Papst Franziskus über Pater Pio: „Diener der Barmherzigkeit“

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Papst Franziskus während der Audienz mit Gebetsgruppen von Padre Pio

Es war wie eine Generalaudienz: beim Treffen des Papstes mit den Gebetsgruppen des heiligen Pater Pios auf dem Petersplatz nahmen tausende Gläubige teil. Am Freitagnachmittag wurden die Reliquien von Pater Pio und Leopold Mandic in einer Prozession in die Petersbasilika gebracht, wo sie bis zum 11. Februar bleiben werden.

In seiner Rede betonte der Papst die Bedeutung des Gebets als „Kraftwerk der Kirche“. Weiter sagte Franziskus, dass Pater Pio ein „Diener der Barmherzigkeit“ gewesen sei, was sehr gut zum jetzigen Heiligen Jahr passe, denn dieser Heilige sowie der Heilige Leopold Mandic seien diesbezüglich Vorbilder für alle Gläubigen. Sie hätten als „Diener des Hörens“, den Dienst der Beichte, die „lebendige Liebkosung des Vaters“ gezeigt. Gott heile die Wunde der Sünde und richte das Herz mit seinem Frieden auf, so der Papst und so habe Pater Pio dies den Gläubigen weiter gegeben.

Dann ging Franziskus auf die Gaben des heiligen Pios ein, denn dieser habe Gutes getan, weil er immer mit der Quelle verbunden gewesen sei und zwar mit Gott. Pater Pio habe ständig seinen Durst am gekreuzigten Jesus gestillt und sei so zu einem „Kanal der Barmherzigkeit“ geworden. Hierbei unterstrich der Papst das „Geheimnis des Schmerzes“, den der süditalienische Heilige am eigenen Leib gelebt habe. Pater Pio habe sein Leben „aus Liebe aufgeopfert“. Er habe sich als kleiner Tropfen angesehen, doch der heilige Mystiker sei so zu einem großen Fluss der Barmherzigkeit geworden.

Gebet als Mission

Zu den Mitgliedern der Gebetsgruppen Pater Pios sagte der Papst, dass das Gebet eine wahrhafte Mission sei, die der ganzen Menschheit „das Feuer der Liebe“ bringe. Das Gebet sei kein Verhandeln mit Gott und auch keine „Anti-Kopfschmerztablette“, das in einer Not eingenommen werde könne. Vielmehr sei das Gebet jene Kraft, die die Welt in Bewegung bringe. Deshalb gehöre das Gebet zu jenen Werken der geistlichen Barmherzigkeit und sei „ein Geschenk des Glaubens und der Liebe“. Auch gehöre das Gebet als Fürsprache zu den menschlichen Notwendigkeiten, so wie das tägliche Brot und sei ein Anvertrauen an den Vater. „Das Gebet ist die größte Kraft der Kirche, ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet“, so der Papst und deshalb sei das Gebet das Geheimrezept der Freude.

Die Gebetsgruppen, die eben „Kraftwerke der Barmherzigkeit“ seien, sollten „immer offen und aktiv“ bleiben, fügte Franziskus an, denn auf diese Weise brächten sie der Welt das Licht Gottes und die Kraft der Liebe für die Kirche. Und wie Pater Pio aufgezeigt habe, so sei das Gebet „das höchste Apostolat, das eine Seele in der Kirche ausüben kann“.

Barmherzigkeit des Leibes

Ein großes Zeichen des Wunders sei nicht nur Gebet bei Pater Pio gewesen, ein weiteres außerordentliches Werk der leiblichen Barmherzigkeit sei das Krankenhaus, den der Heilige errichten ließ. Dieser „Tempel der Wissenschaft und des Gebets“, wie es der Papst nannte, wurde vor sechzig Jahren eröffnet und sei heute noch Italien- und sogar Europaweit sehr wichtig, da dort die Kranken nicht nur zu den leiblichen Schmerzen Trost und Hilfe erhalten. Wer Kranke heilen wolle, müsse vor allem die Nähe und das Gebet bringen. Dies gelte besonders auch für die Sterbenden. Der Papst sprach seinen Dank all jenen aus, die sich in diesem Bereich einsetzten: „Bitten wir um die Gnade, die Gegenwart Christi in den kranken Menschen und in den Leidenden zu erkennen. Wie Pater Pio wiederholte: ,der Kranke ist Jesus´.“

(rv 06.02.2016 mg)

Pater Pio und Pater Leopold, zwei heilige Kapuziner und Beichtväter im «Heiligen Jahr der Barmherzigkeit»

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Am kommenden 1. Februar, werden die sterblichen Überreste von zwei Heiligen aus dem Kapuzinerorden nach Rom überführt. Es handelt sich um den heiligen Pater Pio von Pietrelcina und um den heiligen Leopold Mandic. Pater Pio ist in San Giovanni Rotondo in Apulien begraben, Pater Leopold in Padua. Ein Italiener und ein Kroate. Gemeinsam ist beiden nicht nur, dass sie demselben religiösen Orden angehörten, sondern dass sie vor allem Beichtväter waren.

Papst Franziskus und der Vatikan wollen sie deshalb im «Heiligen Jahr der Barmherzigkeit» in Rom haben als Vorbilder für die «Missionare der Barmherzigkeit». Gemeint sind damit die Priester, die im Heiligen Jahr besondere Auf­merksamkeit auf das Beichtsakrament legen. Am 6. Februar findet eine Audienz für die mit Pater Pio verbundenen Gebetsgruppen im Vatikan statt. Dazu haben sich bereits mehr als 60’000 Pilger angemeldet.

Pater Leopold (1866-1942, heiliggesprochen 1983), der am südlichsten Punkt des damaligen österreichischen Kaiserstaates, im heutigen Montenegro, geboren wurde, wollte eigentlich Missionar werden. In Wirklichkeit verbrachte er den Grossteil seines Lebens im Beichtstuhl des Kapuzinerklosters von Padua. Nicht an­ders war es bei Pater Pio (1887-1968, heilig­gesprochen 2002). Er hat seine Heimat Apulien kaum verlassen, den Grossteil seines Lebens verbrachte er in einsamer Gegend in einem armen, kleinen Kloster auf dem Gargano, dem Sporen der italienischen Halbinsel.

Pilgerreise für die sterblichen Überreste

Die sterblichen Überreste beider, die eine frei­willige stabilitas loci lebten, werden nun auf eine Pilgerreise gehen. Pater Pio und Pater Leo­pold werden zunächst nach Rom in die Kapu­zinerkirche «San Lorenzo al Verano» gebracht, dann in die Kirche «San Salvatore in Lauro» und schliesslich in feierlicher Prozession in den Petersdom überführt.

Am 1. Februar kommen die Reliquien nach «San Lorenzo al Verano». Dort wird am 2. Februar der Tag des Geweihten Lebens begangen. Am 3. Februar erfolgt die Überführung nach «San Salvatore in Lauro». Dort werden aus diesem Anlass für die anwesenden Pilger und die Rö­mer eine Reihe von Messen zelebriert. Am 4. Februar um 22 Uhr und um Mitternacht, am 5. Februar um 3 Uhr morgens, um 6 Uhr, 8 Uhr, 10 Uhr, 12 Uhr und 14 Uhr.

Allein in Rom und der umliegenden Region Latium gibt es 450 Gebetsgruppen von Pater Pio. «Pater Pio ist ein wichtiger Bezugspunkt für die Gläubigen. Kein Mann der intellek­tuellen Diskurse, sondern ein Heiliger zum Anfassen, ganz konkret, ganz authentisch, vie­len Gebildeten blieb er suspekt, das einfache Volk liebte ihn und verehrt ihn auch heute. Seine Spiritualität ist Bezugspunkt für Jugendgruppen und Ordensgemeinschaften. Und sie haben eines gemeinsam: eine steigende Zahl an Berufungen. Die Jugend will glaubwürdige Vorbilder, die nie Dinge tun, einfach nur damit sie getan sind», so Msgr. Pietro Bongiovanni, der Pfarrer von «San Salvatore in Lauro». Er ist geistlicher Assistent der Gebetsgruppen von Pater Pio.

Die Translation der sterb­lichen Überreste gehe auf ei­nen ausdrücklichen Wunsch von Papst Franziskus zu­rück, da beide «den Grossteil ihres Lebens im Beichtstuhl verbracht haben», so Msgr. Bongiovanni. Er war es auch, der im Heiligen Jahr 2000 Reliquien. von Pater Pio von San Giovanni Rotondo nach Buenos Aires brachte.

«Es waren die Jahre der grossen Wirtschaftskrise in Argentinien. Man sah Men­schen, die im Müll nach Es­sen suchten, und Bergoglio wollte die Reliquien als Zei­chen der Hoffnung für das Volk. Er bat uns, vor allem zu den Armen in die »Favelas« zu gehen. In der Kathedrale von Buenos Aires drängten sich so viele Menschen, dass nicht alle Platz fanden. Dann lud uns der Kardinal zu sich nach Hause ein und bot uns Tee an. Wir trafen den Mann, den wir auch heute sehen und der Papst geworden ist», so Msgr. Bongiovanni. Die Reliquien der beiden Heili­gen werden im Petersdom in der Nähe der Heiligen Pforte ausgestellt. Sie sollen den Zusammenhang zwischen dem Heiligen Jahr, dem zu gewinnenden vollkomme­nen Ablass und dem Beicht­sakrament herausstreichen. Am 11. Februar werden die Reliquien Rom wieder verlassen und nach Pa­dua und San Giovanni Rotondo zurückgeführt werden. Die Reliquien von Pater Pio werden dabei eine Etappe einlegen, und zwar im Ge­burtsort des Heiligen, in Pietrelcina. «Dort wurde er geboren, dort ist er aufgewachsen, dorte legte er seine erste Beichte ab, empfing die erste Kommunion und auch zum ersten Mal die Wundmale», so Msgr. Bongiovanni.

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Quelle: Katholische Wochenzeitung, 29. Jg., 2016, Nr. 4