DER HEILIGE JOHANES-PAUL II.: DIE SÜNDE GEGEN DEN HEILIGEN GEIST

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Auszug aus der Enzyklika
„DOMINUM ET VIVIFICANTEM“
über den Heiligen Geist im Leben der Kirche und der Welt:

6. Die Sünde gegen den Heiligen Geist

46. Auf dem Hintergrund dessen, was wir bisher ausgeführt haben, werden einige beeindruckende und bestürzende Worte Jesu verständlicher. Wir könnten sie als Worte der »Nicht-Vergebung« bezeichnen. Sie sind uns von den Synoptikern überliefert und beziehen sich auf eine besondere Sünde, die »Lästerung wider den Heiligen Geist« genannt wird. Hier die Texte in ihrer dreifachen Fassung:

Matthäus: »Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden, aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. Auch dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden, wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt«180.

Markus: »Alle Vergehen und Lästerungen werden dem Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften«181.

Lukas: »Jedem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben«182.

Warum ist die Lästerung gegen den Heiligen Geist nicht zu vergeben? Was ist unter dieser Lästerung zu verstehen? Der heilige Thomas von Aquin antwortet, daß es sich hier um eine Sünde handelt, »die ihrer Natur nach unvergebbar ist, weil sie jene Elemente ausschließt, derentwegen die Vergebung der Sünden geschieht«183.

Nach dieser Deutung besteht die Lästerung nicht eigentlich in verletzenden Worten gegen den Heiligen Geist, sondern in der Weigerung, das Heil anzunehmen, welches Gott dem Menschen durch den Heiligen Geist anbietet, der in der Kraft des Kreuzesopfers wirkt. Wenn der Mensch jenes »Offenlegen der Sünde«, das vom Heiligen Geist ausgeht und heilswirksamen Charakter hat, zurückweist, weist er damit zugleich das »Kommen« des Trösters zurück, jenes »Kommen«, das sich im Ostergeheimnis vollzieht, in der Einheit mit der erlösenden Kraft des Blutes Christi, das »unser Gewissen von toten Werken reinigt«.

Wir wissen, daß die Frucht einer solchen Reinigung die Vergebung der Sünden ist. Wer den Geist und das Blut zurückweist, verbleibt deshalb in »toten Werken«, in der Sünde. Die Lästerung gegen den Heiligen Geist besteht gerade in der radikalen Verweigerung der Annahme jener Vergebung, deren innerster Vermittler er ist und die eine echte Bekehrung voraussetzt, die von ihm im Gewissen gewirkt wird. Wenn Jesus sagt, daß die Lästerung gegen den Heiligen Geist weder in diesem noch im zukünftigen Leben vergeben wird, dann liegt der Grund darin, daß diese »Nicht-Vergebung« ursächlich mit der Unbußfertigkeit verbunden ist, das heißt mit der radikalen Weigerung, sich zu bekehren. Dies bedeutet eine Weigerung, sich den Quellen der Erlösung zu nähern, die jedoch in der Heilsordnung, in der sich die Sendung des Heiligen Geistes vollzieht, »immer« geöffnet bleiben. Der Tröster-Geist hat die unbegrenzte Macht, aus diesen Quellen zu schöpfen: »Er wird von dem, was mein ist, nehmen«, hat Jesus gesagt. Auf diese Weise vollendet er in den Seelen der Menschen die von Christus gewirkte Erlösung, indem er deren Früchte austeilt. Nun ist aber die Lästerung gegen den Heiligen Geist die Sünde jenes Menschen, der sich auf sein vermeintliches »Recht« zum Verharren im Bösen – in jeglicher Sünde – beruft und dadurch die Erlösung verwirft. Ein solcher Mensch bleibt in der Sünde gefangen, indem er von seiner Seite her seine Bekehrung und damit die Sündenvergebung unmöglich macht, die er als unwesentlich und unbedeutsam für sein Leben erachtet. Dies ist eine Situation des geistlichen Ruins; denn die Lästerung gegen den Heiligen Geist erlaubt es dem Menschen nicht, sich aus seiner selbstverhängten Gefangenschaft zu befreien und sich den göttlichen Quellen der Reinigung der Gewissen und der Verzeihung der Sünden zu öffnen.

47. Das Wirken des Heiligen Geistes, das auf das heilbringende »Offenlegen der Sünde« gerichtet ist, trifft im Menschen, der sich in einer solchen Situation befindet, auf einen inneren Widerstand, gleichsam auf eine undurchdringliche Wand seines Gewissens, auf eine seelische Verfassung, die sich sozusagen aufgrund einer freien Wahl verfestigt hat: Die Heilige Schrift nennt das gewöhnlich »Verhärtung des Herzens«184. In unserer Zeit entspricht dieser Verfassung des Geistes und des Herzens in etwa der Verlust des Gespürs für die Sünde, dem das Apostolische Schreiben über »Versöhnung und Buße« viele Seiten widmet185. Schon Papst Pius XII. hat gesagt, daß »die Sünde des Jahrhunderts der Verlust des Gespürs für die Sünde ist«186; dieser Verlust aber geht einher mit dem »Verlust des Gespürs für Gott«. Im erwähnten Schreiben lesen wir: »Gott ist tatsächlich der Ursprung und das höchste Ziel des Menschen, und dieser trägt in sich einen göttlichen Keim. Deshalb ist es die Wirklichkeit Gottes, die das Geheimnis des Menschen enthüllt und beleuchtet. Es ist also vergeblich, zu hoffen, daß ein Sündenbewußtsein gegenüber den Menschen und den menschlichen Werten Bestand haben könnte, wenn das Gespür für die gegen Gott begangene Beleidigung, das heißt das wahre Sündenbewußtsein, fehlt«187.

Darum erbittet die Kirche beständig von Gott die Gnade, daß der Mensch das rechte Gewissen nicht verliere und sich sein gesundes Gespür für das Gute und Böse nicht abstumpfe. Beides, Gewissenhaftigkeit und Empfindsamkeit, sind zutiefst mit dem inneren Wirken des Geistes der Wahrheit verbunden. Von daher erhalten die Mahnungen des Apostels eine besondere Bedeutung: »Löscht den Geist nicht aus«; »beleidigt nicht den Heiligen Geist«188. Vor allem aber hört die Kirche nicht auf, mit größtem Eifer dafür zu beten, daß jene Sünde, die das Evangelium »Lästerung gegen den Heiligen Geist« nennt, in der Welt nicht zunehme, sondern vielmehr in den Seelen der Menschen – und folglich in den Lebensräumen selbst und in den verschiedenen Bereichen der menschlichen Gesellschaft – zurückgehe und sich stattdessen die Gewissen öffnen, was für das heilbringende Wirken des Heiligen Geistes unerläßlich ist. Die Kirche bittet darum, daß die gefährliche Sünde gegen den Geist einer heiligen Bereitschaft weiche, seine Sendung als Beistand anzunehmen, wenn er kommt, um »die Welt zu überführen (und aufzudecken), was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist«.

48. Jesus hat in seiner Abschiedsrede diese drei Teilbereiche des »Überführens« in der Sendung des Beistandes zusammengefaßt: die Sünde, die Gerechtigkeit und das Gericht. Diese bezeichnen den Raum jenes Geheimnisses des Glaubens, das sich in der Geschichte des Menschen der Sünde, dem Geheimnis der Bosheit, entgegenstellt189. Nach einem Wort des heiligen Augustinus geht es hier auf der einen Seite um die »Selbstliebe bis zur Verachtung Gottes« und auf der anderen Seite um die »Liebe Gottes bis zur Verachtung seiner selbst«190. Beständig betet und bemüht sich die Kirche in ihrem Dienst darum, daß die Geschichte des Gewissens und der Gesellschaft in der großen Menschheitsfamilie nicht zum Pol der Sünde abgleitet, mit der Verwerfung der göttlichen Gebote »bis zur Verachtung Gottes«, sondern sich vielmehr zu jener Liebe erhebt, in der sich der Geist offenbart, »der lebendig macht«. Wer sich vom Heiligen Geist »der Sünde überführen« läßt, läßt sich auch »die Gerechtigkeit« und »das Gericht« offenlegen. Der Geist der Wahrheit, der den Menschen und ihrem Gewissen hilft, die Wahrheit der Sünde zu erkennen, läßt sie zugleich die Wahrheit jener Gerechtigkeit erkennen, die mit Jesus Christus in die Geschichte des Menschen eingetreten ist. Auf diese Weise werden diejenigen, die, »der Sünde überführt«, sich durch das Wirken des Trösters bekehren gewissermaßen aus dem Bereich des »Gerichts« herausgeführt, jenes »Gerichts«, durch welches »der Herrscher dieser Welt bereits gerichtet ist«191. Die Bekehrung bedeutet in der Tiefe ihres göttlich-menschlichen Geheimnisses das Zerreißen jeglicher Fessel, durch welche die Sünde den Menschen an das gesamte Geheimnis der Bosheit bindet.

Wer sich bekehrt, wird also vom Heiligen Geist aus dem Bereich des »Gerichts« befreit und zu jener Gerechtigkeit geführt, die in Jesus Christus gegeben ist und die er besitzt, weil er sie »vom Vater empfängt«192 als Abglanz der dreifaltigen Heiligkeit. Dies ist die Gerechtigkeit des Evangeliums und der Erlösung, die Gerechtigkeit der Bergpredigt und des Kreuzes, welche die Reinigung des Gewissens bewirkt durch das Blut des Lammes. Es ist die Gerechtigkeit, die der Vater dem Sohn und allen zuteil werden läßt, die mit ihm in Wahrheit und Liebe verbunden sind. In dieser Gerechtigkeit offenbart sich der Heilige Geist, der Geist des Vaters und des Sohnes, welcher »die Welt der Sünde überführt«, und wird im Menschen gegenwärtig als Geist ewigen Lebens.

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180 Mt 12, 31 f.

181 Mk 3, 28 f.

182 Lk 12, 10.

183 THOMAS VON AQUIN, Summa Theol. II (a)-II (ae), q. 14, a. 3; Vgl. AUGUSTINUS, »Epist.« 185, 11, 48-49: PL 814 f.; BONAVENTURA, »Comment. in Evang.« »S. Luc.« Kap. XIV, 15-16: Ad Claras Aquas, VII, S. 314 f.

184 Vgl. PS 81, 13; Jer 7, 24; Mk 3, 5.

185 JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben im Anschluß an die Bischofssynode »Reconciliatio et paenitentia« (2. Dezember 1984), 18: AAS 77 (1985) 224-228.

186 Pius XII., Radiobotschaft an den Nationalen Katechetischen Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika in Boston (26. Oktober 1946): »Discorsi e Radiomessaggi«, VIII (1946) 288.

187 JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben im Anschluß an die Bischofssynode » Reconciliatio et paenitentia« (2. Dezember 1984), 18: AAS 77 (1985), 255 f.

188 1 Thess 5, 19; Eph 4, 30.

189 JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben im Anschluß an die Bischofssynode »Reconciliatio et paenitentia« (2. Dezember 1984), 14-22: AAS 77 (1985) 211-233.

190 Vgl. AUGUSTINUS, »De Civitate Dei«, XIV, 28: CCL 48, 451.

191 Vgl. Joh 16, 11.

192 Vgl. Joh 16, 15.

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Quelle

Eine Tragödie für die Kirche: der Verlust des Bußsakraments

„Einer der tragischsten Verluste, den unsere Kirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlitten hat, ist der Verlust des Heiligen Geistes im Bußsakrament.“ Vortrag von Kardinal Joachim Meisner, Erzbischof von Köln, zum Thema „Umkehr und Mission.“

Ein Beitrag von Kardinal Joachim Meisner

Kardinal Joachim Meisner beim internationalen Priestertreffen zum Abschluß des Priesterjahres in der Basilika St. Paul vor den Mauern (Rom, 9. Juni 2010).
[© Romano Siciliani]

Liebe Mitbrüder! Ich werde mit Ihnen jetzt nicht eine neue Buß- und Missionstheologie zu entfalten suchen. Aber ich möchte mich zusammen mit Ihnen vom Evangelium selbst zur Umkehr führen lassen, um dann, vom Heiligen Geist gesendet, den Menschen die Botschaft Christi zu überbringen. 
Auf diesem Weg möchte ich jetzt zusammen mit Ihnen 15 gedankliche Schritte vorangehen. 

1. Wir müssen wieder – wie mein Vorgänger als Erzbischof von Köln, Joseph Kardinal Höffner, zu sagen pflegte – eine „Geh-hin-Kirche“ werden. Das geht nicht auf Befehl. Dazu bewegt uns der Heilige Geist. Einer der tragischsten Verluste, den unsere Kirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlitten hat, ist der Verlust des Heiligen Geistes im Bußsakrament. Für uns Priester hatte das einen ungeheuren inneren Profilverlust zur Folge. Wenn mich gläubige Christen fragen: „Wie können wir unseren Priestern helfen?“, dann antworte ich ihnen immer: „Gehen Sie zu ihnen beichten!“. Dort, wo der Priester nicht mehr Beichtvater ist, wird er zum religiösen Sozialarbeiter. Ihm fehlt dann die Erfahrung großer pastoraler Erfolge, wo er mitwirken darf, dass ein Sünder auch durch seine Hilfe den Beichtstuhl wieder als Geheiligter verlässt. Im Beichtstuhl darf der Priester in die Herzen vieler Menschen schauen und bekommt von daher Impulse, Ermutigungen und Anregungen für die eigene Christusnachfolge. 

2. Vor den Toren von Damaskus stürzt ein kleiner kranker Mann, der heilige Paulus, geblendet zu Boden. Im 2. Korintherbrief zitiert er selbst den Eindruck seiner Gegner über seine Person, er sei körperlich matt und rhetorisch schwach (vgl. 2 Kor 10, 10). Den Städten Kleinasiens und Europas aber wird in den nächsten Jahren durch diesen kleinen kranken Mann das Evangelium verkündet werden. Die Wunder Gottes geschehen nie im Rampenlicht der Weltgeschichte. Sie ereignen sich immer im Abseits, eben vor den Toren der Stadt, eben in der Verborgenheit des Beichtstuhles. Das darf für uns alle ein großer Trost sein, die wir mit großen Aufgaben betraut sind, aber gleichzeitig um unsere oftmals kleinen Möglichkeiten wissen. Es gehört zur Strategie Gottes, mit kleinen Ursachen große Wirkungen hervorzurufen. Paulus vor den Toren von Damaskus geschlagen, wird zum Eroberer der Städte Kleinasiens und Europas. Seine Sendung ist die Sammlung der Berufenen in die Kirche, in die Ecclesia Gottes, hinein. Obwohl sie – von außen gesehen – nur ein kleines bedrängtes Häufchen ist, von innen angefochten, vergleicht Paulus sie mit dem Leib Christi, ja, er identifiziert sie sogar mit dem Leib Christi, der eben die Kirche ist. Diese Möglichkeit aus den Händen des Herrn zu empfangen, heißt in unserer menschlichen Erfahrung „Bekehrung“. Die Kirche ist die ‚Ecclesia semper reformanda“, und darin sind der Priester und der Bischof ein „semper reformandus“, der immer wieder – wie Paulus vor Damaskus – vom hohen Ross gestoßen werden muss, um in die Arme des barmherzigen Gottes zu fallen, der uns dann in die Welt hinein sendet. 

3. Darum genügt es nicht, dass wir in unserer pastoralen Arbeit nur Korrekturen an den Strukturen unserer Kirche vornehmen wollen, um sie augenscheinlich attraktiver zu machen. Das reicht nicht! Was Not tut, ist eine Bekehrung des Herzens, meines Herzens. Nur ein bekehrter Paulus konnte die Welt verändern, nicht aber ein Ingenieur kirchlicher Strukturen. Der Priester ist durch die Aufnahme in die Lebensweise Jesu so von ihm bewohnt, dass Jesus im Priester für andere berührbar wird. Bei Johannes 14, 23 lesen wir: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen“ (Joh 14, 23). Das ist nicht nur ein schönes Bild! Wenn das Herz des Priesters Gott liebt und die Gnade hat, so kommt der dreieinige Gott persönlich und schlägt seine Wohnung im Herzen des Priesters auf. Gewiss, Gott ist allgegenwärtig. Gott wohnt überall. Die ganze Welt ist wie eine große Kirche Gottes, aber das Herz des Priesters ist wie ein Tabernakel in der Kirche. Dort wohnt Gott in geheimnisvoller und besonderer Weise. 

4. Das größte Hindernis, Christus durch uns berührbar werden zu lassen, ist die Sünde. Sie verhindert die Gegenwart des Herrn in unserem Dasein, und darum ist nichts notwendiger für uns als die Bekehrung, und zwar auch um der Mission willen. Es geht dabei – bringen wir es auf einen Punkt – um das Bußsakrament. Ein Priester, der nicht häufig auf beiden Seiten des Beichtgitters anzutreffen ist, leidet auf Dauer Schaden an seiner Seele und an seiner Mission. Hier liegt sicher eine wesentliche Ursache für die vielfältigen Krisen, in die das Priestertum in den letzten 50 Jahren geraten ist. Das ist ja die besondere Gnade des Priestertums, dass der Priester auf beiden Seiten des Beichtgitters zu Hause sein kann: als Bekennender und als Vergebender. Wo sich der Priester vom Beichtstuhl entfernt, dort gerät er in eine schwerwiegende Identitätskrise. Das Bußsakrament ist der bevorzugte Ort für die Vertiefung der Identität des Priesters, der dazu berufen ist, sich selbst und die Gläubigen zurück zu binden an die Fülle Christi. 
Im hohepriesterlichen Gebet spricht Jesus zu seinem und unserem Vater über diese Identität: „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie ich auch nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit“ (Joh 17, 15-17). Es geht im Bußsakrament um die Wahrheit in uns. Wie kommt es, dass wir der Wahrheit nicht gern ins Gesicht schauen? 

Jesus beim Mahl mit den Sündern, Mosaike von Pater Marko Ivan Rupnik.

5. Wir müssen uns daher fragen lassen: Haben wir denn noch nicht die Freude erfahren, einen Fehler zu erkennen, ihn einzugestehen und den von uns Beleidigten aufzusuchen? – „Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt“ (Lk 15, 18). – Kennen wir nicht die Freude, dann zu sehen, wie der Andere die Arme gleich dem Vater des verlorenen Sohnes ausbreitet: „Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn“ (Lk 15, 20). Können wir denn nicht die Freude des Vaters darüber erahnen, dass er uns wieder gefunden hat: „Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern“ (Lk15, 24)? Da dieses Fest jedes Mal, wenn wir zurückkehren, im Himmel begangen wird, warum kehren wir dann nicht häufiger zurück? Warum sind wir – ich spreche in Menschenweise – so geizig gegenüber Gott und den Heiligen des Himmels und lassen ihnen so selten die Freude, ein Fest zu feiern, weil wir uns vom Herrn, vom Vater, ans Herz drücken ließen? 

6. Wir lieben diese ausdrückliche Vergebung oft nicht. Und doch zeigt sich Gott niemals so sehr als Gott, als wenn er vergibt. Gott ist die Liebe! Er ist Schenken in Person! Er verschenkt die Gnade der Vergebung. Aber am stärksten ist jene Liebe, die das Haupthindernis der Liebe überwindet: die Sünde. Die größte Gnade ist die Begnadigung, und die kostbarste Gabe ist die „Vergabung“, die Vergebung. Gäbe es keine Sünder, die der Verzeihung mehr bedürfen als des täglichen Brotes, wir würden die Tiefe des göttlichen Herzens gar nicht kennen. Der Herr betont es ausdrücklich: „Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte die es nicht nötig haben umzukehren“ ( Lk 15, 7). Wie kommt es – fragen wir nochmals -, dass ein Sakrament, das so große Freude im Himmel hervorruft, so viel Abneigung auf Erden weckt? Das liegt an unserem Stolz, der ständigen Neigung unseres Herzens sich zu verschanzen, sich selbst zu genügen, sich zu isolieren, sich auf sich selbst zurückzuziehen. Was ziehen wir eigentlich vor, Sünder zu sein, denen Gott verzeiht, oder scheinbar ohne Sünde zu sein, d.h. in der Illusion der Selbstgerechtigkeit zu leben – ohne die Offenbarung der Liebe Gottes? Reicht es wirklich, zufrieden zu sein mit sich selbst? Was sind wir denn ohne Gott? Nur eine kindliche Demut, wie sie die Heiligen haben, lässt uns fröhlich den Vergleich zwischen unserer Unwürdigkeit und der Herrlichkeit Gottes ertragen. 

7. Es ist nicht der Sinn der Beichte, dass wir im Vergessen unserer Sünden nicht mehr an Gott denken. Die Beichte schenkt uns vielmehr Zugang in ein Leben, wo man an nichts anderes mehr denken kann als an Gott. Gott sagt in uns: „Du hast doch nur gesündigt, weil du nicht glauben kannst, dass ich dich genug liebe, dass mir genug an dir liegt, dass in mir genug Zärtlichkeit für dich ist, dass ich mich genug freue über die geringste Geste, die mir deine Zustimmung bezeugt, um dir alles zu verzeihen, was du in die Beichte hineinbringst. Wissen wir um eine solche Verzeihung, um eine solche Liebe, dann werden wir geradezu überflutet sein von Freude und Dankbarkeit, sodass uns dann auch allmählich die Lust zum Sündigen vergeht und die Beichte zu einem regelmäßigen Ereignis der Freude in unserem Leben wird. Beichten gehen heißt, hingehen und die Liebe zu Gott ein wenig herzlicher zu gestalten, sich erneut sagen zu lassen und wirksam zu erfahren – denn Beichte ist ja nicht nur Zuspruch von außen –, dass Gott uns liebt; beichten heißt, wieder anfangen, daran zu glauben und zugleich entdecken, dass wir bisher niemals tief genug daran geglaubt haben, und dass man hierfür um Verzeihung bitten muss. Vor Jesus fühlt man sich als Sünder, man entdeckt sich als Sünder, der nicht seinen Erwartungen entspricht. Beichten heißt, sich vom Herrn auf sein göttliches Niveau heben zu lassen. 

8. Der verlorene Sohn verlässt das väterliche Haus, weil er ungläubig geworden ist. Er hat keinen Glauben mehr an die Liebe des Vaters, die ihm genügen würde, und daher verlangt er sein Erbteil, um seine Angelegenheit ganz allein zu ordnen. Als er sich entschließt, zurückzukehren und um Verzeihung zu bitten, ist sein Herz noch tot. Er glaubt, er werde nicht mehr geliebt, er sei nicht mehr Sohn. Nur, um nicht Hungers zu sterben, kommt er zurück. Das nennen wir unvollkommene Reue! Aber der Vater erwartet ihn seit langem. Seit langem erfreut ihn nichts mehr als der Gedanke, der Sohn könnte eines Tages heimkommen. Sobald er ihn entdeckt, eilt er ihm entgegen, umarmt ihn, lässt ihm nicht einmal die Zeit, sein Geständnis zu beenden und ruft die Diener herbei, damit sie ihn kleiden, nähren und pflegen. Weil man ihm so große Liebe erzeigt, beginnt der Sohn in diesem Augenblick, sie auch zu verspüren, von ihr erfüllt zu werden. Eine ungeahnte Reue überkommt ihn. Das ist die vollkommene Reue. Erst als ihn der Vater umarmt, ermisst er seine Undankbarkeit, seine Unverschämtheit und seine Ungerechtigkeit. Dann erst kommt er wirklich zurück, wird er wieder Sohn, dem Vater gegenüber offen und vertrauend, wird er wieder lebendig: „Dein Bruder war tot und lebt wieder“ ( Lk 15, 32), sagt der Vater daher dem zu Hause gebliebenen Sohn. 

Der Beichtstuhl des heiligen Pfarrers von Ars. [© Romano Siciliani]

9. Der ältere Sohn, der Gerechte, hat eine ähnliche Wandlung erfahren – so möchten wir das Gleichnis hoffnungsvoll weiterdenken. Der Fall dieses Sohnes ist aber sehr viel schwieriger. Man darf nicht sagen, dass Gott die Sünder mehr liebt als die Gerechten! Eine Mutter liebt das kranke Kind, dem sie ihre besondere Sorge zuwendet, nicht mehr als die gesunden Kinder, die sie allein spielen lässt, denen sie ihre – nicht weniger tiefe – Liebe aber auf andere Weise bekundet. Soweit die Menschen sich weigern, ihre Sünden anzuerkennen und zu bekennen, soweit sie stolze Sünder sind, zieht Gott ihnen die demütigen Sünder vor. Mit allen hat er Geduld. Auch mit dem daheim gebliebenen Sohn hat der Vater Geduld. Er bittet ihn, und er redet ihm gut zu: „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern“ ( Lk 15, 31). Die Verzeihung der Hartherzigkeit des Älteren wird dabei noch nicht einmal ausgesprochen, sondern ist impliziert. Wie groß muss die Beschämung des älteren Sohnes vor solcher Milde sein. Alles hatte er vorhergesehen, nur nicht diese demütige Zärtlichkeit des Vaters. Plötzlich findet er sich entwaffnet, verwirrt, teilnehmend an der allgemeinen Freude. Und er fragt sich, wie er nur daran denken konnte, absichtlich fern zu bleiben, wie er es nur einen Augenblick lang habe vorziehen können, ganz allein unglücklich zu sein, während alle einander liebten und einander verziehen. Glücklicherweise ist der Vater da und erwischt ihn rechtzeitig. Zum Glück ist der Vater nicht wie er! Zum Glück ist der Vater viel besser als sie alle zusammen! Gott allein kann die Sünden vergeben. Er allein vermag diese Geste der Gnade, der Freude und des Überflusses der Liebe zu vollziehen. Darum ist das Bußsakrament die Quelle permanenter Erneuerung und Revitalisierung unseres priesterlichen Seins. 

10. Für mich wird darum die geistliche Reife für den Empfang des Weihesakramentes eines Priesteramtskandidaten darin deutlich, dass er regelmäßig, und zwar mindestens im Rhythmus von einem Monat, das Bußsakrament empfängt. Denn im Bußsakrament begegne ich dem barmherzigen Vater mit den kostbarsten Gaben, die er zu vergeben hat, nämlich die Vergabung, die Vergebung und die Begnadigung. Wenn aber einer durch seine mangelnde Beichtpraxis dem Vater sagt: „Behalte deine kostbaren Gaben für dich! Ich brauche dich und deine Gaben nicht!“, dann hört er auf, Sohn zu sein, indem er ihm sein Vatersein aufkündigt, weil er ihm seine kostbarsten Gaben nicht mehr abnimmt. Und wenn man nicht mehr Sohn des himmlischen Vaters ist, kann man nicht Priester werden, denn der Priester ist durch die Taufe zunächst einmal Sohn des Vaters, und dann ist er durch die Priesterweihe mit Christus Sohn mit dem Sohn. Dann erst kann er den Menschen wirklich Bruder sein. 

11. Der Umstieg von der Umkehr in die Mission kann sich zunächst darin zeigen, dass ich von der einen Seite des Beichtgitters auf die andere wechsele, von der Seite des Pönitenten auf die Seite des Beichtvaters. Der Verlust des Bußsakramentes ist die Wurzel vieler Übel im Leben der Kirche und im Leben des Priesters. Und die so genannte Krise des Bußsakramentes liegt nicht nur darin begründet, dass die Leute nicht mehr zum Beichten kommen, sondern dass wir Priester nicht mehr im Beichtstuhl präsent sind. Ein besetzter Beichtstuhl in einer leeren Kirche ist das ergreifendste Symbol für die wartende Geduld Gottes. So ist Gott. Er wartet auf uns lebenslang. Ich kenne aus meiner 35-jährigen bischöflichen Tätigkeit ergreifende Beispiele, wo Priester täglich im Beichtstuhl präsent waren, ohne dass ein Pönitent gekommen ist, – bis dann aber der Erste oder die Erste nach Monaten oder Jahren des Wartens kam. Damit war, wie man so sagt, der Knoten geplatzt. Dann wurde der Beichtstuhl reichlich frequentiert. Hier wird der Priester angefordert, aus aller äußeren Planungsarbeit der Seelsorge mit Gruppen umzusteigen in die persönliche Not eines Menschen. Und hier hat er zunächst nicht zu reden, sondern zu hören. Eine eiternde Wunde am Körper kann nur heilen, wenn sie sich ausbluten kann. Ein verwundetes Herz des Menschen kann nur geheilt werden, wenn es sich ausbluten, d.h. aussprechen kann. Und es kann sich nur aussprechen, wenn jemand zuhört, und zwar in dieser absoluten Diskretion des Bußsakramentes. Für den Beichtvater gilt zunächst einmal, nicht zu reden, sondern zu hören. Wie viel innere Anregung für seine eigene Christusnachfolge erfährt und erhält der Beichtvater gerade in seiner Tätigkeit bei der Spendung des Bußsakramentes, wenn er spürt und erfährt, wie weit ihm einfache katholische Männer, Frauen und Kinder in der Christusnachfolge voraus sind. 

12. Wenn uns dieser wesentliche Bereich des priesterlichen Dienstes weitgehend verloren geht, sinken wir Priester leicht auf eine Beamtenmentalität oder auf das Niveau einer reinen Pastoraltechnik herab. Unsere Verortung diesseits und jenseits des Beichtgitters bringt uns durch unser Zeugnis dazu, Christus für die Menschen berührbar werden zu lassen. Um es zunächst an einem Negativbeispiel deutlich zu machen: Wer mit radioaktiver Materie in Berührung kommt, wird selbst radioaktiv verseucht. Wenn ein solcher nun einen anderen berührt, dann wird er ebenfalls von seiner Radioaktivität negativ angesteckt. Nun aber das Beispiel positiv: Wer mit Christus in Berührung kommt, der wird christoaktiv. Und wenn der Priester dann als ein solcher Christoaktiver mit anderen Menschen in Berührung kommt, dann werden sie selbstverständlich von seiner Christoaktivität angesteckt. Das ist Mission, wie sie von Anfang an im Christentum präsent war. Die Menschen drängten sich um die Person Jesu herum, um ihn zu berühren, und wenn es nur der Saum seines Gewandes war. Und selbst, wenn es dieser nur von hinten war, dann wurden sie gesund: „Denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte“ ( Lk 6, 19). 

13. Uns laufen die Menschen oft davon, sie drängen sich nicht mehr um uns, um mit uns in Berührung zu kommen. Im Gegenteil, sie laufen uns davon. Damit das nicht geschieht, müssen wir uns konkret fragen: Was berühren die Menschen denn, wenn sie mit mir in Berührung kommen? – Jesus Christus in seiner unermesslichen Liebe zu den Menschen, oder irgendwelche theologischen Privatmeinungen oder Gejammer über die Zustände in der Kirche und der Welt? Berühren sie bei uns Jesus Christus? Wenn das der Fall ist, dann kommen die Menschen. Sie sprechen untereinander von einem solchen Priester. Sie bringen es in solche Ausdrücke wie „Mit dem kann man reden. Der versteht mich. Der kann einem wirklich helfen“. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Menschen nach solchen Priestern Sehnsucht haben, in denen sie authentisch Christus begegnen, der sie frei macht von allen Verstrickungen und sie an seine Person bindet. 

Jesus vergibt der Ehebrecherin, Mosaike von Pater Marko Ivan Rupnik.

14. Damit wir recht verzeihen können, brauchen wir viel Liebe. Die einzige Verzeihung, die wir recht gewähren könnten, ist jene, die wir von Gott empfangen haben. Nur wenn man den barmherzigen Vater erfahren hat, wird man barmherziger Bruder der Menschen. Wer nicht verzeiht, der liebt nicht. Wer wenig verzeiht, der liebt auch wenig. Wer viel verzeiht, der liebt viel. Wenn man den Beichtstuhl als Ausgangspunkt unserer Mission verlässt, von welcher Seite des Beichtstuhls auch immer, aber besonders von der Seite des Pönitenten, dann möchte man am liebsten alle umarmen, sie um Verzeihung bitten. Ich selbst habe so beglückend Gottes verzeihende Liebe erfahren, dass ich nur dringend bitten kann: „Nimm auch du seine Verzeihung an! Nimm einen Teil der Verzeihung, an der ich nun Überfluss habe. Vergib mir, dass ich sie dir so schlecht anbiete!“. Man geht mit der gleichen Bewegung wieder in die Liebe Gottes und in die Bruderliebe hinein, in die Vereinigung mit Gott und mit der Kirche, von der man sich durch die Sünde ausgeschlossen hatte. Wir können und müssen alle Menschen lieben, wenn Gott uns aufs Neue zu lieben gelehrt hat. Wäre es nicht so, dann wäre es ein Zeichen dafür, dass wir falsch gebeichtet haben und daher nochmals beichten müssten. 
Der wohl größte Beichtvater unserer Kirche ist der heilige Pfarrer von Ars. Ihm verdanken wir das Priesterjahr und damit unsere jetzige Zusammenkunft als Priester und Bischöfe mit dem Heiligen Vater hier in Rom. Mit diesem heiligen Pfarrer habe ich über das Geheimnis der heiligen Beichte nachgedacht. Denn sein täglicher Dienst der Versöhnung im Beichtstuhl in Ars ließ ihn zum großen Weltmissionar werden. Man sagt, er habe als Beichtvater die Französische Revolution geistlich überwunden. Was mir im geistlichen Dialog mit Jean-Marie Vianney aufgegangen ist, das habe ich hier verkündet. Dabei hat er mich noch an etwas ganz Wichtiges erinnert: 

15. Wir lieben alle, wir verzeihen allen! Hüten wir uns indessen, einen zu vergessen! Ein Wesen existiert nämlich, das uns enttäuscht und belastet, ein Wesen, mit dem wir ständig unzufrieden sind. Und das sind wir selbst. Wir haben uns oft so satt. Wir sind unserer Mittelmäßigkeit überdrüssig und müde unserer eigenen Monotonie. Wir leben in einem Zustand der Kälte und sogar einer unglaublichen Gleichgültigkeit gegenüber diesem nächsten Nächsten, den Gott uns anvertraut, damit wir ihn von seiner Vergebung berühren lassen. Und das sind wir selbst. Es heißt doch, dass wir unseren Nächsten lieben sollen wie uns selbst (vgl. Lev 19, 18). Wir sollen also auch uns lieben, wie wir unseren Nächsten zu lieben suchen. Dann müssen wir Gott bitten, uns zu lehren, dass wir uns selber verzeihen: den Ärger unseres Stolzes, die Enttäuschungen unseres Ehrgeizes. Bitten wir ihn, dass die Güte, die Zärtlichkeit, die Nachsicht und das unerhörte Vertrauen, womit er uns verzeiht, uns so weit gewinnen, dass wir den Überdruss an uns selbst los werden, der uns überall hin begleitet und uns oft nicht einmal beschämt. Wir können die Liebe Gottes zu uns nicht erkennen, ohne die Meinung im Hinblick auch auf uns selbst zu ändern, ohne Gott selbst zu uns Recht zu geben, wenn er uns liebt. Die Verzeihung Gottes versöhnt uns mit ihm, mit uns, mit unseren Menschenbrüdern und -schwestern und mit der ganzen Welt. Sie macht uns zu authentischen Missionaren. Glaubt ihr das, liebe Brüder? – Probiert es aus – heute noch! 

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Quelle

Der Ehebruch und die Vergebung: Der Sinn der Taufe Jesu

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Predigt von Bischof Stefan Oster SDB, 8. Januar 2017

Liebe Schwestern und Brüder,

der Johannes, der heute im Evangelium vorkommt, heißt mit Beinamen „der Täufer“. Was ist das für eine Taufe, zu der er auffordert? Und was hat diese Taufe mit unserer Taufe zu tun? Johannes erklärt es uns im Evangelium selbst: „Ich taufe euch nur mit Wasser, aber nach mir kommt einer, der wird euch mit Feuer und dem Hl. Geist taufen und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe zu lösen.“ Johannes tauft am Jordan. Er tauft damit an einem schicksalsträchtigen Ort: Den Jordan hatte das Volk Israel Jahrhunderte zuvor überquert, um nach der Flucht aus Ägypten und dem langen Weg durch die Wüste in sein gelobtes Land einzuziehen; in das Land, das Gott verheißen und ihnen geschenkt hatte. Israel soll das Land sein, das zu Gott gehört und das Volk ist das Volk, das Gott gehört. In der Mitte des Volkes Israel soll Gott selbst wohnen, vor allem auf dem Zion, in Jerusalem. Und die Sendung Israels ist es, allen anderen Völkern zu zeigen, wie ein Volk lebt, das mit Gott lebt. Dieses Verhältnis macht die tiefste Identität dieses Volkes Israel aus. Aber die Bibel erzählt auch, wie das Volk dieser Beziehung immer wieder untreu wird, wie es den Bund verlässt und bricht, wie es vor Gott davon läuft und sich anderen Mächten und Einflüssen an den Hals wirft. Israel ist die Braut Gottes, aber es wird immer wieder zur Hure, sagen die Propheten in der Schrift, die Braut wird untreu.

 DAS WARTEN ISRAELS AUF DEN MESSIAS

Und Israel wartet über Jahrhunderte auf den Messias, auf eine Gestalt, die den Bund wieder erneuern, die das Reich Davids wieder herstellen sollte; auf eine Gestalt, die darauf hinweisen sollte, was der Sinn von allem ist, was der Sinn Israels ist. Sie warten auf einen, der alles neu macht. Und Johannes der Täufer lebt nun in dem Bewusstsein: Dieser Messias kommt bald. Auch die religiöse Atmosphäre insgesamt ist erfüllt von dieser Erwartung: Der Messias kommt bald. Mancher denkt sogar, Johannes selbst könnte es sein. Aber er wehrt ab, er ist es nicht. Aber er ist der Vorbereiter: Er führt das Volk hinaus an den Jordan, an den Schicksalsfluss: Hier soll sich Israel erinnern, wer ihnen das Land geschenkt hat, hier soll sich Israel erinnern, wer es eigentlich ist, das Volk, das Gott gehört. Und hier soll sich Israel rein waschen lassen, um sich vorzubereiten. Hier tauft Johannes, um dem Herrn den Weg zu bereiten. Nicht einfach äußerlich, nicht nur durch Waschen, sondern durch Umkehr, durch Buße, der Messias soll im Herzen seines Eigentums ankommen. Nur so kann er der Messias sein, der der alles neu macht. Nur so kann er den Bund mit seinem Volk wiederherstellen.

 WAS IST SÜNDE? BRUCH DES BUNDES!

Das Buße-Tun, das Umkehren, das Johannes fordert, hat etwas mit Sünde zu tun. Und Sünde hat zwei Bedeutungen: Sünde ist erstens eine Haltung, eine Lebenshaltung, die entfernt von Gott lebt; die lebt, als ob es Gott nicht gäbe. Das Gegenteil von Sünde ist deshalb nicht Tugend und auch nicht die gute Tat, sondern das Gegenteil von Sünde in diesem Sinn ist der Glaube, das Vertrauen, dass Gott da ist, dass er mich meint, dass er mit mir geht, dass er mir nahe ist. Oder im Sinn von Israel: dass ich wirklich in der Verbindung, im Bund mit Gott lebe. Erst in einem zweiten Sinn ist Sünde dann die schlechte oder böse Tat, das Vergehen. Denn eine böse Tat kommt meistens aus der inneren Distanz zu Gott, aus der inneren Distanz zur Quelle des Guten. Sie kommt aus der Überzeugung und Haltung, dass am Ende nur ich und mein Vorteil zählt, und dass vor allem das gut ist, was zuerst mal mir nützt. Ein Lügner lügt, weil es ihm nützt. Ein Dieb stiehlt, weil es ihm nützt. Und sogar ein Mörder tötet, weil er glaubt, für sich einen Vorteil daraus zu haben – und niemandem Rechenschaft geben zu müssen.

 DIE EHE ALS BEISPIEL

Stellen Sie sich nun als vertiefendes Beispiel eine Ehe zwischen zwei Menschen vor: Und Sie selbst sind einer der Partner; zuerst entfernen Sie sich innerlich von ihrem Partner und denken vor allem nur noch an sich. Und dann folgt zweitens das Fremdgehen, weil sie gerade Spaß daran haben und nicht mehr an ihren Ehepartner denken. Der Bund ist zerbrochen. Der Bund zwischen Israel und seinem Gott war auch allzu oft zerbrochen, weil das Volk fremdgegangen ist.  Aber nehmen wir an, Sie bereuen als Ehepartner Ihre Entfernung und Ihre schlechte Tat. Und Sie wollen die Beziehung wieder erneuern. Genügt es da, wenn Sie den Wunsch äußern, Sie wollen zurück? Und genügt es, wenn Sie ein Zeichen setzen und wie Israel ins Wasser des Jordans steigen? Genügt es, wenn Sie beim Ehebruch das Zeichen Ihres Bundes, Ihren Ehering mal wieder anziehen oder polieren? Ist dann schon die Beziehung wieder her gestellt? Nein, ist sie natürlich nicht.

VERGEBUNG IST SCHWER

Es braucht auch die Vergebung des betrogenen Bundespartners, wie des betrogenen Ehepartners. Und wenn Sie nun meinen, Vergebung wäre doch für Gott eine einfache Sache, dann denken Sie einfach mal daran, wie das wäre für Sie selbst: Denken Sie, Sie wären der betrogene Teil in der Ehe, Sie wären der, von dem sich der Partner entfernt hätte und fremd gegangen wäre – obgleich Sie wirklich viel in die Beziehung investiert haben, obgleich Sie Ihren Partner wirklich lieben. Könnten Sie so einfach zur Tagesordnung übergehen und vergeben? Könnten Sie Ihren Partner einfach so umarmen und sagen: Schwamm drüber, ich lieb Dich trotzdem? Oder würde Sie so eine versöhnende Umarmung nicht vielmehr etwas kosten? Viel kosten. Gerade weil Sie Ihren Partner lieben? Vergebung, liebe Schwestern und Brüder, ist schwer, wenn wir lieben. Denn die Liebe sieht vor allem das Gute im Anderen und will es hervorlieben. Das liebende Herz, das so an den Anderen glaubt, wird selbst verletzt – und braucht Zeit und Kraft für die Versöhnung. Versöhnung kostet etwas. Uns blutet buchstäblich das Herz.

DAS GANZE JESU LEBEN IST VERGEBENDE LIEBE – IHM BLUTET DAS HERZ

Aber was hat das nun mit der Taufe Jesu zu tun? Nun, derjenige, der es nie wird nötig haben, um Vergebung zu bitten, derjenige, der das reinste Herz hat, das je über die Erde gelaufen ist, derjenige, der die Liebe und Wahrhaftigkeit in Person ist, er steigt mit dem Volk in das Wasser. Er steigt mit dem Volk in den Jordan, wo Israel zurückfinden will zu seinem Ursprung, in den Fluß, in dem Israel sich waschen will von seinen Vergehen und so zeigen will, zu wem es gehört. Er selbst, unser Herr, ist ja zugleich dieser Ursprung, zu dem das Volk gehören will. Er kommt also seinem Volk unfassbar weit entgegen, er steigt mit Israel in den Jordan, um schon anzufangen, sein Volk zu umarmen, um ihm entgegenzukommen. Um seine Sünden mit zu übernehmen. Er ist nicht nur der Gott, der Mensch wird. Er ist jetzt auch ganz der Mensch seines Volkes, der sein ganzes Volk zum Vater zurückführen wird. Er ist in Person die große Umarmung Gottes, die den sündigen Menschen, der umkehren möchte, wieder an sein Herz ziehen will. Aber, meine Lieben, das kostet ihn etwas. Die Geburt als Mensch ist schon ein Abstieg der Umarmung, ein uvorhersehbarer, unglaublicher Abstieg Gottes in die Niedrigkeit des Menschseins. Und es geht heute weiter mit dem Abstieg: Jetzt steigt er in das Wasser, in dem Israel seine Sünden wäscht. Und er wird anschließend umherziehen, das Reich Gottes predigen, vergeben, heilen, lieben, konfrontieren, erziehen, leiden, sterben. Und der allertiefste Abstieg schließlich und die schmerzhafteste Umarmung, die am meisten kostet, ist das Kreuz. Die ausgestreckten, angenagelten Arme sind die Umarmung der Welt aus Liebe, sind nichts als vergebende Liebe. Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen, sagt Jesus im Evangelium über seine Kreuzigung voraus. Und das Herz blutet ihm – so sehr, dass der Tote aus seinem von der Lanze durchstochenem Herzen einen Schwall von Blut und Wasser ausgießt.

 DAS GESCHENK DER VERGEBUNG

Liebe Schwestern und Brüder, immer, wenn wir Eucharistie feiern, heißt es den Wandlungsworten, dass Jesus sein Blut vergießt zur Vergebung der Sünden. Das Angebot seiner Vergebung reicht so tief, dass es ihn das Leben kostet. Seine Taufe im Jordan ist der Anfang davon, dieses Preises, dieser Kosten, die Jesus für uns übernimmt. Er zahlt den Preis. Seine Taufe ist der Beginn des Todesweges und unsere eigene Taufe wird so zum Geschenk des Lebens, zum Geschenk, dass wir zu ihm gehören dürfen. Immer mit dem Ziel, dass uns vergeben wird. Mehr noch: Jesus schenkt seiner Kirche immer neu die Möglichkeit, aus seiner Vergebung, aus seinem ein für alle Mal offenem Herzen, immer wieder neu vergeben zu dürfen in seinem Namen – ganz besonders in der Beichte. Welch ein Geschenk. Sind wir noch  bereit, es zu empfangen? Wissen wir noch, was das für ein Geschenk ist? Liebe Schwestern und Brüder, noch einmal: Jesus ist mit einer Taufe getauft worden, die in seinen Tod am Kreuz mündete, damit wir das Geschenk und die Sakramente des Lebens haben – und versöhnt mit Ihm und dem Vater leben können. Das feiern wir heute – und damit entlässt uns die Weihnachtszeit heute in das alltägliche Gehen mit dem Herrn. Gehen wir im Vertrauen, dass er wirklich bei uns ist und uns immer neu an sich ziehen will – und dafür alles gegeben hat. Amen.

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Quelle

Papst: „Reform der Kirche beginnt im Beichtstuhl“

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Petersdom

„Lasst euch von der göttlichen Barmherzigkeit umformen!“ Das hat Papst Franziskus niederländischen Rom-Pilgern an diesem Dienstag im Petersdom mit auf den Weg gegeben. Priester, Bischöfe und Gläubige aus allen Bistümern der Niederlande waren kurz zuvor feierlich durch die Heilige Pforte der Barmherzigkeit gezogen.

„Das Heilige Jahr bringt uns in eine tiefere Beziehung zu Jesus Christus, dem Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters. Wir werden dieses große Geheimnis der Liebe Gottes nie ausschöpfen können! Sie ist die Quelle unseres Heils: Die ganze Welt, wir alle brauchen die göttliche Barmherzigkeit. Sie rettet uns, gibt uns Leben, schafft uns neu als wahre Söhne und Töchter Gottes.“

Der Papst warb auch für eine Neuentdeckung des Beichtsakraments: Hier lasse sich Gottes rettende Güte „ganz besonders erfahren“. „Sie ist der Ort, wo man Gottes Vergebung und Barmherzigkeit geschenkt bekommt. Hier beginnt die Verwandlung eines jeden von uns, und auch die Reform des Lebens der Kirche!“

Sie sollten „Werkzeuge der göttlichen Barmherzigkeit“ im Alltag werden, sagte der Papst den Pilgern weiter. „Die Männer und Frauen von heute dürsten nach Gott, dürsten nach seiner Güte und Liebe! Und ihr könnt als Kanäle der Barmherzigkeit mithelfen, diesen Durst zu stillen. Ihr könnt so vielen Menschen helfen, Christus wiederzuentdecken…“

(rv 15.11.2016 sk)

Über das Evangelium vom Reich Gottes

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Gottes Größe und menschliche Erlösungsbedürftigkeit: Die Wiederentdeckung der Beichte setzt eine Erneuerung der Verkündigung voraus.

Von Bischof Stefan Oster SDB

Das Beichtsakrament erlebt seit Jahren einen kontinuierlichen Niedergang. Zumindest quantitativ ist dies den allermeisten bewusst. Aber der Befund ist aufs Ganze auch für die Qualität des geistlichen Lebens der Kirche dramatisch. Ein ehrlicher und schonungsloser Blick auf die Ursachen für diesen Befund wird uns freilich auch helfen, Wege zur Erneuerung des geistlichen Lebens zu entdecken.

Vordergründig betrachtet geht es bei der Beichte vor allem um ein Sündenbekenntnis, das weiß jeder Katholik. Aber längst nicht mehr jeder weiß, was Sünde ist, genauer, wie sich Sünde existenziell in seinem Leben auswirkt – und was er am Ende beichten sollte. Weiterhin weiß aber auch längst nicht mehr jeder Katholik, warum er seine Sünden in Gegenwart eines Priesters bekennen soll; womöglich noch in einer muffeligen, dunklen und engen Kammer. In vielen Gesprächen erzählen mir gestandene, langjährige und oft engagierte Gläubige auch von seltsamen Erfahrungen, die sie vor Jahrzehnten als Kommunionkinder oder Firmlinge im Beichtstuhl hatten – und dass sie deswegen seitdem auch nicht mehr hingehen würden. Andere erzählen, dass sich schon seit Jahren in der Gemeinde die Praxis eines Bußgottesdienstes eingebürgert habe – und das würde ja wohl die Beichte erübrigen; wenngleich auch bei diesen Gottesdienstformen die Zahl der Gläubigen ebenso nicht selten dramatisch abnimmt. Wieder andere verdächtigen Priester generell der Indiskretion, entweder mit unanständigen Fragen im Beichtstuhl selbst oder nach außen – und deswegen würden sie erst gar nicht hingehen. Zudem gibt es wohl auch nicht wenige Gläubige, die untergründig womöglich um einen Restsinn der Beichte für sich wüssten, aber schnell geneigt sind, allerhand Gründe zusammenzusuchen und vorzuschieben, um sich dieses Unangenehme vom Leib halten zu können.

Was aber im Grunde bei der Ursachensuche für die verlorene Beichtpraxis bei den Befragten so gut wie nie zur Sprache kommt, ist das reale Verhältnis des einzelnen Gläubigen zu Gott selbst. Dass die Beichte ein Geschenk der Barmherzigkeit von Gott selbst ist. Dass er uns immer neu anbietet, vermittels des Sakraments unsere Beziehung zu Ihm zu heilen, zu erneuern, zu vertiefen, ist im Normalfall jenseits des gläubigen Bewusstseins. Und natürlich damit auch die Erfahrung, dass sich das Heilende und Befreiende der Beichte auch real auswirken könnte im Leben des Einzelnen, besonders in seinem geistlichen Leben.

Und dies hat wiederum wohl damit zu tun, dass der „liebe Gott“ von den meisten als irgendwie abstrakt Geglaubter über allem schwebt, alles duldet, alles verzeiht und den Menschen vor allem so liebt, wie er ist – den Menschen in seiner liebenswerten Durchschnittlichkeit, aber auch in seinem alltäglichen Kampf, den er ohnehin zu bestehen hat in Familie und Arbeitswelt. Der Mensch hat genug zu tun, fühlt sich moralisch ganz passabel und der liebe Gott wird schon auf ihn aufpassen. Und um sich als Mensch von heute allzu sehr um Gott zu kümmern, da fehlt jedenfalls die Zeit. Aber das wird Gott eh‘ schon wissen. Also was soll’s.

Ist damit – wenn auch knapp, zugespitzt und sehr verkürzt – ein allgemeines, auch innerkirchlich verbreitetes religiöses Bewusstsein recht beschrieben, dann wird daran zugleich deutlich, was fehlt. Es fehlt ein Bewusstsein von der Größe, der Heiligkeit und Herrlichkeit Gottes, von seiner abgründigen Majestät, von seiner schöpferischen Macht, von seiner radikalen Unverfügbarkeit. Gott ist in einem dramatischen Sinn der ganz Andere, der dem Menschen Ehrfurcht gebietet, dem der Mensch Gehorsam schuldet und dem gegenüber er anbetend in die Knie fällt. Zugleich mit diesem Bewusstsein schwindet zweitens die christliche Grunderfahrung, dass es eben dieser abgründig majestätische Gott ist, der sich in Christus in einer unauslotbaren Herablassung aus Liebe verschenkt hat, der sich in Christus hat foltern und töten lassen – um den Menschen, und zwar jeden einzelnen, in eine geheilte und versöhnte Beziehung zu Gott als dem über alles barmherzigen Vater zurückzuführen.

Die Dramatik des Kreuzes Christi macht zudem drittens offenbar, wie es tatsächlich um den Menschen bestellt ist, in seiner Not und Erlösungsbedürftigkeit, in seiner Sünde, in seiner Egozentrik und Gottvergessenheit. Es stimmt schon, Gott nimmt den Menschen liebend an – so wie er ist. Aber die Annahme durch Gott soll den Menschen ja gerade in die Lage versetzen, nicht bleiben zu müssen, wie er ist, sondern sich von dieser Liebe verwandeln zu lassen in ein Kind Gottes, in eine neue Schöpfung, in einen neuen Menschen, der real in Kopf und Herz weiß und vertrauen kann, wer sein Vater ist – und der als Kind Gottes auch neu weiß, wer die Gemeinschaft der Gotteskinder ist, zu der er gehören darf – die Gemeinschaft der Kirche. Als Sünder aber bleibe ich draußen, als Sünder bin ich zuerst und vor allem bei mir selbst, der von Gott und der Hingabe an ihn und die Menschen nicht viel wissen will. Als Sünder setze ich selbst die Maßstäbe für das, was in meinem Leben gut, wahr und nützlich ist, als Sünder richte ich mich zuerst einmal nach mir selbst und vielleicht noch nach denen, die das Herrschaftssystem meines Egos stützen. Sünde ist daher beides: der Zustand der Ichverhaftetheit und die daraus folgende sündige Tat, sie ist damit letztlich die strukturelle und konkrete Unfähigkeit, wirklich barmherzig wie Jesus zu lieben und zu vertrauen.

Nun lebt aber jeder Christ, jeder Katholik, in eben dieser Welt von heute, mit all ihren Gaben und Schönheiten, aber auch mit all ihren Herausforderungen, Versuchungen und Kämpfen mit seinem Hin und Her zwischen Ego und Gottes Liebe. Als Glieder der Kirche glauben wir, dass wir in der Eucharistiefeier hinzutreten zu eben dieser gläubigen Gemeinschaft, in der sich immer neu der Himmel öffnet, in der wir das Angenommen-sein durch Christus vom Vater an Kindes statt immer neu dankbar in seiner realen Gegenwart feiern und vollziehen. Wir vergewissern uns dankbar als Einzelne und als Gemeinschaft, zu wem wir eigentlich gehören – um dann eben diese Erfahrung auch in der alltäglichen Lebenswelt durchzutragen, um in Christus bleiben zu können, um seine Gegenwart und die Durchsichtigkeit der Welt auf Ihn hin auch vertrauend bewahren zu können, um in der Beziehung zu ihm zu wachsen und zu reifen. Reich Gottes ist das Reich, in dem Christus regiert in den Herzen der Seinen.

Nun spüren wir gleichzeitig, wenn wir in diesem Licht wirklich ehrlich mit uns sind, wie wenig uns das Bleiben-bei-Ihm gelingt, wir spüren, wie sehr uns andere Dinge in Beschlag nehmen, wie sehr wir uns gefangen nehmen lassen von dem, was vermeintlich wichtiger ist als er. Wir realisieren, wie unsere Egozentrik viel stärker dazu neigt, ein inneres Reich des Ego um mich selbst aufzurichten, als im Königreich Gottes zu dessen König zu gehören und ihm aus Liebe zu gehorchen.

Wenn wir uns dann fragen, wann, wo und wie diese Seite die Oberhand in uns behält, mit ihren Folgen von Neid und Gier und übler Nachrede und Zorn und Geiz und schlechten Gedanken, schlechten Angewohnheiten und Unzucht und Trägheit und so vielem anderen mehr, dann werden die allermeisten wissen, wovon ich rede. Und angesichts dieses Befundes ist es ein völlig unverdientes und unangemessenes Gnadengeschenk, immer neu im Sakrament der Versöhnung alles vor den barmherzigen Vater hinlegen zu können – um durch seine maßlose Vergebungsbereitschaft die Zugehörigkeit zu Ihm und seinem Reich immer wieder neu empfangen und dankbar feiern zu können.

Christen leben aus der Tiefe des Geheimnisses der Zugehörigkeit zu Jesus – und durch ihn zum Vater. Diese Zusicherung Gottes ist niemals einfach nur gedacht, niemals einfach nur ein gläubiger gedanklicher Überbau, Ausgeburt unseres Kopfes. Sie ist im Laufe eines Weges mit Jesus immer neu real erfahrbar, sie wird tiefer und fester. Eine davon geprägte Glaubenshaltung wird nach und nach gewahr, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns in der Versöhnung durch Christus geschenkt hat. Und der so berührte Mensch drängt von selbst immer neu zu dieser Versöhnung hin, zur Versöhnung, die immer neu Heimkehr bedeutet, Rückkehr in das „Land der Ruhe“ (Hebräer 4), das allen verheißen ist, die den Vater lieben in Christus. So gesehen bedeutet Verlust der Beichte im Grunde Verlust des Evangeliums vom Reich Gottes.

Eine Erneuerung des Beichtsakraments setzt daher eine Erneuerung der Verkündigung vom Reich Gottes voraus: Das Evangelium von der Größe Gottes, von der Abgründigkeit seiner Liebe, von der dramatischen Erlösungsbedürftigkeit des Menschen, von seiner Heimholung durch das Kreuz Christi, vom Weg des Menschen in der Kirche, in der das Reich Gottes schon angebrochen ist! Neben vielen anderen Ursachen, die die Glaubens- und Beichtpraxis in einer säkularen Gesellschaft bedrohen, ist kirchenintern eine der Hauptursachen der Mangel an einer Katechese und Verkündigung, die sich wirklich aus Schrift und Tradition speist und die genannten Kernthemen unseres Glaubens immer neu so in Erinnerung ruft, dass die Menschen existenziell erfahren, dass es dabei wirklich um etwas geht, nämlich um ihr Heil – und um die reale Möglichkeit, dessen verlustig zu gehen.

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Quelle

Es gibt keinen verlorenen Menschen

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Rembrandt; Die Heimkehr des verlorenen Sohnes (um 1666/1669); Öl auf Leinwand; St. Petersburg, Eremitage.

Ansprache von Papst Franziskus
beim Angelusgebet am 11. September

 

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

In der heutigen Liturgie hören wir das 15. Kapitel des Lukasevangeliums, das als das Kapitel der Barmherzigkeit angesehen wird und drei Gleichnisse enthält, mit denen Jesus auf die Empörung der Schriftgelehrten und Pharisäer antwortet. Sie kritisieren sein Verhalten und sagen: »Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen« (V. 2). Mit diesen drei Erzählungen gibt Jesus uns zu verstehen, dass Gott, der Vater, der Erste ist, der gegen­über den Sündern eine einladende und barmherzige Haltung einnimmt. Das ist Gottes Haltung. Im ersten Gleichnis wird Gott als Hirte vorgestellt, der die neunundneunzig Schafe zurücklässt, um sich auf die Suche nach dem einen verlorenen zu machen. Im zweiten wird er mit einer Frau verglichen, die ein Geldstück verloren hat und es sucht, bis sie es findet. Im dritten Gleichnis wird Gott als Vater vorgestellt, der den Sohn aufnimmt, der in die Ferne gegangen war; die Gestalt des Vaters zeigt das Herz Gottes, des barmherzigen Gottes, das in Jesus offenbar wird.

Ein diesen Gleichnissen gemeinsames Element ist jenes, das in den Verben zum Ausdruck kommt, die eine gemeinsame Freude, das Feiern eines Festes bezeichnen. Nicht von Trauer ist die Rede. Man freut sich, man feiert ein Fest. Der Hirt ruft seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: »Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war« (V. 6); die Frau ruft ihre Freundinnen und Nachbarinnen und sagt: »Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte« (V. 9); der Vater sagt zum anderen Sohn: »Jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden« (V. 32). In den ersten beiden Gleichnissen liegt der Akzent auf einer Freude, die so groß ist, dass sie mit »Freunden und Nachbarn« geteilt werden muss. Im dritten Gleichnis liegt er auf dem Fest, das vom Herzen des barmherzigen Vaters ausgeht und sich auf sein ganzes Haus ausweitet. Dieses Fest Gottes für jene, die reuig zu ihm zurückkehren, steht mehr denn je mit dem Jubeljahr in Einklang, das wir leben, wie der Begriff »Jubel« selbst besagt.

Mit diesen drei Gleichnissen stellt uns Jesus das wahre Antlitz Gottes vor: das Antlitz eines Vaters mit offenen Armen, der die Sünder voll Zärtlichkeit und Mitleid behandelt. Das Gleichnis, das am meisten bewegt – es bewegt alle –, weil es die unendliche Liebe Gottes offenbart, ist das Gleichnis vom Vater, der den wiedergefundenen Sohn an sich drückt und umarmt. Und was beeindruckt, ist nicht so sehr die traurige Geschichte eines jungen Mannes, der in den Verfall stürzt, sondern es sind dessen entscheidende Worte: »Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen« (V. 18).

Der Weg der Rückkehr nach Hause ist der Weg der Hoffnung und des neuen Lebens. Gott wartet immer darauf, dass wir uns erneut auf den Weg machen, er erwartet uns geduldig, er sieht uns, wenn wir noch weit weg sind, er läuft uns entgegen, er umarmt uns, er küsst uns, er vergibt uns. So ist Gott! So ist unser Vater! Und seine Vergebung löscht das Vergangene aus und lässt uns neu in der Liebe geboren werden. Er vergisst das Vergangene: das ist die Schwäche Gottes. Wenn er uns umarmt und vergibt, verliert er das Gedächtnis, er erinnert sich nicht! Er vergisst das Vergangene. Wenn wir Sünder umkehren und uns wieder von Gott finden lassen, erwarten uns weder Tadel noch Härten, da Gott rettet, voll Freude in seinem Haus aufnimmt und ein Fest feiert. Jesus selbst sagt es so im heutigen Evangelium: »Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren« (Lk 15,7). Und ich frage euch: Habt ihr je daran gedacht, dass jedes Mal, wenn wir zur Beichte gehen, im Himmel Freude herrscht und ein Fest gefeiert wird? Habt ihr daran gedacht? Das ist schön.

Das schenkt uns große Hoffnung, da es keine Sünde gibt, in die wir gefallen sind, aus der wir uns mit Gottes Gnade nicht wieder aufrichten können; es gibt keinen unwiederbringlich verlorenen Menschen, keiner ist unwiederbringlich verloren! Denn Gott hört nie auf, unser Wohl zu wollen, auch wenn wir sündigen! Und die Jungfrau Maria, Zuflucht der Sünder, lasse in unseren Herzen das Vertrauen aufkeimen, das im Herzen des verlorenen Sohnes entbrannte: »Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt« (V. 18). Auf diesem Weg können wir Gott Freude schenken, und seine Freude kann zu seinem und zu unserem Fest werden.


Die Sorge Jesu für die Menschen

Vatikanstadt. In der Generalaudienz am Mittwoch, 14. September, forderte Papst Franziskus die Gläubigen auf, dem Herrn nachzufolgen und von ihm zu lernen. Ein Mitarbeiter der deutschsprachigen Abteilung des Staatssekretariats trug folgende Zusammenfassung vor:

Liebe Brüder und Schwestern, ein besonderer Ausdruck der Güte Gottes ist die Sorge Jesu für die Menschen, die schwere Mühsal zu tragen haben. Er lädt sie ein, ihm zu folgen, damit sie bei ihm Ruhe finden (vgl. Mt 11,28ff). Mit der Aufforderung »Kommt alle zu mir« wendet sich Jesus an die Niedergeschlagenen, die Armen und Kleinen, die nichts haben außer ihr Vertrauen in Gottes Hilfe und Barmherzigkeit. Wer sich zum Herrn bekehrt und ihm nachfolgt, erhält die Verheißung, dass er Trost und Stärke für sein ganzes Leben findet. »Nehmt mein Joch auf euch« verweist auf das enge Band zwischen Gott und seinem Volk, auf die Unterwerfung unter den Willen Gottes und sein Gesetz. Jesus spricht von seinem Joch: Er ist die Erfüllung des Gesetzes, durch seine Person erkennen wir Gottes Willen und durch ihn treten wir in Gemeinschaft mit Gott. Die dritte Aufforderung »Lernt von mir« besagt, den Weg der Nachahmung Jesu zu gehen. Der Herr ist ein Lehrer, der sich selbst demütig und klein gemacht hat. Weil er das Leiden und die Sünden der Menschheit auf sich genommen hat, weil er als Erster das Joch getragen hat, ist sein Joch für uns leicht. Jesus enttäuscht unsere Hoffnung nicht. Wir müssen jedoch lernen, von seiner Barmherzigkeit zu leben, um selber zu einem Werkzeug der Barmherzigkeit zu werden.

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Quelle: Osservatore Romano 37/2016

Siehe auch:

Franziskus: Es gibt keine unverzeihliche Sünde

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Papst Franziskus segnet die Gläubigen beim Angelus

Es gibt keine unverzeihliche Sünde und keinen auf immer verlorenen Menschen: Gott verzeiht alles und jedem. Daran hat Papst Franziskus an diesem Sonntag beim Angelus erinnert. Er bezog sich auf das lange Sonntagsevangelium nach Lukas (Lk 15,1-32) mit seinen drei Parabeln, jene vom guten Hirten, der 99 Schafe zurücklässt, um das eine verlorene zu retten, jene von der Frau mit der wiedergefundenen Münze, und das dritte vom verlorenen Sohn und dem barmherzigen Vater. Ein verbindendes Element der drei Erzählungen ist die gemeinsame Freude am Ende, das Veranstalten eines Festes, hob Franziskus hervor: „Es geht nicht um Trauer, im Gegenteil, man macht ein Fest … und dieses Fest Gottes für jene, die mit Reue zu ihm zurückkehren,  passt sehr gut zum Jubiläumsjahr, das wir gerade begehen“, sagte der Papst vor Tausenden Pilgern und Besuchern auf dem Petersplatz. Gott trete uns aus diesen drei Gleichnissen als „Gott mit offenen Armen“ entgegen, „der die Sünder mit Zärtlichkeit und Mitleid anschaut“.

Als zentrale Stelle der Erzählung vom barmherzigen Vater machte der Papst den Satz des Sohnes aus: „Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen.“ Gott warte immer darauf, „dass wir uns neu auf die Reise machen“, erklärte Franziskus: „Er erwartet uns mit Geduld, er sieht uns von fern, er läuft uns entgegen, umarmt uns, küsst uns. So ist unser Vater!“ Und dann vergesse der Vater die ganze Geschichte, „er denkt nicht mehr daran, er macht uns keine Vorwürfe“. Der Festcharakter der Versöhnung sei letztlich auch im Beichtstuhl zu spüren, fuhr der Papst fort: „Habt ihr schon mal dran gedacht, dass jedesmal, wenn ihr beichtet, Freude im Himmel ist? Das ist schön!“

Gebet für Gabun

Nach dem Angelus richtete Franziskus einen Blick auf das afrikanische Land Gabun, „das eine schwere politische Krise erlebt“. Im Anschluss an die Wahl am 27. August kam es in Gabun zu Ausschreitungen, unter anderem wurde das Parlamentsgebäude in Brand gesetzt, mehrere Menschen starben. Franziskus vertraute die Opfer der Auseinandersetzung und ihre Angehörigen dem Herrn an und rief „besonders die Katholiken“ dazu auf, für den Frieden zu arbeiten und das Recht zu respektieren.

Zudem würdigte Papst Franziskus den ukrainischen Priester Ladislaw Bukowinski (1904-1974) am Tag seiner Seligsprechung. Der Geistliche, der aufgrund seines Glaubens verfolgt wurde, habe in seinem Leben „eine große Liebe gegenüber den Schwächsten und Bedürftigen gezeigt“, sagte Franziskus. Bukowinskis Heiligsprechung fand am Sonntag im kasachischen Bistum Karaganda statt.

(rv 11.09.2016 gs)


WICHTIGE ANMERKUNG VON MIR (POS):

Anhand eines Vergleiches der obigen ins Deutsche übersetzten mit der nachstehenden italienischen ursprünglichen Version dieser päpstlichen Ansprache, wird klar, dass der/die Übersetzer/in SEHR WICHTIGES falsch übersetzt hat. Schon der Titel: „Es gibt keine unverzeihliche Sünde“ wiedergibt absolut nicht, was die italienische Überschrift aussagt, die richtig übersetzt zu deutsch lautet: „Gott erwartet uns immer und vergibt uns.”

Und gleich der erste Satz („Es gibt keine unverzeihliche Sünde und keinen auf immer verlorenen Menschen: Gott verzeiht alles und jedem.“) müsste wie folgt übersetzt sein: “Es gibt keine Sünde, in die wir gefallen sind, aus der wir, mit der Gnade Gottes, nicht wieder aufstehen können; es gibt keine unbekehrbare Person.” (“Non c’è peccato in cui siamo caduti da cui, con la grazia di Dio, non possiamo risorgere; non c’è una persona irrecuperabile”.)

LEHRE DARAUS: Auf Übersetzungen – auch aus dem Vatikan – ist kein (theologischer) Verlass! Deshalb gilt: Wer den Papst kritisieren will, muss sich stets auf seine in Italienisch oder Spanisch wiedergegebenen Original-Aussagen abstützen!


Il Papa all’Angelus: Dio ci aspetta sempre e ci perdona

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Papa Francesco all’Angelus

“Non c’è peccato in cui siamo caduti da cui, con la grazia di Dio, non possiamo risorgere; non c’è una persona irrecuperabile”. E’ quanto ha affermato Papa Francesco riferendosi al Vangelo odierno e aggiungendo che “Dio non smette mai di volere il nostro bene, anche quando pecchiamo”. Il servizio di Amedeo Lomonaco:

Il capitolo 15 del Vangelo di Luca, considerato – ha detto il Papa – “il capitolo della misericordia”, raccoglie tre parabole con cui Gesù risponde alle mormorazioni di scribi e farisei. Nella prima parabola Dio è presentato come un pastore che lascia 99 pecore “per andare in cerca di quella perduta”. Nella seconda è paragonato ad “una donna che ha perso una moneta e la cerca fin quando non la trova”. Nella terza parabola Dio è immaginato come “un padre che accoglie il figlio che si era allontanato”. La festa di Dio per coloro che ritornano a Lui pentiti – ha detto il Papa – è quanto mai intonata all’Anno giubilare:

“Con queste tre parabole, Gesù ci presenta il volto vero di un Dio: un Padre dalle braccia aperte, che tratta i peccatori con tenerezza e compassione. La parabola che più commuove – commuove tutti –, perché manifesta l’infinito amore di Dio, è quella del padre che stringe a sé, e abbraccia il figlio ritrovato. ”.

Dio ci attende con pazienza
A colpire – ha affermato il Pontefice – non è tanto “la triste storia di un giovane che precipita nel degrado, ma le sue parole decisive:

“«Mi alzerò, andrò da mio padre» (v. 18). La via del ritorno verso casa è la via della speranza e della vita nuova. Dio aspetta sempre il nostro rimetterci in viaggio, ci attende con pazienza, ci vede quando ancora siamo lontani, ci corre incontro, ci abbraccia, ci bacia, ci perdona. Così è Dio! Così è il nostro Padre! E il suo perdono cancella il passato e ci rigenera nell’amore. Dimentica il passato: questa è la debolezza di Dio. Quando ci abbraccia e ci perdona, perde la memoria, non ha memoria! Dimentica il passato. Quando noi peccatori ci convertiamo il peccatore si converte e ci facciamo si fa ritrovare da Dio non lo ci attendono rimproveri e durezze, perché Dio salva, riaccoglie a casa con gioia e fa festa”.

Poi il Papa ha rivolto a tutti una domanda:

“Avete mai pensato che ogni volta che ci accostiamo al confessionale, c’è gioia e festa nel cielo? Avete pensato a questo? E’ bello!“.

La testimonianza del beato Bukowinski
Dopo l’Angelus, il Santo Padre ha ricordato che oggi a Karakanda, in Kazakhstan, viene proclamato beato Ladislao Bukowinski, sacerdote e parroco, perseguitato per la sua fede. “Nella sua vita – ha detto il Pontefice – ha dimostrato sempre grande amore ai più deboli e bisognosi e la sua testimonianza appare come un condensato delle opere di misericordia spirituali e corporali”.

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Quelle