Jugend für das Leben: Marsch für behinderte Ungeborene — Pro-Life-Tour 2017

„Nicht nur besten und abenteuerlichsten, sondern auch sinnvollsten Wochen deines Sommers“ – das verspricht die Organisation Jugend für das Leben den Teilnehmern des Marsches.

Jugend für das Leben zieht von 5. bis 20. August
für Schutz ungeborener behinderter Kinder durch Österreich.

„Ein Österreich, in dem Kinder geschützt sind, Frauen unterstützt werden und Abtreibung sich erübrigt hat“ ist das Anliegen der katholischen Lebensschutzorganisation „Jugend für das Leben“. Der Verein lädt deshalb von 5. bis 20. August zur „Pro Life Tour 2017“: Zwei Wochen lang ziehen hunderte Jugendliche zu Fuß von Graz nach Wien, um auf den fehlenden gesetzlichen Schutz von ungeborenen Kindern aufmerksam zu machen.

„Pro Life Tour“ für Kinder mit Behinderung
Dieses Jahr stehen behinderte Kinder besonders im Fokus der „Pro Life Tour“: „Viele Familien leiden unter extrem großen gesellschaftlichen oder finanziellen Druck, dass ein Ja zu ihrem behinderten Kind nicht möglich scheint“, so die Website der Jugend für das Leben. Mit dem Marsch will die Organisation ein Zeichen „für die Würde des menschlichen Lebens in all seinen Phasen“ und „gegen die massive Diskriminierung von Menschen mit Behinderung“ setzen.

Die Vornahme einer Abtreibung ist in Österreich zwar grundsätzlich rechtswidrig, aber innerhalb der ersten drei Monate nicht strafbar. Behinderte Kinder dürfen bis wenige Stunden vor dem Einsetzen der Geburtswehen abgetrieben werden. „Neue Untersuchungsmethoden, oftmals fehlende Beratung für Eltern und der Erwartungsdruck der Gesellschaft“ würden laut der Jugend für das Leben dazu führen, dass in Österreich die meisten Kinder mit Behinderung abgetrieben werden. Mehr als neun von zehn Kindern mit Down-Syndrom – 94 Prozent – kommen deshalb nicht auf die Welt.

In den „nicht nur besten und abenteuerlichsten, sondern auch sinnvollsten Wochen deines Sommers“ – das verspricht die Jugend für das Leben im Internet – marschieren die Teilnehmer in Tagesetappen zwischen zwölf und mehr als 34 Kilometer durch Österreich. Ein freiwilliger Unkostenbeitrag von 100 Euro wird erbeten. Anmeldungen zur Pro Life Tour sind über die Homepage der Jugend für das Leben und per E-Mail möglich.

Österreichische Bischöfe begrüßen Pro Life Tour
Vier österreichische Bischöfe haben Grußworte und Empfehlungen an die „Pro Life Tour 2017“ gerichtet: „Gerne“ empfiehlt Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn den Marsch. Die Jugend für das Leben richte „seit Jahren Sommeraktionen, die besonders junge Menschen auf das Evangelium vom Leben hinweisen“ aus.

Wilhelm Krautwaschl, Bischof von Graz-Seckau, hält „im Wissen, dass nie genug getan werden kann, um ein Ja zum Leben zu unterstützen“, fest, es sei „positiv zu werten, dass junge Menschen sich auf den Weg machen, um ihr Anliegen, sich für das Leben einzusetzen, bewusst zu machen“.

Ein dreifaches „Danke“ spricht der Wiener Weihbischof Franz Scharl der Jugend für das Leben aus: „Für diesen Einsatz für das menschliche Leben, gerade auch hinsichtlich des Anfangs, gebührt euch Applaus, aufrichtiger Dank sowie ein klares Vergelt’s Gott.“

Jugendbischof Stephan Turnovszky schließlich bittet um „besondere Achtsamkeit für die Mütter“. „Sie sind meist durch unglückliche Lebensumstände unter Druck und werden zur Entscheidung gegen ihr Kind gedrängt“, so der Weihbischof aus Wien. Turnovszky begrüßt, dass es „zunehmend Forderungen für eine Verbesserung der gesetzlichen Lage“ gibt, wie die Einführung einer Bedenkzeit vor einer Abtreibung, „mit der oft übereilten Kurzschlussentscheidungen vorgebeugt werden kann“. „Zugleich darf die Kirche nicht müde werden, Eltern, die sich gegen ihr Kind entschieden haben, in großer Behutsamkeit die Möglichkeit der Vergebung anzubieten, die eine enorme Hilfe zur Bewältigung dieser biographischen Last ist“, betont er.

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Quelle

Bolivien: Abtreibungsgesetz „Niederlage für Gesellschaft“

Demo für die Legalisierung von Abtreibung, La Paz, September 2016

Das neue Abtreibungsgesetz in Bolivien ist ein „Schritt zur Kultur des Todes“ und eine „Niederlage für die ganze bolivianische Gesellschaft“. Mit diesen drastischen Worten hat die Bischofskonferenz des südamerikanischen Landes auf ein neues Gesetz zur Freigabe von Abtreibungen in bestimmten Fällen reagiert.

Der Verfassungsausschuss des Abgeordnetenhauses hatte am Freitag einen Gesetzesantrag gebilligt, mit dem Abtreibungen unter bestimmten Umständen straffrei werden. Das ist der Fall, wenn die Kindesmutter in Armut lebt, Schülerin ist, kindliche Fehlbildungen prognostiziert werden oder die Schwangerschaft Folge von Vergewaltigung oder Inzest ist.

Die Bischöfe kritisieren, dass die gesetzliche Neuregelung die Forderung Hunderttausender Bolivianer ignoriere, die mit Briefen und Demonstrationen gegen die Legalisierung von Abreibung eingetreten seien.

„Diese Entscheidung zeigt unseren Kindern ein Land, das sich nicht seinen ureigenen Problemen stellt, nämlich dem Respekt und dem Schutz des Lebens und der Würde der Verwundbarsten“, schreiben die Bischöfe. Vielmehr wolle der Staat mit solchen Maßnahmen die Unschuldigen beseitigen, urteilen die Bischöfe in ihrer Erklärung.

Bereits vor der Abstimmung im Parlamentsausschuss hatten die Bischöfe die Pläne der sozialistischen Regierung kritisiert, Abtreibungen zu erleichtern.

(pm/rv 23.05.2017 fr)

200.000 Kolumbianer marschieren in 42 Städten für das Leben

Foto: Unidos por la Vida via ACI Prensa

Die Demonstration für das Leben fand in ganz Kolumbien statt.

Unter dem Motto „Jedes Leben ist bedeutsam“ sind etwa 200.000 Kolumbianer am Samstag in 42 Städten des Landes auf die Straßen gegangen, um an einem nationalen Marsch für das Leben teilzunehmen und erneut zu bekräftigen, dass das menschliche Leben „von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod“ wertvoll ist.

Die Plattform „Unidos por la Vida Colombia“ informierte CNA, dass der Marsch seit elf Jahren stattfinde.

Das Datum sei gewählt, um an den Jahrestag der Straffreiheit für Abtreibung durch das Urteil C-355 des Verfassungsgerichtes im Jahre 2006 zu erinnern. Lebensschützer monieren, dass dies eine Verletzung des Artikels 11 der Verfassung sei. Dieser besagt: „Das menschliche Leben ist unantastbar, es wird keine Todesstrafe geben.“

Am Marsch nahmen auch Bischöfe der katholischen Kirche und Pastoren anderer christlicher Kirchen teil.

Mit roten Shirts, auf denen das Logo von Unidos por la Vida gedruckt war, füllten die Kolumbianer die Straßen von „42 Städten des Landes in insgesamt 22 Verwaltungsgebieten (Departamentos), darunter Hauptstädte wie Riohacha, Barranquilla, Santa Martha, Cartagena, Cali, Medellín, Bucaramanga, Manizales, Pereira, Quibdó, Villavicencio“, und andere.

Laut Angaben der Organisatoren waren es „circa 200.000 Kolumbianer, die ‚Ja zum Leben, nein zur Abtreibung’gerufen hatten.“

Sie gaben bekannt, dass man in diesem Jahr vom Gesundheitsminister Lejandro Gavitia gefordert hatte, „in den Gesundheitsplan des Landes die medikamentöse Abtreibung durch Misoprostol und Mifepriston nicht aufzunehmen. Wir sind nicht bereit, mit unseren Steuergeldern, die Abtreibungspillen zu zahlen, die unsere ungeborenen Kinder töten und die transnationalen Pharmaunternehmen bereichern“, sagten sie.

Sie forderten vom Kongress ebenso, den Gesetzentwurf 54 aus dem Jahr 2016 abzulehnen, der „Leihmutterschaft und den Handel mit menschlichen Embryonen und Keimzellen legalisieren will, sowie auch das Projekt 24 aus dem Jahr 2015, das die medizinische Ethik Kolumbiens in die Hände des weltweiten Gericht für medizinische Ethik legen will, welches Abtreibung, Euthanasie und Gender-Ideologie befürwortet“.

„Wir glauben fest, dass es möglich ist, in Kolumbien wieder dahin zu gelangen, das Recht auf Leben in seinem vollen Umfang zu garantieren. Wir denken bereits über die entsprechenden Aktionen nach, damit dies bald Wirklichkeit wird“, heißt es auf der Internetseite der Organisation.

Unidos por la Vida Colombia“ beklagte, dass „die Regierung des Präsidenten Juan Manuel Santos eine wohlwollende Haltung zur Abtreibung habe und diese durch das Gesundheitsministerium mit aller Kraft gefördert“ habe.

Unter dem Vorwand der Gesundheit der Frau würden 90 Prozent der legalen Abtreibungen des Landes durchgeführt werden, so die Lebensschützer:

„Die Orientame-Kliniken, die auch mit Spenden von Planned Parenthood aus den USA finanziert werden, haben im Jahr 2015 über 9.000 Abtreibungen durchgeführt, 90 Prozent davon mit der Begründung der mentalen und sozialen Gesundheit der Mutter. Ein absoluter Hohn“.

„Wir sind aber trotzdem überzeugt, dass der Wind sich drehen wird, zu Gunsten der Verteidigung des Lebens, nicht nur in Kolumbien sondern weltweit und bald werden wir diese Ausrichtung auch in verschiedenen Gesetzgebungen und in der öffentlichen Politik Kolumbiens und der Welt wiederfinden.“

BOGOTÁ , 08 May, 2017 / 1:55 AM (CNA Deutsch).-

Papst: „Gemeinsam beten für Sterbende und Ungeborene“

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Papst Franziskus beim Angelus

Gemeinsam für Sterbende und für Ungeborene beten, denen die Abtreibung droht: dazu hat Papst Franziskus eingeladen. Beim Angelusgebet an diesem Sonntag, an dem Italien den „Tag des Lebens“ begeht, rief der Papst dazu auf, eine „Kultur des Lebens“ zu fördern, als Antwort auf die Logik des Wegwerfens und des Bevölkerungsrückgangs. Niemand dürfe alleingelassen werden, die Liebe müsse „den Sinn für das Leben verteidigen“, sagte Franziskus und erinnerte an Worte Mutter Teresas: „Das Leben ist schön, bewundere es; das Leben ist Leben, verteidige es!“ Das gelte für Ungeborene wie für Sterbende: „jedes Leben ist heilig“, schärfte der Papst den Gläubigen ein.

(rv 05.02.2017 gs)

Frankreich: Papstbotschaft an Teilnehmer des ‪„Marsches für das Leben“

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„Marche Pour La Vie 2015“ / Wikimedia Commons – HazteOir.Org, CC BY-SA 2.0 (Cropped)

Sich unermüdlich für eine Kultur des Lebens einsetzen

Papst Franziskus ermutigt die Teilnehmer des Marsches für das Leben („Marche pour la vie“), der am Sonntag in Paris stattfinden wird, sich ‪„unermüdlich“ für eine Kultur des Lebens einzusetzen.

In seinem Brief an den Präsidenten der Veranstaltung, der vom Apostolischen Nuntius in Frankreich, Erzbischof Luigi Ventura, überreicht wurde, grüßt Franziskus die Teilnehmer „von Herzen“.

Der Papst erinnert sie daran, dass die Kirche nie aufhören solle, „Anwalt des Lebens“ zu sein, sowie den Schutz des menschlichen Lebens zu verkünden, „vom Augenblick der Empfängnis bis zum natürlichen Tod“, wie es in dem auf den 18. Januar datierten Schreiben heißt.

‪„Der Heilige Vater ermutigt die Teilnehmer des ‚Marsches für das Leben’‪‪ sich unermüdlich für den Aufbau einer Gesellschaft der Liebe und einer Kultur des Lebens einzusetzen“, erläuterte Ventura das Papstschreiben.

Der ‪„Marsch für das Leben 2017“ ist die elfte Veranstaltung in Folge, die von einem Kollektiv von Lebensrechtsvereinen organisiert wird, mit der Unterstützung des Nationalen Verbandes der katholischen Vereinigungen für die Familie.

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Quelle

Siehe auch:

Papst Franziskus: Setzt Hoffnung nicht auf falsche Götzen

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Franziskus bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch

Kartenleger zum Wahrsagen und Abtreibungen der Figur zuliebe – diese plastischen Beispiele eitler Götzenbilder legte Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz am Mittwoch vor. Er sprach über trügerische christliche Hoffnungen, solche, die auf menschengemachte Götzen zurückgehen. Vor falschen Idolen hätten sich auch Kirchenmänner zu hüten, betonte Franziskus. Ausgangspunkt seiner Überlegungen war Psalm 115, in dem es heißt: „Die Götzen der Völker sind nur Silber und Gold, ein Machwerk von Menschenhand. … Alle, die ihr den Herrn fürchtet, vertraut auf den Herrn! Er ist für euch Helfer und Schild.“

Zwar seien die menschengemachten Idole – sei es materieller wie auch geistiger Art – verführerisch und verleiteten die Menschen dazu, ihre Hoffnung in sie zu legen. Doch die Propheten und Weisen hätten scharfsichtig darauf hingewiesen, wie nichtig diese eingebildeten Sicherheiten seien.

„Aber wir mögen die Götzen, sehr sogar! Einmal in Buenos Aires, als ich von einer Kirche zu einer anderen unterwegs war, habe ich einen Park durchquert. Da standen viele kleine Tische, an denen saßen Wahrsager. Die Leute standen Schlange. Und du gabst ihm deine Hand und er fing an, aber er sagte immer das gleiche: ,Es gibt eine Frau in deinem Leben, ein Schatten legt sich über dich, aber alles wird gut enden…´ und dann hast du bezahlt. Und das gibt dir Sicherheit? Das ist die Sicherheit, entschuldigt den Ausdruck, einer Dummheit!“

Zum Wahrsager zu gehen, sei nur ein Beispiel für die Götzen, in die wir unsere falschen Hoffnungen legten. Doch während man für diese Hoffnungen bezahlen müsse, sei die wahrhafte Hoffnung, die Jesus Christus uns gebracht habe, vollständig kostenlos. Ein weiteres Beispiel für Götzenanbetung sei das Anhängen an Ideologien, die Absolutheitsanspruch erhöben, aber auch Reichtum, Macht und Erfolg, Eitelkeit und dergleichen mehr.

„Es ist schlimm, das zu hören und tut in der Seele weh, was ich einmal in der Diözese von Buenos Aires gehört habe: eine sehr schöne Frau, die sich mit ihrer Schönheit brüstete, sagte, als wäre es die natürlichste Sache der Welt: ,Ja, ich musste abtreiben, denn meine Figur ist sehr wichtig…´ Das sind die Götzen, sie bringen dich auf den falschen Weg und bringen dir kein Glück.“

Diese falschen Hoffnungen stellten sich gegen die Hoffnung in einen Herrn des Lebens, der mit seinem Wort die Welt erschaffen habe und unsere Existenzen leite. Doch statt dem Leben zu dienen, führten sie direkt zum Tod, so Papst Franziskus.

„Und wir müssen einsehen, dass es sich nicht nur um Bildnisse aus Metall oder anderen Materialien handelt, sondern auch um diejenigen, die wir mit unserem Geist erschaffen, wenn wir unser Vertrauen in begrenzte Realitäten legen, die wir absolut setzen, oder wenn wir Gott auf unseren Horizont und unsere Ideen von Göttlichkeit reduzieren.“

Ein Gott, der uns ähnele; der Mensch also, der sich Gott nach seinem Abbild schaffe – jedoch ein Abbild, das auch noch schlecht gelungen sei, mahnte der Papst:

„Die Botschaft des Psalms ist sehr deutlich: wenn man seine Hoffnung in die Götzen legt, dann wird man wie sie: leere Bilder mit Händen, die nicht berühren, mit Füßen, die nicht laufen, mit Mündern, die nicht sprechen können. Man hat nichts mehr zu sagen, man wird unfähig, Hilfe zu leisten, die Dinge zu ändern, zu lächeln, sich zu schenken und zu lieben. Und auch wir, Männer der Kirche, unterliegen diesem Risiko, wenn wir uns ,verweltlichen´. Man muss in der Welt stehen, aber sich gegen die Illusionen der Welt verteidigen.“

(rv 11.01.2017 cs)

Der Brief von Papst Franziskus an die Bischöfe der Welt zum Fest der Unschuldigen Kinder am 2. Januar 2017

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Lieber Bruder,

heute, am Tag der Unschuldigen Kinder, während in unseren Herzen noch die Worte des Engels an die Hirten nachklingen: »Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren« (Lk 2,10-11), ist es mir ein Bedürfnis, Dir zu schreiben. Es tut uns gut, noch einmal diese Botschaft zu hören; wieder zu hören, dass Gott in der Mitte unseres Volkes ist. Diese Gewissheit, die wir uns Jahr für Jahr neu vergegenwärtigen, ist Quelle unsere Freude und Hoffnung.

In diesen Tagen können wir erfahren, wie die Liturgie uns an die Hand nimmt und zum Herzen von Weihnachten führt, uns in sein Geheimnis einführt und allmählich zur Quelle der christlichen Freude gelangen lässt.

Wie die Hirten sind auch wir gerufen, diese Freude inmitten unseres Volkes wachsen zu lassen. Wir werden gebeten, uns um diese Freude zu kümmern. Ich möchte mit Dir die Einladung erneuern, uns diese Freude nicht nehmen zu lassen. Denn während wir oft – und nicht ohne Grund – von der Wirklichkeit, der Kirche oder auch von uns selbst enttäuscht sind, verspüren wir die Versuchung, uns an eine hoffnungslose, süßliche Traurigkeit zu klammern, die sich der Herzen bemächtigt (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 83).

Gegen unseren Willen wird Weihnachten auch vom Weinen begleitet. Die Evangelisten nahmen es sich nicht heraus, die Wirklichkeit zu verschleiern, um sie glaubwürdiger oder anregender werden zu lassen. Sie nahmen es sich nicht heraus, einen „schönen“, aber irrealen Text zu verfassen. Weihnachten war für sie nicht ein imaginärer Zufluchtsort, wo man sich angesichts der Herausforderungen und Ungerechtigkeiten ihrer Zeit verstecken konnte. Vielmehr verkünden sie uns auch die Geburt des Sohnes Gottes in eine leidvolle Tragödie eingebettet. Mit einem Zitat des Propheten Jeremia stellt dies der Evangelist Matthäus mit großer Härte dar: »Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder« (2,18). Es ist das Wehklagen der Mütter, die angesichts der Tyrannei und der ungehemmten Herrschsucht des Herodes den Tod ihrer unschuldigen Kinder beweinen.

Es ist ein Wehklagen, das wir auch heute weiter hören können. Es bewegt uns in unserer Seele, und wir können und wollen es weder ignorieren noch zum Schweigen bringen. Unter den Menschen heute hört man leider – und ich schreibe dies tief bedrückt – das Wehklagen und Weinen vieler Mütter, vieler Familien um den Tod ihrer Kinder, ihrer unschuldigen Kinder.

Die Krippe zu betrachten heißt auch, dieses Weinen zu betrachten. Es bedeutet auch, zu hören lernen, was rundherum geschieht, und ein Herz zu haben, das empfindsam und offen ist gegenüber dem Schmerz des Nächsten, insbesondere wenn es sich um Kinder handelt. Es heißt ebenso erkennen zu können, dass noch heute dieses traurige Kapitel der Geschichte eben geschrieben wird. Die Krippe zu betrachten und sie dabei vom Leben, das sie umgibt, zu isolieren würde heißen, aus dem Weihnachtsgeschehen ein schönes Märchen zu machen, das in uns gute Gefühle hervorzurufen zwar imstande wäre, uns aber der schöpferischen Kraft der Frohbotschaft berauben würde, die uns das menschgewordene Wort schenken will. Und diese Versuchung gibt es.

Ist es möglich, die christliche Freude zu leben, während man diesen Wirklichkeiten den Rücken kehrt? Ist es möglich, die christliche Freude zu verwirklichen, während man das Wehklagen des Mitmenschen, der Kinder überhört?

Der heilige Josef war als erster gerufen, die Freude des Heils zu behüten. Angesichts der grausamen Verbrechen, die gerade geschahen, war der heilige Josef – Beispiel des gehorsamen und treuen Menschen – fähig, auf die Stimme Gottes und die ihm vom Vater anvertraute Sendung zu hören. Und weil er auf die Stimme Gottes zu hören wusste und sich von Gottes Willen leiten ließ, nahm er besser wahr, was ihn umgab, und konnte die Geschehnisse mit Realismus verstehen.

Heute wird auch von uns Hirten dasselbe gefordert, nämlich Männer zu sein, die zuhören können und nicht taub sind gegenüber der Stimme Gottes und so die Wirklichkeit besser wahrnehmen, die uns umgibt. Heute, mit dem heiligen Josef als Vorbild, sind wir aufgefordert, nicht zuzulassen, dass man uns die Freude nimmt. Wir sind aufgefordert, sie vor den Gestalten eines Herodes unserer Tage zu verteidigen. Und wie der heilige Josef brauchen wir Mut, um diese Wirklichkeit anzunehmen, um aufzustehen und sie in die Hände zu nehmen (vgl. Mt 2,20). Wir brauchen den Mut, sie vor den neuen Gestalten eines Herodes unserer Zeit zu verteidigen, welche die Unschuld unserer Kinder missbrauchen. Unschuld gebrochen unter der Last der Schwarz- und Sklavenarbeit, unter der Last der Prostitution und Ausbeutung. Unschuld zerstört von Kriegen und gezwungener Auswanderung zusammen mit dem Verlust von allem, was dies mit sich bringt. Tausende unserer Kinder sind in die Hände von Banditen, von Mafiaorganisationen, von Todeshändlern geraten, die nichts anderes machen, als ihre Bedürfnisse zu missbrauchen und auszubeuten.

Beispielsweise mussten gegenwärtig 75 Millionen Kinder – aufgrund von Notsituationen und anhaltender Krisen – ihre Ausbildung abbrechen. Im Jahr 2015 waren 68% aller vom Sexualhandel betroffenen Menschen Kinder. Andererseits war ein Drittel der Kinder, die außerhalb ihrer Heimatländer leben mussten, zum Weggehen gezwungen. Wir leben in einer Welt, in der fast die Hälfte aller Kinder, die unter fünf Jahren sterben, wegen Unterernährung stirbt. Im Jahr 2016 haben 150 Millionen Kinder, so die Berechnungen, Kinderarbeit verrichtet; viele von ihnen leben unter Bedingungen der Sklaverei. Nach dem jüngsten UNICEF-Bericht werden, wenn sich die weltweite Lage nicht ändert, im Jahr 2030 167 Millionen Kinder in äußerster Armut leben, 69 Millionen Kinder unter fünf Jahren zwischen 2016 und 2030 sterben und 60 Millionen Kinder keine Grundschule besuchen.

Hören wir das Weinen und die Wehklage dieser Kinder; hören wir auch das Weinen und die Wehklage unserer Mutter Kirche, die nicht nur über den Schmerz, der ihren kleinsten Kindern zugefügt wurde, weint, sondern auch weil sie die Sünde einiger ihrer Glieder kennt: das Leid, die Geschichte und den Schmerz von Minderjährigen, die von Priestern sexuell missbraucht wurden. Eine Sünde, die beschämt. Menschen, die verantwortlich waren, für diese Kinder zu sorgen, haben ihre Würde zerstört. Wir beklagen dies zutiefst und bitten um Vergebung. Wir vereinen uns mit dem Schmerz der Opfer und beweinen unsererseits die Sünde. Die Sünde für das, was geschehen ist; die Sünde der unterlassenen Unterstützung; die Sünde des Vertuschens und Leugnens; die Sünde des Machtmissbrauchs. Auch die Kirche beweint bitterlich diese Sünde ihrer Glieder und bittet um Vergebung. Wenn wir heute der Unschuldigen Kinder gedenken, möchte ich all unseren Einsatz bekräftigen, damit diese Gräueltaten unter uns nicht mehr vorkommen. Finden wir den nötigen Mut, um alle notwendigen Mittel zu fördern und um in allem das Leben unserer Kinder zu schützen, damit sich solche Verbrechen nicht mehr wiederholen. Machen wir uns den Auftrag zu „null Toleranz“ in diesem Bereich klar und aufrichtig zu Eigen.

Die christliche Freude ist nicht eine Freude, die am Rande der Wirklichkeit geschaffen wird, indem man sie ignoriert oder so tut, als würde es sie nicht geben. Die christliche Freude entsteht aus einer Berufung – aus der gleichen, die der heilige Josef erhielt –, das Leben, insbesondere das der heiligen Unschuldigen von heute, zu „nehmen“ und zu schützen. Weihnachten ist eine Zeit, die uns dazu auffordert, das Leben zu behüten und ihm zu helfen, dass es geboren wird und wächst; die uns dazu auffordert, uns zu erneuern als mutige Hirten. Dieser Mut bringt Dynamiken hervor, die uns die Wirklichkeit, die viele Kinder heutzutage erleben, bewusst macht und uns arbeiten lässt, um ihnen die notwendigen Bedingungen zu gewährleisten, damit ihre Würde als Kinder Gottes nicht nur geachtet, sondern vor allem tatkräftig verteidigt wird.

Lassen wir nicht zu, dass man ihnen die Freude nimmt. Lassen wir uns die Freude nicht nehmen, behüten wir sie und helfen wir ihr zu wachsen.

Tun wir dies mit der gleichen väterlichen Treue des heiligen Josef und an der Hand Marias, der Mutter der Zärtlichkeit, damit sich unser Herz nicht verhärte.

In brüderlicher Verbundenheit,

FRANZISKUS

Aus dem Vatikan, am 28. Dezember 2016
Fest der Unschuldigen Kinder

[00008-DE.01] [Originalsprache: Italienisch – Arbeitsübersetzung]

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