Päpstlicher Rat für die Familie: Ehe, Familie und „Faktische Lebensgemeinschaften“

Alfonso Kardinal López Trujillo

PÄPSTLICHER RAT FÜR DIE FAMILIE

EHE, FAMILIE UND
„FAKTISCHE LEBENSGEMEINSCHAFTEN“

Die steigende Zahl faktischer Lebensgemeinschaften und die daraus folgende Abneigung gegen die Ehe sind ein in der ganzen Gesellschaft weitverbreitetes Phänomen, das die christliche Gemeinschaft eindringlich im Gewissen anspricht. Die Kirche hat die „Zeichen der Zeit“ erkannt und kommt daher nicht umhin, sich mit dieser Frage zu befassen.

Im Bewußtsein der ernsten sozialen und pastoralen Folgen einer solchen Situation hat der Päpstliche Rat für die Familie im Jahr 1999 und in den ersten Monaten des Jahres 2000 eine Reihe von Studientagen veranstaltet. Das vorliegende Dokument ist das Ergebnis dieser Tagungen, an denen große Persönlichkeiten und renommierte Fachleute der ganzen Welt teilgenommen haben, um diese heikle Frage mit großer Tragweite für Kirche und Welt gebührend zu analysieren.

Das Dokument setzt sich mit der schwierigen Situation von heute auseinander, bei der es genau um den zentralen Kern menschlicher Beziehungen, um die heikle Frage der innigen Verbindung zwischen Familie und Leben, um die empfindlichsten Bereiche des menschlichen Herzens geht. Zur gleichen Zeit ist angesichts der unleugbaren öffentlichen Tragweite und der derzeitigen internationalen politischen Konstellation ein richtungsweisendes Wort notwendig und dringlich. Es richtet sich zuallererst an die entsprechenden Verantwortlichen, die durch die Verabschiedung von Gesetzen der Ehe als Institution entweder rechtlichen Bestand verleihen oder das Gemeinwohl, das diese natürliche Institution schützt, schmälern, wenn sie von einer Betrachtung der persönlichen Probleme ausgehen, die nicht der Wirklichkeit entspricht.

Die folgenden Überlegungen richten sich aber auch an die Bischöfe, die heute viele Christen dort abholen müssen, wo sie sind, und zur Aufwertung dieses natürlichen Werts führen müssen, der durch die Ehe als Institution geschützt und durch das christliche Sakrament besiegelt wird. Die in der Ehe begründete Familie entspricht dem Plan des Schöpfers „am Anfang“ (Mt 19,4). Im Reich Gottes kann nur der Same der in das Herz des Menschen eingeschriebenen Wahrheit ausgesät werden, weil nur sie „durch ihre Ausdauer Frucht bringen“ (Lk 8,15) kann; einer Wahrheit, die Erbarmen, Verständnis und Appell ist, in Jesus „das Licht der Welt“ (Joh 8,12) und die Kraft zu erkennen, die uns aus der Macht des Bösen befreit.

Schließlich möchte das vorliegende Dokument ein positiver Beitrag zum Dialog sein, damit die Wahrheit der Dinge und der sich aus der natürlichen Ordnung ergebenden Forderungen klar zutage treten. Es ist somit als Teilnahme am sozio-politischen Diskurs und als Übernahme von Verantwortung für das Gemeinwohl zu verstehen.

Gott gebe es, daß viele Menschen guten Willens diese nüchternen und verantwortungsbewußten Überlegungen teilen und sie dieser für Kirche und Welt notwendigen Lebensgemeinschaft, welche die Familie ist, zum Vorteil gereichen.

Vatikanstadt, 26. Juli 2000
Gedenktag der Heiligen Joachim und Anna, der Eltern der allerseligsten Jungfrau Maria

Alfonso Kardinal López Trujillo
Präsident 

Bischof Francisco Gil Hellin
Sekretär

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Kardinal Müller: „Suizidale Modernisierung“ der Kirche

Früherer Präfekt der Glaubenskongregation äußert sich zu Amoris laetitia, Reformation und dem Vorschlag zur Segnung von Homopaaren.

Bratislava (kath.net) Kardinal Gerhard Müller bedauerte bei einem Vortrag die Trennung von Dogmatik und Morallehre. Er sprach von einer unterwürfigen „Umwandlung der Kirche in eine NGO“ mit dem Ziel der Verbesserung innerweltlicher Lebensbedingungen. Dabei handle es sich allerdings um eine „suizidale Modernisierung“. Dies betrüge die Menschen um die Wahrheit Gottes. Müller präsentierte demgegenüber das Christentum als einen theozentrischen Humanismus. Das berichtete die Würzburger „Tagespost“. Müller äußerte sich anlässlich der Würdigung der Enzyklika Veritatis splendor (VS) von Johannes Paul II. zu ihrem 25. Jahrestag durch die Slowakische Bischofskonferenz und die Comenius-Universität in Bratislava.

Auf Fragen der Hörer zu Amoris laetitia antwortete der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, dass er über die unterschiedlichen Interpretationen durch einige Bischofskonferenzen keineswegs glücklich sei. In dogmatischen Fragen könne es keine Pluralität geben, auch gebe es nur ein Lehramt, Bischofskonferenzen könnten nur pastorale Fragen beantworten, so berichtete die „Tagespost“ weiter. Das achte Kapitel von „Amoris laetitia“ müsse man „orthodox“ verstehen, denn wer in Todsünde lebe, könne die Kommunion nicht empfangen. Der Papst sei dazu da, die Kirche zusammenzuführen. Er selbst habe dem Papst gesagt, wenn Bischofskonferenzen unterschiedliche Interpretationen gäben, käme die Kirche in eine Situation wie vor der Reformation. Übrigens könne man die Spaltung der Kirche in der Reformation nicht feiern.

Außerdem lehnte Kardinal Müller die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare scharf ab, eine solche Segnung durch einen Priester wäre, so Müller nach Angabe der „Tagespost“ wörtlich, „ein Gräuel an heiliger Stätte“.

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Amoris laetitia: Kasachische Bischofsgruppe widerspricht Papst

Papst Franziskus und eine Familie

Drei Bischöfe in Kasachstan haben der von Papst Franziskus gewünschten Einzelfall-Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion offen widersprochen.

Die Regelung verursache eine „erhebliche und ständig wachsende Verwirrung unter den Gläubigen und dem Klerus“ und verbreite die „’Geißel des Ehebruchs‘ sogar im Leben der Kirche“, heißt es in der Erklärung des russlanddeutschen Weihbischofs Athanasius Schneider in Astana und zweier Erzbischöfe.

Das fünfseitige Schreiben, das als Datum das katholische „Fest der Heiligen Familie“ am 31. Dezember trägt, wendet sich gegen die vom Papst bestätigten Normen der Argentinischen Bischofskonferenz, nach denen zivilrechtlich Wiederverheiratete nach eingehender seelsorglicher Prüfung die Sakramente empfangen dürfen, auch wenn ihre frühere Ehe kirchenrechtlich Bestand hat und sie daher aus katholischer Sicht in schwerer Sünde leben. Franziskus hatte die Orientierungshilfe der argentinischen Bischöfe zu seinem Schreiben „Amoris laetitia“ in das vatikanische Amtsblatt aufgenommen und damit zum Teil der päpstlichen Lehre erklärt.

Weihbischof Schneider begründete seine Initiative mit der von Franziskus geforderten Debattenkultur. „Es kann nicht sein, dass kein Priester und Bischof es wagt, eine vernünftige und begründete Meinung zu äußern“, sagte Schneider auf telefonische Anfrage am Dienstag in Astana. Der Papst müsse „froh sein“ über ein gemeinsames Ringen. In der Kirche sollte eine „Kultur der Freiheit“ herrschen. Schneider, der in offener Nähe zu traditionalistischen Kreisen steht, verwies dafür auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965).

Das Papier mit dem Titel „Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten über die sakramentale Ehe“ wurde außer von Schneider auch von Astanas Erzbischof Tomash Peta und vom ehemaligen Oberhirten der Erzdiözese Karaganda, Jan Pawel Lenga, unterzeichnet. Laut Scheider wurde es über die Nuntiatur auch dem Vatikan zugeleitet.

In Kasachstan bestehen vier katholische Kirchenbezirke mit insgesamt sieben aktiven oder emeritierten Bischöfen. Die drei Diözesen und eine Apostolische Administration zählen nach Vatikanangaben 106.100 Katholiken unter knapp 17,1 Millionen Einwohnern.

(kap – cs)

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Kardinal Burke spricht die „Dubia“ ein Jahr nach ihrer Veröffentlichung an

Cardinal Walter Brandmüller and Cardinal Raymond Burke pictured at a Pontifical High Mass in St. Peter’s basilica to mark the 10th anniversary of Summorum Pontificum, Sept. 16, 2017. (Edward Pentin photo)

In der Absicht, zwei kürzlich verstorbene Kardinäle zu ehren, macht der amerikanische Kardinal einen letzten Appell an den Heiligen Vater, um Klarheit zu schaffen, indem er sagt, dass die „ernste“ Situation „sich ständig verschlechtere“ und dass es „dringend“ sei, seine Brüder im Glauben zu bestärken.“

Von Edward Pentin

(Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

 

Ein Jahr nach der Veröffentlichung der Dubia hat Kardinal Raymond Burke dem Heiligen Vater ein letztes Plädoyer für die Klärung wichtiger Aspekte seiner moralischen Lehre gegeben. Er sagte, die Schwere der Situation verschlechtere sich ständig.

In einem Interview vom 14. November mit dem National Catholic Register sagte Kardinal Burke, er wende sich wieder „an den Heiligen Vater und an die ganze Kirche“, um zu betonen, „wie dringlich es ist, den Dienst, den er vom Herrn empfangen hat, auszuüben. Der Papst sollte seine Brüder im Glauben mit einem klaren Ausdruck der Lehre sowohl über die christliche Moral als auch über die Bedeutung der sakramentalen Praxis der Kirche bestärken.“

Am 19. September letzten Jahres unterzeichneten Kardinal Burke zusammen mit den Kardinälen Walter Brandmüller und den kürzlich verstorbenen Kardinälen Joachim Meisner und Carlo Caffarra die Dubia an den Papst. Sie machten die Initiative am 14. November 2016 öffentlich, als klar wurde, dass der Heilige Vater nicht antworten würde.

Auf die Klärung der umstrittenen Passagen aus Kapitel 8 seines nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia gerichtet, versuchte die Fünf-Fragen-Dubia – eine uralte und gebräuchliche Praxis zur Klärung von Glaubensrichtungen – unter anderem zu ermitteln, ob die frühere kirchliche Lehre in Kraft bleibe, die verbietet, dass zivil „Wiederverheiratete“ Geschiedene, die sexuelle Beziehungen haben, die Sakramente empfangen können.

Seitdem Amoris Laetitia im April 2016 veröffentlicht wurde, haben einige Bischofskonferenzen auf der Grundlage der Exhortation (des Nachsynodalen Schreibens) gesagt, dass einige zivil wiederverheiratete Geschiedene jetzt die Sakramente je nach ihren persönlichen Umständen empfangen können, während andere, die ihre Position auf die immerwährende Lehre der Kirche gründen, sagen, dass sie es nicht können.

„Die Sorge war und ist, genau zu bestimmen, was der Papst als Nachfolger von Petrus lehren wollte“, sagte Kardinal Burke.

„Weit davon entfernt, dass die Bedeutung unserer Fragen geringer geworden sind“, macht die gegenwärtige Situation sie „noch dringlicher“, fügte er hinzu.

Er machte es in diesem frischen Interview auch deutlich, dass er beabsichtigt, die beiden verstorbenen Kardinäle zu ehren, indem er die Position der Unterzeichner der Dubia unterstreicht und eine Zusammenfassung der Situation gibt.


Ihre Eminenz, in welchem ​​Stadium sind wir seitdem Sie, Kardinal Walter Brandmüller, und die zwei kürzlich verstorbenen Kardinäle, Carlo Caffarra und Joachim Meisner, die Dubia diese Woche vor einem Jahr veröffentlichten?

Ein Jahr nach der Veröffentlichung der Dubia zu Amoris Laetitia, die keinerlei Antwort vom Heiligen Vater erhalten haben, beobachten wir eine zunehmende Verwirrung über die Interpretationsweisen des Apostolischen Schreibens. Daher wird unsere Besorgnis wegen der Situation der Kirche und ihrer Sendung in der Welt immer dringender. Ich bleibe natürlich in regelmäßigen Gesprächen mit Kardinal Walter Brandmüller über diese schwerwiegenden Angelegenheiten. Wir beide bleiben in tiefer Verbundenheit mit den beiden verstorbenen Kardinälen Joachim Meisner und Carlo Caffarra, die im Laufe der letzten Monate verstorben sind. Ich stelle damit noch einmal den Ernst der Lage dar, der sich immer weiter verschlimmert.

Es ist viel über die Gefahren des zweideutigen Charakters von Kapitel 8 von Amoris Laetitia gesagt worden, wobei betont wird, dass es offen ist für viel Interpretation. Warum ist Klarheit so wichtig?

Klarheit in der Lehre impliziert keine Starrheit, welche die Menschen davon abhalten würde, auf dem Pfad des Evangeliums zu gehen, sondern im Gegenteil: Klarheit liefert das Licht, das notwendig ist, um Familien auf dem Weg der christlichen Jüngerschaft zu begleiten. Es ist Dunkelheit, die uns davon abhält, den Weg zu sehen, und die die Evangelisierungshandlung der Kirche behindert, wie Jesus sagt: „Die Nacht kommt, da niemand mehr arbeiten kann“ (Joh 9,4).

Könnten Sie mehr über die aktuelle Situation im Zusammenhang mit der Dubia erzählen?

Die gegenwärtige Situation, weit entfernt davon, die Bedeutung der Dubia (Zweifel) oder Fragen zu verringern, macht sie noch dringender. Es ist überhaupt nicht – wie einige behauptet haben – eine Angelegenheit einer „betroffenen Unwissenheit“, die nur deshalb Zweifel aufwirft, weil sie nicht willens ist, eine gegebene Lehre anzunehmen. Vielmehr war und ist das Anliegen genau zu bestimmen, was der Papst als Nachfolger von Petrus lehren wollte. So ergeben sich die Fragen aus der Anerkennung des Petrusamtes, das Papst Franziskus vom Herrn erhalten hat, um seine Brüder im Glauben zu bestärken. Das Lehramt ist Gottes Geschenk an die Kirche, um Klarheit über Fragen zu schaffen, die das Glaubensgut betreffen. Aussagen, denen diese Klarheit fehlt, können ihrem Wesen nach keine qualifizierten Ausdrücke des Lehramtes sein.

Warum ist es Ihrer Meinung nach so gefährlich, dass es unterschiedliche Interpretationen von Amoris Laetitia gibt, besonders über die pastorale Behandlung derjenigen, die in irregulären Beziehungen leben, und insbesondere der zivilrechtlich wiederverheirateten Geschiedenen?

Es ist offensichtlich, dass einige von Amoris Laetitia’s Angaben über wesentliche Aspekte des Glaubens und der Ausübung des christlichen Lebens verschiedene Interpretationen erhalten haben, die voneinander abweichen und manchmal miteinander unvereinbar sind. Diese unbestreitbare Tatsache bestätigt, dass diese Hinweise ambivalent sind und eine Vielzahl von Lesarten zulassen, von denen viele im Gegensatz zur katholischen Lehre stehen. Die Fragen, die wir Kardinäle aufgeworfen haben, richten sich auf das, was genau der Heilige Vater gelehrt hat und wie seine Lehre mit dem Glaubensgut (depositum fidei) harmoniert, da das Lehramt nicht über dem Wort Gottes steht, sondern ihm dient, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft. (2. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei Verbum, 10).

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Fortsetzung folgt!

Interview: Josef Seifert über die Amoris Laetitia-Debatte mit Rocco Buttiglione — Fortsetzung 2

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Hickson: Können Sie uns hier die Frage des unfehlbaren außerordentlichen Lehramtes und des unfehlbaren allgemeinen ordentlichen Lehramtes erklären?

Seifert: Ich denke, dass das unfehlbare außerordentliche Lehramt nur für solche zentralen Fragen der Lehre und des Glaubens gilt, die entweder der Papst „ex cathedra“ definiert (was nur zwei oder dreimal in der Geschichte der Kirche geschehen ist) oder die ein Konzil, in Einheit mit dem Papst, als ein Dogma und de fide definiert in der Weise, dass jeder, der ihr widersprochen hat als „anathem“ erklärt wurde. Das unfehlbare Ordentliche Lehramt der Kirche ist nur in Lehren des ordentlichen Lehramtes präsent, die mit dem übereinstimmen, was die Kirche immer und überall gelehrt hat, nicht mit völlig neuen Lehren. Keines dieser Unfehlbarkeitskriterien gilt für die Neuheiten von AL.

Hickson: Ist Amoris Laetitia von so großem magistralem Gewicht, dass man seiner Lehre nicht widersprechen kann, ohne in die Kategorie ungehorsam, ketzerisch oder schismatisch zu fallen, zumindest im Geiste?

Absolut nicht, aus den angegebenen Gründen. Deshalb ist es eine schwerwiegende Ungerechtigkeit, Katholiken, die AL in der Tat oder im Geiste widersprechen, als Häretiker, Schismatiker oder als ungehorsam gegenüber dem Papst zu behandeln.

Hickson: Ist es in diesem Zusammenhang wichtiger, dass wir dem Papst und seiner neuen Lehre um des Gehorsams willen folgen (was an sich ein großes Gut ist) oder dass wir die traditionelle Lehre der Kirche bewahren?

Seifert: Ich denke, sobald wir feststellen, dass eine neue Lehre falsch ist, dass wir verpflichtet sind, ihr nicht zu gehorchen. Und sobald wir eine neue pastorale Entscheidung des Papstes vorfinden, die bei gutem Gewissen nicht anwendbar ist, wie die Sakramente unbußfertigen Sündern auf der Grundlage eines (für uns unmöglich) „Unterscheidungsvermögens“ zu geben, ob ihre Sünde mit ihrem Im-Gnadenstand-Sein aus subjektiven Gründen kompatibel ist, sind wir ebenfalls moralisch verpflichtet, ihm nach dem vom Petrus formulierten Prinzip nicht zu gehorchen, und Robert Spaemann hat vor kurzem daran erinnert, dass wir Gott mehr gehorchen müssen als Menschen. Dies gilt umso mehr, wenn wir davon überzeugt sind, dass die Gewährung der Absolution und der heiligen Eucharistie an die öffentlichen Sünder (auch wenn sie im Zustand der Gnade waren) ungeachtet ihrer persönlichen Unschuld falsch ist, wie dies im Familiaris Consortio 84 impliziert wird. FC spricht von einer objektiven Disharmonie der ehebrecherischen Beziehungen zum Gesetz Christi und zur Bedeutung der Ehe – und der tiefen analogen und symbolischen Bedeutung der Ehe in Bezug auf die Beziehung zwischen Christus und der Kirche als Grund, warum ein Paar, das im Widerspruch zu den Göttlichen Geboten lebt, die Sakramente nicht empfangen sollte. Diese objektive Diskrepanz reicht aus für das Urteil der Kirche, dass sie keinen Zugang zu den Sakramenten erhalten dürfen. (In diesem Punkt habe ich Buttiglione in Briefen und meinen früheren Schriften über AL einige unrichtige Zugeständnisse gemacht.) FC und kirchliche Tradition verlangen nicht, dass Sünder, die ernsthaft vom göttlichen Gesetz abweichen, subjektiv in Todsünde leben müssen (was Gott allein weiß), weil ihnen der Zugang zu den Sakramenten verweigert wird. Wenn dies anders wäre, müssten wir auch Abtreibungsbefürworter, Mörder ersten Grades usw. zu den Sakramenten zulassen, weil wir niemals mit Sicherheit wissen können, dass sie die heiligmachende Gnade verloren haben .

Hickson: Sie selbst haben in Ihrer eigenen höflichen Kritik an Amoris Laetitia besonders auf Paragraph 303* dieses päpstlichen Dokuments hingewiesen und die potentielle Gefahr hervorgehoben, absolute moralische Normen irrelevant zu machen. Wie haben Sie und Prof. Buttiglione über diesen Aspekt der Debatte gesprochen?

Seifert: Prof. Buttiglione sagte über meinen zweiten Artikel, Droht pure Logik, die gesamte moralische Lehre der katholischen Kirche zu zerstören?, dass „ich irre, auch wenn ich recht habe“ aus den Gründen, (1) die Verpflichtung zu haben, allem zuzustimmen, was das Ordentliche Päpstliche Lehramt uns sagt (worauf ich geantwortet habe), (2) dass ein Grund, den der Papst für eine Lehre anbietet, falsch sein kann, während die Lehre selbst richtig ist. Mit anderen Worten, Buttiglione glaubt, dass die Behauptung, „dass wir in unserem Gewissen wissen können, dass Gott selbst es wünscht, dass wir weiterhin im Ehebruch leben, die beste und großzügigste Antwort ist, die wir ihm in unserer Situation geben können“, nicht die Lehre von Papst Franziskus ist, die wir (nach Buttiglione) glauben müssen. Vielmehr müssten wir nur der wahren Lehre von AL Glauben schenken, nämlich, dass nach rechter Unterscheidung reuelose ehebrecherische und homosexuelle Paare zu den Sakramenten zugelassen werden können. Ich denke im Gegenteil, was Nr. 303* sagt (und viele andere Teile von AL implizieren), dass der bedeutendste Lehrinhalt und der Hauptgrund für die pastorale Lehre von AL der ist, der (in Anbetracht meiner Antwort Nr. 1, 2 und 3 zu Ihrer zweiten Frage), nicht als eine „lehramtliche Lehre“ betrachtet werden kann.

Hickson: In diesem Zusammenhang eines Sünders, der Gott gefallen könnte, obwohl er immer noch in seiner Sünde verbleibt: Ist es katholisch, eine Position aufrechtzuerhalten, dass Gott mit uns zufrieden sein könnte, vielleicht weil wir in unserem Leben eine Sünde heilten, während wir jedoch noch in einer anderen schweren Sünde verbleiben? Das heißt, könnte es in Gottes Augen genügen, in den Zustand der heiligenden Gnade zurückzukehren, indem man ein Zeichen des guten Willens setzt, während man zum Beispiel immer noch eine sündige Beziehung aufrecht erhält?

Seifert: Ich denke, dass Gott natürlich von uns, nach einer Scheidung von unserer sakramentalen Ehefrau, damit zufrieden sein könnte, unsere einzige zivil verheiratete zweite Frau oder unsere Kinder zu verprügeln und zu verleumden, selbst wenn wir in einer sündhaften Beziehung fortfahren. Aber er kann oder wird sich nie darüber freuen, dass wir weiter im Ehebruch leben. Es ist sicher möglich, dass unbesiegbare Ignoranz oder Willensschwäche nicht dazu führt, dass eine Person den Zustand der heiligmachenden Gnade verliert, selbst wenn diese Person objektiv in schwerer Sünde lebt. Aber ich denke, dass a) dies sehr selten ist, besonders wenn sich der Priester in der Beichte seiner Pflicht entledigt, dem Sünder die Wahrheit zu sagen, und 2) dass niemand darin sicher sein kann, und 3) dass im Zustand der Gnade zu leben nicht genug ist, um die Sakramente würdig zu empfangen, während mit objektiv in schwerer Sünde lebt, wie ich erklärt habe.

Hickson: Würde Gott von irgendeinem Sünder irgendwann in seinem Leben verlangen, in seiner Sünde zu bleiben? Wie würden Sie diese Behauptung angesichts des Konzils von Trient kommentieren?

Ich halte das für eindeutig unmöglich und als eine vom Konzil von Trient dogmatisch erklärte Ketzerei.

Hickson: Wo verlässt Prof. Buttiglione in Ihren Augen die solide Grundlage der katholischen Morallehre, vielleicht um die Loyalität gegenüber Papst Franziskus zu wahren?

Ich denke (1) in Bezug auf seine „zwei Prinzipien“, die uns trennen, dass sie nicht der gesunden katholischen Lehre entsprechen, weil es die katholische Lehre (und die Grundlage für jede Verurteilung von Häresien in der Geschichte der Kirche) ist, dass a) Wahrheit Vorrang hat vor der Einheit und b) dass kein Katholik die absolute Pflicht hat, alles anzunehmen, was ein Papst oder Konzil sagt, wenn es nicht dogmatisch und de fide ist, und wenn er guten Grund hat zu glauben, dass es der natürlichen oder geoffenbarten Wahrheit widerspricht oder zu beidem (etwas Anderes zu verlangen wäre Papolatrie). (2) Ich glaube, dass Professor Buttiglione’s konkrete und brillante, aber erfolglose Bemühungen, die Neuheiten von Amoris Laetitia mit Familiaris Consortio , Veritatis Splendor , Evangelium Vitae , Humanae Vitae und der Tradition der Kirche in Einklang zu bringen, alle scheitern und ihn in die Gefahr der Verwendung komplizierter und sophistischer Gründe und widersprüchlicher kirchlicher Dogmen bringt, wie (a) dass Gott niemals Dinge befiehlt, denen wir nicht gehorchen können mit Hilfe der Gnade (eine lutherische Häresie bestritt dies und wurde im Konzil von Trient verurteilt) oder (b) dass außermoralisches Übel (wie dass der Partner einer zweiten „Ehe“ mich verlassen wird) niemals ein größeres Übel als eine Sünde sein kann und die Absicht, sie zu verhindern, niemals eine Sünde rechtfertigen kann (VS und Trient bekräftigten dies und verurteilten seine Negation als ketzerisch), oder (c) daß das Abwägen des Guten gegen die schlechten Wirkungen einer Handlung niemals die Begehung einer der vielen an sich bösen Handlungen rechtfertigen kann (Veritatis Splendor hat dies sehr feierlich deutlich gemacht).

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Fortsetzung folgt!

Interview: Josef Seifert über die Amoris Laetitia-Debatte mit Rocco Buttiglione — Fortsetzung 1

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

(2) Die zweite fundamentale Meinungsverschiedenheit zwischen uns betrifft die jeweilige Rolle der „Einheit mit dem Papst“ und der Wahrheit in der Wertehierarchie, die wir respektieren müssen. Buttiglione bestand wiederholt darauf, dass für ihn das wichtigste Ziel „Einheit mit dem Papst“ sei, während ich denke, dass die Frage der Wahrheit absolute Priorität hat. Wenn also, wie ich in meinem letzten Artikel über AL [1] als eine Frage an den Papst vorschlage, die reine Logik zeigt, dass man aus einer einzigen Behauptung der AL, die unten zitiert wird, die Negation von an sich bösen Taten ableiten kann, und diese Behauptung dem Naturgesetz und der ganze katholische Morallehre, besonders Veritatis Splendor, widerspricht, dann ist diese Behauptung offensichtlich falsch, und das muss klar gesagt werden, und die Behauptung sollte zurückgezogen werden. Dem Papst zustimmen, Einigkeit mit dem Papst haben in Bezug auf einen Irrtum, hat keinen Wert. Im Gegenteil: Wie der hl. Thomas und die Apostelgeschichte deutlich machen, hat der Untergebene in einem solchen Fall die Pflicht, seinen Vorgesetzten sogar öffentlich zu kritisieren, wie der hl. Paulus den hl. Petrus kritisiert hat. Gegen mein Beharren auf der absoluten Priorität der Wahrheit über die Einigkeit schrieb Buttiglione, dass ich in meinem kurzen zweiten Artikel über AL falsch liege, auch wenn ich recht hätte – mit dieser rätselhaften Behauptung, dass „Einigkeit mit dem Papst“ wichtiger ist als die Wahrheit, oder dass wir nicht die Wahrheit sagen müssen, wenn die Wahrheit unsere Einigkeit mit dem Papst gefährdet – eine Position, mit der ich absolut nicht einverstanden bin, oder dass die Aussage, aus der verheerende Konsequenzen logisch folgen, wirklich falsch sein könnte, wie ich suggeriere, während der Hauptinhalt AL von diesem Irrtum nicht berührt werden würde, weil dieser Fehler sich nur auf einen Grund für die Lehre von AL beziehen würde, nicht auf diese Lehre selbst (ich werde auf diesen zweiten Punkt zurückkommen).

Hickson: Genauer gesagt, was ist die Meinungsverschiedenheit mit Prof. Buttiglione bezüglich der Frage des magistralen Gewichts von Amoris Laetitia?

Seifert: Buttiglione und ich sind uns nicht einig, ob das, was der Papst in Amoris Laetitia sagt, eine Ausübung seines Ordentlichen Lehramtes ist, was Buttiglione für unbestreitbar hält, während ich es aus vier (meiner Meinung nach entscheidenden) Gründen ernstlich bezweifle:

  1. Weil die entscheidenden neuen Punkte von AL hauptsächlich in bloßen Fußnoten gefunden werden, die die Sakramentsdisziplin der Kirche von 2000 Jahren nicht umkehren können, überdies feierlich neu bestätigt durch die Apostolische Ermahnung Familiaris Consortio des Heiligen Papstes Johannes Paul II. Solche Fußnoten können nicht als Ausübung des Ordentlichen Lehramtes angesehen werden, wie auch die Kardinäle Brandmüller und Burke sowie die anderen Dubia-Kardinäle und viele andere bemerkten.
  2. Darüber hinaus sagt der Papst ausdrücklich im Kapitel III von Amoris Laetitia, dass er die entscheidende Neuheit in AL nicht durch sein Lehramt festlegen will, sondern es offen lässt, sie von den verschiedenen nationalen und kulturell unterschiedlichen und dezentralisierten Bischofskonferenzen beurteilen zu lassen.
  3. Er bestätigte diese Position, indem er sowohl die Entscheidung des polnischen Episkopats billigte, FC zur Gänze zu folgen, als auch Geschiedene und zivil Wiederverheiratete oder aktive Homosexuelle, die ihr Leben nicht ändern wollen, nicht zu den Sakramenten zuzulassen und indem er gleichzeitig auch die entgegengesetzte Position bestätigt und lobt: die Verkündigung der argentinischen Bischöfe der Region Buenos Aires, die mit derjenigen vieler anderer Bischöfe übereinstimmt, darunter auch der Erzbischof von Granada. Diese Bischöfe nahmen die genau entgegengesetzte Interpretation an. Der Papst lobte sogar die weitaus radikalere Äußerung der Bischöfe von Malta gegenüber AL, die eine völlig situationsethische Interpretation von AL vorschlugen. So folgt Franziskus der Idee, die er anregt, von einem „dezentralisierten Lehramt“ oder einer anderen „Magisteria“ in der Kirche – alles, was er billigte – eine Idee, die Karl Rahner vor einem halben Jahrhundert in München zum Ausdruck brachte. Nun, reine Logik sagt uns, dass die Position der Bischöfe von Buenos Aires oder Malta und die der Polnischen Bischofskonferenz, die diametral widersprüchlich gegen die der Bischöfe von Buenos Aires (verteidigt von Buttiglione) ist, und von denen beide vom Papst in seinem neuen „magisterialen Pluralismus“ zugelassen sind, nicht beide dem „ordentlichen Lehramt des Papstes“ entsprechen können. Daher können die neuartigen Lehren von AL (d.h. die Lesart in Buenos Aires) nicht das „Lehramt des Papstes“ sein.
  4. Die Neuheiten von AL sind nicht in erster Linie doktrinell, sondern pastoral und daher eher den Kategorien der Klugheit oder Unklugheit als des Wahren und Falschen zuzuordnen; zum Beispiel, wenn Päpste in der Vergangenheit in der Ausübung ihres ordentlichen Lehramtes in päpstlichen Bullen oder Enzykliken verlangt haben, dass Häretiker, Magier und Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollten, oder wenn sie ganze Städte in Bullen exkommunizierten, weil ihr Prinz gegen den Vatikan einen Krieg führte, bin ich sicherlich nicht verpflichtet zu glauben, dass dies eine umsichtige Pastoralentscheidung war. Buttiglione selbst sagt etwas widersprüchlich, dass die neue Lehre von AL eine rein pastorale ist, und er hat auch zumindest in Briefen an mich gesagt, dass wir nicht mit der Weisheit einer pastoralen Entscheidung eines Papstes einverstanden sein müssen, die nicht an sich wahr oder falsch, aber klug oder unklug sein kann. Aber in diesem Fall bin ich keineswegs verpflichtet, AL zuzustimmen (gemäß der Logik, die auf Buttigliones Eingeständnis angewandt wird), noch zuzustimmen, dass seine neue Pastoralrichtlinie weise ist.

(Ich unterscheide mich in anderer Hinsicht mit Buttiglione: indem ich behaupte, dass die neuartige Lehre von AL nicht bloß pastoral, sondern auch doktrinal ist. )

Insofern sie aber pastoral ist (und daher nicht wahr oder falsch, sondern klug oder unvorsichtig), unterscheiden sich Buttiglione und ich, zumindest scheinbar, als ob Buttiglione die neue Pastoralleitlinie von AL nicht kritisiert und versucht, ihre Kompatibilität mit der gegenteiligen Pastoralrichtlinie von FC zu erklären, die mit Papst Johannes Paul II. im Evangelium verwurzelt ist. Ich halte jedoch, auch wenn ich irgendeine Lehrfrage ausschließe, die neue pastorale Richtlinie von AL nicht nur für unvorsichtig, sondern für völlig unanwendbar. In meinem ersten Artikel über AL [2] habe ich, glaube ich, überzeugende Argumente für die praktische Unmöglichkeit gegeben, zwischen Ehebrechern „zu unterscheiden“, die die Sakramente empfangen können oder nicht, ohne ihr Leben zu verändern. Mein Argument deckt sich völlig mit einem Argument des polnischen Episkopats für ihre Entscheidung, FC zu befolgen: Es ist unmöglich für einen Priester in einem 5-Minuten-Gespräch im Beichtstuhl zu bestimmen, ob ein reueloser Sünder unüberwindlich unwissend und im Zustand der Gnade ist, obwohl er beabsichtigt, weiterhin zu begehen, was objektiv gesprochen schwere Sünden sind. Aus dieser praktischen Unmöglichkeit der Anwendung des Urteilsvermögens, die kaum mit einer allgemeinen Öffnung der Beichte und der Eucharistie für reuelose ehebrecherische und homosexuelle Paare enden kann, folgt unmittelbar die Unklugheit der Entscheidung, die „irregulären Paare“ zu den Sakramenten zuzulassen.

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Fortsetzung folgt!

Eine sehr gute, heilsame Stellungnahme von Bischof Paprocki gegenüber dem homosexualistischen Jesuiten P. James Martin, SJ.

Siehe auch:

Twitter-Account Bishop Paprocki