VON DER ZAHL DER AUSERWÄHLTEN – 05

von José Ricart Torrens, Barcelona

Aus dem Französischen übersetzt von Prinziessin Maria-Christina von Habsburg

(5. Folge)

V. – ES IST BESSER, NUR VON DER LIEBE ZU PREDIGEN UND SIE ZU LEHREN, STATT DIE EWIGEN WAHRHEITEN DER SÜNDE UND DER HÖLLE ZU VERKÜNDEN.

Die christliche Lehre ist gänzlich auf die Liebe ausgerichtet. „Der Mensch wurde erschaffen“ infolge eines Gedankens der Liebe, mit dem endgütligen Zwecke, sich an Gott in einer Ek­stase der Erkennung und Liebe zu erfreuen. Gott hat ihn auf diese Erde gesetzt, damit er sich dieses Ziel durch die Liebe verdiene. („Wenn Mich jemand liebt, hält er Meine Gebote“). Nach der Erbsünde hat „Gott den Menschen dermaßen geliebt, dass Er ihm Seinen Eingeborenen Sohn gab“.

Man muss mit Liebe und Bewunderung die Menschwerdung — das Liebeswerk, das verborgene und öffentliche Leben Jesu, die Eucharistie und die Passion betrachten, die jegliche Liebe übertreffen; Er gab uns Seine Mutter; betrachten wir Seine Auf­erstehung, Seine Sakramente, Seine Kirche. Die Gaben des Heiligen Geistes kommen von Seinem Herzen… Wenn wir auf dieser Erde treu sind, beginnen wir ein Leben der Liebe in Er­wartung des ewigen Genusses der unendlichen Liebe.

Aber gerade um die göttliche Liebe verstehen zu können, muss man die Sünde hassen und auch die Hölle. Der heilige Paulus sagt uns: „Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass die Güte Gottes zur Buße dich leitet?“ (Röm. II, 4).

Kann die Sünde zugleich mit der göttlichen Liebe bestehen? Mit dem heiligen Johannes sind wir der gegenteiligen Meinung:

„Und daraus ersehen wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten.

Wer da sagt, er kenne ihn, und hält doch seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in diesem ist die Wahrheit nicht.

Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollkommen und daran erkennen wir, dass wir in ihm sind.

Wer sagt, dass er in ihm bleibe, der muss auch wandeln, wie er gewandelt hat.“ (1. Joh. II, 3-6).

Und da wir in einer Welt leben, die mit Sünde vollständig überflutet ist, müssen wir lehren, was für ein furchtbares Übel die Sünde ist.

Um dies besser verständlich zu machen, werden wir zeigen, wie die unendliche Liebe die Sünde und die Torheit dessen, der sich von Gott abwendet, bestraft. Die Sünde, das ist der Anfang des Verlustes des Ewigen Glücks, der Verlust aller Liebe.

Pius XII. sagt uns: „Es hat nichts von seiner Zweckmäßigkeit eingebüßt, in unseren Tagen von den grundsätzlichen Glaubens­wahrheiten und den Letzten Dingen zu predigen; im Gegenteil, es ist dringender und notwendiger geworden, als jemals zuvor. Sogar von der Hölle zu predigen. Zweifellos muss man dieses Thema würdevoll und klug behandeln. Aber was den Inhalt die­ser Wahrheit betrifft, so hat die Kirche, vor Gott und vor den Menschen, die heilige Pflicht, sie zu verkünden, sie zu lehren, ohne irgendeine Verminderung, so wie sie von Christus geoffen­bart worden ist, und es gibt keinen Zeitumstand, der die Stren­ge dieser Verpflichtung zu mildern imstande wäre. Sie ist für jeden Priester verbindlich, dem das Amt anvertraut ist, ob or­dentlich oder außerordentlich, die Gläubigen zu lehren, zu warnen und zu leiten. Es ist wahr, dass an und für sich die Sehnsucht nach dem Himmel ein mehr vollkommener Grund ist, als die Furcht vor der ewigen Pein; aber es folgt daraus nicht, dass er auch für alle Menschen der wirksamste wäre, sie von der Sünde fernzuhalten und zu Gott zu bekehren.“ (1)

Es war auch Pius XII., der anlässlich des feierlichen Empfan­ges zu Ehren der katholischen Juristen Italiens am 6. Februar 1955 in Erinnerung rief, wie furchtbar die Hölle sei:

„Die Offenbarung und das Lehramt der Kirche stellen fest: Nach dem irdischen Leben werden diejenigen, welche mit einer Todsünde belastet sind, durch den Höchsten Herrn einem Gerichte unterzogen werden und eine Strafe erhalten, ohne Möglichkeit der Befreiung oder Verzeihung. Gott könnte so­gar im Jenseits eine solche Strafe erlassen: alles hängt von Seinem freien Willen ab; aber Er hat es niemals getan und wird es niemals tun. Es ist hier nicht am Platze zu diskutieren, ob man diese Tatsache auf Grund der natürlichen Vernunft genau beweisen kann; gewisse sind sicher, andere zweifeln daran. Aber sowohl die einen, als auch die anderen führen in ihren Argumenten ex ratione Erwägungen an, welche beweisen, dass eine solche Verfügung Gottes keiner Seiner Eigenschaften wi­derspricht, weder Seiner Gerechtigkeit, noch Seiner Weisheit, noch Seiner Barmherzigkeit, noch Seiner Güte; sie beweisen auch, dass sie außerdem nicht im Widerspruch mit der mensch­lichen Natur steht, wie sie durch den Schöpfer selbst erschaf­fen worden ist, nämlich mit ihrer absoluten, metaphysischen, auf Gott ausgerichteten Zweckbestimmung, mit der Begeiste­rung des menschlichen Willens für Gott, mit der körperlichen Willensfreiheit, die im Menschen verwurzelt und immer gegenwärtig ist. Alle diese Überlegungen lassen zweifellos beim Menschen, wenn er urteilt und sich nur auf seine eigene Ver­nunft verlässt, eine letzte Frage aufkommen, die sich nicht auf die Möglichkeit, sondern auf die Wirklichkeit eines der­maßen unbeugsamen Urteils des Höchsten Richters bezieht. Es wird sich daher niemand wundern, dass ein sehr bekannter Theologe am Anfang des XVII. Jahrhunderts schreiben konnte: „Quator sunt mysteria nostrae sanctissimae fidei maxime dif­ficilia creditu menti humanae: mysterium Trinitatis, Incarna­tionis, Eucharistiae et aeternitatis suppliciorum“ (2) Aber trotz allem bleibt die Tatsache der Unveränderlichkeit und der Ewigkeit dieses Urteils der Verwerfung und ihrer Durchführung undiskutabel. Die Streitigkeiten, zu denen ein kürzlich ver­öffentlichtes Buch Anlass gegeben hat, zeigen oft einen großen Mangel an Kenntnis der katholischen Lehre und gehen von fal­schen Voraussetzungen oder falsch interpretierten Vorbedin­gungen aus. In diesem Falle hat der Höchste Gesetzesgeber, indem Er von Seiner höchsten und absoluten Macht Gebrauch macht, die unwiderrufliche Gültigkeit Seines Urteils und seiner Durchführung festgelegt. Diese unbegrenzte Dauer ist daher das gültige Recht.“ (3)

VI. – DIESE LEHRE IST SEHR ENGHERZIG

Ein ehemaliger Exerzitienteilnehmer war seit mehreren Jah­ren nicht mehr zu den Exerzitien gekommen und wollte sie nicht nochmals mitmachen. Einer seiner Freunde drängte ihn:

„Warum willst du an den Exerzitien nicht mehr teilnehmen?“ Der andere sagte schließlich, nach flüchtigen Ausreden: … Man­gel an Zeit… die Familie… die Arbeit, etc.:

„Ich will nicht mehr wiederkommen, weil die „Geistlichen Übungen“ des heiligen Ignatius der enge Weg sind“.

Er hatte gut verstanden, was die Exerzitien verlangten. Man darf den Sünder nicht betrügen, indem man ihn glauben lässt, dass es einen anderen Weg zum Heile gibt, als „den schmalen Weg“.

Der heilige Ignatius lehrt in seinen ersten Regeln für die Scheidung der Geister, dass es dem bösen Geiste eigen sei, die Sünder zu beruhigen. Rufen wir uns, mit der heiligen Theresia vom Kinde Jesu in Erinnerung, dass: „man niemals zu viel Vertrauen zu Gott hat, Der so mächtig und barmherzig ist. Was man von Ihm erhält, steht im Verhältnis zu dem, was man sich von Ihm erhofft“.

Aber vergessen wir nicht, was uns der heilige Johannes lehrt:

„Den Verzagten aber, den Ungläubigen, den Greuelhaften, den Mördern, den Hurern, den Zauberern, den Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Anteil werden im Pfuhle, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der andere Tod ist.“ (Apokalypse, XXI, 8).

Trotz aller Kritiken der Weltmenschen muss man auf diesem ewigen Thema bestehen. Im Leben des heiligen Antonius Maria Claret wird eine Bemerkung angeführt, die ein Jüngling im Zu­sammenhang mit einer Predigt des großen Missionars machte: „Er ist ein Prediger, wie die anderen: er sagt nur Dummheiten, um Kinder zu erschrecken.“ Dieser junge Mann bekehrte sich anschließend. Einmal bekehrt, teilte er die Ansicht vieler Priester über die Predigten des Heiligen: „Was Pater Claret sagt, kommt nicht von der Erde, sondern vom Himmel; weil wir gewöhnlichen Menschen nicht fähig sind, diesen Grad zu erreichen.“ „Pater Claret wird mehr erreichen, als alle Prediger von Barcelona zusammen.“

Der Rednerstil des heiligen Antonius Maria Claret stand im Kontrast zum leeren und schwulstigen Stil mancher seinerzei­tigen Redner. Das Gespräch des Heiligen mit Don Hermenegild Coll, dem sehr bekannten Prediger von Madrid, ist bekannt.

Der Letztere wurde nach einer Predigt von Glückwünschen überhäuft, außer von seiten Pater Clarets. Er sprach am nächsten Tage bei ihm vor, um nach dem Grunde seiner Einstellung zu fragen.

Pater Claret sagte zu ihm: „Sagen Sie mir, Don Hermene­gild, haben Sie manchmal vom Heile der Seelen und furcht­baren Unglück derjenigen, die sich verdammen, gepredigt?“

„Nein, Pater, ich habe noch nie von diesen Themen ge­predigt.“

„Haben Sie manchmal vom Tod, vom Gericht, von der Hölle, von der Notwendigkeit, sich zu bekehren, die Sünde zu meiden und Buße zu tun gesprochen?“

„Auch davon habe ich direkt und ausdrücklich in meinen Predigten nicht gesprochen.“

„Nun also, lieber Freund, ich werde ganz aufrichtig mit Ihnen reden, nachdem Sie mich darum ersucht haben. Ich liebe es nicht und kann die Handlungsweise mancher nicht gutheißen, die in ihren Predigten die großen christlichen Wahrheiten beiseitelassen und nur Themen behandeln, die für die Bekehrung der Seelen zu wenig wirksam sind. Und wenn ich diese Handlungsweise nicht billige, so ist es deswegen, weil ich denke, dass sie dem Herrn auch nicht gefallen würde“.

Der heilige Antonius Maria Claret, weil er ein Heiliger war, erlaubte sich nicht, in seiner Predigttätigkeit Zeit zu ver­lieren: er lehrte den sicheren und zuverlässigen Weg, der kein anderer ist, als die Einhaltung der göttlichen Gebote, wie sie das kirchliche Lehramt verkündet.

(Fortsetzung folgt)

ANMERKUNGEN:

(1) Pius XII., Ansprache an die Pfarrer und Fastenprediger von Rom, 23. März 1949.

(2) Lessius, De perfectionibus moribusque divinis, 1, XIII, cap. XXV.: „Es gibt vier Geheimnisse unseres heiligen Glaubens, an die zu glauben dem menschlichen Geiste sehr große Schwie­rigkeiten bereitet: Das Geheimnis der Dreifaltigkeit, der Mensch­werdung, der Eucharistie und der Ewigkeit der Höllenpein.“

(3) Pius XII., Ansprache an die Katholischen Juristen Italiens, 5. Februar 1955.

VON DER ZAHL DER AUSERWÄHLTEN – 04

The Sermon on the Mount — Carl Bloch, 1890

von José Ricart Torrens, Barcelona

Aus dem Französischen übersetzt von Prinziessin Maria-Christina von Habsburg

(4. Folge)

II. Kapitel

DIE FRAGE DER ZAHL

Auf den ersten Blick kann es unnütz und unpassend schei­nen, über die Zahl der Auserwählten zu streiten. Aber es ist nicht reine Neugierde oder rein rhetorisches Studium, wenn wir versuchen, unsere Meinungen mit den Angaben der Offen­barung in Einklang zu bringen. Die Heiligen haben lange Ab­handlungen verfasst, haben über das Thema geschrieben, davon gepredigt und festgestellt, was für heilsame Früchte man erntet, wenn man von diesem schrecklichen Problem spricht.

Schließlich vertreten wir folgende Thesen:

1. „Es kennt der Herr die Seinen“ (2. Brief an Timotheus, II, 19).

2. Viele werden gerettet. „Nach diesem sah ich eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen, und Völkern und Sprachen“, sagt uns der heilige Johannes, als er von den Auserwählten spricht. (Apokalypse VII, 9). Bedenken wir nur, dass nach einigen Historikern die Zahl der Märtyrer während der ersten drei Jahrhunderte der Kirche mehrere Millionen betrug… und dass nicht alle Heiligen jener Epoche Märtyrer waren. Die damalige Kirche bestand nur aus einem kleinen Kern. Die Schar, welche das Lob der Heiligen Dreifaltigkeit im Himmel singen wird, wird sicher sehr groß sein. Es bleibt jedem Menschen überlassen, selig zu werden, weil „Gott will, dass alle Menschen selig werden und zur Er­kenntnis der Wahrheit gelangen“. (2. Br. an Timotheus, II, 4).

3. Sehr zahlreich sind diejenigen, die sich verdammen: Multi = Viele (Matthäus, VII, 13).

4. Die Lehre, nach welcher alle Menschen gerettet werden, ist verworfen worden.

„Man soll zumindest hoffen, dass das ewige Heil allen jenen, die nicht im Schoße der wahren Kirche Christi leben, zugesichert sei.“ (SYLLABUS, verworfene Proposition Nr. 17).

Wie es der heilige Prosper sagt: „Wenn einer gerettet wird, dann durch die Gnade des Erlösers; wenn andere verdammt werden, dann durch die eigene Schuld.“ Das Konzil von Quiersy lehrte das gleiche im Jahre 853 (Denziger 318): „Der Allmächtige Gott will, dass alle selig werden ohne Ausnahme (1. Brief an Timotheus, II, 4), obwohl nicht alle gerettet wer­den. Diejenigen, die gerettet werden, verdanken es der Gnade des Herrn; diejenigen, die sich verdammen, sind selbst schuld daran.“

Die Kirche hat diese Frage immer offen gelassen. Es gibt darüber kein dogmatisches Dekret. In einer Oration des Missale beten wir: „Deus, cui soli cognitus est numerus electorum in superna felicitate locandus“ (1) und sie erinnert uns an Seine unendliche Barmherzigkeit: „Deus, cuius misericordiae non est numerus et bonitatis infinitus est thesaurus“ (2).

Aber das hindert uns nicht daran, dass wir demütig behaup­ten können, ohne diese Lehre als definitiv zu bezeichnen, ohne ihr eine theologische Note geben zu wollen, nachdem es die Kirche nicht getan hat, ohne jemandem unsere Denkweise auf­zwingen zu wollen, die Zahl der Auserwählten im Vergleich mit der Zahl der Verdammten sei klein, und zwar, indem wir die Gründe anführen, welche in den folgenden Kapiteln analysiert werden.

Wir werden zuerst die Antwort auf Einwände geben, welche einige gegen die Zweckmäßigkeit der Behandlung dieser Frage bei Verteidigung der traditionellen Lehre erheben.

I. — SPRECHEN SIE VON ANDEREN DINGEN!

Diese Frage der (relativ) kleinen Zahl der Auserwählten be­unruhigt viele unserer Modernisten, sowie übrigens diejenige der Hölle. Aber warum beunruhigt sie?

Studieren Sie die Argumente derjenigen, welche sich gegen sie erheben; sie behaupten: „Gott ist zu gut, um zu verdam­men.“ Studieren Sie gründlich die verschiedenen, mehr seriö­sen Einwände: Man kann sie in diesen vier Worten zusammen­fassen: „Gott ist zu gut“. Wenn der Einwand stichhaltig wäre, würde er sowohl für einen, als auch für tausend gel­ten. (Auf Grund dieses schlecht ausgelegten Argumentes be­haupten einige sogar, dass niemand in der Hölle sei. „Gott ist zu gut“).

— Sprechen Sie doch von anderen Dingen! sagt man manch­mal. Gewiss, es wäre manchmal angenehmer, das zu hören. Aber wir sind der Ansicht, dass wir das Recht nicht haben, diese theologische Meinung, die wir für begründet erachten, zu verschweigen. In unserem Zeitalter der freidenkerischen und laisierten Entstellungen bilden sich die Menschen ein, sie hätten das Recht, mit Gott nicht mehr zu rechnen. Oder es muss ein Gott sein, von dem sie selbst bestimmen, wie Er zu sein habe, ein Gott, dem man einer „Moral der Lage“ ent­sprechend dienen könne. Ein Gott, von dem man Rechenschaft verlangen könne… den man zensurieren könne… ein Gott nach ihrem Gutdünken. Wenn dieser Gott ihre Forde­rungen nicht annimmt, lehnen sie Ihn ab. „Qui habitat in coelis irridebit eos“ „Der im Himmel wohnt, lacht über sie und der Herr spottet ihrer“ (Psalm II, Vers 4).

Im Psalm X ruft David aus: „Der Sünder erbittert den Herrn, nach der Größe seines Zornes frägt er nichts“ (Vers 4).

„Denn er spricht in seinem Herzen: Ich werde nicht wanken, ohne Unglück sein von Geschlecht zu Geschlecht“ (Vers 6).

Aber es genügt dem Sünder nicht, hienieden damit nicht zu rechnen. Er weiß sehr gut, dass ihn Gott auf dem Wendepunkt zur Rechenschaft ziehen wird. Dann ruft er, wie ein Kind, lauter, um sich zu beruhigen:

„Gott hat’s vergessen, hat abgewandt sein Angesicht, damit er’s nimmermehr sehe“ (Vers 11) und Psalm X fügt hinzu:

„Der Herr erforscht den Gerechten und den Gottlosen; wer aber die Missetat liebt, hasst seine Seele“ (Vers 6).

„Es regnet Schlingen über die Bösen; Feuer und Schwefel und Sturmwind ist der Anteil ihres Bechers.“ (Vers 7)

„Denn der Herr ist gerecht und liebt die Gerechtigkeit; auf Billigkeit schaut sein Angesicht.“ (Vers 8)

Es ist notwendig, dass der Mensch verstehe, auch im XX. Jahrhundert, dass Gott Gott ist… dass Er der Schöpfer ist… der Unendliche; dass wir nur Nichts sind. Es ist notwendig, dass wir armen Zwerge, die eine gewisse Zahl Stunden auf diesem Planet Erde leben werden, einen der kleinsten des Sonnensystems, verirrt im Spiralnebel, zu dem er gehört, die­ser wiederum verloren inmitten anderer bekannter und un­bekannter Milchstraßen, diese präliminären Begriffe erfassen. Nein, der Schöpfer zittert nicht vor uns. Der heilige Paulus spricht, in Eingebung des Heiligen Geistes: „Gott lässt Seiner nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“ (Galater, VI, 7-8). Würden wir sagen: „Nein, der heilige Paulus hat sich geirrt; man kann weiterhin über Gott spotten? Nachdem „Gott gut ist“ wird Er alle diejenigen retten, welche bis zum Ende Seiner spotteten?“ Im Grunde genommen ist das Problem vorhanden. Nur dann, wenn er es ernst genommen hat, wird der Sünder alle seine schlechten Neigungen aufgeben.

II. DIE LEHRE VON DER RELATIV KLEINEN ZAHL DER AUSERWÄHLTEN IN ERINNERUNG ZU RUFEN WIDERSPRICHT DER CHRISTLICHEN HOFFNUNG.

Wir antworten, indem wir Mgr. Charriere, Bischof von Genf, Lausanne und Fribourg zitieren:

„Die christliche Hoffnung ist gewiss die Tugend, die uns erlaubt, von Gott Seine Gnade zur Einhaltung Seiner Gebote zu erhalten. Um auf diese göttliche Hilfe zu rechnen und sie ununterbrochen in vertrauenswürdiger Erwartung zu erflehen, gibt uns Gott die Tugend der Hoffnung; deren Motiv ist die Allmacht Gottes, der unendlich gut und treu in Seinen Versprechen ist. Aber die Allmacht Gottes soll uns von der Hand­lung nicht befreien. Im Einklang mit unserem freien Willen will Gott unsere Kräfte unterstützen, aber nicht uns von deren Gebrauch befreien. Der Weg, der zum Himmel führt, ist nicht die breite, gepflasterte Strasse, auf der man mit einer Ge­schwindigkeit von fast hundert Stundenkilometern beinahe ohne Erschütterungen rasen kann. Es ist der schmale, steinige Pfad, auf dem man zu Fuß emporsteigt, auf dem man sich die Füsse verletzt, wo das Herz ermüdet; der Aufstieg ist schwer. „Wer Mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme täg­lich sein Kreuz auf sich, und folge Mir nach.“ (Lukas, IX, 23). Es ist eine in unserer Zeit weit verbreitete Täuschung, dass es genügt, mit dem Strom zu schwimmen, um ein guter Christ zu sein. Man hat bald genug getan; alles ist rasch gut genug für Gott. Es ist im Grunde genommen immer derselbe Gedanke, derselbe Irrtum: Gott ist nicht mehr Gott; wenn Er existiert, soll Er sich damit begnügen, dass man Ihn nicht ganz vergisst. Seine unbegrenzte Güte halten wir für eine lächerliche GUT­MÜTIGKEIT.

„Denken wir daran, dass sich alle Seine Eigenschaften ver­einigen und dass Seine Güte ohne Seine Gerechtigkeit nicht dankbar wäre. Man soll nicht deswegen, weil man früher zur Zeit des Jansenismus und seiner Nachahmungen zu wenig an die Güte Gottes glaubte, heute ins andere Extrem verfallen und vergessen, dass die göttliche Güte uns davon nicht befreit, unser Kreuz mit Jesus zu tragen, in der Nachfolge der Heiligen. Ja, das christliche Leben ist ein Kampf. Der heilige Paulus sagt uns: „Denn auch wer im Wettkampfe streitet, wird nicht gekrönt, wenn er nicht gesetzmäßig gekämpft hat, „nisi qui legitime certaverit“ (2. Br. an Timotheus, II, 5).

(Auszug aus dem Hirtenbrief — Fastenzeit 1957 — „Christliches Leben und Fälschung“)

III. DAS IST GLAUBENSSTRENGE UND JANSENISMUS

Die Behauptung, dass die traditionelle Lehre von der Zahl der Auserwählten (an und für sich groß und „unzählig“, aber im Verhältnis zu denen, die sich verdammen, relativ klein) eine vom Jansenismus abgeleitete Lehre sei, kann einen nur zum Lachen bringen.

  1. Mehr als tausend Jahre vor den Jansenisten wurde sie schon in der Kirche gelehrt, durch den heiligen Irenäus, den heiligen Augustinus, den heiligen Hieronymus, den heiligen Johannes Chrysostomus, den heiligen Gregor den Großen, usw.
  2. Seither sind alle Heiligen, die darüber abgehandelt haben, vollkommen einig über die Frage der (relativ) kleinen Zahl der Auserwählten.

Ihre Doktrin hatte mit den Irrlehren der Jansenisten nichts gemeinsam, welche behaupteten, der Heiland sei nur für eine kleine Zahl gestorben, und die mit den Kalvinisten an dieser Lästerung von der Vorherbestimmung festhielten: Viele werden schuldlos verdammt werden, weil sie von Gott die Gnade nicht erhalten hätten.

Im Gegenteil, die traditionelle Lehre von der (relativ) kleinen Zahl der Auserwählten, eine Lehre, die wir ganz offen unsere eigene nennen, lehrt mit dem heiligen Paulus: „Gott will, dass alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.“ (1. Br. an Timotheus, II, 4). Allerdings bemerkt der heilige Ambrosius dazu: „Gott will, dass alle selig werden, aber wenn sie zu Ihm kommen wollen; Er will nicht, dass sie selig werden können auch dann, wenn sie sich nicht bekehren wol­len.“

Denken wir immer daran, dass der Heiland für alle gestorben ist und eine der Strafen der Verdammten gerade darin bestehen wird, sich bewusst zu sein, dass sie Gott erschaffen hatte, um sie zu erlösen, dass Er ihnen alle erforderlichen Gnaden verlie­hen, dass Jesus Christus für alle ihre Sünden auf dem Kreuze ge­sühnt hatte, dass sie sich hätten retten können und wegen ihrer eigenen Schuld verdammt worden sind.

Man soll mit sehr großer Liebe, sehr großer Ehrfurcht alle Sünder, welcher Art sie auch seien, empfangen, ihnen die unendliche und barmherzige Liebe vergegenwärtigen, die sie ein­lädt, die immer bereit ist, zu verzeihen, wenn sie ergeben zu Ihm zurückkehren… Man soll ihnen die Sorge um das verirrte Schaf, die Liebe zum verlorenen Sohn vor Augen führen. Man soll zu Maria Zuflucht nehmen und die Hoffnung mit diesen vertrauensvollen Worten der heiligen Theresia vom Kinde Jesu entfachen:

„Ich erhebe mich nicht deshalb zu Gott mit Vertrauen und Liebe, weil ich vor der Todsünde bewahrt worden bin. Ach! Ich fühle, dass ich, auch wenn ich alle Verbrechen die man begehen könnte, auf dem Gewissen hätte, doch nichts von meinem Vertrauen verlieren würde; ich würde zum Heiland gehen, das Herz vor Reue fast gebrochen, und würde mich in die Arme des Heilands werfen. Ich weiß, dass Er das verlorene Kind liebt, ich habe Seine Worte an die heilige Magdalena vernommen, an die Ehebrecherin, an die Samariterin. Nein, niemand könnte mich erschrecken, denn ich weiß, woran ich mich bei Seiner Liebe und Barmherzig­keit halten soll. Ich weiß, dass diese ganze Menge von Sünden in einem Augenblick gelöscht würde, wie ein Wassertropfen, den man in ein loderndes Feuer fallen ließ.“

Nichts davon ist jansenistisch oder glaubensstreng im Sinne einer Abweichung von der herrschenden Kirchenlehre.

Der Missbrauch von doppelsinnigen Wörtern, Bezeichnun­gen, deren Bedeutung unbestimmt ist und wo sich ein Irrtum hinter der darin enthaltenen Wahrheit verbirgt, führt heutzutage zum unentwirrbaren Missklang der Geister.

Mit doppeldeutigen Bezeichnungen hat man viele Geister, die keinen Verdacht schöpften, irregeführt.

Man spricht von Freiheit, um die Ausschweifung durchge­hen zu lassen; von Neutralität, um die verbrecherische Unge­rechtigkeit des Laizismus zu tarnen; von Öffnung nach links, um mit den Kommunisten zusammenzuarbeiten.

Wenn man unter Glaubensstrenge versteht, die Lehre unse­res Herrn und Seiner römisch-katholischen Kirche ernst zu nehmen — denn nur sie allein ist die Seine und nur sie allein ist die Seligmachende — gebe ich zu, dass wir eifrig und streng ihre Lehren befolgen. Wir muten uns das Recht nicht zu, „ei­nen Preis zu bestimmen“ oder „Rabatt“ zu gewähren, wenn es um ein Dogma und um die Moral geht…

IV. ES IST ENTSETZLICH, DIE KRIECHERISCHE FURCHT ZU PREDIGEN.

Es ist bestimmt notwendig, die einfache unterwürfige Furcht und die Zerknirschung oder unvollkommene Reue zu lehren und zu predigen (der Schmerz über die Beleidigung Gottes vor allem auf Grund der Angst vor den göttlichen Strafen). Die Heilige Kirche hat die Jansenisten und die Pro­testanten verdammt, weil sie behaupteten, diese Furcht sei schlecht.

Wie viele arme Sünder kommen darüber nicht hinaus und werden dank dieser unvollkommenen Reue gerettet! Wie gut ist Er, Gott, dass Er sich damit im großen und ganzen be­gnügt! Der heilige Augustinus rief aus: „Aber wer sind wir, o Herr, dass Du uns dermaßen liebst, dass Du uns mit der Hölle drohst, falls wir Dich nicht lieben!“ Derselbe Heilige sagt in seinem „De catechisandis rudibus“ (Kapitel V): „Ra­rissime quidem advenit, immo vero nunquam, ut quisquam veniat, volens fieri christianum, qui non sit aliquo Dei timore perclusus“. „Es geschieht nur sehr selten, eigentlich niemals, dass jemand käme, um Christ zu werden, ohne mehr oder weniger durch die Furcht vor Gott dazu angeleitet worden zu sein.“ Wie schade, dass diejenigen, welche neue Formu­lierungen suchen, dieses kleine Buch des heiligen Augustinus nicht durchstudieren!

Niemand hat besser als der heilige Ignatius in einigen Zeilen diese Frage der „Furcht“ und der „Liebe“ erklärt, die der Teufel mit Vergnügen durcheinander zu bringen scheint, um die Seelen zu betrügen. Es steht in den „Regeln, um mit der Kir­che zu empfinden“ in seinen „Geistlichen Übungen“: „Ob­wohl wir vor allem wünschen sollten, dass die Menschen Gott, unserem Herrn, aus reiner Liebe dienen würden, müssen wir doch die Furcht vor der Göttlichen Majestät sehr loben; denn nicht nur die kindliche Furcht ist fromm und sehr heilig, sondern sogar die unterwürfige Furcht; wenn sich der Mensch zu nichts besserem und nützlicherem aufschwingen kann, hilft sie ihm sehr, sich von der Todsünde zu befreien, und wenn er von ihr befreit ist, gelingt es ihm leicht, die Gott angenehme und liebe kindliche Furcht zu erwerben, die unzertrennlich mit Seiner Liebe vereint ist.“

Johannes XXIII. sagt uns: (4, XI, 61) „Die Gottesfurcht ist ein Zeichen der Weisheit; sie ist und wird immer die Regel für das Verhalten und die Taten des guten Katholiken sein. Dieses Grundprinzip ist im Alten Testament klar verkündigt worden (es genügt, die Propheten zu lesen). Im Neuen erweitert sich der Horizont auf unaussprechliche Weise. Unser Herr Jesus Christus, unser göttliche Meister und unser Erlöser, gibt uns Sein Evangelium veritatis et pacis (Wahrheits- und Friedens­evangelium), welches einen unvergleichlichen Schatz für die­jenigen enthält, die den Weg der Entsagung, des Opfers, der Liebe beschreiten; Weg, auf welchen alle berufen sind, die Christus nachfolgen. Im Laufe der Jahrhunderte gab es Zeit­abstände mit grösserem oder weniger großem Eifer. Aber es fehlte nie die Hauptnote: Wenn man die Lage und die Um­stände sorgfältig prüft, findet man immer, daß die Haupt sorge im Augenblick die Rückkehr zum timor Domini (zur Gottes­furcht) ist. (3)

(Fortsetzung folgt)

ANMERKUNGEN:

(1) 0 Gott, der Du allein die Zahl der zur ewigen Seligkeit Be­stimmten kennst.

(2) 0 Gott, Dessen Barmherzigkeit und Güte unendlich ist.

(3) Johannes XXIII. Aus dem Spanischen übersetzt. Kein entsprechender Text zur angegebenen Referenz (4.XI. 61) konnte gefunden werden.

VON DER ZAHL DER AUSERWÄHLTEN – 03

Lesen Sie vorausgehend:

VON DER ZAHL DER AUSERWÄHLTEN – 01

VON DER ZAHL DER AUSERWÄHLTEN – 02


 

von Jose Ricart Torrens, Barcelona

Aus dem Französischen übersetzt von Prinzessin Maria-Christina von Habsburg

 

HEILIGER LUKAS

„Denn die Axt ist schon an die Wurzel der Bäume gesetzt. Ein jeder Baum also, der keine gute Frucht bringt, wird ausge­hauen und ins Feuer geworfen.“ (III, 9).

„Er hat seine Wurfschaufel in seiner Hand, und wird seine Tenne reinigen; den Weizen wird er in seine Scheune sammeln, die Spreu aber mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.“ (III, 17).

„Aber wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt euern Trost!

Wehe euch, die ihr gesättigt seid; denn ihr werdet hungern! Wehe euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet trauern und weinen!

Wehe euch, wenn euch die Menschen loben! denn so haben ihre Väter den falschen Propheten getan.“ (VI, 24-26).

„Wer aber hört, und nicht tut, der ist gleich einem Men­schen, der sein Haus ohne Grund auf die Erde hinbaute; wider dieses Haus stiess der Strom, und es fiel sogleich; und der Fall desselben Hauses war gross. (VI, 49).

„Zu allen aber sagte er: Wer mir nachfolgen will, der ver­leugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; aber wer sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

Denn was nützte es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, sich selbst aber verlöre, und an sich Schaden litte?

Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird auch der Menschensohn sich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und (in der Herrlichkeit) des Vaters und der heiligen Engel.“ (IX, 23-26).

„Und du Kapharnaum! die du bis zu dem Himmel erhoben bist, wirst bis in die Hölle versenkt werden.

Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.“ (X, 15-16).

„Als aber das Volk sich versammelte, fing er an zu sagen: Dieses Geschlecht ist ein böses Geschlecht; es verlangt ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, als das Zeichen Jonas, des Propheten.

Denn gleichwie Jonas ein Zeichen war den Niniviten, so wird es auch der Menschensohn diesem Geschlechte sein.

Die Königin von Mittag wird im Gerichte mit den Männern dieses Geschlechtes auftreten und sie verdammen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomons zu hören; und siehe, hier ist mehr als Salomon!

Die Männer von Ninive werden im Gerichte mit diesem Geschlechte auftreten, und es verdammen; denn sie haben auf die Predigt des Jonas Busse getan und siehe, hier ist mehr als Jonas!“ (XI, 29-32).

„Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und danach nichts mehr tun können!

Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollet: Fürchtet den, welcher, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja, ich sage euch, diesen fürchtet!“ (XII, 4-5).

„Ich sage euch aber: Ein jeder, der mich vor den Men­schen bekennen wird, den wird auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen.

Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor den Engeln Gottes verleugnet werden.

Und jedem, der ein Wort wider den Menschensohn redet, kann vergeben werden; dem aber, der wider den Heiligen Geist lästert, wird nicht vergeben werden.“ (XII, 8-10).

„Der ihn aber nicht gekannt, und getan hat, was Schläge verdient, wird weniger bekommen. Denn von einem jeden, dem viel gegeben worden ist, wird viel gefordert werden; und wem viel anvertraut worden ist, von dem wird viel zurückverlangt werden.“ (XII, 48).

„Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Busse tut, so werdet ihr alle auf gleiche Weise zu Grunde gehen.

Er sagte aber auch dieses Gleichnis: Einer hatte einen Feigenbaum, der in seinem Weinberge gepflanzt war. Und er kam und suchte Früchte auf demselben, fand aber keine.

Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, schon drei Jahre komme ich, und suche Frucht an diesem Feigenbaume, und finde keine; hau ihn also weg! Was soll er noch das Land einnehmen?

Er aber antwortete, und sprach zu ihm: Herr! lass ihn auch noch dieses Jahr, bis ich um ihn her ausgegraben, und Dünger daran gelegt habe, vielleicht bringt er Frucht; wenn nicht, so magst du ihn für die Zukunft weghauen.“ (XIII, 5-9).

„Und er ging durch die Städte und Flecken, und lehrte, und nahm seinen Weg nach Jerusalem.

Einer aber sprach zu ihm: Herr! sind es wenige, die selig werden? Da sprach er zu ihnen:

Bemühet euch, einzugehen durch die enge Pforte; denn ich sage euch: Viele werden suchen einzugehen, und es nicht vermögen.

Wenn der Hausvater hineingegangen ist, und die Türe ver­schlossen hat, dann werdet ihr draussen stehen, und euch anschicken, an die Türe zu klopfen, und zu sagen: Herr, tu uns auf! Und er wird antworten und zu euch sprechen: Ich kenne euch nicht, woher ihr seid.

Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Strassen gelehrt.

Und er wird zu euch sagen: Ich kenne euch nicht, woher ihr seid; weichet von mir alle, ihr Übeltäter!

Da wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr Abra­ham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reiche Gottes seht, euch aber hinausgestossen.

Und sie werden kommen von Aufgang und Niedergang, von Mitternacht und Mittag, und zu Tische sitzen im Reiche Got­tes.

Und siehe, die (jetzt) die Letzten sind, werden die Ersten sein, und welche die Ersten sind, werden die Letzten sein.“ (XIII, 22-30).

„Es war ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und feine Leinwand, und hielt alle Tage herrliche Mahlzeit.

Es war auch ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor dessen Türe voll Geschwüre, und er hätte sich gerne mit den Brosamen gesättigt, die von des Reichen Tische fielen, aber niemand gab sie ihm; ja auch die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre.

Es geschah aber, dass der Arme starb, und von den Engeln in den Schoss Abrahams getragen wurde. Und es starb auch der Reiche, und wurde in die Hölle begraben.

Als er nun in der Qual war, und seine Augen erhob, sah er Abraham von ferne, und Lazarus in seinem Schosse; und er rief, und sprach: Vater Abraham! erbarme dich meiner, und sende den Lazarus, dass er seine Fingerspitze ins Wasser tauche, und meine Zunge abkühle, denn ich leide große Pein in diesen Flammen.

Abraham aber sprach zu ihm: Gedenke, Sohn! daß du Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus hingegen Übles; nun aber wird dieser getröstet, und du wirst gepeinigt.

Und über dies alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft gesetzt, dass die, welche von hier zu euch hinübergehen wollen, nicht können, und die, welche von dort herübergehen wollen, auch nicht können.“ (XVI, 19-26).

„Und gleichwie es zuging in den Tagen des Noe, so wird es auch zur Zeit des Menschensohnes sein.

Sie aßen und tranken, sie nahmen und gaben Weiber zur Ehe bis auf den Tag, da Noe in die Arche ging; und es kam die Sintflut und vertilgte sie alle.

Desgleichen wie es in den Tagen des Lot geschah: Sie aßen und tranken, sie kauften und verkauften, sie pflanzten und bauten; an dem Tage aber, da Lot aus Sodoma ging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und vertilgte sie alle.

Auf gleiche Weise wird es gehen am Tage, da der Menschen­sohn offenbar werden wird.“ (XVII, 26-30).

„Wahrlich, sag‘ ich euch, wer das Reich Gottes nicht an­nimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen! (XVIII, 17).

„Da nun Jesus sah, dass er traurig geworden, sprach er: Wie schwer werden die, welche Geld haben, in das Reich Gottes ein­gehen!

Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe. (XVIII, 24-25).

„Aber jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrschen sollte, bringet herbei, und ermordet sie vor mir.“ (XIX, 27).

„Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht etwa belastet werden mit Völlerei, Trunkenheit und den Sorgen dieses Le­bens, und jener Tag euch nicht plötzlich überrasche; denn wie eine Schlinge wird er kommen über alle, die auf dem ganzen Erdboden wohnen.

Darum wachet und betet allezeit, damit ihr würdig geachtet werdet, allem dem zu entgehen, was da kommen wird, und zu bestehen vor dem Menschensohne.“ (XXI, 34-36).

 

HEILIGER JOHANNES

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einge­borenen Sohn dahingab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig wer­de.

Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einge­borenen Sohnes Gottes nicht glaubt.

Das aber ist das Gericht, daß das Licht in die Welt gekom­men ist und die Menschen die Finsternis mehr liebten als das Licht; denn ihre Werke waren böse.

Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht an das Licht, damit seine Werke nicht gestraft werden; wer aber die Wahrheit tut, kommt an das Licht, damit seine Werke offenbar werden, weil sie in Gott getan sind. (III, 16-20).

„Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“ (III, 36).

„Denn gleichwie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohne gegeben, das Leben in sich selbst zu haben; und er hat ihm Macht gegeben, auch Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist.

Verwundert euch nicht darüber, denn es kommt die Stunde, in der alle, welche in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden.

Und es werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auf­erstehung des Gerichtes.“ (V, 26-29).

„Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben.“ (VI, 54).

„Und er sprach zu ihnen: Ihr seid von unten, ich bin von oben. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.

Darum hab‘ ich euch gesagt: Ihr werdet in euren Sünden sterben; denn wenn ihr nicht glaubt, daß ich es bin, so werdet ihr in eurer Sünde sterben.“ (VIII, 23-24).

„Jesus aber sprach zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich gewiss lieben; denn ich bin von Gott ausge­gangen und gekommen; denn ich bin nicht von mir selbst ge­kommen, sondern Er hat mich gesandt.

Warum erkennt ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt.

Ihr habt den Teufel zum Vater, und wollt nach den Gelüsten eures Vaters tun. Dieser war ein Menschenmörder von Anbe­ginn, und ist in der Wahrheit nicht bestanden; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lüge redet, so redet er aus seinem Eigentume; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.

Wenn ich aber die Wahrheit rede, so glaubt ihr mir nicht.

Wer aus euch kann mich einer Sünde beschuldigen? Wenn ich euch die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht?

Wer aus Gott ist, der hört auf Gottes Wort; darum hört ihr nicht darauf, weil ihr nicht aus Gott seid.“ (VIII, 42-47).

„Und Jesus sprach: Ich bin zum Gerichte in diese Welt gekommen, daß die Blinden sehend, und die Sehenden blind werden.

Dieses hörten einige Pharisäer, die bei ihm waren, und spra­chen zu ihm: Sind etwa auch wir blind?

Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde; nun aber sprechet ihr: Wir sehen! Darum bleibt eure Sünde.“ (IX, 39-41).

„Wenn aber jemand meine Worte hört, und nicht hält, den richte ich nicht; denn ich bin nicht gekommen, die Welt zu richten, sondern die Welt selig zu machen.

Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat einen, welcher ihn richtet. Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am jüngsten Tage.“ (XII, 47-48).

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Wenn jemand nicht in mir bleibt, der wird wie eine Rebe hinausgeworfen, und verdorrt; man sammelt sie ein, wirft sie ins Feuer, und sie brennt.“ (XV, 5-6).

„Wenn ich nicht gekommen wäre, und zu ihnen nicht geredet hätte, so hätten sie keine Sünde; nun aber haben sie keine Entschuldigung für ihre Sünde.

Wer mich hasst, der hasst auch meinen Vater.

Wenn ich nicht die Werke unter ihnen getan hätte, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; nun aber haben sie auch gesehen, und hassen doch mich und meinen Vater.

Aber es musste das Wort erfüllt werden, das in ihrem Ge­setze geschrieben steht; Sie hassen mich ohne Ursache. (XV, 22-25).

„Da er dies gesagt hatte, hauchte er sie an, und sprach zu ihnen: Empfanget den Heiligen Geist!

Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen; und welchen ihr sie behalten werdet, denen sind sie behalten.“ (XX, 22-23).

 

So spricht Jesus Christus. Die Definitionen der Kirche fußen vernunftgemäß auf der Offenbarung. Es ist weise und not­wendig, von der Hölle zu sprechen. Wir sollen nicht vergessen, daß das christliche Leben die göttliche Liebe veranschaulicht, d.h. das göttliche Leben, dem Menschen beigebracht, ist. Ein Kirchenvater hat gesagt: „Das Wort ist Fleisch geworden, damit du wie Gott werdest.“ Das heißt, daß Gott Mensch geworden ist, damit der Mensch Gott ähnlich werde.

Es verdient die Hölle, sich dieser sehr hohen Würde und Gotteskindschaft nicht bewusst zu sein. Die Liebe verlangt Freiheit. Die Freiheit verlangt die Hölle.

Dies gilt für die Menschen der Vergangenheit, der Zukunft sowie für diejenigen der Gegenwart. Die Worte Christi sind von Ewigkeitswert, also von sehr aktuellem Wert.

Das ist zweifellos das einzige transzendente Zeitgeschehen!

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(Fortsetzung folgt)