives Empfinden übrig bleibt. Schlimmer ist, wie es heute nur zu oft vorkommt, die Illusion, man könne von der Heilswahrheit, also dem Evangelium, absehen und das Fehlen des Lichtes Christi durch die Torheit der Permissivität ersetzen.

Kehren wir also alle zur Katechese, das heißt in die Schule unse­res göttlichen Lehrmeisters zurück, sei es, um als demütige Apo­stel seinem heilbringenden Wort Widerhall zu geben, sei es, um uns von der Wahrheit, die uns das Ewige Leben verheißt, zuerst durchdringen und dann berauschen zu lassen.

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Quelle: WORT UND WEISUNG IM JAHR 1977, Libreria Editrice Vaticana – Butzon & Bercker

PAPST PAUL VI.: WER IST PETRUS – WAS TUT DER PAPST?

Petrus

Bei der Generalaudienz am 31. August 1977

Eure Anwesenheit erfreut, bewegt und ergreift uns. Sie bringt uns immer wieder unser päpstliches Amt voll zum Bewußt­sein. Obwohl wir euch zum erstenmal treffen, wollen wir euch so­gleich als Brüder, als Söhne und Töchter, als Freunde betrachten. Ehe wir jedoch an euch denken, fühlen wir uns verpflichtet, über uns selbst, über die uns aufgegebene Sendung, die universale Kir­che zu leiten, in Ehrfurcht, Scheu und Verwunderung nachzuden­ken, wobei uns die Worte auf die Lippen kommen, mit denen sich Jesus selbst an die Jünger des Johannes wandte, der sie im Kerker beauftragt hatte, Jesus zu fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11, 3). Dieselbe Frage wissen wir auch an uns gerichtet. Obwohl ihr alle die Frage genau beantworten könnt, ist sie bedeutsam und gleichzeitig eng mit der geschuldeten Antwort auf die Probleme verbunden, die unter gewissen Gesichtspunkten jeden von euch, unter anderem aber die großen Probleme sozusagen des Geschickes der Welt be­rühren. Können wir uns in unserer menschlichen Schwachheit der drängenden Frage: Wer bist du? Wer ist der Papst? entziehen und auf eine solche oder ähnliche Frage nicht antworten, auch wenn sie uns noch so in Verlegenheit bringt und sich nicht zureichend be­antworten läßt?

Doch da vernehmen wir in uns die Antwort, ja geradezu die De­finition, die Jesus dem Simon, Sohn des Jonas, selbst überlassen wollte, die wir von Petrus übernommen haben und die wir in den Texten des Ersten Vatikanischen Konzils (vgl. Denz.-Schön. 3050-3060) und erneut in einem Dokument des Zweiten Vatikani­schen Konzils (Lumen gentium, Nr. 18 und 23) lesen: Jesus Chri­stus hat im hl. Petrus ein „immerwährendes Prinzip und Funda­ment der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft eingesetzt. Hier findet sich ein gewaltiges Kapitel katholischer Glaubenslehre aus­gesprochen. Der Glaube, d. h. die Zustimmung zum göttlichen Wort, bekennt sich dazu, und die Theologie beschreibt und erläutert ihn. Hier erfahren wir, wer Petrus und sein rechtmäßiger Nachfolger ist, und es wird uns im Lichte dieses Geheimnisses dar­gelegt, was der Papst tut: dies einmal klargestellt, möchten wir hier einige grundlegende Worte über den zweiten Aspekt, die Sendung des Petrus, sagen, auch weil das Geheimnis Petri in der Tiefe des göttlichen Gedankens gründet, während sein Tun sich offen kund­tut, d. h. wenigstens äußerlich bekannt ist und dem allgemeinen Urteil unterliegt (vgl. Joh 10, 38; 14, 12; usw.).

Beschränken wir uns jetzt auf einen allgemeinen Überblick, wie er in einer solchen einfachen Ansprache möglich ist.

Was tut also die Kirche? Wenn sie ihrem Herrn, dem Geist, der sie leitet, und der Menschheit, in der sie und für die sie lebt, in Treue folgt, vermag sie viele und große Dinge zu tun, vorausge­setzt freilich, daß sie die Freiheit und in bestimmtem Umfang auch die nötigen Mittel dazu hat (vgl. Mt 14, 17; 17, 26; usw.).

Doch hören wir, wie der Herr selbst in seinen Weisungen an die Jünger bei seiner Abschiedsrede ihre Tätigkeit zusammenfaßt. Dabei soll uns für heute ein einziges Wort genügen, ein Wort, dem eine Dynamik entspringt, die das gesamte christliche Leben ent­scheidend bestimmt. Eines der letzten Worte des Mattäus-Evange­liums lautet nämlich: „Geht . .!“ Jesus will keine unbeweglichen Jünger (vgl. Mt 20, 6), er will sie auf dieser Erde in Bewegung se­hen. Deshalb hat er sie ja „Apostel“ genannt (Lk 6, 13), Ausge­sandte, Zeugen, Boten, Verkünder seines Wortes und seines Heilsplans. Mit einer immer wieder aktuellen Bezeichnung kön­nen wir sagen: Jesus wollte, daß seine Jünger Missionare seien. Kardinal Suenens zeigt in einem seiner Bücher, daß jeder Katholik, der dem Evangelium wirklich treu sein will, auf die eine oder an­dere Weise Missionar sein müsse. War etwa eine Heilige wie die in strenger Klausur lebende Theresia vom Kinde Jesu keine glühende Missionarin?

Weder menschlicher Respekt noch geistliche Indifferenz und schon gar nicht aufdringliche Proselytenmacherei dürfen die christliche Ehrfurcht vor dem eigenen Glauben bestimmen, wenn er wirklich christlich und katholisch heißen soll, sondern vielmehr ein ehrliches Gefühl der Verantwortung und der Liebe zur Ver­breitung des Evangeliums, ein Gefühl missionarischer Solidarität. Die Kirche ist der Sauerteig (Mt 13, 33). Prägen wir unseren Her­zen das leidenschaftliche Wort Jesu ein: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen; wie froh wäre ich, wenn es schon brennen würde“ (Lk 12, 49).

Das Evangelium ist ein Feuer, das brennen und leuchten muß. Wir alle sind aufgerufen, es zu entzünden und weiterzutragen. Möge sich jeder von uns daran erinnern!

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Quelle: WORT UND WEISUNG IM JAHR 1977, Libreria Editrice Vaticana – Butzon & Bercker