Viktor Orbán: Wem gehört in Zukunft Europa?

Am 22. Juli hielt der ungarische Ministerpräsident und Vorsitzender der Regierungspartei Fidesz, Viktor Orbán, eine Rede im siebenbürgischen Tusnáfürdö (rumänisch Băile Tușnad) während der 28. ungarischen „Sommeruniversität“.

Es ist seit einigen Jahren üblich, dass der ungarische Ministerpräsident in einer großen Rede eine umfassende  Einschätzung der internationalen Lage vornimmt und die außenpolitische Linie der ungarischen Regierung darlegt.

Von der Rede hat vor allem ein Satz die deutschen Medien erreicht: die Feststellung, dass die Integration eingewanderter Muslime überall gescheitert sei. Auch wenn die Realität für diese Ansicht spricht, erntete er statt eines Gegenbeweises Hohn und Spott.

Die Argumentation Orbáns geht weit über diese eine Behauptung hinaus. Die Rede zeigt vielmehr, wie weit sich die ehemaligen Ostblock-Länder der Visegrád-Gruppe von der Fortschrittsideologie des Westens entfernt haben und wie groß die Spannungen innerhalb der EU tatsächlich sind. Wir dokumentieren hier die wichtigsten Teile der Rede, die sich außenpolitischen Fragen widmen.

Die Visegrád-Gruppe und Donald Trump

Wenn ich das wichtigste ungarische und internationale Ereignis der seit unserem letzten Treffen vergangenen zwölf Monate benennen sollte, so würde ich mich für die Erstarkung der Visegrád-Gruppe entscheiden. … Das bedeutendste Ereignis für mich ist, dass die Zusammenarbeit der vier Länder der Visegrád-Gruppe noch stärker geworden ist, als sie vorher schon war. Wir können feststellen, dass Warschau, Prag, Bratislava und Budapest mit einer Stimme sprechen …

Es ist üblich geworden, dass ich im Laufe dieser Rede Bilanz ziehe über die Veränderungen des vergangenen Jahres mit Blick auf die ganze Welt. Vielleicht erinnern sich nicht alle unter Ihnen daran, dass Präsident Obama 2009, gleich nach seiner Wahl, seine erste große Auslandsrede in Kairo gehalten hat. Der als sein Nachfolger gewählte amerikanische Präsident hat seine erste große Rede im Ausland in Warschau gehalten. Wenn wir das wahre Ausmaß dieser Veränderung ermessen wollten, dann reicht es aus, einige Sätze aus dieser Warschauer Rede zu zitieren: „Wir dürfen nicht vergessen, dass Verteidigung nicht nur eine Frage des Geldes, sondern der Verpflichtung und des Willens ist.“ Und: „Unser Kampf um den Westen beginnt nicht auf den Schlachtfeldern, sondern in unserem Geiste und in unseren Seelen. Die Erhaltung unserer Freiheit und Zivilisation ist abhängig von der Bewahrung unserer Geschichte, Kultur und Erinnerungen. So also kämpfen wir wie die Polen für Familie, Freiheit, Land und Gott!“

Die Zukunft Europas und die muslimische Einwanderung

Es gibt Theorien, die die Veränderungen, die zur Zeit in der westlichen Welt stattfinden, so beschreiben: Seit der Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten sei der Kampf zwischen der globalen, supranationalen Elite und den patriotischen, nationalen Führern offensichtlich geworden. … Was anderes könnte das Ziel einer patriotischen Regierung sein – davon sprach der amerikanische Präsident, und davon sprechen wir seit 2010 ebenfalls –, unser Land, unsere Selbstachtung und unsere Zukunft zurückzubekommen. …

Zu einem starken Land gehört die Garantie der öffentlichen Sicherheit, was heute zwei Dinge bedeutet: die Verteidigung der Grenzen und die Abwehr von Terroranschlägen. Ohne kulturelle Identität kann es kein starkes Land geben. Ohne stabile ethnische Zusammensetzung kann es keine kulturelle Identität geben. Die ethnische Zusammensetzung eines Landes zu verändern ist gleichbedeutend mit der Veränderung seiner Identität. So etwas darf ein starkes Land niemals zulassen.

 

V4 presidency leader, Hungarian Prime Minister Viktor Orban (C) informs the press about their meeting with Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu (2ndL) in the main hall of Pesti Vigado cultural center during a joint press conference with V4 - Visegrads countries prime ministers, Bohuslav Sobotka (L) of Czech Republic, Beata Szydlo (R) of Poland and Robert Fico (2ndR) of Slovakia in Budapest, Hungary, on July 19, 2017. As part of a landmark Hungary visit, Israeli premier Benjamin Netanyahu meets leaders of the so-called Visegrad group, whose nationalists stances have increasingly placed them at odds with the rest of the EU. / AFP PHOTO / PETER KOHALMI (Photo credit should read PETER KOHALMI/AFP/Getty Images)

OST-EU FORMIERT SICH — Wie verrückt ist die EU?

Die entscheidende Frage der nächsten Jahrzehnte in Europa wird sein, ob Europa weiterhin den Europäern gehören wird. Wird das Land der Ungarn weiterhin das Land der Ungarn, Deutschland das Land der Deutschen sein? … Wer wird in Europa leben? Das ist eine Frage von historischer Bedeutung, mit der wir heute konfrontiert sind. Was die konkrete Lage betrifft – und schon dies allein verrät vieles über die Welt, in der wir leben –, so gibt es keine verlässlichen Daten darüber, wie in den einzelnen europäischen Ländern das zahlenmäßige Verhältnis zwischen der traditionellen, eingeborenen christlichen Bevölkerung und den nach dorthin eingewanderten Muslimen ist. Die vorliegenden Zahlen sind nicht dafür geeignet, um daraus die uns erwartende Zukunft abzuleiten, weil sich die Migranten nicht gleichmäßig über alle Altersgruppen verteilen. Deshalb sind allgemeine Zahlen wenig aussagekräftig. Wir müssen unser Augenmerk vor allem auf jene unter 15 Jahren und die zwischen 15 und 45 Jahren richten, um daraus abzuleiten und zu berechnen, wie die Welt, sagen wir mal, 2050 aussehen wird.

Die ungarische Regierung prüft jedes Jahr in eigenen Untersuchungen, was die Menschen in Europa über diese Fragen denken. Wir interessieren uns nicht für ihre Führungen, weil deren Meinung uns bekannt ist und wir den Verdacht hegen, dass sie nicht mit den Meinungen ihrer Bevölkerungen übereinstimmen. Aus unseren diesjährigen Untersuchungen geht hervor, dass in 28 europäischen Ländern 81 Prozent der Bürger die Einwanderung als ein sehr schwerwiegendes oder schwerwiegendes Problem betrachten. 64 Prozent sind der Meinung, dass die Einwanderung die Kriminalität befördert hat. 59 Prozent sind davon überzeugt, dass die Einwanderung ihre Kultur verändert. Über die Leistungen Brüssels in der Handhabung der Migrationsfrage urteilten 76 Prozent, dass sie mangelhaft seien. Auf die Frage, ob man für die Lösung dieses Problems Brüssel mehr Macht übertragen oder die Nationalstaaten stärken solle, waren 36 Prozent für Brüssel, 51 Prozent für die Nationalstaaten. Im Falle Ungarns sagen 25 Prozent, also ein Viertel unserer Mitbürger, dass sie mehr Macht an Brüssel übertragen würden. Zum Glück sind aber 61 Prozent unserer Mitbürger der Meinung, dass Brüssel weniger Macht haben sollte, und sie meinen sogar, dass wir einen Teil der Macht, die wir vorher abgetreten haben, zurückverlangen sollten.

Integration kann nicht gelingen

Natürlich kann man im Zusammenhang mit der Frage, wer in Zukunft Europa bewohnen wird, das Argument vorbringen, dass die erfolgreiche Integration das Problem lösen werde. Es ist jedoch eine Tatsache, dass wir so etwas wie eine erfolgreiche Integration nicht kennen. Es ist offenkundig, dass die Migration nicht geeignet ist, wirtschaftliche Probleme zu lösen und den Arbeitskräftemangel zu beheben. Es ist interessant festzustellen, dass die Menschen in Europa am wenigsten davor Angst haben, dass ihnen die Migranten die Arbeitsplätze wegnehmen. Das zeugt von einer gewissen Lebenserfahrung. Schiffbrüchige können sich in einer verzweifelten Lage befinden und ihren immer größeren Durst mit Meerwasser stillen. Auch das ist Wasser, doch es stillt den Durst nicht sondern verstärkt nur die Not. In einer vergleichbaren Lage befinden sich jene, die glauben, die Probleme der Wirtschaft durch Migranten lösen zu wollen.

Ein weiteres Argument gegen die Möglichkeit erfolgreicher Integration ist dies: Wenn Menschen, die einander widersprechende Zielsetzungen verfolgen, in einem gemeinsamen System, im gleichen Land leben sollen, erwächst daraus keine Integration, sondern das Chaos. Es ist offensichtlich, dass die Kultur der Migranten in grundsätzlichem Widerspruch zur europäischen Kultur steht, und diese gegensätzlichen Ansichten und Werte können zusammen und gleichzeitig nicht verwirklicht werden, denn sie schließen sich gegenseitig aus. Um nur ein Beispiel zu nennen, Europäer wollen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind, für eine muslimische Gemeinschaft jedoch ist dieser Gedanke inakzeptabel, weil sie das Verhältnis von Mann und Frau als ein hierarchisches Verhältnis sehen. Diese beiden Werte können nicht gleichzeitig verwirklicht werden, irgendwann wird sich der eine oder andere durchsetzen.

Man könnte aber doch behaupten, dass die Gemeinschaften mit verschiedenen Kulturen, die zu uns kommen, umerzogen werden könnten. Doch die zur Zeit nach Europa einwandernden muslimischen Gemeinschaften betrachten ihre Kultur, ihren Glauben und ihre Lebensführung als wertvoller als unsere. Was die Achtung des Lebens, Lebensführung, Verpflichtungen und die Unterordnung individueller Interessen und Ansichten betrifft, sind die muslimischen Gemeinschaften stärker als die christlichen Gemeinschaften. Warum sollte sich jemand anstatt seiner eigenen, starken Kultur eine andere zu eigen machen, die schwächer ist? Sie werden das niemals tun, und deshalb kann auch eine auf Umerziehung beruhende Integration niemals erfolgreich sein.

Solidarität ist keine Zielsetzung europäischer Kultur

In der europäischen Politik wird häufig über Solidarität gesprochen. Als erstes möchte ich klarstellen, dass Solidarität keine Zielsetzung der europäischen Kultur ist. Das Ziel der europäischen Kultur ist, dass die dort geborenen Menschen ihren eigenen Überzeugungen und Werten entsprechend in Frieden, Sicherheit, Freiheit und Wohlstand leben können. Das ist die Zielsetzung der europäischen Kultur. Solidarität ist nur ein Mittel, und dieses Mittel kann die Stelle der Zielsetzungen nicht einnehmen. Das bedeutet, dass wir niemals solidarisch sein könnten mit Ideen, Menschen und Volksgruppen, die zum Ziel haben, das Wesen und den Stil dieser europäischen Kultur zu verändern. Mit jenen Gruppen und Ideen, die Gegner der europäischen Kultur und ihrer Ziele sind, können wir niemals solidarisch sein.

Ich will mich hier nicht in den deutschen Wahlkampf einmischen. Aber ich muss feststellen, dass es deutsche Politiker gibt, die von Scheitern und Absturz bedroht sind und nun ihre Popularität dadurch wiedergewinnen wollen, dass sie uns provozieren, uns glauben vorführen zu können und uns der mangelnden Solidarität bezichtigen. Dazu wären zwei Dinge zu sagen: Zum einen hat Ungarn sich selbst und damit Europa gegen die Migrantenflut verteidigt und vor ihr bewahrt. Das hat uns 260-270 Milliarden Forint (etwa 87 Millionen €) gekostet. Davon hat die Union einen Bruchteil erstattet. Also bitte, kein Gerede von Solidarität, so lange diese Summe Ungarn nicht erstattet wurde. … Zum anderen würde ich das Wort Solidarität als Deutscher nicht in den Mund nehmen, so lange deutsche Arbeiter für die gleiche Arbeit das Fünffache von dem erhalten, was ungarische Arbeiter in der gleichen deutschen Fabrik auf ungarischem Boden bekommen.

Aber Solidarität mit Polen

… Es gibt in Brüssel heute ein Bündnis gegen die Meinung der Menschen in den Mitgliedsländern. An diesem Bündnis sind die Brüsseler Bürokraten und Eliten sowie das, was man als das Soros-Imperium bezeichnen könnte, beteiligt. … Dort wo politische Führer und Eliten sich gegen das eigene Volk wenden, braucht man Inquisitoren. In den vergangenen vier Jahren war Viviane Reding der Hauptinquisitor, jetzt hat ihre Rolle Frans Timmermanns übernommen. … Zur Zeit ist das wichtigste Opfer der Inquisition die nationale Regierung in Polen, die geschwächt, gebrochen und zertrümmert werden soll. Ungarn verfolgt seine eigenen nationalen Ziele. Aber ich möchte klarstellen, dass Ungarn gerade wegen seiner nationalen und europäischen Zielsetzungen und wegen der ungarisch-polnischen Freundschaft niemals zulassen wird, dass dieser inquisitorische Feldzug gegen Polen Erfolg hat. Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten der Union dafür nutzen, mit Polen solidarisch zu sein.

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Twitter Tweets zu: Polen – Ungarn – Tschechien











Das polnische Dorf Spycimierz gibt an Fronleichnam alles — Blütenteppich der Superlative

Fronleichnam wird seit dem Mittelalter auch in Polen mit einer feierlichen Prozession gefeiert. Im Dorf Spycimierz legen die Bewohner dafür den längsten zusammenhängenden Blütenteppich im ganzen Land.

Mohnblumen, Händelwurz-Blüten, gelbe Kamille, Heide-Ehrenpreis oder die dunkelblaue Kornblume – wenn Jozefa Michalak wenige Tage vor Fronleichnam auf die Wiese hinter ihr altes Bauernhaus geht, erntet sie alles, was blüht und farbenfroh ist. „Alle aus unserer Familie helfen mit, und das ganze Dorf ist auf den Beinen“, sagt die 55-Jährige und pflückt weitere Blüten.

Tatsächlich: Nur vereinzelnde Blumen und Blüten sind noch auf den Wiesen um das 600-Einwohner Dorf Spycimierz bei Lodz vor Fronleichnam zu finden, und auch die Gärten der Einwohner wirken merkwürdig farblos. Denn jährlich am 60. Tag nach dem Ostersonntag verwandeln die Bewohner die kleine Straße vor ihren Häusern mit Blumen zu Polens längstem Fronleichnam-Blumenteppich.

„Ungeschriebene Pflicht“

Eine Friedenstaube, ein Kirchengebäude, Kreuze oder das Konterfei des „polnischen Papstes“ Johannes Paul II. sind entlang des fast zwei Kilometer langen Blumenteppichs aus Naturmaterialien geformt. Seit dem Morgen ist Michalak auf den Beinen, um die Motive vor ihrem Gartenzaun auszulegen. „Wenn man hier wohnt, dann ist es eine ungeschriebene Pflicht“, sagt die 55-Jährige, die längst in der nächsten Kleinstadt wohnt und jährlich zu ihrer Familie aufs Dorf zurückkehrt.

Gutes Timing ist wichtig, denn zu früh dürfen die Blüten nicht auf den Teppich gelegt werden, ergänzt Pan Marek, ein Nachbar. „Die Blumen gehen kaputt, wenn sie zu lange in der Sonne liegen.“ Der 60-Jährige hat gleich den Gartenschlauch zur Hand und wässert den Teppich vor seinem fast hundert Meter langen Grundstück. Er selbst, wie auch manch andere Nachbarn verwenden Sand als Unterlage für die Blüten. Dieser dient als Wasserspeicher und – in verschiedenen Farbtönen – als Dekoration.

Mehr als bunte Blumen

Sand ist mittlerweile nicht der einzige „Zusatzstoff“. Längst gestalten die Dorfbewohner ihren Zwei-Kilometer-Blumenteppich flexibel und arbeiten auch Getreide- und Maiskörner, Tannenzapfen und bunte Steinchen in die Motive ein. Es gebe keinen Wettbewerb um die schönsten Arrangements, versichert Pan Marek. „Aber wir schauen schon, was die Nachbarn haben“, schmunzelt der 60-Jährige.

Nicht nur die Dorfbewohner schauen sich an, welche Motive aus welchen Blüten die Nachbarn vor ihren Häusern gelegt haben. Spycimierz hat für seinen langen Blumenteppich längst polenweit Berühmtheit erlangt. Kilometerlange Autoschlangen stehen Fronleichnam vor der Dorfeinfahrt, denn jährlich zieht der Blumenteppich der Superlative 70.000 Touristen an. In Spycimierz ist der Feiertag durch Imbiss- und Verkaufsstände zum „Volksfest“ gewachsen.

Eine kurze Geschichte

Boze Cialo, wie Fronleichnam auf Polnisch genannt wird, ist im katholischen Polen ein gesetzlicher Feiertag. Das Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi, wie der liturgische Kalender es bezeichnet, wurde durch eine päpstliche Bulle von 1264 zum Fest der Gesamtkirche erhoben. In Polen fand es Mitte des 15. Jahrhunderts Einzug in den Glaubensalltag und wird seitdem in den Pfarreien traditionell mit einer Prozession begangen.

Die Fronleichnamsprozession in Spycimierz selbst blickt auf eine „nur“ rund 200-jährige Geschichte. Napoleons Truppen sollen den Brauch nach Spycimierz gebracht haben, sagt Wojciech Kazmierczak, Pfarrer der örtlichen Gemeinde. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zieht sich der Blumenteppich durch den gesamten Ort, und fast alle Anwohner entlang des Prozessionszugs machen mit.

Nicht allein

„Zum Glück muss ich nicht alleine vor meinem ‚Anwesen‘ den Teppich legen“, sagt der Geistliche und deutet auf den mehreren Hundert Meter langen Streifen vor dem Pfarrhaus und der Kirche. Als Pfarrer ist er für den Ablauf der Feier zuständig, ebenso für die Absprachen mit Feuerwehr und Polizei.

Er selbst ist noch nie über den grünen Teppich geschritten. Denn ein ranghöherer Zelebrant – häufig der Bischof oder Weihbischof der Erzdiözese Lodz – leitet das Hochfest in dem sonst beschaulichen Dorf. Bei der Prozession nach dem Nachmittagsgottesdienst trägt dieser dann die Monstranz unter dem Baldachin zu den vier Altären.

Dutzende Ministranten, Blaskapelle, zahlreiche Fahnen- und Figurenträger und Kommunionkinder gehen der Monstranz voran. Dass dabei die liebevoll gestaltenden Blüten-Arrangement zertrampelt werden, nimmt Jozefa Michalak mit Gelassenheit. „Das wird weggefegt, und die Blumen wachsen ja wieder“, sagt sie. Ihr Nachbar Pan Marek pflichtet bei und vergleicht Fronleichnam mit einer Hochzeit. „Da werden Torten und die Deko aufwendig vorbereitet, und am Ende gehen alle satt nach Hause.“

Markus Nowak

(KNA)

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Polen: „Bewahrt eure geistliche und kulturelle Tradition“

Gniezno, Kathedrale / Wikimedia Commons – Diego Delso, CC BY-SA 3.0

In seinem Gruß an die Pilger polnischer Sprache
erwähnt Franziskus das Fest des heiligen Adalbert

„Bewahrt eure geistliche und kulturelle Tradition für die künftigen Generationen am Leben.“ Diese mahnenden Worte richtete Papst Franziskus im Laufe der Generalaudienz am Mittwoch, dem 26. April 2017, an die Pilger polnischer Sprache auf dem Petersplatz.

In seinem Grußwort erinnerte er die Pilger an das Fest des heiligen Adalbert (um 956 – 997), Schutzpatron Polens und Märtyrer, dessen Gedenktag am 23. April begangen wurde.

Der Gedenktag sei auch eine Gelegenheit gewesen, um das 600-jährige Jubiläum der Einrichtung des Primatsitzes von Gnesen (Gniezno) zu feiern, so Franziskus, der vor einigen Tagen eine Botschaft an den Gnesener Erzbischof und Primas von Polen, Msgr. Wojciech Polak, geschickt hatte.

„Ich vertraue alle Hirten und Gläubigen der Kirche Polens dem Schutz dieses großen Bischofs und Märtyrers an, der die Evangeliumsbotschaft und das Zeugnis des christlichen Lebens in euer Land brachte“, fuhr Franziskus fort.

„Bewahrt eure geistliche und kulturelle Tradition, die aus seinem Blut entstanden ist, für die künftigen Generationen am Leben“,  so sagte er zum Schluß.

[Unter Mitarbeit von Sarah Fleissner]

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Erzbischof Joachim Kardinal Meisner – Predigt im Fatima-Heiligtum in Zakopane / Polen am 13. August 2006

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

1. Als die Muttergottes vor 89 Jahren ihren Fuß auf den äußersten Westrand Europas, auf Fatima in Portugal, gesetzt hat, da hatte sie dieses herrliche Stückchen Erde Zakopane im Südosten Mitteleuropas schon mit im Blick, sodass dann hier dieses herrliche Fatima-Heiligtum entstehen konnte. Hier im Fatima-Heiligtum von Zakopane sind Kultur und Natur, Gottesdienst und Schöpfungsherrlichkeit zu einer unvergleichlichen Symbiose zusammengewachsen. „Selig bist du, Zakopane, weil du geglaubt hast!“, dürfen wir hier sagen, wie Elisabeth in ihrem Hause zu Maria. Auch von hier aus wurde, wie von allen Fatima-Heiligtümern der Welt, dem Reich des Bösen Einhalt geboten. Die Fatima-Heiligtümer sind der Wüstenort, an dem die apokalyptische Frau mit ihrem Kind vor dem Drachen geflüchtet ist. Und gerade von hier aus wurde der Teufel, der alte Drache, besiegt. Wir sind berufen, in den Fatima-Heiligtümern bei Maria in die Schule zu gehen, um den Willen Gottes für unser Leben zu erlernen. Maria steht nicht haushoch über uns, sondern sie lebt geschwisterlich neben uns. Sie hilft uns, den Willen Gottes zu erkennen und zu befolgen. Denn wir haben – wie Maria – nur ein einziges Leben. Darum gibt es Leben, Liebe und Glaube nicht auf Probe, sondern hier ist sofort Ernstfall. Im Vollzug unseres Lebens gibt es keine verantwortungsfreie Zeit der Fahrschule wie im Verkehrswesen, sondern hier fängt man gleich als vollverantwortlicher Verkehrsteilnehmer an. Hier dürfen wir uns keine Fehlstarts leisten. Maria war zwar ohne Erbsünde, aber sonst hatte sie ein ganz normales menschliches Leben zu bewältigen wie wir auch.

2. Immer wenn ein Mensch geboren wird, dann weint er bittere Tränen, aber die Mitwelt, die Mitmenschen, die Angehörigen und die Familie freuen sich, dass ein neuer Mensch zur Welt gekommen ist. Und am Ende unseres Lebens sollte es genau umgekehrt sein: Dann sollte der sich freuen dürfen, der nun zum himmlischen Vater nach Hause gehen darf, und unsere Angehörigen, unsere Mitmenschen, sollten ein wenig weinen dürfen, weil wir ihnen dann fehlen werden. Im Leben der Gottesmutter Maria war es jedenfalls so. Wer einmal vor dem unvergleichlich schönen Marienaltar in der Marienkirche auf dem Marktplatz in Krakau gestanden ist, der wird den Anblick der Mutter Christi nicht mehr vergessen können, die sterbend mit einem österlichen Lächeln auf dem Antlitz in die Arme der weinenden Apostel sinkt. Und wenn wir fragen: „Warum war das denn so stimmig im Leben der Muttergottes?“, dann müssen wir darauf antworten: „Weil sie dort nicht fehlte, wo sie nötig war!“.

3. Maria fehlte nicht in der Kammer von Nazareth, am Ort schweigender Verfügbarkeit und glühender Anbetung vor dem lebendigen Gott. Immer sind die Engel Gottes mit den Ratschlüssen Gottes unterwegs, um uns den Willen Gottes erkennen zu lassen. Aber wir sind nicht im Haus. Wir sind außerhalb von uns selbst. Deshalb werden die Engel Gottes die Ratschlüsse Gottes für uns nicht los. Es ist gar nicht auszudenken, wenn Maria damals nicht in der Kammer von Nazareth gegenwärtig gewesen wäre. Dann wäre der Engel mit der Botschaft Gottes umsonst gekommen, dann hätte es keine Menschwerdung Gottes und keine Erlösung gegeben, dann wäre alles bei der alten Sünde geblieben. Ein Glück, dass Maria dort nicht fehlte, wo sie nötig war: gegenwärtig vor dem Angesichte Gottes und verfügbar für den Willen Gottes. Sie fehlte dort nicht, wo sie nötig war. Und hier sind wir berufen, ihr geschwisterlich ähnlich zu werden. Auch in unserem Leben muss es das Haus von Nazareth geben, den Ort unserer Gegenwart vor dem Angesichte des lebendigen Gottes, den Raum schweigender Verfügbarkeit und glühender Anbetung. Auch heute noch sind die Engel Gottes permanent unterwegs, um uns ihre Botschaften zu überbringen. Aber sie sind dabei oft erfolglos, weil wir zuweilen dort fehlen, wo wir nötig sind, weil wir nicht zu Hause sind. Darum ist ja die Welt oft so ratlos im privaten wie im öffentlichen Leben, in den Familien wie in der Gesellschaft. Maria konnte sich bei den Kindern von Fatima bemerkbar machen, weil sie gegenwärtig waren: im Raum der Verfügbarkeit vor dem Angesichte des lebendigen Gottes. Die seligen Kinder von Fatima sind uns dazu eine liebevolle Einladung.

4. Dass wir dort nicht fehlen, wo wir nötig sind – wie Maria: im Lebensraum mitten unter den Menschen. Dafür steht im Neuen Testament der Hochzeitssaal der Brautleute von Kana in Galiläa. Ein Glück, dass Maria dort nicht fehlte! Denn dann hätte es von einem bestimmten Zeitpunkt an bei dieser Hochzeit keinen Wein mehr gegeben, sondern höchstens Saft. Und mit Saft kann man keine Hochzeiten feiern. Maria aber war dabei, und zwar mit ihren guten Augen. Mit ihnen entdeckte sie schon den Mangel hinter der glänzenden Fassade einer Hochzeitsgesellschaft, bevor es der Öffentlichkeit bekannt wurde. Und dann ging sie zu den Personen, bei denen Abhilfe zu erhoffen war. Sie ging mit der bittenden Feststellung zu ihrem Sohn: „Sie haben keinen Wein mehr“ (Joh 2,3). Und sie wandte sich an die Tischdiener und sagte ihnen: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5). Dann ließ der Herr aus dem Mangel die Fülle werden, aus der mangelnden Qualität die höchste Qualität, sodass der Speisemeister den Brautleuten den Vorwurf machte: „Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zuviel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten“ (Joh 2,10). Christus ist der Mensch der Fülle. Die 6 steinernen Wasserkrüge, die voll des besten Weines waren, konnte niemand mehr austrinken. So wie bei der wunderbaren Brotvermehrung mit 5 Broten Fünftausend satt wurden und die übrigen Stücke noch in 12 Körben eingesammelt werden mussten, weil sie niemand mehr aufessen konnte. Christus ist kein Hungerkünstler der Liebe, sondern der Mensch der Fülle Gottes. Ein Glück, dass Maria dort nicht fehlte, wo sie nötig war, eben bei den armen Brautleuten von Kana in Galiläa. Das gilt aber auch für uns, dass wir dort nicht fehlen, wo wir nötig sind: mitten unter den Menschen mit den guten Augen Mariens, die hinter den glänzenden Fassaden den Mangel, die Hilflosigkeit und ihre Not in den Blick bekommen. Dann heißt es auch für uns, dorthin zu gehen, wo die Möglichkeiten der Abhilfe gegeben sind. Da ist zunächst immer der Herr, zu dem Maria ging und sagte: „Sie haben keinen Wein mehr“. Zu ihm gehen wir in unseren Gebeten, in denen wir dem Herrn sagen, was unseren Mitmenschen und vielleicht auch uns selbst fehlt. Dann sollten wir – ebenfalls wie Maria – zu Mitmenschen gehen, die der Herr für seine Hilfsaktionen mit einbeziehen möchte. „Was er euch sagt, das tut!“. Dass wir auch dort nicht fehlen – wie Maria – wo wir nötig sind: im Lebensraum mitten unter den Menschen.

5. Und dass wir schließlich auch dort nicht fehlen, wo wir nötig sind – wie Maria – im pfingstlichen Abendmahlssaal zu Jerusalem, d.h. inmitten der Kirche Gottes. Nach der Himmelfahrt des Herrn hatten sich die Apostel aus Angst vor den Juden und den Hohenpriestern versteckt. Maria sammelt nun die Zerstreuten aus ihren Verstecken und führt sie zusammen unter das gleiche Dach, an den gleichen Tisch und in den gleichen Raum, nämlich in den Abendmahlssaal zu Jerusalem. Hier leitet sie mit den versammelten Jüngern die erste Pfingstnovene, an deren Ende dann das Kommen des Heiligen Geistes geschenkt wird und damit die Geburtsstunde der Kirche schlägt. Die Kirche nennt den Teufel den „Diabolos“, den „Durcheinanderwerfer“, der das Gesammelte zerstreut und das Vereinte auseinanderreißt. Maria aber ist die große Gegenkraft: Sie steht gegen den Diabolos als „Sammlerin“, d.h. als „Zusammenfügerin“, als diejenige, die das Zerstreute sammelt und das Auseinandergerissene wieder zusammenfügt. Sie bringt die Apostel zusammen, sodass der Urgemeinde dann der Heilige Geiste geschenkt werden kann. Der Kirche wird damit die Seele eingehaucht. Ein Glück, dass Maria damals nicht fehlte, wo sie nötig war! Und das ist auch für jeden von uns wichtig. Jeder lebt in einer Pfarrgemeinde. Und da gibt es auch Kräfte, die das Gesammelte zerstreuen, und Mächte, die das Zusammengefügte auseinanderreißen möchten. Dann sind wir aufgerufen, dass wir dort nicht fehlen, wo wir nötig sind. Wir sind aufgerufen, unseren Schwestern und Brüdern, die nicht mehr am Leben unserer Pfarrgemeinden teilnehmen, die an den Rand geraten sind, nachzugehen – wie Maria den Aposteln –, sie zu suchen, sie zu sammeln, sie zusammenzuführen und mit ihnen zu beten, damit uns der Heilige Geist geschenkt werde. Dass wir dort nicht fehlen, wo wir nötig sind wie Maria: im Lebensraum unserer Pfarrgemeinden, unserer Ordenskonvente, unserer Kirche.

6. Wenn ein Mensch geboren wird, dann weint er bittere Tränen, aber die Mitmenschen freuen sich, dass ein Mensch geboren worden ist. Das liegt bei uns mehr oder weniger weit zurück. Aber das andere Geschehen, nämlich dass wir uns dann freuen dürfen, aber unsere Mitmenschen, die wir verlassen, dann ein wenig weinen sollten, das liegt noch vor uns. Wie weit, das weiß niemand von uns. Das müssen wir auch gar nicht wissen, wenn wir nur jetzt dort nicht fehlen, wo wir nötig sind wie Maria: in der Kammer von Nazareth, d.h. im Lebensraum vor Gottes Angesicht in schweigender Anbetung und glühender Verfügbarkeit, im Hochzeitssaal von Kana in Galiläa, d.h. im Lebensraum mitten unter den Menschen, um ihre Not zu erkennen und um uns ihrer anzunehmen, und schließlich im Abendmahlssaal von Jerusalem, d.h. mitten im Leben unserer Pfarrgemeinden, dass wir dort mithelfen, das Zerstreute zu sammeln und das Auseinandergerissene zusammenzufügen. Dann dürfen wir wie Maria auf dem Marienaltar in der Marienkirche von Krakau heimgehen und mit dem österlichen Lächeln auf dem Angesicht in die Arme unserer weinenden Angehörigen sinken. Maria lächelt, die anderen weinen. Wir werden lächeln, die anderen werden weinen. Warum? – Weil sie und wir dort nie fehlten, wo sie und wir nötig waren. Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner Erzbischof von Köln

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Kulturkämpfe, Kirche und Staat: Auf den Spuren der göttlichen Barmherzigkeit

Dritter und letzter Teil des großen EWTN-Interviews
mit Erzbischof Marek Jedraszewski

Von Robert Rauhut

Seit kurzem ist er dritter Nachfolger des heiligen Johannes Paul II. als neuer Erzbischof von Krakau: Der profilierte Oberhirte, langjährige Professor für christliche Philosophie und heute stellvertretende Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Marek Jedraszewski. Im EWTN-Interview, aufgenommen mit Robert Rauhut im Umfeld des Weltjugendtages 2016, spricht er unter anderem über das Verhältnis von Kirche und Staat, echte Toleranz, Kulturkämpfe und Euthanasie.

Das Interview ist auch in der Reihe „Polonia semper fidelis“ beim katholischen Fernsehsender EWTN zu sehen. Weitere Infos hierzu finden Sie auf www.ewtn.de und auf der Facebookseite von EWTN. (Lesen Sie den ersten Teil und den zweiten Teil des Gesprächs.)

Robert Rauhut: kommen wir noch einmal zum Verhältnis zwischen Kirche und Staat, Kirche und Kultur. Heutzutage besteht eine Tendenz, auch innerhalb der Kirche, zu sagen: die Zeit der so genannten kulturellen Konfrontation ist vorbei. Dazu gehören ja Themen wie die Verteidigung des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod,  die Bioethik, die Technologien, die Globalisierung, eine große Palette. Manche sagen, die Zeit dieser Themen ist vorbei, Kirche ist Caritas, und soll für Suppenküchen sorgen oder andere gute Werke tun. Mehr nicht. Wie soll man hier reagieren? Droht die Kirche tatsächlich als NGO zu enden?

Erzbischof Jedraszewski: Ich würde vielleicht folgendermaßen antworten. Im Dekalog finden sie kein Wort darüber, dass die Armen mit einer Suppe oder mit einer Heimunterkunft versorgt werden sollen. Im Dekalog steht aber: du sollst nicht töten. Du sollst nicht lügen. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst Vater und Mutter ehren. Du sollst nicht stehlen. Stellen Sie sich jetzt vor, dass die Kirche plötzlich den Dekalog aufgibt, um sich unter den vielen – sehr wichtigen und nützlichen – karitativen Organisationen vorfinden zu dürfen. Damit wäre ihre Identität verleugnet. Ich spreche hier vom Dekalog, aber das zweite Antlitz des Dekalogs ist das, wovon ich unter Heranziehung des Doppelgebots von Jesus Christus gesprochen habe: Du sollst lieben! Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Erklären Sie mir, wie ich sagen kann, dass ich einerseits meinen Nächsten liebe und andererseits der Abtreibung zustimme, das heißt der Tötung eines ungeborenen Kindes? Oder der Euthanasie zustimme. Welche Gestalt hat diese Liebe? Und als Substitut, damit man sein allgemeines Wohlbefinden stärken kann, steht die Teilnahme an karitativen Unterfangen.

Sie unterstreichen, dass wir alle, als Katholiken, als Geistliche, Laien, dass jeder dazu berufen ist, die katholische Perspektive in den Dialog einzuführen. Sie haben aber auch das Jahr 1968 erwähnt, die kulturelle Revolution. Der klassische Marxismus mag vorbei sein. Aktuell ist es aber der kulturelle Marxismus, der im Westen eine starke Position hat. Ist diese Strömung gefährlich? Wie begegnen wir den Herausforderungen aus der Perspektive der christlichen Anthropologie?

Soweit ich den Neomarxismus kenne… zum Glück kenne ich ihn eher aus der Literatur und nicht aus der direkten Konfrontation, wobei einige Elemente des Neomarxismus bzw. der neumarxistischen Anthropologie, wie auch immer wir das nennen würden, sind schon in Polen angelangt, haben auch in Polen ihre Position, – vor allem in der akademischen Wirklichkeit – erlangt. So ist die Wahrheit. Inwiefern sich die polnische Gesellschaft dessen bewusst ist, das ist schon eine andere Frage. Diese Einflüsse dürfen jedoch keinesfalls gering geschätzt werden.

„abgesperrt und ausgelacht werden“

Nun, außer Zweifel steht, dass es ein Zusammenstoß zweier Anthropologien, zweier Menschenverständnisse ist. Das eine – unter Bezug auf Marx, und noch früher, auf Hegel – argumentiert, dass der Konflikt das Wesentliche ausmacht, dass aus dem Konflikt neues Leben, die Zukunft, eine richtige Entwicklung hervorgehen. Der Konflikt soll auch zur Eliminierung des Gegners führen, wenn nicht direkt, körperlich, dann zu einer solchen, dass ihm der Mund zugemacht wird, indem er in der Sakristei – jetzt nicht mehr wie in kommunistischen Zeiten, sondern unter neuen Bedingungen – abgesperrt bleibt, ausgelacht wird, ausgebürgert wird.

Die andere Auffassung spricht vom Menschen, der seine Natur hat und dadurch seine persönliche Würde. Von diesem Menschen dürfen wir nicht sagen, wenn wir das katholische, breiter gesagt, das christliche Menschenverständnis annehmen – von diesem Menschen dürfen wir nicht sagen, dass das Leben eine gewisse Wanderung ist, die – nicht mal zum Zeitpunkt der Empfängnis, das wird eliminiert – bei der Geburt ansetzt und mit dem Tod endet, wobei es auch beim Tod nicht feststeht, ob es sich um den natürlichen Tod oder den sogenannten „guten“ Tod, das heißt Euthanasie, handeln sollte. Und das ist es. Dieses Menschenverständnis wird propagiert. Es ließe sich auf Kriterien reduzieren, nach denen mehr oder weniger Tiere leben. Ein Maximum an Vergnügen, ein Minimum an Leiden.

„Ein Wesen, das zum ewigen Leben berufen ist“

Natürlich ist das Vergnügen auch eine der Dimensionen des Lebens – das ist etwas sehr Gutes. Kann aber nicht das Ziel an sich sein. Mehr noch, Werte müssen in einer angemessenen Hierarchie angeordnet werden, in der die ideellen Werte über den hedonistischen stehen. Und über all denen steht die Vision, die alles umfasst, den gesamten Menschen, eine Vision, die besagt, dass der Mensch nicht nur auf dieser Erde verankert ist. Dass er nicht nur ein Tier ist, das für sich selbst besser als die anderen Tiere sorgen konnte und sich die anderen Tiere unterstellt, oder andere Lebewesen seinem Egoismus untergeordnet hat. Nein, das ist ein Wesen, das zum ewigen Leben berufen ist. Eigentlich ist die Perspektive der Transzendenz schlüssig. Und unsere Konfrontation – wenn wir von der Ebene des Zusammenstoßes bestimmter Theorien sprechen aber auch auf der Ebene des Lebens, das heißt einer gewissen Praxis – sollte durch die Frage aufgelöst werden: sehe ich mich selbst in der Perspektive der Ewigkeit, von der Jesus Christus spricht und zu der er mich aufruft. Oder ob ich damit einverstanden bin, dass ich eins der Lebewesen dieser Erde bin, das ohne ein bekanntes Ziel zur Welt kam…

…ein Zustand des Vegetierens ist es, oder?

Ja, ein Vegetieren, das man sich mit Vergnügen ein bisschen versüßt, wenn ich es so sagen darf. Oder man kann es wie Sartre ausdrücken: es ist ein Fluch, dass wir geboren wurden und es ist ein Fluch, dass wir sterben werden. Das heißt, von Anfang an schwebt über uns ein Fluch. Hier hat ihre Wurzeln auch eine andere Denkweise, die in der modernen philosophischen oder ethisch-philosophischen, anthropologischen Literatur auch ihre Widerspiegelung findet: es ist eine Sünde, oder besser gesagt, es ist etwas Böses – denn Sünde ist eher ein Religionsbegriff –  meinen Kindern leben zu schenken. Denn, wenn ich ein Kind habe, verdamme ich es zum Fluch, das heißt, dass es zur Welt kommt, es sterben müssen wird und dass auf dieses Kind zwischen Geburt und Tod mehrmals Leiden, und zwar wahrscheinlich kein geringes Leiden, zukommt. Ich darf es nicht tun, es würde mich mit Schuld belasten.

Es würde sich hier eine ausgezeichnete Unterscheidung anbieten, die ich vor kurzem in der Philosophie von Rémi Brague, einem bekannten Philosophen aus Paris, gefunden habe. Er behauptet, man müsse unterscheiden zwischen aimer vivre und aimer la vie. Aimer vivre bedeutet, das Leben lieben, eigenes Leben, ein Leben voll von Vergnügen, Freude und alles andere vergessen. Da ist was Schönes dran! Zweifellos. Damit ist aber nicht erschöpft, was unter aimer la vie verstanden wird – das Leben als Wert an sich lieben, einen Wert, den man den nächsten Generationen weitergeben will. Das bedeutet aber ein Vertrauen, eine Hoffnung auf das Leben, die ohne Bezug auf Gott nicht möglich ist.

Der Unterscheidung von Rémi Brague  wird eine nihilistische Vision gegenübergestellt, die im gewissen Sinne postmodern ist, mit häufigen Bezügen auf Heidegger, Nietzsche und andere Protagonisten. Wir haben einen christlichen, katholischen Anhaltspunkt. Das Fundament bilden hier der Transzendenzbezug und der Bezug auf die Inkarnation. Was für eine Strategie – wenn wir es überhaupt Strategie nennen können – sollen wir Katholiken annehmen, damit diese Frage nach Gott im Zentrum der gesamten Wirklichkeit steht? Wie kann dies belebt werden, so dass die Gnade das vervollständigt, was die Natur bereits macht?

Es ist eine fundamentale Frage. Es ist aber schwierig eine eindeutige Strategie festzulegen und diese dann umzusetzen. Allerdings ist meiner Ansicht nach sehr wichtig, dass unser Denken über den Menschen nicht nur auf anthropologische Fragen reduziert wird. Das heißt dass das Denken nicht nur auf mich konzentriert bleibt. Sonst droht uns, nicht immer, aber oft ist es so, dass aus unserem Horizont der Bezug auf die Transzendenz, der Gottesbezug verschwindet. Es wird zu wenig über Gott gesprochen, oder anders: wir als Katholiken trauen uns nicht über Gott zu sprechen. Wir fliehen vor Ihm. Denken Sie an die Diskussionen der zweiten Hälfte der 90er Jahre darüber, ob Gott in die Europäische Verfassung gehört oder nicht. In diesen Diskussionen hat sich auch Johannes Paul II. sehr engagiert. Er meinte, dass der Gottesbezug dorthin unbedingt gehört, unabhängig davon, welchen Inhalt die einzelnen Menschen diesem Begriff zuschreiben. Dieser wird nämlich immer so verstanden werden, dass es sich da um einen Transzendenzbezug handelt – bei der Auffassung von uns selbst, unserer Existenz, unserer Bestimmung. Ohne diesen Bezug verlieren wir uns selbst.

„das Sprechen über Gott ist etwas, worüber man schamhaft zu schweigen hat“

Die Initiativen, die Bitten des Papstes wurden – wie wir wissen – abgelehnt. In diesem Europäischen Vertrag fehlt der Begriff Gott. Mehr noch, es wird versucht uns einzutrichtern, dass das Sprechen über Gott jemanden verletzen könne, deshalb sei es besser, wenn wir über Gott gar nicht sprechen. Es lässt sich mit der Situation vergleichen, wenn wir über uns sagen würden, dass wir zwar das Gehirn haben, aber kein Herz. Dieses Bild habe ich der Anatomie des Menschen entnommen. Wir dürfen nämlich nicht behaupten, dass ein Teil des menschlichen Körpers ein Ganzes bildet oder all das erschöpft, was einen Menschen ausmacht. Dies ist ein Bild der kulturellen Wirklichkeit, in der wir leben und in der es keinen Platz für Gott gibt und das Sprechen über Gott ist etwas, worüber man schamhaft zu schweigen hat, was man zu vermeiden hat, etwas, was verletzen kann. Eine umgekehrte Position wird gar nicht berücksichtigt, denn ein totales Schweigen über Gott kann – eigentlich „soll“ sogar – denjenigen verletzen, der sich zu Gott bekennt und der, nach seinen Möglichkeiten, gemäß den Geboten Gottes leben will.

Der wahren Toleranz bedarf es meiner Meinung nach, dass sowohl die einen als auch die anderen ihre Stimme hören lassen dürfen. Und nicht, dass die einen, ihrer Gewissheit wegen, den anderen ihr Recht darauf verweigern, dass ihre Stimme gehört wird. Deshalb soll Gott in dem Diskurs, der nicht nur im politischen Raum, sondern auch im kulturellen Raum stattfindet, in allen Dimensionen der Kultur präsent sein. Schauen Sie sich die amerikanischen Filme aus den 60er Jahren über Cowboys und so weiter an. Da wurde manchmal gezeigt, wie sie sich im Kreis ihrer protestantischen Familie an den Esstisch setzten und ihre Mahlzeit mit einem Gebet begannen. Zeigen Sie mir einen amerikanischen Film von heute, der eine solche Szene hat!

Erstmal säßen da wahrscheinlich nicht so viele Personen am Tisch, oder vielleicht eine Patchworkfamilie.

Das was Sie sagen, ist im Grunde genommen tragisch. Das ist ein Anzeichen des Untergangs einer bestimmten Zivilisation, wenn es so weitergeht, vom biologischen Standpunkt aus betrachtet. Sie sehen, wozu es gekommen ist, welche gesellschaftlichen Strukturen entstanden sind, nachdem Gott eliminiert worden ist. Gott, der unser aller Vater ist und der möchte…

Wird der Vater marginalisiert, so wird auch das Kind marginalisiert. Das heißt marginalisiert wird der Mensch. Der Mensch erlischt.

Ja, erlischt. Auch seine Zukunft erlischt.

Und wie führen Sie Ihren Dialog? Der Dialog ist ein Spezifikum in Ihrer Diözese…

Als ich vor vier Jahren hierher kam, besuchten mich die jungen Priester und sagten: Lassen Sie uns vielleicht „Dialoge mit dem Erzbischof“ organisieren. Dann fragte ich sie: Aber wo? Sie schlugen vor: Wir würden eine Aula finden und dort würden wir uns treffen. Ich habe gesagt: Nein. Ich habe keine Angst vor dem Auftreten in einer Aula, im Gegenteil, ich mache es sehr gerne. Wenn ich aber als Dozent oder Professor in einer Aula auftrete, so wird unser Dialog einen philosophischen oder religionswissenschaftlichen Charakter haben. Das ist selbstverständlich so und so sollte es auch sein. Ich möchte aber in meiner Eigenschaft als Erzbischof sprechen dürfen. Deshalb muss der Ort dieses Treffens meine Kathedrale sein, von wo aus ich als Bischof lehre. Ich möchte auch, dass diese Treffen die Form eines Dialogs haben.

Und so entstanden die Dialoge – wir haben die Form der Treffen, die ununterbrochen bereits vier Jahre lang, jeden Monat, stattfinden, etwas geändert. In die Kathedrale kommen immer sehr viele Menschen. Die Themen der Treffen werden für das ganze Jahr im Voraus festgelegt. Alle können sich auf diese Treffen vorbreiten, Fragen auch früher stellen, per Internet oder per Fragekasten. Ich lese und ordne mir die Fragen, bereite mich vor, um sie beantworten zu können. Allerdings ist ein Drittel der Zeit immer für freie Fragen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen vorgesehen. Sie können alles fragen. Ich kenne sie nicht, jeder von ihnen hat seine Erfahrungen.

Probleme und Angelegenheiten erzählen

Einmal kam jemand, der sich als qualifizierter Atheist bezeichnet hat. Eine sehr bunte Person. Auch er durfte kommen und Fragen stellen und ich habe diese Frage ernst genommen, habe mich bemüht sie in aller Öffentlichkeit zu beantworten. Und wenn diese Treffen bereits vier Jahre stattfinden – ursprünglich waren sie nur für ein Jahr vorgesehen und hingen zusammen mit dem von Benedikt XVI. ausgerufenen Jahr des Glaubens – so bedeutet es, dass die Menschen sie brauchen, dass man diese Treffen eine Art Katechese für Erwachsene nennen könnte. Aber auf jeden Fall kann man sagen, dass es ein Forum ist, wo sich der Bischof mit den Menschen trifft, mit ihren Problemen, oft sehr dramatischen persönlichen Problemen, die öffentlich geäußert werden. Jeweils im Anschluss an diese Treffen muss ich noch eine weitere Stunde bleiben, weil sich Leute anstellen, um mir über ihre Probleme, ihre Angelegenheiten zu erzählen.

Nicht alles wird sofort beantwortet – manchmal sind es formelle Angelegenheiten und ich erkläre, wie in diesen Sachen vorgegangen werden kann. Manchmal ist es so, dass jemand über sich selbst, seine Probleme erzählen, etwas fragen will. Für mich als Bischof ist es wunderbar, Menschen hören zu dürfen, die den Mut haben, zu kommen und ihre oft schwierigen, dramatischen Angelegenheiten mit uns zu teilen, hier Hilfe zu suchen, mit all dem Vertrauen darauf, dass sie nicht zurückgewiesen werden und dass sie gehört werden. Ja, sie werden gehört, sie sind aufgehoben. Wir bilden eine Kirche.

Eine letzte Frage. Sie haben über den Dialog erzählt, in dem Glaube und Vernunft aufeinandertreffen. Fides et ratio. Aber es ist auch ein Treffen mit der Kultur. Der Dialog wird in der Kultur sichtbar, in der Kultur des Dialogs. Sie haben auch erwähnt, dass, wenn wir unsere Ursprünge, unsere Wurzeln vergessen – diesen Faden, der zum Himmel führt – der Mensch stirbt. Wir erfahren heutzutage sehr viele krisenhafte Phänomene aber als Christen sollen wir Freude ausstrahlen und Hoffnung gegen alle Hoffnung verkünden, wie es der Heilige Paulus sagen würde. Welche Bedeutung hat vor dem Hintergrund dieser Krisen die Botschaft der Barmherzigkeit?

Die Botschaft der Barmherzigkeit – ich weiß nicht, ob sie es wissen – nimmt hier, in Łódź, ihren Anfang. Denn als junge Frau hat Helena Kowalska in Łódź gearbeitet. Und hier, auf einer Tanzveranstaltung im Park, der damals den Namen „Wenecja“ also „Venedig“ trug, hatte sie plötzlich, wie sie in ihrem Tagebuch schreibt, eine Vision des Leidenden Christus, der sie fragte: wie lange wirst du mich noch täuschen? Sie machte sich auf den Weg zu der nächsten Kirche. Das war die Kathedrale. Hier. Dort hörte sie: geh möglichst schnell ins Kloster. Und sie wusste schon, was sie zu tun hat. Sie erhob sich, denn sie kniete vor dem Allerheiligsten, erhob sich, nahm ihre Sachen und mit einem einzigen Kleid fuhr sie nach Warschau.

Die Stadt hier war damals ganz anders als heute. Łódź war eine Industriestadt, eine multikulturelle Stadt, eine Stadt von verschiedenen Religionen. Ich will nicht sagen, dass es eine intolerante Stadt war, im Gegenteil. Soweit ich es herausfinden konnte, machten ein Drittel die Juden, ein Drittel die Deutschen und ein Drittel die Polen aus. Die Juden besaßen die meisten Fabriken, sie waren deren Inhaber, es gab aber auch sehr arme Juden aus niedrigen Gesellschaftsschichten. Die Deutschen waren meistens Ingenieure und Führungskräfte in diesen Fabriken, die Polen bildeten das verarmte Proletariat. Sie konnten aber zusammenleben.

Der Funke der Liebe

Trotzdem gab es hier viel an realer Armut. Nicht nur wirtschaftlicher Armut, sondern auch der moralischen. Vor allem unter Menschen, die für geringes Geld arbeiteten, um überleben und ihre Familie unterhalten zu können. Es waren meistens Frauen, die so gearbeitet haben. Das ist die Realität der Textilindustrie, deren Zentrum Łódź war. Und Jesus Christus will, dass Faustina von hier aus in die Welt geht. Dass von hier aus dieser Funke der Liebe ausgeht, der vergibt, der vereint, der Hoffnung gibt. Und dieser Funke – hier gehe ich über zum Leben der heiligen Faustina – hat ganz Polen durchquert. Denn auf ihrem Weg sind Warschau, Vilnius, Krakau, Płock, Poznań – also die wichtigsten Zentren – und dann wieder Krakau, wo sie gestorben ist und von wo aus, dank Erzbischof Karol Wojtyła, dem späteren Papst, der Funke in der ganzen Welt bekannt wurde. Ich erzähle Ihnen etwas aus eigener Erfahrung: Als Bischof muss ich relativ viel reisen und treffe in verschiedenen Gremien, vor allem den europäischen Gremien, viele Menschen. Da werde ich oft gefragt, woher ich komme. Aus Łódź, antworte ich. Wo liegt das? Fast unglaublich, aber der Name der drittgrößten, im zentralen Polen gelegenen Stadt, sagt nichts. Und dann sage ich – in Łódź fängt die Geschichte der heiligen Faustina an. Ach so! – bekomme ich zu hören und diese Welt wirkt sofort so nah und vertraut. Vertraut für die gesamte katholische Gemeinschaft, wo auch immer wir sind. Auch das hier ist paradox: sie ist Schutzpatronin von Łódź, eine Schutzpatronin, die vom Vatikan offiziell als solche genehmigt wurde – denn dafür muss im Rahmen eines Verfahrens eine Genehmigung eingeholt werden. Als Schutzpatronin wurde sie auch von den Stadtbehörden akzeptiert und zwar zu dem Zeitpunkt, als die Mehrheit des Stadtrates die Vertreter der postkommunistischen Partei bildeten. Auch sie haben die Bedeutung der Botschaft, der durchaus humanistischen Botschaft der Barmherzigkeit, verstanden. Einstimmig wurde der entsprechende Beschluss gefasst.

„Ein jeder braucht die Hoffnung auf einen neuen Anfang“

Wir haben jetzt ein Stadtfest, das der Schutzpatronin, der heiligen Faustina gewidmet ist. Das zeugt nur davon, dass die Botschaft der Barmherzigkeit für einen jeden wichtig ist. Denn ein jeder bedarf es verstanden zu werden, Vergebung zu erfahren. Ein jeder braucht die Hoffnung auf einen neuen Anfang. Das geben wir uns auch gegenseitig, wenn wir füreinander offen sind. Diese Offenheit ist nur dann möglich, wenn über uns allen unser Gott steht – Vater unser.

Lesen Sie den ersten Teil und den zweiten Teil des Gesprächs.

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