Kirchen im Nahen Osten: Hagia Sophia-Beschluss ist ein harter Schlag

Den einen störts, den anderen freuts: Türken vor der Hagia Sophia nach dem Regierungsbeschluss (ANSA

Die Reaktionen auf die Entscheidung der türkischen Regierung, den monumentalen Komplex der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee umzuwandeln, gehen weltweit weiter. Der Weltkirchenrat ist „traurig und bestürzt“ über den türkischen Beschluss. Auch der Rat der Kirchen im Nahen Osten (MECC) ist bestürzt.

Der Rat der Kirchen im Nahen Osten (MECC), der Mitglied des ÖRK ist, spricht von „einem Angriff auf die Freiheit und das religiöse Zusammenleben“. Über ihren Generalsekretär, den Libanesen Souraya Bechealany, fordert sie daher die UNO und die Arabische Liga auf, formell gegen die Entscheidung Berufung einzulegen und – so heißt es – auch die „historische Symbolik, die durch die Kirche der Hagia Sophia repräsentiert wird“, zu bewahren.

Laut MECC sei der „gefährlichste“ Aspekt der Entscheidung, dass sie zu einem Zeitpunkt gekommen sei, in dem Christen und Muslime den Weg des Dialogs eingeschlagen hätten. Höhepunkt dieses Bemühens um ein friedliches Zusammenleben und gegen jeden Extremismus sei das historische Abu-Dhabi-Dokument über die menschliche Geschwisterlichkeit gewesen. Papst Franziskus und der Großimam von Al Azhar, Ahmed Al-Tayeb, hatten es am 4. Februar 2019 unterzeichnet.

Ähnliche Reaktionen

Nach den eindringlichen Worten der Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios, und Moskau, Kyrill,  zu denen sich am Sonntag auch die Stimme von Papst Franziskus im Angelus gesellte, brachte auch der Generalsekretär ad interim des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Ioan Sauca, im Namen aller 350 Mitgliedskirchen „Trauer und Bestürzung“ über die Initiative zum Ausdruck.

„Mit der Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee hat man ein positives Zeichen für die Offenheit der Türkei in ein Zeichen der Ausgrenzung und Spaltung verwandelt“, sagte Sauca. Nach Ansicht des ÖRK werde die Rückbesinnung auf diesen „symbolischen Ort“ „unweigerlich Unsicherheit, Misstrauen und Verdächtigungen hervorrufen“ und alle Bemühungen vereiteln, die auch von den christlichen Kirchen unternommen werden, um den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen zu fördern. Der Weltkirchenrat befürchtet auch, dass dadurch die Ambitionen anderer Gruppen anderswo gefördert werden, „den bestehenden Status quo umzukehren und eine erneute Spaltung zwischen den Religionsgemeinschaften zu fördern“.

(vatican news – mg)

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Hagia Sophia zur Moschee erklärt

Hagia Sophia Foto: K_Boonnitrod/Shutterstock

Von AC Wimmer

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat ein Dekret unterzeichnet, mit dem die Hagia Sophia, die ehemalige Kathedrale der Heiligen Weisheit in Istanbul, in eine Moschee umgewandelt wird.

Die Entscheidung wurde innerhalb weniger Stunden nach einem Gerichtsbeschluss am heutigen Freitag unterzeichnet. Dieser erklärte einen 80 Jahre alten Regierungserlass, der das Gebäude von einer Moschee in ein Museum umwandelte, für rechtswidrig.

Die Ayasofya-Moschee, wie sie im Türkischen genannt wird, wird nun unter die Aufsicht der religiösen Direktion der Regierung gestellt.

Der Erlass ist der Höhepunkt eines lang gehegten Ziels von Erdoğan, der seit Jahren die Rückführung des ursprünglichen Kirchengebäudes in den Status einer Moschee fordert.

Das Gerichtsurteil wurde von der internationalen Gemeinschaft ebenso wie das erklärte Ziel des türkischen Präsidenten kritisiert, die neutrale Nutzung des Gebäudes zu beenden.

Die griechische Kulturministerin Lina Mendoni verurteilte die Entscheidung in einer Erklärung und erklärte, das Gerichtsurteil „bestätigt absolut, dass es in der Türkei keine unabhängige Justiz gibt“ und dass „der Nationalismus von Präsident Erdogan… sein Land um sechs Jahrhunderte zurückversetzt“.

Ob der Begriff „Nationalismus“ zutrifft, ist unter Kritikern umstritten: Andere Beobachter bewerten das Verhalten des türkischen Machthabers in Kontinuität mit dem „Kalifen“-Anspruch des Osmanischen Reiches.

Der Ökumenische Patriarch Bartholomäus von Konstantinopel sagte, als Museum war die Hagia Sophia  ein „symbolischer Ort der Begegnung, des Dialogs, der Solidarität und des gegenseitigen Verständnisses zwischen Christentum und Islam“.

In einer Predigt am 30. Juni sagte Bartholomäus, dass die Hagia Sophia, ein UNESCO-Weltkulturerbe, „nicht nur denen gehört, die sie derzeit besitzen, sondern der ganzen Menschheit“.

Die Hagia Sophia wurde 537 unter Kaiser Justinian begründet. Eine Zeit lang war sie das größte Gebäude der Welt und die größte christliche Kirche. Sie diente als Kathedrale des Patriarchen von Konstantinopel vor und nach der Spaltung des westlichen und östlichen Christentums in die katholische und die östlich-orthodoxe Kirche durch das Große Schisma.

Nach der osmanischen Eroberung von Konstantinopel 1453 wurde die Kathedrale in eine Moschee umgewandelt. Unter den Osmanen fügten die Architekten Minarette hinzu; die Mosaiken mit christlichen Bildern wurden übermalt und abgedeckt.

1934 wurde die Moschee unter der Führung von Präsident Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der modernen Türkei nach dem Fall des Osmanischen Reiches, in ein Museum umgewandelt.

Die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum galt als Symbol für das Engagement der Regierung Atatürks für den Aufbau eines säkularen, liberalen Staates. Mosaiken wurden freigelegt, darunter Darstellungen von Christus, der Jungfrau Maria, Johannes dem Täufer, Justinian I. und der byzantinischen Kaiserin Zoë Porphyrogenita.

Die Hagia Sophia ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Türkei und ihr meistbesuchter Ort, der jährlich mehr als 3,7 Millionen Besucher anzieht.

Der Sprecher von Erdoğan, Ibrahim Kalin, sagte, dass „die Öffnung der Hagia Sophia für den Gottesdienst einheimische oder ausländische Touristen nicht davon abhält, die Stätte zu besuchen“.

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Quelle

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Vatican News:

Türkei: Eingriff des US-Präsidenten wegen Hagia Sophia verlangt

Hagia Sophia

In den USA haben einflussreiche orthodoxe Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur „dringend“ an Präsident Donald Trump appelliert, dafür zu sorgen, dass die türkische Regierung von allen Plänen zur Änderung des Status der Hagia Sophia in Istanbul Abstand nimmt.

Eine Umwandlung in eine Moschee würde bedeuten, dass die überaus bedeutsame historische Präsenz der christlichen Kirche in der heutigen Türkei ausgelöscht wird, warnte das Oberhaupt des Sankt-Andreas-Ordens, Anthony J. Limberakis. Der Bruderschaft gehören die in den USA lebenden sogenannten „Archonten“ des orthodoxen Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel an.

Trump habe am 2. Juni in einer „Executive Order“ die Förderung der Religionsfreiheit als „Priorität der Außenpolitik der Vereinigten Staaten“ bezeichnet. Daher müsse er jetzt auch für die Religionsfreiheit der Christen in der Türkei und für die Hagia Sophia als „gemeinsames Erbe der Menschheit“ eintreten und eine „sakrilegische und überflüssige Entscheidung“ der türkischen Seite verhindern, argumentieren die „Archonten“ in den USA.

Herausforderung des Prinzips der Religionsfreiheit

Der Plan zur Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee stelle eine Herausforderung des Prinzips der Religionsfreiheit dar, so Limberakis. Dieser Plan sei Teil der Bestrebungen zur Delegitimierung der christlichen Restminderheit in der Türkei und zur Auslöschung „eines bedeutsamen Elements des christlichen Erbes der Türkei und der Region wie auch der ganzen Welt“. Eine Umwandlung der Hagia Sophia stelle einen „ungerechten und provokanten Akt“ dar, denn „diese historische Stätte gehört wahrhaft der ganzen Welt“.

Die vom römischen Kaiser Justinian errichtete Hagia Sophia sei fast 1.000 Jahre hindurch als die „megali ekklesia“ (die „große Kirche“) bekannt gewesen: „Sie war die wichtigste christliche Kathedrale der ganzen Welt, sie wurde von Christen aller Konfessionen wie auch von Andersgläubigen im Hinblick auf ihren Glanz und ihre Großartigkeit, die architektonische Innovation und Schönheit verehrt“. In den 1930er-Jahren sei die Hagia Sophia dann zu Recht ein Museum geworden, ein „Monument des menschlichen Geistes und ein lebendiges Symbol des Respekts für alle Religionsbekenntnisse“. Sie in eine Moschee umzuwandeln, würde bedeuten, diesen Respekt in Abrede zu stellen und den Ursprung der Hagia Sophia „als Christus geweihte Kirche, als heiliger Ort und als Teil unseres kollektiven Erbes“ zu leugnen.

Istanbul

Türkischer Außenminister pocht auf Souveränitätsprinzip

In den letzten Tagen gab es verschiedene Politikeräußerungen zur Hagia Sophia. So erklärte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“, bei der Hagia Sophia gehe es um eine „Frage der Souveränität“, die Griechen dürften sich nicht einmischen, „als ob Konstantinopel und die Hagia Sophia auf ihrem Territorium liegen würden“. „Athen kann uns keine Befehle geben“, stellte der Außenminister fest. Sultan Mehmed der Eroberer habe die Hagia Sophia im Jahr 1453 in eine Moschee umgewandelt, die vorhandenen Dokumente würden das beweisen.

Der stellvertretende bulgarische Ministerpräsident Tomislav Donchev sagte im bulgarischen Parlament in Sofia, die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee habe eigentlich bereits begonnen. Am 2. Juli werde der türkische Verwaltungsgerichtshof (Danistay) auf Antrag der türkischen Denkmalschutzvereinigung prüfen, ob das Dekret von 1934 über die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum manipuliert ist, d.h. ob die Unterschrift Kemal Atatürks auf dem Dekret gefälscht wurde. Ähnliche Anträge seien bereits früher eingebracht, aber jeweils vom Gericht zurückgewiesen worden. Die Hagia Sophia sei ein Monument auf der UNESCO-Welterbeliste und durch die 1972 verabschiedete Welterbe-Konvention besonders geschützt, betonte Donchev. Wenn dieser Status in Frage gestellt werde, müsse das Welterbe-Komitee der UNESCO zusammentreten. Erst dort könne auch Bulgarien eingreifen.

(kap – mg)

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Türkei: Kirchen protestieren gegen Erdogan-Anweisung

Frauen vor der Hagia Sophia

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forciert offenbar die Pläne für eine Rückwidmung der Istanbuler Hagia Sophia in eine Moschee. Wie die Zeitung „Hürriyet“ laut dem vatikanischen Pressedienst „Fides“ an diesem Dienstag berichtet, soll Erdogan Anweisung zur Suche nach einer rechtlichen Formel gegeben haben, um den aktuellen Status der Hagia Sophia – die derzeit als Museum öffentlich zugänglich ist – so zu ändern, dass sie wieder als islamische Kultstätte genutzt werden kann.

Die Nachricht löst bei Christen in der Türkei über die Konfessionsgrenzen hinweg große Bestürzung aus.

Die im 6. Jahrhundert auf Anordnung von Kaiser Justinian dem Großen errichtete Hagia Sophia galt als Zentrum der orthodoxen Christenheit und wurde nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen in eine Moschee umgewandelt. 1935 machte der türkische Staatsgründer Kemal Atatürk aus dem Gotteshaus ein Museum. Die Ayasofya, wie sie auf Türkisch heißt, sollte damit allen Religionen offen stehen.

Der Plan zur Änderung des derzeitigen Status soll laut „Hürriyet“ vom 5. Juni von Erdogan selbst auf einer Sitzung des zentralen Exekutivkomitees seiner Partei AKP angekündigt worden sein. Die Zeitung zitiert anonyme Quellen, nach denen der Präsident den Anwesenden aufgetragen habe, eine Formel zu suchen, um die Hagia Sophie als Moschee zu nutzen, sie aber gleichzeitig weiterhin für Touristen zugänglich zu halten. Ein solches Modell wird in Istanbul bereits bei der historischen Blauen Moschee (Sultanahmet-Moschee) angewendet.

Immer wieder hochkochende Kontroverse

Erdogan soll dazu aufgefordert haben, das Projekt mit Vorsicht und ohne Eile durchzuführen, da es sich bei der Hagia Sophia um ein „sensibles“ Thema handle. Die Entscheidung darüber liege aber bei der Türkei, betonte der Präsident laut dem Bericht.

Über einen möglichen „Statuswechsel“ des Heiligtums gibt es seit Jahren eine immer wieder hochkommende Kontroverse. Zuletzt rückte das Thema erneut in den öffentlichen Fokus, als die türkische Regierung Ende Mai beschloss, zum 567. Jahrestag der osmanischen Eroberung von Konstantinopel am 29. Mai 1453 in der früheren christlichen Basilika aus dem Koran die sogenannten „Sure der Eroberung“ verlesen zu lassen. Die Initiative löste eine sofortige scharfe Reaktion der griechischen Regierung aus.

Moskau: Gefahr für friedliches Zusammenleben

Hinsichtlich der neuen Erdogan-Anweisung kam nun der erste massive Protest aus Moskau, wie der Ökumene-Fachdienst der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in seiner dieswöchigen Ausgabe berichtet. Der Plan Erdogans stelle eine Gefahr für das friedliche Zusammenleben von Religionen und Völkern dar, wurde der Außenamtsleiter des russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), von Istanbuls griechischer Tageszeitung „Apogevmatini“ zitiert.

Das orthodoxe Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, von dem die Hagia Sophia als „Große Kirche“ nach wie vor im Titel geführt wird, hat sich offiziell noch nicht geäußert. Doch rief der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. in seiner Predigt zum orthodoxen Pfingstfest am 7. Juni den Heiligen Geist „um Schutz und Beistand in heraufziehenden Gefahren“ an.

Pfingstfest im Schatten der neuen Moschee

Er tat dies in der orthodoxen Dreifaltigkeitskirche im Istanbuler Stadtteil Beyoglu. Diese beherrschte bisher den zentralen Taksim-Platz, wird aber jetzt von einem mächtigen Moscheebau Erdogans überschattet. Gegen diesen und andere „Osmanisierungs“-Projekte hatten sich im Frühsommer 2013 die „Gezi-Proteste“ von Umweltschützern gerichtet. Für Erdogan war das einer der Anlässe, auf ein zunehmend autoritäres System hinzusteuern.

(kap/fides – mg)

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US-Senat erkennt Völkermord an den Armeniern an

Armenian orphans being deported from Turkey, 1920. Armenische Waisenkinder vor der Deportation im Jahr 1920Credit: Everrett Historical/Shutterstock

Der US-amerikanische Senat hat am gestrigen Donnerstag eine Resolution zur Anerkennung des Völkermords an den Armeniern verabschiedet, nachdem mehrere frühere Versuche, dies zu tun, auf Anweisung des Weißen Hauses blockiert worden waren.

Das berichtet die „Catholic News Agency“ (CNA).

Die Resolution 150 drückt wörtlich „das Bewusstsein des Senats aus, dass es die Politik der Vereinigten Staaten ist, des armenischen Völkermords durch offizielle Anerkennung und Gedenken zu gedenken“. Sie wurde einstimmig von der Kammer angenommen und verabschiedet.

Von 1915 bis 1923 tötete das damalige Osmanische Reich systematisch schätzungsweise 1,5 Millionen Armenier in Ostanatolien. Es kam zu Zwangsvertreibungen, Folterungen und Massenmorden. Forscher bewerten dies als einen klaren Fall von Völkermord.

Die Resolution des Senats vom Donnerstag spricht von einer „Völkermord-Kampagne an Armeniern, Griechen, Assyrern, Chaldäern, Arabern, Maroniten und anderen Christen“. Im Oktober hat das US-Repräsentantenhaus bereits eine ähnliche Resolution zur Anerkennung des Genozids verabschiedet.

Die heutige Türkei bestreitet seit langem vehement, dass der Völkermord stattgefunden hat und behauptet, dass die Zahl der Toten weitaus geringer war, als allgemein angenommen wird. Viele Todesfälle seien auf den gleichzeitigen Ersten Weltkrieg zurückzuführen.

Als Reaktion auf die früheren Völkermordbeschlüsse verurteilte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan am 13. November im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Donald Trump im Weißen Haus die Bemühungen des Kongresses, den Völkermord anzuerkennen.

Bis heute erkennen rund 30 Nationen die systematischen Massaker und Zwangsdeportationen der meist christlichen Minderheiten im Osmanischen Reich seit 1915 erlitten haben als einen Genozid an. Neben Frankreich gehören dazu auch Brasilien, Kanada, Italien und Russland sowie viele Einzelstaaten der USA.

Papst Franziskus hat den Begriff wiederholt verwendet und den Völkermord als Lektion für die gesamte Menschheit bei seinem Besuch Armeniens im Juni 2016 bezeichnet, wie CNA Deutsch berichtete.

Auch der deutsche Bundestag hat den Völkermord anerkannt, was wieder zu scharfen Protesten und Kritik von türkischer Seite geführt hatte.

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Syrien: Hilfsorganisationen warnen vor humanitärer Krise

Schätzungsweise 450.000 Menschen leben in einem Radius von fünf Kilometern an der syrisch-türkischen Grenze und befinden sich in unmittelbarer Gefahr. (AFP or licensors)

Die jüngste Militäroffensive im Nordosten Syriens droht tausende Zivilisten von Hilfe abzuschneiden, warnen 15 Hilfsorganisationen in einer gemeinsamen Presseaussendung. Die Grundversorgung mit Wasser und medizinischer Hilfe sei bereits unterbrochen, die Flucht habe eingesetzt, Zivilisten bräuchten Schutz.

Schätzungsweise 450.000 Menschen leben in einem Radius von fünf Kilometern an der syrisch-türkischen Grenze und befinden sich in unmittelbarer Gefahr. In der Region leben auch mehr als 90.000 intern vertriebene Menschen, die während des nunmehr seit acht Jahren andauernden Konfliktes in Syrien mindestens schon einmal gezwungen waren, ihr Zuhause zu verlassen.

Laut den Vereinten Nationen sind im Nordosten Syriens rund 1,65 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Gleichzeitig mussten Hilfsorganisationen ihre Programme teilweise aussetzen und Mitarbeiter evakuieren. Durch die anhaltende Krise in Idlib und den immensen Bedarf an humanitärer Hilfe im gesamten Land stehen Hilfsorganisationen bereits am Rande ihrer Kapazitäten.

Völkerrecht muss respektiert werden

Die 15 Hilfsorganisationen – darunter CARE, Ärzte der Welt, Aktion gegen den Hunger, Handicap International, International Rescue Committee, NRC Flüchtlingshilfe, Oxfam und World Vision – fordern die Konfliktparteien dazu auf, das humanitäre Völkerrecht uneingeschränkt zu respektieren und in besiedelten Gebieten keine explosiven Waffen einzusetzen. Es müsse dringend sichergestellt werden, dass alle Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung ergriffen werden, genauso wie dafür gesorgt werden müsse, dass Hilfsgüter uneingeschränkt zu den Betroffenen gelangten.

Menschen, die in den umkämpften Gebieten lebten, so die Hilfsorganisationen, dürften nicht von dort vertrieben werden. Gleichzeitig dürften geflüchtete Familien in der Türkei nicht zu einer Rückkehr nach Syrien gezwungen werden. Eine erzwungene Rückkehr berge große Gefahren, und die vor Ort tätigen humanitären Organisationen könnten kaum ausreichend Hilfe leisten. Nach Angaben der türkischen Regierung stammen schätzungsweise 83 Prozent der drei Millionen Syrer in der Türkei nicht aus dem Nordosten von Syrien.

Sicherheitslage in der Region sehr fragil

Die Sicherheitslage in der Region sei sehr fragil. Zehntausende Kämpfer und ihre Familien würden in Camps festgehalten. Alle Kinder hätten ein Recht auf Schutz und humanitäre Hilfe, schreiben die Hilfsorganisationen. Herkunftsländer müssten sich deshalb darum kümmern, die etwa 9.000 Kinder aus rund 40 Nationen im Nordosten von Syrien schnell wieder zurück nach Hause zu holen.

Die internationale Gemeinschaft müsse zudem jetzt dringend eine Lösung des Konfliktes einfordern. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen müsse die Notwendigkeit der Zurückhaltung durch alle Konfliktparteien betonen und die Bedeutung des Schutzes der Zivilbevölkerung und den uneingeschränkten Zugang zu humanitärer Hilfe bekräftigen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen trat zum Thema am Donnerstag zusammen.

(pm – pr)

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Einmarsch in Syrien: „Kein Geld mehr an die Türkei zahlen“

Einmarsch in Tel Abyad (AFP or licensors)

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert, sämtliche Zahlungen Deutschlands und der Europäischen Union an die Türkei unverzüglich einzustellen, bis die türkische Militärintervention in Nordsyrien gestoppt wird.

Insbesondere dürfe Europa die Einrichtung der vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gewollten Schutzzone in Nordsyrien weder direkt noch indirekt unterstützen, so die vom deutschen Göttingen aus operierende Organisation.

„Europa darf keinesfalls aus Angst vor Flüchtlingen Verbrechen gegen die Menschlichkeit fördern“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Donnerstag. Ziel der sogenannten Schutzzone sei ein völkerrechtswidriger Bevölkerungsaustausch.

“ Bisherige Proteste sind halbherzig ”

Die bisherigen Proteste der EU gegen die türkische Militäroffensive seien halbherzig und wenig überzeugend, kritisiert die GfbV. So sei es anmaßend und realitätsfremd, wenn die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini Kurden und die türkische Regierung gleichermaßen zur Mäßigung auffordere, anstatt den Aggressor zu benennen und in die Pflicht zu nehmen. Einfache Appelle zur Mäßigung könnten den Schutz der Zivilbevölkerung vor neuer Gewalt nicht gewährleisten.

Das türkische Religionsministerium hat zudem angekündigt, am Freitag solle in allen Moscheen der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) in Deutschland für eine schnelle und erfolgreiche Besetzung Nordostsyriens gebetet werden. Dies müsse die Bundesregierung scharf verurteilen.

Verbrechen nicht schönreden

„Schwere Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen an der Zivilbevölkerung dürfen in Deutschland nicht schöngeredet oder verherrlicht werden“, so Delius. „Erst recht nicht schon wieder in DITIB-Moscheen, in denen bereits die völkerrechtswidrige Invasion des syrischen Afrin im Januar 2018 verherrlicht wurde.“

Die DITIB steht wegen ihrer Nähe zum türkischen Religionsministerium und dem Machtapparat Erdogans seit Jahren in Deutschland in der Kritik.

(pm – sk)

Syriens Christen erneut von Türkei bedroht, warnt Menschenrechtsgruppe

Betende in der Kirche St. Ananias in Damaskus, Syrien vor dem Bürgerkrieg, am 23. February

Mit dem Abzug amerikanischer Truppen und der Ankunft türkischer Streitkräfte ist die ohnehin gefährdete christliche Minderheit im Nahen Osten erneut bedroht, warnt eine führende Menschenrechtsgruppe, wie die Catholic News Agency berichtet.

Am 6. Oktober teilte das Weiße Haus mit, dass türkische Streitkräfte nach Nordsyrien verlegt werden und die USA keine Soldaten in der Region mehr stationieren werde. Die Ankündigung hat bei den Kurden in Nordsyrien und im Irak große Besorgnis ausgelöst.

Als Verbündeter der Vereinigten Staaten umfasst die kurdische Bevölkerung viele Jesiden und eine Handvoll Christen. Sie haben die Vereinigten Staaten bei ihrem Kampf gegen den Islamischen Staat und andere extremistische Gruppen in der Region unterstützt.

Kurdistan ist ein umkämpftes Gebiet auf türkischem, irakischem und iranischem Boden. Die Verlegung kurdischer Truppen nach Syrien mit Unterstützung der USA hat Anlass zur Sorge gegeben, dass sie eine Kampagne gegen die dort lebenden Kurden führen und die christlichen Gemeinschaften in der Region erneut belasten werden.

In einer Erklärung, die am Montag veröffentlicht wurde, sagte die Gruppe In Defense of Christians (IDC), sie seien „zutiefst besorgt um die christlichen und jesidischen Gemeinschaften Nordostsyriens, sollte die Republik Türkei ihre Truppen in die Region verlegen“, und stellte fest, dass die Region in den letzten Jahren erheblich von Christen entvölkert worden ist.

„Es gibt rund 40.000 Christen im Nordosten, was ein dramatischer Rückgang gegenüber den 130.000 Christen ist, die in diesem Gebiet vor dem Einfall des Islamischen Staates und der weiteren Syrienkrise lebten.“

Die Gruppe sagte, sie werde sich dafür einsetzen, dass die USA erneut Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei verhängen, falls sie gegen die Bewohner der Zone vorgehen.

Zuvor wurden Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei verhängt, als das Land Pastor Andrew Brunson, einen Amerikaner, inhaftierte, der über ein Jahr lang ohne Anklage inhaftiert war. Brunson wurde etwa zwei Monate nach der Verhängung von Sanktionen durch die USA freigelassen.

„Präsident Erdogan hat sicherlich nicht die wirtschaftlichen Auswirkungen von Sanktionen aufgrund der Inhaftierung von Pastor Andrew Brunson vergessen, und wie Präsident Trump sagte, können wir das wieder tun“, sagte Toufic Baaklini, Präsident von IDC, in einer Pressemitteilung.

Die Ankündigung von Trump, Truppen abzuziehen hat Bedenken geäußert, dass Christen in Nordsyrien ein ähnliches Schicksal erleiden könnten wie im Irak.

Der chaldäisch-katholische Erzbischof Bashar Warda von Ebril, eine der führenden Stimmen verfolgter und vertriebener Christen, sagte im Mai, dass der Abzug von US-Truppen massive Konsequenzen haben würde.

„Wir sind ernsthaft besorgt über den Rückzug der USA aus dem Irak“, sagte der Erzbischof.

„Nach dem Völkermord durch den Islamischen Staat haben unsere zerstörten Gemeinschaften immense Hoffnungen aus dem Versprechen des amerikanischen Engagements für irakische Minderheitengemeinschaften unter der Führung des Vizepräsidenten gezogen.“

Die Verteidigung der Christen in der Region ist seit Jahren eine erklärte Politik der Regierung Trumps. Am 25. Oktober 2017 sagte US-Vizepräsident Mike Pence auf dem jährlichen Gipfel des IDC, dass die USA „sich nicht mehr nur auf die Vereinten Nationen verlassen werden, um verfolgten Christen und Minderheiten nach dem Völkermord und den Gräueltaten von Terrorgruppen zu helfen“.

„Die Vereinigten Staaten werden von heute an Hand in Hand mit religiösen Gruppen und privaten Organisationen zusammenarbeiten, um denen zu helfen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Dies ist der Moment, jetzt ist die Zeit, und Amerika wird diese Menschen in ihrer Stunde der Not unterstützen“, sagte Pence weiter.

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Quelle

Türkei: Christliche Siedlungen durch Brände bedroht

Luftaufnahme eines Brandes in den USA (ANSA)

Im Südosten der Türkei waren und sind mehrere christliche Dörfer und Klöster von Bränden bedroht, wie die „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) berichtet. Die Region ist syrisch-orthodoxes Kernland.

Der sogenannte Tur Abdin im Südosten der Türkei ist eines der ältesten christlichen Siedlungsgebiete der Welt. Er ist das Kernland der syrisch-orthodoxen Kirche. Die ältesten noch erhaltenen (und bewohnten) Klöster und Kirchen gehen auf das vierte Jahrhundert zurück.

Große Schäden für die Anwohner

In Midin, dem größten christlichen Dorf in der Region, wurden Wälder, Felder und Weingärten vernichtet. Das Feuer brach an mehreren Stellen aus, es wird Brandstiftung vermutet.
Mehrmals war in diesem Sommer auch bereits das Kloster Deyrulzafaran beziehungsweise dessen landwirtschaftliche Flächen, die das Kloster umgeben, von Feuer betroffen. Vor wenigen Tagen vernichtete ein Brand mehr als 500 Olivenbäume und zahlreiche Obstbäume. Auch in diesem Fall vermutet die Polizei Brandstiftung.

Existenz der Mönche bedroht

Das Kloster, das derzeit von drei Mönchen bewohnt wird, hat in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, die vorhandenen Ländereien aufzupflanzen, um so eine Einkommensquelle zu schaffen. Die Brände gefährden demnach die Existenz der letzten verbliebenen Bewohner des Tur Abdin.

Auch in zahlreichen weiteren christlichen Dörfern, die vor allem in der schwer zugänglichen Bergregion des Tur Abdin liegen, wurden durch Brände große landwirtschaftliche Flächen vernichtet. Personen kamen laut dem in Linz ansässigen Hilfswerk ICO bislang nicht zu Schaden.

Brandstiftung vermutet

Allerdings vermuten vermittlerweile auch die türkischen Behörden, das Brandstifter am Werk waren. Die Taktik des Abbrennens landwirtschaftlicher Nutzflächen wurde heuer auch von untergetauchten IS-Terroristen in Nordsyrien an der türkischen Grenze („Djazira“) in großem Maßstab angewendet. In Syrien ist die Rede davon, dass in der Djazira 50.000 Hektar von den terroristischen Brandanschlägen betroffen waren, was zu großen Ernteausfällen geführt hat.

In den syrisch-orthodoxen Gemeinden weltweit gibt es die Befürchtung, dass die von den Terroristen in Nordsyrien entwickelte Taktik der Brandstiftung auch auf das türkische Gebiet übergeschwappt ist, wie die Stiftung Pro Oriente am Sonntag berichtete. Evgil Türker, der Obmann der „Federation of Syriac Associations“, sagte, man erwarte gespannt die Ergebnisse der Untersuchungen der türkischen Gendarmerie. Der wirtschaftliche Schaden durch die Brandserie sei jedenfalls sehr groß, vor allem, was die nur langsam nachwachsenden Ölbäume und die Weingärten betrifft.

In der Gemeinschaft gibt es aber auch Befürchtungen, dass die Rückkehrbewegung der Christen syrischer Tradition, die auf eine ausdrückliche Einladung des damaligen türkischen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit im Jahr 2001 zurückgeht, islamistischen Gruppierungen in der Türkei nicht gefällt. Die Brandstiftungen könnten dann als „Warnsignale“ gemeint sein.

(kap – cs)

Der heilige Papst Johannes Paul II. über den heiligen Papst Pius V.

BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
ANLÄßLICH DES 500. JAHRESTAGES DER GEBURT
DES HL. PAPSTES PIUS V.

An den verehrten Mitbruder
FERNANDO CHARRIER
Bischof von Alessandria

1. Gerne sende ich Ihnen einen herzlichen Gruß anläßlich der Jubiläumsfeiern, die zum 500. Jahrestag der Geburt meines Vorgängers, des hl. Pius V., stattfinden. In mein liebevolles Gedenken schließe ich die Gläubigen dieser geliebten Diözese ein, die zu Recht ihres edlen Sohnes voll Freude und Dankbarkeit gegenüber Gott gedenkt.

Die verschiedenen Veranstaltungen, an denen Ihr teilnehmen werdet, um dieses glücklichen Jahrestages zu gedenken, bieten die Gelegenheit, das Andenken dieses großen Papstes wieder lebendig zu machen und über das reiche von ihm hinterlassene Erbe an Vorbildern und Lehren nachzudenken, die auch für die Christen unserer Zeit mehr denn je gelten.

Der 500. Jahrestag seiner Geburt möge Grund des Segens für die ganze Kirche sein, in besonderer Weise für die geliebte Diözese Alessandria und für die kirchliche Gemeinschaft von Piemont. Die Fürsprache des hl. Pius V. und das Vorbild seiner Tugenden seien für jeden ein Impuls, den Glauben zu stärken, indem dieser unversehrt und in ständiger Verbindung mit den Quellen der Offenbarung bewahrt und in der Gesellschaft verbreitet wird, um eine Menschheit heranzubilden, die für Christus offen ist und die den Aufbau der Zivilisation der Liebe anstrebt.

2. Die Zeit, in der Pius V. lebte, war zwar sehr verschieden von der jetzigen, aber dennoch fehlt es nicht an gewissen Analogien. Beide Geschichtsepochen erlebten die Festigung von konvergierenden religiösen Kräften und hatten zugleich tiefe Krisen in der Gesellschaft zu verzeichnen mit Auseinandersetzungen zwischen Städten und Völkern, die manchmal in schmerzliche bewaffnete Konflikte ausarteten. In beiden Epochen war die Kirche bemüht, neue Wege zu finden, um den Glauben zu beleben und ihn in einer Weise vorzuschlagen, die den veränderten kulturellen und sozialen Bedingungen angemessen war; dies geschah damals durch die Einberufung des Konzils von Trient und im vergangenen Jahrhundert durch das II. Vatikanische Ökumenische Konzil. Auf die jeweiligen Konzilien folgten die oft nicht einfachen Anstrengungen, ihre Lehren getreu anzuwenden, wobei ein wahrer Reformprozeß der Kirche in Gang gesetzt wurde.

In diesen geschichtlichen und religiösen Kontext, der das 16. Jahrhundert gekennzeichnet hat, fügt sich das menschliche und geistliche Leben des hl. Pius V. ein, das am 1. Mai 1572 endete. Von Kindheit an bekam Michele Ghislieri die Härte der Armut zu spüren, denn er mußte durch seine Arbeit zum Unterhalt der Familie beitragen. Er schöpfte aus den bezeichnenden Werten seiner geliebten Heimat Alessandria und blieb ihr immer verbunden. Und dies so sehr, daß er, als er in das Kardinalskollegium berufen wurde, unter dem Namen Kardinal Alessandrino bekannt wurde.

Im Alter von 14 Jahren trat er in den Predigerorden ein und erhielt seine Ausbildung in den Klöstern von Vigevano, Bologna und Genua. Er war stets darauf bedacht, durch Gebet und Studium den Weg der evangeliumsgemäßen Vollkommenheit zu gehen, indem er reichlich aus den Quellen des Wortes Gottes entsprechend dem dominikanischen Charisma schöpfte.

Schon damals bewies er eine besondere Vorliebe für die Heilige Schrift und für die Lehre der Kirchenväter, während er sich auch für das Studium der Werke des hl. Thomas von Aquin begeisterte, den er später, als er Papst geworden war, in den Rang eines Kirchenlehrers erhob. Er wurde in Genua im Jahr 1528 zum Priester geweiht.

Von Papst Paul III. wurde er beauftragt, in den Gebieten von Padua, Pavia und Como über die Reinheit des Glaubens zu wachen. Er inspirierte sich am hl. Dominikus, dem heiligen Märtyrer Petrus von Verona, dem hl. Vincenzo Ferrer und dem hl. Antoninus von Florenz als seinen Vorbildern und Schutzherren. Dabei war seine einzige Sorge, immer die größere Ehre Gottes und das wahre Wohl der Brüder zu suchen, getreu dem Leitspruch »In der Wahrheit voranschreiten«, den er sich zu eigen machen wollte. Mit dem gleichen Eifer arbeitete er weiter, als er in Rom zum Kommissar für die Glaubenslehre ernannt wurde und nacheinander die weiteren Aufgaben übernahm, die ihm von den Päpsten Julius III., Paul IV. und Pius IV. anvertraut wurden. 1556 wurde er zum Bischof von Nepi und Sutri ernannt und im Jahr 1557 zum Kardinal kreiert; 1560 wurde er Bischof von Mondovì.

3. Mit 62 Jahren, im Januar 1556, wurde er zum Nachfolger Petri gewählt. Während seines Pontifikats bemühte er sich, die Glaubenspraxis in jedem einzelnen Glied des Volkes Gottes zu beleben, indem er der Kirche einen providentiellen Anstoß zur Evangelisierung gab. Er war unermüdlich in der Pastoralarbeit tätig und suchte mit allen direkten Kontakt zu knüpfen, ohne auf seinen schwachen Gesundheitszustand zu achten. Er sorgte sich darum, die Beschlüsse des Konzils von Trient getreu umzusetzen: im liturgischen Bereich durch die Veröffentlichung des erneuerten Römischen Meßbuches und des neuen Breviers; im katechetischen Bereich vor allem durch die Übergabe des »Katechismus des Konzils von Trient« an die Pfarrer; in der Theologie durch die Einführung der Summa des hl. Thomas in den Universitäten. Die Bischöfe erinnerte er an die Pflicht, in der Diözese zu residieren zum Zweck einer aufmerksamen Seelsorge an den Gläubigen; die Ordensleute regte er zu einer angemessenen Klausur an, und den Klerus wies er auf die Bedeutsamkeit des Zölibats und die Heiligkeit des Lebens hin.

Im Bewußtsein des von Christus, dem Guten Hirten, empfangenen Sendungsauftrages sorgte er sich hingebungsvoll darum, die ihm anvertraute Herde zu weiden, wobei er zum täglichen Gebet und vor allem zur Marienverehrung einlud. Es gelang ihm, diese beträchtlich zu intensivieren, indem er der Praxis des Rosenkranzgebets einen starken Impuls gab. Er selbst betete jeden Tag den gesamten Rosenkranz, auch wenn er überhäuft war mit schwierigen und vielfältigen Aufgaben.

4. Verehrter Mitbruder, der apostolische Eifer, das ständige Streben nach Heiligkeit, die Liebe zur Jungfrau Maria, die das Leben des hl. Pius V. kennzeichneten, seien für alle ein Ansporn, mit verstärktem Einsatz die eigene christliche Berufung zu leben. Ich möchte insbesondere dazu einladen, ihn in der kindlichen Marienverehrung nachzuahmen durch die Wiederaufnahme des einfachen und tiefen Rosenkranzgebetes, das – wie ich im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae in Erinnerung rufen wollte – uns hilft, das Geheimnis Christi zu betrachten: »In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in sich die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft, für die er gleichsam eine Kurzfassung ist … Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens, um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen« (Nr. 1).

Durch das eifrige Beten des Rosenkranzes können auf die Fürsprache der himmlischen Mutter des Herrn außerordentliche Gnaden erlangt werden. Davon war der hl. Pius V. fest überzeugt, und er wollte nach dem Sieg von Lepanto ein eigenes Fest, den Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, einführen.

Ich habe Maria, der Königin des heiligen Rosenkranzes, zu Beginn des dritten Jahrtausends durch das Gebet des Rosenkranzes das wertvolle Gut des Friedens und die Förderung der Institution der Familie anvertraut. Ich erneuere diesen Akt des Vertrauens auf die Fürsprache des hl. Pius V., dieses großen Marienverehrers.

5. Ich versichere Ihnen, verehrter Mitbruder, daß ich Ihrer im Gebet gedenken werde, ebenso der Bischöfe, die der Schlußfeier des Jubiläums vorstehen werden, sowie des Nationalen Komitees und des Ehrenkomitees, der Obrigkeiten der Region, der Provinz und der benachbarten Gemeinden von Alessandria, des Klerus, der Ordensleute und der lieben Gläubigen sowie aller, die an der heiligen Messe am 5. Mai zum Abschluß der Jubiläumsfeiern in der Kirche des Klosters »Santa Croce in Boscomarengo« teilnehmen werden.

Allen erteile ich von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 1. Mai 2004

JOHANNES PAUL II.

Quelle