Papst Franziskus in Assisi: Die Barmherzigkeit Gottes erfahrbar machen

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Ansicht aus der Portiuncula-Kapelle

Bald ist es soweit: Papst Franziskus wird am 4. August bereits zum zweiten Mal während seiner Amtszeit das kleine Städtchen Assisi in Umbrien besuchen. Dort ist die Heimstätte des heiligen Franz von Assisi und gleichzeitig der Gründungsort der heute weltweit operierenden Ordensfamilie der Franziskaner. Wir haben mit Minoritenbruder Thomas Freidel gesprochen, er ist in Assisi verantwortlich für die Betreuung der deutschsprachigen Pilger, die zu der Lebens- und Wirkstätte des Heiligen kommen.

„Wir haben mit Freude vernommen, dass Papst Franziskus zum zweiten Mal nach Assisi kommt. Er war ja bereits 2013 in seinem ersten Amtsjahr hier und hat an einem Tag alle wichtigen Heiligtümer in Assisi besucht. Dieses Mal wird er wieder zu einem kurzen Besuch kommen, der aber eine besondere Bedeutung hat, denn er kommt in die Portiuncula-Kapelle zum Gebet am 4. August, zwei Tage nach dem eigentlichen Portiuncula-Fest.”

Am 2. August wird das Patrozinium dieser kleinen Kapelle gefeiert, deren offizieller Name Kapelle der Jungfrau Maria von den Engeln, oder Santa Maria degli Angeli, lautet. Eindrucksvoll: die kleine und wunderschön restaurierte Kapelle steht in einer um sie herum gebauten prächtigen Basilika. Bruder Freidel: „Diese Kapelle stand in einem kleinen Wald hier unterhalb der Stadt Assisi, bereits zu Zeiten des Heiligen Franz von Assis. Die Kapelle gehörte den Benediktinern von der Abtei San Benedetto am Monte Subasio und der hl. Franziskus entwickelte eine besondere Beziehung zu dem Ort, er hielt sich dort auf, wenn er hier in Assisi war. Es ist auch der Gründungsort seines Ordens. Hier versammelte man sich dann auch jährlich zum großen Kapitel – zum Beispiel im Jahr 1221, wo dann schon mehrere tausend Brüder sich dort treffen. Es ist also sozusagen das Herz des Minderbrüderordens des Franziskus, wo er lebt und auch am 3. Oktober abends verstorben ist.“

Ein Ort von besonderer Bedeutung also, dessen bescheidener Name Portiuncula (kleines Teilchen) nicht in die Irre führen sollte. Denn obwohl der hl. Franziskus auf dieser Welt nichts besitzen wollte, hatte er für diese kleine Kapelle eine Ausnahme gemacht und seinen Mitbrüdern ans Herz gelegt, diesen Ort niemals zu verlassen. Bedeutsam auch der Anlass, aus dem Papst Franziskus beschlossen hat, diese Kapelle zu besuchen:

„Der Anlass ist der 800. Jahrestag des so genannten Portiuncula-Ablasses. Das war eine besondere Idee des hl. Franziskus, dass er vom Papst das Privileg eines vollkommenen Ablasses für diese kleine Kapelle erbeten und auch bekommen hat. Dem hl. Franziskus ging es darum, den barmherzigen Gott auch erfahrbar zu machen. Ein Gott, der sich dem Menschen zuwendet und der Mensch, der sich zu Gott bekehrt und seine Schuld bekennt und damit ein neues Leben beginnen möchte.“

Der Missbrauch des Ablasshandels, der in Deutschland den Anstoß zur Reformation gegeben hatte, habe den Begriff des Ablasses gerade im deutschen Sprachraum negativ belegt, ist sich Bruder Thomas bewusst. Doch wichtig sei es, sich klar zu machen, was eigentlich hinter dem Wunsch nach Ablass stehe:

„Es bedeutet eigentlich, dass die Kirche an bestimmten Zeiten und Orten eine besondere Möglichkeit der Schuldaufarbeitung ermöglichen will. Denn was dahinter steckt, ist ja eine zutiefst menschliche Erfahrung. Schuld, auch wenn sie vergeben wird, hat negative Folgen, die den Menschen belasten. Die Kirche will somit in besonderer Weise den Zugang zur Barmherzigkeit Gottes ermöglichen,“ sagt uns Bruder Thomas. Doch ein vollständiger Ablass war zu damaligen Zeiten nur an sehr wenigen und mit den damaligen Mitteln schwer zu erreichenden Orten zu erhalten, in Jerusalem, Rom, Santiago de Compostela beispielsweise. Bruder Thomas: „Und das ist eben das Besondere, dass es Franziskus hier gelingt, den Papst zu überzeugen, dieser kleinen und damals unbekannten Kapelle die Möglichkeit eines Ablasses zu verleihen. Und Franziskus ist es ein Anliegen, den Menschen die Barmherzigkeit Gottes erfahrbar zu machen.“

Hintergrund

Der Portiuncula-Ablass geht auf den heiligen Franziskus selbst zurück. Beim Gebet in seiner kleinen Kirche sei ein Lichtstrahl erschienen, auf dem Altar habe er Christus und zu dessen Rechten die Gottesmutter Maria und Engel gesehen. Christus habe ihm aufgetragen, beim Papst um einen vollständigen Ablass für diejenigen zu bitten, die in die Kapelle als reuige Sünder kämen. Der damalige Papst Honorius III. gab der Bitte des Heiligen statt, allerdings verknüpfte er den Ablass mit einem engen Zeitfenster: nur am 2. August sollte dieser Ablass zu erhalten sein, unter der Bedingung, dass der Sünder ehrliche Reue zeige, gebeichtet habe, das Vaterunser und das Credo spreche, ein Gebet in der Intention des Papstes sage sowie einer Heiligen Messe beiwohne. Der Ablass kann heute in jeder franziskanischen Kirche der Welt gewonnen werden. In diesem Jahr wird der 800. Jahrestag des Portiuncula-Ablasses begangen.

(rv 17.07.2016 cs)

Papst Franziskus besucht am 4. August Assisi

Assisi,_Basilika_Santa_Maria_degli_Angeli,_Portiuncula

Papst Franziskus wird am kommenden 4. August die franziskanische Kirche Portiuncula zu Füßen der Stadt Assisi besuchen. Das gaben der Bischof von Assisi und die franziskanische Gemeinschaft der Stadt an diesem Montag bekannt. Anlass für den Besuch ist die 800-Jahrfeier des Portiuncula-Ablasses. Es sei eine glückliche Fügung, so die Ankündigung des Besuches, dass dieses wichtige Jubiläum mit dem Jahr der Barmherzigkeit zusammenfalle. Papst Franziskus werde als einfacher Pilger in der päpstlichen Basilika Santa Maria degli Angeli (die um die franziskanische Portiuncula-Kapelle herum erbaut worden ist) eintreffen und sich dort in stillem Gebet aufhalten. Anschließend werde er zu den Gläubigen sprechen, kündigen die lokalen Kirchenvertreter an. Papst Franziskus selbst hat erst vor wenigen Tagen die Portiuncula-Kapelle, die die Heimstatt seines heiligen Namenspatrons und Ausgangspunkt des heutigen weltweit operierenden Ordens war, in seiner Rede anlässlich des 65. Priesterjubiläums seines Vorgängers Benedikt XVI. erwähnt. Papst Franziskus war im Oktober 2013 das erste Mal in Assisi, dabei hatte er auch die Basilika und die Kapelle der Portiuncola besucht.

Der Portiuncula-Ablass geht auf den heiligen Franziskus selbst zurück. Beim Gebet in seiner kleinen Kirche sei ein Lichtstrahl erschienen, auf dem Altar habe er Christus und zu dessen Rechten die Gottesmutter Maria und Engel gesehen. Christus habe ihm aufgetragen, beim Papst um einen vollständigen Ablass für diejenigen zu bitten, die in die Kapelle als reuige Sünder kämen. Der damalige Papst Honorius III. gab der Bitte des Heiligen statt, allerdings verknüpfte er den Ablass mit einem engen Zeitfenster: nur am 2. August sollte dieser Ablass zu erhalten sein, unter der Bedingung, dass der Sünder ehrliche Reue zeige, gebeichtet habe, das Vaterunser und das Credo spreche, ein Gebet in der Intention des Papstes sage sowie einer Heiligen Messe beiwohne. Der Ablass kann in jeder franziskanischen Kirche der Welt gewonnen werden.

(rv 04.07.2016 cs)