Zum Jahrestag der Hinrichtung Alfred Delps SJ

1024px-amt_fuer_lastenausgleich_c7_1-4-740x493

Alfred Delp SJ, Gedenktafel, Amt Für Lastenausgleich, Wöchnerinnenheim, Mannheim / Wikimedia Commons – Graf Foto, CC BY-SA 3.0

Wo Konflikt ist, muss gefochten werden,
ohne Kompromiss und Feigheit – Haben wir dazu noch den Mut?

Im Januar 1945 begann vor dem Volksgerichtshof unter Roland Freisler der Prozess wegen Hochverrats. Am 11. Januar wurde der Beschuldigte, Alfred Delp, zum Tode verurteilt. Am 2. Februar 1945, vor 72 Jahren, wurde der Jesuit im Gefängnis in Berlin-Plötzensee erhängt. Seine Asche wurde auf Feldern um Berlin verstreut. Es war verboten, eine Todesanzeige zu veröffentlichen.

Prägung im Bund Neudeutschland

Was war geschehen? Am 15. September 1907 war Alfred Friedrich Delp in Mannheim geboren worden. Katholisch getauft, dann protestantisch erzogen, prägt ihn der Bund Neudeutschland. Der Bund hatte nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs den Auftrag, junge Menschen im neuen demokratischen Staatswesen zu Verantwortlichkeit zu erziehen. Die Jesuiten nahmen sich des Bundes an. Gleich nach dem Abitur 1926 tritt Alfred Delp in den Jesuitenorden ein, wo seine intellektuelle Begabung geschätzt wurde. Er studierte Theologie und Philosophie und promovierte mit einer Arbeit über Martin Heidegger. Als Erzieher und Lehrer wirkte er sodann am Kolleg St. Blasien der Jesuiten im Schwarzwald.

Fechten im Konflikt: ohne Feigheit!

1937 wurde er zum Priester geweiht, wirkte als Arbeiterseelsorger und als Publizist bei der von den Jesuiten herausgegebenen Monatszeitschrift „Stimmen der Zeit“, die 1939 verboten wurde. Dann war er als Seelsorger tätig. Nach dem Verbot der Zeitschrift sowie der Enteignung des Redaktionsgebäudes durch die Nationalsozialisten zog er sich nach München-Bogenhausen zurück. Er wirkte als Kirchenrektor an der Kirche St. Georg in der Pfarrei Heilig Blut sowie als Beauftragter der Fuldaer Bischofskonferenz für überdiözesane Männerseelsorge. Früh hatte sich Alfred Delp mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Seine in der Folge kritischen Predigten wurden geschätzt. Die Unvereinbarkeit von Christentum und Nationalsozialismus hatte er rasch erkannt: „Wo Konflikt ist, muss gefochten werden, ohne Kompromiss und Feigheit.“

Ungewissheit der bevorstehenden Todesstunde

1941 begegnete er in Berlin Helmuth James Graf von Moltke, der ihn für seinen „Kreisauer Kreis“ gewann, wo er als Experte für Gesellschaft und Wirtschaft des von diesem Kreis geplanten deutschen Staates nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur fungierte. Er erarbeitete die Grundlinien einer katholischen Soziallehre für die Neuordnung der Gruppe, verfasste Denkschriften zur Arbeiterfrage sowie zum Bauerntum und stellte Kontakte zu Münchener Widerstandskreisen her. Nach Stauffenbergs Attentat vom 20. Juli 1944 wurden die Mitglieder des Kreises verhaftet. Im Gegensatz zu anderen Kreisauern war Delp aber nicht an den eigentlichen Umsturzplänen, die dem Attentat vorausgingen, beteiligt. Er wurde am 28. Juli festgenommen und nach Berlin in die Strafanstalt Tegel gebracht. Dort wurde er schwer misshandelt und gefoltert. Mit der Ungewissheit seiner bevorstehenden Todesstunde leben zu müssen, nahm er geistlich gefasst auf. Nach seinem Tode wurden die gesammelten Aufzeichnungen und Briefe aus dem Gefängnis unter dem Titel „Im Angesicht des Todes“ veröffentlicht.

Blick auf P. Delp: Und was ist mit uns?

Alfred Delps mutiges Sterben (es war ihm zuvor angeboten worden, aus dem Orden der Jesuiten auszusteigen!) lässt die nicht immer angenehm zu beantwortende Frage aufkommen: Haben wir heute noch die Kraft, kompromisslos zu fechten, auch wenn es um ein Thema geht, das nicht nur nicht in der Strömung der Zeit liegt, sondern bei dem uns der Wind ins Gesicht bläst? Und, was auch aus dem Blick auf Alfred Delp hervorgeht: Haben wir das kommunikative und argumentative Rüstzeug dazu?

(Quelle: Webseite des Bistums Regensburg, 01.02.2017)

_______

Quelle

Papst: Das Martyrium ist die Geschichte der Kirche

afp6104655_articolo

Der Papst beim Angelus

Am Zweiten Feiertag, dem Stephanstag, gedenkt die Kirche ihres ersten Märtyrers und aller, die ihm gefolgt sind. So auch Papst Franziskus während seinem Angelusgebet auf dem Petersplatz. Der heilige Stephanus wurde um die 40 nach Christus wegen seines Glaubens umgebracht. Sein Opfer lade dazu ein, das Zeugnis, das er durch sein Opfer gegeben habe, zu bewahren, formulierte der Papst. „Es ist das große Zeugnis eines christlichen Märtyrers, der gelitten hat für die Liebe Jesu Christi, das Martyrium, das in der Geschichte der Kirche von Stephanus bis heute fortdauert.“

Von diesem Zeugnis spreche auch das Tagesevangelium (Mt 10, 17-22), in dem Jesus seine Jünger auf Ablehnung und Verfolgung um seinetwillen vorbereitet. Der Papst erklärte, warum Christen so „verhasst“ sind: „Die Welt hasst die Christen aus dem gleichen Grund, aus dem sie Jesus gehasst hat, weil er das Licht Gottes gebracht hat, und die Welt bevorzugt die Dunkelheit, um die schlechten Werke zu verbergen. Deshalb gibt es da einen Widerspruch zwischen der Mentalität des Evangeliums und der weltlichen. Jesus nachfolgen bedeutet, seinem Licht nachzufolgen, das die Nacht von Betlehem erleuchtet hat, und die Dunkelheit der Welt abzustreifen.“

Doch Jesus lädt jeden Menschen auf der Welt ein, das Licht und das Leben zu wählen, erklärt Franziskus. Genau das sei die tiefe Bedeutung seiner Ankunft als Kind in der Krippe. So wie Stephanus Christus, das Leben und das Licht gewählt habe. Er wurde zwar das Opfer des Bösen, doch am Ende habe Christus gesiegt, erklärte Franziskus. „Auch heute erlebt die Kirche an verschiedenen Orten Verfolgung, weil sie das Zeugnis von Licht und Wahrheit abgibt, bis hin zur höchsten Prüfung des Martyriums. Wieviele unserer Schwestern und Brüder im Glauben leiden unter Missbrauch, Gewalt und werden gehasst wegen Jesus! Ich sage ihnen eines: Die heutigen Märtyrer sind zahlreicher als die frühen der ersten Jahrhunderte! Wenn wir die Geschichte der ersten Jahrhunderte hier in Rom anschauen, lesen wir von viel Grausamkeit gegenüber den Christen. Ich sage aber, die gleiche Grausamkeit und gegenüber einer noch viel größerer Zahl gibt es auch heute gegenüber Christen. Heute wollen wir an sie denken und ihnen mit unserer Zuneigung, unserem Gebet und unseren Tränen nahe sein. Gestern, am Weihnachtstag, haben die verfolgten Christen im Irak in ihrer zerstörten Kathedrale Weihnachten gefeiert. Das ist ein Beispiel für die Treue zum Evangelium!“ Die irakischen Christen trotzten mit ihrem Weihnachten allen Gefahren; das zeuge von dem Mut, Christus zu folgen und dem Evangelium treu zu sein, würdigte Franziskus die verfolgten Christen von heute.

Nach seinem Angelus-Gebet bedankte sich der Papst für die Weihnachtswünsche, die er aus aller Welt erhalten habe. Da er nicht allen einzeln antworten könne, wolle er auf diesem Weg Danke sagen.

(rv 26.12.2016 pdy)

Acht heilige Helden, die bereit waren, für die Ehe zu sterben

marriage-martyrs
Diese Männer starben für die Wahrheit, die uns Jesus auch heute lehrt: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (Mt 19,4-6)

Nicht erst die heutige Kultur versucht, von der Wahrheit der Ehe abzuweichen. Die Natürlichkeit der Ehe ist bereits seit Jahrtausenden ein Streitpunkt.

Einige der größten und meistverehrten Heiligen der Kirche haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um das christliche Ehe-Verständnis zu verteidigen. Auch heute stellt sich Katholiken die Frage: Wären wir bereit, das gleiche zu tun? Hier ihre inspirierenden Geschichten:

 

Heiliger Johannes der Täufer

download

John the Baptist, by Juan de Juanes (es), c. 1560

Gemäß den Evangelien hatte König Herodes sich von seiner Frau scheiden lassen und die Frau seines Bruders geheiratet. Der heilige Johannes der Täufer wusste, dass dies nicht recht war und dass Herodes das öffentlich tat, machte die Sache noch schlimmer. So trat er ihm anklagend gegenüber. Er hob nicht die positiven Seiten dieser ehebrecherischen Beziehung hervor oder versuchte, sich Freunde zu machen, sondern sagte im Gegenteil ganz klar: „Du hattest nicht das Recht, sie zur Frau zu nehmen“ (Mt 14,4).

Doch statt sich zu bekehren, ließ Herodes Johannes verhaften und einkerkern. Die Schrift sagt von Herodes er „wollte ihn deswegen töten lassen, fürchtete sich aber vor dem Volk; denn man hielt Johannes für einen Propheten“ (Mt 14,5). Als aber seine Stieftochter bei einem Fest den Kopf des Johannes auf einer Schale forderte, stimmte Herodes zu und ließ Johannes enthaupten.

Über die Heiligkeit Johannes des Täufers sagte Jesus selbst: „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer“ (Mt 11,11).

Heiliger John Fisher und heiliger Thomas Morus

Heinrich VIII., König von England im XVI. Jahrhundert, wollte unbedingt einen Sohn. Nachdem er viele Jahre versucht hatte, mit Katharina von Aragon einen Sohn zu zeugen, wollte er sich von ihr scheiden lassen. Die Scheidung aber wurde ihm nicht erlaubt und so versuchte er, die Ehe vom Papst annullieren zu lassen. Der Papst untersuchte den Fall und entschied, dass die Annullierung ihn diesem Fall nicht legitim sein.

john-fisher5

Der hl. John Fisher – Bischof und Märtyrer

Der heilige John Fisher, ein englischer Bischof (der kurz vor seiner Hinrichtung zum Kardinal ernannt wurde), verteidigte Katharina energisch. Er trat bei Gericht in ihrem Namen auf und erklärte, dass er, wie der heilige Johannes der Täufer, bereit sei zu sterben, um die Unauflöslichkeit der Ehe zu verteidigen.

Als König Heinrich immer mehr Macht bekam, legte der heilige Thomas Morus, einer der vertrautesten Staatsmänner Heinrichs, sein Amt als Kanzler nieder. Als der König Anne Boleyn heiratete, war er nicht zugegen.

thomas_more

Thomas Morus – Gemälde von Hans Holbein dem Jüngeren, 1527

Der König verpflichtete das Volk zu einem Eid, mit dem es König Heinrich, und nicht den Papst, als Oberhaupt der Kirche in England anerkannte. Diejenigen, die Freundschaft des Königs und ihr Amt in der Regierung oder der Kirche behalten wollten, unterstützten ihn. Der König ließ auch Thomas Morus rufen und forderte ihn auf, den Eid zu leisten und öffentlich die Annullierung der Ehe mit Katharina anzuerkennen. Er verweigerte sich beidem. Der heilige John Fisher weigerte sich ebenfalls, den Eid zu leisten, und wurde im Tower von London eingesperrt.

Beide wurden verurteilt, des Verrates für schuldig befunden und öffentlich enthauptet. Eines ihrer letzten Worte war: „Ich bin ein guter Diener des Königs, aber zuerst ein Diener Gottes.“

Heiliger Papst Nikolaus der Große

134Sicher haben Sie schon vom heiligen Papst Leo dem Großen oder vom heiligen Papst Gregor dem Großen gehört. Aber vom heiligen Papst Nikolaus dem Großen?

Er lebte im neunten Jahrhundert. Der fränkische König Lothar II. wollte sich von seiner Frau scheiden lassen und eine andere heiraten. Er bestach einen päpstlichen Legaten und erreichte, dass ein Konzil lokaler Bischöfe einberufen wurde, um seine Ehe zu annullieren. Als Papst Nikolaus dies erfuhr, beauftragte er ein neues Urteil von Rom, bei dem zwei Erzbischöfe zugegen waren, die die fragliche Annullierung erlaubt hatten. Der Papst befand, dass die Annullierung nicht rechtmäßig gewesen sei und setzte die zwei Erzbischöfe ab.

König Lothar II. sandte wutentbrannt sein Heer nach Rom, nahm die Stadt ein und forderte, dass der Papst die Annullierung anerkenne. Papst Nikolaus wurde zwei Tage ohne Nahrung im Petersdom eingesperrt, aber er weigerte sich, nachzugeben.

Letztendlich überzeugte die römisch-deutsche Kaiserin Engelberga Lothar II., die Stadt zu verlassen. Papst Nikolaus gewährte die besagte Annullierung nie und versuchte sein ganzes Leben lang, König Lothar und seine wahre Ehefrau zu versöhnen.

Die fünf Märtyrer Georgiens

download-1Die Namen der „Märtyrer Georgiens“ sind noch nicht im Kanon aufgenommen, aber ihr Heiligsprechungsprozess ist im Gange. Ihre Geschichte ist unglaublich.

Pedro de Corpa, Blas de Rodríguez, Antonio de Badajóz, Miguel de Añon und Francisco de Veráscola waren Franziskaner und kamen Ende des XVI. Jahrhunderts nach Nordamerika, um den amerikanischen Eingeborenen in der Region, die heute in den Vereinigten Staaten als Bundesstaat Georgia bekannt ist, das Evangelium zu bringen.

Obwohl es an Versorgung mangelte und das Leben schwer war, konnten sie doch einige zum Glauben bekehren. Die christliche Lehre zur Ehe war jedoch für einige Bekehrte schwierig. Wenn also ein Mann, der mehr als eine Frau hatte, sich bekehren wollte, so forderten die Missionare, dass er verspreche, nur eine Ehefrau zu haben.

Ein Mann legte das Versprechen ab, wurde getauft, lebte aber danach mit zwei Frauen weiter. Bruder Pedro de Corpa trat ihm, zusammen mit Pater Blas, entgegen. Statt zu bereuen und das bei der Taufe abgelegte Versprechen zu halten, wurde der Mann wütend und kam mit einer Gruppe von Kämpfern zurück. Die Männer töteten Pater Pedro und hackten ihn mit einem Schwert in Stücke, dann  nahmen sie Pater Blas gefangen.

Bevor sie Pater Blas töteten, erlaubten sie ihm, noch ein letztes Mal die Heilige Messe zu lesen. In seiner Predigt sagte er:

„Meine Kinder, für mich ist es nicht schwer, zu sterben. Auch wenn ihr mich nicht umbringt, so ist doch der Tod dieses Leibes unvermeidbar. Wir müssen jeden Moment darauf vorbereitet sein, zu sterben – wir alle. Aber was mich wirklich schmerzt ist, dass der Böse euch überzeugt hat, euren Gott und Schöpfer zu beleidigen. Es ist eine Quelle tiefen Schmerzes für mich, dass ihr außer Acht lasst, was wir Missionare für euch getan haben, als wir euch den Weg zum ewigen Leben und zum Glück aufgezeigt haben.

Nach der Heiligen Messe wurde auch er mit Schwerthieben getötet und zerstückelt. In den darauffolgenden Tagen brachten sie weitere drei Missionare um.

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von ChurchPOP español.

_______

Quelle

“Böses durch das Gute überwinden”. Zum Lebensweg von Jerzy Popieluszko

blessed-fr-jerzy-popieluszko

(Predigt von Niewiadomski Jozef zur Seligsprechung des polnischen Märtyrers, gehalten am 6. Juni [2010] um 11 Uhr in der Jesuitenkirche, Innsbruck)

Der Ring der Verfolger wird immer enger. Landesweit bringen die gleichgeschalteten Medien – Fernsehen, Radio und Presse – die verleumderische Darstellung der Lebensweise des Priesters: Ohne das Wissen kirchlicher Obrigkeit besitze er eine Zweitwohnung in der Stadt, er führe also ein Doppelleben. Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei belastendes Material: nicht nur Flugblätter und antistaatliche Informationsbroschüren, sondern auch Sprengstoff, Tränengas und Waffen. Das vor Ort anwesende staatliche Fernsehen hat diese Demaskierung “des Heuchlers”  gefilmt! Durch diese – im großen Stil inszenierte – Provokation sollte der Priester in den Augen der Bevölkerung kompromittiert werden. Immer und immer wieder wiederholten die Medien die Skandalmeldung über den zwielichtigen Bürger Popieluszko. Umgeben von engen Freunden, die sich in seiner Wohnung versammelt haben, ringt der Priester um Fassung, er scheint in bodenlose Verzweiflung zu fallen. Die bisher stattgefundenen  Verhöre – insgesamt 16 an der Zahl – gar in der Nacht, die er im Gefängnis in einer Zelle mit Mördern verbringt, hatten ihn eher stark gemacht und auf seinem Weg bestätigt. Doch nun? Einer der Freunde – im Nachhinein als eingeschleuster Agent der Geheimpolizei geoutet – bricht das Schweigen. Es sei höchste Zeit, mit der harmlosen Tour aufzuhören. Nicht das verharmlosende Evangelium sei nun gefragt, nicht der Gewaltverzicht und auch nicht die Botschaft der Überwindung des Bösen durch das Gute. Klare Worte seien vonnöten. Jerzy solle doch die schändliche Provokation entlarven und in seiner Predigt direkt die Spitze des Unrechtsstaates angreifen. Zum Kampf solle er aufrufen gegen General Jaruzelski, gegen General Kiszczak, gegen den obersten Propagandachef Urban. Der Priester, der den Tränen nahe ist, fragt die Freunde, ob sie alle so denken würden. “Im Grunde ja”, meinen die anderen. Die Verzweiflung steht dem Priester förmlich ins Gesicht geschrieben. “Großer Gott .., wenn selbst ihr – ihr meine engsten Freunde – es nicht begreift: Ich kämpfe doch gegen das Böse, nicht gegen die Opfer des Bösen!”

Der um denkbar größte Authentizität bemühte polnische Film “Popieluszko. Wolnosc jest w nas – Die Freiheit ist in uns selber”, der rechtzeitig zur Seligsprechung fertig wurde, verdichtet in dieser Szene das Dilemma, die begnadete Einmaligkeit und auch die unendlich große Einsamkeit des Heiligen: eine Einsamkeit, die er durchleiden muss. Und dies nicht nur dann, wenn er ganz auf sich allein gestellt im Badezimmer eingeschlossen weinend zusammenbricht, weil eine seiner engsten Mitarbeiterinnen die Drohbriefe laut vorgelesen hat und unter der Last dieser Drohungen schluchzend herausschreit: “Ich hasse sie, diese Schweine, ich hasse sie, ich werde niemals aufhören, sie zu hassen!” Er versucht, sie zur Besinnung zu bringen, merkt aber, dass er scheitert. Und auch nicht nur dann, wenn einer seiner Freunde, einer der Stahlwerkarbeiter aus der ersten Stunde der Solidarnosc-Streiks ihn aufsucht und ihm wortlos einen Zettel zusteckt, auf dem geschrieben steht, dass er gerade die Vereinbarung zur Zusammenarbeit mit der Geheimpolizei unterschrieben hat, weil man ihn gebrochen hat, er also wie einst Judas den Freund verraten hat. Da kann sich der Priester nur noch im Badezimmer einschließen und bitterlich weinen. Weinen, weil er sich letztlich so allein und damit auch ohnmächtig angesichts der Allgegenwart des Hasses, der Lüge und der Gewalt erlebt. Beim inszenierten Prozess vor zwei Jahren, bei dem die zynische Staatsanwältin die Streikführer des Stahlwerkes “Huta Warszawa” anklagte, indem sie die Wahrheit auf satanische Art und Weise verdrehte, konnte der Priester sich noch distanzieren. Ostentativ verließ er den Gerichtsaal, setzte sich im Gang hin und versuchte zu beten. “Ich fliehe vor dem Gefühl des Hasses, das in mir hochkommt”, sagte er zu einer seiner Mitgefährtinnen.

In der Nacht des Todes – knapp drei Jahre später – wird ihm diese Art der Flucht nicht gegönnt. Auf der Fahrt zwischen Bromberg und Warschau wird er am 19. Oktober 1984 gekidnappt und von den sadistischen Agenten des Geheimdienstes gefesselt und geknebelt. Er vermag sich zwar aus dem Gepäcksraum des Entführungsautos zu befreien und nutzt gar einen kurzen Zwischenstopp, um zu fliehen – er rennt also um sein Leben und flieht auch, so wie er sein Leben lang vor der Übermacht des Hasses geflohen ist. Doch fangen ihn die Schergen ein, malträtieren ihn auf brutalste Art und Weise, mit in einen mit Steinen gefüllten Sack gesteckten Füßen wird der Schwerstverletzte in die Weichsel geworfen. In seiner Todesstunde ist er umringt von sadistischen Funktionären der Geheimpolizei – im Augenblick des Todes ist er jedoch allein! Allein auch mit dem in ihm aufkommenden Hass? Hass auf jene, die das Leben unzähliger Menschen auf dem Gewissen hatten? Hass auf jene, die nun sein Leben im 37ten Lebensjahr brutalst beendeten? Das wissen wir nicht. Die letzten Worte, die er in der Öffentlichkeit beim Abschied in Bromberg gesprochen hat, lauteten: “Beten wir, dass wir frei werden von der Angst, vor allem aber frei vom Wunsch nach Rache und Vergeltung.” – Er meinte also, frei von Hass. In den letzten Wochen seines Lebens, als die Verfolgung immer brutaler wurde und ihm auch längst klar war, dass er jederzeit mit dem Tod rechnen musste, verabschiedete er sich öfters – vor allem von den Ordensschwestern – mit der Bitte: “Beten Sie, dass ich in der Stunde des Todes nicht allein bin!” War nun das in den Fluten der Weichsel ertrinkende Opfer in seiner Sterbestunde allein, oder wurde er aufgefangen von jenem, der in seinem eigenen Tod scheinbar auch in die Bodenlosigkeit der Gottverlassenheit stürzte, der aber noch beten konnte: “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!” – Sind sie doch selber nicht das Böse, sondern nur die Opfer des Bösen?

Liebe Schwestern und Brüder, mit der gerade stattfindenden Seligsprechung von Jerzy Popieluszko bekennt die Kirche, dass diesem Menschen die Gnade geschenkt wurde – die Gnade, die ihm dazu verhalf, durch alle Schwierigkeiten hindurch, durch alle Stunden des Zweifels, ja durch Verzweiflung und Angst hindurch – letztendlich frei von Hass zu sterben, frei vom Wunsch nach Vergeltung und Rache, dass er also in aller Einsamkeit, die er durchleiden musste, in der Einsamkeit jenes Menschen, der sich in einer durch Lüge und Gewalt vergifteten Umwelt um Wahrheit bemüht, der in einem durch Angst, Verleumdung und Einschüchterung entstellten Alltag die Nächsten- und Feindesliebe lebt, dass ihm also die Gnade geschenkt wurde, am Geheimnis Jesu Christi als Märtyrer Anteil zu haben. Nicht nur durch den gewaltsamen Tod, den er starb, sondern und vor allem durch die Gesinnung, in der er starb. Er starb, um das Böse zu überwinden: das Böse, das die Menschen seiner Zeit und seiner Umgebung knechtete, dieses Böse durch die Kraft des Guten zu überwinden: durch die konsequent gelebte Liebe und die konsequent bezeugte Versöhnungsbereitschaft, durch eine Versöhnung, die in der Wahrheit gründet.

Wer ist nun Jerzy Popieluszko? Wie sah sein Lebensweg aus, der Lebensweg dieses jüngsten Märtyrers der Katholischen Kirche, der sein Martyrium vor 25 Jahren mitten in Europa erlitt? Dieser unser Zeitgenosse  – ich könnte fast sagen ein Kollege, ist er doch bloß vier Jahre älter als ich – wurde in jenem Jahr zum Priester geweiht, in dem ich als blutjunger Student nach Innsbruck kam. Wer weiß, vielleicht bin ich ihm in den Straßen von Warschau begegnet, oder aber bei der Wallfahrt nach Tschenstochau? Als Sohn eines Kleinbauern 1947 in Ostpolen geboren, erlebte er den stalinistischen Terror noch bewusst. Er bekam mit, dass Menschen verschwanden, dass der 21 jährige Onkel Alfons von den kommunistischen Schergen erschossen wurde, dass die Atmosphäre der Angst und des Hasses den Alltag prägte. Von den tiefgläubigen Eltern lernte er das Vertrauen zu Gott. Als Kind drückte ihm die Mutter den Rosenkranz in die Hand mit der Bemerkung: “Dieser Rosenkranz wird dich schützen, er wird dir Vertrauen schenken. Du sollst ihn immer bei dir haben und immer wieder beten, in Gefahr beten”. Als Kaplan der Solidarnosc verschenkte ksiadz Jerzy (der Priester Jerzy, wie er dann landesweit genannt wurde) Hunderte von Rosenkränzen. Er drückte sie den verhafteten Aktivisten in die Hände mit den Worten: “Habt keine Angst! Der größte Feind des Menschen ist nicht die Polizei, es ist auch nicht der Geheimdienst. Der größte Feind des Menschen ist die Angst”. Seinen eigenen Rosenkranz hatte er schon in den 60er-Jahren verteidigt, als er vom Priesterseminar weg zum Militärdienst eingezogen den Befehl verweigerte, den Rosenkranz von seinen Fingern abzustreifen. Daraufhin musste er stundenlang bis zum Umfallen in voller Ausrüstung in der eisigen Kälte stehen. Da fiel er zum ersten Mal auf. Denn ansonsten war er unauffällig, ein mittelbegabter Student, der gerade sein Studium schaffte, der als Kaplan eher durch seine Schwächen auffiel, weil er nicht gut singen konnte und auch gesundheitlich angeschlagen war. Immer wieder versetzt, landete er nach acht Jahren Kaplanszeit als Resident in der Pfarre St. Stanislaus in Warschau. Eigentlich abgeschoben, durfte er sich gerade noch um die Seelsorge der Krankenschwestern kümmern. Bis zum August des Jahres 1980, an dem sich das Wunder ereignete. Am 31. August 1980, an einem Sonntag, fand jener Zufall statt, der diesen schüchternen, ängstlichen und unauffälligen Mann in eine Ikone des Mutes, des kompromisslosen Einstehens für die Wahrheit und des unermüdlichen Einsatzes für Benachteiligte verwandelte. Eine Delegation der streikenden Arbeiter bat im bischöflichen Ordinariat in Warschau um eine Messe am Streikgelände. Da das Stahlwerk im Gebiet der Pfarrei St. Stanislaus lag, wurde die Bitte an die Pfarre weitergeleitet. Und da alle Priester der Pfarre an diesem Sonntag beschäftigt waren, fuhr der Resident zum Gelände. Er feierte am Gelände der “Huta Warszawa” Eucharistie: zum ersten Mal in der Geschichte des kommunistischen Polens.  Die Streiks, die zur Herausbildung der Solidarnosc-Bewegung führten, näherten sich dem Höhepunkt. Popieluszko war von den Werkarbeitern fasziniert, von ihrer einfachen und geradlinigen Frömmigkeit. Es entstand so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. In kürzester Zeit war er zum “Herz” dieser streikenden Gruppe, zum Freund, zu jenem modernen Seelsorger, der an der Seite ganz konkreter Menschen steht.  An der Seite von Menschen, die für ihre Grundrechte kämpfen. Die Arbeiter und der Priester wuchsen aneinander.

Die Ausrufung des Kriegszustandes am 13. Dezember 1981 verwandelte das Land in ein Inferno des Hasses, der Angst und der Einschüchterung. Tausende und Abertausende waren interniert, Unzählige verloren ihre Arbeit. Massenweise verließen Menschen ihr Land, sie flohen. In diesem Zustand der Anormalität wagte es der inzwischen landesweit bekannte Priester, die Normalität zu leben. Er lud in die Kirche ein, machte also zuerst  das, was jeder Priester macht. Er lädt Menschen zu Messen für das Vaterland ein! Tausende und Abertausende kommen. “Da uns die Freiheit des Wortes weggenommen wurde, hören wir auf die Stimme des eigenen Herzens und des eigenen Gewissens – und denken wir an unsere Schwestern und Brüder, die der Freiheit beraubt sind”, predigte er bei der ersten Messe für das Vaterland im Januar 1982. In vier Jahren wurde er zur Nationalikone. Neben Johannes Paul II wurde er für das polnische Volk zum wichtigsten Idol, für den kommunistischen Staatsapparat zum verhasstesten Gegner, einem Gegner, der seit April 1982 bis zu seinem Tod 24 Stunden am Tag beobachtet, kontrolliert und immer wieder schikaniert wurde. Dabei hatte er nichts Außergewöhnliches verkündet, er stand nur dafür ein, wofür das Evangelium steht: das Böse durch die Kraft des Guten zu überwinden und so das Böse, nicht aber die Opfer des Bösen zu bekämpfen. Dem begnadeten Priester gelangen fortan kleine und große Wunder in diesem anormalen Alltag. Wenn er es etwa schaffte, für den totgeschlagenen Maturanten Grzes eine Trauerzug von etwa 50.000 Menschen friedlich quer durch Warschau zu führen und alle Provokation der unzähligen eingeschleusten Agenten im Keim zu ersticken. Oder aber wenn er Hunderttausende von Arbeitern zur Wallfahrt nach Tschenstochau brachte.

Zu einem Wunder wurde auch sein Begräbnis am 3. November 1984 in der Kirche St. Stanislaus. Trotz der Einschüchterung durch die Polizei, trotz Behinderungen und trotz Kontrollen, die Konsequenzen nach sich zogen, kamen über 600.000 Menschen zu seinem Begräbnis und verwandelten den Stadteil Zoliborz in einen Ort, an dem Zeugnis von der Wahrheit abgelegt wurde – mitten in einem Land, in dem der Staatsapparat zwar das Monopol der Wahrheit für sich beanspruchte, die lebendige Wahrheit aber mit Polizeiknüppeln niederschlug. In einem solchen Land leben die Heiligen in einem Dilemma: Weil begnadet, stechen sie hervor, sind auch einmalig, ziehen Unzählige in ihren Bann, bewirken Unmengen an Gutem. Weil ihr Zeugnis radikal ist, erleben sie aber auch radikale Einsamkeit, werden zu Opfern: Sie werden zu Opfern, die in Einsamkeit – scheinbar in Einsamkeit – ihr Geschick erleiden.

“Beten Sie zu ihrem Sohn?”, wurde die neunzigjährige Mutter des Priesters vor etwa zwei Wochen gefragt. “Ich bete zu Gott”, gab die alte Frau den Journalisten zur Antwort, “aber über den Umweg meines Sohnes”, fügte sie hinzu und lächelte die Fragenden an. Heute darf sie der Seligsprechung ihres Sohnes beiwohnen und sich freuen. Sich freuen auch darüber, dass – wie sie selber sagte – sich immer mehr Menschen im ganz normalen Alltag bemühen, das Böse durch die Kraft des Guten zu überwinden. Möge der selige Priester Jerzy Popieluszko uns ein Fürsprecher sein, dass auch wir zu jenen Zeitgenossen gehören, denen diese Gnade geschenkt wird: die Gnade der Überwindung des Bösen durch das Gute.

_______

Quelle


Papst Franziskus gedenkt des polnischen seligen Jerzy Popiełuszko

1024px-tama1-2-740x493

Weichsel-Stausee / Wikimedia Commons – Sebastianm (?), CC BY-SA 2.5 (Cropped)

Am Ende der Generalaudienz grüßte er die polnischen Pilger auf dem Petersplatz

Am Ende der Generalaudienz am Mittwoch auf dem Petersplatz hat Papst Franziskus den polnischen Seligen und Märtyrer des Kommunismus, Jerzy Popiełuszko (1947-1984), an dessen Gedenktag gewürdigt.

Wie der Papst in seinem Grußwort an die polnischen Pilger betonte, habe sich der am 6. Juni 2010 seliggesprochene Märtyrer und Unterstützer der verbotenen Gewerkschaft Solidarność ‪persönlich für die Arbeiter und ihre Familien, sowie für Gerechtigkeit und lebenswürdige Bedingungen, Grundrechte, insbesondere Religionsfreiheit in seinem Vaterland eingesetzt.

Sein Motto aus dem Römerbrief ‪„Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute“ (12,21) sei auch noch heute für alle Familien und für das polnische Volk eine Herausforderung, um eine gerechte Sozialordnung im Alltag auf der Suche nach dem gemeinsamen Wohl im Sinne des Evangeliums aufzubauen, betonte der Papst.

Der am 14. September 1947 in Okopy im Osten Polens geborene Priester wandte sich in seinen Predigten offen gegen das kommunistische Regime und das im Dezember 1981 über Polen verhängte Kriegsrecht.

Am 19. Oktober 1984 wurde er von Agenten des Geheimdienstes „Służba Bezpieczeństwa“ aus seinem Wagen verschleppt, gefoltert, getötet und im Weichsel-Stausee bei Włocławek versenkt.

An seiner Beerdigung am 3. November 1984 nahmen mehr als eine halbe Million Menschen teil, darunter auch der Leiter von Solidarność, Lech Wałęsa. (pdm)

_______

Quelle

„Wir wollen Böses mit Gutem vergelten“

1-Simona-Monti-c-Privat-KIRCHE-IN-NOT-740x493

Simona Monti / Quelle: Privat/KIRCHE IN NOT

Italien: Familie einer getöteten Christin
unterstützt mit Trauerspenden Kirchenbau in Bangladesch

„Wir betrachten den Tod von Simona als Martyrium. Sie wurde aus Hass auf den christlichen Glauben ermordet. Aus diesem Grund wollen wir auch verfolgte Christen unterstützen und so Böses mit Gutem vergelten.“ Dies sagte der italienische Priester Don Luca Monti gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. Anfang Juli war seine Schwester Simona Monti in Bangladesch bei einem islamistischen Attentat getötet worden. Sie arbeitete dort für ein Textilunternehmen. Simona Monti wurde 33 Jahre alt. „Mit ihr starb ihr ungeborenes Kind, das sie unter dem Herzen trug“, erzählt Don Luca.

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hat sich zu dem blutigen Übergriff bekannt, bei dem 22 Menschen gekidnappt, gefoltert und ermordet wurden. Fast alle Opfer waren Christen. Besonders die Frauen wiesen Spuren schwerer Misshandlungen auf. Seit 2012 kommt es in Bangladesch wiederholt zu Mordanschlägen auf Christen. Besonders betroffen sind Konvertiten, ausländische Priester und Ordensleute. Regierung und Religionsvertreter versuchen, gemeinsam gegen den religiösen Extremismus vorzugehen. Doch die Anschläge reißen nicht ab.

„Wir bedauern so sehr, dass wir unser Enkelkind nicht kennengelernt haben“, wurde die Mutter von Simona Monti in einem italienischen Wochenmagazin zitiert. „Der Glaube ist unser Halt und Trost.“ Deshalb hat sich die Familie zu einer großherzigen Tat entschieden: Sie wollen die Spenden, die sie von Angehörigen und Nachbarn als Zeichen der Anteilnahme erhalten haben, an „Kirche in Not“ weitergeben. Es soll den Christen in dem Land zu Gute kommen, in dem ihre Tochter und Schwester ermordet wurde. Das Geld fließt in den Bau einer Kirche in Harintana, einer Kleinstadt im Süden Bangladeschs.

„Wir haben dieses Projekt ausgewählt, weil es eine Botschaft der Hoffnung an die Christen vor Ort und auch für uns aussendet: Im Glauben ausharren, nicht vor der Gewalt zurückweichen und nicht aufgeben“, so Don Luca Monti. Er konnte seine Schwester mittlerweile in ihrem Heimatort nördlich von Rom beisetzen. „Wir hoffen auch, dass unsere Glaubensgeschwister in Bangladesch für Simonas Seelenheil beten werden, für unsere Familie und für alle Opfer religiöser Gewalt.“

Von den 170 Millionen Einwohnern Bangladeschs sind rund 600 000 Christen. „Kirche in Not“ steht dieser bedrängten Minderheit seit Jahren bei. Das Hilfswerk fördert den Bau von Kirchen, Gemeindezentren und die Ausbildung von Katechten und Gemeindehelfern. Um weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter www.spendenhut.de oder auf folgendes Spendenkonto:

Empfänger: Kirche in Not
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Bangladesch

(Quelle: Pressemitteilung KiN)

Maria Restituta Kafka (1894-1943)

Münchendorf_PK_Seitenaltar_109-740x493

Pfarrkirche Münchendorf, Maria Restituta Kafka Rechts / Wikimedia Commons – Hannes 24, CC BY-SA 3.0

Österreichs erste Märtyrerin

„An der seligen Schwester Restituta können wir ablesen, zu welchen Höhen innerer Reife ein Mensch an der Hand Gottes geführt werden kann. Für das Bekenntnis zum Kreuz hat sie ihren Kopf hingehalten. Sie hat es im Herzen bewahrt und vor der Hinrichtung noch einmal leise ausgesprochen, als sie den Gefängnispfarrer um ein ‚Kreuzerl auf die Stirne‘ bat“, so der heilige Johannes Paul II. während der Seligsprechungsfeier am 21. Juni 1998 in Wien.

Helene Kafka wurde am 1. Mai 1894 in Brünn-Hussovitz geboren. Das Mädchen, das in armen Verhältnissen aufwuchs, besuchte die Schule in Wien, wohin die Familie 1896 verzogen war. Nach der Volksschule absolvierte die Selige eine Haushatsschule und war anschließend als Dienstmädchen tätig.

Eine entscheidende Wende nahm ihr Leben 1913, als Helene begann, als Hilfskrankenpflegerin im Städtischen Krankenhaus Wien-Lainz zu arbeiten. Die Begegnung mit den Franziskanerinnen von der christlichen Liebe, die in dem Krankenhaus in der Krankenpflege tätig waren, hinterließ einen tiefen Eindruck auf sie. Die Selige wollte ihrem Beispiel folgen und auch ihr Leben in den Dienst des Herrn stellen. Ihre Eltern widersetzten sich jedoch dieser Idee. Helene aber setzte ihren Entschluß eigenmächtig um und schloß sich am 23. Oktober 1915 den Franziskanerinnen von der christlichen Liebe, nach ihrem Sitz auch Hartmannschwestern genannt, an.

1916 legte sie die Gelübde ab und nahm den Namen Maria Restituta an. Auch als Ordensschwester blieb sie weiterhin im Krankenhausdienst in verschiedenen Hospitälern tätig, bis sie 1919 im Krankenhaus Mödling zur leitenden Operations- und Anästhesieschwester ernannt wurde. 1923 legte die wegen ihres lebhaften Temperaments auch Schwester Resoluta genannte die ewgien Gelübde ab.

Mit dem Anschluß Österreichs an Nazideutschland im April 1938 änderte sich die Situation schlagartig, und gegen die katholischen Einrichtungen im Land wurden harte Maßnahmen ergriffen. Schwester Maria Restituta zeigte von Anfang an eine ablehnende Haltung gegen die Politik der Nazis. Als sie sich Anfang 1940 der Anordnung widersetzte, die chirurgische Abteilung des Krankenhauses nicht mit Kruzifixen auszustetten, kam es zum Eklat. Die Selige hatte die Räume mit Kruzifixen ausgestattet und weigerte sich standhaft, diese wieder zu entfernen.

Zum Verhängnis sollte der Schwester jedoch ein Flugblatt werden, das sie am 8. Dezember 1941 erhielt und das sie abschreiben ließ. Als sie den regimekritischen Inhalt am Folgetag Kolleginnen vorlas, wurde sie von einem Arzt denunziert und am 18. Februar von der Gestapo im Krankenhaus verhaftet. Sie wurde in das Gefängnis des Wiener Landgerichts verbracht. In der Verhandlung am 29. Oktober vor dem Volksgerichtshof wurde sie „wegen landesverräterischer Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode und zum Ehrenrechtsverlust auf Lebenszeit“ verurteilt.

Schwester Maria Restituta nahm das Urteil gelassen und in Demut hin, wie auch ein Brief an ihre Schwester verdeutlicht: „Schau Anny, wie schwer sieht mein Kreuz aus, doch ist dem nicht so, der lb. Gott überschüttet mich mit Trost, Kraft und Mut.“ Die außerordentliche Haltung, die die Selige während ihrer Gefangenschaft an den Tag legte, hinterließ einen tiefen Eindruck bei ihren Mitgefangenen: „Der Einfluß, den Schwester Restituta auf die Mitgefangenen ausgeübt hat, war wegen ihrer Ausstrahlung und Menschlichkeit wirklich groß. Sie lebte uns allen vor, was es heißt, zu glauben, wenn auch viele von uns aufgrund der Unmenschlichkeit des Lebens und der Mitmenschen nicht mehr glauben konnten.“

Schwester Maria Restituta wurde am 30. März 1943 durch das Fallbeil hingerichtet. Ihre Seligsprechung erfolgte am 21. Juni 1998. Als ihr Gedenktag wurde der 29. Oktober festgesetzt.

„Schwester Restituta, die aus Brünn stammt, in Wien zuhause ist, hier auch ihr Leben als Zeugin des Glaubens, als Märtyrerin beendet hat, verbindet das, was Nationalismus, Sprachen- und Völkerhass getrennt hat. Sie tut es durch ihre Person und ihr Glaubenszeugnis, ihr Martyrium“, so Christoph Kardinal Schönborn.

_______

Quelle

„Ein leuchtendes Beispiel für Glaubenstreue und Christusnachfolge“

Bydgoszcz_1939_Polish_priests_and_civilians_at_the_Old_Market

Polnische „Geiseln“ (Zivilisten Und Priester), Bromberg, 9. September 1939 / Wikimedia Commons – N.N., Public Domain

P. Ludwig Mzyk SVD (1905–1940)

„Für seine Novizen, die Seminaristen und für alle Mitbrüder war er ein leuchtendes Beispiel für Glaubenstreue und Christusnachfolge. Ob im Steinbruch von Gusen oder auf dem Felsen von Westernplatte: das Leben und Wirken von P. Mzyk war ein Lieblingsthema in Gesprächen. Er wurde zum geistigen Zeugen für die jungen Mitbrüder, die ihre Gelübde ablegten. Sein Name wurde allen anderen vorangestellt, wenn wir die Litanei der ermordeten Mitbrüder ins Gebet nahmen. Von ihm erhofften wir uns Fürsprache und Beistand in der Zeit der Verfolgung, im schweren Lagerleben in den Karfreitagsstunden unseres Berufes.“

P. Ludwig Mzyk SVD wurde am 22. April 1905 in Königshütte (Chorzow) geboren. Er wuchs in einer kinderreichen und religiösen Familie in einfachen Verhältnissen glücklich auf. Schon im Kindesalter äußerte er den Wunsch, als Erwachsener ein gottgeweihtes Leben führen zu wollen. Zunächst taten seine Eltern seine Pläne als kindliche Träumereien ab. Doch da er beharrlich an dem Wunsch festhielt, meldeten sie ihn 1918 am kleinen Seminar in Neiße an, wo er einige Jahre später, 1926, das Abitur ablegte.

Seine Studien setzte der junge Mann in St. Augustin bei Bonn fort; nach dem Abschluß seines Philosophiestudiums studierte er Theologie in Rom. 1932 empfing er die Priesterweihe. 1935 schloss er sein Studium mit einer Promotion an der Päpstlichen Universität Gregoriana ab.

Im selben Jahr nahm P. Mzyk in Chludowo bei Posen seine erste Anstellung als Novizenmeister an. Er zeichnete sich bei seiner Arbeit durch große Freundlichkeit und Demut aus. 1939 wurde er zum Rektor des Noviziatshauses in Chludowo ernannt.

Die Situation der Steyler Missionare änderte sich mit der Besetzung Polens durch die Nationalsozialisten. Da man die Verhaftung der Novizen befürchtete, planten die Steyler Missionare die Verlegung des Noviziats nach Bruczko, doch war es schon zu spät. Die Ordensbrüder erhielten den Befehl, ihr Haus nicht mehr zu verlassen.

P. Mzyk wurde am 25. Januar 1940 verhaftet. Er hatte mit einer Bemerkung den Zorn eines Gestapomannes auf sich gezogen. P. Mzyk wurde mit anderen Geistlichen auf einem LKW abtransportiert.

Seine Familien und seine Ordensbrüder versuchten, P. Mzyk aus der Haft zu befreien. In der schmutzigen Wäsche fand seine Familie die Nachricht: „Ich lebe immer noch. Helft, wenn ihr könnt.“

Nur wenige Informationen liegen zum Tod von P. Mzyk vor. Ein Augenzeuge berichtete: „Ich traf P. Mzyk in Zelle 60 von ‚Fort VII‘ am 1. Februar 1940. Mit ihm zusammen waren noch 28 Häftlinge, vor allem Studenten. Es herrschte großer Hunger. Urplötzlich erschienen Wächter und schlugen wahl- und grundlos auf die Gefangenen ein. P. Mzyk versuchte durch Umsicht und Sorgfalt bei der angewiesenen Arbeit das Problemfeld möglichst klein zu halten.“

Über das Martyrium des Seligen erzählte ein weiterer Augenzeuge: „Am 20. Februar nachmittags stürzte Unteroffizier Dibus in unsere Zelle. Für uns war er der Vertreter des Kommandanten. Er kam nicht allein. Er hatte seinen Chauffeur mitgebracht. Beide waren sturzbetrunken. Auf Befehl von Dibus beschäftigte sich der Chauffeur hauptsächlich mit P. Mzyk. Jener 20. Februar sollte der letzte Tag für P. Ludwig sein. In der Nacht, so gegen 22.00 Uhr, hörten wir die Ukrainer singen. Das war ein schlechtes Zeichen, denn zu ihnen ging man immer zuerst hin. Die Wächter also besuchten die einzelnen Zellen, schlugen und traten die Häftlinge und schossen durchs Schlüsselloch. Durch Grölen versuchten sie, die Schreie der Gequälten zu übertönen. Plötzlich hörten wir in der Nachbarzelle ein Klirren und Klappern von Geschirr. Es wurde gesungen und geschossen. Dann hörten wir die Aufforderung: ‚So und jetzt zu den Pfaffen.‘ Wir mußten heraustreten, nur der Priester Olejniczak durfte in der Zelle bleiben. Wir hatten nur Socken und Nachtkleidung an. So standen wir im Flur und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Dibus hielt P. Galka, P. Mzyk und mich fest, die anderen konnten wieder in die Zelle zurückgehen. Auf dem Gang durch den langen Korridor bat mich P. Mzyk um die Absolution. Er ahnte sein Ende. Als wir das Ende des Ganges erreicht hatten, blieben wir vor einer Treppe, die nach oben führte, stehen. Nur P. Mzyk begann, in der Annahme, es gehe nun die Treppe hinauf, die Stufen zu betreten. Plötzlich ein ohrenbetäubendes Geschrei. Sie fielen über P. Mzyk her, traten und schlugen ihn, weil er versucht habe zu fliehen. Es entstand ein fürchterliches Durcheinander.

P. Galka und P. Mzyk stöhnten und klagten unter den unkontrollierten Schlägen der Wächter. Beinahe eine halbe Stunde haben sie auf die beiden eingeschlagen. Ich konnte den Hauptkorridor zurückgehen und kam so wieder zu unserer Zelle. Als sie P. Mzyk vorbei führten, mußte ich mich umdrehen, so daß ich nicht sehen konnte, wie er aussah. Der Begleiter lies P. Mzyk am Ende des Korridors stehen und kam zurück, um sich bei einem Wachsoldaten Patronen abzuholen. Damit ging er zu P. Mzyk zurück und erschoß ihn mit einem Genickschuß. Noch ein zweiter Schuß traf den Toten. P. Galka und ich wurden entlassen, und wir durften wieder in unsere Zelle gehen. Nach dieser Exekution hatten wir ein paar Tage Ruhe. Einer der Häftlinge erzählte später, daß er im Zimmer des Kommandanten ein Schriftstück vom Justizministerium gesehen habe, nach dem das Schlagen von Geistlichen verboten sei. Der Häftling hatte im Zimmer des Kommandanten aufzuräumen.“

P. Ludwig Mzyk SVD wurde am 13. Juni 1999 zusammen mit 107 weiteren Märtyrern vom heiligen Johannes-Paul II. in Warschau seliggesprochen.

_______

Quelle