Nein zu einer Wirtschaft, die tötet, Ja zu einer Wirtschaft in Gemeinschaft

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Audienz „Economia Di Comunione“, 4. Februar 2017

Wirtschafts-Initiative der Fokolar-Bewegung beim Papst

1200 Vertreter der Fokolar-Bewegung waren heute in der Aula Paul XI. im Vatikan für eine Begegnung mit Papst Franziskus zusammen. Unter ihnen Unternehmer, Studierende und Lehrende von Wirtschaftsfakultäten aus 55 Ländern, die sich im Rahmen der Initiative „Wirtschaft in Gemeinschaft“ engagieren.

„Für Eure Initiative interessiere ich mich schon seit geraumer Zeit,“ bekannte Papst Franziskus zu Beginn seiner Ansprache, nachdem er zuvor eine kurze Einführung von Prof. Luigino Bruni, dem internationalen Koordinator der WiG und drei kurze Zeugnisse von Unternehmern gehört hatte. Er nahm den Namen der Initiative auf und rückte eine positive Wechselwirkung ins Licht: „Mit Eurem Leben gebt Ihr Zeugnis, dass Wirtschaft und Gemeinschaft noch schöner werden, wenn sie nebeneinander stehen. Dass die Wirtschaft schöner wird, ist klar, aber auch die Gemeinschaft wird schöner, wenn sie Gemeinschaft der Güter, der Talente und der Gewinne wird.“

Das Geld mit den Ärmsten teilen

Der Papst nahm Stellung zu einigen Grundprinzipien der Wirtschaft in Gemeinschaft, allen voran die Bereitschaft der Unternehmer, einen Teil ihres Gewinns zu teilen. Franziskus räumte ein, dass er vom Geld bisher oft als einem Götzen gesprochen habe, von dem es sich zu befreien gelte. Geld dürfe nicht zum Ziel werden, sonst riskiere es, den Platz Gottes im Herzen der Menschen einzunehmen. „Die beste Möglichkeit, zu verhindern, dass das Geld zu einem falschen Gott wird, ist, es mit anderen zu teilen, vor allem mit den Ärmsten. Das ist ein Akt höchster Spiritualität, Ihr sagt damit: Du bist nicht Gott, Du bist nicht Herr.“

Nicht Symptome bekämpfen, sondern das System verändern

Auch bei dieser Begegnung mit Unternehmern drückte er deutliche Kritik an Formen des Kapitalismus aus, die den Menschen zerstören, statt zum Gemeinwohl beizutragen.

„Der Kapitalismus produziert weiterhin all den Abfall, den er dann anschließend entsorgen will. Das katholische Oberhaupt beschrieb die Absurdität, wenn Fluggesellschaften als Ausgleich für die Umweltverschmutzung, die sie verursachen, einen Teil der Ticketkosten in die Anpflanzung von Bäumen investieren. „An dem Tag, an dem Rüstungsunternehmen Krankenhäuser bauen, um die Kinder zu versorgen, die von ihren Bomben verstümmelt wurden, hat das System seinen absurden Höhepunkt erreicht. Das ist Heuchelei!“

Er forderte die Unternehmer auf, nicht nur dafür zu arbeiten, dass die Opfer des Systems weniger werden, sondern ein System aufbauen, in dem es keine Opfer mehr gebe.

Qualität und Radikalität

Mit gut 800 Betrieben, die sich weltweit bisher der Initiative angeschlossen haben, sei das Projekt noch sehr klein, könne angesichts des großen Kapitals der Welt winzig erscheinen, stellt Franziskus fest. „Aber die Veränderungen, die vom Hl. Geist angestoßen sind, hängen nicht von großen Zahlen ab. Die kleine Herde, die Lampe, eine Münze, ein Schaf, eine Perle, das Salz, der Sauerteig – das sind die Bilder für das Reich Gottes, die uns das Evangelium zeigt. Es braucht nicht viel, um unser Leben zu verändern. Die Menge ist hier nicht ausschlaggebend, es kommt auf die Qualität an.“

Sauerteig und Salz, das sind die beiden Bilder, mit denen er die Unternehmer ermutigt, Einfluss zu nehmen auf ihre Umgebung. „Gemeinschaft ist nicht nur Teilen sondern auch Multiplikation. Die Wirtschaft in Gemeinschaft hat Zukunft, wenn Ihr sie allen weiterschenkt, und nicht, wenn sie nur unter euch bleibt. Gebt sie vor allem an die Armen und an die Jugend weiter! Um Leben in Fülle zu haben, muss man lernen, zu geben – nicht nur die Gewinne der Firmen, sondern gebt Euch selbst. Euer Geld, auch wenn es wichtig sein mag, ist zu wenig! Das Geld rettet nicht, wenn es nicht vom Geschenk des eigenen Lebens begleitet wird. Das ist die Logik des Evangeliums: Wenn man nicht alles gibt, gibt man nie genug.“

Zum Schluss nimmt er einen Vorwurf auf, mit dem er schon in seinem Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ aufgerüttelt hatte: „Das Nein an eine Wirtschaft, die tötet, sollte ein Ja an eine Wirtschaft werden, die lebendig macht, weil sie teilt, die Armen einschließt und die Gewinne nutzt, um Gemeinschaft zu schaffen.“

Für die Anwesenden waren diese Worte Ermutigung und Ansporn. Benedikt Krüger hat gerade mit drei Kollegen ein eigenes Ingenieurbüro in Mannheim gegründet. Als evangelischer Christ war er besonders von der Natürlichkeit und formlosen Art des katholischen Oberhaupts beeindruckt. „Seine Kapitalismuskritik war deutlich: Es kann nicht sein, dass man erst macht und anschließend die Folgen beseitigt, sondern es geht darum, gleich für das Gemeinwohl zu wirtschaften.“

Thomas Hüttl, Immobilienverwalter aus Augsburg, hatte sogar die Gelegenheit, das Oberhaupt der katholischen Kirche persönlich zu grüßen. „Mich hat sehr gefreut, dass Franziskus uns wahrgenommen hat als eine Bewegung, die gegen die Kultur des Habens angeht. Als Unternehmer hat mich herausgefordert, dass es nicht reicht, die Gewinne zu teilen, sondern mich selbst zu geben.“

1991 hatte Fokolar-Gründerin Chiara Lubich während eines Besuches im brasilianischen Sao Paolo Unternehmer dazu eingeladen, Betriebe aufzubauen, deren Ziel nicht allein die Erwirtschaftung von Profit für die Eigentümer ist, sondern deren Gewinne auch dazu beitragen, Armut zu bekämpfen, Not zu lindern und Arbeitsplätze zu schaffen. Sie prägte den Begriff einer „Kultur des Gebens“. Der damals entstandenen Initiative „Wirtschaft in Gemeinschaft“ haben sich inzwischen weltweit mehr als 800 Betriebe angeschlossen.

Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neuen geistlichen Aufbrüchen, die in den letzten 70 Jahren in den christlichen Kirchen entstanden sind. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1943 in Trient zurück. Mittlerweile ist sie in mehr als 180 Ländern der Welt vertreten. Weltweit zählt die Fokolar-Bewegung heute rund 140.000 Mitglieder, schätzungsweise 5 Millionen Menschen stehen mit ihr in Verbindung.

(Quelle: Pressemitteilung Fokolar-Bewegung)

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Quelle

Ökumene: Gruß von Augsburg nach Lund

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Die Kathedrale von Lund, wo der Papst und die Lutheraner zum Gebet einladen – RV

Mit einer Botschaft an die Festgemeinschaft, die mit Papst Franziskus und Munib Younan vom Lutherischen Weltbund in wenigen Tagen im schwedischen Lund zum Gedenken an 500 Jahre Reformation zusammenkommt, erklärten heute 25 Bischöfe verschiedener Kirchen von Augsburg aus ihre Solidarität und ihre Freude über die weiteren Schritte hin zu einer größeren Gemeinschaft und Einheit unter den Christen. Die Vertreter aus 14 der katholischen, evangelischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen sind aus vier Kontinenten bis Freitag auf Einladung der Fokolar-Bewegung im Ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring zusammen und haben heute in der evangelischen St. Anna-Kirche an die historisch wichtige „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ erinnert, die 1999 am gleichen Ort von Vertretern der Katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes unterzeichnet worden war.

Seit 1977 treffen sich auf Anregung des verstorbenen Aachener Bischofs Klaus Hemmerle Bischöfe, die der Fokolar-Bewegung nahe stehen. Ziel dieser Tagungen ist der geistliche Austausch und die brüderliche Begegnung unter Bischöfen. Geistliche Impulse kommen dabei aus der Spiritualität der Fokolar-Bewegung. Wichtiges Anliegen ist den Bischöfen, die „Spiritualität der Gemeinschaft“, die Papst Johannes Paul II. mehrfach als Basis für das Leben des Volkes Gottes in den Mittelpunkt gestellt hatte, fruchtbar werden zu lassen und einander im Austausch über die persönlichen Erfahrungen zu ermutigen.

(pm 27.10.2016 ah)

Papst Franziskus: Der Bischof ist in der Kirche Prinzip der Einheit

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Audienz für Bischöfe, die der Fokolar-Bewegung nahestehen

Ansprache von Papst Franziskus am 4. März

Liebe Brüder!

Ich heiße euch willkommen und danke Kardinal Kovithavanij für seine einführenden Worte. Ebenso danke ich der Präsidentin und dem Co-Präsidenten der Fokolar-Bewegung für ihr Kommen.

Eure freundschaftliche Nähe zu dieser Bewegung und euer Interesse an der »Spiritualität der Einheit« haben euch in Rom zusammengeführt. In diesen Tagen konzentriert ihr euch auf das Thema »Eucharistie, Mysterium der Einheit«.

In der Tat ist das spezifische Charisma der Einheit, das dem »Werk Mariens« eigen ist, stark in der Eucharistie verankert, die ihm seine christliche und kirchliche Eigenart verleiht. Ohne die Eucharistie würde die Einheit ihre göttliche Anziehungskraft verlieren und auf ein bloßes Gefühl und eine nur menschliche, psychologische, soziologische Dynamik reduziert werden. Die Eucharistie hingegen ist die Gewähr, dass Christus im Mittelpunkt steht und dass sein Geist, der Heilige Geist, unsere Schritte und unsere Initiativen der Begegnung und der Gemeinschaft lenkt. Der Apostel Paulus schreibt: »Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib, denn wir alle haben teil an dem einen Brot« (1 Kor 10,17). Als Bischöfe versammeln wir die Gemeinschaften um die Eucharistie, am zweifachen Tisch des Wortes und des Brotes des Lebens. Darin besteht unser Dienst, und er ist wesentlich. Der Bischof ist in der Kirche Prinzip der Einheit, das kann aber ohne die Eucharistie nicht geschehen: Der Bischof versammelt das Volk nicht etwa um seine Person oder seine persönlichen Vorstellungen, sondern um den in seinem Wort und im Sakrament seines Leibes und Blutes gegenwärtigen Christus. Und in der Schule Jesu, des Guten Hirten, des geopferten und auferstandenen Lammes, versammelt der Bischof die ihm anvertrauten Schafe durch die Hingabe seines Lebens, indem er selbst eine Form der eucharistischen Existenz annimmt. So wird der Bischof, der Christus gleichgestaltet wurde, zum lebendigen Evangelium. Er wird durch seine Predigt und sein Zeugnis zum Brot, das für das Leben vieler gebrochen wird. Wer sich gläubig von Christus, dem lebendigen Brot, nährt, wird durch seine Liebe gedrängt, sein Leben für die Brüder hinzugeben und hinauszugehen, um denen entgegenzugehen, die ausgegrenzt und verachtet werden.

Ich danke ganz besonders euch, liebe Brüder, die ihr aus den mit Blut getränkten Ländern Syrien und Irak und auch aus der Ukraine kommt. Im Leiden, das ihr gemeinsam mit eurem Volk durchlebt, erfahrt ihr die Kraft, die aus Jesus in der Eucharistie kommt, die Kraft, geeint im Glauben und in der Hoffnung weiterzugehen.

In der täglichen Feier der heiligen Messe sind wir mit euch vereint und beten für euch, wenn wir das Opfer Christi darbringen; und daraus schöpfen auch die vielfältigen Initiativen der Solidarität mit euren Kirchen Kraft und Bedeutung.

Liebe Brüder, ich ermutige euch, euer Engagement für den ökumenischen Weg und den interreligiösen Dialog fortzusetzen. Und ich danke euch für den Beitrag, mit dem ihr eine größere Gemeinschaft unter den verschiedenen kirchlichen Bewegungen fördert.

Der Herr segne euch und die Muttergottes behüte euch. Wir wollen füreinander beten. Ich danke euch für euer Gebet.

(Orig. ital. in O.R. 5.3.2015)

PAPST FRANZISKUS: GOTT ALLEIN KANN DIE EINHEIT BEWIRKEN

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Papst Franziskus betet für die „blutgetränkten“ Krisengebiete auf der Welt. Er empfing an diesem Mittwochmorgen vor der Generalaudienz im Vatikan einige Bischöfe aus Syrien, dem Irak und der Ukraine sowie aus rund 30 weiteren Ländern. Bei der 60-köpfige Delegation handelte sich um Freunde der katholischen Fokolar-Bewegung, wie der Vatikan mitteilte. Die Gruppe tagt derzeit in Castel Gandolfo zu dem Thema „Eucharistie, das Mysterium der Kommunion“. Ihnen sagte der Papst:

„Ich bedanke mich vor allem bei euch, meinen Brüdern, der blutgetränkten Erde, aus Syrien, Irak, und auch aus der Ukraine. Zu dieser Zeit des großen Leides, das eure Leute ertragen müssen, gebt ihr die Hoffnung in die Einheit der Eucharistie nicht auf und habt die Kraft voranzuschreiten, vereint im Glauben und der Hoffnung. In der täglichen Morgenmesse sind wir mit euch vereint und beten für euch. Und von dort nehmen wir auch die Kraft für die Initiativen eurer Kirchen.“

In seiner Ansprache an die Bischöfe plädierte der Papst für eine „Einheit der Eucharistie“. Das „Bündnis der Einheit“ sei für die Mitglieder der Fokolar-Bewegung die Grundlage ihres Handelns, fuhr er fort. Dieses Bündnis werde beim Eucharistieempfang geschlossen und verdeutliche, dass Gott allein die Einheit bewirken könne. Papst Franziskus betonte, dass die Eucharistie ohne Einheit das „Göttliche“ verliere und sich auf eine rein menschliche, psychologische und soziologische Dynamik reduziere.

„Der Bischof ist das Prinzip der Einheit der Kirche. Aber diese existiert nicht ohne Eucharistie: der Bischof versammelt das Volk nicht um die eigene Person oder die eigenen Vorstellungen, sondern rund um Christus.“

(rv 04.03.2015 no)