Kardinal Marx schlägt Europäischen Konvent vor

Franziskus am Samstag mit EU-Parlamentspräsident Tajani – AP

Kardinal Reinhard Marx hat die Einberufung eines neuen Europäischen Konvents vorgeschlagen, um die europäische Idee wieder mit Leben zu füllen. Es sei wichtig, „Räume des Dialogs für den ganzen Kontinent“ zu schaffen, sagte er am Samstagabend auf einem Kongress im Vatikan. Der Europäische Konvent solle „die großen Fragen der Einigung offen beraten“; dabei müssten „sowohl die Einzelnen als auch die gesellschaftlichen Gruppen die Möglichkeit zur Beteiligung an der Debatte haben“.

Der Münchner Erzbischof Marx ist Präsident der Kommission der katholischen Bischofskonferenzen in der EU (ComECE). Er sprach auf einem von der ComECE organisierten Kongress mit dem Titel „(Re)thinking Europe“ im Vatikan. Dabei bekräftigte er, die Kirche wolle „die Entwicklung einer europäischen Gesellschaft mit befördern“.

Wir geben das Projekt Europa nicht auf

Europa stehe an einem entscheidenden Punkt seiner Entwicklung, so Kardinal Marx. Es stelle sich die Frage, ob der Kontinent sich wieder auseinanderentwickle und zu überkommenen Mustern zurückkehre, oder ob er Kraft zu einem neuen Aufbruch finde. Marx wörtlich: „Jetzt ist die Stunde Europas. Jetzt ist die Stunde der Christen in Europa… Wir geben das Projekt Europa nicht auf, sondern nehmen es neu an.“

An der zweitägigen Dialogveranstaltung im Vatikan, die auf eine Anregung von Papst Franziskus zurückging, nahmen etwa 350 Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft aus allen 28 EU-Mitgliedsstaaten teil. Der Papst – Träger des Aachener Karlspreises für Verdienste um die europäische Einigung – rief sie am Samstagabend dazu auf, „Europa wieder eine Seele zu geben“.

(rv 29.10.2017 sk)

Bischofssynode in Rom: Wortbeitrag von Kardinal Reinhard Marx

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(Dokument der Deutschen Bischofskonferenz)

Auf der Bischofssynode in Rom hat am vergangenen Mittwoch (14. Oktober 2015) Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, zum dritten Kapitel des Instrumentum laboris gesprochen. Wir dokumentieren seinen Redebeitrag vor der Synode:

Das Zweite Vatikanische Konzil hat vor 50 Jahren das Evangelium wieder zu einer Quelle der Inspiration für das persönliche und gesellschaftliche Leben gemacht. Das gilt auch für das „Evangelium von der Familie“ (Papst Franziskus). In der Pastoralkonstitution Gaudium et spes (GS) hat es eine Ehelehre entwickelt, die von den Päpsten nach dem Konzil entfaltet wurde und die Ehe- und Familienpastoral der Kirche auch gegenwärtig inspiriert. Auch wenn das Konzil nicht alle Fragen beantwortet hat, die uns heute beschäftigen, so hat es doch die theologischen Grundlagen gelegt, die uns helfen, unsere gegenwärtigen Fragen zu beantworten.

Das Konzil versteht die Ehe als „innige Gemeinschaft des Lebens und der Liebe“ (GS, Nr. 48) und entfaltet die Ehelehre im Rahmen einer Theologie der Liebe. Die Liebe zwischen Mann und Frau „geht in frei bejahter Neigung von Person zu Person, umgreift das Wohl der ganzen Person, vermag so den leib-seelischen Ausdrucksmöglichkeiten eine eigene Würde zu verleihen und sie als Elemente und besondere Zeichen der ehelichen Freundschaft zu adeln“. Diese Liebe „durchdringt (das) ganze Leben; ja gerade durch ihre Selbstlosigkeit in Leben und Tun verwirklicht sie sich und wächst“ (vgl. GS, Nr. 49). Das Konzil betont, dass diese Liebe zwischen Mann und Frau des institutionellen und rechtlichen Rahmens der Ehe bedarf, um sich dauerhaft in guten und in schlechten Tagen entfalten und bewähren zu können. Nicht zuletzt dient die Institution der Ehe dem Wohl der Kinder (vgl. GS, Nr. 50).

Mit Hilfe dieser Theologie der Liebe oder auch der Theologie des Bundes, die hier nur unzureichend skizziert werden kann, gelingt es dem Konzil, die Sakramentalität der Ehe wieder neu verständlich zu machen. Die eheliche Liebe wird zum Abbild der Liebe Christi zu seiner Kirche und zum Ort, an dem die Liebe Christi erfahrbar wird. Um diese Verbindung von Göttlichem und Menschlichem auch sprachlich zum Ausdruck zu bringen, spricht das Konzil vom Ehebund. Nicht zuletzt ist die unlösliche Treue ein wirksames Zeichen der Liebe Christi in dieser Welt.

Schließlich versteht das Konzil die menschliche Sexualität als Ausdruck der Liebe und schlägt damit einen neuen Weg in der Sexualethik ein. „Diese Liebe wird durch den eigentlichen Vollzug der Ehe in besonderer Weise ausgedrückt und verwirklicht. Jene Akte also, durch die die Eheleute innigst und lauter eins werden, sind von sittlicher Würde; sie bringen, wenn sie human vollzogen werden, jenes gegenseitige Übereignetsein zum Ausdruck und vertiefen es, durch das sich die Gatten gegenseitig in Freude und Dankbarkeit reich machen.“ (GS, Nr. 49) Zu diesem Reichtum gehören zweifellos auch die Zeugung und die Erziehung von Kindern, aber eben nicht nur. Denn ausdrücklich betonen die Konzilsväter, dass auch ohne Kinder die Ehe als „volle Lebensgemeinschaft bestehen (bleibt) und ihren Wert behält“ (vgl. GS, Nr. 50).

Aufgabe dieser Bischofssynode ist es, diese Theologie der Liebe beziehungsweise des Bundes, die das Konzil in Grundzügen dargestellt hat, aber die im kanonischen Recht noch nicht ganz ihren Niederschlag gefunden hat, zu vertiefen und mit Blick auf die gegenwärtigen Herausforderungen der Ehe- und Familienpastoral zu entfalten. Ich möchte mich auf zwei Herausforderungen konzentrieren, nämlich auf die Ehevorbereitung und Ehebegleitung und auf die Frage nach dem angemessenen Umgang mit den Gläubigen, deren Ehe gescheitert ist und von denen nicht wenige zivil geschieden und wiederverheiratet sind.

Das Konzil spricht nicht zufällig vom Wachsen in der Liebe. Das gilt für das gemeinsame Leben in der Ehe; es gilt aber auch für die Zeit der Vorbereitung auf die Ehe. Es gilt eine Pastoral zu entwickeln, die den Wegcharakter des Christseins auch in Bezug auf Ehe und Familie stärker als bislang betont. Wir alle sind zur Heiligkeit berufen (vgl. Lumen gentium, Nr. 39), aber der Weg der Heiligung endet erst am Jüngsten Tag, wenn wir vor dem Richterthron Christi stehen. Dieser Weg ist nicht immer gerade und führt nicht immer direkt zum angestrebten Ziel. Anders ausgedrückt: Der Lebensweg der Braut- und der Eheleute kennt Zeiten intensiver Gefühle und Zeiten der Enttäuschung, gelingende gemeinsame Vorhaben und gescheiterte Pläne, Zeiten großer Nähe und Zeiten der Entfremdung. Nicht selten sind es gerade Schwierigkeiten und Krisen, die, wenn sie gemeinsam gemeistert werden, das Eheband stärken und festigen. Die kirchliche Ehevorbereitung und -begleitung darf nicht von einem moralischen Perfektionismus bestimmt sein. Es darf auch keine Pastoral des „alles oder nichts“ geben. Es kommt vielmehr darauf an, die verschiedenen Lebenssituationen und die Liebeserfahrungen der Menschen differenziert wahrzunehmen. Unser Blick sollte sich weniger auf das richten, was im Leben (noch) nicht gelingt oder vielleicht auch gründlich misslingt, als vielmehr auf das, was schon gelingt. Es ist meist nicht der erhobene Zeigefinger, sondern die ausgestreckte Hand, die Menschen motiviert, auf dem Weg der Heiligung voranzuschreiten. Wir benötigen eine Pastoral, die die Erfahrungen der Menschen in Liebesbeziehungen wertschätzt und eine spirituelle Sehnsucht zu wecken vermag. Das Sakrament der Ehe ist vor allem als Geschenk zu verkünden, das das Ehe- und Familienleben bereichert und stärkt, und weniger als ein durch menschliche Leistung zu verwirklichendes Ideal. So unverzichtbar die lebenslange Treue für die Entfaltung der Liebe ist, so darf die Sakramentalität der Ehe doch nicht auf ihre Unauflöslichkeit reduziert werden. Sie ist ein umfassendes Beziehungsgeschehen, das sich entfaltet.

Der Augenblick des Empfangs des Ehesakramentes ist ja erst der Beginn des Weges. Das Sakrament ereignet sich nicht nur im Moment der Eheschließung, in dem beide sich gegenseitige Liebe und Treue versprechen, sondern entfaltet sich im gesamten Eheweg. Das gemeinsame Leben in der Ehe zu gestalten, liegt in der Verantwortung der Ehepartner. Die kirchliche Pastoral kann und soll die Ehepartner unterstützen, sie muss aber ihre Verantwortung respektieren. Wir müssen der Gewissensentscheidung der Braut- und Eheleute in der Verkündigung und in der Pastoral mehr Raum geben. Es ist gewiss die Aufgabe der Kirche, das Gewissen der Gläubigen zu bilden, aber das Gewissensurteil der Personen kann nicht ersetzt werden. Das gilt insbesondere für Situationen, in denen die Partner in einem Wertkonflikt eine Entscheidung treffen müssen, etwa wenn die Offenheit für die Zeugung von Kindern und die Wahrung des ehelichen und familiären Lebens miteinander in Konflikt geraten.

Doch auch eine wertschätzende und unterstützende Pastoral wird nicht verhindern können, dass Ehen zerbrechen, Ehepartner ihre Lebens- und Liebesgemeinschaft beenden und sich trennen. Auch das erneuerte Verfahren zur Feststellung der Ehenichtigkeit kann nicht alle Fälle in rechter Weise erfassen. Oftmals ist der Bruch einer Ehe weder eine Folge menschlicher Unreife noch eines mangelnden Ehewillens. Der Umgang mit Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist und die nicht selten nach einer zivilen Scheidung eine neue zivile Ehe geschlossen haben, bleibt daher in vielen Teilen der Welt ein drängendes pastorales Problem. Für viele Gläubige – auch solche, die in einer intakten Ehe leben – ist es eine Frage der Glaubwürdigkeit der Kirche. Das weiß ich aus vielen Gesprächen und Briefen.

Dankenswerterweise haben Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. keinen Zweifel daran gelassen, dass auch zivil geschiedene und wiederverheiratete Gläubige zur Kirche gehören, und sie wiederholt eingeladen, aktiv am Leben der Kirche teilzunehmen. Es ist daher unsere Aufgabe, eine einladende Pastoral für diese Gläubigen zu entwickeln und sie immer stärker in das Leben der Gemeinden einzubinden. Ihnen gegenüber hat die Kirche die Liebe Christi zu bezeugen, die zuerst denen gilt, die mit ihren Vorsätzen und Bemühungen gescheitert und schuldig geworden sind. Denn „nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken“ (Mt 9,12). Es ist Aufgabe der Kirche, die Wunden, die das Zerbrechen einer Ehe und die Trennung der Partner geschlagen haben, zu heilen und ihnen zu zeigen, dass Gott sie auch in diesen schweren Tagen begleitet. Können wir wirklich heilen, ohne das Sakrament der Versöhnung zu ermöglichen?

Mit Blick auf die zivil geschiedenen und wiederverheirateten Gläubigen, die aktiv am Gemeindeleben teilnehmen, fragen viele Gläubige, warum die Kirche ihnen ausnahmslos die Teilnahme an der sakramentalen Kommunion verweigert. Viele in unseren Gemeinden können nicht verstehen, wie man zur vollen Gemeinschaft der Kirche gehören und gleichzeitig vom Sakrament der Beichte und der Eucharistie ausgeschlossen sein kann. Als Grund wird angegeben, dass zivil geschiedene und wiederverheiratete Gläubige objektiv in einem fortgesetzten Ehebruch und damit im Widerspruch zu dem leben, was in der Eucharistie zeichenhaft dargestellt wird, die Treue Christi zu seiner Kirche. Doch wird diese Antwort der Situation der Betroffenen gerecht? Und ist sie sakramententheologisch zwingend? Können Menschen, die im Zustand der schweren Sünde gesehen werden, wirklich das Gefühl haben, ganz zu uns zu gehören?

Mit der Theologie und Pastoral von Ehe und Familie haben wir uns auch in der Deutschen Bischofskonferenz in den vergangenen Jahren intensiv befasst. Wir haben den Auftrag des Heiligen Vaters ernstgenommen, in der Zeit zwischen den Synoden die Thematik zu bedenken, offen zu diskutieren und zu vertiefen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat dazu etwa gemeinsam mit den Bischofskonferenzen Frankreichs und der Schweiz im Mai 2015 einen Studientag veranstaltet, dessen Beiträge auch veröffentlicht sind. Auch an den Theologischen Fakultäten wurden die Themen in bibeltheologischer, exegetischer, kanonistischer und pastoraltheologischer Perspektive in vielfacher Form aufgegriffen und debattiert. Hinzu kamen Gespräche mit Theologen und Veröffentlichungen. Wir haben gelernt: Hier muss auch in Zukunft noch die theologische Arbeit weitergehen.

Zum Thema der zivil geschiedenen und wiederverheirateten Gläubigen haben die deutschen Bischöfe selbst auch im Juni vergangenen Jahres weiterführende Überlegungen und Fragen veröffentlicht, die ich kurz skizzieren möchte.

Wer nach dem Zerbrechen der Ehe eine neue zivile Ehe geschlossen hat, aus der nicht selten auch Kinder hervorgegangen sind, ist damit dem neuen Partner und den Kindern gegenüber eine sittliche Verpflichtung eingegangen, die er oder sie nicht aufkündigen kann, ohne neue Schuld auf sich zu laden. Selbst wenn eine Neuaufnahme der Beziehung möglich wäre – in der Regel ist sie ausgeschlossen –, befindet sich derjenige in einem objektiven sittlichen Dilemma, aus dem es keinen eindeutigen moraltheologischen Ausweg gibt. Der Rat, in der neuen Beziehung auf sexuelle Akte zu verzichten, erscheint vielen nicht nur unrealistisch. Es ist auch fragwürdig, ob sexuelle Handlungen isoliert vom Lebenszusammenhang beurteilt werden können. Können wir sexuelle Akte in einer zweiten zivilen Ehe ausnahmslos als Ehebruch bewerten? Unabhängig von der Bewertung der konkreten Situation?

In sakramententheologischer Hinsicht ist zweierlei zu bedenken. Können wir ruhigen Gewissens Gläubige, die zivil geschieden und wiederverheiratet sind, in jedem Fall vom Sakrament der Versöhnung ausschließen? Können wir ihnen die Versöhnung mit Gott und die sakramentale Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes selbst dann versagen, wenn sie ihre Schuld am Zerbrechen der Ehe aufrichtig bereuen? Was die Frage der Zulassung zur sakramentalen Kommunion betrifft, so ist zu bedenken, dass die Eucharistie den Bund Christi mit seiner Kirche nicht nur darstellt, sondern ihn auch immer wieder erneuert und die Gläubigen auf ihrem Weg der Heiligung stärkt. Die beiden Prinzipien der Zulassung zur Eucharistie, nämlich die Bezeugung der Einheit der Kirche und die Teilnahme an den Mitteln der Gnade, können bisweilen in Spannung zueinander geraten. So sagt das Konzil in der Erklärung Unitatis redintegratio (Nr. 8): „Die Bezeugung der Einheit verbietet in den meisten Fällen die Gottesdienstgemeinschaft, die Sorge um die Gnade empfiehlt sie indessen in manchen Fällen.“ Diese Aussage ist über die Ökumene hinaus von grundsätzlicher pastoraler Bedeutung. In seinem Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium ergänzt der Heilige Vater mit Bezug auf die Lehre der Kirchenväter: „Die Eucharistie ist, obwohl sie die Fülle des sakramentalen Lebens darstellt, nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen. Diese Überzeugungen haben auch pastorale Konsequenzen, und wir sind berufen, sie mit Besonnenheit und Wagemut in Betracht zu ziehen.“ (Nr. 47)

Auf der theologischen Grundlage, die das Zweite Vatikanische Konzil gelegt hat, sollten wir daher ernsthaft die Möglichkeit prüfen – je auf den einzelnen Fall bezogen und nicht in einer generalisierenden Weise –, zivil geschiedene und wiederverheiratete Gläubige zum Sakrament der Buße und zur Kommunion zuzulassen, wenn das gemeinsame Leben in der kanonisch gültigen Ehe definitiv gescheitert ist und die Ehe nicht annulliert werden kann, die Verbindlichkeiten aus dieser Ehe geklärt sind, die Schuld am Zerbrechen der ehelichen Lebensgemeinschaft bereut wurde und der aufrechte Wille besteht, die zweite zivile Ehe aus dem Glauben zu leben und die Kinder im Glauben zu erziehen.

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Quelle

PAPST FRANZISKUS: ZUM JAHR DES GOTT-GEWEIHTEN LEBENS

Apostolisches Schreiben Seiner Heiligkeit Papst Franziskus

zum Jahr des geweihten Lebens

 

Liebe Frauen und Männer geweihten Lebens,

ich schreibe an euch als Nachfolger des Apostels Petrus, dem Jesus, der Herr, die Aufgabe anvertraut hat, die Brüder im Glauben zu stärken (vgl. Lk 22,32), und ich schreibe an euch als euer Bruder, der wie ihr Gott geweiht ist.

Danken wir gemeinsam dem Vater, der uns berufen hat, Jesus in vollkommener Ausrichtung nach seinem Evangelium und im Dienst der Kirche nachzufolgen. Er hat in unsere Herzen den Heiligen Geist eingegossen, der uns Freude schenkt und uns vor der ganzen Welt seine Liebe und seine Barmherzigkeit bezeugen lässt.

Anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Dogmatischen Konstitution Lumen gentium, die im 6. Kapitel von den Ordensleuten handelt, wie auch des Dekretes Perfectae caritatis über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens habe ich mich entsprechend dem Wunsch vieler von euch wie auch der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens entschlossen, ein Jahr des geweihten Lebens auszurufen. Es wird am kommenden 30. November, dem ersten Adventssonntag, beginnen und mit dem Fest der Darstellung Jesu im Tempel am 2. Februar 2016 enden.

Nach Anhörung der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens habe ich als Ziele dieses Jahres dieselben bestimmt, die der heilige Johannes Paul II. der Kirche zu Beginn des dritten Jahrtausends vorgeschlagen hatte, und so in gewisser Weise das wieder aufgenommen, was er bereits in dem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Vita consecrata empfohlen hatte: » Ihr sollt euch nicht nur einer glanzvollen Geschichte erinnern und darüber erzählen, sondern ihr habt eine große Geschichte aufzubauen! Blickt in die Zukunft, in die der Geist euch versetzt, um durch euch noch große Dinge zu vollbringen « (Nr. 110).

I – Die Ziele für das Jahr des geweihten Lebens

1. Das erste Ziel ist, dankbar auf die Vergangenheit zu schauen. Jedes unserer Institute kommt aus einer reichen charismatischen Geschichte. An seinem Ursprung steht das Handeln Gottes, der in seinem Geist einige Menschen in die engere Nachfolge Christi ruft, um das Evangelium in eine besondere Lebensform zu übertragen, die Zeichen der Zeit mit den Augen des Glaubens zu lesen und mit Kreativität auf die Bedürfnisse der Kirche zu antworten. Die Anfangserfahrung ist dann gewachsen und hat sich durch die Einbeziehung weiterer Mitglieder in neuen geographischen und kulturellen Umfeldern entwickelt. So wurden neue Weisen, das Charisma zu verwirklichen, ins Leben gerufen und neue Initiativen und Ausdrucksformen apostolischer Liebe verwirklicht. Das ist wie der Same, der zum Baum wird und seine Zweige ausbreitet.

In diesem Jahr wird es zweckmäßig sein, wenn jede charismatische Familie sich ihrer Anfänge und ihrer geschichtlichen Entwicklung erinnert, um Gott zu danken, der der Kirche so viele Gaben geschenkt hat, die ihr Schönheit verleihen und sie für jede Art guter Werke ausrüsten (vgl. Lumen gentium, 12).

Die eigene Geschichte zu erzählen ist unerlässlich, um die Identität lebendig zu erhalten wie auch um die Einheit der Familie und das Zugehörigkeitsgefühl ihrer Mitglieder zu festigen. Es geht nicht darum, Archäologie zu betreiben oder nutzlose Nostalgien zu pflegen, sondern vielmehr darum, den Weg der vergangenen Generationen nachzugehen, um auf ihm den inspirierenden Funken, die hohen Bestrebungen, die Pläne und die Werte wahrzunehmen, die sie bewegt haben, angefangen von den Gründern, den Gründerinnen und den ersten Gemeinschaften. Es ist auch eine Weise, sich bewusst zu werden, wie das Charisma im Laufe der Geschichte gelebt wurde, welche Kreativität es freigesetzt hat, welchen Schwierigkeiten es sich stellen musste und wie diese überwunden wurden. Man wird Widersprüchlichkeiten entdecken können, Frucht der menschlichen Schwächen, manchmal vielleicht auch das Vergessen wesentlicher Aspekte des Charismas. Alles ist lehrreich und wird zugleich ein Aufruf zur Umkehr. Die eigene Geschichte zu erzählen bedeutet, Gott zu loben und ihm zu danken für all seine Gaben.

Wir danken ihm in besonderer Weise für diese letzten 50 Jahre, die auf das Zweite Vatikanische Konzil folgten, das einen „Windstoß“ Heiligen Geistes für die ganze Kirche darstellte. Dank dem Konzil hat das geweihte Leben einen fruchtbaren Weg der Erneuerung zurückgelegt, der mit seinen Licht- und seinen Schattenseiten eine Zeit der Gnade war, gekennzeichnet von der Gegenwart des Geistes.

Möge dieses Jahr des geweihten Lebens auch eine Gelegenheit sein, in Demut und zugleich mit großem Vertrauen auf den Gott, der die Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,8), die eigene Gebrechlichkeit zu gestehen und sie als Erfahrung der barmherzigem Liebe des Herrn zu leben; eine Gelegenheit, der Welt mit Nachdruck zuzurufen und voll Freude zu bezeugen, welche Heiligkeit und Lebendigkeit in einem großen Teil derer zugegen ist, die berufen wurden, Christus im geweihten Leben nachzufolgen.

2. Dieses Jahr fordert uns außerdem auf, die Gegenwart mit Leidenschaft zu leben. Die dankbare Erinnerung an die Vergangenheit drängt uns, im aufmerksamen Hinhören auf das, was der Geist heute der Kirche sagt, die grundlegenden Aspekte unseres geweihten Lebens immer tiefgreifender zu verwirklichen.

Vom Beginn des ersten Mönchtums an bis zu den heutigen „neuen Gemeinschaften“ ist jede Form geweihten Lebens aus dem Ruf des Geistes hervorgegangen, Christus so nachzufolgen, wie es im Evangelium gelehrt wird (vgl. Perfectae caritatis, 2). Für die Gründer und Gründerinnen war das Evangelium die Regel schlechthin, jede andere Regel wollte nur ein Ausdruck des Evangeliums sein und ein Hilfsmittel, es in Fülle zu leben. Ihr Ideal war Christus, sich ganz und gar ihm zu verbinden bis zu dem Punkt, mit Paulus sagen zu können: » Für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn « (Phil 1,21); die Gelübde hatten nur den Sinn, diese ihre leidenschaftliche Liebe zu verwirklichen.

Die Frage, die wir in diesem Jahr uns zu stellen berufen sind, ist, ob und wie auch wir uns vom Evangelium hinterfragen lassen; ob es wirklich das „Vademecum“ für das Alltagsleben und für die Entscheidungen ist, die wir treffen müssen. Es ist anspruchsvoll und erwartet, mit Radikalität und Aufrichtigkeit gelebt zu werden. Es reicht nicht, es zu lesen (auch wenn Lektüre und Studium äußerst wichtig bleiben), es reicht nicht, es zu meditieren (und das tun wir mit Freude jeden Tag). Jesus verlangt von uns, es zu verwirklichen, seine Worte zu leben.

Ist Jesus wirklich die erste und einzige Liebe – müssen wir uns weiter fragen –, wie wir es uns vorgenommen haben, als wir unsere Gelübde ablegten? Nur wenn er das ist, dürfen und müssen wir in der Wahrheit und in der Barmherzigkeit jeden Menschen lieben, der uns auf unserem Weg begegnet, denn wir haben dann von ihm gelernt, was Liebe ist und wie man liebt: Wir werden zu lieben verstehen, weil wir sein eigenes Herz haben.

Unsere Gründer und Gründerinnen haben in sich das Mitleid verspürt, von dem Jesus ergriffen wurde, als er die Menschenmenge wie zerstreute Schafe ohne Hirten sah. Wie Jesus, bewegt von diesem Mitleid, sein Wort geschenkt, die Kranken geheilt, Brot zu essen gegeben, sein eigenes Leben geopfert hat, so haben sich auch die Gründer in den Dienst der Menschheit begeben, zu der der Geist sie sandte, und zwar auf verschiedenste Weise: durch die Fürbitte, die Verkündigung des Evangeliums, die Katechese, das Unterrichten, den Dienst an den Armen, an den Kranken… Die Fantasie der Liebe kannte keine Grenzen und hat unzählige Wege zu öffnen verstanden, um den Atem des Evangeliums in die Kulturen und in die unterschiedlichsten sozialen Bereiche zu tragen.

Das Jahr des geweihten Lebens befragt uns nach der Treue zu der Sendung, die uns anvertraut worden ist. Entsprechen unsere Dienste, unsere Werke, unser Zugegensein dem, was der Geist von unseren Gründern verlangt hat; sind sie geeignet, dessen Ziele in der Gesellschaft und der Kirche von heute zu verfolgen? Gibt es etwas, das wir ändern müssen? Haben wir die gleiche Leidenschaft für unsere Leute, sind wir ihnen so nahe, dass wir ihre Freuden und ihre Leiden teilen, sodass wir wirklich ihre Bedürfnisse verstehen und unseren Beitrag leisten können, um darauf einzugehen? » Die gleiche Großherzigkeit und Opferbereitschaft, von denen die Gründer getrieben waren «, verlangte bereits Johannes Paul II., » sollen auch euch, ihre geistigen Söhne und Töchter, bewegen, die Charismen lebendig zu erhalten. Mit der Kraft des Geistes selbst, der sie erweckt hat, nehmen sie an Reichtum zu und passen sich an, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren, um sich in den Dienst der Kirche zu stellen und die Errichtung des Gottesreiches zur Vollendung zu führen. «[1]

Beim Gedenken an die Ursprünge kommt eine weitere Komponente des Projekts des geweihten Lebens ans Licht. Gründer und Gründerinnen waren fasziniert von der Einheit der Zwölf, die Jesus umgaben, von der Communio, welche die Urgemeinde von Jerusalem auszeichnete. Als sie ihre eigene Gemeinschaft ins Leben riefen, wollte jeder und jede von ihnen jene Modelle des Evangeliums nachbilden: ein Herz und eine Seele zu sein und sich der Gegenwart des Herrn zu erfreuen (vgl. Perfectae caritatis, 15).

Die Gegenwart mit Leidenschaft zu leben bedeutet, » Experten des gemeinschaftlichen Lebens « zu werden, » Zeugen und Baumeister im Sinne jenes göttlichen Planes für Gemeinschaft […], der die Geschichte der Menschen krönen soll «[2]. In einer Gesellschaft der Auseinandersetzung, des schwierigen Zusammenlebens zwischen verschiedenen Kulturen, der Übergriffe auf die Schwächsten und der Ungleichheiten sind wir berufen, ein konkretes Vorbild von Gemeinschaft zu bieten, in der es möglich ist, durch die Anerkennung der Würde jedes Menschen und der Gemeinsamkeit der Gabe, die jeder mitbringt, in brüderlichen Beziehungen zu leben.

Seid also Frauen und Männer der Communio, seid mutig zugegen, wo es Uneinigkeiten und Spannungen gibt, und seid ein glaubwürdiges Zeichen der Gegenwart des Geistes, der den Herzen die Leidenschaft einflößt, damit alle eins seien (vgl. Joh 17,21). Lebt die Mystik der Begegnung: » die Fähigkeit zu hören, anderen Menschen zuzuhören. Die Fähigkeit, gemeinsam den Weg, die Methode […] zu suchen «[3]. Und lasst euch dabei erleuchten von der Beziehung der Liebe zwischen den drei göttlichen Personen (vgl. 1 Joh 4,8), als Vorbild für alle zwischenmenschlichen Beziehungen.

3. Die Zukunft voll Hoffnung ergreifen will das dritte Ziel dieses Jahres sein. Die Schwierigkeiten, denen das geweihte Leben in seinen verschiedenen Formen entgegengeht, sind uns bekannt: das Nachlassen der Berufungen und die Überalterung, vor allem in der westlichen Welt, die finanziellen Probleme infolge der schweren weltweiten Finanzkrise, die Herausforderungen der Internationalität und der Globalisierung, die verborgene Gefahr des Relativismus, die gesellschaftliche Ausgrenzung und Irrelevanz… Gerade in diesen Unsicherheiten, die wir mit vielen unserer Zeitgenossen teilen, verwirklicht sich unsere Hoffnung, eine Frucht des Glaubens an den Herrn der Geschichte, der uns immer neu zuspricht: » Fürchte dich nicht […] denn ich bin mit dir « (Jer 1,8).

Die Hoffnung, von der wir sprechen, gründet sich nicht auf die Zahlen oder auf die Werke, sondern auf denjenigen, auf den wir unsere Hoffnung gesetzt haben (vgl. 2 Tim 1,12) und für den » nichts unmöglich « ist (Lk 1,37). Das ist die Hoffnung, die nicht enttäuscht und die dem geweihten Leben erlauben wird, in der Zukunft weiter eine bedeutende Geschichte zu schreiben. Auf die Zukunft müssen wir unseren Blick richten, in dem Bewusstsein, dass der Geist uns auf sie zutreibt, um weiterhin Großes mit uns zu vollbringen.

Gebt nicht der Versuchung der Zahlen und der Leistungsfähigkeit nach und noch weniger der, auf die eigenen Kräfte zu vertrauen. Erforscht die Horizonte eures Lebens und des gegenwärtigen Augenblicks in aufmerksamer Wachsamkeit. Mit Benedikt XVI. wiederhole ich euch: » Schließt euch nicht den Unheilpropheten an, die das Ende oder die Sinnlosigkeit des geweihten Lebens in der Kirche unserer Tage verkünden; bekleidet euch vielmehr mit Jesus Christus und legt die Waffen des Lichts an, wie der hl. Paulus mahnt (vgl. Röm 13,11–14), indem ihr wach bleibt und wachsam seid. «[4] Setzen wir unseren Weg fort und nehmen wir ihn immer neu auf im Vertrauen auf den Herrn.

Ich wende mich vor allem an euch junge Menschen. Ihr seid die Gegenwart, denn ihr lebt bereits aktiv im Innern eurer Ordensinstitute und leistet einen entscheidenden Beitrag mit der Frische und der Großherzigkeit eurer Entscheidung. Zugleich seid ihr die Zukunft eurer Gemeinschaften, denn bald werdet ihr berufen sein, die Leitung des geistlichen Lebens, der Bildung, des Dienstes, der Sendung in die Hand zu nehmen. In diesem Jahr werdet ihr die Protagonisten im Dialog mit der Generation sein, die euch vorangeht. In brüderlichem Miteinander könnt ihr euch an ihrer Erfahrung und Weisheit bereichern, und zugleich könnt ihr ihr erneut die Spiritualität vor Augen stellen, von der sie an ihrem Anfang beseelt waren, und den Schwung und die Frische eurer Begeisterung schenken, sodass ihr gemeinsam neue Weisen, das Evangelium zu leben, und immer geeignetere Antworten auf die Anforderungen des Zeugnisses und der Verkündigung erarbeitet.

Es hat mich gefreut, als ich erfuhr, dass ihr Gelegenheiten haben werdet, euch unter euch Jugendlichen verschiedener Institute zu versammeln. Möge die Begegnung ein üblicher Weg des Miteinanders, der gegenseitigen Unterstützung und der Einheit werden.

II – Die Erwartungen für das Jahr des geweihten Lebens

Was erwarte ich mir im Besonderen von diesem Gnadenjahr des geweihten Lebens?

1. Dass immer gilt, was ich einmal gesagt habe: » Wo Ordensleute sind, da ist Freude «. Wir sind gerufen, zu erfahren und zu zeigen, dass Gott fähig ist, unser Herz zu erfüllen und uns glücklich zu machen, ohne dass wir anderswo unsere Glückseligkeit zu suchen brauchen; dass die echte Geschwisterlichkeit, die wir in unseren Gemeinschaften leben, unsere Freude nährt; dass unsere Ganzhingabe im Dienst der Kirche, an den Familien, den Jugendlichen, den Alten, den Armen uns als Menschen verwirklicht und unser Leben erfüllt.

Dass man unter uns keine traurigen Gesichter sieht, keine unzufriedenen und unbefriedigten Menschen, denn „eine Nachfolge in Traurigkeit ist ein Trauerzug“. Wie alle anderen Menschen erleben wir Schwierigkeiten, dunkle Nächte des Geistes, Enttäuschungen, Krankheiten, das altersbedingte Schwinden der Kräfte. Genau darin sollten wir unsere „vollkommene Freude“ finden: lernen, das Antlitz Christi zu erkennen, der uns in allem ähnlich geworden ist, und so die Freude zu verspüren, uns ihm ähnlich zu wissen, der aus Liebe zu uns es nicht zurückgewiesen hat, das Kreuz zu erleiden.

In einer Gesellschaft, die den Kult der Leistungsfähigkeit, eines übertriebenen Gesundheitsbewusstseins und des Erfolgs zur Schau stellt, während sie die Armen ausgrenzt und die „Verlierer“ ausschließt, können wir durch unser Leben die Wahrheit der Worte der Schrift bezeugen: »Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark« (2 Kor 12,10).

Auf das geweihte Leben können wir gut anwenden, was ich im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium mit Hinweis auf eine Predigt Benedikts XVI. geschrieben habe: » Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehung « (Nr. 14). Ja, das geweihte Leben erfährt keinen Zuwachs, wenn wir schöne Berufungskampagnen organisieren, sondern wenn die jungen Menschen, die uns begegnen, sich von uns angezogen fühlen, wenn sie uns als glückliche Männer und Frauen sehen! Ebenso hängt seine apostolische Wirksamkeit nicht von der Effizienz und der Kraft seiner Mittel ab. Euer Leben ist es, das sprechen muss – ein Leben, das die Freude und die Schönheit, das Evangelium zu leben und Christus nachzufolgen, zum Ausdruck bringt.

Auch zu euch sage ich, was ich bei der vergangenen Pfingstvigil den kirchlichen Bewegungen gesagt habe: » Der Wert der Kirche ist grundsätzlich, das Evangelium zu leben und Zeugnis für unseren Glauben zu geben. Die Kirche ist Salz der Erde, ist Licht der Welt, sie ist berufen, in der Gesellschaft den Sauerteig des Gottesreiches zu vergegenwärtigen, und das tut sie vor allem mit ihrem Zeugnis, dem Zeugnis der Bruderliebe, der Solidarität, des Teilens« (18. Mai 2014).

2. Ich erwarte, dass ihr „die Welt aufweckt“, denn das Merkmal, das das geweihte Leben kennzeichnet, ist die Prophetie. Wie ich zu den Ordensoberen gesagt habe, » gehört die evangeliumsgemäße Radikalität nicht nur den Ordensleuten, sie wird von allen verlangt. Aber die Ordensleute folgen dem Herrn auf besondere Art, auf prophetische Weise «. Das ist die Priorität, die jetzt verlangt wird: » Propheten sein, die Zeugnis geben, wie Jesus auf dieser Erde gelebt hat. … Nie darf ein Ordensangehöriger der Prophetie entsagen« (29. November 2013).

Der Prophet empfängt von Gott die Fähigkeit, die Geschichte, in der er lebt, zu beobachten und die Ereignisse zu deuten: Er ist wie ein Wächter, der in der Nacht wacht und weiß, wann der Morgen kommt (vgl. Jes 21,11-12). Er kennt Gott, und er kennt die Menschen, seine Brüder und Schwestern. Er ist fähig, zu unterscheiden und das Übel der Sünde und die Ungerechtigkeiten öffentlich anzuklagen, weil er frei ist, weil er sich keinem anderen Herrn verantworten muss außer Gott, keine anderen Interessen hat als die Gottes. Der Prophet steht gewöhnlich auf der Seite der Armen und Wehrlosen, weil er weiß, dass Gott selbst auf ihrer Seite steht.

Ich erwarte mir also nicht, dass ihr „Utopien“ am Leben erhaltet, sondern dass ihr „andere Orte“ zu schaffen versteht, wo die Logik des Evangeliums gelebt wird, die Logik der Hingabe, der Brüderlichkeit, der Annahme der Verschiedenheit, der gegenseitigen Liebe. Klöster, Gemeinschaften, Spiritualitätszentren, Zitadellen [d. h. Dorfgemeinschaften einer religiösen Bewegung, (Anm. d. Übers.)], Schulen, Krankenhäuser, Häuser zur Aufnahme von Familien und all jene Orte, die dank der Nächstenliebe und der charismatischen Kreativität entstanden sind und künftig durch weitere Kreativität entstehen werden, müssen immer mehr zum Sauerteig für eine Gesellschaft werden, die sich am Evangelium inspiriert, zur „Stadt auf dem Berg“, welche die Wahrheit und die Kraft der Worte Jesu ausdrückt.

Wie bei Elija und Jona kann mitunter die Versuchung kommen, zu fliehen, sich der Aufgabe eines Propheten zu entziehen, weil sie zu viel verlangt, weil man müde ist, enttäuscht von den Ergebnissen. Doch der Prophet weiß, dass er nie allein ist. Wie dem Jeremia versichert Gott auch uns: » Fürchte dich nicht … denn ich bin mit dir, um dich zu retten « (Jer 1,8).

3. Die Ordensmänner und Ordensfrauen, so wie alle anderen geweihten Personen, sind berufen, „Experten der Communio“ zu sein. Ich erwarte daher, dass die „Spiritualität der Gemeinschaft“, auf die der heilige Johannes Paul II. hingewiesen hat, Wirklichkeit wird und dass ihr in vorderster Linie steht, um » die große Herausforderung « zu ergreifen, die in diesem neuen Jahrtausend vor uns liegt: » die Kirche zum Haus und zur Schule der Gemeinschaft [zu] machen «[5]. Ich bin mir sicher, dass ihr in diesem Jahrernsthaft arbeiten werdet, damit das Ideal der Geschwisterlichkeit, das die Gründer und Gründerinnen verfolgt haben, auf den verschiedensten Ebenen wie in konzentrischen Kreisen wächst.

Das gemeinschaftliche Miteinander wird zunächst innerhalb der jeweiligen Hausgemeinschaften des Instituts praktiziert. Diesbezüglich lade ich euch ein, meine häufigen Bemerkungen zu diesem Thema zu lesen, in denen ich nicht müde werde zu wiederholen, dass Kritiksucht, Tratsch, Neid, Eifersucht, Antagonismen Haltungen sind, die in euren Häusern nichts verloren haben. Unter dieser Voraussetzung aber ist der Weg der Nächstenliebe, der sich vor uns auftut, gleichsam unendlich, denn es geht darum, nach gegenseitiger Annahme und Aufmerksamkeit zu streben, die Gemeinschaft der materiellen und geistlichen Güter, die correctio fraterna, den Respekt gegenüber den Schwächsten zu praktizieren … Es ist » die „Mystik“ […], die darin liegt, zusammen zu leben « und die aus unserem Leben eine »heilige Wallfahrt«[6] macht. Wir müssen uns auch nach der Beziehung zwischen den Menschen unterschiedlicher Kulturen fragen, in Anbetracht der Tatsache, dass unsere Gemeinschaften immer internationaler werden. Wie kann man es möglich machen, dass jeder sich äußert, mit seinen besonderen Gaben angenommen wird, voll und ganz Mitverantwortung erhält?

Ferner erwarte ich mir, dass die Gemeinschaft zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Institute wächst. Könnte dieses Jahrnicht die Gelegenheit dazu sein, mutiger über die Grenzen des eigenen Instituts hinauszugehen, um auf lokaler und globaler Ebene zusammen gemeinsame Projekte für die Bildung, die Evangelisierung und für soziale Maßnahmen zu erarbeiten? Auf diese Weise kann ein wirkliches prophetisches Zeugnis wirksamer gegeben werden. Die Gemeinschaft und die Begegnung zwischen unterschiedlichen Charismen und Berufungen ist ein Weg der Hoffnung. Niemand baut die Zukunft auf, indem er sich absondert, noch allein aus eigenen Kräften, sondern indem er sich mit der Wahrheit einer Gemeinschaft identifiziert, die sich immer öffnet für die Begegnung, den Dialog, das Zuhören, die gegenseitige Hilfe und die uns vor der Krankheit der Selbstbezogenheit bewahrt.

Zugleich ist das geweihte Leben berufen, eine aufrichtige Synergie zwischen allen Berufungen in der Kirche anzustreben, angefangen von den Priestern und den Laien, um so » die Spiritualität der Gemeinschaft vor allem innerhalb der eigenen Gemeinschaft und dann in der kirchlichen Gemeinschaft und über deren Grenzen hinaus […] zu stärken «[7].

4. Weiter erwarte ich von euch, worum ich alle Glieder der Kirche bitte: aus sich herauszugehen, um zu den existenziellen Peripherien zu gehen. » Geht hinaus in die ganze Welt «, war das letzte Wort, das Jesus an die Seinen richtete und das er heute immer noch an uns alle richtet (vgl. Mk 16,15). Da ist eine ganze Menschheit, die wartet: Menschen, die jede Hoffnung verloren haben; Familien in Not; sich selbst überlassene Kinder; Jugendliche, denen jede Zukunft versperrt ist; Kranke und verlassene Alte; Reiche, die satt sind an Gütern und im Herzen eine Leere haben, Männer und Frauen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, dürstend nach dem Göttlichen…

Zieht euch nicht in euch selbst zurück, lasst euch nicht von den kleinen Streitereien zu Hause belästigen, bleibt nicht Gefangene eurer Probleme. Diese lösen sich, wenn ihr hinausgeht, um den anderen zu helfen, ihre Probleme zu lösen, und um die gute Nachricht zu verkünden. Ihr werdet das Leben finden, wenn ihr das Leben hingebt, die Hoffnung, wenn ihr Hoffnung gebt, die Liebe, wenn ihr liebt.

Ich erwarte von euch konkrete Taten der Aufnahme von Flüchtlingen, der Nähe zu den Armen und der Kreativität in der Katechese, in der Verkündigung des Evangeliums, in der Einführung in das Gebetsleben. Folglich erhoffe ich eine Verschlankung der Strukturen, die Wiederverwendung der großen Häuser für Werke, die den gegenwärtigen Erfordernissen der Evangelisierung und der Nächstenliebe mehr entsprechen, und die Anpassung der Werke an die neuen Bedürfnisse.

5. Ich erwarte mir, dass sich jede Form des geweihten Lebens fragt, was Gott und die Menschheit heute verlangen.

Die Klöster und Gruppen kontemplativer Ausrichtung könnten sich untereinander treffen oder sich auf verschiedenste Weise in Verbindung setzen, um ihre Erfahrungen bezüglich des Gebetslebens auszutauschen, um sich darüber auszutauschen, wie man in der Gemeinschaft mit der ganzen Kirche wachsen und wie man den verfolgten Christen helfen kann, wie man die Menschen, die auf der Suche nach einem intensiveren geistlichen Leben sind oder moralische bzw. materielle Unterstützung brauchen, aufnehmen und begleiten kann.

Das Gleiche können die karitativen Institute tun, die Institute, die sich dem Unterricht, der Förderung der Kultur widmen, die Institute, die sich für die Verkündigung des Evangeliums einsetzen oder besondere pastorale Dienste ausüben, die Säkularinstitute mit ihrer vielfachen Präsenz in den gesellschaftlichen Strukturen. Die Fantasie des Heiligen Geistes hat so verschiedene Arten des Lebens und der Werke hervorgebracht, dass wir sie nicht leicht katalogisieren oder in vorgefertigte Schablonen einordnen können. Es ist mir daher nicht möglich, auf jede einzelne Form von Charismen Bezug zu nehmen. Trotzdem sollte in diesem Jahr sich niemand einer ernsthaften Überprüfung seiner Präsenz im Leben der Kirche entziehen wie auch seiner Art und Weise, auf die ständigen und neuen Fragen, die sich um uns herum erheben, und auf den Schrei der Armen zu antworten.

Nur in dieser Aufmerksamkeit gegenüber den Bedürfnissen der Welt und im folgsamen Hinhören auf die Eingaben des Heiligen Geistes wird dieses Jahr des geweihten Lebens zu einem echten kairòs werden, zu einer Zeit Gottes, reich an Gnaden und Verwandlung.

III – Die Horizonte des Jahres des geweihten Lebens

1. Mit diesem meinem Schreiben wende ich mich, über die geweihten Personen hinaus, an die Laien, die mit ihnen die Ideale, den Geist und die Sendung teilen. Einige Ordensinstitute haben diesbezüglich eine alte Tradition, andere eine jüngere Erfahrung. Tatsächlich gibt es im Umkreis jeder Ordensfamilie wie auch der Gesellschaften apostolischen Lebens und selbst der Säkularinstitute eine größere Familie, die „charismatische Familie“. Diese umfasst mehrere Institute, die das gleiche Charisma haben, und vor allem christliche Laien, die sich berufen fühlen, gerade in ihrem Laienstand an derselben charismatischen Wirklichkeit teilzuhaben.

Ich ermutige auch euch Laien, dieses Jahr des geweihten Lebens als eine Gnade zu erleben, die euch die empfangene Gabe mehr zu Bewusstsein führen kann. Feiert es mit der ganzen „Familie“, um gemeinsam zu wachsen und auf die Rufe des Geistes in der heutigen Gesellschaft zu antworten. Bei einigen Gelegenheiten, wenn die geweihten Mitglieder verschiedener Orden sich in diesemJahr untereinander treffen, richtet es so ein, dass auch ihr zugegen seid als Ausdruck der einen Gabe Gottes. So werdet ihr die Erfahrungen der anderen charismatischen Familien und der anderen Laiengruppen kennen lernen und euch gegenseitig bereichern und unterstützen.

2. Das Jahr des geweihten Lebens betrifft nicht nur die geweihten Personen, sondern die gesamte Kirche. So wende ich mich an das ganze Volk Gottes, dass es sich des Geschenkes immer bewusster werde, das in der Gegenwart vieler Ordensfrauen und -männer besteht; sie sind die Erben großer Heiliger, welche die Geschichte des Christentums bestimmt haben. Was wäre die Kirche ohne den heiligen Benedikt und den heiligen Basilius, ohne den heiligen Augustinus und den heiligen Bernhard, ohne den heiligen Franziskus und den heiligen Dominikus, ohne den heiligen Ignatius von Loyola und die heilige Teresa von Avila, ohne die heilige Angela Merici und den heiligen Vinzenz von Paul? Man könnte die Aufzählung fast unbegrenzt fortsetzen, bis zum heiligen Johannes Bosco und der seligen Teresa von Kalkutta. Zu Recht betonte der selige Papst Paul VI.: » Ohne dieses konkrete Zeichen bestünde die Gefahr, dass die Liebe, welche die Kirche beseelt, erkaltet, das heilbringende Paradox des Evangeliums entschärft wird, das „Salz“ des Glaubens sich auflöst in einer Welt, die immer mehr der Säkularisierung verfällt « (Evangelica testificatio, 3).

Ich lade also alle christlichen Gemeinden ein, dieses Jahr vor allem als einen Dank an den Herrn zu leben und dankbar der Gaben zu gedenken, die wir durch die Heiligkeit der Gründer und Gründerinnen und durch die Treue so vieler Ordensleute zu ihrem Charisma erhalten haben und immer noch erhalten. Ich lade euch alle ein, euch um die geweihten Personen zu scharen, euch mit ihnen zu freuen, ihre Schwierigkeiten zu teilen und im Rahmen des Möglichen mit ihnen zusammenzuarbeiten für die Fortsetzung ihres Dienstes und ihres Werkes, die letztlich der ganzen Kirche gehören. Lasst sie die Liebe und die Herzlichkeit des ganzen christlichen Volkes spüren.

Ich preise den Herrn für das glückliche Zusammentreffen des Jahres des geweihten Lebens mit der Synode über die Familie. Familie und geweihtes Leben sind Berufungen, die Reichtum und Gnade für alle bringen, Räume der Humanisierung im Aufbau lebendiger Beziehungen, Orte der Evangelisierung. Man kann sich gegenseitig helfen.

3. Mit diesem meinem Schreiben wage ich, mich auch an die geweihten Personen und an die Mitglieder von Bruderschaften und Gemeinschaften zu wenden, die Kirchen mit Traditionen angehören, die sich von der der katholischen Tradition unterscheiden. Das Mönchtum ist ein Erbe der ungeteilten Kirche, das sowohl in den orthodoxen Kirchen als auch in der katholischen Kirche noch sehr lebendig ist. An ihm wie an anderen späteren Erfahrungen aus der Zeit, in der die Kirche des Westens noch vereint war, orientieren sich analoge Initiativen, die im Bereich der kirchlichen Gemeinschaften der Reform entstanden sind; diese haben dann in ihrem Innern weitere Formen von Gemeinschaften der Brüderlichkeit und des Dienstes hervorgebracht.

Die Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens hat Initiativen geplant, um Begegnungen von Mitgliedern herbeizuführen, die der Praxis des geweihten und brüderlichen Lebens der verschiedenen Kirchen angehören. Zu diesen Begegnungen ermutige ich nachdrücklich, damit man einander besser kennen und schätzen lernt und die wechselseitige Zusammenarbeit zunimmt, so dass die Ökumene des geweihten Lebens hilfreich sei für den umfassenderen Weg zur Einheit unter allen Kirchen.

4. Wir dürfen außerdem nicht vergessen, dass das Phänomen des Mönchtums und anderer Formen religiöser Brüderlichkeit in allen großen Religionen vorhanden ist. Es fehlt nicht an Erfahrungen auch fundierten inter-monastischen Dialogs zwischen der katholischen Kirche und einigen der großen religiösen Traditionen. Ich wünsche mir, dass das Jahr des geweihten Lebens die Gelegenheit sei, um den zurückgelegten Weg zu beurteilen, um die geweihten Personen auf diesem Gebiet zu sensibilisieren und um uns zu fragen, welche weiteren Schritte zu unternehmen sind für eine immer gründlichere gegenseitige Kenntnis und für eine Zusammenarbeit in vielen allgemeinen Bereichen des Dienstes am menschlichen Leben.

Gemeinsam gehen ist immer eine Bereicherung und kann neue Wege öffnen zu Beziehungen zwischen Völkern und Kulturen – Beziehungen, die in dieser Zeit mit Schwierigkeiten überhäuft zu sein scheinen.

5. Schließlich wende ich mich in besonderer Weise an meine Mitbrüder im Bischofsamt. Möge dieses Jahr eine Gelegenheit sein, das geweihte Leben von Herzen und mit Freuden aufzunehmen als ein geistliches Kapital, das reiche Hilfen bietet zum Besten des ganzen Leibes Christi  und nicht nur zu dem der Ordensfamilien (vgl. Lumen gentium, 43). » Das geweihte Leben ist ein Geschenk an die Kirche, es entsteht in der Kirche, wächst in der Kirche und ist ganz und gar auf die Kirche hin ausgerichtet «.[8] Als Geschenk an die Kirche ist es darum keine isolierte Randerscheinung, sondern ist ihr zuinnerst verbunden. Es steht im Mittelpunkt der Kirche selbst als entscheidendes Element ihrer Sendung, insofern es das innerste Wesen der christlichen Berufung und das Streben der gesamten Kirche als Braut zur Vereinigung mit dem einzigen Bräutigam ausdrückt: Es » gehört […] unerschütterlich zu ihrem Leben und ihrer Heiligkeit « (Lumen gentium, 44).

In diesem Zusammenhang lade ich euch Hirten der Teilkirchen ein, mit besonderem Eifer die verschiedenen Charismen – sowohl die historischen als auch die neuen – in euren Gemeinschaften zu fördern, indem ihr sie unterstützt, anregt, bei der Unterscheidung helft; indem ihr in Situationen des Leidens und der Schwäche, in denen manch geweihte Person sich befinden kann, zärtlich liebevolle Nähe zeigt und vor allem indem ihr mit eurer Verkündigung das Volk Gottes über den Wert des geweihten Lebens aufklärt, so dass ihr dessen Schönheit und Heiligkeit in der Kirche erstrahlen lasst.

Maria, der hörenden und betrachtenden Jungfrau, der ersten Jüngerin ihres geliebten Sohnes, vertraue ich dieses Jahr des geweihten Lebens an. Auf sie, die bevorzugte Tochter des himmlischen Vaters, die mit allen Gnadengaben erfüllt ist, schauen wir als das unübertreffliche Vorbild der Nachfolge in der Liebe zu Gott und im Dienst am Nächsten.

Schon jetzt mit euch allen im Dank verbunden für die Geschenke an Gnade und Licht, mit denen der Herr uns bereichern wird, begleite ich euch alle mit dem Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 21. November 2014, dem Fest der Darstellung der Allerseligsten Jungfrau Maria

 

Franziskus


[1] Apostolisches Schreiben Los caminos del Evangelio, an die Ordensleute Lateinamerikas anlässlich des 500. Jubiläums der Evangelisierung der Neuen Welt (29. Juni 1990), 26.
[2] Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute, Das Ordensleben und die Förderung des Menschen (12. August 1980), 24 (ital. Text: L’Osservatore Romano, Suppl. 12. Nov. 1980, S. I-VIII).

[5] Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), 43.

[6] Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium (24. November 2013), 87.

[7] Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata (25. März 1996), 51.

[8] Erzbischof J. M. Bergoglio, Beitrag auf der Synode über das geweihte Leben und seine Sendung in der Kirche und in der Welt, 16. Generalkongregation, 13. Oktober 1994.

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Quelle


 

Gebete von Erzbischof Reinhard Marx

Gebet um Priester- und Ordensberufe

Heiliger Geist, schöpferischer, geheimnisvoller Geist Gottes,
erwecke in unserem Erzbistum München und Freising immer neu den Glauben an Jesus Christus, den Auferstandenen, den Lebendigen, der uns alle einlädt, den Weg seines Evangeliums zu gehen;

ermutige und stärke die jungen Männer, die sich aufmachen wollen, ihr Leben ganz in den Dienst Christi und seiner Kirche zu stellen;

vertreibe ihre Furcht und ihr Zögern, weil ihnen gesagt wird, sie könnten nur verlieren, sie würden das wahre Leben verfehlen und verpassen;

stärke und bewege sie, Heiliger Geist, zum befreienden Ja-Wort der Liebe, zum Vertrauen darauf, dass der Weg mit dem lebendigen Christus in seiner Kirche ein Weg in die wahre Fülle des Lebens ist;

vertreibe, Geist der Liebe und der Wahrheit, in unserem Erzbistum, in den Pfarreien, Gemeinschaften und Familien den bösen Geist der Resignation und der Müdigkeit, die Atmosphäre der Mutlosigkeit und des Misstrauens;

schenke Begeisterung und Freude darüber, den Namen Jesu Christi tragen zu dürfen, IHM zu begegnen in den Sakramenten, IHN zu bezeugen im Leben, damit seine Stimme hörbar, sein Leben sichtbar bleibt durch die Kirche;

Du schöpferischer Geist Gottes, der vom Tod ins Leben führen kann, der die Welt aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat, Du kannst aus furchtsamen, zögernden und zweifelnden jungen Christen überzeugende Jünger Jesu machen, wenn sie sich von Dir lieben und führen lassen.

Komm, Heiliger Geist, Du Sturm der Liebe Gottes, wehe in der Kirche von München und Freising und wecke in ihr Berufungen für den priesterlichen Dienst;

stärke und ermutige auch junge Frauen und Männer zum Weg der evangelischen Räte;

öffne die Augen und Herzen aller in dieser Erzdiözese für den großen Schatz des Evangeliums: Jesus Christus! Amen.

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