Papst empfing den Exekutivausschuss der argentinischen Bischofskonferenz

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Papst & Bischöfe Argentiniens, 17. Oktober 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Anlaß war die Heiligsprechung am Sonntag von „El Cura Gaucho“, José Gabriel Brochero

Papst Franziskus hat am Montagmorgen um 10 Uhr den Exekutivausschuss der argentinischen Bischofskonferenz in Audienz im Vatikan empfangen.

Wie ein Kommuniqué der ‪„Conferencia Episcopal Argentina“ (CEA) meldet, nahmen am Treffen der Vorsitzende des Gremiums teil, Msgr. José María Arancedo, Erzbischof von Santa Fe, sowie die beiden Vizepräsidenten, Kardinal Mario Poli, Erzbischof von Buenos Aires, und Msgr. Mario Cargnello, Erzbischof von Salta. Anwesend war auch der Generalsekretär der CEA, Msgr. Carlos H. Malfa, Bischof von Chascomús.

Im Laufe der Begegnung, die mehr als 40 Minuten dauerte, besprachen die Kirchenmänner verschiedene pastorale Themen und zogen ein Fazit des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit in Argentinien.

Die Bischöfe, die für die Heiligsprechung am Sonntag des argentinischen Diözesanpriesters José Gabriel Brochero („El Cura Gaucho“ oder ‪„El Cura Brochero“, 1840-1914) nach Rom gereist waren, bezeichneten das Treffen mit dem ehemaligen Erzbischof von Buenos Aires als ‪„brüderlich“, ‪„lebhaft“ und auch ‪„heiter“.

Während sie dem Papst eine kleine Skulptur des neuen Heiligen schenkten, luden sie ihn erneut ein Argentinien zu besuchen.

Anschließend feierten sie um 11 Uhr im Petersdom eine Dankesmesse für die Heiligsprechung. (pdm)

Heiligsprechungen auf dem Petersplatz: ein Fest der Weltkirche

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Heiligsprechungen auf dem Petersplatz: ein Fest der Weltkirche

Es war ein Fest der Weltkirche: Papst Franziskus hat an diesem Sonntag bei strahlendem Sonnenschein sieben Christen aus unterschiedlichen Weltgegenden und Epochen, darunter zwei Märtyrer, heilig gesprochen. An der Feier auf dem Petersplatz nahmen 80.000 Menschen teil. Aus dem Ausland waren hochrangig bestückte Delegationen gekommen, darunter Argentiniens Präsident Mauricio Macri und die französische Ministerin Ségolène Royal. Das Evangelium wurde auf Latein und Griechisch vorgetragen, Fürbitten gab es u.a. auf Chinesisch und Guaranì – ein Zeichen für die Universalität der Kirche.

Vor Beginn der Messfeier wurden die Biographien der neuen Heiligen vorgelesen, dann sprach der Papst die offizielle Heiligsprechungsformel. Von der Fassade des Petersdoms hingen die Porträts der Heiligen herab, darunter auch – ganz links – der argentinische Priester Brochero, der dem Papst besonders am Herzen liegt. Das Porträt zeigt ihn auf seinem Maultier sitzend, von dem der Heilige fast unzertrennlich war; so ein Porträt mit Maultier sieht man nicht alle Tage am Petersdom hängen.

Beten, Kämpfen, Siegen

In seiner Predigt sprach Franziskus über drei Eigenschaften, die die neuen Heiligen aus seiner Sicht auszeichneten: Beten, Kämpfen und Siegen. „Beten also. Wie Mose, der vor allem ein Mann Gottes, ein Mann des Gebets war… Beten ist der Stil des geistlichen Lebens, das die Kirche von uns verlangt: nicht um den Krieg zu gewinnen, sondern um den Frieden zu gewinnen! … Die Müdigkeit ist unvermeidbar, und gelegentlich können wir nicht mehr, aber mit der Unterstützung der Brüder und Schwestern geht unser Gebet weiter, bis der Herr sein Werk zu Ende führt.“

Jesus fordere seine Jünger im Evangelium dazu auf, „allzeit zu beten und darin nicht nachzulassen“ (Lk 18,1). Diese Standhaftigkeit im Gebet sei, so gab der Papst zu, keine einfache Sache. „Aber Herr, wie ist es möglich, darin nicht nachzulassen. Wir sind doch Menschen … auch Mose ist müde geworden! …“ Es stimmt, jeder von uns wird müde. Aber wir sind nicht allein, wir sind Teil eines Leibes. Wir sind Glieder des Leibes Christi, der Kirche, deren Arme Tag und Nacht erhoben sind dank der Gegenwart des auferstandenen Christus und seines Heiligen Geistes.“

Das „Geheimnis des Gebets“ bestehe gerade in seiner Unermüdlichkeit, so Papst Franziskus: „Zu Gott schreien und nicht nachlassen.“ „Beten heißt nicht, in eine ideale Welt zu fliehen, sich in eine falsche egoistische Ruhe zurückzuziehen. Im Gegenteil, beten heißt kämpfen und zulassen, dass auch der Heilige Geist in uns betet. Der Heilige Geist nämlich lehrt uns beten, er leitet uns im Gebet, er macht, dass wir als Söhne und Töchter beten.“

Heilige seien Menschen, „die ganz und gar ins Geheimnis des Gebets eintreten“ und die „mit dem Gebet kämpfen, indem sie den Heiligen Geist in sich beten und kämpfen lassen“, so der Papst.

„Sie kämpfen mit all ihren Kräften bis zum Äußersten und siegen, aber nicht allein: der Herr siegt in und mit ihnen. Auch diese sieben Zeugen, die heute heiliggesprochen wurden, haben mit dem Gebet den guten Kampf des Glaubens und der Liebe gekämpft. Deshalb blieben sie fest im Glauben mit einem bereitwilligen und treuen Herzen. Durch ihr Vorbild und ihre Fürsprache gewähre Gott auch uns, Männer und Frauen des Gebets zu sein; Tag und Nacht zu ihm zu schreien, ohne darin nachzulassen…“

(rv 16.10.2016 sk)


 

Wer sind die neuen Heiligen?

Die Weltkirche hat ab diesem Sonntag sieben neue Heilige – aber sie unter einen Hut zu bekommen, ist schwierig. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Weltgegenden. Eine Übersicht.

Zwei der neuen Heiligen sind Märtyrer: José Sánchez del Río und Salomone Leclercq. José Sánchez war Mexikaner – ein Junge von gerade mal vierzehn Jahren. Er wurde 1928 während der antikatholischen Revolution in Mexiko und der Revolte der „Cristeros“ umgebracht. Trotz der Folter weigerte er sich, seinem Glauben abzuschwören. Auf dem Leichnam fand man einen Zettel für seine Mutter: „Ich verspreche dir, im Paradies schon mal einen guten Platz für euch alle vorzubereiten.“

Andere Zeiten, dasselbe Schicksal: Märtyrer Nummer zwei ist Salomone Leclercq, ein Christlicher Schulbrüder. Er starb während der Französischen Revolution, ein Opfer der sogenannten Septembermassaker von 1792. Leclercq hatte sich geweigert, den Eid auf die neuen Herren in Paris zu leisten, weil das gleichbedeutend war mit seiner Aufgabe des Priesteramts. „Bruder Salomon lebte in einer sehr turbulenten Epoche, in der speziell Ordensleute verfolgt wurden“, erklärt Schulbrüder-Provinzial Jean-Paul Aleth im Gespräch mit Radio Vatikan. „Er wurde zusammen mit etwa hundert anderen Priestern festgenommen und dann hingerichtet. Ein entschlossener, freier Pädagoge war er, er hatte vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Schichten unterrichtet.“

Der dritte Heilige liegt dem argentinischen Papst ganz besonders am Herzen: José Gabriel del Rosario Brochero, der sogenannte „Cura Brochero“. Ein einfacher argentinischer Priester vom Land, der im 19. Jahrhundert enorme Strecken auf einem Maultier zurücklegte, um den Ärmsten das Evangelium zu bringen. Ein Priester, der „nach seinen Schafen riecht“, die Formulierung stammt vom Papst. „Das ist ein gutes Vorbild nicht nur für unser Land, sondern für die ganze Kirche“, sagt uns Bischof Santiago Olivera von Cruz del Eje. „Ein guter Hirte, der an die Peripherie ging und der das Zweite Vatikanische Konzil gewissermaßen vorweggenommen hat. Obwohl er über hundert Jahre alt wurde, ging er von Ranch zu Ranch, von Haus zu Haus, um seine Leute aufzusuchen…“

Zumindest sprachlich auf einer Wellenlänge mit dem „Cura Brochero“: der neue Heilige aus Spanien. Bischof Manuel González Garcá aus Palencia, gestorben 1940, Gründer von zwei Gemeinschaften, die sich besonders der eucharistischen Verehrung verschrieben haben. Bekannt als der „Bischof der aufgegebenen Tabernakel“.

Zwei weitere Heilige sind ebenfalls Ordensgründer: der Brasilianer Lodovico Pavoni, dessen „Arbeiterbrüder“ sich während der Industriellen Revolution um ausgebeutete junge Leute kümmerten, und der Süditaliener Alfonso Maria Fusco, dessen Schwesterngemeinschaft den Bauern im Süden nahe war, als sie nach der Einigung Italiens ins Abseits gerieten.

Der siebte Heilige von diesem Sonntag ist eine Frau: die französische Mystikerin Elisabeth von der Heiligsten Dreifaltigkeit. Die Unbeschuhte Karmelitin starb 1906 mit nur 26 Jahren; ihre schwere Krankheit und ihre Leiden opferte sie für das Heil der Seelen und aller Entmutigten auf. „Sie war von sehr strahlendem, einnehmendem Wesen“, sagt ihr Biograph Patrick-Marie Favotte, ein Pfarrer aus Burgund. „Sie war eine herausragende Kommunikatorin, die ihre ansteckende Freude an andere weitergab. Eine Frau, die keine halben Sachen machte. Wenn sie sich Christus hingab, dann eben ganz! … Ihre Schriften, vor allem Briefe, sind von einer sehr zugänglichen Spiritualität. Wenn man das heute liest, denkt man unwillkürlich: Das hat sie für mich geschrieben!“

(rv 16.10.2016 sk)