Kardinal Van Thuan: Ein weiterer Schritt zur Seligsprechung

François Xavier Nguyen Van Thuan & Schwester / Quelle: Privat

Papst hat am Donnerstag den heroischen Tugendgrad
des am 16. September 2002 verstorbenen
vietnamesischen Kardinals anerkannt

Papst Franziskus hat am Donnerstag den heroischen Tugendgrad des am 16. September 2002 verstorbenen vietnamesischen Kardinals François Xavier Nguyen Van Thuan anerkannt. Das ist die Vorstufe zur Seligsprechung. Das kirchenrechtliche Verfahren wurde im Jahr 2007 auf diözesaner Ebene eröffnet und im Juli 2013 abgeschlossen. Der damalige Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden hatte am selben Tag wie Jorge Mario Bergoglio die Kardinalswürde erhalten, zusammen mit 42 weiteren kirchlichen Würdenträgern am 21. Februar 2001, im Rahmen der bis dahin größten Kardinalsversammlung der Kirchengeschichte. Francois Xavier Nguyen Van Thuan war einmal Häftling der Kommunisten in Vietnam gewesen.

Im goldenen Messgewand saß der selige Papst Johannes Paul II., bereits durch Krankheit gezeichnet, und überreichte einem nach dem anderen Pileolus (Scheitelkäppchen) und Birett in Rot. Für die Kurie durfte der Vietnamese ein Jahr zuvor zu den Fastenexerzitien predigen. In aufrichtigster Demut hatte er dabei Momente der Schwäche während seiner Gefangenschaft offengelegt: Ein Mann, der einmal ganz unten war. „Ich erlebte die Sinnlosigkeit“, bekannte er. „Aber ich kann bezeugen, dass der Vater mich nicht verlassen hat und dass er mir Kraft gegeben hat“, heißt es in den unter dem deutschen Titel „Hoffnung, die uns trägt“ veröffentlichten Exerzitien.

Es gibt eine berühmte Szene in dem Film „In den Schuhen des Fischers“ von 1968 mit Anthony Quinn, der die Geschichte eines kirchlichen Würdenträgers erzählt, der wie Nguyen Van Thuan lange Jahre in kommunistischen Umerziehungslagern verbracht hatte. In der Geschichte wird die Hauptfigur zunächst zum Kardinal kreiert, dann schließlich zum Papst gewählt. In einer Sitzung des kommunistischen Politbüros lachen die Mitglieder schallend, als sie ihren ehemaligen politischen Häftling in einer Fernsehsequenz auf der Loggia oberhalb der Portale des Petersdomes sehen. Möglicherweise wird den Parteibonzen in Vietnam aber an jenem Februartag das Lachen im Hals stecken geblieben sein. Filmreif war das Leben dieses kleinen, charismatischen Kardinals gewesen, denn es gibt über ihn bereits einen Dokumentarstreifen.

Kardinal Nguyen Van Thuan wurde 1975 kurze Zeit nach seiner Ernennung zum Erzbischof-Koadjutor von Saigon von den kommunistischen Machthabern verhaftet und saß 13 Jahre lang hinter Gittern, davon neun Jahre in Einzelhaft. Das Regime hielt ihn für einen gefährlichen Ursupator, während er Mitgefangene und Wärter durch seine Nächstenliebe und besondere Gabe zu Verzeihen überzeugte. Nach seiner Freilassung, nicht zuletzt aufgrund internationalen Drucks und einer Schwächung des Ostblocks, beeilten sich die Machthaber, ihn ins Exil zu schicken. Im Jahr 1994 wurde er Vizepräsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden und ab 1998 leitete er dieses römische Dikasterium.

Seine jüngste Schwester, 69-jährige Elizabeth Nguyen berichtete einmal, dass der Kardinal oft gefragt wurde, wie er die Kraft zu dieser Liebe und zum Verzeihen fand. „Er sagte, dass es das Wort Gottes war, in der Schrift und im Gebet sowie der Leib Christi in der Eucharistie“. Mit seinem festen Glauben sei er auf dem Weg der Nachfolge für die Mitgefangenen zum anderen Christus geworden. Erst habe er mit seinem Gefangenenschicksal gehadert, keinen Sinn darin erkennen können, hinter Gittern zu versauern, während draußen die Gläubigen eines Hirten bedurften. In Rom hatte er studiert und war mit 47 Jahren schon Erzbischof-Koadjutor geworden. Dann aber habe er erkennt, dass seine neue Diözese sein Gefängnis war. Er sah, dass dort das Volk Gottes auf seinen Dienst wartete. Thuan habe den Willen Gottes auf diese Weise immer mehr angenommen, was anhand zahlreicher Briefe, die er aus der Haft schrieb, zu belegen ist. „Als ein Gefangener lehrte er uns, unseren Glauben in Freiheit zu bewahren“, sagte Elizabeth Nguyen.

Um Eucharistie feiern zu können, ließ er sich nach einem vorher verabredeten Code Messwein und Hostien ins Gefängnis schicken. Der Messwein war als Magenmedizin getarnt und die Hostien steckten zwischen den Batterien einer Taschenlampe. Ein paar Tropfen Wein konsekrierte er in seiner Handinnenfläche. Eines Tages fand er bei der harten Feldarbeit im Acker eine winzige Flasche, die er in seine Zelle schmuggelte und dort als Kelch verwendete. Die Kommunion konnte er gläubigen Mitgefangenen austeilen, in dem er die Hostien in Zigarettenpapier einwickelte.

Da er niemanden aus seinem Herz ausschloss, wie er selbst später schrieb, freundeten selbst Wärter sich mit ihm an. „Ich möchte gern ein Holzstück in Kreuzesform zurechtschneiden“, sagte er einem von ihnen frei heraus. Der Mann ließ sich überreden und besorgte ihm Holz, das Van Thuan zu einem Kreuz schnitzte und in einem Stück Seife verbarg. Sogar ein Elektrokabel und zwei kleine Zangen erhielt er auf diese Weise. Der Wärter, der damit ein deutliches Risikio einging, vertraute ihm: Eine Kette entstand. Beides, Kreuz und Kette, verwendete Kardinal Nguyen Van Thuan später noch in Freiheit für sein Pectorale (Brustkreuz). Es sollte ihn daran erinnern: „Nur die christliche Liebe kann die Herzen verändern, nicht Waffen, nicht Drohungen, nicht Medien.“ Viele Menschen, die diesen ungewöhnlichen Bischof in der Haft kennenlernten, fanden durch ihn zum Glauben, darunter auch knallharte und korrupte Kommunisten.

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Quelle

Vietnam: Erste katholische Universität öffnet ihre Pforten

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Vietnam / Quelle: Facebook – Fides, CC BY 4.0

„Ein Werk der Barmherzigkeit“

Die erste katholische Universität in Vietnam öffnete in Ho Chi Minh City offiziell ihre Pforten: im ersten Studienjahr sind insgesamt 23 Studierende am Katholischen Institut Vietnams eingeschrieben. Rektor des neuen Instituts ist Bischof Joseph Dinh Duc Dao, der auch die bischöfliche Kommission für das katholische Bildungswesen leitet.

„Dies ist ein wichtiger Schritt für die Kirche in diesem heiligen Jahr“, so der Bischof. „Für mich ist es ein Werk der Barmherzigkeit, das wir im Rahmen des heiligen Jahres auf den Weg bringen dürfen. Unser Ansatz ist der des Mitgefühls, dass wir durch unseren Dienst an der Bildung verwirklichen“, so der Bischof.

Die katholische Universität ist die erste dieser Art seit der Vereinigung des Landes durch das kommunistische Regime im Jahr 1975 und sie ist offiziell vom Heiligen Stuhl und der Regierung anerkannt. Bei der Eröffnungsfeier am vergangenen 14. September betonte der Bischof, dass „das Institut das theologische Wissen und die Fähigkeiten von Priestern, Ordensleuten und Laien fördern will, damit sie in einer sich rasch entwickelnden Zeit ein authentisches Glaubensleben führen könne.“

Das Institut ermöglicht einen Bachelor-Abschluss, eine Lizenz oder das Doktorat im Fach Theologie. Geplant sind Kurse für Sakramententheologie, Dogmatik und Moraltheologie aber auch für Liturgie, Bibelwissenschaft, Spiritualität, Missionswissenschaft, Kirchenrecht, Philosophie, Psychologie und Humanistik. (PA)

(Quelle: Fides. 20.09.2016)

Er floh aus Vietnam in einem Fischerboot. Nun ist er ein Bischof.

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Bischof Vinzenz Long Van Nguyen am 16. Juni 2016. Foto: Diözese von Parramatta

Von Antonio Anup Gonsalves

In den 1970er Jahren stieg ein Teenager in ein Fischerboot, um die Grausamkeit des Kriegs in seiner Heimat zu entkommen.

Als Flüchtling kam er in ein fremdes Land. Jetzt ist er der vierte katholische Bischof der Diözese Parramatta in Sydney, Australien.

„Ich habe viele Wagnisse in meinem Leben unternommen“, sagte der Franziskaner. „Darunter das Wagnis, in den Pazifik zu stechen“, sagte Bischof Nguyen in der St. Patricks Kathedrale von Parramatta.

Deshalb habe er „Duc in Altum“ als sein bischöfliches Motto gewählt. Die Anweisung Jesu, „fahr hinaus in die Tiefe“ aus dem Lukas-Evangelium (Lk 5,4) – in der Einheitsübersetzung als „Fahr hinaus auf den See“ übersetzt – verbindet der Bischof mit seinem eigenen Kampf als Flüchtling.

Der 1961 in Don Nai, Vietnam, geborene Ngyuen war ein Seminarist in der Diözese Xuan Loc, rund 60 Kilometer nördlich von Saigon.

Mit der Eroberung Saigons 1975 zwangen die Kommunisten mit Gewalt alle Seminaristen, ihr Seminar zu verlassen – und machten daraus eine Kaserne. Unruhen und Verfolgung lösten eine Flüchtlingskrise aus. Viele Menschen ließen Heim und Habe zurück, und flohen mit Booten – die berühmten „Boat People“.

Der zukünftige Bischof, im Alter von 18 Jahren, wurde von einem Großteil seiner Familie getrennt. Mit ein paar Verwandten und 146 weiteren Flüchtlingen ging er an Bord eines 16 Meter langen Fischerboots.

Auf dem überfüllten Boot gingen bald – auf hoher See – Lebensmittel und Benzin aus. Die Flüchtlinge wurden zufällig gerettet, weil ihr Boot in die Nähe einer Bohrinsel trieb.

Nach einem Jahr in einem malaysischen Flüchtlingslager kam Nguyen nach Australien. Dort erlebte er einen Kulturschock, Sprachprobleme und sogar einige Fälle von Mobbing.

Schließlich wurde Ngyuen Franziskaner. 1989 wurde er zum Priester geweiht. An der Päpstlichen Universität St. Bonaventura schloss er ein Studium in Christologie und Spiritualität ab. 2005 wurde er der Obere seines Ordens in Australien. Von 2008 bis 2011 war er in Rom als Verantwortlicher seines Ordens für die Region Asien-Ozeanien.

Papst Benedikt XVI. ernannte ihn im Mai 2011 zum Weihbischof von Melbourne. In der Australischen Bischofskonferenz ist er unter anderem für Migranten und Flüchtlinge zuständig.

Nun ist Bischof Ngyuen der Nachfolger von Erzbischof Anthony Fisher O.P., der Erzbischof von Sydney wurde.

Das Bistum Parramatta liegt geographisch in der Mitte Sydneys, aber gute 20 Kilometer westlich von der City. Die Mehrzahl der Einwohner ist katholisch – etwa 330.000 Gläubige leben in 47 Pfarreien. 120 Priester und Ruhestandspriester sind im Einsatz.

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SYDNEY , 29 June, 2016 / 8:05 AM (CNA Deutsch).-