Der heilige Josemaria Escrivá über: DIE EINHEIT DER CHRISTEN

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Der heilige Josemaria Escrivá

Die Kirche bittet die Christen in der Woche vom 18. bis zum 25. Januar, dem Fest des hl. Paulus, um mehr Gebet für die Einheit.

Bitte Gott darum, daß in der heiligen Kirche, unserer Mutter, die Herzen aller – wie zur Zeit der Urchristen – als ein einziges Herz schlagen, damit das Wort der Schrift sich bis zum Ende der Zeiten wirklich erfülle: »Multitudinis autem credentium erat cor unum et anima una« – die Gläubigen waren ein Herz und eine Seele.
Ich meine das sehr ernst: du darfst diese heilige Einheit nicht verletzen. Betrachte dies in deinem Gebet!
Im Feuer der Schmiede, 632

Wahre Ökumene
Ich verehre mit allen meinen Kräften das Rom des Petrus und des Paulus, das getränkt ist vom Blut der Märtyrer, den Mittelpunkt, von dem so viele hinausgezogen sind in die ganze Welt, um die Heilsbotschaft Christi zu verkünden. Römisch sein bedeutet in keiner Weise Abkapselung, sondern rechte Ökumene; es beinhaltet den Wunsch, das Herz weit zu machen, es allen Menschen mit dem Erlöserverlangen Christi zu öffnen, der alle sucht und alle aufnimmt, weil Er alle zuerst geliebt hat.
Loyal zur Kirche, 28

Nimm folgendes Anliegen in dein tägliches Gebet: daß alle katholischen Christen treu sind, daß wir entschieden um die Heiligkeit kämpfen.
Eine selbstverständliche Aufforderung! Was denn sonst könnten wir denen wünschen, die wir lieben und die mit uns durch das starke Band des Glaubens verbunden sind?
Im Feuer der Schmiede, 925

Die Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist
Ich will mit dem beginnen, was wir beim heiligen Cyprian lesen: Die universelle Kirche zeigt sich uns als ein Volk, dessen Einheit aus der Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes hervorgeht.
Das übernatürliche Ziel der Kirche, 1

Die Ausgießung des Heiligen Geistes, die uns christusförmig macht, führt uns zu der Erkenntnis, daß wir Kinder Gottes sind. Der Tröster, der die Liebe ist, lehrt uns, auf diese Tugend unser ganzes Leben zu gründen; und consummati in unum, einsgeworden mit Christus, können wir unter den Menschen das sein, was nach dem heiligen Augustinus die Eucharistie ist: Zeichen der Einheit, Band der Liebe.
Christus begegnen, 87

Jesus spricht: »So sage auch ich euch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan werden.«
Bete. Bei welcher menschlichen Unternehmung könnte man dir größere Erfolgschancen zusichern?
Der Weg, 96

Die Gemeinschaft der Heiligen
Du wirst deine Pflicht leichter erfüllen, wenn du an die Hilfe denkst, die deine Brüder dir leisten. Und an die Hilfe, die du ihnen versagst, wenn du nicht treu bist.
Der Weg, 549

Im Gedanken an so manche Situation der Geschichte, die der Teufel aufs neue herbeizuführen sucht, scheint mir das, was du über Loyalität schreibst, ins Schwarze zu treffen: »Den ganzen Tag über steigt mir aus Kopf, Herz und Mund das Stoßgebet zum Himmel: Rom!«
Die Spur des Sämanns, 344

Einheit und Vielfalt
Du warst verblüfft darüber, daß ich die mangelnde »Gleichförmigkeit« in diesem Apostolat, in dem du arbeitest, guthieß.
Und ich sagte dir: Einheit und Vielfalt. – Ihr müßt so verschieden sein, wie die Heiligen im Himmel verschieden sind, denn jeder von ihnen hat seine besondere persönliche Note. – Darüber hinaus aber müßt ihr euch gleichen wie die Heiligen, die keine Heiligen wären, wäre nicht jeder von ihnen eins mit Christus geworden.
Der Weg, 947

Treue
Die Kirche ist apostolisch aufgrund ihrer Verfassung. So kommt es, daß jene Kirche, die wirklich die katholische ist und heißt, zugleich die Vorrechte der Einheit, der Heiligkeit und der apostolischen Nachfolge deutlich aufweisen muß. Die katholische Kirche zeigt also eine offensichtliche und vollkommene Einheit auf der ganzen Erde und unter allen Völkern; jene Einheit, deren Grund, Wurzel und unbesiegbarer Ursprung die höchste Autorität und der höchste Vorrang des heiligen Apostelfürsten Petrus und seiner Nachfolger auf dem römischen Stuhle ist. Es gibt keine andere katholische Kirche als jene, die, auf den einen Petrus auferbaut, in der Einheit des Glaubens und der Liebe heranwächst zum einen zusammengefügten und zusammengehaltenen Leib
Wir werden dazu beitragen, die Apostolizität in den Augen aller deutlicher sichtbar zu machen, wenn wir unsere Einheit mit dem Papst, die ja Einheit mit Petrus ist, mit ausgesuchter Treue unter Beweis stellen. Die Liebe zum Heiligen Vater muß eine herrliche Leidenschaft in uns sein, denn in ihm sehen wir Christus. Wenn wir mit dem Herrn im Gebet verkehren, werden wir einen klaren Blick bekommen, der uns auch hinter Ereignissen, die wir vielleicht manchmal nicht verstehen oder die uns Kummer bereiten und die Tränen in die Augen treiben, das Wirken des Heiligen Geistes erkennen läßt.
Loyal zur Kirche, 30

Mit welch wunderbaren Schattierungen hat unser Herr doch von dieser Lehre gesprochen. Er reiht ein Gleichnis und ein Bild an das andere, damit wir sie verstehen, damit diese Leidenschaft für die Einheit unserer Seele tief eingeprägt bleibt. Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet Er ab; jede, die Frucht bringt, reinigt Er, damit sie noch mehr Frucht bringe… Bleibt in mir, und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich selbst keine Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt viele Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun (Joh 15,1-5).
Loyal zur Kirche, 20

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Quelle

Das Licht der Heiligen – zur Persönlichkeit von Josemaría Escrivá

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Die gleichermaßen vielschichtige und kompakte Persönlichkeit Josemaría Escrivás weckt bei einfachen Gläubigen wie bei Theologen ein beträchtliches Interesse. Wer sich gründlich mit seinen Werken und mit seinem Dienst an der Kirche befasst, erkennt schon heute (Anm.: der Artikel wurde vor der Seligsprechung geschrieben), dass der Gründer des Opus Dei neue Horizonte für die Spiritualität und das Leben der Kirche erschlossen hat.

Die Aktualität seiner Botschaft und seines Werkes liegt offen zutage als „ein lebendiger Ausdruck der immerwährenden Jugend der Kirche“, wie Papast Paul VI. schreib. Pius XII. nannte Escrivá „einen wahren Heiligen, einen Mann, von Gott gesandt für unsere Zeit“. (Anm.: Das war zu Lebezeiten des hl. Josefmaria). Kardinal Höffner erklärt, sein Werk sei „kirchengeschichtlich providentiell und von einer heiligenden Kraft, deren Wert kaum überschätzt werden kann“.

Der Theologe erkennt im Charisma des Gründer des Opus Dei das freie Wirken Gottes, das mit einem plötzlichen Licht den Geist des erwählten Geschöpfes durchdringt und ihm eine Aufgabe zuweist, die es nicht kennt, die es aber auch nicht zurückweist. Der Historiker hingegen sucht objektive Kriterien, die es ihm erlauben, jenes Charisma und die Antwort des Menschen darauf zu bewerten. Msgr. Escrivá sieht weit über den Gesichtskreis seiner Zeit hinaus. Und doch schöpft er aus ihren Wechselfällen Kraft und Inspiration. Zwei Elemente sind für die Beurteilung seiner Persönlichkeit und seines Apostolates von besonderer Bedeutung. Da sind einerseits die persönliche Erfahrung des Dieners Gottes – der Welt seiner Berufung und seiner Sendung – und andererseits die äußeren Umstände, unter denen sich diese Sendung entwickelt. Wenn man so will, kann man auch zum einen von der Gnade sprechen und zum anderen von der geschichtlichen form, in der er sie konkretisiert.

Escrivás kirchliches Wirken vollzieht sich zu beginn der dreißiger Jahre in einem sozialen und kulturellen Umfeld, das von einem erbitterten Laizismus geprägt ist. Dieser zielt auf eine radikale Entchristlichung der Bevölkerung. Er beschränkt sich nicht nur auf die kulturelle Ebene, sondern sucht die gesamte Gesellschaft zu erfassen. Aus dieser laizistischen Kultur bricht ein regelrechter antiklerikaler hass hervor, ein gewalttätiger Kampf gegen die Kirche, eun anarchischer Aufruhr. In der folgenden Epoche bis hin zu unserer Zeit wird der Extremismus im Kampf gegen die Religion zwar überwunden, doch greift die Idee der „Laisierung“ des Lebens unaufhörlich weiter um sich:_ die Säkularisierung als Denkweise, sogar in der Theologie, und als gesamtgesellschaftliches Phänomen.

Die Antwort Escrivás bleibt im Kern stets dieselbe: „Diese Weltkrisen sind Krisen, weil es an Heiligen fehlt.“ Er fordert alle Christen auf, jede Art von Spaltung zwischen Glauben und Handeln im Alltag zu überwinden und sich der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit zu stellen, den Gott an sie richtet. Dabei ruft Gott den Menschen auf, so verkündet Escrivá mit Nachdruck, besonders durch seine Arbeit am Werk der Schöpfung und Erlösung mitzuwirken. Für den Gründer des Opus Dei wird die Arbeit zum Stoff der Heiligung – im Gegensatz zu denen, die ein „neues Zeitalter“ mit einer endgültig befreiten und selbst bestimmten, sich selbst verwirklichenden Menschheit heraufführen wollen und in der Arbeit nichts als einen Ort des Kampfes und der Unterdrückung des Menschen sehen. Escrivá will wieder „Christus an die Spitze aller menschlichen Tätigkeiten“ gesetzt sehen, so dass das Leben der einzelnen Menschen und der ganzen Gesellschaft auf Gott hingeordnet wird, der alles durchdringt.

Der Gründer des Opus Dei möchte den gewöhnlichen Christen aller Stände und sozialen Schichten neu bewusste machen, dass sie in Christus die Welt von innen her neu gestalten können. Diese Erkenntnis lässt noch Spuren seiner ersten Erfahrungen als Priester erkennen, die er unter den Kleinbauern von Perdiguera, den Studenten von Saragossa und Madrid wie den Arbeitern und Armen in den Außenbezirken der spanischen Hauptstadt sammelte. Eine Erkenntnis, die gerade heutzutage ihre reiche innere Kraft entfalten kann, da der ehedem moderne „Humanismus“ offensichtlich in Beliebigkeit und Sinnlosigkeit verkommt. Es ist gewiss kein Zufall, wenn es im Dekret über den heroischen Tugendgrad Escrivás heißt: „Die göttliche Vorsehung hat dieser Botschaft von der Heiligung des Irdischen und durch das Irdische eine unmittelbare Bedeutung für die geistliche Lage unserer Epoche verliehen Zwar stellt die heutige Zeit sorgsam alle menschlichen Werte heraus, doch neigt sie zugleich dazu, rein diesseitigen Weltanschauungen nachzugeben, die Gott und Welt voneinander getrennt sehen. Die Botschaft Josefmaria Escrivas wird auch in der Zukunft stets aktuell sein und ihr geistliches Licht in Fülle verbreiten. Zu arbeiten bleibt dem Menschen auf Erden allezeit aufgegeben und macht seine Würde aus. Deshalb wird die Einladung, Gott durch die Arbeit zu suchen, den Wechsel historischer Stunden und Umstände überdauern.“

In kirchlicher Hinsicht beginnt Josemaría escrivá sein wirken zu einer Zeit, in der sich herauszustellen beginnt, dass die traditionelle Pastoral keine adäquaten Antworten zu geben weiß auf die große Herausforderung jenes atheistischen beziehungsweise agnostischen Humanismus. Und in seinen letzten Lebensjahren erlebt er dann die Krise der irrigen Vorstellung, die Kirche könne aus der Sackgasse herauskommen, wenn sie sich der Welt anpasst. Auch hier hat seine Antwort bestand und wird den neuen Erfordernissen zutiefst gerecht. Ihre Geradlinigkeit hebt sie von gegenläufigen Versuchen anderer ab. Der Gründer des Opus Dei führt wieder zu einem christozentrischen und theozentrischen Christentum. Seine Verkündigung ist radikal in dem Sinne, dass sie im Primat der Gnade wurzelt, in der Lebensgemeinschaft mit Christus durch Gebet und Sakramente. Aus ihr allein kann sich der wahrhaft neue Mensch erheben und in seinem beruflichen Umfeld Zeugnis ablegen für Christus.

Diese Gedanken nehmen die zentrale Botschaft des II. Vatikanischen Konzils vorweg. Von daher ist die Freude Escrivás zu verstehen, als er sein Grundanliegen vom Konzil bestätigt sieht. In einem Sprung über Jahrhunderte hinweg führt es zurück zu den eigentlichen Quellen christlicher Spiritualität: zum Evangelium selbst und zum Leben der ersten Christen. Escrivá erlebt an sich selbst die umformende Begegnung mit Christus und vermittelt sie weiter. Doch will er weder intellektuelle Probleme noch komplizierte theologische Fragen lösen. Vielmehr treibt ihn der brennende pastorale Wunsch, allen die alte und zugleich neue Botschaft von Jesus Christus zu verkünden, in dessen heilbringendes Mysterium jeder Getaufte vital eingepflanzt ist. Deshalb wendet er sich an alle Menschen, an gebildete und ungebildete, an arme und reiche , an Persönlichkeiten von Rang und an schlichte Bürger.

Deswegen ist auch Der Weg, sein wichtigstes und meistverbreitetes Buch, nicht eine systematische Abhandlung, sondern eine Hinführung zum Herrn. Die literarische Form des Büchleins ist so wenig systematisch wie das Leben selbst und lässt etwas von der geistlichen Würze schmecken, die wir aus den Sentenzen früher Lehrer der Christenheit kennen. Doch steht Escrivá jeder Altertümelei fern. Das wird vollends deutlich, wenn man seine veröffentlichten und noch nicht veröffentlichten Schriften liest: Josemaría Escrivás Aufgabe ist Dei Katechese, eine umsichtige Pastoral und kluge Seelenführung. Bei allem bewussten Verzicht tauf formale Spekulation besitzt er einen aufmerksamen und scharfsichtigen Verstand, der die Grundgedanken der scholastischen Theologie aufnimmt, insbesondere die Lehre des heiligen Thomas von Aquin, ohne sich jedoch an eine bestimmte theologische Schule zu binden.

Es sind stets apostolische Erfordernisse, die Escrivás Unterweisung und sein ganzes Wirken ausrichten. Die ganze Bedeutung seines Werkes für die Förderung des Laienstandes ist derzeit noch kaum zu ermessen. Das gleiche gilt für die Wirkung, die dieses Werk auf Priester und Ordensleute ausübt. Josemaría Escrivá hat viele Christen aus allen Gesellschaftsschichten und on allen Lebenssituationen zu einer ganze persönlichen Verbindung mit dem Erlöser geführt. Er hat ihnen einen kraftvollen apostolischen Impuls mitgegegben und neu bewusst gemacht, dass ihre Taufgnade den ruf einschließt, die anderen für Christus zu gewinnen. Nicht selten sind diese „anderen“ lau gewordene Christen oder solche, die der Säkularismus vereinnahmt hat. Die geistliche Fruchtbarkeit des Dieners Gottes gewinnt Gestalt in einer tiefen Identifikation mit der Kirche, ja, in einer geradezu brennenden Liebe zu ihr. Sie schließt alle Glieder des mystischen Leibes Christi ein, auch ihre Repräsentanten, allen voran den Papst.

Der Gründer des Opus Dei hat überall auf der Welt apostolische Unternehmungen angestoßen und gefördert, deren pastorale Konzeption den Herausforderungen der Gegenwart entsprechen. Man könnte daher meinen, Escrivá sei vor allem ein Mann der Tat gewesen. Die Untersuchungen im Zuge des Kanonisierungsverfahrens zeigen uns aber, dass der wahre Schatz seiner Persönlichkeit in seiner Innerlichkeit liegt, verborgen im kaum zu ahnenden Geheimnis der göttlichen Erwählung, von der das Geschöpf bis in die Tiefen seiner Existenz geprägt wird. Vielleicht kennzeichnet ihn keine anderes Wort so treffend wie das vom „treuen Diener“: Beispielhafte Treue bestimmt seine tägliche Antwort auf das machtvolle Wirken der Gnade in seiner Seele und, als Konsequenz daraus, die Erfüllung seines erhaltenen Auftrags. Nur weil er sich ganz und gar von der Liebe Gottes erfassen lässt, kann Escrivá der demütige Verkünder des radikalen Aufrufs zur Heiligkeit werden, der den Kern des Opus Dei ausmacht. Dieses Charisma bestimmt sein Beten und handeln und richtet es stets auf das Wohl der ganzen Kirche aus. Es wurzelt im Nährboden persönlicher Erfahrung auf dem Weg seiner Berufung und Sendung.

Die theologische Untersuchung hat diese Erfahrung analysiert und das Ergebnis unter dem Stichwort „Charisma des Gründers“ festgehalten. Es zeigt sich, dass sie nicht nur eine bedeutsame Bereicherung für Escrivás eigenes geistliches Leben hervorbringt, die dann in apostolischer Hinsicht zugleich als Zeugnis und Vorbild für andere Christen fruchtbar wird. Vielmehr begründet solche Erfahrung eine geheimnisvolle und doch reale Vaterschaft. Wir können mit einem anderen Bild auch von einer lebendigen Ader sprechen, die den Gliedern des Mystischen Leibes Christi seine Gnade zuströmen lässt.

Hier scheint mir der Schlüssel zur geistlichen Persönlichkeit Msgr. Escrivás zu liegen. Er war von dem Willen beseelt, der erhaltenen Sendung treu zu sein. Vor allem war er eine zutiefst kontemplative Seele. Von Jugend an führte ihn der Herr über mystische Erlebnisse auf die Höhe des geistlichen Einigungsweges: innere Einsprechungen, Reinigung und Tröstung der Seele ließen ihn in aller Demut die stürmische Kraft der Gnade „spüren“. Er verband dies wie alle wahren Mystiker mit einem hartnäckigen asketischen Kampf und einer apostolischen Tätigkeit bis zur Erschöpfung, wobei der dem Willen Gottes rückhaltlos zu folgen suchte. Zugleich ließ ihn der Herr zu einem Meister des inneren Lebens werden. Mit nur 26 Jahren berief er ihn, das Opus Dei zu gründen und so in der Kirche einen neuen Weg der Heiligung zu öffnen. Auch in der passiven Reinigung, die eine wesentliche Strecke des Heiligungsweges ausmacht, kommt der Gründer anderen großen Gründern gleich: Zum einen erfährt er den klaffenden Abgrund zwischen dem eigenen Nichts und der göttlichen Liebe. Zum anderen und vor allem wird ihm die Unverhältnismäßigkeit bewusst zwischen der unermesslichen Aufgabe einerseits und dem Unverständnis andererseits, das ihn Schlag auf Schlag in aller Härte trifft. Von allen Seiten scheint das Leben des neu geborenen Opus Dei bedroht, kaum dass es zur Welt gekommen ist. Es ist, als wenn Gott etwas verlangte, das mit natürlichen Kräften unmöglich ist, und zugleich dessen Verwirklichung verhindert.

Außer der Fruchtbarkeit der Gnade beruht die außergewöhnliche Fruchtbarkeit der geistlichen Vaterschaft Josemaría Escrivás auch auf einer Gabe, die besonders anziehend wirkt: Sein inneres Leben erweist sich in jeder Hinsicht als Ausfluss der Gotteskindschaft in Christus. Alles ist Vertrauen auf die Erwählung zum ewigen Leben, herzliche Annahme, Durchsichtigkeit. Selbst der Schmerz wird freudiges Sich-dem-göttlichen-Vater-Überlassen, einem Vater, der mit dem Kreuz segnet. So wird alles zum Zeichen einer Freude, eines ansteckenden Optimismus, eines reifen Enthusiasmus, das diese Gestalt auf einzigartige Weise anziehend macht.

Ich bin dem Herrn dankbar, dass er mir erlaubt hat, mich in meiner Eigenschaft als zuständiger Relator mit dem Kanonisationsverfahren von Josemaría Escrivá zu befassen. Die Untersuchungen sind unter strengster Beachtung sämtlicher Rechtsvorschriften sowie der einschlägigen wissenschaftlichen Methodologie durchgeführt worden, die die Kirche in solch delikaten Angelegenheiten verlangt: Die Sammlung und Bewertung der Quellen, die verschiedenen historisch-theologischen Untersuchungen, alle Etappen des Verfahrens sind gleichermaßen geradezu beispielhafter Weise durchgeführt worden, das heißt mit äußerster Gewissenhaftigkeit und kritischer Abwägung, so dass alle Aspekte exakt abgesichert und bis auf den Grund durchgeprüft worden sind. Dabei trat die Gestalt eines Mannes hervor, der mittlerweile zum Reichtum und Erbe der gesamten Kirche gehört. Seine bevorstehende Seligsprechung stellt uns Josemaría Escrivá als einen treuen Diener vor Augen, den Gott mit einem weithin leuchtenden Kennmal seiner Gnade bezeichnet hat. In ihm kann jeder Christ das Licht entdecken, das in seiner klaren Fülle nur Christus selbst ausstrahlt, das aber die Heiligen in vielfarbigen Brechungen widerscheinen lassen.

Ambrosius Esser O.P., Generalrelator

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Quelle


APOSTOLISCHES BREVE
zur Seligsprechung des ehrwürdigen Dieners Gottes
Josemaría Escrivá de Balaguer
Priester
Gründer des Opus Dei

JOHANNES PAUL II.
Zum immerwährenden Gedenken

 

Die Kirche, gesandt um das Reich Christi in allen Völkern zu begründen (vgl. II. Vatikanum, Dogmat. Konstitution Lumen Gentium, Nr. 5), ist „das allumfassende Sakrament des Heiles, welches das Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen zugleich offenbart und verwirklicht“ (II. Vatikan. Konzil, Pastorale Konstitution Gaudium et Spes, Nr. 45).

Die Botschaft des ehrwürdigen Dieners Gottes Josefmaria Escriva verdeutlicht in wunderbarer Harmonie die universale Reichweite dieses Heilsgeheimnisses. „Jeden einzelnen ruft der Herr zur Heiligkeit, jeden einzelnen bittet Er um Liebe: Junge und Alte, Ledige und Verheiratete, Gesunde und Kranke, Gebildete und Ungebildete, gleichgültig, wo sie arbeiten und leben“ (Freunde Gottes, Nr. 294). Mit der Verkündigung der Radikalität der christlichen Berufung aus der Taufgnade, erschloß er neue Wege, auf denen der christliche Glaube besser in die Gesellschaft eindringen kann. Er erinnerte nämlich daran, daß die universale Berufung zur Fülle der Gemeinschaft mit Christus zugleich dazu führt, in allem menschlichen Tun Gott begegnen zu können.

Die Arbeit spielt also eine zentrale Rolle in der Heilsökonomie, zu der ja Heiligung und Apostolat gehören. Die besondere Verbindung zwischen der Dynamik der göttlichen Gnade und der Dynamik des menschlichen Tuns bewirkt – solange der übernatürlichen Verbindung mit Christus der Vorrang gegeben wird -, daß die Gläubigen sich stärker für die Durchdringung der weltlichen Angelegenheiten mit christlichem Geist einsetzen. Der ehrwürdige Diener Gottes Josefmaria Escriva Iegte die ganze erlösende Kraft des Glaubens dar, sowohl im Hinblick auf die einzelne Person, als auch in seiner Wirkung auf die Strukturen der Gesellschaft, in die ja der Mensch seine Vorstellungen von Leben und Glück einbringt.

Der Gründer des Opus Dei erkannte die ungeheure apostolische Kraft, die im Bemühen um die Heiligung der Arbeit und des Alltäglichen im Zusammenleben der Gläubigen liegt. Daher drängte er unermüdlich darauf, Gebet, Arbeit und apostolisches Bemühen zu einer harmonischen „Einheit des Lebens“ zu verbinden. „Es gibt nur ein einziges Leben, welches aus Fleisch und Geist besteht, und dieses einzige Leben muß an Leib und Seele geheiligt und von Gott erfüllt werden (…). Es tut unserer Zeit not, der Materie und den ganz gewöhnlich erscheinenden Situationen ihren edlen, ursprünglichen Sinn zurückzugeben, sie in den Dienst des Reiches Gottes zu stellen“ (Gespräche, Nr. 114).

Der ehrwürdige Diener Gottes Josefmaria Escriva wurde am 9. Januar 1902 in Barbastro in Spanien geboren, am 28. März 1925 empfing er die Priesterweihe, und am 2. Oktober 1928 gründete er in Madrid das Opus Dei; am 14. Februar 1930 erkannte er, daß er sein apostolisches Wirken auch auf Frauen ausdehnen sollte. Getreu seinem Auftrag, half er Priestern und Laien, Männern und Frauen jedweden Standes, in der Erfüllung ihrer Alltagspflichten ihre Teilnahme an der Sendung der Kirche zu sehen und Gott ganz in den alltäglichen Gegebenheiten des Lebens zu dienen. „Die göttlichen Wege auf Erden haben sich aufgetan“, verkündigte er (Christus begegnen, Nr. 21 ). Er beschrieb nicht nur die apostolischen Früchte, die aus dem Bemühen um diese besondere Art der Evangelisierung hervorgehen, sondern er brachte sie selbst hervor und machte deutlich, daß dieses Vorgehen zum Wesen der Kirche selbst gehört.

Nach einem arbeitsreichen und ganz diesem tatkräftigen Dienst an der Kirche gewidmeten Leben und zuinnerst geprägt von der Erfahrung des Kreuzes, das er in inniger Verbundenheit mit der Gottesmutter Maria trug, gab der ehrwürdige Diener Gottes am 26. Juni 1975 in Rom seine Seele in die Hand des Schöpfers zurück. Als Meister des inneren Lebens erreichte er den Gipfel der Kontemplation durch beständiges Gebet und kontinuierliche Abtötung, durch beharrliche Arbeit und einzigartige Fügsamkeit gegenüber den Eingebungen des Heiligen Geistes und vermochte so der Kirche „zu dienen, wie sie selbst möchte, daß man ihr dient.“

Schon zu Lebzeiten stand er weithin im Rufe der Heiligkeit, der nach seinem Tode ständig zunahm. Im Jahre 1981 eröffnete Kardinal Ugo Poletti, der Generalvikar der Diözese Rom, den Seligsprechungsprozeß des Dieners Gottes. Nach Abschluß der zwei Prozesse in Rom und in Madrid, in denen sein Leben und seine Tugenden untersucht wurden, wurde über den heroischen Grad seiner Tugenden entschieden. Das entsprechende Dekret trägt das Datum vom 9. April 1990.

Unter mehreren Wundern, die der Fürsprache des Dieners Gottes zugeschrieben werden, wurde das der wunderbaren Heilung einer Ordensschwester ausgewählt, das sich 1976 ereignet hat und das 1982 gerichtlich untersucht wurde. Nach vorschriftsmäßiger Prüfung wurde sie mit dem Dekret „super miro“ vom 6. Juli 1991 öffentlich als Wunder anerkannt.
So legen wir nun fest, daß die Seligsprechung am 17. Mai 1992 stattfinden soll.
Heute haben wir schließlich auf dem Petersplatz in Rom innerhalb einer feierlichen Zeremonie folgendes verkündet.

Entsprechend dem Wunsch unserer Brüder Camillo Ruini, unserem Generalvikar für Rom, und Pietro Giacomo Nonis, Bischof von Vicenza, wie auch zahlreicher anderer Mitbrüder im Bischofsamt und einer Fülle von Gläubigen, und nach Anhörung der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, verkünden wir kraft unseres apostolischen Amtes, daß die ehrwürdigen Diener Gottes Josefmaria Escriva, Priester und Gründer des Opus Dei, und Giuseppina Bakhita, Jungfrau, Tochter der Nächstenliebe, Canossianerin, von nun an Selige genannt werden sollen und daß an den Orten und in der Form, wie es das Recht vorschreibt, jährlich ihr Fest am Tag ihres Heimganges in den Himmel gefeiert werden kann, und zwar Josemaría Escriva de Balaguer am 26. Juni und Giuseppina Bakhita am 8. Februar.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Alles, was wir in diesem Schreiben bestimmen, soll von jetzt an für immer gültig sein, unbeschadet gegenteiliger Einwände.
Gegeben zu Rom, bei St. Peter, und besiegelt mit dem Ring des Fischers am 17. Mai 1992, im 14. Jahre unseres Pontifikates.

Kardinal Angelo Sodano, Staatssekretär
L.+S.
Archiv des Staatssekretariates Nr. 304722

JOSEMARÍA ESCRIVÁ DE BALAGUER – GRÜNDER DES OPUS DEI

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Kurzbiographie des seligen Josefmaria Escrivá

Aus dem Apostolischen Schreiben zur Seligsprechung des ehrwürdigen Dieners Gottes Josefmaria Escrivá de Balaguer, Priester, Gründer des Opus Dei:

»Der Gründer des Opus Dei erinnerte daran, daß die universale Berufung zur Fülle der Gemeinschaft mit Christus zugleich dazu führt, in allem menschlichen Tun Gott begegnen zu können. (…) Als Meister des inneren Lebens erreichte er den Gipfel der Kontemplation durch beständiges Gebet und kontinuierliche Abtötung, durch beharrliche Arbeit und einzigartige Fügsamkeit gegenüber den Eingebungen des Heiligen Geistes und vermochte so der Kirche ›zu dienen, wie sie selbst möchte, daß man ihr dient‹.«

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Ein helles und frohes Zuhause

Josefmaria Escrivá de Balaguer kommt am 9. Januar 1902 im nordspanischen Barbastro zur Welt. Er ist das zweite von sechs Kindern der Eheleute José Escrivá und María Dolores Albás. Seine Eltern – fromme Katholiken – lassen ihn am 13. Januar taufen und sind darauf bedacht, ihn durch ihr eigenes Beispiel in ein Leben als Christ einzuführen: in die Wertschätzung der Beichte und der häufigen heiligen Kommunion, ein vertrauensvolles Beten, eine herzliche Verehrung zur Gottesmutter und den Geist tätiger Nächstenliebe gegenüber bedürftigen und notleidenden Menschen.

Josefmaria wächst als froher, aufgeweckter, ausgelassener und bescheidener Junge auf und erweist sich als guter Schüler, intelligent und mit einer wachen Beobachtungsgabe. Zu seiner Mutter hat er ein warmherziges Verhältnis, mit dem Vater verbindet ihn großes Vertrauen und aufrichtige Freundschaft. Früh bereits nimmt ihn der Herr in die Schule des Leidens, als zwischen 1910 und 1913 seine drei jüngeren Schwestern sterben und 1914 die Familie vor dem finanziellen Ruin steht. Ein Jahr später ziehen die Escrivás nach Logroño um, denn dort hat der Vater eine neue berufliche Arbeit gefunden, die seiner Familie ein bescheidenes Auskommen ermöglicht.

In die Wintermonate 1917/18 fällt ein Erlebnis, das sein künftiges Leben prägt: Logroño wird über Weihnachten von starken Schneefällen heimgesucht, da entdeckt Josefmaria eines Morgens überfrorene nackte Fußspuren im Schnee, die von einem unbeschuhten Karmelitermönch stammen. Das wirft in dem Jungen die Frage auf: »Wenn Menschen aus Liebe zu Gott und zum Nächsten zu solchen Opfern bereit sind, könnte ich da nicht auch dem Herrn etwas anbieten?« In seinem Herzen entsteht eine gottgewirkte Unruhe: »Ich begann zu ahnen, was LIEBE ist, und mir klar darüber zu werden, daß mein Herz nach etwas Großem verlangte, das Liebe wäre«, sagt er später. Ohne genau zu wissen, um was der Herr ihn bittet, entschließt er sich, Priester zu werden, denn, so denkt er sich, dann bin ich für das, was immer Gott auch mit mir vorhat, verfügbarer.

Die Priesterweihe

Nach dem Abitur nimmt er das Studium im Priesterseminar von Logroño auf, das er 1920 im Seminar von Saragossa fortsetzt und an der dortigen Päpstlichen Universität abschließt. Auf Anraten seines Vaters und mit Erlaubnis der zuständigen kirchlichen Behörde beginnt er ein Jurastudium in Saragossa. Seine hochherzige und frohe, schlichte und gelassene Art machen ihn unter seinen Mitstudenten sehr beliebt. Seine Frömmigkeit, sein Ordnungssinn und sein Studieneifer wirken ansteckend auf seine Kommilitonen, so daß ihn der Erzbischof von Saragossa 1922 mit zwanzig Jahren zum Superior des Priesterseminars ernennt.

Während dieser Zeit verbringt er viele Stunden im Gebet vor dem Allerheiligsten – seine Liebe zur Eucharistie schlägt tiefe Wurzeln –, und täglich sucht er das Gnadenbild der Muttergottes von Pilar auf mit der Bitte im Herzen, der Herr möge ihm seinen Willen eröffnen: »Seit jenen Vorahnungen von der Liebe Gottes«, sagte er später am 2. Oktober 1968, »suchte ich trotz meiner Winzigkeit das zu tun, was er von diesem armseligen Werkzeug erwartete. (…) Und in jener sehnsüchtigen Unruhe betete ich, betete und betete in beständigem Flehen. Ohne Unterlaß wiederholte ich die Worte: Domine, ut sit!, Domine, ut videam!, wie jenes arme Geschöpf im Evangelium, das zu Gott ruft, weil er alles vermag. Herr, daß ich sehe!, Herr, daß es geschehe! Und im festen Vertrauen auf meine himmlische Mutter wiederholte ich die Worte: Domina, ut sit!, Domina, ut videam! Maria hat mir stets geholfen, die Wünsche ihres Sohnes herauszufinden.«

Am 27. November 1924 stirbt unerwartet José Escrivá an plötzlichem Herzversagen. Am 28. März 1925 weiht Bischof Miguel de los Santos Díaz Gómara Josefmaria in der Seminarkirche San Carlos in Saragossa zum Priester; in der Gnadenkapelle der Basilika von Pilar feiert er zwei Tage darauf seine erste heilige Messe. Schon am nächsten Tag begibt er sich als Pfarrvikar nach Perdiguera, einer kleinen Landgemeinde.

Mit Einwilligung seines Erzbischofs zieht er im April 1927 nach Madrid, um dort in Jura zu promovieren, was damals nur an der Universidad Central in Madrid möglich war. Sein geistlicher Eifer bringt ihn sehr bald in Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen: Studenten, Künstlern, Arbeitern, Intellektuellen, Priestern … Seine besondere Sorge gilt den Kindern und Bedürftigen in den Madrider Slums, denen er täglich viele Stunden widmet.

Gleichzeitig hält er seine Mutter und Geschwister mit Unterricht in Jura finanziell über Wasser. Für die Familie Escrivá ist es eine entbehrungsreiche Zeit, die sie mit großer Würde und Zuversicht durchlebt. Josefmaria gegenüber spart der Herr angesichts der Großherzigkeit des jungen Priesters nicht mit außerordentlichen Gnadenerweisen, die seinem Dienst an der Kirche und den Seelen in reichem Maße zugute kommen.

Die Gründung des Opus Dei

Am 2. Oktober 1928 kommt das Opus Dei zur Welt. Josefmaria hat sich zu Tagen innerer Einkehr zurückgezogen. Während er Notizen von gottgegebenen inneren Anregungen aus den vergangenen Jahren im Gebet betrachtet, sieht er plötzlich – mit diesem Verb hat er stets den Impuls zur Gründung umschrieben – die Sendung, die Gott ihm anvertrauen will. Er soll innerhalb der Kirche einen neuen Weg der Berufung bahnen: das Bemühen um Heiligkeit und die apostolische Sorge um andere verbreiten durch die Heiligung der gewöhnlichen Arbeit inmitten der Welt, ohne den angestammten Platz zu verlassen. Wenig später, am 14. Februar 1930, eröffnet ihm der Herr, daß sich der Geist des Opus Dei gleicherweise auch an Frauen richtet.

Mit Leib und Seele widmet sich Josefmaria von nun an seinem Sendungsauftrag. Er verbreitet unter Männern und Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten das Ideal, sich ganz der Nachfolge Christi zu verschreiben, den Nächsten zu lieben und sich im täglichen Leben zu heiligen. Dabei sieht er sich nicht als ein Neuerer oder Reformer, denn er ist zutiefst davon überzeugt, daß Jesus Christus immer der ganz Neue ist und der Heilige Geist die Kirche fortwährend verjüngt, der zu dienen Gott das Opus Dei ins Leben gerufen hat. Im Wissen darum, daß es sich um ein durch und durch übernatürliches Unternehmen handelt, gründet der junge Priester seine Sendung auf Gebet und Buße, frohgemute Gotteskindschaft und unermüdliche apostolische Arbeit. Um ihn scharen sich Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft, besonders Studenten. Er entfacht in ihnen den ehrlichen Wunsch, sich um andere zu kümmern und sie aufzurütteln, »Christus in alle menschlichen Tätigkeiten hineinzutragen durch eine geheiligte Arbeit, die einen selbst wie auch die anderen heiligt«. Die apostolischen Initiativen der Mitglieder des Opus Dei sollen kraft göttlicher Gnade alles Geschaffene auf Gott ausrichten, so daß Christus alles in allem ist; »Jesus Christus kennenlernen, anderen helfen, ihn kennenzulernen, ihn überallhin tragen«. So versteht man seinen Ausruf: »Die Wege Gottes im Irdischen haben sich aufgetan!«

Die apostolische Ausbreitung

Wegen der Schlüsselrolle, die er Wissenschaft und Kultur für die Ausbreitung des Glaubens beimißt, ruft er im Jahre 1933 eine Akademie für Universitätsstudenten ins Leben. 1934 erscheint – zunächst unter dem Titel Geistliche Betrachtungen – die erste Ausgabe seines Buches Der Weg,das heute mit 4,5 Millionen Exemplaren in 44 Sprachen weltweit verbreitet ist.

Der Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs im Jahre 1936 verhindert die Ausbreitung des Opus Dei über Madrid hinaus. Trotz brutaler antikirchlicher Ausschreitungen verausgabt sich Josefmaria, gestützt auf Gebet und Buße, heroisch in der apostolischen Sorge um andere. Diese Leidensjahre der Kirche sind gleichwohl eine Zeit geistlichen und apostolischen Wachsens und einer vermehrten Hoffnung. Als der Bürgerkrieg 1939 endet, gibt der Gründer des Opus Dei der apostolischen Arbeit in ganz Spanien neue Impulse. Zahlreiche Universitätsstudenten kann er davon überzeugen, viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen für Christus zu gewinnen und die Größe ihrer christlichen Berufung zu entdecken.

Er gilt als heiligmäßiger Priester. Viele Bischöfe übertragen ihm Besinnungstage für ihren Klerus und für Laien katholischer Organisationen. Auch Ordensleute bitten ihn um Exerzitien, was er nie ausschlägt.

Während er 1941 in Lerida Besinnungstage für Priester hält, stirbt seine Mutter, die für die apostolische Arbeit des Werkes eine große Stütze war. Gegen den Gründer bricht in dieser Zeit eine Welle von Unverständnis und Widerspruch los. Der Bischof von Madrid, Leopoldo Eijo y Garay, gewährt ihm daraufhin seine aufrichtige Unterstützung und dem Werk die erste kirchenrechtliche Anerkennung. Gebet und gute Laune helfen Josefmaria über diese Widrigkeiten hinweg, wohl wissend, daß alle, »die in der Gemeinschaft mit Jesus Christus ein frommes Leben führen wollen, verfolgt werden« (2 Tim 3,12). Angesichts der Beleidigungen empfiehlt er seinen geistlichen Söhnen, zu verzeihen und zu vergessen: »schweigen, beten, arbeiten und lächeln« ist seine Devise.

1943 sieht Josefmaria während der Feier der heiligen Messe im Licht einer neuen Gründungsgnade die Priestergesellschaft vom Heiligen Kreuz innerhalb des Opus Dei, um diejenigen als Priester inkardinieren zu können, die aus den Reihen der Laien-Mitglieder die Weihe empfangen. Die volle Zugehörigkeit von Laien und Priestern zum Opus Dei und ihr Zusammenwirken in den apostolischen Tätigkeiten des Werkes sind ein Spezifikum des Gründungscharismas, das die Kirche, als sie dem Werk 1982 das juristische Kleid einer Personalprälatur zuerkennt, bestätigt. Am 25. Juni 1944 erhalten drei Ingenieure – unter ihnen auch Alvaro del Portillo, der spätere erste Nachfolger des Gründers – die Priesterweihe. In der Folge werden zu Lebzeiten des Gründers etwa tausend Mitglieder des Opus Dei zu Priestern geweiht.

Die Priestergesellschaft vom Heiligen Kreuz, die untrennbar zur Prälatur Opus Dei gehört, widmet sich – immer in Übereinstimmung mit dem Oberhirten der jeweiligen Diözese – außerdem der geistlichen Bildungsarbeit unter dem Diözesanklerus und den Priesteramtskandidaten. Ihr können sich auch Diözesanpriester anschließen, ungeachtet ihrer bleibenden Zugehörigkeit zum Klerus der jeweiligen Diözese.

Römisch und universal

Kaum daß der Bürgerkrieg beendet ist, geht Josefmaria daran, der apostolischen Arbeit in anderen Ländern den Weg zu bahnen, denn – so seine feste Überzeugung – »Jesus möchte, daß sein Werk von Beginn an zutiefst weltumspannend ist, katholisch«. 1946 verlegt er seinen Wohnsitz nach Rom, um die päpstliche Anerkennung des Werkes vorzubereiten. Am 24. Februar 1947 gewährt Papst Pius XII. das decretum laudis und am 16. Juni 1950 die endgültige Anerkennung. Ab jetzt können auch Nichtkatholiken und Nichtchristen Mitarbeiter im Werk werden, indem sie seine apostolischen Unternehmungen mit Arbeit, Spenden und Gebet unterstützen.

In Rom richtet das Opus Dei seinen Zentralsitz ein, damit deutlich wird, worum es dem Werk in seiner gesamten Tätigkeit geht, nämlich »der Kirche zu dienen, wie ihr gedient sein will«, eng vereint mit dem Stuhl Petri und dem Episkopat. Wiederholt drücken die Päpste Pius XII. und Johannes XXIII. dem Werk gegenüber ihre Liebe und Wertschätzung aus; Paul VI. bezeichnet 1964 das Opus Dei als »lebendiges Zeichen der immerwährenden Jugend der Kirche«.

Auch in diesem Lebensabschnitt des Gründers fehlt es nicht an harten Prüfungen: sein Gesundheitszustand ist stark beeinträchtigt, u.a. leidet er mehr als zehn Jahre lang an einem starken Diabetes, von dem er 1954 wie durch ein Wunder geheilt wird; hinzu kommen große finanzielle Engpässe sowie Schwierigkeiten, die die weltweite Ausbreitung des Werkes mit sich bringt. Er strahlt jedoch stets Freude aus, ist doch »die wahre Tugend nicht traurig oder unsympathisch, sondern liebenswürdig und froh«. Aus seiner beständig guten Laune spricht seine unbedingte Liebe zum göttlichen Willen.

»Die Welt ist klein, wenn die Liebe groß ist«: Um diese Welt mit dem Licht Christi zu erhellen, kommt er gern der Bitte zahlreicher Bischöfe nach, durch das Apostolat des Opus Dei der Welt das Licht des Evangeliums zu bringen. Es entstehen die unterschiedlichsten Initiativen wie berufsbildende Schulen, Landwirtschaftsschulen, Universitäten, Studentenheime, Krankenhäuser, medizinische Versorgungsstationen usw. Diese Tätigkeiten, die er gern »ein Meer ohne Ufer« nannte, verdanken sich dem Initiativgeist gewöhnlicher Christen, die für konkrete Nöte vor Ort mit laikaler Mentalität und beruflicher Kompetenz nach Lösungswegen suchen. Rasse, Religion oder soziale Herkunft spielen dabei keine Rolle. Die durch und durch christliche Prägung geht Hand in Hand mit einem tiefen Respekt gegenüber der Freiheit der Gewissen.

Als Papst Johannes XXIII. ein Ökumenisches Konzil ankündigt, betet der Gründer und bittet andere um ihr Gebet für »einen glücklichen Ausgang einer so bedeutenden Initiative wie das Zweite Vatikanum«, wie es in einem Brief 1962 heißt. In seinem Verlauf bestätigt das feierliche Lehramt der Kirche so grundlegende Züge im Geist des Werkes wie den universalen Ruf zur Heiligkeit, die berufliche Arbeit als Angelpunkt der Heiligkeit und des Apostolates, den Wert wie auch die legitimen Grenzen christlicher Freiheit in zeitbedingten Fragen, die Heilige Messe als »Mitte und Wurzel« des inneren Lebens … Der Gründer trifft sich mit zahlreichen Konzilsvätern und Beratern, die in ihm einen authentischen Vorläufer bedeutender Konzilsaussagen sehen. Zutiefst verbunden mit den Lehren des Konzils, sorgt er dafür, daß diese weltweit in den Bildungsinitiaven des Werkes umgesetzt werden.

Heilig inmitten der Welt

»Fern am Horizont verbinden sich Himmel und Erde; doch vergiß nicht, in deinem Herzen als Sohn Gottes ist es, wo sie sich in Wahrheit vereinen.« Unermüdlich weist Josefmaria Escrivá darauf hin, daß das innere Leben Vorrang haben muß vor jeglicher organisatorischen Tätigkeit. »Die Weltkrisen sind Heiligenkrisen«, schreibt er im Weg; Heiligkeit verlangt eine enge Verzahnung von Gebet, Arbeit und apostolischem Tun in einer »Einheit des Lebens«, für die sein eigener Lebenswandel der beste Beweis ist. Um sich in der täglichen Arbeit heiligen zu können, ist es unerläßlich, ein Mensch des Gebetes und eines tiefen inneren Lebens zu sein. Dann »wird aus allem Gebet, alles bringt uns Gott näher, nährt den beständigen Umgang mit Ihm vom Morgen bis zum Abend. Jegliche Arbeit kann zu Gebet werden, und jede Arbeit, die Gebet ist, ist auch Apostolat.«

Sein glühendes inneres Leben, das ihn kontemplativ sein läßt inmitten der Welt, ist der Grund für die ungewöhnliche Fruchtbarkeit seiner Sendung. Es speist sich aus Gebet und Sakramenten, aus einer leidenschaftlichen Liebe zur Eucharistie, aus der Begegnung mit dem Herrn in der heiligen Messe, die zum Herzstück seines Lebens wird, aus einer zärtlichen Liebe zur Gottesmutter, zum heiligen Josef und zu den Schutzengeln; aus seiner Treue zur Kirche und zum Papst.

Die endgültige Begegnung mit dem dreifaltigen Gott

Während seiner letzten Lebensjahre unternimmt der Gründer des Opus Dei wiederholt katechetische Reisen durch Europa und nach Südamerika. Bei zahlreichen Treffen in schlichter und familiärer Atmosphäre vor oft mehreren tausend Zuhörern spricht er über Gott, die Sakramente, christliche Frömmigkeit, Heiligung der Arbeit, die Liebe zur Kirche und zum Papst. Am 28. März 1975 feiert er sein goldenes Priesterjubiläum. »Nach 50 Jahren bin ich immer noch wie ein stammelndes Kind: ich beginne und beginne immer wieder aufs neue in meinem täglichen inneren Kampf. Und so bis ans Ende meiner Tage: stets aufs neue beginnend.«

Am 26. Juni 1975 um die Mittagszeit stirbt der Gründer in seinem Arbeitszimmer an Herzversagen. Sein letzter Blick gilt einem Bild der Gottesmutter. Zu diesem Zeitpunkt ist das Werk mit 60.000 Mitgliedern aus 80 Ländern weltweit tätig. Die geistlichen Schriften des Gründers (Der Weg, Der Rosenkranz, Gespräche mit Msgr. Escrivá de Balaguer, Christus begegnen, Freunde Gottes, Der Kreuzweg, Die Spur des Sämanns, Im Feuer der Schmiede) sind in Millionen Exemplaren verbreitet.

Nach seinem Tod bitten viele Menschen den Papst um die Eröffnung des Seligsprechungsprozesses. Am 17. Mai 1992 erhebt Papst Johannes Paul II. Josefmaria Escrivá vor Hunderttausenden auf dem Petersplatz zur Ehre der Altäre. Am 21. September 2001 anerkennt die zuständige ordentliche Kardinals- und Bischofsversammlung der Kongregation für die Heiligsprechungen einmütig den Wunder-Charakter einer Heilung auf die Fürsprache des Seligen. Das entsprechende Dekret wird in Gegenwart des Heiligen Vaters am 20. Dezember verlesen. Am 26. Februar 2002 wird in Anwesenheit des Papstes in einem ordentlichen öffentlichen Konsistorium nach Anhörung der anwesenden Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe der Tag der Heiligsprechung des Seligen auf den 6. Oktober 2002 festgesetzt.

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Quelle

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