Papst Franziskus ruft zu weltweitem Waffenstillstand auf

Papst Franziskus beim Angelus

Angesichts der Corona-Pandemie ruft Papst Franziskus zu einem weltweiten Waffenstillstand auf. Bei seinem Angelusgebet am Sonntag schloss er sich einem entsprechenden Appell von UNO-Generalsekretär António Guterres an.

Er rufe alle Kämpfenden auf, „kriegerische Handlungen einzustellen“, sagte der Papst bei dem Gebet, das wegen der Corona-Krise ohne Teilnehmer von außen im Vatikan stattfand. Franziskus warb auch für die „Schaffung von humanitären Korridoren und die Öffnung diplomatischer Kanäle“. Es gelte, sich jetzt vor allem um die Menschen zu kümmern, die „besonders gefährdet“ seien.

„Möge uns unser gemeinsamer Kampf gegen die Pandemie erkennen lassen, wie notwendig es ist, unsere geschwisterlichen Bande als Mitglieder der einen Menschheitsfamilie zu stärken! Und möge er die Verantwortlichen der Nationen und die anderen beteiligten Parteien zu einem erneuerten Einsatz für die Überwindung der Rivalitäten anregen.“

Franziskus beim Angelus

Franziskus beim Angelus

„Konflikte werden nicht durch Kriege gelöst“

Guterres hatte vor wenigen Tagen in New York ein Ende aller Kampfhandlungen gefordert. „Beendet das Übel namens Krieg und bekämpft die Krankheit, die unsere Welt verwüstet“, sagte er in einer Video-Botschaft. „Das ist, was unsere Menschheitsfamilie braucht, jetzt mehr denn je.“ Der UNO-Generalsekretär bot die Hilfe der Vereinten Nationen an, um Feuerpausen auszuhandeln. Diese seien notwendig für humanitäre Hilfe und für neue diplomatische Initiativen.

Konflikte würden „nicht durch Kriege gelöst“, mahnte der Papst. „Gegensätze und Kontraste müssen durch Dialog und die konstruktive Suche nach dem Frieden ausgeräumt werden.“ Im Lauf der Geschichte haben sich Päpste vor allem in Heiligen Jahren um einen weltweiten Waffenstillstand bemüht. Der heilige Papst Johannes Paul II. rief zum Heiligen Jahr 2000 zu einer Einstellung aller Kampfhandlungen auf.

Appell für Häftlinge

Noch einen weiteren Appell lancierte Papst Franziskus zum Abschluss seines Angelusgebetes an diesem Sonntag. Er sei besorgt über die Überfüllung von Gefängnissen in vielen Teilen der Welt, sagte er unter Berufung auf eine Warnung der UNO-Menschenrechtsbeauftragten Michelle Bachelet. Angesichts der Corona-Krise könne das zu einer Tragödie führen; er bitte daher die Verantwortlichen, alles zu tun, um einer möglichen Ausbreitung von COVID-19 in Haftanstalten entgegenzuwirken.

Franziskus erinnerte auch an andere Personengruppen, die durch ein erzwungenes Zusammenleben besonders der Gefahr einer Covid-19-Erkrankung ausgesetzt seien, etwa in Pflegeheimen oder Kasernen.

(vatican news – kri/sk)

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Andacht und Sondersegen zur Zeit der Epidemie

 

ANDACHT UND SONDERSEGEN
ZUR ZEIT DER EPIDEMIE

UNTER VORSITZ DES HEILIGEN VATERS

PAPST FRANZISKUS

Vorplatz des Petersdoms
Freitag, 27. März 2020

[Multimedia]


 

»Am Abend dieses Tages« (Mk 4.35). So beginnt das eben gehörte Evangelium. Seit Wochen scheint es, als sei es Abend geworden. Tiefe Finsternis hat sich auf unsere Plätze, Straßen und Städte gelegt; sie hat sich unseres Lebens bemächtigt und alles mit einer ohrenbetäubenden Stille und einer trostlosen Leere erfüllt, die alles im Vorbeigehen lähmt: Es liegt in der Luft, man bemerkt es an den Gesten, die Blicke sagen es. Wir sind verängstigt und fühlen uns verloren. Wie die Jünger des Evangeliums wurden wir von einem unerwarteten heftigen Sturm überrascht. Uns wurde klar, dass wir alle im selben Boot sitzen, alle schwach und orientierungslos sind, aber zugleich wichtig und notwendig, denn alle sind wir dazu aufgerufen, gemeinsam zu rudern, alle müssen wir uns gegenseitig beistehen. Auf diesem Boot … befinden wir uns alle. Wie die Jünger, die wie aus einem Munde angsterfüllt rufen: »Wir gehen zugrunde« (vgl. V. 38), so haben auch wir erkannt, dass wir nicht jeder für sich, sondern nur gemeinsam vorankommen.

Leicht finden wir uns selbst in dieser Geschichte wieder. Schwieriger ist es da schon, das Verhalten Jesu zu verstehen. Während die Jünger natürlich alarmiert und verzweifelt sind, befindet er sich am Heck, in dem Teil des Bootes, der zuerst untergeht. Und was macht er? Trotz aller Aufregung schläft er friedlich, ganz im Vertrauen auf den Vater – es ist das einzige Mal im Evangelium, dass wir Jesus schlafen sehen. Als er dann aufgeweckt wird und Wind und Wasser beruhigt hat, wendet er sich vorwurfsvoll an die Jünger: »Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« (V. 40).

Versuchen wir zu verstehen. Worin besteht der Glaubensmangel der Jünger, der im Kontrast steht zum Vertrauen Jesu? Sie hatten nicht aufgehört, an ihn zu glauben, sie flehen ihn ja an. Aber schauen wir, wie sie ihn anrufen: »Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?« (V. 38). Kümmert es dich nicht: Sie denken, dass Jesus sich nicht für sie interessiert, dass er sich nicht um sie kümmert. Im zwischenmenschlichen Bereich, in unseren Familien, ist es eine der Erfahrungen, die am meisten weh tun, wenn einer zum anderen sagt: „Bin ich dir egal?“ Das ist ein Satz, der schmerzt und unser Herz in Wallung bringt. Das wird auch Jesus erschüttert haben. Denn niemand sorgt sich mehr um uns als er. In der Tat, als sie ihn rufen, rettet er seine mutlosen Jünger.

Der Sturm legt unsere Verwundbarkeit bloß und deckt jene falschen und unnötigen Gewissheiten auf, auf die wir bei unseren Plänen, Projekten, Gewohnheiten und Prioritäten gebaut haben. Er macht sichtbar, wie wir die Dinge vernachlässigt und aufgegeben haben, die unser Leben und unsere Gemeinschaft nähren, erhalten und stark machen. Der Sturm entlarvt all unsere Vorhaben, was die Seele unserer Völker ernährt hat, „wegzupacken“ und zu vergessen; all die Betäubungsversuche mit scheinbar „heilbringenden“ Angewohnheiten, die jedoch nicht in der Lage sind, sich auf unsere Wurzeln zu berufen und die Erinnerung unserer älteren Generation wachzurufen, und uns so der Immunität berauben, die notwendig ist, um den Schwierigkeiten zu trotzen.

Mit dem Sturm sind auch die stereotypen Masken gefallen, mit denen wir unser „Ego“ in ständiger Sorge um unser eigenes Image verkleidet haben; und es wurde wieder einmal jene (gesegnete) gemeinsame Zugehörigkeit offenbar, der wir uns nicht entziehen können, dass wir nämlich alle Brüder und Schwestern sind.

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Herr, dein Wort heute Abend trifft und betrifft uns alle. In unserer Welt, die du noch mehr liebst als wir, sind wir mit voller Geschwindigkeit weitergerast und hatten dabei das Gefühl, stark zu sein und alles zu vermögen. In unserer Gewinnsucht haben wir uns ganz von den materiellen Dingen in Anspruch nehmen und von der Eile betäuben lassen. Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden. Jetzt, auf dem stürmischen Meer, bitten wir dich: „Wach auf, Herr!“

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Herr, du appellierst an uns, du appellierst an den Glauben. Nicht nur an den Glauben, dass es dich gibt, sondern an den Glauben, der uns vertrauensvoll zu dir kommen lässt. In dieser Fastenzeit erklingt dein eindringlicher Aufruf: »Kehrt um« (Mk 1,15); »kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen« (Joël 2,12). Du rufst uns auf, diese Zeit der Prüfung als eine Zeit der Entscheidung zu nutzen. Es ist nicht die Zeit deines Urteils, sondern unseres Urteils: die Zeit zu entscheiden, was wirklich zählt und was vergänglich ist, die Zeit, das Notwendige von dem zu unterscheiden, was nicht notwendig ist. Es ist die Zeit, den Kurs des Lebens wieder neu auf dich, Herr, und auf die Mitmenschen auszurichten. Und dabei können wir auf das Beispiel so vieler Weggefährten schauen, die in Situationen der Angst mit der Hingabe ihres Lebens reagiert haben. Es ist das Wirken des Heiligen Geistes, das in mutige und großzügige Hingabe gegossen und geformt wird. Es ist das Leben aus dem Heiligen Geist, das in der Lage ist, zu befreien, wertzuschätzen und zu zeigen, wie unser Leben von gewöhnlichen Menschen – die gewöhnlich vergessen werden – gestaltet und erhalten wird, die weder in den Schlagzeilen der Zeitungen und Zeitschriften noch sonst im Rampenlicht der neuesten Show stehen, die aber heute zweifellos eine bedeutende Seite unserer Geschichte schreiben: Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, Supermarktangestellte, Reinigungspersonal, Betreuungskräfte, Transporteure, Ordnungskräfte, ehrenamtliche Helfer, Priester, Ordensleute und viele, ja viele andere, die verstanden haben, dass niemand sich allein rettet. Angesichts des Leidens, an dem die wahre Entwicklung unserer Völker gemessen wird, entdecken und erleben wir das Hohepriesterliche Gebet Jesu: »Alle sollen eins sein« (Joh 17,21). Wie viele Menschen üben sich jeden Tag in Geduld und flößen Hoffnung ein und sind darauf bedacht, keine Panik zu verbreiten, sondern Mitverantwortung zu fördern. Wie viele Väter, Mütter, Großväter und Großmütter, Lehrerinnen und Lehrer zeigen unseren Kindern mit kleinen und alltäglichen Gesten, wie sie einer Krise begegnen und sie durchstehen können, indem sie ihre Gewohnheiten anpassen, den Blick aufrichten und zum Gebet anregen. Wie viele Menschen beten für das Wohl aller, spenden und setzen sich dafür ein. Gebet und stiller Dienst – das sind unsere siegreichen Waffen.

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Der Anfang des Glaubens ist das Wissen, dass wir erlösungsbedürftig sind. Wir sind nicht unabhängig, allein gehen wir unter. Wir brauchen den Herrn so wie die alten Seefahrer die Sterne. Laden wir Jesus in die Boote unseres Lebens ein. Übergeben wir ihm unsere Ängste, damit er sie überwinde. Wie die Jünger werden wir erleben, dass wir mit ihm an Bord keinen Schiffbruch erleiden. Denn das ist Gottes Stärke: alles, was uns widerfährt, zum Guten zu wenden, auch die schlechten Dinge. Er bringt Ruhe in unsere Stürme, denn mit Gott geht das Leben nie zugrunde.

Der Herr fordert uns heraus, und inmitten des Sturms lädt er uns ein, Solidarität und Hoffnung zu wecken und zu aktivieren, die diesen Stunden, in denen alles unterzugehen scheint, Festigkeit, Halt und Sinn geben. Der Herr erwacht, um unseren Osterglauben zu wecken und wiederzubeleben. Wir haben einen Anker: durch sein Kreuz sind wir gerettet. Wir haben ein Ruder: durch sein Kreuz wurden wir freigekauft. Wir haben Hoffnung: durch sein Kreuz sind wir geheilt und umarmt worden, damit nichts und niemand uns von seiner erlösenden Liebe trennen kann. Inmitten der Isolation, in der wir unter einem Mangel an Zuneigung und Begegnungen leiden und den Mangel an vielen Dingen erleben, lasst uns erneut die Botschaft hören, die uns rettet: Er ist auferstanden und lebt unter uns. Der Herr ruft uns von seinem Kreuz aus auf, das Leben, das uns erwartet, wieder zu entdecken, auf die zu schauen, die uns brauchen, und die Gnade, die in uns wohnt, zu stärken, zu erkennen und zu ermutigen. Löschen wir die kleine Flamme nicht aus (vgl. Jes 42,3), die niemals erlischt, und tun wir alles, dass sie die Hoffnung wieder entfacht.

Das eigene Kreuz anzunehmen bedeutet, den Mut zu finden, alle Widrigkeiten der Gegenwart anzunehmen und für einen Augenblick unser Lechzen nach Allmacht und Besitz aufzugeben, um der Kreativität Raum zu geben, die nur der Heilige Geist zu wecken vermag. Es bedeutet, den Mut zu finden, Räume zu öffnen, in denen sich alle berufen fühlen, und neue Formen der Gastfreundschaft, Brüderlichkeit und Solidarität zuzulassen. Durch sein Kreuz sind wir gerettet, damit wir die Hoffnung annehmen und zulassen, dass sie alle möglichen Maßnahmen und Wege stärkt und unterstützt, die uns helfen können, uns selbst und andere zu beschützen. Den Herrn umarmen, um die Hoffnung zu umarmen – das ist die Stärke des Glaubens, der uns von der Angst befreit und uns Hoffnung gibt.

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Liebe Brüder und Schwestern, von diesem Ort aus, der vom felsenfesten Glauben Petri erzählt, möchte ich heute Abend euch alle dem Herrn anvertrauen und die Muttergottes um ihre Fürsprache bitten, die das Heil des Volkes Gottes und der Meerstern auf stürmischer See ist. Von diesen Kolonnaden aus, die Rom und die Welt umarmen, komme der Segen Gottes wie eine tröstende Umarmung auf euch herab. Herr, segne die Welt, schenke Gesundheit den Körpern und den Herzen Trost. Du möchtest, dass wir keine Angst haben; doch unser Glaube ist schwach und wir fürchten uns. Du aber, Herr, überlass uns nicht den Stürmen. Sag zu uns noch einmal: »Fürchtet euch nicht« (Mt 28,5). Und wir werfen zusammen mit Petrus „alle unsere Sorge auf dich, denn du kümmerst dich um uns“ (vgl. 1 Petr 5,7).

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Quelle

 

Franziskus betet auf leerem Petersplatz für Ende der Corona-Pandemie

Papst Franziskus, allein zum Gebet auf dem Petersplatz

Papst Franziskus hat die Menschheit angesichts der globalen Corona-Pandemie zu Nächstenliebe und dem Erkennen der wirklichen Prioritäten im Leben aufgerufen. Es sei nicht die Zeit des Urteils Gottes, „sondern unseres Urteils“, sagte Franziskus bei einem eigens anberaumten Gebet auf dem menschenleeren Petersplatz im Regen. Am Ende des Gebets spendete der Papst den außerordentlichen Segen „Urbi et Orbi“.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Der traditionsreiche Segen für „Rom und den Erdkreis“, so der Name, hat für gewöhnlich zu Ostern, zu Weihnachten und nach einer Papstwahl einen festen Platz in den Feierlichkeiten in Rom. An diesem Abend kam er in einer ungewohnten Form zum Zug. Franziskus spendete den „Urbi et Orbi“ als eucharistischen Segen, mit dem Allerheiligsten in der Monstranz, vom Eingang der Petersbasilika der Stadt Rom zu. Mit dem Segen war ein Ablass verbunden, und zwar auch für all jene, die nicht die Möglichkeit hatten, per Fernsehen oder Internet der Feier zu folgen, wie Kardinalvikar Angelo Comastri kurz vor dem Segen erklärte.

„Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden. Jetzt, auf dem stürmischen Meer, bitten wir dich: Wach auf, Herr!“

In seiner langen Predigt lud Franziskus dazu ein, für sich zu entscheiden, „was wirklich zählt und was vergänglich ist“. Es sei „die Zeit, den Kurs des Lebens wieder neu auf dich, Herr, und auf die Mitmenschen auszurichten“, so der Papst. Er beklagte, dass viele sich in der Vergangenheit ganz von materiellen Dingen und Eigensucht hätten leiten lassen. „Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört“, so der Papst. „Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden. Jetzt, auf dem stürmischen Meer, bitten wir dich: Wach auf, Herr!“, sagte Franziskus mit den Worten des Evangeliums (Mk 4, 35-41), das die Jünger in Seenot zeigt, wie sie den schlafenden Jesus wecken, damit er ihnen hilft.

„Von diesen Kolonnaden aus, die Rom und die Welt umarmen, komme der Segen Gottes wie eine tröstende Umarmung auf euch herab“

Der Papst mahnte die von der Seuche betroffene Menschheit dazu, „den Mut zu finden, alle Widrigkeiten der Gegenwart anzunehmen und für einen Augenblick unser Lechzen nach Allmacht und Besitz aufzugeben, um der Kreativität Raum zu geben, die nur der Heilige Geist zu wecken vermag“. Konkret rief Franziskus dazu auf, „neue Formen der Gastfreundschaft, Brüderlichkeit und Solidarität zuzulassen“. Er würdigte jene, die sich für eine Überwindung der Krise einsetzten. Ausdrücklich nannte er Ärzte und Krankenschwestern, aber auch Supermarktangestellte, Reinigungspersonal, Betreuer, Transporteure, Ehrenamtliche Helfer und Geistliche. Es seien viele, „die verstanden haben, dass niemand sich allein rettet“.

Neuerlich erflehte der Papst Gottes Trost und Beistand in der Not der Pandemie. „Von diesen Kolonnaden aus, die Rom und die Welt umarmen, komme der Segen Gottes wie eine tröstende Umarmung auf euch herab“, rief er am Ende der Predigt. „Herr, segne die Welt, schenke Gesundheit den Körpern und den Herzen Trost.“

Zwei Ikonen, die sich in Seuchen bewährt haben

Zum Gebet des Papstes waren zwei altehrwürdige Ikonen aus dem religiösen Leben Roms auf den Petersplatz gebracht worden: das Marienbildnis Salus Populi Romani („Heil des römischen Volkes“) sowie das Pest-Kruzifix aus der Kirche San Marcello. Vor beiden hielt Franziskus im Gebet inne; die Füße der Christusfigur auf dem Kruzifix küsste er in Verehrung. Beide Bildnisse hatte der Papst bereits vor knapp zwei Wochen in einer Art Wallfahrt durch das menschenleere Rom aufgesucht, um dort ein Ende der Seuche zu erflehen.

Eucharistische Anbetung

Nach dem Verehren der beiden Ikonen hielt der Papst eine eucharistische Anbetung vor dem Allerheiligsten in einer Monstranz, die in der Vorhalle von Sankt Peter auf einem eigens für diese Feier aufgerichteten Altar ruhte. Hinter dem Altar stand das zentrale Portal des Petersdoms offen und ließ ganz hinten den Baldachin erkennen, unter dem das Grab des Heiligen Petrus liegt.

Eine Orgel sowie eine Auswahl des päpstlichen Männerchors, der Cappella Sistina, begleiteten das Gebet. Die Anbetung des Allerheiligsten erfolgte wie gewöhnlich still. Auf dem riesigen, leeren Petersplatz assistierten dem Papst beim Gebet nur wenige Männer, darunter Zeremonienmeister Guido Marini.

Ostern in Rom: ohne Volk

Den nächsten regulären Segen „Orbi et Orbi“ wird Papst Franziskus am Ostersonntag spenden. Wie der Vatikan an diesem Freitag bekanntgab, finden sämtliche Papstliturgien der Kar- und Ostertage ohne Volk im Petersdom statt, wo Franziskus sie am Kathedra-Altar feiern wird. Den Kreuzweg am Karfreitag, der sonst am Kolosseum mit Zehntausenden Gläubigen stattfindet, wird er 2020 auf den Stufen zum Petersdom halten.

(vatican news)

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Corona: Papst bietet die stärksten geistlichen Mittel der Kirche auf

Eine beispiellose Geste für die Opfer der Pandemie

Eine in der Kirchengeschichte einzigartige Handlung: In der Corona-Krise will der Papst Kranken und Sterbenden beistehen. Deshalb hat er sich für eine besondere Zeremonie auf dem Petersplatz entschieden – auch wenn die nicht jeder sofort versteht.

Von Burkhard Jürgens (KNA) |  Vatikanstadt – 27.03.2020

Am Freitag (heute!) will Papst Franziskus eine ganz besondere Antwort auf die Corona-Pandemie geben: ein Gebet und Segen von den Stufen des Petersdoms herab. „Wir werden das Wort Gottes hören, unser Bittgebet erheben, das Allerheiligste verehren, mit dem ich zum Abschluss den Segen Urbi et orbi erteile“, kündigte Franziskus an. Damit verbunden ist die Möglichkeit eines Ablasses. Wie die Zeremonie ablaufen soll, wussten zunächst nicht mal enge Mitarbeiter.

Es ist eine in der Kirchengeschichte einzigartige Handlung und ein heikler Moment für den Vatikan. Denn die Botschaft der Bilder vom Papst über einem leeren Petersplatz kann gegensätzlicher kaum ausfallen: als einsamer, verzweifelter Beschwörungsgestus oder als besondere Standhaftigkeit gegen Angst und Tod.

Der Segen Urbi et orbi, „der Stadt und dem Erdkreis“, wird sonst nur zu Ostern und Weihnachten gespendet, außerdem unmittelbar nach einer Papstwahl. Auf feierliche Weise ruft er Petrus und Paulus als Fürsprecher an – und mit ihnen eine zweitausendjährige Tradition von Glauben und Hoffen. Urbi et orbi ist der Segen aller katholischen Segen, die absolute Pontifikalklasse.

Im Mittelpunkt der eucharistischen Anbetung steht dann die Hostie, die in der Eucharistiefeier gewandelt wurde und zwar weiter wie Brot aussieht, aber nach katholischer Lehre der Leib Christi ist. Ob als Kommunion gereicht oder in der Monstranz gezeigt, sie stellt das Kostbarste dar, was die Kirche besitzt. Nur so erklärt sich, dass der Kaplan der Pariser Feuerwehr in die brennende Kathedrale Notre-Dame ging, um den Kelch mit den Hostien zu bergen.

Papst Franziskus erteilt den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" an Ostern 2017

Sonst nur an Weihnachten, Ostern und zur Papstwahl: Papst Franziskus erteilt den traditionellen Segen „Urbi et orbi“. Bild: © picture alliance / AP Photo / Gregorio Borgia

Das Allerheiligste und der Apostolische Segen – stärkere Mittel hat kein Papst. Dabei geht es nicht um magische Gefahrenabwehr. Theologisch bedeuten Sakrament und Segen die Zusage an einen Menschen, dass er heil und glücklich leben soll, allen äußeren Umständen zum Trotz.

Aus diesem Grund erweiterte der Papst auch die Bedingungen für den Empfang des Bußsakraments. Die Versöhnung eines Gläubigen mit Gott – und zugleich mit seinem Gewissen und der Kirche – soll im Corona-Notstand auch ohne Einzelbeichte möglich sein. Nach einem Vatikan-Dekret vom 19. März genügt im Extremfall schon der aufrichtige Wunsch des reuigen Sünders nach Aussöhnung mit Gott. Alternativ können Priester, etwa in Krankenhäusern, den vom Tode Bedrohten kollektiv die Generalabsolution erteilen.

Bei Sterbenden lässt die Kirche besondere Sorge walten. Nach Möglichkeit soll jeder Mensch die Welt in Frieden verlassen dürfen. Deshalb gehört zu den katholischen Abschiedsriten neben der sakramentalen Versöhnung, einer stärkenden Salbung und der Kommunion auch der Ablass, also die Tilgung jener irdischen und jenseitigen Konsequenzen, die man durch seine Sünden verursacht hat.

Die Idee des Ablasses ruht auf der Annahme, dass der Schatz des Guten, den das Wirken Jesu und aller Gläubigen angesammelt hat, die Folgen jeder bösen Tat eines Menschen aufwiegt. Das Konzept ist auch innerkirchlich umstritten und in vielen Ländern außer Gebrauch gekommen; aber im Grunde ist der Ablass ein Zeichen der Solidarität aller mit dem Einzelnen.

Ostermesse auf dem mit Blumen geschmückten Petersplatz

Der Kontrast zur Ostermesse im letzten Jahr wird sehr deutlich sein: Wie jedes Jahr hatten auch 2019 niederländische Blumenhändler den Petersplatz in ein Blumenmeer verwandelt.

Der Ablass in der Sterbestunde ist an Formen gebunden, die sich in Isolierstationen nicht einhalten lassen. Viele Corona-Patienten werden ohne geistliche Begleitung sterben. Deshalb hat der Vatikan die Ablassbedingungen für die Kranken bereits denkbar weit heruntergesetzt.

Offenbar wollte Franziskus es aber nicht dabei bewenden lassen. Als Jesuit mit Sinn fürs Sinnenhafte sucht er das fassbare Zeichen, Monstranz und Segen. Hier kommt der mit dem Urbi et orbi verbundene Ablass ins Spiel. Der Papst macht die Versöhnung, die viele Priester unter diesen Umständen nicht geben können, zur Chefsache. Für alle, die die Kirche als Mittlerin zwischen Gott und Mensch begreifen, eine großartige Geste.

Am Freitagabend, bei Sonnenuntergang, wird der Papst so im Schatten der Basilika vor dem Allerheiligsten beten; ein Erinnern an das Leiden und Sterben Jesu, zugleich eine Vergewisserung der realen Gegenwart dessen, der die Tiefe des Todes ausgelotet und seine Macht gebrochen hat. Der Segen mit dem Sakrament ist ein Zuspruch für die Todkranken, dass sie ohne Angst vor alter Schuld vor ihren Schöpfer treten dürfen.

Der Petersplatz wird menschenleer sein. Die weltlich-nüchterne Begründung wird lauten, dass Versammlungen derzeit untersagt sind. In den Augen des Papstes, der einsam segnend auf den Stufen steht, sind die Plätze nur freigehalten für die Kranken und Sterbenden.

Von Burkhard Jürgens (KNA)

Corona: Am Freitag weltweites Gebet

Papst Franziskus hat für kommenden Freitag um 18.00 Uhr zu einem weltweiten Gebet im Zeichen der Corona-Pandemie aufgerufen. Bereits am vergangenen Sonntag hat er dazu eingeladen, sich mit ihm im Gebet zu verbinden.

Die Deutsche Bischofskonferenz stellt sich an diesem Dienstag hinter den Aufruf des Papstes. Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing von Limburg, ruft die Gläubigen in Deutschland auf, sich an diesem Gebet zu beteiligen.

„Es ist eine gute Gelegenheit, sich als Universalkirche mit dem Heiligen Vater vereint zu wissen und in dieser schweren, leidgeprüften Zeit das gemeinsame Gebet zu suchen“, so Bätzing. Die Einladung von Papst Franziskus zeige, wie sehr es ihm ein Anliegen sei, Kirche als betende Weltgemeinschaft in einer solchen Krise zu erfahren.

„Lassen wir eine sichtbare Gebetskette entstehen, die Hoffnung vermittelt“

„Ich lade dazu ein, am kommenden Freitag um 18.00 Uhr mitzubeten, jede und jeder auf eigene Weise. Lassen wir so eine sichtbare Gebetskette entstehen, die Hoffnung vermittelt.“

Papst Franziskus wird zum Abschluss des Gebetes auf dem Petersplatz in Rom den Segen „Urbi et Orbi“ spenden. Schon für diesen Mittwoch ruft Franziskus alle Christen dazu auf, mittags ein Vaterunser zu beten.

(dbk/vatican news – sk)

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Papst ruft zu Sturmgebet gegen Corona auf – Sondersegen angekündigt

Papst Franziskus ruft alle Christen weltweit für nächsten Mittwoch zu einem Sturmgebet gegen das Corona-Virus auf. Um 12 Uhr sollten sie einen Moment innehalten und ein Vaterunser beten, schlug er bei seinem Angelusgebet am Sonntag vor.

Außerdem kündigte der Papst, dessen Worte aus der Privatbibliothek des Apostolischen Palastes im Live-Stream nach draußen übertragen wurden, einen Gebetsgottesdienst gegen das Corona-Virus an. Dabei will er am kommenden Freitagabend auch einen speziellen Segen „Urbi et Orbi“ erteilen.

„In diesen Tagen der Prüfung, während die Menschheit vor der Bedrohung durch die Pandemie zittert, möchte ich allen Christen vorschlagen, gemeinsam ihre Stimme zum Himmel zu erheben“, so Franziskus. „Ich lade alle Oberhäupter der Kirchen und die Führer aller christlichen Gemeinschaften sowie alle Christen der verschiedenen Konfessionen ein, den Allerhöchsten, den allmächtigen Gott anzurufen und gleichzeitig das Gebet zu sprechen, das Jesus, unser Herr, uns gelehrt hat.“

„Hiermit lade ich alle ein, sich über die Medien geistlich daran zu beteiligen“

Darum lade er alle ein, am Mittwoch, dem 25. März, mittags das Vaterunser zu beten. „An dem Tag, an dem viele Christen der Verkündigung der Geburt Jesu an die Jungfrau Maria gedenken, möge der Herr das einmütige Gebet aller seiner Jünger hören…“

Mit derselben Absicht wolle er am kommenden Freitag um 18 Uhr ein Gebet auf dem (menschenleeren) Vorplatz des Petersdoms leiten, fuhr der Papst fort. „Hiermit lade ich alle ein, sich über die Medien geistlich daran zu beteiligen. Wir werden auf das Wort Gottes hören, wir werden unsere Bittgebete erheben. Und wir werden das Allerheiligste Sakrament anbeten, mit dem ich am Ende den Segen Urbi et Orbi erteile, der mit der Möglichkeit verbunden ist, einen vollkommenen Ablass zu empfangen.“

„Lasst uns vereint bleiben“

Schon mehrfach hat Papst Franziskus in seinem Pontifikat spezielle Gebetsgottesdienste dieser Art gehalten, etwa für Syrien im September 2013. Erstmals aber verbindet er das auch mit einem Sondersegen „Urbi et Orbi“. Der Petersdom und der Petersplatz sind derzeit wegen der Corona-Krise für die Öffentlichkeit gesperrt.

„Wir wollen auf die Pandemie des Virus mit der Universalität des Gebets, des Mitgefühls und der Zärtlichkeit antworten! Lasst uns vereint bleiben. Lassen wir die einsamsten Menschen und diejenigen, die besonders hart geprüft werden, unsere Nähe spüren!“

(vatican news – sk)

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Beichten ohne Priester? Papst Franziskus erklärt, wie’s geht

Franziskus vor einem Jahr bei einer Beichte im Petersdom

Sterbende ohne priesterlichen Beistand in Krankenhäusern. Familien, die zuhause bleiben müssen. Die Corona-Krise macht es fast unmöglich, einen Priester aufzusuchen, um zu beichten und die Lossprechung zu erhalten.

Allerdings gibt es in einer derartigen Notlage dennoch Möglichkeiten, sich mit Gott zu versöhnen – daran hat Papst Franziskus an diesem Freitag auch bei seiner Frühmesse erinnert. Allen, die heute fragten „Aber Padre, wie kann ich denn jetzt einen Beichtvater finden“, antworte er: „Tu das, was der Katechismus sagt!“ Und das sei „sehr klar“: „Wenn du keinen Priester zum Beichten findest, dann sprich mit Gott – er ist dein Vater –, sag ihm die Wahrheit und bitte ihn aus ganzem Herzen um Vergebung.“

Dann solle man ein Bußgebet formulieren und versprechen, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit die Beichte abzulegen. „Und sofort wirst du zurückkehren in die Gnade Gottes… Ein gut gemachter Bußakt, und unsere Seele wird wieder weiß wie Schnee.“

Das Heil der Seelen ist oberstes Gesetz der Kirche

Tatsächlich ist das salus animarum, das Heil der Seelen, oberstes Gesetz der Kirche. Das hat der von Johannes Paul II. 1983 promulgierte Kodex des Kirchenrechts (CIC, Canon 1752) vom Ersten Petrusbrief und dem hl. Gregor von Nazianz übernommen.

Im Katechismus der Katholischen Kirche, der ebenfalls aus der Zeit Johannes Pauls stammt und unter der Ägide von Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., formuliert wurde, findet sich das, was Franziskus an diesem Freitag angesprochen hat, unter den Nummern 1451 und 1452.

Ein Zitat des Konzils von Trient

„Vollkommene“ Reue, so heißt es da wörtlich, „lässt die lässlichen Sünden nach“. Sie erlange sogar die Vergebung der Todsünden, „wenn sie mit dem festen Entschluss verbunden ist, sobald als möglich das sakramentale Bekenntnis nachzuholen“.

Als vollkommen gilt die Reue, wenn sie „aus der Liebe zu Gott, der über alles geliebt wird, hervorgeht“, so der Katechismus. Und er zitiert das Konzil von Trient mit den Worten, Reue sei „der Seelenschmerz und der Abscheu über die begangene Sünde, verbunden mit dem Vorsatz, fortan nicht zu sündigen“.

(vatican news – sk)

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