Der heilige Papst Johannes Paul II. über den heiligen Papst Pius V.

BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
ANLÄßLICH DES 500. JAHRESTAGES DER GEBURT
DES HL. PAPSTES PIUS V.

An den verehrten Mitbruder
FERNANDO CHARRIER
Bischof von Alessandria

1. Gerne sende ich Ihnen einen herzlichen Gruß anläßlich der Jubiläumsfeiern, die zum 500. Jahrestag der Geburt meines Vorgängers, des hl. Pius V., stattfinden. In mein liebevolles Gedenken schließe ich die Gläubigen dieser geliebten Diözese ein, die zu Recht ihres edlen Sohnes voll Freude und Dankbarkeit gegenüber Gott gedenkt.

Die verschiedenen Veranstaltungen, an denen Ihr teilnehmen werdet, um dieses glücklichen Jahrestages zu gedenken, bieten die Gelegenheit, das Andenken dieses großen Papstes wieder lebendig zu machen und über das reiche von ihm hinterlassene Erbe an Vorbildern und Lehren nachzudenken, die auch für die Christen unserer Zeit mehr denn je gelten.

Der 500. Jahrestag seiner Geburt möge Grund des Segens für die ganze Kirche sein, in besonderer Weise für die geliebte Diözese Alessandria und für die kirchliche Gemeinschaft von Piemont. Die Fürsprache des hl. Pius V. und das Vorbild seiner Tugenden seien für jeden ein Impuls, den Glauben zu stärken, indem dieser unversehrt und in ständiger Verbindung mit den Quellen der Offenbarung bewahrt und in der Gesellschaft verbreitet wird, um eine Menschheit heranzubilden, die für Christus offen ist und die den Aufbau der Zivilisation der Liebe anstrebt.

2. Die Zeit, in der Pius V. lebte, war zwar sehr verschieden von der jetzigen, aber dennoch fehlt es nicht an gewissen Analogien. Beide Geschichtsepochen erlebten die Festigung von konvergierenden religiösen Kräften und hatten zugleich tiefe Krisen in der Gesellschaft zu verzeichnen mit Auseinandersetzungen zwischen Städten und Völkern, die manchmal in schmerzliche bewaffnete Konflikte ausarteten. In beiden Epochen war die Kirche bemüht, neue Wege zu finden, um den Glauben zu beleben und ihn in einer Weise vorzuschlagen, die den veränderten kulturellen und sozialen Bedingungen angemessen war; dies geschah damals durch die Einberufung des Konzils von Trient und im vergangenen Jahrhundert durch das II. Vatikanische Ökumenische Konzil. Auf die jeweiligen Konzilien folgten die oft nicht einfachen Anstrengungen, ihre Lehren getreu anzuwenden, wobei ein wahrer Reformprozeß der Kirche in Gang gesetzt wurde.

In diesen geschichtlichen und religiösen Kontext, der das 16. Jahrhundert gekennzeichnet hat, fügt sich das menschliche und geistliche Leben des hl. Pius V. ein, das am 1. Mai 1572 endete. Von Kindheit an bekam Michele Ghislieri die Härte der Armut zu spüren, denn er mußte durch seine Arbeit zum Unterhalt der Familie beitragen. Er schöpfte aus den bezeichnenden Werten seiner geliebten Heimat Alessandria und blieb ihr immer verbunden. Und dies so sehr, daß er, als er in das Kardinalskollegium berufen wurde, unter dem Namen Kardinal Alessandrino bekannt wurde.

Im Alter von 14 Jahren trat er in den Predigerorden ein und erhielt seine Ausbildung in den Klöstern von Vigevano, Bologna und Genua. Er war stets darauf bedacht, durch Gebet und Studium den Weg der evangeliumsgemäßen Vollkommenheit zu gehen, indem er reichlich aus den Quellen des Wortes Gottes entsprechend dem dominikanischen Charisma schöpfte.

Schon damals bewies er eine besondere Vorliebe für die Heilige Schrift und für die Lehre der Kirchenväter, während er sich auch für das Studium der Werke des hl. Thomas von Aquin begeisterte, den er später, als er Papst geworden war, in den Rang eines Kirchenlehrers erhob. Er wurde in Genua im Jahr 1528 zum Priester geweiht.

Von Papst Paul III. wurde er beauftragt, in den Gebieten von Padua, Pavia und Como über die Reinheit des Glaubens zu wachen. Er inspirierte sich am hl. Dominikus, dem heiligen Märtyrer Petrus von Verona, dem hl. Vincenzo Ferrer und dem hl. Antoninus von Florenz als seinen Vorbildern und Schutzherren. Dabei war seine einzige Sorge, immer die größere Ehre Gottes und das wahre Wohl der Brüder zu suchen, getreu dem Leitspruch »In der Wahrheit voranschreiten«, den er sich zu eigen machen wollte. Mit dem gleichen Eifer arbeitete er weiter, als er in Rom zum Kommissar für die Glaubenslehre ernannt wurde und nacheinander die weiteren Aufgaben übernahm, die ihm von den Päpsten Julius III., Paul IV. und Pius IV. anvertraut wurden. 1556 wurde er zum Bischof von Nepi und Sutri ernannt und im Jahr 1557 zum Kardinal kreiert; 1560 wurde er Bischof von Mondovì.

3. Mit 62 Jahren, im Januar 1556, wurde er zum Nachfolger Petri gewählt. Während seines Pontifikats bemühte er sich, die Glaubenspraxis in jedem einzelnen Glied des Volkes Gottes zu beleben, indem er der Kirche einen providentiellen Anstoß zur Evangelisierung gab. Er war unermüdlich in der Pastoralarbeit tätig und suchte mit allen direkten Kontakt zu knüpfen, ohne auf seinen schwachen Gesundheitszustand zu achten. Er sorgte sich darum, die Beschlüsse des Konzils von Trient getreu umzusetzen: im liturgischen Bereich durch die Veröffentlichung des erneuerten Römischen Meßbuches und des neuen Breviers; im katechetischen Bereich vor allem durch die Übergabe des »Katechismus des Konzils von Trient« an die Pfarrer; in der Theologie durch die Einführung der Summa des hl. Thomas in den Universitäten. Die Bischöfe erinnerte er an die Pflicht, in der Diözese zu residieren zum Zweck einer aufmerksamen Seelsorge an den Gläubigen; die Ordensleute regte er zu einer angemessenen Klausur an, und den Klerus wies er auf die Bedeutsamkeit des Zölibats und die Heiligkeit des Lebens hin.

Im Bewußtsein des von Christus, dem Guten Hirten, empfangenen Sendungsauftrages sorgte er sich hingebungsvoll darum, die ihm anvertraute Herde zu weiden, wobei er zum täglichen Gebet und vor allem zur Marienverehrung einlud. Es gelang ihm, diese beträchtlich zu intensivieren, indem er der Praxis des Rosenkranzgebets einen starken Impuls gab. Er selbst betete jeden Tag den gesamten Rosenkranz, auch wenn er überhäuft war mit schwierigen und vielfältigen Aufgaben.

4. Verehrter Mitbruder, der apostolische Eifer, das ständige Streben nach Heiligkeit, die Liebe zur Jungfrau Maria, die das Leben des hl. Pius V. kennzeichneten, seien für alle ein Ansporn, mit verstärktem Einsatz die eigene christliche Berufung zu leben. Ich möchte insbesondere dazu einladen, ihn in der kindlichen Marienverehrung nachzuahmen durch die Wiederaufnahme des einfachen und tiefen Rosenkranzgebetes, das – wie ich im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae in Erinnerung rufen wollte – uns hilft, das Geheimnis Christi zu betrachten: »In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in sich die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft, für die er gleichsam eine Kurzfassung ist … Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens, um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen« (Nr. 1).

Durch das eifrige Beten des Rosenkranzes können auf die Fürsprache der himmlischen Mutter des Herrn außerordentliche Gnaden erlangt werden. Davon war der hl. Pius V. fest überzeugt, und er wollte nach dem Sieg von Lepanto ein eigenes Fest, den Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, einführen.

Ich habe Maria, der Königin des heiligen Rosenkranzes, zu Beginn des dritten Jahrtausends durch das Gebet des Rosenkranzes das wertvolle Gut des Friedens und die Förderung der Institution der Familie anvertraut. Ich erneuere diesen Akt des Vertrauens auf die Fürsprache des hl. Pius V., dieses großen Marienverehrers.

5. Ich versichere Ihnen, verehrter Mitbruder, daß ich Ihrer im Gebet gedenken werde, ebenso der Bischöfe, die der Schlußfeier des Jubiläums vorstehen werden, sowie des Nationalen Komitees und des Ehrenkomitees, der Obrigkeiten der Region, der Provinz und der benachbarten Gemeinden von Alessandria, des Klerus, der Ordensleute und der lieben Gläubigen sowie aller, die an der heiligen Messe am 5. Mai zum Abschluß der Jubiläumsfeiern in der Kirche des Klosters »Santa Croce in Boscomarengo« teilnehmen werden.

Allen erteile ich von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 1. Mai 2004

JOHANNES PAUL II.

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Ephesus in Dülmen

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Artikel aus dem Viktorboten, Ausgabe 8, April 2016

Rückt die Heiligsprechung des berühmtesten Mitglieds der Pfarrei St. Viktor, Anna Katharina Emmerick, in greifbare Nähe? Viele Menschen hoffen das. „Ich bin überzeugt: Anna Katharina ist eine Heilige!“ – so äußert sich Pater Alfred Bell, der für die Vorbereitung der Heiligsprechung beauftragte Vertreter des Bistums Münster. Kriterium einer Heiligsprechung ist nicht zuletzt die nachgewiesene internationale Verehrung eines Glaubenszeugen: Ist eine Seligsprechung von regionaler Bedeutung, so regelt eine Heiligsprechung die weltweite Verehrung eines Menschen, den die Kirche offiziell zum Vorbild für die Menschen und Fürsprecher bei Gott erklärt.

Die weltweite Bekanntheit und auch Verehrung der Anna Katharina Emmerick setzte schon im 19. Jahrhundert durch die rasche Übersetzung und Verbreitung der von Clemens Brentano aufgezeichneten Visionsberichte ein. Ein spektakuläres Ereignis, das für internationales Aufsehen sorgte, war gegen Ende des 19. Jahrhundert ein archäologischer Fund in Kleinasien, im Westen der Türkei: Zwei deutsche Priester des Lazaristen-Ordens hatten sich mit den visionären Schilderungen des Lebens Mariens in der Hand zu einer Expedition zum antiken Ephesus aufgemacht, wo nach Angaben Anna Katharina Emmericks die Gottesmutter Maria an der Seite des Evangelisten Johannes ihre letzten Lebensjahre verbracht habe.

Die Patres untersuchten gemäß den Angaben in den Brentano-Aufzeichnungen die topographischen Gegebenheiten der Gegend, befragten die eingesessene Bevölkerung und entdeckten nicht zuletzt dank des Zufalls an einer verborgenen Wasserstelle die Reste einer frühchristlichen Gebetsstätte. Die aufgefundenen Fundamente und Mauerreste vom „Haus der Maria“ wurden freigelegt und zu einer kleinen massiven Kapelle hochgezogen. Heute ist das Marienheiligtum von Ephesus ein Wallfahrtsort. Prominente Besucher in jüngerer Zeit waren die Päpste Paul VI. (1967), Johannes Paul II. (1979) sowie Benedikt XVI. im Jahre 2006. Die „Dülmener Heimatblätter“ widmeten 1972 der „Kunde aus Ephesus“ einen Artikel, ein umfangreicher Bericht fand sich 2011 in den „Emmerickblättern“.

Wer sich mit Anna Katharina Emmerick als weltweitem Phänomen befasst, der kennt das vertraute Bild vom „Hauses der Maria“ mit der markanten Bruchsteinfassade, den drei Rundbögen und dem knorrigen Baum davor. Und dieses Bild lässt sich auch in Dülmen entdecken! Als Wandmalerei – und dies fast exakt an jener Stelle, an der einst Clemens Brentano am Bett der Seherin seine Aufzeichnungen niederschrieb. Die Rede ist vom Döner-Restaurant an der Nonnengasse in Dülmen, in direkter Nähe zum früheren Kloster Agnetenberg und unweit der einstigen Bürgerhäuser Roters und Limberg, wo Anna Katharina Emmerick nach ihrer Ausweisung aus dem Kloster Agnetenberg ihr Quartier bezog. Hier also, an der Nonnengasse 2, betreibt Mehmed Kabukcu, der mit Frau und zwei Kindern in Dülmen lebt, seit 2004 einen Schnellimbiss. Eingerichtet und ausgestaltet wurde die Räumlichkeit allerdings schon Mitte der 1990er Jahr durch den damaligen Inhaber, einen aus der Türkei eingewanderten Armenier. Armenier sind Christen, und so finden sich unter den insgesamt sieben auf Putz aufgemalten Bildern im Speiseraum nicht nur Szenen aus dem antiken Kleinasien, sondern etwa auch von einer orthodoxen Kirche – und eben auch vom „Haus der Maria“ in Ephesus. Mehmed Kabukcu, geboren 1975  in der Gegend der südtürkischen Stadt Maras, hat damit kein Problem: Er bekennt sich ganz bewusst zu religiöser Toleranz. Und das auch aus eigener leidvoller Erfahrung: Zwar ist seine Familie muslimisch, gehört aber zur Glaubensgemeinschaft der Aleviten, die sich keiner klassischen Moscheegemeinde anschließen und seit jeher vom „offiziellen“ Islam in der Türkei unterdrückt werden. Und: Er ist Kurde – was ebenfalls bis heute zu Repressionen an seiner Volksgruppe in der Türkei führt. Daher kam Kabukcu 1993 als Asylbewerber nach Deutschland, 2001 wurde er eingebürgert. Mehmed Kabukcu hat seine Flucht nach Deutschland nicht bereut. Fremdenfeindlichkeit sei ihm in Dülmen noch nicht begegnet. Sein Restaurant läuft gut: „Wer gute Arbeit leistet, wird auch anerkannt“, meint er. Das derzeitige Flüchtlingsdrama empfindet er als Katastrophe, weniger hierzulande als vor allem weltweit.

Das „Haus der Maria“ setzt vielleicht gerade in diese aufgeheizte Stimmung hinein ein stummes Zeichen, ist doch das Marienheiligtum von Ephesus bis heute eine Pilgerstätte von Orthodoxen, Katholiken – und Muslimen! Insbesondere muslimische Frauen pilgern hierhin, schöpfen aus der dortigen Wasserquelle, hängen ihre niedergeschriebenen Gebetsanliegen auf ausgespannte Schnüre. Der Koran spricht voll Ehrfurcht von Maria. Das Konzilsdekret des Zweiten Vatikanums über die nicht-christlichen Religionen betont ausdrücklich die Marienverehrung der Muslime. In der schon erwähnten Ausgabe der „Emmerickblätter“ (2011/II, S. 20) resümiert der frühere Dülmener Pfarrer Dr. Clemens Engling nach einer Reise zum „Haus der Maria“, hier sei „ein Ort, der aus großer urchristlicher Tradition Christen und Muslime verbinden kann.“

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Schwere Vorwürfe gegen Moskau

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Führt Wladimir Putin einen „Informationskrieg“ mit Desinformation und Propaganda gegen die Einigkeit Europas?

Das Europäische Parlament legt sich mit der Türkei und Russland an –
Abwehr gegen Desinformation und Propaganda.

Von Stephan Baier

Straßburg (DT) Mit scharfen Erklärungen zur Türkei wie zu Russland hat das Europäische Parlament in dieser Woche für Verstimmung in Ankara und Moskau gesorgt. Die Forderung des Straßburger Vielvölkerparlaments, „die laufenden Beitrittsverhandlungen mit der Türkei vorübergehend auszusetzen“, veranlasste den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einer Drohung gegen Europa: „Wenn Sie noch weiter gehen, werden die Grenzen geöffnet, merken Sie sich das!“ Ministerpräsident Binali Yildirim konkretisierte: „Wir sind einer der Faktoren, die Europa beschützen. Wenn Flüchtlinge durchkommen, werden sie Europa überfluten und übernehmen. Die Türkei verhindert dies.“ Yildirim drohte neuerlich mit einer Aufkündigung des Flüchtlingsabkommens und warf dem Europäischen Parlament „Doppelmoral“ vor. Der türkische Europa-Minister Ömer Celik nannte die Resolution aus Straßburg „null und nichtig“.

Das Europäische Parlament hatte am Donnerstag mit großer Mehrheit befunden, dass die Türkei die Vorgaben für eine Visa-Liberalisierung weiterhin nicht erfüllt, und bekräftigte, „dass eine Wiedereinführung der Todesstrafe durch die türkische Regierung eine offizielle Aussetzung des Beitrittsprozesses zur Folge haben müsste“. Die Abgeordneten verurteilten „die unverhältnismäßigen repressiven Maßnahmen“ der türkischen Regierung seit dem Putschversuch.

In einer weiteren Resolution wirft das Europäische Parlament dem Kreml „feindselige Propaganda gegen die EU“ sowie Desinformation und die Unterstützung rechtsextremer Parteien in Europa vor. Wörtlich heißt es in dem Text, dass „die strategische Kommunikation Russlands Teil einer umfassenden Kampagne zur Unterwanderung ist, mit der die EU-Zusammenarbeit und die Souveränität, politische Unabhängigkeit und territoriale Unversehrtheit der Union und ihrer Mitgliedstaaten geschwächt werden sollen“. Die EU-Staaten sollten wachsam sein und die Spionageabwehr gegen derartige Maßnahmen intensivieren. Russland sei in der Lage und beabsichtige auch, „Maßnahmen zur Destabilisierung anderer Staaten durchzuführen“, unter anderem durch die Unterstützung politischer Extremisten und umfassender Desinformationskampagnen. Dabei nutze die russische Regierung viele Werkzeuge, etwa Denkfabriken und Stiftungen wie „Russki Mir“, mehrsprachige Fernsehsender wie „RT“ und Pseudo-Nachrichtendienste, aber auch „gesellschaftliche und religiöse Gruppen, da sich das Regime als einziger Vertreter traditioneller christlicher Werte darstellen will“. Mittels sozialer Medien und Trolle im Internet versuche der Kreml, „die demokratischen Werte infrage zu stellen, Europa zu spalten, inländische Unterstützung zu gewinnen und in den Ländern der östlichen Nachbarschaft der EU den Eindruck zu erwecken, als hätten sich ihre staatlichen Strukturen aufgelöst“.

Russland stelle „erhebliche finanzielle Mittel für seine Desinformations- und Propagandainstrumente bereit“. Das Europäische Parlament stellt in seiner Resolution fest, dass „Russland in der europäischen Medienlandschaft eine immer stärkere Rolle spielt“ und darauf zielt, „die Kohärenz der Außenpolitik der EU zu schwächen“. In manchen Ländern Osteuropas habe die russische Propaganda und das Eindringen russischer Medien „ein nie dagewesenes Ausmaß“ angenommen. Die Propaganda des Kreml ziele auch darauf ab, „einige europäische Länder als in den ,traditionellen Einflussbereich Russlands‘ fallend darzustellen“ und die „Geschichte zu verfälschen“. Das Europäische Parlament zeigt sich überzeugt, „dass durch die aggressiven Maßnahmen Russlands im Cyberbereich der Informationskrieg gefördert wird“.

Es brauche auf staatlicher wie europäischer Ebene sowie in Zusammenarbeit mit der NATO Maßnahmen zur „Bekämpfung der Desinformation und Propaganda“. Das größte Hindernis wären nach Ansicht des Europaparlaments unabhängige und freie Medien in Russland, doch gehe der Kreml in Russland und seinen besetzten Gebieten „regelmäßig in scharfer Form gegen unabhängige Medien, Journalisten und Aktivisten der Zivilgesellschaft“ vor.

Der russische Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin warf dem Europäischen Parlament daraufhin vor, die Pressefreiheit infrage zu stellen. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, drohte der Europäischen Union, Moskau werde Gleiches mit Gleichem vergelten, sollte die Arbeit russischer Medien in der EU eingeschränkt werden.

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Leitartikel: Schlechte Zeiten für den IS

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Von Oliver Maksan

Es sind – Gott sei Dank – schlechte Nachrichten für den „Islamischen Staat“: Erst knüpfen Rebellen den Dschihadisten den nordsyrischen Ort Dabiq ab, wo nach einem Ausspruch des Propheten die endzeitliche Schlacht zwischen den Kämpfern des IS und den Ungläubigen stattfinden soll. Und dann beginnt die irakische Armee ihre lang erwartete Offensive gegen die IS-Hochburg Mossul im Nordirak. Nicht nur die zehntausenden vom IS 2014 vertriebenen Christen warten sehnsüchtig auf eine Vertreibung der Terroristen. Seit Montagmorgen sind zehntausende Soldaten, Kurden und Freiwillige dabei, den Dschihadisten Mossul zu entreißen.

All das sind gute Nachrichten, mag die Schlacht um Mossul auch kein Kinderspiel werden, wie Experten fürchten. Der IS hat sie schwer befestigt und mit Sprengfallen versehen. Und die verbliebenen Kämpfer haben eigentlich nichts mehr zu verlieren und werden entsprechend erbittert kämpfen. Zudem werden die Kämpfe wohl eine gewaltige Welle von Binnenflüchtlingen aus der Stadt spülen und damit die ohnehin angespannte humanitäre Situation im Irak weiter verschärfen. Dennoch ist alles gut, was dem Spuk IS ein Ende macht. Der IS ist ein Krebsgeschwür, das ausgemerzt werden muss. Politischem Dialog oder rationaler Politik ist er nicht zugänglich. Selbst im an Grausamkeiten gewöhnten Nahen Osten hat er neue Maßstäbe der Brutalität gesetzt.

In beiden Ländern, Syrien wie dem Irak, konnte er indes nur gedeihen, weil ein Machtvakuum ihm den Raum gab, in dem er sich binnen kürzester Zeit entfalten konnte. Im Irak war das möglich wegen der Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten. Diese sind kaum geringer geworden. Aber die Desillusionierung vieler Sunniten durch die Terrorherrschaft des IS wird möglicherweise dafür sorgen, dass sich der Sommer 2014 nicht mehr wiederholen wird, als sich die Miliz – vielfach unter dem Zuspruch der lokalen Bevölkerung – wie ein Flächenbrand ungehindert ausbreiten konnte.

Dennoch wird die dhschihadistische Bedrohung im Irak nicht einfach verschwinden. Die radikal-sunnitischen Kräfte haben sich seit der Öffnung der Büchse der Pandora durch die Amerikaner 2003 immer wieder neu formiert. Aus einer Terrormiliz mit territorialer Basis und staatlichem Anspruch wird wahrscheinlich wieder eine Terrormiliz. Und nach wie vor ist es so, dass es keinen nationalen Konsens über die Zukunft des Vielvölker- und -religionenstaats Irak gibt. Der aber wäre die Voraussetzung für die Stabilisierung des geschundenen Landes. Wie in Syrien ist die Einflussnahme der Nachbarn auch hier massiv. Schon die Schlacht um Mossul zeigt dies. Erdogans Türkei will einen Fuß in der Tür haben und hat im Irak stationierte Truppen gen Mossul in Gang gesetzt, obwohl die Bagdader Regierung dies unter Protest ablehnt. Erdogan will aber die ihm vor allem aus wirtschaftlichen Gründen verbündeten irakischen Kurden stärken und Einfluss in der Provinz Mossul haben. Dies dürfte dem Iran kaum gefallen. Die Schiiten des Landes laufen jetzt schon Sturm dagegen. Und so drohen auch mit dem Anfang vom Ende des IS, den wir in diesen Tagen hoffentlich erleben, neue Verwicklungen, die es sehr schwer machen, dass sich das gespaltene Land erholt und zu neuer Einigkeit findet.

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Chor Virap: letzte Etappe der Armenienreise von Papst Franziskus

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Die Klosteranlage direkt vor dem Berg Ararat liegt unmittelbar an der Grenze zur Türkei

Vor seiner Heimreise nach Rom hat Papst Franziskus am Sonntagnachmittag eine der symboltrachtigsten Klöster Armeniens besucht: Chor Virap, die Gedenkstätte des Nationalheiligen Gregor des Erleuchters in der Ararat-Ebene.

Wörtlich übersetzt bedeutet der Name Chor Virap „tiefes Verlies“. Laut der Tradition ließ König Trdat III. (oder Tiridates) Gregor den Illuminator 13 Jahre lang in eine tiefe Grube einsperren, um ihn von dem christlichen Glauben abzubringen. Gregor blieb aber dem Glauben treu und heilte am Ende sogar den König von einer Hautkrankheit. 301 ließ Tiridates III. sich taufen und erhob das Christentum zur Staatsreligion, also noch bevor es im römischen Kaiserreich anerkannt wurde.

An der Stelle des Verliesses wurde im Laufe des VII. Jahrhunderts eine erste St. Georgs-Kapelle gebaut. Die heutige Klosteranlage entstand im XVII. Jahrhundert.

Das Kloster von Chor Virap, das unmittelbar an der Grenze zur Türkei liegt, bietet einen wunderschönen Ausblick auf den berühmten Berg Ararat, das Nationalsymbol der Armenier.

Der 5.137 Meter hohe, sagenumwobene Ararat, eigentlich ein ruhender Vulkan, liegt heute nicht nur in der Türkei, sondern ist zugleich auch der höchste Berg auf türkischem Staatsgebiet.

Die Silhouette des Berges Ararat ist im goldenen Mittelschild des Staatswappens der Republik Armenien dargestellt, mit den Konturen der Arche Noah auf der Spitze. Gemäss dem Alten Testament sollte ja die Arche nach der Sintflut auf dem Ararat gestrandet sein. „Im Gebirge Ararat“, so heißt es wörtlich im Buch Genesis (8,4).

Und genau wie Noah (oder der Held Uta-napishti in den sumerisch-altbabylonischen Gilgamesch-Sagen) am Ende der Sintflut eine Taube freiließ, die mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zurückkehrte, so ließen am Sonntag Papst Franziskus und der armenische Katholikos Karekin II. in Chor Virap vor dem Panorama des Berges Ararat stehend zwei Tauben frei. Eine symbolreiche Geste, in der Hoffnung, dass diese auf der anderen Seite der Grenze richtig verstanden wird. (pdm)

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Kardinal Woelki kritisiert EU-Flüchtlingsabkommen

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Archivbild: Kardinal Woelki mit irakischen Flüchtlinge

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei als „infam“ bezeichnet und das Land scharf kritisiert. „Es wurde ein Vertrag mit einem Regime geschlossen, das Menschenrechte, Meinungsvielfalt und -freiheit sowie Pressefreiheit einschränkt und religiöse Minderheiten verfolgt“, sagte er am Freitag dem „Handelsblatt“. Der Erzbischof nannte es problematisch, dass das Türkei-Abkommen den Eindruck erwecke, „dass wir in unserem Land wieder in der alten, vermeintlich heilen Welt leben“.

Das Gegenteil sei der Fall. Abschottung löse die Probleme nicht. Das zeige sich daran, dass wieder mehr Menschen über noch gefährlichere Routen flüchteten. „Das Mittelmeer mutiert zu einem Burggraben für Europa, in dem immer mehr Menschen umkommen.“ Seit dem Jahr 2000 bis zum Juni vergangenen Jahres seien 23.000 Menschen umgekommen. Bis Fronleichnam dieses Jahres seien 3.358 Tote dazugekommen und seitdem noch einige Hundert mehr. „Wir müssen diesen Menschen eine Stimme geben, ihr Leben darf nicht einfach verloren sein“, so der Kardinal.

(kap/kna 17.06.2016 mk)

Siehe dazu ferner: