Kardinal Müller: Papst soll Versöhnung mit Erzbischof Viganò suchen!

05 Oktober 2018, 14:00

Hat Papst Franziskus Untersuchungen gegen den englischen Kardinal Murphy-O’Connor gestoppt? – Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation gibt dazu (k)eine Antwort, die brisant ist. Jugendsynode hat keine Lehrautorität! VIDEO

Rom (kath.net)

Kardinal Gerhard Müller, der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, hat in einem Interview mit dem Fernsehsender EWTN Papst Franziskus aufgefordert, eine Versöhnung mit seinem Kritiker, Erzbischof Viganò zu suchen. Müller rief den Papst auch dazu auf, Antworten auf die Fragen des ehemaligen US-Nuntius zu geben. „Das Volk Gottes hat ein Recht zu wissen, was passiert ist.“

Erzbischof Viganò hat im August Papst Franziskus beschuldigt, Sanktionen gegen den ehemaligen US-Kardinal McCarrick wieder aufgehoben zu haben. Für Müller stehe fest, dass man immer auch Fehler machen könne. „Wir müssen aber von diesen Fehlern lernen und wir müssen bei Missbrauchsfällen in der Kirche besser werden.“ Franziskus müsse – so Müller – die Einheit der Kirche bewahren und die Spaltung der Gläubigen überwinden. „Wir sind eine Kirche, vereint im Glauben, und nicht eine Kirche mit konservativer oder liberaler Ideologie.“

Brisant sind auch Aussagen von Kardinal Müller zum englischen Kardinal Cormac Murphy-O’Connor, dem ebenfalls Missbrauchsvertuschung vorgeworfen wird und wo Franziskus beschuldigt wird, entsprechende Untersuchungen der Glaubenskongregation gestoppt zu haben. Auf die Frage von EWTN, ob ihn Franziskus gezwungen habe, die Untersuchungen einzustellen, teilte Müller nur mit, dass er aufgrund der Päpstlichen Schweigepflicht hier nichts sagen dürfe. Er betonte aber gleichzeitig, dass die Glaubenskongregation hier mehr Unabhängigkeit benötige, da bei Kardinälen und Bischöfen die Kongregation noch immer eine spezielle Erlaubnis des Papstes benötige: „Ich kann nicht ins Detail gehen, weil ich an das Päpstliche Geheimnis gebunden bin, aber ich kann sagen, dass jeder Prozess gegen Bischöfe oder Kardinäle in der Kongregation der Erlaubnis des Papstes bedarf. Das ist ein Problem, wir sollten diesen Punkt ändern. Die Kongregation muss ihre Untersuchung beginnen, und es gibt keine Notwendigkeit für eine Einmischung des Papstes oder der Freunde des Papstes, die sagen, dass die Kongregation dogmatisch ist, dass es Hardliner gibt, dass Müller Deutscher ist, dass es zu schwer ist; all das muss draußen bleiben. Es muss einen normalen Prozess geben und nur am Ende muss der Papst informiert werden, und die seine ist die letzte Entscheidung. Aber wir können beim Prozess nicht gehindert werden. Wir brauchen die Unabhängigkeit der Kirchengerichte im kanonischen Prozess.

Das große Problem dieses Pontifikats sind die sogenannten Freunde des Papstes. Und wir, seine wahren Freunde, werden von den Massenmedien Feinde des Papstes genannt, aber die Kategorie der Freundschaft oder Feindseligkeit ist in diesem Fall nicht nützlich. Es erfordert ein angemessenes Management der Fragen des Glaubens, der Disziplin und der Moral und nicht dieses System der persönlichen Beziehungen. Jedes Mal, wenn eine Gruppe von Kardinälen beim Papst ist, geschieht alles, weil einige von ihnen persönlich den Papst fragen: Ich möchte den und den als Bischof, und dies aus persönlichen Gründen, und nicht, weil er die geeignetste Person ist, und so wird die Bischofskongregation umgangen“.

Wörtlich sagte der Kardinal: „Es ist nicht gut, dass der Papst hier das Recht hat, eine notwendige Untersuchung zu stoppen.“

Der Kardinal machte auch klar, dass das Problem des Missbrauchs in der Kirche nicht Klerikalismus oder Pädophilie sind, sondern aggressive Homosexualität: „Die überwiegende Mehrheit der Opfer von Missbräuchen durch Kleriker sind keine Kinder, sondern Teenager und ältere Menschen. Jeder Angriff gegen das sechste Gebot ist eine Todsünde. 80 Prozent und mehr der Opfer sind Jungen im Alter von 14 Jahren und älter, sie sind homosexuelle Anschläge, keine pädophile. Es geht nicht um Kinder, sondern um Teenager und ältere Menschen. “

Angesprochen auf die derzeit tagende Jugendsynode meinte Müller, dass diese keine spezielle Lehrautorität habe. Er verstehe nicht, woher diese Idee komme, dass Synoden eine Lehrautorität haben sollten. „Eine Bischofssynode ist kein ökumenisches Konzil, daher hat es auch keine Lehrautorität. Der Papst kann auch nicht die Grundverfassung der Kirche verändern.“

INTERVIEW in voller LÄNGE

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BRIEF AN PAPST FRANZISKUS DER VEREINIGUNG KATHOLISCHER MÄNNER

HINWEIS: Dieser Brief spiegelt die persönliche Initiative der einzelnen katholischen Männer wider, die ihn unterzeichnet haben. Berufliche Zugehörigkeiten werden nur zu Identifikationszwecken aufgeführt. Dieser Brief wird von keiner Gruppe oder Organisation gesponsert. Unterzeichner werden ermutigt, traditionelles Fasten mit Essen und / oder Trinken zu betreiben, aber die genaue Art des Fastens jedes Unterzeichners ist eine Frage der individuellen Diskretion. Unterzeichner werden ermutigt, ein schwieriges, aber nicht übermäßig belastendes Fasten zu unternehmen.

5. September 2018

Lieber Heiliger Vater und liebe Bischöfe der Vereinigten Staaten:

Als katholische Laien sind wir treue Ehemänner, Väter, Geschäftsleute, Juristen, Handwerker, Ärzte, Professoren, Lehrer, Künstler und Leiter katholischer Laienapostolate. Aber vor allem sind wir Menschen, die in Christus und seine Kirche verliebt sind, und aus diesem Grund bitten wir Sie, die Korruption zu beseitigen, die das Antlitz der Braut Christi so grotesk entstellt hat. Die gegenwärtigen Skandale haben unsere Frauen, Schwestern, Brüder und Kinder in Gefahr gebracht. Deshalb bitten wir Sie, in Anlehnung an die Worte der hl. Katharina von Siena an Papst Gregor XI, „nicht länger zu schlafen und mutig das Banner [Christi] zu erheben“. Die Kirche braucht Reinigung, und kraft Ihrer Ämter als unsere Hirten ist niemand mehr qualifiziert, diese Reinigung zu bewirken als Sie selbst. Wir bitten Sie, dies ohne Verzögerung zu tun.

Indem wir Mut fassen vom heiligen Paulus und wissend, dass „wo die Sünde zunahm, die Gnade umso größer wurde“ (Rm 5:20), sind wir entsetzt über die jüngsten Missbräuche. Wir haben von den Vorwürfen gegen Erzbischof Theodore McCarrick gelesen, dem Bericht der Grand Jury bezüglich der Kirche in Pennsylvania, von den schrecklichen Misshandlungen in Honduras und Chile; und den überhandnehmenden Berichten über klerikale homosexuelle Aktivitäten, Pädophilie und Ephebophilie im gesamten Presbyterium der Welt. Vor kurzem haben wir die Aussage von Erzbischof Carlo Maria Viganò gelesen, in der behauptet wird, dass Bischöfe in leitenden Führungspositionen sowohl innerhalb des Heiligen Stuhls als auch in den Vereinigten Staaten sexuellen Missbrauch vertuscht haben, was eine weit verbreitete und systemische Korruption in der gesamten kirchlichen Hierarchie belegt.

Heiliger Vater, wir gelangen an Sie, um Antworten zu bekommen. Sie wurden persönlich mit Vorwürfen konfrontiert. Diese Vorwürfe wurden von einem hochrangigen Kirchenvertreter, Erzbischof Viganò, erhoben. Außerdem haben viele Bischöfe in den Vereinigten Staaten öffentlich erklärt, dass sie der Ansicht sind, dass diese Anschuldigungen untersucht werden sollten. Wir bitten Sie, sie anzusprechen. Insbesondere bitten wir Sie, die Fragen unserer Schwestern in ihrem am 30. August 2018 veröffentlichten Schreiben an Sie zu beantworten.

Überdies, unabhängig von der Richtigkeit der Anschuldigungen von Erzbischof Viganò bleiben unsere Bedenken hinsichtlich der Korruption bestehen. Eure Heiligkeit, Ihre Eminenzen und Ihre Exzellenzen: Was tun Sie inmitten weit verbreiteten globalen Missbrauchs, Vertuschungen und hierarchischem Versagen, und was werden Sie tun, um das Volk Gottes zu beschützen? Wir bitten Sie, diese einfache Frage zu beantworten, denn die Kosten der bischöflichen Korruption sind katastrophal. Gegenwärtig zögern viele Familien, ihre Söhne ins Priesterseminar zu schicken. Bemühungen zur Evangelisierung wurden gelähmt. Und das Misstrauen der Spender gefährdet die Fähigkeit der Kirche, den Armen zu dienen, den Umweltschutz zu fördern und Werke der Barmherzigkeit zu verrichten. Eine katholische Mutter hat gesagt, dass diese Krise entweder die Kirche neu beleben oder einen Exodus verursachen wird. Wir bitten Sie, die Wiederbelebung durch radikale Reinigung zu fördern, indem Sie erkennen, dass Sie Gefahr laufen, in den Augen von Millionen von Katholiken an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Heiliger Vater, wir sind persönlich unserer eigenen Reinheit und der Reinigung der Kirche verpflichtet. Wir werden an die Worte unseres Herrn in Johannes 8:7 erinnert: „Derjenige unter euch, der ohne Sünde ist, soll der Erste sein, der einen Stein wirft.“ Alle Sünde, einschließlich unsere eigene, schwächt die Kirche. Als Männer müssen wir alle die Kraft haben, die Heiligung durch unseren Herrn zu suchen. Aus diesem Grund werden wir bei uns selbst beginnen, unser eigenes Gewissen prüfen und unser eigenes Bekenntnis zur Keuschheit erneuern. Wir werden daran arbeiten, unsere eigenen Familien aufzubauen, besonders unsere Söhne und unsere eigenen Gemeinschaften. Des weiteren verpflichten sich die Unterzeichner dieses Schreibens zu ernsthaftem und schwerem Fasten für die nächsten siebzehn Freitage, beginnend diesen Freitag, den 7. September bis zum Ende des Kalenderjahres. Wir werden nicht nachgeben. Wir werden das Leiden als Buße für unsere eigenen Sünden und die Sünden der Kirche annehmen. Wir wollen nichts mehr, als inmitten eines Skandals Heilige zu werden.

Heiliger Vater und Bischöfe der Vereinigten Staaten, wir plädieren für Gerechtigkeit für die Opfer des Missbrauchs. Wir fügen unsere Stimmen denen der Bischöfe hinzu, die eine Untersuchung der kirchlichen Hierarchie sowohl in unserem eigenen Land als auch im Vatikan gefordert haben. Diese Untersuchung sollte von treuen Laien und Frauen durchgeführt werden. Darüber hinaus ermutigen wir andere Gruppen, ihre Stimme zu erheben, indem sie weitere Briefe dieser Art schreiben.

Schließlich loben wir unseren Herrn Jesus Christus, der in seiner reichen Barmherzigkeit die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche gegründet hat. Wir bekräftigen unsere Hoffnung für die Zukunft der Kirche. Wir bitten Sie, mutig und nicht ängstlich zu sein. Wir bekräftigen unsere Zuneigung und Dankbarkeit für die heiligen Priester und Bischöfe, die uns treulich als Verwalter der Geheimnisse Christi gedient haben. Die Geschichte der Kirche hat viele Jahreszeiten gesehen. Dennoch, nach der dunklen Jahreszeit des Winters kommt der Frühling, und wir beten, dass die Schwierigkeiten der Gegenwart durch die kommenden Siege überwunden werden. Im Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus sind wir voller Zuversicht, dass das Licht der Heiligen Dreifaltigkeit diese gegenwärtige Dunkelheit durchbricht und die ganze Schönheit unserer geliebten Kirche offenbart.

Wir versprechen unser Leben, unsere Talente und unsere Ressourcen für die Reinigung und Erneuerung der katholischen Kirche einzusetzen. Unter Anrufung der Fürsprache der Gottesmutter werden wir bis zum Ende für diese Sache kämpfen.

Ihre Söhne und Brüder in Christus,

[Rund 11’000 Unterschriften]

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BRIEF AN PAPST FRANZISKUS VON KATHOLISCHEN FRAUEN


HINWEIS: Dieser Brief spiegelt die persönliche Initiative der einzelnen katholischen Frauen wider, die diesen Brief unterschreiben, und wird nicht von irgendeiner Gruppe oder Organisation gesponsert.

 

30. August 2018

An Seine Heiligkeit, Papst Franziskus
Vatikanstadt

Eure Heiligkeit:

Sie haben gesagt [Evangelii gaudium, 103], dass Sie „eine wirksamere weibliche Präsenz in der Kirche wünschen“, und dass „Frauen in der Lage sind, Dinge mit einem anderen Blickwinkel als [Männer] zu sehen, mit einem anderen Auge. Frauen können Fragen stellen, die wir Männer nicht verstehen können.“

Wir schreiben Ihnen, Heiliger Vater, um Fragen zu stellen, die Antworten brauchen.

Wir sind katholische Frauen, die sich zutiefst unserem Glauben verpflichtet fühlen und zutiefst dankbar sind für die Lehren der Kirche, die Sakramente und die vielen guten Bischöfe und Priester, die unser Leben gesegnet haben.

Unsere Herzen sind gebrochen, unser Glaube ist durch die eskalierende Krise, die unsere geliebte Kirche erfasst hat, geprüft worden. Wir sind wütend, betrogen und desillusioniert. Der Schmerz und das Leid der Opfer enden nie, denn jeder Nachrichtenzyklus bringt entsetzlichere Enthüllungen über sexuellen Missbrauch, sexuelles Fehlverhalten, Vertuschungen und Betrug – selbst auf höchster kirchlicher Ebene.

Die jüngste Erklärung von Erzbischof Carlo Maria Viganò fordert uns auf, Sie direkt um Antworten zu bitten. Sein Zeugnis beschuldigt Sie, Heiliger Vater, und hochrangige Kardinäle, das ungeheuerliche Verhalten des ehemaligen Kardinals McCarrick zu ignorieren und diesen Räuber als globalen Sprecher und geistlichen Führer zu fördern. Ist das wahr?

Dies sind verheerende Vorwürfe. Wie USCCB-Präsident Kardinal Daniel D. DiNardo vor kurzem sagte : „Die aufgeworfenen Fragen verdienen Antworten, die schlüssig sind und auf Beweisen basieren.“ Dem stimmen wir zu.

Einige entscheidende Fragen, die die Erklärung von Erzbischof Viganò aufwirft, erfordern jedoch weder langwierige Ermittlungen noch physische Beweise. Sie erfordern nur Ihre direkte Antwort, Heiliger Vater. Als Sie kürzlich von Reportern über die Vorwürfe von Erzbischof Viganò befragt wurden, antworteten Sie : „Ich werde hierüber kein einziges Wort sagen.“ Sie sagten den Reportern, sie sollten „die Aussage sorgfältig lesen und ein eigenes Urteil fällen“.

Für Ihre verletzte Herde, Papst Franziskus, sind Ihre Worte unzureichend. Sie stechen und erinnern an den Klerikalismus, den Sie kürzlich verurteilt haben. Wir brauchen Führung, Wahrheit und Transparenz. Wir, Ihre Herde, verdienen jetzt Ihre Antworten .

Insbesondere bitten wir Sie demütig, die folgenden Fragen zu beantworten, da die Antworten Ihnen sicherlich bekannt sind. Erzbischof Viganò sagt, dass er Ihnen im Juni 2013 diese Botschaft (im Wesentlichen) über den damaligen Kardinal McCarrick übermittelt hat:

„Er hat Generationen von Seminaristen und Priestern beschädigt und Papst Benedikt hat ihm befohlen, sich in ein Leben des Gebets und der Buße zurückzuziehen.“

Ist das wahr? Was hat Ihnen Erzbischof Viganò im Juni 2013 über den damaligen Kardinal McCarrick mitgeteilt?

Wann haben Sie von Kardinal McCarrick von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs oder sexuellen Fehlverhaltens gegenüber Erwachsenen erfahren?

Wann haben Sie von den Einschränkungen erfahren, die Papst Benedikt dem damaligen Kardinal McCarrick auferlegt hat? Und haben Sie dann Kardinal McCarrick von irgendwelchen Einschränkungen von Papst Benedikt befreit?

Heiliger Vater, in Ihrem Brief an das Volk Gottes über die Skandale haben Sie geschrieben: „Ein Sündenbewusstsein hilft uns, die Fehler, die Verbrechen und die Wunden, die in der Vergangenheit verursacht wurden, anzuerkennen und erlaubt uns in der Gegenwart, mehr zu sein, offen und verpflichtet auf einer Reise der erneuerten Bekehrung.“ Deshalb erwarten wir, dass Sie, unser Heiliger Vater, ehrlich zu uns sind.

Bitte wenden Sie sich nicht von uns ab. Sie haben sich verpflichtet, die kirchlichen Wege in der Kirche zu ändern. Dass ein Kardinal Seminaristen missbrauchen würde, ist abscheulich. Wir müssen wissen, dass wir Ihnen vertrauen können, um ehrlich zu sein, was passiert ist. Die Opfer, die so sehr gelitten haben, müssen wissen, dass sie Ihnen vertrauen können. Die Familien, die die Quelle der Erneuerung der Kirche sein werden, müssen wissen, dass wir Ihnen vertrauen können und somit der Kirche vertrauen können.

Bitte halten Sie uns bei diesen Fragen nicht auf Distanz. Wir sind treue Töchter der Kirche, die die Wahrheit brauchen, damit wir beim Wiederaufbau helfen können. Wir sind keine Katholiken der zweiten Klasse, die abzulenken sind, während Bischöfe und Kardinäle Angelegenheiten privat behandeln. Wir haben das Recht zu wissen. Wir haben ein Recht auf Ihre Antworten.

Wir sind Frauen, Mütter, alleinstehende Frauen, geweihte Frauen und Ordensschwestern.

Wir sind die Mütter und Schwestern Ihrer Priester, Seminaristen, zukünftigen Priester und Ordensleute. Wir sind die Laienführerinnen der Kirche und die Mütter der nächsten Generation.

Wir sind Professorinnen in Ihren Seminaren und Leiter in katholischen Kanzleien und Institutionen.

Wir sind Theologinnen, Evangelistinnen, Missionarinnen und Gründerinnen von katholischen Apostolaten.

Wir sind die Menschen, die opfern, um die gute Arbeit der Kirche zu finanzieren.

Wir sind das Rückgrat der katholischen Pfarreien, Schulen und Diözesen.

Wir sind die Hände, die Füße und das Herz der Kirche.

Kurz, wir sind die Kirche, genauso wie die Kardinäle und Bischöfe um Sie herum.

Heiliger Vater, wir sind die „prägnante Gegenwart“, die die Kirche braucht, und wir brauchen Ihre Antworten.

In Liebe zu Christus und der Kirche,

(Rund 50’000 Unterschriften)

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Ja-Ja – Nein-Nein: die Notwendigkeit eines klaren Urteils

05 September 2018, 07:00

Die McCarrick-Saga, Viganò und der Papst: worum es am wenigsten geht, ist die Wahrheitsfrage. Was passiert, wenn man Journalisten von der Leine lässt und sie auf Jagd schickt.

Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Sex – Geld – Macht. Vor zwei Monaten explodierte der Fall des homosexuellen (nunmehr ehemaligen) Kardinals Theodore „Uncle“ McCarrick, eines der mächtigsten und bedeutendsten Prälaten der Vereinigten Staaten von Amerika der letzten Jahrzehnte. Sein Name ist eng verbunden mit – Geld, den Mächtigen und den Reichen des Globus. „Uncle Ted“ tanzte auf allen Bühnen der Welt. Sein Einfluss reichte hoch hinauf in die „Sacri Palazzi“. Dass dies auch der Fall war aufgrund seiner aktiv praktizierten Homosexualität, des Bestehens eines Netzwerkes der Beeinflussung und des gegenseitigen Schutzes von homosexuellen Priestern, Bischöfen und Kardinälen, wird in der Zukunft zu klären sein. Eine Klärung, die zweifellos dadurch erschwert wird, dass die etablierten LGBT-Aktivisten weltweit den Blick von derartigen Netzwerken ablenken wollen.

Ein anderer (und vielleicht der wichtigste) Aspekt der McCarrick-Saga besteht eben im „Geld“: wie der kriminelle Gründer der Legionäre Christi Marcial Maciel Degollado war der „Onkel“ ein Genie, wenn es darum ging, Geld locker zu machen: ein Genie des „Fundraising“. So gründete der ehemalige Kardinal im Jahr 1988 zusammen mit Kardinal John Krol die wichtige amerikanische „Papal Foundation“, eine Stiftung im Dienst des Nachfolgers Petri und seiner Anliegen. Seit 1990 wurden nach Angaben der Stiftung 215 Millionen Dollar eingesammelt – viel Geld für den Papst, für Rom, für Projekte der Weltkirche, zudem in der Regel nur ein Wink genügte, um Kapitale locker zu machen.

„Fundraising“ – es gehörte zum Lebensinhalt des homosexuellen Kardinals, der die ganze Welt bereiste und als gern gesehener, weil mächtiger Gast begrüßt wurde. Gerade in dieser seiner politischen Eigenschaft war der Onkel während des Pontifikats von Papst Franziskus unterwegs. Mehr denn je habe er gearbeitet, schrieb das amerikanische Internetportal „National Catholic Reporter“, Sprachorgan der „liberals“ in Übersee, am 21. Juni 2014 unter dem Titel: „Globe-trotting Cardinal Theodore McCarrick is almost 84 and working harder than ever“. Weiter hieß es:

„McCarrick gehört zu einer Reihe von hochrangigen Kirchenmännern, die während des achtjährigen Pontifikats von Papst Benedikt XVI. mehr oder weniger auf die Weide geschickt wurden. Aber jetzt ist Franziskus Papst, und Prälaten wie Kardinal Walter Kasper (ein anderer alter Freund von McCarrick) und McCarrick selbst haben wieder Oberwasser und mehr als je zuvor zu tun“.

Wie immer: Geld, Macht und Sex. Um diese Banalitäten ging und geht es, um diese drei Bolzen dreht sich die Welt. Machtstrukturen zur Vertuschung von Missbräuchen und persönlicher Perversion sowie zur Selbstbehauptung. Wenn es das ist, was Franziskus in seinem „Schreiben an das Volk Gottes“ mit „Klerikalismus“ meinte, dann ist dem nur zuzustimmen.

Die McCarrick-Saga wird noch lange weitergehen und sie ist vor allem deshalb explodiert, weil bekannt wurde, dass der „Onkel“ nicht nur Seminaristen und anderen volljährigen Männern nachgestiegen war, sondern in wenigstens einem Fall auch einen Minderjährigen missbraucht hatte. Sie bietet Material für Romane, Filme, staatsanwaltliche und journalistische Aufdeckungsarbeit. Seit dem 26. August 2018 verbindet sich diese Geschichte mit einer weiteren, bedeutend umfassenderen, die direkt den Papst ins Spiel bringt, genauer gesagt drei Päpste: Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus.

Der ehemalige Nuntius in den Vereinigten Staaten von Amerika, Carlo Maria Viganò, veröffentlichte ein explosives Memorandum, mit dem er den Fall McCarrick in einen größeren Zusammenhang stellte und vor allem Franziskus selbst einer expliziten Vertuschung bezichtigte. Während des Interviews auf dem Rückflug von Irland erklärte der Papst dazu: „Ich habe diese Erklärung heute Morgen gelesen. Ich habe sie gelesen, und ich muss Ihnen aufrichtig sagen, Ihnen und allen Interessierten unter Ihnen: Lesen Sie die Mitteilung aufmerksam durch und bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. Ich werde dazu kein Wort sagen. Ich glaube, dass das Kommuniqué für sich selbst spricht, und Sie haben ausreichend journalistische Fähigkeit, Ihre Schlussfolgerungen zu ziehen. Es ist ein Akt des Vertrauens: Wenn einige Zeit vergangen ist und Sie Ihre Schlussfolgerungen gezogen haben, werde ich vielleicht sprechen. Aber ich möchte, dass Ihre berufliche Reife diese Arbeit erledigt: Es wird Ihnen gut tun, wirklich. Dabei möchte ich es belassen“.

„Ich werde dazu kein Wort sagen – ich möchte, dass Ihre berufliche Reife diese Arbeit erledigt“: der Papst ließ also die Journalisten von der Leine, damit sie „ihre Arbeit“ tun. Seither vergeht keine Stunde, in der nicht über den „Fall Viganò“ geschrieben wird.

Zwei Akteure sind gegeneinander angetreten. Beide auf die eine oder andere Weise gestärkt durch das „Schweigen des Papstes“. Auf der einen Seite stehen jene, die eine klare Aussage zu Fragen wünschen, die mit dem zu beantworten wären, was einem Jesuiten in der Regel schwer fällt: mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“.

Auf der anderen Seite platziert sich die sogenannte Bergoglio-Press-Gang, katholische und nichtkatholischen Medien und Journalisten, die sich dazu entschlossen haben, den „Reform-Papst“ zu verteidigen, der in den letzten fünf Jahren zu einer gerade auch von den weltlichen Medien vergötterten Idolfigur hochstilisiert wurde. Letzter Akt des Dramas nach dem Viganò-Memorandum: der Papst ist „Opfer“ einer Palastintrige der „Traditionalisten“ (was auch immer das heißen und wer auch immer das sein soll), die nun ihre Stunde sehen, einen unliebsamen Nachfolger Petri zu stürzen. Das aber ist unmöglich, wie jeder Katholik wissen sollte. Niemand kann den Papst richten, niemand kann ihn „von außen“ zum Rücktritt auffordern.

Die Schlacht tobt, vor allem im Internet und in den Social Medias. Worum es am wenigsten geht, das ist die Wahrheitsfrage und wie diese objektiv zerreißende Problematik in einen Horizont der Wahrheit gestellt werden kann. Ob es eine gute Idee war, die Journalisten von der Leine zu lassen? Wohl nicht. Vor allen Dingen auch deshalb nicht, weil irgendwann einmal jemand die Frage stellen wird: wenn die Erklärungen und Anklagen des ehemaligen Nuntius in den Vereinigten Staaten falsch sind oder „zu etwas anderem dienen“ – wo sind die Dokumente, anhand derer dies nachgewiesen werden könnte? Wo sind die Beweise, die die detaillierten Aussagen Viganòs widerlegen? Werden diese nicht gegeben, so besteht nur die Hoffnung auf eine vatikanische „Deep Throat“, einen neuen „Whistleblower“. Dies dürfte nicht dem Wohl der Kirche dienen.

So steht man vor einem sehr ideologisch geprägten Journalistenheer, das mehr oder weniger interessiert und wütend unterwegs ist. Was im Vergleich mit der Vergangenheit erstaunt: wie sehr doch gerade gewisse säkulare Medien und auch katholisch orientierte progressistische Organe meinen, sich „auf die Seite des Papstes“ stellen zu müssen, ohne einen Faktencheck zu produzieren und ohne Fragen zu stellen, zu deren Beantwortung ein eindeutiges Statement notwendig ist.

An die Stelle der Wahrheitsfrage treten persönliche Verunglimpfung und würdelose Produktion von Pseudoargumenten „ad hominem“. Das dürfte dem Anspruch des Papstes wohl ziemlich fernstehen: „Aber ich möchte, dass Ihre berufliche Reife diese Arbeit erledigt“. Leider muss man sich heute fragen, warum die Journalisten nicht das tun, was sie unter Benedikt XVI. acht Jahre lang am liebsten getan hatten: „Pressing“ auszuüben, damit bestimmte Dinge geklärt werden.

„Wer bin ich, um zu urteilen?“ – dieser Satz löste eine Lawine aus, die in fünf Jahren vieles mit- und wegriss. Heute wird umso deutlicher: dieses Urteil, dieses „Ja“ oder „Nein“ sind notwendig.

PS zur Erinnerung: es ist bestürzend, dass in dem ganzen Zusammenhang eines aus dem Bewusstsein verschwunden zu sein scheint: das Schicksal und Leid der Opfer von „predators“, von Raubtieren wie McCarrick und Co., das Schicksal der Opfer mafiöser Machtstrukturen, der Opfer verschiedenster Spielarten eines krankhaften Networking, das bei weitem die Vorstellung von „Seilschaften“ übersteigt.

„Die katholischen Journalisten müssen der Suche nach der Wahrheit mit leidenschaftlichem Verstand und Herz nachgehen, aber auch mit der Professionalität von Fachleuten, die mit angemessenen und wirkkräftigen Mitteln ausgestattet sind. Dies erweist sich als noch wichtiger im gegenwärtigen Augenblick der Geschichte, der vom Journalisten als Mittler des Informationsflusses verlangt, selbst einen tiefen Wandel zu vollziehen“: so mahnte Papst Benedikt XVI. am 7. Oktober 2010. Es ist an der Zeit, einzukehren und diesen Wandel zu vollziehen.

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Sie wollen Antworten: 5.000 Frauen schreiben Offenen Brief an Papst Franziskus

Papst Franziskus im Gespräch mit einer Frau bei der Generalaudienz am 10. Februar 2016 Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Eine Gruppe katholischer Frauen hat einen offenen Brief an Papst Franziskus geschrieben und verlangt, dass er die Fragen beantwortet, die Erzbischof Carlo Maria Viganòs Vorwürfe aufwerfen.

Das Schreiben folgt Aufrufen mehrerer Bischöfe, darunter des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal DiNardió, die Vorwürfe aufzuklären – und einer Laienkommission, die „Kultur des Schweigens“ zu brechen.

In der Einleitung ihres Briefes erinnern die Frauen an ein Zitat von Papst Franziskus über die Rolle der Frau in der Kirche: „Sie haben gesagt, dass Sie ‚eine prägnantere weibliche Präsenz in der Kirche‘ suchen und dass ‚Frauen in der Lage sind, Dinge mit einem anderen Blickwinkel zu sehen als[Männer], mit einem anderen Auge. Frauen können Fragen stellen, die wir Männer nicht verstehen.'“

„Wir schreiben Dir, Heiliger Vater, um Fragen zu stellen, die Antworten brauchen“, schreibt der Brief.

Konkret fordern sie Antworten auf die Fragen, die in Viganos Zeugenaussage aufgeworfen wurden: Wie CNA Deutsch berichtete, werden darin der Papst sowie mehrere Mitglieder der Kirchenhierarchie beschuldigt, Vorwürfe des schweren Fehlverhaltens, bis hin zu sexueller Gewalt, gegen den ehemaligen Kardinal Theodore McCarrick ignoriert, gedeckt oder aktiv vertuscht zu haben.

Die Frauen fragen Franziskus auch, ob beziehungsweise wann er auf Sanktionen aufmerksam gemacht wurde, die laut Viganò gegen den damaligen Kardinal Theodore McCarrick von Papst Benedikt XVI. verhängt wurden – und ob er McCarrick trotz Kenntnis dieser Sanktionen und der schweren Vorwürfe rehabilitiert hat.

Auf diese Fragen von Journalisten auf seinem Rückflug vom Weltfamilientreffen in Irland antwortete Papst Franziskus, dass er „kein einziges Wort dazu sagen“ werde. Der Pontifex ermutigte die Journalisten stattdessen, die Erklärung selbst zu lesen und ihre eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen.

„Für deine verletzte Herde, Papst Franziskus, sind deine Aussagen unzureichend“, schreiben die Unterzeichnerinnen des Briefes. „Sie schmerzen uns, erinnern an den Klerikalismus, den Du gerade verurteilt hast. Wir brauchen Führung, Wahrheit und Transparenz. Wir, Deine Herde, erwarten von Dir jetzt Deine Antworten.“

„Bitte wende Dich nicht von uns ab“, schreiben sie weiter. „Du hast Dich verpflichtet, die klerikalen Wege in der Kirche zu ändern. Dass ein Kardinal Seminaristen ausnutzt, ist abscheulich. Wir müssen wissen, dass wir darauf vertrauen können, dass Du uns gegenüber ehrlich bist. Die Opfer, die so sehr gelitten haben, müssen wissen, dass sie Dir vertrauen können. Die Familien, die die Quelle der Erneuerung der Kirche sein werden, müssen wissen, dass wir Dir und damit der Kirche vertrauen können.“

Die Frauen, die den Brief unterzeichnet haben, dienen der Kirche in verschiedenen Positionen und Berufen, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben. Sie beschreiben sich selbst als „zutiefst unserem Glauben verpflichtet und zutiefst dankbar für die Lehre der Kirche, die Sakramente und die vielen guten Bischöfe und Priester, die unser Leben gesegnet haben“.

Sie sind „Ehefrauen, Mütter, alleinstehende Frauen, geweihte Frauen und Ordensschwestern. Wir sind die Mütter und Schwestern Deiner Priester, Seminaristen, zukünftigen Priester und Ordensleute. Wir sind die Laienführer der Kirche und die Mütter der nächsten Generation. Wir sind Professoren in Ihren Seminaren und Leiter katholischer Kanzleien und Institutionen. Wir sind Theologen, Evangelisten, Missionare und Gründer katholischer Apostolate.“

„Kurz gesagt, wir sind die Kirche, genauso wie die Kardinäle und Bischöfe um Dich herum“.

Der Brief ist unterschrieben: „Mit Liebe zu Christus und der Kirche.“

Zu den Frauen, die dem Papst den Offenen Brief schicken, gehört eine lange Reihe prominenter Professorinnen mehrer katholischer Universitäten, Autorinnen und Aktivistinnen, aber auch die Mütter und Schwestern von Seminaristen und jungen Priestern.

Das auf den 30. August 2018 datierte Schreiben wird als persönliche Initiative der ursprünglichen Unterzeichner bezeichnet und wurde von keiner Gruppe oder Organisation organisiert oder gesponsert. Es hatte 5.300 Unterschriften zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels.

Übersetzt und redigiert von AC Wimmer.