D: Kurienkardinal Cordes gegen Verweltlichung der Caritas

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Kardinal Cordes

Der frühere Kurienkardinal Paul Josef Cordes hat katholische Kirche und Caritas in scharfen Worten aufgerufen, sich gegen Verweltlichung, Gottvergessenheit und Säkularisierung zu stemmen. Es dürfe kein „Gleichschalten mit dem säkularen Humanismus“ geben, sagte der 82-Jährige am Donnerstagabend in der Universität Freiburg. Er war Festredner bei einer Tagung zum 80. Geburtstag des Freiburger Theologen Heinrich Pompey. Cordes, der bis 2010 den päpstlichen Rat Cor Unum leitete, mahnte, die Frage nach Gott müsse Kern aller karitativen Arbeit der Kirche sein. Deshalb brauche es ein „neues Gottbewusstsein“. Gefährlich sei es, wenn sich die Caritas vom „Geist der Welt“ treiben lasse. „Eine religionslose Philanthropie wird dem Menschen nicht gerecht“, so Cordes.

Der Kardinal wandte sich auch gegen ein Aufgreifen fernöstlicher Elemente, etwa bei Kursen in christlichen Klöstern und Häusern. Im Blick auf Yoga, Tai Chi oder Quigong sprach Cordes von „heidnischen Methoden“, die das Christentum zerstören wollten. Diese Einflüsse erhielten viel zu häufig Platz „unter dem Dach der katholischen Kirche“, kritisierte er und forderte „mehr Eindeutigkeit“ anstelle eines „verderblichen Synkretismus“. Derzeit greife eine große Gottvergessenheit um sich, die den Menschen nur auf sich selbst zurückverweise und damit einsam mache. „Christen setzten nicht auf Selbsterlösung, sondern wissen, dass Gott Quelle allen Heiles ist. Diesen Schatz dürfen wir nicht verschleudern“, forderte Cordes.

(kna 25.11.2016 cs)

Papst an Caritas-Dachverband: Seid Träger des Evangeliums

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Papst Franziskus

Die Rolle der Caritas als Träger des Evangeliums und Kämpfer gegen soziale Ausgrenzung stand im Zentrum der Ansprache, die Papst Franziskus an diesem Donnerstag für die Mitglieder des Caritas-Dachverbandes Caritas Internationalis vorbereitet hatte. Gemeinsam mit ihrem Präsidenten, dem philippinischen Kardinal Luis Antonio Tagle, wurden sie vom Papst in der vatikanischen Sala Clementina hinter verschlossenen Türen in Audienz empfangen.Evangelisierung und sozialer Dienst gehen Hand in Hand miteinander und die Kirche ist dazu aufgerufen, gegen soziale Ausgrenzung der Schwächsten der Gesellschaft zu handeln und sich für ihre Integration einzusetzen. An diese auch in seiner Apostolischen Exhortation betonte Dimension des karitativen Dienstes erinnerte Papst Franziskus die Vertreter der Caritas-Familie, die „nicht nur soziale Akteure“, sondern „kirchliche Organismen“ seien, „die die Mission der Kirche teilen“, so Papst Franziskus in der Ansprache, die den Mitgliedern in schriftlicher Form zur Verfügung gestellt worden war.

„Wie es in euren Statuten festgelegt ist, seid ihr dazu aufgerufen, „den Papst und die Bischöfe bei ihrem Dienst der Nächstenliebe zu unterstützen.´ Die heutigen sozialen Notlagen erfordern es, dass man eine, wie der Heilige Johannes Paul II. genannt hatte, ,neue Fantasie der Nächstenliebe´ ins Feld führt: diese konkretisiert sich nicht nur in der Wirksamkeit der geleisteten Hilfen, sondern vor allem in der Fähigkeit, sich dem Nächsten anzunähern und mit einem Verhalten von brüderlicher Teilhabe die Ärmsten zu begleiten.“

Er danke ihnen, so der Papst, im Namen der gesamten Kirche für ihren sozialen Einsatz. Gleichzeitig ermutigte er sie, in dieser Mission fortzufahren: „Macht weiter damit, die Nachricht des Evangeliums der Freude auf die ganze Welt zu tragen, vor allem zu denjenigen, die zurück gelassen werden, aber auch zu denen, die die Macht haben, Dinge zu ändern, denn es ist möglich, sie zu ändern. Die Armut, der Hunger, die Krankheuten, die Unterdrückung sind nicht vom Schicksal vorherbestimmt und dürfen nicht Dauerzustand bleiben. Im Vertrauen auf die Kraft des Evangeliums können wir tatsächlich dazu beitragen, die Dinge zu ändern oder wenigstens zu verbessern.“

Verhalten, das den Menschen erniedrige oder ausbeute, sei abzulehnen, betonte der Papst erneut eine oft von ihm gestellte Forderung. Er sei froh darüber, dass Caritas Internationalis eine Kampagne zum Thema Migration vorbereitet habe: „Ich hoffe, dass diese schöne Initiative die Herzen vieler für die Aufnahme von Flüchtlingen öffnen möge, damit sie sich wirklich in unseren Gemeinschaften wirklich „zu Hause“ fühlen können.“ Sie seien dazu aufgerufen, mit erneuertem Einsatz für Entwicklung und Friedensprozesse in den Ländern einzutreten, aus denen die Menschen auf der Suche nach einer besseren Zukunft flöhen, so der Appell des Papstes an die Caritas-Familie.

„Seid Stifter von Frieden und Versöhnung zwischen den Völkern, den Gemeinschaften und den Gläubigen. Stellt alle eure Energien und euren Einsatz zur Verfügung, um in Einklang mit den anderen Glaubensgemeinschaften zu arbeiten, die, wie ihr, die Würde der Person ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit rücken. Kämpft gegen die Armut und lernt gleichzeitig von den Armen. Lasst euch von ihrem einfachen und aufs Wesentliche konzentrierten Lebensstil, ihren Werten, ihrem Sinn für Solidarität und Teilhabe, von ihrer Fähigkeit, in Schwierigkeiten wieder aufzustehen inspirieren, vor allem aber von ihrer gelebten Erfahrung des leidenden Christus.“

(rv 17.11.2016 cs)