Polens Bischöfe verlangen Verbot der Sonntagsöffnung — Ruhe am Tag des Herrn

Stanislaw Gadecki, Erzbischof von Posen und Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz.

Polens katholische Bischöfe fordern ein Verbot der bislang üblichen Öffnung von Geschäften an Sonntagen. „Der freie Sonntag ist ein Grundrecht, auf das alle Menschen und jeder Mitarbeiter Anspruch haben“, so die Bischofskonferenz.

Der polnische Bischofskonferenz-Vorsitzende, Erzbischof Stanislaw Gadecki, rief nach einer Versammlung der Diözesanbischöfe in Tschenstochau (Czestochowa) die Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) und katholische Organisationen auf, sich für die „Sonntagsruhe“ stark zu machen.

Regierung berät über Einschränkung des verkaufsoffenen Sonntags

Die nationalkonservative Regierung berät bereits über eine Einschränkung des verkaufsoffenen Sonntags. Familien- und Arbeitsministerin Elzbieta Rafalska schlug vor einigen Tagen als Kompromiss vor, die Öffnung von Läden am ersten und vierten Sonntag jedes Monats zu untersagen und nur am zweiten und dritten Sonntag zu erlauben.

Gadecki kritisierte, es fehle bislang am „politischen Willen zur Lösung des Problems“. Es sei notwendig, dass die Politiker die Stimme der Gesellschaft für den freien Sonntag hörten. Als „heiliger Tag“ solle der Sonntag arbeitsfrei sein. Die endgültige Gestaltung des Gesetzes sei jedoch nicht Sache der Kirche, sondern vielmehr des Parlaments.

Freie Wahl der Öffnungszeiten

Bislang gibt es in Polen mit Ausnahme der gesetzlichen Feiertage keine Einschränkung der Ladenöffnungszeiten. Die Gewerkschaft Solidarnosc hatte voriges Jahr mit Unterstützung der katholischen Kirche rund 500.000 Unterschriften für eine Volksinitiative für ein Gesetz gesammelt, das dem Sonntagseinkauf enge Grenzen setzt. In diesem Herbst wird ein Votum des Parlaments darüber erwartet.

Der Entwurf der Gewerkschaft lässt die Öffnung von Supermärkten und Einkaufszentren nur an sieben Sonntagen im Jahr – darunter zwei Adventssonntagen – zu. Das Einkaufen an Heiligabend und Karsamstag soll ab nachmittags ausgeschlossen werden. Die Regierung erklärte bereits, sie lehne Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren bei Verstößen gegen das Ladenschlussgesetz ab, wie sie der Entwurf der Volksinitiative vorsieht.

Der Verband der Einkaufszentren lehnt die Volksinitiative ab. Ein Verbot der Ladenöffnung an Sonntagen würde zu einem Umsatzrückgang von fast vier Prozent oder mehr als einer Milliarde Euro führen, argumentiert er. Dadurch würden allein in Handelszentren rund 20.000 Arbeitsplätze wegfallen.

(KNA) – Quelle

Polen: Über 100.000 Pilger beim „Großen Buße“-Treffen

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Wielka Pokuta, Jasna Góra / EpiskopatNews – B.M.Sztajner/ Niedziela, CC NY-NC-SA

Das Treffen mit Gottesdienst und eucharistischer Anbetung
fand am Samstag in Jasna Gora statt

In Anwesenheit von 100.000 Pilgern hat auf Jasna Gora das „Große Buße“- Treffen stattgefunden, bei dem eine Bußandacht für die Sünden der Nation begangen sowie eine Bitte um Barmherzigkeit für Polen ausgesprochen wurde. Auf dem Programm des Gebetstages standen: eine Danksagung für das, was in der Geschichte Polens geschehen ist, ein Bußteil mit Zeugnissen und eucharistischer Anbetung, sowie ein Gottesdienst, der von Erzbischof Stanisław Gądecki, dem Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz, gefeiert wurde.

Viele Teilnehmer empfingen das Beichtsakrament und betonten den Sinn des gemeinsamen Gebets. „Wir wollen zeigen, dass die Gottesmutter die Rettung für Polen und für die Welt ist, durch Maria können wir alles tun. Oft war in der Geschichte Polens das Gebet nötig und jetzt ist diese Zeit wieder gekommen“, sagt einer der Pilger.

Die „Große Buße“ ist vor allem als Sühne für die persönlichen Sünden und die der ganzen Nation zu verstehen, darunter fallen besonders die Tötung der ungeborenen Kinder, Süchte, Neid und Spaltungen.

Die Vorträge und Gebetseinheiten leiteten die brasilianischen Missionare und Oberen der Gemeinschaft „Bündnis der Barmherzigkeit“, Pater Antonello Cadeddu und Pater Henrique Porcu, sowie der Exorzist Pater Piotr Glas.

„Ich denke, dass hier jeder etwas für sich selbst finden kann, so wie der Heilige Geist ihn zur eigenen Spiritualität der Sühne führt“, meint der Salesianer-Pater Dominik Chmielewski.

Das Programm der Veranstaltung bestand aus drei Teilen. Zuerst wurde dem Schöpfer für alles Gute gedankt, das in der Geschichte Polens geschehen ist. Am Nachmittag wurde die Heilige Messe von Erzbischof Stanisław Gądecki, dem Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz, gefeiert, der auch die Predigt hielt. Er betonte anhand des Vorbilds des verlorenen Sohnes die Notwendigkeit für die Personen und Gemeinschaften, zu Gott zurückzukehren. Am Abend fand der Bußteil statt, in dem Gott für die persönlichen und gesellschaftlichen Sünden um Vergebung gebeten wurde.

Das „Große Buße“-Treffen war eine Initiative von Laien in Zusammenarbeit mit Geistlichen. Die Organisatoren betonen, dass dieses Ereignis ein Glaubenszeugnis war und Ausdruck der Überzeugung, dass Erneuerung nur in Gott und durch Maria möglich ist.

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Quelle

Der Papst in Jasna Gora: Klein, nah und konkret wie Maria

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Gebet während der Messe, Jasna Gora

Tschenstochau ist so etwas wie das geistliche Zentrum Polens, kein Papstbesuch kommt ohne einen Halt dort aus. Papst Franziskus war an diesem Donnerstag Morgen dort, zunächst um vor der berühmten Ikone der „Schwarzen Madonna“ zu beten und dem Bild – wie seine beiden Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. – eine goldene Rose zu schenken, Zeichen besonderer päpstlicher Verehrung.

Danach begab sich der Papst aus der Kapelle hinaus, um am Nationalheiligtum Jasna Gora – dem hellen Berg – eine Messe zu feiern. Es war ‚polnischste’ aller Programmpunkte der Papstreise, während Franziskus sonst entweder am Weltjugendtag teil nimmt oder auf kleinere Gruppen trifft, war diese Messe am Nationalheiligtum so etwas wie der Besuch am geistlichen Zentrum des Landes. Und so waren der Platz vor der Kirche samt den Straßen drum herum gut gefüllt bis übervoll.

In seiner – während der Übersetzung einige Male durch Applaus unterbrochenen – Predigt mahnte der Papst Bescheidenheit und Demut der Christen an. „Gott rettet uns, indem er klein, nah und konkret wird“, betonte Franziskus. „Er zieht es nämlich vor, sich im Kleinen zu bergen, im Gegensatz zum Menschen, der tendenziell immer noch Größeres besitzen will. Von der Macht, der Größe und der Augenfälligkeit angezogen zu sein, ist in tragischer Weise menschlich und eine große Versuchung, die sich überall einzuschleichen sucht. Sich an die anderen zu verschenken, die Distanzen aufzuheben, im Kleinen zu wohnen und konkret im Alltäglichen zu leben – das ist in vortrefflicher Weise göttlich.“

Deswegen habe sich Gott auch immer „bescheidene, verfügbare Menschen“ als sein Sprachrohr ausgesucht. Franziskus erinnerte an die vielen Polen darunter: „Denken wir an viele Söhne und Töchter eures Volkes: an die Märtyrer, die die wehrlose Kraft des Evangeliums haben aufleuchten lassen; an die einfachen und doch außergewöhnlichen Menschen, die inmitten großer Prüfungen die Liebe des Herrn zu bezeugen wussten; an die sanften und starken Verkünder der Barmherzigkeit wie der heilige Johannes Paul II. und die heilige Faustyna.“

Auch Maria sei klein, nah und konkret und deshalb zur „Gottesgebärerin“ auserkoren worden. „Sie ist weder Herrin noch Hauptdarstellerin, sondern Mutter und Dienerin“, betonte Franziskus. Als Familienmutter wolle sie uns gemeinsam bewahren. „Der Weg eures Volkes hat in der Einheit viele harte Momente überstanden. Möge die Mutter, die stark war unter dem Kreuz und ausdauernd im Gebet mit den Jüngern in der Erwartung des Heiligen Geistes, euch den Wunsch einflößen, über das Unrecht und die Verwundungen der Vergangenheit hinauszugehen und Gemeinschaft mit allen zu schaffen, ohne je der Versuchung nachzugeben, sich abzuschotten und sich aufzuzwingen.“

Der 1050. Jahrestag der Taufe Polens, der in diesem Jahr gefeiert wird, sei Anlass, Gott Dank zu sagen, fuhr Franziskus fort. „Er ist mit eurem Volk mitgegangen und hat es in vielen Situationen bei der Hand genommen und begleitet.“ Dazu sei auch die Kirche selbst immer berufen: zuhören, sich einbringen und Nähe zeigen. „So kommt das Evangelium auf schlüssigste Weise an und bringt reichste Frucht: durch positive Ausstrahlung, über die Transparenz des Lebens.“ Franziskus lud dazu ein, sich einen „von Maria verkörperten göttlichen Stil“ anzueignen, der schlicht darin bestehe, im Kleinen zu wirken und aus der Nähe zu begleiten, mit einfachem, offenem Herzen.

(rv 28.07.2016 cz)

JOHANNES PAUL II. IN DER WALLFAHRTSKIRCHE VON GUADALUPE

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Sei gegrüßt, Mutter Lateinamerikas!

Homilie beim Gottesdienst in der Wallfahrtskirche von
Guadalupe am 27.1. 1979

1. Gruß dir, Maria!
Meine Freude ist groß, verehrte Brüder im Bischofsamt und geliebte Söhne und Töchter, daß die ersten Schritte meiner Wallfahrt als Nachfolger Pauls VI. und Johannes Pauls I. mich gerade hierher führen. Sie führen mich zu dir, Maria, in dieses Heiligtum des Volkes von Mexiko und von ganz La­teinamerika, in dem du dich seit so vielen Jahrhunderten als Mutter kund­getan hast.

Gruß dir, Maria!
Mit großer Liebe und Ehrfurcht spreche ich diese so schlichten und gleich­zeitig so wundervollen Worte aus. Niemand wird dich je in einer wunderba­ren Weise grüßen können, als es damals der Engel bei der Verkündigung getan hat! Gegrüßest seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Diese Worte wiederhole ich, die so viele Herzen in aller Welt in sich tragen und so viele Lippen bekennen. Wir alle, die wir hier anwesend sind, wieder­holen sie zusammen im Bewußtsein, daß dies die Worte sind, mit denen Gott selbst durch seinen Boten dich begrüßt hat, dich, die Frau, im Garten Eden uns versprochen und von Ewigkeit her erwählt als Mutter des Wortes, Mutter der göttlichen Weisheit, Mutter des Gottessohnes.

2. Dein Sohn Jesus Christus ist unser Erlöser und Herr. Er ist unser Meister. Wir alle, die wir hier vereint sind, sind seine Jünger. Wir sind die Nachfolger der Apostel, denen der Herr gesagt hat: „Geht also zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen ‚Jüngern‘ und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles befolgen, was ich euch geboten habe. Und seht, ich bin bei euch alle Tage bis zur Voll­endung der Welt“ (Mt 28, 19-20).

Wir, der Nachfolger Petri und die Nachfolger der Apostel, die wir hier ver­sammelt sind, legen Zeugnis davon ab, daß sich diese Worte hier in diesem Land auf wunderbare Weise erfüllt haben.

Seitdem im Jahre 1492 die Verkündigung der Frohen Botschaft in der Neuen Welt begonnen hat, gelangt der Glaube schon gut 20 Jahre später nach Mexiko. Nur wenig später entsteht das erst Erzbistum unter der Lei­tung von Juan de Zumärraga, auf den andere große Gestalten von Verkün­dern der Frohen Botschaft folgen, die das Christentum bis in weit entfernte Gegenden verbreiten.

Andere nicht weniger glorreiche Lobgesänge werden in diesem Erdteil auf Männer angestimmt, wie auf den hl. Toribio von Mogroviejo und noch viele andere, die es verdienten, hier genannt zu werden. Die Verbreitung des Glaubens schreitet dann ohne Unterbrechung voran, und nach einem Jahr­hundert der Verkündigung der Frohbotschaft gibt es auf dem neuen Konti­nent mehr als 70 Bischofssitze mit 4 Millionen Christen. Ein einmaliger Vorgang, der sich über lange Zeit fortsetzt und bis zum heutigen Tag, nach fünf Jahrhunderten der Evangelisation, fast die Hälfte der ganzen katholi­schen Kirche umfaßt, die in der Kultur des lateinamerikanischen Volkes verwurzelt und Bestandteil seiner eigenen Identität ist.

Und in dem Maß, in dem sich in diesen Ländern der Auftrag Christi erfüllte, in dem Maß, in dem durch die Taufgnade überall die Zahl der Gotteskinder zunahm, erscheint auch die Mutter. In der Tat, dir, Maria, zeigte der Sohn Gottes und gleichzeitig dein Sohn von der Höhe des Kreuzes herab einen Mann und sagte: „Frau, da ist dein Sohn“ (Joh 19, 26). In diesem Mann hat er dir jeden Menschen anvertraut, hat er dir uns alle anvertraut. Und du, die du im Augenblick der Verkündigung mit diesen einfachen Worten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mit mir geschehe, was du gesagt hast“ (Lk 1, 38), das ganze Programm ihres Lebens zusammengefaßt hast, umarmst alle, näherst dich allen und suchst alle wie eine Mutter. Auf diese Weise er­füllt sich, was das letzte Konzil über deine Gegenwart im Geheimnis Christi und der Kirche erklärt hat. Auf immer gehörst du in wunderbarer Weise zum Geheimnis Christi, deines eingeborenen Sohnes, weil du immer dort stehst, wo die Menschen, seine Brüder, stehen, wo die Kirche steht.

Tatsächlich lehrten die ersten Missionare, die in Amerika ankamen und aus Ländern mit einer hervorragenden marianischen Tradition stammten, mit den Grundlagen des christlichen Glaubens auch die Liebe zu dir, der Mutter Jesu und aller Menschen. Seitdem der Indio Juan Diego von der Lieben Frau von Tepeyac kündete, trittst du, Mutter von Guadalupe, in entschei­dender Weise in das christliche Leben des Volkes von Mexiko ein. Ebenso bedeutend ist deine Gegenwart an anderen Orten geworden, wo die Gläu­bigen dich unter verschiedenen Namen liebevoll verehren, wie Unsere Liebe Frau von der Hohen Gnade, von der Erscheinung, von Lujän und an­deren ebenso innigen Namen, um nicht eine endlose Reihe nennen zu müs­sen, mit denen in jeder Nation und sogar in jeder Gegend die Völker Latein­amerikas dir ihre tiefste Verehrung bekunden und wo du sie beschützt auf ihrer gläubigen Pilgerschaft.

Der Papst — der aus einem Land kommt, in dem deine Bilder, besonders je­nes von Jasna Góra, auch ein Zeichen deiner Gegenwart im Leben der Na­tion mit ihrer gefahrvollen Geschichte sind — hat ein besonderes Empfinden für dieses Zeichen deiner Gegenwart hier im Leben des Gottesvolkes von Mexiko, in seiner Geschichte, die auch nicht leicht und manchmal sogar dramatisch war. Aber du bist in gleicher Weise gegenwärtig im Leben so vieler anderer Völker und Nationen Lateinamerikas dadurch, daß du nicht nur seine fernere oder nähere Vergangenheit prägst und bestimmst, son­dern auch die Gegenwart mit ihren Unsicherheiten und Schatten. Dieser Papst nimmt im Innersten seines Herzens die besonderen Bindungen wahr, die dich mit diesem Volk einen und dieses Volk mit dir. Dieses Volk, das dich begeistert „La Morenita“ nennt. Dieses Volk — und mit ihm dieser ganze riesige Kontinent — lebt in einer geistlichen Einheit dank der Tatsa­che, daß du die Mutter bist. Eine Mutter, die mit ihrer Liebe wirkt, bewahrt und ihren Söhnen und Töchtern immer wieder Gelegenheit gibt, sich nä­hern zu können.

3. Wir treffen uns in einer außergewöhnlichen und eindrucksvollen Stunde der Weltgeschichte. Wir kommen zu diesem Ort im Bewußtsein, daß wir uns an einem entscheidenden Punkt der Entwicklung befinden. Mit dieser Bischofsversammlung wollen wir an die vorhergegangene Vollversamm­lung der lateinamerikanischen Bischöfe anknüpfen, die vor zehn Jahren in Medellin stattgefunden hat, in zeitlichem Zusammenhang mit dem Eucha­ristischen Weltkongreß von Bogotá, und an der der unvergessene Papst Paul VI. teilgenommen hat. Wir sind nicht so sehr deswegen hierherge­kommen, um nach Ablauf von zehn Jahren das gleiche Problem noch ein­mal zu behandeln, sondern eher, um es auf eine neue Weise, an einem neuen Ort und in einem neuen historischen Augenblick zu überprüfen. Wir wollen dabei das als Ausgangspunkt nehmen, was in den Dokumenten und Beschlüssen jener Konferenz enthalten ist. Gleichzeitig versuchen wir, auf der Basis der Erfahrung dieser zehn Jahre und der Entwicklung des Denkens sowie im Licht der Erfahrungen der ganzen Kirche einen richtigen und notwendigen Schritt nach vorne zu tun.

Die Konferenz von Medellin fand kurze Zeit nach Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils statt, des Konzils unseres Jahrhunderts, und hatte zum Gegenstand, die dadurch entstandenen neuen Fragestellungen und wesentlichen Inhalte des Konzils aufzugreifen, um sie auf die konkrete Si­tuation der lateinamerikanischen Kirche anzuwenden oder sie zur Orientie­rung zu nehmen.

Ohne das Konzil wäre die Versammlung von Medellin nicht möglich gewe­sen; diese wollte ein Impuls sein für die pastorale Erneuerung, ein neuer „Geist“, um der Zukunft ein neues Antlitz zu geben, und dies in voller kirchlicher Treue und in Auslegung der Zeichen der Zeit in Lateinamerika. Die Absicht der Evangelisation war sehr klar und trat in den behandelten 16 Themen offen zu Tage, die sich auf drei große, sich gegenseitig ergän­zende Themenkreise verteilten: menschlicher Fortschritt, Evangelisation und Wachstum im Glauben, die konkrete Kirche und ihre Strukturen. Mit einer Option für den Menschen Lateinamerikas, betrachtet in all seinen Lebensbereichen, mit seiner vorzugsweisen, aber nicht ausschließlichen Liebe für die Armen, mit seinem mutigen Einsatz für die vollständige Be­freiung der Menschen und Völker war Medellin — und die dort gegenwär­tige Kirche — ein Ruf der Hoffnung auf christlichere und menschlichere Ziele hin.

Aber es sind seitdem mehr als zehn Jahre vergangen. Und es entstanden In­terpretationen von zuweilen gegensätzlicher, nicht immer richtiger und für die Kirche brauchbarer Art. Deswegen sucht die Kirche nach Wegen, die es ihr ermöglichen, die von Jesus Christus erhaltene Sendung tiefer zu verste­hen und mit größerem Einsatz durchzuführen.

Eine große Bedeutung hatten in diesem Zusammenhang die Versammlun­gen der Bischofssynode, die in diesen Jahren stattfanden, vor allem die von 1974 über die Evangelisation, deren Ergebnisse dann in lebendiger und ermutigender Weise im Apostolischen Schreiben Evangelii nuntiandi Pauls VI. zusammengefaßt wurden.

Das ist das Thema, das wir heute über unserem Arbeitstisch anbringen, das wir uns zum Studium vornehmen: „Die Evangelisation in der Gegenwart und für die Zukunft Lateinamerikas.“

Wenn wir uns an diesem heiligen Ort versammeln, um unsere Arbeit zu be­ginnen, tritt uns der Abendmahlssaal in Jerusalem vor Augen, der Ort der Einsetzung der hl. Eucharistie. Im gleichen Abendmahlssaal versammelten sich die Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn, damit sie, mit Maria, der Mutter des Herrn, im Gebet vereint, ihr Herz bereiten konnten, um den Heiligen Geist zu empfangen im Augenblick der Geburtsstunde der Kirche. Wir kommen auch deshalb hierher; auch wir hoffen auf die Herabkunft des Heiligen Geistes, der uns die Wege der Evangelisierung erkennen läßt, auf denen die Kirche in unserem Kontinent wirken und sich erneuern muß. Auch wir wollen heute und in den nächsten Tagen im Gebet mit Maria, der Mutter unseres Herrn und Meisters, verweilen: mit dir, Mutter der Hoff­nung, Mutter von Guadalupe.

4. Gestatte also, daß wir, ich, Johannes Paul II., Bischof von Rom und Papst, zusammen mit meinen Brüdern im Bischofsamt, die die Kirche von Mexiko und von ganz Lateinamerika vertreten, in diesem feierlichen Au­genblick dir, der Magd des Herrn, das kostbare Erbe des Evangeliums, des Kreuzes, der Auferstehung, wofür wir alle Zeugen, Apostel, Lehrer und Bi­schöfe sind, anvertrauen und darbringen.

Du, unsere Mutter! Hilf uns, treue Ausspender der großen Geheimnisse Gottes zu sein. Hilf uns, die Wahrheit zu lehren, die dein Sohn verkündet hat, und die Liebe zu verbreiten, die das wichtigste Gebot und die erste Frucht des Heiligen Geistes ist. Hilf uns, unsere Brüder im Glauben zu be­stärken. Hilf uns, die Hoffnung auf das ewige Leben zu wecken. Hilf uns, die großen Schätze zu behüten, die in den Seelen des uns anvertrauten Vol­kes Gottes enthalten sind.

Dir bringen wir das ganze Gottesvolk hier dar. Dir weihen wir die Kirche von Mexiko und des ganzen Kontinents. Wir bieten sie dir an als dein Eigentum. Du, die du in den Herzen der Menschen Eingang gefunden hast durch das Zeichen deiner Gegenwart, dein Gnadenbild im Heiligtum von Guadalupe, mache diese Herzen zu deiner bleibenden Wohnstätte, jetzt und auch in Zukunft. Sei stets gegenwärtig in unseren Familien, in unseren Pfarreien, in unseren Missionen und Diözesen und in allen Völkern.

Dies geschehe durch die heilige Kirche, die, indem sie dich, die Mutter, nachahmt, selbst eine gute Mutter zu sein wünscht. Sie möchte den Gläubi­gen in allen ihren Nöten beistehen, dadurch, daß sie das Evangelium ver­kündet, die Sakramente spendet, das Leben der Familien durch das Sakra­ment der Ehe schützt, alle durch das Sakrament des Altares in der euchari­stischen Gemeinschaft vereint und sie von der Wiege bis zum Eintritt in die Ewigkeit in Liebe begleitet.

Du, unsere Mutter! Wecke in den jungen Generationen die Bereitschaft zum vorbehaltlosen Dienst für Gott. Erflehe uns auch in diesem Land ge­nügend Berufungen zum Priestertum und Ordensleben.

Unsere Mutter! Stärke den Glauben aller unserer Brüder und Schwestern im Laienstand, auf daß sie in allen Bereichen des sozialen, beruflichen, kul­turellen und politischen Lebens nach der Wahrheit und dem Gesetz han­deln, das dein Sohn der Menschheit verkündet hat, um alle zum ewigen Heil zu führen und gleichzeitig auch das Leben auf der Erde menschlicher und menschenwürdiger zu machen.

Die Kirche, die in den amerikanischen Nationen wirkt, die Kirche in Me­xiko will mit all ihren Kräften dieser erhabenen Sendung dienen mit einem erneuerten missionarischen Geist. Du, unsere Mutter! Mach, daß wir dir in Wahrheit und Gerechtigkeit zu dienen vermögen. Mach, daß wir selbst die­sem Weg folgen und andere darauf führen, ohne uns jemals auf Abwege zu verirren und die anderen mitzureißen.

Wir bringen sie dir dar und empfehlen dir alle und alles, was immer Gegen­stand unserer pastoralen Verantwortung ist, indem wir darauf vertrauen, daß du immer bei uns bist und uns verwirklichen hilfst, was dein Sohn uns aufgetragen hat (vgl. Joh 2, 5). Mit diesem grenzenlosen Vertrauen, das wir zu dir haben, wollen wir, ich, Johannes Paul II., zusammen mit allen meinen Brüdern im Bischofsamt von Mexiko und Lateinamerika, dich noch enger mit unserem Amt, mit der Kirche und dem Leben dieser unserer Nationen verbinden. Wir möchten unsere ganze Zukunft, die Zukunft der Evangeli­sierung in Lateinamerika in deine Hände legen.

Königin der Apostel! Nimm an unsere Bereitschaft, der Sache deines Soh­nes, der Sache des Evangeliums und des Friedens, die auf der Gerechtigkeit und der Liebe zwischen den Menschen und den Völkern gegründet ist, vor­behaltlos zu dienen.

Königin des Friedens! Bewahre die Nationen und Völker des ganzen Kon­tinents, die so sehr auf dich vertrauen, vor Kriegen, Haß und Gewalt. Mach, daß alle, Regierende und Staatsbürger, lernen, in Frieden zu leben, sich zum Frieden zu erziehen und zu tun, was die Gerechtigkeit und die Achtung der Rechte eines jeden Menschen fordern, damit sich der Friede festigt.

Nimm an diese unsere vertrauensvolle Hingabe, du Magd des Herrn. Möge deine mütterliche Gegenwart im Geheimnis Christi und der Kirche sich in eine Quelle der Freude und der Freiheit für jeden einzelnen und für alle verwandeln; Quelle jener Freiheit, zu der „Christus uns geführt hat“ (Gal 5, 1), und jenes Friedens, den die Welt nicht geben kann, den nur einer gibt, Christus (vgl. Joh 14, 27).

Schließlich erwähnen und bestätigen wir, o Mutter, den Akt meiner Vor­gänger, Benedikts XIV. und Pius‘ X., die dich zur Patronin Mexikos und ganz Lateinamerikas ausgerufen haben. Ich biete dir im Namen aller deiner mexikanischen und lateinamerikanischen Kinder ein Diadem an, damit du sie unter deinem Schutz bewahrst und ihre Eintracht im Glauben und ihre Treue zu Christus, deinem Sohn, behütest. Amen.

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Quelle: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls – 5 – Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II. bei seiner Reise in die Dominikanische Republik und nach Mexiko – 26. Jan. bis 4. Febr. 1979

(Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz)

Siehe ferner:

BENEDIKT XVI.: Begegnung mit den Ordensleuten, Seminaristen und Vertretern der kirchlichen Bewegungen, Tschenstochau, 26. Mai 2006

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Belagerung und Verteidigung von Jasna Góra im Winter 1655

Liebe Ordensleute, geweihte Personen,
alle, die ihr auf die Stimme Jesu gehört habt und ihm aus Liebe gefolgt seid!

Liebe Seminaristen,
die ihr euch auf den priesterlichen Dienst vorbereitet!

Liebe Vertreter der kirchlichen Bewegungen,
die ihr die Kraft des Evangeliums hineintragt in die Welt eurer Familien, eurer Arbeitsplätze,
der Universitäten, in die Welt der Medien und der Kultur, in eure Pfarreien!

Ebenso wie die Apostel zusammen mit Maria »in das Obergemach hinaufgingen« und »dort einmütig im Gebet verharrten« (vgl. Apg 1,13–14), haben auch wir uns heute hier in Jasna Góra versammelt, das für uns in dieser Stunde das »Obergemach« ist, wo Maria, die Mutter des Herrn, unter uns ist. Heute leitet sie unsere Betrachtung; sie lehrt uns beten. Sie zeigt uns, wie wir unseren Geist und unser Herz öffnen können für die Macht des Heiligen Geistes, der zu uns kommt, damit wir ihn in die ganze Welt tragen. Ich möchte herzlich die Erzdiözese Tschenstochau mit ihrem Hirten, Erzbischof Stanislaw, und den Bischöfen Antoni und Jan grüßen. Ich danke euch allen dafür, daß ihr euch zu diesem Gebet versammelt habt.

Original_Black_Madonna_of_CzęstochowaMeine Lieben, wir brauchen einen Augenblick der Stille und der Sammlung, um uns in Marias Schule zu begeben, damit sie uns lehrt, wie wir aus dem Glauben leben und in ihm wachsen können, wie wir in den gewöhnlichen Begebenheiten unseres täglichen Lebens mit dem Geheimnis Gottes in Berührung bleiben. Mit weiblicher Feinfühligkeit und mit der »Fähigkeit, tiefe Einsichten mit Worten des Trostes und der Ermutigung zu verbinden« (Johannes Paul II. , Redemptoris Mater RMA 46), hat Maria den Glauben des Petrus und der Apostel im Abendmahlssaal gestützt und stützt heute meinen und euren Glauben.

Der Heilige Vater Johannes Paul II. hat gesagt: »Der Glaube ist nämlich eine Berührung mit dem Geheimnis Gottes« (ebd., 17), denn »glauben will besagen, sich der Wahrheit des Wortes des lebendigen Gottes zu ›überantworten‹, obwohl man darum weiß und demütig anerkennt, ›wie unergründlich seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege sind‹« (ebd., 14). Der Glaube ist die Gabe, die uns in der Taufe geschenkt wurde und uns die Begegnung mit Gott ermöglicht. Gott verbirgt sich im Geheimnis: Sich anzumaßen, ihn zu verstehen, würde bedeuten, ihn in unsere Begriffe und unser Wissen einzugrenzen und ihn so unwiederbringlich zu verlieren. Durch den Glauben hingegen können wir uns einen Weg bahnen durch die Begriffe hindurch, sogar die theologischen Begriffe, und können den lebendigen Gott »berühren«. Und wenn wir Gott einmal berührt haben, schenkt er uns sofort seine Kraft. Wenn wir uns dem lebendigen Gott überlassen, wenn wir Ihn mit demütigem Geist um Hilfe bitten, erfüllt uns innerlich gleichsam ein verborgener Strom göttlichen Lebens. Wie wichtig ist es doch für uns, an die Macht des Glaubens, an seine Fähigkeit, eine direkte Verbindung mit dem lebendigen Gott herzustellen, zu glauben! Wir müssen uns eifrig um die Entfaltung unseres Glaubens bemühen, damit er wirklich unser ganzes Verhalten, unsere Gedanken, Handlungen und Absichten erfüllt. Der Glaube hat seinen Platz nicht nur in den Gemütsverfassungen und in den religiösen Erfahrungen, sondern vor allem im Denken und im Handeln, in der täglichen Arbeit, im Kampf gegen sich selbst, im Gemeinschaftsleben und im Apostolat, denn er bewirkt, daß unser Leben von der Macht Gottes erfüllt wird. Der Glaube kann uns immer zu Gott zurückführen, auch wenn unsere Sünde uns Böses antut.

Im Abendmahlssaal wußten die Apostel nicht, was sie erwartete. Sie fürchteten sich und waren besorgt um ihre eigene Zukunft. Sie spürten noch das Staunen, das der Tod und die Auferstehung Jesu hervorgerufen hatte, und hatten Angst, weil sie nach seiner Himmelfahrt allein geblieben waren. Maria, »die geglaubt hatte, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (vgl. Lk Lc 1,45), verharrte mit den Aposteln im Gebet und lehrte sie die Standhaftigkeit im Glauben. Durch ihre ganze Haltung überzeugte sie die Apostel, daß der Heilige Geist in seiner Weisheit den Weg, auf den er sie führte, sehr wohl kannte, und daß man deshalb sein Vertrauen auf Gott setzen konnte, indem man ihm sich selbst, die eigenen Talente, die eigenen Grenzen und die eigene Zukunft vorbehaltlos überließ.

Viele von euch, die ihr hier anwesend seid, haben diesen stillen Ruf des Heiligen Geistes vernommen und aus vollem Herzen geantwortet. Die Liebe zu Jesus, »ausgegossen in eure Herzen durch den Heiligen Geist, der euch gegeben ist« (vgl. Röm Rm 5,5), hat euch den Weg des geweihten Lebens gewiesen. Nicht ihr habt ihn gesucht. Jesus war es, der euch gerufen und zu einer tieferen Vereinigung mit ihm eingeladen hat. Im Sakrament der heiligen Taufe habt ihr dem Satan und seinen Werken widersagt und die für das christliche Leben und zur Heiligung notwendigen Gnaden erhalten. Von dem Augenblick an ist in euch die Gnade des Glaubens aufgeblüht, die es euch erlaubt hat, euch mit Gott zu vereinigen. Im Augenblick des Ordensgelübdes oder des Versprechens hat euch der Glaube zu einer totalen Zustimmung zum Geheimnis des Herzens Jesu geführt, dessen Schätze ihr entdeckt habt. Daraufhin habt ihr auf Dinge verzichtet, die gute Dinge sind – auf die freie Verfügung über euer Leben, auf die Gründung einer Familie, auf die Vermehrung von Gütern –, um frei zu sein, euch Christus und seinem Reich vorbehaltlos zu schenken. Erinnert ihr euch an eure Begeisterung, als ihr im Vertrauen auf die Hilfe der Gnade den Pilgerweg des geweihten Lebens begonnen habt? Sorgt dafür, daß ihr den Schwung der Anfangszeit nicht verliert, und laßt euch von Maria zu immer größerer Treue führen. Liebe Ordensmänner, liebe Ordensfrauen, liebe geweihte Personen! Was auch euer Sendungsauftrag sein mag, welchen klösterlichen oder apostolischen Dienst ihr auch tun mögt, bewahrt im Herzen die Vorrangstellung eures geweihten Lebens. Dieses belebe euren Glauben. Das im Glauben gelebte geweihte Leben vereinigt eng mit Gott, weckt die Charismen und verleiht eurem Dienst außergewöhnliche Fruchtbarkeit.

Liebe Priesteramtskandidaten! Welche Hilfe kann auch euch erwachsen aus der Reflexion über die Art und Weise, wie Maria von Jesus gelernt hat! Von ihrem ersten »fiat« an und in all den langen Jahren des täglichen Lebens in Verborgenheit, in denen sie Jesus aufzog, oder als sie in Kana in Galiläa den Anstoß für das erste Zeichen gab, oder als sie am Ende auf Golgota unter dem Kreuz auf Jesus schaute, »erlernte« sie Ihn Augenblick für Augenblick. Sie hat den Leib Jesu zuerst im Glauben und dann im eigenen Schoß empfangen und ihn geboren. Sie hat ihn Tag für Tag angebetet, innerlich beglückt, sie hat ihm mit verantwortungsbewußter Liebe gedient, sie hat im Herzen das »Magnifikat« gesungen. Laßt euch auf eurem Weg und in eurem zukünftigen priesterlichen Dienst von Maria anleiten, Jesus zu »erlernen «! Betrachtet ihn, laßt euch von ihm formen, damit ihr später in eurem Dienst imstande seid, ihn allen zu zeigen, die zu euch kommen. Wenn ihr den eucharistischen Leib Jesu in eure Hände nehmt, um das Volk Gottes mit ihm zu speisen, und wenn ihr die Verantwortung für den euch anvertrauten Teil des mystischen Leibes übernehmt, dann denkt an die Haltung des Staunens und der Anbetung, die den Glauben Marias gekennzeichnet hat. So wie sie in ihrer verantwortungsbewußten, mütterlichen Liebe zu Jesus die von Staunen erfüllte jungfräuliche Liebe bewahrte, so sollt auch ihr, wenn ihr im Augenblick der Konsekration liturgisch niederkniet, in eurem Herzen die Fähigkeit bewahren, zu staunen und anzubeten. Versteht es, im euch anvertrauten Volk Gottes die Zeichen der Gegenwart Christi zu erkennen. Seid aufmerksam und feinfühlig gegenüber den Zeichen der Heiligkeit, die Gott euch unter den Gläubigen sehen läßt. Habt keine Angst vor den Pflichten und vor der unbekannten Zukunft! Habt keine Angst, daß euch die Worte fehlen könnten oder daß ihr auf Ablehnung stoßt! Die Welt und die Kirche brauchen Priester, heilige Priester!

Liebe Vertreter der neuen Bewegungen in der Kirche! Die Lebendigkeit eurer Gemeinschaften ist ein Zeichen der tätigen Gegenwart des Heiligen Geistes! Eure Sendung ist aus dem Glauben der Kirche und aus dem Reichtum der Früchte des Heiligen Geistes entstanden. Mein Wunsch ist, daß ihr immer zahlreicher werdet, um dem Anliegen des Reiches Gottes in der Welt von heute zu dienen. Glaubt an die Gnade Gottes, die euch begleitet, und tragt sie in das lebendige Gefüge der Kirche und besonders dorthin, wo Priester und die Ordensleute nicht hingelangen können. Die Bewegungen, denen ihr angehört, sind vielfältig. Ihr nährt euch von der Lehre, die aus verschiedenen von der Kirche anerkannten Schulen der Spiritualität stammt. Nutzt die Weisheit der Heiligen und greift auf das von ihnen hinterlassene Erbe zurück. Bildet euren Geist und eure Herzen anhand der Werke der großen Lehrmeister und der Glaubenszeugen, eingedenk der Tatsache, daß die Schulen der Spiritualität keine Schätze sein dürfen, die in den Bibliotheken der Konvente verschlossen bleiben. Die Weisheit des Evangeliums, die man in den Werken der großen Heiligen gelesen und deren Wahrheit man im eigenen Leben erfahren hat, muß auf reife, nicht auf kindliche oder aggressive Weise in die Welt der Kultur und der Arbeit, in die Welt der Medien und der Politik, in die Lebenswelt der Familie und der Gesellschaft getragen werden. Der Vergleich mit dem Glauben Marias wird der Prüfstein für die Authentizität eures Glaubens und eurer Sendung sein, die die Aufmerksamkeit nicht auf sich selbst zieht, sondern wirklich den Glauben und die Liebe um sich verbreitet. Spiegelt euch im Herzen Marias. Bleibt in ihrer Schule!

Als die Apostel, erfüllt vom Heiligen Geist, in die ganze Welt hinauszogen und das Evangelium verkündeten, nahm in besonderer Weise einer von ihnen, Johannes, der Apostel der Liebe, »Maria zu sich« (vgl. Joh Jn 19,27). Dank seiner tiefen Verbindung mit Jesus und mit Maria konnte er so nachhaltig auf der Wahrheit bestehen: »Gott ist die Liebe« (1Jn 4,8 1Jn 4,16). Diese Worte habe ich selbst als Anfang der ersten Enzyklika meines Pontifikats gewählt: Deus caritas est! Dies ist die wichtigste, die zentralste Wahrheit über Gott. Allen, die Schwierigkeiten haben, an Gott zu glauben, wiederhole ich heute: »Gott ist die Liebe«. Liebe Freunde, seid selbst Zeugen dieser Wahrheit. Ihr werdet es auf wirksame Weise sein, wenn ihr in die Schule Marias geht. An ihrer Seite werdet ihr selbst erfahren, daß Gott die Liebe ist, und ihr werdet der Welt diese Botschaft vermitteln mit dem Reichtum und der Vielfalt, die der Heilige Geist hervorrufen wird.

Gelobt sei Jesus Christus.