Kardinal Koch: Maria führt in gemeinsame Mitte des Glaubens

Kardinal Kurt Koch

Die Gottesmutter Maria steht nach den Worten des Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, in keiner Weise zwischen den Konfessionen. Vielmehr führe sie gerade im Jahr des Reformationsgedenkens in die gemeinsame Mitte „unseres Glaubens“ hinein, sagte Koch bei einem Festgottesdienst zu Mariä Himmelfahrt im deutschen Wallfahrtsort Maria Vesperbild.

Vor mehreren Tausend Gläubigen erinnerte Koch an das Loblied des Magnificats, mit dem Maria ihr Herzensanliegen besinge, dass Gott groß gemacht werde. Der Mensch werde dadurch nicht kleiner, sondern bekomme an der Größe Gottes Anteil, der ewiges Leben schenke. Dieses Angebot gelte allen Menschen. Mit der Aufnahme Mariens in den Himmel erhalte Maria als erste Anteil an der Auferstehung ihres Sohnes, so der Kardinal. Das Fest bedeute damit „Ostern für Maria“.

Neueren Untersuchungen zufolge dominierten in der europäischen Bevölkerung hinsichtlich des Glaubens an ein ewiges Leben heute eher ratlose Ungewissheit, stellte der Schweizer Kurienkardinal fest. So sei für die einen mit dem Tod alles aus, andere hofften auf Wiedergeburt oder Reinkarnation. Viele könnten sich unter einem Leben nach dem Tod nur wenig vorstellen. Koch bedauerte in diesem Zusammenhang, dass es der christlichen Verkündigung nur noch schwer gelinge, ihre Deutung vom Tod und vor allem von einem Leben danach zu vermitteln. Dabei stehe und falle der christliche Glaube mit dem Glauben an die Auferstehung Jesu Christi.

(kna 16.08.2017 mg)

„Der Wunsch nach Gemeinschaft ist lebendig und intensiv“

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Päpstlicher Rat Zur Förderung Der Einheit Der Christen, Audienz, 10. November 2016 / © PHOTO.VA- OSSERVATORE ROMANO

Audienzansprache von Papst Franziskus vor den Teilnehmern der
Plenarsitzung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen

„Der Wunsch nach Gemeinschaft ist lebendig und intensiv“, stellte Papst Franziskus heute während seiner Audienzansprache vor den Teilnehmern der Plenarsitzung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen zum Thema „Unità dei cristiani: quale modello di piena comunione?” (Einheit der Christen: welches Modell für vollkommene Gemeinschaft) fest.

Papst Franziskus bekräftigte, dass für ihn als Bischof von Rom und als Nachfolger Petri die Einheit der Christen eine seiner Hauptsorgen bilde. Die Einheit sei ein Grundbedürfnis unseres Glaubens. Wir beteten für die Einheit, weil wir Christus folgten und seine Liebe leben wollten.

In Jesus Christus werde uns die Einheit der Liebe von Gott geschenkt. Für die Einheit sei erforderlich, so Papst Franziskus, dass wir mit und in Christus verbunden seien. Die Einheit bezeichnete der Papst als ein Geschenk des Himmels. Die Menschen allein seien nämlich nicht imstande, sie zu bewerkstelligen, noch Zeitraum oder ihre Form zu bestimmen.

Der Einheitsprozess bedürfe Geduld, Ausdauer, Mühe und bringe Konflikte mit sich. Papst Franziskus erklärte, dass alle Christen die Gewissheit, Sünder zu sein, und das Wissen um die Barmherzigkeit Gottes verbinde. Einheit entstehe auf dem Weg. Einheit bedeute nicht Uniformität. Wichtig sei es, sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen, da er uns die Unterschiede in der Gemeinschaft leben lasse. Wahre Ökumene bedeute, dass man die Aufmerksamkeit von sich selbst weg und auf das Wort Gottes hin richte.

Papst Franziskus forderte dazu auf, nicht in Konkurrenz miteinander zu treten, sondern stattdessen zusammenzuarbeiten. Abschließend erteilte der Papst seinen Segen und vertraute die Audienzteilnehmer dem Schutz der Jungfrau Maria an.

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Quelle

Vatikan: Kardinal Koch zuversichtlich über Dialog mit Orthodoxen

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Kardinal Kurt Koch

Kardinal Kurt Koch, der Verantwortliche des Heiligen Stuhles für die Ökumene, ist hoffnungsvoll, dass der katholisch-orthodoxe Dialog vorankommen wird. Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, äußerte sich am Wochenende nach ersten Beratungen der 14. Vollversammlung der Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche, die derzeit in Chieti stattfindet.

Er sei „sehr zufrieden“ über den Beginn der Versammlung, sagte Koch in einem Interview der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Er hoffe auf ein Dokument aus Chieti, das für „die Einheit der beiden Kirchen von entscheidender Bedeutung sein könnte“. In Chieti werde der „große Dialog“ zwischen katholischer und orthodoxer Kirche fortgeführt. Ziel dieses Dialogs sei es, die Einheit wiederzufinden.

Der Dialogkommission liegt der Entwurf eines Dokuments mit dem Titel „Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis von Synodalität und Primat im Dienst der Einheit der Kirche“ vor. Der ursprüngliche Text wurde bei der 13. Vollversammlung im jordanischen Amman entworfen und dann im September 2015 vom Koordinationskomitee der Kommission weiterbearbeitet

Zum Auftakt der 14. Vollversammlung hatten die katholische und die orthodoxe Delegation zunächst getrennt getagt, wie es vom Statut vorgesehen ist. In beiden Delegationen sei man entschlossen, an dem vorliegenden Text weiterzuarbeiten, so Kardinal Koch: „Es ist sehr wichtig, dass wir eine gemeinsame öffentliche Botschaft erzielen; ich hoffe, dass das gelingen wird.“

Der Gastgeber der Vollversammlung, Erzbischof Bruno Forte, erklärte seinerseits, dass sich der katholisch-orthodoxe Dialog „nach den beiden bedeutsamen Begegnungen von Papst Franziskus mit Patriarch Bartholomaios I. und mit Patriarch Kyrill“ jetzt in einer sehr wichtigen Etappe befinde. „Wir diskutieren jetzt die Art und Weise, wie man die künftige Einheit unserer Kirchen konzipieren kann – nicht auf einem Weg der Einförmigkeit, die nivelliert, sondern auf dem Weg der Synodalität, also einer Einheit, die die Unterschiede in der Gemeinschaft wertvoll macht und die besondere Rolle des Bischofs von Rom im Dienst aller Kirchen anerkennt“, sagte Forte.

Rom sei in der „Pentarchie“ der Patriarchate der alten Kirche (Rom, Jerusalem, Alexandrien, Antiochien, Konstantinopel) an erster Stelle gewesen, gemäß einer Rangordnung, die auch vom orthodoxen Osten anerkannt wurde. Das ebne den Weg nicht nur für die gegenseitige Anerkennung des spirituellen Reichtums der beiden Schwesterkirchen, sondern auch für den Dienst, den der Bischof von Rom für die ganze künftige geeinte Kirche und überhaupt für die Gemeinschaft aller Christen ausüben könne, so der Erzbischof.

(kap 19.09.2016 gs)

Kardinal Koch: Die Päpste haben das gleiche Ökumene-Ziel

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Kardinal Kurt Koch

Übereinstimmung über das Ziel der Ökumene – bei unterschiedlichen Akzenten, wie dieses Ziel besser zu erreichen ist: So hat der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch die ökumenischen Profile von Papst Franziskus und Papst Benedikt XVI. im Interview mit „Kathpress“ beschrieben. Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Einheit der Christen äußerte sich am Rande einer ökumenischen Tagung im „International Theological Institute“ (ITI) in Trumau (Niederösterreich), zu der der „Neue Schülerkreis von Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI.“ geladen hatte.

Papst Benedikt sei lebenslang ein Theologe gewesen und geblieben und habe auch die Ökumene in diesem Sinn reflektiert, skizzierte Koch. Papst Franziskus sei hingegen „eher der Pfarrer, der Akzente setzt im praktischen Handeln“. Dem amtierenden Pontifex gehe es mehr „um das gemeinsam auf dem Weg sein, Freundschaften pflegen, gemeinsame Aktionen setzen wie auf Lesbos und das Evangelium gemeinsam verkünden“. Die ökumenische Zielvorstellung sei freilich die gleiche: Es brauche eine sichtbare Einheit im Glauben, bei den Sakramenten und Weiheämtern.

Kardinal Koch hielt beim Symposion den Eröffnungsvortrag und erläuterte das Ökumene-Verständnis des Ratzinger-Papstes. Für Benedikt XVI. sei demnach die wiederzugewinnende Einheit der Kirchen kein politisches Problem, das man mit Kompromissen lösen könne. Das Ziel der Ökumene müsse die sichtbare Einheit, manifestiert im gemeinsamen Glauben, in den Sakramenten und Dienstämtern, sein. Das schließe legitime Unterschiede nicht aus. Und das sei für Benedikt zutiefst eine Frage des Glaubens, weshalb für ihn auch das Gebet um die Einheit das Herzstück der Ökumene sei. Ein bloßes „friedliches Zusammenleben“ sei jedenfalls zu wenig.

Ökumene sei nicht als Anschluss einer Kirche an eine andere zu verstehen, betonte Koch. Vielmehr gehe es Papst Benedikt darum, dass alle Kirchen sich immer mehr um die Nachfolge Jesu Christi bemühten, auf diesem Weg immer mehr auch aufeinander zugingen und so zur Einheit gelangten. Benedikt habe hier auch immer wieder die untrennbare Verbindung von Mission und Ökumene unterstrichen, bei der die Kirchen gemeinsam Zeugnis für die Gegenwart Gottes geben, erläuterte Koch.

In diesem Zusammenhang sei laut dem Kurienkardinal auch das gemeinsame karitative Zeugnis zu sehen, das für Papst Benedikt eine nichtaufgebende ökumenische Dimension hat. Der karitative Dienst sei elementar auf dem Weg zu Einheit. Das jüngste Zusammentreffen von Papst Franziskus und Patriarch Bartholomaios auf der griechischen Insel Lesbos, bei dem die gemeinsame Sorge der Kirchen um die Flüchtlinge zum Ausdruck kam, sei ein ausgezeichnetes Beispiel dafür.

Eine zentrale Frage in der Ökumene sei jene nach dem Kirchenverständnis, führte Koch weiter aus. Hier stünden sich die katholische und orthodoxe Kirche am nächsten. Probleme bereite freilich die Primatsfrage. Hier habe Papst Benedikt aber schon als Theologieprofessor 1976 bahnbrechend festgestellt, dass „Rom vom Osten nicht mehr an Primatslehre fordern muss, als im ersten Jahrtausend formuliert und gelebt wurde“. Das Papstamt müsse als Dienstamt und nicht als Machtposition verstanden werden, forderte Kardinal Koch ein.

In den Beziehungen zu den Kirchen der reformatorischen Tradition bedürfe es freilich einer umfassenden Klärung des Kirchenverständnisses, so Koch. Diese Kirchen wollten von sich aus in einer anderen Weise Kirche sein, als dies bei der katholischen und orthodoxen Kirche der Fall sei.

„Ut unum sint“

Das Symposion in Trumau stand unter dem Titel „Ut unum sint“. So hieß die Aufsehen erregende Enzyklika von Johannes Paul II. vom 25. Mai 1995, in der der Papst den Wunsch nach der Einheit aller Christen bekräftigte und zum Dialog über die Ausübung des Petrusamts durch den Bischof von Rom aufforderte. Beleuchtet wurden bei dem Symposion neben der Ökumene-Theologie von Papst Benedikt XVI. u.a. die katholisch-orthodoxen Beziehungen gut 50 Jahre nach der Aufhebung der gegenseitigen Exkommunikation sowie die Beziehungen zur evangelischen Kirche im Vorfeld des Reformationsjubiläums bzw. -gedenkens 2017.

(kap 24.04.2016 mg)

KARDINAL KURT KOCH IM GESPRÄCH MIT PROF. ALBERT SCHARF AM 15.2.2016

Kurt Kardinal Koch (PrŠsident des PŠpstlichen Rates zur Fšrderung der Einheit der Christen).Honorarfrei lediglich fŸr AnkŸndigungen und Veršffentlichungen im Zusammenhang mit obiger BR-Sendung bei Nennung: "Bild: BR". Nutzung im Social Media-Bereich, sowie inhaltlich andere Verwendungen nur nach vorheriger schriftlicher Vereinbarung mit dem BR-Bildarchiv, Tel. 089 / 5900 10580, Fax 089 / 5900 10585, Mail Pressestelle.foto@br.de

ALPHA-FORUM

Sendung vom 15.2.2016, 20.15 Uhr

Kurt Kardinal Koch

Präsident des Päpstlichen Rates
zur Förderung der Einheit der Christen
im Gespräch mit Professor Albert Scharf

 

Scharf: Willkommen zum alpha-Forum. Wir haben heute Besuch aus Rom: Der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch ist zu einem kurzen dienstlichen Aufenthalt in München und nimmt sich die Zeit zu diesem Gespräch. Herr Kardinal, Sie sind seit 2010 Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Salopp ausgedrückt könnte man sagen, Sie sind der Ökumene-Minister des Papstes, der theologische Außenminister, der die Beziehungen zu den anderen christlichen Gemeinschaften und Bekenntnissen in aller Welt und – das hat tiefen Sinn – der die religiösen Beziehungen zum Judentum zu pflegen hat.

Das ist eine schwierige, vielfältige Aufgabe, über die wir aber schon einmal im alpha-Forum gesprochen haben. Heute haben wir ein anderes Stichwort: Ehe und Familie in der heutigen Zeit und im Lichte der Lehre, der Pastoral der Kirche. Gerade jetzt hat sich in Rom drei Wochen lang eine Bischofssynode mit ungefähr 300 Teilnehmern damit beschäftigt.

Sie waren mit dabei: Was ist Ihr Eindruck, was ist Ihr Fazit? Wie beurteilen Sie das Ergebnis?

Koch: Ich glaube, das Ergebnis ist sehr positiv. Es waren ja zwei Synoden. Die erste im Jahr 2014: Das war eine kürzere Synode, die vor allem die Probleme, die Fragen aufs Tapet bringen wollte. Die zweite Synode nun sollte dem Heiligen Vater eigentlich Empfehlungen geben, wie er mit diesem Thema umgehen könnte. Ich denke, diese drei Wochen haben einen intensiven Prozess ausgelöst unter allen Teilnehmern und schlussendlich auch zu einem Dokument geführt, das von allen angenommen worden ist.

Scharf: Die katholische Kirche hat sich ja nicht zum ersten Mal mit diesem Thema beschäftigt, auch Bischofssynoden hat es dazu schon gegeben, aus denen dann jeweils Lehrschreiben der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hervorgegangen sind. Was war dieses Mal anders?

Koch: Anders waren die Herausforderungen, unter denen Ehe und Familie heute stehen. Dazu gehört, dass es eine Zunahme von Ehescheidungen gibt, dass es eine Zunahme von Menschen gibt, die nicht mehr heiraten, die nicht mehr kirchlich heiraten. Das sind neue Herausforderungen, denen sich die Kirche stellen muss. Aber ihre Grundüberzeugung, ihre Lehre ist natürlich die gleiche geblieben.

Scharf: Die Spannung war ja groß und wird auch noch anhalten bis zu dem Zeitpunkt, an dem man dann sehen wird, was der Papst aus diesem Ergebnis macht. Irgendwo schwebte jedenfalls bei einigen immer wieder die Erwartung mit, es könnte sich auch die Lehre modifizierter darstellen nach diesen Beratungen, die ja sehr tiefgreifend waren. Die große Not der Menschen in diesem Bereich hat es andererseits auch schon vor 20 und 30 Jahren gegeben. Die Lehrschreiben der beiden genannten Päpste zeigen, dass ihnen diese Sorge sehr wohl bewusst gewesen ist. Es hat dann im Vorfeld dieser Synode doch sehr deutliche Zeichen gegeben, einerseits von Theologen, andererseits aber auch vom Papst selbst, dass er möglicherweise an die Nöte der Menschen in unserer Zeit anders herangeht, fast würde ich sagen: methodisch anders herangeht, als dies frühere Päpste gemacht haben, die von der Lehre ausgegangen sind. Dieser Papst nun macht immer den Eindruck, dass er zunächst einmal von der Not der Menschen ausgeht und dann überlegt, was man im Lichte der Lehre diesen Menschen Gutes tun kann. Sehe ich das richtig? Gibt es da zwar keinen Bruch, aber doch eine andere Methodik?

Koch: Bei der Synode hat sich gezeigt: Das Arbeitsinstrument, das allen vorlag, hatte drei Teile, gemäß dem Dreischritt: Sehen, Urteilen, Handeln. Darin lag bereits die ganze Methode, die Papst Franziskus am Herzen liegt, offen zutage. Es geht ihm zunächst einmal darum, zu sehen, wie die Menschen leben, wo ihre Nöte sind, wo ihre Herausforderungen sind, wo auch ihre Schönheiten sind, dieses dann im Licht des Glaubens zu betrachten, im Licht der Lehre, die für den Papst feststeht, und daraus dann Handlungsanweisungen zu machen. Es gab im Laufe der Synode auch Diskussionen, ob dieser Dreischritt wirklich richtig ist. Aber es hat sich dann doch sehr deutlich gezeigt, dass er angesichts der Komplexität der Frage der richtige Weg ist.

Scharf: Es gibt im christlichen Bereich, im Bereich der christlichen Kirchen ja schon auch deutliche Unterschiede in der Einschätzung der Bedeutung der Ehe, vor allem auch der Familie. Im evangelisch-lutherischen Bereich hat es vor Jahren eine Orientierungsschrift gegeben, die davon ausging, man müsse Familie neu denken, man müsse auch andere Partnerschaften außerhalb der Ehe im traditionellen Sinne ins Auge fassen und mit einem kirchlichen Segen versehen. Hat sich das in dieser Synode auch schon so manifestiert oder gibt es da nach wie vor einen deutlichen Unterschied?

Koch: Es gibt einen ganz großen Konsens der Synode, dass Familie auf der Basis der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau beruht, weil nach biblischer Überzeugung, nach christlicher Überzeugung die Ehe nicht einfach eine gesellschaftliche Institution ist, sondern einen Bund darstellt, der die Liebesbeziehung Gottes zur Kirche, zu seinem Volk widerspiegelt und in diesem Sinne ein Sakrament ist. Dass das nicht neu definiert werden kann, war großer Konsens. Ich habe keine einzige Stimme in der Synode gehört, die in eine andere Richtung gegangen wäre.

Scharf: In anderen christlichen Kirchen kann man den Satz lesen, ein normatives Verständnis der Ehe als göttliche Stiftung entspräche nicht der Breite des biblischen Zeugnisses. Haben wir die gleiche Bibel, den gleichen Text?

Koch: Wir haben den gleichen Text, aber offenbar sehr verschiedene Leseweisen. Ich denke, das ist eine sehr große Herausforderung, denn durch verschiedene Interpretationen der Heiligen Schrift ist es letztlich zur Kirchenspaltung gekommen. Und eigentlich müssten wir die Einheit wiederfinden in einer gemeinsamen Lektüre der Heiligen Schrift. Wenn nun die Heilige Schrift so verschieden ausgelegt wird, dann ist das natürlich eine ganz große Herausforderung für das ökumenische Gespräch, intensiver über diese Fragen zu reden. Ich denke, über Ehe und Familie ist in den ökumenischen Beziehungen und ökumenischen Dialogen bisher wenig, vielleicht zu wenig gesprochen worden. Es gibt Gespräche vor allem mit den Orthodoxen, bei denen wir sehr bald einen Konsens haben werden. Ich denke, mit den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen müssen wir das Gespräch über Ehe und Familie ganz neu suchen.

Scharf: Dann wird aber die katholische Kirche auch nach den Konsequenzen aus ihrer Sichtweise gefragt werden: Was ist, wenn Ehen scheitern? Was ist dann, wenn Menschen, die eine gescheiterte Ehe hinter sich haben, erneut den Bund der Ehe schließen wollen? Wie verhält sich die katholische Kirche also zur Wiederverheiratung? Auch da haben meiner Meinung nach die lutherischen Kirchen weniger Probleme, denn Luther selbst hat ja schon gesagt, die Ehe ist an sich „ein weltlich Geschäft“.

Das heißt, das ist ein Bund, den die Kirche segnet, in den sie sich aber sonst nicht weiter einmischt. Dies führt in den lutherischen Kirchen zur Konsequenz, dass man Ehe und Familie dann auch weltlich gestalten kann.

Koch: Luther hat das natürlich nicht so gemeint, wie das heute verstanden wird. Für Luther war klar, dass die Ehe eine religiöse Dimension ist, auch eine religiöse Institution ist. Für ihn war sie lediglich kein Sakrament: Das war der Hintergrund. Aber dass die Ehe als „weltlich Ding“ völlig säkular wäre, wie das heute verstanden wird, war nicht die Überzeugung von Martin Luther. Ich glaube, da könnten wir schon tiefer miteinander ins Gespräch kommen. Denn auch der evangelische Christ begnügt sich ja nicht einfach mit der staatlichen Trauung, sondern wünscht eine kirchliche Trauung. Selbst wenn sie anders verstanden wird, ist auch hier die religiöse Dimension vorhanden.

Scharf: Kaum war die Synode zu Ende, gingen die Aussagen darüber, was eigentlich gemeint war, auseinander. Das ist wahrscheinlich nicht verwunderlich bei einem Text, der notwendigerweise derart ausgewogen zur Abstimmung gestellt werden musste, damit er auch die nötigen Mehrheiten findet. Vor allem der Beitrag der deutschsprachigen Bischöfe – Sie gehörten dieser Gruppe selbst auch an – ist sehr bedacht auf die Akzeptanzfähigkeit in der Weltkirche angelegt gewesen. Dennoch ist eigentlich – das sage ich jetzt einfach mal so aus meiner Erwartungshaltung heraus – überraschenderweise mehr herausgekommen, als man eigentlich hatte befürchten müssen. Denn so blass ist die Darstellung dessen, was man sich künftig auch als Dynamisierung der Seelsorge für Ehe und Familie vorstellt, nicht. Ob nun in diesem Text bereits steht, dass wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen dürfen oder nicht, ist eine Frage, die in das Forum Internum verlagert wird. Aber das ist doch immerhin etwas gewesen, was die Vertreter der strengeren Observanz vor der Synode eigentlich nicht für annehmbar erklärt haben. Ebenso gilt dies für das ganz deutliche Prinzip des Papstes, das er ja im Vorfeld fast schon bis in seine täglichen Predigten bei der Frühmesse immer wieder betont hat: dass es zu allererst gilt, Barmherzigkeit zu üben. Diejenigen, die sich nur an den Buchstaben des Gesetzes klammern, schmälern den Horizont Gottes, hat er einmal gesagt. Das waren ja schon deutliche Fingerzeige auch für die Synode, wie der Papst es gerne hätte. Oder täusche ich mich da?

Koch: Vielleicht muss man dazu zweierlei sagen. Es macht einen großen Unterschied aus, ob Kardinäle vor der Synode in der Öffentlichkeit übereinander reden oder ob sie dann in der Synode miteinander reden. Ich denke, in der deutschsprachigen Gruppe war es ein Anliegen, auf keinen Fall hinter das zurückzugehen, was die früheren Päpste gesagt haben. Wir haben ja diesen großartigen Text von Johannes Paul II., „Familiaris consortio“, in dem er gerade im Hinblick auf die wiederverheirateten Geschiedenen sehr deutlich sagt, dass es die wiederverheirateten Geschiedenen nicht gibt, wobei hier die Betonung auf dem „die“ liegt: Jede Situation ist anders und jeder Seelsorger, jeder Bischof ist berufen, sehr genau hinzusehen, um welche Situation es sich handelt. Insofern hat die deutschsprachige Gruppe ganz auf diesen Text von Papst Johannes Paul II. aufgebaut, hat ihn weitergedacht, weiterentwickelt. Sie hat klargemacht, dass man auf keinen Fall hinter diese Aussagen zurückgehen kann.

Scharf: Das Erstaunliche für viele Menschen und für andere Teilnehmer war wahrscheinlich, dass diese deutschsprachige Gruppe sich zu einem prägnanten Beitrag verständigen konnte, der in weiten Teilen gerade im Hinblick auf diese Problematik in das Schlussdokument Eingang gefunden hat. In dieser Gruppe waren außer Ihnen noch weitere Kardinäle, darunter auf der einen Seite Ihr Vorgänger im päpstlichen Amt, Walter Kasper, und auf der anderen Seite Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, der im Vorfeld deutlich andere Meinungen als Kasper geäußert hat. Auch Kardinal Marx aus München und Kardinal Schönborn aus Wien waren in dieser Gruppe mit dabei. Dass sich dann diese Gruppe, in der eigentlich die Fronten regelrecht personifiziert waren, auf einen gemeinsamen Text verständigen konnte, war eine große Leistung, wie ich finde.

Koch: Es war natürlich schon so, dass diese Gruppe viel größer war, als man das in der Öffentlichkeit wahrgenommen hat. In dieser Gruppe waren auch noch Vertreter aus Ungarn, aus Serbien, aus Kroatien, aus Finnland und aus Syrien. Auch der Patriarch der Melkiten, Patriarch Gregorius, war anwesend. Ich glaube, dieses weite Spektrum hat mitgeholfen, dass man einen guten Konsens gefunden hat. Ganz sicher hat auch die hervorragende Moderatorenarbeit von Kardinal Schönborn geholfen, einen Konsens zu finden. So eine Synode kann ja nicht entscheiden, sondern kann nur Empfehlungen geben. Je einmütiger die Empfehlungen sind, umso leichter ist es dann für den Papst, seine Entscheidungen zu fällen. Das entscheidende Anliegen für uns war daher: So zu denken und zu arbeiten, dass man möglichst einmütig etwas feststellen kann, um es dann in die Hand des Papstes zu legen.

Scharf: Kardinal Marx hat gesagt, dieser Schlussbericht sei ein Impulstext: ein Impuls für wen? Für den Papst?

Koch: Ja.

Scharf: Der Papst ist daran ja nicht gebunden, aber er hat, wie mir scheint, bereits in seiner Schlussansprache doch deutlich gemacht, wo er nach wie vor die Gewichte sieht. Er hat nämlich gemeint, man müsse die Wirklichkeiten von heute mit den Augen Gottes sehen und deuten, um die Menschen zu ermutigen und nicht zu enttäuschen; die erste Pflicht bestehe nicht darin, Verurteilungen und Bannflüche auszuteilen, sondern darin, die Barmherzigkeit Gottes zu verkünden. Damit konnte er sich natürlich auf Vorgänger berufen: auf Papst Paul VI., auf Papst Johannes Paul II., auf Papst Benedikt XVI. Er hätte auch bereits die Eröffnungsansprache von Johannes XXIII. zum Konzil nennen können, denn Johannes XXIII. sagte damals schon, Aufgabe der Kirche sei nicht, die Strenge des Gesetzes zu verhängen, sondern Barmherzigkeit zu üben. Das heißt, es gibt eine ganz lange Linie in der Betonung dieses, wie es Kasper einmal genannt hat, hermeneutischen Prinzips, durch Barmherzigkeit die Wahrheit zu erkennen.

Koch: Ja.

Scharf: Andererseits hat Kardinal Müller vor zwei Jahren in einem Aufsatz geschrieben, die Barmherzigkeit sei das Gesamtprinzip Gottes und man könne nicht das, was Gott uns als Regeln aufgegeben hat, mithilfe der gleichen Barmherzigkeit ins Gegenteil verkehren. Aber auch Kardinal Müller hat diesem Bericht zugestimmt.

Koch: Ja, wir haben sehr intensive Diskussionen darüber gehabt, wie sich denn nun Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit zueinander verhalten. Es ist in der deutschen Sprachgruppe ja auch in einem Bericht ein Abschnitt darüber formuliert worden. Darin haben wir den sehr guten Konsens gefunden, dass man Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit nicht gegeneinander ausspielen kann, dass beide unmittelbar zusammengehören und dass das ja auch keine neue Erfindung von heute ist. Denn Sie haben das ja bereits angesprochen: Von Johannes XXIII. über Paul VI. und Johannes Paul II. bis zu Benedikt XVI. geht ja eine ganz große Linie. Denken Sie vor allem an Johannes Paul II., der seine zweite Enzyklika „Dives in Misericordia“ genannt hat, also „Reich an Erbarmen“, der den Barmherzigkeits-Sonntag eingeführt hat. Das ist also keine Neuheit von der Synode heute, sondern da stehen Papst Franziskus und die Synode in einer sehr guten Tradition.

Scharf: Die Reaktionen auf diese Synode und ihren Bericht haben bei mir Erinnerungen an die Situation nach dem Zweiten Vatikanum hervorgerufen, als ebenfalls sogleich ein Konflikt sichtbar wurde zwischen denen, die glaubten, die Wahrheit nicht schmälern zu dürfen, und dem Willen des damaligen Papstes Johannes XXIII., dass sich die Kirche öffne, dass sie sich in die Zeit hinein öffne und bei all den Problemen der Zeit sozusagen ein Partner werde für die Menschen. Dieses von ihm angedachte und gewollte Aggiornamento war aber keine Anpassung an den Zeitgeist, selbst wenn man auch das gleich wieder hineininterpretierte in diese Öffnung. Genau diese Diskussion sieht man jetzt auch wieder: Der bekannte deutsche Philosoph Robert Spaemann hat dieser Synode entgegengerufen, dem Zeitgeist müsse man die Stirn bieten und dürfe nicht ständig nach Schlupflöchern suchen. Hat das die Diskussionen quasi im Untergrund ein wenig beeinflusst? Wenn wir auf diese Probleme der Menschen und die Anfälligkeit der Menschen dafür eingehen – dass Ehen scheitern, hat ja oft viele Gründe –, liefern wir uns dann nicht dem Zeitgeist aus, der seinerseits alles zerfließen lässt, was vorher eben auch die Einheit der Kirche dargestellt hat? Ist das also über das damalige Konzil hinaus bis heute ein Dauerthema geblieben?

Koch: Das ist eine Grundspannung, die die Kirche immer beschäftigt, weil sie auf der einen Seite eine Offenbarung hat und diese Offenbarung nicht verfügbar ist: Diese Offenbarung ist uns geschenkt und ist verbindlich. Auf der anderen Seite gibt es aber auch den Wandel in der Geschichte und deshalb muss man eben immer wieder neu überlegen, wie denn diese Offenbarung in die Zeit hinein übersetzt werden kann, und zwar so, dass die Menschen sie verstehen können. Es geht also nicht darum, dass wir jeweils eine andere Offenbarung verkünden, sondern es geht darum, dass wir dasselbe manchmal anders sagen müssen, damit das Gemeinte wirklich durchkommt zu den Menschen. Das ergibt dann natürlich eine Spannung, denn da gibt es eben die einen, die sagen: „Nein, auch der Wortlaut muss so bleiben, wie es bisher gewesen ist!“ Und es gibt die anderen, die sagen: „Wir müssen die Sprache so anpassen, dass uns die Menschen von heute verstehen.“ Das kann zu den beiden Extremen führen, dass man sich einerseits in der Lehre verfestigt und diese andererseits „verflüssigt“. Aber beides gehört unlösbar zusammen. Ich glaube, gerade diese Äußerungen von Papst Franziskus waren ein Zwischenruf, nicht auseinander zu dividieren, was unlösbar zusammengehört. Denn was nützt es, wenn wir den Glauben in einer Sprache verkünden, die der heutige Mensch nicht versteht? Dass die Menschen uns verstehen, muss uns doch ein Anliegen sein! Und das ist auch der Grundimpuls von Papst Franziskus, dass die Kirche missionarischer werden muss, dass sie aus sich herausgehen und die schöne Botschaft verkünden muss. Deshalb muss sie auch Verantwortung tragen für die Sprache, in der das geschieht. Der christliche Glaube ist ja auch der Überzeugung, dass Gott nicht einfach von jenseits der Zeit zu uns spricht, sondern in der konkreten Zeit, in der konkreten Geschichte zu uns spricht. Deshalb müssen wir genau sehen, was in der Geschichte geschieht, und dieses im Licht des Glaubens beurteilen. Wenn wir das machen, dann ist das meiner Meinung nach gerade keine Anpassung an den Zeitgeist.

Scharf: Sprache kann natürlich auch Begriffe verändern und sich sozusagen von der Wahrheit entfernen. Ist es auf der anderen Seite für die katholische Kirche nicht auch eine neue Erkenntnis, dass sich die Offenbarung durch die Geschichte wandeln kann: in der Aktualität, in der Ausprägung dessen, was die Lehre für heute bedeutet? Sie haben über die Geschichtstheologie des bedeutenden protestantischen Theologen Wolfhart Pannenberg promoviert und sich intensiv mit diesem Thema „Geschichte, Zeit, Offenbarung“ beschäftigt, mit der Offenbarung, die sich, wie Pannenberg sagt, überhaupt erst für die Zeit nach dem Ende der Zeiten entwickelt und dann erst deutlich wird. Ist dieser Prozess auch für die Anpassung der Lehre im rechten Sinne an die Probleme der Zeit von einer neuen Bedeutung für die katholische Kirche?

Koch: Das, was Wolfhart Pannenberg mit seiner Überzeugung neu entdeckt hat, nämlich die Offenbarung als Geschichte in der Geschichte, ist ja in der katholischen Theologie von Joseph Ratzinger entwickelt worden, vor allem in seiner Habilitationsschrift über das Offenbarungsverständnis von Bonaventura, denn dort weist er nach: Offenbarung geschieht nicht einfach in der Heiligen Schrift, sondern Offenbarung geschieht in der Geschichte. Gott selbst hat sich in der Geschichte offenbart. Und deshalb können wir die Offenbarung nicht einfach jenseits der Geschichte suchen, sondern müssen sie immer wieder neu entdecken, müssen immer wieder neu entdecken, was Gott, der ewig Treue, der sich offenbart hat, uns in der heutigen Situation sagen will. Ich denke, da gibt es heute auch einen sehr großen ökumenischen Konsens.

Scharf: Ist das für die Ökumene, für die Einheit in der Vielheit vielleicht eine größere Klammer, als es die Probleme sind – darf jemand zum Abendmahl gehen oder nicht? –, über die man immerzu diskutiert?

Koch: Ich glaube, in der Grundüberzeugung gerade im Hinblick auf das Verhältnis von Offenbarung und Geschichte haben wir ökumenisch großartige Konsense gefunden. Die Differenzen liegen heute an einem anderen Ort: Sie liegen heute vor allem – und deswegen reden wir ja über dieses Thema – in der Ethik. Das ist ein grundlegender Wandel, denn in den 80er und 90er Jahren hatte die Devise der Ökumene noch geheißen: „Glaube trennt, Handeln eint.“ Heute müssen wir fast schon das Umgekehrte sagen: Wir konnten viele Glaubensfragen vertiefen, haben jedoch heute ganz neue Dissense auf der Ebene der Ethik. Das ist eine große Herausforderung und wir müssen uns diesen Fragen stellen. Denn wenn die christlichen Kirchen zu den grundlegenden ethischen Fragen des Lebens und des Zusammenlebens nicht mit einer Stimme sprechen können, wird die christliche Stimme in Europa immer schwächer.

Scharf: Das wird sie vermutlich ohnehin, das ist sie bereits.

Koch: Aber wir sollten nicht auch noch dazu beitragen.

Scharf: Und schon gar nicht durch einen Streit über eigentlich Einigendes. Sehen Sie Chancen, dass man sich durch solche oft auch vordergründigen Positionsbehauptungen in aktuellen Debatten über die Wissenschaftsethik, über naturwissenschaftliche Probleme, über das Entstehen des Lebens, über das Ende des Lebens wieder näherkommt? Es kann ja eigentlich nicht anders sein, wenn man sich auf die Bibel beruft.

Koch: Ich meine, gerade in Deutschland gab es ja einen großartigen Konsens in bioethischen Fragen, der dann aber leider brüchig geworden ist rund um die Frage des Stichdatums. Ich hoffe natürlich schon, dass man gerade bei den Fragen, die das Leben, die den Lebensbeginn und das Lebensende betreffen, wieder zu größeren Konsensen findet. Wir müssen jedenfalls intensiv darum ringen.

Scharf: Die Bayerische Akademie der Wissenschaften plant gerade eine Vorlesungsreihe über Religion und Gesellschaft, über Sinnstiftungssysteme. In der Ankündigung dazu ist bereits die Rede von den „Christentümern“. Sind wir schon so weit, dass sich die Christenheit in einzelne „Christentümer“ zersplittert hat, die im Grunde genommen je einen gesonderten Glauben entwickeln, obwohl ja allen der Glaube an den dreieinigen Gott und an Jesus Christus gemeinsam sein sollte?

Koch: Es kommt natürlich darauf an, wie man diese Aussage versteht. Wenn man sie rein soziologisch nimmt, kann man den Eindruck haben, dass es verschiedene Ausgestaltungen des Christentums gibt, und daher in diesem Sinne von „Christentümern“ sprechen. Ich vermute aber, dass etwas anderes, dass etwas Theologisches dahintersteckt, denn ich denke, die Grundschwierigkeit, die wir heute in der Ökumene haben, besteht darin, dass wir keine gemeinsame Zielbestimmung der Ökumene mehr haben. Wir sind uns in vielen Fragen einig geworden, aber wir sind uns nicht einig, wohin denn die ökumenische Reise gehen soll. Da gibt es zwei grundverschiedene Vorstellungen: Es gibt die katholische Vorstellung, dass wir die Einheit, die sichtbare Einheit im Glauben, in den Sakramenten und in den Ämtern suchen. Von dieser Grundüberzeugung haben sich nicht wenige der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen verabschiedet. Sie verstehen Einheit nur noch als gegenseitige Anerkennung aller kirchlichen Realitäten, die es gibt. Und die Summe all dieser Kirchentümer wäre dann diese eine Kirche. Vielleicht steht genau das hinter dieser Rede von den verschiedenen Christentümern: dass wir die Einheit im eigentlichen Sinne gar nicht mehr suchen, sondern die verschiedenen Ausprägungen des christlichen Glaubens so stehenlassen, wie sie sind, uns gegenseitig anerkennen und so die Einheit bekommen. Ich denke aber, hier müssen wir wirklich ganz neu über das Ziel der Ökumene reden.

Scharf: Das wäre dann nämlich keine Einheit der Christenheit, sondern eine Gemeinschaft der Kirchen.

Koch: Ja, das wäre dann eben eine Gemeinschaft aller vorhandenen Kirchen – wie das ja im Protestantismus gelebt wird. Der Protestantismus ist ja eine Gemeinschaft verschiedener Kirchen, teilweise sogar bekenntnisverschiedener Kirchen. Das ist wirklich das protestantische Ökumene-Modell. Das katholische Modell geht hingegen von einer anderen Realität und von einer anderen Zielbestimmung aus. Ich denke, wir müssen hier wirklich ganz neu darum ringen, wohin denn die Reise gehen soll. Denn wenn man kein gemeinsames Ziel mehr hat, dann kann es sein, dass man sich weiter auseinanderentwickelt, als das bisher der Fall gewesen ist.

Scharf: Wobei in dieser Diskussion oft vergessen wird, dass zur Einheit der Christenheit auch die orthodoxe Kirche gehört.

Koch: Ja, selbstverständlich.

Scharf: Und die orthodoxe Kirche wird das noch einmal anders sehen, sowohl im Verhältnis zu Rom wie auch zu den anderen christlichen Bekenntnissen.

Koch: Mit der Orthodoxie haben wir sicherlich Einigkeit im Hinblick auf die Zielbestimmung: dass es eine sichtbare Einheit im Glauben, in den Sakramenten und in den Ämtern geben soll. Wie dann diese Einheit vor allem mit Blick auf den Dienst des Petrusamtes ausgestaltet wird, ist hier die strittige Frage.

Scharf: Herr Kardinal, ehe Sie Papst Benedikt nach Rom holte, waren Sie bereits 15 Jahre Bischof von Basel. Die Diözese Basel deckt einen guten Teil der deutschsprachigen Schweiz ab. Ich weiß nicht, ob es sich um acht oder neun oder noch mehr Kantone handelt.

Koch: Es sind zehn Kantone.

Scharf: Auf jeden Fall sind diese Kantone religiös durchaus unterschiedlich geprägt. Die Stadt Luzern, aus der Sie kommen, ist, wenn ich das mal so plakativ sagen darf, katholisch. Aber viele andere wie Bern und Basel sind ausgeprägt evangelisch.

Koch: … gewesen. Denn das hat sich sehr verändert.

Scharf: Ja?

Koch: Durch die Migration. In Zürich ist die Mehrheit inzwischen katholisch.

Scharf: Ah ja. Immerhin, das Problem der Interkonfessionalität hat sich in Ihrer Diözese Basel sicherlich auf ganz besondere Weise gestellt. Sie haben Erfahrungen gemacht damit, haben Erfahrungen gemacht auch mit interkonfessionellen Ehen. Glauben Sie, dass diese Synode den Seelsorgern und den Bischöfen in der Schweiz und natürlich auch in Deutschland und in Österreich helfen wird?

Koch: Ich glaube schon, denn es ist uns ja ein Anliegen gewesen, das Positive der konfessionsverschiedenen Ehen zu betonen. Aber im Arbeitsinstrument waren mehr nur die Probleme gegeben. Ich denke jedoch, dass eine konfessionsverschiedene Ehe auch eine besondere Sendung hat, nämlich Ökumene im Alltag zu leben, die Ökumene des Lebens zu gestalten. Hier können wir auch durchaus etwas lernen, wenn die konfessionsverschiedene Ehe wirklich eine Brücke zwischen den verschiedenen Kirchen ist und dieses auch leben kann. Heute haben wir natürlich neue Herausforderungen: Wir haben heute nicht nur konfessionsverschiedene Ehen mit jeweils anderen christlichen Kirchen, sondern auch solche mit je anderen Religionen. Und es gibt z. B. gerade im Osten von Deutschland viele Ehen zwischen gläubigen Menschen und ungläubigen Menschen: Das sind nochmals ganz andere Herausforderungen, denen sich die Kirche stellen muss.

Scharf: Leidet die Vorstellung der katholischen Kirche, dass die Ehe – durch das bewusste Versprechen von Mann und Frau, zu einer Einheit zu werden – ein Sakrament darstellt, nicht dadurch, dass der eine Partner diese sakramentale Vorstellung möglicherweise überhaupt nicht hat und die Ehe anders beurteilt? Was bedeutet das dann aber für den sakramentalen Charakter einer solchen Ehe?

Koch: Das ist eine ganz schwierige Frage, über wie wir, wie ich meine, in unserer Kirche noch sehr viel nachdenken müssen. Denn im katholischen Kirchenrecht heißt es z. B.: Jede Ehe unter Getauften ist Sakrament. Das heißt also, auch eine Ehe von Protestanten ist Sakrament. Was heißt das aber, wenn Protestanten das selber so nicht sehen? Was heißt das vor allem, wenn solche Ehen scheitern und es zu einer Wiederverheiratung kommt? Nach katholischem Recht hat das ja dieselben Konsequenzen wie bei einer katholischen Ehe. Deshalb müssen wir meiner Meinung nach ökumenisch zwischen den Kirchen neu darüber reden, wie wir die Ehe heute verstehen. Und die katholische Kirche muss sich im Hinblick auf diesen Grundsatz überlegen, wie er in einer multikonfessionellen und multireligiösen Welt gelebt werden kann. Das scheint mir eine wichtige Herausforderung zu sein, die nun nach der Synode noch in Angriff genommen werden muss.

Scharf: Kann das u. U. bedeuten, dass auch der sakramentale Charakter bei solchen Ehen nicht der gleiche ist, wie wenn sich überzeugte Katholiken zu einer Ehe zusammenfinden …

Koch: Dahinter steht ja noch die viel grundlegendere Frage, die Papst Benedikt bereits als Kardinal immer benannt hat: Welche Rolle spielt eigentlich der Glaube beim Zustandekommen der Ehe? Das ist eine ganz schwierige Frage, weil man den Glauben schwer überprüfen kann. Auf der anderen Seite kann es aber, wie das Konzil sagt, doch auch keinen Eheschluss ohne jeden Glauben geben: Die Sakramente setzen den Glauben voraus, bringen ihn zum Ausdruck und nähren ihn. Diese Frage, welche Bedeutung das Glaubensbewusstsein und das Glaubensverständnis der einzelnen Menschen, die heiraten, für das Verständnis ihrer Ehe hat, muss weiter vertieft werden.

Scharf: Da hilft auch diese Vereinfachung und Verkürzung der ehegerichtlichen Praxis in der Kirche durch Papst Franziskus wenig. Denn die Plausibilität der Argumente ist dabei ja wahrscheinlich das Problem.

Koch: Diese Frage spielt dann bei der Nichtigkeitserklärung selbstverständlich eine Rolle: Wie und mit welchem Glaubensverständnis ist diese Ehe geschlossen worden? Aber das ist eine wirklich noch ungeklärte Frage.

Scharf: Das ist sicherlich schwierig zu ermitteln – im Nachhinein.

Koch: Ja.

Scharf: Die gesamten Probleme sind damit also keineswegs gelöst.

Koch: Das stimmt.

Scharf: Ich habe aber auch in Gesprächen mit Seelsorgern den Eindruck gewonnen, dass diese angetan waren davon, dass man ihre Erfahrungen damit bestätigt hat. Ich kenne viele Pfarrer, die eigentlich ohnehin schon so verfuhren. Ich weiß nicht, ob das gängige seelsorgerische Praxis gewesen ist, aber für manche waren die Gedankengänge im Ergebnis dieser Synode nicht neu.

Koch: Das ist die ständige Herausforderung, wie die Glaubenslehre und die Pastoral so glaubwürdig miteinander verknüpft werden können, dass es keine Abstriche von der Lehre gibt und der Mensch in seiner ganz konkreten Situation ernst genommen wird. Das ist die Kunst der Seelsorge. Und dass die Synode nun auch einmal deutlich gesagt hat, dass das ein guter Weg ist, dass das der Weg der Kirche ist, ist für die Seelsorger sicherlich eine Hilfe.

Scharf: Die Ökumene steht, wie mir scheint, vor zwei großen Ereignissen. Da gibt es das Jahr 2017, das erstens an den Thesenanschlag in Wittenberg erinnert. Es wird das Lutherjahr gefeiert, es wird Luthers gedacht. Wie steht die katholische Kirche dazu?

Koch: Wir arbeiten zusammen, all unsere Dialoge im Vatikan sind auf universaler Ebene, unser Gesprächspartner ist der Lutherische Weltbund. Und mit dem Lutherischen Weltbund zusammen haben wir ein Dokument verfasst mit dem Titel „From Conflict to Communion“, also „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“, in dem wir zu zeigen versuchen, wie ein Reformationsgedenken gemeinsam stattfinden kann. Diese Schrift hat vor allem drei Schwerpunkte; der erste ist, dass man beim Ziel „vom Konflikt zur Gemeinschaft“ dennoch nicht zu schnell vom Konflikt wegkommt. Denn wir dürfen nicht darüber hinwegsehen, dass bei allen positiven Impulsen, die die Reformation gebracht hat, es zur Kirchenspaltung gekommen ist und zu den grausamen, blutigen Konfessionskriegen des 16. und 17. Jahrhunderts, dass es vor allem zum Dreißigjährigen Krieg gekommen ist, der Europa in ein Blutbad verwandelt hat. Darüber dürfen wir nicht einfach hinweggehen. Der zweite Schwerpunkt ist: Wir haben nicht nur 500 Jahre seit der Reformation, wir haben 50 Jahre Dialog zwischen katholischer Kirche und den Lutheranern und haben dabei viele Gemeinsamkeit entdeckt.

Dafür sollen wir dankbar sein. Der dritte Impuls ist die Hoffnung: Hoffnung darauf, dass ein gemeinsames Reformationsgedenken neue Schritte in die Zukunft der Einheit bringen wird. Es geht also um Trauer und Schuldbekenntnis, um Dankbarkeit und um Hoffnung: Das sind die drei Impulse. Auf der Basis dieser Impulse bereiten wir ein gottesdienstliches Ereignis zum Reformationsgedenken auf der universalen Ebene zwischen Lutheranern und Katholiken vor.

Scharf: Beschränkt sich das auf die Lutheraner? Denn es gibt ja auch reformatorische Kirchen anderen Ursprungs wie z. B. die Calvinisten, die Zwinglianer usw. Nehmen die diesen Anstoß zur Besinnung und zur Erinnerung an eine gemeinsame Geschichte auch mit wahr?

Koch: Das ist sehr unterschiedlich, weil diese natürlich jeweils eine ganz andere Geschichte haben. Nehmen Sie alleine das Luthertum: Die Einführung der Reformation in den nordischen Ländern wie Norwegen, Schweden, Finnland geschah ja erst viel später. Und das war vor allem keine Volksbewegung, sondern das war ein staatliches Diktat. Das sind also ganz unterschiedliche Situationen gewesen. Die Reformation von Zwingli und Calvin war wiederum eine ganz andere. Viele von diesen anderen reformatorischen Kirchen nehmen das wahr und sagen: „Ja, auch wir nehmen 2017 als Anlass, um über unsere Ursprünge neu nachzudenken.“ Es gibt aber auch reformatorische Kirchen, die ihre geschichtlichen Wurzeln anders deuten. Das ist also sehr, sehr verschieden. Es ist jeweils ihre eigene Entscheidung, wie sie sich zu diesem Reformationsgedenken im Jahr 2017 verhalten. Denn es ist klar: Das ist ein lutherisches Datum.

Scharf: Welche Rolle spielen denn in diesem ökumenischen Miteinander und Dialog die Freikirchen, die ja zumindest quantitativ eine zunehmend bedeutende Rolle in aller Welt spielen?

Koch: Das ist eine neue, ganz große Herausforderung, die wir in der Ökumene haben. Denn wir können uns heute nicht mehr darauf beschränken, nur Dialoge mit den historischen Kirchen zu führen. Stattdessen gibt es z. B. ein großes Anwachsen der Evangelischen Allianz und vor allem der pentekostalischen Kirchen, also der Pfingstbewegung. Der Pentekostalismus ist heute zahlenmäßig die zweitgrößte Realität nach der katholischen Kirche, d. h. er hat ein ungeheures Wachstum erlebt in den letzten Jahren und Jahrzehnten.

Scharf: In anderen Kontinenten oder auch schon in Europa?

Koch: Auf allen Kontinenten, natürlich ganz besonders stark in Lateinamerika, aber auch in Afrika, Asien und auch in Europa. Da sind dann ganz andere Themen zu besprechen, als das bisher mit den historischen Kirchen der Fall gewesen ist.

Scharf: Aus der Sicht der historischen Kirchen und auch aus der Sicht des normalen Gläubigen in Europa waren das ja immer nur Sekten. Damit jedoch kann man das alles, kann man diese pfingstlichen Bewegungen wohl schon längst nicht mehr abtun.

Koch: Ja, damit wird man ihnen nicht gerecht. Es gibt natürlich unter den pentekostalischen Bewegungen auch solche, die ganz anti-katholisch, ganz anti-ökumenisch sind. Es gibt aber auch solche, die den Dialog suchen. Natürlich können wir nur mit denjenigen einen Dialog führen, die einen solchen Dialog auch wollen. Mit denen, die das nicht wollen, kann man keinen Dialog führen. Aber wir haben heute den großen Vorteil, dass Papst Franziskus von Argentinien her eine sehr gute Kenntnis dieser Realität hat. Er lädt immer mehr Leute von den pentekostalischen Bewegungen ein und gibt ihnen Privataudienzen. Das ist ein ganz großer Vorteil und das öffnet uns auch neue Türen in dieses Feld hinein.

Scharf: Das heißt, es liegt eine spannende Zeit vor uns – und vor allem vor Ihnen. Ich danke Ihnen sehr, Herr Kardinal, dass Sie sich heute Zeit für uns genommen haben. Sie haben morgen noch ein ökumenisches Ereignis an der Münchner Universität und in der Katholischen Akademie in Bayern. Ich wünsche Ihnen Gottes Segen für Ihre weitere Tätigkeit.

Herzlichen Dank.

Koch: Ich danke Ihnen für dieses interessante Gespräch.

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© Bayerischer Rundfunk

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Quelle

Die Beziehungen zwischen dem Hl. Stuhl und dem Patriarchat von Moskau

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Die Muttergottes von Kasan (russisch Казанская Богоматерь) auch Kasanskaja genannt

PÄPSTLICHER RAT ZUR FÖRDERUNG DER EINHEIT DER CHRISTEN

BERICHT VON P. JOZEF M. MAJ

Die Beziehungen zwischen dem Hl. Stuhl
und dem
Patriarchat von Moskau

 

Wenn man sich die Liste der Ereignisse ansieht, die im Jahr 2004 die bilateralen Kontakte zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Patriarchat von Moskau geprägt haben, wird man feststellen, daß sich die gegenseitigen Beziehungen beachtlich ausgeweitet haben. Die Intensität dieser Beziehungen läßt uns die Entschlossenheit und den Willen erkennen, den Weg des Dialogs, der Verständigung und der Zusammenarbeit fortzusetzen, und das alles in einem Umfeld, wo nach wie vor merkliche Unterschiede in den Einschätzungen und Auffassungen darüber bestehen, was der Förderung harmonischer zwischenkirchlicher Beziehungen eigentlich hinderlich wäre. Die notwendige Klärung bzw. Überwindung der Divergenzen – ob sie nun tatsächlich bestehen oder nur für solche gehalten werden – wird in einem unentbehrlichen, von jedem historischen, kulturellen oder konfessionellen Vorurteil freien Klima gegenseitiger Achtung erreicht werden. Auf die Erreichung eines solchen Zieles müssen die Anstrengungen der in den Dialog einbezogenen Seiten ausgerichtet sein.

Das – in chronologischer Reihenfolge – erste Ereignis, das hier erwähnt werden soll, war der Besuch von Kardinal Walter Kasper in Moskau vom 17. bis 23. Februar 2004. Er kam dabei einer Einladung nach, die von der Konferenz der katholischen Bischöfe der Russischen Föderation an den Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ergangen war. Der Besuch war gekennzeichnet durch intensive Begegnungen mit den katholischen Bischöfen des Landes, mit dem Klerus der Erzdiözese von der Gottesmutter, mit der katholischen Gemeinde von Moskau und mit den in verschiedener Weise in die Pastoral der katholischen Kirche in Moskau eingebundenen katholischen Organisationen. Der Besuch schloß aber noch einen weiteren wichtigen Aspekt ein, der stets die Besuche von Vertretern des Heiligen Stuhls in den Ländern kennzeichnet, in denen es eine orthodoxe Ortskirche gibt. Die kirchliche Bedeutung solcher Besuche beschränkt sich nämlich nicht auf die katholische Gemeinschaft und darf einen gebührenden zwischenkirchlichen Kontakt nicht außer acht lassen, durch den ein größerer Zusammenhalt und eine tiefere Gemeinschaft unter den Christen angestrebt werden soll. Beim Besuch im Februar 2004, der auch von Wertschätzung für die russisch-orthodoxe Kirche beseelt war, wurde Kardinal Kasper von Seiner Heiligkeit Aleksij II., Patriarch von Moskau und ganz Rußland, in Audienz empfangen.

Eine Fortsetzung fanden die Kontakte in den bilateralen Gesprächen zwischen Kardinal Kasper und dem Metropoliten von Smolensk und Kaliningrad, Kyrill, dem Vorsitzenden der Abteilung für die kirchlichen Außenbeziehungen des Patriarchats. Bei dieser Gelegenheit wurde die Übereinstimmung der Positionen der katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche hinsichtlich der christlichen Werte neuerlich bestätigt, deren Trägerinnen sie sind und die Europa gestaltet und geprägt haben. Die in weiten Teilen übereinstimmenden Auffassungen der katholischen Kirche und der Orthodoxie über moralische Fragen und über die Soziallehre der Kirche könnten größere Auswirkungen auf das künftige Erscheinungsbild des Kontinents haben und für ein klareres christliches Zeugnis in der Welt sorgen. Im Verlauf der Gespräche wurden neuerlich zwei Themen aufgegriffen, die das Moskauer Patriarchat seit langem als das größte Hindernis für die Normalisierung seiner Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl beklagt: Dies betrifft zum einen den angeblichen Proselytismus der katholischen Kirche in der Russischen Föderation und die Verbreitung des sogenannten »Uniatismus«, zum anderen die angeblichen Ungerechtigkeiten und Verfolgungen, die die mit dem Patriarchat von Moskau verbundenen Orthodoxen in der Westukraine von seiten der Gläubigen der griechischkatholischen ukrainischen Kirche zu erleiden hätten. Da in den bilateralen Gesprächen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Moskauer Patriarchat am 21. November 1999 vereinbart worden war, daß über die Situation der Beziehungen in der Ukraine von einer lokalen gemischten Kommission zwischen den Vertretern der ukrainisch- orthodoxen Kirche und der griechischkatholischen ukrainischen Kirche verhandelt werden sollte, hat die katholische Seite bei den Gesprächen im Februar 2004 neuerlich den Wunsch nach Einsetzung einer solchen Kommission zum Ausdruck gebracht.

Was den angeblichen Proselytismus angeht, so wurde noch einmal die Achtung vor der tausendjährigen Tradition der russisch-orthodoxen Kirche und die Wertschätzung ihrer besonderen Rolle in der russischen Kultur und Gesellschaft bekräftigt. Diese Haltung des Heiligen Stuhls schließt jedes Ansinnen von Proselytismus aus, der im übrigen vom Zweiten Vatikanischen Konzil ausdrücklich zurückgewiesen wurde; weder hat es je eine Strategie gegeben – noch gibt es sie –, die darauf ausgerichtet wäre, in Rußland »einzufallen«. In diesem Zusammenhang wurde von katholischer Seite ein Vorschlag gemacht, der Zustimmung fand: die Bildung einer »gemeinsamen Arbeitsgruppe«, der die Aufgabe obliegt, die einzelnen Fälle, die die russisch-orthodoxe Kirche und die in Rußland vertretene katholische Kirche betreffen und nach Ansicht des Moskauer Patriarchats Unverständnis hervorrufen, zu prüfen, um nach geeigneten Lösungen auf lokaler Ebene zu suchen.

Im Laufe seines Moskau-Aufenthalts im Februar 2004 besuchte Kardinal Walter Kasper das berühmte Kloster in Sergijew Possad (Zagorsk), das Herz der russischen Orthodoxie, und den angrenzenden Gebäudekomplex des Seminars und der Theologischen Akademie von Moskau. Bei einer Begegnung mit den für den akademischen und administrativen Betrieb Verantwortlichen wurde der Wunsch der Akademie ausgesprochen, eine Zusammenarbeit mit den Päpstlichen Universitäten und Theologischen Fakultäten für einen Studenten- und Professorenaustausch, die Übersendung von Büchern und andere Formen der Zusammenarbeit anzubahnen. In diesem Zusammenhang wurde die volle Bereitschaft des Heiligen Stuhls bekräftigt, mit dieser Zusammenarbeit in all jenen Bereichen zu beginnen, die die russisch-orthodoxe Kirche als unerläßlich für die Vorbereitung ihrer Priesteramtskandidaten erachtet, um sicherzustellen, daß sie ihren Auftrag auf dem Territorium Rußlands und der Unabhängigen Staaten voll erfüllen kann, indem sie sich den pastoralen Herausforderungen stellt, die ihr die heutige Gesellschaft auferlegt. Zum Teil wird dieser Plan zur Zusammenarbeit bereits umgesetzt. So hat das Katholische Komitee für die kulturelle Zusammenarbeit, eine Einrichtung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, für das Studienjahr 2004/2005 acht Stipendien an Kandidaten des Moskauer Patriarchats zur Erlangung einer Spezialausbildung vergeben. Fünf von ihnen haben sich an Päpstlichen Universitäten in Rom eingeschrieben. Dank einer besonderen Spende konnte das Komitee außerdem der Bibliothek der Theologischen Akademie von Moskau die vollständige Reihe der Patrologia Orientale zum Geschenk machen.

Die oben erwähnte »gemeinsame Arbeitsgruppe« zwischen der katholischen Kirche und der russisch-orthodoxen Kirche in der Russischen Föderation hat bereits zwei Treffen in Moskau abgehalten, am 5. und 6. Mai und am 22. und 23. September 2004. Sie bildet eine Plattform für den Austausch von Informationen und Klarstellungen, in der Absicht, Lösungen für jene Situationen zu suchen, die wegen unterschiedlicher Sensibilitäten und pastoraler Ansätze Unverständnis oder gar Verdächtigungen zwischen der einen und der anderen Seite hervorrufen könnten. Obwohl die »Gemeinsame Arbeitsgruppe« nur als eine vorübergehende Hilfe bei der Normalisierung der Kontakte zwischen der katholischen Kirche in der Russischen Föderation und der orthodoxen Kirche dieses Landes angesehen werden kann, hat sie einen bemerkenswerten Beitrag in dem gewünschten Sinn geleistet. So kommt es bereits in verschiedenen Teilen dieses riesigen Landes, wenn auch noch nicht sehr zahlreich, zu Begegnungen zwischen katholischen und orthodoxen Bischöfen. Man darf wohl hoffen, daß solche Begegnungen zwischen den Bischöfen sowie auch zwischen dem Klerus überall dort, wo die katholische Kirche präsent ist, zu einem regulären Bestandteil des alltäglichen und kirchlichen Lebens werden. Nur auf diese Weise werden die gegenseitigen Vorurteile überwunden werden können, und es wird sich eine intensivere und ständige Zusammenarbeit zwischen den beiden Kirchen entwickeln, die auch der Gesellschaft und dem Land, dessen integrierender Bestandteil die orthodoxen und katholischen Gläubigen sind, zum Nutzen gereichen wird.

Das zweite Ereignis, das die Beziehungen zum Moskauer Patriarchat im Jahr 2004 sichtbar hervorhob, war die Entscheidung des Heiligen Vaters, dem Patriarchen Aleksij II., der russischorthodoxen Kirche und dem ganzen russischen Volk die Ikone der Muttergottes von Kasan zu schenken; das Marienbild war elf Jahre lang in einem der privaten Wohnräume von Papst Johannes Paul II. aufbewahrt und verehrt worden. Es wurde auf seiner Rückkehr nach Rußland von einer Delegation des Heiligen Stuhls unter der Leitung der Kardinäle Walter Kasper und Edgar Theodore McCarrick begleitet; der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kasper, überbrachte dem Patriarchen auch eine Botschaft des Papstes. Die Übergabe der Ikone erfolgte am 28. August in der dem Heimgang der allerseligsten Jungfrau Maria geweihten Kathedrale im Kreml; die Gläubigen, die in großer Zahl die Kirche füllten, nahmen andächtig an der vom Patriarchen selbst geleiteten Göttlichen Liturgie teil. In seinem Brief an den Patriarchen schrieb der Heilige Vater:

»Durch den unerforschlichen Plan der göttlichen Vorsehung hat die Gottesmutter in ihrer als ›Kasanskaya‹ bekannten heiligen Ikone während der langen Jahre ihres Pilgerweges die orthodoxen Gläubigen um sich versammelt, ebenso wie ihre katholischen Brüder aus anderen Teilen der Welt, die innig für die Kirche und das Volk, das sie seit Jahrhunderten beschützt, gebetet haben. Vor nicht allzu langer Zeit hat die göttliche Vorsehung gewährt, daß das Volk und die Kirche in Rußland ihre Freiheit wiedergefunden haben und daß die Mauer, die Ost- und Westeuropa getrennt hat, gefallen ist. Trotz der Spaltung, die es leider unter den Christen noch immer gibt, erscheint diese heilige Ikone als eines der Symbole für die Einheit der Jünger des eingeborenen Sohnes Gottes, Symbol für Ihn, zu dem sie uns alle führt« (O.R. dt., Nr. 36, 3.9.2004, S. 8). Mit Bezug auf die Einheit beteuerte Papst Johannes Paul II. in derselben Botschaft: »Der Bischof von Rom hat vor dieser heiligen Ikone innig dafür gebetet, daß der Tag kommen möge, an dem wir alle vereint sind und der Welt mit einer Stimme und in sichtbarer Einheit das Heil unseres einzigen Herrn und seinen Sieg über alle bösen und gottlosen Kräfte verkünden können, die unserem Glauben und unserem Zeugnis der Einheit Schaden zufügen« (ebd.).

Als der Patriarch die heilige Ikone von Kardinal Walter Kasper entgegennahm, sprach er unter anderem diese bedeutsamen Worte: »Herzlich danke ich Eurer Eminenz und allen Mitgliedern der Delegation der römisch-katholischen Kirche und in ihrer Person ihrem Oberhaupt, Papst Johannes Paul II., und der ganzen Kirche für die Ikone der Muttergottes von Kasan, die uns übergeben worden ist […] Heute begegnet Rußland einer der am meisten verehrten Darstellungen der Ikone der Muttergottes von Kasan. Dieses Bild hat einen langen und beschwerlichen Weg durch viele Länder und Städte zurückgelegt. Vor ihm beteten orthodoxe Gläubige, Katholiken, Christen anderer Konfessionen. Lange Zeit wurde es im Vatikan sorgsam aufbewahrt, und dieser Umstand entzündete in vielen katholischen Gläubigen die Liebe zur allerseligsten Jungfrau Maria, zu Rußland und zur russischen Kirche, zu ihrer Kultur und zu ihrem geistlichen Erbe. Nach dem Willen Gottes kehrt das verehrte Marienbild nach Jahren nach Hause zurück […] Ich bitte Eure Eminenz, Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. unsere tiefe Dankbarkeit für das Geschenk zu überbringen, das Sie uns übergeben haben

Dieselben Gefühle der Dankbarkeit, aber auch der Hoffnung für die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und der russisch-orthodoxen Kirche hin zu einem eindringlicheren christlichen Zeugnis und der Verkündigung der christlichen Werte in Europa und in der Welt brachte Patriarch Aleksij II. in seinem Dankschreiben an den Heiligen Vater zum Ausdruck.

Da wir in diesen kurzen Ausführungen auf die Wünsche und Hoffnungen Bezug nahmen, die Papst Johannes Paul II. und Patriarch Aleksji anläßlich der Rückkehr der Ikone der Muttergottes von Kasan nach Rußland ausgetauscht haben, und besonders angesichts des noch immer andauernden Mißtrauens möchten wir noch die Worte des Heiligen Vaters zitieren, mit denen er seine und die Gefühle der katholischen Kirche zum Ausdruck brachte und den Königsweg vorzeichnete, der eingeschlagen werden muß: »Dieses alte Bild der Mutter des Herrn möge für Seine Heiligkeit Aleksij II. und den ehrwürdigen Synod der russisch-orthodoxen Kirche Ausdruck der Zuneigung des Nachfolgers Petri zu ihnen und zu allen ihnen anvertrauten Gläubigen sein. Es soll die Wertschätzung gegenüber der großen geistlichen Tradition bekunden, deren Hüterin die heilige russische Kirche ist. Es sei ein Ausdruck des Wunsches und des festen Entschlusses des Papstes von Rom, gemeinsam mit ihnen auf dem Weg der gegenseitigen Kenntnis und Versöhnung fortzuschreiten, um den Tag jener vollkommenen Einheit, für die der Herr Jesus innig gebetet hat (vgl. Joh 17,20–22), zu beschleunigen« (O.R. dt., Nr. 36, 3.9.2004, S. 2).

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Quelle

Siehe ferner:

Die theologische Verbindlichkeit des Ökumenismusdekrets

PÄPSTLICHER RAT ZUR FÖRDERUNG DER EINHEIT DER CHRISTEN

Die theologische Verbindlichkeit des Ökumenismusdekrets
des II. Vatikanischen Konzils »Unitatis redintegratio«

 

Die ökumenische Bewegung, welche das II. Vatikanische Konzil in dem Dekret Unitatis redintegratio als Zeichen der Wirksamkeit des Heiligen Geistes anerkannt und die zu fördern es als eine seiner Hauptaufgaben bezeichnet hat (UR 1;4), befindet sich heute, 40 Jahre später, in einer veränderten Situation. Neben bedeutenden Fortschritten zeigt sich das Gewicht alter wie auch neuer Unterschiede; der Prozeß der Annäherung dauert offensichtlich länger, als viele in einer ersten optimistischen Phase meinten. In dieser Situation gibt es ungeduldige Stimmen und Strömungen, welche – entgegen der erklärten Absicht des Konzils (UR 11) – um vermeintlicher Lösungen willen die Probleme überspringen und die ökumenische Bewegung im Sinn eines dogmatischen Relativismus, Indifferentismus oder eines reinen Pragmatismus mißdeuten.

Beides, die Schwierigkeiten wie die Mißverständnisse, führen manchmal dazu, der ökumenischen Bewegung mit Mißtrauen zu begegnen. Dabei wird neuerdings öfters die theologische Verbindlichkeit des Konzilsdekrets Unitatis redintegratio in Frage gestellt. Als Argument wird angeführt, es handle sich bei diesem Dokument nicht um eine dogmatische Konstitution, sondern »nur« um ein Dekret, das keine, bestenfalls eine sehr geringe lehrhafte Verbindlichkeit besitzt und lediglich pastorale und disziplinäre Bedeutung hat.

I. Diese These, die auf den ersten Blick einleuchtend erscheint, ist es bei genauerer Betrachtungsweise keineswegs. Jedenfalls läßt sie sich nicht allein aus dem Sprachgebrauch ableiten. Das geht schon allein daraus hervor, daß das Konzil von Trient nur Dekrete, aber unter dem Titel Dekrete dogmatisch höchst bedeutende und verbindliche Dokumente verabschiedet hat. Im Unterschied zum Trienter Konzil unterscheidet das II. Vatikanische Konzil zwischen Konstitutionen und Dekreten; doch das Konzil hat diese Unterscheidung nicht erklärt, jedenfalls nicht in einer Weise, welche die genannte These unmittelbar rechtfertigen würde.

Die Erklärungen, welche Papst Paul VI. bei der feierlichen Promulgation von Unitatis redintegratio abgegeben hat, weisen in eine andere Richtung. Bereits zu Beginn der 2. Sitzungsperiode hat der Papst in seiner grundsätzlichen Eröffnungsrede erklärt, die ökumenische Annäherung sei eines der Ziele, gleichsam das geistliche Drama, um dessentwillen das Konzil einberufen wurde. (1) Folgt man dieser Aussage, dann sind alle Konzilstexte in einer ökumenischen Perspektive zu lesen. Bei der Promulgation des Ökumenismusdekrets, welche am Schluß der 3. Sitzungsperiode (zusammen mit der Dogmatischen Konstitution über die Kirche) geschah, stellte Papst Paul VI. ausdrücklich fest, daß dieses Dekret die Kirchenkonstitution erläutert und vervollständigt: »ea doctrina explicationibus completa.« (2) Er hat das Dekret also nicht theologisch deklassiert, sondern es in seiner theologischen Bedeutung ausdrücklich der Kirchenkonstitution beigeordnet. Schließlich hat er in seiner Schlußansprache am 8. Dezember 1965 in Übereinstimmung mit der Eröffnungsrede von Papst Johannes XXIII. (3) erklärt, das Konzil insgesamt, also auch die dogmatischen Konstitutionen, seien pastoral ausgerichtet. Dabei ließ er keinen Zweifel daran aufkommen, daß diese pastorale Orientierung lehrhafte Aussagen nicht etwa ausschließt oder relativiert, sondern im Gegenteil die Lehre der Kirche zur festen Grundlage hat. (4)

In der Tat, es gibt keine Pastoral, die diesen Namen verdient, ohne Grundlage in der Lehre der Kirche, aber es gibt auch keine kirchliche Lehre, welche eine bloße Doktrin ohne pastorale Zielsetzung wäre. Schon das I. Vatikanische Konzil hatte erklärt, die kirchliche Lehre sei im Blick auf das letzte Ziel des Menschen zu interpretieren (DH 3016). So wie die Pastoral sich an der kirchlichen Lehre zu orientieren hat, so muß die kirchliche Lehre auf den Menschen und sein Ziel hin, und das heißt pastoral, interpretiert werden. Der Gesichtspunkt der »salus animarum« als »suprema lex« ist darum nicht nur ein grundlegendes Interpretationsprinzip des kirchlichen Rechts (CIC 1752), sondern auch der kirchlichen Lehre.

Daraus ergeben sich wichtige Gesichtspunkte für die Konzilshermeneutik: So wie Unitatis redintegratio nicht von Lumen gentium losgelöst und im Sinn eines dogmatischen Relativismus und Indifferentismus interpretiert werden darf, so zeigt Unitatis redintegratio, in welcher Richtung die in vieler Hinsicht offenen Aussagen von Lumen gentium gedeutet werden müssen, nämlich in Richtung auf eine theologisch verantwortete ökumenische Öffnung. Der Gegensatz zwischen lehrhafter und pastoraler bzw. disziplinärer Verbindlichkeit besteht also nicht. Eine theologische Degradierung des Ökumenismusdekrets würde vielmehr der ökumenischen Gesamtabsicht des II. Vatikanischen Konzils zuwiderlaufen.

II. Mit der Abweisung einer pauschalen theologischen Degradierung von Unitatis redintegratio ist das Problem freilich keineswegs erledigt. Im Gegenteil, die Aufgabe der rechten Auslegung dieses Dekrets fängt damit erst an. Daß es sich dabei nur um eine differenzierte und abgestufte Verbindlichkeit handeln kann, ergibt sich bereits aus der Antwort, welche die Theologische Kommission am Ende der Debatte über die Kirchenkonstitution auf die Frage nach deren theologischer Verbindlichkeit gab:

»Ein Text des Konzils ist selbstverständlich immer nach den allgemeinen, allseits bekannten Regeln auszulegen.« Das bedeutet, daß die Aussagen des Konzils anzunehmen und festzuhalten sind »entsprechend der Absicht der Heiligen Synode selbst, wie sie nach den Grundsätzen der theologischen Interpretation aus dem behandelten Gegenstand oder aus der Aussageweise sich ergibt«. (5)

In der Sache auf dasselbe Ergebnis lief die ausführliche Konzilsdebatte über den Titel der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes hinaus. In dieser Debatte wurde der Begriff »pastoral« und seine theologische Bedeutung ausführlich erörtert. Als Ergebnis stellt eine Anmerkung zu diesem Titel ausdrücklich fest: »Sie (d. i. die Pastoralkonstitution) wird ›pastoral‹ genannt, weil sie, gestützt auf Prinzipien der Lehre, das Verhältnis der Kirche zur Welt von heute darzustellen beabsichtigt. So fehlt weder im ersten Teil die pastorale Zielsetzung noch im zweiten Teil die lehrhafte Zielsetzung, obwohl dieser Teil ›nicht nur unwandelbare, sondern auch geschichtlich bedingte Elemente enthält‹«. Zusammenfassend wird festgestellt: »Die Konstitution ist also nach den allgemeinen theologischen Interpretationsregeln zu deuten.« (6)

Eine ähnliche, wenngleich weniger ausführliche Debatte wie bei Gaudium et spes wurde anläßlich der Diskussion von Unitatis redintegratio geführt. Das Ergebnis war in der Sache wiederum dasselbe. Bezeichnenderweise hat sich das Konzil, eben um einen falschen Irenismus und einen bloßen ökumenischen Pragmatismus zu vermeiden, nicht dem Vorschlag einiger Konzilsväter angeschlossen, alles Theologische aus dem Text zu entfernen. (7)

Das Konzil wollte also festhalten, daß die pastoralen Aussagen auf dogmatischen Prinzipien beruhen und daß andererseits die pastoralen Aussagen die dogmatischen Prinzipien auf die konkrete historische Situationen beziehen. Da die historischen Situationen und deren Beurteilung ihrer Natur nach kontingent und wandelbar sind, können historische Aussagen gemäß den theologischen Interpretationsregeln keinen theologisch verbindlichen Charakter haben, was aber die theologische Bedeutung der lehrhaften Elemente dieser Aussagen nicht beeinträchtigt.

Leider ist – wie nicht zuletzt die Auseinandersetzung um die theologische Verbindlichkeit vonUnitatis redintegratio zeigt – die Kenntnis der theologischen Interpretationsregeln und die Lehre von den theologischen Qualifikationen in der Nachkonzilszeit allzu sehr in Vergessenheit geraten.8 Sie verdient es, wieder aufgenommen zu werden. Das II. Vatikanum hat in Lumen gentium dazu seinen Beitrag geleistet, indem es die unfehlbaren Äußerungen und das authentische Lehramt unterschieden und erklärt hat, die Verbindlichkeit des letzteren sei »aus der Art der Dokumente, der Häufigkeit der Vorlage ein und derselben Lehre und der Sprechweise« zu erkennen (LG 25).

Diese Unterscheidungen sind in Anschlag zu bringen, wenn es um die theologische Verbindlichkeit von Unitatis redintegratio geht. Die Frage ist also nicht einfach: Ist dieser Konzilstext theologisch verbindlich – ja oder nein; es gilt vielmehr die unterschiedlichen Weisen und die unterschiedlichen Grade der Verbindlichkeit innerhalb des Dokuments zu unterscheiden und diese jeweils konkret zu eruieren.

Geschieht dies, dann ist schwerlich zu bestreiten, daß das erste Kapitel von Unitatis redintegratio, in dem die »katholischen Prinzipien des Ökumenismus« dargelegt werden, theologisch verbindliche Aussagen enthält, welche die entsprechenden Aussagen von Lumen gentium entweder zusammenfassen oder weiter ausführen. Ausdrückliche Zitationen dogmatischer Aussagen früherer Konzilien (IV. Laterankonzil, II. Konzil von Lyon, Konzil von Florenz, I. Vatikanisches Konzil) bestätigen, daß es um theologisch verbindliche, wenngleich nicht in jedem Fall um letztverbindliche unfehlbare Aussagen geht. Dagegen finden sich vor allem im dritten Kapitel über die »vom römischen und apostolischen Stuhl getrennten Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften « historische Aussagen, die ihrer Natur nach nicht theologisch verbindlich sein können. Doch auch in diesem Teil finden sich Aussagen, welche keinen Zweifel daran lassen, daß sie verbindlich gemeint sind. So heißt es etwa: »So erklärt das Heilige Konzil feierlich« (UR 16), »dieses Heilige Konzil erklärt« (UR17), »im Hinblick auf all dies erneuert das Heilige Konzil feierlich« (UR 18). Das sind Formulierungen, welche entsprechenden Formulierungen von Lumen gentium in nichts nachstehen.

Die Hermeneutik von Unitatis redintegratio und die Beurteilung der theologischen Verbindlichkeit dieses Dokuments kann also nicht pauschal, sondern nur differenziert erfolgen. Dies in jedem Einzelfall zu leisten ist ein mühsames Geschäft, von dem man sich aber nicht mit pauschalen Urteilen dispensieren darf.

III. Die Auslegung von Unitatis redintegratio kann nicht bei der Feststellung des jeweiligen Verbindlichkeitsgrades der einzelnen Aussagen stehenbleiben. Nach der Feststellung der formalen Verbindlichkeit geht es um die inhaltliche Interpretation. Auch dafür gibt es Regeln; sie gelten selbstverständlich auch für die ökumenische Theologie. Es würde zu weit führen und eine ganze theologische Methodologie erfordern, wollte man sie hier im einzelnen behandeln. Nur drei solcher Regeln sollen kurz angedeutet werden. (9)

Erstens: Grundlegend ist die historische Interpretation. Die Regel, nach der man nicht einen vagen Geist des Konzils beschwören kann, sondern vom Wortlaut der Aussagen ausgehen muß, bedeutet zugleich, daß man auf die jeweilige Aussageabsicht des Konzils achten muß. Diese ergibt sich vor allem aus dem Studium der Akten des Konzils. Außerdem darf man die einzelnen Aussagen nicht isoliert betrachten. Es genügt nicht die positivistische Zitation einzelner Sätze oder gar aus dem Zusammenhang gerissener Halbsätze. (10) Man muß die einzelnen Aussagen im Kontext aller Konzilsdokumente und im Zusammenhang aller Mysterien des Glaubens (DH 3016), und d. h. der »Hierarchie der Wahrheiten« (UR 11), interpretieren. Diese historische und systematische Interpretation stellt vor viele historische und hermeneutische Probleme, deren Bearbeitung man sich nicht schenken darf, um sich bequem entweder auf eine rein positivistische Zitation oder auf die fragwürdige Unterscheidung zwischen Geist und Buchstabe des Konzils zurückzuziehen.

Zweitens: Interpretation im Licht der Tradition. Kein Konzil steht in sich; jedes Konzil steht in der Tradition aller Konzilien. Das Dekret Unitatis redintegratio beruft sich auf das Glaubensbekenntnis der Kirche und auf die älteren Konzilien. Es wäre deshalb falsch, das II. Vatikanische Konzil und insbesondere das Ökumenismusdekret als Bruch mit der Tradition zu interpretieren. (11) Das letzte Konzil ist ja nicht zuletzt einem »resourcement«, einem Rückgang auf die Quellen, zu verdanken; es ging ihm um eine kraftvolle Erneuerung der Tradition und in diesem Sinn um ein »aggiornamento« (ein Begriff, welcher sich in den Konzilsdokumenten selbst gar nicht findet). Man muß freilich fragen, was Tradition im theologischen Sinn meint und dabei zwischen der einen Tradition und den vielen Traditionen unterscheiden. (12) Die ökumenische Öffnung des II. Vatikanischen Konzils bedeutet keinen Bruch mit der Tradition im theologischen Sinn des Wortes, aber sehr wohl die beabsichtigte Modifikation einzelner, meist relativ junger Traditionen. So ist es keine Frage, daß das Konzil bewußt über die defensiven und prohibitiven lehramtlichen Aussagen von Papst Pius XI. in Mortalium animos (1928) hinausgeht und in diesem Sinn einen qualitativen Sprung vollzieht. (13) So verstanden sind Tradition und Innovation kein Gegensatz.

Im Verständnis der Tradition hat sich das II. Vatikanische Konzil in der Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum das lebendige Traditionsverständnis, wie es von J. A. Möhler und J. H. Newman grundgelegt worden ist, zu eigen gemacht (DV 8). Es hat die Tradition als eine lebendige, vom Heiligen Geist erfüllte Tradition verstanden, d. h. sowohl als Treue zu dem ein für alle Mal hinterlassenen Depositum fidei wie als immer wieder neues Jungwerden in den stets neuen Situationen. Solche im Heiligen Geist geschehende lebendige Interpretation hat mit billiger Anpassung an den Geist der Zeit nichts gemein; im Gegenteil, sie muß sogar oft durch prophetisches Gegenzeugnis zum Geist der Zeit die Tradition aktuell zur Geltung bringen.

Das Konzilsdokument Unitatis redintegratio ist also in der Kontinuität aller Konzilien zu interpretieren; diese Kontinuität aber ist nicht als tote und petrifizierte Größe, sondern als lebendiges Geschehen zu verstehen, in dem uns der Heilige Geist immer wieder neu in die volle Wahrheit einführt (Joh 16,13). Er ist es, der nach Irenäus von Lyon das Depositum fidei jung und taufrisch erhält und das eine und selbe Evangelium nicht als das ewig Gestrige, sondern in seiner unausschöpflichen Neuheit bewahrt. (14)

Drittens: die Bedeutung der Konzilsrezeption. (15) Das Verständnis der Tradition als lebendige Tradition bringt es mit sich, daß sich nicht nur in Unitatis redintegratio, sondern auch in vielen anderen Texten des II. Vatikanischen Konzils, auch in Lumen gentium, oft »nova et vetera« unvermittelt nebeneinander stehen.

Das sieht nach Kompromiß aus. Doch nicht jeder Kompromiß ist ein »fauler Kompromiss«; ein intelligenter Kompromiß kann eine intellektuelle Höchstleistung und Ausdruck großer Weisheit sein, die darin besteht, zwar den Irrtum klar auszuschließen, aber im Augenblick nicht überwindbare innerkirchliche Unterschiede um der Einheit im Wesentlichen willen stehen zu lassen und deren Lösung der künftigen Diskussion und Rezeption zu überlassen. Auch die älteren Konzilien sind – wie jeder Dogmenhistoriker weiß – nicht ohne solche Kompromißformulierungen ausgekommen, was dann jeweils zu einem langwierigen Rezeptionsprozeß geführt hat. Die Konzilien von Nikaia (325) und Chalkedon (451) und ihre Nachgeschichte sind dafür sprechende Beispiele. (16)

Wer Unitatis redintegratio wegen einiger nicht voll »ausgegorener« Formulierungen kritisiert, der sollte sich fragen, was ihm dann bleibt. Denn konsequenter Weise muß er dann auch die dogmatischen Konstitutionen des II. Vatikanischen Konzils und wesentliche Elemente der älteren Konziliengeschichte kritisieren. Konzilsformulierungen sind deshalb bei aller definitiven Abgrenzung vom Irrtum immer auch offene Formulierungen, bei welchen die Definition einen Prozeß lebendiger Rezeption auslöst.

So darf Unitatis redintegratio nicht nur als ein historischer, von seiner Wirkungsgeschichte im nachkonziliaren Rezeptionsprozeß losgelöster Text gelesen werden. (17) Zu dieser Rezeption gehören die vielen lehramtlichen Dokumente, welche die ökumenische Öffnung bestätigt und weitergeführt haben, insbesondere die Enzyklika Ut unum sint (1995). Ebenso gehört dazu die Aufnahme, welche Unitatis redintegratio im Glauben und Leben der Kirche, in der Theologie und in den ökumenischen Dialogen gefunden hat. Zweifellos ist manches noch unausgereift; zu mancher Fehlentwicklung mußte das kirchliche Lehramt, wie es mit der Erklärung Dominus Jesus (2000) geschehen ist, kritisch Stellung beziehen.

Doch auch diese Erklärung darf nicht isoliert werden; sie muß im Licht aller lehramtlichen Dokumente und im Rahmen des gesamten Rezeptionsprozesses interpretiert werden.

Unitatis redintegratio ist also in den vergangenen 40 Jahren vom authentischen kirchlichen Lehramt wie vom »sensus fidelium« rezipiert worden. Dieses Dekret hat in diesen 40 Jahren bei vielen Christen nachhaltig zum Reifen eines ökumenischen Bewußtseins beigetragen. Sicherlich muß man manchem Wildwuchs wehren, nur soll man dabei mit dem Unkraut nicht auch den guten Weizen ausreißen (Mt 13,29). Unitatis redintegratio nachträglich zu degradieren hieße, sich über ein ökumenisches Konzil, über das authentische Lehramt der Kirche, über das vom Heiligen Geist geleitete Leben der Kirche zu stellen, und dem Heiligen Geist zu widerstehen, der diesen Prozeß mit seinen Höhen und Tiefen, seinen Problemen, aber noch viel mehr mit seinen vielen hoffnungsvollen Aspekten angestoßen hat. Wir haben deshalb allen Grund, in der veränderten ökumenischen Situation Unitatis redintegratio in Treue zur kirchlichen Tradition und im Licht der katholischen Prinzipienlehre mit Geduld, aber auch mit Mut und Phantasie in der Theologie wie in der Praxis umzusetzen.

Kard. WALTER KASPER
Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen


ANMERKUNGEN

1) Ench. Vat. vol. 1, Documenti del Concilio Vaticano II, 104 f.; vgl. schon Papst Johannes XXIII. in seiner Eröffnungsrede, ebd., 48 f.

2) Ebd., 178 f. Hätte der Papst das Dekret nicht auch theologisch ernst genommen, wären seine Interventionen unmittelbar vor der Promulgation nicht verständlich. Vgl. dazu W. Becker in: LThKErg. Bd. Vat. II, Bd. 2 (1967) 38 f.; Storia del concilio Vaticano II, ed. G. Alberigo, vol. 4, Bologna 1999, 436–446.

3) Ench. Vat., vol. 1, 44 f.

4) Ebd., 284 f.

5) Vgl. die Bekanntmachungen des Generalsekretärs des Konzils vom 16. November 1964, in:LThK Erg. Bd. Vat. II. Bd. 1 (1966) 349 f.

6) Vgl. zur dieser Diskussion den Kommentar von Ch. Moeller in: LThK Erg.Bd. Vat.II, Bd. 3 (1968) 280–282.

7) Vgl. den Kommentar von W. Becker in: LThK Erg. Bd. Vat. II, Bd. 2 (1967) 30; Storia del concilio Vaticano II, ed. G. Alberigo, vol. 3, Bologna 1998, 283 f.; 286.

8) Vgl. den historischen und systematischen Überblick bei L. Scheffczyk, Art. Qualifikationen, in:LThK Bd. 8 (1999) 755–757.

9) Zur Hermeneutik des II. Vatikanischen Konzils vgl. W. Kasper. Die bleibende Herausforderung durch das II. Vatikanische Konzil, in: Theologie und Kirche, Mainz 1987, 290–299; H. J. Pottmeyer, A New Phase in the Reception of Vatican II, in: The Reception of Vatican II, ed. G. Alberigo u.a., Washington DC, 1987, 27–43; zusammenfassend: O. Rush, Still Interpreting Vatican II: Some Hermeneutical Principles (Sidney 2003).

10) Konkretes Beispiel: Wenn es um die Beurteilung der Abendmahlsfeiern der kirchlichen Gemeinschaften reformatorischer Prägung geht, genügt es nicht aus UR 22 nur zu zitieren, daß sie »die ursprüngliche und volle Wirklichkeit (substantia) des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben«; man muß auch den gleich folgenden Halbsatz hinzufügen, in dem das Konzil die Bedeutung dieser Feiern positiv zu umschreiben sucht.

11) So mit Recht J. Ratzinger, Rapporto sulla fede, Milano 1985, 33–35.

12) Vgl. Y. Congar, La tradition et les traditions, 2 vol., Paris 1960, 1963.

13) Vgl. Storia del concilio Vaticano II, ed. G. Alberigo, vol. 3, Bologna 1998, 287; 290; vol. 4, Bologna 1999, 504.

14) Irenaeus von Lyon, Adversus haereses III, 17, 1; 24, 1.

15) Vgl. zu diesem in der katholischen Theologie lange Zeit vernachlässigten Thema der Rezeption außer den bekannten und klassisch gewordenen Abhandlungen von A. Grillmeier und Y. Congar vor allem die umfassende Darstellung von G. Routhier, La Réception d’un Concile, Paris 1993. Auf der philosophischen Ebene haben H. G. Gadamer und P. Ricoeur gezeigt, daß die Wirkungsgeschichte eines Textes zu diesem hinzugehört und nicht von ihm abgelöst werden kann.

16) Vgl. M. Seckler, Über den Kompromiß in Sachen der Lehre, in: Im Spannungsfeld von Wissenschaft und Kirche, Freiburg i. Br. 1980, 99–109.

17) Vgl. Il Concilio Vaticano II. Recezione e attualità alla luce del Giubileo, ed. R. Fisichella, Roma 2000, 335–415 mit Beiträgen von E. Fortino, J. Wicks, F. Ocáriz, Y. Spiteris, V. Pfnür.

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L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 5. Dezember 2003, S. 11-12