Papst predigt in Genua über „sanfte Macht des Gebets“

Der Papst vor Beginn der Messe in Genua

Etwa 100.000 Menschen haben am Samstagabend an einer großen Open-air-Messe des Papstes in Genua teilgenommen. Franziskus zelebrierte bei sommerlichen Temperaturen auf der „Piazzale Kennedy“ in der Innenstadt; über tausend freiwillige Helfer sorgten für einen reibungslosen Verlauf. Die Messe, bei der Kardinal Angelo Bagnasco von Genua konzelebrierte, war der Höhepunkt des eintägigen Papstbesuchs in Italiens achtgrößter Stadt.

In seiner Predigt rief Franziskus zu Missionsgeist und Gottvertrauen auf. Seit Jesu Himmelfahrt habe „unser menschliches Fleisch die Schwelle zum Himmel überschritten“: „Unsere Menschlichkeit ist dort, in Gott, für immer. Dort ist unser Zutrauen, weil Gott sich niemals vom Menschen lösen wird. Und es tröstet uns zu wissen, dass bei Gott – mit Jesus – für jeden von uns ein Platz vorbereitet ist…“

Die Macht Jesu bestehe darin, „Himmel und Erde zu verbinden“, fuhr der Papst fort. Wenn Jesus sage, er werde allezeit bei uns sein, sei das „nicht einfach ein Trost, wie wenn jemand sagt, er werde an uns denken“. „Nein, Jesus ist wirklich bei uns und für uns: Im Himmel zeigt er immerfort dem Vater seine – unsere – Menschlichkeit, er zeigt ihm seine Wunden, den Preis, den er für uns bezahlt hat, und so lebt er dauernd, um für uns Fürsprache zu halten. Das ist das Schlüsselwort für die Macht Jesu: Fürsprache. Jesus tritt jeden Tag, jeden Moment beim Vater für uns ein.“

Wir tun gut daran, mit all unseren Anliegen im Gebet vor Gott zu treten, so Franziskus. „Wir können uns fragen: Bete ich? Wir als Kirche, als Christen – üben wir diese Macht aus, indem wir die Menschen und die schwierigen Situationen vor Gott tragen? Die Welt braucht das! Auch wir selbst brauchen das. Wir rennen und arbeiten soviel, wir setzen uns für so vieles ein; doch wir riskieren, abends müde zu sein und eine beschwerte Seele zu haben… Denken wir jeden Tag daran, in Gott Anker zu werfen! Tragen wir alles Schwere vor ihn. Das ist die Kraft des Gebets, die Himmel und Erde verbindet und die es Gott erlaubt, in unsere Zeit einzutreten.“

Das christliche Gebet bedeute nicht, „ein bisschen im Frieden mit sich selbst zu sein“, sondern es bedeute, „alles zu Gott zu tragen und ihm die Welt anzuvertrauen“. „Das Gebet ist Fürsprache! Es ist nicht Ruhe, es ist Nächstenliebe. Es ist Fragen, Suchen, Klopfen.“ Das „unermüdliche Eintreten für andere“ sei die „erste Verantwortung“ eines Christen. „Es ist unsere Mission – eine Mission, die gleichzeitig müde macht und Frieden gibt. Das ist unsere Macht: nicht stärker zu sein oder lauter zu schreien nach der Logik dieser Welt, sondern die sanfte Macht des Gebets zu üben, mit der sich auch Kriege stoppen und Friede erringen lässt.“

(rv 27.05.2017 sk)

Monza: Angesichts des Leidens nicht Zuschauer bleiben

Papst Franziskus, Hl. Messe Monza, 25. März 2017

Pastoralbesuch Mailand — Messe am Hochfest Mariä Verkündigung

„Angesichts so vieler schmerzhafter Situationen dürfen wir nicht als bloße Zuschauer den Himmel beobachten und warten bis es aufhört zu regnen.“ Diese mahnenden Worte richtete Papst Franziskus an die etwa eine Million Gläubigen, die sich am Hochfest Mariä Verkündigung, dem 25. März 2017, im Park von Monza für die Messe versammelt hatten. Während er die in der heutigen Welt verbreitete „Spekulation“ anprangerte, rief er die Anwesenden dazu auf, an „die Möglichkeit des Unmöglichen“ zu glauben.

„Wir haben gerade die wichtigste Ankündigung unserer Geschichte gehört: Die Verkündigung an Maria“, betonte der Papst zu Beginn seiner Predigt. Im Unterschied zur Verkündigung des Täufers, geschah die Verkündigung an Maria nicht im Tempel von Jerusalem, sondern „in einem verlorenen Ort, in einer Stadt der Peripherie, die keinen sonderlich guten Ruf hatte, in der Anonymität des Hauses eines jungen Mädchens namens Maria“, erklärte er.

Dies zeige,  dass „die neue Begegnung Gottes mit seinem Volk an Orten stattfinden werde, die wir normalerweise nicht erwarten, am Rande, an der Peripherie“, sagte Franziskus, der betonte, die Freude des Heils beginne im Alltagslebens des Hauses einer jungen Frau aus Nazareth.

Aber wie könne man die Freude des Evangeliums heute innerhalb unserer Städte leben, fragte Franziskus. Um uns zu helfen, unsere Sendung voranzubringen, habe der Engel Gabriel drei „Schlüssel“ gegeben, erklärte er: die Erinnerung, die Zugehörigkeit zum Volk Gottes und das Unmögliche möglich zu machen.

Die Erinnerung helfe uns, nicht Gefangene von Reden zu bleiben, die als einziges Mittel zur Konfliktlösung nur Brüche und Spaltungen säen. Sie sei das beste Gegenmittel gegen die magischen Lösungen der Spaltung und der Entfremdung, betonte Franziskus.

Die Zugehörigkeit zum Gottesvolk dagegen helfe uns, keine Angst vor Beschränkungen und Grenzen zu haben. Das Volk Gottes sei ein Volk „tausend Gesichter, Geschichten und Hintergründe, ein multikulturelles und multiethnisches Volk“.

Das Unmögliche möglich zu machen sei der dritte und letzte „Schlüssel“ des Engels. „Wenn wir glauben, dass alles nur von uns abhängt, bleiben wir Gefangene unserer Fähigkeiten, unserer Kräfte, unserer kurzsichtigen Horizonte“, erläuterte der Papst. „Wenn wir uns jedoch im Gegenteil darauf einstellen, uns helfen zu lassen, uns beraten zu lassen, wenn wir uns der Gnade öffnen, dann scheint es, dass das Unmögliche beginnt Wirklichkeit zu werden“, sagte Franziskus.

Am Schluss seiner Predigt erinnerte er die Gläubigen an die Worte des Heiligen Ambrosius, dass Gott ständig Herzen wie dieses von Maria suche, bereit zu glauben, sogar unter sehr außergewöhnlichen Bedingungen. (pdm)

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