‚Erschütternde Untreue der österreichischen Bischöfe‘

Katholischer Philosoph Josef Seifert übt schwere Kritik an der österreichischen Bischofskonferenz und an Kardinal Schönborn, weil diese zum 50. Jubiläum von Humanae Vitae nur Gegner auf den Websites und via kathpress zu Wort kommen lassen

Wien (kath.net)
Der bekannte österreichische, katholische Philosoph Josef Seifert hat gegenüber dem US-Magazin „OnePeterFive“ schwere Kritik an der österreichischen Bischofskonferenz und an Kardinal Schönborn geübt, weil diese zur 50-Jahresfeier von Humanae vitae via Kathpress nicht weniger als fünf Artikel von Moraltheologen und anderen Katholiken veröffentlichen ließen, die die Enzyklika mehr oder weniger offen angreifen. Seifert kritisierte in dem Zusammenhang vor allem den Wiener Kardinal, weil dieser noch 2008 in einem Hirtenwort die Mariatroster Erklärung mit ihrem „verwaschenen doppelzüngigen Lob“ als Irrtum bezeichnet habe. Wörtlich stellte Seifert fest: „Sie stellen nicht nur die zentrale Aussage und in Humanae Vitae verkündete Wahrheit, dass jeder Akt der Empfangnisverhütung in sich schlecht ist, in Frage, sondern führen zur Unterstützung ihres Irrtums auch noch allgemeinere schwerste und geradezu absurde Irrtümer an, wie etwa den des Moraltheologen Lintner, der behauptet, das moralische Gesetz müsse sich einer Entwicklung unterwerfen, wenn ein Großteil der Menschen ihm nicht folgt und sich nicht nach HV richtet. Wird etwa der Ehebruch gut, weil sehr viele Menschen ihre Ehe brechen? Wird die Abtreibung gut oder zu einer weniger schweren Sünde, ja ist sie nicht mehr ein himmelschreiendes Verbrechen, weil Millionen sie begehen? Wird das Gebot, Gott über alles zu lieben, außer Kraft gesetzt, weil ein Großteil der Menschen es heute bricht? Nichts könnte absurder sein als ein solcher historischer ethischer Relativismus. Und doch finden wir diesen absurden Irrtum sogar auf bischöflichen Webseiten zur 50 Jahresfeier von Humanae Vitae.“

Der bekannte österreichische Philosoph hoffe, dass die österreichischen Bischöfe endlich die Wahrheit der 2008 von Kardinal Schönborn ausgesprochenen Worte begreifen und einstimmig die verkehrte Maria Troster Erklärung widerrufen werden und sich kompromisslos und klar für die Wahrheit der Lehren von Humanae Vitae und Familaris Consortio aussprechen werden. „Empfängnisverhütung ist aus vielen Gründen in sich schlecht (nicht nur, weil die Pille zwei frühabtreibende Wirkungen hat und daher in einem erheblichen Prozentsatz ihrer Anwendung Mord ist und weil Verhütung den prokreativen vom unitiven Sinn des ehelichen Aktes loslöst).“ Wörtlich meint Seifert dann: „Was für eine Schande für die Kirche in Österreich, das 50. Jubiläum von Humanae Vitae in der Kirche Österreichs durch eine Orgie ihrer Gegner auf bischöflichen Webseiten zu begehen!“

Der Philosoph fragt sich, warum die österreichischen Bischöfe nicht Artikel auf ihre Webseite setzen und Redner „zu einer Tagung über Humanae Vitae einladen, die, wie der exzellente österreichische Priester, Pfarrer und Professor in Heiligenkreuz Helmut Prader, Humanae Vitae wunderbar begründen und eine ausgedehnte Pastoral betreiben, die die Wahrheit dieser Enzyklika vielen Ehepaaren und Brautpaaren in beglückender und klarer Form vermittelt? „Auch Weihbischof Andreas Laun, der vielleicht als einziger österreichischer Bischof durchwegs klare Worte über Humanae Vitae gesprochen hat, sowie Bischof Athanasius Schneider, der durch seine schlichte Klarheit unter allen Bischöfen der Welt herausragt und sich oft in wunderbarer Weise zu HV geäußert hat, sollte zu einer solchen Jubiläums-Tagung über Humane Vitae als Redner eingeladen werden und ihre Vorträge oder Aufsätze sollten die bischöflichen österreichischen Webseiten zieren und von der gegenwärtigen Schmach der dort publizierten Aufsätze befreien.“

Vgl. dazu auch: Kardinal Schönborn 2008: ‚Europa hat dreimal Nein zu seiner eigenen Zukunft gesagt‘

Archivvideo: KATH.NET-Interview mit Prof. Seifert

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Artikel auf http://www.kath.net/news/64516, 19 Juli 2018, 16:01

Ein neuer Bischof für St. Pölten (Österreich)

Bischof Alois Schwarz

Papst Franziskus hat den Kärntner Bischof Alois Schwarz zum neuen Diözesanbischof von St. Pölten ernannt und damit zugleich den Rücktritt von Bischof Klaus Küng angenommen. Das wurde mittags zeitgleich in Österreich und im Vatikan bekanntgegeben.

Der in Hollenthon geborene Schwarz war seit Mai 2001 Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt. Nach der Matura am Gymnasium der Erzdiözese Wien in Sachsenbrunn war Schwarz in das Wiener Priesterseminar eingetreten. Am 29. Juni 1976 wurde er von Kardinal Franz König (1905-2004) zum Priester geweiht. Er wirkte danach u.a. als Pfarrer in Krumbach sowie ab 1987 als Leiter des Pastoralamtes der Erzdiözese Wien. Die österreichischen Bischöfe beriefen Schwarz 1994 zusätzlich auch zum Vorsitzenden der „Pastoralkommission Österreichs“ (PKÖ) und beauftragten ihn mit der Leitung des „Österreichischen Pastoralinstituts“ (ÖPI).

Zu Weihnachten 1996 ernannte Papst Johannes Paul II. (1978-2005) Alois Schwarz zum Weihbischof für die Erzdiözese Wien. Die Bischofsweihe durch Kardinal Christoph Schönborn erfolgte am 22. Februar 1997. Im selben Jahr wurde Schwarz Bischofsvikar für die Priesterberufung und -fortbildung sowie Bischofsvikar für das Vikariat Unter dem Wienerwald der Erzdiözese Wien, dessen Gebiet in etwa dem niederösterreichischen Industrieviertel entspricht.

Vier Jahre später, im Frühjahr 2001, wurde Schwarz von Johannes Paul II. zum 65. Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt ernannt. Sein bischöflicher Wahlspruch ist ein Zitat aus dem Johannes-Evangelium: „Und das Wort ist Fleisch geworden.“ (Joh 1,14)

Nachfolge von Bischof Klaus Küng

Der seit 2004 in St. Pölten amtierende Diözesanbischof Klaus Küng – er war zuvor ab 1989 Bischof von Feldkirch – hatte bereits an seinem 75. Geburtstag im September 2015 gemäß dem Kirchenrecht dem Papst seinen altersbedingten Rücktritt angeboten. Dieser wurde damals „nunc pro tunc“ („jetzt für später“) bis zur Regelung der Nachfolge durch den Vatikan angenommen. Alois Schwarz wurde in den vergangenen Monaten immer wieder als möglicher Nachfolger Küngs genannt, u.a. weil er selbst aus Niederösterreich stammt.

Zeitgemäße und lebensnahe Seelsorge

In der Diözese Gurk hat Alois Schwarz zahlreiche Impulse und Initiativen für eine zeitgemäße und lebensnahe Seelsorge gesetzt. In seiner Amtszeit wurde u.a. das neue diözesane Leitbild „Mit Jesus Christus den Menschen nahe sein“ beschlossen und umgesetzt. Schwarz führte auch die „Kontaktwochen“ in den Kärntner Dekanaten ein, bei denen der Bischof jeweils eine Woche lang intensiven Kontakt mit der Bevölkerung sucht.

Schwarz gilt als Förderer einer pfarrübergreifende Zusammenarbeit, etwa in Form von Pfarrverbänden, aber Gegner von Pfarrauflösungen. Immer wieder betonte er in den vergangenen Jahren, dass er Pfarren als „zentralen Erfahrungsort von Kirche“ und Ort der „Gemeinschaft der Gläubigen“ schätze. Katholiken bzw. kirchliche Mitarbeiter müssten in den kommenden Jahren „noch mehr auf den Menschen in der Welt von heute zugehen, ihn nach seiner Hoffnung und Not fragen“ und „ihm mit Jesus Christus nahe sein“, sagte der Kärntner Bischof erst vor wenigen Tagen in einer Ansprache an die Priester seiner Diözese.

Große Anliegen sind Schwarz u.a. die seit 2004 bestehende Diözesanpartnerschaft von Gurk-Klagenfurt mit der Erzdiözese Sarajewo, die Ökumene sowie der Dialog mit dem Islam. Auch das Thema „Ethik und Wirtschaft“ gehört zu den Schwerpunkten des Bischofs. So hat er im Rahmen des Dialogs mit Führungskräften in Wirtschaft und Industrie zahlreiche Initiativen gesetzt und sich für nachhaltiges Wirtschaften wie auch die Schöpfungsverantwortung engagiert. Zudem setzte Schwarz das entschiedene Eintreten der katholischen Kirche in Kärnten für ein gedeihliches Zusammenleben der Volksgruppen fort. Auch Projekte wie die Etablierung des Hemma-Pilgerweges fallen in seine Amtszeit als Kärntner Bischof.

In der Österreichischen Bischofskonferenz ist Bischof Schwarz für Fragen von Pastoral und Evangelisierung, sowie für Sozial-, Wirtschafts- und Umweltfragen verantwortlich. Außerdem fungiert er als „Sportbischof“ und gehört der Finanzkommission der Bischofskonferenz an.

Besuch in Mariazell

Der erste Besuch des neuen Bischofs von St. Pölten galt der Magna Mater Austriae in Mariazell, um dort zu beten. Alois Schwarz machte am Donnerstagvormittag auf seinem Weg von Klagenfurt nach St. Pölten im Marienwallfahrtsort Station, um innezuhalten und Gott um seinen „Segen für die Gläubigen und alle Menschen in Österreich“ zu bitten, wie er im Kathpress-Interview sagte. In Mariazell, dem spirituellen Herzen Österreichs, zeige die Gottesmutter Maria den Gläubigen Jesus Christus. „Mit ihm will ich in meinem bischöflichen Dienst dem Menschen nahe sein“, so Schwarz. Er dankte allen in der Diözese Gurk, „die mich darin bestärkt und begleitet haben und vertraue darauf, dass ich mit Gottes Hilfe auch in der Diözese St. Pölten so meinen Dienst ausüben kann“.

Vom obersteirischen Marienheiligtum, wo er von Superior Pater Michael Staberl empfangen worden war, reiste Bischof Schwarz anschließend nach St. Pölten zur Pressekonferenz weiter.

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Quelle

Österreich: Mehr Priester, weniger Messbesucher

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Jubiläum Der Priester, 3. Juni 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Offizielle Statistik 2015 der Österreichischen Bischofskonferenz veröffentlicht – Zahlen bei Erstkommunion und Firmung rückgängig,
bei Trauungen und Begräbnissen gestiegen

Die katholische Kirche in Österreich verzeichnet nach wie vor ein intensives Leben in den Pfarren und anderen kirchlichen Einrichtungen. Zugleich führen der gesellschaftliche Wandel und die demografische Entwicklung dazu, dass seelsorgliche Kennzahlen wie die Zahl der sonntäglichen Messbesucher oder die Zahl der Firmungen und Erstkommunionen zurückgehen. Die Zahl der Taufen ist allerdings stabil und bei den kirchlichen Trauungen ist zuletzt sogar ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Auch die Zahl der in Österreich wirkenden Priester und Ordensleute ist leicht gestiegen. Das geht aus der offiziellen Kirchenstatistik für das Jahr 2015 hervor, die am Dienstag von der Österreichischen Bischofskonferenz veröffentlicht wurde.

Die Kirchenstatistik enthält neben den Katholikenzahlen u.a. auch Angaben über den Klerus, die Ordensleute und die Pfarren sowie Daten zum seelsorglichen Leben der Kirche. Demnach ist die Zahl der in Österreich wirkenden Priester laut der aktuellen Kirchenstatistik 2015 leicht auf 3.944 gestiegen. (2014: 3.898, 2013: 3.933, 2012: 3.998, 2011: 4.035). Die aktuelle Gesamtzahl setzt sich aus 2.013 Diözesanpriestern, 391 ausländischen Priestern und 1.540 Ordenspriestern zusammen. Während die Zahl der Diözesanpriester damit leicht gesunken ist (1914: 2.044), ist die Zahl der ausländischen Priester (2014: 347) und jener der Ordenspriester (2014: 1.507) teils deutlich gestiegen.

Nicht enthalten in den aktuellen Zahlen für 2015 sind zudem weitere 152 Diözesanpriester aus Österreich, die in anderen Ländern der Welt ihren priesterlichen Dienst versehen.

Stabil ist die Zahl der ständigen Diakone: Die amtliche Statistik für 2015 weist 688 aus (2014: 691). Der längerfristige Trend zeigt leicht aufsteigende Tendenz. (2013: 656, 2012: 634, 2011: 628).

Die Zahl der Ordensbrüder ist mit 470 wieder leicht gestiegen (2014: 455). Aus den vorliegenden Daten für 2015 ergibt sich daher, dass die Zahl der Ordensmänner in Österreich (Ordensbrüder und Ordenspriester) wieder leicht zunimmt bzw. sich längerfristig etwas stabilisiert. (2015: 2.010, 2014: 1.962, 2013: 2.029, 2012: 2.071.)

Für die Ordensfrauen in Österreich weist die amtliche Statistik 2015 3.882 Schwestern aus. Die Zahl der Ordensfrauen in Österreich nimmt seit Jahren leicht aber stetig ab (2014: 4.073, 2013: 4.241, 2012: 4.359).

Freilich sind gerade die statistischen Daten zu den Ordensangehörigen mit Vorbehalt zu betrachten, da sich Ordensprovinzen oft über mehrere Länder erstrecken, und die Zuordnung einzelner Ordensmitglieder zu bestimmten Ländern nicht einfach ist.

Stabile Seelsorgestrukturen

Von Stabilität geprägt ist das österreichweit nach wie vor sehr dichte Netz von Pfarrgemeinden: Insgesamt weist die Statistik für 2015 4.317 Pfarren und sonstige kirchliche Seelsorgestellen aus (2014 4.326, 2013 4.327, 2012: 4.324), davon 3.069 Pfarren und 1.248 sonstige Seelsorgestellen.

Die Zahl der Taufen ist 2015 mit 48.587 im Vergleich zum Vorjahr (48.582) praktisch gleich geblieben und auch über einen längeren Zeitraum betrachtet relativ stabil. (2013: 48.098, 2012: 48.645, 2011: 49.275, 2010: 48.781).

Gestiegen ist die Zahl der kirchlichen Trauungen: 2015 traten 11.494 Paare vor den Traualtar (2014: 11.322). Längerfristig ist allerdings kein klarer Trend ablesbar (2013: 11.155, 2012: 12.364, 2011: 11.951).

Die Zahl der kirchlichen Begräbnisse ist 2015 mit 54.929 im Vergleich zum Jahr 2014 (51.005) deutlich angestiegen und auch höher als 2013 (53.164).

Rückläufig sind die Zahlen bei Erstkommunionen und Firmungen, was vor allem demografische Gründe hat. Die Erstkommunionen gingen von 51.138 (2014) auf 50.183 (2015) zurück, die Firmungen von 48.876 (2014) auf 47.146 (2015). Hier sind die leicht abnehmenden Tendenzen auch über einen längeren Zeitraum eindeutig (Erstkommunion 2013: 52.610, 2012: 52.968, 2011: 53.268; Firmung: 2013: 49.921, 2012: 52.765, 2011: 54.458).

In der Statistik ausgewiesen ist auch das starke ehrenamtliche Engagement in der Vorbereitung auf die Sakramente. Die Zahl der Personen, die in der Erstkommunionvorbereitung und Firmvorbereitung tätig sind, ist relativ hoch, geht aber auch parallel zu den abnehmenden Zahlen der Erstkommunionkinder und Firmkandidaten zurück: 14.754 Personen waren 2015 in der Erstkommunionvorbereitung tätig (2014: 14.792, 2013: 15.032), 8.982 standen als Firmhelfer zur Verfügung (2014: 9.100, 2013: 9.269).

Leicht rückläufig ist laut Statistik die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher. Wurden an den sogenannten „Zählsonntagen“ 2015 zwischen 568.000 und 606.000 Messbesucher gezählt, so waren es 2014 zwischen 577.000 und 623.000 und 2013 zwischen 582.000 und 629.000.

(Quelle: Webseite der Österreichischen Bischofskonferenz & Kathpress, 10.01.17)

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Quelle

Bischof Ägidius Zsifkovics ruft zum gesellschaftlichen Zusammenhalt auf

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Bischof Ägidius Zsifkovics

Zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Österreich hat der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics aufgerufen. Im Kathpress-Interview am Rande des großen Abschlussfestes zum Martinus-Jubiläumsjahr in Eisenstadt nahm der Bischof zum US-amerikanischen und österreichischen Präsidentschaftswahlkampf Stellung, warnte vor einer Spaltung der Gesellschaft und forderte einmal mehr eine gesamteuropäische Lösung der Flüchtlingsfrage. Weiters zog er eine Bilanz des Martinus-Jubiläumsjahres in der Diözese Eisenstadt.

Zsifkovics ist in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Bereiche Flucht, Migration und Integration zuständig und bekleidet in der EU-Bischofskommission ComECE die Funktion des Koordinators für Flüchtlingsfragen. Eindringlich warnte der Bischof vor Alleingängen einzelner europäischer Staaten in der Flüchtlingsfrage. Es bestehe die Gefahr, dass nationale Egoismen „fröhliche Urständ‘ feiern“. Die mangelnde europäische Solidarität, um die Herausforderungen durch die vielen Flüchtlinge gemeinsam zu lösen, sei eine große Gefahr, warnte der Bischof. Die Kirchen hätten die moralische Verpflichtung, das Gewissen der Nationen zu sein und ihre Stimme für jene zu erheben, die das selbst nicht tun können, forderte Zsifkovics.

Angesprochen auf Ungarn unterstrich der Bischof, dass er mit der Ungarischen Bischofskonferenz in ständigem Kontakt stehe und diesen auch zu staatlichen Stellen suche. „Ich versuche, die Brücken aufrecht zu erhalten“, so der Bischof wörtlich. Er bemühe sich, immer wieder darauf hinzuweisen, „dass es wenig Sinn macht, sich abzuschotten und Wege zu gehen, die nicht das Gemeinsame im Blick haben“. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban bemüht sich bekanntlich, bisher noch vergeblich, um eine Verfassungsänderung gegen die Aufnahme von Asylwerbern.

Mehr Einsatz für Flüchtlinge möglich

Die Kirche in Ungarn sei durchaus auch um Flüchtlinge bemüht, betonte Zsifkovics. Freilich habe die ungarische Kirche weit weniger Möglichkeiten als beispielsweise die Kirche in Österreich. Ganz grundsätzlich wolle er festhalten, dass die Kirche in allen Ländern Europas noch mehr Zusammenarbeit und Einsatz für Flüchtlinge zeigen könnten.

In der Diözese Eisenstadt seien viele tausende Flüchtlinge erstversorgt worden, knapp 500 habe man langfristig in Quartieren aufnehmen können, so der Bischof. Für diese bemühe man sich natürlich um eine gute Integration vor Ort. Dabei würden sich viele Pfarren, aber auch die Katholische Aktion, große Verdienste erwerben.

Sachpolitik statt Emotion

Wenige Wochen vor dem nächsten Versuch zur Bundespräsidentenwahl wollte der Bischof nicht von einer großen Spaltung in zwei Lager in seiner Diözese sprechen. Bedenklich sei freilich, dass der Stil des US-amerikanischen Wahlkampfes auf Österreich überzuschwappen drohe. „An dieser Radikalisierung und Spaltung der Gesellschaft kann niemand Interesse haben“, sagte der Bischof.

Seitens der Kirche gebe es aus gutem Grund keine parteipolitischen Stellungnahmen, die Christen sollten frei nach ihren Gewissen entscheiden, betonte Zsifkovics. Er wolle jedoch grundsätzlich anmerken: „Wer Gott in den Mund nimmt oder auf ein Plakat schreibt, der muss auch wissen, was dieser Gott bedeutet, und dass dies nicht nur eine Formel oder Floskel ist. Gott ist immer auf Seiten der Armen, Kleinen und Schwachen, der Ausgestoßenen und auch der Flüchtlinge und Verfolgten.“ Wer immer das Bundespräsidentenamt übernimmt, sei gut beraten, sich diesen Menschen auch ganz besonders zuzuwenden. Das gelte freilich auch für alle anderen politisch Verantwortlichen.

Die Kirchen seien aufgerufen, einen Beitrag zur Besonnenheit und zum Brückenschlag zu leisten. „Wir müssen alles tun, um ein gutes Miteinander auch bei unterschiedlichen Ansichten zu fördern.“ Weniger Emotion und mehr Sachpolitik sei das Gebot der Stunde.

In Ökumene weitere Schritte gehen

Sehr dankbar zeigte sich der Bischof, dass das historische Treffen der katholischen Bischofskonferenz mit den Spitzenvertretern der evangelischen Kirchen in Österreich im Burgenland stattfand. Zum einen habe das Burgenland den höchsten Prozentsatz an Evangelischen von allen Bundesländern, zum anderen „leben wir hier ganz intensiv im Alltag diese ökumenische Einheit in Vielfalt“. Freilich könne man nie zufrieden sein, solange nicht die volle Kircheneinheit hergestellt ist. Das Reformationsjubiläum sei jedenfalls eine gute Gelegenheit, „hier weitere Schritte zu setzen“.

Am vergangenen Dienstag fand in Rust ein ökumenischer Gottesdienst statt, gemeinsam abgehalten von der Bischofskonferenz, der Kirchenleitung der evangelischen Kirchen A.B. und H.B. und der evangelisch-methodistischen Kirche. Am Mittwoch trafen sich die katholischen und evangelischen Vertreter in Eisenstadt zu einem gemeinsamen Studientag.

„1.700 Jahre Martin von Tours“

Mit einem Festgottesdienst im Eisenstädter Martinsdom wurde am Freitag das Jubiläumsjahr „1.700 Jahre Martin von Tours“ feierlich abgeschlossen. Seit dem 11. November des Vorjahres hatten Diözese und Pfarren dazu viele unterschiedliche Akzente und Initiativen gesetzt. Neben zahlreiche Wallfahrten beispielsweise auch Kinder- und Jugendaktionen oder Bildungsveranstaltungen. Eine Besonderheit in der Diözese Eisenstadt. Das Jubiläumsjahr war mit dem von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit zusammengefallen, was auch inhaltlich besonders gut zusammenpasse, so der Bischof, denn die wegweisende Spur des heiligen Martin ließen sich anhand dreier fundamentaler Wegmarken des christlichen Unterwegsseins zum Ausdruck bringen: Spiritualität, Solidarität und Barmherzigkeit.

Eine Frucht dieses „doppelten“ Jubiläumsjahres: In möglichst vielen Pfarren soll es nicht nur im Jubiläumsjahr, sondern auch in Zukunft „Abende der Barmherzigkeit“ geben, kündigte der Bischof an.

Eines sei ihm noch wichtig zu betonen, so Zsifkovics: „Zum Ende des Jahres der Barmherzigkeit werden die Heiligen Pforten nun wieder geschlossen. Das soll aber gerade nicht heißen, dass die Kirche ihre Türen schließt. Wir haben in diesem Jahr unsere Türen und Herzen weit aufgemacht und werden sie auch weiter offen halten.“

(kap 12.11.2016 sk)

Krautwaschl: Bischöfe wegen Haltung zu Flüchtlingen im Visier

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Bischof Krautwaschl / Wikimedia Commons – Gerd Neuhold (Sonntagsblatt), CC BY-SA 3.0 AT

Grazer Bischof:
Nächstenliebe muss auch jenen gelten, „die gestrandet sind“

Österreichs Bischöfe geraten wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage immer wieder ins Visier von Kritikern. Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl erhält etwa Mails mit der Behauptung, der Episkopat sei hier „der linken Presse verfallen“, sagte er in einem Interview für die neue Ausgabe der Wochenzeitung „Die Furche“ (Donnerstag). Er selbst sei erst am Tag des Interviews per Mail gefragt worden: „Was gedenken Sie in der Kirche gegen die Islamisierung zu tun?“

Krautwaschl betonte, er wolle auch auf geharnischte Kritik „nicht mit denselben Waffen zurückschießen“. Denn das „würde nicht dem entsprechen, was Jesus gewollt hat“. Vielmehr sei es sein Anliegen zu vermitteln, „dass es um Beziehung geht“. Wer das, was Jesus von Gottes- und Nächstenliebe sagt, ernst nimmt, müsse fragen: „Was heißt das für die, die gestrandet sind? Was heißt das für jene, die da sind und um Hilfe bitten? Da kann ich nicht zuerst einen Mitgliedsausweis verlangen, ob jemand katholisch ist.“ Als Bischof habe er – wie Krautwaschl unterstrich – dann in Erinnerung zu rufen: „Es geht um Menschen! Und das ist höchst politisch.“

Auch werde er nicht müde, zur Differenzierung einzuladen. Einfache Antworten seien in der Flüchtlingsfrage nicht zu finden. Es gelte vielmehr zu fragen, wo die Weltgemeinschaft, wo die EU, wo Österreich zuständig ist – „und wo sind wir unmittelbar gefragt, unser Christsein zu leben?“ Wie der steirische Bischof wörtlich sagte, biete das Evangelium keine „Wellness-Religion“ an. Es dränge vielmehr dazu, „die Komfortzone zu verlassen“. Kritische Nachfrage Krautwaschls: „Aber leben wir das auch? Wir haben es uns sehr gut eingerichtet. Ich werde da nicht müde, zu sagen: Leute, es geht um die Sendung. Dafür seid ihr da – nicht für euch selber.“

Mit großer Skepsis betrachtet der Grazer Bischof die in der Politik wieder gebräuchliche Rede von der „Festung Europa“. Dass sich die Unmittelbarkeit beim Flüchtlingsthema in den Süden verschiebe, beseitige das Problem nicht. Und: „Grenzen, die so neu definiert werden, haben etwas Gefährliches an sich, denn Festungen fallen zumeist“, warnte Krautwaschl.

Flüchtlingsfrage wirft viele Themen auf

Mit der Flüchtlingssituation komme manches eruptiv an die Oberfläche, das sowieso auf der politischen Agenda stehe. Der Bischof nannte den Generationenvertrag in einer Situation, da in Österreich verhältnismäßig wenige Leute im Arbeitsprozess die nicht Erwerbstätigen erhalten müssen. Am Tapet stehe auch das Thema höhere Lebenserwartung und dadurch gestiegene Pflegeerfordernisse. „Da gibt es genug Fragen, die zu lösen sind.“

Auch in der katholischen Kirche stellen sich nach den Worten Krautwaschls neue Herausforderungen. Über Jahrhunderte hinweg sei Christsein hierzulande „relativ abgesichert“ gelebt worden. Aber mit dem Papst gelte es zu fragen: „Leben wir das Evangelium?“ Manche kirchliche Strukturen sind für Krautwaschl „fraglich“ geworden. Er erinnerte daran, dass zwischen den Jahren 1950 und 2000 am meisten Pfarren gegründet wurden.“ Mit der Zurückführung in Pfarrverbände führt man also die alten Strukturen wieder ein.“ Und wenn auf die Unverzichtbarkeit der Priester für die Eucharistiefeier als Herzstück des Glaubenslebens verwiesen werde, stellt sich für den Bischof – wie er sagte – die Frage: „Was ist der wirkliche Dienst des Priesters, oder haben sich die Gemeinden nach der spirituellen Pfeife des Pfarrers zu richten?“

Krautwaschl sieht „innerhalb des kirchlichen Rahmens viele Möglichkeiten, kreativ zu sein“. Seine Überzeugung: „Eigentlich geht es aber darum, zu entdecken, wo uns Gott hinsendet, und nicht in Fragen der Innenarchitektur der Kirche stecken zu bleiben.“

 

24. MÄRZ 2016  KATHOLISCHE KIRCHE IN DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH UND SCHWEIZ

(Quelle: Webseite der Österreichischen Bischofskonferenz & Kathpress, 24.03.16)

Ö: Bischöfe zu Missbrauch, Flüchtlingen und Christenverfolgung

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Österreichs Bischöfe bei ihrer Vollversammlung in Linz

Österreichs Bischöfe bitten um mehr Solidarität mit verfolgten Christen und Flüchtlingen und regen eine gesellschaftliche Allianz gegen Missbrauch an. Das steht in einer Erklärung, die die Bischofskonferenz zum Abschluss ihrer Frühjahrsvollversammlung in Linz veröffentlichte. Als konkretes Zeichen der Solidarität mit Mit-Christen werde der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, nach Ostern in den Irak reisen. Außerdem haben die Bischöfe beschlossen, innerhalb der Konferenz die Zuständigkeiten für einzelne kirchliche Wirkungsbereiche neu zu verteilen.

Integration der Flüchtlinge

Die österreichischen Bischöfe bedankten sich bei Kirche und Zivilgesellschaft für die freiwillige Hilfe für Flüchtlinge, die spätestens seit September 2015 zu Zehntausenden ins Land gekommen oder weitergereist waren. Integration gelinge dort am besten, „wo Menschen einander vertrauen und füreinander Verantwortung übernehmen“, betonen die Bischöfe. Es sei Aufgabe des Staates und der gesellschaftlichen Institutionen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Hinsichtlich der Aufnahme von Flüchtlingen mahnen die Bischöfe erneut Solidarität auf europäischer Ebene an. „Wir haben in diesen Tagen während unserer Arbeit mit Interesse das politische Ringen in der Europäischen Union verfolgt, auch wenn sie noch zu keinem Ergebnis geführt hat, sind wir doch hoffnungsvoll, dass die Verantwortungsträger sich spät, aber hoffentlich nicht zu spät darauf verständigen, das gemeinsame Friedensprojekt Europa nicht an der Migrations- und Flüchtlingsfrage Europa scheitern zu lassen. Es kann nur gelingen, wenn es eine gerechte Aufteilung der Verantwortung gibt, die bisher nur von wenigen Ländern des Kontinents getragen wurde“, so Kardinal Schönborn. Zugleich rufen die Bischöfe zu einem Ende des Syrienkriegs auf und fordern den Ausbau österreichischer Entwicklungszusammenarbeit und Soforthilfe.

Solidarität mit verfolgten Christen

Die internationale Solidarität müsse insbesondere den verfolgten Christen weltweit gelten, so die Bischöfe. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit ereigne sich die zahlen- wie flächenmäßig umfangreichste Christenverfolgung der Geschichte. Die Bischöfe begrüßten deshalb eine neue Resolution des Europäischen Parlaments, in der die Verfolgung von Christen durch den IS im Nahen Osten ausdrücklich als Genozid qualifiziert wird.

Seit 2010 wurde durch einen Beschluss der Bischofskonferenz die Hilfe für die Länder des Nahen Ostens, besonders für Syrien, Jordanien und den Libanon, deutlich verstärkt. Betrug sie 2010 noch rund 2,6 Millionen Euro, so haben die katholischen Hilfswerke im vergangenen Jahr 175 Projekte im Umfang von 7,5 Millionen Euro unterstützt. Die Bischöfe kündigten zudem an, dass ihr Vorsitzender, Kardinal Christoph Schönborn, nach Ostern in den Irak reisen werde.

Allianz gegen Missbrauch

Die österreichischen Bischöfe sprachen sich außerdem für eine breite gesellschaftliche Allianz gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch aus. In der Erklärung zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung in Linz weisen die Bischöfe auf die kirchlichen Bemühungen zur Aufarbeitung vergangener Fälle und die in Angriff genommenen Präventionsmaßnahmen hin. Zugleich seien Gewalt und sexueller Missbrauch aber nach wie vor eine leidvolle Realität in der ganzen Gesellschaft.

„Die Hilfe für Opfer, die Vorgangsweise bei Verdachtsmomenten und die Präventionsmaßnahmen müssen konsequent umgesetzt und weitergeführt werden und ein wichtiges Anliegen bleiben. Für alle, die in der Kirche Verantwortung tragen,“ so Kardinal Schönborn.

Die auf Ersuchen der Bischöfe unter dem Vorsitz von Waltraud Klasnic ins Leben gerufene Unabhängige Opferschutzkommission hat sich seit 2010 mit insgesamt 1.550 Fällen befasst. Von den insgesamt 1.550 Betroffenen haben 878 angegeben, dass sie Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. Insgesamt sind von der Unabhängigen Opferschutzkommission bisher Finanzhilfen in der Höhe von 17,6 Millionen Euro und 4,4 Millionen Euro für Therapien, in Summe knapp über 22 Millionen Euro, zuerkannt worden.

Anonyme Statistik zu Schwangerschaftsabbrüchen

Auch das Thema Abtreibung beschäftigte die Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung. Sie fordern eine anonyme Statistik und Motiverforschung über Schwangerschaftsabbrüche und stellen sich damit einmal mehr hinter die Anliegen der Initiative „Fakten helfen“. „Verantwortungsvolle Politik braucht verlässliche Fakten als Grundlage für sinnvolle Maßnahmen“, betonen die Bischöfe. „Es ist unverständlich, ich muss sagen, es ist schwer begreiflich, warum es politisch in unserem Land nicht durchzusetzen ist. Wir sind mit Luxemburg das einzige Land in Europa, in dem es keine verlässlichen Erhebungen über die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche gibt,“ sagte Schönborn.

Neue Aufgabenverteilung für die Bischöfe

Die Bischofskonferenz hat im Rahmen ihrer Frühjahrsvollversammlung beschlossen, die Aufgabenbereiche und damit verbundenen Verantwortungsbereiche der Bischöfe neu zu strukturieren. So wandern beispielsweise der Bereich „Bildung und Schule“ sowie die Zuständigkeit für das Canisiuswerk von Kardinal Christoph Schönborn zu Bischof Wilhelm Krautwaschl. Dieser übernimmt auch die Zuständigkeit für einen Großteil der Gliederungen der Katholischen Aktion, die bisher bei Bischof Alois Schwarz lag.

 

(kap 11.03.2016 cz)

Österreichische Bischofskonferenz: Position zum (öffentlichen) Kreuz-Symbol

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Ausgelöst durch ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), in dem es um die Zulässigkeit von Kreuzen in Klassenzimmern in Italien ging, und im Zusammenhang mit einem ähnlichen Verfahren im Blick auf Kindergärten vor dem österreichischen Verfassungsgerichtshof (VfGH) nahm die Österreichische Bischofskonferenz mehrmals zu diesem Thema Stellung. Die Brisanz der Thematik bestand nicht nur in der Frage nach christlichen Symbolen in der Öffentlichkeit, sondern in grundsätzlichen Fragen zur Ausgestaltung der Religionsfreiheit und dem Verhältnis von Staat, Kirche und Religion.

Knapp nach dem ersten EGMR-Urteil, das im November 2009 im Verfahren „Lautsi versus Republik Italien“ gegen das Kreuz im Klassenzimmer entschied, bezogen die Bischöfe deutlich dagegen Stellung. Kern der Kritik ist die Feststellung, dass der Gerichtshof in seinem Urteil bestimmte Aspekte der Religionsfreiheit „in doppelter Hinsicht zu Unrecht“ bevorzuge, nämlich die individuelle gegenüber der kollektiven Seite der Religionsfreiheit sowie die negative gegenüber der positiven Dimension dieser Freiheit. Die Bischöfe warnten davor, dass diese „einseitige Sicht des Gerichtshofes“ dazu führe, dass die individuelle Religionsfreiheit einzelner Personen das Recht auf kollektive, öffentliche Religionsübung aushöhlt, „was bislang nur in religionsfeindlichen totalitären politischen Systemen vorgekommen ist“.

Religionsfreiheit bedeutet im Kern das Menschenrecht, die religiöse Überzeugung einzeln oder gemeinsam, sowohl privat als auch öffentlich auszuüben, betonten die Bischöfe und forderten wörtlich: „Diese positive Sicht der Religionsfreiheit muss auch in Zukunft garantiert sein.“ Die Bischöfe plädierten daher für eine „breite gesellschaftliche Allianz“ all jener, denen das Kreuz als religiöses und kulturelles Symbol wertvoll ist und die Religion nicht aus dem öffentlichen Raum verbannt wissen wollen.

Ein religiös-weltanschaulich neutraler Staat dürfe nicht einem radikalen Laizismus verpflichtet sein, der in seiner strikten Ablehnung von Religion einen Absolutheitsanspruch stellt, hielten die Bischöfe fest. Da Religion wesentlich Werte und Sinn einbringt, trage sie zu jenen Voraussetzungen bei, von denen der demokratisch verfasste Staat lebt, ohne sie selbst erzeugen oder garantieren zu können. Deshalb betonten die Bischöfe: „Der moderne Staat ist daher, um tatsächlich neutral und unparteiisch zu sein, bestens beraten, Religion nicht gesellschaftlich zu marginalisieren, sondern ihr einen entsprechenden Platz auch im öffentlichen Raum zu sichern.“

Die Bischöfe kritisierten die „radikale, feindselige Form“ der Forderung nach „Trennung von Staat und Kirche“ und plädierten für das „bewährte“ österreichische Modell einer auf allen institutionellen Ebenen gegebenen „freundschaftlichen Trennung“, „die sich durch Kooperation zum Wohl der Menschen auf vielen Gebieten auszeichnet“. Diesem Prinzip entspreche nach Meinung der Bischöfe auch die in Österreich geltende Regelung, dass in jenen Schulen, in denen die Mehrheit der Schüler und Schülerinnen einem christlichen Bekenntnis angehört, in allen Klassenräumen ein Kreuz anzubringen ist. Hier sei das demokratische Mehrheitsprinzip leitend, keinesfalls gehe es um Intoleranz, so die Bischöfe.

Schließlich entschieden im März 2011 sowohl der EGMR in Straßburg als auch der österreichische Verfassungsgerichtshof, dass das Kreuz in der Schule bzw. im Kindergarten zulässig ist. In einer gemeinsamen Erklärung bewerteten die Bischöfe die beiden Urteile als „Stärkung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit und eine Wahrung der Rechte von Eltern und Kindern auf religiöse Erziehung“. Zudem werde das Kreuz als religiöses und kulturelles Symbol anerkannt, das in den vom Christentum geprägten Ländern Europas ein „wichtiges Element einer gemeinsamen Identität“ ist. Die Bischöfe erinnerten an die Argumentation des EGMR, dass vom Kreuz kein Zwang ausgehe und es als „passives Symbol“ nicht indoktriniere.

Die Bischöfe würdigten in diesem Zusammenhang den österreichischen Gesetzgeber. Dieser habe bereits in der Vergangenheit eine klare rechtliche Basis geschaffen. Diese biete für das Zusammenleben in einer pluralen und multireligiösen Gesellschaft einen verlässlichen Rahmen und ermögliche zugleich gelebte Toleranz.

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