Die 20 Geheimnisse von Fatima

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Die Muttergottes mit dem Rosenkranz: Gemälde des spanischen Barockmalers Bartolomé Esteban Murillo (Ausschnitt). Foto: Gemeinfrei

Kann es Göttlicheres und Schöneres geben als mit den Engeln zu beten?

Vom ersten, zweiten und dritten Geheimnis von Fatima hat fast jeder Katholik schon gehört; auch viele Nichtkatholiken. Doch in Wahrheit ging es Maria 1917 nicht um drei Geheimnisse, die sie den Seherkindern enthüllte.

Vielmehr ging es Maria um die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes, denen der heilige Johannes Paul im Jahr 2002 noch fünf weitere hinzufügte. Dazu zeigte die selige Jungfrau im Ersten Weltkrieg im fernen Portugal den Hirtenkindern Lucia, Jacinta und Francisco die Hölle, kündigte den Zweiten Weltkrieg an und prophezeite das Martyrium des „weißen Papstes“.

Wirksame Waffe gegen all diese Schrecken sei aber der Rosenkranz, denen sie damals noch den Barmherzigkeitszusatz nach jedem Geheimnis höchstpersönlich und selbst hinzugefügt hat: „O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden! Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle! Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen!“ Diese Worte sollten fortan jedem Geheimnis des Rosenkranzes am Schluss noch hinzugefügt werden; so geschieht es seitdem. Das müssen wir uns also vor Augen halten. Der Rosenkranz ist nicht nur das katholischste aller Gebete und das Lieblingsgebet der Gottesmutter. Es ist auch ein Gebet, das immer wieder um das gesamte Glaubensbekenntnis der Christenheit kreist, und ein Gebet, dass Maria selbst mit ausformuliert hat.

Andere Autoren dieses Wundergebets sind der Erzengel Gabriel in seinem Gruß an Maria, ihre schwangere „Base Elisabeth“ mit ihrem Gruß in Ein Karem, als der „Heilige Geist“ sie berührte, wie Lukas schreibt, oder die Versammlung aller Bischöfe des Konzils von Ephesus, wo die Kirche im Jahr 431 festhielt, dass Maria wahrhaftig die Mutter Gottes sei. Dass Marias Sohn also ganz und gar Mensch, aber auch ganz und gar Gott war. Ein letzter entscheidender Satz des Rosenkranzes stammt schließlich noch von  einem einzelnen heiligen Bischof, von Papst Pius V., der dem Ave Maria  im Jahr 1568 seinen genialen Schluss eingefügt hat: „Heilige Maria, bitte für uns Sünder, jetzt, und in der Stunde unseres Todes, Amen!“

„Der Ursprung des Rosenkranzes weist mehr auf den Himmel als auf die Erde hin“, schrieb deshalb vor rund hundert Jahren Leo XIII., der ihn ein Gebet der Engel nannte, weil Engel bei der Menschwerdung zugegen waren, bei der Geburt, im Ölgarten, bei der Auferstehung und der Himmelfahrt. „Kann es Göttlicheres und Schöneres geben als mit den Engeln zu beten?“, fragte der uralte Papst danach. Eigentlich nicht. Aber auch das ist noch nicht alles. Denn im Jahr 2002 hat der Rosenkranzpapst Johannes Paul II. das Gebet ja noch ein letztes Mal verändert, als er den bis dahin fünfzehn Geheimnissen in einem neuen „lichtreichen Rosenkranz“ fünf weitere Geheimnisse hinzufügte, um „mit den Augen der Mutter auf ihren Sohn zu schauen“, wie er es nannte.

Nach dem Totalausfall der christlichen Katechese an der Universität, der Schule und den Elternhäusern der letzten Generation macht der Rosenkranz heute nichts anderes, als das christliche Zentralgeheimnis der unglaublichen Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth und seine Heilstaten, seine Passion und Auferstehung von den Toten immer neu zu umkreisen und aus verschiedenen Winkeln neu zu betrachten – wo dieser Glaube innerhalb und außerhalb der Kirche von allen Seiten von der Vernichtung bedroht wird.

Seitdem ist der Rosenkranz Schule und Universität in einem. Papst Franziskus nannte ihn im November 2013 „Medizin für das Herz“ und ermahnte uns wie ein Arzt: „Vergesst nicht, sie zu nehmen. denn sie tut gut. Sie tut dem Herzen, der Seele und dem ganzen Leben gut!“ Im Jahr 1483 zeigte Michelangelo in seinem Jüngsten Gericht in der Cappella Sistina, dass die Perlenschnur imstande ist, sogar verdammte Seelen damit aus der Unterwelt zu befreien.

Am 13. Oktober 1917 aber stellte sich die selige Jungfrau in Fatima als Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz vor, gemeinsam mit ihrem Wunsch, dass wir täglich diese Mysterien des Leben und Leidens Christi und seine Auferstehung von den Toten neu betrachten. Jedem, der an fünf aufeinander folgenden ersten Samstagen im Monat beichtet, die heilige Kommunion im Geist der Sühne empfängt, den Rosenkranz betet und seine Geheimnisse betrachtet, um Maria zu trösten, verspricht sie eine selige Sterbestunde. Unsere Mutter schenkt uns für diese süße Andacht den Himmel! Es ist das tiefste Geheimnis von Fatima! Der Rosenkranz ist eine Himmelspforte und gibt uns 2017, in der großen Krise der Kirche,  wo viele nicht mehr recht wissen, was katholisch ist, darauf die allerverlässlichste Antwort.

(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Paul Badde und Vatican Magazin.)

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Wallfahrt der bayerischen Bistümer führt im Mai zur Mariensäule nach München

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Mariensäule / Pixabay CC0 – Flyupmike, Public Domain

„Mit Maria auf dem Weg“

Unter dem Motto „Mit Maria auf dem Weg“ führte in den vergangenen sechs Jahren eine Gebetsinitiative tausende Pilger zu Marienwallfahrtsorten in den bayerischen Diözesen. Die letzte Etappe hat heuer zum 100-jährigen Jubiläum des Festes Patrona Bavariae (Schutzfrau Bayerns) ihr Ziel auf dem Marienplatz in München. Das Bistum Augsburg lädt deshalb dazu ein, am 13. Mai zur Mariensäule zu pilgern – besonders auch Ministrantinnen und Ministranten im roten Ministrantengewand. Höhepunkt des Wallfahrtstages ist der Pontifikalgottesdienst mit den Bischöfen aus allen bayerischen Diözesen um 16 Uhr auf dem Marienplatz. Anschließend wird die Weihe an die Gottesmutter erneuert.

Das Bistum Augsburg organisiert acht Busse, die (mit einer Ausnahme) gegen 9.30 Uhr die Theresienwiese erreichen. Nach dem Ende des Rahmenprogramms treffen sich alle Augsburger Pilger ab 14 Uhr am Stachus zur Aufstellung für die Sternwallfahrt. Der Pilgerzug startet um 15 Uhr. Bischof Dr. Konrad Zdarsa und die beiden Weihbischöfe Dr. Dr. Anton Losinger und Florian Wörner werden von dort gemeinsam mit den Ministranten und Pilgern zur Mariensäule auf dem Marienplatz ziehen.

Die Mariensäule ist ein besonderer Ort: Sie wurde von Kurfürst Maximilian 1637 errichtet und Maria, der „Schutzfrau Bayerns“, geweiht. Sie war lange der symbolische Mittelpunkt Bayerns. Bis heute ist die Mariensäule ein Ort, an dem viele Menschen ihren Glauben sichtbar praktizieren, wenn sie den Rosenkranz beten oder Maiandachten feiern.

Aktuelle Informationen zur Wallfahrt gibt es unter:

http://www.patrona-bavariae.info

oder

http://www.patrona-bavariae-augsburg.de

(Quelle: Webseite des Bistums Augsburg, 24.02.2017)

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Was Heilige über die Notwendigkeit der Marienverehrung sagen

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Die Jungfrau umgeben von weiblichen Heiligen: Das Gemälde schuf, Ende des 15. Jahrhunderts, der namentlich nicht bekannte „Meister der Lucialegende“ aus den Niederlanden. Foto: Gemeinfrei via Wikimedia

Von Monsignore Florian Kolfhaus

Nicht wenige Christen in Deutschland halten die Marienverehrung für die rote Kirsche auf der katholischen Schwarzwälderkirschtorte. Schön, wenn sie da ist, aber wenn sie fehlt, schmeckt’s immer noch gut.

Die Verehrung Mariens ist jedoch mehr als „Tortenguss“ und süße Verzierung, wie zum Beispiel im Monat Mai, weil’s so schön ist, noch ein Marienlied zum Schluss der hl. Messe. Maria ist nicht nur eine von vielen Heiligen, unter denen ich mir tatsächlich ein paar Lieblinge auswählen kann, sondern die Mutter Gottes. Ohne sie gäbe es Jesus nicht! Wie haben uns so sehr an den Begriff „Gottesmutter“ gewöhnt, dass wir vergessen, wie herausfordernd er ist. Dante Alighieri dagegen nennt Maria noch staunend „Tochter deines Sohnes“.

Die Heiligen sind sich einig, dass Marienverehrung notwendig ist, um ein guter Christ zu sein. Manche der folgenden Zitate überraschen uns, weil sie überschwänglich sind und vielleicht nicht in die politisch-korrekte Sprachlosigkeit ökumenischer Bemühungen passen, die man durch die Rede von Maria nicht gefährden möchte. Wer Maria nur als dekoratives Früchtchen auf der Torte sieht, vergießt, dass es ohne sie gar keinen Kuchen gäbe; dass wir ohne sie verhungern würden, weil wir das „lebendige Brot, das vom Himmel kommt“, nicht hätten.

Die folgenden 18 Heiligen aus fast allen Jahrhunderten der Kirchengeschichte sind Herausforderung und Ermutigung, Maria immer mehr zu lieben und nicht zu fürchten, ihre Ehre könnte das Lob Christi schmälern. Kann der Mond die Sonne in den Schatten stellen? Kann Maria, deren strahlendes Licht von ihrem Sohne kommt, ihn verdrängen? So wie der in dunkler Nacht leuchtende Mond die Macht der Sonne zeigt, so Maria, die in der Finsternis dieser Welt Christi Gnaden vermittelt.

  1. „Wie Seeleute von einem Stern in den sicheren Hafen geführt werden, so die Christen von Maria in den Himmel.“ (Hl. Thomas von Aquin)
  2. „Wenn sich vielleicht jemand unter euch befindet, der im Glauben schwach ist, für den weiß ich kein kräftigeres Mittel, im Glauben zu erstarken, als täglich auf den Knien mit Andacht ein Ave Maria zu beten. Durch das Rosenkranzgebet habe ich alles erlangt, was ich gewünscht habe!“ (Hl. Klemens Maria Hofbauer)
  3. „Derjenige, der keine Verehrung zu Maria hegt, ist kein guter Christ.“ (Hl. Johannes Eudes)
  4. „Man kann sagen, dass alle Heiligen das Werk der allerseligsten Jungfrau sind und deren besondere Verehrung für sie das Kennzeichen, das sie alle gemeinsam haben.“ (hl. Maximilian Kolbe)
  5. „Wir suchen Gnaden, aber wir werden sie nicht finden, es sei denn durch Maria.“ (Hl. Cajetan)
  6. „Ich glaube, dass alle Gnaden, die Gott uns zuteilt, durch Mariens Hände gehen und daß keiner in den Himmel kommt als nur durch sie, die die Pforte des Himmels ist. Ich glaube, daß die Verehrung Mariens ein ganz sicheres Zeichen des ewigen Heiles ist.“ (Hl. Gabriel Possenti)
  7. „Man bittet Gott um viele Dinge und erhält sie nicht. Man bittet Maria um viel und man erhält es. Warum ist das so? Nicht weil Maria mächtiger ist als Gott, sondern weil Gott dadurch seine Mutter ehren will.“ (Hl. Alfons Maria von Liguori)
  8. „Der Grund, warum Christus heutzutage so wenig bekannt ist, liegt darin, dass man seine Mutter nicht kennt“ (Sel. John-Henry Newman)
  9. „Ich mache mir große Sorgen um das Heil derer, die keine besondere Verehrung für Maria pflegen“ (Hl. Franz Borgia)
  10. „O Maria, zu Dir bete ich am Morgen und am Abend, um Gott zu ehren und zur ewigen Seligkeit zu gelangen“ (Hl. Papst Johannes XXIII.)
  11. „Es ist unmöglich dass einer, der Maria ehrt, auch wenn er voller Sünde sein mag, sich nicht doch noch bekehrt und gerettet wird“ (Hl. Hilarius von Portiers)
  12. „Gott schenkt denen, die er retten will, eine besondere Andacht zu Maria“ (Hl. Bonaventura).
  13. „Alle Gaben, alle Gnaden, alle himmlischen Wirkungen kommen von Christus dem Haupt und gelangen zum Körper der Kirche durch Maria wie durch den Hals. Maria, die jungfräuliche Mutter, ist dem Haupt am allernächsten. Ihre Aufgabe ist es, den Körper mit dem Haupt zu verbinden. Ein Glied, das den lebensspenden Einfluß des Hauptes erfahren will, sich aber weigert diesen durch den Hals zu empfangen, würde vollkommen vertrocknen und sterben.“ (Hl. Robert Bellarmin)
  14. „Der gute Gott hätte eine schönere Welt als diese erschaffen können, aber er konnte kein vollkommeneres Geschöpf ins Dasein rufen als Maria“ (Hl. Jean Marie Vianney, Pfarrer von Ars).
  15. „Nach Jesus möchte ich der Mensch sein, der Maria am meisten geliebt hat.“ (Hl. Teresa von Avila)
  16. „Ich sehne mich danach zu sterben, um bei Maria zu leben. Betet für mich, dass ich sterbe, denn ich will gehen, um Maria zu sehen.“ (Hl. Leonardo da Porto Maurizio)
  17. „Ich wünschte, ich könnte sie so lieben, wie sie es verdient. Aber selbst allen Heiligen und Engeln des Himmels zusammen ist es unmöglich, die Mutter Gottes in angemessener Weise zu lieben und zu loben.“ (Hl. Pater Pio)
  18. „Maria ist meine Mutter, meine Beschützerin, meine Lehrerin,
    sie ist nach Jesus mein Ein und Alles.“ (Hl. Antonius Maria Claret)

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Franziskus: Demut ist die Tugend der Starken

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Papst Franziskus beim Hochfest der Gottesmutter Maria, 1. Januar

Demut und Zärtlichkeit sind nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken. Darüber hat Papst Franziskus am ersten Tag des Neuen Jahres gesprochen. Bei der Predigt zum Hochfest der Gottesmutter Maria, zugleich Weltfriedenstag, legte der Papst eine große marianische Predigt vor. Maria bewahre  die Welt vor dem „Krebsgeschwür“ der „spirituellen Verwaisung“, sagte Franziskus. Er erinnerte an das Wirken der Mütter in der Welt als das „stärkste Gegenmittel gegen unsere egoistischen Neigungen“ und bekannte, wie viel er selbst in seinem Leben als Priester von Müttern gelernt habe. Die Gabenprozession zum Hochfest der Gottesmutter gestalteten auch in diesem Jahr Sternsingerkinder aus dem deutschen Sprachraum.

In der Heiligen Schrift tritt uns Maria als „eine eher wortkarge Frau“ entgegen, „ohne Geltungssucht, aber mit einem aufmerksamen Blick“, sagte Franziskus. Die wichtigste ihrer Eigenschaften: Wärme. „Maria zeigt uns mit ihrer Mütterlichkeit, dass die Demut und die Zärtlichkeit nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken sind; sie lehrt uns, dass es nicht nötig ist, andere schlecht zu behandeln, um sich wichtig zu fühlen“, so der Papst.

Franziskus stellte die Mutter in seiner Predigt als geradezu heilsbringende Gestalt der Gesellschaft heute vor. „Die Mütter sind das stärkste Gegenmittel gegen unsere individualistischen und egoistischen Neigungen, gegen unsere Formen des Sich-Verschließens und der Gleichgültigkeit. Eine Gesellschaft ohne Mütter wäre eine erbarmungslose Gesellschaft, die nur noch dem Kalkül und der Spekulation Raum gelassen hat.“

Mütter verstünden es, selbst in den schlimmsten Momenten Präsenz zu zeigen und in dieser Anwesenheit Liebe und Hoffnung zu spenden. „Ich habe viel gelernt von jenen Müttern, deren Söhne im Gefängnis sind oder entkräftet im Bett eines Krankenhauses liegen oder der Sklaverei der Droge verfallen sind, und die bei Kälte oder Hitze, bei Regen oder Dürre nicht aufgeben und weiter kämpfen, um ihnen das Beste zukommen zu lassen. Oder jene Mütter, denen es in den Flüchtlingslagern oder sogar inmitten des Krieges gelingt, ohne zu wanken das Leiden ihrer Kinder auf sich zu nehmen und ihnen Stütze zu sein. Mütter, die buchstäblich ihr Leben hingeben, damit keines ihrer Kinder verloren geht. Wo die Mutter ist, da gibt es Einheit, gibt es Zugehörigkeit, das Zusammengehören der Kinder.“

Mütter: Das Mittel schlechthin gegen „spirituelle Verwaisung“

Deshalb ist es aus Sicht von Franziskus heilsam und recht, das Neue Jahr mit Blick auf Maria zu beginnen. Der Gedanke an die Gottesmutter bewahre uns vor der zersetzenden Krankheit der „spirituellen Verwaisung“. Mit diesem Begriff umreißt Franziskus eine profunde Heimatlosigkeit, die in seiner Darstellung dazu führt, nur noch auf sich selbst blicken zu können und sich im Egoismus zu verschließen; eine Verwaisung, sagte der Papst, „die wir erleben, wenn in uns das Empfinden der Zugehörigkeit zu einer Familie, zu einem Volk, zu einem Land, zu unserem Gott erlischt.“

Wer eine solche Verwaisung erlebe, vergesse, „dass das Leben ein Geschenk gewesen ist – dass wir es anderen verdanken – und dass wir aufgefordert sind, es in diesem gemeinsamen Haus miteinander zu teilen“. Heimtückisch ist diese Verwaisung nach Darstellung von Franziskus, weil sie auf leisen Sohlen kommt und „die Seele zerfrisst. Und so verkommen wir allmählich, da ja niemand zu uns gehört und wir zu niemandem gehören: Ich verderbe die Erde, weil sie mir nicht gehört, ich entwürdige die anderen, weil sie mich nichts angehen, ich „entwürdige“ Gott, weil ich ihm nicht gehöre, und am Ende verderben und entwürdigen wir uns selbst, weil wir vergessen, wer wir sind und welch göttlichen „Familiennamen“ wir haben“.

Dagegen erinnere uns das Fest der heiligen Gottesmutter daran, „dass wir keine austauschbare Ware oder Empfangsstationen für Informationen sind. Wir sind Söhne und Töchter, wir sind Familie, wir sind Volk Gottes.“ Marias mütterlicher Blick befreie uns von der Verwaisung und lehre, „dass wir lernen müssen, das Leben auf die gleiche Weise und mit derselben Zärtlichkeit zu umsorgen, mit der sie es umsorgt hat: indem wir Hoffnung säen, Zugehörigkeit säen, und Brüderlichkeit säen.“ Zum Ende der Predigt lud der Papst die Gläubigen im Petersdom dazu ein, sich zu erheben und dreimal mit dem Ruf der Christen in Ephesus Maria anzurufen: Heilige Mutter Gottes!

(rv 01.01.2017 gs)

Die Mutter Gottes ist unsere Mutter

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Pfärrich (Gemeinde Amtzell), Pfarr- Und Wallfahrtskirche Mariä Geburt / Wikimedia Commons – Photo: Andreas Praefcke, CC BY 3.0

Hochfest der Mutter Gottes, Lesejahr A — 30. Dezember 2016

Genau eine Woche nach Weihnachten, nämlich am 1. Januar, feiert die Kirche nicht nur Neujahr, sondern, seitdem Papst Paul VI. es einführte, das Hochfest Maria Mutter Gottes.

Tatsächlich steht Maria im Heilsgeschehen am Anfang.

Und der Glaubenssatz, dass Maria die Mutter Gottes ist, stellt für uns heute kein Problem dar. Das war aber einmal anders.

Versetzen wir uns in die Situation der ersten Christen. Wir dürfen nicht vergessen, dass in der Hl. Schrift, die ja eine Hauptquelle unseres Glaubens darstellt, die Einzelheiten des Glaubens durchaus nicht systematisch dargelegt werden. Die Bibel ist kein wissenschaftliches Lehrbuch. Die wesentlichen Dinge sind oft von Christus beinahe wie en passant hingeworfen worden. Denken wir z.B. an die Einsetzung der Hl. Beichte: Jesus haucht die Jünger an und sagt: Empfangt den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie nachgelassen. Wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten. Beinahe nebenbei wird noch klar gestellt, dass die Sündenvergebung, deren Vollmacht die Apostel hier erhalten, ein individuelles Geschehen ist, also die Einzelbeichte.

Was die Mutterschaft Mariens angeht, so besteht kein Zweifel daran, dass sie die Mutter Jesu ist, wobei sie vor der Geburt, in der Geburt und nach der Geburt Jungfrau ist und bleibt. Was aber die Christen verunsicherte, war die Frage: Kann man Gottesgebärerin zu ihr sagen? Denn wörtlich verstanden, hieße das ja, dass sie Gott geboren, also hervorgebracht hat. Das aber kann nicht sein, dass ein Geschöpf den Schöpfer hervorbringt. Dann also müsste es heißen Maria Christusgebärerin.

Die Bischöfe, die im Jahre 431 in Ephesus zum Konzil versammelt waren, sahen deutlich, dass die mariologische Frage eigentlich eine christologische war. Christus ist Gott und ist Mensch, und zwar wahrer Gott und wahrer Mensch. Kann es sein, dass Maria die Mutter nur des Menschen Jesus ist? Das würde bedeuten, dass Jesus Christus nicht eine, sondern zwei Personen wäre. Dann wäre Maria die Mutter des Menschen Jesus, aber nicht des Gottes Christus. Das wiederum widerspricht der Erkenntnis über Christus, dass er nämlich nicht zwei Personen sein kann, sondern nur eine: eine Person in zwei Naturen. Wenn das so ist – und frühere Konzilien hatten das bereits festgestellt, und es ist auch in sich logisch – dann können wir Maria als Theotokos bezeichnen, als Gottesgebärerin.

Als die Konzilsväter am Abend des 31. Juli 431 den Beschluss verkündeten, gab es bei der vor dem Haus versammelten Bevölkerung einen großen Jubel, denn das gläubige Volk, das ja auch den Hl. Geist hat, hatte sich längst für “Gottesgebärerin” entschieden. Mit einem glanzvollen Fackelzug begleiteten sie die Konzilsväter durch die Stadt.

Wenn wir heute, nach so langer Zeit, auf diesen Begriff Gottesgebärerin schauen, werden uns die Streitereien der damaligen Theologen nicht mehr berühren. Was aber bleibt, und woraus wir auch heute sehr viel Segen empfangen können, ist das Bewusstsein, dass die Jungfrau Maria unser aller Mutter ist. So jedenfalls hat es Christus verfügt, als er im Augenblick seines größten Schmerzes am Kreuz zum Jünger sagte: „Siehe da deine Mutter!“ und zu Maria: „Siehe da dein Sohn!“

In unserer krisengeschüttelten Zeit ist es sicherlich ein Trost zu wissen, dass wir Christen, ja alle Menschen eine himmlische Mutter haben.

Zur Mutter kann man hingehen, wenn alles sehr schwierig wird und wir keine Lösung sehen.

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Damit Maria Königin des Friedens sein kann, müssen wir ihr helfen

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Maria Empfängnis, Zanesville, Ohio (USA) / Wikimedia Commons – Nheyob, CC BY-SA 4.0 (Cropped)

Impuls von Msgr. Peter von Steinitz
zum Fest der Unbefleckten Empfängnis 2016

Wir sind am Ende und Ziel der diesjährigen Novene angekommen und feiern die „ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria“. Die meisten von uns wissen auch, dass dies ein Dogma ist, also ein unverrückbarer Glaubenssatz, der zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Kirchengeschichte durch das Lehramt der Kirche ein für allemal feierlich proklamiert worden ist. Im Zusammenhang mit der Gottesmutter hat die katholische Kirche bisher vier Dogmen verkündet:

431 die göttliche Mutterschaft (Theotokos)

1555 die immerwährende Jungfräulichkeit

1854 die Unbefleckte Empfängnis und

1950 die Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele.

Aber, liebe Brüder und Schwestern, das Aufzählen von Glaubenssätzen ist noch nicht das, um was es hier am heutigen Tage eigentlich geht. Es ist gut, dass wir fest daran glauben, dass Maria ohne jede Sünde, sogar ohne die Ursünde, ist. Auf der anderen Seite könnte einen das  trotzdem kalt lassen, man könnte salopp und cool sagen: schön für sie.

Und die unausgesprochene Frage des heutigen Menschen lautet auch hier wie immer: was bringt mir das? Und wenn man es tatsächlich auf das abstrakte Wissen beschränkt, ist die Frage und das, was sie weiterhin beinhaltet, sogar berechtigt. Allerdings könnte es uns dann so gehen wie jenem Mann, von dem der hl. Josemaría Escrivá erzählt, der während des II. Vatikanischen Konzils einmal ganz aufgebracht zu ihm sagte, man habe in der Konzilsaula diesen Satz gehört: wir müssen nun noch das „Thema der Muttergottes“ unterbringen.

„Sprechen so Kinder von ihrer Mutter? Als von einem Thema?“

Bei allem, was mit Maria zu tun hat, haben die Christen unserer Zeit immer wieder gegen zwei mögliche Verirrungen zu kämpfen: den Kitsch und die Sentimentalität. Solange wir nur sachliche, theologische Aussagen über sie machen, ist da keine Gefahr. Aber sobald wir das Herz sprechen lassen, werden wir sehr schnell verunsichert, weil man uns ja für allzu gefühlvoll halten könnte oder aber man an unserem guten Geschmack zweifeln könnte. Sehr viele Andachtsbilder kommen für den gebildeten Christen einfach nicht infrage, weil sie geschmacklos sind – ein Phänomen, das es im Mittelalter oder im Barock nicht gegeben hat.

Hier kommt uns nun  von außerhalb der Kirche jemand zu Hilfe, der uns ein  Bild von Maria entwirft, das von höchster künstlerischer Qualität und zugleich großer menschlicher Wärme ist.

Einer der bedeutendsten Schriftsteller und Dichter des 20. Jahrhunderts, Franz Werfel, schildert in seinem Buch „Das Lied von  Bernadette“, wie das Mädchen Bernadette die Jungfrau Maria in der Grotte Massabielle in Lourdes sieht. Der Autor, der zu diesem Zeitpunkt nicht katholisch, sondern jüdisch ist, schildert die Jungfrau Maria so großartig, dass man meint, er habe sie soeben selbst gesehen.

„Ihr ganzes Wesen jubelt über die Schönheit der Dame. Es gibt keine Schönheit, die rein körperlich wäre. In jedem Menschengesicht, das wir schön nennen, bricht ein Leuchten durch, das, obwohl an physische Formen gebunden, geistiger Natur ist. Die Schönheit der Dame scheint weniger körperlich zu sein als jede andere Schönheit. Sie ist das geistige Leuchten selbst, das Schönheit heißt.“

Ich lade Sie zu folgendem Gedankenexperiment ein: machen wir den Versuch, einmal über himmlische Dinge nachzudenken nicht unter dem Aspekt der theologischen Wissenschaftlichkeit, sondern unter dem des Lebens. Was Gott uns Menschen bietet ist Leben, nicht abstrakte Wissenschaft. Die Frau, die der Vater als Mutter seines Sohnes erwählt hat, ist nicht nur vollkommen gut, sondern auch vollkommen schön. Auch und gerade ihre Jungfräulichkeit ist von großer Anmut und ansprechendem Reiz. Bernadette ist verliebt in ihre Schönheit – eine Liebe, die über jede Frage, wie man sie heute manchmal stellt, erhaben ist, denn sie führt zu Gott.

Und noch eine weitere Wirkung erkennen wir: die Begegnung mit der „Unbefleckten Empfängnis“ – denn so nennt sich die schöne Dame auf Befragen – löst in Bernadette etwas aus.

Auf eine unmittelbare, intuitive Weise bewirkt die Unbefleckte Empfängnis, dass im Menschen Regungen, Befindlichkeiten ans Tageslicht gefördert werden, über die sich der Mensch zum Teil nie Rechenschaft gegeben hat. Ist es uns nicht auch einmal passiert, dass wir in einer Gnadenstunde – vielleicht während eines feierlichen Gottesdienstes, oder bei Einkehrtagen oder an einem Marienwallfahrtsort – plötzlich Dinge mit großer Klarheit sehen, die bisher in uns verborgen waren?

Man bemerkt beispielsweise, dass man im Grunde immer sehr egoistisch gehandelt hat; man stellt fest, dass  der andere Vorzüge hat, die man immer übersehen hatte, man erkennt mit einem Mal, dass man sein Leben ändern muss. Die Theologie nennt so etwas Gnade.

Können wir ein solches Wirken, können wir die Gnade mit der Begegnung mit Maria, mit der Unbefleckten Empfängnis vergleichen oder gar gleichsetzen?

Gewiss, die Gnade ist aus Gott und nur aus ihm. Aber die Theologie selber und das päpstliche Lehramt sagen: Maria ist die Vermittlerin der Gnaden. Alle Gnaden, die Christus der Herr uns durch sein Leiden und seine Auferstehung erworben hat, und die zunächst etwas Geistiges, ja Abstraktes sind, gehen durch die Hände der Gottesmutter und bekommen durch sie gewissermaßen ein menschliches Gesicht.

Wenn wir uns heute fragen: ist Maria wirklich Königin des Friedens und bedeutet das, dass sie den Frieden so wie die anderen Gnaden vermitteln kann, dann müssten wir uns also die Frage stellen: wenn ich auf Maria schaue, auf die Unbefleckte Empfängnis, geschieht dann in mir oder durch mich etwas, das den Frieden schafft oder mindestens fördert? Unter Wahrung der Freiheit des Menschen, meine ich diese Frage bejahen zu können.

Denn wie ist es konkret mit dem Frieden, den wir ja in der heutigen weltgeschichtliche Konstellation mehr denn je nötig haben? Wie entsteht Frieden, der möglichst mehr ist als nur die Abwesenheit von Kampfhandlungen?

Ich sehe in einem einfachen Wort der Hl.Schrift eine weitaus tiefergehende Begründung für den Frieden. Der Psalmist sagt: „Opus iustitiae pax“. Friede ist ein Werk der Gerechtigkeit.

Armut, Hunger, ungleiche Verteilung der Güter dieser Erde – das alles entsteht ja aus dem Mangel an Gerechtigkeit.

Die Gerechtigkeit ist allerdings eine Tugend, die alle Menschen üben sollten. Täten sie es, so würde in der Tat diese Erde ganz anders aussehen. Wir alle wissen: es triumphieren allenthalben die Habgier und der Egoismus. Es ist daher nicht genug, dass wir den Staat auffordern, etwas zur Förderung des Friedens zu tun. Der Staat ist da überfordert: jeder Staatsbürger muss bei sich selbst anfangen.

Aber dazu bedarf es der Erkenntnis, wo es an der Gerechtigkeit fehlt, und das ist  eben die Gnade, um die wir zuerst beten müssen.. Wir alle sind groß im Erkennen der Fehler der anderen. Bei den eigenen sind wir meist sehr großzügig. Hier gilt es anzusetzen bei unseren Bemühungen für den Frieden.

Danach, aber wirklich erst dann, wenn wir mit der Erkenntnisgnade alles getan haben, was wir konnten, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns den Frieden schenkt, den letztlich nur er geben kann. Gott will uns – weil er ein guter Pädagoge ist – nicht in den Schoß legen, was wir aus eigener Kraft erreichen können. Erst wenn wir an unsere Grenzen gekommen sind, wirkt er die Wunder, die wir brauchen.

Maria ist, wie sie sich in Lourdes selber nennt, die Unbefleckte Empfängnis, und sie hat, wie die Lauretanische Litanei es ausdrückt, in sich die ganze Fülle, die es zur Heilung des Menschen braucht: sie ist Sitz der Weisheit, Ursache unserer Freude, Königin der Familien und Königin der Apostel. Sie ist Heil der Kranken und Bundeslade, Kelch des Geistes und Pforte des Himmels und vieles mehr. Und sie ist wirklich die Königin des Friedens in diesem doppelten Sinne: sie vermittelt den Frieden, „den nur der Herr geben kann“ und sie gibt uns durch den Aufblick zu ihr alles das an die Hand, was wir brauchen, um das Unsere zur Erreichung des Friedens zu tun.

Als „Spiegel der Gerechtigkeit“ weckt sie in unserem Herzen alles das auf, was wir bewußt oder unbewußt vergraben haben. Es gilt das Herz zu öffnen, dann werden wir wie Bernadette erkennen, wo eigentlich der Schuh drückt. Auch wir – alle Menschen, wenn sie denn mal den Stolz beiseite lassen – bedürfen des Trostes. Heißt sie nicht auch Trösterin der Betrübten?

“Überwältigt von diesem Leuchten und ein bisschen auch, um sich über die Wesensart der Dame zu vergewissern, will Bernadette ein Kreuz schlagen. Das Bekreuzigen ist ein sehr probates Mittel gegen die tausend Ängste der Seele, die Bernadette seit ihrer Kindheit verfolgen“.

Aber Bernadette wünscht, dass die Dame zuerst das Zeichen des Kreuzes macht.

„Dabei wird ihr Gesicht sehr ernst, und dieser Ernst ist eine neue Welle jener Lieblichkeit, die atemlos macht. Bernadette hat bisher im Leben wie alle anderen Leute beim Bekreuzigen Stirn und Brust nur ungenau betupft. Jetzt aber fühlt sie von einer milden Gewalt ihre Hand ergriffen. Wie man einem Kinde, das nicht schreiben kann, die Hand führt, so zeichnet jene milde Gewalt dasselbe große und unaussprechlich vornehme Kreuz mit der eiskalten Hand des Mädchens auf dessen Stirn.“

Wir sehen: die Unbefleckte Empfängnis ist also nicht nur etwas, das „schön für sie“ ist, sondern auch für uns. Immer dann, wenn uns die Forderungen unseres Glaubens schwer oder gar unerreichbar erscheinen, sollten wir auf Maria blicken.

Der hl. Josefmaria gab u.a. den Rat, die Marienbilder, die einem begegnen, mit einem Blick zu grüßen, ohne Worte, womöglich sogar ohne Gebet – einfach nur sie kurz anschauen. Vieles wird uns dann sozusagen intuitiv vermittelt an Erkenntnissen und Impulsen zum Handeln. Ohne die Gefahr, ins Sentimentale abzurutschen, aber auch ohne uns an abstrakten Formeln zu reiben, tun wir das Richtige, fördern wir Gerechtigkeit und damit den Frieden.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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