Cordula Peregrina (Cordula Schmid/Wöhler): WAS DAS EWIGE LICHT ERZÄHLT

Burg Freundsberg, Tirol, im Sommer 

Vorwort zur fünften Auflage

So wandert denn zum fünften Male
Dies Buch hinaus in alle Welt,
Und bei des „Ew’gen Lichtes“ Strahle
Sich manches Aug‘ voll Lieb‘ erhellt.
Nicht ist’s der Werth der schlichten Lieder,
Was Allen warm zu Herzen spricht,
Nein, nur daß mild in ihnen wieder
Ein Strahl des ew’gen Licht’s sich bricht!

O dieses Licht! es ist uns Christen
Das Liebste ja auf weiter Welt,
Und lieber wohl wir Alles mißten,
Als jenen Ort, den es erhellt,
Als jenen Raum, wo in der Hülle
Des Brot’s der Herr verborgen weilt,
Und aller Gnaden Pfand und Fülle
Dem, der da bittet, wird ertheilt!

Von solchen sel’gen Himmelsstunden
Sang ich Euch vor in schlichtem Ton;
Ihr Alle aber habt empfunden
Das Gleiche, — ach! und tiefer schon!
So sind es seel’verwandte Klänge,
Die hier dies Büchlein in sich faßt,
Das d’rum des frommen Volkes Menge
So gern begrüßt als lieben Gast!

Ich aber leg’s voll Demuth nieder
Zu Füßen Ihm, bei Dem ich’s sang,
Trag’s zu dem trauten Kirchlein wieder,
An dessen Schrein es einst erklang.
Ich weih‘ es Dem, an dessen Throne
Ich jahrelang gekniet voll Lust,
Nur Ihm zu Lieb‘, zu Lob und Lohne
Drang dort das Lied aus sel’ger Brust!

Ich blick‘ zurück auf diese Jahre
Als meines Lebens schönste Zeit,
Denn dort empfand ich am Altare
Des Himmels ganze Seligkeit!
Ein Tabor war’s! und Hütten bauen
Wollt‘ dort ich mir bis in den Tod,
Um täglich neu mich satt zu schauen
An Deinem Licht, verborg’ner Gott!

„Herr, hier ist’s gut! hier bleib‘ ich immer!“
Sprach ich zu Dir mit Petri Wort,
„Nun mich gelabt Dein Liebesschimmer,
Treibt keine Macht von Dir mich fort!“
Das sagt‘ ich Dir an jedem Morgen,
Und Abends war’s der letzte Gruß, –
Ein Leben, ach! so süß geborgen,
Daß mich’s noch heut‘ beglücken muß!

Doch – wie’s dem Jünger einst geschehen,
So gieng’s auch mir, – Du nahmst mich fort; –
Zeitlebens auf dem Tabor stehen,
War nicht für mich der rechte Ort!
Ein Plätzchen tief in Thalesstille,
In treuem Thun und regem Fleiß –
Statt Taborhöh‘ – wies mir Dein Wille
Mit neuer Pflicht in neuem Kreis!

Ich gieng! – Du weißt, mit wie viel Thränen,
In welch‘ verzehrend heißem Schmerz!
Doch blieb  bei Dir in stetem Sehnen –
Schied auch der Leib – das ganze Herz!
Kaum schien mir schön die Stadt, die neue,
Wo Deinen Berg ich nicht mehr fand,
Fest hing mein Herz in heil’ger Treue
Am alten Ort, am alten Band!

Fünf lange Jahre so entschwanden
Voll steten Weh’s nach Deiner Näh‘,
Bis endlich wir uns wieder fanden,
Bis doch von fern ich jetzt ihn seh‘,
Den Tabor im Verklärungsschimmer,
Wo ich vor Dir so froh gekniet, –
Beim bloßen Blick auf ihn noch immer
Das reinste Glück mein Herz durchzieht!

Ich blick‘ hinauf an jedem Tage,
Schick‘ meines Herzens Grüße Dir,
Und wahr ist’s, was ich warm Dir sage:
„So lieb wie einst bist noch Du mir!
Schlägt nach den dreizehn Trennungsjahren
Mein Herz doch heut‘ so heiß für Dich
Wie dort, da wir beisammen waren,
Da, Herr, Dein Dach auch schirmte mich!

Nicht war ich werth so hoher Gnade,
D’rum durft‘ sie nicht von Dauer sein,
Doch bleiben meines Lebens Pfade
Stets hell von dem entschwund’nen Schein.
Das alte Glück regt stets sich wieder,
So oft ich knie an Deinem Thron,
Der Segen thaut auf’s Neu‘ mir nieder
Bei jeder heil’gen Kommunion!

Marienruh‘ mit Marthasorgen
Hab‘ zwar nach Außen ich vertauscht,
Und doch, mein Gott, in Dir geborgen
Ruht noch dies Herz, das still Dir lauscht;
Und einsam sein, die Welt vermeiden,
Das ist mein Wunsch, mein Glück allein,
Auch heut noch blüh’n die reinsten Freuden
Mir nur aus des Altares Schrein!

Blick‘ denn von Deinem Thron da droben
Auf Freundsberg’s Höh‘ – voll Huld herab,
Herr, auf das Herz, das manche Proben
Bestand, und kaum mehr fern dem Grab;
Die längste Zeit des Pilgerlebens
Ist jetzt vorbei, – bald heißt’s: „Vollbracht!“
Laß hoffen mich, – und nicht vergebens! –
Daß dann Dein Licht mir ewig lacht!

Das ew’ge Licht! – O mög’s beim Sterben
Mir leuchten schon mit hellem Schein!
Was ich besang, laß, Herr, mich erben,
Laß ewig einst mich bei Dir sein!
Wenn ich vollbracht die Marthasorgen,
Gib wieder mir Marienruh‘,
Sei dann am ew’gen Ostermorgen
Mein Lohn, mein Licht, mein Leben – Du!

So lang‘ ich aber noch muß wallen
Als Pilgerin auf dieser Welt,
Leucht‘ mir Dein Licht, – ja, mir und Allen,
Die Du, o Herr, mir nah‘ gestellt;
Blick‘ segnend Du vom Freundsberg nieder
Auf all‘ die Seelen nah‘ und fern,
Die fernen, ach! die bringe wieder
Zum ewig wahren Königsstern!

Ja, wie Du mich aus fernen Landen
So wunderbar beriefst zu Dir,
Bis frei ich von des Irrthums Banden
Dich fand im Sakramente hier, –
So ruf‘ auch sie, die theuren Meinen,
Die, ach! noch nie Dein Licht erkannt,
Laß sie der Kirche bald sich einen,
Laß finden sie, was ich, Herr, fand!

Und nicht nur sie, — auch all‘ die Andern,
Die noch nicht rief der Gnade Stern,
Laß, guter Hirt, nicht länger wandern
Verirrt und Deiner Hürde fern!
Trag‘ sie, – wie einst Du mich getragen! –
Auf grüne Au‘, zu frischer Fluth,
Bis Alle dann frohlockend sagen:
„Herr, unser Hirt, wie bist Du gut!“

Und in Tirol, dem glaubenstreuen,
Ganz Dir, o Herr, geweihten Land,
Woll’st Alles Du mit Macht zerstreuen,
Was nicht vor Deinem Blick‘ hält Stand.
Schaff‘ Alles fort, was Deiner Lehre
Und Deinem Licht entgegen ist
Zeig’s, daß Herr, Du, der mächtig Hehre,
Der Bundesherr des Landes bist!

Treu bis zum Tod wir Dich umfassen,
Und opfern lieber Gut und Blut,
Als daß vom Glauben je wir lassen,
Der unser’s Lebens größtes Gut!
Wir bleiben Deines Herzens Eigen,
Wie’s uns’re Väter schon gelobt,
Und wollen Deiner werth uns zeigen
Durch Lieb‘, die sich im Leid erprobt!

So lange uns’re Berge stehen,
Soll frisch auch unser Glaube blüh’n,
Soll tief im Thal, hoch auf den Höhen
Das Licht vor’m Sakramente glüh’n,
Das ew’ge Licht, das unser Leben
Wie unser Land zum Himmel macht,
Bis – dort von seinem Glanz umgeben –
Wir statt uns schau’n an Deiner Pracht!

 

Schwaz, am Fest der Apostelfürsten, 29. Juni 1889.

Cordula Peregrina. (C. Wöhler.)