Die Marianische Priesterbewegung (MPB) – Vortrag von P. Laurent Larroque am ersten Exerzitientag in Collevalenza, 27. Juni 2016

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Liebe Exzellenzen, liebe Mitbrüder,

vor Kurzem habe ich ein Wort Mariens im Blauen Buch gelesen, das mich ge­troffen hat, denn sie spricht nicht vom Triumph ihres Unbefleckten Herzens, sondern sagt: „Das aber wird der Triumph meiner kleinen Söhne in meinem Unbefleckten Herzen sein“ (29. Juli 1975). Das will heißen, dass es nicht nur ihr Triumph ist, sondern auch der unsere — ihr Triumph in uns! Wenn wir immer mehr ihre kleinen Kinder werden, wird sie ihren Triumph in uns verwirklichen. Darum spricht sie nicht nur von einem zukünftigen Triumph, sondern dass er sich bereits täglich im Herzen ihrer kleinen Kinder ereignet: „Jeden Tag errich­te ich nur im Herzen der Kleinen den größten Triumph meines Unbefleckten Herzens.“ (2. Februar 1990)

Ihr Triumph vollzieht sich also tatsächlich durch uns (wenn wir klein sind). Ihr Triumph wird unserer und unserer wird ihrer sein.
Das hat mich sehr beeindruckt, als ich es zuletzt las, obwohl ich es sicher schon früher gelesen hatte, aber das ist ja das Erstaunliche an diesem Buch, dass dich ein Wort Mariens im richtigen Moment trifft. Du hast es vielleicht schon öfter gelesen, ohne dass es dir aufgefallen wäre.
Ich möchte also diesen Gedanken in meiner Betrachtung vertiefen.

Die Frau mit der Sonne bekleidet

(Offenbarung des Johannes, Kapitel 12)

Wir befinden uns tatsächlich in der in Kapitel 12 der Geheimen Offenbarung beschriebenen Zeitperiode. Dies sagt auch der hl. Johannes Paul II. in seiner Predigt zur Seligsprechung von Jacinta und Francisco, am 13. Mai 2000 in Fatima. Er hatte als erste Lesung für die hl. Messe Offb. 12 gewählt, — wie es auch Don Stefano Gobbi immer für die Zönakel tat —, und setzte die „Frau mit der Sonne bekleidet“ mit Unserer Lieben Frau von Fatima gleich.

„Nach dem göttlichen Plan ist ,eine Frau, mit der Sonne bekleidet‘ (Offb 12,1), vom Himmel auf diese Erde herab gekommen, um die vom Vater bevorzugten Unmündigen aufzusuchen. Sie spricht mit der Stimme und dem Herzen einer Mutter zu ihnen …“

Dieser Satz von Johannes Paul II. hat Don Stefano sehr gefallen, weshalb er ihn immer wieder zitiert hat. Er sah darin die Erklärung für den Ursprung der MPB, ihren Geist und den Grund, ihr anzugehören.

* Der göttliche Ursprung. So wie Fatima nicht von Jacinta, Francisco und Lucia erfunden wurde, sondern eine Initiative des Himmels ist, so war auch die MPB keine Erfindung von Don Stefano, sondern ist göttlichen Ursprungs; Maria ist „vom Himmel herabgekommen“ zu Don Stefano. Es ist „ihre“ Bewe­gung und keine, die von Menschen ausgeht. (Vgl. Mt 21,25 in Bezug auf die Taufe des Johannes: stammte sie „vom Himmel oder von den Menschen?“ Und die Pharisäer antworteten: „Wir wissen es nicht“, weil sie sich nicht bekehren wollten.)

* Der Geist des Kleinseins. Wenn wir nicht klein sind, sucht Maria uns nicht auf. Darum gehören auch viele nicht mehr der Bewegung an: Sie ist nur für die Kleinen, die sich Maria anvertrauen. Sie spricht zu ihnen mit dem Herzen und der Stimme einer Mutter und nur jene, die Herz und Ohr eines Kindes haben, können auf das Blaue Buch hören und sich nach den Plänen der Madonna führen lassen.

* Diese Gleichsetzung Unserer Lieben Frau von Fatima mit der sonnenbe­kleideten Frau der Apokalypse sagt uns, dass wir in dieser Zeit angekommen sind, die in Kapitel 12 ff. der Offenbarung beschrieben ist. All dies wird nach und nach im Blauen Buch erklärt.

Die Gottesmutter hat die MPB ins Leben gerufen, um sich eine Heerschar zu bilden, die sich zum Kampf gegen Satan, sein Gefolge und alle apokalypti­schen Tiere, die in Kapitel 12-13 der Geheimen Offenbarung beschrieben sind, versammelt, um schließlich, wie dort und in Kapitel 19-20 nachzulesen, den Sieg davon zu tragen.

Diese Schlacht muss Maria „durch uns“ gewinnen. Das wiederholt sie im Blauen Buch bereits in den allerersten Botschaften: … „Es wird eine neue Kirche für eine neue Welt sein, in der mein Sohn Jesus schließlich herrschen wird. Satan fürchtet nur diesen meinen Sieg, den ich durch euch, meine vielgeliebten Söhne, die ich in meiner Bewegung sammle, erringen werde.“ (1. August 1973)

Das große Zeichen

* Im Kontext des Buches der Geheimen Offenbarung

Die Erscheinung der mit der Sonne umkleideten Frau muss, gemäß dem Buch der Offenbarung, „das Geheimnis Gottes vollenden; so hatte er es seinen Knech­ten, den Propheten, verkündet“ (Offb. 10,7). Dies wird die Auswirkung „der siebten (und letzten) Posaune“ sein. „Der siebte Engel blies seine Posaune … Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar … Dann erschien ein großes Zeichen am Him­mel: eine Frau, mit der Sonne umkleidet …“ (Offb. 11,15. 19; 12,1).

Die Lade des Bundes oder die Frau mit der Sonne umkleidet, ist Maria, „die Vollendung des Geheimnisses Gottes“.

* In unserer Zeit

Wir leben in dieser Zeit und die Gegenwart Mariens als „Großes Zeichen“ im Himmel und auf der Erde seit ungefähr zwei Jahrhunderten und ganz besonders in unserer Zeit mit „ihrer“ Bewegung, ist ein Hinweis auf die Auswirkung der „letzten Posaune“, die „das Geheimnis Gottes vollendet“ und den Plan Gottes für die letzten Zeiten verwirklicht. Dies ist eine „gute Nachricht“ für die Diener Gottes, auch wenn Johannes die drei letzten Posaunen mit „Wehe“-Rufen be­gleitet. Ja, „Wehe“ für die Welt, weil es Gericht bedeutet und den baldigen Sturz Babylons , der großen, verdorbenen Stadt (Offb. 18,20-21). Aber auch „gute Nachricht“, wenn unser Herr „an jenem Tag kommt, um inmitten seiner Heili­gen gefeiert und im Kreis aller derer bewundert zu werden, die den Glauben an­genommen haben“ (2 Tess 1,10) und „die sehnsüchtig auf sein Erscheinen war­ten“ (2. Tim 4,8) und sprechen: „Amen. Komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20).

Das Ende der Zeiten ist Unglück und gute Nachricht zugleich: „Denn wir sind Christi Wohlgeruch für Gott unter denen, die gerettet werden, wie unter denen, die verloren gehen. Den einen sind wir Todesgeruch, der Tod bringt; den ande­ren Lebensduft, der Leben verheißt“ 2 Kor 2,15-16.

Papst Paul VI. hat zum 50. Jahrestag der Erscheinung von Fatima von Unserer Lieben Frau als dem „großen Zeichen“ der Apokalypse gesprochen. Dies ist auch der Titel seines Apostolischen Mahnschreibens: Signum Magnum. Ein großes Zeichen erschien am Himmel: Maria, Unsere Liebe Frau von Fatima, die Frau der Offenbarung, die den Kampf mit Satan und seiner mächtigen Ge­folgschaft aufnimmt.

In diesem Text erinnert Papst Paul VI. an die „Weihe der Kirche und des Men­schengeschlechts an Maria“, die von Pius XII. am 31. Oktober 1942 vollzogen wurde. „Diese Weihe haben Wir selbst, am 21. November 1964 erneuert. Nun aber bitten Wir, und rufen dazu alle Söhne und Töchter der Kirche auf, sich persönlich und von neuem aufrichtig dem Unbefleckten Herzen der Mutter der Kirche anzuvertrauen. Und dieses Zeichen vollständiger kindlicher Liebe, die Nachahmung des Beispiels der Mutter, soll in ein tatkräftiges Leben übertragen werden! Mehr und mehr soll der Einzelne sein Leben nach dem Willen Gottes, nach dem Vorbild des Lebens der himmlischen Königin ausrichten und ihr so nach echter Kinderart dienen.“

Wir wünschen, dass die Kirche, zusammen mit dem Hl. Vater, das 100-jährige Fatima-Jubiläum im kommenden Jahr gebührend feiern kann, als ein „Fatima-Jahr“, um den „angekündigten Triumph des Unbefleckten Herzen Mariens zu beschleunigen“, wie Benedikt XVI. am 12. Mai 2010 in Fatima gesagt hat. Dieser Weiheakt an das Unbefleckte Herz Mariens wurde von allen Päpsten unserer Zeit vollzogen und gewünscht:

Johannes Paul II. hat ihn am 25. März 1984 vollzogen. (Text und Bild befinden sich am Ende unseres Blauen Buches, mit dem schönen Kommentar von Maria zu diesem Datum und der Bedeutung dieser Weihe.)

Benedikt XVI. hat ihn mit den Priestern aus aller Welt am 13. Mai in Fatima und am 10. Juni 2010 auf dem Petersplatz gebetet, am Herz-Jesu-Fest und zum Abschluss des Priesterjahres. Dies war von so großer Bedeutung, dass Don Stefano sagte: mit dieser Weihe des Papstes hat die MPB ihr Ziel erreicht, darin bestand ihre Aufgabe. Jetzt geht es darum, dass die Weihe gelebt wird.

Unser Wunsch ist, dass Papst Franziskus eine feierliche Weihe zum 100-jähri­gen Jubiläum in Fatima vollzieht.

Im Kontext der Offenbarung können wir sagen, dass dieser Weiheakt unver­zichtbar ist, um der siegreichen Schar Mariens, die dem kampfbereiten Heer des Bösen gegenübersteht, anzugehören.

Die Schlacht zu unseren Häuptern

Das Erste, was es hervorzuheben gilt: Dies ist der Kampf Gottes und nicht der eure.

„So spricht der Herr zu euch: Fürchtet euch nicht und erschreckt nicht vor die­sem großen Heerhaufen; denn nicht eure, sondern Gottes Sache ist der Krieg. Zieht morgen gegen sie hinab! (…) Doch werdet ihr nicht kämpfen müssen. Tretet an, bleibt aber stehen und seht zu, wie der Herr euch Rettung verschafft. Juda und Jerusalem, fürchtet euch nicht und habt keine Angst! Morgen sollt ihr vor ihren Augen ausrücken und der Herr wird mit euch sein.“ (2 Chron 20,15) „Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel“ (Offb 12,7-8).

Maria sagt oft im Blauen Buch: „Es ist ein Plan der Feindschaft!“ (8. Dezem­ber 1982), ein Kampf, der vor allem auf geistiger Ebene stattfindet: Gott gegen den Teufel; Maria gegen Satan; Engel und Erzengel gegen die aufbegehrenden Engel; die Seelen der Heiligen gegen die Verdammten, die in dieser Zeit auch auf der Erde wirken; und schließlich wir, die Kinder Mariens, die noch auf Er­den sind, gegen die Anhänger Satans. Vgl. 13. Oktober 1985: „Die zwei Heer­scharen.“

„Das ist die Zeit des großen Kampfes zwischen mir und der mächtigen Schar, die unter dem Diktat des roten Drachen und des schwarzen Tieres stehen. Der marxistische Atheismus und das Tier, das einem Panther gleicht [wir nennen es nicht ausdrücklich, wie Maria es Don Stefano empfohlen hatte] führen dieses versammelte Heer an, um die ganze Menschheit zur Verneinung Gottes und zur Rebellion gegen Gott zu verführen.

An der Spitze dieser Heerschar steht Luzifer selbst, der heute seine Heraus­forderung, sich gegen Gott zu stellen und sich selbst als Gott anbeten zu lassen, wiederholt.

Mit ihm kämpfen alle Dämonen, die sich in dieser Zeit aus der Hölle auf die Er ­de ergossen haben, um eine möglichst große Anzahl von Seelen zu verderben. Mit ihnen sind alle Geister der Verdammten und jener vereinigt, die sich in ihrem Leben Gott widersetzen, ihn beleidigen und verfluchen und die Straße des Egoismus und des Hasses, des Bösen und der Unreinheit beschreiten.

Ihr einziges Lebensziel ist das Haschen nach Genüssen, sie befriedigen alle ihre Leidenschaften, sie kämpfen für den Triumph des Hasses, des Bösen und der Gottlosigkeit. Die Schar, die ich selber anführe, wird von allen Engeln und Heiligen des Paradieses gebildet, und sie wird vom heiligen Erzengel Michael, dem Fürst der ganzen himmlischen Heerschar, geleitet.

Das ist eine große Schlacht, die vor allem im Bereich der Geister gekämpft wird.

Auf dieser Erde wird meine Schar von all jenen gebildet, die leben, um entspre­chend der Gnade, die sie in der heiligen Taufe empfangen haben, Gott zu lieben und zu verherrlichen, und die auf dem sicheren Weg der vollkommenen Beob­achtung der Gebote des Herrn gehen.

Sie sind demütig, fügsam, klein und wohltätig; sie meiden die Fallstricke des Dämons und die leichtfertigen Verführungen des Genusses, sie durchlaufen den Weg der Liebe, der Reinheit und der Heiligkeit.“ (13. Oktober 1985)

Wir sind aufgefordert, Stellung zu beziehen: „Wer Unrecht tut, tue weiter Un­recht, der Unreine bleibe unrein, der Gerechte handle weiter gerecht und der Heilige strebe weiter nach Heiligkeit.“ (Vgl. Offb 22,11) „Draußen bleiben die «Hunde» und die Zauberer, die Unzüchtigen und die Mörder, die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut.“ (Offb. 22,15)

Es ist eine Schlacht unendlich weit über unseren Häuptern; unendlich weit jen­seits dessen, was wir tun oder ertragen könnten. (Dieses Thema führe ich in meiner nächsten Betrachtung aus.)

Achtung: Die bösen Kräfte haben jetzt große Macht — aber nur durch die Zu­lassung Gottes, damit das ganz klar ist, denn „das Böse ist mächtig, aber das Gute ist allmächtig“ — dennoch ist es eine große Macht.

„Satan ist auf dem Gipfel seiner großen Macht und fühlt sich nunmehr als si­cherer Sieger.“ (8. September 1997)

„ … Satan übt heute eine große Macht aus, die ihm zugestanden worden ist…“ (15. August 1985)

Maria sagt: „ Wie zahlreich und hinterhältig sind die Fallen, die euch die bösen Geister stellen…“ (2. Oktober 1993); „Darum lade ich euch ein, den Schutz des Erzengels Michael herabzurufen, indem ihr täglich den kurzen und doch so wirksamen Exorzismus, den Papst Leo XIII . verfasst hat, betet .“ (29. Septem­ber 1983) (Don Stefano wies darauf hin, dass für Laien damit das Michaelsge­bet gemeint ist.)

Durch euch: Unser Platz im Kampf

Wenngleich diese Schlacht auf einer höheren Ebene stattfindet, so sind wir doch mit einbezogen und müssen unseren Teil beitragen, der „einmalig und unersetzbar“ ist (29. Juli 1979).

Gott will nicht, dass Maria ohne uns siegt, „damit seine Barmherzigkeit noch stärker aufstrahlen kann“:

„Dies ist die Stunde meines Kampfes. Mit euch habe ich nun begonnen, meinen Widersacher gerade dort anzugreifen, wo er momentan den Sieg errungen zu haben scheint. ( …) Gott hat die Vorbereitung dieser Erneuerung meinem müt­terlichen Wirken anvertraut, damit seine Barmherzigkeit noch stärker auf­strahlen kann“. (25. November 1978)

Darum sagt Maria: Ich muss mich auf die Antwort jedes Einzelnen verlassen können, das heißt, wir müssen Verantwortung übernehmen für unser Leben als Mensch, als Christ durch die Taufe, als Priester durch die Priesterweihe. Ver­antwortungsvolle Erwachsene, Christen, die „keine Kompromisse mit der Welt“ machen und verantwortungsvolle Priester, die die Verpflichtungen erfül­len, die sie „mit ihrer Taufe und Priesterweihe übernommen haben“, wie wir in unserem Weiheakt beten. Ich nehme das Geschenk des Priestertums an und verpflichte mich, das Evangelium aus Liebe und zum Heil der mir anvertrauten Seelen zu verkünden.

Diese Verantwortung möchte ich in die Hände und das Unbefleckte Herz Mariens legen, damit Sie darüber wacht, dass ich meine Verpflichtungen erfülle in meiner Schwachheit und unter den großen Schwierigkeiten einer heidnischen Welt, einer Kirche, die sich vom Weltgeist verdunkeln lässt, in einem apokalypti­schen Kampf, der so gewaltig ist, dass es mir ohne ihre Hilfe nicht gelingen würde.

Dies ist das Thema der Botschaft vom 29. Juli 1979: „Eure Antwort“ und vom 22. August 1979: „Treu, bereit und gehorsam“.

Zur Schar Mariens zu gehören ist unsere Rettung, beinhaltet aber auch eine große Verantwortung, nämlich die, Apostel der letzten Zeiten zu sein. Wir sind in diesen Zeiten angekommen. Jene, die das Blaue Buch wirklich lesen, wissen es. Jene, die darin lesen aber dennoch nicht erkennen, wo wir stehen, sind viel­leicht von falschen „Sehern“ beeinflusst, die nur dem Anschein nach mit dem Blauen Buch übereinstimmen. „Vorsicht, meine Brüder!“ mahnte Don Stefano oft. Vor allem in den tragischen Augenblicken, in denen wir einsatzbereit unse­ren Platz im Kampf einnehmen sollen! …

Sind wir bereit, dem Plan der barmherzigen Liebe zu entsprechen, den der Vater durch diese Zeit der großen Reinigung vorbereitet? Dann …

„ … ich ersehne von euch allen eine immer vollkommenere Antwort auf die Wünsche, die ich euch schon auf viele Arten kundgetan habe. Nur so könnt ihr für meinen großen Liebesplan bereit sein … „

Wollen wir im Kampf, der auch uns betrifft, eingesetzt werden, — oder merken wir vielleicht nicht, dass wir uns bereits mittendrin befinden? Geben wir also diese klare Antwort.

„Nur so könnt ihr wirklich meiner Schar, deren Königin und Führerin ich bin, angehören. Damit sich mein Plan erfüllen kann, muss ich mich auf die Ant­wort jedes Einzelnen von euch verlassen können. Eure Antwort muss großzügig, ausdauernd und rückhaltlos sein. Ihr müsst auf mein großes Ge­schenk, das ich euch gemacht habe, Antwort geben, indem ihr euch fügsam von mir nähren, formen und leiten lasst.

Antwortet auf meine dringende Einladung, Priester des Gebetes zu sein. (…) Antwortet auf meine mütterliche Einladung zu leiden. ( …)

Antwortet auf meine Einladungder Heiligkeit entgegenzugehen. (…)

Es hängt von eurerAntwort ab, ob ich in dem bereits begonnenen großen Kampf gegen Satan und seine starke Armee auf euch zählen kann.

Dann wird mein großer Liebesplan für den Triumph meines Unbefleckten Herzens durch euch in Erfüllung gehen können, und der Triumph meines Unbefleckten Herzens wird der Triumph der barmherzigen Liebe Gottes auf der Welt sein.

Ich habe euch gesagt, dass jeder von euch seinen Platz hat, der von mir vorbe­reitet worden ist: einen einmaligen und unersetzbaren Platz!

Fragt mich nicht, welcher Platz der eure ist, wie ich euch gebrauche, wohin ich euch führe, denn durch meine mütterliche Liebe ist euch allen ein eigener Teil zugewiesen worden, den ihr erfüllen müsst. Und dieser Teil muss in Stille und Demut von jedem einzelnen bis zur Vollkommenheit erfüllt werden.

Darum müsst ihr euch mir mit überaus großem Vertrauen überlassen, ihr müsst an mich glauben, ihr müsst euch von mir mit Fügsamkeit und kindlicher Hingabe führen lassen. Dabei sollt ihr euch weder von den Zweifeln noch vom Unglauben eurer Umgebung aufhalten lassen und auch nicht von euren eigenen, mitunter recht lebhaften Wünschen oder von eurer Neugier, die euch drängt, das kennen zu wollen, was ihr vorläufig noch nicht wissen sollt.

Ich bin eure Königin und himmlische Heerführerin, ich sammle euch in meiner Schar und ich statte euch mit meiner eigenen unüberwindbaren und furchtbaren Kraft gegen meine Feinde aus. Nun müsst ihr meinen Befehlen gehorchen.

Einige sind allerdings noch ungewiß und unsicher, sie halten sich damit auf, Bestätigungen und Ermutigungen zu verlangen. So ist ihre Antwort weder be­reitwillig noch vollständig genug. Für euch ist dies die Stunde der Sicherheit, denn die Zeit ist gekommen, sich in den Kampf zu begeben. Innerhalb kurzer Zeit wird jeder von euch die große Aufgabe, die ihm von der besonderen Liebe meines Unbefleckten Herzens zugewiesen wurde, verstehen. Vorläufig, viel­geliebte Söhne, verlange ich von jedem eine vorbehaltlose Antwort, damit sich mein großer Liebesplan verwirklichen und euer Kampf nach meinen Befehlen vor sich gehen kann.“ (29. Juli 1979)

„Eure Antwort muss großzügig, ausdauernd und rückhaltlos sein.“ „Treu, bereit und gehorsam“. (22. August 1979)

Nur wenn ihr gehorcht, seid ihr meine Soldaten. Andernfalls kann ich mich nicht auf euch verlassen. Ich brauche euch, weil Gott es so bestimmt hat, um seine Barmherzigkeit zu offenbaren: meinen Sieg erringe ich in und durch euch. Wie um zu sagen: wenn ihr desertiert, kann sich mein Rettungsplan nicht verwirklichen oder zumindest nicht in der beabsichtigten Weise. Welch große Verantwortung haben wir!

Mir fällt eine Strophe eines Gedichtes der kleinen Hl. Theresia vom Kinde Jesu ein („Jesus allein“), wo sie sagt, dass sie ein mutiger Krieger sein will und zugleich ein kleines, vertrauensvolles und hingebungsvolles Kind:

„An dir allein halte ich mich fest, Jesus, laufe in deine Arme und verberge mich darin. Ich möchte dich mit kindlicher Zärtlichkeit lieben und für dich als tüch­tiger Krieger kämpfen. Mit kindlicher Zartheit möchte ich dich, Herr, mit Zärt­lichkeiten überschütten und mich auf dem Feld meines Apostolats wie ein Sol­dat in den Kampf stürzen.“

Auch wir sollten diese zweifache Bereitschaft haben: Kind zu sein in den Armen Mariens, unserer süßen Mutter und tapferer Streiter unter ihrer Füh­rung, als mächtige Heerführerin, die sich auf uns verlassen kann.

„Gebet, Heiligkeit und Leiden“ sagt Maria. So kann sie uns für unser Kreuz vorbereiten, um für die Rettung der Seelen geopfert zu werden.

Ein Hinweis auf einen möglichen Schmerz wäre das große Schisma (vgl. 15. März 1993): „In der Kirche wird der große Abfall, der sich in der ganzen Welt ver­breitet, seinen Abschluss finden. Die Spaltung der Kirche wird sich in der all­gemeinen Abwendung vom Evangelium und vom wahren Glauben vollziehen.“ (11. März 1995)

Auch wir werden Stellung beziehen müssen und vielleicht wird die Spaltung auch bei den Mitgliedern der MPB Verheerungen anrichten. Das wird sehr schmerzlich sein, um so mehr, da — wie Maria es ankündigt — in der Finsternis unserer Zeit manche unserer Brüder glauben werden, Gott und Maria einen Dienst zu erweisen, indem sie den Gegner verfolgen … Ich bin kein Prophet, ich weiß nicht, wie es sein wird, doch Maria ist die „himmlische Prophetin“ (2. Fe­bruar 1987) dieser letzten Zeiten und sie sagt uns: „Sogar jene, die euch Hin­dernisse bereiten, die euch schmähen, die euch verachten, die euch auf die Sei­te stellen und die euch verfolgen, werden glauben, dem himmlischen Vater und sogar mir, eurer unbefleckten Mutter, damit einen wohlgefälligen Dienst zu er­weisen.“ (12. November 1988 — vgl. Joh 16,2).

Maria ist in Fatima und mit ihrer Bewegung vom Himmel gekommen, um uns „in dieser Entscheidungsstunde, die schwer auf der Welt lastet“ zu retten, denn es ist die Stunde Satans und der Mächte der Finsternis.

„In dieser dunklen Stunde der Prüfung für die Kirche seid ihr von mir berufen, im Licht zu wandeln.“ (4. Dezember 1976)

Wie beim Exodus dichte Finsternis in ganz Ägypten, aber nicht bei den Israeli­ten herrschte (vgl. Ex 10,22-23), so strahlt heute das Licht aus dem Unbefleck­ten Herzen Mariens für ihre Kinder und die Kämpfer für den wahren Glauben.

Gesegnet die, denen das Licht leuchtet, damit sie nicht straucheln: „Wenn je­mand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht; wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist.“ (Joh 11,9-10).

(Übersetzung aus dem Italienischen)

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Quelle: MARIANISCHE PRIESTERBEWEGUNG, Schlossstraße 8, D-78250 Tengen-Blumenfeld – RB 3 + 4 / 2016

 

DIE MARIANISCHE PRIESTERBEWEGUNG (MPB) – EINFÜHRUNG

Erster Teil

URSPRUNG — VERBREITUNG — SPIRITUALITÄT

URSPRUNG

Am 8. Mai 1972 nimmt Don Stefano Gobbi an einer Wall­fahrt nach Fatima teil. Er befindet sich in der Erscheinungs­kapelle, um für einige Priester zu beten, die nicht nur ihre per­sönliche Berufung verraten, sondern versuchen, sich in Ver­einigungen zu organisieren, die der Autorität der Kirche ent­gegengesetzt sind.

Eine innere Kraft drängt ihn, auf die Liebe Mariens zu ver­trauen. Die Muttergottes wählt ihn als ihr bescheidenes Werkzeug, um all jene Priester zu sammeln, die ihre Auf­forderung annehmen: sich ihrem Unbefleckten Herzen weihen, entschlossen mit dem Papst und der mit ihm ver­einten Kirche verbunden bleiben und die Gläubigen in den sicheren Zufluchtsort ihres mütterlichen Herzens führen. So sollte sich eine große Schar bilden, die sich in allen Teilen der Welt verbreitet, die aber nicht durch menschliche Propa­gandamittel, sondern durch übernatürliche Kraft gesammelt wird, die aus der Stille, aus dem Gebet, dem Leiden und der standhaften Treue gegenüber den eigenen Pflichten entspringt. Don Stefano bat die Muttergottes um ein kleines Zeichen der Bestätigung, das sie ihm vor Ende desselben Monats in der Verkündigungsbasilika von Nazaret gab.

Der Ursprung der Marianischen Priesterbewegung geht auf diese einfache innere Inspiration zurück, die Don Stefano beim Gebet in Fatima hatte.

Was sollte nun konkret geschehen?

Ein bescheidener Anfang wurde schon im Oktober desselben Jahres durch die freundschaftliche Begegnung von drei Priestern, die im Gebet zusammenkamen, in der Pfarrgemeinde Gera Lario (Como) gemacht. Einige katholische Zeitungen und Zeitschriften berichteten über die Bewegung.

Im März 1973 zählte die Bewegung etwa vierzig eingeschriebe­ne Priester. Im September desselben Jahres fand in San Vittori­no bei Rom die erste Zusammenkunft in Italien statt, an der 25 der damals 80 eingeschriebenen Priester teilnahmen

Im Jahr 1974 begannen die ersten Zönakel des Gebets und der Brüderlichkeit von Priestern und Gläubigen. Sie verbreiteten sich nach und nach in Europa und in allen Teilen der Welt. Bis Ende 1995 hat der Gründer, Don Stefano Gobbi, mehr­mals die fünf Kontinente besucht, um Regionalzönakel zu halten. Dazu hat er gut 900 Flüge und zahlreiche Reisen mit dem Auto und der Bahn unternommen, 2.210 Zönakel gehalten, davon 1.015 in Europa, 840 in Amerika, 97 in Afrika, 116 in Asien und 142 in Ozeanien.

Das stellt einen Beweis dar, wie sich die Bewegung in diesen Jahren überall wunderbar verbreitet hat.

DIE VERBREITUNG DER MARIANISCHEN PRIESTERBEWEGUNG

Die Marianische Priesterbewegung konnte sich fast unmerk­lich in außergewöhnlicher Weise ausbreiten.

In beinahe allen Ländern Europas, Amerikas, Asiens, Afrikas und Ozeaniens gibt es inzwischen verantwortliche Priester, die beauftragt sind, die Anmeldungen zu sammeln und Zönakel zu bilden.

Sie sind auch damit betraut, die Regional- und Diözesanver­antwortlichen zu ernennen und dafür zu sorgen, daß der Geist der Bewegung treu bewahrt wird.

Wegen der Selbständigkeit, die den Zentren (Sekretariaten) der einzelnen Länder gelassen wird, ist es schwierig, die genaue Mitgliederzahl der MPB anzugeben.

Dies ist nicht so wichtig, denn es handelt sich bei der MPB um eine Gesinnung, eine geistige Haltung, die sich der äußeren Kontrolle entzieht und sich nur in dem Maß verwirklicht, als jedes Mitglied seine Weihe an Maria täglich zu leben sucht.

Nach den schriftlichen Anmeldungen gehören zur MPB etwa vierhundert Bischöfe und über hunderttausend Prie­ster aus dem Diözesanklerus und aus den verschiedenen Orden und Kongregationen.

Da für Brüder und Schwestern der Orden und Kongregatio­nen und für Laien in manchen Ländern keine regelrechte Anmeldung vorgesehen ist, läßt sich — auch nicht annähernd ­eine Zahl angeben, schätzungsweise handelt es sich um Millio­nen, die dem »Helferkreis der Marianischen Priesterbewe­gung« angehören.

Darüber hinaus gibt es eine beträchtliche Anzahl von sympa­thisierenden Priestern. Sie sind der Bewegung noch nicht bei­getreten, zeigen jedoch auf verschiedene Weise und bei ver­schiedensten Anlässen ihre Solidarität. Wenn sie im Geist der Bewegung leben, tun sie bereits das Wesentliche, auch wenn sie in keiner Mitgliederliste stehen.

Trotz der großen Zahl der Priester, die zur Bewegung gehören, kann es vorkommen, daß benachbarte Mitbrüder nicht um ihre Zugehörigkeit zur Bewegung wissen. Dies gilt beson­ders für Gegenden, in denen die Bewegung erst im Entstehen ist. Die Gründe dafür sind: die minimale Organisation, die eines ihrer Merkmale bleiben wird, ebenso eine gewisse Zu­rückhaltung, die nicht leicht Mitgliederverzeichnisse und Adressen an jeden gibt, der sie anfordert. Handelt es sich doch um eine geistige Entscheidung, um eine überwiegend innere Verpflichtung des einzelnen.

Dennoch erlebt man die wunderbare Tatsache: Die Mutter­gottes bewirkt durch die Zönakel des Gebetes und der Brüder­lichkeit, daß die Priester sich gegenseitig kennenlernen, einan­der helfen, einander wie Brüder lieben und im ganzen Klerus zu einer Kraft des Zusammenhalts werden.

Mit einem tiefen Glaubensakt an die Gemeinschaft der Heili­gen wollen wir uns an jene Priester erinnern, die uns schon in das ewige Leben vorangegangen sind. Sie bleiben für uns wei­terhin »aktive Mitglieder«, die uns stets nahe sind. Unter ih­nen finden sich einige Kardinäle. Der erste Kardinal, der der Bewegung beitrat, war Giacomo Lercaro, Erzbischof von Bo­logna. Wir erinnern uns an die heimgegangenen Bischöfe, so an Msgr. Joao Venancio Pereira, Bischof von Leiria und Fati­ma, der 1973 Mitglied wurde und 1985 starb, an nunmehr über fünftausend Priester. Durch ein intensives Apostolat oder geduldig ertragene Krankheit haben sie ihren letzten Le­bensjahren dadurch höheren Wert verliehen, daß sie die Einla­dung der Muttergottes zur Marianischen Priesterbewegung angenommen und gelebt haben.

Gerne denken wir an den Diener Gottes, P. Gabriele Allegra, einen bekannten Bibelkenner und Übersetzer der Heiligen Schrift ins Chinesische. Sein letztes Bemühen war die Überset­zung des Buches: »An die Priester, die vielgeliebten Söhne der Muttergottes« ins Chinesische.

In ihrer raschen und umfassenden Ausbreitung stieß die Ma­rianische Priesterbewegung auf geringere Schwierigkeiten, als man befürchten hätte können. Da ihr wesentliches Merkmal die Treue zur Kirche und der Gehorsam der rechtmäßigen Autorität gegenüber ist, konnte sich die Bewegung dort, wo sich vor allem die Bischöfe entgegenkommend und ermuti­gend zeigten, leichter ausbreiten. Mehr Geduld war an jenen Orten erforderlich, wo sich die Obrigkeit ratlos oder gleich­gültig zeigte.

Vor allem in der Führung »ihrer« Bewegung erkennt man die wachsame und erleuchtende Gegenwart der Muttergottes: Sie tröstet in Schwierigkeiten und hält unsere Begeisterung in den richtigen Bahnen. Sie lehrt, die Freiheit der Kinder Gottes mutig zu gebrauchen und gleichzeitig hindert sie uns daran, den Vorgesetzten gegenüber eine sich widersetzende, aufrüh­rerische Haltung einzunehmen, was im Widerspruch zum zweiten Hauptpunkt der MPB stünde, der die Liebe zum Papst und zu der mit ihm verbundenen Hierarchie beinhaltet.

DIE SPIRITUALITÄT DER MPB

a) Was ist die Marianische Priesterbewegung

Die MPB ist ein kleines, von der Muttergottes im Garten der Kirche gepflanztes Samenkorn, das sehr schnell zu einem gro­ßen Baum geworden ist, der seine Äste in alle Erdteile ausstreckt. Die MPB ist ein Werk der Liebe, das das Unbefleckte Herz Mariens heute in der Kirche entstehen läßt, um all ihren Kin­dern zu helfen, die leidvollen Zeiten der Reinigung mit Ver­trauen und kindlicher Hoffnung zu leben.

In dieser Zeit ernster Gefahren wirkt die Mutter der Kirche unablässig, um vor allem den Priestern zu helfen, die Söhne ihrer mütterlichen Liebe sind.

Zu diesem Werk werden natürlich Werkzeuge benützt, in besonderer Weise Don Stefano Gobbi.

Warum? Auf einer Seite des Buches wird folgende Erklärung gegeben: »Ich habe dich erwählt, weil du das untauglichste Werkzeug bist. So wird auch niemand sagen können, das sei dein Werk. Die Marianische Priesterbewegung soll allein mein Werk sein. Durch deine Schwäche werde ich meine Kraft er­kennen lassen. Durch deine Armseligkeit werde ich meine Stärke kundtun.« (16. Juli 1973)

Die MPB ist demnach kein, wenn auch noch so lobenswerter Verein mit allerlei Statuten und Vorstehern, der von irgend­einem Priester oder einer eifrigen Seele gegründet wurde, sondern sie ist »ein Geist«, wie es der Heilige Vater Johannes Paul II. glücklicherweise intuitiv erkannt hat. Sie ist nicht etwas Greifbares, wenn auch etwas Starkes und Lebendiges, wie die Geschenke Gottes eben sind. Ihr Hauptzweck ist, daß wir die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens leben.

Wenn sich die Priester Maria anvertrauen, bedeutet das für sie ein vertieftes Bewußtmachen ihrer Weihe, die von Gott und für Gott an dem Tag stattfand, an dem sie getauft und zu Prie­stern geweiht wurden.

Die Marianische Priesterbewegung wird weder in Zahlen noch durch den Wohlklang der Namen oder in der Effizienz ihrer Organisation verwirklicht, sondern in dem Maß, in dem wir auf die Muttergottes hören und dem Wirken des Heiligen Geistes folgen zum Lob der Heiligsten Dreieinigkeit.

Zu diesem Geist der Bewegung gehört jeder — ob er einge­schriebenes Mitglied ist oder nicht —, der sich dem Unbefleck­ten Herzen Mariens weiht und versucht, sein Leben entspre­chend dieser Weihe zu gestalten, der im Gehorsam zur Kirche zu ihrem Wohl wirkt und den Gläubigen hilft, die Weihe an Maria zu leben.

Es ist eine Bewegung, die für alle Priester offen ist, für Welt­priester und Ordensgeistliche, unabhängig von ihrem Alter und ihrer Aufgabe. Es treten ihr ausgeglichene und eifrige Priester ebenso bei wie jene, die durch negative persönliche und seelsorgliche Erfahrungen verbittert sind.

Das Herz der Muttergottes steht für alle ihre Kinder offen, ihre Arme sammeln alle Priester und vereinen sie, ohne Klassi­fizierung und Wertung des einzelnen.

Eine »Bevorzugung« bei der Auswahl geschieht nicht von sei­ten der Madonna, denn sie wendet sich eindeutig an alle: »Was ich dir mitteile, mein Sohn, ist nicht für dich allein bestimmt, sondern für alle meine Priestersöhne, die ich innig liebe« (29. August 1973).

Die Wahl geschieht von seiten desjenigen, der bereitwillig die mütterliche Einladung annimmt.

Wer der Bewegung beitreten und über ihre Aktivität auf dem laufenden gehalten werden will, sende seine Beitrittserklärung an das zuständige Sekretariat des Landes oder der jeweiligen Region. Oder — falls diese noch nicht existieren sollten ­richte er seine Anfrage nach Italien an:

Movimento Sacerdotale Mariano
Via Terruggia, 14
I-20162 Milano

Die Sekretariate für den deutschsprachigen Raum:

Deutschland: Marianische Priesterbewegung, D-78250 Tengen, Blumenfeld, Schloßstraße 8

Osterreich: Marianische Priesterbewegung, A-1130 Wien, Schrutkagasse 48, oder A-5020 Salzburg, Griesgasse 8

Schweiz: Marianische Priesterbewegung, Paul Holdener, Redemptoristen Mariawil, Bruggerstraße 143 CH-5400 Baden

Die Beitrittserklärung wäre jedoch nutzlos, wenn die innere Bereitschaft fehlte und — mehr noch — der beständige Wille, die Weihe an die Muttergottes zu leben und anderen zu helfen, daß sie gelebt wird.

Es ist sicher gut daran zu erinnern, daß sich die Muttergottes nicht nur an die in der MPB eingeschriebenen Mitglieder wen­det, wenn sie von ihren »vielgeliebten Söhnen« spricht, son­dern an all jene Bischöfe und Priester, die sich ihr anvertraut haben und sich bemühen, als die ihr Geweihten zu leben.

Die Verpflichtung einer gänzlichen Hingabe an das Un­befleckte Herz Mariens schenkt dem Priester ein tiefes Gefühl des Vertrauens und der Heiterkeit. In konkreten Situa­tionen glauben zu können, daß die Muttergottes uns immer nahe ist und besorgt, uns besser zu helfen, als jede andere Mut­ter es tun könnte, bewirkt inmitten der persönlichen Leiden und der Unsicherheit unserer Tage ein Gefühl der Geborgen­heit.

So gelangt man zum Kern der Botschaft des Evangeliums, zum Glauben an die Vorsehung Gottes, der uns jede Lebens­situation mit dem kindlichen Vertrauen der Kleinen anneh­men läßt, die sich ganz der Liebe des Vaters überlassen.

Die Vergangenheit wird der grenzenlosen Barmherzigkeit des Herzens Jesu überlassen; die Zukunft wird als Geschenk der Vorsehung erwartet, das uns durch die Hände der Mittlerin aller Gnaden gegeben wird; und die Gegenwart wird in freudi­ger Bereitschaft gelebt wie von Kindern, die unter den Augen der Mutter spielen oder »arbeiten«.

b) Die Charakteristika der Marianischen Priesterbewegung

Drei Verpflichtungen charakterisieren die Spiritualität der Marianischen Priesterbewegung: die Weihe an das Unbefleck­te Herz Mariens; die Einheit mit dem Papst und der mit ihm verbundenen Kirche; die Führung der Gläubigen zu einem Leben der Hingabe an Maria.

Die Spiritualität der Bewegung wird in den Rundbriefen Nr. 21, 23 und 24 von Don Stefano Gobbi erläutert.

1. Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens

Wir durchleben eine schwierige, unsichere und leidvolle Zeit. Der rote Drache herrscht heute in der Welt, und es ist ihm gelungen, eine gottlose Zivilisation zu errichten.

Der Mensch, der durch den technischen und wissenschaft­lichen Fortschritt überheblich geworden ist, hat sich an die Stelle Gottes gesetzt und eine neue verweltlichte Zivilisation geschaffen.

Diese radikale Ablehnung Gottes ist die eigentliche Strafe der heutigen Gesellschaft.

Da Gott der Retter und Jesus Christus der einzige Erlöser des Menschen ist, kann sich die Menschheit heute nur unter der Bedingung retten, daß sie zu Gott zurückkehrt. Andernfalls läuft sie Gefahr, sich selbst zu zerstören.

Wie kann sie jedoch gerettet werden, wenn sie Gott weiterhin hartnäckig ablehnt, der sie allein zu retten vermag?

Hier beginnt die Aufgabe Mariens aufgrund ihrer Mutter­schaft. Maria ist wirkliche Mutter Jesu und von Jesus als wahre Mutter aller Menschen bestellt.

Maria ist also auch Mutter der heutigen aufrührerischen und Gott so fernen Menschheit.

Ihre mütterliche Aufgabe besteht darin, sie zu retten. Um sie aber retten zu können, will Maria für die Rückkehr der Men­schen zum Herrn einen Weg bereiten. In vielfältiger Weise wirkt sie für diese Rückkehr. Der Grund ihrer vielen außerge­wöhnlichen Erscheinungen in unserer Zeit ist: Maria will uns zu verstehen geben, daß sie als himmlische Mutter bei uns ist und inmitten ihrer Kinder wirkt.

Sie will persönlich handeln, aber nicht unmittelbar. Sie kann durch jene ihrer Kinder handeln, die sich ihrem Unbefleckten Herzen weihen, die sich ihr vollkommen anvertrauen, so daß sie selbst in ihnen leben und sich offenbaren kann.

Vor allem will sie durch die Priester wirken, weil sie ihre aus­erwählten Söhne sind.

Typisch für die Spiritualität der MPB ist es, nicht eine Theolo­gie der Weihe darzulegen, die in der Kirche bereits bekannt ist, sondern dazu aufzumuntern, eine Erfahrung dieser Weihe im alltäglichen Leben zu machen. Dazu zeigt die Bewegung einen Weg, der zur vollkommenen Hingabe an Maria führt und sich in vier aufeinanderfolgenden Stufen entwickelt:

  • sich daran zu gewöhnen, mit Maria zu leben;
  • sich von ihr innerlich umformen zu lassen;
  • mit ihr in eine Einheit der Herzen einzutreten;
  • schließlich Maria zu leben — sie »nachzuleben«.

Das Ziel, zu dem der Weg der Weihe führt — die als erste Ver­pflichtung, um der MPB anzugehören, gefordert wird —, be­steht in folgendem: Maria in uns leben und handeln lassen. »Ich will mit euren Herzen lieben, mit euren Augen schauen, mit euren Lippen trösten und ermutigen, mit euren Händen helfen, mit euren Füßen gehen, euren blutigen Spuren folgen und mit eurem gekreuzigten Leib leiden.« (1. Juli 1981)

So ist es zu verstehen, warum die Muttergottes von jedem, der ihrer Schar angehören will, die Weihe an ihr Unbeflecktes Herz verlangt.

Sie selbst will in ihren geweihten Kindern leben und handeln, so daß sie Ausdruck ihres Schmerzes und ihrer mütterlichen Liebe werden und unermüdlich wirken, um alle Menschen zu Gott zurückzuführen.

Auf dem Weg der mütterlichen Liebe Mariens, die zum Kanal wird, durch den die barmherzige Liebe Jesu alle erreichen will, kann die heutige Menschheit gerettet werden.

Die persönliche Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens ist nur auf die Weihe der Welt ausgerichtet, d. h. auf die vollstän­dige Rückkehr der Welt zur vollkommenen Verherrlichung des Herrn.

Daraus wird verständlich, warum Papst Johannes Paul II. im Akt der Weihe oder des Anvertrauens an das Unbefleckte Herz Mariens das wirksamste Mittel sieht, um das Geschenk des göttlichen Erbarmens für die Kirche und die ganze Menschheit zu erlangen (Dives in Misericordia, 15).

Hier wird die große Bedeutung der von einigen oft kritisier­ten, von ihm aber häufig mit Eifer und tiefer innerer Freude wiederholten persönlichen Weihe an Maria klarer erkennbar. So wird verständlich, wenn der Papst bei seinen häufigen apostolischen Pilgerreisen die berühmtesten Landesheilig­tümer besucht, um die Ortskirchen, in denen er sich be­findet, dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen. Der tiefe Grund dafür ist, daß der Heilige Vater in der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens das wirksamste Mittel sieht, um für die heutige Welt das kostbare Geschenk der barmher­zigen Liebe Jesu zu erlangen.

». . . Wie tief empfinden wir die Notwendigkeit der Weihe für die Menschheit und für die Welt, für die heutige Welt! . . . 0, wie weh tut uns alles, was sich in der Kirche und in jedem von uns der Heiligkeit und der Weihe entgegenstellt! . . . Selig all jene, die dem Ruf der ewigen Liebe Folge leisten. Selig jene,

die in nimmermüder Hochherzigkeit sich Tag für Tag von Dir, o Mutter, bewegen lassen, zu tun, was Dein Jesus sagt, und Kirche und Welt das zuversichtliche Zeugnis eines Lebens geben, das sich am Evangelium ausrichtet« (Johannes Paul II., Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens am 13. Mai 1982)

2) Die Einheit mit dem Papst und mit der ihm verbundenen Kirche

Die Kirche ist göttlich und menschlich. Ihrer menschlichen Na­tur nach ist sie schwach und sündig und bedarf deshalb der Buße. Die Kirche ist das Licht der Welt, »Lumen gentium«, aber oft werden die Übel der Welt, in der sie lebt, zu den Krankheiten, die die menschliche Natur der Kirche befallen. Das beweist ihre fast zweitausendjährige Geschichte.

Heute lebt die Kirche in einer Welt, die eine neue säkularisierte Zivilisation errichtet hat. Der Geist dieser Welt oder die Ver­weltlichung, die in ihr Inneres eingedrungen ist, hat das große Leid und die Krise verursacht, in der sie sich befindet. Es ist der berüchtigte »Rauch Satans«, von dem Papst Paul VI., seligen Andenkens, gesprochen hat.

Der Säkularismus wird auf intellektueller Ebene zum »Rationa­lismus« und im praktischen Leben zum »Naturalismus«.

Auf Grund des Rationalismus versucht man heute, die Geheim­nisse Gottes und die Überlieferung der geoffenbarten Wahrheit auf menschliche Weise zu erklären. Deshalb werden oft funda­mentale Glaubenssätze geleugnet und schwerste Irrtümer in versteckter und zweideutiger Art verbreitet.

Diese Irrtümer werden bisweilen sogar in katholischen Schulen gelehrt, und es bleibt wenig oder nichts von der Heiligen Schrift, selbst vom Evangelium Jesu Christi.

»Ihr habt euch ein eigenes Evangelium zusammengebastelt, mit euren eigenen Worten « (25. September 1976).

Auf Grund des Naturalismus mißt man heute dem eigenen, per­sönlichen Tun und dem eigenen Programm auf dem Gebiet des Apostolates einen großen Wert bei. Vergessen wird die primäre Bedeutung der göttlichen Gnade. Vergessen wird, daß die inne­re Verbundenheit mit Christus, das Gebet, die Seele jeglichen Apostolates sein muß.

Hier liegt ein Grund für den allmählichen Verlust des Sünden­bewußtseins und die Vernachlässigung des Sakramentes der Versöhnung, die in der gesamten Kirche verbreitet sind.

Gegen diese Irrtümer, die auf verborgene und gefährliche Weise den unversehrten Glauben untergraben, hat sich Kardinal Joseph Ratzinger, der Präfekt der Glaubenskongregation, in seinem berühmten Interview klar ausgesprochen. Es ist in dem Buch »Zur Lage des Glaubens« veröffentlicht.

Der Papst selbst gibt oft energische und nachdrückliche Erklä­rungen zu Glaubensfragen.

Da kommt einem spontan die Frage: Warum hat die Kirche noch nicht aus dieser tiefen Glaubenskrise heraus­gefunden?

Daß die Krise in der Kirche noch andauert, hängt allein an ihrer inneren Uneinigkeit, die bewirkt, daß nicht alle auf das hören und dem folgen, was der Papst kraft seines Lehramtes verkündet.

Die Muttergottes hat der Kirche einen großen Papst erfleht, der ihrem Unbefleckten Herzen geweiht ist. Sie selbst führt ihn auf alle Straßen der Welt, um das Licht Christi und sein Evangelium der Erlösung zu verbreiten und alle, Hirten und die ihnen anvertrauten Herden, im Glauben zu stärken. Aber oft breitet sich um den Papst eine große Leere aus: sein Amt wird nicht von der ganzen Kirche unterstützt, sein Wort fällt ins Leere.

Die Erneuerung der Kirche kann sich nur kraft ihrer inneren Einheit vollziehen. Nur ein Weg führt zum Ziel: die vollkom­mene Einheit aller Bischöfe, Priester und Gläubigen mit dem Papst.

Hier liegt der tiefere Grund für die zweite Verpflichtung der Marianischen Priesterbewegung. Die Madonna wünscht, daß die MPB allen ein Beispiel dieser Einheit gibt: ein Beispiel in der Liebe zum Papst, im Gebet und Leiden für ihn, im Hören auf seine Lehren, im Verbreiten derselben, vor allem im unbe­dingten Gehorsam ihm gegenüber.

Die Muttergottes will, daß im Klerus die demütige und starke Tugend des Gehorsams zurückkehrt!

Der Gehorsam gegenüber dem Papst gibt den Bezugspunkt der Einheit mit dem Bischof. Er beinhaltet natürlich den Gehorsam gegenüber dem Hirten der eigenen Diözese und gegenüber den Vorgesetzten.

3) Der dritte charakteristische Punkt in der Zielsetzung der MPB ist die Verpflichtung, die Gläubigen zu einer echten Hingabe an Maria zu führen

Seit die Bewegung entstanden ist, drängte sich der Wunsch auf, Ordensleute und Laien ihr anzugliedern.

Tatsächlich besteht die dritte Verpflichtung eines Priesters der Bewegung darin, die Gläubigen, die seiner priesterlichen Obhut anvertraut sind, zur Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens zu führen.

»Meine Priester müssen von jetzt an zu wirken beginnen. Durch sie will ich zu meinen Gläubigen zurückkehren, denn mit diesen will ich mir eine unbesiegbare Schar rund um die Priester bilden . . .« (1. November 1973).

Dies erklärt, warum die Marianische Priesterbewegung, die in erster Linie für die Priester gegründet ist, sich bereitwillig für Ordensleute und Laien öffnet, die sie im »Helferkreis« vereint.

c) Die »Marianische Bewegung« — bei uns »Helferkreis der Marianischen Priesterbewegung« genannt

Der »Helferkreis der Marianischen Priesterbewegung« setzt sich zusammen aus den Ordensleuten, die nicht Priester sind, und aus den Gläubigen, die sich verpflichten, ein Leben der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens zu leben — in herzli­cher Verbindung mit ihren Priestern und Bischöfen. Sie sind durch keinerlei juridisches Band gebunden und können frei in den kirchlichen Gemeinschaften wirken, denen sie angehören. Als Mitglieder des »Helferkreises« versprechen sie, ihr ganzes Leben Maria anzuvertrauen, damit sie ihnen helfen möge, der Taufweihe treu zu bleiben und im beständigen Bemühen um Umkehr und durch Gebet und Buße Zeugen der Einheit zu werden. (Wer dem Helferkreis beitreten will, melde sich bei einem der deutschsprachigen Landessekretariate an, deren Anschrift auf Seite 13 veröffentlicht ist.)

1) Die Taufe leben

Im Weihegebet für die Mitglieder des Helferkreises der Maria­nischen Priesterbewegung heißt es: »0 Maria, mit diesem Weiheakt erneuern wir mit Dir und durch Dich alle Tauf­gelübde.«

Diese Worte verdeutlichen, wie ein gläubiger Christ, der sich dem Unbefleckten Herzen weiht, von Maria Hilfe erfleht, das Taufversprechen zu halten. Inmitten einer so verweltlichten Welt hat der Christ große Schwierigkeiten, die Taufweihe zu leben.

Die Taufe bewirkt eine völlige Umwandlung. Sie vermittelt die Gnade und das göttliche Leben, sie macht uns Jesus Chri­stus ähnlich und läßt uns zu seinen Brüdern und Schwestern werden, in deren Leben er von neuem leben will.

Durch den Einfluß der Umwelt, besonders der Kommunika­tionsmittel, kann der Christ der Welt gleichförmig, ja von ihr manipuliert werden. Unbewußt vielleicht, übernimmt er deren Anschauung, die im Gegensatz zur Wertordnung steht, die Christus verkündet hat.

Wie groß ist darum heute die Zahl der Getauften, die auf diese Weise im Alltag ihre Taufweihe verraten!

Die Muttergottes legt den Mitgliedern des Helferkreises die Verpflichtung auf, sich ihrem Unbefleckten Herzen zu weihen, und führt sie sanft wie eine gute Mutter, damit sie ihre Taufe in vollkommener Treue zu Jesus und seiner Kirche leben können.

2) Zeugen der Einheit

Im Weiheakt für die Gläubigen heißt es: »Mitten in der vielfa­chen Auflehnung gegen das päpstliche Lehr- und Hirtenamt, das Fundament der Kirche, versprechen wir, dem Heiligen Vater die Treue zu halten — vereint mit den ihm verbunde­nen Bischöfen und Priestern.«

Diese für die MPB besonders charakteristische Verpflichtung verlangt von jedem Mitglied des Helferkreises, ein Werkzeug des Friedens, der Versöhnung und der Einheit zu sein. In dieser Zeit ihrer Reinigung durchlebt die Kirche Augenblicke tiefen Schmerzes.

Die MPB nimmt aus innerster Überzeugung an diesem Leid teil, zusammen mit der Kirche trinkt sie aus dem bitteren Kelch. Ihre Mitglieder reagieren darum weder mit abfälliger Kritik noch maßen sie sich an zu urteilen und erst recht nicht zu verurteilen. Darum teilt die MPB die heute von vielen praktizierte Methode nicht, sondern lehnt es entschieden ab, die heilige Mutter Kirche öffentlich, sogar in der Presse, in bitterer und bösartiger Weise zu kritisieren.

Wir dürfen niemals Essig in die offenen und blutenden Wun­den der Kirche gießen. Die einzige Hilfe, die die Bewegung heute der Kirche geben will, ist Liebe, eine kindliche und barmherzige Liebe.

»Ich schenke euch eine große Liebe zur Kirche. Sie macht heu­te Zeiten großer Leiden durch, denn sie wird von vielen ihrer Kinder immer weniger geliebt. Viele wollen sie nur durch Kri­tik erneuern und reinigen. Sie greifen heftig ihre Institution an. Ohne Liebe aber gibt es keine Erneuerung und Läuterung!« (9. November 1975).

Die Marianische Priesterbewegung will die Gläubigen dahin führen, heute Zeugen für die Liebe zur Kirche zu sein.

Eine Liebe, die nicht vor Leid und Kreuz zurückscheut, die in jeder Situation verbindend und einigend wirkt und dazu beiträgt, die Kirche von so vielen tiefen und schmerzhaften Wunden zu heilen.

3) Die Verpflichtung zur Umkehr

Die Gläubigen versprechen im Weihegebet: »Wir verpflichten uns, die vom Evangelium geforderte innere Umkehr zu voll­ziehen.«

Die Muttergottes verlangt von den Gläubigen, die der Bewe­gung angehören, tägliches Bemühen um Umkehr auf dem Weg des Gebets und der Buße.

Als aufmerksame und besorgte Mutter hilft sie, die Sünde zu meiden, in der Gnade Gottes zu leben, lädt sie zur häu­figen Beichte ein, zu einem intensiven eucharistischen Leben und zur treuen Beobachtung der Gebote Gottes. Ju­gendliche und Brautleute lädt sie inständig ein, sich um die Tugend der Herzensreinheit zu bemühen. Die Eheleute fordert sie auf, in der Kraft des hl. Sakramentes die eheli­che Keuschheit zu leben, gemäß der Lehre Christi, wie sie die Kirche erneut bestätigt.

Dies ist heute besonders notwendig in einer Welt, in der sich die Unreinheit breitmacht, um zu helfen, daß die Atmosphäre sauberer und schöner wird.

»Die Gläubigen sollen allen ein Beispiel durch ihre strenge Le­bensweise sein. Sie sollen sich gegen die Mode stellen, die im­mer herausfordernder und schamloser wird. Und sie sollen auf jede Art und Weise gegen die Verbreitung von unmorali­schen Publikationen (Presse) kämpfen und gegen die unmora­lischen Darbietungen (Fernsehen, Theateraufführungen etc.) auftreten — gegen diese ständig wachsende Schlammflut, die alles überschwemmt.

Mögen sie so für alle ein Beispiel — ein Vorbild der Reinheit, Mäßigkeit und Bescheidenheit sein. Sie sollen alle jene Orte meiden, wo der heilige Charakter ihrer Person entweiht wird. Rund um die Priester sollen sie die Treueschar bilden, mein großes ‚Weißes Heer’« (1. November 1973).

Bisher sind unzählige Gläubige aus allen Teilen der Welt dem Helferkreis der Marianischen Priesterbewegung beigetreten und oft erhalten Priester gerade von ihnen ein gutes Beispiel, konkrete Hilfe und eine wertvolle Ermunterung.

d) Die Zönakel

Die MPB wirkt in allen Bereichen des kirchlichen Lebens, in denen ihre Mitglieder persönlich engagiert sind: von geistli­chen Häusern angefangen bis zu den Pfarreien, von der Theo­logie bis zur Seelsorge, von der Spiritualität bis zum missiona­rischen Apostolat.

Je mehr ein Priester den Geist der Bewegung lebt, desto begei­sterter engagiert er sich und macht sich die guten Initiativen der Kirche zu eigen. Die Bewegung entfaltet im innerkirchli­chen Leben auch eine eigene, typische Aktivität, die darin be­steht, Priester und Gläubige in Begegnungen des Gebets und der Brüderlichkeit, genannt »Zönakel«, zu sammeln.

1)Regional-, Diözesan- und Familienzönakel

Die Regional- und Diözesanzönakel entwickeln sich immer in Einheit mit dem Ortsbischof, der entweder persönlich teil­nimmt oder seine Zustimmung und seinen Segen schickt. Diese Zönakel bieten eine beneidenswerte Gelegenheit, um konkrete Erfahrungen im gemeinsamen Gebet und in gelebter Brüderlichkeit zu machen. Sie sind für alle eine große Hilfe im Überwinden von Zweifeln und Schwierigkeiten, um mutig auf dem Weg der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens voranzuschreiten.

Unter den Priestern, die die Aufgabe, die Mit brüder zu Zöna­keln zu versammeln, auf sich genommen haben, wurden die Verantwortlichen der Bewegung ausgewählt — auf Landes­ebene und auf regionaler und diözesaner Ebene.

Von den Verantwortlichen aller Länder treffen sehr tröstliche Berichte ein, in denen sie versichern, daß sich die Zönakel mehr und mehr entwickeln.

Die Familienzönakel sind besonders in unserer Zeit providen­tiell, da das Familienleben weithin auseinanderbricht. Bei einem Familienzönakel versammeln sich eine oder mehre­re Familien im gleichen Haus. Man betet gemeinsam den Rosenkranz, besinnt sich auf die Bedeutung der Weihe an Maria, spricht sich in brüderlicher Atmosphäre über Proble­me und Schwierigkeiten aus und erneuert im gemeinsamen Gebet die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens.

Es bestätigt sich, daß die Familienzönakel den christlichen Familien helfen, heute als Glaubens-, Gebets- und Liebes­gemeinschaft wirklich wie eine »Hauskirche« zu leben.

2) Der Aufbau der Zönakel

Der Aufbau der Zönakel ist sehr einfach. Wie die Jünger, die mit Maria im Abendmahlsaal von Jerusalem versammelt waren, kommen wir zusammen:

  • um mit Maria zu beten;
  • um die Weihe an Maria zu vertiefen;
  • um in brüderlicher Gemeinschaft zusammen zu sein.

— Um mit Maria zu beten

Die Zönakel sollen vor allem Begegnungen des Gebetes sein, ein Beten mit Maria.

Darum ist das Beten des heiligen Rosenkranzes ein gemeinsa­mes Merkmal aller Zönakel. Mit ihm laden wir die Muttergot­tes ein, mit uns zu beten und uns das Geheimnis des Lebens Jesu zu enthüllen.

»Der Rosenkranz, den ihr im Zönakel betet und so dem drin­genden Aufruf eurer Mutter Folge leistet, ist wie eine uner­meßliche Kette der Liebe und der Rettung, mit der ihr Perso­nen und Umstände einhüllen und sogar alle Ereignisse eurer Zeit beeinflussen könnt. Fahrt fort, ihn zu beten, vervielfacht eure Gebetszönakel.« (7. Oktober 1979)

— Um die Weihe zu leben

Im Zönakel sollen wir einander helfen, die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens zu leben.

Dies bedeutet, uns an die Art zu gewöhnen, wie Maria zu sehen, zu fühlen, zu lieben, zu beten und zu handeln.

Diesem Zweck soll der Zeitraum der Betrachtung dienen, die man in den Zönakeln hält, denn für das allen auch so unent­behrliche Aggiornamento gibt es sicher andere Gelegenheiten.

Diese Zeitspanne wird allgemein der gemeinsamen Betrach­tung des Buches unserer Bewegung gewidmet. Es entspricht aber nicht dem Geist des Zönakels, stattdessen wissenschaftli­che Vorträge oder kulturelle Beiträge anzuhören. Sonst be­steht die Gefahr, sich von der Atmosphäre der Einfachheit und der Familiarität zu entfernen, die unsere Begegnungen so fruchtbar machen.

— Um in brüderlicher Gemeinschaft zusammen zu sein

Alle Teilnehmer des Zönakels sind aufgefordert mitzuwirken, daß es wirklich brüderlich zugeht. Ist dies nicht vielleicht eine der schönsten Erfahrungen, die man bei jedem Zönakel macht?

Je mehr man betet und je mehr Raum man der Muttergottes zum Handeln läßt, desto mehr ist zu spüren, wie die gegensei­tige Liebe zueinander wächst.

»Warum will ich euch mit mir im Zönakel vereinigt haben? Um euch zu helfen, einander zu lieben und in echter Brüder­lichkeit mit der Mutter vereinigt zu leben. Heute ist es not­wendig, daß meine Priester einander kennenlernen, einander helfen, einander wirklich wie Brüder zugetan sind, die die Mutter vereinigt hat. Es herrscht zu viel Vereinsamung, es herrscht heute zu viel Verlassenheit unter meinen Priestern. Ich will sie nicht allein sehen: sie sollen einander helfen und lieben, sich wirklich alle als Brüder fühlen und es auch sein.« (17. Januar 1974)

Für die Gefahr der Vereinsamung, die heute besonders emp­funden wird und für die Priester gefährlich ist, bietet die Mut­tergottes als Heilmittel das Zönakel an, in dem wir uns mit ihr versammeln, um uns kennenzulernen, einander zu lieben und wie Brüder zu helfen.

c) Eine Hilfe für die Kirche

Am Schluß dieses ersten Teils der Einführung, in dem ver­sucht wurde, besonders den Ursprung, die Verbreitung und die Spiritualität der Marianischen Priesterbewegung zu erklä­ren, stellt sich natürlich die Frage: welche Bedeutung hat diese Bewegung heute innerhalb der Kirche? Welches ist ihre Auf­gabe im kirchlichen Leben — bei der Vielzahl von Vereinigun­gen, die auf allen Ebenen wirken?

Auf diese Frage gebe ich die einfache Antwort:

Die Marianische Priesterbewegung ist eine Hilfe, die Maria heute der Kirche schenkt, damit diese ihre mütterliche Gegenwart er­kennt, inmitten großer Leiden getröstet wird und sich immer von der Liebe und dem Gebet so vieler ihrer Kinder umgeben fühlt.

Mit der MPB will die Muttergottes der Kirche eine echte Hilfe anbieten, zur Überwindung der schmerzlichen Krise der Rei­nigung, die sie gegenwärtig durchlebt.

Durch diese Krise erleben wir, wie einst blühende religiöse Orden und Kongregationen besonders schwierige Zeiten durchmachen.

Mit ihrem Werk möchte die Madonna allen, die guten Willens sind, helfen, mit ihr die gegenwärtige Zeit der Leiden durch­zustehen. Darum ruft sie zuerst die Priester, dann die Ordens­leute und Laien zur Weihe an ihr Unbeflecktes Herz auf und zu besonderer Treue zum Papst und zur Kirche.

Der Grund, weshalb die Bewegung keinerlei juridische Grundlage hat, ist der, daß eine solche Hilfe leichter von allen angenommen werden kann.

Hierin liegt die Schwäche der Bewegung. Wegen der mangeln­den juridischen Form ist es nicht möglich, für die MPB eine offizielle Approbation zu beantragen, die ihr den Weg erleich­tern könnte.

Es ist aber auch die Stärke der Bewegung, daß sie keinerlei Verpflichtungen auferlegt. So erleichtert sie Priestern und Ordensangehörigen den Beitritt.

Vergleichen wir die Kirche mit einem großen Baum. Meiner Meinung nach ist es nicht das Ziel der MPB, seinen vielen Zweigen einen weiteren hinzuzufügen, sondern ihnen durch eine geheime Kraft, die vom Unbefleckten Herzen Mariens ausgeht und sich auf alle Zweige der Kirche ausdehnt, zu hel­fen, daß sich ein jeder — entsprechend seiner Aufgabe und sei­ner besonderen Zielsetzung — entwickelt und alle zusammen an Kraft und Schönheit zunehmen.

Als die hervorstechendste Eigenschaft der Marianischen Prie­sterbewegung möchte ich ihre Armut nennen.

Die Bewegung ist so arm, daß sie nicht einmal »offiziell« exi­stiert. Daher kann sie auch nicht in amtlichen Verzeichnissen aufgezählt werden.

Manchmal sagen wir lächelnd zueinander: nun sind es mehr als hunderttausend Priester und Millionen Gläubige, die zur Marianischen Priesterbewegung gehören, aber nirgendwo findet sich ein Beweis dafür, daß die Bewegung existiert. Die Bewegung ist so arm, daß sie nicht einmal eigene Mittel besitzen kann und nicht die Möglichkeit hat, Vermächtnisse und Güter anzunehmen. Sie lebt ausschließlich von Spenden, die ihr die Vorsehung schickt, um die beträchtlichen Unko­sten für den Druck und die Verbreitung des Buches, den Ver­sand und andere notwendige Ausgaben zu bestreiten. Jedoch regelt jedes Landessekretariat das Leben der Bewegung selb­ständig mit den Mitteln, die ihr die Vorsehung zur Verfügung stellt.

Die Bewegung ist auch an Formen menschlichen Rückhalts arm. Dies gilt auch für alles, was ihr inmitten der unvermeidlichen Schwierigkeiten, die ihr begegnen, Freude und Trost schenken könnte: zum Beispiel die besondere Empfehlung eines Vorgesetz­ten, ein Lob und eine Ermutigung der kirchlichen Autorität und verschiedene andere Zeichen der Hochschätzung.

Der sichere Rückhalt, den die Muttergottes uns geben will ist ihr Unbeflecktes Herz. Das einzige Empfehlungsschreiben ist jenes, das im Leben eines jeden Priesters, der sich ihr weiht, um mit ihrer Hilfe zur Heiligkeit zu gelangen, zu lesen ist.

Die radikale Armut der Marianischen Priesterbewegung muß von einem jeden von uns geliebt, gepriesen und gelebt werden. Ist es doch die Armut Mariens, die sich in ihrem Werk wider­spiegelt.

Es ist die Armut der Königin des Himmels, die auf Erden im Kleid der einfachen Hausfrau einherging.

Es ist die Armut unserer gnadenvollen Mutter, die sich in ihrer einfachen Lebensweise zeigt, gänzlich dem Dienst an ihrem Bräutigam Josef und an ihrem göttlichen Sohn Jesus hingegeben. Die Armut Mariens muß immer in ihrem Werk aufleuchten. Die Marianische Priesterbewegung darf nur im hingebenden Dienst an der Kirche bestehen, sich ausbreiten und wirken. Darum soll die Bewegung nicht einmal eine eigene Existenz haben: sie kann nur verborgen im Leben der Kirche und im Dienst an der Kirche leben.

So kann sie der Kirche wirksam helfen, ihr schweres Kreuz in den blutigen Augenblicken ihrer Reinigung zu tragen. Jenes Licht, das das Unbefleckte Herz ihr durch so viele ihrer vielge­liebten Söhne schenkt, unterstützt sie, um ihrer größten Herr­lichkeit entgegenzugehen. »Durch euch, die ihr mir geantwor­tet habt, verbreitet sich mein Licht immer mehr in der Kirche. So erhält die Kirche wieder Kraft, Zuversicht und neuen Schwung für die Evangelisierung aller Völker.« (14. Nov. 1980)

 

Zweiter Teil

THEOLOGISCHE KRITERIEN ZUM VERSTÄNDNIS DES BUCHES

Manche sind der Meinung, die Marianische Priesterbewegung identifiziere sich mit dem Buch »An die Priester, die vielgelieb­ten Söhne der Muttergottes«, demnach wären MPB und Buch dasselbe.

Das ist ein Irrtum.

Die MPB ist ein Werk der Muttergottes, dessen Aufgabe wesent­lich darin besteht, die Priester zur Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens aufzurufen, zu einer kraftvollen Einheit mit Papst und Kirche und darin, die Gläubigen zu einer erneuerten Marienverehrung hinzuführen.

Die Zielsetzung der Bewegung ist klar und, einfach. Wenn einer ihre Ziele verwirklicht, gehört er zur MPB, auch wenn er das Buch nicht kennt.

In diesem Sinn unterscheidet sich die Marianische Priester­bewegung vom Buch.

Wenn aber einer ernstlich die Ziele der MPB verwirklichen möchte, findet er es ganz natürlich, wissen zu wollen: Wie muß ich leben? Wer gibt mir die Gewißheit, daß ich die Weihe lebe? Welchen Weg muß ich einschlagen?

Auf diese Fragen antwortet das Buch, weil es den Weg be­schreibt, den wir gehen müssen, um die Weihe an das Unbefleck­te Herz Mariens zu leben.

Kann demnach die MPB ohne das Buch auskommen? Theore­tisch ja, in der Praxis keinesfalls.

Da die Bewegung das Werk der Muttergottes ist, hat sie sich mit dem Buch ein unverzichtbares Werkzeug für die Verbreitung und für ein echtes Verständnis ihres Geistes erwählt.

»Auch dieses Büchlein ist bloß eine Hilfe zur Verbreitung meiner Bewegung. Es ist ein wichtiges Hilfsmittel, das ich ge­wählt habe, weil es klein ist. Es wird dazu dienen, vielen das Werk meiner Liebe für meine Priester bekannt zu machen.« (24. Juni 1974)

Es scheint mir nützlich, sich ein wenig damit zu beschäftigen, den Ursprung und die literarische Form des Buches zu erläu­tern, seine Vorzüge und seine Grenzen. Vor allem, einige Kri­terien gesunder Theologie aufzuzeigen, die zum Verständnis des Buches notwendig sind.

In diesem Zusammenhang sei auf die Rundbriefe Nr. 16 und Nr. 18 von Don Stefano Gobbi und besonders auf die vorausgehende Einführung des Buches hingewiesen.

a) Ursprung und Form des Buches

Schon im Juli 1973 hatte Don Stefano begonnen, einige aus seiner Seele klar und kräftig entsprungene Gedanken nieder­zuschreiben.

Im Gehorsam gegen den Seelenführer wurden die Nieder­schriften gesammelt und in einer kleinen Broschüre herausge­bracht.

Diese erste Auflage des Buches wurde bei einer Zusammen­kunft von Priestern der Bewegung, Ende September desselben Jahres, eher negativ aufgenommen. Warum solche Ableh­nung, obwohl man meinte, daß der Inhalt den Erkenntnissen entsprechen würde, die während des Gebetes und der Gesprä­che als Weg für die Marianische Priesterbewegung intuitiv er­faßt worden waren? Aus denselben Gründen, warum auch heute das Buch von vielen abgelehnt wird.

Man sagte:

— Es fehle ihm die kirchliche Approbation. Doch sie war nicht vorgeschrieben, denn es handelte sich damals um eine kleine, in Manuskriptform dem Handel nicht unterliegende Veröffentlichung. Schriften dieser Art sind nach dem »motu proprio« von Papst Paul VI. vom 14. Oktober 1966 von dieser Verpflichtung der Approbation befreit.

— Die literarische Form des Buches stieß auf Ablehnung. Sie stelle die geistige Zielsetzung der Bewegung so dar, als wäre sie durch ein mystisches Phänomen, das man »innere Einspre­chungen« nennt, von der Madonna selbst entworfen worden. Diese Sichtweise empfinden die Priester meist als unange­nehm.

— Es wurde befürchtet, wenn das Buch in dieser literarischen Form veröffentlicht würde, käme es zu ernsten Schwierigkei­ten, vor allem mit der kirchlichen Autorität. Heute werden überall zahlreiche »Botschaften« verbreitet, von denen man annehmen darf, daß sie teils pathologischer Herkunft, teils von umstrittener Echtheit sind.

Diese Ratlosigkeit wurde allmählich überwunden, weil das Buch bei Priestern, Ordensleuten und Gläubigen eine breite Aufnahme fand und in zahlreiche Fremdsprachen übersetzt wurde.

Man stellte zunächst mit Erstaunen, aber dann mit wachsen­der Freude fest, daß dies Buch zwar ein armseliges und kleines, aber von der Muttergottes erwähltes Mittel war, um die Bewe­gung in der ganzen Welt zu verbreiten.

Menschlich gesehen ist das Buch ein einfaches Werkzeug, des­sen sich die himmlische Mutter bedient, um die Priester und die Gläubigen zu ihren Vertrauten zu machen. Wen Maria einmal an ihr mütterliches Herz gezogen hat, den führt sie in das Innerste des Herzens Jesu, um als lebendiges Glied in sei­nem mystischen Leib, der Kirche, zu leben.

Wer das Buch respektvoll zur Hand nimmt und den Inhalt mit Herzenseinfalt betrachtet, erfährt, daß er einem lebendi­gen Wort lauscht, süß wie Honig und schneidend wie ein Schwert.

Es wird hier eine Spiritualität vorgelegt, die auf der Offenba­rung und auf dem Leben der Kirche aufbaut — mit Hilfe leuchtender Säulen, wie der hl. Johannes der Evangelist, der hl. Franz von Assisi und der hl. Franz von Sales, der hl. Ludwig M. Grignion von Montfort, der hl. Johannes Bosco, die hl. Theresia von Lisieux und der hl. Maximilian Kolbe. Die Gültigkeit dieser Spiritualität können wir nur dann fest­, stellen, wenn wir sie in die Praxis umsetzen: An den Früchten erkennt man die Qualität des Baumes.

Das Buch ist nicht in gut definierte und miteinander verbun­dene Kapitel eingeteilt, weil auch die Marianische Priesterbe­wegung in dem, was sie fordert und so reichhaltig bietet, nur so weit klarer erfaßt werden kann, als es die Muttergottes durch die Schriften von Don Gobbi allmählich erkennen läßt. Sie selbst entwirft, verbreitet und festigt die Marianische Prie­sterbewegung auf der ganzen Welt in einer ebenso bescheide­nen wie großartigen Weise.

b) Vorzüge und Grenzen des Buches

Die Vorzüge, aber auch die Grenzen des Buches erklären sich daraus, daß es ein einfaches, aber zugleich wertvolles Werk­zeug für die Marianische Priesterbewegung ist.

1) Es ist ein wertvolles Mittel für ihre Verbreitung

Die Marianische Priesterbewegung hat sich weltweit ausge­breitet. Dies geschah zumeist durch das Buch. Spontan wurde es in die wichtigsten Sprachen übersetzt und vermittelte den Priestern den dringenden Wunsch Mariens, sich ihrem Unbe­fleckten Herzen zu weihen.

Bewegt von dieser mütterlichen Einladung, haben Priester aus allen Kontinenten durch ihren Eintritt in die Bewegung geant­wortet. Sie haben begonnen, sich in Zönakeln zu versammeln, und so konnte sich das Werk der Muttergottes überall in die entferntesten Teile der Erde ausbreiten.

Immer wieder erlebt Don Stefano Gobbi freudig überrascht, wie an Orten, die ihm bis dahin unbekannt waren, sich die Bewegung bereits durch das Buch verbreitet hat und er dort Zönakel halten kann.

Das Buch erfüllt auf wunderbare Weise die Aufgabe, die Marianische Priesterbewegung überall bekannt zu machen.

2) Es ist ein wertvolles Mittel zum Verständnis ihres Geistes

Die Betrachtung des Buches bewirkt bisweilen wahre Umwandlungen in den Seelen. Es hilft, den Geist der Weihe zu leben, und vermittelt manchmal den Eindruck, als würde es auf besondere Bedürfnisse antworten. Es ermutigt, schwie­rige Situationen zu überwinden, und führt allmählich dahin, alles mit Maria, durch Maria und in Maria zu tun.

Die Tausende von Briefen, die von den Priestern an die ver­schiedenen Landessekretariate geschickt werden, bezeugen diese Tatsache.

Auszüge aus drei Briefen von Priestern seien hier wiedergegeben. Ein italienischer Priester schreibt: »Ich besitze Ihr Buch, das ich durch meinen, inzwischen verstorbenen Bischof kennen gelernt habe. Er las regelmäßig darin, hatte es immer in Hän­den und als seine Sehkraft nachließ, mußte ich ihm einige Sei­ten vorlesen. Er erfreute sich daran, empfand großen Nutzen für seinen Geist und empfing neuen Seeleneifer.«

Ein brasilianischer Missionar schreibt: »Ich habe Angst stehen zu bleiben und habe so viele Gründe dafür. Diese finden sich in den kleinen Versuchungen, die mein tägliches Brot sind. Wenn ich dann im Buch betrachte, erneuere ich meine Hinga­be an das Unbefleckte Herz Mariens und fast gleichzeitig wird das Vertrauen neu geboren. Wie sehr möchte ich im Bewußt­sein leben, Eigentum Mariens zu sein«.

Aus einem Land Mittelamerikas: »Ich bin ein Priester, der seit 14 Jahren laisiert ist. Geschüttelt von einer schweren inneren Glaubenskrise, betete ich nicht mehr. Ich bin Professor an einer großen Universität. Ich hatte Ihr Buch zur Hand, las aber viele Monate nicht darin, war ich doch der Meinung, es sei eines der üblichen ‚Traktätchen‘ über Marienverehrung. Schließlich überkam mich der Wunsch, doch einmal in dem Buch zu lesen. Bereits bei der Lektüre der ersten Seite erwach­te der Wunsch, weiterzulesen, neuer Eifer und neue Liebe zu Jesus und seiner Kirche erfüllten mich. Ich erinnerte mich an das, was ich im Seminar gelernt hatte: durch Maria zu Jesus. Den ganzen Monat November hindurch habe ich mich vorbe­reitet und am 8. Dezember vollzog ich die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens.«

Diese und viele andere Briefe bezeugen, wie sehr das Buch zur Verbreitung und zum Verständnis der Spiritualität der Maria­nischen Priesterbewegung beiträgt.

3) Die Grenzen des Buches

Auch die Grenzen des Buches sind offenkundig. Sie liegen eben in der Tatsache, daß es sich hier um ein bescheidenes Werkzeug handelt.

Die Grenzen des Buches zeigen sich auf verschiedene Weise, vor allem in der Form. Das Buch bietet sich nämlich in Form von inneren Einsprechungen dar. Darin liegt für viele bereits der Stein des Anstoßes, sie lehnen das Buch ab.

Hauptsächlich lehnen es solche Leser ab, die dazu neigen, jede Form eines übernatürlichen Eingreifens zu verneinen. Sie las­sen nur gelten, was vor ihrer eigenen Vernunft bestehen kann.

Gewiß gibt es unter ihnen hochgebildete, gute Menschen, aber sie sind einfach zu »groß« und stoßen sich an der Beschei­denheit des Instruments.

Auch dem Inhalt nach hat das Buch offenkundig seine Grenzen. Es ist weder ein theologisches noch ein mariologisches Lehr­buch und versteht sich auch nicht als eine systematische Dar­legung über die marianische Frömmigkeit.

Es entwickelt keine biblischen und theologischen Begründungen über geistliche Erfahrungen der Weihe an Maria. Dabei sind sol-

che von beachtlichem Wert, wie das Werk des hl. Ludwig Maria Grignion über »Die vollkommene Hingabe an Maria« beweist. Das Buch legt in äußerst einfacher Sprache dar, was die himmlische Mutter heute von den Priestern, ihren vielgeliebten Söhnen, wünscht. Es handelt sich um ausgesuchte Seiten aus einem Tagebuch, dessen Inhalt der geoffenbarten Wahrheit und der Lehre der Kirche entspricht. Es erweckt den Eindruck eines Gespräches zwischen Mutter und Kind, in einem Stil, der an einigen Stellen zu lieblich, an anderen wieder zu rauh er­scheinen kann. Manche Themen werden mit einhämmernder Beharrlichkeit behandelt, andere hingegen kaum erwähnt.

Es ist eben kein Werk, das seine Themen nach einem vorge­planten Grundriß behandelt.

Ehe der Leser das Buch vorschnell ablehnt, ist als unerläßliche Voraussetzung zu berücksichtigen, was jeder Priester aufgrund seiner Ausbildung, sowie durch die sogenannte »ständige Fort­bildung« wissen sollte:

  • für sein inneres Leben,
  • für die Gestaltung seiner apostolischen Tätigkeit,
  • um in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche und mit der Welt leben zu können.

Jeder Priester muß aus der Offenbarung, aus dem Lehramt, aus den Quellen der gesunden Theologie, der Philosophie, der mystischen und aszetischen Literatur schöpfen.

Die theologische Grundlage der MPB besteht in der gesamten marianischen Lehre, die in der Heiligen Schrift enthalten ist, von den Kirchenvätern kommentiert und vom Lehramt der Kirche dargelegt wird. Das Buch will kein Kompendium darüber sein, da es in der Kirche bereits spezielle Institutionen dafür gibt. Entschieden zu widersprechen ist der Meinung mancher, unter den Priestern der Marianischen Priesterbewegung seien solche, die der gesunden theologischen Lehre geradezu allergisch ge­genüberstehen oder allzu leichtgläubig reagieren würden.

Im Gegenteil, unter den Mitgliedern der MPB befinden sich Priester, die auf kulturellem Gebiet einen besonderen Ruf ge­nießen. Andere Priester haben wichtige Aufgaben mit großer Verantwortung im kirchlichen Bereich. Es gibt auch eine große Zahl von Priestern, die an einem bescheidenen Platz treu ihre Aufgabe erfüllen. Alle Priester haben ihre besonde­ren Vorzüge, auch ihre Schwächen, mühen sich aber bestän­dig, innerlich ausgeglichen zu sein.

Ein irischer Priester stellt fest, das Buch enthalte die Lehre des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort über die Weihe an Maria, die Lehre der hl. Theresia vom Kinde Jesu über die geistige Kindheit und die Aktualisierung der Botschaft von Fatima. Das kann jeder selbst nachprüfen.

Nach der Auffassung von Don Stefano Gobbi besteht eine echte Synthese: Um die Weihe an Maria zu leben, muß man sich ihr als »Sklave der Liebe« in der Ganzhingabe darbringen. Dies wird verwirklicht, indem man wie ein ihrem Unbefleck­ten Herzen geweihtes Kind lebt, das sich von ihr jederzeit füg­sam ernähren, kleiden und führen läßt.

In diesem Zusammenhang läßt sich auch die Frage nach der Stellung des Gründers der Bewegung, Don Stefano Gobbi, be­antworten, den die Muttergottes als ihr kleines Werkzeug erwählt hat.

»Mein Sohn, du hast es nicht erkannt, daß ich die Torheit er­wählt habe, um die Weisheit zu beschämen, und die Schwach­heit, um die Stärke zu besiegen.« (27. September 1973)

Hier rühren wir an das eigentliche Geheimnis der MPB.

Es ist das Geheimnis des Evangeliums selbst. Jesus hat die Weisen und Klugen nicht verurteilt. Er hat jedoch dem himm­lischen Vater gedankt, daß er ihnen die Geheimnisse seines Reiches verborgen und sie den Kleinen geoffenbart hat.

Es ist eine selbstverständliche Pflicht, daß jedes Mitglied der Marianischen Priesterbewegung das Buch liest und darin be­trachtet, wenn es seine Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens leben und dazu beitragen will, daß sich ihr mütterli­cher Plan der barmherzigen Rettung verwirklicht.

c) Theologische Kriterien zum Verständnis des Buches

Die innere Einsprechung

1) Ich glaube, mit überlegter Sicherheit behaupten zu kön­nen — wobei es jedem freigestellt bleibt, diesbezüglich eigene Überlegungen anzustellen —, daß in diesem Buch »innere Ein­sprechungen« vorgestellt werden.

Leider ist die mystische Theologie so wenig bekannt: Manche Phänomene werden entweder unterschätzt, ja sogar voreinge­nommen als lächerlich bezeichnet, oder sie werden über­schätzt und fast gleichwertig mit der offiziellen Offenbarung betrachtet.

Wir vergessen oft, daß die Gnade aus uns echte Kinder Gottes macht und daß Maria unsere wahre Mutter ist. Wir denken oft nicht daran, daß echtes Beten kein Monolog mit uns selbst ist, sondern ein Dialog, in dem der beachtlichere Teil den himmlischen Gesprächspartnern überlassen werden sollte. Wir wissen doch, daß Gott über unendliche Möglichkeiten verfügt, sich seinen Kindern mitzuteilen und für jeden die ge­eignetste Form zu wählen — auch außerhalb der allen bekann­ten offiziellen Formen.

2) Was ist eine »innere Einsprechung«?

Vor allem muß klargestellt werden, daß sie weder seltsam noch sensationell ist, sondern ein mystisches Phänomen im Leben der Kirche ist und in den Handbüchern spiritueller Theologie beschrieben wird.

Es ist kein In-Verbindung-Treten mit Jesus, der Muttergottes oder den Heiligen über die Sinne, wie es bei den authentischen Erscheinungen geschieht.

Bei den inneren Einsprechungen sieht man nicht mit den Augen, hört man nicht mit den Ohren, berührt man nichts.

Es ist auch nicht nur jene gute Eingebung, jenes Licht, das der Heilige Geist auf »gewöhnliche« Weise in das Herz und in den Geist desjenigen senkt, der betet und aus dem Glauben lebt.

So weit es sich um ein authentisches Phänomen handelt, ist die innere Einsprechung das Geschenk Gottes von all dem, was er uns mitteilen und zu vollbringen helfen will — er hüllt sich dabei in die menschliche Denk- und Ausdrucksweise —, nach dem Stil und der Schriftform des Empfängers der Bot­schaft.

Der Mensch wird somit Werkzeug der Mitteilung, obwohl er seine Freiheit vollauf behält, die sich in einem Akt des Einge­hens auf das Wirken des Geistes Gottes äußert.

Während er das Wort des Herrn empfängt, bleibt sein Ver­stand gleichsam untätig: das heißt, er braucht weder die Ge­danken zu suchen noch die Art, wie er sie ausdrücken soll, wie es z. B. derjenige, der einen Brief schreibt oder einen wichtigen Vortrag vorbereitet, tun muß.

3) Der hl. Johannes vom Kreuz nennt Einsprechungen oder übernatürliche Worte jene deutlichen Worte, die der Geist nicht aus sich empfängt, sondern von einer anderen Person, bisweilen in gesammeltem Zustand, bisweilen auch sonst. (Aufstieg zum Berge Karmel, Kap. 26, Nr. 2)

Tanquerey definiert die Einsprechungen oder übernatürlichen Worte als Manifestation des Gedankens Gottes, der von den inneren oder äußeren Sinnen verstanden wird (Kompendium der aszetischen und mystischen Theologie, Kap. 3, Nr. 1494).

Wir können die inneren Einsprechungen also folgendermaßen definieren: »Es sind sehr deutliche Worte, die von der Person, die sie empfängt, so wahrgenommen werden, als würden sie im eigenen Herzen entstehen und die — miteinander verbun­den — eine Botschaft bilden.«

Der Ruf des Himmels ist fast immer unerwartet. Unser Herr, oder die Muttergottes, die Engel oder die Heiligen bestimmen allein den Augenblick und den Inhalt der Botschaft.

4) Es gibt ziemlich exakte Regeln zur genauen Unterschei­dung der authentischen Einsprechungen von den falschen, die auf vorsätzlichen Betrug, auf krankhafte Einbildung oder so­gar auf ein Eingreifen des Teufels zurückgeführt werden kön­nen. Die einschlägige Literatur ist weder reich noch auf den letzten Stand gebracht. Eine Hilfe bieten die Schriften der gro­ßen Mystiker (der hl. Johannes vom Kreuz, die hl. Theresia von Avila, der hl. Ignatius von Loyola, die hl. Katharina von Genua, die hl. Katharina von Siena und andere) und die Stu­dien und Traktate von Royo Marin, Tanquerey, A. Poulain, von Garrigou-Lagrange usw.

Weniger leicht ist es zu ergründen, wie viel der menschliche Anteil ausmacht, in welchem sich das unaussprechliche Wort Gottes einhüllt, um uns zum Verständnis all dessen hinzufüh­ren, was die Botschaft an Wesentlichem und Universalem, mit einem Wort — an Göttlichem — beinhaltet.

Öfters hört man sagen, daß die »Botschaften«, wie jene, die in unserem Buch enthalten sind, zu oft wiederholt und zu wort­reich seien.

Man vergleicht sie mit dem Stil des Evangeliums und der von der Kirche anerkannten Erscheinungen und vergißt dabei, daß es sich hier um völlig anders geartete Kundmachungen des Wortes Gottes handelt, nicht nur was die Autorität, sondern auch was die Modalität betrifft.

Wir haben doch so viel Achtung vor jedem Menschen und vor seiner Freiheit, warum sollten wir ausgerechnet nur bei Gott eine Ausnahme machen, als ob er um unsere Erlaubnis bitten müßte und sich in der Wahl von Ort und Zeit, der Art und Weise und bezüglich der Werkzeuge unserem Ge­schmack anpassen müßte, um sich uns, seinen vielgeliebten Kindern, mitzuteilen? . . .

Wir müssen an Weisheit zunehmen, um uns mit Jesus freuen zu können, wenn er ausruft: »Ich preise dich, Vater, weil du deine Geheimnisse den Weisen und Klugen verborgen hast, aber sie den Kleinen offenbarst«, und der himmlischen Mutter möchte ich zustimmen, wenn sie singt: »Die Hungrigen be­schenkt er mit seinen Gaben, die Reichen aber läßt er leer aus­gehen«.

Die inneren Einsprechungen des Buches

Im besonderen Fall des Buches »An die Priester, die vielgelieb­ten Söhne der Muttergottes«, ist es gut, folgende Grundsätze zu berücksichtigen:

1) Was von Gott kommt, bringt ein tiefes Gefühl des Frie­dens und erweckt eine größere Demut und ein stärkeres Ver­trauen zum Herrn; es hilft uns, dem Bösen zu widersagen und das Gute auf eine einfache und konsequente Weise zu ver­wirklichen; es achtet unsere eigene Freiheit und die unseres Nächsten.

Wer im Namen Gottes schreibt und handelt, stärkt uns durch sein inneres Gleichgewicht, seine Humanität und seine mutige Seelenhaltung — auch im Rahmen der eigenen menschlichen Grenzen und Fehler.

Sollte irgendeine Stelle dieses Buches Verwirrung bringen, dann wäre es vernünftiger, die Lektüre des Buches für bessere Zeiten aufzuheben, ehe man in Bedrängnis gerät.

2) Gott kann und will in jedem Augenblick der Geschichte mit seinen auf der Erde lebenden Kindern in Verbindung tre­ten. Für uns Christen besteht die Möglichkeit, uns zu verge­wissern, ob das, was auf uns zukommt, wirklich Gottes Wort ist, indem wir den Inhalt mit der Offenbarung vergleichen, die vom kirchlichen Lehramt getreu gehütet und unfehlbar darge­boten wird.

In unserem Fall soll die gesamte marianische Botschaft, wie jeder einzelne ihrer Teile, im Zusammenhang mit der christli­chen Lehre gelesen und gelebt werden.

Das Ziel dieser Einsprechungen ist, die Priester leichter und sicherer zur Heiligkeit des Lebens zu führen. Dabei wird an folgendes erinnert:

a) Die Mutterschaft Mariens mit den Rechten und Pflichten, die sich daraus für sie und für mich ergeben, geht mich per­sönlich an.

b) Die Madonna, das demütigste und reinste Geschöpf, ist kein Selbstzweck, sondern die Mutter, die die Adoptivkinder hervorbringt und erzieht; damit ergänzt sie das Werk, das sie an ihrem Sohn Jesus vollbracht hat.

Das Ziel ist also einzig die Verherrlichung der Heiligsten Drei­einigkeit, zu der ein Priester berufen ist, der sich bemüht, seine Berufung zu verwirklichen.

c) Da Maria die Mutter der Kirche ist, so ist der geschichtliche Zusammenhang zwischen ihrer Tätigkeit und unserer Ant­wort der Gehorsam, die lückenlose Einheit mit denen, die in der Kirche den Dienst der Autorität innehaben, das ist der Papst, die eigenen Bischöfe und die rechtmäßigen Vorgesetzten.

d) Da der Priester ein gottgeweihter, zum Wohle des Näch­sten tätiger Mensch ist, fühlt er sich verpflichtet, die Freude, den Reichtum und die eifrige Einsatzbereitschaft für die Wei­he an die Muttergottes, die er selbst zuerst abgelegt hat und zu leben sucht, seinen Gläubigen mitzuteilen.

3) Um als Mitglied der MPB aufgenommen werden zu kön­nen, schaut man zwar nicht auf das Alter, auf menschliche Fä­higkeiten, Ansehen und noch weniger auf vergangene positive oder negative persönliche Erfahrungen, jedoch würde derjeni­ge, welcher der MPB mit Sektierergeist beitreten wollte, die Bewegung gründlich verkennen.

In der Kirche gibt es die Substanz, die immer gleich bleibt, und die äußeren Formen, mit denen sich das WORT und das LEBEN umhüllen — sie ändern sich mit der Zeit wie die Kleidung.

Die unverbesserlichen Lobredner auf die vergangene Zeit ver­wechseln das Alte, das stets gültig bleibt, mit dem Abgetrage­nen, Veralteten, das ersetzt werden kann.

Ebenso scheinen auch die unersättlichen Forscher nach neuen Erfahrungen etwas mehr als der Ewige Vater von diesen Er­fahrungen zu wissen und sich verpflichtet zu fühlen, den Heiligen Geist um Initiativen zu bitten, fast als ob die Ret­tung jeder Seele nicht allein auf dem Weg des Gebets und der Buße voranschreiten würde.

4) Da die Bestandteile und die Ausdrücke der christlichen Lehre und des christlichen Lebens so verschiedenartig und komplex sind, wird in diesen Schriften keineswegs beabsich­tigt, auch nur das Geringste davon zu unterschätzen oder so­gar zu verwerfen.

Wenn manche Ausdrucksweise, z. B. gegenüber der zeitgenös­sischen Theologie, kräftig scheint, dann, meine ich, richtet sich die Bemerkung nicht gegen die Theologie an sich, son­dern gegen die wenig kluge Art, mit der sie von manchen an­geblichen Theologen vorgestellt und von anderen noch schlimmer aufgenommen wird.

Noch ein Beispiel: Einige Themen, wie die Sozial- und Pasto­ralfragen im allgemeinen, werden nicht ex-professo behandelt, entweder, weil in jedem Buch, das keine Enzyklopädie ist, nicht auf jede Frage eine Antwort gefunden werden kann oder weil derjenige, der sich der Muttergottes wirklich anvertraut, nicht nur vom grünen Tisch her diskutiert, sondern die kon­kreten pastoralen und sozialen Probleme lebt und löst. Es sollte genügen, einen Don Bosco, einen Don Orione oder den gegenwärtigen Papst zu erwähnen.

5) Beim Phänomen der inneren Einsprechung, das uns hier beschäftigt, schreibt Don Stefano in einem normalen Zustand, weder in Trance noch in Ekstase, er schreibt aufeinanderfol­gend und ohne jegliche geistige Anstrengung, ohne zu überle­gen oder auszubessern, was er innerlich wahrnimmt, und drückt es — ohne achtzugeben — entsprechend dem Reich­tum und der Armut seines eigenen Stils und Temperaments aus, auch wenn es um die Bekanntgabe von Wahrheiten geht, die er selbst nicht gekannt oder von sich aus nicht für solche gehalten hat.

Aus den Schriften Don Stefano Gobbis wurden vor allem jene Seiten ausgesucht, die am besten geeignet sind, die totale Hin­gabe an Maria hervorzuheben, in einem Klima geistiger Kind­schaft, wie sie uns das Evangelium lehrt.

Zur Bestimmung ihrer Gültigkeit ist man nach den klassi­schen und traditionellen Kriterien vorgegangen:

  • die Übereinstimmung mit der geoffenbarten Wahrheit;
  • die andauernde demütige und gehorsame Haltung;
  • einige Zeichen, worum Gott in Demut gebeten wurde;
  • die ausgeglichene Verfügbarkeit Don Stefanos und der

Friede, der der göttlichen Botschaft vorangeht und folgt. Es wurde aber für richtig gehalten, die zahlreichen enorm gu­ten Wirkungen als positives Zeichen zu bevorzugen, die die Marianische Priesterbewegung schon in den Seelen zehntau­sender Priester hervorgebracht hat, worunter sich mehrere in einem Krisenzustand befunden hatten, wie auch das Gute her­vorzuheben, das in unzähligen Laien vollbracht worden ist. An den wunderbaren Früchten ist zu erkennen, daß die Ursa­che eines solchen Ergebnisses nur im geistigen Licht zu suchen ist, das sich vom Heiligen Geist auf die Fürsprache des Unbe­fleckten Herzens Mariens in den Geist und in das Herz der­jenigen senkt, die dieses Buch zur Hand nehmen.

6) In dieser Zeit bemerkenswerter Umwandlungen in der Kirche und in der Welt kommt es immer häufiger vor, daß Menschen angeblich durch charismatische Gaben (Visionen, Einsprechungen, Gabe der Heilungen usw.) bevorzugt sein sollen. Die Marianische Priesterbewegung nimmt folgende Haltung ein:

— Sie identifiziert sich mit keiner Vereinigung, mit keiner Person und mit keinen Ereignissen, die übernatürliche Aspek­te aufweisen.

Sie anerkennt, daß sie nicht das Recht hat, diese weder gutzu­heißen noch zu verwerfen, denn diese Aufgabe kommt der Kirche zu. Sie stellt es jedem Priester frei, sich auf eigene Ver­antwortung so zu verhalten, wie es die Klugheit rät, immer je­doch in vollkommenem Gehorsam zur kirchlichen Autorität.

— Würde es sich jedoch um »Offenbarungen« handeln, die Lehren enthalten, die zum kirchlichen Lehramt in Gegen­satz stehen oder um Personen, die sich offenbar außerhalb des normalen menschlichen Verhaltens und des christlichen Gleichgewichtes bewegen, dann würde die MPB, wenn nötig, ihre Mitglieder davor warnen, damit sie der Kirche vollkom­mene Treue bewahren.

— Wenn es sich um Menschen oder Ereignisse handelt, die die Kirche anerkannt hat, respektiert die Marianische Priesterbe­wegung die Wahl und den Wunsch jedes einzelnen in höch­stem Maß. Freilich, von den Ereignissen in Fatima können wir keinesfalls absehen, denn es handelt sich ja um eine Tatsa­che von universeller Wichtigkeit, die leider noch nicht genug erfaßt und noch weniger genug bezeugt wurde, obwohl die Kirche sie offiziell angenommen hat. Man denke nur an die Pilgerreisen von Papst Paul VI. und von Johannes Paul II. zur Cova da Iria.

d) Nützliche Ratschläge für den Leser

1) Selbstverständlich müssen die Mitglieder der Mariani­schen Priesterbewegung vor allem das Erbgut der Offenba­rung in ihrem vollen Umfang, wie es das offizielle Lehramt sieht, annehmen.

Es steht ihnen aber frei, Schriften und Ereignisse, die im allge­meinen als »Privatoffenbarungen« bezeichnet werden, anzu­nehmen, unberücksichtigt zu lassen oder zu verwerfen.

Da die Lehre und die Geschichte der Mystik nur wenig stu­diert wird, ist es leicht, entweder in den Fanatismus zu verfal­len, der aus Voreingenommenheit alles von vornherein ver­neint oder lächerlich macht, oder in den naiven Fanatismus zu geraten, der alles ausnahmslos, ohne jegliche Unterscheidung annimmt.

Es ist wichtig, sich vor zwei Extremen zu hüten:

— vor der kindlichen Leichtgläubigkeit, die weder die Person noch das Ereignis prüft, um auf einer menschlichen Ebene die Glaubwürdigkeit festzustellen, bevor sie eine übernatürliche anerkennt. Trotz ihrer Kleinheit und Armseligkeit weisen die Werkzeuge Gottes immer einen Zug von Würde und Rein­heit auf, und als echten Aposteln fehlen ihnen die Zeichen des Heiligen Geistes, der sie begleitet, nicht;

— vor der hochmütigen Oberflächlichkeit, die dasjenige ab­lehnt oder geradezu dagegen ankämpft, was in Wirklichkeit ein Werk Gottes sein könnte. Man vergißt im Konkreten, was man im Abstrakten achtet: Die unumschränkte Freiheit Got­tes und des gesamten Paradieses, sich uns Pilgern auf der Erde mitzuteilen.

2) Beim Lesen dieses »Tagebuches«, das für viele Priester ihr tägliches Betrachtungsbuch ist, muß man die einzelnen Aussa­gen im Gesamtzusammenhang sehen. Nehmen wir zum Bei­spiel den Rat der Muttergottes, auf Zeitungen und Fernsehen zu verzichten. Er kann in manchen Fällen wörtlich befolgt werden. Für viele Priester wird er eher bedeuten, kostbare Stunden nicht mit wertlosen oder tendenziösen Fernsehpro­grammen zu vergeuden und die Weltereignisse nicht aus der rein materialistischen Sicht eines Großteils der heutigen Mas­senmedien zu betrachten.

Ein weiteres Beispiel sind die häufig wiederholten, auf den er­sten Blick vielleicht verwirrenden Sätze, in denen behauptet wird, daß der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens mit der glorreichen Ankunft des Reiches Christi zusammen­fällt.

Diese Sätze werden natürlich im Licht der Heiligen Schrift (Offb 20,1-7) und nach dem authentischen Lehramt der Kir­che interpretiert. Diesbezüglich beachte man die häufigen Hinweise von Papst Johannes Paul II. Er gibt sie in seiner er­sten Enzyklika »Redemptor hominis« und in anderen wichti­gen Dokumenten, in denen er vom zweiten Advent der Kirche spricht, die das zweite Kommen Jesu erwartet.

3) Ein anderer Rat lautet, das Charakteristische dieses Bu­ches zu bejahen, es als »kleines Werkzeug« anzunehmen. So will es die Muttergottes im Sinne der Vorsehung, die — wie der hl. Paulus lehrt — das auserwählt, was in den Augen der Welt schwach und armselig ist, um die weltliche Weisheit und die Macht des Teufels zu beschämen.

4) Da die rauchige Luft, die wir atmen, und die List Satans uns einen bösen Streich spielen können, dürfen wir nicht an dem bisweilen sentimental scheinenden Stil Anstoß nehmen. Die Priester, die sich dem erzieherischen Einfluß Mariens überlassen haben, bezeugen, wie sie zwar mit Sanftmut, aber auch mit Festigkeit handelt.

Mit gutem Grund hat ihr der ewige Vater seinen eingebore­nen Sohn anvertraut: Sie sollte ihm ja in seiner menschlichen Natur das Leben schenken und ihn für den Kalvarienberg erziehen.

Maria faßt uns mit zarten Händen an, weil sie uns wie eine Mutter liebt und uns — ohne daß wir dabei rebellieren — aufs Kreuzesholz ausstreckt, damit wir immer vollkommenere Abbilder ihres gekreuzigten Sohnes werden.

Das ist alles andere als sentimental!

5) Die zahlreichen Hinweise auf die schlimmen Zeiten, in denen wir leben, und auf die leidvolle Zukunft, die uns erwar­tet, sollen in ihrer richtigen Perspektive gesehen werden, das heißt im Licht der Heiligen Schrift.

Wie oft und auf wie viele Arten hat der Herr gedroht, sein Volk zu strafen, allein in der Absicht, es auf den richtigen Weg der Umkehr und der Rückkehr zu ihm zu bewegen. Denken wir nur an die Predigt des Propheten Jona, der von Gott beauftragt war, die Zerstörung der Stadt Ninive anzu­künden.

Viele sind besonders über den prophetischen Charakter eini­ger Botschaften erstaunt und fragen: Ist es wahr, was da ge­schrieben steht? Wird das Vorausgesagte eintreffen? Wenn es nicht eintrifft, wie glaubwürdig sind dann die Botschaften noch?

Beim aufmerksamen Lesen des Buches erhält man die beste Antwort auf all diese Fragen:

»Haltet euch nicht mit den Vorhersagen auf, die ich euch in der Absicht gebe, euch die Zeit, in der ihr lebt, verständlich zu machen. Als Mutter sage ich euch die Gefahren, in denen ihr euch befindet, die Bedrohungen, die euch bedrücken und was euch an Bösem widerfahren könnte, nur darum, weil dieses Übel von euch noch verhindert werden kann, die Gefahren umgangen werden können und der Plan der Gerechtigkeit Gottes immer von der Kraft seiner erbarmenden Liebe verän­dert werden kann. Auch wenn ich euch die Strafen voraussa­ge, erinnert euch, daß alles in jedem Augenblick durch die Kraft eures Gebetes und eurer wiedergutmachenden Buße ver­ändert werden kann.

Sagt daher nicht: Was du uns vorhergesagt hast, ist nicht ein­getroffen, sondern dankt mit mir zusammen dem himmli­schen Vater, weil er auf Grund der Antwort des Gebets und der Weihe, wegen eurer Leiden und der ungeheuren Leiden so vieler meiner armen Kinder die Zeitspanne der Gerechtigkeit noch aufschiebt, damit die Zeit der großen Barmherzigkeit erblühen kann« (21. Januar 1984).

6) Eine feste, dem Evangelium entsprechende Reife wird verhindern, daß ein Buch wie dieses weder von vornherein verachtet oder unterbewertet, noch überschätzt wird.

Mit anderen Worten ausgedrückt, wird diese Reife bewirken, daß man das rechte Gespür der Achtung vor einer Erfahrung, die sich aus einer Botschaft ergibt, bekommt, wie auch das rechte Gespür der inneren Freiheit, mit der diese Erfahrung anzunehmen ist.

Die Einsicht, daß keine Worte und keine Botschaft das »Evan­gelium« sind, und die Erkenntnis, daß sich in Phänomenen wie in Einsprechungen auch ein gutes Maß an Subjektivem und Menschlichem einschleichen kann, darf einem nicht prin­zipiell ganz und gar mißtrauisch machen.

Man soll prüfen und abwägen und — wie der heilige Paulus sagt — das Gute behalten, das man darin findet bzw. das man daraus entnehmen kann.

Es muß von Anfang an eine gebührende Achtung da sein, wenn man sich mit einem solchen Buch befaßt.

Die Achtung verbindet sich von selbst mit einem Gespür der Freiheit, das aus der Fähigkeit entspringt, auch den »Botschaf­ten«, die solche Bücher vermitteln wollen, ihren rechten Platz zuzuweisen.

Wie bereits einige Male gesagt: Die »Worte« der Madonna, die hier gebracht werden, sind weder ein neues Evangelium noch ein neuer Glaube.

Die »Worte« führen — entsprechend ihrer, für sie eigentümli­chen Resonanz und Perspektive — zum Evangelium und zum Glauben.

Daher wird auch ein Buch wie dieses nach seinem Wahrheits­gehalt aufgenommen werden und so zur WAHRHEIT, die Christus ist, führen können. Dies wird die beste Art sein, die Verbindung mit der Mutter des Herrn und unserer Mutter wahrhaft mit jener echten Kindlichkeit zu leben, wie es das Evangelium will.

7) Diese Einladung zu einem unbefangenen und wider­standslosen Glauben an die Mutter Christi und die Mutter der Kirche stellt eine kraftvolle Richtlinie dar, wonach der Stil des Lebens und der christlichen Personalität ausgerichtet werden kann.

Sie soll ihren Platz in der mariologischen Lehre der Kirche finden, wie sie z. B. im II. Vatikanischen Konzil Ausdruck gefunden hat (Lumen Gentium, 8. Kapitel).

Keine Einsprechung, auch nicht diejenige, die in diesem Buch enthalten ist, kann die öffentliche, offizielle Glaubensvorlage der Kirche über Maria ersetzen oder sich ihr gleichstellen, denn in dieser Glaubenslehre wird die Gestalt Mariens und ihre Mission in vollständiger Weise dargestellt.

Innerhalb der Kirche soll auch eine kindliche Haltung gegenüber Maria und daher auch im Alltagsleben und in der Ausübung des missionarischen Apostolats, gelehrt und gelebt werden.

Maria ist in der Kirche und führt zu Christus innerhalb der Kirche: zu jener Kirche, die sich im II. Vatikanischen Konzil dargestellt und sich pastorale Ziele gesetzt hat, die sich jeder Priester zu eigen machen soll.

Es ist im Zeichen einer totalen Fügsamkeit im Glauben, daß Maria dazu führt, das Geheimnis der Kirche zu leben: Wenn man die Kirche bejaht (und andere zu ihr hinführt), nimmt man auch die Dimension ihres apostolischen Dienstes an. Der Priester, insbesondere der Weltpriester, wird sicher nicht den gesamten Inhalt seines Priestertums und seiner Mission in diesem Buch finden können. Er wird darin eventuell eine Per­spektive, einen Standpunkt, eine Ausgangsbasis für seine Handlungen und eine Belebung seines Priestertums — und zu­nächst seiner christlichen Personalität — finden können. Das wird weder seiner Aufmerksamkeit für die Pastoral der Kirche noch seinem echten Interesse für die gesunde Theolo­gie abträglich sein.

8) Schließlich ein letzter Rat für den, der sich mit dem Buch befaßt.

Er soll mehr auf den Inhalt als auf die Form achten und das Buch nicht mit Vorurteilen zur Hand nehmen, sondern demütigen und einfachen Herzens.

Er soll sich mühen, es ohne Überheblichkeit zu lesen, es in Ruhe und mit Liebe zu betrachten.

Dann mag er im Alltag durch persönliche Erfahrungen prü­fen, was die Muttergottes wünscht und verspricht.

Tausende von Priestern haben es in den vergangenen Jahren so gehalten. Sie brauchten es nicht zu bereuen. Sie beten zur Muttergottes, daß viele ihrer Mitbrüder auf dem gleichen Weg folgen.

Don Stefano Gobbi

Mailand, 1. Januar 1996
Hochfest der Gottesmutter Maria


 

Quelle: Buch: „An die Priester, die vielgeliebten Söhne der Muttergottes“, Übersetzung aus dem Italienischen, 11. deutsprachige Auflage