Kardinal Müller: Piusbrüder, Frauendiakonat und Entlassungen

Kardinal Müller auf dem Petersplatz

Eine Einigung zwischen der traditionalistischen Piusbruderschaft und dem Vatikan ist laut Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller noch nicht in greifbarer Nähe. „Das braucht Zeit“, sagte der Präfekt der römischen Glaubenskongregation dem katholischen Sender EWTN. Nötig sei eine „tiefere Versöhnung, nicht nur die Unterzeichnung eines Dokuments“. Wer katholisch sein wolle, müsse unter anderem die Konzilien und die übrige kirchliche Lehre sowie die „hierarchische Gemeinschaft mit dem Ortsbischof, der Gemeinschaft aller Bischöfe und dem Heiligen Vater“ akzeptieren.

Zur Streitfrage der Liturgiereform im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sagte Müller, es sei seit jeher katholische Auffassung, dass der Papst und Synoden das Recht und die Pflicht hätten, die „äußere Form der Liturgie“ neu zu gestalten. „Die Substanz der Liturgie ist durch die Offenbarung gegeben und kann von niemandem geändert werden“, fügte er hinzu. Das Interview wurde am Donnerstag als Video im Internet veröffentlicht; am Samstag erschienen schriftliche Auszüge in Sozialen Netzwerken.

Diakoninnenweihe „unmöglich“ 

Mit Blick auf eine von Papst Franziskus eingesetzte Studienkommission zu Diakoninnen in der Kirchengeschichte sagte Müller, der Papst beziehe sich dabei nicht auf das dreistufige katholische Weiheamt von Diakon, Priester und Bischof. Es gehe um Frauen, die in der frühen Kirche etwa als Helferinnen bei der Taufe von Frauen oder in karitativen Aufgaben tätig gewesen seien.

Eine Diakoninnenweihe schloss der Kardinal als „unmöglich“ aus. „Das wird nicht kommen“, so Müller. Überdies sei dies auch nicht nötig. Heute seien Frauen in der Kirche in höheren Verantwortungspositionen als die Diakoninnen der Antike.

Mitarbeiter besser behandeln

Ungewöhnlich offene Kritik übte der Kardinal an der angeblichen Entlassung von drei Mitarbeitern der Glaubenskongregation durch den Papst. Der Schritt war Ende 2016 bekanntgeworden und soll gegen den Willen Müllers erfolgt sein. Er sagte dazu im Interview, diese Geschichte sei wahr. Er wünsche sich „eine bessere Behandlung unserer Mitarbeiter beim Heiligen Stuhl“. Man dürfe nicht nur über die Soziallehre reden, sondern müsse sie auch respektieren, so der Kardinal.

Müller rückte die Personalentscheidung in die Nähe eines „alten höfischen Gebarens“, das Franziskus selbst kritisierte. Mitarbeiter könne man nur dann entlassen, wenn sie einen Fehler machten oder Voraussetzungen wie Rechtgläubigkeit, integre Lebensführung und Sachkompetenz nicht erfüllten.

(kap 28.05.2017 cs)

3 Kommentare zu “Kardinal Müller: Piusbrüder, Frauendiakonat und Entlassungen

  1. Tatsache ist, dass alle bisherigen „Kreuzzüge“ scheiterten und die FSSPX dennoch nicht bereit ist, den Willen Gottes darin zu erkennen.

    Um endlich diese unselige Spaltung, dieser bedrückende Unfriede innerhalb der Piusbruderschaft zu beenden, muss eine klare Trennlinie gezeichnet werden zwischen den Abtrünnigen der Piusbruderschaft und dem wahren Widerstand, den Treugebliebenen. Erstere sollen sich der Petrusbruderschaft eingliedern und die widrigen Umstände wären behoben. Das wird jedoch nie geschehen, weil Bischof Fellay auf seinen Machtanspruch pocht.

    Wie sehr wurde die eigene Bruderschaft zum Narren gehalten. Wie oft hieß es seit Jahren: „Fellay: Einigung mit dem Vatikan steht bevor“.
    Das berichtete katholisch.de z.B. – wie schon so oft – im September vergangenen Jahres:
    „Große Freude beim Chef der Piusbruderschaft: Die Verhandlungen mit dem Vatikan gehen ihrem Abschluss entgegen, sagt Bischof Bernard Fellay.“

    Und:
    „Alles, was sich mit der Anerkennung (durch den Vatikan) verändern wird ist, dass Ihr dann Katholiken seid“, sagt Fellay.

    Also liebe Gläubige der Piusbruderschaft hört gut zu, ihr seid nicht katholisch, ihr ward nie katholisch, ihr werdet erst katholisch!

    Dann gibt es eine andere Webseite. Hierin heißt es:

    „Schmidberger-Brief: Einigung zwischen Rom und Piusbruderschaft auf der Zielgeraden?
    (Rom) Seit Jahresbeginn häufen sich Stimmen, die von einer baldigen kanonischen Anerkennung der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) durch Rom sprechen…“

    Und der Höhepunkt des Wahnwitzes:
    Christus hat es zugelassen, daß Franziskus auf dem Stuhl Petri sitzt – (damit die Piusse sich der Sekte anschließen können):

    Das umstrittene Kirchenoberhaupt scheint sich für die kanonische Anerkennung der Piusbruderschaft als „Wink der Vorsehung“ zu erweisen.
    „Im Augenblick als Christus die Kirche errichtete, hat er die gesamte Reihe der Päpste durch die Kirchengeschichte vorhergesehen, auch einen Papst Franziskus. Und er hat zugelassen, daß er den Stuhl Petri besteigt.“ Soweit Schmidberger.
    Wer also „katholisch“ sein will, muss vor allem die Konzilssekte mit seinem „Papst“ anerkennen.
    Rennt ins Verderben. Ein Zurück wird es nie mehr geben!

  2. Die zentrale Frage ist, ob das Christentum nur eine „Religion“ des „westlichen“ Zeitgeistes sei. Die notwendig zweite Frage lautet, ob der momentane Zeitgeist im „Westen“ denn christlich sei. Modernisten (ob progressive oder „traditionelle“) beantworten dies mit Ja (mal mehr offen, mal weniger offen); es gibt darunter auch welche, die es – rein formell – verneinen, aber dann doch alles nach dieser Anschauungen betrachten und bewerten und entsprechend handeln.

    Durch „Aufklärung“ und Modernismus (ob offen progressiv oder „fromm“ versteckt) verkam das Christentum zu einer bloßen Funktionalität im Getriebe des hiesigen Systems. Der Gläubige sieht natürlicherweise die eigentlich klare Diskrepanz zwischen dem christlichen Glauben und der Entwicklung der Weltanschauung und Lebensweise der „westlichen Wertegemeinschaft“. Die „kirchlichen“ Ideologen dagegen versuchen diese Diskrepanz mehr oder weniger „fromm“ wegzutheologisieren.

    Heraus kommt die bloße „religiöse“ Verbrämung des antichristlichen Zeitgeistes und die Besänftigung (oder auch Vernebelung) des Ungemachs. Dies nennt man dann pragmatische Diplomatie und hält es für schlau. Die „Kirche“ reduziert sich zum Handlanger des Systems, welches aber an sich antikirchlich ist (im Sinne der christlichen Kirche). Dieses System gesteht der „Kirche“ zwar einen Platz und eine Funktion zu, aber nicht im Sinne der Lehre Christi und des göttlichen Willens, sondern als lediglich nur noch psychologische und systemnützliche Komponente.

    Gänzlich in ihrer verkehrten „Hoffnung“ und Dialektik vernebelte mögen darin vielleicht auch noch die „geistige Hoheit“ der „Kirche“ über das „säkulare“ System herbeitheologisieren. Aber man muß es realistisch sehen und sollte eher zum wahren Sinn des Christentums und zur wirklichkeitsgetreuen Anschauung des Menschen und seiner Vergesellschaftung zurückkehren. Die novus ordo Zeitgeist-„Kirche“ (und ihre „traditionellen“ Helfer) verfangen sich dagegen immer mehr in ihrem selbstgestrickten Netz der „schlauen“ Widersprüche und Verlogenheiten.

  3. Die Substanz der Liturgie ist durch die Offenbarung gegeben und kann von niemandem geändert werden“
    Genau das hat Novus Ordo getan.

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