521 Kilometer mit Jesus: Ein Bericht vom längsten Kreuzweg der Welt

Zum zwanzigsten Mal fand vom 5. bis 10. April der längste Kreuzweg der Welt statt, bei dem rund 200 Gläubige mit dem Fahrrad und dem Auto die Diözese Formosa im Norden Argentiniens durchquerten.

Der Kreuzweg dieser Diözese stand in diesem Jahr unter dem Motto „Durch den Weg des Kreuzes sollen wir Friedensstifter sein“. Er führte von Ost nach West auf einem 512 Kilometer langen Weg entlang der Bundesstraße 81, die an der Grenze zu Paraguay verläuft.

Dieser Kreuzweg wurde 1997 vom ersten Bischof Formosas, Monsignore Marcelo Scozzina, ins Leben gerufen und besteht darin, das Gebiet der Diözese zu durchqueren und dabei an vierzehn Stationen Halt zu machen, die mit einem Kreuz gekennzeichnet sind. Jede Station soll an die Geschichte Formosas erinnern, eine „Geschichte von Schmerz und Blut“, wie Pater Marcelo Arauja, der zum Organisationsteam gehört, CNA erklärte.

„Aber wir sehen diese Geschichte mit neuen Augen, wir bleiben nicht an der schmerzhaften Vergangenheit hängen, sondern ändern unsere Mentalität und wollen Konstrukteure einer neuen Gesellschaft sein. Daher ist das Motto, das Monsignore Scozzina vorgeschlagen hatte ´Durch das Kreuz zum Licht´ – dieses Motto wird dann jedes Jahr mit einem weiteren Satz ergänzt“.

Die Intentionen, die die Gemeinschaft der Gläubigen mitnimmt, reichen von den sozialen Konflikten in anderen Ländern bis hin zu den Problemen vor Ort, die sich aus den jüngsten Überschwemmungen in Argentinien ergeben und hin zur Bitte, dass „die Einheimischen aus der Spirale der Gewalt herauskommen, um Friedensstifter zu sein.“

Am 5. April versammelte sich eine Karawane aus 100 Pilgern mit dem Fahrrad auf der Plaza San Martín in Formosa, während es zwei Tage später mit 15 Autos weiterging.

Von Formosa führte der Weg entlang klangvoller Namen als Stationen des Kreuzwegs: Zuerst nach San Hilario, dann nach Gran Guardia, Pirané, Palo Santo, Bartolomé de las Casas, Ibarreta, Pozo del Tigre, Las Lomitas, Juan G. Bazán, Laguna Yema, Los Chiriguanos, Ingeniero Juárez y Línea Barilari.

Unterwegs wurde über die Worte Jesu auf dem Kreuzweg meditiert und für die Geschichte Formosas gebetet, die Schmerz und Opfer kennt. So wurde der Arbeiter gedacht, die das Volk groß gemacht hatten, der Eingeborenen, der Soldaten, Missionare, Ordensleute und all derer, die zum Aufbau der Region beigetragen hatten.

Auf dem Rückweg machten die Pilger in der Ortschaft Pozo del Tigre in der Gegend von Campo Alegre Halt, wo die sterblichen Überreste von Monsignore Scozzina, dem ersten Bischof Formosas und Initiator des Kreuzweges, beigesetzt sind.

Pater Araujo, Pfarrer der Pfarrei Unsere Liebe Frau der Barmherzigkeit in Lomitas, betonte, dass Monsignore Scozzina sich bemüht hatte, „im Volk das geistliche Leben zu säen.“

„Sein großes geistliches Erbe sind der Kreuzweg und die Verehrung Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, der Patronin Formosas, deren Bild an jedem der Eingänge zur Stadt steht. Das Kreuz und die Gottesmutter begleiten und beschützen das Leben und den Glauben auf unserem Weg hin zum ewigen Osterfest, der Begegnung mit dem Herrn“, sagte er zum Abschluss.

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Die 20 Geheimnisse von Fatima

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Die Muttergottes mit dem Rosenkranz: Gemälde des spanischen Barockmalers Bartolomé Esteban Murillo (Ausschnitt). Foto: Gemeinfrei

Kann es Göttlicheres und Schöneres geben als mit den Engeln zu beten?

Vom ersten, zweiten und dritten Geheimnis von Fatima hat fast jeder Katholik schon gehört; auch viele Nichtkatholiken. Doch in Wahrheit ging es Maria 1917 nicht um drei Geheimnisse, die sie den Seherkindern enthüllte.

Vielmehr ging es Maria um die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes, denen der heilige Johannes Paul im Jahr 2002 noch fünf weitere hinzufügte. Dazu zeigte die selige Jungfrau im Ersten Weltkrieg im fernen Portugal den Hirtenkindern Lucia, Jacinta und Francisco die Hölle, kündigte den Zweiten Weltkrieg an und prophezeite das Martyrium des „weißen Papstes“.

Wirksame Waffe gegen all diese Schrecken sei aber der Rosenkranz, denen sie damals noch den Barmherzigkeitszusatz nach jedem Geheimnis höchstpersönlich und selbst hinzugefügt hat: „O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden! Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle! Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen!“ Diese Worte sollten fortan jedem Geheimnis des Rosenkranzes am Schluss noch hinzugefügt werden; so geschieht es seitdem. Das müssen wir uns also vor Augen halten. Der Rosenkranz ist nicht nur das katholischste aller Gebete und das Lieblingsgebet der Gottesmutter. Es ist auch ein Gebet, das immer wieder um das gesamte Glaubensbekenntnis der Christenheit kreist, und ein Gebet, dass Maria selbst mit ausformuliert hat.

Andere Autoren dieses Wundergebets sind der Erzengel Gabriel in seinem Gruß an Maria, ihre schwangere „Base Elisabeth“ mit ihrem Gruß in Ein Karem, als der „Heilige Geist“ sie berührte, wie Lukas schreibt, oder die Versammlung aller Bischöfe des Konzils von Ephesus, wo die Kirche im Jahr 431 festhielt, dass Maria wahrhaftig die Mutter Gottes sei. Dass Marias Sohn also ganz und gar Mensch, aber auch ganz und gar Gott war. Ein letzter entscheidender Satz des Rosenkranzes stammt schließlich noch von  einem einzelnen heiligen Bischof, von Papst Pius V., der dem Ave Maria  im Jahr 1568 seinen genialen Schluss eingefügt hat: „Heilige Maria, bitte für uns Sünder, jetzt, und in der Stunde unseres Todes, Amen!“

„Der Ursprung des Rosenkranzes weist mehr auf den Himmel als auf die Erde hin“, schrieb deshalb vor rund hundert Jahren Leo XIII., der ihn ein Gebet der Engel nannte, weil Engel bei der Menschwerdung zugegen waren, bei der Geburt, im Ölgarten, bei der Auferstehung und der Himmelfahrt. „Kann es Göttlicheres und Schöneres geben als mit den Engeln zu beten?“, fragte der uralte Papst danach. Eigentlich nicht. Aber auch das ist noch nicht alles. Denn im Jahr 2002 hat der Rosenkranzpapst Johannes Paul II. das Gebet ja noch ein letztes Mal verändert, als er den bis dahin fünfzehn Geheimnissen in einem neuen „lichtreichen Rosenkranz“ fünf weitere Geheimnisse hinzufügte, um „mit den Augen der Mutter auf ihren Sohn zu schauen“, wie er es nannte.

Nach dem Totalausfall der christlichen Katechese an der Universität, der Schule und den Elternhäusern der letzten Generation macht der Rosenkranz heute nichts anderes, als das christliche Zentralgeheimnis der unglaublichen Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth und seine Heilstaten, seine Passion und Auferstehung von den Toten immer neu zu umkreisen und aus verschiedenen Winkeln neu zu betrachten – wo dieser Glaube innerhalb und außerhalb der Kirche von allen Seiten von der Vernichtung bedroht wird.

Seitdem ist der Rosenkranz Schule und Universität in einem. Papst Franziskus nannte ihn im November 2013 „Medizin für das Herz“ und ermahnte uns wie ein Arzt: „Vergesst nicht, sie zu nehmen. denn sie tut gut. Sie tut dem Herzen, der Seele und dem ganzen Leben gut!“ Im Jahr 1483 zeigte Michelangelo in seinem Jüngsten Gericht in der Cappella Sistina, dass die Perlenschnur imstande ist, sogar verdammte Seelen damit aus der Unterwelt zu befreien.

Am 13. Oktober 1917 aber stellte sich die selige Jungfrau in Fatima als Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz vor, gemeinsam mit ihrem Wunsch, dass wir täglich diese Mysterien des Leben und Leidens Christi und seine Auferstehung von den Toten neu betrachten. Jedem, der an fünf aufeinander folgenden ersten Samstagen im Monat beichtet, die heilige Kommunion im Geist der Sühne empfängt, den Rosenkranz betet und seine Geheimnisse betrachtet, um Maria zu trösten, verspricht sie eine selige Sterbestunde. Unsere Mutter schenkt uns für diese süße Andacht den Himmel! Es ist das tiefste Geheimnis von Fatima! Der Rosenkranz ist eine Himmelspforte und gibt uns 2017, in der großen Krise der Kirche,  wo viele nicht mehr recht wissen, was katholisch ist, darauf die allerverlässlichste Antwort.

(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Paul Badde und Vatican Magazin.)

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Wallfahrt der bayerischen Bistümer führt im Mai zur Mariensäule nach München

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Mariensäule / Pixabay CC0 – Flyupmike, Public Domain

„Mit Maria auf dem Weg“

Unter dem Motto „Mit Maria auf dem Weg“ führte in den vergangenen sechs Jahren eine Gebetsinitiative tausende Pilger zu Marienwallfahrtsorten in den bayerischen Diözesen. Die letzte Etappe hat heuer zum 100-jährigen Jubiläum des Festes Patrona Bavariae (Schutzfrau Bayerns) ihr Ziel auf dem Marienplatz in München. Das Bistum Augsburg lädt deshalb dazu ein, am 13. Mai zur Mariensäule zu pilgern – besonders auch Ministrantinnen und Ministranten im roten Ministrantengewand. Höhepunkt des Wallfahrtstages ist der Pontifikalgottesdienst mit den Bischöfen aus allen bayerischen Diözesen um 16 Uhr auf dem Marienplatz. Anschließend wird die Weihe an die Gottesmutter erneuert.

Das Bistum Augsburg organisiert acht Busse, die (mit einer Ausnahme) gegen 9.30 Uhr die Theresienwiese erreichen. Nach dem Ende des Rahmenprogramms treffen sich alle Augsburger Pilger ab 14 Uhr am Stachus zur Aufstellung für die Sternwallfahrt. Der Pilgerzug startet um 15 Uhr. Bischof Dr. Konrad Zdarsa und die beiden Weihbischöfe Dr. Dr. Anton Losinger und Florian Wörner werden von dort gemeinsam mit den Ministranten und Pilgern zur Mariensäule auf dem Marienplatz ziehen.

Die Mariensäule ist ein besonderer Ort: Sie wurde von Kurfürst Maximilian 1637 errichtet und Maria, der „Schutzfrau Bayerns“, geweiht. Sie war lange der symbolische Mittelpunkt Bayerns. Bis heute ist die Mariensäule ein Ort, an dem viele Menschen ihren Glauben sichtbar praktizieren, wenn sie den Rosenkranz beten oder Maiandachten feiern.

Aktuelle Informationen zur Wallfahrt gibt es unter:

http://www.patrona-bavariae.info

oder

http://www.patrona-bavariae-augsburg.de

(Quelle: Webseite des Bistums Augsburg, 24.02.2017)

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Was Heilige über die Notwendigkeit der Marienverehrung sagen

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Die Jungfrau umgeben von weiblichen Heiligen: Das Gemälde schuf, Ende des 15. Jahrhunderts, der namentlich nicht bekannte „Meister der Lucialegende“ aus den Niederlanden. Foto: Gemeinfrei via Wikimedia

Von Monsignore Florian Kolfhaus

Nicht wenige Christen in Deutschland halten die Marienverehrung für die rote Kirsche auf der katholischen Schwarzwälderkirschtorte. Schön, wenn sie da ist, aber wenn sie fehlt, schmeckt’s immer noch gut.

Die Verehrung Mariens ist jedoch mehr als „Tortenguss“ und süße Verzierung, wie zum Beispiel im Monat Mai, weil’s so schön ist, noch ein Marienlied zum Schluss der hl. Messe. Maria ist nicht nur eine von vielen Heiligen, unter denen ich mir tatsächlich ein paar Lieblinge auswählen kann, sondern die Mutter Gottes. Ohne sie gäbe es Jesus nicht! Wie haben uns so sehr an den Begriff „Gottesmutter“ gewöhnt, dass wir vergessen, wie herausfordernd er ist. Dante Alighieri dagegen nennt Maria noch staunend „Tochter deines Sohnes“.

Die Heiligen sind sich einig, dass Marienverehrung notwendig ist, um ein guter Christ zu sein. Manche der folgenden Zitate überraschen uns, weil sie überschwänglich sind und vielleicht nicht in die politisch-korrekte Sprachlosigkeit ökumenischer Bemühungen passen, die man durch die Rede von Maria nicht gefährden möchte. Wer Maria nur als dekoratives Früchtchen auf der Torte sieht, vergießt, dass es ohne sie gar keinen Kuchen gäbe; dass wir ohne sie verhungern würden, weil wir das „lebendige Brot, das vom Himmel kommt“, nicht hätten.

Die folgenden 18 Heiligen aus fast allen Jahrhunderten der Kirchengeschichte sind Herausforderung und Ermutigung, Maria immer mehr zu lieben und nicht zu fürchten, ihre Ehre könnte das Lob Christi schmälern. Kann der Mond die Sonne in den Schatten stellen? Kann Maria, deren strahlendes Licht von ihrem Sohne kommt, ihn verdrängen? So wie der in dunkler Nacht leuchtende Mond die Macht der Sonne zeigt, so Maria, die in der Finsternis dieser Welt Christi Gnaden vermittelt.

  1. „Wie Seeleute von einem Stern in den sicheren Hafen geführt werden, so die Christen von Maria in den Himmel.“ (Hl. Thomas von Aquin)
  2. „Wenn sich vielleicht jemand unter euch befindet, der im Glauben schwach ist, für den weiß ich kein kräftigeres Mittel, im Glauben zu erstarken, als täglich auf den Knien mit Andacht ein Ave Maria zu beten. Durch das Rosenkranzgebet habe ich alles erlangt, was ich gewünscht habe!“ (Hl. Klemens Maria Hofbauer)
  3. „Derjenige, der keine Verehrung zu Maria hegt, ist kein guter Christ.“ (Hl. Johannes Eudes)
  4. „Man kann sagen, dass alle Heiligen das Werk der allerseligsten Jungfrau sind und deren besondere Verehrung für sie das Kennzeichen, das sie alle gemeinsam haben.“ (hl. Maximilian Kolbe)
  5. „Wir suchen Gnaden, aber wir werden sie nicht finden, es sei denn durch Maria.“ (Hl. Cajetan)
  6. „Ich glaube, dass alle Gnaden, die Gott uns zuteilt, durch Mariens Hände gehen und daß keiner in den Himmel kommt als nur durch sie, die die Pforte des Himmels ist. Ich glaube, daß die Verehrung Mariens ein ganz sicheres Zeichen des ewigen Heiles ist.“ (Hl. Gabriel Possenti)
  7. „Man bittet Gott um viele Dinge und erhält sie nicht. Man bittet Maria um viel und man erhält es. Warum ist das so? Nicht weil Maria mächtiger ist als Gott, sondern weil Gott dadurch seine Mutter ehren will.“ (Hl. Alfons Maria von Liguori)
  8. „Der Grund, warum Christus heutzutage so wenig bekannt ist, liegt darin, dass man seine Mutter nicht kennt“ (Sel. John-Henry Newman)
  9. „Ich mache mir große Sorgen um das Heil derer, die keine besondere Verehrung für Maria pflegen“ (Hl. Franz Borgia)
  10. „O Maria, zu Dir bete ich am Morgen und am Abend, um Gott zu ehren und zur ewigen Seligkeit zu gelangen“ (Hl. Papst Johannes XXIII.)
  11. „Es ist unmöglich dass einer, der Maria ehrt, auch wenn er voller Sünde sein mag, sich nicht doch noch bekehrt und gerettet wird“ (Hl. Hilarius von Portiers)
  12. „Gott schenkt denen, die er retten will, eine besondere Andacht zu Maria“ (Hl. Bonaventura).
  13. „Alle Gaben, alle Gnaden, alle himmlischen Wirkungen kommen von Christus dem Haupt und gelangen zum Körper der Kirche durch Maria wie durch den Hals. Maria, die jungfräuliche Mutter, ist dem Haupt am allernächsten. Ihre Aufgabe ist es, den Körper mit dem Haupt zu verbinden. Ein Glied, das den lebensspenden Einfluß des Hauptes erfahren will, sich aber weigert diesen durch den Hals zu empfangen, würde vollkommen vertrocknen und sterben.“ (Hl. Robert Bellarmin)
  14. „Der gute Gott hätte eine schönere Welt als diese erschaffen können, aber er konnte kein vollkommeneres Geschöpf ins Dasein rufen als Maria“ (Hl. Jean Marie Vianney, Pfarrer von Ars).
  15. „Nach Jesus möchte ich der Mensch sein, der Maria am meisten geliebt hat.“ (Hl. Teresa von Avila)
  16. „Ich sehne mich danach zu sterben, um bei Maria zu leben. Betet für mich, dass ich sterbe, denn ich will gehen, um Maria zu sehen.“ (Hl. Leonardo da Porto Maurizio)
  17. „Ich wünschte, ich könnte sie so lieben, wie sie es verdient. Aber selbst allen Heiligen und Engeln des Himmels zusammen ist es unmöglich, die Mutter Gottes in angemessener Weise zu lieben und zu loben.“ (Hl. Pater Pio)
  18. „Maria ist meine Mutter, meine Beschützerin, meine Lehrerin,
    sie ist nach Jesus mein Ein und Alles.“ (Hl. Antonius Maria Claret)

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Franziskus: Demut ist die Tugend der Starken

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Papst Franziskus beim Hochfest der Gottesmutter Maria, 1. Januar

Demut und Zärtlichkeit sind nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken. Darüber hat Papst Franziskus am ersten Tag des Neuen Jahres gesprochen. Bei der Predigt zum Hochfest der Gottesmutter Maria, zugleich Weltfriedenstag, legte der Papst eine große marianische Predigt vor. Maria bewahre  die Welt vor dem „Krebsgeschwür“ der „spirituellen Verwaisung“, sagte Franziskus. Er erinnerte an das Wirken der Mütter in der Welt als das „stärkste Gegenmittel gegen unsere egoistischen Neigungen“ und bekannte, wie viel er selbst in seinem Leben als Priester von Müttern gelernt habe. Die Gabenprozession zum Hochfest der Gottesmutter gestalteten auch in diesem Jahr Sternsingerkinder aus dem deutschen Sprachraum.

In der Heiligen Schrift tritt uns Maria als „eine eher wortkarge Frau“ entgegen, „ohne Geltungssucht, aber mit einem aufmerksamen Blick“, sagte Franziskus. Die wichtigste ihrer Eigenschaften: Wärme. „Maria zeigt uns mit ihrer Mütterlichkeit, dass die Demut und die Zärtlichkeit nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken sind; sie lehrt uns, dass es nicht nötig ist, andere schlecht zu behandeln, um sich wichtig zu fühlen“, so der Papst.

Franziskus stellte die Mutter in seiner Predigt als geradezu heilsbringende Gestalt der Gesellschaft heute vor. „Die Mütter sind das stärkste Gegenmittel gegen unsere individualistischen und egoistischen Neigungen, gegen unsere Formen des Sich-Verschließens und der Gleichgültigkeit. Eine Gesellschaft ohne Mütter wäre eine erbarmungslose Gesellschaft, die nur noch dem Kalkül und der Spekulation Raum gelassen hat.“

Mütter verstünden es, selbst in den schlimmsten Momenten Präsenz zu zeigen und in dieser Anwesenheit Liebe und Hoffnung zu spenden. „Ich habe viel gelernt von jenen Müttern, deren Söhne im Gefängnis sind oder entkräftet im Bett eines Krankenhauses liegen oder der Sklaverei der Droge verfallen sind, und die bei Kälte oder Hitze, bei Regen oder Dürre nicht aufgeben und weiter kämpfen, um ihnen das Beste zukommen zu lassen. Oder jene Mütter, denen es in den Flüchtlingslagern oder sogar inmitten des Krieges gelingt, ohne zu wanken das Leiden ihrer Kinder auf sich zu nehmen und ihnen Stütze zu sein. Mütter, die buchstäblich ihr Leben hingeben, damit keines ihrer Kinder verloren geht. Wo die Mutter ist, da gibt es Einheit, gibt es Zugehörigkeit, das Zusammengehören der Kinder.“

Mütter: Das Mittel schlechthin gegen „spirituelle Verwaisung“

Deshalb ist es aus Sicht von Franziskus heilsam und recht, das Neue Jahr mit Blick auf Maria zu beginnen. Der Gedanke an die Gottesmutter bewahre uns vor der zersetzenden Krankheit der „spirituellen Verwaisung“. Mit diesem Begriff umreißt Franziskus eine profunde Heimatlosigkeit, die in seiner Darstellung dazu führt, nur noch auf sich selbst blicken zu können und sich im Egoismus zu verschließen; eine Verwaisung, sagte der Papst, „die wir erleben, wenn in uns das Empfinden der Zugehörigkeit zu einer Familie, zu einem Volk, zu einem Land, zu unserem Gott erlischt.“

Wer eine solche Verwaisung erlebe, vergesse, „dass das Leben ein Geschenk gewesen ist – dass wir es anderen verdanken – und dass wir aufgefordert sind, es in diesem gemeinsamen Haus miteinander zu teilen“. Heimtückisch ist diese Verwaisung nach Darstellung von Franziskus, weil sie auf leisen Sohlen kommt und „die Seele zerfrisst. Und so verkommen wir allmählich, da ja niemand zu uns gehört und wir zu niemandem gehören: Ich verderbe die Erde, weil sie mir nicht gehört, ich entwürdige die anderen, weil sie mich nichts angehen, ich „entwürdige“ Gott, weil ich ihm nicht gehöre, und am Ende verderben und entwürdigen wir uns selbst, weil wir vergessen, wer wir sind und welch göttlichen „Familiennamen“ wir haben“.

Dagegen erinnere uns das Fest der heiligen Gottesmutter daran, „dass wir keine austauschbare Ware oder Empfangsstationen für Informationen sind. Wir sind Söhne und Töchter, wir sind Familie, wir sind Volk Gottes.“ Marias mütterlicher Blick befreie uns von der Verwaisung und lehre, „dass wir lernen müssen, das Leben auf die gleiche Weise und mit derselben Zärtlichkeit zu umsorgen, mit der sie es umsorgt hat: indem wir Hoffnung säen, Zugehörigkeit säen, und Brüderlichkeit säen.“ Zum Ende der Predigt lud der Papst die Gläubigen im Petersdom dazu ein, sich zu erheben und dreimal mit dem Ruf der Christen in Ephesus Maria anzurufen: Heilige Mutter Gottes!

(rv 01.01.2017 gs)

Die Mutter Gottes ist unsere Mutter

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Pfärrich (Gemeinde Amtzell), Pfarr- Und Wallfahrtskirche Mariä Geburt / Wikimedia Commons – Photo: Andreas Praefcke, CC BY 3.0

Hochfest der Mutter Gottes, Lesejahr A — 30. Dezember 2016

Genau eine Woche nach Weihnachten, nämlich am 1. Januar, feiert die Kirche nicht nur Neujahr, sondern, seitdem Papst Paul VI. es einführte, das Hochfest Maria Mutter Gottes.

Tatsächlich steht Maria im Heilsgeschehen am Anfang.

Und der Glaubenssatz, dass Maria die Mutter Gottes ist, stellt für uns heute kein Problem dar. Das war aber einmal anders.

Versetzen wir uns in die Situation der ersten Christen. Wir dürfen nicht vergessen, dass in der Hl. Schrift, die ja eine Hauptquelle unseres Glaubens darstellt, die Einzelheiten des Glaubens durchaus nicht systematisch dargelegt werden. Die Bibel ist kein wissenschaftliches Lehrbuch. Die wesentlichen Dinge sind oft von Christus beinahe wie en passant hingeworfen worden. Denken wir z.B. an die Einsetzung der Hl. Beichte: Jesus haucht die Jünger an und sagt: Empfangt den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie nachgelassen. Wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten. Beinahe nebenbei wird noch klar gestellt, dass die Sündenvergebung, deren Vollmacht die Apostel hier erhalten, ein individuelles Geschehen ist, also die Einzelbeichte.

Was die Mutterschaft Mariens angeht, so besteht kein Zweifel daran, dass sie die Mutter Jesu ist, wobei sie vor der Geburt, in der Geburt und nach der Geburt Jungfrau ist und bleibt. Was aber die Christen verunsicherte, war die Frage: Kann man Gottesgebärerin zu ihr sagen? Denn wörtlich verstanden, hieße das ja, dass sie Gott geboren, also hervorgebracht hat. Das aber kann nicht sein, dass ein Geschöpf den Schöpfer hervorbringt. Dann also müsste es heißen Maria Christusgebärerin.

Die Bischöfe, die im Jahre 431 in Ephesus zum Konzil versammelt waren, sahen deutlich, dass die mariologische Frage eigentlich eine christologische war. Christus ist Gott und ist Mensch, und zwar wahrer Gott und wahrer Mensch. Kann es sein, dass Maria die Mutter nur des Menschen Jesus ist? Das würde bedeuten, dass Jesus Christus nicht eine, sondern zwei Personen wäre. Dann wäre Maria die Mutter des Menschen Jesus, aber nicht des Gottes Christus. Das wiederum widerspricht der Erkenntnis über Christus, dass er nämlich nicht zwei Personen sein kann, sondern nur eine: eine Person in zwei Naturen. Wenn das so ist – und frühere Konzilien hatten das bereits festgestellt, und es ist auch in sich logisch – dann können wir Maria als Theotokos bezeichnen, als Gottesgebärerin.

Als die Konzilsväter am Abend des 31. Juli 431 den Beschluss verkündeten, gab es bei der vor dem Haus versammelten Bevölkerung einen großen Jubel, denn das gläubige Volk, das ja auch den Hl. Geist hat, hatte sich längst für “Gottesgebärerin” entschieden. Mit einem glanzvollen Fackelzug begleiteten sie die Konzilsväter durch die Stadt.

Wenn wir heute, nach so langer Zeit, auf diesen Begriff Gottesgebärerin schauen, werden uns die Streitereien der damaligen Theologen nicht mehr berühren. Was aber bleibt, und woraus wir auch heute sehr viel Segen empfangen können, ist das Bewusstsein, dass die Jungfrau Maria unser aller Mutter ist. So jedenfalls hat es Christus verfügt, als er im Augenblick seines größten Schmerzes am Kreuz zum Jünger sagte: „Siehe da deine Mutter!“ und zu Maria: „Siehe da dein Sohn!“

In unserer krisengeschüttelten Zeit ist es sicherlich ein Trost zu wissen, dass wir Christen, ja alle Menschen eine himmlische Mutter haben.

Zur Mutter kann man hingehen, wenn alles sehr schwierig wird und wir keine Lösung sehen.

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