KLEIN PETER — EIN KOMMUNION-APOSTEL

Vorwort

Gibt es wirklich solche Kinder, solche Knaben, die so lieb und fromm sind wie der kleine Peter, der hier geschildert werden soll? Fast könnte man glauben, es sei ein Märchen, das hier erzählt wird. Aber es ist kein Märchen, es ist Wirklichkeit. Peter war der Sohn des Hauptmanns D´Airelle und lebte in St. Malo, im nordwestlichen Frankreich. Im Jahre 1913 ist er gestorben. Kaum acht Jahre alt war er, als ihn Jesus, den er innig liebte, hinaufholte in den Himmel.

So früh an Jahren musste Peter sterben. Aber offenbar war er reif für den Himmel. Die öftere heilige Kommunion hatte das zustande gebracht. Im Alter von sieben Jahren durfte er nämlich schon zur ersten heiligen Kommunion gehen. Seither unterließ er keinen Tag, seine Seele mit dem Engelsbrot zu stärken. Das wandelte den Kleinen ganz um.

Gewiss war er nach außen genau wie Kinder seines Alters. Auch in der Schule unterschied sich Peter anfangs gar nicht von den anderen kleinen Schlingeln. Genau wie sie konnte er nicht ruhig sitzen. Auch machte er seine vielen Fehler beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Ja, man kann von ihm nicht einmal behaupten, dass er besonders gern in die Schule gegangen wäre oder auffällig fleißig gelernt hätte.

Aber das wurde von Tag zu Tag besser. Denn mit jeder heiligen Kommunion, die Peter empfing, wurde er bräver. Der Kleine arbeitete fest und treu an sich, um ja jeden Tag zur heiligen Kommunion gehen zu dürfen. Er bekämpfte seine Bubenfehler, denn er wollte dem Heiland Freude machen. Die Liebe zum Heiland hat aus ihm sogar einen richtigen Apostel gemacht. Er fing an, die anderen Kinder für die öftere heilige Kommunion zu gewinnen. Und was das Schönste war: Peter betete und opferte. Ja, schließlich bot er dem lieben Gott sein Leben an, um seinen ungläubigen Vater zu bekehren und für den Himmel zu erobern.

Wie dem kleinen Peter das alles gelungen ist, soll hier beschrieben werden. Eigentlich erzählt er es selber in einigen herzigen Brieflein, die er einem Missionär geschrieben hat.

Mögen Große und Kleine, vor allem die lieben Erstkommunikanten, vom kleinen Peter viel lernen und ihn treu nachahmen.

 

Wie Peter Briefschreiber wurde

Es war im Monat Februar 1912. Da kam ein Missionär in die Stadt St. Malo, um eine große Volksmission abzuhalten. Um recht viel Gnade auf die Mission herabzuflehen, suchte der Pater sich vorher fromme Beter und Helfer aus. Er ging nämlich zu den Kleinen, zu den Kindern. Die kleinsten von Ihnen bereitete er auf die erste heilige Kommunion vor. Zu ihnen gehörte auch Peter. Er war wirklich noch klein. Denn eben erst hatte er seinen siebenten Geburtstag gefeiert. Aber weil er geweckt und verständigt schien, durfte er schon in diesem Alter den Heiland empfangen. Und wirklich, Peter zeigte großen Eifer und innige Liebe und Sehnsucht nach Jesus im Allerheiligsten Sakrament. Darum ging er bereits am anderen Tag wieder zur heiligen Kommunion. So tat er am dritten und vierten Tage, ja, schließlich fehlte er während der ganzen Mission nie am Tisch des Herrn. Der Kleine wusste, warum er so betete. Er dachte an die Sünder, besonders an seinen Vater. Der glaubte und betete seit 20 Jahren nichts mehr. Zwanzig lange Jahre hatte er nicht mehr gebeichtet und nicht mehr kommuniziert. Das tat dem Kleinen wehe. Denn der Vater war doch sonst so lieb.

Auch als die Mission vorbei war und der Vater sich nicht bekehrt hatte, ließ Peter in seinem Eifer nicht nach. Der Pater Missionär hatte unter den Kindern einen Verein gegründet, um ihren Eifer wachzuhalten. Diesem trat Peter bei. Dadurch wollte er sich verpflichten, möglichst oft, ja jeden Tag zur heiligen Kommunion zu gehen.

In diesem Kommunion-Verein war Peter einer der Eifrigsten. Die anderen Kinder, die in solchen Dingen ein gutes Auge haben, hatten das bald herausgemerkt. Und als sie einen wählen mussten, der Buch führte über die Mitglieder des Vereins und neue Mitglieder werben musste, fanden sie keinen tüchtigeren als ihn. So wurde er Sekretär des Kommunion-Bundes. Als solcher musste er dem Pater, der wieder fortgereist war, Briefe schreiben. Zwischen beiden entstand so ein amtlicher Briefwechsel. Ei, das waren herzige Briefe, die der kleine Mann da schrieb. Anfangs steckte freilich noch mancher Fehler darin. Aber die wurden immer seltener. Und immer schöner wurden diese Brieflein, weil auch Peter in seiner Seele immer schöner wurde. Diese Briefe mögen hier nun folgen. Sie sind mit geringen Änderungen ins Deutsche übersetzt worden und werden sicher viel Freude machen.

 

Peter erzählt vom großen Eifer der kleinen Apostel

April 1912.

Lieber Pater!

Ich bin es, der kleine Peter, der Ihnen hier schreibt. Ich möchte Ihnen sagen, dass ich seit der Mission jeden Tag an Sie gedacht habe. Als Sie abgereist waren, erzählten die großen Kinder am anderen Tag, dass sie mit Ihnen auf den Bahnhof gehen durften. Ich wäre auch gern mitgegangen, aber ich bin erst sieben Jahre alt. Darum hat Mama mir nichts davon gesagt, sondern mich um acht Uhr ins Bett gebracht.

Montag sind die Ferien zu Ende gegangen. Jetzt haben wir wieder wacker Schule. Der Herr Lehrer hat gesagt, dass er mit mir zufrieden sei. Ich sei fleißig. Aber nicht wahr, ich muss doch jeden Tag fleißig sein, damit ich jeden Tag kommunizieren darf! Aber ich bringe noch nicht alle Aufgaben ohne Fehler fertig. Ich mache noch Böcke beim Rechtschreiben. Aber ich will mich in Acht nehmen, dass Sie mit jedem Brieflein sehen, dass ich Fortschritte mache und ein gutes Mitglied unseres Kommunion-Bundes bin.

Nicht wahr, Herr Pater, der liebe Gott wird mich segnen, wenn ich ihn recht liebe! Und ich liebe doch Jesus aus ganzem Herzen. Ich sage es ihm jeden Tag. Seit Sie weg sind, habe ich nur einmal mein Versprechen nicht gehalten, alle Tage zur heiligen Kommunion zu gehen. Aber verzeihen Sie, lieber Pater! Ich konnte nichts dafür, frühzeitig ging ich an jenem Morgen in die Kirche. Aber es war keine Messe. Man bereitete ein Begräbnis vor. Niemand kümmerte sich um mich, denn ich bin halt noch so klein. Hans, mein größerer Bruder, ist wie ich in der ersten Abteilung des Kommunion-Bundes. Ich bin schuld, dass er jetzt dabei mitmacht. Denn ich habe ihn dazu aufgefordert. Und das freut mich sehr. Sicher ist es dem Jesuskind recht, wenn recht viele Kinder alle Tage kommunizieren.

Zuhause bin ich ein wenig bräver geworden. Aber Papa ist doch noch hie und da böse auf mich. Manchmal stehe ich halt beim Essen auf, ohne zu fragen. Und hie und da zankte ich mich mit Ottilie, meinem kleinen Schwesterchen. Eigentlich sollte man mich mit der Rute schlagen, aber bis jetzt hat man es nicht getan. Und ich hoffe, dass es bald gar nicht mehr nötig sein wird.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Peter.

 

Peter erzählt, wie er seine Fehler bekämpft

April 1912

Lieber Pater!

Es freut mich sehr, Ihnen wieder schreiben zu können. Zuerst möchte ich Ihnen sagen, dass ich immer den lieben Jesus und die liebe Muttergottes von ganzem Herzen gern habe. Aber ich weiß nicht recht, ob sie mich auch so lieben. Denn leider habe ich noch viele Fehler. Mama will, dass ich es Ihnen ehrlich schreibe.

Ich folge nicht immer, wenn man mir sagt, dass ich mein Schwesterchen Ottilie in Ruhe lassen und nicht mit ihm zanken soll. Wir zwei haben uns sogar einmal ein wenig geschlagen. Aber das wird sicher nicht mehr vorkommen. Ich verspreche es Ihnen, lieber Herr Pater.

Mama sagt oft zu mir, ich sei faul wie ein Murmeltier. Wenn ich Sprachlehre lernen sollte, mache ich ein saures Gesicht. Der Fräulein Lehrerin widerspreche ich oft. Und wenn ich Suppe essen soll oder Fisch, den ich gar nicht mag, kann ich recht eigensinnig sein. Das sind meine Fehler. Es sind ihrer viele. Aber ich will mich ernstlich bessern. Wenn das Jesuskind mich jeden Morgen zur Kommunion kommen sieht, soll es an mir Freude haben.

Ich habe das Gebet für das Gebetsapostolat auswendig gelernt. Ich bete es jeden Morgen, gerade wenn ich aufwache. Dann ist der ganze Tag dem göttlichen Herzen Jesu geweiht. Und alles, was ich mache, kommt den Seelen zu gut. Ich schreibe dieses Gebetchen auswendig hin:

Alles, was ich tu und denke,
Jesus, heute ich Dir schenke.
Dafür, Heiland, sei so gut,
Wasch mich rein mit Deinem Blut.
Schließ mich und die Lieben mein
In Dein heilig Herz hinein.

Bei der Messe bete ich den Rosenkranz. Ich bete das erste Gesetzchen für das Gebetsapostolat, das zweite für den Papst, das dritte für Papa, das vierte für Mama, das fünfte für uns drei, nämlich Hans, Ottilie und mich. Nach jedem Gesetzchen bete ich das kleine Gebet, das mir Mama gesagt hat: „Kleines Jesuskind, mache, dass ich groß und verständig werde. Erhalte und segne Papa, Mama, Hans, Ottilie und uns alle.“

Es grüsst sie vielmals

Peter.

Nachschrift. Es kommt mir noch etwas Wichtiges in den Sinn, an dem Sie gewiss Freude haben werden. Es kommen alle Tage neue Kinder, die sich in den Kommunion einschreiben lassen. Ich habe sie alle in meinem Heftchen aufgeschrieben. Davon kommunizieren zehn alle Tage, acht gehen zweimal in der Woche zur heiligen Kommunion und 30 alle Sonntage. Bis jetzt hat noch niemand sein Abzeichen verloren. Ich sammle sie nämlich immer nach der Messe ein. So mache ich es auch mit den Liedern, die wir dabei singen.

Ich grüsse Sie herzlich

Ihr kleiner Sekretär Peter D´Airelle.

 

Peter wird in seiner eigenen Familie Apostel

Lieber Pater!

Großmama ist mit mir gar nicht zufrieden. Es passt ihr nicht, dass ich alle Tage kommuniziere. Sie tut es auch nicht, und meint, sie sei doch älter als ich. Sie hat mir gesagt: „Du bist viel zu wenig artig, als dass du so etwas tun dürftest.“ Ich habe ihr geantwortet, wie sie es uns gelehrt haben: „Liebe Mama! Ich kommuniziere alle Tage. Aber nicht deswegen, weil ich brav bin, sondern weil ich es werden möchte. Und ich verspreche dir auch, dass ich mich fest zusammennehmen werde, um es zu werden.“

Seither lässt mich Mama in Ruh.

Am Morgen stehe ich ganz allein auf. Hans hilft mir nur meine Schuhe anziehen. Dann gehen wir miteinander in die heilige Messe. Ganz sachte schleichen wir die Stiege hinunter. Wir wollen keinen Lärm machen, um Papa nicht zu wecken.

Ich sage immer zu Papa, er solle seine Ostern halten. Aber er will nicht. Und beten tut er auch nicht. Aber ich sage es jeden Tag dem lieben Gott, dass er ihn bekehre. Oft, wenn ich allein bin, muss ich weinen. Ich habe Angst, ich käme ohne Papa in den Himmel. Denn sie haben einmal gesagt, dass jene die ihre Ostern nicht halten, eine große Sünde begehen und ein schlechtes Beispiel geben. Ich habe das Papa gesagt. Aber er hat mir zur Antwort gegeben, ich solle den Mund halten. Beten Sie doch recht fest für ihn.

Es grüßt sie ihr Peter

 

Klein-Peter hört nicht auf, Apostel zu sein

Juni 1912

Hochwürdiger, lieber Herr Pater!

Papa hat gestern beim Essen gesagt, dass Jesus Christus nicht Gott sei. Er sei nur ein Mensch wie wir auch. Da habe ich geweint und gesagt: „Nein, nein! Er ist Gott, der Pater hat´s gesagt.“ Hans sagte das gleiche wie ich. Dann ist Ottilie von ihrem Stuhl aufgesprungen und hat mit den kleinen Händchen in der Luft herum gefuchtelt und dazu gerufen: „Er ist Gott, er ist Gott! Der Pater hat’s gesagt.“

Hochwürden, beten sie doch recht viel für Papa! Und schreiben Sie mir einige Bücher auf, dass er sie lesen und wieder glauben kann.

Sie haben uns oft gesagt, dass wir nicht nur vom Heiland predigen, sondern auch beten und Opfer bringen sollen. Deswegen bete ich jeden Abend den Rosenkranz vor meinem Bett. Nach jedem Gesetzchen sage ich: „Liebes Jesuskind, bekehre meinen lieben Papa!“ Wenn man mir Süßigkeiten und Obst gibt, so gebe ich die Hälfte den Armen und bitte sie, dass sie mit mir beten.

Ihr kleiner Peter grüßt Sie.

Noch eine frohe Nachricht, Hochwürden! Denken Sie sich, Mama kommuniziert jetzt alle Tage mit uns. Bisher tat sie es nur alle Sonntage. Da habe ich ihr gesagt: „Mama, warum kommunizierst du nicht alle Tage, wie ich, um Papa zu bekehren?“

Sie hat mich umarmt und nicht geantwortet. Aber am nächsten Tag hat sie angefangen, jeden Tag zu kommunizieren. Und seither kniet sie jeden Morgen zwischen Hans und mir an der Kommunionsbank. Wie ich mich freue! Sicher, wir werden Papa doch noch bekehren!

 

Peter hilft den Armen
und dient so dem Jesuskind

August 1912

Lieber Pater!

Juhu! Wir haben Ferien. Wir haben lange darauf warten müssen, aber endlich waren sie doch da. Gleich fuhren wir hinaus aufs Land, ans Meer. Was es da nicht alles gibt. Gestern habe ich 300 Meerkrebse gefangen, Hans gar 400. Ottilie hat zwischen den Felsen ein Feuer gemacht. Darin haben wir die Krebse gebraten. Das gab ein großartiges Festmahl mitten in den Felsen drin.

Nachher haben wir einen richtigen Tintenfisch gefangen und eine große Krabbe. Wir haben sie gegeneinander losgelassen. Das war ein lustiger Wettkampf. Die Krabbe siegte. Der Tintenfisch musste fliehen.

Wie wir vom Meeresufer zurückgekommen sind, bin ich auf der Straße einem kleinen Lumpensammler begegnet. Der war nicht viel größer als Papas Stiefel. Er schleppte einen großen Sack hinter sich nach. Der war sicher schwerer als er selbst.

Es regnete. Das Wetter war kalt. Der Kleine ging barfuß. Er wanderte von einer Haustüre zur anderen und suchte in den Kisten, die davor standen, nach Papier. Als ich ihn sah, hatten sich gerade drei Spitzbuben auf ihn gestürzt und wollten seinen Sack leeren. Da lief er davon und weinte bitter, denn die drei waren größer und stärker als er. Sie verfolgten ihn sogar und warfen ihm Steine nach. Da warf ich mich auf den größten von ihnen. Ei, da konnte ich zeigen was ich alles beim Turnen gelernt hatte.

Als er genug Schläge bekommen hatte, lief er auf und davon. Seine zwei Freunde eilten ihm nach. Dann fragte ich den Kleinen: „Wie heißest Du?“ – „Zozo“, gab er zur Antwort. „Wo wohnst du?“ Fragte ich weiter. „Bei der Brücke.“ – „Wo hast Du Deine Schuhe?“ fragte ich ihn aus. „Ich habe keine“, sagte er, wobei er sehnsüchtig auf meine schönen Schuhe schaute. „Komm, Mama wird dir solche geben“, sagte ich zu ihm. „Ich habe keine Mama“, sagte er, und fing an zu weinen. Ich tröstete ihn: „Komm nur zu uns, meine Mama wird Dir Schuhe geben.“

Ich habe ihn zu uns geführt. Mama gab ihm mein Paar alte Schuhe und ein großes Butterbrot dazu. Ich half ihm die Schuhe anziehen. Sie passten herrlich. Das machte uns beiden Freude. Dann fragte ich ihn: „Hast du Glaskugeln zum Spielen?“ – „Nein.“ – „Komm, ich will Dir von den Meinigen geben.“ Ich steckte ihm beide Taschen voll. Da lachte er und ging davon, während er fest ins Butterbrot hineinbiss. Auch ich war echt froh. Sie haben ja einmal in der Predigt gesagt, was man für die Armen tue sei für das Jesuskind getan. Als mir das in den Sinn kam, hüpfte ich vor Freude auf einem Bein um Mama herum und sagte: „Juchhe! Ich habe die Hälfte von meinen Glaskugeln und von meinen Schuhen dem Jesuskind gegeben. Du wirst sehen, Mama, Papa wird sich bekehren!“

Mit einem lieben Gruß bin ich ihr Peter.

 

Peter will lieber sterben,
als eine Todsünde begehen

Lieber Herr Pater!

Ich komme eben zurück vom Fischfangen. Mit Hans und Ottilie zusammen habe ich Sandaale gefangen. Dabei mussten wir auf die Möweninsel hinüberwaten. Ottilie hatte dabei Furcht, sie möchte ertrinken. Da nahm ich sie auf meinen Rücken. Hans machte den Kutscher und trieb mit der Peitsche das Rösslein an.

Wissen Sie, Hochwürden, wie man Sandaale fängt? Sie sind immer im Sand versteckt. Aber wir hatten drei große Messer aus Holz bei uns. Damit schrieben wir in den Sand was uns gerade einfiel. Ich schrieb: „Ich werde Hauptmann wie mein Papa.“ Ottilie wollte das Sprüchlein schreiben, dass sie ihrer Puppe immer vor sagt. Hans hat Rechnungen in den sandigen Meeresboden hineingeschrieben. Bei jedem Buchstaben sprangen die alle erschrocken auf. Ottilie hatte Furcht. Die Sandaalen glänzten nämlich wie Silbernadeln und waren fast zwanzig Zentimeter lang. Wir aber haben keine Furcht gehabt.

Mit beiden Händen griffen wir zu. Und gegen zweihundert konnten wir erwischen.

Jetzt möchte ich Ihnen ein Geheimnis anvertrauen. Es ist ein Monat her. Da habe ich mich nach der heiligen Kommunion an ihre Predigt von der Sünde erinnert. Auch an den kleinen Märtyrer von Tonking musste ich denken. Er wollte lieber sterben als eine Todsünde begehen. Da bat ich das Jesuskind, mich lieber sterben zu lassen, als dass ich eine schwere Sünde tue. Mir ist’s gewesen, als ob dieses Gebet dem lieben Jesus Freude machte. Und jetzt bete ich jeden Abend nach dem Rosenkranz für Papa dies Gebet: „Mein Jesus, ich bitte dich, mich lieber sterben zu lassen, als dass sich eine Todsünde begehe.“ Ist es recht so, Herr Pater?

Es grüsst sie ihr Peter.

 

Wie gern KleinPeter bei Jesus war

Oktober 1912

Wir sind wieder daheim und die Ferien sind vorbei. Die Schule hat wieder angefangen und ich gehe mit neuem Eifer ans Lernen. Aber für heute bin ich mit meinen Aufgaben fertig. So habe ich gut Zeit, Ihnen ein Briefchen zu schreiben. Ich will Ihnen von meinen Geheimnissen erzählen.

Oh wie gerne gehe ich in die Kirche, besonders wenn sonst niemand darin ist. Dann bin ich ganz allein mit Jesus und kann zu ihm reden wie ich will. Manchmal gibt er mir Antwort, manchmal auch nicht. Aber auch wenn er nichts sagt, bin ich doch froh, bei ihm zu sein. Ich sage ihm jedes Mal, er solle Papa bekehren.

Wenn ich heimgehen muss, sage ich: „Jesuskind ich möchte gerne länger bei dir bleiben. Aber ich muss jetzt meine Aufgaben lernen. Dabei werde ich dich aber nicht vergessen. Alles, was ich für die Schule arbeite, gehört dir. Der Pater hat gesagt, dass man auch bete, wenn man arbeitet. Man müsse die Arbeit nur Dir zuliebe tun.“

In der Schule gehe ich während der Pause gern auf jene Seite hin, wo die Kapelle liegt, damit ich näher bei Jesus bin. Auf den Spaziergängen suche ich die Dorfkirchen auf und grüße den Heiland. Abends wende ich mich im Bett dorthin, wo die Kirche steht, und sage zu Jesus: „Gute Nacht!“

Wie wird das schön sein im Himmel, wenn man immer beim lieben Gott sein darf! Aber wo wird dann Papa sein? Bitte, bitte, beten Sie für ihn. Und schreiben Sie wieder einmal

Ihrem Peter.

 

Peter will für seinen Vater leiden

November 1912

Herr Pater!

Mir tut es recht leid, der liebe Gott scheint meinen Papa nicht bekehren zu wollen. Und doch bitte ich ihn darum so oft ich nur kann. Am Morgen, bei der heiligen Kommunion, beim Rosenkranz, ja überall denke ich daran. Aber gestern fiel mir plötzlich ein, dass man drei Dinge tun muss, um Seelen zu bekehren. Man muss beten, predigen und leiden. Ich habe viel gebetet und sogar gepredigt. Aber ich habe noch nicht gelitten, lieber Herr Pater. Da habe ich zu Jesus gebetet, mich viel leiden zu lassen. Ich möchte doch büßen für Papas Fehler und für seine Gotteslästerungen, damit er sich bekehre. Er sagt immer zu Mama, dass Jesus Christus nicht Gott sei. Die Priester hätten die Religion erfunden, und noch viel anderes spöttelt er. Er hat zwar die Bücher gelesen, die Hochwürden mir geschickt haben. Aber er sagt, dass das alles nichts beweise. Er werde niemals beichten und es gäbe keine Hölle. Wir sind recht traurig und Mama weint oft.

Ihr Peter.

 

Peter bietet dem Heiland sein Leben an

Dezember 1912

Sonntag nach der heiligen Kommunion ist es mir vorgekommen, als wenn Jesus zu mir sagte: „Willst du sterben, um Papa zu bekehren?“

Ich habe geantwortet: „Ja, ja.“

„Aber du wirst dabei viel leiden müssen.“

„Gut, wenn Du mir hilfst, will ich es gern.“

Jetzt bin ich bereit zu sterben. Aber ich habe vielleicht eine Sünde begangen, dass ich es angenommen habe, ohne Sie und die Eltern um Erlaubnis zu fragen. Habe ich unrecht gehandelt, lieber Herr Pater?

Eine große Neuigkeit! Papa muss jetzt dann in einer anderen Stadt Militärdienst tun. Darum müssen wir alle zügeln. In einem Monat reisen wir ab.

 

Rein wie eine Lilie will der kleine Peter sein

Jänner 1913.

 

Heute hat der Herr Pfarrer den Kommunionbund zusammengerufen, wie er es alle Monate tut. Er hat uns gefragt, wie viele neue Mitglieder wir für jede Abteilung gewonnen haben. Die erste Abteilung, das sind jene, die alle Tage kommunizieren, ist jetzt doppelt so groß. Davon habe ich sechs neue Mitglieder gewonnen.

Dann hat uns der Herr Pfarrer vom heiligen Stanislaus erzählt. Er hat gesagt, dass Stanislaus mit sieben Jahren schon das Gelübde der Keuschheit abgelegt habe. Mir kam es vor als wenn Jesus mich fragte, ob ich nicht auch immer rein bleiben und es versprechen wolle, wie der heilige Stanislaus. Ich habe geantwortet, dass ich es gern wolle. Und ich habe es ausdrücklich versprochen. Ich bin so froh, dass ich mich nur ganz dem lieben Gott schenken darf. Wenn sie es mir erlauben, werde ich mein Versprechen von jetzt an alle Tage nach der heiligen Kommunion erneuern.

Mit einem lieben Gruß grüßt Sie

Ihr Peter.

 

Warum der kleine Peter alle Tage
zur heiligen Kommunion geht

Jänner 1913

Wir haben nun unseren bisherigen Wohnort verlassen und sind nun hier in L. Oh, lieber Pater, ich bin sehr traurig. Denn hier sieht es ganz anders aus als in St. Malo. Hier gibt es keinen Kommunionbund und kein einziges Kind geht täglich zur Kommunion. Denken Sie sich, die frömmsten gehe nur alle Monate einmal.

Wir waren noch nicht lange da, kaum acht Tage. Da ließ der Herr Pfarrer Mama und mich nach der Messe in die Sakristei rufen. Ich hatte richtiges Herzklopfen. Denn der Herr Pfarrer schaute mich, als wir kamen, einen Augenblick lang so sonderbar an. Dann sagte er: „Gnädige Frau! Hier wundert man sich sehr über ihre Handlungsweise. Man versteht es noch, dass sie es über sich bringen, alle Tage zu kommunizieren. Aber dass sie alle Tage ihr Kind zum Tisch des Herrn führen, das begreifen einige nicht und nehmen Ärgernis. Glauben Sie wirklich, dass ihr Kind genau weiß und versteht was es tut?“

„Ich glaube es, Herr Pfarrer“, sagte meine Mutter. „Übrigens habe nicht ich mein Kind dazu gebracht, alle Tage zu kommunizieren. Es ist vielmehr das Kind das mich dazu gebracht hat.“ – „Wie alt ist ihr Kind?“ fragte der Herr Pfarrer. „Acht Jahre.“ – „Und warum willst du denn jeden Tag kommunizieren?“ Wandte sich der Herr Pfarrer an mich. „Um Jesus Freude zu machen und auch dem Heiligen Vater, Herr Pfarrer“, gab ich zur Antwort. „So, so“, machte er. „Und dann auch, um Papa zu bekehren“, fügte ich bei. Dann ist der Herr Pfarrer eine Zeit lang ganz still gewesen und hat nichts gesagt. Dann aber sagte er: „Gut, Peter, ich bin einverstanden, dass du weiterhin alle Tage zur heiligen Kommunion gehst. Wenn unser Heiliger Vater in Rom, der Papst, dich dazu ermuntert, wäre es ungerecht, wenn ich dich davon abhalten würde.“

Sie können sich denken, wie wir da froh heimgekehrt sind.

Ihr Peter grüsst Sie.

Nachschrift. Morgen sind wir bei der Frau Major zum Tee eingeladen. Mama hat mir dazu ein kleines Husarenkleid machen lassen. Das sieht recht farbig aus; es ist nämlich rot und blau.

 

Peter ist eingeladen
und bekehrt die vornehmen Damen

Februar 1913.

Ich bin ein wenig krank. Mir war kalt, als wir von der Frau Major zurückkamen. Dabei habe ich mich erkältet. Aber Mama wird mir helfen, meinen Brief zu schreiben.

Wir waren also bei der Frau Major auf Besuch. Es waren viele Offiziere und Offiziersdamen dort. Alle diese Damen haben Mama meinetwegen angegriffen, weil ich jeden Tag kommuniziere. Die Frau Major hat damit angefangen. Sie hat zu Mama gesagt: „Frau D´Airelle!, Ich begreife gar nicht, dass eine so gute Christin wie sie sind, mit solchen schlechten Gewohnheiten einverstanden ist. Wie können Sie nur ein Kind von acht Jahren zum Tisch des Herrn gehen lassen? Und dazu noch alle Tage! Das ist doch die verkehrte Welt! Ich habe bisher immer gemeint, dass die erste Pflicht eines guten Christen die sei, vor den Sakramenten Ehrfurcht zu haben und auch den Kindern diese Ehrfurcht beizubringen. Was mich betrifft, so habe ich vier Kinder. Aber das sage ich Ihnen: keines, nein, wirklich keines von ihnen wird zur heiligen Kommunion gehen, bevor es elf Jahre alt ist. Wenigstens wissen sie dann, was sie tun.“

„Und dann“, fiel die Frau Oberst ein, „ein so spätes Frühstück schadet sicher der Gesundheit der Kinder. Ich lasse meine Kinder frühstücken, wenn sie noch im Bett sind.“

„Übrigens“, setzte eine große starke Dame, die einen ganzen Strauß von weißen Federn auf dem Hute trug, hinzu, „man kommt schon wieder ab von all diesen Neuerungen. Viele beklagen sich, dass die Erstkommunion nicht mehr so feierlich sei. Auch sollen die Kinder, wie es scheint, nachher viel weniger Eifer im Unterricht haben.“

All diese Damen redeten zu gleicher Zeit auf die arme Mama ein. Ich schaute sie heimlich an. Ganz rot war sie. Und ich sah wohl, am liebsten hätte sie es gemacht wie ich, und geweint. Als alle mit ihren Einwänden fertig waren, hat Mama ganz ruhig gesagt: „Meine Damen! Ich will nicht auf ihre Schwierigkeiten und Vorwürfe eingehen. Ich überlasse die Antwort den Priestern, den Theologen. Meine ganze Einstellung in dieser Angelegenheit ist diese: gehorchen, folgen. Unser Heiliger Vater in Rom wünscht, dass unsere Kinder kommunizieren, sobald sie den Gebrauch der Vernunft erlangt haben. Er macht es uns zur Pflicht, sie dann zum Tisch des Herrn zu führen. Soweit es möglich ist, sollen wir das alle Tage tun. Sehen Sie, ich gehorche einfach dem Papst. Das weitere kümmert mich nicht. Es ist nicht meine Sache, den Papst zu richten und die Kirche zur Rede zu stellen.“

„Bravo, Frau D´Airelle!“ hat da der General gerufen, der eben zur Türe herein gekommen war. „Das gefällt mir, das ist die einzige Art Katholizismus, die ich verstehe. Wenn wir über alles kritisieren wollen, werden wir lieber gleich protestantisch. Dann können wir sagen und glauben, was uns passt.“

Nach diesen Worten wandte er sich an mich: „Du, Peter, komm und gibt diesen Damen da eine Katechismusstunde. Wer kommandiert in der Kirche?“ – „Der Papst.“ – „Sehr gut, mein kleiner Freund. Sehen Sie da, meine Damen, das ist die Antwort auf Ihre Einwände. Wo kämen wir im Militär hin, wenn es von jetzt an jedem Soldaten erlaubt wäre, meine Befehle zu kritisieren und mich belehren zu wollen? Und doch, ich bin nicht unfehlbar wie der Papst. Ich kann nicht wie er auf den besonderen Beistand des Heiligen Geistes zählen. Kleiner Peter, du bist ein wackerer Mann. Komm, umarme mich!“ Ich habe ihm zwei herzhafte Küsse gegeben, weil er uns so geholfen hat.

Während Papa im Gang draußen seinen Mantel anzog, habe ich gehört, wie der General ihm sagte: „Herr Hauptmann, ich gratuliere Ihnen, da haben Sie einen Prachtskerl. Der wird Ihnen sicher einmal keine Schande machen.“

Auf der Straße hat Papa mir die Hand gedrückt. Er war offenbar mit mir zufrieden. Abends habe ich vor meinem Bett die Hälfte des Rosenkranzes für den General gebetet, weil er so gut gegen Mama und mich gewesen ist.

Ich umarme Sie. Peter.

 

Peter wehrt sich, damit er alle Tage
zur heiligen Kommunion gehen kann

Februar 1913.

Der Streit ist von neuem losgegangen. Die gleichen Damen, von denen ich Ihnen das letzte Mal erzählt habe, sind am Donnerstag zu uns auf Besuch gekommen. Wieder griffen sie Mama an, so fest wie sie nur konnten. Es passte ihnen wohl gar nicht, dass ich immer noch alle Tage zur Kommunion ging.

Diesmal war niemand da, der uns verteidigt hätte. Darum ist, als alle fortgegangen sind, Papa auf Mama zornig geworden und hat gesagt: „Siehst du! Ich habe es ja gesagt. Wir sind auf dem besten Weg, uns vor der ganzen Stadt lächerlich zu machen. Werden denn diese Andachten niemals ein Ende nehmen?“ Mama fing an zu weinen.

Mir fiel ein, was ich in meinem kleinen Buch gelesen habe. Das sagte ich jetzt zu Papa: „Papa, warum willst du, dass ich alle Tage esse?“ – „Nun, weil du groß werden sollst und dazu ernährt werden musst.“ – „Gut, Papa. Ich will aber auch groß werden vor dem lieben Gott. Darum muss ich meine Seele jeden Tag mit der heiligen Kommunion nähren.“

Papa antwortete nichts. Er ging auf sein Zimmer, ohne mich wie sonst zu umarmen. Das machte mich recht traurig. Mama ging mit mir auf mein Zimmerchen. Als ich im Bett war, stand sie davor und sagte: „Peter, du siehst, alles ist gegen uns. Niemand macht uns Mut. Vielleicht müssen wir doch nachgeben, um die Leute nicht bös zu machen.“

„Aber Mama, dann folgen wir ja nicht mehr dem lieben Gott.“

Das ist wahr, Peter. Aber wenn wir so weitermachen, wird man immer mehr gegen uns reden. Das wird Papa noch böser auf uns machen als er es schon ist.“

„Aber, Mama, könnten wir es nicht so machen: am Sonntag kommunizieren wir in der Pfarrkirche. Die übrigen Tage gehen wir in andere Kirchen. Es sind in der Stadt noch sechs andere. Das reicht für jeden Tag. Ich kann schon ein wenig früher aufstehen. Du wirst sehen: niemand merkt etwas davon.“

Mama hat mich darauf zweimal umarmt und mir gesagt: „Du hast recht, Peter. Das machen wir. Morgen fangen wir mit unseren Wallfahrten an. Bitte deinen Schutzengel, dass er uns dabei helfe.“

Seitdem stehe ich morgens eine Viertelstunde früher auf. Jeden Tag gehen wir in eine andere Kirche. Oh, mein lieber Herr Pater, wie das für uns kleine Kinder doch schwer ist, zu Jesus zu kommen. Alles will uns von ihm abhalten.

Ihr Peter.

 

Peter schreibt vom Krankenbett aus

Februar 1913

Mein lieber Pater!

Ich schreibe Ihnen vom Bett aus. Darum schreibe ich nur ganz kurz und mit dem Bleistift. Mama ist mit Hans und Ottilie in die heilige Messe gegangen. Leider kann ich heute nicht zur Kommunion gehen. Vielleicht kann ich gar nie mehr in meinem Leben kommunizieren.

Nach der heiligen Kommunion am Freitag schien es mir, als ob Jesus wieder zu mir sagte: „kleiner Peter, bist du bereit zu sterben, um Papa zu bekehren?“ – „Ja, ja“, habe ich geantwortet. Dann habe ich den lieben Gott gebeten, dass er mir viel Leiden schicke für Papas Sünden. Nachmittags, als ich nach der Schule heimkam, musste ich Blut brechen. Am nächsten und übernächsten Tag wieder. Der Arzt ist gekommen, um mich zu untersuchen. Als er weg war, hat mich Mama umarmt und dabei fest geweint. Dann hat sie zu Hans gesagt, dass er mit mir zusammen eine Novene halten solle, damit ich wieder gesund würde. Aber ich will doch nicht gesund werden. Ich möchte viel lieber sterben, um das Jesuskind zu sehen und Papa zu bekehren.

Ich habe viel Schmerzen. Aber Leiden tue ich gern, weil auch Jesus gelitten hat. Und weil ich dadurch viele Sünder bekehren möchte.

Beten Sie für mich, wenn ich gestorben bin. Auf Wiedersehen im Himmel!

Ihr kleiner Peter.

 

Peter wird bald im Himmel sein

März 1913

Mein lieber Herr Pater!

Ich bin´s immer noch. Aber ich kann nicht mehr selber schreiben. Hans schreibt den Brief für mich.

Bald werde ich bei Jesus sein. Es wird nicht mehr lange dauern. Wie bin ich froh. Wenn ich allein bin, singe ich mein Lied: „Jesus, Jesus, komm zu mir, o wie sehn ich mich nach Dir!“

Ich habe viel Schmerzen auf der Brust. Aber ich bin trotzdem recht froh. Ja, ich bin noch nie so glücklich gewesen. Der Herr Pfarrer hat mich aufgesucht. Er fragte mich, ob es wahr sei, was man ihm gesagt, dass ich nämlich jeden Tag in eine andere Kirche gegangen sei, um ja kommunizieren zu können. Ich sagte ihm: „Ja!“ – „Und warum das, kleiner Peter?“ Wollte er von mir wissen. „Um Jesus und dem Heiligen Vater Freude zu machen. Und dann, um Papa zu bekehren.“ – „Du willst also Papa bekehren?“ Fragte er mich. „Ja, darum habe ich zu Jesus gesagt, er solle mich sterben lassen.“

Darauf hat der Herr Pfarrer sich umgedreht und geweint. Er sagte nichts mehr zu mir, sondern ging fort. Gern hätte ich ihn gebeten, mir die heilige Kommunion zu bringen. Aber ich wagte es nicht. Doch ich werde es dem Jesuskind anvertrauen. Das wird ihm diesen Gedanken schon eingeben.

Ihr Peter.

Wie Jesus zum kranken Peter kommt

März 1913

Mein lieber Pater!

Es scheint, es geht mir etwas besser. Ich hätte sogar selber schreiben können. Aber Hans war damit nicht einverstanden. So schreibt er für mich, was ich ihm vorsage.

Hören Sie nur. Der Herr Pfarrer hat mich am Tag nach seinem Besuch wieder aufgesucht. Ich habe fast gemeint, er sei böse auf mich. Aber er hat mich lieb bei der Hand genommen und gefragt: „Peter, hör´ einmal, wärst du nicht froh, wenn du auch jetzt noch alle Tage den lieben Heiland empfangen könntest?“ – „Oh ja Herr Pfarrer.“ – „Gut, ich selber werde dir alle Tage die heilige Kommunion bringen. Morgen schon fangen wir an. Aber du musst dabei auch ein wenig für mich beten, kleiner Peter, nicht wahr?“

Den anderen Tag in aller Frühe brachte er mir den Heiland. Mama hatte überall Blumen aufgestellt Hans und Ottilie sind niedergekniet und haben gebetet. Sie hielten brennende Kerzen in den Händen. Papa war sehr ergriffen. Er kniete auf den Boden und ich glaube gar er hat mitgebetet.

Der Herr Pfarrer bereitete mich auf die heilige Kommunion vor. Nachher half er mir, die Danksagung machen. Als er sagte: „Beten wir für die Eltern!“ habe ich auf Papa geschaut. Er hielt das Taschentuch vor den Augen.

Nachmittags ist der Herr Pfarrer wieder gekommen er hat mich gefragt: „Peter, was meinst du wohl, dass man tun könnte, damit die Kinder hier mehr kommunizieren, vielleicht gar alle Tage wie du?“ – „Herr Pfarrer, man müsste wohl einen Kommunionsbund gründen, wie in St. Malo einer war.“

„Gut, Peter. Ich werde mich gleich an die Arbeit machen. Bete für mich, dass es gelingt. Und morgen bringe ich dir wieder die heilige Kommunion.“

Mama sagte zu ihm: „Herr Pfarrer, mühen sie sich nicht so ab. Der Herr Kaplan ist noch jung. Der könnte es leichter tun.“ – „Nein, nein“, sagte er. „Ich muss mit dem guten Beispiel vorangehen. Es soll jedermann wissen, dass es mein Wunsch ist, die Seelen der Kinder zu nähren wieder göttliche Heiland und auch der Heilige Vater sie ernährt wissen will. Ja, jetzt begreife ich, warum der Heiland die kleinen so geliebt und bevorzugt hat.“ Er hat mich umarmt und ist dann fortgegangen.

Es bittet um ihr Gebet

der kleine Peter

 

Peters letzter Wunsch und letzter Brief

Lieber Pater!

Das Jesuskind meint es gut mit mir. Es will alle meine Wünsche erfüllen, bevor ich sterbe.

Der Herr Pfarrer hat den Kommunionbund gegründet. Dann hat er erlaubt, dass Ottilie, die fünf Jahre alt ist, am Gründonnerstag zur ersten heiligen Kommunion gehen darf.

Jetzt bleibt nur noch Papa übrig. Ich habe ihm gesagt, er möge doch mit mir beten. Und er hat es getan. Einen ganzen Rosenkranz hat er gebetet und auch das „Gedenke, oh gütigste Jungfrau Maria“. Vielleicht werde ich nicht mehr am Leben sein, wenn er sich bekehren wird. Ich will dieses Opfer dem lieben Gott bringen. Aber vom Himmel aus werde ich es sicher sehen können. Das wird wohl mein letzter Brief sein. Ich kann gar nicht mehr schlafen und viel, viel muss ich husten, besonders in der Nacht.

Ich werde im Himmel viel für Sie und für alle Kommunionkinder beten.

Auf Wiedersehen im Himmel.

Ihr Peter.

 

 

Peters Vater schreibt,
wie sein Liebling gestorben ist

Ostersonntag 1913.

 

Hochwürdiger Herr Pater!

Ich möchte Ihnen Mitteilung machen vom großen Schmerz, der uns getroffen hat. Unser kleiner Engel, unser Peter, ist nicht mehr. Einen ganzen Monat lang musste er leiden. Ein wahres Martyrium musste er durchmachen. Aber er hat gelitten, wie die Heiligen leiden. Nie hat er geklagt, nie ist er ungeduldig gewesen.

Der Herr Pfarrer brachte ihm alle morgen die heilige Kommunion. Diese Stunde, auf die er sich während der ganzen schlaflosen Nacht freute, war für ihn der Himmel. Wenn er die Schritte des Priesters auf der Treppe vernahm, verklärte sich das Antlitz des kleinen Engels. In seinen Augen schien sich die göttliche Herrlichkeit widerzuspiegeln. Und dieses wunderbare Licht verschwand den ganzen Tag nicht.

Wenn ich während des Tages in sein Zimmer trat, betete er den Rosenkranz und sang die Lieder von der Mission. Ich sagte ihm oft, er solle sich doch ausruhen. Er aber gab zur Antwort: „O Papa, wenn ich mit dem lieben Gott rede, ruhe ich mich doch aus.“ Ich fragte ihn: „worüber redest du zu ihm?“ Das sagte er, während er mich so lieb anschaute: „Über dich!“

Am Morgen des letzten Tages sagte ihm die Mutter, dass man eine neue Novene anfange, damit er wieder gesund würde. Da fing er an zu weinen: „Nein, Mama, du musst nicht verhindern, dass ich sterbe. Ich will doch sterben, damit sich Papa bekehre.“

Am Morgen des Gründonnerstag ist er dann gestorben. Unsere kleine Ottilie war eben von ihrer ersten heiligen Kommunion zurückgekommen. Peter hat sie fest umarmt. Lange hielt er sie an sein Herz gedrückt. Dann bereitete er sich auf seine letzte heilige Kommunion vor. Der Herr Pfarrer kam mit der Wegzehrung. Peter kniete im Bett. Die Hände hielt er gefaltet, himmlische Freude strahlte aus seinen Augen. Er hat mich dann um Verzeihung gebeten für seine Fehler, mit denen er mir weh getan habe. Gerne hätte ich ihm gesagt: „Mein gutes Kind, ich sollte vielmehr dich um Verzeihung bitten.“ Aber ich konnte vor lauter Schluchzen nicht sprechen. Seine Mutter, der kleine Hans und Ottilie weinten wie ich. Auch der Pfarrer musste weinen. Peter allein blieb heiter und tröstete uns.

Der Todeskampf begann, während die Glocken der Stadt zur heiligen Messe läuteten. Auf einmal schien mich Peter zu rufen. Ich näherte mein Ohr seinen Lippen. Er flüsterte: „Auf Wiedersehen, Papa … Im Himmel … ich sterbe … für dich!“ Darauf hauchte er seinen letzten Seufzer aus, während er seinen Rosenkranz von der Mission zwischen den abgezehrten Fingern presste.

Gleich nach dem Tode wurde Peters Gesicht strahlend, als wenn ein Stahl Himmelslicht darauf gefallen wäre. Um die Lippen spielte ein Lächeln. Ein unaussprechlicher Friede ruHte über dem kleinen Leib, den das Leiden solange abgezehrt und geläutert hatte. Mir schien es, als schimmerte etwas vom göttlichen Licht durch diesen Engel. Wirklich, ich war nicht würdig, dass er mein Kind war.

 

Peters Vater erzählt,
wie er sich endlich bekehrt hat

Ach, Herr Pater! 20 Jahre hatte ich nicht mehr gebetet, 20 lange Jahre auch nicht mehr geglaubt. Aber vor diesem Totenbett bin ich auf die Knie gesunken. Ich habe gebetet. Ich habe geweint und geschluchzt. Aber nicht seinetwegen, sondern meinetwegen. Ich habe Gott und diesen unseren lieben kleinen Engel um Verzeihung gebeten für diese schreckliche Feigheit, mit der ich ein gottloses Leben geführt hatte. Oh, wie ich mich jetzt vor ihm schämte! Wie ich mich klein fühlte vor ihm, der so groß war! Ich fühlte mich unwürdig, diesen Auserwählten zu umarmen. Ich Sünder, ich Verworfener!

Schon der Gedanke, eine ganze Nacht mit meiner schmutzigen Seele neben ihm zu bleiben, schien mir unerträglich. Mir scheint, ich fühlte etwas von jener Scham in mir, welche die Verworfenen am Tage des Gerichtes in Gegenwart der göttlichen Heiligkeit empfinden müssen.

Ich hielt es so einfach nicht mehr aus. Ich eilte davon, um einen Priester zu suchen. Ihm habe ich meine Sünden gebeichtet, die Sünden meines ganzen Lebens. Erst dann habe ich mich weniger unwürdig gefühlt, vor der Leichnam meines Kindes zu erscheinen. Erst jetzt fand ich den Mut, ihn zu umarmen und bei ihm zu sein.

Als ich heimkam, lag Peter aufgebahrt in seinem Erstkommunionkleid da. Ich kniete zu seinen Füßen nieder und betete. Meine arme Seele hielt ich ihm hin, dass er sie segne und bewahre.

Am Karsamstag haben wir den kleinen Sarg auf den Friedhof gebracht. Es war in der gleichen Stunde, als alle Glocken der ganzen Stadt zur Auferstehung läuteten.

Es schien mehr ein Triumphzug als ein Leichenzug zu sein. Die Kinder der Pfarrei waren dabei in ihren weißen Erstkommunionskleidern. Ich freilich, ich habe geweint aber diese Tränen waren weniger Trauer. Sie waren Freude. In meiner Seele empfand ich eine Tiefe, neue, unsägliche Freude.

Auf dem Friedhof haben sich die ganz Kleinen um das Grab gestellt. Als man die erste Schaufel Erde auf den Sarg geworfen, nahm der Herr Pfarrer das Wort: „Meine lieben Kinder! Ich bin zu ergriffen, um euch eine lange Rede zu halten. Wir wollen lieber ein Gebet beten und dem lieben Gott recht danken, dass er so große Dinge an der Seele eures Freundes gewirkt hat. Die Gnade wartet nicht, bis man alt ist, um die Auserwählten zu Heiligkeit zu führen. Die tägliche heilige Kommunion hat aus unserem kleinen Peter einen Apostel und Helden gemacht. Möge er auch im Himmel ein Apostel sein. Möge er uns allen, euch und mir, eurem Seelenhirten, diese Gnade geben, dass wir mehr und mehr das Verlangen des göttlichen Heilandes in der Hostie verstehen. Denn Jesus möchte jeden Tag auch zu euch kommen, um euch rein zu bewahren und groß zu machen.“

So etwa hat der hochwürdige Herr Pfarrer gesprochen.

Bitte, Herr Pater, beten Sie für uns, besonders für mich, damit ich mich vor meinem lieben, kleinen Engel im Himmel nicht schämen muss. Sein Vater bin ich, es ist wahr. Aber er hat mir das Leben der Seele verdient. Es grüßt sie in aller Ehrfurcht

Hauptmann D´Airelle.

 

Peters Vater wird Kommunion-Apostel
wie Peter einer war

Mai 1913

Hochwürdiger Herr Pater! Wieder ist es Peters Vater, der ihnen schreibt. Ich schreibe Ihnen anstelle des lieben dahin geschiedenen. Ist er wirklich dahin geschieden? Oh, nie habe ich gemeint, ihm näher zu sein als jetzt. Am Ostersonntag ging ich zur heiligen Kommunion. Sie war die erste in meinem neuen Leben, in diesem Leben, dass er mir durch seinen Tod verschafft hat.

Da war es mir, als hörte ich im Grunde meiner Seele eine deutliche Stimme, die Stimme meines Kindes: „lieber Vater! An dir ist es nun, alle Tage meinen Platz an der Kommunionsbank einzunehmen.“ Ich wollte anfangs nicht auf diese Stimme hören. Aber diese Worte schnitten mir ins Herz und erfüllten es doch wieder mit Freude.

„Ja, an dir ist es nun lieber Vater“, wiederholte diese Stimme geheimnisvoll. „Ich habe deine Bekehrung teuer erkaufen müssen. Du musst nun dafür sorgen, dass sie vollständig sei.“

Dieser Aufruf wiederholte sich während mehrerer Tage. Er wurde besonders eindringlich in der Morgenstunde, da Peter zur heiligen Kommunion zu gehen pflegte. Zuletzt konnte ich nicht mehr anders. Ich habe mich ergeben. Fortan werde ich alle Tage den freigewordenen Platz ausfüllen, so gut ich es kann. Ich komme spät, wie der Arbeiter zur letzten Stunde. Aber ich werde mir Mühe geben. Dieser Entschluss hat in meiner Seele einen grossen Frieden zurückgelassen.

Ich habe nur noch einen Wunsch: von Ferne seinen Fußspuren zu folgen. Langsam möchte ich diesen Weg der Heiligkeit emporsteigen, diesen königlichen Weg des Opfers. Mein Kind hat ihn so schnell zurückgelegt. Sein Schüler will ich sein. Ach, ich hätte ihm doch Lehrer sein sollen!

Als ich heute früh im Garten spazieren ging, blieb ich vor einer grossen Lilie stehen. Ihr weisser Kelch hatte sich frisch geöffnet. Am Fuße der Lilie schaute eine winzige Sternblume zur Lilie empor. Dieses kleine Blümchen möchte ich sein und so ganz nahe unter dem Schutze unseres Engels weilen.

Beten Sie für meine arme Seele!

Hauptmann D´Airelle.

 

Schlusswort

Das Grab des kleinen Peter liegt auf einem hohen Hügel. Von dort sieht man weit hinaus auf das Meer. Über seinem Grab steht ein Kreuz aus rotem Granit. Auf dem Grabstein aber hat man ein Ziborium hin gemeißelt. Darüber schwebt eine strahlende Hostie. Und um diese Hostie ist die Einladung des göttlichen Heilandes geschrieben:

Lasset die Kleinen zu mir kommen!
Wehret es ihnen nicht!
Denn für solche ist das Himmelreich!

Lieber Leser! Nun kennst du die Geschichte des kleinen Peter. Hast du nicht Freude gehabt an diesem Kind, das so treu die Einladung des göttlichen Kinderfreundes befolgt hat? Wie schön muss diese Kinderseele gewesen sein! Wirklich, darin hat der liebe Gott mit seiner Gnade ein Himmelreich aufgebaut.

Aber das möchte der Liebe Heiland auch in deiner Seele tun. Du musst nur auf ihn hören und seiner Einladung folgen, wenn er dich zur heiligen Kommunion ruft. So oft du nur willst, darfst du ihn in dein Herz aufnehmen.

Aber viel Liebe musst du ihm schenken und ihn dann in deinem Herzen wirken und befehlen lassen. Ahme darin Klein-Peter nach! Ganz sicher wird Jesus dann auch aus deiner Seele etwas Wunderschönes machen.

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Quelle: A. Bessières, Klein Peter, Ein Kommunionapostel – Peter d’Airelle – 1905-1913. Aus dem Französischen übersetzt — Neubearbeitet von P. Walther Diethelm O.S.B. — Kanisius-Verlag, Freiburg/Schweiz, Konstanz/Baden, München 23. (1957)

IM ISLAM GIBT ES KEINE WUNDER

BEHAUPTETE schon, viele, – ANGEBLICHE zuhauf, – VERMEINTLICHE in Fülle, – aber keine ECHTEN, keine GÖTTLICHEN, keine GOTT-GEWIRKTEN Wunder! Menschen nennen viel Außergewöhnliches „Wunder“. Darunter gibt es viel NATÜRLICH Erklärbares. Aber es gibt auch ÜBER-natürlich, besser: AUßER-natürlich, Zustandegekommenes, was mitunter als „Wunder“ gilt und dennoch nicht GOTT-GEWIRKT ist, nämlich TEUFLISCHE GAUKELEIEN.

ECHTE Wunder können nur mit dem WILLEN und in der KRAFT, in der ALLMACHT GOTTES vollbracht werden. WAHRE Wunder geschehen darum nur IM NAMEN GOTTES, im Namen des DREIFALTIGEN, des DREIEINEN, im Namen JESU CHRISTI, des MENSCH gewordenen SOHNES GOTTES.
CHRISTUS hat IN EIGENER ALLMACHT Tote erweckt, Blinden das Augenlicht, Tauben das Gehör, Stummen die Sprache geschenkt, Unheilbare geheilt und so fort. Der Apostel PETRUS heilte einen Lahmgeborenen, indem er sprach: „Im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und wandle!“ (Apostelgeschichte 3, 6) Und seither haben viele HEILIGE im Namen CHRISTI echte Wunder gewirkt. Siehe zum Beispiel das Buch von Pfarrer Wilhelm Schamoni: „Wunder sind Tatsachen. Eine Dokumentation aus Heiligsprechungsakten„.

Es gibt heute mehr als eine Milliarde Muslime oder besser: Mohammedaner. Keinem jedoch dieser Abermillionen Anhänger des Islams würde es gelingen, IM NAMEN ALLAHS oder IM NAMEN MOHAMMEDS einen Toten zu erwecken, einem Lahmgeborenen das Gehvermögen zu schenken, einen Blinden sehend, einen Tauben hörend, einen Stummen sprechend zu machen. Wenn Ihr, Muslime, das nicht glaubt, so versucht es doch, versucht es doch mehrmals, hundertmal, tausendmal. Wir wetten, es wird euch nicht gelingen, das WUNDER herbeizuführen. Bekehrt Ihr Euch aber zu CHRISTUS, zum CHRISTENTUM, ehrlich und ganz, und versucht es dann IM NAMEN JESU CHRISTI, des GEKREUZIGTEN, dann, das garantieren wir Euch, werdet ihr solche wahren WUNDER erleben; gewiss, nicht in jedem Fall, aber immer dann, wenn GOTT es für allgemein oder persönlich heilsdienlich hält.

Paul Otto Schenker

Das Wunder – Kern des Christentums

Argumente für die Wahrheit der katholischen Religion

Die Mystikerin Maria von Mörl: Eine Südtirolerin mit den Wundmalen Jesu


Von Hans Jakob Bürger

Am 11. Januar 1868 starb Maria von Mörl im Rufe der Heiligkeit. Einen Kalendertag später im Jahr 2019 wird Bischof Ivo Muser als Oberhirte des Bistums Bozen-Brixen am 12. Januar das diözesane Seligsprechungsverfahren beenden. Bei einem diözesanen Seligsprechungsverfahren werden sämtliche biographischen Daten zusammengetragen; ebenso Schriften, Briefe und Aufzeichnungen des Kandidaten, wie auch mündliche und schriftliche Zeugnisse über die betreffende Person.

Sowohl von theologischen als auch historischen Sachverständigen werden die Dokumente gesichtet und deren Echtheit geprüft. Auch werden dabei ihr Inhalt und insbesondere die Glaubwürdigkeit einer gewissenhaften Prüfung unterzogen. Gleichermaßen müssen die Sachverständigen eine Beurteilung über die Persönlichkeit und Frömmigkeit der Kandidatin abgeben. Von ihnen werden noch die Zeugenaussagen über etwaige  Gebetserhörungen aufgenommen. Nach Abschluss dieses Verfahrens, das einige Jahre dauern kann, werden sämtliche Unterlagen nach Rom geschickt, wo sie durch die zuständigen vatikanischen Behörden weiteren Prüfungen unterzogen werden, bevor zuletzt der Papst entscheidet, ob  Maria von Mörl, die „stigmatisierten Jungfrau von Kaltern“, seliggesprochen wird.

Maria von Mörl erblickte in Kaltern in Südtirol, das damals kurzzeitig zu Bayern gehörte (ab 1815 zum Kaiserreich Österreich) am 16. Oktober 1812 das Licht der Welt. Sie hatte acht Geschwister. Obwohl sie seit ihrem fünften Lebensjahr kränklich war, absolvierte sie die damaligen Pflichtjahre in der Schule und erlernte anschließend in Cles am Nonsberg die italienische Sprache. Nach dem Abschluss dieser Studienzeiten starb ihre Mutter bei der Geburt des neunten Kindes. Fortan musste Maria Verantwortung in der Familie übernehmen, insbesondere als Mutterersatz ihrer jüngeren Geschwister.

Maria besuchte täglich die Heilige Messe im nahen Franziskanerkloster. Hier fand sie in Pater Johannes Kapistran Soyer OFM einen frommen und gewissenhaften Beichtvater und geistlichen Führer.  Von ihm wurde sie mit 18 Jahren in den Dritten Orden der Franziskaner aufgenommen. Am Ende dieses Jahres (1830) erkrankte Maria schwer und wird davon zeitlebens nicht mehr gesunden. Nachdem ihr an „Mariä Lichtmess“ 1831 Pater Kapistran die heilige Kommunion gereicht hatte, fiel Maria in Ekstase. Wie ihre Krankheit, so wird dieses Phänomen sie bis in ihre letzten Lebenstage begleiten.

Die Ekstasen haben sich oft wiederholt. Dies hatte zur Folge, dass viele Menschen kamen, um die bald „im Ruf der Heiligkeit“ stehende „Jungfrau von Kaltern“ zu sehen. Heute kaum vorstellbar ist die Tatsache, dass von Ende Juli und bis Mitte September des Jahres 1833 vierzig- bis fünfzigtausend Pilger gezählt worden sein sollen, die eigens wegen Maria nach Kaltern reisten.

Während der Prozession am Fronleichnamsfest 1833 waren einige Personen bei Maria im Zimmer. Schon Monate war sie krank und lag entkräftet da. Plötzlich richtete sich die todesschwache Jungfrau in Blitzesschnelle auf, fiel im Bett auf die Knie. In dieser Haltung blieb sie während der Prozession mit gefalteten Händen und immer wechselnder Neigung des Körpers in Richtung der Prozession. Sichtlich in sich gekehrt, verweilte sie betend.

Am 4. Februar 1834 erhielt Maria, wie der hl. Franz von Assisi und der hl. Pater Pio, die Stigmatisationswunden und trug die Wundmale des Herrn an ihrem Leibe. Maria von Mörl starb in der Nacht des 11. Januar 1868 im Haus der Schwestern des Dritten Franziskanischen Ordens, wo sie seit 1841 gelebt hatte. In deren Kirche wurde Marias sterblichen Überreste aufgebahrt, um danach auf dem von ihr gestifteten Friedhofs von Kaltern beigesetzt zu werden.

Zu jenen, die Maria von Mörl besuchten, gehörten Bischöfe (z.B. aus Passau oder Luxemburg); gekrönte Häupter wie etwa die Kaiserin von Österreich Maria-Anna von Savoyen, sowie Fürsten und Herzöge aus Habsburg und Hohenzollern; Theologen, Fromme und Skeptiker. Auch damals schon wurden die Menschen von unerklärlichen Phänomenen angezogen. Unter den Besuchern befanden sich auch künftige Selige, wie etwa Adolph Kolping, oder die Ordensgründerin der Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus in Aachen Klara Fey. Nach seinem Besuch sagte der „Gesellenvater“ Adolph Kolping: „Ja, auch ich kann sagen, ich habe eine Heilige gesehen.“

Aus der Schar der weltlichen Personen, die sich bei Maria von Mörl aufgehalten haben sind vor allem die Publizisten Johann Joseph Görres und Clemens Brentano zu nennen. Sie sind Zeugen der Ereignisse am Krankenbett Marias geworden und haben umfängliche Aufzeichnungen angefertigt. So bezeugt Brentano: „Morgens um neun sahen wir sie in ekstatischem Gebet. Nach Tisch sahen wir sie erwacht; nach zwei Minuten sahen wir sie entzückt, und sie lag wieder auf den Knien. Es war Freitag, und wir sahen sie von 3-4 Uhr im Passionsmitleiden. Sie kniete auch dann. Ich habe nie ernsteres, Erschütternderes gesehen; alle Geduld, Marter und Verlassenheit und Liebe des sterbenden Jesus tritt an ihr hervor mit unaussprechlicher Wahrheit und Würde.“

Der Delegat des Bistums Bozen-Brixen im Seligsprechungsprozess, der Schweizer Franziskaner Gottfried Egger OFM, hat vor zwei Jahren eine kleine Biographie vorgelegt, in der vom Leben Marias berichtet wird und zahlreiche Zeugen zu Wort kommen. Über die Aktualität der Botschaft von Maria von Mörl schreibt Pater Gottfried, dass sie vor allem „ein sichtbares Zeichen für die Existenz Gottes“ sei.

„Die Dienerin Gottes wurde durch die verwandelnde Kraft der Eucharistie ganz in die Menschwerdung und Passion Christi hineingenommen. Krippe, Kreuz und Eucharistie waren für die die Eckpfeiler ihres gelebten franziskanischen Bekenntnisses zum Mensch gewordenen Gott.“

 

Gottfried Egger, Maria von Mörl, ist im Miriam-Verlag erschienen und hat 144 Seiten.

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Quelle

DAS WUNDER DES PAPSTES

Die Ordensschwester Marie Simon Pierre Normand der Kleinen Schwestern der Mütterlichkeit der katholischen Entbindungsstationen erlebte in der Nacht zum 3. Juni 2005 in ihrem Kloster in Aix-en-Provence in Frankreich etwas Eigenartiges. Sie wird während einer Pressekonfe­renz im Jahr 2008 in Rom und im Januar 2010 in Aix-en­-Provence erzählen, was ihr zugestoßen ist. »Ich legte mich abends hin, wachte um 4.3o Uhr auf, überrascht darüber, dass ich hatte schlafen können. Ich habe sofort gemerkt, dass etwas Eigenartiges geschehen war.« Die Ordensfrau soll erlebt haben, was man auf dieser Erde gar nicht erleben kann, eine Heilung der Parkinson-Erkrankung. Es gibt kei­nen einzigen dokumentierten Fall einer Heilung außer der Genesung der Schwester Marie Simon Pierre Normand.

Sie war als Tochter einer Familie mit fünf Kindern in Nordfrankreich bei Cambrai aufgewachsen. Schon wäh­rend ihrer Firmung nahm sich das Mädchen vor, Ordens­schwester zu werden. Der Entschluss reifte in ihr und wurde immer deutlicher, als sie als Helferin Kranke in den Wallfahrtsort Lourdes begleitete. Sie wusste auch ge­nau, welchem Orden sie beitreten wollte, den »Kleinen Schwestern der katholischen Entbindungsstationen«. Marie Simone Normand wird später schreiben: »Sie sind mir auf­gefallen, weil sie immer ein Lächeln auf den Lippen hat­ten, denn ich habe mich immer gefragt, was diese Frauen so fröhlich macht.« Trotz des Protestes ihrer Eltern tritt sie in den Orden ein. Im Jahr 2001 kam der große Schlag: Die Ärzte diagnostizierten die Parkinson-Krankheit. Ihre linke Hand und ihr linkes Bein waren betroffen. »Am Anfang konnte ich mir Papst Johannes Paul II. noch im Fernse­hen anschauen, er war mir nahe wie ein Freund, doch dann wurde es immer schlimmer für mich. Wenn ich den Papst sah, dachte ich, ja, das, was du da siehst, wird in den nächs­ten Jahren auch auf dich zukommen«, sagte die Ordens­frau der französischen Agentur KTO. Die Krankheit nahm ihren Verlauf, die Schüttellähmungen wurden immer hefti­ger. »Meine linke Hand war betroffen, und alles wäre nicht so schlimm gewesen, wenn ich nicht Linkshänderin wäre.«

Die Krankheit verschlimmert sich. Schwester Marie Simon Pierre Normand kann kaum mehr gehen, sie kann nicht einmal mehr einfache Notizen aufschreiben. Eine ständige Schlaflosigkeit plagt die Frau. Immer wieder be­tet sie zusammen mit den Ordensschwestern. Im Laufe des Jahres 2005 verschlechtert sich ihr Zustand, in den Tagen während des Sterbens von Papst Johannes Paul II. beten die Schwestern zusammen. »Es war ein sehr intensives Erleb­nis für mich, der Papst war wie ein Freund; auch wenn er jetzt bald im Himmel sein würde, hatte ich das Gefühl, ihn an meiner Seite zu haben«, sagt die Schwester gegenüber KTO. Nach dem Tod des Papstes wenden sich die Schwes­tern in einer Novene, also einem Gebet, das an neun auf­einanderfolgenden Tagen wiederholt wurde, an den ver­storbenen Papst und bitten ihn, Schwester Marie Simon zu helfen. »Während dieses Gebets hatte ich immer das Ge­fühl, den Satz in mir zu spüren, der mir sagte: >Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen.<« Doch ihr Zustand verschlechtert sich weiter. »Am 2. Juni ging es mir so schlecht, dass ich die Ordensoberin bat, mich von allen Diensten und Arbeiten zubinden. Ich konnte einfach nicht mehr. Die Ordensoberin bat mich, auf einen Zettel den Namen Johannes Paul II. zu schreiben, ich versuchte es, dabei kam aber nur Gekritzel heraus. Wir blieben beide lange vor dem Blatt stehen und sahen es an. Dann sagte die Ordensoberin zu mir, dass Papst Johannes Paul II. noch nicht das letzte Wort gesprochen habe. Ich bat darum, mich zurückziehen zu dürfen.«

In der Nacht zum 3. Juni geschieht das Wunder. Als die Schwester aufwacht, kann sie zum ersten Mal fünfzig Meter an einem Stück laufen, ihre Schrift ist klar, und sie schreibt ohne Probleme den Namen Johannes Paul II. Sie wendet sich an ihre Ärzte, die sie ab dem Jahr 2001 behan­delt haben. Die stehen vor einem unglaublichen Rätsel, der ersten Heilung von der Parkinson-Krankheit in der Ge­schichte der Medizin.

Dem Vatikan war von Anfang an klar, dass dieses Wun­der genauer unter die Lupe genommen werden würde als jedes andere. Unter dem Vorsitz von Dr. Patrizio Polisca kommt die Kommission zu einem eindeutigen Ergebnis: Es ist ein sensationelles Wunder, der einzige bekannte Fall der vollständigen Heilung einer unheilbaren Krankheit. Hatte der Papst vom Himmel aus eine Ordensfrau von einer Krankheit befreit, die ihn selbst jahrelang hatte leiden lassen? Für die katholische Kirche gibt es daran keinen Zweifel.

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Quelle: Andreas English: Der Wunder-Papst Johannes Paul II., Verlagsgruppe Random-House

The Eucharistic miracle of Sokolka: The host is tissue from heart of a dying man

Laboratory analyses confirm that the structure of the cardiac muscle fibers and the structure of the bread are intertwined in a way impossible to reproduce by human means.

Every day, on the altars of Catholic churches around the world, the greatest miracle possible takes place: the transformation of bread and wine into the true Body and Blood of Christ.

Nonetheless, when we receive Communion, we can only touch its true nature with our faith, because our senses only perceive bread and wine, physically unaltered by the consecration.

What are the implications, then, of the Eucharistic event in Sokolka, Poland?

It took place on Sunday, October 12, 2008, two weeks after the beatification of Servant of God Fr. Michael Sopocko.

During the Holy Mass celebrated at the parish church of St. Anthony in Sokolka, at 8:30 a.m., a consecrated host fell from the hands of one of the priests during the distribution of Communion, next to the altar. The priest interrupted the distribution of Communion and picked up the host, and, in accordance with liturgical norms, placed it in a small container of water—in this case, one found in some churches beside the tabernacle, where the priest may wash his fingers after distributing Communion. The host was expected to dissolve in the water, which would later be disposed of properly.

Sister Julia Dubowska, of the Congregation of the Eucharistic Sisters, was the parish sacristan. At the end of the Mass, at the request of the pastor, Fr. Stanislaw Gniedziejko, she poured the water and the host into another container. Knowing that the consecrated host would take some time to dissolve, she placed the new container in the safe located in the parish sacristy. Only she and the pastor had the keys to the safe.

A week later, on October 19, Mission Sunday, when the pastor asked her about the condition of the host, Sister Julia went to the safe. When she opened the door, she noticed a delicate aroma of unleavened bread. When she opened the container, she saw, in the middle of the host—which was still largely intact—a curved, bright red stain, like a blood stain: a living particle of a body. The water was untainted by the color.

The sister immediately informed the priest, who brought in the other priests at the parish and the visiting missionary, Fr. Ryszard Gorowski. They were all amazed and left speechless by what they saw.

They kept a discreet and prudent silence about the event, considering its importance; this was a consecrated host which, by the power of the words of Christ at the Last Supper, was truly His Body. From a human point of view, it was difficult at that point to define if the altered form of the remainder of the host was the result of an organic growth, a chemical reaction, or some other cause.

They immediately notified the metropolitan archbishop of Bialystok, Edward Ozorowski, who went to Sokolka with the chancellor of the Curia and other diocesan officials. They were all deeply moved by what they saw. The archbishop ordered that the host be protected while they waited to see what would happen.

On October 29, the container with the host was transferred to the Divine Mercy Chapel in the rectory, and placed in the tabernacle. The next day, by decision of the archbishop, the stained host was taken out of the water and placed on a small corporal, which was then put back in the tabernacle. The host was kept this way for three years, until it was solemnly brought to the church on October 2, 2011. During the first year, it was kept secret. During that time, the Church authorities reflected on what to do, since they were dealing with a sign from God which needed to be interpreted.

By mid-January of 2009, the altered fragment of the host had dried out naturally, and remained like a blood stain or clot; since then, its appearance has not changed.

That same month, the archbishop requested histopathological studies be done on the host. On March 30, he created an ecclesial commission to study the phenomenon.

A piece of the altered host was taken and analyzed independently by two experts, Prof. Maria Sobaniec-Lotowska, MD, and Prof. Stanislaw Sulkowski, MD, in order to ensure the credibility of the results. Both are histopathologists at the Medical University of Bialystok. The studies were carried out at the university’s Department of Pathomorphology.

The specialists’ work was governed by the scientific norms and obligations for analyzing any scientific problem in accordance with the directives of the Scientific Ethics Committee of the Polish Academy of Sciences. The studies were exhaustively described and photographed. The complete documentation was given to the Metropolitan Curia of Bialystok.

When the samples were taken for analysis, the undissolved part of the consecrated host had become embedded in the cloth. However, the red blood clot was as clear as ever. This transformed part of the host was dry and fragile, inextricably interwoven with the rest of the fragment, which had kept the form of bread. The sample that was taken was large enough to carry out all the necessary studies.

The results of both independent studies were in perfect agreement. They concluded that the structure of the transformed fragment of the host is identical to the myocardial (heart) tissue of a living person who is nearing death. The structure of the heart muscle fibers is deeply intertwined with that of the bread, in a way impossible to achieve with human means, according to the declaration of Prof. Maria Sobaniec-Lotowska.

The studies proved that no foreign substance was added to the consecrated host; rather, part of the host took the form of heart muscle of a person near death. This kind of phenomenon is inexplicable by the natural sciences. At the same time, the Church teaches us that the consecrated host becomes the Body of Christ, by the power of His own words at the Last Supper, repeated by priests during the consecration of the Mass.

The results of the histopathological studies, dated January 21, 2009, were included in the dossier given to the Metropolitan Curia of Bialystok.

In its official communiqué, the Metropolitan Curia of Bialystok stated:

“The Sokolka event is not opposed to the faith of the Church; rather, it confirms it. The Church professes that, after the words of consecration, by the power of the Holy Spirit, the bread is transformed into the Body of Christ, and the wine into His Blood. Additionally, this is an invitation for all ministers of the Eucharist to distribute the Body of the Lord with faith and care, and for the faithful to receive Him with adoration.”

This article first appeared in Aleteia’s Portuguese edition.

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Quelle

Siehe ferner:

Eucharistisches Wunder von Buenos Aires – Erzbischof Bergoglio und die wissenschaftlichen Analysen

(Buenos Aires) Papst Franziskus ließ als Erzbischof von Buenos Aires eine wissenschaftliche Untersuchung über ein mutmaßliches eucharistisches Wunder durchführen, das als Eucharistisches Wunder von Buenos Aires bekannt wurde und sich zwischen 1992 und 1996 zugetragen haben soll. Er selbst suchte jedes Jahr mehrfach die Marienkirche auf, in der die sichtbaren Zeichen des Wunders aufbewahrt werden, um dort eucharistische Anbetung zu halten.

Das Ereignis ist nur wenig bekannt, weil der Pfarrer und seine Gläubigen, wohl nicht ohne Rücksprache mit dem zuständigen Erzbischof, kein mediales Aufsehen wollten. Seit der Wahl Kardinal Bergoglios zum Nachfolger des Apostels Petrus spricht sich die Nachricht dennoch langsam herum. Im deutschen Sprachraum gehört das katholische Internetforum Viaveritas zu den Ersten, die bereits 2009 darüber berichteten.

Die Fakten

Das Ereignis begann 1992 im selben Jahr und Monat, in dem Jorge Mario Bergoglio von Papst Johannes Paul II. aus der argentinischen Provinz zurückgerufen und zum Weihbischof von Buenos Aires ernannt wird. Alles geschah in der Pfarrkirche Santa Maria im Viertel Almagro y Caballito in der Altstadt von Buenos Aires. Am 1. Mai 1992, einem Freitag, wurden zwei konsekrierte Hostien auf dem Korporale des Tabernakels gefunden. Auf Anweisung des Pfarrers, Pater Alejandro Pezet, wurden sie in einen Wasserbehälter gelegt und im Tabernakel verschlossen, wie es in solchen Fällen üblich ist. Nach mehreren Tagen hatten sich die Hostien aber nicht aufgelöst. Eine Woche später, am Freitag den 8. Mai 1992 waren die beiden Hostien wie mit Blut durchtränkt. Am Sonntag, den 10. Mai 1992 wurden während der Abendmesse auch auf der Patene Bluttropfen entdeckt, auf der die konsekrierte Hostie während der Eucharistiefeier gelegt wird. Das Blut wurde von einem Arzt und mehreren Hämatologen untersucht. Alle stellten zweifelsfrei fest, daß es sich um menschliches Blut handelte.

Am 15. August 1996, dem Hochfest Maria Himmelfahrt, als während der Heiligen Messe die Kommunionspendung beendet war, näherte sich eine Frau Pfarrer Pezet und sagte ihm, sie hätte auf der Rückseite der Kirche eine offensichtlich profanierte Hostie gefunden. Der Priester eilte hinaus, um sie aufzulesen und legte auch diese in ein Wasserglas, damit sie sich auflöst. Statt sich aufzulösen, verwandelte sich die Hostie jedoch in ein blutiges Fleischstück. Von dieser Metamorphose wurde umgehend der damalige Erzbischof von Buenos Aires, Antonio Kardinal Quarracino (1990-1998) und dessen Weihbischof Jorge Mario Bergoglio informiert. Dieser beauftragte den Pfarrer, von einem Fotografen alles ablichten zu lassen. Die Aufnahmen wurden am 6. September 1996 gemacht und nach Rom geschickt.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Als auch nach mehreren Jahren keine Zeichen eines Zerfallsprozesses erkennbar waren, erlaubte der inzwischen zum Erzbischof von Buenos Aires gewordene heutige Papst eine gründliche Untersuchung. Eine Gewebeprobe des Fleischstückes, in das sich 1996 die aufgefundene Hostie im Tabernakel verwandelt hatte, wurde gerichtsmedizinisch untersucht. Dabei wurde festgestellt, daß es sich mit Sicherheit um den Teil eines Menschenherzens handelt. Wie das pathologische Institut weiter feststellte, mußte es sich um das Herz eines noch lebenden Mannes handeln. Es handelt sich um lebende Zellen. Der beauftragten Gerichtsmedizin war die Herkunft der Gewebeprobe nicht mitgeteilt worden, um das Ergebnis in keine Richtung zu beeinflussen.

Im selben Jahr wurde der bekannte, unter anderem in Deutschland ausgebildete Neuropsychophysiologe Ricardo Castaà±on Gomez aus Bolivien mit der Durchführung einiger weiterer Untersuchungen beauftragt. Diesmal an beiden mutmaßlichen eucharistischen Wundern, jenem von 1992 und jenem von 1996. Am 6. Oktober 1999 entnahm Castaà±on in Anwesenheit von Vertretern des Erzbischofs und eines Notars je eine Blutprobe und schickte sie an das gerichtsmedizinische Institut Forence Analitycal von San Francisco in den USA. Die Entnahme war vom Erzbischof mit Rom abgesprochen worden. Direkter Ansprechpartner war der Kirchenrechtler und heutige Kurienbischof Gianfranco Girotti, der Privatsekretär von Joseph Kardinal Ratzinger, dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation. Am 28. Januar 2000 wurde das Ergebnis bekanntgegeben. Das Institut stellte fest, daß es sich um menschliches Blut handelte und bestätigte damit die bisherigen Untersuchungen. Der DNA-Code sei eindeutig menschlich. Die Proben wurden ebenso an Professor John Walker von der University of Sydney in Australien geschickt. Der unabhängig von den anderen Untersuchungen feststellte, daß die Muskelzellen und Weißen Blutkörperchen von einem Menschen stammen und vollkommen intakt sind. Aus den Untersuchungen ging zudem hervor, daß das Gewebe entzündet war, was bedeutet, daß die Person, zu dem es gehört, ein Trauma erlitten hatte. 2003 teilte Walker Castaà±on mit, daß die Proben mit einem entzündeten männlichen, nach allen Merkmalen noch lebenden Herzen übereinstimmen.

Um die Sache weiter zu vertiefen, wurden daraufhin die Proben dem bekannten Spezialisten für Herzerkrankungen Frederic Zugibe von der Columbia University von New York, einem der renommiertesten Gerichtsmediziner der USA übermittelt. Am 26. März 2005 legte er das Ergebnis seiner Untersuchungen vor. Das analysierte Material stellte er als Fragment des Herzmuskels fest, das aus der linken Herzkammer nahe der Aortenklappe stamme. Die linke Herzkammer pumpt das Blut in alle Körperteile. Der untersuchte Herzmuskel, so Zugibe, befindet sich in einem entzündeten Zustand und enthält eine große Zahl weißer Blutkörperchen. Das weise daraufhin, daß das Herz lebte, als ihm die Probe entnommen wurde, da weiße Blutkörperchen außerhalb eines lebenden Organismus absterben. Mehr noch: die weißen Blutkörperchen sind in das Gewebe eingedrungen, was anzeigt, daß das Herz eine große Streßsituation erlitten hat. Auch Zugibe und sein Wissenschaftsteam waren nicht über die Hintergründe und die Herkunft der Proben aus konsekrierten Hostien informiert.

Zeugen der Untersuchungen waren der Rechtsanwalt Ron Tesoriero und mit Mike Willesee einer der bekanntesten Journalisten Australiens, der sich dann zum katholischen Glauben bekehrte. Als Zugibe später erfuhr, daß die eine Probe einen Monat, die andere sogar drei Jahre in destilliertem Wasser aufbewahrt wurden, war er völlig verblüfft. Noch mehr verblüfft war er, als er von der Herkunft der Proben aus Hostien erfuhr. Das von ihm als Teil eines „lebenden“ männlichen Herzens festgestellte Fragment, stammte aus einem konsekrierten Brotstück. Zugibe war fassungslos: Wie konnte das Fragment eines Stückes Brot ein Teil eines menschlichen Herzens werden? Wie war es möglich, daß diese von ihm untersuchte Probe, die 1996 für alle, die nicht an Wunder glauben, von einem toten Mann entnommen worden sein mußte,  Jahre nach der Entnahme noch immer „lebte“, das heißt, daß die Gewebezellen aktiv waren und sich bewegten? Innerhalb von 15 Minuten zerfallen die weißen Blutkörperchen in einem toten Organismus. Wie war es dann möglich, sie 2005 noch immer zu beobachten? Die Antwort von Zugibe: „Wie und warum die geweihte Hostie mutieren und zu Fleisch und Blut eines lebenden menschlichen Wesens werden kann, bleibt für die Wissenschaft ein unerklärliches Geheimnis, ein Geheimnis, das außerhalb ihrer Kompetenz liegt.“

Vergleich mit Lanciano und dem Grabtuch von Turin

Die Ergebnisse der Analyse des New Yorker Instituts wurden schließlich mit jenen eines anderen eucharistischen Wunders, jenem von Lanciano verglichen, dem ältesten bekannten seiner Art. In Lanciano werden sowohl die Reste einer Bluthostie als auch eines menschlichen Herzens aufbewahrt, in das sich eine konsekrierte Hostie verwandelte. Das Hostienwunder von Lanciano liegt bereits 1300 Jahre zurück und dennoch sind noch immer Hostie und Teil des Herzmuskels zu sehen und in der dortigen Minoritenkirche ausgestellt. Das Wunder ereignete sich in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts, als die Gegend von Lanciano in Süditalien langobardisch war. Aus Byzanz waren wegen des Bildersturms unter Kaiser Leo III. (717-741) zahlreiche Mönche in den Westen geflohen. Einer von ihnen, ein griechischer Basilianermönch zweifelte während er das heilige Meßopfer zelebrierte, an der Realpräsenz Christi. Er bezweifelte, daß Brot und Wein in der Wandlung tatsächlich zum Fleisch und Blut von Jesus Christus werden und bleiben. Während der Wandlung verwandelten sich in seinen Händen und unter seinen Augen Brot und Wein tatsächlich in Fleisch und Blut. Wie auch neueste wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten, handelt es sich bei den seit bald 1300 Jahren verehrten Reliquien um menschliches Blut und menschliches Herzgewebe. Es konnten keine Konservierungsmittel festgestellt werden, die den so langen Erhalt erklären könnten.

Auch beim Vergleich der Untersuchungen von Lanciano und Buenos Aires wurde den Wissenschaftlern weder etwas über die Herkunft der beiden Proben aus Italien und Argentinien mitgeteilt. Der Vergleich ergab, daß die untersuchten Proben in beiden Fällen von derselben Person stammen. Die Blutgruppe ist jeweils AB+, die weltweit bei rund fünf Prozent aller Menschen vorkommt. Die DNA stimmt in beiden Fällen überein. Zudem gebe es Merkmale, daß der Mann aus dem Nahen Osten stamme. Weitere Vergleiche zeigten dieselbe Übereinstimmung mit dem Turiner Grabtuch und dem Schweißtuch von Oviedo.

Vom Vatikan wurde das Eucharistische Wunder von Buenos Aires (noch) nicht anerkannt. Die Kirche läßt sich damit in der Regel ausreichend Zeit und überstürzt nichts. Dennoch scheint sich Argentinien in eine lange Reihe eucharistischer Wunder einzureihen, die im Laufe der Zeit die Kirchengeschichte auf eine ganz eigene Art und Weise durchziehen, indem sie gegen die Zweifel von Priestern, Ordensleuten und Laien die Transsubstantiation ganz real und plastisch in Erinnerung rufen.

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Siehe dazu auch:

In Polen verwandelte sich eine Hostie zu Herzgewebe

Die Hostie verwandelte sich zu einem Stück Gewebe. Foto: Bistum Liegnitz

Eucharistisches Wunder

Es gilt als eucharistisches Wunder. Im polnischen Liegnitz hat sich eine geweihte Hostie in ein Stück Herzgewebe verwandelt. Seit Juli kann die Reliquie verehrt werden.

 TV-Sender berichteten ausführlich in den Hauptnachrichten, Reporter gingen live auf Sendung, Zeitungen verkauften das „Wunder von Liegnitz“ tagelang als Sensation. In Polen löste die kirchliche Anerkennung des eucharistischen Wunders im April einen Medienhype aus. Seit dem 2. Juli kann die Hostie, auf der Wissenschaftler Gewebe eines menschlichen Herzmuskels feststellten, im niederschlesischen Liegnitz (Legnica) als Reliquie verehrt werden. Der Bischof der 100 000-Einwohner-Stadt, Zbigniew Kiernikowski, hat sie in einer feierlichen Zeremonie in das Sanktuarium des heiligen Hyazinth – polnisch: Jacek Odrowaz – eingeführt.

Schon jetzt lockt das Verwandlungswunder zahlreiche Katholiken an. „Es kamen bereits Pilger aus Florida, Deutschland und sogar ein Paar aus Ecuador“, sagt Pfarrer Andrzej Ziombra. „Auch Gruppen aus Australien haben sich bereits angemeldet.“

Das Wasser mit der Hostie verfärbte sich rot

Seit Anfang Juli kann die Hostie in Liegnitz verehrt werden. Foto: Bistum Liegnitz

Ziombra spielt eine Schlüsselrolle bei dem Ereignis. Er leitet die Pfarrei des heiligen Hyazinth. Während einer Messe fiel ihm am 25. Dezember 2013 eine konsekrierte Hostie in dem Gotteshaus auf den Boden. Für den Fall, dass der Priester die Hostie nicht konsumieren kann, sehen die Kirchenvorschriften vor, diese in einem mit Wasser gefüllten liturgischen Gefäß zu verschließen und abzuwarten, bis sie sich ganz auflöst. Dann kann von einer Gestalt des Brotes nicht mehr die Rede sein und folglich nicht mehr vom Leib des Herrn. Für diese Prozedur entschied sich auch Ziombra.

Als jedoch nach wenigen Tagen das Gefäß aus dem Tabernakel geholt und geöffnet wurde, war das Wasser rot verfärbt. Der Inhalt des Gefäßes wurde auf ein Korporale ausgegossen, und nachdem die Flüssigkeit verdunstet war, kam ein Stück Gewebe zum Vorschein. „So ein klares Zeichen war für mich wirklich ein Schock“, so der Priester. Es werfe viele Fragen auf. Der damalige Ortsbischof Stefan Cichy setzte schließlich eine Kommission ein, die das Phänomen untersuchen sollte.

In der Wissenschaft gibt es das Wort „Wunder“ jedoch nicht, betont Barbara Engel, Chefärztin der kardiologischen Abteilung der Liegnitzer Klinik. „Da endet die Wissenschaft.“ Als Sprecherin der Untersuchungskommission bestätigte sie allerdings, dass es sich „höchstwahrscheinlich um Gewebe des Herzmuskels mit charakteristischen Merkmalen eines Todeskampfes“ handelt. Das hätten Untersuchungen an den Medizinischen Universitäten von Breslau und Stettin ergeben.

Auch der Vatikan erkannte sodann das eucharistische Wunder an. Die zu Fleisch gewordene Hostie solle mit Hochachtung behandelt und würdevoll ausgestellt werden, so Bischof Kiernikowski. „Wir lesen dieses wundervolle Zeichen als Ausdruck des Wohlwollens und der Liebe Gottes, der so zu uns Menschen hinabsteigt.“

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