AUS DEM „ORATORIUM DER MUTTER DER GÖTTLICHEN LIEBE“ IN MAILAND (2)

Fortsetzung zum ersten Teil

„DIE LÄSTIGEN PERSONEN GEDULDIG ERTRAGEN“
30. Juni 1968

Liebe Tochter, Ich werde mit Meinen Unterweisungen fortfahren, indem Ich mit dir von jenem Werke der Barmherzig­keit spreche, welches zu praktizieren viele sich weigern, dafür aber andere es üben lassen, nämlich:

„Die lästigen Personen ertragen.“

Vergiß nicht, daß ihr alle unvollkom­men seid, und daß die Unvollkommenhei­ten in euerm Leben an den Tag kommen durch eure Art und Weise zu sprechen, durch euer Benehmen, durch die Art und Weise, die Dinge zu sehen und die eigenen Meinungen zu äußern.

Was fehlerhaft ist, mißfällt nicht nur Gott, der unendlichen Vollkommenheit, sondern auch den Menschen, die, obwohl sie die Vollkommenheit nicht besitzen, diese bei den andern erwarten.

Wenn ihr alle vollkommen wäret, wäre das Zusammenleben leicht, wie das Leben im Himmel wonnevoll sein wird, da nichts dorthin gelangt, was unvollkommen ist.

Solange ihr auf dieser Erde seid, wird es für euch ein Kreuz bedeuten, einen andersgearteten Charakter zu ertragen; mit Andersdenkenden Zusammenstöße in Kauf zu nehmen; sich damit abzufinden, in Augenblicken des persönlichen Schmerzes sich zu freuen mit dem, der glücklich ist; den Mißerfolg der eigenen Angelegenheiten konstatieren zu müssen, während andere von ihren fabelhaften Erfolgen erzählen.

All das würde das Leben unerträglich gestalten, wenn nicht jenes obgenannte, gesegnete Werk der Barmherzigkeit, das die Nächstenliebe als Basis hat, das Ertragen des andern erleichterte.

Dieses gute Werk hat als Basis, wie gesagt, die Nächstenliebe; aber bei dessen Ausübung müssen notwendigerweise mit­wirken: Geduld, Demut, Gehorsam, Ver­ständnis, Großmut und grenzenlose Güte. Wenn du alle diese Tugenden übst, kon­statierst du bald, daß es neben dir keine lästigen Personen mehr gibt, sondern liebenswürdige Menschen, mit denen du im Umgang und im Gespräch viel Freude erlebst.

Denke daran, daß du dich noch so sehr anstrengen magst, deine Fehler abzulegen, irgendeiner wird immer bleiben, der dich bei den andern unangenehm macht. Den­ke oft an dies, damit auch du mit den Unvollkommenheiten oder den wirkli­

chen Fehlern deines Nächsten Nachsicht übst und suche ihn nicht nur zu ertragen, sondern auch zu lieben, so wie er ist, mit seinem Charakter, seiner Persönlichkeit und seinen Schwächen.

All dies tue immer aus Liebe zu Gott, denn der himmlische Vater wünscht, daß ihr einander liebt; und wenn ihr euch liebt, euch erträgt und miteinander Nach­sicht habt aus Liebe zu Ihm, gebt ihr einer menschlichen Handlung einen gött­lichen Wert, ihr macht sie deshalb würdig einer ewigen Belohnung.

Ahme Mein Beispiel nach, Meine Toch­ter, der Ich, obwohl Ich als Gott alle Tugenden und Fähigkeiten in einem un­endlichen Grade besaß, Mich doch allen angepaßt habe. Ich ertrug den Geiz und den Verrat des Judas, die Untreue und die Menschenfurcht des Petrus, die Schein­heiligkeit der Pharisäer, den Hochmut, die Schlechtigkeit, die Bosheit, die Undank­barkeit eines ganzen Volkes, das Mir während drei Jahren gefolgt war.

Es hatte Meine Wunder gesehen, es hatte Meine Macht, Meine Weisheit, Mei­ne barmherzige Güte handgreiflich erfah­ren, ohne davon etwas zu verstehen.

Sei allen alles, um alle für Gott zu gewinnen. Dies ist deine Mission und die jedes wahren Christen.

„ZU GOTT BETEN FÜR DIE LEBENDEN UND DIE TOTEN“
1. Juli 1968

Meine Tochter, Ich bin hier, um die Belehrungen über die Werke der Güte und der Barmherzigkeit abzuschließen, die du vollbringen kannst und mußt, um die werktätige Liebe, königliche Tugend und unentbehrlich im Leben eines Christen, in die Tat umzusetzen.

Ich werde dir nun sagen, wie du allen Lebenden und Verstorbenen, die darauf warten, die selige Heimat zu erreichen, helfen kannst: „Beten für die Lebenden und die Toten.“

Vorerst sollst du wissen: ihr könnt Lebende sein, obwohl schon gestorben, und ihr könnt Tote sein, obschon noch am Leben. Habe acht auf Meine Erklä­rung.

Du beweinst jene als tot, die die Welt verlassen; aber, wenn das Leben der Gnade in ihnen ist, beginnen sie in Wirklichkeit erst jetzt das wahre Leben, jenes, das nie enden wird.

Im Gegensatz dazu siehst du auf den Straßen viele Leute spazieren, die du als lebende Wesen taxierst, aber wenn du ihre Seele sehen könntest, würdest du dich

entsetzen. Es sind wandelnde Leichname. So beschränkt sich das Werk der Barm­herzigkeit nicht nur auf das Gute, das du jenen Personen, die um dich leben und jenen, die du auf den Friedhof begleitest, tun kannst, sondern umfaßt alle Leben­den der Erde.

Bete für alle, Ich bitte dich, wie es die Kirche tut.

Denke in deinem Gebet an alle Men­schen, und mögen alle in deiner Hilfe die Glut deiner Liebe spüren und den Herrn preisen. Mögen die Irrenden zum Schaf­stall zurückkehren. Mögen die dem Leben der Gnade Erstorbenen neu geboren wer­den. Mögen die Guten im Glauben wach­sen und möge sich ihr Herz immer mehr der Gnade öffnen. Mögen die Leidenden an ihrer Seite einen guten Simon von Cyrene spüren, der ihnen das Kreuz tragen hilft.

Mögen alle die Gnade wie frischen göttlichen Tau verspüren, der sie berieselt. Seht was ihr mit euerm Gebet erreichen könnt, liebe Kinder.

Ich habe euch gesagt, wenn ihr Glau­ben haben und zu einem Berg sagen würdet: „Stürze dich ins Meer“, er sich hineinstürzen würde. Nun sage Ich euch: habt Glauben und betet. Euer Glaube sei der Beweggrund eurer Gebete, und Ich verspreche euch, daß ihr mit euerm Gebet die Welt umwandeln werdet.

Das Gebet entwaffnet Mich. Vom Menschen, der betet, läßt sich der Vater rühren, Er verzeiht, Er gewährt, Er zieht Seine Hand zurück, die auf der Welt lastet. Er hat Erbarmen.

Meine Tochter, erinnere dich an die Vision des Jakob: an die Leiter, welche von der Erde zum Himmel reichte, und wie die Engel daran auf- und abstiegen! Die Engel trugen die Gebete der Men­schen unaufhörlich zu Gott und brachten Jakob Gottes Gnaden zurück.

Und so ist es immer in der Welt. Wehe euch, wenn das Gebet fehlt. Es ist eure Kraft.

Heutzutage betet man wenig in der Welt, zu wenig, und deswegen gehen die Dinge schief. Man gedenkt umzuformen, bessere Systeme zu finden als jene, die Ich gelehrt habe, und man hört auf zu beten. Man will die Formeln abschaffen, die gleichen, die Ich gelehrt und derer Ich Mich bedient habe.

Man will nicht hören auf das, was Meine Mutter gelehrt hat und was Sie bei allen Ihren Erscheinungen auf der Erde heute noch lehrt. Der Rosenkranz ist langweilig, sagt man. Er ist monoton; das paßt nicht mehr für die Jungen.

Nachdem man so das von Uns Gelehrte ausgeschieden hat, beginnt man das Gebet mit einem Akte des Hochmutes. Was wird man dadurch erreichen?

Es ist wahr, daß jede Gebetsformel vom Geiste und vom Herzen inspiriert sein muß; aber Ich versichere euch, daß sie euch eine große Hilfe sein wird. Sie wird wie das Geleise sein, auf dem ihr den Geist und das Herz gleiten läßt.

Benützt selbst die Kirche im liturgi­schen Gebet nicht auch immer die glei­chen Formeln und wiederholt sie?

Fürchtet nicht, euch zu irren, wenn ihr Meinen Belehrungen folgt. Betet und erhebt euer ganzes Sein zu Gott. Auch euer Körper, ebenfalls ein Werk Gottes, sei zu Ihm hingewendet.

Wenn es nicht möglich ist, daß ihr das Leben mit gefalteten Händen durchwan­delt — o, gesegnet die gefalteten Hände, die auf der Welt am Verschwinden sind ­wenn es also den Menschen, die von tausend Dingen des Lebens in Anspruch genommen werden, nicht möglich ist, die Tage im Gebete zu verbringen, gibt es doch bestimmte Augenblicke, wo Gott Anspruch hat auf Anbetung, Anrufung, Danksagung und das Flehen Seiner Kin­der.

Gesegnet seien jene Familien, in denen man sich morgens und abends zu einem gemeinsamen Gebet zusammenfindet, wo man Mich mit dem Tischgebet einlädt, am Mahle teilzunehmen. Ich versichere euch, daß Ich diese Einladung vergelten werde, wenn Ich euch am ewigen Mahl teilneh­men lassen werde.

Und jetzt gebe Ich dir einen Rat. Bete an erster Stelle für jene Personen, die dir wehe tun, für jene, gegen die du Antipa­thie empfmdest, für jene, die dir nicht gefallen. Dein Verdienst wird so verdop­pelt, und dein Herz wird zu verzeihen und zu lieben geneigt sein.

Vereinige deine Gebete immer mit den Meinigen, die Ich fortwährend vom Ta­bernakel aus zum Vater erhebe, mit jenen Meiner Mutter und der ganzen Kirche.

Kraft der Gemeinschaft der Heiligen wirst du deinem Gebete einen unendli­chen Wert geben und jede deiner geist­lichen Übungen wird zu einem wirklichen Werk der Barmherzigkeit werden.

DIE VERLEUMDUNG
4. August 1968

Meine Tochter, Ich will mit dir von zwei sehr schweren Sünden sprechen, die man in der Welt begeht, und die Mein Herz so sehr betrüben: die Verleumdung und das Ärgernis.

Beide sind dem Morde gleich. Die Verleumdung tötet die Ehre, das Ärgernis mordet die Unschuld, die Seele einer Person, indem sie sie zur Sünde und zum Bösen verführt.

Nun möchte Ich wirklich allen Meinen Kindern die Schwere der Verleumdung erklären, die sich so leicht verbreitet, und die so viel Schaden anrichtet in den

Familien, bei den Einzelnen und in der Gesellschaft.

Sie ist wie ein Gift, das ohne jemandes Wissen eindringt und die Masse vergiftet. Sie ist wie ein giftiges Serum, das der Feind einer lebenden Person während des Schlafes einspritzt. Sie ist ein Schuß in den Rücken, ein Verrat.

Manchmal glaubst du, dieser oder jener befreundeten Person vertrauen zu kön­nen; aber sie profitiert von deinen Ver­traulichkeiten, fügt vielleicht ihre eigenen, wenig wohlwollenden Überlegungen hin­zu und verbreitet so unwahre Nachrich­ten. Nicht, daß sie sie auf öffentlichem Marktplatze verkündet, aber doch gehen die Neuigkeiten von Mund zu Mund als Vertraulichkeit und Geheimnis.

Die so gesammelten und verbreiteten Neuigkeiten wechseln immer Form und Substanz; wenn sie etwas Schlechtes betreffen, verbreiten sie sich wie ein ins Wasser gegossener Topfen Öl. Ich erinnere euch daran, liebe Kinder, daß, wer das Böse verbreitet, sich dessen schuldig macht. Aus diesem Grunde habe Ich andere Male darauf bestanden, daß man unter Christen das Böse nicht einmal nennen sollte, da es niemandem nützt.

Wer verleumdet, freut sich über das Böse und verbreitet es mit satanischer Lust unter dem Anschein, sich darüber zu betrüben und damit aufzuräumen. Es ist dies eine Sünde, die man mit viel Leicht­sinn und Sorglosigkeit begeht, und über die ihr euch in den Beichten mit wenig Aufrichtigkeit anklagt, weshalb sie in den meisten Fällen gar nicht verziehen wird.

Es ist eine Sünde, die nur schwer verziehen wird, denn wer stiehlt, erlangt erst dann Verzeihung, wenn er das Ge­stohlene zurückgegeben hat. Wer dem Nächsten den guten Ruf stiehlt, dem kann nicht verziehen werden, wenn er den Weg der Verleumdung im umgekehr­ten Sinn nicht noch einmal zurücklegt, indem er jener Person, jenem Priester, jener Freundin oder jener Unbekannten die geschädigte Ehre wieder herstellt.

Du selbst siehst, wie schwierig eine solche Wiedergutmachung ist und infolge­dessen wie schwierig es ist, Verzeihung zu erlangen.

Ich will euch nicht erschrecken mit dem Gedanken an die ewigen Strafen, aber Ich versichere euch, daß eine schreckliche Strafe die Zunge der Ver­leumder treffen wird, auch im Fegfeuer. Wenn Meine Kinder in diesem Leben jene Strafe auch nur von weitem sehen wür­den, wären sie so entsetzt davon, daß sie eher auf die Gabe der Sprache verzichten würden, als weiter ihre Zunge schlecht zu gebrauchen.

Ich möchte wirklich, Meine lieben Kinder, daß eine heilige Furcht vor dieser Sünde euch wachsam erhalte, damit ihr nicht später etwas bitter zu bereuen habt.

Wer Kenntnis hat von Bösem oder etwas Bösem, darf die in Frage stehende Person warnen, aber er muß sich verge­wissern, ob es sich wirklich um Böses

handelt, da dies manchmal, auch wenn es den Anschein hat, in Wirklichkeit nicht der Fall ist, da die Absicht der ausführen­den Person nicht böse war. Es ist für euch schwierig, in der Seele zu lesen und unmöglich, über die Absichten zu urtei­len. Wer Böses verbreitet, das andere begangen haben, begeht eine Sünde, mehr oder weniger schwer, je nach der Schwere des Fehlers, den er verbreitet, auch wenn das, was er sagt, wahr ist.

Liebt die Aufrichtigkeit und die Klug­heit! Dann wird es für euch nicht so leicht sein, in die Sünde der Verleumdung zu fallen. Wie viele wunderbare Werke sind zusammengestürzt durch böse Zungen. Wie viele Familien ruiniert! Wie viele eifrige und gut gesinnte Seelen entmutigt!

Die Verleumdung ist noch viel schlim­mer, wenn sie vom Herzen und von den Lippen Meiner bevorzugten Kinder aus­geht. Jene, die Mich oft empfangen, die die Kirche besuchen, gehen mit großer Leichtigkeit von der üblen Nachrede zur Verleumdung über.

Manchmal rührt sie vom Neid her, manchmal vom Hochmut. Manchmal sind es kleine Rivalitäten, auch im Guten, die euch satanisch stimmen. Es ist der Neid über die Gnade, die andere erhalten haben, die euch fähig macht, auch Dinge zu entdecken, die nicht bestehen und Böses zu verbreiten, das gar nicht exi­stiert.

Liebe Kinder, weint über diese so schwere Sünde, die todbringend ist für die Ehre von Personen, die euch nahe stehen, ohne daß sie es wissen und macht ein feierliches Versprechen, daß ihr euch nie mehr mit dieser so schwer wiedergutzu­machenden Sünde befleckt!

Wenn ihr nichts Gutes sagen könnt von euerem Nächsten, schweigt. Viel besser wäre es für euch, stumm zu bleiben, als die Zunge schlecht zu gebrauchen!

Ihr alle bildet mit Mir einen einzigen Leib, Meinen Mystischen Leib. Wer ver­leumdet, zerfleischt Meinen Leib, reißt Mir Glieder aus, macht Mich leiden; es ist ein Übel, das sich auf die ganze Kirche auswirkt.

Meine Kinder, fürchtet und zittert!

DAS ÄRGERNIS
5. August 1968

Nehmen wir die Unterweisung von ge­stern wieder auf, und Ich werde mit dir über das Ärgernis sprechen, von dem Ich dir gesagt habe, daß es ein wirklicher Mord sei, wenn auch unsichtbar für die Augen des Leibes.

Im Evangelium (Mt. 18,6-7) habe Ich euch gesagt: „Wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt. Es wäre besser, wenn ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“ Und Ich sage dir: wer sich ins Meer stürzt, schadet nur sich selber, wer aber Ärgernis gibt, verursacht überdies den Ruin anderer, und du kannst nicht einmal sagen, wie viele es sein werden.

Beobachte was geschieht, wenn du einen Stein ins Wasser wirfst: es bilden sich eine Vielzahl von konzentrischen Kreisen, die sich immer mehr entfernen. So verhält es sich mit jeder Sünde. Sie hat eine Auswirkung auf die ganze Welt und besonders auf Meinen Mystischen Leib, die Kirche, so daß ihr mit Recht sagen könnt, wer sündigt, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch den Brüdern, auch wenn diesen die Sünde unbekannt ist.

Dies geschieht bei jeder Sünde, aber in besonderer Weise bei der Sünde des Ärgernisses.

Du verstehst sofort, wie die Belohnung im Himmel sich auf die geübte Nächsten­liebe gründen wird. So wird strenge Strafe jenen treffen, der dem Nächsten Schaden zufügt und besonders, wenn dieser Scha­den nicht nur den Leib, sondern die Seele betrifft.

Ich kam in die Welt, lebte und starb am Kreuze, um die Seelen zu retten. Der Ärgernisgeber arbeitet gegen Mich und macht die Frucht Meiner Erlösung zu­nichte. Daran kannst du die Schwere dieser Sünde erkennen.

Ich würde auch für eine einzige Seele Meine Passion und Meinen Tod wieder­holen, und der Ärgernisgeber verdirbt Mir die Seelen, die Mir gehören und für deren Glückseligkeit Ich das Leben gegeben habe. Scheint es dir nicht, daß es keine größere Bosheit geben kann?

Ich werde dir jetzt sagen, wie man Ärgernis gibt.

Alles was in der Welt geschieht, das die andern zum Bösen verführen kann, ist Ärgernis: verderbliche Worte und Hand­lungen, die im Geist und im Herzen des andern eine schädigende Spur hinterlassen und ihn verleiten, dem bösen Beispiel zu folgen.

Das Werk des Ärgernisgebers ist schlimmer als jenes des Teufels, durch welchen es unterstützt und organisiert wird. Jetzt aber will Ich dir nicht die großen Ärgernisse in Erinnerung rufen, die in der Welt geschehen, vielmehr will ich dich einen Augenblick in dich selbst einkehren und dich nachdenken lassen über dein Betragen, um zu versuchen, alles wegzunehmen, was nicht erbaulich ist für deinen Nächsten.

Gedanken, Worte, Handlungen und Unterlassungen werden bei Meinem Ge­richt Gegenstand des Urteils sein, und das alles wird auch in Verbindung mit dem Nächsten beurteilt werden.

Darum beginne gleich jetzt, alles weg­zuschaffen aus deinem Leben, was nicht erbaulich ist. Wache über deine Worte, über deine Handlungen, über dein Betra­gen. Mache, daß alles in dir Licht sei, daß alles zum Guten führe.

Ich habe dir andere Male gesagt, daß eine Seele nie allein in den Himmel kommt, sondern jene Seelen mit sich bringt — natürlich jede zu ihrer Zeit — die sie gerettet hat.

Das Beispiel reißt mit. Bekämpfe auf diese Art das Ärgernis, das viele geben; reiße das Unkraut aus, das sie säen, indem du das gute Beispiel gibst. Sei Werkzeug der Rettung und des Lebens, wo man den Tod sät.

ENTWURF ZU EINER LEBENSORDNUNG
6. August 1968

Meine Tochter, rufe unaufhörlich die Hilfe Gottes an, wenn du alle Schwierig­keiten besiegen und überwinden willst, denen du begegnest und die sich zwischen dich und Gott stellen.

Richte deine Handlungen, deine Ge­danken, deine Worte immer nach Gott aus, damit alles Seinem Willen gemäß geschehe.

Wache über dich selbst: über den Verstand, über das Herz, über die Zunge, damit nichts in dir vorkomme, das Gott nicht wohlgefällig ist.

Heilige dein Leben, indem du es ganz zur Ehre Gottes verbringst und zum Wohle des Nächsten; verschwende auch nicht einen Augenblick der Zeit, jener kostbaren Münze, mit der du dir das ewige Leben erkaufen kannst.

Habe Ehrfurcht vor allen. Urteile über niemanden, denn niemand von euch hat das Recht, andere zu richten, wenn du willst, daß Jener, der dich am letzten Tag richten wird, nachsichtig mit dir sei.

Sei allen gegenüber gerecht, indem du jedem das gibst, was ihm zukommt. Ich liebe die Rechtschaffenheit und die Ge­rechtigkeit, Eigenschaften, die euch bei Gott und den Menschen beliebt machen.

Sei großmütig im Opferbringen, so­wohl im Alltag — das Opfer begleitet jeden Menschen — wie auch in den großen Gelegenheiten des Lebens, wenn der Herr an die Türe deines Hauses klopft, um dich zur Mitarbeit mit Ihm aufzurufen durch dein Kreuz und durch dein Leiden.

Vertraue auf den Herrn, deinen Gott, denn Er wacht über dich, Er liebt dich und will dein Glück. Du hast nichts anderes zu tun, als dich in Seine Arme zu werfen wie ein Kind und dich von Ihm führen zu lassen.

Erfülle deine tägliche Pflicht mit Freu­de, mit Treue, mit Genauigkeit und mit Liebe, indem du dich mit Mir vereinigst, der Ich immer in dir lebe.

Hier hast du in Kürze eine Lebensregel, die du bei deinen Gewissenserforschungen benutzen sollst.

Wenn du vorgehen wirst, wie Ich dir gesagt habe, wirst du deine Probleme vereinfachen, dein Leben wird durchsich­tig und für alle ein gutes Beispiel sein; du wirst die von Gott so sehr gewünschte und angeordnete Heiligkeit erreichen.

Erinnere dich des Befehls, den Ich an alle Meine Jünger richtete und durch sie an alle, die Mich lieben und Mir folgen würden:

„Seid heilig, wie euer Vater im Him­mel heilig ist.“

(FIDELITAS, Schaffhausen)

 

Dies sind Auszüge aus dem Heft 7 der Schriftenreihe „GEDANKEN UND ÜBERLEGUNGEN“ der deutschen Übersetzung des Werkes von „Mamma Carmela Carabelli, „Zöna­kel der göttlichen Liebe und Barmherzig­keit“, Mailand.

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Zönakel der Göttlichen Liebe und Barmherzigkeit