Was ist das Opus Dei?

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Opus Dei hat weltweit 92.000 Angehörige, die meisten von ihnen Laien – RV

Gegründet 1928 in Madrid, 92.000 Angehörige in allen Erdteilen, davon 98 Prozent Laien – das sind die Eckdaten des Opus Dei. Doch was genau ist das „Werk Gottes“, das der spanische Heilige Josemaría Escrivá de Balaguer vor bald 90 Jahren ins Leben rief und das mit Fernando Ocáriz nun einen neuen Prälaten hat? Eine knappe Einführung mit Susanne Kummer, der Sprecherin des Opus Dei in Österreich.

„Das Opus Dei ist eine Einrichtung der katholischen Kirche. Sie wirkt am Evangelisierungsauftrag der Kirche mit. Das heißt, sie stützt Frauen und Männer dabei, ihr Christsein im Alltag tief zu leben mit einem ausgeprägten Gebetsleben, das sich mit einer intensiven Berufs- und Familienarbeit vereinen lässt.“

Und was ist das Opus Dei nicht?

„Das Opus Dei ist kein Orden, das Opus Dei ist eine Personalprälatur, das ist eine moderne Kirchenrechtsform, die im Konzil grundgelegt wurde. Auftrag ist es, die Laien zu ermutigen, ihre Taufberufung ernst zu nehmen, mitten in der Welt die Welt zu gestalten und ein frohes Zeugnis für Christus in der Welt zu geben.“

Zentral beim Opus Dei und seinen Angehörigen ist die Heiligung der Arbeit. Was heißt das?

„Die Heiligung der Arbeit bedeutet, dass man seine Arbeit und seinen Beruf im Geist der Nachfolge Jesu im Alltag lebt. Der heilige Josemaría hat im Arbeitsleben des Jesus von Nazareth das Paradigma für die Begegnung mit Gott im Alltag gesehen. Und diese 30 Jahre des verborgenen Lebens Jesu sind sozusagen die Botschaft an uns, die wir in dieser Welt leben und arbeiten, dass diese gewöhnliche Lebens- und Arbeitswelt die Welt ist, in der Gott uns sucht.“

Welche Rolle spielt christliche Bildung für die Angehörigen des Opus Dei?

„Das Opus Dei bietet all jenen, die ihm angehören und sich für den katholischen Glauben interessieren, eine tiefe Katechese an. Denn es ist wichtig, dass wir heute als Menschen in der Welt Rede und Antwort stehen können für unsere Hoffnung, und das auch in einer Sprache für Menschen, deren Grundwasserspiegel in religiösen Angelegenheiten nicht hoch ist. Im Opus Dei gibt es ein reiches Angebot für Laien, ihr Glaubenswissen zu vertiefen, um es auch anderen weitergeben zu können.“

Was können Außenstehende als anspruchsvoll bis schwierig am Opus Dei empfinden?

„Es mag sein, dass diese Schule des Gebetslebens im Alltag etwas ist, was recht steil klingt. Das schlägt sich darin nieder, dass die Mitglieder des Opus Dei täglich ihre Gebetszeiten suchen, auch alte Traditionen der Kirche wie den Rosenkranz beten, täglich die Heilige Messe besuchen. Ich kann mir vorstellen, dass das für einen Außenstehenden recht steil wirkt, sage aber aus eigener Erfahrung, dass das ein großer Schatz ist, den man entdecken darf: die Hilfsmittel, die die Kirche einem durch Gebet und Sakramente anbietet, um im Alltagsleben ein frohes Christentum zu leben.“

Das Opus Dei gilt als ausgeprägt katholische Vereinigung – wie ist das Verhältnis zu anderen Christen und Gläubigen anderer Religionen?

„Das Opus Dei ist die erste Institution der katholischen Kirche, der der Heilige Stuhl schon in den 1950er Jahren gewährt hat, auch Nicht-Katholiken und selbst Menschen anderer Religionen offiziell als Mitarbeiter zu ernennen. Wir haben hier eine lang gelebte Realität im Opus Dei, wo Orthodoxe, Anglikaner, Protestanten, Juden, Muslime und Christen gemeinsam an Projekten zum Gemeinwohl und für die Gesellschaft im guten Sinn zusammenarbeiten.“

(rv 23.01.2017 gs)

Einleitung in die Arbeiten des ersten Tages des Jubiläums der Katecheten

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EINLEITUNG
von Seiner Exzellenz Mons. Csaba Ternyák
Titular-Erzbischof von Eminenziana
Sekretär der Kongregation für den Klerus

Mit der freudigen und originellen Pädagogik des Glaubens

Einleitung in die Arbeiten des ersten Tages des Jubiläums der Katecheten
Samstag, 9. Dezember 2000 16.30 Uhr

 

Liebe Katecheten Religionslehrer, verehrte Brüder im Bischofs- und im Priesteramt, Geistliche, liebe Professoren, Lehrer und Ausbilder, und alle Gläubigen, die aus verschiedenen Gründen in der Diakonie der Wahrheit tätig sind

Willkommen ad Petri sedem, und willkommen in dieser Studiensession, in der wir brennend wünschen, mit Glauben und Treue, die rettende Universalität des Mysteriums Jesu Christi und seiner Kirche zu bestätigen und zu bezeugen (vgl. Kongregation für die Doktrin des Glaubens, Erklärung Dominus Iesus, Nr. 2, vom 6.8.2000). Dieses Geheimnis hat einen Namen: die Wahrheit, die Christus selbst ist, leuchtende und freudige Wahrheit, die uns zur Rettung aller Menschen offenbart wurde als wahrer und ewiger Orientierungsstern (vgl. Johannes Paul II, Fides et ratio, Nr. 15)

1. Erlaubt mir in diesem Zusammenhang, den Heiligen Geist mit den Anfangsworten des Gesangs Veni Creator anzurufen, denn er ist der wichtigste Hauptdarsteller der evangelisierenden Mission der Kirche (Johannes Paul II., Redeptoris Missio, 30), der Hauptagierende der neuen Evangelisierung (Ibid., Lett. ap. Tertio Millennio Adveniente, 45), derjenige, der uns drängt das Evangelium zu verkünden und uns tief im Inneren das Wort der Rettung begreifen lässt (Paul VI., Evangelii Nuntiandi, 75).

„Komme, oh Schöpfergeist,
besuche unseren Geist,
erfülle mit deiner Gnade
die Herzen, die Du geschaffen hast „

(Aus dem Lied Veni creator)

Wir wissen sehr gut, dass „auch die raffinierteste Vorbereitung des Evangelisierenden nicht ohne Ihn tätig sein kann. Ohne Ihn ist die überzeugendste Dialektik wirkungslos auf den Geist der Menschen. Ohne Ihn sind die ausgearbeitetsten Schemata auf der Grundlage der Soziologie und Psychologie leer und ohne Wert“ (Ibid. Evangelii Nuntiandi, 75).

Es würde außerdem nicht den Absichten des Jubiläums entsprechen, wenn dieser Tag, kurz vor dem Beginn des Dritten Jahrtausends und des zentralen Geheimnisses des christlichen Glaubens, uns nicht helfen würde zu entdecken, dass neben uns „Maria steht, die Mutter Jesu“ (Joh 2,1), Braut und Heiligtum des Heiligen Geistes (II. Vat. Konzil II, Lumen gentium, 53). Gemeinsam mit Joseph und Elisabeth, die vom Geist bereits die göttliche Mutterschaft der Jungfrau kennen, erfreuen wir uns in dieser Adventszeit am unvergleichlichen Meisterwerk, das Gott in Maria ausgeführt hat und erfreuen uns der göttlichen Überraschungen, der großen Dinge in Ihr bewirkt vom Allmächtigen (vgl. Lk 1,49), wir jubeln aufgrund der göttlichen Paradoxe – das Göttliche im Menschen, das unermessliche im Endlichen, der Erzeuger in seiner Schöpfung -, den nur die Kleinen und Demütigen in der Lage sind, zu betrachten und zu verstehen, wie die Hirten von Bethlehem und die Heiligen Drei Könige aus dem fernen Orient.

Wir entdecken in der Vertiefung einiger Aspekte der katechetischen Mission der Kirche, dass Maria die erste war, die von Gott unterrichtet wurde, die erste vor allem, weil kein Wesen jemals mit ähnlicher Fülle und Tiefe ausgebildet worden war: „Mutter und Jüngerin zugleich“ (Sankt Augustin Predigt 25,7: PL 46, 937-938).

Es ist nicht ohne Grund, dass in der Synodenaula, vor der IV. Generalversammlung der Bischofssynode, die im Oktober 1977 in Rom zusammengetreten ist, das Thema der Katechese betrachtet wurde, es wurde gesagt, dass Maria, die „ein lebender Katechismus ist“, „Mutter und Vorbild der Katecheten“ (Johannes Paul II., Catechesi Tradendae, 73).

2. In diesem Zusammenhang erhält unser heutiges Treffen seine Bedeutung: möge die Präsenz des Heiligen Geistes, dank der Gebete Marias, uns allen und der gesamten Kirche zu verstehen geben, mit der Intelligenz des Herzens, dass das Evangelium als Botschaft verkündet wird, als frohe Botschaft, die sich auf die Person Jesu, den Sohn Gottes und Erlöser des Menschen, konzentriert.

In diesem Sinn, werden uns die bevorstehenden, erleuchtenden Überlegungen Seiner Eminenz, Kardinal Präfekt der Heiligen Kongregation für den Klerus, sowie Präsidenten der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, sowie die nachfolgenden Mitteilungen einiger Laien zu wichtigen Aspekten der Katechese den Weg aufweisen: „die Katechese muss dem Menschen helfen Christus zu treffen, einen Dialog mit ihm zu führen, in Ihn einzutauchen“(Johannes Paul II., Ansprache des ad limina-Besuchs der Bischöfe Litauens, 17. September 1999, in L’O.R. Nr. 215/1999, p.7).

Wenn dieses vibrierende Treffen mit Christus fehlt, wird das Christentum zu trockenem Boden, wo die Winde der Verweltlichung und des doktrinalen und existentiellen Relativismus herrschen und wo die Götzenversuchungen von Sekten voller falschem Spiritualismus ungestört die Oberhand ergreifen. Wir wissen sehr gut, dass mit der Fleischwerdung des Wortes, unsere menschliche Geschichte aufgehört hat, trockener Boden zu sein wie es vor der Fleischwerdung schien, um die Bedeutung und den Wert der universellen Hoffnung aufzunehmen. Tatsächlich hat sich „Gott mit der Fleischwerdung des Sohnes Gottes in gewisser Weise jedem Menschen genähert “ (Gaudium et spes, Nr. 22).

Um einen Ausdruck des Heiligen Irenäus zu verwenden, den der Heilige Vater so sehr schätzt, „dürfen wir uns mit der Katechese nicht erlauben, der Welt ein Bild des trockenen Bodens zu geben, nachdem wir das Wort Gottes erhalten haben, das wie Regen vom Himmel heruntergefallen ist; noch können wir je fordern ein Brot zu werden, wenn wir vermeiden, dass das Mehl mit dem Wasser vermengt wird, das in uns ausgeschüttet worden ist “ (Johannes Paul II., Incarnationis mysterium, 4; vgl. Sankt Irenäus, Gegen die Häresien, III,17: PG 7,930)

Die Menschheit braucht das Wort, „das Wort Gottes, das in Euch, die ihr glaubt, wirkt“ (1 Thess 2,13), und das Sakrament, das in der Geschichte die rettende Aktion Jesus präsent macht und verlängert.

Die Katechese wird also wirksam sein, wenn sie es verstehen wird, im Dritten Jahrtausend Leitfaden und Weg des Menschen auf seine sakramentale Kommunion mit Christus zu sein und jene Wärme auslösen wird, wie der erste Brief des Apostels Johanne, der begann: „Das was vom Anbeginn war, was wir gehört habe, was wir mit unseren Augen gesehen haben (…) verkünden wir auch euch, damit ihr in Kommunion mit uns sein könnt. Unsere Kommunion ist mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus“ (1 Joh 1,3).

Das also ist die freudige und originelle Pädagogik des Glaubens: es geht nicht darum, nur ein menschliches Wissen zu vermitteln, wenn auch das höchste; sondern darum, in seiner Integrität und Lebendigkeit in der Person des Fleisch gewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Wortes, die Kraft und das Wissen Gottes zu verkünden. Es ist ein Wissen, das auch und hauptsächlich mit der Kraft eines Zeugnisses eines heiligen Lebens von Seiten des Katecheten bezeugt wird.

3. Dies alles wird, wenn auch kurz, so doch bewundernswert in den Arbeiten entwickelt werden, die morgen früh weitergehen werden. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Wirksamkeit der Evangelisierung zum großen Teil von der Heiligkeit der Priester und Diakone abhängt, „kluge Mitarbeiter der bischöflichen Ordnung“ (Lumen gentium, 28), die über ihre kapillare Aktion unter der Herde, die ihnen anvertraut wurde, versichern können, dass jede christliche Gemeinde mit dem Wort Gottes genährt und von der Gnade der Sakramente unterstützt wird. Aber abgesehen von den spezifischen pastoralen Aufgaben, muss man ein neues, tiefgreifendes Bewusstsein nähren, dass nämlich die Herausforderung der neuen Evangelisierung nicht angemessen angegangen werden kann, wenn man sich nicht auf die prophetische Aufgabe aller Getauften stützt, wie es unter anderem im Generaldirektorium für die Katechese hervorgehoben wird.

Mit den Worten von Johannes Paul II. müssen wir ausrufen, dass „es an der Zeit ist, dass die christlichen Gemeinschaften zu Gemeinschaften der Verkündigung werden!“ (Ansprache anlässlich des ad limina-Besuchs der Bischöfe Litauens, ibidem.)

Man muss dringend mit der Katechese selbst eine Laienspiritualität stützen, die den christlichen Laien hilft, ihre Berufung zur Heiligkeit tiefgreifend zu leben „indem sie die weltlichen Dinge Gott entsprechend behandeln und ordnen“ (Lumen gentium, 31).

Aus diesem Grund hat man in diesem Jubiläum der Katecheten, die Künste und Berufe der Laien hervorgehoben, die Instrumente der Katechese sein können und müssen, wahre Hefe Gottes, für ein weitreichendes und wirksames Zeugnis des Katecheten in der Gesellschaft, für den Schutz jener menschlichen und christlichen Werte, die die Zukunft der Menschheit ausmachen werden. Wir beziehen uns besonders auf den Respekt des menschlichen Lebens, auf die Einheit der Familie, die Verteidigung der Würde der Arbeit, im weitreichenden Bereich der bürgerlichen und politischen Strukturen, der sozialen Kommunikation und des künstlerischen Ausdrucks.

Zum Abschluss dieser einleitenden Überlegungen sagen wir, dass niemand in der Kirche sich als passives Subjekt betrachten kann. Wir alle können die Worte des Paulus ausrufen: „Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde “ (1 Kor 9,16). „Necessitas mihi incumbit“: denn ein Zwang liegt auf mir!

Das Treffen heute morgen mit dem Nachfolger Petri soll uns Ermunterung und Antrieb sein, um mit noch stärkerem Glauben und Unternehmungsgeist das missionarische Mandat anzugehen, das wir alle als Getaufte von Jesus erhalten haben.

Der Allerheiligsten Maria, Stern der neuen Evangelisierung, „die ganz auf Christus orientiert und auf die Enthüllung seiner rettenden Kraft entgegengeneigt ist“ (Johannes Paul II., Redemptoris Mater, Nr. 22), vertrauen wir uns und all diejenigen an, die sich an der Schwelle zum Dritten Jahrtausend in der Diakonie der Wahrheit einsetzen.

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Quelle

Vatikanreform: Neue Aufgaben für Erzbischof Paglia

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Erzbischof Vincenzo Paglia

Erzbischof Vincenzo Paglia wird neuer Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, gleichzeitig übernimmt er das Amt des Großkanzlers des Instituts „Johannes Paul II.“ für Studien zu Fragen von Ehe und Familie. Das gab der Vatikan an diesem Mittwoch bekannt. Paglia war bisher Präsident des Päpstlichen Familienrates, der in einem neuen Dikasterium aufgeht.

Innerhalb des neuen Dikasteriums übernimmt Paglia nun diese neuen Aufgaben. Dass das Institut und die Akademie künftig eng mit dem neuen Dikasterium zusammen arbeiten werden, hatte der Papst schon am 4. Juni dieses Jahres bekannt gegeben.

Präsident des Päpstlichen Instituts „Johannes Paul II.“ wird der italienische Fundamentaltheologe und Musiker Pierangelo Sequeri, bislang Präsident der Theologischen Fakultät in Mailand.

Neue Zugehörigkeit des Instituts

Bislang gehörte das Institut zur Päpstlichen Lateranuniversität, Großkanzler der Uni ist der Päpstliche Kardinalvikar für das Erzbistum Rom, Agostino Vallini. Mit dem Wechsel des Instituts unter das Dach der neuen Vatikaninstitution war eine neue Benennung nötig geworden.

Der bisherige Präsident des Instituts, Prof. Livio Melina, scheidet aus seinem Amt aus.

 

(rv 17.08.2016 ord)

Laien, Familie und Leben: Bischof Farrell leitet neue Institution

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Familien, Laien und das Leben: Immer im besonderen Augenmerk des Papstes

Die neue Vatikanbehörde für „Laien, die Familie und das Leben” beginnt am 1. September mit ihrer Arbeit. Papst Franziskus setzte mit einem Rechtsschreiben (Motu Proprio), das der Vatikan an diesem Mittwoch veröffentlichte, die Institution formell ein. Leiter des neuen Dikasteriums wird Bischof Kevin Joseph Farrell von der Kongregation der Legionäre Christi. Bislang war Farrell Bischof von Dallas in den USA.

Der geborene Ire Farrell war vor seiner Ernennung zum Bischof von Texas 2007 unter anderem in Mexiko und als Seelsorger für spanischsprachige Katholiken im Erzbistum Washington tätig.

Die römische Kurie solle sich immer an die Bedürfnisse der Weltkirche anpassen, schreibt der Papst in dem Motu Proprio. Deswegen erfolge diese Umstrukturierung, bei der der Laienrat, der Familienrat und die Akademie für das Leben in der neuen Institution aufgehen. Die beiden Räte hören dann auf, unabhängig zu bestehen, während die Akademie lediglich unter die Leitung der neuen Institution fällt.

Ein weiterer Schritt der Reform

Damit geht die von Papst Franziskus angestoßene Strukturreform im Vatikan einen Schritt weiter. Während der Bischofssynode im Oktober hatte der Papst angekündigt, eine Vatikanbehörde zu gründen, die sich mit Laien, dem Thema Familie und dem Schutz für das Leben befassen soll. Am 4. Juni diesen Jahres war diese Behörde dann formell vom Papst approbiert worden. Es sei der „Abschluss einer wichtigen Etappe und der Beginn einer neuen“, so hatte der Papst bei seinem letzten Empfang für eine der Institutionen, den Laienrat, formuliert.

Mit der Errichtung gab der Vatikan gleichzeitig auch die Statuten des neuen Dikasteriums – wie die Institutionen im Vatikan genannt werden – bekannt. Sie gelten wie die Errichtung selber erst einmal ad experimentum und sollen nach einiger Zeit überprüft werden. Neu an dieser Institution ist, dass der Posten des Sekretärs von einem Laien besetzt werden kann, wie es in Artikel zwei der Statuten ausdrücklich heißt, und dass die Untersekretäre Laien sein sollen. Zu den Mitgliedern des Dikasteriums – so etwas wie der Verwaltungsrat – sollen ebenfalls Laien wie Kleriker, Verheiratete wie zölibatär Lebende gehören. Ernennungen hierzu wurden noch nicht bekannt.

Ebenfalls zur neuen Institution gehört das „Institut Johannes Paul II“ zu Studien von Ehe und Familie, das bislang der Päpstlichen Lateranuniversität angegliedert war.

Aufgaben des Dikasteriums

Zu den Aufgaben der neuen Institution – die weder als Kongregation noch als Päpstlicher Rat eingestuft wird – soll das Organisieren von internationalen Begegnungen wie etwa den Weltjugendtagen gehören. Sie soll sich um die „Sendung der Laien in Kirche und Welt“ kümmern, Fragen von Familienpastoral behandeln und Weiterbildungsinitiativen auf diesem Gebiet einrichten. Zur letzten Frage sehen die Statuten eine direkte Verbindung mit dem Päpstlichen Institut Johannes Paul II. für Ehe und Familie vor. Auch Fragen um das menschliche Leben herum, wie etwa die Fragen von Lebensschutz, Hilfe für Schwangere und Bioethik, gehören in die Kompetenz der neuen Einrichtung. Hierzu wird die Päpstliche Akademie für das Leben mit dem Dikasterium verbunden, sie soll vor allem mit Studien und Diskussion der Themen helfen.

(rv 17.06.2016 ord)

ZU EINIGEN FRAGEN ÜBER DIE MITARBEIT DER LAIEN AM DIENST DER PRIESTER

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INSTRUKTION
ZU EINIGEN FRAGEN
ÜBER DIE MITARBEIT DER LAIEN
AM DIENST DER PRIESTER

LIBRERIA EDITRICE VATICANA
VATIKANSTADT 1997


VORWORT

Dem Geheimnis der Kirche entspringt der an alle Glieder des mystischen Leibes gerichtete Ruf, gemäß den verschiedenen Ämtern und Charismen an der Sendung und am Aufbau des Volkes Gottes in einer organischen Gemeinschaft aktiv mitzuwirken. Ein Echo dieses Rufes ist besonders seit dem II. Vatikanischen Konzil(1) wiederholt in den Dokumenten des Lehramtes zu vernehmen. Vor allem in den drei letzten ordentlichen Vollversammlungen der Bischofssynode wurde die Identität, die den Laien, den Priestern und den Gottgeweihten eigen ist, in ihrer gemeinsamen Würde und in der Verschiedenheit ihrer Aufgaben neu bekräftigt. Alle Gläubigen wurden ermutigt, am Aufbau der Kirche für das Heil der Welt gemeinschaftlich mitzuarbeiten.

Es ist zu betonen, daß die apostolische Tätigkeit der Laien bei der Evangelisierung in Gegenwart und Zukunft wichtig und dringlich ist. Die Kirche kann von diesem Wirken nicht absehen, weil es zu ihrer Natur als Gottesvolk gehört und weil sie es braucht, um ihren eigenen Evangelisierungsauftrag zu erfüllen.

Der Ruf zur aktiven Mitarbeit aller Gläubigen an der Sendung der Kirche ist nicht ungehört geblieben. Die Bischofssynode 1987 hat festgestellt, »daß der Geist die Kirche weiterhin erneuert, indem er in zahlreichen Laien neue Impulse der Heiligkeit und der Teilnahme weckt. Zeugnis davon gibt unter anderem der neue Stil der Zusammenarbeit zwischen Priestern, Ordensleuten und Laien; die Mitwirkung in der Liturgie, in der Verkündigung des Wortes Gottes und in der Katechese; die vielen Dienste, die Laien anvertraut und von diesen übernommen werden; das vielfältige Entstehen von Gruppen, Vereinigungen und geistlichen Gemeinschaften sowie von gemeinsamen Initiativen der Laien; die umfassendere und bedeutsamere Teilnahme der Frauen am Leben der Kirche und an den Entwicklungen in der Gesellschaft«.(2) Ebenso ist man bei der Vorbereitung der Bischofssynode 1994 über das geweihte Leben »überall der ehrlichen Sehnsucht« begegnet, »zwischen Bischöfen, Instituten des geweihten Lebens, Weltklerus und Laien authentische Beziehungen der Gemeinschaft und der Zusammenarbeit aufzubauen«.(3) In dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben bestätigt der Papst dann den spezifischen Beitrag des geweihten Lebens an der Sendung und Auferbauung der Kirche.(4)

Es gibt ein Zusammenwirken aller Gläubigen in beiden Ordnungen der Sendung der Kirche, in der geistlichen, um die Botschaft Christi und seine Gnade zu den Menschen zu bringen, wie auch in der weltlichen Ordnung, um die säkulare Wirklichkeit mit dem Geist des Evangeliums zu durchdringen und zu vervollkommnen.(5) Besonders in der ersteren — bei der Evangelisierung und beim Heiligungsdienst — »ergänzen einander das Apostolat der Laien und der Dienst der Hirten«.(6) Dabei haben Laien beiderlei Geschlechts unzählige Gelegenheiten, aktiv zu werden, und zwar durch das kohärente Zeugnis im persönlichen Leben, in Familie und Gesellschaft, durch die Verkündigung und Weitergabe des Evangeliums Christi in jedem Umfeld und durch das Bemühen, die christlichen Prinzipien bei den aktuellen Problemen herauszuarbeiten, zu verteidigen und richtig anzuwenden.(7) Besonders die Hirten sind aufgerufen, »die Dienste („ministeria“), Ämter („officia“) und Funktionen („functiones“) der Laien anzuerkennen und zu fördern. Diese haben ihre sakramentale Grundlage in Taufe und Firmung und vielfach auch in der Ehe«.(8)

In der Tat sind im Leben der Kirche auf diesem Gebiet erstaunliche pastorale Initiativen aufgeblüht, vor allem nach dem wichtigen Impuls, der vom II. Vatikanischen Konzil und vom päpstlichen Lehramt ausgegangen ist.

Heute erfordert besonders die vorrangige Aufgabe der Neuevangelisierung, die das gesamte Volk Gottes gemeinsam mit den Priestern als »Protagonisten« angeht, die neuerliche und volle Bewußtwerdung des Weltcharakters der Sendung der Laien.(9)

Dieses Vorhaben öffnet den Laien immense, manche noch zu erforschende Horizonte des Engagements in der Welt, im Bereich der Kultur, der Kunst und des Theaters, in der wissenschaftlichen Forschung, in der Arbeitswelt, in den Massenmedien, in der Politik, in der Wirtschaft usw. Ihr ganzer Unternehmungsgeist ist gefordert, um immer wirksamere Formen zu schaffen, damit diese Tätigkeitsfelder in Jesus Christus die Fülle ihrer Bedeutung finden.(10)

Innerhalb dieses weiten Feldes der gemeinsamen Tätigkeit, sei es in der spezifisch geistlichen bzw. religiösen Ordnung, sei es in der »consecratio mundi«, gibt es ein besonderes Gebiet, das den geistlichen Dienst (»sacrum ministerium«) des Klerus betrifft. Bei der Ausübung dieses Dienstes können Laien, Männer und Frauen, natürlich auch Mitglieder der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens, die nicht das Weihesakrament empfangen haben, zur Mitarbeit beauftragt werden. Auf dieses besondere Gebiet bezieht sich das II. Vatikanische Konzil, wo es lehrt: »Schließlich vertraut die Hierarchie den Laien auch gewisse Aufgaben an, die enger mit den Ämtern der Hirten verbunden sind, etwa bei der Unterweisung in der christlichen Lehre, bei gewissen liturgischen Handlungen und in der Seelsorge«.(11)

Da es sich eben um Aufgaben handelt, die enger mit den Verpflichtungen der Hirten — die, um Hirten zu sein, das Weihesakrament empfangen haben müssen — verbunden sind, ist es erforderlich, daß alle, die in irgendeiner Weise davon betroffen sind, eine besondere Sorgfalt walten lassen, damit sowohl das Wesen und die Sendung des geistlichen Dienstes als auch die Berufung und der Weltcharakter der Laien gewahrt bleiben. Mitarbeiten bedeutet nämlich nicht ersetzen.

Mit großer Zufriedenheit können wir feststellen, daß sich die Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst des Klerus in vielen Teilkirchen auf sehr positive Weise darstellt und unter Beachtung der vom Wesen der Sakramente gesetzten Grenzen sowie der Verschiedenheit der Charismen und kirchlichen Funktionen reiche Früchte an Gutem hervorbringt; mit großherzigen und sinnvollen Lösungen wird Situationen begegnet, wo keine oder zu wenige geistliche Amtsträger (»sacri ministri«) vorhanden sind.(12) Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, daß im Sinn der Gemeinschaft einige Glieder der Kirche, soweit es ihnen, ohne mit dem Weihesakrament ausgestattet zu sein, möglich ist, an der Abhilfe von Notsituationen und chronischen Erfordernissen mancher Gemeinden eifrig mitarbeiten.(13) Diese Gläubigen sind gerufen und beauftragt, bestimmte sehr wichtige und delikate Aufgaben zu übernehmen. Sie werden von der Gnade des Herrn gestärkt, von den geistlichen Amtsträgern begleitet und von den Gemeinden, zu deren Wohl sie ihren Dienst anbieten, gut aufgenommen. Die geistlichen Hirten anerkennen voll den Großmut, mit dem sich viele Gottgeweihte und Laien für diesen spezifischen Dienst zur Verfügung stellen, den sie mit treuem »sensus Ecclesiae« und aufrichtiger Hingabe leisten. Besondere Dankbarkeit und Ermutigung gebührt jenen, die diese Aufgaben in Situationen der Verfolgung der christlichen Gemeinschaft ausüben, in den territorialen oder kulturellen Missionsgebieten, dort, wo die Kirche noch wenig verwurzelt ist, oder wo die Präsenz des Priesters nur selten gegeben ist.(14)

Hier ist nicht der Ort, den ganzen theologischen und pastoralen Reichtum der Rolle der Laien in der Kirche zu vertiefen. Er wurde bereits durch das Apostolische Schreiben Christifideles laici ausführlich dargestellt.

Das Ziel dieses Dokuments besteht einfach darin, eine klare und verbindliche Antwort zu geben auf drängende und zahlreich bei unseren Dikasterien eingelangte Anfragen von Bischöfen, Priestern und Laien, die gebeten haben, hinsichtlich neuer Formen »pastoraler« Tätigkeiten von Laien im Bereich der Pfarreien und Diözesen aufgeklärt zu werden.

Oft handelt es sich nämlich um Praktiken, die in Notsituationen entstanden sind und sich häufig in der Absicht, eine großzügige Hilfe in der Pastoral zu leisten, entfaltet haben, aber schwerwiegende negative Folgen für das rechte Verständnis wahrer kirchlicher Gemeinschaft haben können. Solche Praktiken gibt es vor allem in einigen Gebieten; manchmal sind sie auch innerhalb desselben Gebietes sehr unterschiedlich.

Jedenfalls erinnern sie an die schwerwiegende pastorale Verantwortung derer, vor allem der Bischöfe,(15) die gerufen sind, die allgemeine Ordnung der Kirche auf der Basis einiger lehrmäßiger Prinzipien, die schon vom II. Vatikanischen Konzil(16) und vom nachfolgenden päpstlichen Lehramt(17) deutlich dargelegt worden sind, zu fördern und zu bewahren.

Innerhalb unserer Dikasterien wurden Überlegungen angestellt, und es wurde ein Symposion veranstaltet, an dem Vertreter der mit dem Problem hauptsächlich befaßten Episkopate teilgenommen haben. Schließlich wurde eine umfangreiche Befragung vieler Vorsitzender von Bischofskonferenzen und anderer Bischöfe und Experten verschiedener kirchlicher Fachbereiche und geographischer Herkunft durchgeführt. Das Ergebnis zeigte eine klare Übereinstimmung im Sinn der vorliegenden Instruktion. Diese beansprucht allerdings nicht, die Thematik erschöpfend zu behandeln, weil man sich auf die derzeit bekanntesten Probleme beschränken möchte und weil die besonderen Umstände, bei denen sich solche Probleme zeigen, extrem verschieden sind.

Der Text, der auf der sicheren Basis des außerordentlichen und des ordentlichen Lehramtes der Kirche verfaßt ist, wird zur treuen Anwendung den betroffenen Bischöfen anvertraut; aber er wird auch den Bischöfen jener Gebiete zur Kenntnis gebracht, in denen es zwar zur Zeit keine mißbräuchlichen Praktiken gibt, die aber wegen der raschen Ausbreitung der Phänomene bald ebenfalls betroffen sein könnten.

Bevor auf die konkreten an uns herangetragenen Probleme eingegangen wird, scheint es notwendig, einige kurze und grundlegende theologische Elemente hinsichtlich der Bedeutung des Weihesakramentes in der Verfassung der Kirche vorauszuschicken. Dabei geht es um ein fundiertes Verständnis der kirchlichen Ordnung, die mit Respekt für die Wahrheit und für die kirchliche Gemeinschaft die Rechte und Pflichten aller fördern will, weil »das Heil der Seelen in der Kirche das oberste Gesetz sein muß«.(18)

THEOLOGISCHE PRINZIPIEN

1. Gemeinsames Priestertum und Priestertum des Dienstes

Der ewige Hohepriester Jesus Christus wollte, daß seine Kirche an seinem einzigen und unteilbaren Priestertum teilhabe. Sie ist das Volk des Neuen Bundes, in dem »die Getauften durch die Wiedergeburt und die Salbung mit dem Heiligen Geist … zu einem geistigen Bau und einem heiligen Priestertum geweiht werden, damit sie in allen Werken eines christlichen Menschen geistige Opfer darbringen und die Machttaten dessen verkünden, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat (vgl. 1 Petr 2,4-10)«.(19) »Eines ist also das auserwählte Volk Gottes: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Eph 4,5); gemeinsam die Würde der Glieder aus ihrer Wiedergeburt in Christus, gemeinsam die Gnade der Kindschaft, gemeinsam die Berufung zur Vollkommenheit«.(20) Während unter allen »eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi« waltet, sind einige nach Christi Willen als »Lehrer, Ausspender der Geheimnisse und Hirten für die anderen«(21) bestellt. Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen wie auch das Priestertum des Dienstes, das heißt das hierarchische Priestertum, »unterscheiden sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach. Dennoch sind sie einander zugeordnet: das eine wie das andere nämlich nimmt je auf besondere Weise am Priestertum Christi teil«.(22) Zwischen beiden gibt es eine echte Einheit, weil der Heilige Geist die Kirche in der Gemeinschaft und in der Dienstleistung eint und ihr verschiedene hierarchische und charismatische Gaben schenkt.(23)

Der wesensmäßige Unterschied zwischen dem gemeinsamen Priestertum und dem Priestertum des Dienstes findet sich also nicht im Priestertum Christi, das immer einzig und unteilbar bleibt, und auch nicht in der Heiligkeit, zu der alle Gläubigen berufen sind: »Das Amtspriestertum bedeutet nämlich nicht an sich einen höheren Grad an Heiligkeit im Vergleich zum gemeinsamen Priestertum der Gläubigen; aber durch das Weihepriestertum wird den Priestern von Christus im Geist eine besondere Gabe verliehen, damit sie dem Volk Gottes helfen können, das ihm verliehene gemeinsame Priestertum getreu und vollständig auszuüben«.(24) Im Aufbau der Kirche, des Leibes Christi, gibt es eine Verschiedenheit der Glieder und Funktionen, aber einer ist der Geist, der zum Nutzen der Kirche seine vielfältigen Gaben entsprechend seinem Reichtum und gemäß den Erfordernissen der Dienste austeilt (vgl.1 Kor 12,1-12).(25)

Die Verschiedenheit betrifft die »Art« der Teilhabe am Priestertum Christi und berührt das Wesen in diesem Sinn: »Während das gemeinsame Priestertum der Gläubigen sich in der Entfaltung der Taufgnade, im Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, im Leben gemäß dem Heiligen Geist vollzieht, steht das Amtspriestertum im Dienst dieses gemeinsamen Priestertums. Es bezieht sich auf die Entfaltung der Taufgnade aller Christen«.(26) Demzufolge ist das Amtspriestertum »vom gemeinsamen Priestertum dem Wesen nach verschieden, denn es verleiht eine heilige Vollmacht zum Dienst an den Gläubigen«.(27) Deswegen ist der Priester gerufen zu »wachsen im Bewußtsein der tiefen Gemeinschaft, die ihn an das Gottesvolk bindet«, um »die Mitverantwortung für die eine gemeinsame Heilssendung anzuregen und zu entfalten, mit lebhafter und herzlicher Anerkennung aller Charismen und Aufgaben, die der Geist den Gläubigen für die Auferbauung der Kirche schenkt«.(28)

Die Merkmale, die das Priestertum des Dienstes der Bischöfe und Priester vom gemeinsamen Priestertum der Gläubigen unterscheiden und in der Folge auch die Grenzen der Mitwirkung der Laien am geistlichen Dienst angeben, können folgendermaßen zusammengefaßt werden:

a) Das Priestertum des Dienstes hat seine Wurzel in der apostolischen Sukzession und ist mit einer heiligen Vollmacht(29) ausgestattet, die in der Befähigung und in der Verantwortung besteht, in der Person Christi, des Hauptes und Hirten, zu handeln.(30)

b) Das Priestertum des Dienstes macht die geistlichen Amtsträger zu Dienern Christi und der Kirche, und zwar durch die bevollmächtigte Verkündigung des Wortes Gottes, die Feier der Sakramente und die pastorale Leitung der Gläubigen.(31)

Ein Wesenszug der katholischen Lehre über die Kirche besteht darin, die Grundlagen des Weiheamtes in der apostolischen Sukzession zu verankern, insofern dieses Amt die Sendung weiterführt, welche die Apostel von Christus erhalten haben.(32)

Daher ist das Weiheamt auf dem Fundament der Apostel zur Auferbauung der Kirche konstituiert:(33) »Der Dienst des Priesters ist ganz für die Kirche da«.(34) »Mit der sakramentalen Natur des kirchlichen Amtes hängt innerlich sein Dienstcharakter zusammen. Weil die Amtsträger ganz von Christus abhängig sind, der Sendung und Vollmacht gibt, sind sie wahrhaft „Knecht Christi“ (Röm 1,1) nach dem Vorbild Christi, der für uns freiwillig „Knechtsgestalt“ angenommen hat (Phil 2,7). Weil das Wort und die Gnade, deren Diener sie sind, nicht von ihnen, sondern von Christus stammen, der sie ihnen für die anderen anvertraut hat, sollen sie sich freiwillig zu Sklaven aller machen«.(35)

2. Einheit und Verschiedenheit der amtlichen Aufgaben

Die Funktionen des Weiheamtes bilden in ihrer Gesamtheit aufgrund ihres einzigen Fundamentes(36) eine untrennbare Einheit. Wie in Christus(37) gibt es nämlich nur eine einzige Wurzel des Heilshandelns, vom Amtsträger bezeichnet und verwirklicht in der Ausübung der Funktionen des Lehrens, des Heiligens und des Leitens der anderen Gläubigen. Diese Einheit bestimmt wesentlich die Ausübung der Funktionen des geistlichen Dienstes, welche immer in verschiedener Hinsicht Ausübung der Rolle Christi, des Hauptes der Kirche, sind.

Wenn daher die Ausübung des «munus docendi, sanctificandi et regendi» durch den geweihten Amtsträger das Wesen des pastoralen Dienstes ausmacht, können die verschiedenen Funktionen der geistlichen Amtsträger, die eine untrennbare Einheit bilden, nicht getrennt voneinander verstanden werden, vielmehr müssen sie in ihrer gegenseitigen Verbundenheit und Komplementarität betrachtet werden. Nur bei einigen dieser Funktionen können bis zu einem gewissen Grad auch nicht mit dem Weihesakrament ausgestattete Gläubige mit den Hirten zusammenwirken, wenn sie zur Ausübung dieser Mitarbeit von der rechtmäßigen Autorität und in der vorgesehenen Weise berufen sind. Jesus Christus »verfügt in seinem Leib, der Kirche, die Dienstgaben immerfort, vermöge deren wir durch seine Kraft uns gegenseitig Dienste leisten zum Heil«.(38) »Die Erfüllung einer solchen Aufgabe macht den Laien aber nicht zum Hirten: Nicht eine Aufgabe konstituiert das Amt, sondern das Sakrament der Weihe. Nur das Weihesakrament gewährt dem geweihten Amtsträger eine besondere Teilhabe am Amt Christi, des Hauptes und Hirten, und an seinem ewigen Priestertum. Die in Vertretung erfüllte Aufgabe leitet ihre Legitimation formell und unmittelbar von der offiziellen Beauftragung durch die Hirten ab. Ihre konkrete Erfüllung untersteht der Leitung der kirchlichen Autorität«.(39)

Man muß diese Lehre bekräftigen, weil einige Praktiken, die dem Mangel an geweihten Amtsträgern in der Gemeinde abhelfen möchten, in manchen Fällen ein Verständnis vom gemeinsamen Priestertum der Gläubigen aufkommen ließen, das seinen eigentlichen Sinn und seine spezifische Bedeutung verwischt. Dies führt unter anderem zu einem Rückgang der Kandidaten für das Priestertum und verdunkelt die besondere Stellung des Seminars als typischen Ort für die Ausbildung des geistlichen Amtsträgers. Es handelt sich um eng verflochtene Phänomene, über deren gegenseitige Zusammenhänge noch nachzudenken sein wird, um überlegte Schlußfolgerungen für die Praxis zu ziehen.

3. Unersetzbarkeit des Weiheamtes

Eine Gemeinschaft von Gläubigen kann ihre Leitung nicht von organisatorischen Kriterien aus dem Vereinswesen oder aus der Politik ableiten, wenn sie Kirche genannt werden und wahrhaft sein will. Jede Teilkirche verdankt ihre Leitung Christus, weil er selber der Kirche das apostolische Amt gewährt hat. Deshalb hat keine Gemeinde die Vollmacht, es sich selbst zu verleihen(40) oder es im eigenen Auftrag einzusetzen. Die Ausübung des Lehr- und Leitungsdienstes bedarf der kanonischen und rechtlichen Bestimmung durch die hierarchische Autorität.(41)

Das Priestertum des Dienstes ist also notwendig für die Existenz der Gemeinde als Kirche: »Man darf das Weihepriestertum nicht später als die kirchliche Gemeinschaft ansetzen, so als könnte deren Gründung ohne das Priestertum verstanden werden«.(42)Wenn nämlich in der Gemeinde kein Priester vorhanden ist, dann fehlt der Dienst und die sakramentale Funktion Christi, des Hauptes und Hirten, was für das Leben der kirchlichen Gemeinschaft unabdingbar ist.

Das Priestertum des Dienstes ist deshalb absolut unersetzbar. Von daher ergibt sich unmittelbar die Notwendigkeit einer Berufungspastoral, die eifrig, gut geordnet und andauernd darum bemüht ist, der Kirche die nötigen Amtsträger zu geben, sowie auch die Notwendigkeit einer sorgfältigen Ausbildung derer, die sich in den Seminaren auf das Priestertum vorbereiten. Jede andere Lösung für die Probleme, die sich aus dem Mangel an geistlichen Amtsträgern ergeben, kann nur bedenklich sein.

»Berufe zu fördern ist Aufgabe der gesamten christlichen Gemeinde. Sie erfüllt sie vor allem durch ein wirklich christliches Leben«.(43) Alle Gläubigen tragen Verantwortung, daß durch eine immer treuere Nachfolge Jesu Christi der Ruf zum Priestertum positiv angenommen und die Gleichgültigkeit der Umgebung, vor allem in den stark materialistisch geprägten Gesellschaften, überwunden wird.

4. Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst

In den Konzilsdokumenten wird unter den verschiedenen Aspekten der Mitwirkung der nicht mit dem Weihecharakter ausgestatteten Gläubigen an der Sendung der Kirche auch die direkte Mitarbeit an den spezifischen Aufgaben der Hirten behandelt.(44) »Wenn es zum Wohl der Kirche nützlich oder notwendig ist, können die Hirten entsprechend den Normen des Universalrechts den Laien bestimmte Aufgaben anvertrauen, die zwar mit ihrem eigenen Hirtenamt verbunden sind, aber den Charakter der Weihe nicht voraussetzen«.(45) Diese Zusammenarbeit ist von der nachkonziliaren Gesetzgebung und besonders vom neuen Codex des kanonischen Rechtes geregelt worden.

Der Codex behandelt nach den Aussagen über die Pflichten und Rechte aller Gläubigen(46) im darauf folgenden Abschnitt nicht nur die Pflichten und Rechte, die den Laien wegen ihres Weltcharakters eigen sind,(47) sondern auch weitere Aufgaben und Funktionen, die nicht ausschließlich ihnen zukommen. Einige davon betreffen alle Gläubigen, seien sie mit dem Weihesakrament ausgestattet oder nicht,(48) andere sind näher mit dem geistlichen Dienst der geweihten Amtsträger verbunden.(49) Im Hinblick auf diese letzteren Aufgaben und Funktionen haben die Laien kein Recht sie auszuüben. Aber sie »können von den geistlichen Hirten für jene kirchlichen Ämter und Aufgaben herangezogen werden, die sie gemäß den Rechtsvorschriften wahrzunehmen vermögen«.(50) Wenn nämlich »für diese Dienste Beauftragte nicht zur Verfügung stehen…, können auch Laien … nach Maßgabe der Rechtsvorschriften bestimmte Aufgaben derselben erfüllen«.(51)

Damit sich diese Zusammenarbeit harmonisch in den pastoralen Dienst einfügt, ist es zur Vermeidung pastoraler Abweichungen und disziplinärer Mißbräuche notwendig, daß die lehrmäßigen Prinzipien klar sind und die geltenden Vorschriften mit Entschiedenheit in der ganzen Kirche sorgfältig und loyal angewandt werden, ohne den Begriff der Ausnahme mißbräuchlich auf solche Fälle auszudehnen, die nicht als »Ausnahme« betrachtet werden können.

Falls irgendwo Mißbräuche und die Grenzen mißachtende Praktiken vorkommen, sollen die Hirten die notwendigen und angebrachten Mittel einsetzen, um deren Ausbreitung rechtzeitig zu verhindern und um zu vermeiden, daß das richtige Verständnis des Wesens der Kirche Schaden leidet. Insbesondere sollen sie die schon festgelegten disziplinären Vorschriften anwenden. Diese helfen, um den Unterschied und die Komplementarität der Funktionen, die für die kirchliche Gemeinschaft lebenswichtig sind, zu kennen und auch wirklich zu respektieren. Wo aber solche die Grenzen mißachtende Praktiken sich schon ausgebreitet haben, darf ein verantwortungsbewußtes Einschreiten der zuständigen Autorität absolut nicht aufgeschoben werden. So wird wahre Gemeinschaft gestiftet, denn diese kann nur auf der Wahrheit aufgebaut sein. Gemeinschaft, Wahrheit, Gerechtigkeit, Frieden und Liebe sind voneinander abhängige Begriffe.(52)

Im Licht der soeben erwähnten Prinzipien werden nun die entsprechenden Mittel genannt, die den unseren Dikasterien gemeldeten Mißbräuchen abhelfen sollen. Die folgenden Verfügungen sind den Rechtsvorschriften der Kirche entnommen.

PRAKTISCHE VERFÜGUNGEN

Artikel 1.

Notwendigkeit einer angemessenen Terminologie

Der Papst hat in seiner Ansprache an die Teilnehmer des Symposions über die »Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst der Priester« die Notwendigkeit unterstrichen, die verschiedenen Bedeutungen zu klären und zu unterscheiden, die der Begriff »Dienst« in der theologischen und kanonistischen Sprache angenommen hat.(53)

§ 1. »Seit einiger Zeit ist es üblich geworden, „Dienste“ nicht nur jene „officia“ (Ämter) und „munera“ (Aufgaben) zu nennen, die von den Hirten kraft des Weihesakraments ausgeübt werden, sondern auch solche, die von Laien kraft des in der Taufe gründenden Priestertums ausgeübt werden. Die terminologische Frage wird noch komplexer und heikler, wenn man die Möglichkeit anerkennt, daß alle Gläubigen — ersatzweise und von den Hirten amtlich beauftragt — manche Aufgaben ausüben können, die passender Klerikern zustehen, die aber nicht den Weihecharakter erfordern. Es ist festzustellen, daß der Sprachgebrauch jedesmal unsicher, konfus und daher zum Ausdruck der Glaubenslehre nicht nützlich erscheint, wenn man den Unterschied „dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach“, den es zwischen dem gemeinsamen Priestertum der Getauften und dem Weihepriestertum gibt, irgendwie verwischt«.(54)

§ 2. »Was erlaubt, in einigen Fällen den Begriff „Dienst“ auf die „munera“ auszudehnen, die den Laien eigen sind, ist das Faktum, daß auch diese in einem gewissen Maß Teilhabe am einzigen Priestertum Christi sind. Die ihnen zeitweilig anvertrauten „officia“ sind hingegen ausschließlich Frucht der Beauftragung durch die Kirche. Nur die beständige Bezugnahme auf den einen grundlegenden „Dienst Christi“ … erlaubt es in einem begrenzten Umfang, den Ausdruck „Dienst“ unmißverständlich auch auf Laien anzuwenden, d.h., ohne daß dies verstanden und erfahren wird als ein ungehöriges Streben nach dem „geistlichen Dienst“ oder als fortschreitende Aushöhlung seiner Besonderheit.

In diesem ursprünglichen Sinn drückt der Begriff „Dienst“ (servitium) nur ein Wirken aus, wodurch Glieder der Kirche in ihrem Innern und für die Welt die Sendung und den Dienst Christi fortsetzen. Wenn hingegen der Ausdruck differenziert wird hinsichtlich der Bezogenheit und Gegenüberstellung der verschiedenen „munera“ und „officia“ untereinander, dann muß man deutlich darauf verweisen, daß er nur kraft der Weihe jene Fülle und Eindeutigkeit in der Bedeutung erhält, die ihm die Tradition immer zugedacht hat«.(55)

§ 3. Der nicht mit dem Weihesakrament ausgestattete Gläubige erhält die allgemeine Bezeichnung »außerordentlicher Beauftragter« nur dann, wenn er von der zuständigen Autorität dazu beauftragt wurde, vertretungsweise die in can. 230, § 3 (56) bzw. in den cann. 943 und 1112 angeführten Aufgaben zu übernehmen. Natürlich kann die konkrete Bezeichnung verwendet werden, mit der die anvertraute Aufgabe kirchenamtlich bestimmt wird, wie zum Beispiel Katechet, Akolyth, Lektor usw.

Die zeitlich begrenzte Beauftragung bei liturgischen Handlungen gemäß can. 230, § 3 verleiht den Laien keinerlei besondere Titel.(57)

Daher ist es nicht zulässig, daß Laien mit Bezeichnungen versehen werden wie etwa »Pastor«, »Kaplan«, »Koordinator«, »Moderator« oder anderen Titeln, die zu Verwechslungen ihrer Rolle mit der des Hirten führen könnten, die einzig dem Bischof und dem Priester zukommt.(58)

Artikel 2.

Der Dienst am Wort(59)

§ 1. Der Inhalt dieses Dienstes besteht »in der seelsorglichen Verkündigung, in der Katechese und in der gesamten christlichen Unterweisung, in der die liturgische Homilie einen hervorragenden Platz haben muß«.(60)

Die eigentliche Ausübung dieser Aufgaben steht dem Diözesanbischof als Leiter des gesamten Verkündigungsdienstes in seiner Kirche zu,(61) und sie steht auch den Priestern als seinen Mitarbeitern zu.(62) Diesen Dienst versehen auch die Diakone in Gemeinschaft mit dem Bischof und seinem Presbyterium.(63)

§ 2. Laien haben gemäß ihrer Eigenart an dem prophetischen Dienst Christi teil. Sie sind zu seinen Zeugen bestellt und ausgestattet mit dem Glaubenssinn und der Gnade des Wortes. Alle sind berufen, immer mehr »wirksame Boten des Glaubens an die zu erhoffenden Dinge« (vgl.Hebr 11,1) (64) zu werden. Heute hängt besonders das katechetische Wirken sehr von ihrem Einsatz und von ihrer Großherzigkeit im Dienst der Kirche ab.

Daher können die Gläubigen und besonders die Mitglieder von Instituten des geweihten Lebens und Gesellschaften des apostolischen Lebens berufen werden, in angemessener Weise bei der Ausübung des Dienstes am Wort mitzuwirken.(65)

§ 3. Damit die Zusammenarbeit gemäß § 2 wirksam sei, ist es notwendig, an einige Bedingungen bezüglich der Formen solchen Zusammenwirkens zu erinnern.

Can. 766 C.I.C. legt die Bedingungen fest, nach denen die zuständige Autorität Laien zur Predigt »in ecclesia vel oratorio« zulassen kann. Schon die Ausdrucksweise »admitti possunt« weist darauf hin, daß es sich keinesfalls um ein eigenes Recht wie jenes spezifische der Bischöfe(66) handelt, oder um eine Befugnis wie jener der Priester und Diakone.(67)

Die Nennung solcher Bedingungen — »wenn dies unter bestimmten Umständen notwendig oder in Einzelfällen als nützlich angeraten ist« — weist auf den Ausnahmefall hin, bei dem überdies gemäß can. 766 immer »iuxta Episcoporum conferentiae praescripta« zu handeln ist. In dieser letztgenannten Klausel bestimmt der zitierte Kanon die primäre Quelle, um in konkreten Fällen bezüglich »Notwendigkeit« und »Nutzen« entsprechend zu entscheiden. Denn in den Vorschriften der Bischofskonferenz, die der »recognitio« des Apostolischen Stuhls bedürfen, müssen die Kriterien genannt werden, die dem Diözesanbischof helfen, geeignete pastorale Entscheidungen zu treffen, die zu seinem bischöflichen Amt gehören.

§ 4. In bestimmten Gebieten können, bedingt durch den Mangel an geistlichen Amtsträgern, andauernde objektive Situationen der Notwendigkeit und des Nutzens gegeben sein, die die Zulassung von Laien zum Predigtdienst nahelegen.

Die Predigt in Kirchen und Oratorien kann Laien als »Ersatz« für geistliche Amtsträger oder wegen besonderer nützlicher Gründe, die vom allgemeinen kirchlichen Recht oder der Bischofskonferenz in besonderen Fällen vorgesehen sind, gestattet werden. Sie kann daher kein einfach übliches Faktum und auch nicht als authentische Förderung der Laien verstanden werden.

§ 5. Insbesondere bei der Vorbereitung auf den Empfang der Sakramente, sollen die Katecheten auf die Rolle und Gestalt des Priesters als alleinigen Ausspender der göttlichen Geheimnisse, auf die man sich vorbereitet, aufmerksam machen.

Artikel 3.

Die Homilie

§ 1. Die Homilie ist als herausragende Form der Predigt, »qua per anni liturgici cursum ex textu sacro fidei mysteria et normae vitae christianae exponuntur«,(68) Teil der Liturgie selbst.

Daher muß die Homilie während der Eucharistiefeier dem geistlichen Amtsträger, Priester oder Diakon,(69) vorbehalten sein. Ausgeschlossen sind Laien, auch wenn sie in irgendwelchen Gemeinschaften oder Vereinigungen Aufgaben als »Pastoralassistenten« oder Katecheten erfüllen. Es geht nämlich nicht um eine eventuell bessere Gabe der Darstellung oder ein größeres theologisches Wissen, sondern vielmehr um eine demjenigen vorbehaltene Aufgabe, der mit dem Weihesakrament ausgestattet wurde. Deshalb ist nicht einmal der Diözesanbischof bevollmächtigt, von der Norm des Kanons(70) zu dispensieren. Es handelt sich nämlich nicht um eine bloß disziplinäre Verfügung, sondern um ein Gesetz, das die Aufgaben des Lehrens und Heiligens betrifft, die untereinander eng verbunden sind.

Man kann daher die gelegentlich geübte Praxis nicht gestatten, wonach die Homilie Seminaristen anvertraut wird, die als Theologiestudenten noch nicht das Weihesakrament empfangen haben.(71) Die Homilie kann nicht als Übung für den künftigen Dienst betrachtet werden.

Jegliche frühere Norm, die Laien die Homilie innerhalb der Messfeier gestattet hatte, ist durch can. 767, § 1 als aufgehoben anzusehen.(72)

§ 2. Erlaubt sind eine kurze Einführung, um ein besseres Verständnis der Liturgie zu fördern, und ausnahmsweise auch ein etwaiges Zeugnis, das, immer in Einklang mit den liturgischen Vorschriften, an besonderen Tagen (Tag des Seminars, Tag der Kranken usw.) in Eucharistiefeiern vorgetragen wird, wenn dies zur Veranschaulichung der vom zelebrierenden Priester regulär gehaltenen Homilie objektiv angebracht erscheint. Diese Einführungen und Zeugnisse dürfen keine Merkmale aufweisen, die zu Verwechslungen mit der Homilie führen könnten.

§ 3. Die Möglichkeit eines »Dialogs« in der Homilie(73) kann manchmal vom zelebrierenden Amtsträger in kluger Weise zur Erläuterung eingesetzt werden, ohne dadurch die Predigtpflicht an andere zu delegieren.

§ 4. Die Homilie außerhalb der Meßfeier kann von Laien in Einklang mit dem Recht und unter Beachtung der liturgischen Normen vorgetragen werden.

§ 5. Die Homilie kann keinesfalls Priestern oder Diakonen anvertraut werden, die den geistlichen Stand verloren oder die Ausübung des »geistlichen Dienstes« aufgegeben haben.(74)

Artikel 4.

Der Pfarrer und die Pfarrei

Laien können, wie es lobenswerterweise in zahlreichen Fällen geschieht, in den Pfarreien, im Bereich der Kranken-, Pflege-, Erziehungs- und Strafanstalten oder der Militärordinariate usw. Aufgaben übernehmen und somit in fruchtbarer Weise am pastoralen Dienst der Kleriker mitarbeiten. Eine außerordentliche Form der Mitarbeit ist unter den vorgesehenen Bedingungen jene gemäß can. 517, § 2.

§ 1. Das richtige Verständnis und die Anwendung dieses Kanons, »si ob sacerdotum penuriam Episcopus dioecesanus aestimaverit participationem in exercitio curae pastoralis paroeciae concredendam esse diacono aliive personae sacerdotali charactere non insignitae aut personarum communitati, sacerdotem constituat aliquem qui, potestatibus et facultatibus parochi instructus, curam pastoralem moderetur«, verlangt, daß diese außergewöhnliche Maßnahme unter genauer Beachtung der darin enthaltenen Bedingungen durchgeführt wird:

a) »ob sacerdotum penuriam« und nicht aus Gründen der Bequemlichkeit oder einer mißverständlichen »Förderung der Laien« usw.;

b) vorausgesetzt, es handelt sich um »participatio in exercitio curae pastoralis« und nicht darum, die Pfarrei zu leiten, zu koordinieren, zu moderieren oder zu verwalten; dies steht gemäß dem Text des Kanons nur einem Priester zu.

Eben weil es sich um Ausnahmefälle handelt, muß man vor allem die Möglichkeit in Betracht ziehen, zum Beispiel sich eines älteren noch rüstigen Priesters zu bedienen oder mehrere Pfarreien nur einem Priester oder einem »coetus sacerdotum«(75) anzuvertrauen.

Jedenfalls soll auch die Präferenz nicht übersehen werden, die derselbe Kanon für den Diakon festlegt.

Schließlich ist in denselben kanonischen Bestimmungen festgehalten, daß diese Formen der Teilhabe an der Wahrnehmung der Seelsorgsaufgaben in den Pfarreien in keiner Weise das Amt des Pfarrers ersetzen können. Die Vorschrift bekräftigt nämlich, daß in jenen Ausnahmefällen »Episcopus dioecesanus … sacerdotem constituat aliquem qui, potestatibus et facultatibus parochi instructus, curam pastoralis moderetur«. Das Amt des Pfarrers kann nur einem Priester gültig anvertraut werden (vgl. can. 521, § 1), auch in Fällen objektiven Priestermangels.(76)

§ 2. Diesbezüglich muß man auch bedenken, daß der Pfarrer der eigene Hirte(77) der ihm übertragenen Pfarrei ist und solange bleibt, bis er aus dem Amt scheidet.(78)

Die Erklärung des Amtsverzichts bei Vollendung des 75. Lebensjahres läßt den Pfarrer nicht »ipso iure« aus dem Amt scheiden. Dies geschieht erst, wenn der Diözesanbischof — nach reiflicher Überlegung sämtlicher Umstände — gemäß can. 538, § 3 definitiv seinen Amtsverzicht angenommen und es ihm schriftlich mitgeteilt hat.(79) Jedenfalls bedarf es im Licht des Priestermangels, der mancherorts existiert, besonderer Klugheit in dieser Hinsicht.

In Anbetracht des Rechts eines jeden Priesters, die mit dem Empfang der Weihe verbundenen Funktionen auch auszuüben, außer es gibt schwerwiegende gesundheitliche oder disziplinäre Gründe, wird daran erinnert, daß die Vollendung des 75. Lebensjahres keinen verpflichtenden Grund für die Annahme des Amtsverzichts durch den Diözesanbischof darstellt. Dies gilt auch, um eine funktionalistische Sicht des geistlichen Dienstes zu vermeiden.(80)

Artikel 5.

Organe der Mitarbeit in der Teilkirche

Diese Organe, die im Zuge der Erneuerung der Kirche gemäß dem II. Vatikanischen Konzil und entsprechend der kanonischen Gesetzgebung gefordert und positiv erprobt wurden, stellen eine Form der aktiven Teilnahme am Leben und an der Sendung der Kirche als Gemeinschaft dar.

§ 1. Die Bestimmungen des Codex über den «Priesterrat» legen fest, welche Priester Mitglieder sein können.(81) Er ist Priestern vorbehalten, weil er seine Grundlage in der gemeinsamen Teilhabe des Bischofs und der Priester an demselben Priestertum und Amt findet.(82)

Weder Diakone noch Laien können sich daher des aktiven und passiven Wahlrechts erfreuen, auch wenn sie Mitarbeiter der geistlichen Amtsträger sind, ebensowenig wie Priester, die aus dem Klerikerstand entlassen wurden oder die Ausübung des geistlichen Dienstes aufgegeben haben.

§ 2. Der diözesane und der pfarrliche »Pastoralrat«(83) sowie der pfarrliche »Vermögensverwaltungsrat«,(84) denen auch Laien angehören, haben nur beratendes Stimmrecht; sie können in keiner Weise zu Entscheidungsorganen werden. Für solche Aufgaben können nur jene Gläubigen gewählt werden, die den von den kanonischen Normen bestimmten Erfordernissen entsprechen.(85)

§ 3. Der Vorsitz der pfarrlichen Räte steht dem Pfarrer zu. Daher sind Entscheidungen, die von einem nicht unter dem Vorsitz des Pfarrers oder gegen ihn versammelten Rat gefällt wurden, ungültig und deshalb als nichtig zu betrachten.(86)

§ 4. Alle diözesanen Räte können die eigene Zustimmung zu einer Handlung des Bischofs gültig nur ausdrücken, wenn diese Zustimmung vom Recht ausdrücklich gefordert ist.

§ 5. Den örtlichen Verhältnissen entsprechend können die Ordinarien sich eigener Studien- oder Expertengruppen für besondere Fragen bedienen. Diese stellen jedoch keine Parallelorgane dar, die den diözesanen Priester- und Pastoralräten oder auch den Räten auf pfarrlicher Ebene die ihnen eigene Verantwortung entziehen, die vom allgemeinen kirchlichen Recht in den cann. 536, § 1 und 537 geregelt sind.(87) Wenn solche Organe in der Vergangenheit auf der Basis örtlicher Gewohnheiten oder besonderer Umstände entstanden sind, sind die nötigen Mittel anzuwenden, um sie mit dem geltenden Recht der Kirche in Einklang zu bringen.

§ 6. Der »Dechant«, der auch Dekan oder Erzpriester oder anders genannt wird und sein Vertreter, »Pro-Vikar«, »Pro-Dekan« usw. müssen immer Priester sein.(88) Daher können Nicht-Priester für diese Aufgaben gültig nicht ernannt werden.

Artikel 6.

Die liturgischen Feiern

§ 1. Liturgische Handlungen müssen klar die geordnete Einheit des Gottesvolkes als organische Gemeinschaft darstellen(89) und dementsprechend die innige Verflochtenheit, die zwischen der liturgischen Handlung und dem organisch strukturierten Wesen der Kirche vorhanden ist.

Dies geschieht, wenn alle Beteiligten treu und mit Hingabe die Rolle ausführen, die ihnen jeweils zukommt.

§ 2. Um auch auf diesem Gebiet die kirchliche Identität jedes einzelnen zu wahren, sind Mißbräuche verschiedener Art abzuschaffen, die der Bestimmung des can. 907 entgegenstehen, demgemäß es den Diakonen und Laien in der Eucharistiefeier nicht erlaubt ist, Gebete oder Gebetsteile — insbesondere das eucharistische Hochgebet und die Doxologie — vorzutragen oder Handlungen und Gesten zu verrichten, die dem zelebrierenden Priester vorbehalten sind. Ein schwerer Mißbrauch ist es überdies, wenn Laien gleichsam den »Vorsitz« bei der Eucharistiefeier übernehmen und dem Priester nur das Minimum belassen, um deren Gültigkeit zu garantieren.

Auf derselben Linie liegt der offensichtliche Verstoß, falls jemand, der das Weihesakrament nicht empfangen hat, bei liturgischen Feiern Paramente verwendet, die Priestern und Diakonen vorbehalten sind (Stola, Meßgewand oder Kasel, Dalmatik).

Schon der bloße Anschein von Verwirrung, die durch abweichendes liturgisches Verhalten entstehen kann, ist zu vermeiden. Wie die geistlichen Amtsträger an ihre Pflicht zu erinnern sind, alle vorgeschriebenen sakralen Paramente anzuziehen, so können Laien nicht tragen, was ihnen nicht zusteht.

Um Verwirrung zu vermeiden zwischen sakramentalen Feiern unter dem Vositz eines Priesters oder Diakons und anderen von Laien geleiteten liturgischen Handlungen, ist es notwendig, daß dafür klar unterschiedene Formulierungen verwendet werden.

Artikel 7.

Sonntagsgottesdienste bei Abwesenheit des Priesters

§ 1. Weil Priester oder Diakone fehlen, finden mancherorts Sonntagsgottesdienste(90) unter der Leitung von Laien statt. Dieser wertvolle und delikate Dienst wird gemäß dem Geist und den besonderen Vorschriften erfüllt, die dazu von der zuständigen kirchlichen Autorität erlassen wurden.(91) Um die genannten Gottesdienste zu leiten, müssen Laien eine spezielle Beauftragung des Bischofs haben, der dafür sorgen wird, die entsprechenden Anweisungen bezüglich Dauer, Ort, Bedingungen und verantwortlichem Priester zu geben.

§ 2. Solche Gottesdienste, deren Texte von der zuständigen kirchlichen Autorität approbiert sein müssen, stellen immer nur vorläufige Lösungen dar.(92) Es ist verboten, in ihrer Struktur Elemente aus der Opferliturgie, vor allem das »eucharistische Hochgebet«, einzufügen, auch nicht in narrativer Form, um bei den Gläubigen keine Irrtümer aufkommen zu lassen.(93) Zu diesem Zweck muß den Teilnehmern an solchen Gottesdiensten immer erklärt werden, daß sie das eucharistische Opfer nicht ersetzen und daß man das Sonntagsgebot nur durch die Mitfeier der heiligen Messe erfüllt.(94) In jenen Fällen, wo es die Entfernungen und physischen Umstände gestatten, müssen die Gläubigen angeregt und unterstützt werden, das Gebot möglichst zu erfüllen.

Artikel 8.

Außerordentliche Kommunionspender

Schon seit geraumer Zeit arbeiten Laien auf verschiedenen Gebieten der Pastoral mit den geistlichen Amtsträgern zusammen, damit »das unschätzbare Geschenk der Eucharistie immer tiefer erkannt werde und damit man an seiner heilbringenden Wirkung mit immer größerer Intensität teilnimmt«.(95)

Es handelt sich um einen liturgischen Dienst, der objektiven Erfordernissen der Gläubigen entspricht und der vor allem für die Kranken bestimmt ist und für liturgische Versammlungen, wo Gläubige besonders zahlreich sind, die die heilige Kommunion empfangen möchten.

§ 1. Die kanonische Ordnung hinsichtlich des »außerordentlichen Kommunionspenders« muß richtig angewandt werden, um keinerlei Verwirrung zu stiften. Sie legt fest, daß ordentlicher Kommunionspender der Bischof, der Priester und der Diakon ist,(96) während außerordentlicher Kommunionspender sowohl der Akolyth ist als auch ein anderer dazu gemäß can. 230, § 3 beauftragter Gläubiger.(97)

Wenn Gründe echter Notwendigkeit es nahelegen, können Laien vom Bischof beauftragt werden, als außerordentliche Kommunionspender auch außerhalb der Eucharistiefeier die heilige Kommunion auszuteilen, »ad actum vel ad tempus« oder auf Dauer; dazu ist der dafür vorgesehene liturgische Ritus anzuwenden. In Ausnahme- und unvorhergesehenen Fällen kann die Bevollmächtigung »ad actum« vom Priester gewährt werden, der der Eucharistiefeier vorsteht.(98)

§ 2. Damit der außerordentliche Kommunionspender während der Eucharistiefeier die heilige Kommunion austeilen kann, ist es notwendig, daß entweder keine ordentlichen Kommunionspender anwesend sind oder daß diese, obzwar anwesend, wirklich verhindert sind.(99) Er kann dieselbe Aufgabe auch ausüben, wenn wegen der besonders zahlreichen Teilnahme von Gläubigen, die die heilige Kommunion empfangen möchten, die Eucharistiefeier sich allzusehr in die Länge ziehen würde, weil zu wenige ordentliche Kommunionspender verfügbar sind. (100)

Diese Aufgabe ist ersatzweise und außerordentlich (101) und sie muß gemäß den Rechtsvorschriften ausgeübt werden. Dazu ist es angebracht, daß der Diözesanbischof in Übereinstimmung mit dem allgemeinen kirchlichen Recht Partikularnormen erläßt, die die Ausübung dieser Beauftragung regeln. Man muß unter anderem vorsehen, daß ein zu diesem Dienst beauftragter Gläubiger gebührend unterrichtet wird über die eucharistische Lehre, über den Charakter seines Dienstes, über die zu beachtenden Rubriken hinsichtlich der dem so hohen Sakrament geschuldeten Verehrung und über die Ordnung bezüglich der Zulassung zur Kommunion.

Um keine Verwirrung zu stiften, sind einige Praktiken zu vermeiden und abzuschaffen, die seit einiger Zeit in manchen Teilkirchen aufgekommen sind, wie etwa:

— der Kommunionempfang der Kommunionspender, als ob sie Konzelebranten wären;

— bei der Erneuerung der Bereitschaftserklärung zum priesterlichen Dienst in der Chrisam-Messe am Gründonnerstag auch solche Gläubige einbeziehen, die ihre Ordensgelübde erneuern oder die Beauftragung als außerordentliche Kommunionspender erhalten;

— der gewohnheitsmäßige Einsatz von außerordentlichen Kommunionspendern in der heiligen Messe unter willkürlicher Ausweitung des Begriffs der »zahlreichen Teilnahme«.

Artikel 9.

Das Apostolat für die Kranken

§ 1. Auf diesem Gebiet können Laien eine wertvolle Mitarbeit leisten. (102) Unzählig sind die Zeugnisse von karitativen Werken und Gesten, die von Laien, sei es einzeln oder in Formen gemeinschaftlichen Apostolats an den Kranken vollbracht werden. Dies bildet eine vorrangige christliche Präsenz in der Welt des Leidens und der Krankheit. Wo Laien die Kranken in den schwersten Momenten begleiten, ist es ihre hauptsächliche Aufgabe, das Verlangen nach den Sakramenten der Buße und der Krankensalbung zu wecken und die Bereitschaft dazu zu fördern sowie bei der Vorbereitung auf eine gute sakramentale Einzelbeichte und auch auf den Empfang der Krankensalbung zu helfen. Hinsichtlich der vielfältigen Formen der Sakramentalien haben die Laien darauf zu achten, daß deren Feier nicht zur Meinung verführt, es würde sich um jene Sakramente handeln, deren Spendung ausschließlich dem Bischof und Priester zusteht. Keinesfalls können Nicht-Priester Salbungen vornehmen, weder mit dem für die Krankensalbung geweihten noch mit dem nicht geweihten Öl.

§ 2. Bezüglich der Spendung dieses Sakraments greift die kanonische Rechtsordnung auf die theologisch sichere Lehre und auf die jahrhundertealte Praxis der Kirche zurück, (103) wonach die Krankensalbung gültig nur der Priester spendet. (104) Diese Bestimmung steht in völliger Übereinstimmung mit dem Glaubensgeheimnis, das durch die Ausübung des priesterlichen Dienstes bezeichnet und verwirklicht wird.

Es ist zu betonen, daß der ausschließlich dem Priester vorbehaltene Dienst der Krankensalbung in enger Verbindung dieses Sakramentes mit der Sündenvergebung und mit dem würdigen Empfang der Eucharistie zu sehen ist. Niemand sonst kann als ordentlicher oder außerordentlicher Spender des Sakraments fungieren; jedwede derartige Handlung stellt eine Simulation des Sakraments dar. (105)

Artikel 10.

Assistenz bei der Trauung

§ 1. Die Möglichkeit, Laien zur Eheschließungsassistenz zu delegieren, kann sich unter ganz besonderen Umständen bei schwerwiegendem Mangel an geweihten Amtsträgern als notwendig erweisen.

Sie ist jedoch von drei Voraussetzungen abhängig. Der Diözesanbischof kann eine solche Delegation einzig in den Fällen erteilen, in denen Priester oder Diakone fehlen, und nur, nachdem er für die eigene Diözese eine empfehlende Stellungnahme der Bischofskonferenz und die erforderliche Erlaubnis des Heiligen Stuhls erhalten hat. (106)

§ 2. Auch in diesen Fällen ist die kanonische Bestimmung über die Gültigkeit der Delegation (107) sowie über die Eignung, Fähigkeit und Haltung der Laien zu beachten. (108)

§ 3. Abgesehen von dem außerordentlichen Fall, der in can. 1112 C.I.C. bei Fehlen von Priestern oder Diakonen, die der Trauung assistieren könnten, vorgesehen ist, kann kein geistlicher Amtsträger einen Laien zu dieser Assistenz und zur Entgegennahme des Ehekonsenses gemäß can. 1108, § 2 bevollmächtigen.

Artikel 11.

Der Spender der Taufe

Angesichts der Abwesenheit von geistlichen Amtsträgern ist die Glaubenstreue besonders lobenswert, mit der nicht wenige Christen in schmerzlichen Situationen der Verfolgung, aber auch in Missionsgebieten und in anderen Fällen besonderer Not, das Sakrament der Taufe den neuen Generationen bewahrt haben und immer noch bewahren. Außer im Notfall kann gemäß der kanonischen Bestimmung, falls der ordentliche Spender fehlen oder verhindert sein sollte, (109) ein Laie zum außerordentlichen Spender der Taufe bestimmt werden. (110) Auf eine allzu großzügige Auslegung ist zu achten und eine gewohnheitsmäßige Erteilung dieser Befugnis zu vermeiden.

So können zum Beispiel für die Abwesenheit oder die Verhinderung, die die Beauftragung von Laien mit der Taufspendung gestatten würden, nicht die Überlastung des geistlichen Amtsträgers oder seine außerhalb des Pfarrgebiets liegende Wohnung angeführt werden, wie auch nicht seine fehlende Verfügbarkeit für den von der Familie vorgesehenen Tag der Taufe. Solche Begründungen sind nicht hinreichend.

Artikel 12.

Die Leitung kirchlicher Begräbnisfeiern

Unter den gegenwärtigen Bedingungen wachsender Entchristlichung und religiöser Entfremdung kann der Moment des Todes und des Begräbnisses manchmal eine sehr günstige pastorale Gelegenheit für eine direkte Begegnung der geistlichen Amtsträger mit jenen Gläubigen bieten, die die religiöse Praxis aufgegeben haben.

Daher ist es wünschenswert, daß die Priester und Diakone auch unter Opfern persönlich den Begräbnisfeiern gemäß den örtlichen Bräuchen vorstehen, um für die Verstorbenen zu beten und sich auch den Familien zu nähern und die sich bietende Gelegenheit für eine angemessene Evangelisierung zu nutzen.

Laien können kirchliche Begräbnisse nur im Fall tatsächlichen Fehlens von geweihten Amtsträgern und unter Beachtung der diesbezüglichen liturgischen Normen leiten. (111) Für diese Aufgabe müssen sie lehrmäßig und liturgisch gut vorbereitet werden.

Artikel 13.

Notwendige Auswahl und angemessene Ausbildung

Es ist Pflicht der zuständigen Autorität, falls die in den vorhergehenden Artikeln angeführten Fälle objektiver Notwendigkeit eines »Supplierens« eintreten sollte, Gläubige auszuwählen, die sich durch gesunde Lehre und vorbildlichen Lebenswandel auszeichnen. Daher können zur Ausübung dieser Aufgaben Katholiken nicht zugelassen werden, die keinen würdigen Lebenswandel führen, sich keines guten Rufes erfreuen oder sich in einer nicht mit der kirchlichen Morallehre übereinstimmenden familiären Situation befinden. Außerdem müssen sie eine für die angemessene Erfüllung der ihnen anvertrauten Aufgaben erforderliche Ausbildung haben.

Gemäß dem Partikularrecht sollen sie ihre Kenntnisse vervollkommnen und möglichst die Ausbildungskurse besuchen, die die zuständige Autorität im Bereich der Teilkirche abhalten wird (112) — allerdings nicht in den Seminaren, die ausschließlich den Kandidaten für das Priesteramt vorbehalten sein müssen. (113) Es ist dafür Sorge zu tragen, daß die dargebotene Lehre vollständig mit dem kirchlichen Lehramt übereinstimmt und sich in einem wirklich geistlichen Klima abwickelt.

SCHLUSSWORT

Der Heilige Stuhl empfiehlt das vorliegende Dokument dem pastoralen Eifer der Diözesanbischöfe der verschiedenen Teilkirchen und der anderen Ordinarien im Vertrauen darauf, daß seine Umsetzung reiche Frucht trage für das Wachstum der Gemeinschaft zwischen den geistlichen Amtsträgern und den Laien.

Wie der Heilige Vater angemerkt hat, »muß die besondere Gabe eines jeden Glieds der Kirche mit Klugheit und Bestimmtheit anerkannt, verteidigt, gefördert, hervorgehoben und koordiniert werden ohne Vertauschung der Rollen, der Aufgaben oder der theologischen und kanonischen Bedingungen«.(114)

Wenn einerseits der Priestermangel in manchen Zonen besonders zu spüren ist, so zeigt sich in anderen ein vielversprechendes Aufblühen von Berufungen, das positive Aussichten für die Zukunft erkennen läßt. Daher können die vorgelegten Lösungen für den Mangel an geistlichen Amtsträgern nur vorübergehend sein. Zugleich ist der Förderung der Priesterberufungen in der Pastoral Vorrang einzuräumen. (115)

Diesbezüglich erinnert der Heilige Vater daran, daß »in einigen örtlichen Situationen großzügige und sinnvolle Lösungen geschaffen wurden. Die Bestimmungen des Codex des kanonischen Rechtes haben neue Möglichkeiten eröffnet, die jedoch richtig anzuwenden sind, um nicht dem Mißverständnis zu unterliegen, normative Lösungen, die wegen Fehlens oder mangels geistlicher Amtsträger für außerordentliche Situationen vorgesehen wurden, als gewöhnlich und normal zu betrachten«. (116)

Dieses Dokument beabsichtigt, genaue Richtlinien zu erteilen, um eine wirksame Mitarbeit der Laien in solchen Umständen und unter Beachtung der Integrität des pastoralen Dienstes der Priester zu sichern. »Man muß verständlich machen, daß diese Präzisierungen und Klärungen nicht aus dem Bemühen erwachsen, klerikale Privilegien zu verteidigen, sondern aus der Notwendigkeit, dem Willen Christi gehorsam zu sein und die von ihm seiner Kirche unauslöschlich eingeprägte Grundgestalt zu respektieren«. (117)

Deren rechte Anwendung wird im Rahmen der lebendigen hierarchischen »communio« den Laien von Nutzen sein. Sie sind ja gerufen, all die reichen Möglichkeiten ihrer eigenen Begabungen zu entfalten und sie mit »immer größerer Verfügbarkeit in der Erfüllung der eigenen Sendung zu leben«. (118)

Die leidenschaftliche Empfehlung des Völkerapostels an Timotheus: »Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus …: Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne …, sei in allem nüchtern … erfülle treu deinen Dienst« (2 Tim 4,1-5) möge besonders die geistlichen Hirten angehen, die gerufen sind, die ihnen eigene Aufgabe zu erfüllen, »die allgemeine Ordnung der ganzen Kirche zu fördern … und auf die Einhaltung aller kirchlichen Gesetze zu drängen«. (119)

Diese schwerwiegende Pflicht bildet das nötige Instrument, damit die reichen Energien, die jedem Stand des kirchlichen Lebens eignen, gemäß den wunderbaren Fügungen des Geistes richtig gelenkt werden und die »communio« auf dem täglichen Weg der ganzen Gemeinschaft zur wirksamen Realität werde.

Die Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, deren Fürbitte wir dieses Dokument anvertrauen, möge allen helfen, dessen Absichten zu verstehen und für die treue Anwendung, die auf eine größere apostolische Fruchtbarkeit hinzielt, alle Kräfte aufzubringen.

Partikulargesetze und geltendes Gewohnheitsrecht, die diesen Normen entgegenstehen, sowie etwaige Befugnisse, die der Heilige Stuhl oder irgendeine andere ihm untergebene Autorität »ad experimentum« gewährt hat, sind widerrufen.

Der Papst hat die vorliegende Instruktion am 13. August 1997 «in forma specifica» approbiert und deren Promulgation angeordnet.

Aus dem Vatikan, am 15. August 1997, am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel.

Kongregation für den Klerus

Darío Castrillón Hoyos
Pro-Präfekt

Crescenzio Sepe
Sekretär

Päpstlicher Rat für die Laien

James Francis Stafford
Präsident

Stanislaw Rylko
Sekretär

Kongregation für die Glaubenslehre

Joseph Card. Ratzinger
Präfekt

Tarcisio Bertone SDB
Sekretär

Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung

Jorge Arturo Medina Estévez
Pro-Präfekt

Geraldo Majella Agnelo
Sekretär

Kongregation für die Bischöfe

Bernardin Card. Gantin
Präfekt

Jorge María Mejía
Sekretär

Kongregation für die Evangelisierung der Völker

Jozef Card. Tomko
Präfekt

Giuseppe Uhac
Sekretär

Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und für die Gesellschaften des apostolischen Lebens

Eduardo Card. Martínez Somalo
Präfekt

Piergiorgio Silvano Nesti CP
Sekretär

Päpstlicher Rat für die Interpretation von Gesetzestexten

Julián Herranz
Präsident

Bruno Bertagna
Sekretär

 


(1) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 33; Dekr. Apostolicam actuositatem, 24.

(2) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 30. Dezember 1988, 2: AAS 81 (1989) 396.

(3) Bischofsynode, IX. Ordentliche Vollversammlung über das geweihte Leben, Instrumentum laboris, 73.

(4) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Vita consecrata, 25. März 1996, 47: AAS 88 (1996) 420.

(5) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekr. Apostolicam actuositatem, 5.

(6) Ebd., 6.

(7) Vgl. ebd.

(8) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 23: AAS 81 (1989) 429.

(9) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 31; Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 15: AAS 81 (1989) 413-416.

(10) Vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonst. Gaudium et spes, 43.

(11) II. Vat. Konzil, Dekr. Apostolicam actuositatem, 24.

(12) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache beim Symposion über »Die Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst der Priester«, 22. April 1994, 2, in: L’Osservatore Romano, 23. April 1994.

(13) Vgl. C.I.C., cann. 230, § 3; 517, § 2; 861, § 2; 910, § 2; 943; 1112; Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 23 und Anm. 72: AAS 81 (1989) 430.

(14) Vgl. Johannes Paul II., Enzykl. Redemptoris missio, 7. Dezember 1990, 37: AAS 83 (1991) 282-286.

(15) Vgl. C.I.C., can. 392.

(16) Vgl. besonders II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, Konst. Sacrosanctum Concilium, Dekr. Presbyterorum Ordinis und Dekr. Apostolicam actuositatem.

(17) Vgl. besonders die Apost. Schreiben Christifideles laici und Pastores dabo vobis.

(18) C.I.C., can. 1752.

(19) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 10.

(20) Ebd., 32.

(21) Ebd.

(22) Ebd., 10.

(23) Vgl. ebd., 4.

(24) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 25. März 1992, 17: AAS 84 (1992) 684.

(25) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 7.

(26) Katechismus der Katholischen Kirche (= KKK), 1547.

(27) Ebd., 1592.

(28) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 74: AAS 84 (1992) 788.

(29) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 10, 18, 27, 28; Dekr. Presbyterorum Ordinis, 2, 6; KKK 1538, 1576.

(30) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 15: AAS 84 (1992) 680; KKK 875.

(31) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 16: AAS 84 (1992) 681-684; KKK 1592.

(32) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 14-16: AAS 84 (1992) 678-684; Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Sacerdotium ministeriale, 6. August 1983, III, 23: AAS 75 (1983) 1004-1005.

(33) Vgl. Eph 2,20; Apg 21,14.

(34) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 16: AAS 84 (1992) 681.

(35) KKK, 876.

(36) Vgl. ebd., 1581.

(37) Vgl. Johannes Paul II., Schreiben Novo incipiente, 8. April 1979, 3: AAS 17 (1979) 397.

(38) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 7.

(39) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 23: AAS 81 (1989) 430.

(40) Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Sacerdotium ministeriale, III, 2: AAS 75 (1983) 1004.

(41) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, Nota explicativa praevia, 2.

(42) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 16: AAS 84 (1992) 682.

(43) II. Vat. Konzil, Dekr. Optatam totius, 2.

(44) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekr. Apostolicam actuositatem, 24.

(45) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 23: AAS 81 (1989) 429.

(46) Vgl. C.I.C., cann. 208-223.

(47) Vgl., ebd., cann. 225, § 2; 226; 227; 231, § 2.

(48) Vgl. ebd., cann. 225, § 1; 228, § 2; 229; 231, § 1.

(49) Vgl. ebd., can. 230, §§ 2-3, was den liturgischen Bereich betrifft; can. 228, § 1, was andere Bereiche des geistlichen Dienstes anbelangt; letzterer Paragraph bezieht sich auch auf Bereiche außerhalb des Amtes der Kleriker.

(50) Ebd., can. 228, § 1.

(51) Ebd., can. 230, § 3; vgl. cann. 517, § 2; 776; 861, § 2; 910, § 2; 943; 1112.

(52) Vgl. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instr. Inaestimabile donum, 3. April 1980, proemio: AAS 72 (1980) 331-333.

(53) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache beim Symposion über die »Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst der Priester«, 3.

(54) Ebd.

(55) Ebd.

(56) Vgl. Päpstliche Kommission für die Authentische Interpretation des Codex des Kanonischen Rechtes, Responsio ad propositum dubium, 1. Juni 1988: AAS 80 (1988) 1373.

(57) Vgl. Päpstlicher rat für die Interpretation von Gesetzestexten, Responsio ad propositum dubium, 11. Juli 1992: AAS 86 (1994) 541-542. Wenn Pastoralassistenten im Rahmen einer Feier zur Mitarbeit am pastoralen Dienst der Priester beauftragt werden, soll diese Feier zeitlich nicht mit der Spendung des Weihesakramentes zusammenfallen. Auch ein Ritus, der jenem für die Beauftragung zum Akolythat und Lektorat ähnlich ist, muß vermieden werden.

(58) In diese Aufzählung von Beispielen muß man alle sprachlichen Ausdrücke einbeziehen, die entsprechend dem Sprachgebrauch der verschiedenen Ländern analog oder äquivalent sind und eine Leitungs- oder Stellvertretungsrolle bezeichnen.

(59) Bezüglich der verschiedenen Predigtformen vgl. C.I.C., can. 761; Missale Romanum, Ordo lectionum Missae, Praenotanda. Editio typica altera, Vatikan 1981.

(60) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Dei Verbum, 24.

(61) Vgl. C.I.C., can. 756, § 2.

(62) Vgl. ebd., can. 757.

(63) Ebd.

(64) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 35.

(65) Vgl. C.I.C., cann. 758-759; 785, § 1.

(66) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 25; C.I.C., can. 763.

(67) Vgl. C.I.C., can. 764.

(68) II. Vat. Konzil, Konst. Sacrosanctum Concilium, 52; C.I.C., can. 767, § 1.

(69) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Catechesi tradendae, 16. Oktober 1979, 48: AAS 71 (1979) 1277-1340; Päpstliche Kommission für die Interpretation der Dekrete des II. Vat. Konzil, Responsum, 11. Januar 1971; Kongregation für den Gottesdienst, Instr. Actio pastoralis, 15. Mai 1969, 6d: AAS 61 (1969) 809; Kongregation für den Gottesdienst, Institutio Generalis Missalis Romani, 26. März 1970, 41, 42, 165; Kongregation für den Gottesdienst, Instr. Liturgicae instaurationes, 15. September 1970, 2a: AAS 62 (1970) 696; Kongregation für die Sakramente und den Gottesdienst, Instr. Inaestimabile donum: AAS 72 (1980) 331.

(70) Vgl. Päpstliche Kommission für die Authentische Interpretation des Codex des Kanonischen Rechtes, Responsio ad propositum dubium, 20. Juni 1987: AAS 79 (1987) 1249.

(71) Vgl. C.I.C., can. 266, § 1.

(72) Vgl. ebd., can. 6, § 1, 2o.

(73) Vgl. Kongregation für den Gottesdienst, Directorium de Missis cum pueris Pueros baptizatos, 1. November 1973, 48: AAS 66 (1974) 44.

(74) Was die Priester angeht, die eine Dispens vom Zölibat erhalten haben, vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Normae de dispensatione a sacerdotali coelibatu ad instantiam partis, 14. Oktober 1980, »Normae substantiales«, art. 5.

(75) Vgl. C.I.C., can. 517, § 1.

(76) Man vermeide daher den Titel »Gemeindeleiter« oder andere Ausdrücke mit derselben Bedeutung als Bezeichnung für Laien, wenn sie an der Wahrnehmung der Seelsorgstätigkeit beteiligt sind.

(77) Vgl. C.I.C., can. 519.

(78) Vgl. ebd., can. 538, §§ 1-2.

(79) Vgl. ebd., can. 186.

(80) Vgl. Kongregation für den Klerus, Direktorium für Dienst und Leben der Priester Tota Ecclesia, 31. Januar 1994, 44.

(81) Vgl. C.I.C., cann. 497-498.

(82) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekr. Presbyterorum Ordinis, 7.

(83) Vgl. C.I.C., cann. 514 und 536.

(84) Vgl. ebd., can. 537.

(85) Vgl. ebd., can. 512, §§ 1 und 3; KKK 1650.

(86) Vgl. C.I.C., can. 536.

(87) Vgl. ebd., can. 135, § 2.

(88) C.I.C., can. 553, § 1.

(89) Vgl. II. Vat. Konzil, Konst. Sacrosanctum Concilium, 26-28; C.I.C., can. 837.

(90) Vgl. C.I.C., can. 1248, § 2.

(91) Vgl. C.I.C., can. 1248, § 2; Ritenkongregation, Instr. Inter oecumenici, 26. September 1964, 37: AAS 66 (1964) 885; Kongregation für den Gottesdienst, Direktorium für die Feier von Sonntagsgottesdiensten ohne Priester Christi Ecclesia, 10. Juni 1988: Notitiae 263 (1988).

(92) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache beim Ad-Limina-Besuch der nordamerikanischen Bischöfe, 5. Juni 1993: AAS 86 (1994) 340.

(93) Kongregation für den Gottesdienst, Direktorium für die Feier von Sonntagsgottesdiensten ohne Priester Christi Ecclesia, 35; vgl. auch C.I.C., can. 1378, § 2, 1o und § 3; can. 1384.

(94) Vgl. C.I.C., can. 1248.

(95) HL. Kongregation für die Sakramentenordnung, Instr. Immensae caritatis, 29. Januar 1973, proemio: AAS 65 (1973) 264.

(96) Vgl. C.I.C., can. 910, § 1; vgl. auch Johannes Paul II., Schreiben Dominicae coenae, 24. Februar 1980, 11: AAS 72 (1980) 142.

(97) Vgl. C.I.C., can. 910, § 2.

(98) 5 Vgl. Kongregation für die Sakramentenordnung, Instr. Immensae caritatis, 1: AAS 65 (1973) 264; Missale Romanum, Appendix: Ritus ad deputandum ministrum S. Communionis ad actum distribuendae; Pontificale Romanum: De institutione lectorum et acolytorum.

(99) Vgl. Päpstliche Kommission für die Authentische Interpretation des Codex des Kanonischen Rechtes, Responsio, 1. Juni 1988: AAS 80 (1988) 1373.

(100) Vgl. Kongregation für die Sakramentenordnung, Instr. Immensae caritatis, 1: AAS 65 (1973) 264; Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Inaestimabile donum, 3. April 1980, 10: AAS 72 (1980) 336.

(101) C.I.C., can. 230, §§ 2 und 3 legen fest, daß die dort beschriebenen liturgischen Dienste von Laien nur «ex temporanea deputatione» oder aushilfsweise geleistet werden können.

(102) Vgl. Rituale Romanum – Ordo Unctionis Infirmorum, Praenotanda, 17. Editio typica, Vatikan 1972.

(103) Vgl. Jak 5,14-15; Thomas von Aquin, In IV Sent. d. 4 q. un.; Konzil von Florenz, Bulle Exultate Deo (DS 1325); Konzil von Trient, Doctrina de sacramento extremae unctionis, cap. 3 (DS 1697; 1700) und can. 4 de extrema unctione (DS 1719); KKK 1516.

(104) Vgl. C.I.C., can. 1003, § 1.

(105) Vgl. ebd., cann. 1379 und 392, § 2.

(106) Vgl. ebd., can. 1112.

(107) Vgl. ebd., can. 1111, § 2.

(108) Vgl. ebd., can. 1112, § 2.

(109) Vgl. C.I.C., can. 861, § 2; Ordo baptismi parvulorum, Praenotanda generalia, 16-17.

(110) Vgl. C.I.C., can. 230.

(111) Vgl. Ordo Exsequiarum, Praenotanda, 19.

(112) Vgl. C.I.C., can. 231, § 1.

(113) »Integrierte« Seminare sind nicht zulässig.

(114) Johannes Paul II., Ansprache beim Symposion über die »Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst der Priester«, 3.

(115) Vgl. ebd., 6.

(116) Ebd., 2.

(117) Ebd., 5.

(118) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 58: AAS 81 (1989) 507.

(119) C.I.C., can. 392.

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Quelle

GLAUBENSKONGREGATION: DER EINSATZ DES CHRISTEN IN DER WELT

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KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

LEHRMÄßIGE NOTE

zu einigen Fragen über
den Einsatz und das Verhalten
der Katholiken im politischen Leben

Die Kongregation für die Glaubenslehre hält es nach Anhören des Päpstlichen Rates für die Laien für angemessen, die vorliegende Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben zu veröffentlichen. Die Note richtet sich an die Bischöfe der katholischen Kirche und in besonderer Weise an die katholischen Politiker sowie an alle gläubigen Laien, die zur Teilnahme am öffentlichen und politischen Leben in den demokratischen Gesellschaften berufen sind.

I. Eine beständige Lehre

1. Der Einsatz des Christen in der Welt hat in der 2000-jährigen Geschichte verschiedene Ausdrucksweisen und Wege gefunden. Einer davon ist die aktive Teilnahme in der Politik. Die Christen, so schrieb ein kirchlicher Schriftsteller der ersten Jahrhunderte, „nehmen am öffentlichen Leben teil wie Bürger“[1]. Die Kirche verehrt unter ihren Heiligen zahlreiche Männer und Frauen, die Gott durch ihren großzügigen Einsatz in politischen Ämtern und in Regierungsverantwortung gedient haben. Unter ihnen ist der heilige Thomas Morus, der zum Patron der Regierenden und der Politiker ausgerufen wurde und der bis zum Martyrium „von der unantastbaren Würde des Gewissens“ Zeugnis abzulegen wusste[2]. Obgleich er verschiedenen Formen von psychologischem Druck ausgesetzt war, wies er jeglichen Kompromiss zurück. Ohne die „beständige Treue zur Autorität und zu den rechtmäßigen Institutionen“ aufzugeben, die ihn auszeichnete, bestätigte er mit seinem Leben und mit seinem Tod, dass sich „der Mensch nicht von Gott und die Politik nicht von der Moral trennen kann“[3].

Die gegenwärtigen demokratischen Gesellschaften, in denen lobenswerterweise alle an der Gestaltung des Gemeinwesens in einem Klima wahrer Freiheit teilhaben[4], fordern neue und weitgehendere Formen der Beteiligung der Bürger – Christen wie Nichtchristen – am öffentlichen Leben. In der Tat können alle durch ihre Stimme zur Wahl der Gesetzgeber und der Regierung und, auch auf andere Weisen, zur Bildung der politischen Einstellungen und der gesetzlichen Entscheidungen beitragen, die ihrer Ansicht nach am besten dem Gemeinwohl dienen[5]. Das Leben in einem demokratischen System könnte sich nicht gut entfalten ohne die aktive, verantwortliche und großzügige Beteiligung aller, „wenn auch in verschiedenartigen, komplementären Formen, Ebenen, Aufgaben und Verantwortungen“[6].

Indem die gläubigen Laien – „geführt vom christlichen Gewissen“[7] und im Einklang mit den damit übereinstimmenden Werten – die allgemeinen politischen Pflichten erfüllen, üben sie auch die ihnen eigene Aufgabe aus, die zeitliche Ordnung christlich zu beseelen. Dabei haben sie das Wesen und die legitime Autonomie der zeitlichen Ordnung zu respektieren[8]und mit den anderen Bürgern gemäß ihrer spezifischen Kompetenz und in eigener Verantwortung zusammenzuarbeiten[9]. In Folge dieser grundlegenden Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils „können die Laien nicht darauf verzichten, sich in die ‚Politik‘ einzuschalten, das heißt in die vielfältigen und verschiedenen Initiativen auf wirtschaftlicher, sozialer, gesetzgebender, verwaltungsmäßiger und kultureller Ebene, die der organischen und institutionellen Förderung des Gemeinwohls dienen“[10]. Dies beinhaltet die Förderung und Verteidigung von Gütern wie öffentliche Ordnung und Frieden, Freiheit und Gleichheit, Achtung des menschlichen Lebens und der Umwelt, Gerechtigkeit, Solidarität, usw.

Die vorliegende Note beansprucht nicht, die gesamte Lehre der Kirche zu diesem Thema vorzulegen, die in ihren wesentlichen Linien im Katechismus der Katholischen Kirche zusammengefasst ist. Sie möchte nur einige dem christlichen Gewissen eigene Prinzipien in Erinnerung rufen, die den sozialen und politischen Einsatz der Katholiken in den demokratischen Gesellschaften inspirieren[11]. Bei den sich oft überstürzenden Ereignissen der letzten Zeit traten nämlich zweideutige Auffassungen und bedenkliche Positionen zu Tage, so dass eine Klärung wichtiger Aspekte und Dimensionen dieses Themas angebracht erscheint.

II. Einige Kernpunkte in der gegenwärtigen kulturellen und politischen Debatte

2. Die Gesellschaft befindet sich heute in einem komplexen kulturellen Prozess, der das Ende eines Zeitabschnittes und die Unsicherheit über die neue am Horizont stehende Epoche anzeigt. Die großen Errungenschaften, die offenkundig sind, fordern dazu heraus, den Weg zu überdenken, den die Menschheit im Fortschritt und in der Aneignung von menschlicheren Lebensbedingungen gegangen ist. Die wachsende Verantwortung gegenüber den Entwicklungsländern ist gewiss ein Zeichen von großer Bedeutung, an dem die wachsende Sensibilität für das Gemeinwohl deutlich wird. Daneben dürfen aber nicht die großen Gefahren verschwiegen werden, auf die einige Geistesströmungen die Gesetzgebungen und infolgedessen das Verhalten der kommenden Generationen hinlenken möchten.

Heute kann man einen gewissen kulturellen Pluralismus feststellen, der mit der Theorie und Verteidigung des ethischen Pluralismus deutliche Zeichen an sich trägt, die den Verfall und die Auflösung der Vernunft und der Prinzipien des natürlichen Sittengesetzes anzeigen. In Folge dieser Tendenz ist es leider nicht unüblich, dass in öffentlichen Erklärungen behauptet wird, der ethische Pluralismus sei die Bedingung für die Demokratie[12]. So kommt es, dass die Bürger einerseits für ihre eigenen moralischen Entscheidungen die totale Autonomie einfordern und die Gesetzgeber andererseits meinen, diese Entscheidungsfreiheit zu respektieren, wenn sie Gesetze beschließen, die von den Prinzipien der natürlichen Ethik absehen und kulturellen oder moralischen Einstellungen nachgeben, die mehr oder weniger in Mode sind[13], als ob alle möglichen Auffassungen über das Leben den gleichen Wert hätten. Zugleich wird mit irrtümlicher Berufung auf den Wert der Toleranz von einem guten Teil der Bürger – auch von den Katholiken – gefordert, darauf zu verzichten, am sozialen und politischen Leben der eigenen Länder gemäß der Auffassung über die Person und das Gemeinwohl mitzuwirken, die sie als menschlich wahr und gerecht ansehen und die sie durch die legitimen Mittel umsetzen möchten, welche die demokratische Rechtsordnung allen Mitgliedern der politischen Gemeinschaft in gleicher Weise zur Verfügung stellt. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts zeigt hinreichend, dass jene Bürger Recht haben, die die relativistische These für vollkommen falsch halten, nach der es keine moralische Norm gibt, die in der Natur des Menschseins selbst wurzelt und der jede Auffassung vom Menschen, vom Gemeinwohl und vom Staat zu unterwerfen ist.

3. Diese relativistische Auffassung des Pluralismus hat nichts gemein mit der legitimen Freiheit der katholischen Bürger, unter den politischen Meinungen, die mit dem Glauben und dem natürlichen Sittengesetz vereinbar sind, jene auszuwählen, die gemäß dem eigenen Urteil den Erfordernissen des Gemeinwohls besser gerecht wird. Die politische Freiheit gründet mitnichten in der relativistischen Idee, gemäß der alle Auffassungen über das Wohl des Menschen dieselbe Wahrheit und denselben Wert besitzen, sondern in dem Umstand, dass die politischen Aktivitäten von Fall zu Fall auf die ganz konkrete Verwirklichung des menschlichen und sozialen Wohles hinzielen, und zwar in einem genau umschriebenen geschichtlichen, geographischen, ökonomischen, technologischen und kulturellen Zusammenhang. Von der konkreten Verwirklichung und den verschiedenen Umständen hängen im Allgemeinen die unterschiedlichen Einstellungen und Lösungen ab, die allerdings moralisch annehmbar sein müssen. Es ist nicht Aufgabe der Kirche, konkrete Lösungen – oder gar ausschließliche Lösungen – für zeitliche Fragen zu entwickeln, die Gott dem freien und verantwortlichen Urteil eines jeden überlassen hat. Es ist freilich Recht und Pflicht der Kirche, moralische Urteile über zeitliche Angelegenheiten zu fällen, wenn dies vom Glauben und vom Sittengesetz gefordert ist[14]. Der Christ ist gehalten, „berechtigte Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Ordnung irdischer Dinge“[15] anzuerkennen. Zugleich ist er gerufen, sich von einer Auffassung des Pluralismus im Sinn eines moralischen Relativismus zu distanzieren, die für das demokratische Leben selbst schädlich ist. Dieses braucht wahre und solide Fundamente, das heißt ethische Prinzipien, die auf Grund ihrer Natur und ihrer Rolle als Grundlage des sozialen Lebens nicht „verhandelbar“ sind.

Auf der Ebene der konkreten politischen Auseinandersetzung muss man beachten, dass einige Entscheidungen in sozialen Fragen kontingenten Charakter haben, dass moralisch oft unterschiedliche konkrete Strategien möglich sind, um denselben Grundwert zu verwirklichen oder zu garantieren, dass einige politische Grundprinzipien auf verschiedene Weise interpretiert werden können und dass ein guter Teil der politischen Fragestellungen komplexer Natur sind. Dies erklärt, weshalb es im Allgemeinen mehrere Parteien gibt, in denen die Katholiken aktiv mitarbeiten können, um – insbesondere durch die parlamentarische Vertretung – ihr Recht und ihre Pflicht beim Aufbau der Gesellschaft ihres Landes auszuüben[16]. Diese offenkundige Feststellung darf allerdings nicht verwechselt werden mit einem unterschiedslosen Pluralismus in der Wahl der moralischen Prinzipien und Grundwerte, auf die Bezug genommen wird. Die legitime Vielfalt der zeitlichen Optionen lässt den Mutterboden unversehrt, aus dem der Einsatz der Katholiken in der Politik kommt, und dieser bezieht sich direkt auf die christliche Moral- und Soziallehre. Mit dieser Lehre müssen sich die katholischen Laien immer auseinandersetzen, um Sicherheit darüber zu haben, dass ihre eigene Mitwirkung am politischen Leben von einer kohärenten Verantwortung für die zeitlichen Dinge geprägt ist.

Die Kirche ist sich bewusst, dass der Weg der Demokratie einerseits die direkte Mitwirkung der Bürger an den politischen Entscheidungen am besten zum Ausdruck bringt, andererseits aber nur in dem Maß möglich ist, in dem er ein richtiges Verständnis über die Person zur Grundlage hat[17]. Der Einsatz der Katholiken kann bezüglich dieses Prinzips keinem Kompromiss nachgeben, denn sonst würden das Zeugnis des christlichen Glaubens in der Welt und die innere Einheit und Kohärenz der Gläubigen selbst aufgegeben. Die demokratische Struktur, auf die sich der moderne Staat aufbaut, wäre ziemlich schwach, wenn sie nicht die zentrale Bedeutung der Person zu ihrem Fundament machen würde. Es ist in der Tat die Achtung vor der Person, die die demokratische Teilnahme ermöglicht. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt, dass „der Schutz der Personenrechte die notwendige Bedingung dafür ist, dass die Bürger einzeln oder im Verbund am Leben und an der Leitung des Staates tätig Anteil nehmen können“[18].

4. Davon ausgehend gibt es ein komplexes Netz von aktuellen Problemen, die nicht mit den Fragestellungen vergangener Jahrhunderte verglichen werden können. Wissenschaftliche Errungenschaften haben es nämlich ermöglicht, Ziele zu erreichen, die das Gewissen der Menschen erschüttern und die Lösungen verlangen, welche die ethischen Prinzipien in kohärenter und vollständiger Weise respektieren. Ohne die Folgen für das Leben und die Zukunft der Völker in der Formung der Kultur und der sozialen Verhaltensweisen zu beachten, gibt es in der Gesetzgebung Versuche, die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens zu verletzen. In dieser schwierigen Lage haben die Katholiken das Recht und die Pflicht einzugreifen, um den tiefsten Sinn des Lebens und die Verantwortung, die alle dafür besitzen, in Erinnerung zu rufen. In Kontinuität der beständigen Lehre der Kirche hat Johannes Paul II. mehrmals unterstrichen, dass jene, die direkt in den gesetzgebenden Versammlungen tätig sind, die „klare Verpflichtung“ haben, sich jedem Gesetz zu widersetzen, das ein Angriff auf das menschliche Leben ist. Für sie, wie für jeden Katholiken, ist es nicht erlaubt, sich an einer Meinungskampagne für solche Gesetze zu beteiligen oder sie mit der eigenen Stimme zu unterstützen[19]. Das hindert nicht daran – wie Johannes Paul II. in der Enzyklika Evangelium vitae für den Fall lehrte, in dem eine vollständige Abwendung oder Aufhebung eines bereits geltenden oder zur Abstimmung gestellten Abtreibungsgesetzes nicht möglich wäre -, „dass es einem Abgeordneten, dessen persönlicher absoluter Widerstand gegen die Abtreibung klargestellt und allen bekannt wäre, … gestattet sein könnte, Gesetzesvorschläge zu unterstützen, die die Schadensbegrenzungeines solchen Gesetzes zum Ziel haben und die negativen Auswirkungen auf das Gebiet der Kultur und der öffentlichen Moral vermindern“[20].

In diesem Zusammenhang muss hinzugefügt werden, dass das gut gebildete christliche Gewissen niemandem gestattet, mit der eigenen Stimme die Umsetzung eines politischen Programms zu unterstützen, in dem die grundlegenden Inhalte des Glaubens und der Moral durch alternative oder diesen Inhalten widersprechende Vorschläge umgestoßen werden. Weil der Glaube eine untrennbare Einheit bildet, ist es nicht möglich, auch nur einen seiner Inhalte herauszulösen, ohne der ganzen katholischen Lehre zu schaden. Der politische Einsatz für einen isolierten Aspekt der Soziallehre der Kirche würde der Verantwortung für das Gemeinwohl nicht gerecht. Auch darf der Katholik nicht meinen, anderen die christliche Verpflichtung überlassen zu können, die ihm durch das Evangelium Jesu Christi zukommt, damit die Wahrheit über den Menschen und die Welt verkündet und verwirklicht werde.

Wenn die politische Tätigkeit mit moralischen Prinzipien konfrontiert wird, die keine Abweichungen, Ausnahmen oder Kompromisse irgendwelcher Art zulassen, dann ist der Einsatz der Katholiken deutlicher sichtbar und mit größerer Verantwortung verbunden. Geht es um diese grundlegenden, unaufgebbaren ethischen Forderungen, müssen die Gläubigen wissen, dass der Kern der moralischen Ordnung auf dem Spiel steht, der das Gesamtwohl der Person betrifft. Dies ist der Fall bei den zivilen Gesetzen im Bereich der Abtreibung und der Euthanasie (nicht zu verwechseln mit dem Verzicht auf therapeutischen Übereifer, der – auch moralisch – erlaubt ist), die das vorrangige Recht des Menschen auf Leben von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende schützen müssen. In gleicher Weise ist an die Pflicht zu erinnern, die Rechte des menschlichen Embryos zu achten und zu verteidigen. In analoger Weise muss der Schutz und die Förderung der Familie gewährleistet werden, die auf der mongamen Ehe zwischen Personen verschiedenen Geschlechts gründet und die in ihrer Einheit und Stabilität gegenüber den modernen Gesetzen über die Ehescheidung zu schützen ist. Andere Formen des Zusammenlebens können der Familie in keiner Weise rechtlich gleichgestellt werden noch als solche eine gesetzliche Anerkennung erhalten. Auch die Freiheit der Eltern in der Erziehung ihrer eigenen Kinder ist ein unaufgebbares Recht, das zudem von den internationalen Erklärungen der Menschenrechte anerkannt ist. In gleicher Weise muss an den sozialen Schutz der Minderjährigen und an die Befreiung der Opfer von den modernen Formen der Sklaverei (zum Beispiel der Droge oder der Ausnützung durch die Prostitution) gedacht werden. Nicht fehlen darf in dieser Aufzählung das Recht auf Religionsfreiheit sowie die Entwicklung einer Wirtschaftsordnung, die im Dienst der Person und des Gemeinwohls steht und die soziale Gerechtigkeit und die Prinzipien der menschlichen Solidarität und der Subsidiarität beachtet, gemäß denen „die Rechte aller Personen, Familien und gesellschaftlichen Gruppen und deren Ausübung anerkannt werden sollen“[21]. Schließlich ist unter diesen Beispielen das große Thema des Friedens zu nennen. Eine irenische und ideologische Sichtweise neigt manchmal dazu, den Wert des Friedens zu säkularisieren, während man sich in anderen Fällen mit einem zusammenfassenden ethischen Urteil begnügt und die Komplexität der in Frage stehenden Ursachen vergisst. Der Friede ist immer „das Werk der Gerechtigkeit und die Wirkung der Liebe“[22]. Er verlangt, dass Gewalt und Terrorismus radikal und absolut zurückgewiesen werden. Er fordert den beständigen und wachsamen Einsatz jener, die in der Politik Verantwortung tragen.

III. Prinzipien der katholischen Lehre über Laizität und Pluralismus

5. In Anbetracht dieser Problemkreise kann man zwar mit Recht daran denken, unterschiedliche Vorgangsweisen anzuwenden, die verschiedene Sensibilitäten und Kulturen widerspiegeln. Es ist jedoch keinem Gläubigen gestattet, sich auf das Prinzip des Pluralismus und der Autonomie der Laien in der Politik zu berufen, um Lösungen zu begünstigen, die den Schutz der grundlegenden ethischen Forderungen für das Gemeinwohl der Gesellschaft kompromittieren oder schwächen. Es handelt sich dabei nicht um „konfessionelle Werte“, denn diese ethischen Forderungen wurzeln im menschlichen Wesen und gehören zum natürlichen Sittengesetz. Wer sie verteidigt, muss sich nicht unbedingt zum christlichen Glauben bekennen, auch wenn die Lehre der Kirche diese Forderungen immer und überall als selbstlosen Dienst an der Wahrheit über den Menschen und das Gemeinwohl bekräftigt und verteidigt. Andererseits kann man nicht leugnen, dass die Politik auch auf Prinzipien Bezug nehmen muss, die einen absoluten Eigenwert haben, weil sie der Würde der Person und dem wahren menschlichen Fortschritt dienen.

6. Der häufige Verweis auf die „Laizität„, die den politischen Einsatz der Katholiken lenken müsse, bedarf einer Klärung, die nicht nur terminologischer Natur ist. Die gewissenhafte Förderung des Gemeinwohls der politischen Gesellschaft hat nichts mit „Konfessionalismus“ oder religiöser Intoleranz zu tun. Für die katholische Morallehre ist die Laizität, verstanden als Autonomie der zivilen und politischen Sphäre gegenüber der religiösen und kirchlichen – aber nicht gegenüber der moralischen Sphäre –, ein von der Kirche akzeptierter und anerkannter Wert, der zu den Errungenschaften der Zivilisation gehört[23]. Johannes Paul II. hat mehrere Male vor den Gefahren gewarnt, die dann entstehen, wenn die religiöse und die politische Sphäre miteinander verwechselt werden. „Sehr delikat sind die Situationen, in denen eine spezifisch religiöse Norm Gesetz des Staates wird oder zu werden droht, ohne dass man gebührend zwischen den Kompetenzen der Religion und jenen der politischen Gesellschaft unterscheidet. Die Identifikation des religiösen Gesetzes mit dem Zivilgesetz kann in der Tat die Religionsfreiheit unterdrücken und auch andere unveräußerliche Menschenrechte einschränken oder beseitigen“[24]. Alle Gläubigen sind sich sehr bewusst, dass die spezifisch religiösen Akte (Bekenntnis des Glaubens, Teilnahme an den Gottesdiensten und den Sakramenten, theologische Lehren, wechselseitige Kommunikation zwischen den religiösen Amtsträgern und den Gläubigen, usw.) außerhalb der Kompetenzen des Staates bleiben, der sich in diese nicht einmischen darf noch sie in irgendeiner Weise vorschreiben oder verhindern kann, mit Ausnahme begründeter Forderungen der öffentlichen Ordnung. Die Anerkennung der zivilen und politischen Rechte und die Gewährung der öffentlichen Dienste dürfen nicht von den religiösen Überzeugungen oder Leistungen der Bürger abhängig gemacht werden.

Eine ganz andere Frage ist das Recht und die Pflicht der Katholiken, wie auch aller anderen Bürger, aufrichtig die Wahrheit zu suchen und die moralischen Wahrheiten über das gesellschaftliche Leben, die Gerechtigkeit, die Freiheit, die Ehrfurcht vor dem Leben und die anderen Rechte der Person mit legitimen Mitteln zu fördern und zu verteidigen. Die Tatsache, dass einige dieser Wahrheiten auch von der Kirche gelehrt werden, mindert nicht die bürgerliche Berechtigung und die „Laizität“ des Einsatzes derer, die sich darin wiederfinden, und zwar unabhängig davon, welche Rolle die rationale Suche und die vom Glauben kommende Bestätigung bei der Anerkennung dieser Wahrheiten durch den einzelnen Bürger gespielt haben. „Laizität“ bedeutet nämlich in erster Linie Respekt vor jenen Wahrheiten, die der natürlichen Erkenntnis von dem in der Gesellschaft lebenden Menschen entspringen, auch wenn diese Wahrheiten zugleich von einer bestimmten Religion gelehrt werden, weil es nur eine Wahrheit gibt. Es wäre ein Irrtum, die richtige Autonomie, die sich die Katholiken in der Politik zu eigen machen müssen, mit der Forderung nach einem Prinzip zu verwechseln, das von der Moral- und Soziallehre der Kirche absieht.

Mit seinen Verlautbarungen in diesem Bereich will das Lehramt der Kirche weder politische Macht ausüben noch die freie Meinungsäußerung der Katholiken über kontingente Fragen einschränken. Es beabsichtigt jedoch – entsprechend der ihm eigenen Aufgabe –, das Gewissen der Gläubigen zu unterweisen und zu erleuchten, und zwar vor allem jener, die sich im politischen Leben einsetzen, damit ihr Handeln immer der umfassenden Förderung der Person und des Gemeinwohls dient. Die Soziallehre der Kirche stellt keine Einmischung in die Regierung der einzelnen Länder dar. Aber sie beinhaltet für die gläubigen Laien gewiss eine moralische Verpflichtung zu einem kohärenten Leben, die ihrem Gewissen innewohnt, welches einzig und unteilbar ist. „Sie können keine Parallelexistenz führen: auf der einen Seite das ’spirituelle‘ Leben mit seinen Werten und Forderungen und auf der anderen Seite das ‚welthafte‘ Leben, das heißt das Familienleben, das Leben in der Arbeit, in den sozialen Beziehungen, im politischen Engagement und in der Kultur. Die Rebe, die im Weinstock Christi verwurzelt ist, trägt in allen Bereichen ihres Wirkens und Lebens Früchte. Alle Lebensbereiche der Laien sind im Plan Gottes inbegriffen. Er will, dass sie der geschichtliche Ort der Offenbarung und Verwirklichung der Liebe Jesu Christi zur Ehre des Vaters und im Dienst der Brüder und Schwestern werden. Jedes Tun, jede Situation, jede konkrete Verpflichtung – wie zum Beispiel die Kompetenz und die Solidarität in der Arbeit, die Liebe und Hingabe in der Familie und in der Erziehung der Kinder, der soziale und politische Dienst, das Künden der Wahrheit auf dem Gebiet der Kultur – bieten hervorragende Gelegenheiten für einen ständigen Vollzug von Glaube, Hoffnung und Liebe“[25]. Wenn die Christen politisch in Übereinstimmung mit dem eigenen Gewissen leben und handeln, sind sie nicht Auffassungen ausgeliefert, die dem politischen Einsatz fremd sind, und betreiben auch nicht eine Form von Konfessionalismus. Vielmehr leisten sie auf diese Weise ihren angemessenen Beitrag, damit durch die Politik eine soziale Ordnung entsteht, die gerechter ist und mehr der Würde des Menschen entspricht.

In den demokratischen Gesellschaften werden alle Vorschläge frei diskutiert und geprüft. Wer im Namen des Respekts vor dem persönlichen Gewissen in der moralischen Verpflichtung der Christen, mit dem eigenen Gewissen kohärent zu sein, ein Zeichen sehen möchte, diese politisch zu disqualifizieren und ihnen die Berechtigung abzusprechen, in der Politik entsprechend ihren eigenen Überzeugungen bezüglich des Gemeinwohls zu handeln, würde einem intoleranten Laizismus verfallen. Diese Einstellung leugnet nicht nur jede politische und kulturelle Relevanz der christlichen Religion, sondern auch die Möglichkeit einer natürlichen Ethik. So würde der Weg zu einer moralischen Anarchie eröffnet, der mit keiner Form eines legitimen Pluralismus gleichgesetzt werden könnte. Die Herrschaft des Stärkeren über den Schwachen wäre die offenkundige Folge dieser Einstellung. Die Marginalisierung des Christentums würde darüber hinaus nicht den zukünftigen Entwurf einer Gesellschaft und die Eintracht unter den Völkern fördern, sondern die geistigen und kulturellen Grundlagen der Zivilisation selbst bedrohen[26].

IV. Erwägungen über Teilaspekte

7. In jüngerer Zeit ist es gelegentlich vorgekommen, dass – auch innerhalb einiger Vereinigungen und Organisationen katholischer Prägung – Positionen zu Gunsten politischer Kräfte und Bewegungen vertreten wurden, die in grundlegenden ethischen Fragen von der Moral- und Soziallehre der Kirche abweichen. Solche Einstellungen und Verhaltensweisen widersprechen grundlegenden Prinzipien des christlichen Gewissens und sind nicht mit der Zugehörigkeit zu Vereinigungen und Organisationen vereinbar, die sich katholisch nennen. In analoger Weise ist zu sagen, dass einige katholische Zeitschriften in gewissen Ländern die Leser bei politischen Wahlen in zweideutiger und unangemessener Weise orientiert, irrige Auffassungen über den Sinn der Autonomie der Katholiken in der Politik verbreitet und die oben erwähnten Prinzipien nicht in Betracht gezogen haben.

Der Glaube an Jesus Christus, der sich selbst „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) genannt hat, verlangt von den Christen, dass sie mit vermehrtem Einsatz den Aufbau einer Kultur vorantreiben, die, ausgerichtet am Evangelium, den Reichtum der Werte und Inhalte der katholischen Tradition neu darlegt. Die Frucht des geistlichen, intellektuellen und moralischen Erbes des Katholizismus in modernen kulturellen Ausdrucksweisen vorzutragen, ist heute notwendig und drängend und darf nicht aufgeschoben werden, auch um die Gefahr einer kulturellen Diaspora der Katholiken zu vermeiden. Wegen der errungenen kulturellen Stärke und der reichen Erfahrung an politischem Engagement, die die Katholiken in verschiedenen Ländern vor allem in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben, gibt es keinen Grund für sie, Minderwertigkeitskomplexe gegenüber anderen Auffassungen zu haben, die die jüngste Geschichte als schwach oder als totalen Fehlschlag entlarvt hat. Die Meinung, man könne das soziale Engagement der Katholiken auf bloße Strukturveränderungen beschränken, ist unzureichend und verkürzend. Wenn nämlich an der Basis keine Kultur steht, die fähig ist, die vom Glauben und von der Moral kommenden Ansprüche aufzunehmen, zu rechtfertigen und weiterzutragen, werden Veränderungen immer auf schwachen Fundamenten ruhen.

Der Glaube hat nie beansprucht, die sozialpolitischen Inhalte in ein strenges Schema zu zwängen. Man war sich immer bewusst, dass die Geschichte, in der der Mensch lebt, unvollkommene Situationen und oft rasche Veränderungen mit sich bringt. In dieser Hinsicht müssen jene politischen Positionen und Verhaltensweisen zurückgewiesen werden, die einer utopischen Vision folgen, welche die Tradition des biblischen Glaubens in eine Art Prophetismus ohne Gott verdreht, die religiöse Botschaft instrumentalisiert und das Gewissen auf eine bloß irdische Hoffnung ausrichtet, welche die christliche Spannung auf das ewigen Leben hin aufhebt oder entstellt.

Zugleich lehrt die Kirche, dass es ohne die Wahrheit keine wahre Freiheit gibt. „Wahrheit und Freiheit verbinden sich entweder miteinander oder sie gehen gemeinsam elend zugrunde“[27], hat Johannes Paul II. geschrieben. In einer Gesellschaft, in der man die Wahrheit nicht verkündet und nicht danach strebt, sie zu erlangen, wird auch jede Form echter Freiheitsausübung beseitigt und der Weg zu einem Libertinismus und Individualismus eröffnet, der dem Wohl der Person und der ganzen Gesellschaft schadet.

8. In diesem Zusammenhang ist es gut, an eine Wahrheit zu erinnern, die in der öffentlichen Meinung heute nicht immer richtig verstanden und formuliert wird: Das Recht auf Gewissensfreiheit und besonders auf Religionsfreiheit, das von der Erklärung Dignitatis humanae des Zweiten Vatikanischen Konzils verkündet wurde, stützt sich auf die ontologische Würde der menschlichen Person, und keineswegs auf eine Gleichheit der Religionen und kulturellen Systeme, die es nicht gibt[28]. In diesem Sinn hat Papst Paul VI. bekräftigt, dass „das Konzil dieses Recht auf Religionsfreiheit in keiner Weise auf die Tatsache gründet, dass alle Religionen und alle Lehren, auch die irrigen, einen mehr oder weniger gleichen Wert hätten; es gründet dieses Recht vielmehr auf die Würde der menschlichen Person, die verlangt, dass man sie nicht äußeren Zwängen unterwirft, die das Gewissen bei der Suche nach der wahren Religion und ihrer Annahme zu unterdrücken drohen“[29]. Die Bekräftigung der Gewissens- und Religionsfreiheit widerspricht deshalb nicht der Verurteilung des Indifferentismus und des religiösen Relativismus durch die katholische Lehre[30], sondern stimmt ganz damit überein.

V. Schluss

9. Die Orientierungen, die in der vorliegenden Note enthalten sind, wollen einen sehr wichtigen Aspekt des christlichen Lebens beleuchten: die Einheit und Kohärenz zwischen Glauben und Leben, zwischen Evangelium und Kultur, an die das Zweite Vatikanische Konzil erinnert hat. Es fordert die Gläubigen auf, „nach treuer Erfüllung ihrer irdischen Pflichten zu streben, und dies im Geist des Evangeliums. Die Wahrheit verfehlen die, die im Bewusstsein, hier keine bleibende Stätte zu haben, sondern die künftige zu suchen, darum meinen, sie könnten ihre irdischen Pflichten vernachlässigen, und so verkennen, dass sie, nach Maßgabe der jedem zuteil gewordenen Berufung, gerade durch den Glauben selbst um so mehr zu deren Erfüllung verpflichtet sind“. Die Gläubigen sollen danach verlangen, „ihre ganze irdische Arbeit so leisten zu können, dass sie ihre menschlichen, häuslichen, beruflichen, wissenschaftlichen oder technischen Anstrengungen mit den religiösen Werten zu einer lebendigen Synthese verbinden; wenn diese Werte nämlich die letzte Sinngebung bestimmen, wird alles auf Gottes Ehre hingeordnet“[31].

Papst Johannes Paul II. hat die vorliegende Note, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden war, in der Audienz vom 21. November 2002 approbiert und ihre Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 24. November 2002, dem Hochfest Christkönig.

+Joseph Card. Ratzinger
Präfekt

+Tarcisio Bertone, S.D.B.
Erzbischof em. von Vercelli
Sekretär


[1] Schrift an Diognet 5,5; vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 2240.

[3] Ebd., 4: AAS 93 (2001) 78-79.

[4] Vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 31; Katechismus der Katholischen Kirche, 1915.

[5] Vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 75.

[6] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Christifideles laici, 42: AAS 81 (1989) 472. Diese lehrmäßige Note bezieht sich selbstverständlich auf den politischen Einsatz der gläubigen Laien. Die Hirten haben das Recht und die Pflicht, die moralischen Grundsätze über die Gesellschaftsordnung vorzulegen. „Die aktive Mitwirkung in politischen Parteien ist jedoch den Laien vorbehalten“. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Christifideles laici, 60: AAS 81 (1989) 511. Vgl. auch Kongregation für den Klerus, Direktorium für den Dienst und das Leben der Priester vom 31. März 1994, 33.

[7] II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 76.

[8] Vgl. ebd., 36.

[9] Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret Apostolicam actuositatem, 7; Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 36; Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 31, 43.

[10] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Christifideles laici, 42: AAS 81 (1989) 472.

[11] Das päpstliche Lehramt hat sich in den beiden vergangenen Jahrhunderten wiederholt mit den grundlegenden Fragen der politischen und gesellschaftlichen Ordung auseinandergesetzt. Vgl. Leo XIII., Enzyklika Diuturnum illud: ASS 14 (1881/82) 4ff.; Enzyklika Immortale Dei: ASS 18 (1885/86) 162ff.; Enzyklika Libertas praestantissimum: ASS 20 (1887/88) 593ff.; Enzyklika Rerum novarum: ASS 23 (1890/91) 643ff.; Benedikt XV., Enzyklika Pacem Dei munus pulcherrimum: AAS 12 (1920) 209ff; PIUS XI., Enzyklika Quadragesimo anno: AAS 23 (1931) 190ff., Rundschreiben Mit brennender Sorge: AAS 29 (1937) 145-167; Enzyklika Divini Redemptoris: AAS 29 (1937) 78ff.; PIUS XII., Enzyklika Summi Pontificatus: AAS 31 (1939) 423ff.; Radio-Weihnachtsansprachen 1941-1944; JOHANNES XXIII., Enzyklika Mater et magistra: AAS 53 (1961) 401-464; Enzyklika Pacem in terris: AAS 55 (1963) 257-304; PAUL VI., Enzyklika Populorum progressio: AAS 59 (1967) 257-299; Apostolisches Schreiben Octogesima adveniens: AAS 63 (1971) 401-441.

[12] Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Centesimus annus, 46: AAS 83 (1991) 850-851; Enzyklika Veritatis splendor, 101: AAS 85 (1993) 1212-1213; Ansprache vor dem italienischen Parlament, 5: L’Osservatore Romano vom 15. November 2002.

[13] Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium vitae, 22: AAS 87 (1995) 425-426.

[14] Vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 76.

[15] Ebd., 75.

[16] Vgl. ebd., 43, 75.

[17] Vgl. ebd., 25.

[18] Ebd., 73.

[19] Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium vitae, 73: AAS 87 (1995) 486-487.

[20] Ebd.

[21] II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 75.

[23] Vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 76.

[24] Johannes Paul II., Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 1991, 4: AAS 83 (1991) 414-415.

[25] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Christifideles laici, 59: AAS 81 (1989) 509.

[26] Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische KorpsL’Osservatore Romano vom 11. Januar 2002.

[27] Johannes Paul II., Enzyklika Fides et ratio, 90: AAS 91 (1999) 75.

[28] Vgl. II. Vat. Konzil, Erklärung Dignitatis humanae, 1: „Fürs Erste bekennt die Heilige Synode: Gott selbst hat dem Menschengeschlecht Kenntnis gegeben von dem Weg, auf dem die Menschen, ihm dienend, in Christus erlöst und selig werden können. Diese einzige wahre Religion, so glauben wir, ist verwirklicht in der katholischen Kirche“. Das hindert nicht daran, dass die Kirche die verschiedenen religiösen Traditionen mit aufrichtigem Respekt betrachtet und sogar anerkennt, dass es in ihnen „Elemente der Wahrheit und des Guten“ gibt. Vgl. II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 16; Dekret Ad gentes, 11; Erklärung Nostra aetate, 2; Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 55: AAS 83 (1991) 302-304; Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus, 2, 8, 21: AAS 92 (2000) 743-744, 748-749, 762-763.

[29] Paul VI., Ansprache an das Kardinalskollegium: Insegnamenti di Paolo VI, Band 14, Vatikanstadt 1976, 1088-1089. 

[30] Vgl. Pius IX., Enzyklika Quanta cura: ASS 3 (1867) 162; Leo XIII., Enzyklika Immortale Dei: ASS 18 (1885) 170-171; Pius XI. Enzyklika Quas primas: AAS 17 (1925) 604-605; Katechismus der Katholischen Kirche, 2108;Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus, 22: AAS 92 (2000) 763-764. 

[31] II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 43; vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Christifideles laici, 59: AAS 91 (1989) 509-510.

Papst Johannes Paul II.: Ansprache an die Laien im kirchlichen Dienst

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Im Dom zu Fulda am 18. November 1980

 

Brüder und Schwestern in Christus,
liebe Mitarbeiter im kirchlichen Dienst.

Es war mir ein besonderes Anliegen, nach meiner Begegnung mit den Mitbrüdern im Priester- und Bischofsamt am Grab des hl. Bonifatius auch mit Euch hier an diesem denkwürdigen Ort zusammenzutreffen, die Ihr mit ihnen durch die Mitarbeit im Sendungsauftrag der Kirche die Last des Tages weitgehend teilt. Ich freue mich über Euer so zahlreiches Erscheinen und grüße Euch alle von Herzen.

1. In der Kirche Jesu Christi war es seit ihrer Gründung ein entscheidendes Merkmal seiner Jünger, daß sie ein Herz und eine Seele waren. Zugleich entfaltete sich schon in den ersten christlichen Gemeinden eine Fülle von Diensten, Gaben und Aufgaben. Der hl. Paulus gebraucht zu wiederholten Malen das Bild des einen Leibes, der viele Glieder hat. Diese Dienste be­schränkten sich keineswegs auf das durch die sakramentale Weihe vermittelte Amt. Beim Aufbau der Gemeinde, bei der Bezeugung des Glaubens, beim Dienst am Nächsten wachsen der Kirche vielfältige Aufgaben zu, die grund­sätzlich jeder übernehmen kann, der Taufe und Firmung empfangen hat und in der Einheit der Kirche aktiv mitlebt.

Gerade in den jungen Kirchen kann das Evangelium nur wachsen, indem viele sich mit ganzem Einsatz diesen mannigfachen Diensten zur Verfügung stel­len. Aber ist nicht im alten Europa, wo die Kirche immer mehr eingetaucht ist in eine säkularisierte Welt, genau dasselbe notwendig? Das Leben der Kirche auch in Eurem Land ist mehr denn je auf viele angewiesen, die die Sache der Kirche zu ihrer eigenen machen, ihre Kraft und Zeit einsetzen, damit Kirche lebendig und glaubwürdig bleibe und werde. Hier liegt zunächst das Hauptge­wicht auf dem ehrenamtlichen Dienst, den Ungezählte neben ihrer berufli­chen Arbeit oft mit großen Opfern ausüben. Es ist aber ein Zeichen für die Dy­namik der Kirche, wenn Menschen sich mit ihrem ganzen Können und mit ihrer ganzen Zeit, also auch von Berufs wegen, der Kirche zur Verfügung stel­len. Viele der Werke und Leistungen im pastoralen, sozialen und im Bildungs­bereich, die für die Kirche Eures Landes kennzeichnend sind, könnten nicht ohne hauptberufliche Mitarbeiter getan werden. Es ist mir eine Freude, heute dieser Gruppe zu begegnen, die entscheidend den Dienst der Kirche mitträgt. Die große Zahl der beruflich im Dienst der Kirche Tätigen ist eine Besonder­heit Eures Landes. Und ich weiß um die Pionierarbeit, die gerade die Frauen hierzulande vor allem in Caritas und Pastoral geleistet haben.

Schon gleich zu Anfang möchte ich allen ehrenamtlichen und hauptberufli­chen Mitarbeitern im kirchlichen Dienst, durch den sie an der Heilssendung der Kirche wirksam teilnehmen, meine aufrichtige Dankbarkeit und Anerken­nung zum Ausdruck bringen. Sie gelten allen ohne Ausnahme – wo immer sie arbeiten -, wenn ich mich auch aus zeitlichen Gründen im folgenden nicht ei­gens und ausdrücklich an jede einzelne Gruppe wenden kann.

Als Laie einen kirchlichen Beruf auszuüben, heißt oft, gegen die üblichen Le­bensgewohnheiten ein klares Bekenntnis zur Kirche zu setzen, Ansprüche des kirchlichen Berufs, Ansprüche der Familie und Ansprüche des persönlichen Lebens miteinander in Einklang bringen zu müssen. Dies kann Euch nur ge­lingen durch ein bewußteres Leben aus der Quelle, aus dem Heiligen Geist, den Ihr in Taufe und Firmung empfangen habt. Ich möchte Euch dazu ermuti­gen und Euch einige Hinweise geben, wie Ihr Euren wichtigen Dienst aus die­sem Geist verstehen und vollziehen könnt. Was der Herr zu Petrus gesagt hat: „Stärke Deine Brüder“, das empfinde ich als meinen Auftrag auch für Euch. Was heißt das: Euch stärken? Es heißt, Euch ermutigen, aus dem Geist zu le­ben, der Jesus Christus erfüllte, der die Kirche leitet und zu ihrem Auftrag be­fähigt, der auch Euch gegeben ist in Taufe und Firmung und Kraftquell für Eu­ren Dienst ist. Es ist der Geist der Liebe, der Geist des Zeugnisses, der Geist der Kinder Gottes, der Geist der Einheit.

2. Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde von Rom: „Die Liebe Got­tes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist“ (15, 30). So eröffnet sich Gottes Geist zunächst als Liebe. Sie ist zugleich seine Frucht und damit das Kennzeichen dafür, daß er am Werk ist; sie ist die höchste der Gna­dengaben, das Charisma, das alle anderen übersteigt.

Die Kirche ist gesandt, diese Liebe, die letztlich Gott selber ist, den Menschen durch Wort und Tat zu verkünden und zu vermitteln. Sie kann ihren Dienst nur tun, wenn ein wenig vom heilschaffenden Inhalt ihrer Botschaft schon in dieser Welt greifbar wird. Von Anfang an war deshalb die Verkündigung des Wortes von der Tat der Liebe begleitet – ob beim Herrn selbst, der Kranke heilte und sich der Darbenden in der Wüste annahm; oder in der Zeit der jun­gen Kirche, aus der wir zum Beispiel von der speziellen Armenpflege in Jeru­salem oder vom Ausgleich zwischen reichen und armen Gemeinden wissen. Diakonie in all ihren Formen gehört unverzichtbar zur Verkündigung des Evangeliums. Solche Diakonie gibt den Grundton aller Dienste in der Kirche an. Liebe ist zugleich das Fundament und die Vollendung jeder Berufung, je­der Gnadengabe und jeder Aufgabe.

Laßt mich in diesem Zusammenhang aber auch ein besonderes Wort an dieje­nigen unter Euch richten, die im Dienst der kirchlichen Caritas stehen. Die Caritasarbeit hat in Eurem Land eine große Geschichte seit der Gründung des Deutschen Caritas-Verbandes durch Lorenz Werthmann. Dieser Baum, den er Ende des vergangenen Jahrhunderts pflanzte, hat wirklich reiche Frucht ge­tragen. In allen Schichten und Orten der Gesellschaft der Bundesrepublik sind die Mitglieder Eures Verbandes präsent: sie sind da für jung und alt, für Kin­der und Familien, für Behinderte und Kranke. Mit fast 300 000 Männern und Frauen im karitativen Dienst steht ein ganzes Heer von Helfern zur Verfügung – wirklich eine tragende Säule für das gesellschaftliche Leben der Bundesre­publik Deutschland.

Eigentlich brauche ich nicht zu betonen, daß dieser Einsatz für mich ein Grund zu großer Freude ist. Zunächst einfach deshalb, weil Ihr so viel Gutes tut; weil Ihr Tränen abwischt und Hungernde sättigt; weil Ihr Einsamkeit auf­hebt, Schmerz lindert und Gesundung ermöglicht. Dann aber auch, weil Euer Dienst beweist, daß „alle Wege der Kirche zum Menschen führen“ (Redemp­tor hominis, 14).

Es zeugt von einem instinktiven Wissen um Gottes Güte und um die Bindung der Kirche an Gottes Botschaft, wenn auch sogenannte gottlose oder areligiöse Gruppen bei uns, bei der Kirche, die Erfahrung der Güte und des Wohlwollens Gottes suchen. Für Euch im karitativen Dienst der Kirche bedeutet dies frei­lich eine kaum zu überschätzende Verantwortung. Ihr steht gleichsam als Pfeiler im Strom einer sich wandelnden Gesellschaft, die zunehmend die Würde des Menschen bedroht, die des werdenden Menschen, die der Alten, der unheilbar Kranken, wie auch seine Fähigkeit, das Leben weiterzugeben. Der Schutz all dieser Werte ist weithin Euren Händen anvertraut. Von Eurem Dienst hängt für viele die Glaubwürdigkeit der Kirche ab, in der sie der die­nenden Liebe Christi begegnen wollen.

In der Tat, daran muß sich Eure Arbeit orientieren. Daraus ergeben sich wie von selbst einige Folgerungen, die ich hier nur kurz andeuten kann. Hilfe am Nächsten fordert gut fundierte Sachkenntnisse, qualifizierte Ausbildung, Ein­satz der besten Kräfte und Mittel. Andererseits braucht der Mensch weit mehr als nur technische Perfektion. Er hat ein Herz und will, daß ihm im Helfer auch ein Herz begegnet. Menschlichkeit kann nicht durch Apparaturen und Admi­nistraturen ersetzt werden. Das ist auch ein Grund, warum trotz des Gebotes von bester Fachkunde und besten Instrumenten der ehrenamtliche Mitarbei­ter seinen Platz im karitativen Dienst behalten muß. Gewiß bedarf auch er der Schulung. Aber entscheidend ist seine Bereitschaft zu helfen; sein Auge für die Not; die Geduld, mit der er zuhört; seine Behutsamkeit ohne Routine, die nicht allein sein Können, sondern vor allem sich selbst einbringt.

Niemand macht sich Illusionen: auch der Dienst am Nächsten kann zu reinen Gewohnheit werden. Wie arm ist der, der ihn betrachtet als einen bloßen Brot­beruf mit hinlänglichem Einkommen und geregelter Arbeitszeit, ohne daß ihn Nächstenliebe und Evangelium über Zeiten der Ermüdung hinwegtragen könnten. Doch auch für den, der sich in diesem Dienste verzehren wollte für das Gute, der der Kirche dienen wollte, weil die Aufnahme der Botschaft Jesu an die Glaubwürdigkeit der Kirche geknüpft ist, auch für ihn kommt der Alltag. Mitleid vergeht, Großmut verbraucht sich, das Herz wird enttäuscht. Woher nimmt er die Kraft, in diesem Dienst auszuhalten? Zunächst wird er inne, daß dieser Anspruch seine eigene Kraft übersteigt. Er erinnert sich der Quelle, die die Liebe hervorbringt. Sollte ihm Gott die Kraft seines Geistes versagen, wenn er ihn bittet?

Da es der Heilige Geist ist, durch den Gottes Liebe in unsere Herzen ausge­gossen wurde, kann es nur als vermessen gelten, wenn jemand, der den Dienst der Nächstenliebe zu tun hat, auf diesen Geist verzichtet, weil er sich mit der Liebe des eigenen Herzens begnügt. Haben nicht all jene, die in der Kirche als Vorbilder tätiger Nächstenliebe gelten, ihre Befähigung dazu vom Heiligen Geist erhalten? Viele von ihnen haben Bewegungen ins Leben gerufen und Gemeinschaften gegründet. In ihnen wurde eine Zeitlang wie selbstverständ­lich der Geist der Gründerzeit weitergegeben. Das ging um so leichter, weil es sich meistens um Ordensgemeinschaften handelte, die ja aufgrund ihrer Struktur leichter als andere Institutionen ihr geistliches Erbe bewahren kön­nen. Etwa 30 000 der hauptamtlichen Mitarbeiter im karitativen Dienst sind auch heute noch Ordensleute. Und niemand sollte sagen, man könnte auf die­se Ordensleute verzichten; denn sie weisen schon wegen ihres Erscheinungsbildes hin auf den inneren Zusammenhang des Dienstes am Menschen mit der Ermöglichung dieses Dienstes von Gott her. Niemand kann auf diejenigen verzichten, von denen wir Hilfe für das Notwendigste erhoffen: für die ständi­ge Erneuerung und Bestärkung unserer eigenen Liebesfähigkeit durch jene Liebe, die Gott uns in seinem Heiligen Geist bereithält.

3. Der Geist, den Christus in unser Herz gibt, ist Geist des Zeugnisses. Nur im Heiligen Geist können wir bezeugen, daß „Jesus der Herr ist“ (1 Kor 12, 3). Alle Christen sind zum Zeugnis befähigt und berufen. Besonders dringlich je­ne, die nicht nur in ihrem privaten, sondern auch in ihrem beruflichen Leben mit der Kirche verbunden sind, „Menschen der Kirche“ sind. Jeder von uns muß sich fragen, ob sein persönliches Lebenszeugnis und sein öffentliches und berufliches Verhalten dem entspricht, was die Menschen von der Kirche und die Kirche von den Menschen erwartet.

Zeugnis des Glaubens wird bei manchen von Euch zum direkten Inhalt des Berufes. Ich möchte mich unter diesen zunächst den Religionslehrern und Katecheten besonders zuwenden. Oberflächlich betrachtet, scheinen heute viele Menschen mit einer bloß sachlichen Leistung, mit einem bloß brauch­baren Service zufrieden zu sein. Schaut man jedoch tiefer in den Menschen hinein, so zeigt sich oft große persönliche Unsicherheit, Sehnsucht nach Ver­stehen und Erschließung des Lebenssinnes. Im Grunde wollen viele Men­schen, gerade Heranwachsende, vor allem erst einmal versuchen, sich selbst zu finden.

Sie können es nicht, ohne daß ihnen jemand den Weg weist, ohne daß sie, gera­de solange sie noch jung sind, geleitet werden zur Entdeckung der Wahrheit über den Menschen, zur Wahrheit über die Welt und alles, was sie trägt. Ihr, die ihr im Auftrag der Kirche in Schulen und ähnlichen Einrichtungen das Fach Religion unterrichtet, leistet dazu einen Beitrag, der in seinem Gewicht kaum abzumessen ist. Ihr seid dazu in der Lage, weil Eure Kirche mit Klugheit und Nachdruck gegenüber Staat und Gesellschaft die Möglichkeit zu schuli­schem Religionsunterricht bislang aufrechterhalten konnte. Welche Chance zum Heil der jungen Menschen Eures Volkes! Welche Chance für die Kennt­nis des Evangeliums in Eurem Land! Eine Chance, um die Euch mancher nichtdeutsche Pädagoge und Seelsorger beneidet! Möge es Euch mit der Hilfe Gottes gelingen, sie gut zu nutzen!

Das fordert von Euch zunächst ein hohes Maß an Sachgerechtigkeit: qualifi­zierte Menschenführung und gediegene Theologie. Der Glaube drängt aus seiner inneren Dynamik nach dem Glaubensverständnis: fades quaerens intel­lectum. Er ist in einer bestimmten Hinsicht wie ein Stoff, der das ganze Aufge­bot nimmermüder Forschung fordert und aushält. Er ist ein Inhalt, der wie mancher andere – ja offenbar mehr als mancher andere – die Fragenden anzieht und dem scharfen Verstand immer neue Möglichkeiten bietet, sich zu bewähren. Ich verstehe nur zu gut, daß sich so viele von Euch ganz und gar der Theologie zugewandt haben, daß sich in Eurem Land so viele als Laien dieser Wissenschaft widmen. Das theologische Studium hat schon auf der Ebene des Wissens seine Faszination. Welchen bewegenderen, lohnenderen Gegenstand unseres suchenden Geistes könnte es geben als das Wort, das Wort Gottes und schließlich ihn selbst, der sich in diesem Wort uns mitteilt?

Freilich ist der Inhalt dieses Wortes zu bedeutsam, als daß das Ergebnis sol­chen Forschens belanglos sein könnte. Was beim Menschen über den Sinn sei­nes Lebens entscheidet, kann nicht „ja“ und „nein“ zugleich sein. Hier – wenn irgendwo – ist die Wahrheit gefragt; sie ist zu finden – jedenfalls in den Dimen­sionen, die sich uns Menschen enthüllen; sie ist zu verkünden – jedenfalls auf die Weise, die uns Menschen möglich ist.

Meinungen, Privatansichten, Spekulationen genügen dem schon nicht, der ihre Wirkung auf den Lebensweg des Menschen abwägt und dessen Ehrfurcht vor diesem Menschen wach ist. Sie können erst recht den nicht zufriedenstel­len, der sich bewußt macht, daß er mit theologischen Antworten heranreicht an den Urgrund der Wahrheit selbst. Gott hat uns sein Wort geoffenbart, das wir nicht aus uns allein, aus der bloßen Kraft unseres Intellekts finden und annehmen können – so sehr es unserer Vernunft gegeben und aufgegeben ist, die Glaubwürdigkeit dieses Wortes und seine Entsprechung zu unseren menschlichen Fragen und Erkenntnissen zu erhellen. Es liegt in der inneren Logik der Offenbarung, daß dann aber auch die Wahrung und Auslegung die­ses Wortes einer besonderen Gabe des Geistes bedarf. Daher muß das Stu­dium der katholischen Theologie umfangen bleiben von der Bereitschaft, das verbindliche Zeugnis der Kirche zu hören und die Entscheidung derer anzu­nehmen, die als Hirten der Kirche Verantwortung vor Gott für die Wahrung des Glaubensgutes haben. „Die Prüfung, Anerkennung oder Zurückweisung einer Lehre gehören zur prophetischen Sendung der Kirche“, wie ich in mei­nem Brief an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz vom 15. Mai dieses Jahres geschrieben habe. Ohne die Kirche wäre Gottes Wort nicht über­liefert und bewahrt worden; man kann das Wort Gottes nicht ohne Kirche ha­ben wollen.

Das nur intellektuelle Verstehen des Glaubens muß freilich noch durch eine andere Seite ergänzt werden: Glaube will mehr als gewußt, er will gelebt wer­den. Im Neuen Testament selbst wird ein Glaube, der allein im Wissen auf­ginge, als Perversion abgelehnt – wenn beispielsweise der Jakobusbrief darauf verweist, daß auch die widergöttlichen Kräfte um den einzigen Gott wissen; doch da sie nicht mit ihrem Wesen dieses Wissen bejahen, bleibt ihnen nur, vor diesem Gott zu zittern; ihnen wird Strafe, nicht Heil zuteil (vgl. Jak 2,19).

Wenn Gott sein Wort an uns richtet, dann gibt er keine Daten kund über Sa­chen oder Dritte, er teilt uns nicht „etwas“ mit, sondern sich selbst. Jesus ist als das unüberbietbar dichte Wort der Selbstmitteilung Gottes zugleich Gott selbst. So fordert Gottes Wort eine Antwort heraus, die mit unserer ganzen Person zu geben ist. Gottes Wirklichkeit entgeht dem, der sich darauf be­schränkte, sein Wort und seine Wahrheit nur als neutrales Forschungsobjekt zu betrachten. Die Gott als Gott angemessene Weise der Annäherung ist da­gegen allein die Anbetung. Meister Eckehart, einer der großen Mystiker Eures Volkes, hat darum seine Zuhörer aufgefordert, des „gedachten Gottes quitt“ zu werden. Gott, der ein bloßes „Er“ bleibt, läßt uns allein und leer. – Gott sagt Du zu uns. Wir finden ihn nur, wenn auch wir Du sagen. So soll man – wie Eckehart sagt – Gott gegenwärtig haben „im Gemüt, im Streben und in der Liebe“. Angemessen reagiere nur derjenige, der ganz durchdrungen sei von ei­ner innigen, geistigen Hinwendung zum anwesenden Gott.

Dieselbe Hinkehr der ganzen Person beansprucht auch Jesus für sich, wenn er die Botschaft vom Vater bringt. Sein Wort versteht sich nicht als die Vermitt­lung von bloßer Sachinformation, sondern als Aufruf zur Nachfolge. Seine Predigt zielt auf das Zeugnis, das in der Lebenshingabe der ersten Jünger seine größte Eindeutigkeit gewinnt. Seine Botschaft will, über die Gemeinsamkeit im Wissen hinaus, die personale Bindung an ihn, oder – wie es das apostolische Schreiben „Catechesi tradendae“ sagt – „die Lebenseinheit mit Jesus Chri­stus“ (Nr. 5).

So ist auch Euer Zeugnis, liebe Mitarbeiter in unserer Kirche, für die Weiter­gabe der Botschaft Jesu unverzichtbar. „Verba docent, exempla trahunt“ – das wußten schon die Römer; und kürzlich stand in einem Hirtenbrief afrikani­scher Bischöfe zu lesen: „Kinder lernen mehr durch Sehen als durch Hören.“ Im Zeugnis liegt der wichtigste Dienst, den Ihr Religionslehrer Euren Schü­lern leisten könnt, auf daß sie im Umgang mit Euch ein wenig von der Freund­lichkeit des Herrn erleben; daß Ehrfurcht vor Gott und Bindung an die Kirche aus Eurem Verhalten erkennbar werden; daß Ihr ihnen die Hochschätzung des Gebetes und der Eucharistiefeier nicht nur mit Worten, sondern auch durch Euer persönliches Lebenszeugnis vermittelt.

4. Der Geist, den uns der Sohn Gottes mitteilt, macht auch uns zu Söhnen und Töchtern Gottes. Gott hat uns nicht den Geist der Knechtschaft, sondern der Kindschaft geschenkt (vgl. Röm 8,15; Gal 4,6). Das soll man uns anmerken, das soll ausstrahlen von unserem Dienst. Die Kirche soll von uns einladend, anziehend dargestellt werden, eben als Familie Gottes. Freilich erfordert das auch, daß wir keine Sklavenhaltung, kein bloßes Rechnen und Rechten an den Tag legen. Und es fordert zugleich die Verantwortlichen in der Kirche heraus, die­ser „neuen Art“ des Evangeliums im Umgang mit den Mitarbeitern Rechnung zu tragen.

Zwei Gruppen von Diensten stehen mir hier besonders vor Augen: jene von Euch, die in der kirchlichen Verwaltung arbeiten und so das äußere Bild der Kirche in ihrem Verhalten gegenüber der Öffentlichkeit erheblich mitbestim­men – und dann die große Zahl derer, die unmittelbar im pastoralen Dienst stehen, im Dienst an der Familie Gottes, als Gemeinde- und Pastoralreferen­tinnen und -referenten, als Pastoralassistentinnen und -assistenten.

An Euch, liebe Mitarbeiter in der Pastoral, will ich mich nun eigens wenden. Verglichen mit den Hauptberuflichen in anderen kirchlichen Aufgaben seid Ihr zwar klein an Zahl. Doch Euer Dienst hat unter allen Laiendiensten einen besonderen Rang; denn er hilft mit beim Aufbau der Gemeinden, bei der Be­zeugung des Evangeliums in den verschiedenen Gruppen der Gemeinde und in den verschiedenen Lebenssituationen, bei der Hinführung der Fernstehen­den zur Kirche, bei der Formung ehrenamtlicher Mitarbeiter.

Der Aufbruch im Engagement der Laien für den Heilsdienst an anderen Men­schen straft alle Pessimisten Lügen. Wie viele junge Leute sind doch bereit, diesen Dienst anzutreten! Niemand, der das bedenkt, sollte behaupten, das Evangelium hätte seine Anziehungskraft verloren. Denn jeder, der sich zu die­sem Dienst aufmacht, hat ja seine eigene Geschichte. Ihr habt diesen Weg wohl kaum angetreten unter dem Beifall der öffentlichen Meinung, sondern unter kritischen Bemerkungen von Klassenkameraden und manchmal sogar von Angehörigen. Nach vieler Meinung kann man die Bereitschaft, dem Le­ben der Mitmenschen eine Stütze aus dem Glauben zu geben, nicht zum Be­ruf machen. Das sei absolut unzeitgemäß. Und wenn dazu noch die künftigen Konturen dieses Dienstes nicht ganz eindeutig, manchmal unkalkulierbar sind, grenzt die Wahl dieses Weges in den Augen mancher schon an Unver­nünftigkeit.

Aber Ihr ahntet, daß das Wort Gottes und der Auftrag der Kirche Menschen braucht und daß Ihr Euch dieser Notwendigkeit nicht entziehen dürft. Und ich bin sicher, daß Ihr inzwischen nicht nur die Last solcher Verpflichtungen ge­spürt habt, sondern auch bereits der Dankbarkeit vieler Menschen begegnet seid. Solche Dankbarkeit aber ist die schönste Bestätigung für die Sinnhaftig­keit unserer Arbeit.

Daran ist festzuhalten, auch wenn die weitere Klärung Eures Berufsbildes noch einiges an Überlegungen nötig macht; wenn Ihr nicht von allen in den Gemeinden jene Annahme und Bestätigung erfahrt, die Ihr Euch erhofft hat­tet. Mir scheint wichtig, daß Ihr – vor allem in Härtesituationen – mit Klugheit vorangeht und Euch an den Idealismus des Anfangs erinnert, daß Ihr die ande­ren Mitarbeiter sowie die Gemeinden allmählich zu überzeugen versucht. Wir glauben ja alle daran, daß ein und derselbe Geist sowohl die Gemeinden und die Herzen der Menschen lenkt als auch Euren Dienst in der Kirche ins Leben gerufen hat. Gerade in den Augenblicken der Bedrängnis seid Ihr aufgerufen, Euch diesem Geist zu überlassen.

Ich weiß, daß dieser mein Rat von großem Anspruch an Euch ist. Er be­inhaltet, daß sich jemand nicht anstecken läßt vom ständigen Nachrechnen der Arbeitsstunden und des Anrechts auf Freizeit, obschon solches jeden Tag in der Zeitung steht; daß er sein Denken in Stufenleitern der Beförderung hin­ter sich lassen muß, obschon es in unserer Gesellschaft gang und gäbe ist; daß so immer mehr die Identifikation gelingen soll, nicht mit der sündenlosen Kir­che, die wir alle uns erträumen, sondern mit der heutigen konkreten Kirche, die nicht aufhört, mit menschlicher Schwäche behaftet zu sein.

Solche Identifikation macht keineswegs blind, sondern in rechter Weise se­hend, nämlich für das Gute, das man ja nur mit dem Herzen – das heißt mit dem Blick des Wohlwollens – entdeckt. So gelingt es, das Positive aufzuspüren und überzeugend zu verkünden: Entscheidungen der Träger kirchlicher Ver­antwortung, der Bischöfe und der Priester, kann man zunächst zu verstehen versuchen, auch wenn andere sie zunächst kritisieren; nicht Skepsis ist die De­vise, die Pflege der inneren Distanz, sondern der Vertrauensvorschuß.

Und ein Letztes: Es gibt in der Pastoral auch den Dienst des ständigen Dia­kons, der sich aus dem Ruf Gottes der sakramentalen Gnadengabe öffnet, um vom Altar her als der geistlichen Mitte der Kirche den Menschen helfend und bezeugend nahe zu sein. Liturgie und Verkündigung, Pastoral und Diakonie zeigen hier ihre innige Verbindung. Wenn Ihr den Ruf Gottes dazu vernehmt, so bitte ich: öffnet Euch dafür!

5. Der Geist, den Ihr empfangen habt, ist schließlich der Geist der Einheit. Die vielen Dienste sind Ausdruck und Gaben des einen Geistes. Jeder muß den Mut und die Bescheidung haben, ja zu sagen zu einer besonderen Gabe und Aufgabe. Das heißt aber zugleich: ich soll Glaube und Aufgabe meines Näch­sten so ernst nehmen und so hoch schätzen wie meine eigenen. Zusammen­wirken, Rücksicht nehmen aufeinander, bereit sein zu immer neuer Versöh­nung, zu immer neuem Anfang miteinander, das ist nicht weniger wichtig als die Treue zum eigenen Auftrag. Einheit, das heißt nicht zuletzt: offene, gute, geduldige, verständnisvolle Zusammenarbeit zwischen Priestern, Diakonen und Laien. Nur wenn alle sich darum mühen, kann das Zeugnis jener Einheit gelingen, „damit die Welt glaube“ (Joh 17,21).

Eine ganz besondere Bitte schließt hier an: Macht auch die Sorge der Kirche um Priester- und Ordensberufe zu der Euren!

Ihr alle sollt meiner Verbundenheit mit Eurem Dienst gewiß sein. Tragt bitte auch Ihr den meinen mit! Dann wird der Geist des Herrn auch durch uns das Antlitz der Kirche und der Erde erneuern.

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Quelle: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls (25) – Papst Johannes Paul II. in Deutschland – 15.-19. November 1980