Fatima ist kein Fake

Die Figuren der Seherkinder laden auf einem nach oben führenden Weg dazu ein, den Himmel zu stürmen.

„Die eigentliche Reliquie aber ist die Begegnung mit der Gottesmutter von Fatima“: Aus dem Tagebuch eines Pilgers. Von Martin Lohmann

Also doch und: endlich. Ich bin auf dem Weg nach Fatima. Obwohl ich in einem Fatimajahr geboren wurde, war ich noch nicht dort.

Die Sonne knallt auf Lissabon, als wir landen. Und meine Gedanken? Irgendwie seltsam ungeordnet. Der Film, den ich mir noch am Abend vor Reiseantritt angesehen habe, ist innerlich aktiv mit Bildern und Worten. Er hat mir, seltsam genug, am Ende Tränen in die Augen getrieben. Und all das, was ich den vergangenen Tagen über Fatima gelesen habe, schwirrt ebenfalls durch Kopf und Herz. Bis vor ein paar Jahren wusste ich so gut wie nichts über diese Erscheinungen und Wunder. Jetzt kommen sie mir sehr nahe, rücken mir auf die Seele – und drücken und ziehen zugleich. Das, was in diesen Monaten passiert in Welt und Kirche, scheint erschreckend passgenau für diese Botschaft zu sein. So wie vor 100 Jahren.

Mag sein, dass ich für diese Reise ebenso gut wie ebenso wenig vorbereitet bin. In mir lebt eine Spannung zwischen Resignation und weiter und breiter Gelassenheit. Es geht rauf und runter. Unruhe trifft tiefste Ruhe. Zweifel treffen tiefstes Vertrauen. Das hörende Herz, um das ich bitte, kollidiert anscheinend mit dem Wunsch Ut Videam. Die daraus entstehende Dynamik zerreißt und befriedet zugleich. Fatima ist kein Fake. Das weiß ich. Aber ich weiß nicht, ob ich dort innerlich so ankomme, dass Herz und Seele bereit sind, Fatima bei mir ankommen zu lassen. Werde ich wirklich der Gottesmutter begegnen? Wird sie mir etwas zu sagen haben? Werde ich in der Lage sein, mit hörendem Herzen zu sehen? Bin ich sensibel genug, einfach nur da zu sein, mich einfach nur anzuvertrauen? Bin ich vorbereitet genug für Wesentliches? Ich habe Zweifel. Immerhin. Es wird was passieren. Credo. Aber was? Nach einer Fahrt durch ein schönes und sonnendurchflutetes Land bin ich endlich dort, wo vor 100 Jahren nur ein Dorf war. Jetzt springen einen der Charme baulicher Einfallslosigkeit und Ausdrucksarmut an. Eine Stadt, die immer noch wächst – und rasch gewachsen ist. Viel Beton. Nichtssagende Bauten, Hotels, alles offenbart ein wenig den ausschließlich praktischen Stil der vergangenen Jahrzehnte. Doch im hellen Sonnenlicht wirkt alles freundlich. Wohl auch, weil die Stadt sauber ist. Keine Schmierereien an den Wänden, keine Graffiti.

Wer auf die Stadt zufährt, begegnet den Seherkindern gleich zu Beginn auf einem riesigen Verkehrskreisel. Überlebensgroß scheinen die aus Marmor gestalteten Figuren auf einem nach oben führenden Weg einzuladen, den Himmel zu stürmen. Spätestens jetzt gilt: Ich bin in Fatima. Wie sehr, das spüre ich am Abend, als ich erstmals den riesigen Platz rund um die Mulde betrete. Die Mulde, also der Ort, wo die Gottesmutter jeweils am 13. des Monats vor genau 100 Jahren erschien, ist noch zu sehen in der Form des Platzes, dessen Gestaltung eine Ahnung zulässt, wie Hügel und Mulde den Weideplatz einst formten. Über mir ein strahlend blauer Abendhimmel mit der sich golden färbenden Sonne, die damals, als so viele zweifelten, wie von der edlen Herrin den Kindern versprochen, am 13. Oktober zum Teil des Wunders wurde. Heute bleibt sie an ihrem Platz, steht über „ihrem“ Platz in Fatima und hebt jenen in ein Licht des Friedens und der bewegenden Ruhe.

Mein Blick fällt auf die Kirche, in der die erst am 13. Mai 2017 heiliggesprochenen Jacinta und Francisco ruhen – und die von ihren Bildern neben dem mit einer goldenen Krone und einem leuchtenden Kreuz auf „ihre“ Mulde schauen. Zwei einfache Kinder, die nichts anderes taten, als Ja zu sagen, als die Seniora sie fragte, ob sie für andere und deren Seelenheil zu leiden bereit seien, auf dass die Welt besser und erlöster werde. Zwei Kinder, die sich – zusammen mit ihrer Cousine Lucia, die als Ordensschwester sehr lange lebte und erst vor wenigen Jahren heimgeholt wurde – durch keinen Spott, kein Misstrauen, keine Verleumdung, keine Drohung, keinen Ärger, keine Versuchung abbringen ließen von ihrer Berufung, Gott zu bekennen, Jesus Christus zu folgen und der Gottesmutter zu vertrauen. Mehr nicht. Und doch: Das war buchstäblich alles. Die jungen Heiligen machten etwas vor, von dem so viele Erwachsene immer wieder zu meinen scheinen, so etwas gehe doch nicht. Ja sagen, alle Widrigkeiten aufopfern, blind vertrauen, weil das Herz sehend wurde und zusammen mit der Seele treu zu hören bereit ist. Doch, das geht. Nicht nur vor 100 Jahren.

Am Grab der Heiligen kniee nicht nur ich nieder. Vermutlich sagen die anderen ähnlich wie ich einfach nur Danke – und bitten um Fürsprache. Auch hier verströmt die Luft Frieden. Aber erst recht in der Mulde, draußen, dort, wo die kleine Kapelle steht, vor der ich endlich der berühmten Muttergottesstatue begegne, die jeder kennt. Sie, die Muttergottes von Fatima, rettete am 13. Mai 1981 Papst Johannes Paul II. das Leben und lenkte die tödliche Kugel des beauftragten Attentäters wundersam an der Hauptschlagader im Körper des Heiligen vorbei. Millimetergenau. Die Bahn der Kugel bekam einen leichten Knick. Mit irdischer Kurzsicht unerklärbar. Mit himmlischer Weitsicht schon. Das Stück Berliner Mauer unweit der Mulde erinnert daran, dass die Muttergottes von Fatima ihre Hand mit im „Spiel“ hatte, als – nicht zuletzt durch den Heiligen Johannes Paul – die Mauer fiel.

In der Krone der Muttergottes vor mir steckt die Kugel, die im Körper des Heiligen richtig gelenkt wurde. Johannes Paul II. war sich im Glauben ganz sicher, dass es so war, dass die Seniora von Fatima die tödlich gedachte Kugel in ihrem Lauf lenkte. Andere sind davon auch überzeugt. Ich gehöre dazu. Und auch deshalb umgibt mich ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, jetzt, wo ich hier bin. Wenig später begegne ich jener Kopie der Statue, die – anders als in der Mulde – nicht durch Panzerglas und Absperrung geschützt ist. Ist es jene Statue, die zusammen mit der Muttergottes in der Erscheinungskapelle gemacht wurde. Sie stand lange in dem Kloster, in dem Schwester Lucia lebte. Zwiesprache entsteht. Sofort. Und Blicke, die ins Herz treffen. Als ich versuche, dieses mich so intensiv anschauende Gesicht zu fotografieren, erlebe ich etwas Sonderbares: Auf dem Foto ist alles nur ein Abbild, die Dame und Mutter schaut auf einmal anders als in der unmittelbaren Begegnung. Noch so viele Versuche meinerseits schaffen es nicht, eine tiefe Wirklichkeit zu überspringen: Das Foto ist nur ein Foto. Die eigentliche Aufnahme macht das Herz. Und genau das wird wohlig warm, wenn man es öffnet. Es fängt an, ganz klar zu sehen – und, so merkwürdig es klingt – zu hören.

Worauf? Auf eine so erschreckend einfache und erschreckend schwerwiegende Botschaft. Auf eine Botschaft, die in 100 Jahren beinahe täglich an Aktualität gewonnen hat. Auf eine Botschaft, die nicht nur Kin-der „können“, sondern an alle geht. Eine Botschaft, die ihre Quellheimat an einem Ort gefunden hat, wo heute eine kleine Kapelle, eine Capelinha steht, neben einer gewöhnlichen Steineiche, wo die Jungfrau 1917 erschien. Eine Botschaft, die lebensrettend ist und überlebenswichtig für die ganze Welt sein wird. Es ist die Sprengkraft des Guten und Wahren, die hier schlummert. Es ist die Einladung, mit Liebe und Gebet Böses zu verhindern, mit Geduld und Gottvertrauen das Böse in Liebe zu ersticken. Es ist die Erkenntnis, die einzig gute und segensreiche Waffe zu nutzen, und zwar täglich, die es gibt: den Rosenkranz. Riesig groß und doch sehr leicht schwebt er seit 2017 über jenem Platz vor der Basilika, der so anziehend ist und dem Herzen Raum schenkt. Das liegt wohl an dem Seelen-Magneten, zu dem alle hinströmen – und der offenbar sehr viel ausströmt. Die kleine Kapelle markiert jenen Ort, den sich die Jungfrau als Ort der Begegnung gewünscht hatte. Unweit von hier ist sie den Kindern erschienen. Eine Steineiche gleich nebenan, schön und groß gewachsen, steht dort, wo jene kleine Baum-Vorfahrin stand, über der Maria erschien. Dieses Original gibt es nicht mehr.

Spätestens seit der Einlösung des im Sommer 1917 gemachten Versprechens, mit einem Wunder – dem dann tatsächlich erfahrenen Sonnenwunder – die Echtheit der Erscheinungen zu dokumentieren, wurde die kleine Steineiche, die von einem edlen Rosenduft umgeben war, zur Pflückstelle für Baum-Reliquien.

Die eigentliche Reliquie aber ist die Begegnung mit der Gottesmutter von Fatima. Diese Begegnung kann man mitnehmen. Im Herzen. In der Seele. Und sie ist vielfach möglich. Im Heiligtum, dort, wo sie hinter Glas gesichert anwesend ist. Die Bänke laden zum Verweilen ein. Unwillkürlich zückt man den Rosenkranz aus der Tasche – und betet ihn. Eine Meditation, die Frieden schafft. Perle für Perle. Ave für Ave. Die Ge-heimnisse öffnen den Blick auf das Leben Jesu, das gar nicht so weit zu sein scheint. Und der gelegentliche Blick auf die Statue taucht in eine Atmosphäre des Vertrauens ein. Die Mutter ist da. Ich bin bei der Mutter.

Buchstäblich Bewegung kommt in alles rein, wenn die Figur ihren Schrein verlässt und zur Lichterprozession auf einem Berg gelber Rosen zu den Pilgern kommt. Der riesige Platz scheint dann zu klein zu sein. Ist es Kitsch, wenn bei der Rückkehr zum Schrein die Menschen mit ihren weißen Taschentüchern zu jedem gesungenen Ave winken? Verstehen kann das wohl nur der nicht, der keine Beziehung zur Gottesmutter kennt, die ihr göttlicher Sohn vom Kreuz her uns allen zur Mutter gegeben hat.

Und immer wieder der Rosenkranz. Vom oberen Rand des Platzes kann man ihn auf den Knien betend bis zum Heiligtum meditieren. Oder leben? Junge und Alte, Einzelne und Familien, Geistliche und Ordensleute, der jugendliche Haudegen ebenso wie die erkennbar fromme Frau – sie alle gehen diesen weiß markierten Bet-Weg. Es kommt in den Sinn, dass die Gottesmutter selbst uns diese Waffe an die Hand und in die Hand gegeben hat. Waffe? Ja, eine, die friedlichste Waffe aller Zeiten. Aber ungeheuer wirksam. Wenn sie nur von mehr Menschen entdeckt würde!

Nach zwei Tagen wieder auf dem Rückflug. Was bleibt? Was nehme ich mit? Hat es sich gelohnt? Ohne Zweifel. Ich war an einem der friedlichsten und gnadenreichsten Orte der Welt. Im Herzen verschlossen und doch im Denken und Handeln bewegend die Zwiesprachen mit der Seniora von Fatima. Jeder hat hier eine Privataudienz. Wenn er nur will und es zulässt, einfach nur da zu sein. Hinhören, was sie sagt. Begreifen, dass diese Botschaft so unendlich einfach ist. Und daher so schwer für jeden, der dem Einfachen zu misstrauen gelernt hat. Was für ein Selbstbetrug! Denn das, was vor 100 Jahren den kleinen großen Kindern ge-sagt wurde, ist topaktuell. Vielleicht noch aktueller als damals. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Wer ein Herz hat, der höre. Wer lieben will, der liebe. Im Jasagen. Und täglich mithilfe des Rosenkranzes. Heute. Jetzt. Dann wird alles gut.

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Quelle

„Anruf an uns und an die ganze Welt“

19.07.2017 Foto: Wächter — Für den geistlichen Kampf empfiehlt Maria ihren Kindern den Rosenkranz und persönliche Bekehrung. Daran erinnerte Weihbischof Florian Wörner in seiner Predigt.

Symposium in Marienfried zeigt die geschichtstheologische Bedeutung der Erscheinungen von Fatima für Russland und Deutschland. Von Julia Wächter

Marienfried (DT) Mit gerade einmal zehn Jahren hat Erich Maria Fink von der Botschaft der Gottesmutter in Fatima erfahren, die im Jahr 1917 zur Weihe Russlands an ihr Unbeflecktes Herz aufgerufen hatte. Von da an wollte er Priester werden und „für die Bekehrung Russlands arbeiten“. Schon als junger Bub habe er gespürt, dass „diese besondere Erwählung Russlands etwas Positives an sich hat“, dass „Russland, wenn es zu Gott zurückgefunden hat, eine Schlüsselrolle“ für den Frieden in Europa spielen werde. Heute ist Erich Maria Fink Pfarrer in Beresniki. Sein „Kindertraum“, so Fink, ging in Erfüllung. Beim Fatima-Symposium in der Gebetsstätte Marienfried im Bistum Augsburg berichtete er kürzlich von seinen Erfahrungen. Die Frage nach den Auswirkungen Fatimas auf Russland, aber auch auf Deutschland, wurde zum Leitfaden des Symposiums, das mittlerweile zum zweiten Mal von Clemens Maria Henkel, dem Direktor der Gebetsstätte, veranstaltet wurde. Anschließend fand der „Große Gebetstag“ statt.

Dass die Aussagen über Russland zum „Wesenskern von Fatima“ gehören, daran besteht für Fink kein Zweifel. Im zweiten Teil des „Geheimnisses“ von Fatima findet Russland direkte Erwähnung. Johanna von Siemens, gottgeweihte Frau im Regnum Christi, führte die Symposiumsteilnehmer in die Botschaft ein. Sie stellte die vorausgehenden Engelserscheinungen im Jahr 1916 und die Marienerscheinungen von 1917 vor. In Bezug auf Russland warnt die Gottesmutter in Fatima vor Krieg und Verfolgung der Kirche, vor Irrlehren, die Russland in der ganzen Welt verbreiten werde. Wie dieses Unheil verhindert werden kann, zeigt Maria zugleich auf, wenn sie bittet, der Papst möge in Einheit mit allen Bischöfen Russland ihrem Unbefleckten Herzen weihen.

Wie kein anderes Volk, so Fink, habe Russland „unter den Manifestationen des Bösen im 20. Jahrhundert gelitten“. Die prophetischen Worte der Gottesmutter hätten sich im durch den deutschen Nationalsozialismus entfesselten Zweiten Weltkrieg sowie durch den atheistischen Bolschewismus in Russland erfüllt. Fatima sei deshalb ein „Angebot der mütterlichen Liebe an das russische Volk“ gewesen, von diesen beiden gegen Gott gerichteten Regimen befreit zu werden.

Die Frage, ob das Angebot der Gottesmutter angenommen, ob also die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens durch die Päpste in gültiger Weise vollzogen worden ist, wird in der Forschung mannigfaltig diskutiert. In diesem Kontext wird zumeist angeführt, dass Russland in den Weiheformeln nicht explizit erwähnt worden ist. Albrecht von Brandenstein-Zeppelin, der seinen Vortrag unter das Thema „Ist die Weihe an das Unbefleckte Herz vollzogen?“ stellte, ging auf diese Debatte nicht im Detail ein, hob stattdessen die Pflicht jedes Einzelnen hervor, die Weihe nicht nur zu vollziehen, sondern auch zu leben. Erich Maria Fink berichtete von einem Brief Papst Pius‘ XII. vom 7. Juli 1952, in dem er explizit „die Völker Russlands“ dem Unbefleckten Herzen weihte, wenn freilich auch nicht in ritueller Form. Dennoch sagte Fink: „Dieser Brief verdient viel mehr Beachtung.“

Den Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens sieht Fink in einer erhofften Erneuerung des kirchlichen Lebens sowie in der Überwindung der Spaltungen der Christenheit. Als Ziel erkennt er die „Wiedervereinigung der russisch-orthodoxen Kirche mit dem Stuhl Petri“. Die Berichte Finks zeigten zugleich, dass der Weg dorthin noch ein weiter ist. „Die orthodoxe Kirche tut sich schwer mit Fatima“, gab er zu bedenken und berichtete von einer offiziellen Stellungnahme der russisch-orthodoxen Kirche vom 17. November 2011, die Fatima als eine Manifestation des Antichristen versteht. „Sie konnten nicht anders, als es so zu deuten“, erklärte Fink. Würde die russisch-orthodoxe Kirche die Echtheit der Erscheinungen von Fatima annehmen, müsste sie zugleich den Primat des Papstes anerkennen.

Neben der Verheißung für Russland sei im „Gesamtkomplex der Botschaft von Fatima“ eine „spezifische Botschaft“ für Deutschland enthalten, wie Dorothea und Wolfgang Koch herausstellten. Bezeichnend hierfür sei ein Brief Schwester Lucias an den deutschen Priester Ludwig Fischer. Darin schreibt die Seherin von ihren Gebeten für Deutschland, das – wenn auch „sehr langsam“ – in den „Schafstall des Herrn zurückkehren“ werde. Die Gebete, die Fischer seinerseits für sein Land sprach, sah Koch sich erfüllen in den Aufbrüchen der jungen Bundesrepublik.

So stellte das Ehepaar Koch die Bedeutung mehrerer von marianischer Spiritualität gezeichneter Persönlichkeiten für den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg heraus, darunter Papst Pius XII., der mit Deutschland aus seiner Zeit als Nuntius vertraut war und als Papst die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens weihte, Konrad Adenauer, der den Friedenspreis der „Blauen Armee Mariens“, des heutigen „Fatima-Weltapostolats“, erhielt, sowie Kardinal Josef Frings, der Deutschland dem Unbefleckten Herzen Mariens weihte.

Maßgeblich für die Verkündigung der Botschaft von Fatima in Deutschland war zudem Rudolf Graber, von 1962 bis 1982 Bischof von Regensburg – das stellte Adolfine Therese Treiber vom Institutum Marianum Regensburg heraus. Graber gilt heute als einer der bedeutendsten Mariologen des vergangenen Jahrhunderts. Von Fatima erfahren hatte er durch Ludwig Fischer, der es, so Treiber, „wahrlich verdient hat, als erster Künder der Botschaft von Fatima im deutschen Sprachraum“ bezeichnet zu werden. Treiber stellte dar, wie Graber die Zeitschrift „Bote von Fatima“, die von Ludwig Fischer ins Leben gerufen wurde, nach dessen Tod in das Institutum Marianum eingliederte und ihr so zu weiteren Blüten verhalf. In der Botschaft von Fatima habe Bischof Graber stets den Imperativ hervorgehoben. Fatima sei „nicht bloß eine besondere Art der Marienverehrung“, sagte Graber 1987 bei einem Fatima-Gebetstag im bayerischen Eggenfelden: „Fatima bedeutet einen Anruf an uns und an die ganze Welt.“ In derselben Predigt erwähnte er auch Fischer und dessen Berichte über Fatima, von denen Graber nach eigener Aussage zunächst „nicht sonderlich berührt“ gewesen war. Erst als er sich der geschichtstheologischen Bedeutung Fatimas bewusst wurde, als er die Erscheinungen „auf dem Hintergrund der damaligen Zeit betrachtete“, gewann er Zugang. Mit den Worten des Pastoraltheologen Ludwig Mödl sprach Treiber von der Fähigkeit Grabers, „Weltereignisse in Zusammenhang mit Marienerscheinungen“ zu bringen und „marianischen Aussagen kirchengeschichtliche Bedeutung“ zuzumessen.

Dass Fatima neben seiner geschichtlichen Bedeutung eine ebensolche Aktualität für unsere Zeit birgt, zeigte der Augsburger Weihbischof Florian Wörner, der mit einem Pontifikalamt das Symposium eröffnet hatte. Er rief die Schreckensbilder aus dem Irak, Syrien oder auch aus Hamburg während des G20-Gipfels vor Augen, hinter denen sich ein „geistlicher Kampf“ abspiele. Entgegnet werden könne dem mit der „geistlichen Waffe des Gebets“, dem Rosenkranz, mit Umkehr, Vergebung und Opfer, wie es die Gottesmutter in Fatima gefordert hatte. Die Beter in Marienfried, die das Symposium geistlich nährten, gingen mit gutem Beispiel voran.

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‚Es ist etwas Wunderbares um unsern katholischen Glauben‘

Kardinal Cordes inmitten der Bischöfe der russischen katholischen Bischofskonferenz und weiteren Geistlichen. Mit im Bild ist auch der aus Deutschland stammende Bischof Clemens Pickel, Vorsitzender der russischen katholischen Bischofskonferenz. Siehe dazu auch den kath.net-Artikel:

Kardinal Cordes, päpstlicher Sondergesandter in Kasachstan, erinnert an die Überzeugung vieler Christen, „dass die Geschehnisse der Wendejahre eng mit der Botschaft von Fatima in Verbindung stehen“.

Von Petra Lorleberg

Karaganda (kath.net/pl) Papst Johannes Paul II. „berichtete im kleinen Kreis, wie er in sich den Drang gespürt habe, bei dieser Weihe auch Russland zu benennen, dass er dann aber seinen Beratern nachgegeben habe. Und er erzählte uns darauf mit strahlendem Gesicht: Was er sich versagt hätte, sei aber dennoch vollzogen worden. Auf befreundetem Weg war ihm etwas Wichtiges und für ihn sehr Tröstliches zu Ohren gekommen: Orthodoxe russische Bischöfe hätten seine Weihe der Welt an die Gottesmutter zum Anlass genommen, Maria in besonderer Weise Russland zu weihen. Als er diese Geschichte berichtete, konnte ich ihm seine Freude ansehen – gewiss darüber, dass sei sein dringendes Sehnen erfüllt hatten; aber auch darüber, dass er in seiner eigenen Intuition den Willen Gottes geahnt hatte.“ Darauf wies der emeritierte Kurienkardinal Paul Josef Cordes, Sondergesandter von Papst Franziskus zum Marianischen Kongress von Kasachstan, anlässlich des 100. Jahrestag der ersten Marienerscheinung in Fatima, in seiner Predigt hin. Der aus Paderborn stammende Kardinal stand am 13.5.2017 in der katholischen Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Fatima“ in Karaganda/Kasachstan der feierlichen Abschlussmesse vor. Seine Predigt wurde in russischer Sprache verlesen, anwesend waren die Bischöfe der russischen katholischen Bischofskonferenz und viele Priester und viele Gläubige, die teils aus weiten Entfernungen gekommen waren.

kath.net dokumentiert die deutschsprachige Predigtvorlage in voller Länge und dankt Kardinal Cordes für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung:

Mit großer Freude und Dankbarkeit gedenken wir heute der Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima. Vor hundert Jahren ist sie dort zum ersten Mal erschienen. Und der Heilige Vater Franziskus selbst gedenkt dort heute der Mutter seines Sohnes. Und wir geistlich mit ihm verbunden – trotz der großen geographischen Entfernung. Und der Papst genauso wie das Fest erinnert uns mit Macht an die Schönheit und Tiefe unseres christlichen Glaubens. Wir wundern uns neu über die Wärme, die uns im christlichen Glauben erwartet.

Unser Christsein besingt immer neu die Güte des göttlichen Vaters. Er hat uns sogar seinen Sohn gesandt, der sich zur Sühne für unsere Sünde ans Kreuzschlagen ließ. Der jedoch nicht im Tod blieb, sondern vom Vater auferweckt wurde; der durch seine Rückkehr ins Leben die Wahrheit seiner Botschaft und die Allmacht seiner Liebe bezeugte.

Und dieser Jesus ist nicht nur Sieger über Sünde und Tod, sondern er will unser Bruder sein. Als unser Bruder hat er ein Herz für uns, bezieht er uns ein in sein menschliches Sehnen und Empfinden. Er gibt sogar seine eigene Mutter uns allen zur Mutter. Es ist etwas Wunderbares um unsern katholischen Glauben. Er nimmt unsre menschlichen Erwartungen, Erfahrungen und Neigungen auf. Er macht sich nicht über sie lustig, er warnt nicht vor ihnen; er verdächtigt sie nicht. Er baut mit ihnen den Vollzug unseres Christseins: festliche Gewänder und Weihrauch machen die Liturgie zu einem erhabenen Schauspiel. Musik und Lieder heben unser Gemüt und unsere Stimmung. Wallfahrt und Fasten disziplinieren unsern Körper und geben uns den Geschmack von Opfer und Sühne. Und des Menschen Sehnsucht nach einer Mutter heißt die Kirche gut, wenn sie uns einlädt, die Gottesmutter als unsere Mutter anzunehmen.

Freilich nicht, damit unsere Kindlichkeit auf ihre Kosten käme – als sentimentale Süßspeise sozusagen. Es wäre ein Missverständnis, wenn wir die Gottesmutter als eine Konzession an unsere religiöse Rührseligkeit deuteten. Oder gar egoistisch vereinnahmten – wie Kinder, die ihre Mutter als Mittel sehen, das ihnen alle Widerstände und Schwierigkeiten ausräumt. Gewiss: Sie ist die „Immer währende Hilfe“. Aber sie will unsere Hinneigung zur Mutter nicht bei sich belassen; sie will sie über sich selbst hinausführen. Wir haben es im Evangelium gehört: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5)! Die Gottesmutter erwartet von uns den reifen Glauben erwachsenen Christseins. „Was er euch sagt, das tut!“ Maria gebietet bereitwilligen Gehorsam gegenüber dem Wort und Willen ihres Sohnes. Hatte sie nicht selbst nach der Verkündigung des Engels gesagt: „Ich bin die Magd des Herrn“?

Wir wissen, was dieses Wort sie später gekostet hat. Denn das bedingungslose Ja zu Gottes Willen ist nie ein Versicherungsvertrag für ein leichtes Leben. Christsein ist keine Wohlfühl-Therapie. Das mögen Wellness-Klöster in Europa vortäuschen, oder christliche Sekten, die in den USA Erfolg im Geschäftsleben versprechen. Ihr, liebe Schwestern und Brüder hier in Kasachstan, seid ganz gewiss gewappnet gegen solches Missverständnis, gegen solche Aushöhlung des Glaubens. Da braucht man nur die Geschichte der Christen in eurem Land zur Kenntnis zu nehmen. Ich jedenfalls war berührt und betroffen, als ich vor Jahren einige Sätze von Papst Johannes Paul II. las. Er hatte sie uns Priestern in seinem ersten Brief zum Priesterdonnerstag geschrieben. Lassen Sie mich sie hier heute wiederholen; denn der Papst könnte von einem Gottesdienst in eurem Land sprechen:

„Denkt an jene Orte, wo die Menschen sehnsüchtig auf einen Priester warten, wo sie seit vielen Jahren sich unablässig einen Priester wünschen, weil sie sein Fehlen schmerzlich empfinden! Es geschieht zuweilen, dass sie sich in einem verlassenen Gotteshaus versammeln, auf den Altar die noch aufbewahrte Stola legen und alle Gebete der Eucharistiefeier sprechen. Im Augenblick, der der Wandlung entsprechen würde, tritt jedoch eine große Stille ein, die manchmal von einem Weinen unterbrochen wird…; so brennend verlangen diese Menschen danach, jene Worte zu hören, die nur die Lippen eines Priesters wirksam aussprechen können! So sehr sehnen sie sich nach der heiligen Kommunion, die sie aber nur durch die Vermittlung des priesterlichen Dienstes empfangen können, wie sie auch voller Sehnsucht darauf warten, die Worte der göttlichen Vergebung zu hören: ‚Ich spreche dich los von deinen Sünden!’ So tief empfinden sie es, dass ihnen der Priester fehlt!‘“

Mir kam dieses Zitat bald in den Sinn, als mich Monsignore Adelio zu eurem heutigen Fest einlud. Und es schoss mir durch den Kopf, was sich alles seit der großen Glaubensbedrückung damals verändert hat. Das bewegte mich rasch, bei euch sein zu wollen, um mit euch Gott zu loben und zu preisen für seine Wunder, die wohl niemand erwarten konnte. Und mit euch für die Fürsprache seiner Mutter zu danken. Denn sie, die in eurer Kathedrale besonders verehrt wird, hat ja nur zu offensichtlich ihre Hand im Spiel gehabt, damit sich alles zum Besseren wendete. Ich möchte es wenigstens skizzieren, auch wenn ich das nur wiederhole, was manche von euch schon kennen.

Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs 1989 und nach dem Fall der Berliner Mauer wurden auch die Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilstaaten in der UDSSR immer stärker. Überzeugte Kommunisten wollten diese Entwicklung aufhalten und putschten am 19. August 1991 gegen den letzten Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Sie brachten in Moskau auch die Medien in ihre Gewalt. Aber sie hatten die Kraft von stillem Gebet und leidvollem Flehen unterschätzt, das in all den Jahren zum Himmel gedrungen war. Und es gab noch einen Radio-Sender, von dem sie nichts wussten.

Es ist Montag, der 19. August 1991. Präsident Gorbatschow wird in seinem Urlaubsdomizil auf der Krim gefangen gehalten. Boris Jelzin, damals Präsident der Russischen Föderation erkennt die Lage und tritt an die Spitze des Widerstandes gegen die kommunistischen Putschisten. Er stürmt in die Duma und ruft händeringend: „Ich brauche ich ein Radio, ich brauche ein Radio!“ Was unglaublich klingt, wird möglich. Ein Abgeordneter, ein bekennender Christ, weiß, dass das Päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ einen Transistor, in Einzelteile zerlegt, mit dem Schiff über Sankt Petersburg nach Moskau geschmuggelt hatte. Er stand inzwischen in einer Lagerhalle und wurde heimlich herbeigeschafft.

Schon wenig später kann Boris Jelzin die Bevölkerung Moskaus per Radio zum Widerstand gegen den Putsch aufrufen. Tausende versammeln sich friedlich auf den Straßen. Es laufen sogar ganze Armee-Einheiten zu Jelzin über. Und der vergaß später diese unglaubliche Hilfe nicht. Er verschaffte der Gottesmutter eine öffentliche Plattform. Er gab nämlich sein Einverständnis für eine spektakuläre „geistliche Luftbrücke“. Zusammen mit katholischen wie orthodoxen Kirchenvertretern und mehr als 150 russischen Fernseh- und Radiosendern vollzog sich am 13. Oktober 1991 eine Liveübertragung der Wallfahrtsfeierlichkeiten aus Fatima. 40 Millionen Menschen in Russland erlebten diese Übertragung per Fernsehen.

Man wollte – damals wie heute – Fatima feiern. Dahinter steht die Überzeugung vieler Christen in Russland und in der weiten Welt, dass die Geschehnisse der Wendejahre eng mit der Botschaft von Fatima in Verbindung stehen. Wie bekannt ist, war ja in diesem portugiesischen Dorf im Jahr 1917 von Mai bis Oktober die Gottesmutter Maria drei Hirtenkindern erschienen und hatte eine Botschaft an sie gerichtet. Katholische und orthodoxe Gläubige beteten dann gemeinsam für die Bekehrung und Versöhnung Russlands sowie der westlichen Welt. Papst Johannes Paul II. hatte einen besonderen Grund, sich in die Schar der Beter einzureihen: Er war überzeugt, dass die Gottesmutter ihn am 13. Mai 1981 – am Gedenktag ihrer Erscheinung in Fatima – bei einem Attentat vor dem gewaltsamen Tod geschützt hatte.

Wie wichtig Fatima für den heiligen Papst war, durfte ich sogar einmal einer persönlichen Begegnung mit ihm erleben. Offenbar hatte er sich lange mit jenem bedeutenden Auftrag befasst, den die Gottesmutter den Seherkindern dort gegeben hatte: die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen. Er selbst hatte diese Weihe am 23. März 1984 vorgenommen, als die Statue Mariens von Fatima nach Rom gekommen war. Jedoch hatte er es sich versagt, dabei ausdrücklich Russland zu benennen; denn Vatikanische Diplomaten hatten ihn dringend gebeten, dieses Land nicht zu erwähnen, weil andernfalls eventuell politische Konflikte entständen.

Wenig später war ich dann bei ihm zu Mittag eingeladen. Er berichtete im kleinen Kreis, wie er in sich den Drang gespürt habe, bei dieser Weihe auch Russland zu benennen, dass er dann aber seinen Beratern nachgegeben habe. Und er erzählte uns darauf mit strahlendem Gesicht: Was er sich versagt hätte, sei aber dennoch vollzogen worden. Auf befreundetem Weg war ihm etwas Wichtiges und für ihn sehr Tröstliches zu Ohren gekommen: Orthodoxe russische Bischöfe hätten seine Weihe der Welt an die Gottesmutter zum Anlass genommen, Maria in besonderer Weise Russland zu weihen. Als er diese Geschichte berichtete, konnte ich ihm seine Freude ansehen – gewiss darüber, dass sei sein dringendes Sehnen erfüllt hatten; aber auch darüber, dass er in seiner eigenen Intuition den Willen Gottes geahnt hatte.

Liebe Brüder und Schwestern, wer all diese Ereignisse bedenkt, kann nur in Gottes Lob ausbrechen. Es wird besonders innig klingen an diesem Ort, der einzigen Kathedrale, die in der ehemaligen UDSSR der Gottesmutter von Fatima geweiht ist; an diesem Tag, da unser Papst Franziskus die beiden Seherkinder Franziskus und Jacintha heiligspricht. Feiernd werden wir selbst der Nähe Gottes und seiner Mutter neu gewiss. Dann füllt sich unser Herz. Und – so sagen wir in Deutschland – „Wovon das Herz voll ist, fließt der Mund über.“ Wir werden zu Aposteln. Wir dürfen ja unsern Glauben und das Wissen um Gottes Großtaten nicht für uns behalten. Das Evangelium fordert uns zum Zeugnis heraus. Gottes Geist treibt uns an, mit unserem eigenen Glauben andere anzustecken.

 

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Regina Coeli im Zeichen von Fatima

Papst beim Regina Coeli

Auch einen Tag nach der Rückkehr aus Fatima ging es im Vatikan an diesem Sonntag um den portugiesischen Marienwallfahrtsort: Am Vormittag besuchte der Papst die römische Marienbasilika Santa Maria Maggiore, um bei der Muttergottes für die zweitägige Reise nach Portugal zu danken. Vor dem Marienbild „Salus populi romani“ verweilte er rund 20 Minuten still und legte weiße Rosen vor der Ikone nieder. Beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz sagte der Papst, dass er mit seinem Besuch in Fatima, um den mütterlichen Schutz Marias für die ganze Welt erbeten habe. Auch erinnerte er an die beiden neuen Heiligen Francisco und Jacinta Marto, die Beispiele der Treue zu Christus und des Zeugnisses für das Evangelium seien. Sie riefen die Gläubigen zur Umkehr auf.

Das „Regina Coeli“ habe als Mariengebet eine besondere Bedeutung, so der Papst. Auch in Fatima habe das Gebet eine große Rolle gespielt, er sei dort mit den Gläubigen „ins Gebet eingetaucht“. Es sei ihm darum gegangen, den mütterlichen Schutz zu erbitten und erinnerte hierbei auch an den Muttertag, der weltweit an diesem Sonntag gefeiert wird. Nach dem Mittagsgebet ging der Papst auch auf die Bedeutung des Lebensschutzes ein, der besonders gut zum Muttertag passe, da die Frauen das Geschenk des Lebens weiter geben dürfen.

Ein weiteres Stichwort beim „Regina Coeli“ lautete „Frieden“: Er sei nach Fatima gereist, um für den Frieden zu beten. Er sei nach Portugal als Pilger der Hoffnung und des Friedens gereist, so Franziskus in seiner Ansprache.

Während seines zweitägigen Aufenthalts in Fatima am Freitag und Samstag habe es mehrere Momente des Gebets gegeben. Da habe sich eine „besondere Atmosphäre“ gebildet. Doch immer sei es um die Botschaft der Liebe Gottes gegangen. Der auferstandene Herr sei immer präsent gewesen, gerade in der Eucharistie sei er immer gegenwärtig, aber auch unter den Kranken, die in Fatima „die eigentlichen Protagonisten“ waren und sind.

Über die beiden neuen Heiligen – die zwei Seher-Kinder Francisco und Jacinta Marto – die mit Lucia, vor genau 100 Jahren die ersten Marienerscheinungen erlebt hätten, sagte der Papst, dass sie insofern für die heutigen Gläubigen Vorbilder seien, da sie nicht nur die Botschaft der Muttergottes wahrgenommen hätten sondern auch danach lebten. Deshalb sei die Heiligsprechung von Francisco und Jacinta als „Beispiel für die Treue zu Christus“ zu verstehen. Auch seien sie „wahre Zeugen für das Evangelium“. Es handelte sich um die ersten Kinder, die nicht wegen eines Martyriums heiliggesprochen wurden. Deshalb wolle er der Kirche die Leiden und Sorgen aller Kinder ans Herz legen. Die Seher-Kinder hätten die Menschen zur Umkehr und Buße aufgerufen und diesen Aufruf gelte heute noch: Auch die heutigen Gläubigen sollen weiterhin „um die Gnade der Umkehr flehen, wie auch um das Ende der vielen Kriege sowie der absurden kleinen und großen Konflikte, die das Antlitz der Menschheit entstellen“.

Nach dem Mittagsgebet bat der Papst der Gottesmutter als „Königin des Friedens“, um das Ende von den Kriegen, die besonders im Nahen Osten wüteten. Dort seien etliche Menschen hart geprüft und zwar nicht nur Christen und Moslems. Namentlich nannte Franziskus die Jesiden, eine von Islamisten im Irak verfolgte Religionsgemeinschaft als verfolgte Minderheit. Nur der Weg des Dialogs und der Geschwisterlichkeit könne eine Zukunft der Sicherheit und des Friedens ermöglichen.

(rv 14.05.2017 mg)

Fatima: Die drei Hirtenkinder und die Wunderheilung des kleinen Lucas

João Batista & Lucila Yurie, Eltern Des Kleinen Lucas, Fatima / © ZENIT – AB

Pilgerreise am 12. und 13. Mai 2017

Den drei Hirtenkindern, Lucia, Jacinta und Francisco, erschien die Jungfrau Maria im Jahr 1917 sechs Mal, das erste Mal am 13. Mai. Lucia war damals zehn Jahre alt, ihre beiden Cousins, Francisco und Jacinta, jeweils neun und sieben Jahre alt. Während der Erscheinungen konnte nur Lucia sehen, hören und sprechen, Jacinta sehen und hören, Francisco nur sehen. Daher berichteten nur die beiden Mädchen über das Geschehene.

Durch die Erscheinungen änderte sich das Leben der drei Hirtenkinder, die ein einfaches und gläubiges Elternhaus hatten, grundlegend. Täglich beteten sie den Rosenkranz und mussten Anfeindungen und Anschuldigungen ertragen. Jacinta und Francisco starben nur wenige Jahre nach den Marienerscheinungen an der Spanischen Grippe, Francisco am 4. April 1919 und Jacinta am 20. Februar 1920.

Lucia, die wie ihre beiden Cousins in Aljustrel geboren war, hatte bereits 1915 eine Vision, wie sie später in ihren Erinnerungen berichtete. Nach der letzten Marienerscheinung 1917 lebte sie im Kolleg von Villar in Porto, danach, vom 17. Mai 1946 bis zu ihrem Tod am 13. Februar 2005, in Klausur im Karmel von Santa Teresa.

1922 verfasste Sr. Lucia die erste Niederschrift der Marienerscheinungen, 1924 wurde sie von einer offiziellen Kommission zu den Ereignissen in Fatima befragt. Sechs Jahre später, am 13. Oktober 1930, veröffentlichte der Bischof von Leiria einen Pastoralbrief zum Kult Unserer Lieben Frau von Fatima. Sr. Lucia verfasste von 1935 bis 1992 ihre Erinnerungen in sechs Teilen.

Am 3. Februar 2008 wurde der Seligsprechungsprozess für Sr. Lucia dos Santos eingeleitet und damit die übliche Fünfjahresfrist in ihrem Fall aufgehoben. Ihre Seligsprechung erfolgte am 13. Februar 2017.

Jacinta und Francisco wurden am 13. Mai 2000 seliggesprochen. Ihre Heiligsprechung am 13. Mai 2017 erfolgte aufgrund der Anerkennung eines Wunders, der Heilung eines kleinen Jungen aus Brasilien, der am 3. März 2013 im Alter von fünf Jahren einen schweren Unfall erlitten hatte.

Der kleine Lucas war beim Spielen aus dem Fenster in 6,50 Meter Tiefe gestürzt. Das Kind fiel ins Koma; die behandelnden Ärzte schätzten die Überlebenschancen des kleinen Jungen sehr gering ein. Die Eltern beteten in ihrer Verzweiflung zu Unserer Lieben Frau von Fatima und baten auch eine Schwesterngemeinschaft um Gebete.

Der Zustand ihres Sohnes verschlechterte sich besorgniserregend, doch am 9. März erwachte der kleine Lucas aus dem Koma, begann zu sprechen und nach seiner Schwester zu fragen. Am 15. März konnte er aus dem Krankenhaus entlassen werden. Von dem schweren Unfall sind Lucas keinerlei Folgeschäden geblieben. Wissenschaftlich ist seine Heilung nicht erklärbar.

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Quelle

Heiligsprechung in Fatima: Klammern wir uns Maria an

Papst in Fatima

Mit einem langen Applaus haben die Pilger und Gläubige im portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima den Papst am Samstagvormittag willkommen geheißen. Bei dem Gottesdienst unter strahlendem Sonnenschein nahmen tausende Menschen teil. Zuvor hatte Franziskus die alte Rosenkranzbasilika von Fatima besucht und betete vor den Gräbern der drei Seherkinder Francisco Marto, Jacinta Marto und Lucia dos Santos, die sich dort befinden. Der Platz zwischen den beiden Basiliken von Fatima war bereits zwei Stunden vor dem Gottesdienst weithin gefüllt. Viele Pilger hatten mit Schlafsäcken oder einfachen Rettungsdecken auf dem Areal übernachtet, berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur. Franziskus war im Exerzitienhaus „Nossa Senhora do Carmo“ unmittelbar neben dem Wallfahrtsgelände untergebracht.

Bis zum letzten Atemzug

Zu Beginn der Feier an diesem Samstag stellte der Bischof von Fatima, António Augusto dos Santos Marto, das Leben der beiden neuen Heiligen vor: Francisco und Jacinta Marto. Die Lesungen und das Tagesevangelium drehten sich allesamt um der Muttergottes. Der Papst rief die Gläubigen auf, „uns wie Kinder“ an sie zu klammern. Denn auf diese Weise könnten die Gläubigen in der Hoffnung leben, die sich auf Jesus stützt und die Menschen immer trägt – „bis zum letzten Atemzug“. Zu Beginn seiner Predigt ging er auf das Erlebnis der Seherkinder von Fatima ein. Unzählige Gnaden seien der Muttergottes von Fatima zu verdanken, so Franziskus. Hundert Jahre seien seit ihrer Erscheinung am Himmel vergangenen und „vom hoffnungsvollen Portugal aus“ haben ihr Lichtmantel „über die vier Himmelsrichtungen der Erde“ sich ausgebreitet. Die beiden neuen Heiligen seien für alle ein Vorbild, da sie die göttliche Gegenwart zu einem festen Bestandteil ihres Lebens machten.

Einhüllendes Licht

Maria ist erschienen, um an das „Licht Gottes zu erinnern, das in uns wohnt und uns umhüllt“: In seiner Predigt bei der Messe in Fatima betonte Papst Franziskus die Metapher des einhüllenden Lichts, die besonders wichtig ist für den Marienwallfahrtsort. „Gemäß dem gläubigen Empfinden vieler, wenn nicht sogar aller Pilger ist Fatima vor allem dieser Lichtmantel. Er bedeckt uns hier wie an jedem anderen Ort der Erde, wenn wir unter dem Schutz der Jungfrau Maria Zuflucht nehmen, um sie zu bitten, wie es das Salve Regina lehrt: ‚Zeige uns Jesus’.“ Die drei Hirtenkinder, denen die Muttergottes vor genau 100 Jahren begegnet war, hatte Ähnlichkeit wie die Maria aus der Offenbarung des Johannes, von der in der Lesung die Rede war, „eine Frau, mit der Sonne bekleidet.“ „Liebe Pilger, wir haben eine Mutter“, so Papst Franziskus.

Die drei Kinder hatten sich ihrem eigenen Zeugnis nach im Licht Gottes befunden, das von der Gottesmutter ausstrahlte. „Sie hüllt sie in den Mantel des Lichtes, das Gott ihr gegeben hatte.“ Zu Beginn der Messfeier hatte Papst Franziskus zwei der Seherkinder, Jacinta und Francisco Marto, heilig gesprochen. Das dritte Kind, Lucia dos Santos, war 2005 gestorben, für sie läuft das Seligsprechungsverfahren.

„Ich konnte nicht umhin, hierher zu kommen“

Der Papst bedankte sich bei allen Anwesenden, weil sie ihn auf dieser für ihn wichtigen Pilgerfahrt begleitet haben. „Ich konnte nicht umhin, hierher zu kommen, um die Jungfrau und Mutter Maria zu verehren und ihr ihre Söhne und Töchter anzuvertrauen. Unter ihrem Schutzmantel gehen sie nicht verloren“, so der Papst wörtlich. Der Fürsprache der Gottesmutter bedarf die ganze Menschheit, insbesondere die Kranken und Behinderten, die Gefangenen und Arbeitslosen, die Armen und Verlassenen, fügte Franziskus an; ihr beständiges Gebet und ihre Verehrung für die Gottesmutter sei Beispiel für viele geworden, und das nicht nur in Portugal sondern auf der ganzen Welt.

Hoffnung für andere sein

Jeder sei selber eine Hoffnung für die anderen. Das fordere von jedem Gläubigen eine „regelrechte Mobilisierung gegen die Gleichgültigkeit“. Diese Gleichgültigkeit lasse das Herz erstarren und verschlimmere die Kurzsichtigkeit gegenüber den Mitmenschen. Doch das Leben könne nur durch ein anderes Leben überleben, aber dazu bedarf es der Großzügigkeit der Menschen. Jesus sei im Schoß der Jungfrau Mensch geworden, diese Menschheit werde nie wieder aufgeben. „Wie einen Anker machen wir unsere Hoffnung in jener Menschheit fest, die im Himmel zur Rechten des Vaters ihren Platz genommen hat“, so der Papst weiter. „Diese Hoffnung möge der Antrieb für unser aller Leben sein!“

Mobilisierung gegen die Gleichgültigkeit

„Darum bitte ich für alle meine Brüder und Schwestern, für die Getauften und die ganze Menschheit, insbesondere für die Kranken und Behinderten, die Gefangenen und Arbeitslosen, die Armen und Verlassenen“, so der Papst, um dann mit einem paradoxen Gebet fortzufahren. „Liebe Brüder und Schwestern, beten wir zu Gott in der Hoffnung, dass uns die Menschen anhören werden; und wenden wir uns an die Menschen in der Gewissheit, dass uns Gott zu Hilfe kommt.“ Wenn Gott wie die Seher-Kinder schrieben die Einsatz und so Erfüllung der je eigenen Pflichten verlange, „so setzt er damit eine regelrechte allgemeine Mobilisierung gegen diese Gleichgültigkeit in Gang, die unser Herz erstarren lässt und unsere Kurzsichtigkeit verschlimmert. Wir wollen keine gescheiterte Hoffnung sein!“ Es gelte, das Antlitz Jesu zu suchen, der in die Welt gekommen sei und sich erniedrigt habe, bis zum Kreuz. So könne man „das junge und schöne Gesicht der Kirche wiederentdecken (…), das strahlt, wenn sie missionarisch, einladend, frei, treu, arm an Mitteln und reich an Liebe ist.“

Jeder sei ein Wächter der Welt unter dem Schutz Mariens, sagte der Papst abschließend. Zur Gabenbereitung brachte die Familie, deren Kind auf die Fürsprache der beiden Seherkinder geheilt wurde, die Gaben zum Altar. Zum Schluss der Feier gab es noch einen Segen für die Kranken.

(rv 13.05.2017 mg/ord)

Fatima: Rosenkranzgebet: Text der Papstansprache

Nächtliches Rosenkranzgebet in Fatima

Ansprache von Papst Franziskus
beim Rosenkranzgebet am Freitagabend in Fatima.

Liebe Pilger und Pilgerinnen zu Maria und mit Maria,

danke, dass ihr mich bei euch aufgenommen habt und euch mit mir vereint habt auf dieser Pilgerreise, die ich in der Hoffnung und im Frieden mache. Zunächst möchte ich euch allen, die ihr jetzt hier oder anderswo mit mir verbunden seid, bekräftigen, dass ihr alle mir am Herzen liegt. Ich spüre, dass Jesus euch mir anvertraut hat (vgl. Joh 21,15-17). Daher umarme ich euch alle und empfehle euch Jesus, „besonders jene, die seiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen“ – wie die Mutter Gottes uns zu beten gelehrt hat (Erscheinung am 13. Juli 1917). Sie, die sanfte und fürsorgliche Mutter aller Bedürftigen, möge ihnen den Segen des Herrn erwirken! Auf jeden der Entrechteten und Unglücklichen, denen die Gegenwart geraubt wurde, wie auf jeden der Ausgeschlossenen und der Verlassenen, denen die Zukunft verwehrt wird, und auf jeden der Waisen und der Opfer der Ungerechtigkeit, denen eine eigene Vergangenheit nicht zugestanden wird, komme der Segen Gottes herab, der in Jesus Christus menschliche Gestalt angenommen hat: »Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden« (Num 6,24-26).

Dieser Segen hat sich in der Jungfrau Maria vollkommen erfüllt. Denn kein anderes Geschöpf hat über sich das Antlitz Gottes aufstrahlen sehen wie sie, die dem Sohn des ewigen Vaters ein menschliches Gesicht gegeben hat. Wir können es nun in einer Reihe von freudenreichen, lichtreichen, schmerzhaften und glorreichen Momenten ihres Lebens betrachten, die wir beim Beten des Rosenkranzes durchgehen. Mit Christus und Maria bleiben wir in Gott. In der Tat, »wenn wir Christen sein wollen, müssen wir auch marianisch sein. Das heißt, wir müssen die wesentliche, lebendige und von der Vorsehung bestimmte Beziehung anerkennen, die Maria mit Jesus verbindet und die uns den Weg eröffnet, auf dem sie uns zu ihm führt« (Paul VI., Ansprache während des Besuchs des Heiligtums der Muttergottes von Bonaria, Cagliari, 24. April 1970). So nimmt das Evangelium, jedes Mal wenn wir den Rosenkranz an dieser segensreichen Stätte oder an jedem anderen Ort beten, seinen Weg im Leben eines jeden Einzelnen, der Familien, der Völker und der ganzen Welt auf.

Pilger und Pilgerinnen mit Maria … Welcher Maria? Ist sie eine Lehrerin des geistlichen Lebens, die erste, die Christus auf dem „schmalen Weg“ des Kreuzes gefolgt und so unser Vorbild geworden ist – oder ist sie vielmehr eine „unnahbare“ Herrin, die wir nicht nachahmen können? Ist sie „selig“, weil sie immer und in jeder Lage an die göttlichen Worte „geglaubt hat“ (vgl. Lk 1,42.45) oder ist sie vielmehr ein Heiligenbild, an das man sich wendet, um schnell und billig eine Gunst zu erhalten? Ist sie die Jungfrau Maria des Evangeliums, die von der betenden Kirche verehrt wird, oder ist sie eine Maria, wie sie von subjektiven Empfindungen gezeichnet wurde, nach denen sie den Richterarm Gottes zurückhält, der zur Bestrafung ausholt? Als wäre sie eine Maria, die gütiger als Christus ist, der als grausamer Richter erscheint; als hätte sie mehr Erbarmen als das Lamm, das für uns geopfert wird?

Man tut Gott und seiner Gnade Unrecht, wenn man an erster Stelle sagt, dass die Sünden durch sein Gericht bestraft werden, ohne voranzustellen – wie es das Evangelium deutlich macht –, dass er sie in seiner Barmherzigkeit vergibt! Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht überordnen. Jedenfalls geschieht das Gericht Gottes immer im Licht seines Erbarmens. Natürlich leugnet die Barmherzigkeit Gottes die Gerechtigkeit nicht; denn Jesus hat die Folgen unserer Sünde mit der gerechten Strafe auf sich genommen. Er leugnet die Sünde nicht, er hat sie vielmehr am Kreuz für uns bezahlt. Und so sind wir im Glauben, der uns mit dem Kreuz Christi verbindet, von unseren Sünden frei. Legen wir jede Form von Angst und Furcht ab, denn das ziemt sich nicht für jemanden, der geliebt wird (vgl.1 Joh 4,18). »Jedes Mal, wenn wir auf Maria schauen, glauben wir wieder an das Revolutionäre der Zärtlichkeit und der Liebe. An ihr sehen wir, dass die Demut und die Zärtlichkeit nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken sind, die nicht andere schlecht zu behandeln brauchen, um sich wichtig zu fühlen. […] Diese Dynamik der Gerechtigkeit und der Zärtlichkeit, des Betrachtens und des Hingehens zu den anderen macht Maria zu einem kirchlichen Vorbild für die Evangelisierung« (Evan­gelii gaudium, 288). Möge jeder von uns mit Maria zu einem Zeichen und Sakrament der Barmherzigkeit Gottes werden, des Gottes, der immer vergibt und alles vergibt.

Von Maria an der Hand genommen und unter ihren Augen können wir mit Freuden das Erbarmen des Herrn besingen. Wir können sagen: Meine Seele singt für dich, mein Herr! Die Barmherzigkeit, die du allen deinen Heiligen und dem ganzen gläubigen Volk erwiesen hast, ist auch zu mir gelangt. Aufgrund meines stolzen Herzens verrannte ich mich in meinem Ehrgeiz und meinem Eigenwillen, ohne jedoch irgendeinen Rang zu erlangen, mein Herr! Die einzige Möglichkeit erhöht zu werden, ist diese: dass deine Mutter mich auf den Arm nimmt, mich mit ihrem Mantel bedeckt und mich an dein Herz legt. So sei es!

(rv 12.05.2017 ord)