Abtreibung: Vatikan bedauert irisches Referendum

Erzbischof Vinzenz Paglia

Jetzt fällt eines der letzten Tabus im einst so katholischen Irland: In einem Referendum haben sich die Iren am Freitag mit überwältigender Mehrheit für ein Ende des Abtreibungsverbots ausgesprochen. „Da gibt es nichts zu feiern“, kommentiert der Vatikan.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Nach Darstellung der Medien ist es ein „Erdrutschsieg“ der Abtreibungs-Befürworter: Ihre Mehrheit liegt bei etwa 68 Prozent. Damit wird ein Satz, nach dem Mutter und ungeborenes Kind „dasselbe Recht auf Leben“ haben, aus der Verfassung kippen. Unklar ist allerdings, wie weit die Freigabe der Abtreibung geht, auf die sich die Politiker nun bald einigen müssen.

„Ich glaube, da gibt es keinen Sieg zu verkünden und nichts zu feiern“, sagt der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Vincenzo Paglia, im Interview mit Vatican News. „Alles, was in irgendeiner Weise dem Tod die Drecksarbeit leichter macht, stimmt uns nicht besonders froh! Was jetzt in Irland passiert, muss uns dazu bringen, das Leben nicht nur zu verteidigen, sondern auch zu fördern, zu begleiten. Damit die Bedingungen geschaffen werden, in denen es nicht mehr zu so dramatischen Entscheidungen kommt.“

Vatikan: Da gibt es nichts zu feiern

„Es sieht so aus, als hätten wir Geschichte geschrieben“, kommentierte der Dubliner Ministerpräsident Leo Varadkar auf Twitter das Ergebnis an diesem Samstag. Die Zahlen des Referendums zeigen ein gespaltenes Irland: Bei den über 65-Jährigen lag das Nein vorne, bei den 18- bis 24-Jährigen das Ja. Das erinnert von ferne an das unterschiedliche Abstimmungsverhalten der Generationen beim Brexit-Votum vor zwei Jahren.

Es sei „immer ein Drama, wenn entschieden wird, ein Leben zu beenden“, so Vatikan-Erzbischof Paglia. „Ich kann nicht vergessen, was (der salvadorianische) Erzbischof Óscar Arnulfo Romero einmal vor der Leiche eines von Todesschwadronen ermordeten Priesters sagte: Das Konzil erwartet von uns allen, dass wir Märtyrer sind – also dass wir Leben geben und nicht nehmen! Er nannte dann das Beispiel einer Mutter, die ein Kind empfängt, es gebiert, es mit Milch tränkt. Diese Mutter sei eine Märtyrerin, weil sie Leben gebe, so Romero damals. Und heute, wo man dem Tod so oft bei seiner Drecksarbeit hilft, freue ich mich hingegen über all die Male, wo ein Leben verteidigt, begleitet, gefördert wird. So etwas braucht die ganze Welt!“

In drei Monaten reist der Papst nach Irland

Dass die Iren der Legalisierung von Abtreibung mehrheitlich grünes Licht gegeben haben, hat für Paglia etwas „mit der irischen Geschichte“ zu tun – ohne dass er das weiter ausführen würde. Und außerdem glaubt er, dass „eine individualistische Haltung“ allgemein in den westlichen Ländern „in der Luft“ liege. Dadurch gerieten „die Rechte aller, auch der Ungeborenen“, ins Hintertreffen.

Im August findet in Irland ein katholisches Welttreffen der Familien statt. Dazu wird auch Papst Franziskus erwartet.

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Gebetsaufrufe vor Irlands Abtreibungsabstimmung

Mit Blick auf die Volksabstimmung, die in wenigen Tagen Abtreibung in Irland legalisieren könnte, bitten zahlreiche Initiativen des Landes um Gebete.

Der irische Priester Pater Marius O’Reilly ruft in einer Videobotschaft auf YouTube nicht nur Katholiken auf der ganzen Welt dazu auf, vor der Abstimmung für Irland zu beten. O’Reilly betont, dass, während andere Länder die Abtreibung durch Gesetze oder Gerichtsentscheidungen legalisiert haben, „Irland das erste Land der Welt wäre, in dem das Volk [per Abstimmung] die Abtreibung legalisiert würde“.

„Das können wir nicht zulassen. Und so appelliere ich heute an Sie – bitte kommen Sie zu uns. Beten Sie den Rosenkranz für Irland. Bitte lassen Sie Messen für Irland lesen“.

Am 25. Mai stimmen die irischen Bürger ab, ob sie den achten Zusatz des Landes, der das gleiche Recht auf Leben der Mutter und des ungeborenen Kindes anerkennt, aufheben wollen. Nach geltendem Recht ist die Abtreibungspraxis in Irland illegal, es sei denn, die Gesundheit der Mutter gilt als gefährdet. Pro-life irische Bürger ermutigen eine „Nein“ Abstimmung über das Referendum.

Die achte Änderung wurde 1983 in Irland mit einer Wahlbeteiligung von 67 Prozent verabschiedet. Es lautet zum Teil: „Der Staat erkennt das Recht auf das Leben des Ungeborenen an und garantiert unter gebührender Berücksichtigung des gleichen Rechts auf Leben der Mutter in seinen Gesetzen die Achtung und, soweit durchführbar, durch seine Gesetze verteidige und verteidige dieses Recht. “

Trotz des hohen Prozentsatzes der Bevölkerung (78 Prozent), der sich als katholisch identifiziert, wird mit einem knappen Ausgang gerechnet.

Vor zwei Monaten startete EWTN Irland eine 54-tägige Rosenkranz-Novene-Kampagne zur „Bekräftigung des unschätzbaren Wertes jedes menschlichen Lebens“.

Die Website der Kampagne fordert „alle Menschen guten Willens auf, sich gemeinsam für die Verteidigung der ungeborenen Kinder und ihrer Mütter einzusetzen. All jene, die sich zum Glauben bekennen, und jene, die sich zu säkularen Werten bekennen, sind eingeladen, sich gemeinsam mit einer Stimme für die ungeborenen Babys und ihre Mütter auszusprechen.“

Ein allgemeines, christliches Gebet und eine säkulare Bestätigung wurden ebenfalls auf der Website der Kampagne veröffentlicht.

EWTN Irland und viele Geistliche drängen die Katholiken besonders dazu, eine neuntägige Rosenkranznovene zu beten, die am Donnerstag, dem 17. Mai, beginnt und am Freitag, dem 25. Mai, endet, dem Tag des Referendums.

Zahlreiche weitere Initiativen, darunter Webseiten wie „Pray More Novenas„, eine Gebets- und Fasteninitiative inspiriert von der Ordensschwester Briege McKenna OSC sowie die Pro-Life-Gruppe Human Life International engagieren sich mit Gebets-Initiativen und weiteren Aktivitäten.

In seinem Video erinnert Pater O’Reilly an den Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1979, in dem er irische Bürger aufforderte, das Leben zu verteidigen.

„Er sagte zu den Iren: ‚Ihr müsst das Leben schützen‘. Er wusste, was auf uns zukommen würde. Und so nahmen die Iren dies sehr, sehr ernst und die Rosenkranzkreuzzüge begannen überall, im ganzen Land „, so O’Reilly.

Dies führte auch zu dem Vorschlag einer Verfassungsänderung, die Mutter und Kind gleichermaßen schützt, und die mit dem Referendum am 25. Mai in Frage gestellt wird: Der Achte Zusatz der Verfassung spricht sowohl der Mutter wie auch derem ungeborenen Kind ein gleichwertiges Recht auf Leben zu.

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OHNE GOTT BRECHEN DIE MENSCHENRECHTE ZUSAMMEN

Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: der Gedanke der Menschenrechte bleibt tragfähig letzten Endes nur, wenn er im Glauben an den Schöpfergott festgemacht ist.

Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) „Die Multiplikation der Rechte führt letzten Endes zur Zerstörung des Rechtsbegriffs und endet in einem nihilistischen „Recht“ des Menschen, sich selbst zu verneinen – Abtreibung, Suizid, Produktion des Menschen als Sache werden zu Rechten des Menschen, die ihn zugleich verneinen.“

Am heutigen Montag, 14. Mai 2018, erscheint weltweit der neue Band „Die Freiheit befreien – Glaube und Politik im dritten Jahrtausend“ mit politischen Texten und Reden des Theologen Joseph Ratzinger und späteren Papstes Benedikt XVI.. In Italien ist er seit dem vorhergehenden Donnerstag im Handel. Die deutschsprachige Fassung wird vom Verlag Herder herausgegeben. Das Vorwort verfasste Papst Franziskus.

Der Band enthält auch einen bisher unveröffentlichten Text, der das Datum vom 10. Oktober 2014 trägt. Darin betont Benedikt XVI. die Bedeutung des Glaubens an Gott für die Weise, wie der Mensch und seine Rechte gefasst werden.

Den Aufsatz „Die Multiplikation der Rechte und die Zerstörung des Rechtsbegriffs“ (definitiver Titel) hatte Benedikt XVI. in Reaktion auf ein Buch des italienischen Philosophen und Politikers Marcello Pera verfasst. In dessen Buch „Kirche, Menschenrechte und die Abkehr von Gott“ habe Pera seine Sicht auf die Geschichte des Liberalismus geändert:

„Mir kommt vor, dass Sie in Ihrem Buch ‚Perché dobbiamo dirci cristiani’ den Gottesgedanken der großen Liberalen anders werten als in Ihrem neuen Werk. In Ihrem neuen Opus erscheint er schon wesentlich als ein Schritt auf den Verlust des Glaubens an Gott hin.

In Ihrem ersten Buch hingegen hatten Sie für mich überzeugend dargestellt, dass der europäische Liberalismus ohne den Gottesgedanken un-verständlich und unlogisch ist. Für die Väter des Liberalismus war Gott noch Grundlage ihrer Sicht von Welt und Mensch, so dass nach diesem Buch die Logik des Liberalismus gerade das Bekenntnis zu dem Gott des christlichen Glaubens notwendig macht.

Ich verstehe, dass beide Wertungen begründet sind. Einerseits löst sich im Liberalismus der Gottesbegriff von seinen biblischen Grundlagen und verliert so langsam seine konkrete Kraft. Andererseits bleibt Gott für die großen Liberalen doch noch unverzichtbar. Man kann die eine oder andere Seite des Vorgangs stärker betonen. Ich denke, man muss sie beide nennen. Aber die Vision Ihres ersten Buches bleibt für mich unverzichtbar, dass nämlich der Liberalismus seine eigene Grundlage verliert, wenn er Gott auslässt“.

Die Multiplikation der Rechte und die Zerstörung des Rechtsbegriffs. Elemente zur Diskussion des Buches von Marcello Pera „La Chiesa, i diritti umani e il distacco da Dio“ („Kirche, Menschenrechte und die Abkehr von Gott“ 

Vatikanstadt
10. 10. 2014

Zweifellos ist Ihr Buch eine große Herausforderung an das gegenwärtige Denken, besonders auch an Kirche und Theologie. Der Hiatus zwischen den Aussagen der Päpste des 19. Jahrhunderts und der mit „Pacem in terris“ beginnenden neuen Sicht ist offenkundig und viel beredet. Er gehört ja auch zum Kernbestand des Widerspruchs von Lefèbvre und seinen Anhängern dem Konzil gegenüber. Ich fühle mich nicht imstande, eine klare Antwort auf die Problematik Ihres Buches zu geben, sondern kann nur einige Gesichtspunkte notieren, die nach meinem Dafürhalten für die weitere Debatte wichtig sein könnten.

1. Erst durch Ihr Buch ist mir klar geworden, wie sehr mit „Pacem in terris“ eine neue Richtung beginnt. Ich war mir bewusst, wie stark die Wirkung auf die italienische Politik gewesen ist, in der diese Enzyklika den entscheidenden Anstoß für die Öffnung der Democrazia Cristiana nach links gegeben hat. Ich war mir aber nicht bewusst, wie sehr sie auch in den Grundlagen ihres Denkens einen neuen Ansatz bedeutet. Dennoch hat nach meiner Erinnerung die Frage der Menschen-rechte erst durch Papst Johannes Paul II. praktisch ihren hohen Stellenwert im Lehramt und in der nachkonziliaren Theologie erhalten. Mein Eindruck ist, dass dies bei dem heiligen Papst weniger Ergebnis einer Reflexion war (die freilich bei ihm nicht fehlte), sondern Konsequenz einer praktischen Erfahrung. Gegenüber dem Totalitätsanspruch des marxistischen Staates und seiner ihn gründenden Ideologie sah er als die konkrete Waffe den Gedanken der Menschenrechte an, der die Totalität des Staates begrenzt und damit den nötigen Freiraum nicht nur für persönliches Denken, sondern vor allem auch für den Glauben der Christen und die Rechte der Kirche bietet.

Die säkulare Figur der Menschenrechte, wie sie 1948 formuliert worden waren, erschien ihm offensichtlich als die rationale Gegenkraft gegenüber dem alles umfassenden ideologischen und praktischen Anspruch des marxistisch begründeten Staates. So hat er als Papst das Anliegen der Menschenrechte als eine von der allgemeinen Vernunft anerkannte Macht weltweit gegen Diktaturen aller Art eingesetzt. Dieser Einsatz galt nun nicht mehr nur atheistischen Diktaturen, sondern auch religiös begründeten Staaten, wie sie uns vor allem in der islamischen Welt begegnen.

Der Verschmelzung von Politik und Religion im Islam, die notwendig die Freiheit anderer Religionen, so auch der Christen, einschränkt, wird die Freiheit des Glaubens entgegengestellt, die nun in gewissem Maß auch den laikalen Staat als richtige Staatsform ansieht, in der die Freiheit des Glaubens Platz findet, auf die die Christen von Anfang an Anspruch erhoben haben. Johannes Paul II. wusste sich dabei gerade auch in innerer Kontinuität mit der werdenden Kirche. Sie stand einem Staat gegenüber, der zwar religiöse Toleranz durchaus kannte, aber eine letzte Identifikation von staatlicher und göttlicher Autorität festhielt, der die Christen nicht zustimmen konnten. Der christliche Glaube, der eine universale Religion für alle Menschen verkündet, schloss damit notwendig eine grundsätzliche Begrenzung der Staatsautorität durch Recht und Pflicht des einzelnen Gewissens ein. Dabei wurde zwar nicht der Gedanke von Menschenrechten formuliert.

Es ging vielmehr darum, den Gehorsam des Menschen Gott gegenüber als Grenze dem Staatsgehorsam entgegenzustellen. Aber mir scheint, daß es nicht unberechtigt ist, die Gehorsamspflicht des Menschen Gott gegenüber als Recht dem Staat gegenüber zu formulieren, und insofern war es wohl durchaus logisch, wenn Johannes Paul II. in der christlichen Relativierung des Staates für die Freiheit des Gehorsams Gott gegenüber ein Menschenrecht ausgedrückt fand, das jeder staatlichen Autorität voraus liegt. In diesem Sinn konnte der Papst nach meinem Dafürhalten durchaus eine innere Kontinuität des Grundgedankens der Menschenrechte mit der christlichen Überlieferung behaupten, auch wenn die sprachlichen und gedanklichen Instrumente weit auseinander liegen.

2. Nach meinem Dafürhalten ist in der Lehre von der Gottebenbildlichkeit des Menschen in der Sache enthalten, was Kant ausgedrückt hat, wenn er den Menschen als Zweck und nicht als Mittel bezeichnet. Man könnte auch sagen, es sei enthalten, dass der Mensch Rechtssubjekt und nicht nur Rechtsobjekt ist. In Gen 9,5f kommt dieser elementare Grundbestand der Menschenrechtsidee, wie mir scheint, deutlich zum Ausdruck: „… Für das Leben des Menschen fordere ich Rechenschaft von jedem seiner Brüder. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut wird durch Menschen vergossen. Denn: Als Abbild Gottes hat er den Menschen gemacht.“ Die Gottebenbildlichkeit des Menschen schließt ein, dass sein Leben unter dem besonderen Schutz Gottes steht – dass er vor menschlichen Rechtssetzungen Träger eines von Gott selbst gesetzten Rechtes ist.

Diese Ansicht hat zu Beginn der Neuzeit bei der Entdeckung Amerikas grundlegende Bedeutung gewonnen. Da all die neu entdeckten Völker nicht getauft waren, erhob sich die Frage, ob sie überhaupt irgendwelche Rechte hätten. Zu eigentlichen Rechtssubjekten wurden sie nach der herrschenden Meinung erst durch die Taufe. Die Erkenntnis, dass sie von der Schöpfung her Ebenbild Gottes waren und auch nach der Erbsünde blieben, bedeutete zugleich die Einsicht, dass sie auch vor der Taufe schon Rechtssubjekte waren und Anspruch auf die Achtung ihres Menschseins erheben durften. Mir scheint, das hier „Menschenrechte“ erkannt wurden, die der Annahme des christlichen Glaubens und jeder wie auch immer gearteten staatlichen Macht voraus liegen.

Wenn ich recht sehe, hat Johannes Paul II. sein Engagement für die Menschenrechte in Kontinuität mit der Haltung der alten Kirche dem römischen Staat gegenüber verstanden. Tatsächlich hatte der Auftrag des Herrn, alle Völker zu seinen Schülern zu machen, eine neue Situation im Verhältnis zwischen Religion und Staat geschaffen. Eine Religion mit Universalitätsanspruch gab es bis dahin nicht. Die Religion war ein wesentlicher Teil der Identität der jeweiligen Gesellschaft.

Der Auftrag Jesu bedeutet unmittelbar nicht das Verlangen nach einer Änderung in der Struktur der einzelnen Gesellschaften. Aber er verlangt, dass in allen Gesellschaften die Möglichkeit offen bleibt, seine Botschaft anzuerkennen und nach ihr zu leben. Damit ist zunächst vor allem das Wesen der Religion neu definiert: Sie ist nicht Ritus und Observanz, die letztlich die Identität des Staates garantiert. Sie ist vielmehr Erkenntnis (Glaube), und zwar Erkenntnis von Wahrheit. Da der menschliche Geist auf die Wahrheit hin geschaffen ist, ist es klar, dass Wahrheit verpflichtet, aber nicht im Sinn einer positivistischen Pflichtethik, sondern von ihrem Wesen her und dass sie gerade so den Menschen frei macht.

Diese Verbindung von Religion und Wahrheit schließt ein Freiheitsrecht ein, das man in einer inneren Kontinuität mit dem wahren Kern der Menschenrechtslehre sehen darf, wie Johannes Paul II. es offensichtlich getan hat.

3. Sie haben mit Recht die augustinische Idee von Staat und Geschichte grundlegend dargestellt und zur Basis Ihrer Sicht der christlichen Staatslehre gemacht. Vielleicht hätte aber auch die aristotelische Vision noch mehr Beachtung verdient. Soweit ich sehen kann, ist sie im Mittelalter allerdings in der kirchlichen Tradition kaum zum Tragen gekommen, vor allem nachdem ihre Aufnahme durch Marsillius von Padua in Widerspruch mit dem kirchlichen Lehramt geraten war. Um so mehr ist sie dann seit dem 19. Jahrhundert in der sich entfaltenden katholischen Soziallehre aufgegriffen worden. Man geht nun von einem doppelten Ordo aus – dem Ordo naturalis und dem Ordo supernaturalis -, wobei der Ordo naturalis als in sich komplett betrachtet wird. Man betont ausdrücklich, dass der Ordo supernaturalis frei hinzugefügt sei und reine Gnade bedeute, die vom Ordo naturalis her nicht gefordert werden kann.

Mit der Konstruktion des rein rational zu erfassenden Ordo naturalis versuchte man, eine Argumentationsbasis zu gewinnen, auf der die Kirche ihre ethischen Positionen rein rational in den politischen Disput einbringen konnte. Richtig an dieser Sicht ist, dass auch nach der Erbsünde die Schöpfungsordnung zwar verwundet, aber nicht völlig zerstört ist. Das wahre Humanum zur Geltung zu bringen, wo der Anspruch des Glaubens nicht erhoben werden kann und soll, ist an sich eine angemessene Position. Sie entspricht der Selbständigkeit des Schöpfungsbereichs und der wesentlichen Freiheit des Glaubens. Insofern ist eine schöpfungstheologisch vertiefte Vision des Ordo naturalis im Anschluß an die aristotelische Staatslehre gerechtfertigt, ja, wohl notwendig. Freilich gibt es auch Gefahren:

a) Man vergisst sehr leicht die Realität der Erbsünde und kommt zu Optimismen, die naiv und nicht wirklichkeitsgerecht sind.

b) Wenn der Ordo naturalis als eine in sich komplette und des Evangeliums nicht bedürftige Ganzheit angesehen wird, besteht die Gefahr, dass das eigentlich Christliche als ein letztlich überflüssiger Überbau über das natürliche Menschsein erscheint. Tatsächlich kann ich mich erinnern, dass mir einmal der Entwurf für ein Dokument vorgelegt wurde, in dem zwar am Ende fromme Phrasen auftauchten, aber während des ganzen Argumentationsgangs nicht nur Jesus Christus und sein Evangelium, sondern auch Gott nicht vorkamen und so als überflüssig erschienen.

Man glaubte anscheinend, eine rein rationale Naturordnung konstruieren zu können, die dann aber rational doch nicht zwingend ist und andererseits das eigentlich Christliche ins bloß Sentimentale abzudrängen droht. Insofern wird hier die Grenze des Versuchs deutlich sichtbar, einen in sich geschlossenen, genügenden Ordo naturalis auszuarbeiten. P. de Lubac hat in seinem Werk „Surnaturel“ zu beweisen versucht, dass Thomas von Aquin selbst, auf den man sich dabei berief, es gerade nicht so gemeint hatte.

c) Ein wesentliches Problem eines solchen Versuchs besteht darin, dass mit dem Vergessen der Erbsündenlehre ein naives Vernunftvertrauen entsteht, das die tatsächliche Komplexität rationaler Erkenntnis im ethischen Bereich nicht wahrnimmt. Das Drama des Streits um das Naturrecht zeigt deutlich, dass die metaphysische Rationalität, die hier vorausgesetzt wird, nicht ohne weiteres einleuchtet. Mir scheint, dass der späte Kelsen recht hatte, wenn er sagte, die Ableitung eines Sollens aus dem Sein sei nur dann vernünftig, wenn ein Jemand im Sein ein Sollen hinterlegt hat.

Diese These freilich ist für ihn nicht diskussionswürdig. Insofern scheint mir doch alles letztlich am Gottesbegriff zu liegen. Wenn Gott ist, wenn ein Schöpfer ist, dann kann auch das Sein von ihm sprechen und dem Menschen ein Sollen aufzeigen. Wenn nicht, dann wird Ethos letztlich aufs Pragmatische reduziert. Deshalb habe ich in meiner Verkündigung und in meinen Schriften immer auf der Zentralität der Gottesfrage bestanden. Mir scheint, dass dies der Punkt ist, in dem die Vision Ihres Buches und mein Denken grundsätzlich übereinstimmen. Der Gedanke der Menschenrechte bleibt tragfähig letzten Endes nur, wenn er im Glauben an den Schöpfergott festgemacht ist. Von dort empfängt er seine Grenze und zugleich seine Begründung.

4. Mir kommt vor, dass Sie in Ihrem Buch „Perché dobbiamo dirci cristiani“ den Gottesgedanken der großen Liberalen anders werten als in Ihrem neuen Werk. In Ihrem neuen Opus erscheint er schon wesentlich als ein Schritt auf den Verlust des Glaubens an Gott hin. In Ihrem ersten Buch hingegen hatten Sie für mich überzeugend dargestellt, dass der europäische Liberalismus ohne den Gottesgedanken unverständlich und unlogisch ist. Für die Väter des Liberalismus war Gott noch Grundlage ihrer Sicht von Welt und Mensch, so dass nach diesem Buch die Logik des Liberalismus gerade das Bekenntnis zu dem Gott des christlichen Glaubens notwendig macht.

Ich verstehe, dass beide Wertungen begründet sind. Einerseits löst sich im Liberalismus der Gottesbegriff von seinen biblischen Grundlagen und verliert so langsam seine konkrete Kraft. Andererseits bleibt Gott für die großen Liberalen doch noch unverzichtbar. Man kann die eine oder andere Seite des Vorgangs stärker betonen. Ich denke, man muss sie beide nennen. Aber die Vision Ihres ersten Buches bleibt für mich unverzichtbar, dass nämlich der Liberalismus seine eigene Grundlage verliert, wenn er Gott auslässt.

5. Der Gottesbegriff schließt einen Grundbegriff des Menschen als Rechtssubjekt ein, begründet und begrenzt damit zugleich die Idee der Menschenrechte. Was geschieht, wenn der Begriff der Menschenrechte vom Gottesbegriff abgelöst wird, haben Sie eindringlich und überzeugend in Ihrem Buch dargestellt. Die Multiplikation der Rechte führt letzten Endes zur Zerstörung des Rechtsbegriffs und endet in einem nihilistischen „Recht“ des Menschen, sich selbst zu verneinen – Abtreibung, Suizid, Produktion des Menschen als Sache werden zu Rechten des Menschen, die ihn zugleich verneinen. So wird in Ihrem Buch überzeugend klar, dass der vom Gottesbegriff getrennte Begriff der Menschenrechte letzten Endes nicht nur zur Marginalisierung des Christentums, sondern letztlich zu seiner Negation führt. Dieses nach meinem Dafürhalten eigentliche Anliegen Ihres Buches ist angesichts der gegenwärtigen geistigen Entwicklung des Westens, der immer mehr seine christliche Grundlage negiert und sich gegen sie kehrt, von hoher Bedeutung.

Benedikt XVI.

kath.net dankt Seiner Heiligkeit für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung. 

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WAS DIE KATHOLISCHE KIRCHE ÜBER DIE ABTREIBUNG LEHRT:

 

Die Kongregation für die Glaubenslehre bekräftigt erneut, dass sich die Lehre der Kirche über die Abtreibung nicht geändert hat und sich nicht ändern kann. Diese Lehre wird in den Nummern 2270-2273 des Katechismus der Katholischen Kirche mit folgenden Worten dargelegt:

„Das menschliche Leben ist vom Augenblick der Empfängnis an absolut zu achten und zu schützen. Schon im ersten Augenblick seines Daseins sind dem menschlichen Wesen die Rechte der Person zuzuerkennen, darunter das unverletzliche Recht jedes unschuldigen Wesens auf das Leben. „Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt“ (Jer 1,5) „Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen“ (Ps 139,15)“.

Seit dem ersten Jahrhundert hat die Kirche es für moralisch verwerflich erklärt, eine Abtreibung herbeizuführen. Diese Lehre hat sich nicht geändert und ist unveränderlich. Eine direkte, das heißt eine als Ziel oder Mittel gewollte Abtreibung stellt ein schweres Vergehen gegen das sittliche Gesetz dar: „Du sollst … nicht abtreiben noch ein Neugeborenes töten“ (Didaché 2,2). Gott, der Herr des Lebens, hat nämlich den Menschen die hohe Aufgabe der Erhaltung des Lebens übertragen, die auf eine menschenwürdige Weise erfüllt werden muss. Das Leben ist daher von der Empfängnis an mit höchster Sorgfalt zu schützen. Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuenswürdige Verbrechen“ (Gaudium et spes, 51,3).

Die formelle Mitwirkung an einer Abtreibung ist ein schweres Vergehen. Die Kirche ahndet dieses Vergehen gegen das menschliche Leben mit der Kirchenstrafe der Exkommunikation. „Wer eine Abtreibung vornimmt, zieht sich mit erfolgter Ausführung die Tatstrafe der Exkommunikation zu“ (CIC, can. 1398), so dass sie von selbst durch Begehen der Straftat eintritt’ 1463 (CIC, can. 1314) unter den im Recht vorgesehenen Bedingungen (CIC, cann. 1323-1324). Die Kirche will dadurch die Barmherzigkeit nicht einengen; sie zeigt aber mit Nachdruck die Schwere des begangenen Verbrechens und den nicht wieder gutzumachenden Schaden auf, der dem unschuldig getöteten Kind, seinen Eltern und der ganzen Gesellschaft angetan wird.

Das unveräußerliche Recht jedes unschuldigen Menschen auf Leben bildet ein grundlegendes Element der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Gesetzgebung. „Die unveräußerlichen Rechte der Person müssen von der bürgerlichen Gesellschaft und von der staatlichen Macht anerkannt und geachtet werden: Diese Rechte des Menschen hängen weder von den einzelnen Individuen noch von den Eltern ab und stellen auch nicht ein Zugeständnis der Gesellschaft und des Staates dar. Sie gehören zur menschlichen Natur und wurzeln in der Person kraft des Schöpfungsaktes, aus dem sie ihren Ursprung genommen hat. Unter diese fundamentalen Rechte muss man in diesem Zusammenhang zählen: das Recht auf Leben und auf leibliche Unversehrtheit jedes menschlichen Wesens vom Augenblick der Empfängnis an bis zum Tod“ (Donum vitae, 3). „In dem Augenblick, in dem ein positives Gesetz eine Kategorie von Menschen des Schutzes beraubt, den die bürgerliche Gesetzgebung ihnen gewähren muss, leugnet der Staat die Gleichheit aller vor dem Gesetz. Wenn die Staatsmacht sich nicht in den Dienst der Rechte jedes Bürgers stellt, und in besonderer Weise dessen, der am schwächsten ist, dann werden die Grundmauern des Rechtsstaates untergraben … Als Folge der Achtung und des Schutzes, die man dem Ungeborenen vom Augenblick seiner Empfängnis an zusichern muss, muss das Gesetz die geeigneten Strafmaßnahmen für jede gewollte Verletzung seiner Rechte vorsehen“ (Donum vitae, 3).“

In der Enzyklika Evangelium vitae hat Papst Johannes Paul II. diese Lehre mit seiner Autorität als oberster Hirte der Kirche bestätigt: „Mit der Autorität, die Christus Petrus und seinen Nachfolgern übertragen hat, erkläre ich deshalb in Gemeinschaft mit den Bischöfen — die mehrfach die Abtreibung verurteilt und, obwohl sie über die Welt verstreut sind, bei der eingangs erwähnten Konsultation dieser Lehre einhellig zugestimmt haben — dass die direkte, das heißt als Ziel oder Mittel gewollte Abtreibung immer ein schweres sittliches Vergehen darstellt, nämlich die vorsätzliche Tötung eines unschuldigen Menschen. Diese Lehre ist auf dem Naturrecht und auf dem geschriebenen Wort Gottes begründet, von der Tradition der Kirche überliefert und vom ordentlichen und allgemeinen Lehramt der Kirche gelehrt“ (Nr. 62).

Was die Abtreibung in einigen schwierigen und komplexen Situationen anbelangt, gilt die klare und genaue Lehre von Papst Johannes Paul II.: „Gewiss nimmt der Entschluss zur Abtreibung für die Mutter sehr oft einen dramatischen und schmerzlichen Charakter an, wenn die Entscheidung, sich der Frucht der Empfängnis zu entledigen, nicht aus rein egoistischen und Bequemlichkeitsgründen gefasst wurde, sondern weil manche wichtigen Güter, wie die eigene Gesundheit oder ein anständiges Lebensniveau für die anderen Mitglieder der Familie gewahrt werden sollten. Manchmal sind für das Ungeborene Existenzbedingungen zu befürchten, die den Gedanken aufkommen lassen, es wäre für dieses besser nicht geboren zu werden. Niemals jedoch können diese und ähnliche Gründe, mögen sie noch so ernst und dramatisch sein, die vorsätzliche Vernichtung eines unschuldigen Menschen rechtfertigen“ (Evangelium vitae, 58).

Was die Problematik bestimmter medizinischer Maßnahmen zur Bewahrung der Gesundheit der Mutter betrifft, muss man genau zwischen zwei Tatbeständen unterscheiden: auf der einen Seite dem Eingriff, der den Tod des Fötus direkt herbeiführt und manchmal auf unangemessene Weise als „therapeutische“ Abtreibung beschrieben wird, was niemals erlaubt sein kann, da es sich um die direkte Tötung eines unschuldigen menschlichen Wesens handelt; auf der anderen Seite einem Eingriff, der in sich nicht die Abtreibung bezweckt, jedoch als Nebeneffekt den Tod des Kindes zur Folge haben kann: „Wenn z.B. die Rettung des Lebens der zukünftigen Mutter, unabhängig von ihrem Zustand der Schwangerschaft, dringend einen chirurgischen Eingriff oder eine andere therapeutische Behandlung erfordern würde, die als keineswegs gewollte oder beabsichtigte, aber unvermeidliche Nebenfolge den Tod des keimenden Lebens zur Folge hätte, könnte man einen solchen Eingriff nicht als einen direkten Angriff auf schuldloses Leben bezeichnen. Unter solchen Bedingungen kann die Operation erlaubt sein wie andere vergleichbare ärztliche Eingriffe, immer vorausgesetzt, dass ein hohes Gut, wie es das Leben ist, auf dem Spiele steht, dass der Eingriff nicht bis nach der Geburt des Kindes verschoben werden kann und kein anderer wirksamer Ausweg gangbar ist“ (Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des Kongresses der „Front der Familie“ und des Verbandes der kinderreichen Familien, 27. November 1951).

Was die Verantwortung der im Gesundheitswesen Tätigen betrifft, so muss an die Worte von Papst Johannes Paul II. erinnert werden: „Ihr Beruf macht sie zu Hütern und Dienern des menschlichen Lebens. In dem heutigen kulturellen und sozialen Umfeld, in dem die Wissenschaft und die ärztliche Kunst Gefahr laufen, die ihnen eigene ethische Dimension zu verlieren, können sie bisweilen stark versucht sein, zu Urhebern der Manipulation des Lebens oder gar zu Todesvollstreckern zu werden. Angesichts dieser Versuchung ist ihre Verantwortung heute enorm gewachsen und findet ihre tiefste Inspiration und stärkste Stütze gerade in der dem Ärzteberuf innewohnenden, unumgänglichen ethischen Dimension, wie schon der alte und immer noch aktuelle hippokratische Eid erkannte, demgemäß von jedem Arzt verlangt wird, sich zur absoluten Achtung vor dem menschlichen Leben und seiner Heiligkeit zu verpflichten“ (Evangelium vitae, 89).

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Wie das kirchliche Zeugnis für das Leben noch mehr verdunkelt wird

Hier handelt es sich um einen politisch motivierten Schlußstrich – Ein Kommentar von Peter Winnemöller zur Annäherung der Deutschen Bischofskonferenz an den Verein „Donum vitae“

Bonn (kath.net)
Der Konflikt ist über 20 Jahren alt. Der Heilige Papst Johannes Paul II. hatte den deutschen Bischöfen nach einem dramatischen Konflikt untersagt, am staatlichen Beratungssystem gemäß §219a StGB teilzunehmen. Die ausgestellten Beratungsscheine berechtigen zur straffreien Tötung eines ungeborenen Menschen. Durch die Mitwirkung an diesem System sah der Papst das Zeugnis der Kirche für das Leben verdunkelt.

Das Kirchenrecht ist zudem sehr klar darin, daß jeder, der an einer Abtreibung mitwirkt, sich die Exkommunikation als Tatstrafe zuzieht. Dies dürfte auch auf alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Donum vitae zutreffen, insofern sie katholisch sind und jemals einen Beratungsschein ausgestellt haben, der zur Tötung eines ungeborenen Menschen geführt hat.

Noch 2007 forderte der damalige Präfekt der Glaubenskongregation den Münchener Kardinal Wetter auf, dafür zu sorgen, daß die Gläubigen auf jegliche Form der Unterstützung von Donum vitae verzichten. Im selben Jahr stellte Bischof Algermissen klar, daß es sich bei Donum vitae nicht um einen katholischen Verein handele. Zu groß sind die Diffenenzen in Fragen der Moral, wie der Bischof feststellte. (http://www.kath.net/news/18046)

In einem Schreiben an den Präsidenten des ZdK würdigte Reinhard Kardinal Marx nun das Wirken ausgerechnet dieses Vereins Donum vitae und bescheinigte den Mitglieder wörtlich, „dass das Ziel von Donum Vitae ebenso wie das der bischöflich verantworteten Schwangerenberatung der Schutz des ungeborenen Menschen“ sei. Der Kardinal ließ im Unklaren, wie dies mit der für alle Katholiken verbotenen Ausstellung der Beratungsscheine in Einklang zu bringen ist.

Ferner bestätigte der Vorsitzende der DBK, daß künftig ehemalige Mitarbeiterinnen von Donum vitae in kirchlichen Beratungsstellen beschäftigt werden können. Mit diesem Schreiben hat der Vorsitzende der DBK eine radikale Kehrtwende vollzogen. Die Beurteilung von Donum vitae, die der Kardinal vornimmt unterscheidet sich fundamental vom bisherigen Urteil der Kirche. Versöhnung ist mmer gut. Heilung von schwärenden Wunden stellt einen Segen dar. Doch von beidem kann in diesem Falle nicht die Rede sein. Zur Versöhnung und Heilung gehört Klarheit und Wahrheit. Hier jedoch handelt es sich um einen politisch motivierten Schlußstrich.

Es ist grundsätzlich nicht auszuschließen, daß künftig in einer kirchlichen Beratungsstelle de facto exkommunizierte Mitarbeiter tätig sind, die in der Vergangenheit per Beratungsschein unmittelbar Abtreibungen mit verursacht haben. Damit tritt genau die Verdunkelung des Zeugnisses für das Leben ein, die Papst Johannes Paul II. seinerzeit zu verhindern suchte. Man muß sehr naiv sein, um anzunehmen, daß ein neuer Arbeitsvertrag bei einem neuen Dienstherrn schon gleich zu einem kompletten Gesinnungswandel führt. Es ist nicht sonderlich schwer sich das folgende Szenario vorzustellen.

Eine Frau in einem Schwangerschaftskonflikt sucht eine kirchliche Beratungsstelle auf. Nach der Beratung verlangt sie den Schein, den die Kirche jedoch nicht ausstellen kann. Die Mitarbeiterinnen müssen das ablehnen. Die ehemalige Donum vitae – Mitarbeiterin jedoch wechselt nur kurz das Namensschild an der Jacke, zieht ein Formular mit Briefkopf von Donum vitae aus der Tasche und stellt den Beratungsschein aus. Der kirchliche Träger leugnet jedes Wissen davon und wäscht seine Hände in Unschuld. Man mag bitte den Beweis führen, daß ein solches oder ähnliches Szenario absolut nicht denkbar ist oder mindestens zur sofortigen fristlosen Kündigung führen würde. Eine grausige Vorstellung ist es allemal.

Wer sich klarmacht, wie problematisch das Verhältnis der DBK zum BvL (Bundesverband Lebensrecht) und den darin vertretenen Organisationen ist, kann sich nach diesem Schreiben des DBK- Vorsitzenden nur fragen, ob sich die Kirche in Deutschland so langsam aber sicher von einem eindeutigen Zeugnis für das Leben verabschieden will. Während der BvL und alle darin zusammengeschlossenen Vereine und Verbände ein klares und völlig eindeutiges Zeugnis für das Leben geben, stellt Donum vitae die unseligen Scheine aus. Wer gibt ein Zeugnis für das Leben?

Die Unschärfe die der Vorsitzende der DBK hier durchschimmer läßt, spricht eine nur zu deutliche Sprache. Denn eigentlich ist ja nichts passiert. Alles nur reine Diplomatie. An der Lehre hat sich nichts geändert. Es gab ja nur einen freundlichen Briefwechsel. Die Zeit der Konfrontation ist vorbei. Der Konflikt ist fast beigelegt.

Und wer dagegen meckert kann ja nur eine Spaßbremse sein. Oder?

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Siehe dazu:

Präsident Trump: „Jedes Leben ist heilig“

US-Präsident Donald Trump spricht am 19.01.2018 vor dem Weißen Haus in Washington (USA) zu den Teilnehmern einer «March for Life» Veranstaltung. Die «March for Life» Bewegung ist eine Organisation von Abtreibungsgegnern, die die Legalisierung von Abtreibungen in den USA rückgängig machen wollen. Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++ |

 

In einer Videobotschaft wendet sich der Republikaner als erster amtierender US-Präsident an die Teilnehmer des Marsches für das Leben.

Jedes Leben ist heilig. Diese Meinung vertrat US-Präsident Donald Trump in einer Videobotschaft zum 45. Marsch für das Leben in Washington. Sie wurde live aus dem Rosengarten des Weißen Hauses auf Leinwände an der „National Mall“ in Washington übertragen. Trump ist der erste amtierende Präsident, der sich auf diesem Weg an die Teilnehmer des Protestzuges gegen Abtreibung wandte. Andere Präsidenten wie Ronald Reagan (1911–2004), George Bush senior und junior hatten per Telefon zu den Lebensschützern gesprochen. Trump sagte in seiner Rede an die Demonstranten, ihre Bewegung sei „aus Liebe geboren“: „Ihr liebt eure Familien, ihr liebt eure Nachbarn und ihr liebt jedes Kind – geboren und ungeboren – weil ihr daran glaubt, dass jedes Leben heilig und jedes Kind ein kostbares Geschenk von Gott ist.“ Der Marsch für das Leben stehe für „die Heiligkeit des Lebens und die Familie als Grundlage unserer Gesellschaft“. Das Leben sei „das größte Wunder von allen“. Der Präsident forderte einen stärkeren Schutz für ungeborene Kinder. Die USA seien eines der wenigen Länder, die Schwangerschaftsabbrüche nach der 20. Woche zuließen. Trump rief den Senat auf, einer Gesetzesinitiative zuzustimmen, die solche Abtreibungen in den meisten Fällen verbieten solle.

DT/idea

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Kardinal Dolan: Kampf gegen Abtreibung ist Kampf gegen ‚Kraft der Finsternis‘

Cardinal Timothy Dolan at the Vigil for Life at the Basilica of the National Shrine of the Immaculate Conception, January 18, 2018. Credit: Jonah McKeown/CNA.

Tausende Jugendliche, hunderte Priester, dutzende Bischöfe und Kardinäle bei großer Gebetsvigil in Washington DC – Fotos, Video – kath.net-Bericht von Roland Noé direkt aus Washington DC.

Washington DC. (kath.net/rn)
Was für ein liturgisches „Event“. Wenige Stunden vor dem großen Marsch für das Leben in Washington DC fand in einer überfüllten katholischen Basilika eine große Gebetsvigil für das Leben statt, die mit einer Heiligen Messe begann. Bereits zwei Stunden vor Beginn war die Basilika mit vielen tausenden überwiegend jungen Menschen so voll, dass kein freier Sitzplatz mehr zu finden war. Die Gläubigen standen dichtgedrängt auf jeder möglichen Fläche, die noch irgendwie frei zugänglich war. So war man bei der Hl. Messe von Schülern einer katholischen Mädchenschule, Schülern einer Jesuitenschule, jungen Marinesoldaten, einem jungen Ehepaar und einer Ordensschwestern umzingelt, fast alle lächelten einem freundlich zu. Die Ordner waren zum Teil mit dem Ansturm völlig überfordert, doch sie agierten mit „italienischer“ Flexibilität und ohne „deutsche“ Ordnungsgründlichkeit.

„For the sake of His sorrowful Passion, have mercy on us and on the whole world“ (Durch Sein schmerzhaftes Leiden habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.), tönte es vor der Hl. Messe tausendfach beim Gebet des Barmherzigkeitsrosenkranzess.

An den Feierlichkeiten nahmen neben vielen hunderten Priestern auch dutzende Kardinäle und Bischöfe teil und zeigten eindrucksvoll, dass ein Pro-Life-Engagement in den USA von einer großen katholischen Breite mitgetragen wird, etwas, was man aus dem deutschsprachigen Raum nicht kennt. Der Einzug der Priester und Bischöfe dauerte mehr als 15 Minuten, man staunte, wie viele hunderte Priester man im liturgischen Altarraum in der wunderschönen Basilika unterbringen konnte. Mit liturgischen Gesängen, die unter die Haut gingen, erlebte man dann einen Gottesdienst, der mit jeder großen Papstmesse ganz leicht mithalten kann. „Es war Himmel auf Erden“, meinte ein Teilnehmer nach der Heiligen Messe.

Hauptzelebrant der Feier war Timothy Kardinal Dolan aus New York. Dieser erinnerte daran, dass die Schlacht um das Ende der Abtreibung nicht alleine auf dem politischen Felde gewonnen werde. Zuerst sei dies ein geistlicher Kampf, bei dem Abtreibung als „Kraft der Finsternis“ anerkannt werden müsse. „Die Kräfte, denen wir begegnen, sind nicht nur diejenigen die wir sehen, diese sind bedrohlich genug. Ich fürchte, dass wir gegen Mächte kämpfen, die wir nicht sehen. Diese Mächte sind stärker als alles in der Schöpfung.“ Nur Christus, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, könne uns hier retten.

Dolan erinnerte dann daran, dass Papst Franziskus zuletzt diese Kräfte als „Wegwerfgesellschaft“ bezeichnet und Johannes Paul II von einer Kultur des Todes gesprochen hatte. „Papst Franziskus hat uns oft daran erinnert, dass wir Narren wären, wenn wir die Macht Satans nicht ernst nähmen. Wir sind heute Abend hier um zu beten, nicht als Krieger, sondern als Aposteln des Lebens, als Apostel, nicht solche, die mit Geld, mit Hass oder destruktiven Worten, sondern solche, die mit Liebe und Freude bewaffnet sind.“

Der Kardinal erinnerte auch an Martin Luther King, der für Zivilrechte für diejenigen eingetreten war, die von gewissen Rechten ausgeschlossen wurden. Pro-Life-Anwälte müssen daher dafür eintreten, dass die kleinen Kinder ebenfalls Zivilrechte bekommen. Ein Teil des Kampfes für das Leben ist daher die Lobby-Arbeit für das Leben. Dolan ermutigte die Teilnehmer, dies den gewählten Politikern immer wieder auch mitzuteilen. Dies müssen die Stimme der vielen Millionen hören. „Wir sind hier um zu sagen, dass wir nicht aufgeben werden.“

Bemerkenswert beim Gottesdienst war auch, dass im liturgischen Heft für die Feier an die Richtlinien zum Empfang der Heiligen Kommunion der US-Bischofskonferenz erinnert wurde, etwas, das nicht einmal bei normalen Papstmessen stattfindet. So wird daran hingewiesen, dass beispielsweise Nicht-Christen die Heilige Eucharistie unter keinen Umständen empfangen können und Mitglieder von anderen christlichen Bekenntnissen normalerweise auch nicht zur Heiligen Eucharistie zugelassen sind.

Am Ende der Heiligen Messe freuten sich die deutschsprachigen Teilnehmer dann über ein bekanntes Lied: „Holy God, We Praise Thy Name“ („Großer Gott, wir loben Dich.) Nach dem Auszug begann die lange Nacht des Gebetes. Viele Priester hörten auch Beichte, manche Jugendliche stärkten sich zuerst beim Starbucks in der Nähe der Basilika, um dann an der Anbetung teilzunehmen. Ein kleines Fazit: Um die katholische Kirche in den USA muss man sich angesichts dieses kraftvollen Auftretens deutlich weniger Sorgen machen als um die katholische Kirche in unseren Breitengraden.

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