BRIEF AN PAPST FRANZISKUS DER VEREINIGUNG KATHOLISCHER MÄNNER

HINWEIS: Dieser Brief spiegelt die persönliche Initiative der einzelnen katholischen Männer wider, die ihn unterzeichnet haben. Berufliche Zugehörigkeiten werden nur zu Identifikationszwecken aufgeführt. Dieser Brief wird von keiner Gruppe oder Organisation gesponsert. Unterzeichner werden ermutigt, traditionelles Fasten mit Essen und / oder Trinken zu betreiben, aber die genaue Art des Fastens jedes Unterzeichners ist eine Frage der individuellen Diskretion. Unterzeichner werden ermutigt, ein schwieriges, aber nicht übermäßig belastendes Fasten zu unternehmen.

5. September 2018

Lieber Heiliger Vater und liebe Bischöfe der Vereinigten Staaten:

Als katholische Laien sind wir treue Ehemänner, Väter, Geschäftsleute, Juristen, Handwerker, Ärzte, Professoren, Lehrer, Künstler und Leiter katholischer Laienapostolate. Aber vor allem sind wir Menschen, die in Christus und seine Kirche verliebt sind, und aus diesem Grund bitten wir Sie, die Korruption zu beseitigen, die das Antlitz der Braut Christi so grotesk entstellt hat. Die gegenwärtigen Skandale haben unsere Frauen, Schwestern, Brüder und Kinder in Gefahr gebracht. Deshalb bitten wir Sie, in Anlehnung an die Worte der hl. Katharina von Siena an Papst Gregor XI, „nicht länger zu schlafen und mutig das Banner [Christi] zu erheben“. Die Kirche braucht Reinigung, und kraft Ihrer Ämter als unsere Hirten ist niemand mehr qualifiziert, diese Reinigung zu bewirken als Sie selbst. Wir bitten Sie, dies ohne Verzögerung zu tun.

Indem wir Mut fassen vom heiligen Paulus und wissend, dass „wo die Sünde zunahm, die Gnade umso größer wurde“ (Rm 5:20), sind wir entsetzt über die jüngsten Missbräuche. Wir haben von den Vorwürfen gegen Erzbischof Theodore McCarrick gelesen, dem Bericht der Grand Jury bezüglich der Kirche in Pennsylvania, von den schrecklichen Misshandlungen in Honduras und Chile; und den überhandnehmenden Berichten über klerikale homosexuelle Aktivitäten, Pädophilie und Ephebophilie im gesamten Presbyterium der Welt. Vor kurzem haben wir die Aussage von Erzbischof Carlo Maria Viganò gelesen, in der behauptet wird, dass Bischöfe in leitenden Führungspositionen sowohl innerhalb des Heiligen Stuhls als auch in den Vereinigten Staaten sexuellen Missbrauch vertuscht haben, was eine weit verbreitete und systemische Korruption in der gesamten kirchlichen Hierarchie belegt.

Heiliger Vater, wir gelangen an Sie, um Antworten zu bekommen. Sie wurden persönlich mit Vorwürfen konfrontiert. Diese Vorwürfe wurden von einem hochrangigen Kirchenvertreter, Erzbischof Viganò, erhoben. Außerdem haben viele Bischöfe in den Vereinigten Staaten öffentlich erklärt, dass sie der Ansicht sind, dass diese Anschuldigungen untersucht werden sollten. Wir bitten Sie, sie anzusprechen. Insbesondere bitten wir Sie, die Fragen unserer Schwestern in ihrem am 30. August 2018 veröffentlichten Schreiben an Sie zu beantworten.

Überdies, unabhängig von der Richtigkeit der Anschuldigungen von Erzbischof Viganò bleiben unsere Bedenken hinsichtlich der Korruption bestehen. Eure Heiligkeit, Ihre Eminenzen und Ihre Exzellenzen: Was tun Sie inmitten weit verbreiteten globalen Missbrauchs, Vertuschungen und hierarchischem Versagen, und was werden Sie tun, um das Volk Gottes zu beschützen? Wir bitten Sie, diese einfache Frage zu beantworten, denn die Kosten der bischöflichen Korruption sind katastrophal. Gegenwärtig zögern viele Familien, ihre Söhne ins Priesterseminar zu schicken. Bemühungen zur Evangelisierung wurden gelähmt. Und das Misstrauen der Spender gefährdet die Fähigkeit der Kirche, den Armen zu dienen, den Umweltschutz zu fördern und Werke der Barmherzigkeit zu verrichten. Eine katholische Mutter hat gesagt, dass diese Krise entweder die Kirche neu beleben oder einen Exodus verursachen wird. Wir bitten Sie, die Wiederbelebung durch radikale Reinigung zu fördern, indem Sie erkennen, dass Sie Gefahr laufen, in den Augen von Millionen von Katholiken an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Heiliger Vater, wir sind persönlich unserer eigenen Reinheit und der Reinigung der Kirche verpflichtet. Wir werden an die Worte unseres Herrn in Johannes 8:7 erinnert: „Derjenige unter euch, der ohne Sünde ist, soll der Erste sein, der einen Stein wirft.“ Alle Sünde, einschließlich unsere eigene, schwächt die Kirche. Als Männer müssen wir alle die Kraft haben, die Heiligung durch unseren Herrn zu suchen. Aus diesem Grund werden wir bei uns selbst beginnen, unser eigenes Gewissen prüfen und unser eigenes Bekenntnis zur Keuschheit erneuern. Wir werden daran arbeiten, unsere eigenen Familien aufzubauen, besonders unsere Söhne und unsere eigenen Gemeinschaften. Des weiteren verpflichten sich die Unterzeichner dieses Schreibens zu ernsthaftem und schwerem Fasten für die nächsten siebzehn Freitage, beginnend diesen Freitag, den 7. September bis zum Ende des Kalenderjahres. Wir werden nicht nachgeben. Wir werden das Leiden als Buße für unsere eigenen Sünden und die Sünden der Kirche annehmen. Wir wollen nichts mehr, als inmitten eines Skandals Heilige zu werden.

Heiliger Vater und Bischöfe der Vereinigten Staaten, wir plädieren für Gerechtigkeit für die Opfer des Missbrauchs. Wir fügen unsere Stimmen denen der Bischöfe hinzu, die eine Untersuchung der kirchlichen Hierarchie sowohl in unserem eigenen Land als auch im Vatikan gefordert haben. Diese Untersuchung sollte von treuen Laien und Frauen durchgeführt werden. Darüber hinaus ermutigen wir andere Gruppen, ihre Stimme zu erheben, indem sie weitere Briefe dieser Art schreiben.

Schließlich loben wir unseren Herrn Jesus Christus, der in seiner reichen Barmherzigkeit die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche gegründet hat. Wir bekräftigen unsere Hoffnung für die Zukunft der Kirche. Wir bitten Sie, mutig und nicht ängstlich zu sein. Wir bekräftigen unsere Zuneigung und Dankbarkeit für die heiligen Priester und Bischöfe, die uns treulich als Verwalter der Geheimnisse Christi gedient haben. Die Geschichte der Kirche hat viele Jahreszeiten gesehen. Dennoch, nach der dunklen Jahreszeit des Winters kommt der Frühling, und wir beten, dass die Schwierigkeiten der Gegenwart durch die kommenden Siege überwunden werden. Im Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus sind wir voller Zuversicht, dass das Licht der Heiligen Dreifaltigkeit diese gegenwärtige Dunkelheit durchbricht und die ganze Schönheit unserer geliebten Kirche offenbart.

Wir versprechen unser Leben, unsere Talente und unsere Ressourcen für die Reinigung und Erneuerung der katholischen Kirche einzusetzen. Unter Anrufung der Fürsprache der Gottesmutter werden wir bis zum Ende für diese Sache kämpfen.

Ihre Söhne und Brüder in Christus,

[Rund 11’000 Unterschriften]

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Quelle

BRIEF AN PAPST FRANZISKUS VON KATHOLISCHEN FRAUEN


HINWEIS: Dieser Brief spiegelt die persönliche Initiative der einzelnen katholischen Frauen wider, die diesen Brief unterschreiben, und wird nicht von irgendeiner Gruppe oder Organisation gesponsert.

 

30. August 2018

An Seine Heiligkeit, Papst Franziskus
Vatikanstadt

Eure Heiligkeit:

Sie haben gesagt [Evangelii gaudium, 103], dass Sie „eine wirksamere weibliche Präsenz in der Kirche wünschen“, und dass „Frauen in der Lage sind, Dinge mit einem anderen Blickwinkel als [Männer] zu sehen, mit einem anderen Auge. Frauen können Fragen stellen, die wir Männer nicht verstehen können.“

Wir schreiben Ihnen, Heiliger Vater, um Fragen zu stellen, die Antworten brauchen.

Wir sind katholische Frauen, die sich zutiefst unserem Glauben verpflichtet fühlen und zutiefst dankbar sind für die Lehren der Kirche, die Sakramente und die vielen guten Bischöfe und Priester, die unser Leben gesegnet haben.

Unsere Herzen sind gebrochen, unser Glaube ist durch die eskalierende Krise, die unsere geliebte Kirche erfasst hat, geprüft worden. Wir sind wütend, betrogen und desillusioniert. Der Schmerz und das Leid der Opfer enden nie, denn jeder Nachrichtenzyklus bringt entsetzlichere Enthüllungen über sexuellen Missbrauch, sexuelles Fehlverhalten, Vertuschungen und Betrug – selbst auf höchster kirchlicher Ebene.

Die jüngste Erklärung von Erzbischof Carlo Maria Viganò fordert uns auf, Sie direkt um Antworten zu bitten. Sein Zeugnis beschuldigt Sie, Heiliger Vater, und hochrangige Kardinäle, das ungeheuerliche Verhalten des ehemaligen Kardinals McCarrick zu ignorieren und diesen Räuber als globalen Sprecher und geistlichen Führer zu fördern. Ist das wahr?

Dies sind verheerende Vorwürfe. Wie USCCB-Präsident Kardinal Daniel D. DiNardo vor kurzem sagte : „Die aufgeworfenen Fragen verdienen Antworten, die schlüssig sind und auf Beweisen basieren.“ Dem stimmen wir zu.

Einige entscheidende Fragen, die die Erklärung von Erzbischof Viganò aufwirft, erfordern jedoch weder langwierige Ermittlungen noch physische Beweise. Sie erfordern nur Ihre direkte Antwort, Heiliger Vater. Als Sie kürzlich von Reportern über die Vorwürfe von Erzbischof Viganò befragt wurden, antworteten Sie : „Ich werde hierüber kein einziges Wort sagen.“ Sie sagten den Reportern, sie sollten „die Aussage sorgfältig lesen und ein eigenes Urteil fällen“.

Für Ihre verletzte Herde, Papst Franziskus, sind Ihre Worte unzureichend. Sie stechen und erinnern an den Klerikalismus, den Sie kürzlich verurteilt haben. Wir brauchen Führung, Wahrheit und Transparenz. Wir, Ihre Herde, verdienen jetzt Ihre Antworten .

Insbesondere bitten wir Sie demütig, die folgenden Fragen zu beantworten, da die Antworten Ihnen sicherlich bekannt sind. Erzbischof Viganò sagt, dass er Ihnen im Juni 2013 diese Botschaft (im Wesentlichen) über den damaligen Kardinal McCarrick übermittelt hat:

„Er hat Generationen von Seminaristen und Priestern beschädigt und Papst Benedikt hat ihm befohlen, sich in ein Leben des Gebets und der Buße zurückzuziehen.“

Ist das wahr? Was hat Ihnen Erzbischof Viganò im Juni 2013 über den damaligen Kardinal McCarrick mitgeteilt?

Wann haben Sie von Kardinal McCarrick von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs oder sexuellen Fehlverhaltens gegenüber Erwachsenen erfahren?

Wann haben Sie von den Einschränkungen erfahren, die Papst Benedikt dem damaligen Kardinal McCarrick auferlegt hat? Und haben Sie dann Kardinal McCarrick von irgendwelchen Einschränkungen von Papst Benedikt befreit?

Heiliger Vater, in Ihrem Brief an das Volk Gottes über die Skandale haben Sie geschrieben: „Ein Sündenbewusstsein hilft uns, die Fehler, die Verbrechen und die Wunden, die in der Vergangenheit verursacht wurden, anzuerkennen und erlaubt uns in der Gegenwart, mehr zu sein, offen und verpflichtet auf einer Reise der erneuerten Bekehrung.“ Deshalb erwarten wir, dass Sie, unser Heiliger Vater, ehrlich zu uns sind.

Bitte wenden Sie sich nicht von uns ab. Sie haben sich verpflichtet, die kirchlichen Wege in der Kirche zu ändern. Dass ein Kardinal Seminaristen missbrauchen würde, ist abscheulich. Wir müssen wissen, dass wir Ihnen vertrauen können, um ehrlich zu sein, was passiert ist. Die Opfer, die so sehr gelitten haben, müssen wissen, dass sie Ihnen vertrauen können. Die Familien, die die Quelle der Erneuerung der Kirche sein werden, müssen wissen, dass wir Ihnen vertrauen können und somit der Kirche vertrauen können.

Bitte halten Sie uns bei diesen Fragen nicht auf Distanz. Wir sind treue Töchter der Kirche, die die Wahrheit brauchen, damit wir beim Wiederaufbau helfen können. Wir sind keine Katholiken der zweiten Klasse, die abzulenken sind, während Bischöfe und Kardinäle Angelegenheiten privat behandeln. Wir haben das Recht zu wissen. Wir haben ein Recht auf Ihre Antworten.

Wir sind Frauen, Mütter, alleinstehende Frauen, geweihte Frauen und Ordensschwestern.

Wir sind die Mütter und Schwestern Ihrer Priester, Seminaristen, zukünftigen Priester und Ordensleute. Wir sind die Laienführerinnen der Kirche und die Mütter der nächsten Generation.

Wir sind Professorinnen in Ihren Seminaren und Leiter in katholischen Kanzleien und Institutionen.

Wir sind Theologinnen, Evangelistinnen, Missionarinnen und Gründerinnen von katholischen Apostolaten.

Wir sind die Menschen, die opfern, um die gute Arbeit der Kirche zu finanzieren.

Wir sind das Rückgrat der katholischen Pfarreien, Schulen und Diözesen.

Wir sind die Hände, die Füße und das Herz der Kirche.

Kurz, wir sind die Kirche, genauso wie die Kardinäle und Bischöfe um Sie herum.

Heiliger Vater, wir sind die „prägnante Gegenwart“, die die Kirche braucht, und wir brauchen Ihre Antworten.

In Liebe zu Christus und der Kirche,

(Rund 50’000 Unterschriften)

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Quelle

Wie gottgeweihtes Leben in der Großstadt funktioniert

Mehrmals am Tag treffen sich die Mitglieder von Säkularsinstituten zum Gebet

Vergangene Woche hat Papst Franziskus die Rolle der geweihten Witwen in der Kirche gewürdigt. Franziskus selber gehört dem Jesuitenorden an. Neben den bekannten, klassischen Ordensgemeinschaften gibt es sogenannte Säkularinstitute. Im Unterschied zu den Ordensgemeinschaften leben deren Mitglieder überwiegend in der Welt, nicht im Kloster.

Julia Rosner – Vatikanstadt

„Leidenschaft für Gott – Dienst für die Menschen“, diese Formel fast das Charisma des Säkularinstitus „St. Bonifatius“ zusammen. Es handelt sich um eine benediktinsche Frauengemeinschaft, die sich um Missionierung kümmert. Gegründet wurde die Gemeinschaft in Deutschland. Deren Mitglieder leben in kleinen Kommunitäten auf der ganze Welt verteilt zusammen – beispielsweise in Ruanda, Guatemala, Norwegen, Italien und natürlich auch in Deutschland.

Christiane Koch ist seit vielen Jahren Teil der Gemeinschaft. Sie ist eines von weltweit rund 170 Mitgliedern. Gemeinsam mit zwei anderen Frauen lebt sie in Rom. Sie und alle anderen Mitglieder des Instituts haben ihr Leben Gott geweiht.

Intimes Leben mit Gott

„Gottgeweihtes Leben bedeutet für mich, ein ,intimes‘ Leben mit Gott zu führen“, sagt Christiane Koch. „Im Italienischen sprechen wir von der ,Intimita nella relazione con dio‘ – damit ist die ganze persönliche Gottesbeziehung gemeint. Diese leben wir ganz bewusst jeden Tag.“ Dabei verzichten die Frauen auf jegliche äußere Zeichen wie eine spezielle Kleidung. Wie Jesus wollen sie nicht von der Welt sein, aber mitten in ihr leben. Ziel sei, so Koch, die Welt von innen heraus zu verändern.

Als junge Frau habe sie gespürt, dass sie von Gott in ein geweihtes Leben gerufen werde. Das erzählt sie heute immer wieder gern und hat dabei ein Lächeln auf dem Gesicht. Ursprünglich stammt sie aus der Diözese Paderborn, wo es – wie sie sagt – viele Ordensgemeinschaften gibt. Viele von ihnen habe sie kennengelernt. Als sie jedoch mit dem Säkularinstitut „St. Bonifatius” in Verbindung gekommen sei, habe sie gespürt: Genau das ist es.

Ora et labora

Wie die anderen Mitglieder ihrer Gemeinschaft lebt sie nach den drei Evangelischen Räten: Keuchheit/Jungfräulichkeit, Armut und Gehorsam. Als missionsbenediktinisches Institut berufen sich die Frauen auch auf die Regel des Heiligen Benedikts – „Ora et labora“. Doch diese Regel wurde an das Leben in der Welt angepasst. Das heißt, alle Mitglieder der Gemeinschaft gehen weltlichen Berufen nach. Die meisten sind im sozialen Bereich tätig. Viele helfen auch in den Pfarreien vor Ort aus.

In Rom betreiben die Frauen ein Wohnheim für Studentinnen, Praktikantinnen und Pilgerinnen – genannt „Das Foyer“. Die Räumlichkeiten sind Teil der deutschen katholischen Gemeinde „Santa Maria dell‘ Anima“. Die vom Heiligen Benedikt empfohlenen Gebetszeiten, die die Frauen jeden Tag neben ihrer Arbeit verrichten, lassen sich gut mit ihrer Tätigkeit dort vereinen.

Internationale Gemeinschaft

Zehn vor sieben beginnen die Frauen jeden Morgen mit einer Mediation, erklärt Koch. In dieser Zeit nehmen sie eine persönliche Betrachtung vor. Das geschehe ganz bewusst aus der Ruhe der Nacht heraus. Koch erklärt: „Wir wollen uns damit dem Herrn öffnen“. Anschließend folgen die Laudes, das Morgengebt der Kirche und die Heilige Messe. Dafür gehen die Frauen meist in eine Kirche, die in der Nähe liegt. Danach ist Zeit zum Arbeiten.

Zum Mittagessen treffen sich wieder. Zusammenleben in der Gemeinschaft wird in dem missionsbenediktischen Institut groß geschrieben. Deshalb speisen alle immer gemeinsam. Nach der zweiten Arbeitszeit am Nachmittag wird am Abend die Vesper gebetet, das Abendgebet der Kirche. Nach dem Abendessen folgt dann noch das Nachtgebet, die Komplet.

Christiane Koch schätzt besonders an ihrer Gemeinschaft, dass sie sehr international aufgestellt ist. Sie selbst hat mehrere Jahre in Spanien und Tschechien gelebt. „Auf der einen Seite erleben wir bei uns in der Gemeinschaft immer, wie Gott uns eint und auch über die verschiedenen Länder hinaus verbindet. Wir alle leben eine Berufung. Auf der anderen Seite gestaltete sich das Leben in den verschiedenen Ländern ganz anders“, sagt sie.

Wie viele andere Orden oder Gemeinschaften in Europa leidet jedoch auch das Säkularinstitut St. Bonifatius unter einer abnehmenden Zahl an Neueintritten. Immer wenige junge Frauen können sich sein eheloses Leben in Gemeinschaft vorstellen. Ein weiterer Grund ist auch, das die Religiosität zumindest in Europa und insbesondere auch in Deutschland zurückgeht.

Anderen helfen, die eigene Berufung zu erkennen

Dennoch ist Christiane Koch zuversichtlich, was die Zukunft der Gemeinschaft betrifft. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern möchte sie ein Zeugnis für Gott in der Welt ablegen. „Das Leben aus der Taufgnade ist zentral. Gott hat jeden von uns geschaffen und mit uns jedem von uns eine Aufgabe in die Welt gesandt“, sagt sie. „Säkularinstitute entsprechen in ihrer Lebensweise – eben in der Welt – dem Puls der Zeit.“ Deshalben seien die Frauen zuversichtlich. Dennoch wissen auch sie: nur Gott chenkt Berufungen. Sie selbst können das nicht beeinflussen. Das Gebet um Berufungen sei deshalb heute so wichtig wie nie. In der Welt wollen die Frauen jedoch durch ihr Leben anderen Menschen helfen, ihre persönliche Berufung zu erkennen.

Dennoch ist Christiane Koch zuversichtlich, was die Zukunft der Gemeinschaft betrifft. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern möchte sie ein Zeugnis für Gott in der Welt ablegen. „Das Leben aus der Taufgnade ist zentral. Gott hat jeden von uns geschaffen und mit uns jedem von uns eine Aufgabe in die Welt gesandt“, sagt sie. „Säkularinstitute entsprechen in ihrer Lebensweise – eben in der Welt – dem Puls der Zeit.“ Deshalben seien die Frauen zuversichtlich. Dennoch wissen auch sie: nur Gott chenkt Berufungen. Sie selbst können das nicht beeinflussen. Das Gebet um Berufungen sei deshalb heute so wichtig wie nie. In der Welt wollen die Frauen jedoch durch ihr Leben anderen Menschen helfen, ihre persönliche Berufung zu erkennen.

(vatican news)

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Baltikum-Experte: Drei Länder, drei Schwerpunkte beim Papstbesuch

Logo der Papstreise nach Estland

Was erwarten sich die Menschen in Estland, Lettland und Litauen von Papst Franziskus, der sie bald besucht? Um die Frage zu beantworten, muss erst klar sein: die drei Länder sind ziemlich verschieden. Markus Nowak über die Lage der katholischen Kirche vor Ort und die Erwartungen an die Papstvisite am Rand Europas.

Die drei Länder sind keineswegs so homogen, wie das die Sammelbezeichnung „Baltikum“ nahelegt. Insbesondere die religiöse Situation ist in allen drei Ländern völlig unterschiedlich. Diesen Samstag fliegt Papst Franziskus nach Litauen, wo er zwei Tage bleibt. Am Montag geht es nach Lettland, am Dienstag nach Estland und dann wieder zurück nach Rom.

Eins der wichtigsten Themen in den Nachrichten

Seit Tagen ist die Visite von Papst Franziskus eine der wichtigsten Themen in den Nachrichten im litauischen Staatsfernsehn LRT. Vom 22. bis 25. September besucht der Pontifex die drei Länder Litauen, Lettland und Estland. Es ist der zweite Besuch eines Oberhauptes der katholischen Kirche im Baltikum – nach Johannes Paul II. vor 25 Jahren. Und gerade in Litauen wird Franziskus´ Visite so etwas wie ein Gastspiel. Denn rund 80-Prozent der Litauer sind katholisch, und die Kirche gilt als einflussreich. Gintaras Grusas, der Erzbischof der Hauptstadt Vilnius, hegt aber auch Erwartungen an den Papst.

„Für alle Länder ist es eine große Ehre, wenn der Heilige Vater kommt. Seine Gegenwart kann die Hoffnung der Menschen stärken. Viele Litauer verlassen wegen der schwachen ökonomischen Situation das Land. Ich hoffe, dass er den Menschen Halt geben kann und sie vielleicht sogar zum Bleiben bewegen kann. Auch wird es einen Moment geben, bei dem der Papst unsere Vergangenheit kennenlernen wird. Wir haben als Nation großen Bedrohungen standgehalten und unseren Glauben bewahren können“, so der Erzbischof von Vilnius.

Was der Erzbischof meint, ist die Zeit vor 1990/91, als Litauen wie das gesamte Baltikum von der Sowjetunion okkupiert war und die Religionsfreiheit litt.

Am eigenen Leib hat das Sigitas Tamkevičius erlebt, der spätere Erzbischof von Kaunas. Als junger Jesuit gab er in den 1970er und 80er Jahren eine Chronik heraus, die die Verfolgung der Kirche durch die Sowjetmacht auch im westlichen Ausland publik machte. Fünf Jahre verbrachte er dafür in Haft und ist heute sowas wie eine Symbolfigur für den kirchlichen Widerstand in der Sowjetunion. Auch er hat Erwartungen an Papst Franziskus, der oft davon spricht, zu den Rändern zu gehen.

“ Wenn die Worte des Papstes in diesen Menschen Hoffnung wecken, dann ist sein Ziel erreicht. ”

„Wir in Litauen sind geografisch gesehen am Rande Europas. Zudem gibt es in Litauen einen nicht kleinen Teil der Gesellschaft, der wegen sozialer Probleme am Rand der Gesellschaft steht. Wenn die Worte des Papstes in diesen Menschen Hoffnung wecken, dann ist sein Ziel erreicht. Franziskus versteht das“, sagt Sigitas Tamkevičius.

Station Lettland: Schwerpunkt Ökumene

„Kristus Jėzus – mano viltis“ – zu Deutsch „Christus, meine Hoffnung“. Die Hymne des Papstbesuches in Litauen ist zugleich das Motto seiner Visite im größten baltischen Land. In Lettland dagegen, dem mit zwei Millionen Einwohnern zweitgrößten Staat des Baltikums, wird ein Schwerpunkt auf Ökumene liegen. Papst Franziskus trifft Vertreter verschiedener Konfessionen im lutherischen Mariendom zu Riga. Jeder dritte Lette ist Lutheraner, 22 Prozent sind katholisch, und mit rund 20 Prozent gibt es auch einen hohen Anteil an orthodoxen Christen. Rigas Erzbischof Zbigniev Stankievics spricht von einer ökumenischen Atmosphäre, die in Lettland herrscht. Eben, weil keine der Konfessionen eine zu dominante Rolle habe.

“ Wir erwarten, dass der Papst uns eine Bestätigung gibt, dass wir in die richtige Richtung in Sachen Ökumene gehen. ”

„Wir erwarten, dass der Papst uns eine Bestätigung gibt, dass wir in die richtige Richtung in Sachen Ökumene gehen. Also gute Beziehungen zueinander aufbauen und mit einer gemeinsamen Sprache sprechen. Das tun wir etwa gegenüber dem Staat in für uns wichtigen Themen. Da ist etwa die Sache mit dem Religionsunterricht, der künftig kein verpflichtendes Wahlfach mehr sein wird und nur noch auf freiwilliger Basis unterrichtet wird. Wir Religionsgemeinschaften sehen darin ein großes Problem. Ich denke, mit einer gemeinsamen Sprache könnten wir es ändern“, sagt Zbigniev Stankievics.

Estland: 0,5 Prozent Katholiken und ein Papstbesuch

Eine gemeinsame Stimme der Religionsgemeinschaften gegenüber der Politik finden – das ist in Estland noch schwieriger. Denn die letzte Station des Papstes auf seiner Baltikum-Reise ist eines der am stärksten säkularisierten Länder Europas. Gerade einmal 20 Prozent der Esten gehören überhaupt einer Religionsgemeinschaft an. Angesichts des Katholikenanteils von 0,5 Prozent sei es wichtig, dass Papst Franziskus auch die Hauptstadt Tallinn besuche, sagt der Apostolische Administrator von Estland Bischof Phillipe Jourdan.

„Ich werde oft von Journalisten gefragt, welche Bedeutung es hat, wenn der Papst in ein Land mit so wenigen Katholiken kommt. Aber Franziskus schaut nicht auf Statistiken. Er sagt, die Kirche ist nicht nur das Kirchengebäude. Und ich füge hinzu, Kirche ist nicht nur da, wo sie traditionell stark ist. Die Katholiken sind nicht bloß in Estland in einer extremen Minderheit; etwa die Hälfte aller Katholiken weltweit lebt in Ländern, wo sie weniger als ein Prozent bilden. So wird der Papst nicht nur zu uns Esten sprechen, sondern zu allen Menschen, wo die katholische Kirche nur eine geringe Präsenz hat. Denken wir etwa an Russland oder China“, so Bischof Jourdan.

(pm)

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Angelus: Glaubensbekenntnis darf sich nicht auf Worte beschränken

Beim Angelusgebet an diesem Sonntag (Vatican Media )

Ein auf bloße Formeln reduzierter Glaube ist ein kurzsichtiger Glaube. Daran hat Papst Franziskus am Sonntag beim Angelusgebet erinnert. Gott möchte von den Gläubigen, dass sie „eine persönliche Beziehung zu ihm aufbauen“.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Franziskus ging vom Sonntagsevangeliums (Mk 8,27-35) aus, in dem Jesus die Jünger zunächst fragte, für wen ihn die Menschen halten, und dieselbe Frage dann den Jüngern selbst stellte. Jesus sei nicht an seinem „Image“ bei den Leuten und am Gerede interessiert gewesen, stellte der Papst klar. Er habe auch nicht akzeptiert, dass die Jünger seine Frage „mit vorgefertigten Formeln beantworten und dabei berühmte Persönlichkeiten aus der Heiligen Schrift zitieren, denn ein Glaube, der auf Formeln reduziert ist, ist ein kurzsichtiger Glaube“.

Vielmehr wünsche Gott, dass seine Nachfolger „von gestern und heute mit ihm eine persönliche Beziehung aufbauen und ihn in der Mitte ihres Lebens aufnehmen“. Franziskus forderte die Anwesenden auf, jeder für sich im Stillen die Frage Jesu zu beantworten: Wer bin ich für dich?

“ …der verdient den heilsamen Vorwurf Jesu: ,Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen!´ ”

Dabei könne es durchaus passieren, dass jemand mit Protest, Rebellion und Unverständnis auf den Kreuzestod Jesu reagierte, den dieser seinen Jüngern ankündigte. Der „beschwerliche Weg des leidenden, gedemütigten, verworfenen und gekreuzigten Dieners“ entspreche nicht den weltlichen Erwartungen, sagte der Papst. Wer allerdings diese Reaktion zeige, der verdiene so wie damals Petrus „den heilsamen Vorwurf Jesu: ,Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen´.“

Franziskus warnte auch davor, den Glauben auf bloße Worte zu beschränken. Das Glaubensbekenntnis verlange vielmehr nach einer Bestätigung in der Tat, „durch konkrete Entscheidungen und Gesten, durch ein von der Liebe Gottes geprägtes Leben, durch ein großes Leben, durch ein Leben mit viel Liebe und Nächstenliebe“.

Ein Applaus für Don Pino Puglisi

Franziskus erinnerte auch kurz an seine Reise vom Samstag nach Palermo zu Ehren des von der Mafia ermordeten Priesters Pino Puglisi. „Don Puglisis Beispiel und Zeugnis erleuchten uns alle weiterhin und bestätigen uns, dass das Gute stärker ist als das Böse, die Liebe ist stärker als der Hass“, sagte der Papst. Er ließ die Pilger und Anwesenden auf dem Petersplatz einen Applaus für diesen Diener Gottes anstimmen, der am 15. September 1993 durch die Hand seiner Mörder starb und bedankte sich bei den Menschen von Sizilien für die Gastfreundschaft.

Nach dem Angelus ließ Franziskus auf dem Petersplatz 40.000 Taschen-Kruzifixe verteilen, also kleine Kreuze mit der Darstellung des Leibes Jesu bei seinem Tod am Karfreitag. „Das Kruzifix ist das Zeichen der Liebe Gottes, der in Jesus sein Leben für uns gegeben hat“, sagte Franziskus und verwies auf das Fest des Heiligen Kreuzes, das die Kirche zwei Tage davor begangen hatte. „Ich lade euch ein, dieses Geschenk anzunehmen und es in eure Häuser, in das Zimmer eurer Kinder oder Großeltern zu bringen…. Es ist kein Schmuckstück, sondern ein religiöses Zeichen für Kontemplation und Gebet. Ich danke den Schwestern, den Armen und den Flüchtlingen, die jetzt dieses kleine, aber feine Geschenk verteilen werden!“ Für die Aktion verantwortlich zeichnete das Päpstliche Almosenamt, 300 Arme und Migranten verteilten die Kruzifixe an die Anwesenden.

(Vatican News – gs)

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Papst Franziskus in Palermo: „Mafia ist Gotteslästerung“

Papst Franziskus in Palermo

Papst Franziskus hat am Samstagmittag in der sizilianischen Hauptstadt abermals betont, dass Mafia und Kirche nichts miteinander gemein haben. Die organisierte Kriminalität bedeute das Gegenteil dessen, was die christliche Botschaft ausmache. Wer auf der Seite der Mafia stehe, der sei zur Niederlage verdammt, so der Papst in seiner Predigt bei einer Messe unter Palermos freiem Himmel.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Es war ein Freudentag für die Palermitaner: Der Kurzbesuch des Papstes war gekennzeichnet von Sonnenschein, freudigen Gesichtern und bunten Fähnchen. Doch Franziskus sorgte in seiner Predigt für einen ernsten Ton: Schließlich sei er gekommen, um einen Märtyrer des Glaubens zu ehren.

Don Pino Puglisi war ein Anti-Mafia-Priester, der sich vor allem um Jugendliche kümmerte. Er setzte sich dafür ein, dass die Jugend in seiner Pfarrei von Drogen und dem organisierten Verbrechen fernblieb. Und darüber sprach Papst Franziskus auch in seiner Predigt.

Der Mafia-Killer und Don Pinos Lächeln

Franziskus erinnerte daran, dass Don Puglisi vor genau 25 Jahren von einem Mafia-Killer getötet worden ist. Die Tat ereignete sich am Geburtstag des engagierten Geistlichen. Dieses Martyrium sei aber keine Niederlage gewesen, im Gegenteil: „Don Puglisi krönte seinen Sieg mit einem Lächeln, mit diesem Lächeln, das seinen Mörder nachts um den Schlaf brachte“, so der Papst. Und er zitierte die Worte des Killers: „Da war eine Art Licht in diesem Lächeln. Padre Pino war wehrlos, aber sein Lächen übertrug die Kraft Gottes. Das war kein blendendes Leuchten, sondern ein sanftes Licht, das das Herz erhellt.“

Die heutige Kirche brauche solche „Priester des Lächelns“, spann Franziskus den Faden fort. Dies bedeute nicht, die Dinge auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern die Freude Gottes aufzunehmen und sie weiterzugeben. „Wenn man sein Leben hingibt, findet man Freude, denn es liegt mehr Freude im Geben als im Nehmen“: Damit bezog sich der Papst auf einen Satz aus der Apostelgeschichte.

“ Wollt ihr so leben? ”

Dann sprach er die Gläubigen Palermos direkt an: „Wollt ihr so leben? Wollt ihr euer Leben hingeben, ohne darauf zu warten, dass die anderen den ersten Schritt machen? Wollt ihr Gutes tun, ohne auf eine Gegenleistung zu warten, und ohne darauf zu warten, dass die Welt besser wird? Wollt ihr für den Herrn ein Risiko eingehen?“

Don Pino – wie er von den Gläubigen seiner Pfarrei liebevoll genannt wurde – sei Risiken eingegangen. Er habe sich nicht mit Bequemlichkeiten und „halben Sachen“ begnügt. Der Papst warnte davor, sich der Zerstreuung, dem Geld oder dem Hass hinzugeben.

Wer zur Mafia gehört, lebt nicht als Christ

„Anderen Mitmenschen schenkt man das Leben, man nimmt es ihnen nicht weg. Man kann nicht an Gott glauben und seinen Bruder hassen“, so der Papst weiter. Die Liebe Gottes lehne jegliche Gewalt ab und lehre stattdessen die Liebe zu allen Menschen. „Deshalb muss man das Wort ,Hass’ aus dem christlichen Leben streichen. Deshalb kann man nicht an Gott glauben und gleichzeitig seinen Bruder überwältigen. Man kann nicht an Gott glauben und gleichzeitig ein Mafioso sein! Wer zur Mafia gehört, lebt nicht als Christ, weil er mit seinem Leben den Namen der Liebe Gottes lästert.“

Die heutige Welt brauche Menschen, die Liebe weiterreichten, und keine mafiösen ,Ehrenmänner’. „Es bedarf des Dienstes an den Nächsten und nicht der Überwältigung der Hilfslosen. Es bedarf des gemeinsamen Fortschreitens und nicht der Suche nach eigenem Ruhm und Macht.“ Der Mafia-Parole von der Macht des Stärkeren solle man die christliche Litanei des „Ich brauche deine Hilfe“ entgegenstellen.

“ Hört auf, an euch selber zu denken und an euer Geld! ”

Lieben statt drohen, so die Kurzformel des Papstes. Und wie bei früheren Gelegenheiten wandte er sich auch direkt an die Mafiosi: „Ändert euch! Hört auf, an euch selber zu denken und an euer Geld! Bekehrt euch zum wahren Gott Jesu Christi! Ansonsten geht euer eigenes Leben verloren, und das ist die schlimmste aller Niederlagen!“

Für einen christlichen Populismus – den einzig gültigen

Jeder Mensch – auch Nicht-Mafiosi – sollte sich die Frage stellen, was sie oder er für die anderen tun könne. Jeder trage eine Verantwortung – genau das wolle uns das Zeugnis von Don Pino Puglisi heute noch sagen. Man solle sich dieser Verantwortung nicht entziehen. Franziskus formulierte es ähnlich wie einst US-Präsident John F. Kennedy bei seinem Amtsantritt: Frag dich nicht, was die anderen, die Kirche, der Staat für dich tun können, sondern was du für die anderen tun kannst! Dies sei der einzig gültige „Populismus“ – ein „christlicher Populismus“ nämlich, der auf das Volk höre und ihm diene, ohne Geschrei, Anklagen und Vereinnahmungen.

Die christliche Siegermentalität bestehe im Lächeln, insistierte Franziskus. Und noch einmal ging er kurz auf das Leben von Don Pino Puglisi ein. „Das eigene Leben hinzugeben – wie es auf dem Grabmal von Don Puglisi steht – ist das Geheimnis seines Sieges. Es ist das Geheimnis eines schönen Lebens. Wählen auch wir heute ein schönes Leben!“

(vatican news)

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Papst Franziskus wirbt für eine Theologie der Zärtlichkeit

Franziskus bei der Audienz an diesem Donnerstag (Vatican Media )

„Habt keine Angst vor der Zärtlichkeit!“ Mit diesen Worten hat Papst Franziskus vor gut fünf Jahren sein Amt angetreten. Aber kommt der Begriff Zärtlichkeit überhaupt vor in der Kirche und der Theologie?

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Ja, behauptet ein Kongress in Assisi, der in diesen Tagen über eine „Theologie der Zärtlichkeit“ nachgedacht hat. Papst Franziskus empfing die Teilnehmer an diesem Donnerstag im Vatikan und ergriff die Gelegenheit, um etwas genauer zu sagen, was er da im Sinn hat.

„Theologie und Zärtlichkeit scheinen zwei weit voneinander entfernte Worte zu sein. Das erste scheint mehr in den akademischen Bereich zu gehören, das zweite in die Beziehungen zwischen Menschen. Aber in Wirklichkeit bindet unser Glaube sie untrennbar zusammen. Theologie kann nämlich nicht abstrakt bleiben – sonst wäre sie eine Ideologie -, weil sie aus einem existenziellen Erfahren herrührt, aus der Begegnung mit dem fleichgewordenen Wort! Theologie soll also die Konkretheit des Gottes, der Liebe ist, kommunizieren. Und Zärtlichkeit gehört in diese Konkretheit hinein – mit ihr wird die Zuneigung, die der Herr zu uns hat, in unsere Zeit übersetzt.“

Vielleicht passt das nicht jedem, aber…

Vielleicht passe das nicht jedem, aber es sei heutzutage nun mal so, dass es den Menschen von heute eher ums Fühlen als um Begriffe gehe, sinnierte der Papst.

„Man geht von dem aus, was man fühlt. Natürlich kann sich die Theologie nicht auf Gefühl reduzieren. Aber sie kann genausowenig ignorieren, dass in vielen Teilen der Welt das Herangehen an die wesentlichen Fragen immer mehr von dem ausgeht, was die Menschen emotionell spüren. Die Theologie ist dazu aufgerufen, diese existenzielle Suche zu begleiten und das Licht, das aus dem Wort Gottes kommt, (in diese Lage) hineinzutragen. Und eine gute Theologie der Zärtlichkeit kann die göttliche Liebe in diesem Sinn durchbuchstabieren.“

Gottes Liebe ist kein abstraktes Prinzip

Noch einmal: Die Liebe Gottes sei „kein abstraktes Prinzip“, sondern „persönlich und konkret“. Und auch eine Theologie der Zärtlichkeit müsse konkrete Inhalte haben. Zwei schwebten dem Papst da besonders vor: Sich von Gott geliebt fühlen und andere im Namen Gottes zu lieben.

„Uns geliebt fühlen – das ist eine Botschaft, die uns in letzter Zeit stärker erreicht. Ich denke da an die Herz-Jesu-Verehrung, an die Barmherzigkeit als essentielle Eigenschaft der Dreifaltigkeit und des christlichen Lebens. Die Zärtlichkeit kann unsere Art und Weise sein, wie wir heute auf die göttliche Barmherzigkeit reagieren. Sie enthüllt uns neben dem väterlichen auch das mütterliche Antlitz Gottes: eines Gottes, der in den Menschen verliebt ist und dessen Liebe zu uns um ein Vielfaches stärker ist als die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind (vgl. Jes 49,15)… Zärtlichkeit ist das Gegengift zur Angst vor Gott. Uns geliebt fühlen bedeutet zu lernen, Gott zu vertrauen. Zu ihm zu sagen: Jesus, ich vertraue auf dich.“

“ Zärtlichkeit ist nicht Gefühligkeit ”

Siegel der Zärtlichkeit Gottes in seinem Verhältnis zu uns sei das Leiden Jesu am Kreuz, so Franziskus. Dieses Leiden sporne uns an zur „Leidenschaft für Gott und, um der Liebe Gottes willen, für den Menschen“. Wer sich geliebt fühle – und damit kam der Papst auf den zweiten, von ihm bezeichneten Inhalt einer Theologie der Zärtlichkeit zu sprechen –, der könne auch andere lieben. Mehr denn je sei heute eine Revolution der Zärtlichkeit vonnöten.

„Wenn Gott unendliche Zärtlichkeit ist, dann ist auch der Mensch, der nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen wurde, fähig zur Zärtlichkeit. Zärtlichkeit ist also nicht Gefühligkeit; sie ist der erste Schritt, um aus dem Egoismus herauszukommen, der die menschliche Freiheit entstellt. Die Zärtlichkeit Gottes lässt uns verstehen, dass die Liebe der Sinn des Lebens ist.“

(vatican news)

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