Gedenktag U.L.F. in Lourdes – XXV. WELTTAG DER KRANKEN

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GEDENKTAG UNSERER LIEBEN FRAU IN LOURDES
XVIII. WELTTAG DER KRANKEN

PREDIGT VON BENEDIKT XVI.

Petersdom
Donnerstag, 11. Februar 2010

(Video)
Bilder von der Feier

 

Meine Herren Kardinäle,
verehrte Mitbrüder im bischöflichen Dienst,
liebe Brüder und Schwestern!

Die Evangelien bezeugen in den knappen Schilderungen des kurzen, aber reichhaltigen öffentlichen Lebens Jesu, daß er das Wort Gottes verkündet und Kranke geheilt hat, was ein besonderes Zeichen für die Nähe des Gottesreiches ist. Matthäus zum Beispiel schreibt: »Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden« (Mt 4,23; vgl. 9,35). Die Kirche, der die Aufgabe anvertraut ist, im Raum und in der Zeit die Sendung Christi fortzuführen, darf diese beiden grundlegenden Werke nicht unbeachtet lassen: die Evangelisierung und die Sorge für die Kranken an Leib und Seele. Denn Gott will den ganzen Menschen heilen, und im Evangelium ist die Genesung des Leibes Zeichen einer tieferliegenden Heilung: der Vergebung der Sünden (vgl. Mk 2,1–12). Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß Maria, Mutter und Vorbild der Kirche, als »Salus infirmorum – Heil der Kranken« angerufen und verehrt wird. Als erste und vollkommene Jüngerin ihres Sohnes hat sie, während sie die Kirche auf ihrem Weg begleitet, immer eine besondere Fürsorge für die Kranken gezeigt. Davon legen die Tausenden von Menschen Zeugnis ab, die die Marienwallfahrtsorte aufsuchen, um die Mutter Christi anzurufen, und die in ihr Kraft und Trost finden. Das im Evangelium berichtete Ereignis der Heimsuchung (vgl. Lk 1,39–56) zeigt uns, wie die Jungfrau Maria nach der Verkündigung die empfangene Gabe nicht für sich behielt, sondern sich sofort aufmachte, um ihrer betagten Kusine Elisabet zu helfen, die seit sechs Monaten Johannes in ihrem Schoß trug. In der Hilfe, die Maria dieser Verwandten leistet, die in fortgerücktem Alter die schwierige Situation einer Schwangerschaft erlebt, sehen wir eine Vorwegnahme aller Aktivität der Kirche zur Unterstützung des der Fürsorge bedürftigen Lebens.

Der Päpstliche Rat für die Pastoral im Krankendienst, der vor 25 Jahren vom ehrwürdigen Diener Gottes Papst Johannes Paul II. eingerichtet wurde, ist zweifellos ein besonderer Ausdruck dieser Fürsorge. Meine Gedanken richten sich mit dankbarer Anerkennung an Kardinal Fiorenzo Angelini, den ersten Präsidenten des Dikasteriums und seit jeher begeisterter Animator dieses Bereichs der kirchlichen Aktivität, wie auch an Kardinal Javier Lozano Barragán, der bis vor einigen Monaten diesem Dienst Beständigkeit und Wachstum verliehen hat. Von Herzen begrüße ich dann den derzeitigen Präsidenten, Erzbischof Zygmunt Zimowski, der dieses wichtige und bedeutsame Erbe übernommen hat. In meinen Gruß schließe ich alle Offizialen und das gesamte Personal ein, das in diesem Vierteljahrhundert in lobenswerter Weise mit dieser Einrichtung des Heiligen Stuhls zusammengearbeitet hat. Darüberhinaus möchte ich die Vereinigungen und Einrichtungen begrüßen, die die Organisation des Welttags der Kranken übernehmen, insbesondere »Unitalsi« und die »Opera Romana Pellegrinaggi«. Mein herzlichster Willkommensgruß gilt natürlich euch, liebe Kranke! Danke, daß ihr gekommen seid und vor allem Danke für euer Gebet, das durch das Opfer eurer Mühen und Leiden bereichert wird. Mein Gruß gilt schließlich auch den Kranken und freiwilligen Helfern, die in Lourdes, Fatima, Tschenstochau und den anderen Marienwallfahrtsorten mit uns verbunden sind, sowie allen, die besonders in den Pflegeheimen oder zu Hause diese Feier über Radio oder Fernsehen verfolgen. Gott, der Herr, der beständig über seine Kinder wacht, schenke allen Trost und Ermutigung.

Zwei Hauptthemen stellt uns der heutige Wortgottesdienst vor Augen: Das erste Thema ist marianisch und verbindet das Evangelium mit der ersten, dem Schlußkapitel des Buches Jesaja entnommenen Lesung wie auch mit dem Antwortpsalm aus dem Lobgesang auf Judith. Das zweite Thema, das wir im Abschnitt aus dem Jakobusbrief finden, ist das Gebet der Kirche für die Kranken und insbesondere das für sie bestimmte Sakrament. Am Gedenktag der Erscheinungen in Lourdes – einem von Maria bevorzugten Ort, um ihre mütterliche Sorge für die Kranken zu offenbaren –, gibt es in der Liturgie treffenderweise Anklänge an das Magnifikat, den Gesang der Jungfrau, der die Wunder Gottes in der Heilsgeschichte preist: Die Demütigen und die Bedürftigen wie auch alle, die Gott fürchten, erfahren seine Barmherzigkeit, die das irdische Schicksal der Menschen umkehrt und so die Heiligkeit des Schöpfers und Erlösers zeigt. Das Magnifikat ist nicht der Gesang derer, denen das Glück winkt, die immer »Rückenwind« haben. Es ist eher das Danklied derer, die die Tragödien des Lebens kennen, aber auf das erlösende Handeln Gottes vertrauen. Es ist ein Gesang, der Ausdruck des im Schicksal geprüften Glaubens von Generationen von Männern und Frauen ist, welche ihre Hoffnung auf Gott gesetzt haben und sich wie Maria persönlich dafür einsetzen, den Brüdern und Schwestern in Not Hilfe zu bringen. Im Magnifikat hören wir die Stimme von vielen Heiligen der Nächstenliebe, Männern und Frauen. Insbesondere denke ich an diejenigen, die ihr Leben den Kranken und Leidenden gewidmet haben, wie Camillo de Lellis und Johannes von Gott, Damian de Veuster und Benedetto Menni. Wer den Leidenden lange Zeit nahe ist, kennt Angst und Tränen, aber auch das Wunder der Freude, die die Frucht der Liebe ist.

Die Mütterlichkeit der Kirche ist Abglanz der fürsorglichen Liebe Gottes, von der der Prophet Jesaja sagt: »Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost« (Jes 66,13). Eine Mütterlichkeit, die ohne Worte spricht, die in den Herzen Trost bewirkt, eine innere Freude, eine Freude, die paradoxerweise mit Schmerz und Leid zusammen existieren kann. Wie Maria bewahrt die Kirche in ihrem Inneren die Dramen des Menschen und den Trost Gottes, sie hält sie zusammen auf dem Pilgerweg der Geschichte. Durch die Jahrhunderte macht die Kirche die Zeichen der Liebe Gottes sichtbar, die weiterhin Großes an den demütigen und einfachen Menschen tut. Sind das angenommene und aufgeopferte Leiden, das echte und unentgeltliche Teilen nicht Wunder der Liebe? Der Mut, ohne Waffen dem Übel entgegenzutreten – wie Judith –, nur mit der Kraft des Glaubens an den Herrn und der Hoffnung auf ihn, ist das nicht ein Wunder, das die Gnade Gottes beständig in vielen Personen bewirkt, die Zeit und Energie einsetzen, um den Leidenden zu helfen? Deshalb leben wir in einer Freude, die das Leid nicht vergißt, ja es vielmehr versteht. So sind die Kranken und alle Leidenden in der Kirche nicht nur Empfänger von Aufmerksamkeit und Sorge, sondern zunächst und vor allem Protagonisten der Pilgerschaft des Glaubens und der Hoffnung, Zeugen der Wunder der Liebe, der österlichen Freude, die vom Kreuz und der Auferstehung Christi ausgeht.

Im eben verkündeten Abschnitt des Jakobusbriefes lädt der Apostel ein, beharrlich das nahe bevorstehende Kommen des Herrn zu erwarten, und gibt in diesem Zusammenhang eine besondere Ermahnung hinsichtlich der Kranken. Dieser Zusammenhang ist sehr interessant, denn er spiegelt das Handeln Jesu wider, der durch die Krankenheilungen die Nähe des Gottesreiches anzeigte. Die Krankheit wird aus der Perspektive der Endzeit gesehen, mit einem typisch christlichen Realismus der Hoffnung. »Ist einer von euch bedrückt? Dann soll er beten. Ist einer fröhlich? Dann soll er ein Loblied singen« (Jak 5,13). Wir hören ähnliche Worte beim hl. Paulus, wenn er einlädt, alles in Beziehung zur radikalen Neuheit Christi zu leben, zu seinem Tod und seiner Auferstehung (vgl. 1 Kor 7,29–31). »Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten« (Jak 5,14–15). Hier wird das fortdauernde Wirken Christi in seiner Kirche sichtbar: Er ist es immer noch, der durch die Priester handelt; es ist sein Heiliger Geist, der durch das sakramentale Zeichen des Öls wirkt; an ihn wendet sich der Glaube, der im Gebet Ausdruck findet; und wie es bei den von Jesus Geheilten geschah, kann man zu jedem Kranken sagen: Dein Glaube, gestützt vom Glauben deiner Brüder und Schwestern, hat dich gerettet.

Diesem Text, der die Grundlage und die Praxis des Sakraments der Krankensalbung enthält, ist zugleich eine bestimmte Sichtweise der Rolle der Kranken in der Kirche zu entnehmen: eine aktive Rolle, da sie sozusagen das gläubige Gebet »herausfordern«. »Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde, die Priester, zu sich.« In diesem Priester-Jahr möchte ich die Beziehung zwischen den Kranken und den Priestern unterstreichen, eine Art Bündnis, eine Art evangeliumsgemäßer »Hilfestellung«. Beide haben eine Aufgabe: Der Kranke soll die Priester »rufen«, und diese müssen antworten, um die Erfahrung der Krankheit in die Gegenwart und das Handeln des Auferstandenen und seines Heiligen Geistes zu stellen. Und hier können wir die ganze Bedeutung der Krankenpastoral erkennen, deren Wert tatsächlich unermeßlich ist wegen der großen Wohltat für die Kranken und die Priester in erster Linie, aber auch für die Familienangehörigen, die Bekannten, die Gemeinde und auf unbekannten und geheimnisvollen Wegen für die ganze Kirche und die Welt. Denn wenn das Wort Gottes von Heilung, Heil, Gesundheit des Kranken spricht, versteht es diese Begriffe in einem ganzheitlichen Sinn, ohne je Leib und Seele zu trennen: Ein durch das Gebet Jesu mittels der Kirche geheilter Kranker ist eine Freude auf der Erde und im Himmel, es ist die Erstlingsfrucht des ewigen Lebens.

Liebe Freunde, ich habe in der Enzyklika Spe salvi geschrieben: »Das Maß der Humanität bestimmt sich ganz wesentlich im Verhältnis zum Leid und zum Leidenden. Das gilt für den einzelnen wie für die Gesellschaft« (Nr. 38). Durch die Einrichtung eines der Pastoral im Krankendienst gewidmeten Dikasteriums wollte der Heilige Stuhl einen eigenen Beitrag leisten, auch um eine Welt zu fördern, die immer mehr fähig ist, den Kranken als Person anzunehmen und zu pflegen. Er wollte ihnen helfen, die Erfahrung der Krankheit in menschlicher Weise zu leben, nicht indem man sie verleugnet, sondern indem man ihr einen Sinn gibt. Ich möchte diese Betrachtungen mit einem Gedanken des ehrwürdigen Dieners Gottes Papst Johannes Paul II. beenden, den er mit seinem eigenen Leben bezeugt hat. Im Apostolischen Schreiben Salvifici doloris hat er gesagt: »Christus hat zugleich den Menschen gelehrt, durch das Leiden Gutes zu wirken und dem Gutes zu tun, der leidet. In diesem doppelten Aspekt hat er den Sinn des Leidens bis zum letzten enthüllt« (Nr. 30). Die Jungfrau Maria helfe uns, diese Sendung vollkommen zu erfüllen.

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Quelle

 

BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II. ZUM WELTTAG DER KRANKEN 2004 

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15 Aout 2004 – 17h00 – ( Jean Paul II à la Grotte de MASSABIELLE )

An den verehrten Bruder
JAVIER Kard. LOZANO BARRAGÁN
Präsident des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst

1. Der Welttag der Kranken, eine Gedenkfeier, die jedes Jahr auf einem anderen Kontinent begangen wird, hat diesmal eine einzigartige Bedeutung. Sie findet nämlich in Lourdes, in Frankreich, statt, an jenem Ort, an dem die Jungfrau am 11. Februar 1858 erschienen ist und der seit dieser Zeit zum Ziel zahlreicher Pilgerfahrten wurde. Die Muttergottes wollte in dieser Gebirgsregion ihre mütterliche Liebe besonders den Leidenden und Kranken offenbaren. Seither ist sie auch weiterhin mit steter Fürsorge gegenwärtig.

Das Marienheiligtum wurde deshalb ausgewählt, weil im Jahr 2004 der 150. Jahrestag der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis gefeiert wird. Es war der 8. Dezember 1854, als mein Vorgänger seligen Angedenkens, der sel. Pius IX., mit der dogmatischen Bulle Ineffabilis Deus die Lehre verkündete, »welche festhält, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch die einzigartige Gnade und Bevorzugung des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jeglichem Makel der Urschuld unversehrt bewahrt wurde« (DS 2803). In Lourdes sagte Maria damals in der örtlichen Mundart: »Que soy era Immaculada Councepciou

2. Wollte die Jungfrau mit diesen Worten nicht auch ihre Verbundenheit mit der Gesundheit und dem Leben zum Ausdruck bringen? Wenn durch die Erbsünde der Tod in die Welt kam, so hat Gott durch die Verdienste Jesu Christi Maria vor jeglichem Makel der Sünde bewahrt, und über uns ist das Heil und das Leben gekommen (vgl. Röm 5,12–21).

Das Dogma der Unbefleckten Empfängnis führt uns ein in die Herzensmitte des Geheimnisses der Erschaffung der Welt und der Erlösung (vgl. Eph 1,4–12; 3,9–11). Gott wollte dem Menschen das Leben in Fülle geben (Joh 10,10), machte jedoch seinen Plan von einer freien und wohlwollenden Antwort abhängig. Mit der Ablehnung dieser Gabe durch den Ungehorsam, der zur Sünde führte, hat der Mensch den lebensnotwendigen Dialog mit dem Schöpfer auf tragische Weise unterbrochen. Dem »Ja« Gottes, Quelle des Lebens in Fülle, stellte sich das »Nein« des Menschen entgegen, erfüllt von hochmütiger Selbstgenügsamkeit als Vorbote des Todes (vgl.Röm 5,19).

Die gesamte Menschheit wurde zutiefst von dieser Verschlossenheit gegenüber Gott erfaßt. Nur Maria von Nazaret wurde im Hinblick auf die Verdienste Christi von jeglichem Makel der Urschuld bewahrt und völlig in den göttlichen Plan aufgenommen, damit der himmlische Vater in ihr das Vorhaben, das er für die Menschen vorgesehen hatte, verwirklichen konnte.

Die Unbefleckte Empfängnis deutet auf die harmonische Verflechtung zwischen dem »Ja« Gottes und dem »Ja« Marias hin, das sie in völliger Hingabe aussprach, als ihr der Engel die Frohe Botschaft überbrachte (vgl. Lk 1,38). Dieses »Ja« im Namen der Menschheit eröffnet der Welt erneut die Pforten zum Paradies dank des Wortes Gottes, das in ihr durch das Wirken des Heiligen Geistes Fleisch geworden ist (vgl. Lk 1,35). Der ursprüngliche Schöpfungsplan wird auf diese Weise in Christus erneuert und bekräftigt; und in diesem Plan findet auch sie, die Jungfrau und Mutter, Platz.

3. Dies ist der Schlüssel zur Wende der Geschichte: Mit der Unbefleckten Empfängnis Mariens hat das große Erlösungswerk begonnen, das sich im kostbaren Blut Christi verwirklicht hat. In Ihm ist jede Person aufgerufen, sich ganz bis zur Vollkommenheit der Heiligkeit zu verwirklichen (vgl. Kol 1,28).

Die Unbefleckte Empfängnis ist deshalb die verheißungsvolle Morgenröte des strahlenden Tages Christi, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die vollkommene Eintracht zwischen Gott und der Menschheit wiederherstellen wird. Wenn Jesus die Quelle des Lebens ist, die den Tod besiegt, so ist Maria die fürsorgliche Mutter, die auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingeht und für sie die Gesundheit an Seele und Körper erwirkt. Das ist die Botschaft, die das Heiligtum von Lourdes fortwährend den Gläubigen und Pilgern vermittelt. Das ist auch die Bedeutung der körperlichen und geistlichen Heilungen, die sich an der Grotte von Massabielle ereignen.

Seit dem Tag, an dem die Jungfrau Bernadette Soubirous erschienen ist, hat Maria an jenem Ort Schmerzen gelindert und Krankheiten geheilt und somit vielen ihrer Kinder das körperliche Wohlbefinden wiedergeschenkt. Weit unvorhersehbarere Wunder hat sie jedoch in den Seelen der Gläubigen gewirkt, indem sie ihre Herzen öffnete für die Begegnung mit ihrem Sohn Jesus als wahre Antwort auf die innerste Sehnsucht des menschlichen Herzens. Der Heilige Geist, der im Augenblick der Menschwerdung des Wortes über sie kam, verwandelt die Seelen zahlloser Kranker, die sich ihr zuwenden. Auch wenn sie die Gabe der körperlichen Heilung nicht erhalten, so empfangen sie stets ein weit wichtigeres Geschenk: die Umkehr des Herzens als Quelle des Friedens und der inneren Freude. Diese Gabe verändert ihr Leben und macht sie zu Aposteln des Kreuzes Christi, Zeichen der Hoffnung, auch angesichts der härtesten und schwersten Prüfungen.

4. In dem Apostolischen Schreiben Salvifici doloris betonte ich, daß das Leiden zur Transzendenz des Menschen gehört, der lernen muß, es zu akzeptieren und es zu bewältigen (vgl. Nr. 2). Aber wie könnte ihm dies gelingen, wenn nicht durch das Kreuz Christi?

Im Tod und in der Auferstehung des Erlösers findet das menschliche Leiden seinen tiefsten Sinn und seinen heilbringenden Wert. All die Last der Bedrängnis und der Schmerzen der Menschheit gründet im Geheimnis eines Gottes, der, indem er für uns Mensch geworden ist, sich erniedrigt und sich »für uns zur Sünde« gemacht hat (2 Kor 5,21). Auf Golgota hat er die Schuld jedes Menschen auf sich genommen, und in seiner Einsamkeit und Verlassenheit zum Vater gerufen: »Warum hast du mich verlassen?« (Mt 27,46).

Vom Paradoxon des Kreuzes leitet sich die Antwort auf unsere bedrängendsten Fragen ab. Christus leidet für uns: Er nimmt das Leid aller auf sich und befreit uns von ihm. Christus leidet mit uns, wodurch er uns ermöglicht, mit ihm unsere Schmerzen zu teilen. In Verbindung mit dem Leiden Christi wird das menschliche Leiden zum Heilswerk. Eben deshalb kann sich der Gläubige den Worten des hl. Paulus anschließen: »Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt« (Kol 1,24). Der im Glauben angenommene Schmerz wird zur Pforte, um in das Geheimnis des erlösenden Leidens des Herrn einzutreten. Es ist ein Leiden, das uns nicht mehr des inneren Friedens und des Glücks beraubt, denn es ist erleuchtet vom Glanz der Auferstehung.

5. Zu Füßen des Kreuzes leidet Maria im Stillen und nimmt so auf besondere Weise an den Qualen ihres Sohnes teil. Sie wird zur Mutter der Menschheit, die bereit ist, Fürsprache einzulegen, damit jeder Mensch das Heil erlangt (vgl. Apostolisches Schreiben Salvifici doloris, 25).

In Lourdes ist es nicht schwer, diese einzigartige Teilhabe der Gottesmutter am heilbringenden Erlösungswerk Christi zu verstehen. Das Wunder der Unbefleckten Empfängnis erinnert die Gläubigen an eine grundlegende Wahrheit: Nur durch die fügsame Mitwirkung am Plan des Vaters ist es möglich, das Heil zu erwirken, denn er wollte die Welt durch den Tod und die Auferstehung seines eingeborenen Sohnes erlösen. Durch das Sakrament der Taufe wird der Gläubige in diesen Heilsplan eingeführt und von der Erbsünde befreit. Krankheit und Tod verlieren – wenn sie auch im irdischen Leben weiter fortbestehen – ihren negativen Sinn. Im Licht des Glaubens wird der körperliche Tod, der vom Tod Christi besiegt ist (vgl. Röm 6,4), zum unumgänglichen Übergang zur Fülle der Unsterblichkeit.

6. In unserer Zeit wurden große Schritte unternommen bei der wissenschaftlichen Erforschung des Lebens, dieses fundamentalen Geschenkes Gottes, dessen Verwalter wir sind. Das Leben muß angenommen, respektiert und verteidigt werden von seinem Beginn an bis zum natürlichen Tod. Mit ihm soll die Familie als Wiege jedes entstehenden Lebens geschützt werden.

Es wird mittlerweile allgemein von der »Gentechnologie« gesprochen, wobei man auf die außerordentlichen Möglichkeiten verweist, die die Wissenschaft bietet, um auf den Ursprung des Lebens einzuwirken. Jeder wahre Fortschritt in diesem Bereich kann nur ermutigt werden, vorausgesetzt, er respektiert immer die Rechte und Würde der Person vom Augenblick der Empfängnis an. Denn niemand darf es sich anmaßen, das Leben eines Menschen wahllos zu zerstören oder zu manipulieren. Es ist der besondere Auftrag der in der Pastoral im Krankendienst tätigen Personen, alle Menschen, die in diesem schwierigen Sektor arbeiten, dahingehend zu sensibilisieren, daß sie ihre Tätigkeit im Dienst am Leben ausführen.

Anläßlich des Welttages der Kranken möchte ich allen danken, die in der Pastoral im Krankendienst arbeiten, besonders den Bischöfen, die in Euren jeweiligen Bischofskonferenzen diesen Sektor betreuen, den Krankenhausseelsorgern, den Pfarrern und allen weiteren Priestern, die in diesem Bereich wirken, den Orden und religiösen Kongregationen, den freiwilligen Helfern und all jenen, die nicht müde werden, ein treues Zeugnis vom Tod und von der Auferstehung des Herrn angesichts von Leid, Schmerz und Tod abzulegen.

Meine Anerkennung möchte ich auf die im Gesundheitswesen Tätigen ausweiten, auf das medizinische und paramedizinische Personal, die Forscher, besonders auf jene, die sich mit der Herstellung von neuen Heilmitteln und der Produktion von schwer zugänglichen Medikamenten auch für weniger begüterte Menschen befassen.

Alle vertraue ich der allerseligsten Jungfrau an, die im Heiligtum von Lourdes in ihrer Unbefleckten Empfängnis verehrt wird. Möge sie jedem Christen helfen, Zeugnis davon abzulegen, daß die einzige wahre Antwort auf den Schmerz, das Leid und den Tod Christus ist, unser Herr, der gestorben und für uns auferstanden ist.

Mit diesen Empfindungen erteile ich Ihnen, verehrter Bruder und allen, die an der Feier des Welttages der Kranken teilnehmen, meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, 1. Dezember 2003

JOHANNES PAUL II

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Quelle

Papst Benedikt XVI.: Predigt am 13. September 2008 in Lourdes

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APOSTOLISCHE REISE
NACH FRANKREICH ANLÄSSLICH DES 150. JAHRESTAGES
DER ERSCHEINUNGEN VON LOURDES
(12. – 15. SEPTEMBER 2008)

LICHTERPROZESSION

PREDIGT VON BENEDIKT XVI.

Lourdes, Notre-Dame, Esplanade du Rosaire
Samstag, 13. September 2008

 

Lieber Bischof Perrier von Tarbes und Lourdes,
Liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst,
liebe Pilger, liebe Brüder und Schwestern
!

Vor hundertfünfzig Jahren, am 11. Februar 1858, sah ein einfaches Mädchen aus Lourdes, Bernadette Soubirous, an diesem Ort außerhalb der Stadt, der sogenannten Grotte von Massabielle, ein Licht und in diesem Licht eine junge Dame, „schön, über alles schön“. Diese Dame wandte sich mit Güte und Liebenswürdigkeit, mit Achtung und Vertrauen an sie. „Sie siezte mich“, erzählt Bernadette, „… Möchten Sie mir den Gefallen tun, in den nächsten fünfzehn Tagen hierher zu kommen?“ fragt die Dame sie. „… Sie schaute mich an wie ein Mensch, der mit einem anderen Menschen spricht.“ In dieser Unterhaltung, in diesem ganz von Feingefühl geprägten Dialog beauftragt die Dame sie, einige ganz einfache Botschaften über das Gebet, die Buße und die Umkehr zu vermitteln. Daß Maria schön ist, überrascht nicht, offenbart sie doch in der Erscheinung vom 25. März 1858 ihren Namen so: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“.

Betrachten wir unsererseits diese „mit der Sonne bekleidete Frau“, die uns die Schrift vor Augen stellt (vgl. Offb 12,1). Die Allerseligste Jungfrau Maria, die glorreiche Frau der Geheimen Offenbarung, trägt auf ihrem Haupt einen Kranz von zwölf Sternen, welche die zwölf Stämme Israels, das ganze Volk Gottes, die gesamte Gemeinschaft der Heiligen darstellen, und zugleich hat sie unter ihren Füßen den Mond, das Bild des Todes und der Sterblichkeit. Maria hat den Tod hinter sich gelassen; sie ist ganz vom Leben bekleidet, vom Leben ihres Sohnes, des auferstandenen Christus. So ist sie das Zeichen für den Sieg der Liebe und des Guten, für den Sieg Gottes. Sie gibt unserer Welt die Hoffnung, die sie braucht. Richten wir heute Abend unseren Blick auf Maria, die so glorreich und so menschlich ist, und lassen wir uns von ihr zu Gott, dem Sieger, führen.

Zahlreiche Menschen haben es bezeugt: Die Begegnung mit dem leuchtenden Antlitz von Bernadette verwandelte die Herzen und die Blicke. Sowohl während der Erscheinungen als auch, wenn sie davon erzählte, begann ihr Gesicht über und über zu strahlen. Bernadette war bereits erfüllt von dem Licht von Massabielle. Das alltägliche Leben der Familie Soubirous bestand jedoch aus Elend und Traurigkeit, aus Krankheit und Unverständnis, aus Ablehnung und Armut. Auch wenn es in den familiären Beziehungen nicht an Liebe und Wärme fehlte, war es doch schwierig, im cachot („Verließ“) zu leben. Aber die Schatten der Erde haben das Licht des Himmels nicht daran gehindert zu leuchten: „Das Licht leuchtet in der Finsternis…“ (Joh 1,5).

Lourdes ist einer der Orte, die Gott erwählt hat, um dort einen besonderen Strahl seiner Schönheit leuchten zu lassen; daher rührt die Bedeutung, die hier das Symbol des Lichtes bekommt. Von der vierten Erscheinung an entzündete Bernadette, wenn sie an der Grotte ankam, jeden Morgen eine gesegnete Kerze und hielt sie in der linken Hand, bis die Jungfrau sich zeigte. Sehr bald übergaben verschiedene Personen Bernadette eine Kerze, damit sie diese in der Tiefe der Grotte in die Erde stecke. Sehr bald brachten andere Menschen auch selbst Kerzen an diesen Ort des Lichtes und des Friedens. Die Muttergottes tat selber kund, daß ihr diese berührende Huldigung dieser Tausenden Kerzen gefiel, die seitdem zu ihrer Ehre ununterbrochen den Felsen der Erscheinung erleuchten. Von jenem Tag an glüht vor der Grotte Tag und Nacht, im Sommer wie im Winter, ein brennender Dornbusch, entzündet vom Gebet der Pilger und der Kranken, die ihre Sorgen und Nöte, vor allem aber ihren Glauben und ihre Hoffnung zum Ausdruck bringen.

Da wir als Pilger hier nach Lourdes kommen, wollen wir auf den Spuren Bernadettes in diese außergewöhnliche Nähe zwischen Himmel und Erde eintreten, die sich niemals widersprochen hat und die sich unaufhörlich weiter festigt. Während der Erscheinungen ist zu bemerken, daß Bernadette den Rosenkranz unter den Augen Marias betet, die im Moment der Doxologie mit einstimmt. Diese Tatsache bestätigt den zutiefst theozentrischen Charakter des Rosenkranzgebets. Wenn wir den Rosenkranz beten, leiht uns Maria ihr Herz und ihre Augen, um das Leben ihres Sohnes, Christus Jesus, zu betrachten. Mein verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul II. ist zweimal hierher nach Lourdes gekommen. Wir wissen, wie sehr sich in seinem Leben und in seinem Dienst das Gebet auf die Fürsprache der Jungfrau Maria stützte. Wie viele seiner Vorgänger auf dem Stuhl Petri hat auch er das Rosenkranzgebet nachdrücklich gefördert; er hat dies unter anderem in einer ganz besonderen Weise getan, indem er es durch die Betrachtung der lichtreichen Geheimnisse bereichert hat. Sie sind übrigens auf der Fassade der Basilika in den neuen, im vergangenen Jahr eingeweihten Mosaiken dargestellt. Wie bei allen Geschehnissen im Leben Christi, die sie in ihrem Herzen bewahrte und überdachte(vgl. Lk 2,19), läßt Maria uns alle Etappen seines öffentlichen Wirkens als einen Teil der Offenbarung der Herrlichkeit Gottes begreifen. Möge der lichterfüllte Ort Lourdes eine Schule zum Erlernen des Rosenkranzgebets bleiben, das die Jünger Jesu in Gegenwart seiner Mutter in einen echten und herzlichen Dialog mit ihrem Meister einführt!

Durch den Mund Bernadettes hören wir die Bitte der Jungfrau Maria an uns, in Prozession hierher zu kommen, um in Einfachheit und mit Eifer zu beten. Die Lichterprozession vermittelt unseren sinnlichen Augen das Geheimnis des Gebetes: In der Gemeinschaft der Kirche, welche die Erwählten des Himmels und die Pilger der Erde miteinander vereint, entspringt das Licht aus dem Gespräch zwischen dem Menschen und seinem Herrn, und eine leuchtende Straße öffnet sich in der Geschichte der Menschen, auch in den dunkelsten Augenblicken. Diese Prozession ist ein Moment großer kirchlicher Freude, aber auch eine Zeit tiefen Ernstes: Die Anliegen, die wir mit uns tragen, unterstreichen unsere tiefe Verbundenheit mit allen, die leiden. Denken wir an die unschuldigen Opfer, die unter Gewalt, Krieg, Terrorismus und Hungersnot leiden oder die die Folgen von Ungerechtigkeiten, Plagen und Unheil, von Haß und Unterdrückung, von Angriffen auf ihre Menschenwürde und ihre Grundrechte, auf ihre Handlungs- und Gedankenfreiheit zu tragen haben. Denken wir auch an jene, die familiäre Probleme erleben oder die infolge von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Gebrechen, Einsamkeit oder ihrer Situation als Einwanderer leiden. Außerdem möchte ich diejenigen nicht vergessen, die um des Namens Christi willen leiden und für ihn sterben.

Maria lehrt uns, zu beten und unser Gebet zu einem Akt der Gottes- und der Nächstenliebe zu machen. Wenn wir mit Maria beten, nimmt unser Herz die Leidenden auf. Wie könnte unser Leben dabei unverändert bleiben? Warum sollte unser Sein und unser ganzes Leben nicht Ort der Gastfreundschaft für unseren Nächsten werden? Lourdes ist ein Ort des Lichtes, weil es ein Ort der Gemeinschaft, der Hoffnung und der Umkehr ist.

Nun, beim Einbruch der Nacht, sagt Jesus zu uns: „Laßt eure Lampen brennen!“ (Lk 12,35): die Lampe des Glaubens, die Lampe des Gebetes, die Lampe der Hoffnung und der Liebe! Dieses Gehen in der Nacht mit dem Licht in der Hand spricht unser Inneres nachdrücklich an, es berührt unser Herz und besagt viel mehr als jedes andere gesprochene oder gedachte Wort. Diese Geste erfaßt allein unsere Lage als Christen unterwegs: Wir brauchen Licht und sind zugleich berufen, Licht zu werden. Die Sünde macht uns blind; sie hindert uns daran, unsere Mitmenschen führen zu können, und bewirkt, daß wir ihnen mißtrauen und uns selber nicht führen lassen. Wir haben es nötig, erleuchtet zu werden, und wiederholen die flehentliche Bitte des blinden Bartimäus: „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können!“ (Mk 10,51). Mach, daß ich meine Sünde sehe, die mich hemmt, doch vor allem: Herr, gib, daß ich deine Herrlichkeit sehe! Wir wissen, daß unser Gebet schon erhört ist, und wir sagen Dank, denn, wie der heilige Paulus imEpheserbrief sagt: „Christus wird dein Licht sein“ (5,14), und der heilige Petrus fügt hinzu: „Er hat euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen“ (1 Petr 2,9).

Zu uns, die wir nicht das Licht sind, kann Christus nun sagen: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14), indem er uns aufträgt dafür zu sorgen, das Licht der Liebe leuchten zu lassen. Wie der Apostel Johannes schreibt: „Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht; da gibt es für ihn kein Straucheln“ (1 Joh 2,10). Die christliche Liebe leben bedeutet, das Licht Gottes in die Welt zu tragen und zugleich auf seine wahre Quelle hinzuweisen. Der heilige Leo der Große schreibt: „Wer nämlich fromm und keusch in der Kirche lebt, wer seinen Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische lenkt (vgl. Kol 3,2), ist in gewisser Weise dem himmlischen Licht gleich; während er selbst auf den Glanz eines heiligen Lebens achtet, weist er wie ein Stern vielen den Weg, der zu Gott führt“ (SermonIII,5).

In diesem Wallfahrtsort Lourdes, auf den die Christen der ganzen Welt ihren Blick richten, seit die Jungfrau Maria hier die Hoffnung und die Liebe hat erstrahlen lassen, indem sie den Kranken, den Armen und den Kleinen den ersten Platz zuwies, sind wir eingeladen, die Einfachheit unserer Berufung zu entdecken: Denn es genügt zu lieben.

Morgen wird uns die Feier der Kreuzerhöhung direkt ins Herz dieses Geheimnisses einführen. In dieser Vigil richtet sich unser Blick schon auf das Zeichen des Neuen Bundes, auf das das ganze Leben Jesu zuläuft. Das Kreuz ist der höchste und vollkommenste Akt der Liebe Jesu, der sein Leben für seine Freunde hingibt. „So muß der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat“ (Joh 3,14-15).

Wie es in den Liedern vom Gottesknecht angekündigt wurde, ist der Tod Jesu ein Tod, der zum Licht für die Völker wird; es ist ein Tod, der in Verbindung mit der Sühneliturgie die Versöhnung bringt, ein Tod, der das Ende des Todes bedeutet. Von da an ist das Kreuz ein Zeichen der Hoffnung, ein Banner des Sieges Jesu, denn „Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,16). Durch das Kreuz empfängt unser ganzes Leben Licht, Kraft und Hoffnung. Mit ihm ist die ganze Tiefe der Liebe offenbart, die im ursprünglichen Plan des Schöpfers enthalten war; mit ihm ist alles geheilt und zur Vollendung geführt. Das ist der Grund, warum das Leben im Glauben an den gestorbenen und auferstandenen Christus Licht wird.

Die Erscheinungen waren von Licht umflutet, und Gott hat im Blick von Bernadette eine Flamme entzündet, die zahllose Herzen bekehrt hat. Wie viele Menschen kommen hierher, um ein Wunder zu sehen, und hoffen vielleicht insgeheim, eines an sich selbst zu erfahren; auf dem Heimweg, nachdem sie eine geistliche Erfahrung eines echten kirchlichen Lebens gemacht haben, ändert sich dann ihr Blick auf Gott, auf die anderen und auf sich selbst. Eine kleine Flamme, die sich Hoffnung, Mitleid und Zartgefühl nennt, wohnt in ihnen. Die verborgene Begegnung mit Bernadette und mit der Jungfrau Maria kann ein Leben verändern, denn sie sind an diesem Ort Massabielle gegenwärtig, um uns zu Christus zu führen, der unser Leben, unsere Kraft und unser Licht ist. Mögen die Jungfrau Maria und die heilige Bernadette Euch helfen, als Kinder des Lichtes zu leben, um alle Tage Eures Lebens zu bezeugen, daß Christus unser Licht, unsere Hoffnung und unser Leben ist!

Sechsjährige kann nach Lourdeswallfahrt wieder hören

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Mariä-Empfängnis-Basilika, Lourdes / Wikimedia Commons – Roland Darré, CC BY-SA 3.0

Das Mädchen hatte nach der Geburt das Gehör verloren

Eine sechs Jahre junge Lourdespilgerin aus Italien, die nach der Geburt ihr Gehör verloren hatte, kann plötzlich wieder ohne Gerät hören, wie die Organisation Unitalsi bekanntgab. Die italienische Vereinigung organisiert Pilgerreisen für Kranke nach Lourdes und zu anderen Wallfahrtsorten. Die spontane Heilung zeigte sich bei einer Pilgerfahrt zu dem südfranzösischen Marienheiligtum am 11. Mai, die sie zusammen mit ihrer Mutter, Großmutter sowie ihrem kleinen Bruder angetreten hatte.

Zeuge wurde Giuseppe Secondi, Präsident der Untersektion der Unitalsi Mailand Südwest und Wallfahrtsdirektor. „Es war 20.30 Uhr und wir haben mit dem Mädchen gespielt.“ Er habe ihr gesagt, dass nun eine Verpflichtung auf ihn wartete. Er habe gesehen, dass die Kleine zur Mutter ging und ihre Hörgeräte ablegte. Die Mutter habe sie dann gebeten, die wieder einzusetzen. Da antwortete das Mädchen: „Ich höre gut, sie nützen mir nichts mehr.“

Die Mutter führte sie daraufhin sofort zum Amt für Medizinische Gutachten in Lourdes, wo die Ärzte die Patientenakte gefragt und neue Hörtests vorgeschlagen haben. Das Mädchen war als Frühgeburt von 26 Wochen mit nur 800 Gramm Gewicht zur Welt gekommen und hatte drei Monate im Pädiatrischen Institut Gaslini in Genua verbracht.

Die Ärzte waren in der Lage, sie zu retten, aber einige Medikamente verursachten Gehirnblutungen, wobei ihre Gehörgänge beschädigt wurden. Die Untersuchungen bestätigten später, dass sie auf beiden Ohren unter einem hochgradigem Hörverlust litt. Von rund 7.000 Heilungen in Lourdes sind bislang nur 69 als Wunder anerkannt worden.

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Quelle

PREDIGT VON PAPST BENEDIKT XVI. 2008 IN LOURDES

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Predigt von Papst Benedikt XVI.

bei der Lichterprozession
am Samstag. dem 13. September 2008
in der Wallfahrtsstätte Lourdes.

Der Papst stand dabei auf der Terrasse der Rosenkranzbasilika.

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Video

 

Vor hundertfünfzig Jahren, am 11. Februar 1858, sah ein einfaches Mädchen aus Lourdes, Bernadette Soubirous, an diesem Ort außerhalb der Stadt, der sogenannten Grotte von Massabielle, ein Licht und in diesem Licht eine junge Dame, „schön, über alles schön“. Diese Dame wandte sich mit Güte und Liebenswürdigkeit, mit Achtung und Vertrauen an sie. „Sie siezte mich“, erzählt Bernadette, „… Möchten Sie mir den Gefallen tun, in den nächsten fünfzehn Tagen hierher zu kommen?“ fragt die Dame sie. „… Sie schaute mich an wie ein Mensch, der mit einem anderen Menschen spricht.“ In dieser Unterhaltung, in diesem ganz von Feingefühl geprägten Dialog beauftragt die Dame sie, einige ganz einfache Botschaften über das Gebet, die Buße und die Umkehr zu vermitteln. Daß Maria schön ist, überrascht nicht, offenbart sie doch in der Erscheinung vom 25. März 1858 ihren Namen so: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“.

Betrachten wir unsererseits diese „mit der Sonne bekleidete Frau“, die uns die Schrift vor Augen stellt (vgl. Offb 12,1). Die Allerseligste Jungfrau Maria, die glorreiche Frau der Geheimen Offenbarung, trägt auf ihrem Haupt einen Kranz von zwölf Sternen, welche die zwölf Stämme Israels, das ganze Volk Gottes, die gesamte Gemeinschaft der Heiligen darstellen, und zugleich hat sie unter ihren Füßen den Mond, das Bild des Todes und der Sterblichkeit. Maria hat den Tod hinter sich gelassen; sie ist ganz vom Leben bekleidet, vom Leben ihres Sohnes, des auferstandenen Christus. So ist sie das Zeichen für den Sieg der Liebe und des Guten, für den Sieg Gottes. Sie gibt unserer Welt die Hoffnung, die sie braucht. Richten wir heute Abend unseren Blick auf Maria, die so glorreich und so menschlich ist, und lassen wir uns von ihr zu Gott, dem Sieger, führen.

Zahlreiche Menschen haben es bezeugt: Die Begegnung mit dem leuchtenden Antlitz von Bernadette verwandelte die Herzen und die Blicke. Sowohl während der Erscheinungen als auch, wenn sie davon erzählte, begann ihr Gesicht über und über zu strahlen. Bernadette war bereits erfüllt von dem Licht von Massabielle. Das alltägliche Leben der Familie Soubirous bestand jedoch aus Elend und Traurigkeit, aus Krankheit und Unverständnis, aus Ablehnung und Armut. Auch wenn es in den familiären Beziehungen nicht an Liebe und Wärme fehlte, war es doch schwierig, im cachot („Verließ“) zu leben. Aber die Schatten der Erde haben das Licht des Himmels nicht daran gehindert zu leuchten: „Das Licht leuchtet in der Finsternis…“ (Joh 1,5). 

Lourdes ist einer der Orte, die Gott erwählt hat, um dort einen besonderen Strahl seiner Schönheit leuchten zu lassen; daher rührt die Bedeutung, die hier das Symbol des Lichtes bekommt. Von der vierten Erscheinung an entzündete Bernadette, wenn sie an der Grotte ankam, jeden Morgen eine gesegnete Kerze und hielt sie in der linken Hand, bis die Jungfrau sich zeigte. Sehr bald übergaben verschiedene Personen Bernadette eine Kerze, damit sie diese in der Tiefe der Grotte in die Erde stecke. Sehr bald brachten andere Menschen auch selbst Kerzen an diesen Ort des Lichtes und des Friedens. Die Muttergottes tat selber kund, daß ihr diese berührende Huldigung dieser Tausenden Kerzen gefiel, die seitdem zu ihrer Ehre ununterbrochen den Felsen der Erscheinung erleuchten. Von jenem Tag an glüht vor der Grotte Tag und Nacht, im Sommer wie im Winter, ein brennender Dornbusch, entzündet vom Gebet der Pilger und der Kranken, die ihre Sorgen und Nöte, vor allem aber ihren Glauben und ihre Hoffnung zum Ausdruck bringen.

Lourdes, procession aux flambeaux, 13 septembre 2008Da wir als Pilger hier nach Lourdes kommen, wollen wir auf den Spuren Bernadettes in diese außergewöhnliche Nähe zwischen Himmel und Erde eintreten, die sich niemals widersprochen hat und die sich unaufhörlich weiter festigt. Während der Erscheinungen ist zu bemerken, daß Bernadette den Rosenkranz unter den Augen Marias betet, die im Moment der Doxologie mit einstimmt. Diese Tatsache bestätigt den zutiefst theozentrischen Charakter des Rosenkranzgebets. Wenn wir den Rosenkranz beten, leiht uns Maria ihr Herz und ihre Augen, um das Leben ihres Sohnes, Christus Jesus, zu betrachten. Mein verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul II. ist zweimal hierher nach Lourdes gekommen. Wir wissen, wie sehr sich in seinem Leben und in seinem Dienst das Gebet auf die Fürsprache der Jungfrau Maria stützte. Wie viele seiner Vorgänger auf dem Stuhl Petri hat auch er das Rosenkranzgebet nachdrücklich gefördert; er hat dies unter anderem in einer ganz besonderen Weise getan, indem er es durch die Betrachtung der lichtreichen Geheimnisse bereichert hat. Sie sind übrigens auf der Fassade der Basilika in den neuen, im vergangenen Jahr eingeweihten Mosaiken dargestellt. Wie bei allen Geschehnissen im Leben Christi, die sie in ihrem Herzen bewahrte und überdachte (vgl. Lk 2,19), läßt Maria uns alle Etappen seines öffentlichen Wirkens als einen Teil der Offenbarung der Herrlichkeit Gottes begreifen. Möge der lichterfüllte Ort Lourdes eine Schule zum Erlernen des Rosenkranzgebets bleiben, das die Jünger Jesu in Gegenwart seiner Mutter in einen echten und herzlichen Dialog mit ihrem Meister einführt!

Lourdes, procession aux flambeaux, 13 septembre 2008Durch den Mund Bernadettes  hören wir die Bitte der Jungfrau Maria an uns, in Prozession hierher zu kommen, um in Einfachheit und mit Eifer zu beten. Die Lichterprozession vermittelt unseren sinnlichen Augen das Geheimnis des Gebetes: In der Gemeinschaft der Kirche, welche die Erwählten des Himmels und die Pilger der Erde miteinander vereint, entspringt das Licht aus dem Gespräch zwischen dem Menschen und seinem Herrn, und eine leuchtende Straße öffnet sich in der Geschichte der Menschen, auch in den dunkelsten Augenblicken. Diese Prozession ist ein Moment großer kirchlicher Freude, aber auch eine Zeit tiefen Ernstes: Die Anliegen, die wir mit uns tragen, unterstreichen unsere tiefe Verbundenheit mit allen, die leiden. Denken wir an die unschuldigen Opfer, die unter Gewalt, Krieg, Terrorismus und Hungersnot leiden oder die die Folgen von Ungerechtigkeiten, Plagen und Unheil, von Haß und Unterdrückung, von Angriffen auf ihre Menschenwürde und ihre Grundrechte, auf ihre Handlungs- und Gedankenfreiheit zu tragen haben. Denken wir auch an jene, die familiäre Probleme erleben oder die infolge von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Gebrechen, Einsamkeit oder ihrer Situation als Einwanderer leiden. Außerdem möchte ich diejenigen nicht vergessen, die um des Namens Christi willen leiden und für ihn sterben.

Maria lehrt uns, zu beten und unser Gebet zu einem Akt der Gottes- und der Nächstenliebe zu machen. Wenn wir mit Maria beten, nimmt unser Herz die Leidenden auf. Wie könnte unser Leben dabei unverändert bleiben? Warum sollte unser Sein und unser ganzes Leben nicht Ort der Gastfreundschaft für unseren Nächsten werden? Lourdes ist ein Ort des Lichtes, weil es ein Ort der Gemeinschaft, der Hoffnung und der Umkehr ist.

Lourdes, procession aux flambeaux, 13 septembre 2008Nun, beim Einbruch der Nacht,sagt Jesus zu uns: „Laßt eure Lampen brennen!“ (Lk 12,35): die Lampe des Glaubens, die Lampe des Gebetes, die Lampe der Hoffnung und der Liebe! Dieses Gehen in der Nacht mit dem Licht in der Hand spricht unser Inneres nachdrücklich an, es berührt unser Herz und besagt viel mehr als jedes andere gesprochene oder gedachte Wort. Diese Geste erfaßt allein unsere Lage als Christen unterwegs: Wir brauchen Licht und sind zugleich berufen, Licht zu werden. Die Sünde macht uns blind; sie hindert uns daran, unsere Mitmenschen führen zu können, und bewirkt, daß wir ihnen mißtrauen und uns selber nicht führen lassen. Wir haben es nötig, erleuchtet zu werden, und wiederholen die flehentliche Bitte des blinden Bartimäus: „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können!“ (Mk 10,51). Mach, daß ich meine Sünde sehe, die mich hemmt, doch vor allem: Herr, gib, daß ich deine Herrlichkeit sehe! Wir wissen, daß unser Gebet schon erhört ist, und wir sagen Dank, denn, wie der heilige Paulus im Epheserbrief sagt: „Christus wird dein Licht sein“ (5,14), und der heilige Petrus fügt hinzu: „Er hat euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen“ (1 Petr 2,9).

Zu uns, die wir nicht das Licht sind, kann Christus nun sagen: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14), indem er uns aufträgt dafür zu sorgen, das Licht der Liebe leuchten zu lassen. Wie der Apostel Johannes schreibt: „Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht; da gibt es für ihn kein Straucheln“ (1 Joh 2,10). Die christliche Liebe leben bedeutet, das Licht Gottes in die Welt zu tragen und zugleich auf seine wahre Quelle hinzuweisen. Der heilige Leo der Große schreibt: „Wer nämlich fromm und keusch in der Kirche lebt, wer seinen Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische lenkt (vgl. Kol 3,2), ist in gewisser Weise dem himmlischen Licht gleich; während er selbst auf den Glanz eines heiligen Lebens achtet, weist er wie ein Stern vielen den Weg, der zu Gott führt“ (Sermon III,5).

Lourdes, procession aux flambeaux, 13 septembre 2008
In diesem Wallfahrtsort Lourdes, auf den die Christen der ganzen Welt ihren Blick richten, seit die Jungfrau Maria hier die Hoffnung und die Liebe hat erstrahlen lassen, indem sie den Kranken, den Armen und den Kleinen den ersten Platz zuwies, sind wir eingeladen, die Einfachheit unserer Berufung zu entdecken: Denn es genügt zu lieben.

Morgen wird uns die Feier der Kreuzerhöhung direkt ins Herz dieses Geheimnisses einführen. In dieser Vigil richtet sich unser Blick schon auf das Zeichen des Neuen Bundes, auf das das ganze Leben Jesu zuläuft. Das Kreuz ist der höchste und vollkommenste Akt der Liebe Jesu, der sein Leben für seine Freunde hingibt. „So muß der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat“ (Joh 3,14-15).

Wie es in den Liedern vom Gottesknecht  angekündigt wurde, ist der Tod Jesu ein Tod, der zum Licht für die Völker wird; es ist ein Tod, der in Verbindung mit der Sühneliturgie die Versöhnung bringt, ein Tod, der das Ende des Todes bedeutet. Von da an ist das Kreuz ein Zeichen der Hoffnung, ein Banner des Sieges Jesu, denn „Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,16). Durch das Kreuz empfängt unser ganzes Leben Licht, Kraft und Hoffnung. Mit ihm ist die ganze Tiefe der Liebe offenbart, die im ursprünglichen Plan des Schöpfers enthalten war; mit ihm ist alles geheilt und zur Vollendung geführt. Das ist der Grund, warum das Leben im Glauben an den gestorbenen und auferstandenen Christus Licht wird.

Lourdes, procession aux flambeaux, 13 septembre 2008Die Erscheinungen waren von Licht umflutet, und Gott hat im Blick von Bernadette eine Flamme entzündet, die zahllose Herzen bekehrt hat.
Wie viele Menschen kommen hierher, um ein Wunder zu sehen, und hoffen vielleicht insgeheim, eines an sich selbst zu erfahren; auf dem Heimweg, nachdem sie eine geistliche Erfahrung eines echten kirchlichen Lebens gemacht haben, ändert sich dann ihr Blick auf Gott, auf die anderen und auf sich selbst. Eine kleine Flamme, die sich Hoffnung, Mitleid und Zartgefühl nennt, wohnt in ihnen. Die verborgene Begegnung mit Bernadette und mit der Jungfrau Maria kann ein Leben verändern, denn sie sind an diesem Ort Massabielle gegenwärtig, um uns zu Christus zu führen, der unser Leben, unsere Kraft und unser Licht ist. Mögen die Jungfrau Maria und die heilige Bernadette Euch helfen, als Kinder des Lichtes zu leben, um alle Tage Eures Lebens zu bezeugen, daß Christus unser Licht, unsere Hoffnung und unser Leben ist!

Benedikt XVI

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