13. JUNI: DER HEILIGE ANTONIUS VON PADUA

Von Br. Andreas-Pazifikus Alkofer OFM Conv.

Der hl. Antonius von Padua wird ca. 1195 – das genaue Geburtsdatum ist nicht bekannt – in Lissabon geboren. Er entstammt einer adeligen Familie. Seine Eltern, Martin und Maria Bulhoes y Taveira de Azevedo (diesen Familiennamen überliefert eine nicht gesicherte Tradition) lassen den späteren Antonius auf den Namen Fernando taufen.

Die Zeit, in die Antonius hineingeboren wird, ist eine politisch, wirtschaftlich und kirchlich turbulente Zeit des Umbruchs, dessen Zentrum vor allem in Italien liegt, an dem gemessen Portugal tiefste Provinz ist. Das Land selbst ist erst seit kurzen von den Arabern zurückerobert worden. Neben der Reconquista der iberischen Halbinsel, die erst 300 Jahre später beendet sein wird, und neben der Vielzahl lokaler politischer Konflikte sorgt auch eine Vielzahl neu entstehender radikaler Armutsbewegungen in der Kirche für Spannungen. Zudem sind diese knapp vier Jahrzehnte der Lebenszeit des Antonius überschattet von immer neuen Ausbrüchen des Kreuzzugsfiebers. Der wirtschaftliche Umbruch, vor allem in Italien und Südfrankreich, der den Namen ‚Frühkapitalismus‘ trägt, tut ein übriges und lässt durch das Wiederaufkommen der Geldwirtschaft und intensivierter Handelsbeziehungen soziale Stände- und Gesellschaftsordnungen in Bewegung geraten. Mit den Folgen all dessen auf das Leben der einfachen Leute wird Antonius sein Leben lang konfrontiert sein.

Von den ersten Lebensjahren, von Kindheit und Jugend des hl. Antonius wissen wir wenig. Sicher ist nur, dass er relativ behütet und in gesicherten Verhältnissen aufwächst und an der Kathedralschule in Lissabon Lesen und Schreiben lernt, was für damalige Verhältnisse keine Selbstverständlichkeit ist. Um 1210, also mit ca. 15. Jahren, tritt Antonius bei den Augustiner-Chorherren in Lissabon ins Kloster ein. Er bleibt dort etwa zwei Jahre, bevor er 1212/13 von Lissabon aus in das Augustiner-Chorherren-Kloster von Coimbra, der damaligen Hauptstadt des Königreiches Portugal, wechselt. Die Gründe für den Wechsel sind nicht gesichert, aber es steht zu vermuten, dass ein zu enger Kontakt mit Familie und Freunden das Klosterleben des Antonius zu häufig gestört hat.

In Coimbra, wo Antonius bis 1220 bleiben wird, erhält er eine gediegene theologische Ausbildung und eignet sich dabei eine außerordentliche Kenntnis der Heiligen Schrift und der Kirchenväter an. Zudem wird er dort, wohl in der letzten Phase seines Aufenthaltes, zum Priester geweiht.

In dieser Zeit lernt Antonius eine Gruppe von Minderbrüdern kennen – so heißen die Mitbrüder der noch jungen Bewegung des hl. Franziskus, die im Gefolge des Heiligen aus Assisi ein Leben in radikaler Evangelium gemäßer Armut leben wollen, ohne persönlichen und gemeinschaftlichen Besitz, ohne festen Wohnsitz. Die Brüder leben seit 1217 in einer kleinen Einsiedelei bei Coimbra, die dem Einsiedler und Wüstenvater Antonius (* 251/252) geweiht ist und ihnen von der Königin auf Zeit zur Verfügung gestellt ist. Ein maßgebliches Moment für den Wechsel des hl. Antonius von den Chorherren in die junge Franziskaner-Gemeinschaft, neben den persönlichen Kontakten mit den Brüdern vor Ort, ist der Martertod einer Gruppe von Franziskanern um den hl. Berard Anfang 1220 in Marokko. Sie waren dorthin über Portugal aufgebrochen, um bei den Moslems zu missionieren. Ihr Tod hinterlässt in Portugal einen tiefen Eindruck und bewegt Antonius zum Übertritt zu den Minderbrüdern. Er nimmt erst jetzt den Namen an, unter dem er später berühmt wird und entlehnt ihn sich von dem Heiligen, an dessen Kapelle die Brüder bei Coimbra leben. Antonius bricht mit dem Ziel, zu missionieren und ebenfalls den Martertod zu finden, sofort nach Nordafrika auf. Doch seine Pläne scheitern. Er erkrankt und wird über den Umweg über Sizilien statt nach Portugal nach Italien verschlagen.

Dort ist er 1221 im Mai beim Mattenkapitel der Franziskaner anwesend (der jährlichen Versammlung aller Brüder an Pfingsten). Allerdings spielt er dort eine untergeordnete Rolle. Man findet keine Aufgabe für ihn, den ausgebildeten Theologen und Priester, von denen es im Orden eigentlich noch nur wenige gibt. So wird er zunächst in eine kleine Einsiedelei bei Forli in Oberitalien geschickt.

In Forlì ändert sich dann auch das Schicksal des Antonius, als er angelegentlich einer Priesterweihe aus dem Stegreif eine staunenerregende Ansprache hält (alle anderen gaben vor, nicht genug vorbereitet zu sein). Von diesem Augenblick an ist der weitere Weg des Antonius vorbestimmt: Er wird Ausbilder, Organisator in Teilen des jungen Ordens und vor allem Prediger. Schon um 1223 beauftragt Franziskus ihn damit, den Brüdern Theologie zu lehren. Dieser Brief des Franziskus an Antonius ist erhalten! Von da an ist Antonius als ‚Theologieprofessor‘ (wenn man das unzeitgemäße Wort verwenden will) und als Prediger in Oberitalien unterwegs. Von 1224 bis 1227 finden wir ihn in Südfrankreich, wo er sich als Kustos um die Neuorganisation der Ordensprovinz kümmert und als Prediger – wie in Italien – vor einen teilweise sehr desolaten und verwirrenden innerkirchlichen Zustand steht. Auch hier gibt es viele Armutsbewegungen, die in ihrer Radikalität die Kirche kritisieren und einfache Gläubige verunsichern. Antonius versucht durch ein authentisches Leben und durch kraftvolle Predigten, dem gegenzusteuern.

1227 kehrt Antonius aus Frankreich nach Italien zurück und wird beim Mattenkapitel in der Nähe von Assisi zum Provinzialminister der Ordensprovinz der Romagna gewählt. In diesen letzten Jahren bis 1231, in denen er sich unermüdlich um die ihm anvertrauten Mitbrüder kümmert, neue Konvente gründet, bestehende besucht, entstehen seine beiden Predigtwerke, die Sonntagspredigten (1227-1228) und die Festtagspredigten (1230-1231). Letztere kann Antonius nicht mehr vollenden. Beide Reihen, als Handbücher konzipiert, offenbaren deutlich die profunde Kenntnis der Bibel und der Texte der Kirchenväter, die sich Antonius angeeignet hat.

In diesen letzten Lebensjahren entwickelt sich auch immer mehr die Beziehung des Antonius zu Padua, die so etwas wie seine ‚Lieblingsstadt‘ in Norditalien wird. Immer wieder macht er dort Halt bei seinen vielen Reisen. Er sucht die Ruhe und die Erholung, die er als kranker Mann braucht, denn seit 1220 begleiten ihn ständig gesundheitliche Probleme. Diese Beziehung zu Padua erreicht ihren Gipfelpunkt in der Fastenzeit 1231. Antonius predigt jeden Tag in einer der Kirchen Paduas und, als die Kirche zu klein werden, um die Scharen der Hörer zu fassen, auf den Plätzen der Stadt. Diese Fastenpredigten machen Antonius zum untrennbaren Teil der Geschichte dieser Stadt und sind ein durchschlagender Erfolg. Er erreicht sogar, dass ein Gesetz erlassen wird, dass die Schuldner in der Stadt vor dem Verlust ihrer Freiheit bewahren und sie vor Übergriffen von Wucherern schützen soll.

Nach Ostern 1231 zieht sich Antonius, erschöpft und ermüdet von dieser großen Anstrengung, in eine Einsiedelei außerhalb Paduas zurück: nach Camposampiero, wo ein den Franziskanern verbundener Graf, ihm und zwei Begleitern das nötigste zur Verfügung stellt. Am 13. Juni 1231 verschlechtert sich der Zustand des Antonius dramatisch. Die Brüder versuchen, ihn nach Padua zurückzubringen, aber am Abend dieses Tages stirbt Antonius in dem kleinen Vorort Arcella. Die Nachricht vom Tod des Antonius verbreitet sich wie ein Lauffeuer und es setzt, vor allem in Padua, unmittelbar seine Verehrung als Heiliger ein.

Nicht einmal ein Jahr nach seinem Tod wird Antonius von Padua am 30. Mai 1232 durch Papst Gregor IX. in Spoleto dann offiziell heiliggesprochen. 1946 erklärt ihn Papst Pius XII. zum Kirchenlehrer und verleiht ihm den Titel ‚doctor evangelicus‘.

Antonius ist in der Basilika, die man zu seinen Ehren in Padua errichtet, bestattet, die seither zum Ziel für Abertausende von Pilgern geworden ist, die Antonius als ihrem Fürsprecher vertrauen.

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Quelle

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