Polens neuer Regierungschef will Europa rechristianisieren

Morawiecki

Polens neuer Ministerpräsident Mateusz Morawiecki beklagt eine zu geringe Rolle des christlichen Glaubens in Europa. „Wir wollen Europa umwandeln, mein Traum ist es, es wieder zu rechristianisieren“, sagte er am Freitagabend in einem Interview mit dem katholischen TV-Sender Trwam. Vielerorts würden Kirchen nur noch als Museen genutzt. „Das ist sehr traurig“, fügte der nationalkonservative Politiker hinzu.

Morawiecki, bisher Wirtschafts- und Finanzminister, war wenige Stunden zuvor von Staatspräsident Andrzej Duda zum neuen Regierungschef ernannt worden. Am Donnerstag hatte die Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) beschlossen, Ministerpräsidentin Beata Szydlo durch ihn zu ersetzen. Sie hatte seit dem Wahlsieg der PiS im Herbst 2015 die Regierung geführt.

(kna 09.12.2017 pr)

POLEN: Herrsche über uns, Christus!

Herrsche über uns, Christus

Ehrwürdige Priester – ihr Hirten der Kirche Christi. Seit 1925 verehrt die Kirche in ihrer Liturgie Jesus Christus als den König des Weltalls. Der Ausdruck dessen waren die Praktiken, die in den Pfarreien wie auch in den Familien und im privaten Leben ausgeübt worden sind.

In den Schriften von der Dienerin Gottes, Rozalia Celakówna lesen wir: „Polen geht nicht verloren unter der Bedingung, dass es Christus als seinen König annimmt im wahrsten Sinne des Wortes; wenn es sich den Gesetzen Gottes unterordnen wird, dem Gebot Seiner Liebe.“ An anderer Stelle lesen wir: „Es wird eine schreckliche Katastrophe über die Welt kommen […]. Es werden nur diejenigen Länder überleben […], die Ihn als ihren König und Herrn anerkennen […]. Es gibt Rettung für Polen, wenn es Mich durch Inthronisation (vollkommen) als seinen König und Herrn anerkennt.

Diejenigen Länder und Nationen, die das nicht annehmen und sich der süßen Liebe Jesu nicht ergeben werden, werden von der Erdfläche verschwinden und nie wieder aufkommen“.

Damit es zur Inthronisation auf höchster Ebene kommen kann, muss man damit aber erst ganz unten anfangen, in den kleinsten Pfarreien. Wichtig ist es, dass an der Inthronisation die Geistlichen sowie die nicht geistlichen Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Kreise teilnehmen. Es gibt schon sehr viele Beispiele dafür, wie der Akt der Inthronisation durchgeführt werden soll. Langfristig soll der Akt mit der Anteilnahme der Kirche und der ganzen Nation durch ihre Vertreter vollzogen werden.

Die Inthronisation sollte sich nicht nur auf bestimmte religiöse Praktiken im Bereich einer Pfarrei oder Familie beschränken oder nur mit privater Verehrung verbunden sein, sondern sie sollte ein national – gesellschaftliche Dimension haben. Es geht hier natürlich nicht nur um eine Formalität. Papst Pius XII schreibt in seiner Enzyklika „Quas primas“: „Ihr werdet erst dann Gottes Segen erlangen, wenn Jesus, der Herr, über euch und eure Völker herrschen wird“.

Wir übergeben in eure Hände, ihr ehrwürdigen Priester, Vorschläge bezüglich der Vorbereitungen zu diesem Fest mit Gebeten und Hinweisen, wie der Akt der Inthronisation in einer Pfarrei vollzogen werden kann. Bei der Vorbereitung der Andacht wurden Gebete, Lieder und Textfragmente aus den Schriften der Dienerin Gottes, Rozalia Celakówna, verwendet. Die Vorschläge enthalten außerdem auch andere Texte, die mit der Tradition der Verehrung des Christkönigs verbunden sind, wie auch mit dem Werk der Inthronisation in Polen. Wir möchten sie auch gerne auf das Buch „Dienerin Gottes Rozalia Celakówna – ihr Leben und ihre Mission“ aufmerksam machen, wodurch Sie sich mit der Persönlichkeit der Dienerin Gottes und der Theologie, die in dem Akt der Inthronisation des Christkönigs besteht, was eine immense Wichtigkeit für die Rettung der Welt hat, vertraut machen können. Wir appellieren an die priesterlichen
Seelen, wir erinnern sie an ihre Verantwortung für die Kirche und die ganze Welt.

Pr. Ryszard Kubasiak
Diözesan Seelsorger
der Gebetsgemeinschaften der Inthronisation
des Christkönigs

 

Die Predigt des Fürsten
Kardinal Adam Stefan Sapieha

zum Fest des Christkönigs (Zeitschrift „Sonntagsglocke“ 1934)

Christus, unser Herr, wandte sich an den Glauben des Volkes, das Ihn als seinen König berufen wollte. Seine ganze Gestalt strahlte mit einer gewissen Majestät und drängte sich den Menschen unwiderstehlich auf, denn sogar Pilatus selbst fragte Ihn, als Er in Seiner tiefsten Demütigung vor ihm stand, ob Er der König sei. Und die Juden – spürten zwar dieselbe Majestät – riefen aber gegen alle eigenen tiefsten Wünsche, Wir haben keinen König, sondern Cesar!, womit sie sich vor ihrem feindlichen römischen Führer erniedrigten.

Indem die Menschheit durch all die neunzehn Jahrhunderte die Person Jesu Christi anschaute und betrachtete, fing sie an, den Kern des Königreichs Christi besser zu verstehen – das Königreich, das nicht von dieser Welt ist, sondern für diese Welt; und fing auch an, Christus, dem Herrn als Seine Untertanen die höchste Ehre zu erweisen, indem sie Ihn als Christus – den König bezeichnet.

Das Wort und die Bezeichnung Christus – der König, macht uns das Wesentliche unseres Heiligen Glaubens bewusst, nämlich, dass Christus der Gott ist, der Schöpfer, der Heiland des ganzen menschlichen Geschlechtes und deshalb führt uns diese Bezeichnung zum Verständnis unserer Verpflichtungen Christus gegenüber. In heutigen Zeiten kann Er mehr tun als je zuvor, man muss jedoch der Menschheit die allerhöchsten Gesetze und die Macht Christi wieder bewusst machen.

Wo immer man schaut, sieht man die Ungewissheit, Angst vor dem nächsten Tag. Mit Anstrengung und größter Mühe bleibt der innere Frieden erhalten. Die Menschheit benötigt den einzigen, standhaften Mittelpunkt des Rückhalts und eine Autorität. Niemand anderes als gerade wir, die Katholiken, sollten der Menschheit Ihn zeigen und sie zu den unendlichen Schätzen der Gnaden und des Glücks führen, die wir dank Christus – dem König – in Gott und Seiner Kirche finden; und wir – nicht jemand anders – sollten die Fahne Christi – des Königs – hochheben und zwar so hoch, dass sie die ganze Menschheit sehen kann und ihre Verpflichtungen Christus – dem König – gegenüber erkennen kann!

In dem Dienst für Christus – den König – sollten wir nicht vergessen, dass man zwei Herren nicht dienen kann – und wer nicht mit Christus ist, ist gegen Ihn; dass wir auf keine Kompromisse mit dem Bösen eingehen dürfen. Wir sollten daran denken, dass auch der Satan Christus (als Versuchung) die Macht über die Erde und alle Reiche des Erdkreises und ihre Herrlichkeit geben wollte, indem er sagte: Das alles gebe ich dir. Er fügte jedoch noch einen Kompromissvorschlag hinzu: – wenn du vor mir niederfällst. So viele Menschen handeln auf diese Weise: Sie sind bereit, sich sonntags vor Gott zu verneigen, und sonst verhalten sie sich so, als würden keine Göttliche Vorschriften gelten. Sie sind bereit, Christus als König zu bezeichnen, aber gleichzeitig strengen sie sich an, Ihn in den Mauern der Kirchen einzuschließen und allein auf religiöse Feiern zu begrenzen. Noch schlimmer, wir beobachten den Versuch des Verbindens der Ehre Christi mit dem Dienst an anderen Göttern, die die Menschen sich selbst erfinden. Satan stieß auf einen strengen Widerstand des Heilands, denn die Macht Christi steht über allem und hasst Kompromisse, die sie begrenzen oder irgend etwas unterordnen. Der selbe Jesus, der so viel Verständnis und Barmherzigkeit den Sündern gegenüber zeigte, wie stark hat Er Unehrlichkeit, Pharisäertum und Heuchelei verurteilt hat!

Wir leben heute in den Zeiten des Chaos und der Dunkelheit. Wie oft erfahren wir, dass man uns mit Gewalt verschiedene Gesinnungen aufdrängt, die wir oft anzunehmen gezwungen werden. Uns, den Katholiken, wird der blinde Glaube an die von Gott offenbarten Wahrheiten vorgeworfen, dabei verlangen dieselben Menschen den blinden Glauben an ihre menschlichen, oft falschen Ansichten und den Gehorsam, der durch Geschrei, Gewalt und Angst erzwungen wird. Das Bewusstsein, dass wir Christus – dem König – dienen, sollte uns den Mut geben, dass wir uns nicht beängstigen und nicht von unseren Überzeugungen abbringen lassen; unser Verhalten nicht ändern lassen. Das Reich Gottes leidet unter Gewalttätigkeit – also sollten wir die falschen Verführungen des Feindes mit Entschlossenheit ablehnen können.

Wenn Christus, unser Herr, der König ist, und wir seine Diener und Untertanen, so dürfen wir als Seine Diener nicht untätig bleiben und nur zuschauen, sondern wir müssen für Seine Macht und Seine Rechte arbeiten und kämpfen; Wir müssen in uns selbst das Himmlische Königreich vertiefen und uns bemühen, es auch um uns herum zu verbreiten; – das himmlische Königreich, dass der einzige Weg zum Glück der einzelnen Personen, Familien und aller Völker ist.

Das Hochfest Christkönig bringt uns gewiss auf viele Gedanken. Lasst uns sie abwägen und uns in Geduld wappnen, im Dienste Christi, den wir als unseren Herrn und König bezeichnen. Lasset uns Ihm die Ehre erweisen, die nur Ihm, dem einzigen Gott, zusteht! Lasset uns die Dankbarkeit für die Gnaden der Erlösung zeigen. Lasset uns Ihm dafür danken, dass Er uns gewürdigt hat, zu Seinem Reich – der Heiligen Kirche – zu gehören. Und vereint im Seinem Geist – als Antwort auf die Rufe der Gottlosen: Wir wollen nicht, dass er herrscht – lasset uns (nicht nur mit Worten, sondern auch durch das katholische Leben und unsere Taten) unaufhörlich rufen: „Herrsche über uns, Christus!“

Der Fürst Adam Stefan Sapieha – Krakauer Erzbischof

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Lesen Sie dazu:

Kardinal Sarah prangert den „stillschweigenden Glaubensabfall“ Europas an

Sarah denuncia la „tranquilla apostasia“ dell’Europa

Il cardinale Robert Sarah ha partecipato nei giorni scorsi al Congresso Internazionale organizzato a Varsavia dal Movimento Europa Christi, nell’Università intitolata al cardinale Stefan Wyszyìnski, e a cui hanno presenziato esponenti della politica, della cultura e della Chiesa. Il porporato ha svolto il suo intervento partendo da quella che ha chiamato “un’inedita crisi di civiltà”, affermando che “L’Europa, costruita sulla fede in Cristo, è ora in un periodo di tranquilla apostasia”.

Il cardinale guineano ha trattato del problema dei migranti, e dei rifugiati; e ha affermato che i leader mondiali non possono mettere in questione “Il diritto che ogni nazione ha di fare una distinzione fra un rifugiato politico o religioso”, che è obbligato a lasciare la sua terra, e “i migranti economici che vogliono cambiare il loro luogo di residenza” senza adattarsi alla nuova cultura in cui si trovano. “L’ideologia dell’individualismo liberale promuove una miscela che è destinata a erodere i confini naturali delle patrie e le culture, e conduce a un mondo post-nazionale e unidimensionale dove l’unica cosa che conta sono il consumo e la produzione. Ma questa direzione di sviluppo è inaccettabile”.

Il porporato ha elogiato la Polonia: “Oggi la Polonia mostra la strada, quando nega un’obbedienza automatica alle richieste che scaturiscono dall’esterno, dalla globalizzazione liberale”. Sarah ha affermato che è vero che “ogni immigrato è un essere umano e va rispettato, ma non bisogna dimenticare il rapporto integrale dei diritti umani e dei doveri. Così un immigrato, proveniente da un’altra cultura o ambiente religioso, non può aspettarsi la relativizzazione del bene comune della nazione in cui si reca”. Il cardinale ha ricordato che “Tutti hanno il diritto di rimanere nella propria patria”. Gli Stati europei sono in gran parte responsabili della destabilizzazione del Medio Oriente. “Questo ha costretto le persone a fuggire. Accettare tutti in Europa non è una soluzione ai problemi di queste regioni lacerate dalla guerra”.

Dopo il crollo dell’Unione Sovietica, ha detto il porporato, sembrava che l’Europa stesse per iniziare un nuovo periodo positivo, dopo che molte nazioni aveva riacquistato libertà e democrazia. “Tuttavia l’Unione Europea ha scelto di non fare ricorso alle radici cristiane della civiltà europea. Così ha cominciato a costruire le proprie istituzioni non su valori, ma su astrazioni, come il mercato libero, l’eguaglianza degli individui e i diritti umani individualistici. Questo è stato un grande errore, perché tutte le leggi dovrebbero basarsi sul concetto di dignità umana. È solo Dio la fonte dei valori che danno l’essenza dell’uomo e che devono essere irrinunciabili”.

L’Unione Europea pensa che le radici cristiane possano essere sostituite da un “Nuovo Umanesimo”, indipendente dalla religione. “Ma in questo modo la UE ha perso la verità storica sulle fonti della civiltà europea, di cui questo continente è stata la culla. La fonte di ogni male è il taglio volontario da Dio. E l’Europa costruita sulla fede in Cristo, tagliata fuori dalle sue radici cristiane, è ora in un periodo di tranquilla apostasia”.

Questa crisi spirituale “porta a una grave crisi antropologica. Una delle sue conseguenze è la distruzione sistematica della famiglia. Con la scusa della lotta contro la discriminazione, alcuni vogliono offuscare la differenza fra la famiglia e le unioni omosessuali, la promozione di una vasta gamma di modelli non basati sull’unione permanente di un uomo e di una donna. L’Europa non sarà più se stessa se la cellula base della famiglia sarà scomparsa, o trasformata in qualcosa di diverso”.

L’apostasia che l’Europa sta vivendo non può essere senza conseguenze, “e l’umanesimo non deve diventare un’ideologia del male”. Sarah ha ricordato come Giovanni Paolo II abbia considerato nello stesso modo totalitarismo e nichilismo. Il cristianesimo ha creato una fonte di cultura in Polonia: “Grazie a questo la Polonia, che ha affrontato eroicamente nella sua storia diverse ideologie del male, ora ha la forza di affrontare le nuove sfide antropologiche e morali. L’anima polacca ha in sé la forza per resistere alle sirene del nuovo messianismo ateo”; se sarà fedele alle sue promesse battesimali. Perciò “La Polonia deve essere la sentinella dell’Europa, per avvertire l’Europa dei pericoli che derivano dall’apostasia silenziosa”.

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Quelle

Nochmals: die Predigt von Johannes Paul II. auf dem Siegesplatz in Warschau, 2. Juni 1979 

Liebe Landsleute,
Brüder und Schwestern,
Teilnehmer am eucharistischen Opfer,
das wir heute hier in Warschau auf dem Siegesplatz feiern!

1. Zusammen mit euch möchte ich ein Lied zum Dank an die göttliche Vorsehung anstimmen, die es mir erlaubt, als Pilger heute an dieser Stätte zu stehen.

Der verstorbene Papst Paul VI., der erste Pilger-Papst nach vielen Jahrhunderten, hatte gewünscht — wir wissen, wie groß sein Wunsch war —, seinen Fuß auf polnischen Boden zu setzen, vor allem auf die Jasna Góra. Bis zum Ende seines Lebens hat er diesen Wunsch im Herzen getragen und ihn mit ins Grab genommen. Doch dieser Wunsch war so mächtig, war so tief begründet, daß er die Spanne eines Pontifikates überstieg und — auf eine menschlich schwer vorhersehbare Weise — heute Wirklichkeit wird. Wir danken daher der göttlichen Vorsehung, daß sie Papst Paul VI. ein so starkes Verlangen gab. Wir danken für den neuen Stil eines Pilger-Papstes, wozu er im Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil den Anstoß gab. Wenn nämlich die ganze Kirche sich erneut bewußt geworden ist, Volk Gottes zu sein, ein Volk, das an der Sendung Christi teilhat, ein Volk, das mit dieser Sendung durch die Geschichte zieht, das pilgert, dann kann der Papst nicht länger »Gefangener des Vatikans« bleiben. Er mußte erneut zum pilgernden Petrus werden, wie jener erste Petrus, der von Jerusalem über Antiochia nach Rom gelangte, um dort für Christus Zeugnis zu geben und dieses mit seinem Blut zu besiegeln.

Mir ist es heute, geliebte Söhne und Töchter meines Vaterlandes, vergönnt, diesen Wunsch des verstorbenen Papstes Paul VI. in eurer Mitte zu erfüllen. Als ich nämlich — durch den unerforschlichen Ratschluß göttlicher Vorsehung — nach dem Tode  Pauls VI.  und nach dem kurzen, nur einige Wochen währenden Pontifikat meines direkten Vorgängers Johannes Paul I. mit den Stimmen der Kardinäle von der Kathedra des hl. Stanislaus in Krakau auf die des hl. Petrus in Rom berufen wurde, habe ich sogleich verstanden, daß es meine besondere Aufgabe ist, jenen Wunsch zu erfüllen, dem Paul VI. zur Tausendjahrfeier der Taufe Polens nicht nachkommen konnte.

Ist meine Pilgerfahrt ins Vaterland in dem Jahr, da die Kirche in Polen den 900. Jahrestag des Todes des hl. Stanislaus feiert, nicht zugleich ein besonderes Zeichen für unser polnisches Pilgern durch die Geschichte der Kirche — nicht nur auf den Pfaden unseres Vaterlandes, sondern auch auf denen Europas und der Welt? Ich lasse hier meine Person beiseite, muß mir aber dennoch zusammen mit euch allen die Frage nach den Gründen stellen, warum gerade im Jahr 1978 (nach so vielen Jahrhunderten einer in diesem Bereich festgefügten Tradition) auf den Bischofssitz des hl. Petrus ein Sohn polnischer Nation, polnischer Erde, berufen wurde. Von Petrus und den übrigen Aposteln forderte Christus, sie müßten seine »Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa und Samaria und bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1,8). Haben wir mit Bezug auf diese Worte Christi nicht das Recht, zu folgern, daß Polen in unserer Zeit das Land eines besonders verantwortungsvollen Zeugnisses wurde?

Daß gerade von hier — von Warschau, aber auch von Gnesen, von der Jasna Góra, von Krakau, von diesem ganzen geschichtlichen Pfad aus, den ich schon so oft in meinem Leben gegangen bin und in diesen Tagen erneut gehen darf — mit besonderer Demut, doch auch mit Überzeugung Christus verkündet werden muß? Daß man gerade hier, in diesem Land, auf diesem Pfad stehen muß, um das Zeugnis seines Kreuzes und seiner Auferstehung neu zu entziffern? Wenn wir nun all das, was ich in diesem Augenblick zu sagen wage, annehmen — welch große Aufgaben und Verpflichtungen ergeben sich daraus! Sind wir ihnen wirklich gewachsen?

2. Es ist mir heute, auf der ersten Etappe meiner päpstlichen Pilgerfahrt nach Polen, vergönnt, das eucharistische Opfer hier in Warschau, hier auf dem Siegesplatz, zu feiern. Die Liturgie des Samstagabends, der Vigil vor Pfingsten, versetzt uns in den Abendmahlssaal von Jerusalem, in dem die Apostel — um Maria, die Mutter Christi, versammelt — tags darauf den Heiligen Geist empfangen werden. Sie empfangen den Geist, den ihnen Christus durch das Kreuz erworben hat, damit sie in der Kraft dieses Geistes seinen Auftrag erfüllen können. »Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe« (Mt 28,19–20). Mit diesen Worten hat Christus, der Herr, ehe er die Welt verließ, den Aposteln seinen letzten Auftrag, seinen »Missionsbefehl«, hinterlassen. Und er fügte hinzu: Und ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt« (Mt 28,20).

Es trifft sich gut, daß meine Pilgerfahrt nach Polen zur 900-Jahrfeier des Martyriums des hl. Stanislaus in die Pfingstwoche fällt und das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit umfaßt. So kann ich posthum den Wunsch Pauls VI. erfüllen und noch einmal das erste Jahrtausend der Taufe Polens auf polnischem Boden erleben, kann das diesjährige Jubiläum des hl. Stanislaus in das Jahrtausend einschreiben, mit dem die Geschichte der Nation und der Kirche ihren Anfang nahm. Gerade die Feier des Pfingstfestes und der Heiligsten Dreifaltigkeit bringt uns an diesen Anfang heran. In den Aposteln, die am Pfingsttag den Heiligen Geist empfangen, sind gleichsam bereits alle ihre Nachfolger, alle Bischöfe, geistig gegenwärtig, auch jene, denen es seit 1000 Jahren zukam, das Evangelium auf polnischem Boden zu verkünden. Auch Stanislaus von Szczepanów, der vor 900 Jahren auf dem Krakauer Bischofsstuhl seine Sendung mit Blut bezahlt hat.

In diesen Aposteln und um sie sind am Pfingsttag nicht nur die Vertreter jener Völker und Sprachen versammelt, welche die Apostelgeschichte erwähnt. Schon damals waren sie von all den verschiedenen Völkern und Nationen umgeben, die durch das Licht des Evangeliums und durch die Kraft des Heiligen Geistes in den verschiedenen Epochen und Jahrhunderten zur Kirche gelangen sollten. Pfingsten ist der Geburtstag des Glaubens und der Kirche auch für unser polnisches Land. Er ist der Beginn der Verkündigung der Großtaten Gottes auch in unserer polnischen Sprache. Er ist der Beginn des Christentums auch im Leben unserer Nation: in ihrer Geschichte, ihrer Kultur, in ihren Prüfungen.

3. Die Kirche hat Polen Christus gebracht, das heißt den Schlüssel zum Verständnis jener großen und grundlegenden Wirklichkeit, die der Mensch ist. Man kann nämlich den Menschen letztlich nicht ohne Christus begreifen. Oder besser: der Mensch kann sich selbst nicht im letzten ohne Christus verstehen. Er kann weder begreifen, wer er ist, noch worin seine wahre Würde besteht, noch welches seine Berufung und was seine endgültige Bestimmung ist. Ohne Christus bleibt ihm das alles unverständlich.

Daher kann man Christus nirgendwo auf Erden aus der Geschichte des Menschen ausschließen, gleich, um welchen Längen- oder Breitengrad es sich handelt. Der Ausschluß Christi aus der Geschichte des Menschen ist ein gegen den Menschen selbst gerichteter Akt. Ohne Christus kann man auch nicht die Geschichte Polens begreifen, zumal nicht als die Geschichte der Menschen, die über dieses Land gingen und gehen. Eine Geschichte von Menschen!

Die Geschichte einer Nation ist vor allem die Geschichte ihrer Menschen. Und die Geschichte eines jeden Menschen vollzieht sich in Christus. In ihm wird sie zur Heilsgeschichte. Die Geschichte eines Volkes verdient eine entsprechende Würdigung nach dem Beitrag, den es für die Entwicklung des Menschen und der Menschlichkeit, für sein Bewußtsein sein Herz und sein Gewissen einbrachte. Das ist die tiefste Quelle der Kultur. Das ist ihr stärkster Halt, ihr Mark und ihre Kraft. Und wiederum kann man ohne Christus den Beitrag der polnischen Nation zur Entwicklung des Menschen und der Menschlichkeit nicht verstehen und werten — nicht für die Vergangenheit und nicht für die Gegenwart. »Diese alte Eiche ist so gewachsen, und kein Sturm hat sie entwurzeln können, denn ihre Wurzel ist Christus« (Piotr Skarga, Kazania Sejmowe IV, Biblioteka Narodowa I, 70, S. 92 — Sejm-Predigten IV, Nationalbibliothek, I, 70, S. 92). Man muß hier auf den Spuren dessen wandeln, was (oder besser wer) Christus über Generationen für die Söhne und Töchter dieses Landes war. Und das nicht nur für jene, die offen an ihn glaubten, die ihn mit dem Glauben der Kirche bekannten. Auch für jene, die dem Anschein nach fern, außerhalb der Kirche stehen. Für jene, die zweifeln oder ihm widersprechen.

Wenn es richtig ist, die Geschichte einer Nation auf Grund der Menschen in ihr zu begreifen, dann kann man den Menschen nur in der Gemeinschaft, die seine Nation bildet, verstehen. Bekanntlich ist sie nicht die einzige Gemeinschaft. Sie ist allerdings eine besondere Gemeinschaft, wohl die am engsten mit der Familie verbundene, die wichtigste für die geistige Geschichte des Menschen. Ohne Christus also kann man die Geschichte der polnischen Nation nicht verstehen. — Die Geschichte dieser großen, 100jährigen Gemeinschaft, die so tiefreichend über mich, über einen jeden von uns entscheidet. Wenn wir diesen Schlüssel zum Verständnis unserer Nation zurückweisen, begehen wir einen grundlegenden Fehler. Wir verstehen dann uns selber nicht mehr. Man kann diese Nation, die eine so glänzende, zugleich aber auch so schrecklich schwere Vergangenheit hatte, unmöglich verstehen ohne Christus. Es ist unmöglich, diese Stadt, Warschau, die Hauptstadt Polens, die sich im Jahre 1944 auf einen ungleichen Kampf gegen den Aggressor einließ — einen Kampf, bei dem die verbündeten Mächte sie im Stich ließen; einen Kampf, in dem sie unter ihren eigenen Trümmern begraben wurde —, zu verstehen, wenn man sich nicht daran erinnert, daß unter diesen gleichen Trümmern auch Christus, der Erlöser, mit seinem Kreuz lag, das sich heute vor der Kirche in Krakau-Vorstadt befindet. Man kann unmöglich die Geschichte Polens begreifen, von Stanislaus in Salka bis zu Maximilian Kolbe in Auschwitz, wenn man nicht auch auf sie dieses eine fundamentale Kriterium anwendet, das Jesus Christus heißt.

Das Jahrtausend der Taufe Polens, dessen erste reife Frucht der hl. Stanislaus ist — das Jahrtausend Christi in unserem Gestern und Heute ist das Hauptmotiv meiner Pilgerfahrt und meines Dankgebets, das ich zusammen mit euch, liebe Landsleute, verrichte, denen Jesus Christus unablässig die große Botschaft vom Menschen verkündet. Gemeinsam mit euch, denen Jesus Christus immer ein offenes Buch der Lehre vom Menschen ist, seiner Würde und seiner Rechte. Zugleich ein offenes Buch der Lehre von der Würde und den Rechten der Nation.

Heute bete ich auf diesem Siegesplatz in der Hauptstadt Polens mit euch allen im eucharistischen Hochgebet, daß Christus unaufhörlich für uns ein geöffnetes Buch bleibe, das Leben für die Zukunft verheißt. Für unser polnisches Morgen.

4. Wir befinden uns hier am Grab des Unbekannten Soldaten. In der Geschichte Polens — der alten wie der neueren — hat dieses Grab eine besondere Bestätigung gefunden. An wie vielen Orten der Heimat ist dieser Soldat gefallen! An wie vielen Orten Europas und der Welt hat er durch seinen Tod bezeugt, daß es ohne ein unabhängiges Polen auf der Karte Europas kein gerechtes Europa geben kann! Auf wie vielen Schlachtfeldern hat dieser Soldat für die Rechte des Menschen Zeugnis gegeben, die so tief eingeschrieben sind in die unveräußerlichen Rechte der Nation, als er fiel für »unsere und eure Freiheit «! »Wo sind ihre Gräber, Land der Polen? Wo sind sie nicht! Du weißt es besser als alle — und Gott weiß es im Himmel« (A. Oppman, Gebet für die Toten).

Die Geschichte des Vaterlandes wurde aufgezeichnet durch das Grab des Unbekannten Soldaten.

Ich möchte an diesem Grab niederknien, um jedes Samenkorn zu ehren, das, indem es in die Erde fällt und in ihr stirbt, Frucht bringt. Sei es der Same des Blutes eines Soldaten, das auf dem Schlachtfeld vergossen wurde, sei es das Opfer des Martyriums in Konzentrationslagern und Gefängnissen. Oder der Same harter täglicher Arbeit mit schweißtriefender Stirn: auf dem Feld, in der Werkstatt, im Bergwerk, in den Gießereien und Fabriken. Oder der Same der Elternliebe, die sich nicht weigert, einem neuen Menschen das Leben zu schenken und die gesamte Last der Erziehung zu tragen. Oder der Same schöpferischer Arbeit an den Universitäten, in den Bibliotheken und an den Stätten nationaler Kultur. Oder endlich der Same des Gebetes und des Dienstes an den Kranken, den Leidenden, den Verlassenen: »all das, was Polen bildet.« So wie das vom Primas und vom polnischen Episkopat auf der Jasna Góra zum Millennium abgelegte Gelöbnis lautet: »Alles, was Polen bildet.«

All das legen wir in die Hände der Gottesmutter — unter dem Kreuz auf Kalvaria und im Abendmahlssaal des Pfingstfestes.

All das: die Geschichte des Vaterlandes, wie sie seit 1000 Jahren von jedem seiner Söhne und Töchter geschaffen wurde — in dieser Generation und in den zukünftigen Generationen, und sei es nur ein namenloser, unbekannter Mensch wie dieser Soldat, vor dessen Grab wir stehen…

Alles das: auch die Geschichte der Völker, die mit uns und unter uns gelebt haben, wie jene, die zu Hunderttausenden in den Mauern des Warschauer Ghettos umkamen.

Das alles umfange ich in dieser Eucharistie mit Herz und Sinn und beziehe es ein in dieses eine heiligste Opfer Christi hier auf dem Siegesplatz.

Und ich rufe, ich, ein Sohn polnischer Erde und zugleich Papst Johannes Paul II., ich rufe aus der ganzen Tiefe dieses Jahrhunderts, rufe am Vorabend des Pfingstfestes: Sende aus deinen Geist!

Sende aus deinen Geist!

Und erneuere das Angesicht der Erde!

Dieser Erde!

Amen.

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Quelle


 

Polens Bischöfe verlangen Verbot der Sonntagsöffnung — Ruhe am Tag des Herrn

Stanislaw Gadecki, Erzbischof von Posen und Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz.

Polens katholische Bischöfe fordern ein Verbot der bislang üblichen Öffnung von Geschäften an Sonntagen. „Der freie Sonntag ist ein Grundrecht, auf das alle Menschen und jeder Mitarbeiter Anspruch haben“, so die Bischofskonferenz.

Der polnische Bischofskonferenz-Vorsitzende, Erzbischof Stanislaw Gadecki, rief nach einer Versammlung der Diözesanbischöfe in Tschenstochau (Czestochowa) die Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) und katholische Organisationen auf, sich für die „Sonntagsruhe“ stark zu machen.

Regierung berät über Einschränkung des verkaufsoffenen Sonntags

Die nationalkonservative Regierung berät bereits über eine Einschränkung des verkaufsoffenen Sonntags. Familien- und Arbeitsministerin Elzbieta Rafalska schlug vor einigen Tagen als Kompromiss vor, die Öffnung von Läden am ersten und vierten Sonntag jedes Monats zu untersagen und nur am zweiten und dritten Sonntag zu erlauben.

Gadecki kritisierte, es fehle bislang am „politischen Willen zur Lösung des Problems“. Es sei notwendig, dass die Politiker die Stimme der Gesellschaft für den freien Sonntag hörten. Als „heiliger Tag“ solle der Sonntag arbeitsfrei sein. Die endgültige Gestaltung des Gesetzes sei jedoch nicht Sache der Kirche, sondern vielmehr des Parlaments.

Freie Wahl der Öffnungszeiten

Bislang gibt es in Polen mit Ausnahme der gesetzlichen Feiertage keine Einschränkung der Ladenöffnungszeiten. Die Gewerkschaft Solidarnosc hatte voriges Jahr mit Unterstützung der katholischen Kirche rund 500.000 Unterschriften für eine Volksinitiative für ein Gesetz gesammelt, das dem Sonntagseinkauf enge Grenzen setzt. In diesem Herbst wird ein Votum des Parlaments darüber erwartet.

Der Entwurf der Gewerkschaft lässt die Öffnung von Supermärkten und Einkaufszentren nur an sieben Sonntagen im Jahr – darunter zwei Adventssonntagen – zu. Das Einkaufen an Heiligabend und Karsamstag soll ab nachmittags ausgeschlossen werden. Die Regierung erklärte bereits, sie lehne Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren bei Verstößen gegen das Ladenschlussgesetz ab, wie sie der Entwurf der Volksinitiative vorsieht.

Der Verband der Einkaufszentren lehnt die Volksinitiative ab. Ein Verbot der Ladenöffnung an Sonntagen würde zu einem Umsatzrückgang von fast vier Prozent oder mehr als einer Milliarde Euro führen, argumentiert er. Dadurch würden allein in Handelszentren rund 20.000 Arbeitsplätze wegfallen.

(KNA) – Quelle

Viktor Orbán: Wem gehört in Zukunft Europa?

Am 22. Juli hielt der ungarische Ministerpräsident und Vorsitzender der Regierungspartei Fidesz, Viktor Orbán, eine Rede im siebenbürgischen Tusnáfürdö (rumänisch Băile Tușnad) während der 28. ungarischen „Sommeruniversität“.

Es ist seit einigen Jahren üblich, dass der ungarische Ministerpräsident in einer großen Rede eine umfassende  Einschätzung der internationalen Lage vornimmt und die außenpolitische Linie der ungarischen Regierung darlegt.

Von der Rede hat vor allem ein Satz die deutschen Medien erreicht: die Feststellung, dass die Integration eingewanderter Muslime überall gescheitert sei. Auch wenn die Realität für diese Ansicht spricht, erntete er statt eines Gegenbeweises Hohn und Spott.

Die Argumentation Orbáns geht weit über diese eine Behauptung hinaus. Die Rede zeigt vielmehr, wie weit sich die ehemaligen Ostblock-Länder der Visegrád-Gruppe von der Fortschrittsideologie des Westens entfernt haben und wie groß die Spannungen innerhalb der EU tatsächlich sind. Wir dokumentieren hier die wichtigsten Teile der Rede, die sich außenpolitischen Fragen widmen.

Die Visegrád-Gruppe und Donald Trump

Wenn ich das wichtigste ungarische und internationale Ereignis der seit unserem letzten Treffen vergangenen zwölf Monate benennen sollte, so würde ich mich für die Erstarkung der Visegrád-Gruppe entscheiden. … Das bedeutendste Ereignis für mich ist, dass die Zusammenarbeit der vier Länder der Visegrád-Gruppe noch stärker geworden ist, als sie vorher schon war. Wir können feststellen, dass Warschau, Prag, Bratislava und Budapest mit einer Stimme sprechen …

Es ist üblich geworden, dass ich im Laufe dieser Rede Bilanz ziehe über die Veränderungen des vergangenen Jahres mit Blick auf die ganze Welt. Vielleicht erinnern sich nicht alle unter Ihnen daran, dass Präsident Obama 2009, gleich nach seiner Wahl, seine erste große Auslandsrede in Kairo gehalten hat. Der als sein Nachfolger gewählte amerikanische Präsident hat seine erste große Rede im Ausland in Warschau gehalten. Wenn wir das wahre Ausmaß dieser Veränderung ermessen wollten, dann reicht es aus, einige Sätze aus dieser Warschauer Rede zu zitieren: „Wir dürfen nicht vergessen, dass Verteidigung nicht nur eine Frage des Geldes, sondern der Verpflichtung und des Willens ist.“ Und: „Unser Kampf um den Westen beginnt nicht auf den Schlachtfeldern, sondern in unserem Geiste und in unseren Seelen. Die Erhaltung unserer Freiheit und Zivilisation ist abhängig von der Bewahrung unserer Geschichte, Kultur und Erinnerungen. So also kämpfen wir wie die Polen für Familie, Freiheit, Land und Gott!“

Die Zukunft Europas und die muslimische Einwanderung

Es gibt Theorien, die die Veränderungen, die zur Zeit in der westlichen Welt stattfinden, so beschreiben: Seit der Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten sei der Kampf zwischen der globalen, supranationalen Elite und den patriotischen, nationalen Führern offensichtlich geworden. … Was anderes könnte das Ziel einer patriotischen Regierung sein – davon sprach der amerikanische Präsident, und davon sprechen wir seit 2010 ebenfalls –, unser Land, unsere Selbstachtung und unsere Zukunft zurückzubekommen. …

Zu einem starken Land gehört die Garantie der öffentlichen Sicherheit, was heute zwei Dinge bedeutet: die Verteidigung der Grenzen und die Abwehr von Terroranschlägen. Ohne kulturelle Identität kann es kein starkes Land geben. Ohne stabile ethnische Zusammensetzung kann es keine kulturelle Identität geben. Die ethnische Zusammensetzung eines Landes zu verändern ist gleichbedeutend mit der Veränderung seiner Identität. So etwas darf ein starkes Land niemals zulassen.

 

V4 presidency leader, Hungarian Prime Minister Viktor Orban (C) informs the press about their meeting with Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu (2ndL) in the main hall of Pesti Vigado cultural center during a joint press conference with V4 - Visegrads countries prime ministers, Bohuslav Sobotka (L) of Czech Republic, Beata Szydlo (R) of Poland and Robert Fico (2ndR) of Slovakia in Budapest, Hungary, on July 19, 2017. As part of a landmark Hungary visit, Israeli premier Benjamin Netanyahu meets leaders of the so-called Visegrad group, whose nationalists stances have increasingly placed them at odds with the rest of the EU. / AFP PHOTO / PETER KOHALMI (Photo credit should read PETER KOHALMI/AFP/Getty Images)

OST-EU FORMIERT SICH — Wie verrückt ist die EU?

Die entscheidende Frage der nächsten Jahrzehnte in Europa wird sein, ob Europa weiterhin den Europäern gehören wird. Wird das Land der Ungarn weiterhin das Land der Ungarn, Deutschland das Land der Deutschen sein? … Wer wird in Europa leben? Das ist eine Frage von historischer Bedeutung, mit der wir heute konfrontiert sind. Was die konkrete Lage betrifft – und schon dies allein verrät vieles über die Welt, in der wir leben –, so gibt es keine verlässlichen Daten darüber, wie in den einzelnen europäischen Ländern das zahlenmäßige Verhältnis zwischen der traditionellen, eingeborenen christlichen Bevölkerung und den nach dorthin eingewanderten Muslimen ist. Die vorliegenden Zahlen sind nicht dafür geeignet, um daraus die uns erwartende Zukunft abzuleiten, weil sich die Migranten nicht gleichmäßig über alle Altersgruppen verteilen. Deshalb sind allgemeine Zahlen wenig aussagekräftig. Wir müssen unser Augenmerk vor allem auf jene unter 15 Jahren und die zwischen 15 und 45 Jahren richten, um daraus abzuleiten und zu berechnen, wie die Welt, sagen wir mal, 2050 aussehen wird.

Die ungarische Regierung prüft jedes Jahr in eigenen Untersuchungen, was die Menschen in Europa über diese Fragen denken. Wir interessieren uns nicht für ihre Führungen, weil deren Meinung uns bekannt ist und wir den Verdacht hegen, dass sie nicht mit den Meinungen ihrer Bevölkerungen übereinstimmen. Aus unseren diesjährigen Untersuchungen geht hervor, dass in 28 europäischen Ländern 81 Prozent der Bürger die Einwanderung als ein sehr schwerwiegendes oder schwerwiegendes Problem betrachten. 64 Prozent sind der Meinung, dass die Einwanderung die Kriminalität befördert hat. 59 Prozent sind davon überzeugt, dass die Einwanderung ihre Kultur verändert. Über die Leistungen Brüssels in der Handhabung der Migrationsfrage urteilten 76 Prozent, dass sie mangelhaft seien. Auf die Frage, ob man für die Lösung dieses Problems Brüssel mehr Macht übertragen oder die Nationalstaaten stärken solle, waren 36 Prozent für Brüssel, 51 Prozent für die Nationalstaaten. Im Falle Ungarns sagen 25 Prozent, also ein Viertel unserer Mitbürger, dass sie mehr Macht an Brüssel übertragen würden. Zum Glück sind aber 61 Prozent unserer Mitbürger der Meinung, dass Brüssel weniger Macht haben sollte, und sie meinen sogar, dass wir einen Teil der Macht, die wir vorher abgetreten haben, zurückverlangen sollten.

Integration kann nicht gelingen

Natürlich kann man im Zusammenhang mit der Frage, wer in Zukunft Europa bewohnen wird, das Argument vorbringen, dass die erfolgreiche Integration das Problem lösen werde. Es ist jedoch eine Tatsache, dass wir so etwas wie eine erfolgreiche Integration nicht kennen. Es ist offenkundig, dass die Migration nicht geeignet ist, wirtschaftliche Probleme zu lösen und den Arbeitskräftemangel zu beheben. Es ist interessant festzustellen, dass die Menschen in Europa am wenigsten davor Angst haben, dass ihnen die Migranten die Arbeitsplätze wegnehmen. Das zeugt von einer gewissen Lebenserfahrung. Schiffbrüchige können sich in einer verzweifelten Lage befinden und ihren immer größeren Durst mit Meerwasser stillen. Auch das ist Wasser, doch es stillt den Durst nicht sondern verstärkt nur die Not. In einer vergleichbaren Lage befinden sich jene, die glauben, die Probleme der Wirtschaft durch Migranten lösen zu wollen.

Ein weiteres Argument gegen die Möglichkeit erfolgreicher Integration ist dies: Wenn Menschen, die einander widersprechende Zielsetzungen verfolgen, in einem gemeinsamen System, im gleichen Land leben sollen, erwächst daraus keine Integration, sondern das Chaos. Es ist offensichtlich, dass die Kultur der Migranten in grundsätzlichem Widerspruch zur europäischen Kultur steht, und diese gegensätzlichen Ansichten und Werte können zusammen und gleichzeitig nicht verwirklicht werden, denn sie schließen sich gegenseitig aus. Um nur ein Beispiel zu nennen, Europäer wollen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind, für eine muslimische Gemeinschaft jedoch ist dieser Gedanke inakzeptabel, weil sie das Verhältnis von Mann und Frau als ein hierarchisches Verhältnis sehen. Diese beiden Werte können nicht gleichzeitig verwirklicht werden, irgendwann wird sich der eine oder andere durchsetzen.

Man könnte aber doch behaupten, dass die Gemeinschaften mit verschiedenen Kulturen, die zu uns kommen, umerzogen werden könnten. Doch die zur Zeit nach Europa einwandernden muslimischen Gemeinschaften betrachten ihre Kultur, ihren Glauben und ihre Lebensführung als wertvoller als unsere. Was die Achtung des Lebens, Lebensführung, Verpflichtungen und die Unterordnung individueller Interessen und Ansichten betrifft, sind die muslimischen Gemeinschaften stärker als die christlichen Gemeinschaften. Warum sollte sich jemand anstatt seiner eigenen, starken Kultur eine andere zu eigen machen, die schwächer ist? Sie werden das niemals tun, und deshalb kann auch eine auf Umerziehung beruhende Integration niemals erfolgreich sein.

Solidarität ist keine Zielsetzung europäischer Kultur

In der europäischen Politik wird häufig über Solidarität gesprochen. Als erstes möchte ich klarstellen, dass Solidarität keine Zielsetzung der europäischen Kultur ist. Das Ziel der europäischen Kultur ist, dass die dort geborenen Menschen ihren eigenen Überzeugungen und Werten entsprechend in Frieden, Sicherheit, Freiheit und Wohlstand leben können. Das ist die Zielsetzung der europäischen Kultur. Solidarität ist nur ein Mittel, und dieses Mittel kann die Stelle der Zielsetzungen nicht einnehmen. Das bedeutet, dass wir niemals solidarisch sein könnten mit Ideen, Menschen und Volksgruppen, die zum Ziel haben, das Wesen und den Stil dieser europäischen Kultur zu verändern. Mit jenen Gruppen und Ideen, die Gegner der europäischen Kultur und ihrer Ziele sind, können wir niemals solidarisch sein.

Ich will mich hier nicht in den deutschen Wahlkampf einmischen. Aber ich muss feststellen, dass es deutsche Politiker gibt, die von Scheitern und Absturz bedroht sind und nun ihre Popularität dadurch wiedergewinnen wollen, dass sie uns provozieren, uns glauben vorführen zu können und uns der mangelnden Solidarität bezichtigen. Dazu wären zwei Dinge zu sagen: Zum einen hat Ungarn sich selbst und damit Europa gegen die Migrantenflut verteidigt und vor ihr bewahrt. Das hat uns 260-270 Milliarden Forint (etwa 87 Millionen €) gekostet. Davon hat die Union einen Bruchteil erstattet. Also bitte, kein Gerede von Solidarität, so lange diese Summe Ungarn nicht erstattet wurde. … Zum anderen würde ich das Wort Solidarität als Deutscher nicht in den Mund nehmen, so lange deutsche Arbeiter für die gleiche Arbeit das Fünffache von dem erhalten, was ungarische Arbeiter in der gleichen deutschen Fabrik auf ungarischem Boden bekommen.

Aber Solidarität mit Polen

… Es gibt in Brüssel heute ein Bündnis gegen die Meinung der Menschen in den Mitgliedsländern. An diesem Bündnis sind die Brüsseler Bürokraten und Eliten sowie das, was man als das Soros-Imperium bezeichnen könnte, beteiligt. … Dort wo politische Führer und Eliten sich gegen das eigene Volk wenden, braucht man Inquisitoren. In den vergangenen vier Jahren war Viviane Reding der Hauptinquisitor, jetzt hat ihre Rolle Frans Timmermanns übernommen. … Zur Zeit ist das wichtigste Opfer der Inquisition die nationale Regierung in Polen, die geschwächt, gebrochen und zertrümmert werden soll. Ungarn verfolgt seine eigenen nationalen Ziele. Aber ich möchte klarstellen, dass Ungarn gerade wegen seiner nationalen und europäischen Zielsetzungen und wegen der ungarisch-polnischen Freundschaft niemals zulassen wird, dass dieser inquisitorische Feldzug gegen Polen Erfolg hat. Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten der Union dafür nutzen, mit Polen solidarisch zu sein.

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