Frankreich: Vergebungsbitte für Katharer-Verfolgung

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Der Bischof von Pamiers (l.) mit Bauern – AFP

Etwa achthundert Jahre nach der Verfolgung der Katharer hat ein Bischof in Südfrankfreich um Vergebung gebeten. In der Nähe der Festung von Montségur am Fuss der Pyrenäen feierte Bischof Jean-Marc Eychenne von Pamiers einen Sühnegottesdienst. Damit erinnerte er an die Verbrennung von 220 Katharern am 16. März 1244. Die Katharer werden auch Albigenser genannt; sie galten wegen ihrer Ablehnung der kirchlichen Hierarchie und Sakramente als Ketzer. Verbrannt wurden die 220 Anhänger der Buß- und Armutsbewegung, weil sie sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören. Diese Verbrennung war die letzte größere Aktion im Kreuzzug gegen die Katharer.

Das Bistum Pamiers betont, es handle sich bei der Vergebungsbitte um eine lokale Initiative, die nicht über die Bistumsgrenzen ausgreife. Sie stehe im Zusammenhang mit dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit. „Wir haben uns darum bemüht, zu unterscheiden, welche Geste der Barmherzigkeit wir tun könnten, um die Menschen in der Ariège-Region insgesamt zu erreichen“, so Bischof Eychenne. Das Vorgehen gegen die Katharer sei zwar lange her, aber „extrem grausam“ gewesen und daher immer noch im kollektiven Gedächtnis präsent.

Der Bischof betonte, dass die katholische Kirche seit der Katharer-Verfolgung einiges dazugelernt habe. Mittlerweile gehöre es zum festen Bestand der katholischen Soziallehre, dass Kirche und Staat getrennt sein sollen und dass die Gewissensfreiheit jedes einzelnen unbedingt zu respektieren sei.

„Es geht uns nicht um Selbstgeißelung“, erläuterte Eychenne gegenüber der katholischen Tageszeitung La Croix. „Wir bitten nicht die Katharer um Vergebung, sondern Gott – wegen dieses verletzten, kollektiven Unterbewußten. Viele Menschen haben hier noch das Gefühl, die Katholiken von heute seien im Grunde genauso wie die von damals.“

(apic/la croix 17.10.2016 sk)

Kongretation für die Glaubenslehre: ORDNUNG FÜR DIE LEHRÜBERPRÜFUNG

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Art. 1. Die Kongregation für die Glaubenslehre hat die Aufgabe, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und zu schützen[1]. In der Erfüllung dieser Aufgabe leistet sie einen Dienst an der Wahrheit und schützt sie das Recht des Volkes Gottes auf die getreue und vollständige Verkündigung des Evangeliums. Damit Glaube und Sitten durch verbreitete Irrtümer keinen Schaden leiden, hat sie auch die Pflicht, Schriften und Meinungen zu überprüfen, die dem rechten Glauben entgegengesetzt oder gefährlich scheinen[2].

Art. 2. Dieser pastorale Grundauftrag kommt ferner allen Hirten der Kirche zu. Sie haben die Pflicht und das Recht, sowohl als einzelne, wie auch in Partikularkonzilien oder Bischofskonferenzen versammelt, darüber zu wachen, daß Glaube und Sitten bei den ihnen anvertrauten Gläubigen keinen Schaden nehmen[3]. Zu diesem Zweck können sie sich auch der Glaubenskommissionen bedienen, die institutionalisierte Beratungsorgane für die Bischofskonferenzen und die einzelnen Bischöfe in ihrer Sorge um die Glaubenslehre darstellen[4]. Dabei bleibt aber das Prinzip unangetastet, daß der Heilige Stuhl zu jeder Zeit intervenieren kann; dies tut er normalerweise dann, wenn der Einfluß einer Veröffentlichung über die Grenzen einer Bischofskonferenz hinausgeht oder der Glaube einer besonders schweren Gefahr ausgesetzt ist[5]. In diesem Fall hält sich die Glaubenskongregation an die im folgenden beschriebene Verfahrensweise.

 

I. Vorprüfung

Art. 3. Die angezeigten, wie auch immer verbreiteten Schriften und Lehrmeinungen werden vom zuständigen Ufficio einer aufmerksamen Lektüre unterzogen, deren Ergebnis demCongresso zur Prüfung vorgelegt wird. Nach einer ersten Bewertung der Gewichtigkeit der Frage entscheidet der Congresso, ob ein Studium durch das Ufficio vorzunehmen ist oder nicht.

 

II. Studium durch das Ufficio

Art. 4. Nach Feststellung seiner Authentizität wird die Schrift unter Mitarbeit eines oder mehrerer Konsultoren oder anderer Fachleute einer sorgfältigen Prüfung unterzogen[6] .

Art. 5. Das Ergebnis dieser Prüfung wird dem Congresso vorgetragen, der darüber entscheidet, ob es ausreichend ist, um bei den örtlichen Autoritäten zu intervenieren, oder ob eine ausführlichere Prüfung gemäß den beiden vorgesehenen Verfahrensweisen, dem ordentlichen oder dringlichen Lehrprüfungsverfahren[7], erforderlich ist.

Art. 6. Die Kriterien für diese Entscheidung ergeben sich von den möglichen vorhandenen Irrtümern, wobei deren Offensichtlichkeit, Schwere, Verbreitung, Einfluß und Gefahr für die Gläubigen zu berücksichtigen sind.

Art. 7. Hält der Congresso die durchgeführte Prüfung für ausreichend, kann er den Fall direkt dem Ordinarius übergeben und durch dessen Vermittlung dem Autor die in der Schrift enthaltenen lehrmäßigen Probleme zur Kenntnis bringen. In diesem Fall wird der Ordinarius[8] aufgefordert, die Frage zu vertiefen und den Autor zu ersuchen, daß er die notwendigen Klarstellungen vornehme, die anschließend dem Urteil der Kongregation zu unterbreiten sind.

 

III. Ordentliches Lehrprüfungsverfahren

Art. 8. Das ordentliche Prüfungsverfahren wird angewandt, wenn eine Schrift schwere lehrmäßige Irrtümer zu enthalten scheint, deren Aufdeckung ein sorgfältiges Unterscheidungsvermögen erfordert und deren möglicher negativer Einfluß auf die Gläubigen nicht zu besonderer Eile anzutreiben scheint. Dieses Verfahren hat zwei Phasen: die interne Phase, die aus der am Sitz der Kongregation vorgenommenen Voruntersuchung besteht[9], und die externe Phase, welche die Beanstandung und den Dialog mit dem Autor vorsieht[10].

Art. 9. Der Congresso bestimmt zwei oder mehrere Fachleute, welche die entsprechenden Schriften einer Prüfung unterziehen, in einem eigenen Gutachen dazu Stellung nehmen und beurteilen, ob der Text mit der kirchlichen Lehre übereinstimmt.

Art. 10. Der Congresso bestimmt auch den «relator pro auctore», dessen Aufgabe es ist, die positiven Aspekte der Lehre und die Vorzüge des Autors wahrheitsgemäß aufzuzeigen, zur richtigen Interpretation seines Denkens im allgemeinen theologischen Kontext beizutragen und ein Urteil über den Einfluß der Ansichten des Autors abzugeben. Zu diesem Zweck hat er das Recht auf Einsicht in alle den Fall betreffenden Akten.

Art. 11. Der Bericht des Ufficio, der alle zur Prüfung des Falles nützlichen Unterlagen, die Gutachten der Fachleute und die Darstellung des «relator pro auctore» enthält, wird derConsulta zugeleitet.

Art. 12. Zur Consulta können neben den Konsultoren, dem «relator pro auctore», dem Ordinarius des Autors, der sich nicht vertreten lassen kann und an die Schweigepflicht gebunden ist, auch die Fachleute eingeladen werden, welche die Gutachten vorbereitet haben[11]. Der «relator pro auctore» stellt zu Beginn der Diskussion den Sachverhalt in einer umfassenden Stellungnahme dar. Danach geben der Ordinarius des Autors, die Fachleute und alle Konsultoren mündlich und schriftlich ihr Gutachten zum Inhalt der untersuchten Veröffentlichung ab. Der «relator pro auctore» und die Fachleute können auf mögliche Einwände antworten und Klarstellungen vorschlagen.

Art. 13. Nach Abschluß der Diskussion bleiben zur allgemeinen Abstimmung über den Ausgang der Prüfung allein die Konsultoren im Sitzungszimmer, um festzustellen, ob die Schrift lehrmäßige Irrtümer oder gefährliche Auffassungen enthält. Diese sind im Licht der in der Professio fidei[12] enthaltenen unterschiedlichen Kategorien der Wahrheitsverkündigung konkret anzugeben.

Art. 14. Das gesamte Dossier mit dem Protokoll über die Diskussion, dem Abstimmungsergebnis und den Gutachten der Konsultoren wird der Prüfung der Sessione ordinaria [Ordentlichen Versammlung] der Kongregation vorgelegt; diese entscheidet, ob eine Beanstandung des Autors erfolgen soll, und wenn ja, welche Punkte zu beanstanden sind.

Art. 15. Die Entscheidungen der Sessione ordinaria werden dem Papst vorgelegt[13].

Art. 16. Falls in der vorausgehenden Phase entschieden worden ist, eine Beanstandung vorzunehmen, sind der Ordinarius des Autors oder die betreffenden Ordinarien zu informieren, ebenso die zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls.

Art. 17. Die Zusammenstellung der zu beanstandenden irrigen oder gefährlichen Ansichten wird, versehen mit einer entsprechenden Begründung und der zur Verteidigung erforderlichen Dokumentation «reticito nomine», durch den Ordinarius dem Autor und seinem Ratgeber zugestellt. Der Autor hatdas Recht, diesen zu seiner Unterstützung zu benennen; dazu ist das Einverständnis des Ordinarius erforderlich. Der Autor muß innerhalb einer Frist von drei Monaten schriftlich seine Antwort vorlegen. Es ist angebracht, daß der Ordinarius zusammen mit der schriftlichen Antwort des Autors der Kongregation ein eigenes Gutachten zukommen läßt.

Art. 18. Vorgesehen ist auch die Möglichkeit einer persönlichen Begegnung des Autors mit Vertretern der Kongregation. Dabei ist auch dessen Ratgeber anwesend, der an dem Gespräch aktiv teilnimmt. In diesem Fall haben die Vertreter der Kongregation, die vomCongresso bestimmt werden, ein Gesprächsprotokoll abzufassen und dieses zusammen mit dem Autor und seinem Ratgeber zu unterschreiben.

Art. 19. Falls der Autor die geforderte schriftliche Antwort nicht übermittelt, trifft dieSessione ordinaria die entsprechenden Entscheidungen.

Art. 20. Der Congresso prüft die schriftliche Antwort des Autors sowie das Protokoll des eventuell erfolgten Gesprächs. Falls diese wirklich neue lehrmäßige Elemente enthalten, die eine eingehendere Bewertung erfordern, entscheidet er, ob die Frage erneut der Consultavorzulegen ist, die durch andere Fachleute erweitert werden könnte, auch durch den gemäß Art. 17 bestimmten Ratgeber des Autors. Im gegenteiligen Fall werden die schriftliche Antwort und das Gesprächsprotokoll direkt der Sessione ordinaria zur Beurteilung unterbreitet.

Art. 21. Sollte die Sessione ordinaria die Frage als gelöst und die Antwort für ausreichend erachten, wird die Angelegenheit nicht weiter verfolgt. Im gegenteiligen Fall sind, auch zum Wohl der Gläubigen, die angemessenen Maßnahmen zu ergreifen. Darüber hinaus entscheidet die Sessione ordinaria, ob und wie das Ergebnis der Lehrprüfung zu veröffentlichen ist.

Art. 22. Die Entscheidungen der Sessione ordinaria werden dem Papst zur Approbation vorgelegt und danach dem Ordinarius des Autors, der Bischofskonferenz und den zuständigen Dikasterien mitgeteilt.

 

IV. Dringliches Lehrprüfungsverfahren

Art. 23. Das dringliche Lehrprüfungsverfahren wird angewandt, wenn eine Schrift offensichtlich und sicher Irrtümer enthält und wenn durch deren Verbreitung ein schwerer Schaden für die Gläubigen entstehen könnte oder bereits entstanden ist. In diesem Fall werden sofort der Ordinarius oder die betreffenden Ordinarien sowie die zuständigen römischen Dikasterien benachrichtigt.

Art. 24. Der Congresso bestimmt eine Kommission mit dem besonderen Auftrag, die irrigen und gefährlichen Ansichten so schnell wie möglich näher zu bezeichnen.

Art. 25. Die von dieser Kommission ausfindig gemachten Ansichten werden zusammen mit der entsprechenden Dokumentation der Sessione ordinaria unterbreitet, die der Prüfung der Frage Vorrang einräumt.

Art. 26. Falls die Sessione ordinaria die genannten Ansichten tatsächlich als irrig oder gefährlich beurteilt, werden sie nach der Approbation des Papstes durch den Ordinarius dem Autor übermittelt mit der Aufforderung, diese innerhalb einer Frist von zwei Monaten richtigzustellen.

Art. 27. Hält es der Ordinarius nach Anhörung des Autors für notwendig, diesen auch um eine schriftliche Erklärung zu bitten, muß diese zusammen mit der Stellungnahme des Ordinarius der Kongregation zugesandt werden. Diese Erklärung wird daraufhin der Sessione ordinaria zur Entscheidung vorgelegt.

 

V. Maßnahmen

Art. 28. Sollte der Autor die angezeigten Irrtümer nicht in befriedigender Weise und in angemessener öffentlicher Form richtigstellen und die Ordentliche Versammlung zur Schlußfolgerung kommen, daß er sich die Straftat der Häresie, der Apostasie oder des Schismas zugezogen hat[14], schreitet die Kongregation zur Erklärung der latae sententiaezugezogenen Strafen[15]; gegen diese Erklärung ist eine Beschwerde nicht zugelassen.

Art. 29. Wenn die Sessione ordinaria das Vorhandensein von lehrmäßigen Irrtümern feststellt, die keine Strafen latae sententiae vorsehen[16], handelt die Kongregation nach Maßgabe des universalen[17] bzw. Eigenrechts[18].

 

Papst Johannes Paul II. hat in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten am 30. Mai 1997 gewährten Audienz die vorliegende Ordnung, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden war, gebilligt und die Art. 28-29in forma specifica approbiert und deren Veröffentlichung angeordnet contrariisquibuslibet non obstantibus.

 

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, dem 29. Juni 1997, am Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus.

 

 

+ Joseph Card. RATZINGER
Präfekt

 

+ Tarcisio Bertone, S.D.B.
Erzbischof em. von Vercelli
Sekretär

 


[1] Vgl. Apostolische Konstitution Pastor bonus, Art. 48: AAS 80 (1988) 873.

[2] Vgl. ebd., Art. 51, Nr. 2 und Regolamento proprio della Congregazione per la Dottrina della Fede, Art. 4b.

[3] Vgl. CIC, can. 823 §§ 1,2; CCEO, can. 652 § 2.

[4] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben über die Glaubenskommissionen, 23. November 1990, Nr. 3.

[5] Vgl. Apostolische Konstitution Pastor bonus, Art. 48: AAS 80 (1988) 873.

[6] Vgl. Regolamento proprio della Congregazione per la Dottrina della Fede, Art. 74.

[7] Vgl. ebd., Art. 66 § 2.

[8] Vgl. CIC, cann. 134 §§ 1,2; 295 § 1; CCEO, can. 984 §§ 1-3.

[9] Vgl. Nr. 8-15.

[10] Vgl. Nr. 16-22.

[11] Vgl. Apostolische Konstitution Pastor bonus, Art. 12: AAS 80 (1988) 855.

[12] Vgl. AAS 81 (1989) 104f.

[13] Vgl. Regolamento proprio della Congregazione per la Dottrina della Fede, Art. 16 § 2 und Art. 77.

[14] Vgl. CIC, can. 751.

[15] Vgl. CIC, can. 1364 § 1; CCEO, cann. 1436 § 1 und 1437.

[16] Vgl. CIC, can. 752; CCEO, can. 599.

[17] Vgl. CIC, can. 1371, n. 1; CCEO, can. 1436 § 2.

[18] Vgl. Apostolische Konstitution Pastor bonus, Art. 52: AAS 80 (1988) 874.

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Quelle

DAS SIEBEN VON PÄPSTEN – Schwierigkeiten mit den Sedisvakantisten

Von Laszlo Szijarto

Laszlo Szijarto war ein FSSPX-Seminarist
(St. Thomas Aquinas Winona) von 1989 – 1991

Entnommen dem „Angelus Press Magazine“, Oktober 1995

(Aus dem Englischen übersetzt von P. O. Schenker)

(Fortsetzung vom ersten Teil)

Das Sieben von Päpsten

Sedisvakantisten haben jene „traditionellen“ Katholiken kritisiert, die sich nicht an ihre Denkschule halten, wegen „Siebens“ des Lehramtes, d.h. das Herauslesen und Wählen aus Verlautbarungen, die (vermeintlich) von ihm veröffentlicht worden sind, auf der Basis privaten Urteils über ihre Rechtgläubigkeit. Der Sedisvakantismus führt jedoch zum Sieben von Päpsten, d.h. dem Auslesen und Wählen unter Päpsten aufgrund privaten Urteils über ihre Rechtgläubigkeit.

Johannes vom hl. Thomas

Nachdem ich den Hauptteil dieses Textes verfasst hatte, stieß ich auf den Cursus Theologicus von Johannes vom hl. Thomas – genauer den Traktat mit dem Titel „De Auctoritate Summi Pontificis [Von der Autorität des Pontifex]. In einem überraschend detaillierten Kommentar zum Problem eines häretischen Papstes kam er abschließend zum genau gleichen Argument, das ich dargelegt habe. Anstatt  Zitate seines Werkes an geeigneter Stelle in meine [schriftliche] Arbeit einzuweben, entschloss ich mich, ihm einen separaten Abschnitt zu widmen. Ich fühlte, dass das Argument überzeugender sein würde, wenn die Leser wüssten, dass beide von uns zur gleichen Schlussfolgerung gekommen sind unabhängig von einander,  d.h. dass ich nicht bloß „wiederkäue“, was er geschrieben hat. Vielmehr sind wir beide nur einer Denklinie gefolgt, die von einer eigenen inneren Logik bestimmt war.

…[Depositio] facienda est post declarativam criminis sententiam… (disp. II, art. III 17).
…[die Absetzung] ist durchzuführen nach einem erklärenden Urteil über den Frevel…

…Concilium congregari potest auctoritate Ecclesiae, quae est in ipsis episcopis, vel majore eorum parte; habet enim jus Ecclesia ad segregandum se a papa haeretico ex jure divino, et consequenter ad adhibendum omnia media ad talem segregationem per se necessaria; medium autem necessarium, et per se est ut juridice constet tale crimen; non potest autem juridice constare nisi formetur competens judicium, non potest autem in re tam gravi competens esse judicium, nisi per Concilium generale, qua tractatur de universali capite Ecclesiae, unde pertinet hoc ad juidicium universales Ecclesiae, quod est Concilium generale (disp. II, art. III 19).

…Aufgrund der Autorität der Kirche kann ein Konzil einberufen werden. Diese Autorität wohnt inne in den Bischöfen oder einer Mehrheit von ihnen. Denn die Kirche hat das Recht von Gott, sich von einem häretischen Papst zu trennen, und folgerichtig sämtliche Mittel anzuwenden, die in und an sich nötig sind für eine solche Abtrennung. Aber es ist ein notwendiges Mittel – in sich und aus sich selbst, dass ein solcher Frevel gerichtlich festgestellt wird. Doch kann es nicht gerichtlich festgestellt werden solange nicht ein kompetentes Urteil gefällt wird. In einer so gravierenden Sache jedoch kann es kein kompetentes Urteil geben außer durch ein Allgemeines Konzil. Da diese Sache das universelle Haupt der Kirche betrifft, untersteht sie dem Urteil der Universellen Kirche. Und dieses Gericht ist ein Allgemeines Konzil.

Et ex his concordantur jura, quae aliquando dicunt Pontificis depositionem pertinere ad solum Deum, aliquando in causa haeresis posse judicar ab inferioribus, utrumque enim verum est, et quod ejectio, seu depositio Pontificis soli Deo reservatur auctoritative, et principaliter…; ministerialiter autem, et dispositive declarando crimen, et proponendo papam, ut evitandum Ecclesia judicat de Pontifice… (disp. II, art. III 24).

Als ein Ergebnis werden die Prinzipien – die manchmal festhalten, dass die Absetzung eines Pontifex einzig Gott allein zusteht und bei anderen Malen dass er gerichtet werden kann durch Untergebene im Falle von Häresie – versöhnt. Beide sind wahr. Gott allein ist der Hinauswurf oder die Absetzung eines Pontifex vorbehalten (autoritativ und prinzipiell). Jedoch (ministeriell und ausführend) fällt die Kirche ein Urteil über einen Pontifex, indem sie den Frevel erklärt und vorschlägt, dass der Papst gemieden werden soll…

Respondetur haereticum esse evitandum propter duas correptiones juridic scilicet factas, et ab Ecclesiae auctoritate, et non secundum privatum judicium; sequeretur enim magna confusio in Ecclesia si sufficeret hanc correptionem esse factam ab homine private… Unde sic videmus practicatum in Ecclesia, quod in casu depositionis papae causa ipsa in generali Concilio prium tractata est quam pro non papa habitus… Nec Hierornymus quando dicit haereticum per se discedere a corpore Christi, excludit ipsum Ecclesiae judicium praesertim in re tam gravi, qualis est depositio papae, sed criminis judicat qualitatem, quod per se sine alia censura superaddita excludit ab Ecclesia, dummodo tamen per Ecclesiam declaretur; licet enim ex se separet ab Ecclesia, tamen quoad nos non intelligitur facta separatio sine ista declaratione… … [Q]uoad nos autem adhuc non fit juridice declaratus, ut infidelis, vel haereticus, quantumcumque manifestus sit secundum privatum judicium, adhuc quoad nos est membrum Ecclesiae, et consequenter caput. Requiritur ergo judicium Ecclesiae, quo proponatur, ut non Christianus, et evitandus, et tunc desinit quoad nos esse papa, et consequenter antea non desierat etiam in se, quia omnia quae faciebat erant valida in se (disp. II, art III 26).

Die Übersetzung der drei vorangehenden Paragraphen ist wie folgt :

In Antwort darauf muss ein Häretiker vermieden werden als ein Ergebnis von zwei Zurechtweisungen, die rechtlich gemacht worden sind – durch die Autorität der Kirche und nicht gemäß privatem Urteil. Eine große Verwirrung würde in der Kirche entstehen, wenn es genügen würde, dass diese Zurechtweisung von einer privaten Einzelperson gemacht werden sollte… Der heilige Hieronymus  – wenn er sagt, dass ein Häretiker von sich aus aus dem Leib Christi ausscheidet – verhindert nicht das Urteil der Kirche, besonders in einer so gravierenden Sache wie die Absetzung eines Papstes. Er bezieht sich eben auf die Natur dieses Frevels, die solcherart ist, dass sie jemand von sich aus und ohne eine andere zusätzliche Zensur von der Kirche abschneidet – jedoch nur so lange als sie durch die Kirche erklärt werden soll. Obwohl sie von sich aus von der Kirche trennt, wird die Tatsache der Separierung sich uns nicht selber bekannt machen ohne diese Erklärung.

Solange er nicht uns gegenüber gerichtlich als ein Ungläubiger oder Häretiker erklärt worden ist, sei er noch so manifest häretisch gemäß privatem Urteil, bleibt er, soweit es uns betrifft, ein Glied der Kirche und folglich ihr Haupt. Gerichtliches Urteil ist erforderlich von der Kirche, also ein Gerichtsurteil, durch das er als ein Nicht-Christ und zu meiden vorgeschlagen wird. Erst dann hört er auf Papst zu sein, soweit es uns betrifft. Als ein Resultat jedoch würde er nicht aufgehört haben so zu sein auch in und aus sich selbst, da alles, was er verordnet hat Kraft hatte in und durch sich selbst [meine Hervorhebung].

Ich habe den Ausdruck „quoad nos“ durchgehend sehr locker/unbestimmt übersetzt. Tatsächlich stellt er ein hochtechnischer Terminus dar – das Äquivalent  zu „kriteriologisch“. Manche Theologen würden wahrscheinlich nicht zustimmen zum allerletzten Zitat oben, d.h. dass ein manifest häretischer Papst Papst bleiben würde, sogar ontologisch, bis er anders beurteilt worden ist kriteriologisch. Ich halte jedoch aufrecht, dass Johannes von St. Thomas recht brilliant ein bereits von den meisten Theologen, die sich mit der Frage beschäftigt haben, gefundenes Prinzip zu seinem logischen Schluss geführt hat. In der Tat haben nur wenige Theologen aufrechterhalten, dass ein geheim häretischer Papst ipso facto abgesetzt sein würde, aus dem Grund, weil die Mitgliedschaft in der Kirche sichtbare Wirklichkeit sein muss (so dass sie kriteriologisch verifiziert werden kann). Andernfalls müsste die Kirche ins Chaos fallen, wenn die Aktivitäten geheimer Häretiker in Wirklichkeit null und nichtig wären. Ontologisch jedoch würde sogar ein geheimer Häretiker aufhören vor Gott ein Katholik zu sein. Jedoch Mitgliedschaft in der Kirche stellt nicht  bloß eine sichtbare – auch wenn nicht ontologisch manifeste – Realität dar, sondern eine juridisch sichtbare Wirklichkeit. D.h., kriteriologisch manifeste – offensichtlich im wahren Sinne dieses Terminus. Rechtliche Zuständigkeit innehaben hängt von der rechtlichen Wirklichkeit der Mitgliedschaft in der Kirche ab. Mit diesem Prinzip versöhnte Johannes vom heiligen Thomas erfinderisch den langanhaltenden Disput zwischen der papa haereticus ipso facto depositus [ein häretischer Papst ist ipso facto abgesetz) und papa haeritus deponendus [ein häretischer Papst ist abzusetzen] Schule.

Die Behandlung des Problems der Unfehlbarkeit

Theologen (ohne Ausnahme) geben zu, dass es in der Tat gewisse Arten von lehrmäßigen Erklärungen gibt, die nicht das Prärogativ der Unfehlbarkeit besitzen, und die präzisen Grenzen zwischen dem, was eine unfehlbare Definition ist oder nicht ist, wurden heftig angefochten fast seit dem Abschluss des I. Vatikanischen Konzils. Vermutlich einer der entscheidendsten Faktoren bei einer unfehlbaren Entscheidung jedoch schließt die Absicht/Intention eines Papstes ein, die universale Kirche zu binden. Paul VI. selber erklärte, dass Vatikan II nicht beabsichtigte, irgendetwas unfehlbar zu definieren.

Es ist unstrittig, dass das Vorgehen von nicht-sedisvakantistischen „traditionellen“ Katholiken viele Schwierigkeiten verursacht. Es beruht jedoch auf theoretisch haltbaren Prinzipien. Kardinal Newman, zum Beispiel, hielt an einer sehr engen Interpretation betreffend die Art von Dingen, welche unfehlbare Beschlüsse darstellen würden, fest. Er blieb in gutem Ruf als Katholik – und seine Meinungen wurden nie verurteilt.

Unter den andern Widersprüchen, in die sich Sedisvakantisten verwickeln: viele verwerfen die von Pius XII. geänderten Riten der Heiligen Woche. Gleichzeitig halten sie an der Legitimität von Pius XII. fest. Wenn Pius XII eine mit modernistischen Prinzipien infizierte Liturgie, wie sie sagen, promulgieren kann, wie könnte Paul VI. nicht dasselbe getan haben (mit Bezug auf den Novus Ordo) und dennoch ein legitimer Pontifex bleiben? Schließlich würde es zwischen ihnen nur eine graduelle Differenz geben. Die Ablehnung der reformierten Riten der Heiligen Woche, die nebenbei bemerkt ohne irgend einen Protest von der Universalen Kirche angenommen worden sind – bleibt absolut unerklärlich im Licht ihres Arguments von der Unfehlbarkeit.

Wie immer man die Unfehlbarkeits-Frage löst, jene letzte Entscheidung über die Legitimität von Johannes XXIII, Paul VI, Johannes Paul I., Johannes Paul II, oder irgend eine anderen Papstes steht nicht uns zu, sondern der Autorität der Heiligen Mutter Kirche.

Früchte des Sedisvakantismus

Ich bin einst selber Sedisvakantist gewesen. Nur im Rückblick kann ich ehrlich die große Bitterkeit und den Mangel an Nächstenliebe sehen, wozu dies meinerseits geführt hatte. Ich habe nichts als geistige Unordnung gefunden – in verschiedenem Maß – bei allen Sedisvakantisten, welchen ich begegnet bin (mich eingeschlossen und am meisten von ihnen). Es wäre am besten die zahlreichen Niederlagen – in sakandalöser Art – wegzulassen von verbitterten Sedisvakantisten. Unser Herr sagte, dass man Seine wahren Nachfolger erkennen würde an ihrer Liebe für einander. Hass gegen das Böse wird ungeordnet, wenn er nicht direkt aus der Liebe für das Gute entspringt und im richtigen Verhältnis zu ihm. Wenn wir die Konzilsreformen ablehnen, sollte dies von einer brennenden Liebe für Gott und für unseren Nächsten herrühren. Papst Johannes XXIII pflegte zu sagen, dass wenn wir uns als wahre Christen benähmen, es keine Heiden mehr geben würde. Wenn wir „Traditionalisten“ uns als wahre Christen betragen würden, gäbe es keine Modernisten mehr. Lasst uns also jegliche Bitterkeit aus unseren Herzen vertreiben, jeglichen pharisäischen Geist von Anhänglichkeit an Minutiae (kleinen Dingen), als ob sie Zwecke in sich selbst wären, jede selbstgerechte Verachtung/Geringschätzung jener, die irregeführt worden sind, als ob es irgend etwas anderes gäbe als die Gnade Gottes, die uns davor behütet, selber vom Wege abzukommen, wenn wir dies nicht bereits sind. Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass unser Urteil auch über die behaupteten „Irrtümer“ von Vatikan II nicht die Autorität der Kirche hinter sich hat – und deshalb dem Irrtum unterliegt. Folglich ist alles, was wir in diesen verworrenen Zeiten als Katholiken tun können und müssen, das, was wir zu tun haben, um unsere Seelen zu retten. Lasst uns vorgehen mit intellektueller Demut, mit Nächstenliebe, mit Vertrauen in Gottes Vorsehung, und, wie Erzbischof Lefebvre sagte, „ohne Bitterkeit“.

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Die Übersetzung der Fußnoten folgt später!

Vere antiqui erroris novi reparatores! – (Petrus Venerabilis)

Erneuerer alter Irrlehren!

Grossherzog Leopold I., Bruder des Kaisers Joseph II., sehnte sich danach, kirchliche Reformen im Geiste des Jansenismus und Gallikanismus in seinen Staaten einzuführen. Sein Reformplan empfiehlt die Verbesserung des Breviers und des Missale; die ganze Heilige Schrift soll in jedem Jahre gelesen werden, die Ausspendung der heiligen Sakramente soll in der Landessprache geschehen, der Kultus beschränkt werden, Bilder und Reliquien reduziert, alle Pracht aus den Kirchen sollte verschwinden und nur ein Altar sein, wie auch „abergläubische“ Andachten und Prozessionen vermindert werden, usw. Predigten sollen moralischer Art sein, alles mystische und dogmatische gemieden werden. In seinem Ratgeber, dem Bischof Scipio Ricci von Pistoja, fand er einen eifrigen Helfer. Im Jahre 1786 wurden alle erwünschten Reformen von der in Pistoja gehaltenen Synode angenommen. Im Kerne würde alles geopfert, was sich seit dem zweiten Vatikanischen Konzil durchgesetzt hat.

Der Herr und sein Hirte schliefen jedoch nicht; die Synode wurde vom Papst Pius VI. durch die Apostolische Konstitution „Auctorem fidei“ verdammt. „Absit, ut vox Petri in lila unquam sede sua conticescat, in qua perpetuo vivens ille ac praesidens praestat quaerentibus fidei veritatem.“ Fern sei es, dass die Stimme Petri je still werde auf diesem Stuhle, wo er ununter­brochen lebt und den Vorsitz hat, bereit denen, die die Wahr­heit suchen, diese zu gewähren – so lesen wir in der Einleitung zu dieser für uns heute so wichtigen Konstitution. „In solchen Dingen“, setzt die Einleitung fort, „ist Nachsicht nicht mehr gestattet, da es sozusagen ein Verbrechen ist, in solchen Din­gen nachsichtsvoll zu sein, wie es ist, solch gottloses Zeug zu predigen. Solch eine Wunde muss herausgeschnitten werden, die nicht nur ein Glied verletzt, sondern den ganzen Leib der Kirche gefährdet!“

„Wir befehlen deshalb allen Christgläubigen beiderlei Geschlech­tes, dass sie es ja nicht wagen, eine im Gegensatz zur unserer Konstitution stehende Ansicht zu haben, zu lehren oder zu predigen, so dass wer auch nur immer das, was gegen unsere Konsti­tution ist — sei es im ganzen oder einzelnen — lehren, vertei­digen, herausgeben oder darüber öffentlich wie auch privat disputieren würde, es sei denn, um die verurteilten Sätze zu be­kämpfen, den kirchlichen Zensuren, wie auch ähnlichen vom Ge­setze angegebenen Strafen, welche festgesetzt sind gegen solche, die ähnliches begehen, allein schon durch die Tat selbst ver­fallen, ohne dass es notwendig wäre, dies noch öffentlich zu verlautbaren.“

Nachdem der Papst die Veröffentlichung der Synodalakten in jed­welcher Sprache und Ausgabe, an jedem Ort, mögen sie schon ge­druckt worden sein oder es noch werden, aufgrund seiner Aposto­lischen Autorität verboten und verurteilt hatte, verbietet er auch alle anderen Bücher, welche die verworfene Lehre verteidi­gen, seien sie geschrieben oder bereits gedruckt, wie auch, was Gott verhüte noch herausgegeben würden, das Lesen dieser Bü­cher, ihr Abschreiben, Behalten und den Gebrauch, und zwar allen Christgläubigen und jedem einzelnen, unter der Strafe der Exkommunikation welcher ein jeder durch dieTat selbst verfällt ohne dass es notwendig wäre dies noch zu verlautbaren.“

Dass dies auch für die Teilnehmer am sogenannten zweiten Vati­kanum gilt, dürfte einleuchtend sein!

Um diese Sache ernst zu nehmen, schrieb Papst Pius VI. einige Male an den Bischof von Pistoja, Scipio Ricci, und seine Mah­nungen müssen auch wir uns zu Herzen nehmen. „Es gibt sicher niemanden, der sich dessen nicht bewusst wäre“ – schreibt er an den Bischof in einem Breve -, „dass (durch die verurteilten Sätze O.K.) dogmatische Urteile verletzt werden, die vom Stuhle Petri erlassen wurden, deren Aufsicht dir anvertraut wurde.“ … „Wenn nun bei einer Synode Dekrete des apostolischen Stuh­les angeführt wurden, nie geschah dies, um sich herumzustreiten, als wären sie nicht unumstösslich, sondern sie wurden als si­cher und unveränderlich betrachtet.“ (1) Es handelt sich dies­bezüglich also NICHT UM FRAGEN DER DISZIPLIN!!!

Nach dem hl. Thomas von Aquin ist es Recht und Pflicht des Apostolischen Stuhles, „endgültig zu entscheiden, in dem, was sich auf den Glauben bezieht, und dafür zu sorgen, dass es von allen mit unerschütterlichem Glauben festgehalten werde.“ (2)

Es ist niemandem gestattet, gegen apostolische Dekrete aufzu­treten, so dass wenn jemand etwas anderes behaupten wollte, er sich selbst zunichte macht, nicht aber diese! Eine bereits entschiedene Angelegenheit erneut dem Unverstand einiger Weni­gen darzubieten, ist nicht gestattet; dies verfolgen nur einige wenige Pseudobischöfe und Widerspenstige… Wenn es gestattet wäre, menschlichen Meinungen freie Bahn zu lassen, nie würde es an jenen mangeln, die es wagten, die Wahrheit zu verspotten. Die Streitigkeiten und Auseinandersetzungen würden kein Ende nehmen, wenn es gestattet wäre, das, was von mehreren Päpsten festgesetzt wurde, von neuem zu beurteilen… Wir, die wir Hü­ter der väterlichen Beschlüsse sein sollen, dürfen solche An­feindungen nicht zulassen, nach den Worten des hl. Petrus Da­mianus: „Bedenke, dass der, der die Schlüssel Petri besitzt, gegen jede neue Lehre sich erheben muss, und die Förderer der Schlechtigkeit mit dem Richterspruch unschädlich machen muss.“

In einem weiteren Schreiben betont der Papst, dass es auch ihm nicht gestattet sei, über nach ernster Besprechung ausgesprochene Urteile Rechenschaft abzulegen. Ja, er muss sich aufgrund seines Amtes und seiner Würde solchen Auseinandersetzungen völlig und gewissenhaft widersetzen, sonst würden solche kein Ende nehmen und die Autorität, vor der mich ein jeder beugen muss, geschmälert werden.“ (4) „Infolgedessen“, so bemerkt er in seinem Schreiben an Ferdinand III.,“musste er gegen die Synode von Pistoja einschreiten und so den künftigen Bischöfen von Pistoja und Prato, wie auch allen anderen, denen nichts im Wege stehen würde, mit ebensolcher Autorität, wie der jetzige Bischof es getan, den (unfehlbaren Beschlüssen) entgegengesetzte Regeln herauszugeben, womit eine neue Synode von Pistoja ins Leben gerufen wäre.“ (5)

In diesem Zusammenhange ist noch ausdrücklich auf das hinter­listige Vorgehen gegen das Dogma der Unbefleckten Empfängnis Mariae, wie verlautbart durch die Bulle „Ineffabilis Deus“ vom Jahre 1854, aufmerksam zu machen, wie es aufgrund des Nichtaus­schliessens der Polygenie (= der Mensch ist zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten von verschiedenen tierischen Ahnen entstanden; das Paradies ist ein Mythus. Was wir im Sündenfallbericht lesen, will kein Protokoll über den „Sündenfall“ sein. ES IST NICHT WIRKLICH SO GESCHEHEN, WIE ES DARGESTELLT WIRD. (6)), immer wieder mit „kirchlicher“ Approbation geschieht. Papst Plus IX, bestätigt in seiner erwähnten Bulle die vom Papst Sixtus IV. verhängten Strafen und fügt noch weitere zu: „Das Verbot zu predigen, der öffentlichen Vorlesung, den Verlust der Berechtigung zum Lehramte und zur Interpretation, den Ver­lust des aktiven und passiven Wahlrechtes, und zwar per sofort, ohne die Notwendigkeit einer Verlautbarung. Auch wird solch ein Priester für immer unfähig zu predigen, vorlesen, interpretie­ren und belehren, durch die Tat selbst, ohne dass noch eine Ver­lautbarung diesbezüglich notwendig wäre. (7)

Gott lässt Seiner nicht spotten!

Dr. theol. Otto Katzer
Postfach 34
CH-9057 Weissbad

 

Literatur

  1. Anfang und Schluss der Bulle „Auctorem fidei“. Mansi, Con­ciliorum Collectio XXXVIII col. 1104: „Nemo autem non intelligit apertam hinc inferri violationem dogmaticis judiciis, quae Petri cathedra tulit, eorumque censorem te con­stituere.“ „Dum in synodis prolata sunt apostolicae sedis decreta, numquam est actum, ut contenderetur de incertis, sed ut certa atque immutabilia.“
  1. II. II. q.1 art.10
  2. Mansi, op. cit. col. 1105: „Contra ea, quae apostolicis sunt fundata decretis, nihil cuique audere conceditur; ita ut si quis diversum aliquid decernere velit, se potius minuat, quam iila corrumpat, causamque jampridem definitam haud decere per paucorum insipientiam ad conjecturas opinionum, et ad carnalium disputationum bella revocare… Nam si hu­manis persuasionibus semper foret liberum disceptare, num­quam deessent qui veritati audeant insultare, nullusque con­tentionibus ac certaminibus finis, si de his, quae pluri­morum pontificum consensione firmata sunt, novum liceret ferre judicium…“
    Col. 1106: „Nos qui custodes esse debemus paternarum consti­tutionum, unde assensum praebere non possumus illarum im­pugnationibus… monito d. Petri Damiani tradentis: „Qui vice Petri claves tenet, ipse potissimum adversus novum dogma consurgat, et introductores pravitatis dignae sen­tentiae jaculatio confodiat.“
  1. Mansi, op. cit. col. 1108: „Quapropter nobis minime con­venit, ut de semel prolatis judiciis, quae nonnisi praevia severiori discussione sunt edita, reddamus rationem; immo pro munere dignitateque nostra a novis concertationibus omnino ac diligenter abstinere debemus; alias nunquam foret disputationum finis, ac minueretur auctoritas, cul sese subiicere quisque constringitur.
  1. Mansi, op. cit. col. 1258: „… ut certa atque expressa pateat damnatio quae omnem praecludat vlam futuris tam Pistoriensihus et Pratensibus episcopis, quam ceteris omni­bus, quibus nihil obstare viden passet, ut eadem pariquae auctoritate, qua hodiernus usus est episcopus, contrarias ipsius epistolae pastorali illi constituant ac edicant, et ita fiat ut Ricciana rursus synodus in lucem proferatur.“
  2. Ferdinand Krenzer, Morgen wird man wieder glauben, 18. Auf­lage 1978, Seite 190,
  3. Litterae apostolicae de dogmatica definitione immaculati Conceptus beatae Mariae Virginis, A.D. 1854 „Ineffabilis Deus“.
    a meis subditis, vel illis, quorum cura ad me in munere meo spectabit, tenen, doceri, et prædicari, quantum in me erit, curaturunt Jurans manu dextera tangit librum Evangeliorum apertum ac dicit: ego idem N. N. spondeo, voveo, ac juro; sic me Deus adjuvet, et hæc sancta Dei Evangelia.
  4. Das Tridentinisch-Vatikanische Glaubensberenntnis

Alle katholischen Geistlichen sind zur Ablegung dieses Tridentinisch-Vatikanischen Glaubensbekenntnisses ver­pflichtet: Zum erstenmal vor ihrer Subdiakonatsweihe und später jedesmal vor Antritt eines höheren Amtes — auch vor der Teilnahme an einem Konzil.

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Quelle: Manuskript Archiv Immaculata-Verlag (P.O. Schenker)

UM KATHOLISCH ZU SEIN, MUSS [und soll] MAN NICHT SEDISVAKANTIST SEIN

Die katholischen Christen bekennen u.A.: Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche … Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen.

Vor allem diejenigen Sedisvakantisten, die die Ansicht/Überzeugung vertreten, dass alle katholischen Christen (Klerus und Laien), die die Päpste des Konzils und Post-Konzils als gültige Päpste betrachten und sich ihnen im kirchlichen Gehorsam pflichtgemäß fügen/unterwerfen, den ganzen wahren katholischen Glauben nicht (mehr) vertreten und folglich nicht (mehr) katholisch (sondern häretisch und/oder schismatisch) sind, diese Sedisvakantisten befinden sich in einem gefährlichen, sträflichen Irrtum!

Selbst wenn es zutreffen würde, dass diese Päpste — aufgrund von erwiesenen Glaubensirrtümern, Häresien, Apostasien — vor Gott keine gültigen, wahren Oberhirten (mehr) wären, so müss(t)en sie es vor der Gesamtheit der Gläubigen dennoch solange bleiben, bis GOTT Selber diese Usurpatoren, diese Thronräuber, diese Irrlehrer samt ihren Steigbügelhaltern aus Amt und Ehre entfernt, sei dies durch eine Erweckung der für eine Amtsenthebung vorgesehenen/zuständigen Kleriker (primär Kardinäle, Bischöfe), sei es durch ein direktes göttliches Eingreifen, z.B. eine Bekehrungs-Bewirkung des amtierenden Papstes1). Denn ein Papst, der Stellvertreter Christi, richtet alle, und niemand richtet ihn – außer CHRISTUS, unser HERR und GOTT.

Die hinlänglich glaubensinstruierten und wachsamen katholischen Christen (Klerus und Volk) können und dürfen, ja müssen, sofern sie es können, einem augenscheinlich irrenden und irreführenden Hirten und erst recht Oberhirten dennoch in allem widerstehen, was klar, eindeutig glaubensgefährdend, glaubenswidrig ist.

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1) Wie z.B. die hl. Katharina von Siena Papst Gregor XI. 1376 zur Rückkehr von Avignon auf den Stuhl Petri in Rom gebracht hat oder wie die hl. Jeanne d’Arc 1429 den entmutigten, zögerlichen Dauphin zu seiner Krönung als König Karl VII. nach Reims geführt hat.

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[POS]

Ist die FSSPX häretisch, schismatisch? – sind ihre Mitglieder Häretiker, Schismatiker?

Meine Antwort an den Kommentator „Stephan“ auf diese nachfolgende Präzisierung zum sog. “Mittelweg”:

Der “Mittelweg”, wie ich ihn hier meine, ist jener:

Die “Lehre” und die für die “Konziskirche” verbindlichen Verkündigungen seitens der V2-Häretiker als unkatholisch zurückzuweisen, während man die V2-Häretiker weiter als rechtmäßige Autoritäten der röm.-kath. Kirche betrachtet.

Die “Konzilskirche” der unkatholischen Lehrverkündigung zu bezichtigen, sie aber weiterhin als die von Jesus Christus gegründete röm.-kath. Kirche zu betrachten.

Doch was die Kirche zu so einer Haltung sagt, ist eindeutig:

“Wir haben daher nach Anrufung des Lichtes des Heiligen Geistes… zu verdammen und zu verwerfen für wert erachtet, so, wie Wir sie durch diese Unsere auf ewige Zeiten gültige Konstitution verdammen und verwerfen: Die Vorlage, welche behauptet, in diesen letzten Zeiten habe sich eine allgemeine Dunkelheit über die wichtigeren Wahrheiten verbreitet, die sich auf die Religion beziehen und die Grundlage der Glaubens- und Sittenlehre Jesu Christi sind, als HÄRETISCH.” (Apostolische Konstitution “Auctorem Fidei”, 1794)

Um aber an dieser Haltung gegen jedwede Kritik festzuhalten, wird sich dann zwangsläufig nicht mehr an die von der Kirche tatsächlich verkündete Lehre, insbesondere zur Ekklesiologie und zum Papst- bzw. Lehramt, gehalten. Anstelle der verbindlichen und klaren Lehre der Kirche treten sophistische Krücken und “Notstands”-Konstruktionen, die der Lehre der Kirche und dem Kirchenrecht nicht standhalten.

Der “Mittelweg” zeichnet sich dadurch aus, daß er einerseits die “Konzilskirche” als unkatholisch betrachtet und vorgibt, der katholischen Tradition treu bleiben zu wollen, aber gleichzeitig an derselben häretischen “Konzilskirche” (und auch gewissen modernistisch-”theologischen” Standpunkten) grundsätzlich festhalten will, anstatt letztendlich den folgerichtigen konsequenten Bruch mit einer solchen antikatholischen Organisation (welche von den antikatholischen Modernisten mittels des “2. Vatikanum” geschaffen wurde) zu tätigen, damit der wahre Glauben auch tatsächlich in seiner Reinheit bewahrt werden könne.

Der “Mittelweg” ist also keine Position zwischen zwei katholischen Möglichkeiten, sondern der “Mittelweg” orientiert sich dann doch stets an der Entwicklung der “Konzilskirche” und des Zeitgeistes. Somit scheint der “Mittelweg” (zumindest implizit) zwei Herren dienen zu wollen, wobei es sich nun zeigt, daß die Anhänglichkeit an die “Konzilskirche” bzw. eine rein irdische Institution sogar stärker zu sein scheint…

 

Ich „mystifiziere“ die FSSPX nicht, wenn ich sie verteidige gegenüber den – wie ich sie nenne – „konsequenten Sedisvakantisten“. Ich behaupte nur, dass die Priesterbruderschaft als solche, wie sie von Erzbischof Lefebvre gewollt und verwirklicht wurde, nicht „in die Irre führt“; ganz im Gegenteil, sie führt, solange und insofern sie ihrem Gründer treu bleibt, ihre Priester und Gläubigen traditionstreu zum ewigen Heil.
Sie geht insgesamt nicht den „Mittelweg“, den Sie meinen. Denn für sie gilt:

  • Sie weist die eindeutig unkatholischen, mit der Tradition nicht vereinbaren „Lehren“ und Praktiken der römischen Autoritäten zurück, und damit betrachtet sie jene Autoritäten, die diese vertreten und deren Anwendung einfordern, als nicht „rechtmäßig“ handelnd.
  • Sie betrachtet die sogenannte „Konzilskirche“ nicht als DIE katholische Kirche. Sie betrachtet jene „Autoritäten“, die in(mitten) der katholischen Kirche klar und nachweislich von der immerwährenden Lehre abweichen und wegführen, nicht als (weiterhin) der von Jesus Christus gegründeten röm.-kath. Kirche (innerlich) zugehörig.
  • Sie enthält sich dabei aber eines „richterlichen“ (äußeren, öffentlichen) Urteils über diese Autoritäten. Sie appelliert explizit und implizit an die höchste kirchliche Autorität, den Papst. Aber wenn und insoweit dieser selbst versagt, überlässt sie das Gericht GOTT, dem Haupte der Kirche, JESUS CHRISTUS, wissend, dass JEDE Autorität von Ihm, GOTT, kommt (Römer 13:1-2).
  • Sie ist nicht der Ansicht und behauptet nicht, dass „in diesen letzten Zeiten sich eine allgemeine Dunkelheit über die wichtigeren Wahrheiten verbreitet (habe), die sich auf die Religion beziehen und die Grundlage der Glaubens- und Sittenlehre Jesu Christi sind“ (und dass deshalb die Reformen des II. Vatikanums notwendig gewesen seien).
  • Sie hält nicht grundsätzlich „an der häretischen Konzilskirche und (auch nicht) an gewissen modernistisch-„theologischen“ Standpunkten fest.
  • Sie orientiert sich nicht an der Entwicklung der „Konzilskirche“ und am Zeitgeist, sondern sie orientiert sich am gesicherten Glaubensdepositum und am überzeitlichen Heilig-Geist-Gewirkten.
  • Sie ist nicht „anhänglich an der Konzilskirche“, sondern anhänglich an der römisch-katholischen, apostolischen Kirche und ihren Oberhirten soweit sie glaubenstreu sind.
  • Sie ist damit/folglich nicht häretisch und nicht schismatisch.
  • Und ihre Mitglieder sind keine Häretiker und keine Schismatiker, sondern wahre katholische Christen.
  • Es ist auch klar, dass es keine impliziten Häretiker gibt. Als Häretiker kann man nur jene bezeichnen, die eine Glaubenswahrheit explizit leugnen, bzw. eine Unwahrheit als Glaubenswahrheit lehren. Erzbischof Lefebvre hat sich niemals weder des einen noch des andern schuldig gemacht, und ebensowenig seine getreuen Anhänger.

Hierauf antwortete „Stephan“ (die fettgedruckten Einschübe sind meine Repliken):

Gesendet am 13.05.2014 um 21:31

In Ihrem Artikel gegen den von Ihnen so genannten “konsequenten Sedisvakantismus” vertreten Sie modernistische Positionen und weichen die Religion und den antimodernistischen Widerstand letztendlich im Sinne eines “gesellschaftsfähigen” Pragmatismus (in diesem Fall gegenüber einer offen antichristlichen bzw. satanischen Gesellschaft und Zeitgeist-”Kirche”) auf.

Aber nun zu Ihren gestrigen Aussagen:

1. Können Sie uns erklären, wie das dann aussehen müsse bzw. wie sich die FSSPX nun gegenüber Bergoglio und Co. verhalten müßte, um Lefebvre “treu zu bleiben”?

Sie muss sich gegenüber Franziskus (I.) gleich/ähnlich verhalten wie Erzb. Lefebvre sich gegenüber Paul VI. und Johannes Paul II. verhalten hat. Er hat die amtierenden Päpste nicht als Nicht-Päpste behandelt; er hat sich ihnen nur insoweit widersetzt, als sie sich ihren Vorgängern in wesentlichen Glaubensaspekten eklatant widersetzt haben.

2. Wie kann man “traditionstreu” sein, wenn man doch Irrlehren und Positionen (z.B. die der Gallikaner und Jansenisten) vertritt, die von der Kirche bereits verurteilt und verworfen wurden.

Erzb. Lefebvre vertrat keine einzige Irrlehre und Position der Gallikaner. Er wollte ausdrücklich nie autonom/unabhängig sein und handeln gegenüber dem amtierenden Papst. Und er vertrat auch keine einzige Irrlehre und „Position“ der Jansenisten. Welche denn?

3. Wie kann man “traditionstreu” sein, wenn man ein Kirchenbild bzw. eine Haltung gegenüber dem Lehramt vertritt, welche von der Kirche bereits klar und deutlich als häretisch verworfen wurde? Die FSSPX vertritt selber modernistische Positionen und bereits verurteilte Irrlehren bezüglich des Lehramtes und der Ekklesiologie.

Erzb. Lefebvre vertrat kein Kirchenbild und keine Haltung gegenüber dem Lehramt, welche von der Kirche bereits klar und deutlich als häretisch verworfen wurde. Und die FSSPX, sofern sie sich an Erzb. Lefebvre hielt/hält, vertrat/vertritt ebenfalls keine modernistische Positionen und bereits verurteilte Irrlehren bezüglich des Lehramtes und der Ekklesiologie.

4. Wenn eine Autorität unkatholische “Lehren” verkündet, dann handelt es sich hierbei offenkundig NICHT um eine Autorität der röm.-kath. Kirche, gemäß folgendem katholischen Grundsatz: “Eine Autorität, welche den IRRTUM lehrt, sei es in guter oder in böser Absicht, IST ÜBERHAUPT KEINE AUTORITÄT mehr.” (Dom Guéranger, zitiert nach Bischof de Castro Mayer) Die Haltung der FSSPX ist somit offenkundig widersprüchlich und unkatholisch.

Gewiss, aber dies muss präziser wie folgt ausgedrückt werden: „Eine Autorität, welche klar, beharrlich den Irrtum (Falsches/Glaubensgefährendes) lehrt, (sei es in guter oder in böser Absicht,) ist keine Autorität mehr (allerdings vorerst aber nur) in Bezug auf die betreffende Lehre oder Weisung. Und wenn diese Autorität die päpstliche ist, dann ist punkto Amtsverlust das Urteil der Kirche (bzw. GOTTES Eingreifen) abzuwarten.

5. Warum nennt sie z.B. einen Bergoglio “Heiligen Vater” bzw. betrachtet diesen Nicht-Katholiken als Papst bzw. Oberhaupt der röm.-kath. Kirche? Und warum wollen sich die Oberen der FSSPX denn mit der “Konzilskirche” einigen, wenn es sich bei der “Konzilskirche” gemäß der Oberen der FSSPX nicht um die von Jesus Christus gegründete röm.-kath. Kirche handeln würde?

Die FSSPX nennt (auch) Bergoglio „Heiliger Vater“, bzw. betrachtet ihn als Papst und Oberhaupt der röm.-kath. Kirche, weil er für sie tatsächlich immer (noch) Papst ist, und zwar solange er nicht offiziell seines Amtes enthoben wird/ist.

6. Sie verhandelt offenkundig mit Häretikern um einen Beitritt zu der Gemeinschaft dieser Häretiker und möchte nur nicht “öffentlich” über die Häretiker “richten”? Übrigens, es geht nicht ums Richten, sondern es geht um die Feststellung, daß es sich bei den angeblichen “Hirten” um Wölfe handelt. Würde die FSSPX ihre Hirtenaufgabe ernstnehmen, dann würde sie ihre Schafe nicht den Wölfen zuführen wollen.

Die Autoritäten, mit welchen sie verhandelt(e), sind/waren keine offenkundige „Häretiker“/“Wölfe“, keine Nicht-Autoritäten wegen offenkundiger Häresie, und sie sucht(e) nicht den Beitritt zur Gemeinschaft „dieser Häretiker/von Häretikern“, sondern sie kundschaftet(e) aus, ob die amtierenden kirchlichen römischen Autoritäten, mit welchen sie spricht/sprach, rechtgläubig/bzw. bekehrbar sind/waren, und sie sucht(e) stets nur die Zusammenarbeit mit den amtierenden Autoritäten, um ihr Apostolat, ihre Mission offiziell kirchlich anerkannt ausüben zu können.

Wie sieht die Kirche diese Problematik:

“The Catholic Church wages war against all heresies.” (St. Augustinus, De symbolo ad catechumenos)

“Men are not bound or able to read hearts; but when they SEE that someone is a HERETIC by his EXTERNAL WORKS, they judge him to be a heretic pure and simple and condemn him as a heretic.” (St. Robert Bellarmin, De Romano Pontifice, lib. IV)

“HERESY, being a deadly poison generated within the organism of the Church, MUST BE EJECTED if she is to live and perform her task of continuing Christ’s work of salvation.” (The Catholic Encyclopedia, 1914)

Es ist also eine offenkundig unkatholische Haltung, wenn man die Häresien der “Konzilskirche” und der entsprechenden “Autoritäten” immer mehr banalisiert und nicht die entsprechenden Schlüsse daraus zieht.

Sie banalisiert keine wirklichen Häresien, wessen auch immer. Und wenn sie tatsächliche Häresien festmacht, zieht sie entsprechende Schlüsse daraus für sich, für ihr Wirken.

7. Warum appelliert die FSSPX an einen offensichtlichen Häretiker und will uns weismachen, dieser Häretiker sei der Stellvertreter Christi? Wie gesagt, es geht überhaupt nicht um einen Richterspruch über die Seele eines Menschen, sondern es geht um die Feststellung der äußeren Tatsachen. Und wenn sich äußerlich zeigt, daß man es mit Häretikern zu tun hat, dann muß man sich entsprechend verhalten. Die Lehre der Kirche hierzu ist eindeutig:

Wenn sie an die höchste Autorität der Kirche appelliert, dann nicht “an einen offensichtlichen Häretiker”, sondern an das HEILIGE AMT dieser Autorität, das unter der Höchstaufsicht GOTTES, des HEILIGEN GEISTES steht.

“From the MOMENT that ONE SUFFICIENTLY KNOWS the existence of the RULE OF the FAITH in the Church and that, ON ANY POINT whatsoever, FOR WHATEVER MOTIVE AND IN WHATEVER FORM, one REFUSES to SUBMIT to it, FORMAL HERESY is COMPLETE.” (Michel, “Héresie, Héretique,” Dictionnaire de Théologie Catholique, 1909)

“It is proven with arguments from authority and from reason that the manifest HERETIC is IPSO FACTO deposed. The argument from authority is BASED ON ST. PAUL (Titus, c. 3), who orders that the HERETIC BE AVOIDED after two warnings, that is, after showing himself to be manifestly obstinate – which means BEFORE ANY EXCOMMUNICATION or judicial sentence. And this is what St. Jerome writes, adding that the other sinners are excluded from the Church by sentence of excommunication, but the HERETICS EXILE THEMSELVES and SEPERATE THEMSELVES by their own act from the BODY OF CHRIST.” (St. Robert Bellarmin, “De Romano Pontifice”)

„Noch weniger kann der römische Pontifex sich rühmen, denn er kann von Menschen gerichtet werden – oder besser, es kann gezeigt werden, daß er gerichtet ist, wenn er nämlich in Häresie fällt [quia potest ab hominibus judicari, vel potius judicatus ostendi, si videlicet evanescit in haeresim]. Denn wer nicht glaubt, ist schon gerichtet“ (Innozenz III., Sermo 4: In Consecratione, PL 218:670).

“He [the pope] would AUTOMATICALLY lose pontifical power, because, having become an unbeliever [factus infidelis], he put himself OUTSIDE of the Church BY HIS OWN WILL.” (Cardinal Billot, De Ecclesia Christi, 1927)

Die FSSPX mißachtet also diese kirchlichen Wahrheiten mit ihrer angeblich “demütigen” Haltung.

Nein, sie missachtet diese Wahrheiten nicht; denn ob der amtierende Papst „nicht glaubt“, ob er „in Häresie gefallen ist“, kann sie für sich zwar erwägen; aber sie kann ohne Bestätigung der Kirche als Ganzes nicht einfach davon ausgehen, dass dem wirklich so ist.

8. Es geht bei der in “Auctorem Fidei” als häretisch verworfenen Behauptung um das Lehramt. Diese häretische Behauptung (unter I.) wurde einst gegen das kirchliche Lehramt vorgebracht. Doch wenn die FSSPX behauptet, daß die angeblichen Autoritäten der röm.-kath. Kirche unkatholische Dinge lehren würden oder daß sie nicht katholisch denken könnten, weil sie ja modernistisch seien und deshalb die katholische Wahrheit nicht verstehen würden, dann trifft sich das mit der als Häresie verworfenen Behauptung. Denn das kirchliche Lehramt bzw. die entsprechenden Träger des Lehramtes können über die wahre Lehre der Kirche nicht im “Dunkeln” bzw. im Unklaren sein. Denn, entweder sind die Autoritäten der “Konzilskirche” das tatsächliche Lehramt der röm.-kath. Kirche, dann wären deren “Lehren” keineswegs unkatholisch. Oder aber – so wie es ja auch die FSSPX selber meint -diese “Lehren” sind tatsächlich unkatholisch, dann kann es sich bei den V2-Autoritäten eben offenkundig NICHT um das kirchliche Lehramt handeln (und somit sind sie auch keine rechtmäßigen Autoritäten der röm.-kath. Kirche). Beides gleichzeitig geht nicht, das wäre wie eckige Eier.

9. Wer sich von der “Konzilskirche” nicht wirklich lösen will, der hält freilich grundsätzlich an ihr fest. Wer sich von einer Todsünde über Jahrzehnte nicht lösen will, der hält grundsätzlich an dieser Todsünde fest. Und wer modernistische Positionen vertritt, der hält eben daran grundsätzlich fest. Außer natürlich wir erklären nun den gesunden Menschenverstand für abgeschafft…

Erzb. Lefebvre und seine FSSPX wollten und wollen sich von der sog. „Konzilskirche“, d.h. von jenen Gliedern in der Kirche, die durch irrige Lehre und Praxis, durch Modernismus die wahre Kirche verfälschen, wirklich lösen, niemals aber von den Gliedern in der Kirche, die die lebendige, heilige Kirche ausmachen.

10. Wer Irrlehren vertritt, der orientiert sich ganz sicher NICHT am gesicherten Glaubensdepositum. Wer mit der “Konzilskirche” um einen Beitritt verhandelt, der scheint kein wirkliches Problem mit dem Zeitgeist zu haben.

Erzb. Lefebvre und seine Getreuen vertreten keine Irrlehren. Sie wissen sich absolut gebunden an das gesicherte Glaubensdepositum. Sie verhandeln deshalb auch nicht mit offensichtlichen Kirchenfeinden um einen Beitritt zur „Konzilskirch“, sondern mit Autoritäten im Amt, um eine Anerkennung als Werk der wahren römisch-katholischen, apostolischen Kirche.

11. Was soll bitte ein “überzeitlichen Heilig-Geist-Gewirkten” sein?? Sind wir nun vollends bei den Pfingstlern und Charismatikern angekommen?

Ich hatte geschrieben: Sie orientiert sich nicht an der Entwicklung der „Konzilskirche“ und am Zeitgeist, sondern sie orientiert sich am gesicherten Glaubensdepositum und am überzeitlichen Heilig-Geist-Gewirkten, d.h. an all dem, was der Heilige Geist in den rund 2000 Jahren in der Kirche an Überzeitlichem (also nicht Zeitgebundenem, sondern Ewiggültigem) gewirkt hat.

Die Glaubensregel der röm.-kath. Kirche lautet dagegen folgendermaßen:

“The RULE OF FAITH. It seems timely to add here a few remarks on the rule of faith. This term signifies the standard or norm according to which each individual Christian must determine what is the material object of his faith. Protestants claim that the written Word of God, Holy Scripture, and that alone, is the one rule of faith. CATHOLICS, on the other hand, even though they, too, admit that our faith must be regulated in the final analysis by the Word of God — including tradition as well as Scripture — hold that the PROXIMATE and immediate RULE OF FAITH — that RULE to which EACH of the FAITHFUL and EACH GENERATION of the faithful MUST LOOK DIRECTLY — is the PREACHING of the CHURCH. And so, according to Catholics, there exists a twofold rule of faith: one remote and one proximate. The remote rule of faith is the Word of God (handed down in writing or orally), which was directly entrusted to the Church’s rulers that from it they might teach and guide the faithful. The proximate RULE OF FAITH, from which the faithful, one and ALL, ARE BOUND TO ACCEPT their faith and in accordance with which they are to regulate it, is the PREACHING of the ecclesiastical MAGISTERIUM” (Monsignor G. van Noort, Dogmatic Theology, Volume II)

Leo XIII. beantwortet in seiner Enzyklika “Sapientiae Christianae” die Frage, “woran man die Katholiken erkennt”, folgendermaßen: “Mit eindrucksvollen Worten erklärt der heilige Thomas von Aquin diese Wahrheit: … Wer also der Lehre der Kirche, die aus der in den heiligen Schriften offenbar gemachten Erstwahrheit hervorgeht, nicht als unfehlbarer, göttlicher Richtschnur anhängt, besitzt das Gehaben des Glaubens NICHT, sondern hält an dem, was des Glaubens ist, auf andere Weise fest als kraft des Glaubens … Es ist aber klar, dass der, welcher der Lehre der Kirche als unfehlbarer Glaubensrichtschnur anhängt, ALLEM BEISTIMMT, was die Kirche lehrt. Andernfalls, wenn er von der Lehre der Kirche das, was er will, festhält, und was er will, nicht festhält, hängt er nicht mehr der Lehre der Kirche als unfehlbarer Glaubensregel an, sondern seinem eigenen Wollen.“

Es ist offensichtlich, daß die FSSPX nicht allen (bis V2) verkündeten Lehren der röm.-kath. Kirche beistimmt. Beispiele sind bereits weiter oben genannt. Die Ausführungen von Tomás waren auch hinreichend.

Erzb. Lefebvre und seine Getreuen hängen der Lehre der Kirche, die aus der in den heiligen Schriften offenbar gemachten Erstwahrheit hervorgeht, als unfehlbarer, göttlicher Richtschnur an und stimmen allem bei, was die Kirche lehrt!

Beispielhaft sei hier noch eine Aussage von Pius IX. aufgelistet:

“Welchen Sinn hat es, den Lehrsatz der Suprematie St. Peters und seiner Nachfolger öffentlich zu verkündigen? Welchen Sinn hat es, immer und immer wieder den Glauben an die katholische Kirche und den Gehorsam zum Apostolischen Stuhl zu wiederholen, wenn die Handlungen diesen Worten entgegenstehen? Ist nicht Ungehorsam um so schändlicher, als Gehorsam Pflicht ist? Erstreckt sich die Autorität des Heiligen Stuhls nicht auf die Maßnahmen, die Wir verpflichtet gewesen sind zu ergreifen? Reicht es vielleicht aus, in Glaubensgemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl zu stehen, ohne gehorsam zu sein? So etwas kann es nicht geben, ohne daß der Katholische Glaube beschädigt wird! Tatsächlich, Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, geht es darum, die Macht des Heiligen Stuhls anzuerkennen, sogar über die Kirchen, nicht bloß darin, was den Glauben betrifft, sondern auch in dem, was zur Disziplin gehört. Wer das bestreiten würde, ist ein KETZER; wer das anerkennt, sich aber hartnäckig weigert zu folgen, ist des ANATHEMAS würdig!” (Pius IX. in “Quae in Patriarchatu”)

Somit ist deutlich, daß die Haltung der FSSPX gegenüber Bergoglio und Co. NICHT katholisch ist, wenn Bergoglio und Co. tatsächlich Päpste (gewesen) seien.

Ob „Bergoglio und Co.“ nicht katholisch ist, ob er nicht Papst ist, kann die FSSPX offen, unentschieden lassen. Sie ist dem Apostolischen Stuhl gehorsam, insoweit dieser von GOTT die Vollmacht hat, den Gehorsam zu fordern. Der intakte Glaube steht aber immer über dem Gehorsam.

12. Wer nicht der Lehre der röm.-kath. im vollen Umfang treu ist, kann nicht von sich sagen, dieser Kirche tatsächlich anzuhängen. Wer immer nach der “Konzilskirche” schielt und um eine Einigung mit dieser offenkundig häretischen Organisation sucht, der hängt ganz offensichtlich an ihr.

Erzbischof Lefebvre und Seine FSSPX waren/sind der Lehre der röm.-kath. Kirche im vollen Umfang treu. Und nur dieser Kirche, der wahren, hängen sie an. Sie schielt nicht nach der „Konzilskirche“

13. Nennen Sie uns doch bitte die (angeblichen) jetzigen Oberhirten der röm.-kath. Kirche.

Der derzeitige Obersthirte der röm.-kath. Kirche ist Franziskus I.

14. Erklären Sie uns doch einmal, wie man ein wahrer katholischer Christ sein könne, wenn man gar nicht der Lehre der Kirche in vollem Umfang anhängt, sondern sogar modernistische Standpunkte vertritt?

Erzbischof Lefebvre und Seine Getreuen hingen/hängen der Lehre der Kirche in vollem Umfang an und vertrat(en)/vertreten keine modernistischen Standpunkte. Punkt!


„ICH WERDE NIEMALS KOMPROMISSE MACHEN“

„Ich werde das annehmen, was von der richtigen Autorität stammt und mit der Wahrheit, den Lehren und Traditionen der Heiligen Mutter Kirche ist, und ich werde alles ablehnen, was nicht damit übereinstimmt“.

(Mgr. Lefebvre am 23. Januar 1979 – zitiert in seinem amerikanischen Organ „THE ANGELUS“ Nr. 2, 1979)

FR. GREGORY HESSE († 25th January 2006): A Conversation on Catholic Tradition (December 1997)

Für Englisch-Kenner! (@Alle: Kommentieren Sie hier!)

See also: