Die sel. Jungfrau Maria, die Rosenkranzkönigin in Pompeji, Italien

PASTORALBESUCH
VON JOHANNES PAUL II.
IM HEILIGTUM DER SEL. JUNGFRAU MARIA
VOM HL. ROSENKRANZ IN POMPEJI

GEBET DES HL. ROSENKRANZES VOR DEM HEILIGTUM VON POMPEJI

ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.

Dienstag, 7. Oktober 2003

  

Liebe Brüder und Schwestern!

1. Die selige Jungfrau hat es mir gewährt, hierhin zurückzukehren, um sie in diesem berühmten Heiligtum zu verehren. Die Vorsehung hatte dem sel. Bartolo Longo eingegeben, daß es zu einem Zentrum der Verbreitung des heiligen Rosenkranzes werden solle.

Der heutige Besuch stellt in gewisser Weise die Krönung des Jahres des Rosenkranzes dar. Ich danke dem Herrn für die Früchte dieses Jahres, das zu einer bemerkenswerten Wiederbelebung dieses zugleich einfachen und tiefen Gebets geführt hat. Es führt uns zur Herzensmitte des christlichen Glaubens und erscheint angesichts der Herausforderungen des dritten Jahrtausends und der dringenden Aufgabe der Neuevangelisierung von besonderer Aktualität.

2. In Pompeji ist diese Aktualität noch deutlicher erkennbar im Blick auf die antike römische Stadt, die im Jahr 79 n. Chr. von der Asche des Vesuvs verschüttet wurde. Diese Ruinen geben ein beredtes Zeugnis und werfen die entscheidende Frage nach der Bestimmung des Menschen auf. Als Zeugnis einer Hochkultur enthüllen sie aber neben großartigen Antworten auch beunruhigende Fragen. Die marianische Stadt entsteht inmitten dieser Fragen und stellt uns den auferstandenen Christus als Antwort, als rettendes »Evangelium« vor Augen.

Wie zur Zeit des antiken Pompeji ist es auch heute nötig, Christus einer Gesellschaft zu verkünden, die sich immer mehr von den christlichen Werten entfernt und die Erinnerung an sie verliert. Ich danke den italienischen Autoritäten für ihren Beitrag zur Organisation meiner Pilgerfahrt, die in der antiken Stadt begonnen hat. So konnte ich über die ideelle Brücke eines für das kulturelle und geistige Wachstum sicherlich fruchtbaren Dialogs gehen. Vor dem Hintergrund des antiken Pompeji gewinnt die Förderung des Rosenkranzgebets den symbolischen Wert eines erneuten Impulses für die christliche Verkündigung in unserer Epoche. Denn was ist eigentlich der Rosenkranz? Er ist ein Kompendium des Evangeliums, das uns ständig zu den wichtigsten Ereignissen im Leben Christi zurückführt, um uns sein Geheimnis gleichsam »einatmen« zu lassen. Der Rosenkranz ist ein bevorzugter Weg der Kontemplation. Er ist sozusagen der Weg Marias. Denn wer kennt und liebt Christus mehr als sie?

Der sel. Bartolo Longo, Apostel des Rosenkranzes, der gerade den kontemplativen und christologischen Merkmalen dieses Gebets besondere Aufmerksamkeit widmete, war hiervon überzeugt. Dank dieses Heiligen ist Pompeji zu einem internationalen Zentrum der Spiritualität des Rosenkranzes geworden.

3. Es war mein Wunsch, daß diese Pilgerfahrt den Charakter einer inständigen Bitte um Frieden haben soll. Wir haben die lichtreichen Geheimnisse betrachtet, um gleichsam das Licht Christi auf die Konflikte, Spannungen und Tragödien der fünf Erdteile zu werfen. Im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae habe ich erklärt, warum der Rosenkranz seiner Natur nach ein auf den Frieden ausgerichtetes Gebet ist – und zwar nicht nur weil wir, von der Fürsprache Marias unterstützt, inständig um ihn bitten, sondern auch weil wir durch ihn zusammen mit dem Geheimnis Jesu auch seinen Friedensplan in uns aufnehmen.

Durch den ruhigen Rhythmus bei der Wiederholung des »Ave Maria« schenkt der Rosenkranz unserer Seele Frieden und öffnet sie zugleich der heilbringenden Gnade. Der sel. Bartolo Longo hatte eine prophetische Eingebung, als er beschloß, dem Gotteshaus, das der Muttergottes vom Rosenkranz geweiht ist, diese Fassade als Friedensmahnmal zu geben. So wurde die Sache des Friedens zum wesentlichen Bestandteil dieses Gebets. Es ist eine Eingebung, deren Aktualität wir zu Beginn dieses Jahrtausends, das bereits jetzt von Kriegsstimmung geprägt und in vielen Teilen der Welt von Blut befleckt ist, gut erkennen können. Zusammenarbeit mit allen

4. Pompeji ist ein Treffpunkt für Menschen aller Kulturen, die sich sowohl vom Heiligtum als auch von der Ausgrabungsstätte angezogen fühlen. Die Einladung zum Rosenkranz, die von hier ausgeht, erinnert auch an die Verpflichtung der Christen, in Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens zu Erbauern und Zeugen des Friedens zu werden. Die bürgerliche Gesellschaft, hier vertreten durch Autoritäten und Persönlichkeiten, die ich alle herzlich begrüße, möge diese Botschaft immer besser annehmen.

Möge die Kirchengemeinde von Pompeji dieser Herausforderung immer besser entsprechen. Ich möchte an dieser Stelle ihre verschiedenen Mitglieder begrüßen: die Priester und Diakone, die Ordensleute, insbesondere die Dominikanerschwestern vom heiligen Rosenkranz, deren Gemeinschaft eigens gegründet wurde, um sich der Pflege dieses Heiligtums anzunehmen, sowie die Laien. Mein aufrichtiger Dank gilt Msgr. Domenico Sorrentino für die freundlichen Worte, die er zu Beginn dieser Begegnung an mich gerichtet hat. Ein herzliches Dankeschön geht an euch alle, die ihr die Königin des Rosenkranzes von Pompeji so tief verehrt. Seid »Bauleute des Friedens« nach dem Vorbild des sel. Bartolo Longo, der Gebet mit Aktion zu verbinden verstand und diese marianische Stadt zu einer »Hochburg der Nächstenliebe« machte. Das im Bau befindliche »Centro per il bambino e la famiglia« [Zentrum für Kind und Familie], das freundlicherweise nach mir benannt wurde, übernimmt das Erbe dieses bedeutenden Werkes.

Liebe Brüder und Schwestern! Die Muttergottes vom heiligen Rosenkranz segne uns, die wir uns nun darauf vorbereiten, sie im Gebet anzurufen. Ihrem Mutterherz vertrauen wir unsere Sorgen und unsere guten Absichten an.

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Quelle

Siehe auch:

 

Die Königin des hl. Rosenkranzes in Valle di Pompei

Eine Hoffnung der Hoffnungslosen

Nihil obstat: J. Dévaud, libr. censor.; Imprimatur: Friburgi Helv., 30 Septembris 1928 L. Ems, vic.gen.


Drei Novenen zu Ehren der Rosenkranzkönigin
Danksagungs-Novene


Alle diejenigen, welche die Zeichen der Zeit verstehen, blicken mit Bangen in die Zukunft und sind übereinstimmend der Ansicht, daß wir schweren Prüfungen entgegengehen. Die heilige Kirche, welche von Gott die Bestimmung erhalten hat, alle Völker zu allen Zeiten zu beglücken, hat auch stets das richtige Heilmittel in Bereitschaft, um die Übel einer Zeitepoche zu heilen. Wir brauchen nur die Arznei zu nehmen, welche sie uns anbietet, und eine solche Arznei ist in unseren Tagen der Rosenkranz. Unsere Zeit hat in mancher Hinsicht große Ähnlichkeit mit jenen stürmischen Tagen, in denen der heilige Dominikus den Rosenkranz predigte, als letztes Mittel, um der Menschheit den Frieden wieder zu bringen. Das Rosenkranzgebet war die Rettung der damaligen Zeit. Aber die Aufgabe des heiligen Dominikus war mit seinem Tode noch nicht vollendet. Der heiligen Katharina von Siena wurde einst die Größe und Herrlichkeit des heiligen Dominikus gezeigt und ihr geoffenbart, daß derselbe bis ans Ende der Welt predigen werde. Seit mehr als 20 Jahren ist sozusagen die Stimme des heiligen Dominikus durch alle Welt gedrungen und hat zum Rosenkranzgebet aufgefordert. Im Jahre 1878 gab Gott der Kirche in Leo XIII. einen Papst, ganz im Geiste des heiligen Dominikus. Schon bei seiner Wahl wollte es Gott offenbaren. Eine hochbegnadigte Nonne sah den neugewählten Papst in einem Gesichte, wie der heilige Dominikus neben ihm stand. Zwanzig Rundschreiben über den Rosenkranz hat Papst Leo XIII. an die Bischöfe der Welt gerichtet und die Christenheit zu diesem Gebete aufgefordert. Das ist die Waffe, welche der große Papst in unseren Tagen den Kindern der Kirche gab gegen die Wut der Hölle, welche die Kirche Christi vernichten will. Aber auch die wunderbaren Ereignisse in Valle di Pompei bei Neapel in Italien sind wie eine Stimme des heiligen Dominikus durch die ganze Welt gedrungen und haben alle Nationen und Völker der Erde zum Rosenkranzgebet aufgefordert. Maria hat daselbst ein Heiligtum, einen Gnadenort vom heiligen Rosenkranz gegründet, der die ganze Welt in Staunen setzt. Sie hat dadurch der Welt zu erkennen gegeben, wie sie als Königin des Rosenkranzes verehrt werden will und was für Gnaden jene erlangen, welche sie unter diesem Titel anrufen. Das beweisen die vielen Wunder, Bekehrungen, Krankenheilungen und Gebetserhörungen in der ganzen Welt. Die Novene zur Rosenkranzkönigin in Pompeji, in verzweifelten Anliegen, wurde in 16 Jahren in 21 Sprachen übersetzt, 184 Auflagen gaben 2.280.000 Exemplare. So sehr ist die Andacht zur Königin des Rosenkranzes in Pompeji in der ganzen Welt verbreitet. Maria blickt mit besonderer Huld auf jene, welche sie unter ihrem bevorzugten Titel „Königin des heiligen Rosenkranzes im Tale von Pompeji“ anrufen, und, sei es auch von Ferne, ihre Werke in diesem Gnadenort unterstützen. In der Erscheinung der Muttergottes von Pompeji, die sich im Jahre 1884 in Neapel im Hause des Commendatoren Agrelli ereignete, würdigte sich die himmlische Mutter zu offenbaren, wie sie angerufen werden wolle. Sie sagte zu der leidenden Fortuna Agrelli: „Wer immer Gnaden von mir will, halte drei Novenen mit dem Gebete des Rosenkranzes von 15 Gesetzen und 3 Novenen zur Danksagung.“ Unzählige Gnaden sind schon durch diese Andachten erlangt worden. Es ist aber nicht verlangt, daß man alle Tage 3 Rosenkränze bete, sondern z.B. am ersten Tage den freudenreichen, am zweiten den schmerzhaften, am dritten Tag den glorreichen; so betet man in den 3 Novenen 9mal alle 3 Rosenkränze. Man muß sie aber mit Andacht und mit Betrachtung der 15 Geheimnisse beten, wenn möglich vor einem Bilde Unserer Lieben Frau von Pompeji. Dieses Bild ist an sehr vielen Orten aufgestellt und bringt viele Gnaden wie die Lourdesgrotten, die überall errichtet sind. Damit die Gläubigen immer mehr zum hl. Rosenkranzgebet entflammt werden und mit Vertrauen zu Unserer Lieben Frau von Pompeji in ihren Anliegen flüchten, sollen im folgenden die Herrlichkeiten dieses Gnadenortes geschildert werden. Möge die Rosenkranzkönigin dazu ihren Segen geben!

 

Das Heiligtum der Rosenkranzkönigin

Im Rosenkranzmonat des Jahres 1872 ging ein angesehener Rechtsgelehrter, namens Bartolo Longo, durch das einsame Tal von Pompeji. Trostlosigkeit, fast eine Art Verzweiflung, umgab seine Seele. In dieser peinlichen Gemütsstimmung hörte er eine innere Stimme: „Wenn du gerettet werden willst, so tue etwas für die Verbreitung des Rosenkranzes.“ Das ist eine Verheißung, welche die Muttergottes dem heiligen Dominikus gab. Der Gedanke: wenn ich den Rosenkranz verbreite, bin ich gerettet, war wie ein Blitz in finsterer Nacht. In großer Aufregung, Gesicht und Hände zum Himmel erhoben, richtete er an die allerseligste Jungfrau die Worte: „Wenn es wahr ist, was du dem heiligen Dominikus versprochen hast, daß derjenige, welcher deinen Rosenkranz verbreitet, so leicht selig wird, so werde ich meine Seele retten, und ich werde diese Gegend nicht verlassen, ohne hier den Rosenkranz eingeführt zu haben.“ Da wurde es ruhig in seiner Seele, er hörte das Ave-Glöcklein, fiel auf seine Knie und betete das Ave-Maria. Bald nach diesem Vorfall fing er an, bei den armen Leuten des Tales, es sind ungefähr 300 Bauern, das Rosenkranzgebet zu verbreiten und schenkte ihnen Rosenkränze und Medaillen. Aber er hatte große Schwierigkeiten, die Leute waren sehr unwissend und viele kannten nicht einmal das Ave-Maria. Drei Jahre lang wirkte er so unter ihnen, sah aber wenig Früchte. Im Jahre 1876, am 13. Februar, gelang es ihm, die Bruderschaft des heiligen Rosenkranzes einzuführen; darum wollte er in dem armen Pfarrkirchlein einen Rosenkranzaltar errichten. Der Bischof von Nola, in dessen Sprengel die Pfarrgemeinde lag, bat ihn jedoch, den armen Leuten eine neue Kirche zu bauen und versprach ihm 500 Fr. Zu diesem Zwecke fing er an, Beiträge zu sammeln; es gab jedoch berghohe Hindernisse; aber Maria kam ihm zu Hilfe. In Neapel wurde ein krankes Mädchen plötzlich geheilt, nachdem es der Gottesmutter versprochen hatte, einen Beitrag zur neuen Rosenkranzkirche in Valle di Pompei zu geben. Dieses Wunder geschah am Tage, wo daselbst die Rosenkranzbruderschaft errichtet wurde, und machte in Neapel großes Aufsehen. Ein Wunder für ein Landkirchlein, für Bauern! Bald geschah ein anderes Wunder an einer Kranken, nachdem sie versprochen hatte, etwas für die neue Kirche zu opfern. Zahlreiche Gebetserhörungen fanden statt, wenn man eine Gabe für diese Kirche versprach. Auf diesem Wege sandte die Himmelskönigin dem Bartolo Longo Millionen. Maria gab durch fortgesetzte Wunder zu erkennen, daß sie an dieser Stelle keine neue Pfarrkirche, sondern ein Weltheiligtum wolle, wo sie als Rosenkranzkönigin verehrt und angerufen werde. Fünfzehn Jahre wurde an dem herrlichen Tempel gebaut, der in Gold und Marmor glänzt. Im Mai 1891 wurde dann diese Rosenkranzkirche durch Kardinal La Vallette eingeweiht, umgeben von 74 Bischöfen, Erzbischöfen und Kardinälen. Weil diese Basilika aus den Opfern der Gläubigen der ganzen Welt gebaut wurde, hat der Gründer, Bartolo Longo, alles dem Heiligen Vater Leo XIII. geschenkt, es ist jetzt Eigentum des Apostolischen Stuhles. Leo XIII. hat dieses Heiligtum mit Ablässen und Privilegien bereichert, wie sie keine andere Kirche der ganzen Welt hat. In dieser Kirche darf die heilige Messe bis 2 Uhr nachmittags gelesen werden; und jeder Priester, der dahin wallfahrtet, darf täglich die Messe vom Rosenkranze lesen, damit so täglich das Rosenkranzfest wiederholt werde. Leo XIII. hat den Gründer Bartolo Longo mit dem herrlichsten Schreiben beehrt und in Audienz empfangen, um so vor der ganzen Welt seine Billigung auszusprechen.

 

Das Gnadenbild der Rosenkranzkönigin

Bei der Errichtung der Rosenkranzbruderschaft in Valle di Pompei im Jahre 1876 schien es Bartolo Longo notwendig, ein Bild der Rosenkranzkönigin anzuschaffen, um es in der Kirche aufzustellen. Er ging in dieser Absicht nach Neapel, eines zu kaufen. Als man ihm aber für ein solches 400 Franken verlangte, sagte ein Priester zu ihm: „Ich habe vor einigen Jahren der Ordensschwester Maria Coreta im Rosenkranzkloster bei der Porta Medina, ein altes Rosenkranzbild geschenkt, welches ich bei einem Trödler für 3.40 Fr. gekauft habe. Gehe hin und siehe es dir an; wenn es dir gefällt und du es trotz seines abgenutzten Zustandes für passend findest, so bitte sie darum. Für das Landvolk von Pompeji wird es schon genügen.“ Er nahm diesen Rat an und ging ins Kloster. Als ihm aber die Schwester das Bild brachte, erschrak er; denn es war ein altes, verdorbenes Gemälde und unschön gemalt; er war unschlüssig, ob er es mitnehmen sollte. Aber die Schwester drang sehr in ihn, mit dem sanften Vorwurf: „Nehmen Sie das Bild nur mit, so wie es ist, zum Beten eines Ave-Maria genügt es doch.“ Er nahm das Bild, welches 1.40 Meter hoch und 1 Meter breit war und ließ es auf einem Wagen nach Pompeji bringen. Nachdem es besser gemalt war, wurde es in der Pfarrkirche zur Verehrung ausgestellt und von dieser Zeit an knüpfte Gott und die allerseligste Jungfrau viele Gnaden und Wunder daran. Am 8. Juni des Jahres 1876 erschien Maria zum erstenmal einer kranken Mutter, in der nämlichen Gestalt wie sie auf dem Bilde ist, mit den Worten: „Die Jungfrau des Rosenkranzes von Pompeji hat dich geheilt.“ Das Bild stellt die Rosenkranzkönigin auf einem Throne dar, vor dem der heilige Dominikus und die heilige Katharina von Siena knien, welche den Rosenkranz empfangen. Später ließ es Bartolo Longo durch einen berühmten Maler in Neapel nochmals restaurieren. Das völlig neue Bild wurde in einen Rahmen von vergoldeter Bronze gefaßt, der allein 800 Mk. kostete. Fünfzehn bronzene Medaillons, die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes darstellend, umgeben den Rahmen. Das Gemälde ist schon ganz mit Brillanten bedeckt, die auf Leinwand befestigt sind und die von Personen aller Nationen aus eigenem Antrieb geopfert wurden, zum Zeichen der Dankbarkeit für Erlangung irgendeiner Gnade. Der Rosenkranz, den Maria der heiligen Katharina gibt und das Jesuskind, das sie dem heiligen Dominikus reicht, sind aus feinen Perlen. Maria trägt ein Halsband aus Brillanten, welche das Wort „Rosario“ bilden. Ihre Sandale ist ganz aus Gold und Diamanten, kostbare Perlen funkeln auf ihrem Mantel; andere bilden am Fuße des Thrones die Inschrift: „Ave Maria“. Der ganze Schmuck hat einen Wert von 400.000 Franken. Vier herrliche Smaragde sind Opfergaben von zwei Juden. Am 8. Mai 1887 wurde das Gnadenbild von Kardinal La Vallette mit einer Krone von Brillanten gekrönt, die aus allen Ländern als Beweise ebenso vieler Gnaden, die Unsere Liebe Frau von Pompeji gewährt hat, zusammenkamen. Papst Leo XIII. wollte eigenhändig die Krone segnen, welche bestimmt war, die Stirne der unbefleckten Gottesmutter zu schmücken. Bei der feierlichen Umhertragung des gekrönten Gnadenbildes waren 15.000 Pilger anwesend; es war ein triumphartiger Einzug der Rosenkranzkönigin in den herrlichen Tempel und auf den Thron. Was den Beschauer am meisten fesselt, ist der große, aus Marmor und Bronze verfertigte königliche Thron, auf welchem das Gnadenbild sich befindet; er hat mehr als 10.000 Pfund Sterling gekostet. 15 goldene Lampen brennen Tag und Nacht vor dem Gnadenbilde, als eine beständige Erinnerung an die 15 Geheimnisse. Viele Verehrer unterhalten beständig eine Lampe. So heilig und zur Andacht stimmend ist die Gnadenstätte, daß viele Pilger schon in der Vorhalle der Kirche die Schuhe und Strümpfe ausziehen, und barfuß bis in die Nähe kommen, wo sie sich vor dem Gnadenaltare niederwerfen, den Boden küssen und dann auf den Knien dem Throne der Rosenkranzkönigin nahen; andere weinen laut, wenn sie das wunderbare, prächtige, liebliche Bild sehen. Es ist etwas Geheimnisvolles darin. Allen, die das Heiligtum besuchen, fällt der himmlische Ausdruck des Bildes auf, der ihnen Vertrauen, Liebe und Andacht einflößt. Ein Strahl von Schönheit, Milde und Majestät leuchtet aus den Wimpern der Jungfrau für jene hervor, die gläubig vor dasselbe treten. Von dem Tage an, wo das Bild übertragen wurde, leuchtet aus dem Angesichte der Himmelskönigin eine Schönheit und eine Vertrauen erweckende Milde, die man früher nie gesehen. Bartolo Longo sagte: „Ich bin überzeugt, daß Maria selbst wunderbarerweise ihr Anlitz verklärt hat.“ Vor diesem Bilde empfindet die Seele im Gebete die feste Hoffnung auf Erhörung und jene unsagbare Süßgikeit, die nur denen verständlich ist, denen sie verliehen wird. Hören wir noch, was Papst Leo XIII. über dieses Bild an Bartolo Longo geschrieben hat: „Gott hat sich dieses heiligen Bildes, das in der Wallfahrtskirche zu Pompeji verehrt wird, bedient, um Hunderttausende von Gläubigen zu der überaus heilsamen Übung des heiligen Rosenkranzes zurückzuführen.“ Ferner: „Dieses heiligen Bildes hat sich Gott ebenfalls bedient, um jene vielen und großen Gnaden zu spenden, die in der ganzen Welt Aufsehen erregt haben.“

 

Eine Erscheinung der Rosenkranzkönigin

Eine der größten und wunderbarsten Heilungen der Rosenkranzkönigin in Pompeji ist die der Fortuna Agrelli, Tochter des Commendatoren von Neapel. Ihre Leiden waren so groß, daß man 13 Monate lang die schmerzlichen Rufe der Kranken in der Nachbarschaft hörte, welche ihr die lang anhaltenden und qualvollen Krämpfe auspreßten. Bei ihrem Anblick hätte man glauben können, sie sei aus dem Grabe gestiegen; auf ihrem Antlitz sah man die Spuren furchtbarer Leiden. Der Körper war ganz gekrümmt; die berühmtesten Ärzte gaben sie auf. Am 16. Februar 1884 gab ihr ein Förderer der damals im Bau begriffenen Rosenkranzkirche in Pompeji eine Medaille und ein Novenenbüchlein zur Rosenkranzkönigin. Sogleich wurde von der Kranken und ihren Angehörigen die Novene begonnen. Es war am 3. März, als sie wieder wie gewöhnlich von Krämpfen befallen worden war; sie kam gegen 3 Uhr nachmittags auf wenige Augenblicke wieder zu sich. Während dieser Zeit sah sie die allerseligste Jungfrau, die Rosenkranzkönigin von Pompeji. Bei deren Erscheinen machte sie das Kreuzzeichen. Maria hatte auf ihrem Schoße das göttliche Kind und in ihrer Hand den Rosenkranz und saß auf einem hohen Throne, rings von Lichtgestalten umgeben; beide waren mit einem goldgestickten Kleide angetan. Maria war vom heiligen Dominikus und der heiligen Katharina von Siena begleitet und trug auf ihrem Haupte eine Krone, die von kostbaren Edelsteinen schimmerte. Der Thron war mit Blumen reich geschmückt. Die Schönheit Marias war wundervoll. Sie blickte die Kranke mit mütterlicher Zärtlichkeit an, und diese begrüßte sie mit den Worten: Königin des heiligen Rosenkranzes von Pompeji, sei mir gewogen, mache mich gesund, ich habe mich schon an dich gewendet mit einer Novene, aber ich habe deine Hilfe noch nicht erfahren. O Maria! ich möchte so gerne gesund werden. Da sprach Maria zu ihr: „Kind, du hast mich unter verschiedenen Titeln angerufen und von mir immer Gnaden erlangt; jetzt, da du mich unter dem mir so angenehmen Titel der Königin des heiligen Rosenkranzes angerufen hast, kann ich dir die erflehte Gnade nicht länger versagen, weil mir ja dieser Name vor allen andern lieb und teuer ist; halte drei neuntägige Andachten und du wirst alles erhalten.“ Noch einmal erschien ihr die Rosenkranzkönigin und sprach zu ihr: „Wer immer neue Gnaden von mir erhalten will, halte 3 Novenen mit dem Gebet des Rosenkranzes und 3 Novenen zur Danksagung.“ Endlich, am 8. Mai sagte die Kranke zu ihrer Schwester: „Heute erlangt mir die Muttergottes gewiß eine Gnade; denn ich habe gelesen, daß die Rosenkranzkönigin von Pompeji an diesem Tage viele Gnaden spendet.“ An diesem Tage wurde sie auch wirklich vollständig gesund, und am 18. Juni kam die Geheilte nach Valle di Pompei, um der Rosenkranzkönigin zu danken.

 

Fortgesetzte Wunder der Rosenkranzkönigin

Die menschliche Gesellschaft schwebt heute in großer Gefahr, den Glauben gänzlich zu verlieren; da eilt die siegreiche Königin den Gefährdeten mitleidsvoll zu Hilfe. Mit der Macht, die sie von ihrem göttlichen Sohne erhält, errichtet sie einen Leuchtturm des Glaubens; damit alle, die fern vom rechten Wege sind, in diesem Heiligtum ihre Blicke zu ihr wenden. Obwohl jetzt die Wallfahrtskirche fertig ist, für die Maria zahllose Wunder gewirkt hat, hat die allerseligste Jungfrau nicht aufgehört, denen reichliche Gnaden zu spenden, die sie als Königin des Rosenkranzes von Pompeji anrufen; besonders huldvoll zeigte sich Maria dem Gründer gegenüber. Bartolo Longo hatte von dem Gelde, das ihm Maria aus der ganzen Welt gesandt, noch Wohltätigkeitsanstalten gegründet bei dem Heiligtume, wo sich fast eine kleine Stadt erhebt. Anfangs gab Bartolo Longo für die Grundlegung der Kirche wöchentlich 100 Fr. aus, die er am Samstag immer hatte; um den Bau weiter zu führen, brauchte er wöchentlich 500-1000 Fr.; am Samstag, zur Zeit der Arbeitersauszahlung waren sie da. Später brauchte er nicht mehr 1000 Fr. per Woche, sondern 1000 Fr. per Tag, um die Waisenkinder zu ernähren, die anderen Anstalten zu erhalten, die Arbeiter zu bezahlen, die Kosten des in- und ausländischen Baumaterials, die Spesen für die Eisenbahnstationen, für die Kaserne der Karabinieri und für das Post- und Telegraphenamt zu bestreiten; denn alle diese Einrichtungen hatte er ins Dasein gerufen, und das nötige Geld dazu kam jeden Tag. Nachher unterhielt Bartolo Longo ganze Kollegien von Knaben und Mädchen mit ihren Präfekten, Erziehern, Musikern und Mechanikerlehrern; er bestritt den reichen, prunkvollen Gottesdienst, der einem Weltheiligtum gebührt; später brauchte er wöchentlich 15.000, oft auch 20.000 Fr., und Maria sandte sie ihm. Als im Jahre 1899 der Präfekt von Neapel alles mit Staunen besichtigte und den Gründer fragte, wo er diese Summen hernehme, antwortete dieser: „Ich weiß es nicht, die Königin des heiligen Rosenkranzes weiß es; wenn ich größerer Hilfe bedarf, wirkt sie ein auffallenderes Wunder und die Gaben fließen reichlicher; wenn ich dagegen darauf sinne, weniger auszugeben und die Wohltätigkeitsanstalten einzuschränken, geht weniger Geld ein. Habe ich neue Verpflichtungen, kommen zur Zeit der Auszahlung auch neue Geldmittel, allerdings bleibe ich nach dem Auszahlungstag oft ohne Heller; doch immer auf den Glauben an die Vorsehung und auf den Schutz der Wunder der Rosenkranzkönigin gestützt, schlafe ich sorglos und erhebe mich ruhig in der Sicherheit, daß ich am Ende der Woche oder des Monats so und so viele Arbeiterfamilien auszahlen kann.“ Auch als das Heiligtum fertig war, fuhr Bartolo Longo dennoch fort, den Rosenkranz zu verbreiten, und das ist sein großes Apostolat, das unermeßliche Segnungen nach sich zieht. Im Jahre 1899 verteilte er 1.780.000 Bilder der Jungfrau von Pompeji, er versandte im gleichen Jahre 34 Zentner Rosenkränze und ließ 1.500.000 Medaillen der Rosenkranzkönigin prägen, und ausländische und einheimische Firmen haben ihm 30.000 Gemälde der heiligen Jungfrau geliefert. Die Auslagen für die Missionen kosteten ihn jährlich 589.000 Fr.

Bartolo Longo war auch Redaktor von Büchern und Zeitschriften, die den Rosenkranz verbreiten. Seine Zeitschrift „Rosario“ geht gratis in Hunderttausenden von Exemplaren durch die Welt. – Außerdem verschenkte er jährlich 100.000 Kalender, welche die Jahresgeschichte der pompejianischen Einrichtungen brachten. Und die ganze Welt erwiederte ihm darauf mit ihren Almosen, die ihm verantwortungs- und rechnungsfrei zugeschickt wurden. Hören wir noch einmal Bartolo Longo, wenn er sagt: „Ich überschwemme die Welt mit Mitteilungen, welche die Ausbreitung des Rosenkranzes und die Verherrlichung der Jungfrau vom Rosenkranze in ihren Gnaden und in den um des Rosenkranzes willen verliehenen Wundern zum Zwecke haben, und die Welt ist mir dankbar für die Stärkung des Glaubens, die sie aus diesem Tale empfängt und für die Gnaden, die ihnen die Jungfrau von Pompeji durch die Gebete der Waisenkinder spendet.“

 

Die 15 Verheißungen der Rosenkranzkönigin

Die allerseligste Jungfrau hat dem heiligen Dominikus fünfzehn Verheißungen gemacht für das Rosenkranzgebet; und diese sind bei Bartolo Longo in Erfüllung gegangen; schon bei seiner Berufung im Jahre 1870 wird er innerlich auf diese Verheißungen hingewiesen. Hören wir, was er zum Präfekten von Neapel sagte: „An dieser Küste von Valle die Pompei, die noch vor 24 Jahren öde und verlassen dalag, wollte ich in Erfahrung bringen, ob die Versprechungen der Himmelskönigin, die sie im 13. Jahrhundert dem heiligen Dominikus gemacht, wahr seien, als sie ihn für die Kirche eine neue Andacht lehrte, durch welche die Bekehrung der Völker und der Familien zu erwirken wäre, nämlich die Andacht des heiligen Rosenkranzes; und in 24 Jahren, während ich hier arbeite, und mit allen Mitteln die Rosenkranzandacht über die Welt zu verbreiten suchte, haben mir die täglich gesteigerten und vermehrten Wunder an Individuen und ganzen Genossenschaften diese Versprechen als wahr bewiesen.“ Diese Verheißungen sind folgende:

  1. Diejenigen, welche meinen Rosenkranz beharrlich beten, erlangen eine besondere Gnade.
  2. Ich verspreche jenen, die andächtig den Psalter meines Rosenkranzes beten, große Gnaden und meinen besonderen Schutz.
  3. Der Rosenkranz ist ein mächtiger Schild gegen den höllischen Feind; er vernichtet das Laster, verhindert die Sünde und rottet die Irrlehre aus.
  4. Der Rosenkranz bewirkt das Wiederaufblühen der Tugend und Werke der Gottseligkeit. Durch ihn wird den Seelen die Fülle der göttlichen Erbarmungen zuteil; indem sie sich von der eitlen Anhänglichkeit an die Güter dieser Welt losschälen, werden sie erfüllt von dem Verlangen nach den ewigen Gütern: viele Seelen werden durch den heiligen Rosenkranz gerettet.
  5. Die Seele, welche in rechter Weise durch meinen Rosenkranz ihre Zuflucht zu mir nimmt, geht nicht verloren.
  6. Alle diejenigen, welche andächtig den Rosenkranz beten, und dabei die Geheimnisse betrachten, werden vom Unglücke nicht niedergebeugt und vor dem unvorhergesehenen Tode bewahrt bleiben. Sind sie in Sünden, so werden sie die Gnade der Bekehrung erlangen; die Gnade der Beharrlichkeit aber, wenn sie gerecht sind, und sie werden würdig befunden werden des ewigen Lebens.
  7. Die Gläubigen, welche eine wahre Andacht zu meinem Rosenkranze haben, werden nicht ohne Empfang der heiligen Sakramente sterben.
  8. Ich will, daß jene, die meinen Rosenkranz andächtig beten, während ihres Lebens und im Augenblicke ihres Todes der Fülle göttlicher Erleuchtungen und Gnaden teilhaftig werden, sowie der Verdienste der Heiligen Gottes.
  9. Jeden Tag befreie ich aus dem Fegfeuer die Seelen, welche in ihrem Leben die Andacht des heiligen Rosenkranzes beharrlich gepflegt haben.
  10. Denen, die wahrhaft andächtig meinen Rosenkranz beten, wird im Himmel eine besondere Glorie zuteil werden.
  11. Alles, was man mich vermittelst des hl. Rosenkranzes bittet, wird man erhalten.
  12. Diejenigen, welche an der Verbreitung meines Rosenkranzes arbeiten, werden in all‘ ihren Nöten meine Hilfe erfahren.
  13. Ich habe von meinem göttlichen Sohne die Gnade erlangt, daß alle, welche der Bruderschaft vom heiligen Rosenkranze einverleibt sind, die glückseligen Bewohner des Himmels zu ihren Brüdern und Schwestern haben, während ihres Lebens und in der Stunde des Todes.
  14. Diejenigen, welche meinen Rosenkranz beten, sind meine bevorzugten Kinder und Brüder Jesu Christi, meines eingeborenen Sohnes.
  15. Die Andacht zum hl. Rosenkranz ist ein besonderes Merkmal der Auserwählung.

Diese Verheißungen gelten für die Rosenkranzandacht von den 15 Geheimnissen, die man betrachten muß. Auch ist es ein großer Fehler, wenn man alle Andacht zu Maria nur in die Nachahmung ihrer Tugenden setzt; die Nachahmung ihrer Tugenden ist nur eine Frucht dieser Andacht. Das Wesen der Andacht zu Maria besteht nach Pater Gallifet in der Hochachtung, in der Liebe und in dem Vertrauen zu ihr, und dises kann oft beim Sünder größer sein als beim Gerechten. Wieviele Sünder, oft tief gefallene Seelen, sind zur Bekehrung gekommen oder im Tode noch gerettet worden, weil sie noch eine Andacht zu Maria festhielten, oft nur ein Ave-Maria täglich beteten; unzählige Seelen gehen verloren, weil sie nicht zu Maria geführt werden.

 

Einladung der Rosenkranzkönigin

Im Jahre 1876 wurde in Valle di Pompei die Rosenkranzbruderschaft feierlich errichtet und zählt mehr als 3 Millionen Mitglieder in ganz Italien, ja auf der ganzen Welt, darunter Bischöfe, Kardinäle, Fürsten, Königinnen und den größten Mann der neueren Zeit, Papst Leo XIII. sel. Andenkens. Schon der heilige Dominikus hat die erste Bruderschaft vom heiligen Rosenkranze gegründet und die allerseligste Jungfrau hat ihm 30 Vorzüge geoffenbart und ihm gesagt, daß diese Bruderschaft die vortrefflichste sei. 200 Jahre später sandte Gott zur Weckung dieser Bruderschaft den seligen Dominikaner Alanus, dem viele himmlische Offenbarungen über dieses Gebet zuteil wurden; die allerseligste Jungfrau legte ihm in einer Erscheinung eine Kette um den Hals, in welcher 150 Edelsteine und 15 Rubinen gefaßt waren und sprach zu ihm: Dieses will ich allen gestiger Weise tun, welche meinen Psalter andächtig beten, und im Himmel werden sie besondere Freuden haben. Maria offenbarte ihm auch, ein einziges Ave-Maria sei kostbarer als alles Zeitliche unter der Sonne, als alle Güter des Leibes und des Geistes. Auch der göttliche Heiland sprach zu ihm: „Mein Sohn, du weißt nicht, was für ein köstliches Ding du meiner Mutter opferst, wenn du zu ihr ein andächtiges Ave-Maria sprichst; darum erscheine ich dir sichtbar, um es dich zu lehren.“ Dann zählte er ihm 72 Vorzüge auf, so in dem Ave-Maria einbegriffen sind. Auch schrieb der sel. Alanus, daß einmal ein Diener Gottes in den Himmel verzückt gewesen sei, dort habe er ein großes glänzendes Buch gesehen, worin alle Namen der Brüder und Schwestern der Rosenkranzbruderschaft ganz zierlich geschrieben standen, und es wurden immer mehr vom heiligen Dominikus und vom heiligen Franziskus geschrieben; welch ein Trost! Der selige Alanus hat 65 Jahre lang diese Bruderschaft mit so großem Erfolge verbreitet, daß in einem Verzeichnis im Dominikanerkloster zu Köln 1475, mehr als 100.000 Mitglieder aufgezeichnet waren. Papst Leo XIII. hat in seinem Rundschreiben vom 12. September 1897 ganz von dieser Bruderschaft gehandelt, und mit sehr rührenden Worten zum Eintritt ermahnt. Der Heilige Vater bat die Priester, das Volk über die hohen Vorzüge dieser Bruderschaft zu unterrichten; er ist dem Beispiele seiner Vorgänger gefolgt. Nicht weniger als 28 Päpste haben die Rosenkranzbruderschaft durch ihre Konstitutionen, Bullen, Breven usw. gutgeheißen und mit Ablässen bereichert. In die Gesellschaft Jesu wurde früher keiner aufgenommen, der sich nicht vorher in die Rosenkranzbruderschaft hatte einschreiben lassen. Die Mitglieder haben Anteil an allem Guten, das im Dominikanerorden geschieht, an den Verdiensten aller Heiligen und Seligen dieses Ordens, welcher bereits 265 heilig- und seliggesprochene Mitglieder und mehr als 26.000 Märtyrer besitzt, dann der vielen Mitglieder; durch den Beitritt in diese Bruderschaft werden wir Erben ihrer Verdienste. Nach dem Tode werden viele heilige Messen für sie aufgeopfert und viele Millionen Rosenkränze von Brüdern und Schwestern für sie gebetet. Der selige Alanus schreibt: Viele Brüder und Schwestern im Herrn haben mir eidlich bezeugt, daß ihnen während des Rosenkranzgebetes viele Seelen erschienen seien und ihnen dankend versichert hätten, es gäbe nach dem heiligen Meßopfer kein kräftigeres Hilfsmittel für die Armen Seelen im Fegfeuer als den heiligen Rosenkanz, und es würden dadurch alltäglich viele Seelen erlöst, welche sonst noch viele Jahre darin hätten verbleiben sollen. Wer sollte noch zögern, in diese Bruderschaft einzutreten, da man nur jede Woche alle drei Rosenkränze zu gelegener Zeit zu beten hat? Zur gültigen Aufnahme ist erfordert, daß man seinen Namen in ein Bruderschaftsbuch einschreiben läßt. Maria ladet alle dazu ein; die Bruderschaft ist ein Wagen zum Himmel.

 

Die Kinder der Rosenkranzkönigin

Maria wollte schon im vorigen Jahrhundert, wo sie bei ihren Erscheinungen in La Salette und in Lourdes Kinder erwählte, der Welt unter anderm die Lehre geben, wie man die Kinder zu ihr führen und retten soll; denn die Welt ist angefüllt mit Herodes, welche die Kinder geistig morden. O, möchten wir doch den hohen Adel eines Kindes kennen! Pater Hubi schrieb: „Ein Kind, das durch die heilige Taufe der Gnade Gottes teilhafig geworden ist, trägt ein Kleinod in sich, das wertvoller ist, als alles Gold und alle Edelsteine, glänzender als die Sonne und reizender als alle natürliche Schönheit der Engel und Menschen auf Erden.“ Ja, er hat recht; denn durch die Taufe ist es ein Kind des Königs von Himmel und Erde geworden; ein Tabernakel Gottes; denn Gott selbst wohnt im Herzen des Kindes. Die heiligen Engel umgeben, beschützen, führen und leiten es. Der göttliche Heiland hat die Kinder auf seinen Schoß genommen und ein furchtbares Wehe über jene ausgesprochen, die ihrer Seele schaden. Auch bei der wunderbaren Gründung des Heiligtums in Pompeji hat Maria die Welt auf die Kinder hingewiesen. Sie hat keine Ordensfrau erwählt, keinen hohen Würdenträger der Kirche, sondern einen Vater, einen Gatten. Ihre erste Erscheinung als Rosenkranzkönigin galt einer Gattin, einer Mutter in Neapel. Bartolo Longo hat die Königin des Himmels verstanden und ihrer Stimme Folge geleistet. Am 9. Mai 1887, an dem die wundertätige Jungfrau vom heiligen Rosenkranz gekrönt in ihren Tempel einzog, um von dem Hause ihrer Erwählung Besitz zu nehmen, beschloß der Gründer, neben dem Denkmal des Glaubens ein Denkmal der Liebe zu stiften, welches ihm Maria gegeben hatte. Er wollte den Thron der Rosenkranzkönigin mit einem lebendigen Rosen- und Lilienkranz umgeben, bestehend aus einer Schar unschuldiger Waisenmädchen, die unter dem Mantel der Jungfrau von Pompeji ihren Schutz fanden. Diese Kinder sollten den Hofstaat der Königin bilden und sie jeden Morgen und Abend mit dem Gruße des Engels begrüßen und zu ihren Füßen den Rosenkranz für ihre Wohltäter beten. Zur Linken des Rosenkranzheiligtums in Valle di Pompei erhebt sich ein Mädchenwaisenhaus, das von Bartolo Longo und seiner Gemahlin, Gräfin Marianne de Fosco, gegründet ist. Am Rosenkranzfeste 1887 wurden die ersten 15 Waisen, die in den Straßen gefunden wurden, aufgenommen. So entstand der erste lebendige Rosenkranz. Ein Jahr später kam ein zweiter dazu und im Oktober 1890 waren es schon 5 Rosenkränze oder 75 Waisen. Jedes Jahr steigerte sich die Zahl. Alle diese Waisen werden unentgeltlich aufgenommen und allein von den Gaben der Gläubigen auf der ganzen Welt unterstützt und erzogen. Es ist ein rührender Anblick, die elternlosen Kinder blühend und frisch ihr Mahl einnehmen zu sehen, das sie allein der christlichen Liebe aller Weltteile verdanken. Ein tägliches Wunder der Liebe. Viele reiche christliche Familien gehen in das Waisenhaus und nehmen solche an Kindes Statt an. Im Jahre 1894 fanden 20 Waisen der Jungfrau ein Asyl in Privathäusern.

Die Rosenkranzkönigin hat den Gründer aber noch zur Rettung anderer Kinder bestimmt, es sind die Söhne der Gefangenen, der Verbrecher. Mit den Waisenkindern hat man noch eher Mitleid; aber die Kinder der Sträflinge sind der Abweisung und Verachtung ausgesetzt. Das Mal der Schande, das sie, obgleich sie unschuldig sind, auf der Stirne tragen, verschließt ihnen alle Türen und verbietet ihnen jeden Zutritt in die Gesellschaft. Am 29. Mai wurde feierlichst der Grundstein gelegt zu dem neuen Institut. Noch war kein Jahr verflossen, als dasselbe schon 25 Kinder zählte. Briefe, Telegramme und Zeitungen munterten Bartolo Longo auf, für diese Unglücklichen etwas zu tun; denn für diese Klasse von Kindern war noch nie eine Anstalt gegründet worden. Im Jahre 1897 waren es schon 100 Zöglinge, von denen keiner müßig ist; jeder hat sein Handwerk, seinen Beruf. Wie es im Mädchenwaisenhaus gehalten wird, so geschieht es auch in dem Hospiz der Sträflingssöhne, es wird ihnen eine gute Erziehung gegeben.

 

Eine Bitte der Rosenkranzkönigin

Wenn Maria bei der Gründung des Gnadenortes die christlichen Eheleute so hoch geehrt hat und ihren königlichen Thron in Pompeji mit einem Hofstaat von unschuldigen Kindern umgab und so wunderbar für sie sorgte, wollte sie der Welt und den christlichen Eltern die Lehre geben, wie man die Kinder zu ihr führen soll. O, daß doch christliche Mütter ihre Kinder der Gottesmutter weihen würden! Eine solche Weihe ist von unglaublicher Wirkung; ein solches Kind geht, wage ich zu sagen, nicht verloren, und sollte es später vom rechten Wege abirren, Maria wird ihr verirrtes Kind wieder suchen. Das beweisen unzählige Bekehrungen, welche auf die Weihe der Mutter zurückzuführen sind, auch wenn die Mutter jahrelang im Grabe ruhte. Die gottselige Anna Katharina Emmerich erzählte von einem großen Sünder, dem die Mutter Gottes drei Jahre vor seinem Tode erschien und ihm offenbarte, seine Mutter habe ihn ihr bei seiner Geburt geweiht, er solle sich jetzt bekehren. Er führte noch drei Jahr ein frommes Einsiedlerleben und starb selig, nachdem ihm Maria im Tode noch einmal erschienen war. Die heilige Mechtildis sah ein Kind im Himmel unter die Klosterfrauen versetzt, weil seine Mutter es für den Ordensstand bestimmt hatte. Solche Wirkung hat das Gebet einer frommen Mutter. Wie schön wäre es, wenn man alljährlich an einem Marienfeste die Kinder der himmlischen Mutter weihte, und ihnen als Andenken eine Medaille, ein Bild, ein Buch oder ein Skapulier gäbe. Das wäre die beste Vorbereitung auf den Weißen Sonntag. Man lasse Maria die Kinder vorbereiten, und halte sie an, recht viel zur Mutter Gottes um eine würdige heilige Kommunion zu beten. Unzählige Kinder würden dem zeitlichen und ewigen Verderben entrissen, wenn man das Samenkorn der Andacht zu Maria ihnen ins Herz pflanzen würde.


Drei Novenen
zu Ehren der Rosenkranzkönigin

Gebet zur Königin des heiligen Rosenkranzes in Pompeji

Wenn man die drei Novenen macht, so versetzt man sich im Geiste in das Heiligtum von Pompeji und verrichtet mit Andacht und Vertrauen vor jedem Rosenkranz folgendes Gebet. Die gottselige Katharina Emmerich sagt: „Das Wunderwirkende beim Gebet ist das Vertrauen.“

O heiligste und unbefleckte Jungfrau, Königin des heiligen Rosenkranzes, du hast in diesen Zeiten des toten Glaubens deinen Sitz in Pompeji aufgeschlagen und deine Kinder in der ganzen Welt aufgefordert, dir an dieser Stätte ein Heiligtum zu errichten. Unzähligen auf der ganzen Welt bist du zu Hilfe gekommen, welche dich in diesem Gnadenbilde verehren. Siehe, gute Mutter, auch ich verehre dich im Geiste an dieser Gnadenstätte und rufe zu dir, o glorreiche Königin des heiligen Rosenkranzes von Pompeji, komme mir zu Hilfe. Du hast denen, die dich mit dem heiligen Rosenkranz verehren, so große Gnaden verheißen. Siehe, mit dem Rosenkranz in der Hand rufe ich zu dir. Du bist die Trösterin der Betrübten, das Heil der Kranken, die Zuflucht der Sünder, die Hoffnung der Verzweifelten, du bist die Ausspenderin der Gnaden und Erbarmungen Gottes. O segne mich von deinem Throne aus in Pompeji! (Dreimal) Du Königin des heiligen Rosenkranzes von Pompeji, bitte für uns!

Lasset uns beten!

O Gott, dessen eingeborner Sohn durch sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung uns die Belohnung des ewigen Lebens verdient hat, verleihe uns, wir bitten dich, daß wir, die wir die Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes der allerseligsten Jungfrau ehren, was sie enthalten, nachahmen und dadurch erlangen, was uns in denselben verheißen ist, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen.

 

Novene zu Unserer Lieben Frau vom heiligen Rosenkranze in Neu-Pompeji,
um in großer Bedrängnis, sowie in Leibes- und Seelennot Gnade und Hilfe zu erlangen.

V. O Herr, merke auf meine Hilfe!
R. Herr, eile mir zu helfen!
Ehre sei dem Vater, usw.

O heilige Katharina von Siena, du meine Beschützerin und Lehrerin, die du vom Himmel aus deinen Verehrern beistehst, wenn sie den Rosenkranz Mariä beten, stehe mir in dem gegenwärtigen Augenblicke bei und würdige dich, mit mir zusammen die Novene zur Königin des Rosenkranzes zu beten, die im Tale von Pompeji ihren Gnadenthron aufgeschlagen hat, damit ich durch deine Fürbitte die erwünschte Gnade erlange. Amen.

1. Gebet

O unbefleckte Jungfrau, Königin des heiligen Rosenkranzes! Du hast in diesen Zeiten des Unglaubens und der triumphierenden Bosheit deinen Sitz als Königin und Mutter aufgeschlagen über den Ruinen des alten heidnischen Pompeji. Von jener Stätte, wo ehemals Satan und die Götzen angebetet wurden, gießest du heute als Mutter der göttlichen Gnade die Schätze deiner Barmherzigkeit überallhin aus. Ach, von jenem Throne, wo du barmherzig dich erweisest, wende, o Maria, deine gütigen Blicke auch mir zu und habe Erbarmen mit mir, denn ich bedarf Deiner Hilfe gar sehr. Zeige dich auch mir, wie du dich schon so vielen gezeigt, als Mutter der Barmherzigkeit, während ich von ganzem Herzen dich grüße und dich anrufe als meine Gebieterin und Königin vom heiligen Rosenkranze.

Salve Regina

Sei gegrüßt, o Königin! Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Süßigkeit, unsere Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir seufzen wir, trauernd und weinend in diesem Tale der Tränen! O wende, unsere Fürsprecherin, deine mitleidigen Augen uns zu und zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

2. Gebet

Niedergeworfen zu den Füßen deines Thrones, o erhabene und glorreiche Herrin, verehre ich dich mit Herz und Mund. In den Ängsten und Nöten, in welchen ich mich befinde, erhebe ich vertrauensvoll meine Augen zu dir. Du hast dich gewürdigt, zur Wohnung die Gegend eines armen, verlassenen Hirtenvolkes zu wählen. Von dort aus, gegenüber der alten Heidenstadt und dem Amphitheater, dem Orte der einstigen heidnischen Vergnügungen und Lustbarkeiten, dem Tale des Todes und des ewigen Schweigens, hast du als Königin vom Siege deine mächtige Stimme erhoben und von allen Seiten Italiens und der katholischen Welt deine Kinder herbeigerufen, um dir alldort einen Tempel zu erbauen.

O, habe endlich Erbarmen mit meiner Seele, die von schweren Leiden niedergedrückt, im Staube liegt. Erbarme dich meiner, o meine Gebieterin, erbarme dich meiner; denn ich bin arm und verlassen und mit Schmach überhäuft.

Du hast dem Satan den Kopf zertreten. Verteidige und beschütze mich gegen seine Nachstellungen! Du Helferin der Christen, befreie mich von den Leiden und Kümmernissen, in welchen ich schmachte; siege über den Tod, der in gegenwärtiger Gefahr meine Seele bedroht. Gib mir wieder Ruhe und Frieden, Liebe zu Gott und dem Nächsten und heile meine Seele und meinen Leib. Amen. – Sei gegrüßt, o Königin, usw.

3. Gebet

Schon viele sind von dir geheilt und getröstet worden, weil sie mit Glauben und Vertrauen dich um Hilfe angefleht haben. Das erfüllt mein Herz mit neuer Kraft und neuem Mute, um von dir Trost und Beistand zu erbitten. Du hast schon dem heiligen Dominikus versprochen, daß, wer immer eine Gnade wünscht, vermittelst des heiligen Rosenkranzes solche erlangen könne. Deshalb erinnere ich dich, o Mutter, mit dem heiligen Rosenkranz in der Hand, an die Erfüllung deines mütterlichen Versprechens.

Noch mehr – in unseren Tagen wirkest du beständig Wunder und hast deine Kinder angetrieben, dir einen Tempel in Pompeji zu errichten. Du willst also unsere Tränen trocknen, unsere Schmerzen lindern! – So rufe ich denn mit lebendigem Glauben zu dir, liebste Mutter, süßeste Mutter! hilf mir! Mutter und Königin des heiligen Rosenkranzes, zögere nicht länger, mir deine mächtige Hand zu reichen und mich aus meiner Drangsal zu retten!

Wenn du mich verlassest, werde ich dem Verderben anheimfallen. Amen. – Sei gegrüßt, o Königin, usw.

4. Gebet

Zu wem sollte ich mich wenden, wenn nicht zu dir, du Zuflucht der Unglücklichen und Verlassenen, du Stärke der Schwachen, du Trösterin der Betrübten! Ich bekenne es dir, meine Seele ist elend und arm, mit vielen und großen Sünden behaftet; sie ist nicht würdig, Gnaden zu empfangen; sie verdiente ewig in der Hölle zu brennen. Doch du bist die Hoffnung derjenigen, die keine Hoffnung mehr haben, du bist die große Mittlerin zwischen Gott und den Menschen, unsere Fürsprecherin am Throne Gottes, die Zuflucht der Sünder. Nur ein fürbittendes Wort bei Jesus, deinem Sohne, und er wird dich erhören. O erlange mir denn von deinem göttlichen Sohne die Gnade, um welche ich dich so innig anflehe und deren ich so sehr bedarf (man nennt die Gnade, die man zu erhalten wünscht); du allein kannst sie mir erhalten, du meine einzige Hoffnung, mein Trost, meine Freude, mein Leben! Also hoffe ich, also sei es! Amen. – Sei gegrüßt, o Königin, usw.

5. Gebet

O Jungfrau, o Königin vom heiligen Rosenkranze, Tochter des himmlischen Vaters, Mutter des Sohnes Gottes und Braut des Heiligen Geistes! Du mächtige Fürsprecherin am Throne der allerheiligsten Dreifaltigkeit, du mußt mir die Gnade erbitten, deren ich so notwendig bedarf, insofern die Erlangung derselben nicht ein Hindernis meines ewigen Heiles ist. (Man nennt die Gnade, welche man erhalten möchte.)

Ich bitte dich darum bei deiner unbefleckten Empfängnis, bei deiner göttlichen Mutterschaft, um deiner Freuden, Schmerzen und Glorie willen. Ich verlange diese Gnade um des Herzens Jesu, deines Sohnes willen, um jener neun Monate willen, während welchen du das fleischgewordene Wort in deinem mütterlichen Schoße getragen, um der Armut und Mühen seines Lebens, um seines schmerzlichen Leidens und seines Todes am Kreuze willen, bei seinem heiligsten Namen und um seines kostbaren Blutes willen. Endlich bitte ich dich, versage mir deine Hilfe nicht, um deines süßesten Namens willen, o Maria, Stern des Meeres, mächtige Herrscherin, Pforte des Himmels und Mutter der Gnaden! Auf dich setze ich mein ganzes Vertrauen, von dir hoffe ich alles. Du mußt mich retten. Amen. – Sei gegrüßt, usw.

V. Würdige mich, dich zu loben, o heilige Jungfrau!
R. Gib mir Kraft und Stärke widerdeine Feinde!

Gebet

O Gott, dessen eingeborner Sohn durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung uns die Belohnung des ewigen Lebens verdient hat, verleihe uns, wir bitten dich, daß wir, indem wir die Geheimisse des heiligen Rosenkranzes der allerseligsten Jungfrau ehren, was sie enthalten nachahmen und dadurch erlangen, was uns in denselben verheißen ist. Durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen.

Danksagungs-Novene
zur allerseligsten Jungfrau von Pompeji, für erhaltene Gnaden

V. O Gott, merke auf meine Hilfe!
R. Herr, eile mir zu helfen!
Ehre sei dem Vater, usw.

1. Gebet

Niedergeworfen zu deinen Füßen, erhebe ich meine Augen zu dir, o unbefleckte Mutter unseres Herrn Jesu Christi! Du freuest dich, als Königin vom heiligen Rosenkranze im Tale von Pompeji angerufen zu werden.

Mit frohem, dankerfülltem Herzen komme ich zu Dir, meine hocherhabene Wohltäterin, meine gütige Frau und Gebieterin meines Herzens; du hast dich mir als Mutter erwiesen, die mich wahrhaft liebt; ich war betrübt, und du hast mich getröstet. Angst und Kummer beugten mich darnieder, und du hast mir den Frieden wiedergegeben; Schmerz und Todesqual umgaben mich von allen Seiten, und du, liebste Mutter, hast von deinem Throne in Pompeji mit einem Blick voll Güte und Erbamen alles Leid von mir gewendet.

Wer hat je vertrauensvoll seine Zuflucht zu dir genommen, ohne erhört worden zu sein! – O, daß die ganze Welt es wüßte, wie du gütig und barmherzig bist gegen alle, die da leiden! Alle Geschöpfe würden zu dir kommen, um bei dir Hilfe und Rettung zu suchen.

O Jungfrau und Königin vom heiligen Rosenkranze, sei allezeit gelobt, gepriesen und verherrlicht von mir und allen Menschen und den heiligen Engeln, von Himmel und Erde! Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, usw.

2. Gebet

Dem Herrn sei Dank und dir, o göttliche Mutter, für die neuen Beweise der Güte, welche durch deine Barmherzigkeit mir zugeflossen sind! Was wäre aus mir geworden, wenn du mein Seufzen und meine Tränen nicht erhört hättest.

Es mögen statt meiner dir danken und dich loben alle Scharen der heiligen Engel, die Chöre der Apostel, der Martyrer, der Jungfrauen und der Bekenner. In meinem Namen sollen dir danksagen so viele sündige Seelen, welche du vom Verderben errettet hast, und welche nun im Himmel den Anblick deiner unsterblichen Schönheit genießen. – O, daß mit mir alle Geschöpfe dich liebten und daß die ganze Erde widerhallen möchte von dem Echo meiner Dankesworte!

Was kann ich dir geben, o Königin voll Barmherzigkeit und Herrlichkeit? Mein ganzes übriges Leben sei dir geweiht; nach Kräften werde ich deine Ehre, o Jungfrau vom heiligen Rosenkranze von Pompeji, zu verbreiten suchen; denn da ich zu dir rief, hat die Gnade des Herrn mich heimgesucht. Überall werde ich von der Barmherzigkeit erzählen, die du mir erwiesen hast, und die Andacht des heiligen Rosenkranzes nach Möglichkeit zu fördern trachten; allen werde ich sagen, wie gütig du an mir gehandelt hast, damit auch die Unwürdigen, gleich wie ich, und die Sünder vertrauensvoll sich zu dir wenden. Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

3. Gebet

Welchen Namen, makellose Friedenstaube, werde ich dir geben, mit welchen Ehrentiteln dich anrufen! Dich nennen die heiligen Kirchenlehrer Königin der Schöpfung, Pforte des Lebens, Tempel Gottes, Wohnung des Lichtes, Glorie des Himmels, Heilige unter den Heiligen, Wunder der Wunder Gottes, Wonne des Allerhöchsten. Du bist die Schatzmeisterin der Gnaden, die alles vermögende Fürbitterin, die Barmherzigkeit Gottes selbst, welche den Unglücklichen zu Hilfe eilt. Ich weiß, daß du Wohlgefallen daran hast, als Königin vom heiligen Rosenkranze angerufen zu werden; indem ich diesen geheimnisvollen Namen anrufe, empfinde ich die Lieblichkeit desselben, o Himmelsrose, verpflanzt in dieses Tal der Tränen, um die Leiden zu versüßen, die uns verwiesene Kinder Evas allenthalben umgeben. Herrlich blühende Rose der Liebe, wohlriechender als alle Wohlgerüche des Libanon! Mit himmlischer Anmut führst du in deinem von dir bevorzugten Tale die Seelen der Sünder zum Herzen Gottes zurück. Unvergleichlich, ewig blühende Rose, begossen von den Strömen der Himmelsgnade hast du deine Wurzeln in einer vom Feuerregen ausgedorrten Gegend befestigt; Rose von fleckenloser Schönheit, hast du im Tale des Todes dem Herrn einen Garten der Wonne und der Freude gepflanzt.

Erhöht und gebenedeit sei der Herr, unser Gott, der deinen Namen, o Jungfrau, so wunderbar gemacht! Lobet alle Völker den Namen der Königin vom heiligen Rosenkranze von Pompeji; denn die ganze Welt ist voll von ihrer Barmherzigkeit! Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

4. Gebet

In den Stürmen, in denen mein Lebensschifflein zu versinken drohte, erhob ich meine Augen zu dir, neuer Hoffnungsstern, erschienen in unsern Tagen über den Ruinen des Tales von Pompeji.

In meiner Bitterkeit erhob ich aus tiefer Seele meine Stimme zu dir, o Königin vom heiligen Rosenkranze in Pompeji, und ich erfuhr die Macht dieses so teuren Namens. Wer wird den neuen Ruhm deines heiligen Rosenkranzes, wer die Siege deiner Krone würdig besingen?

Du hast der Welt, welche daran ist, sich den Armen Christi zu entwinden und Satan anheimzufallen, das Heil eröffnet in eben jenem Tale, wo einst unzählige Seelen dem ewigen Verderben anheimgefallen sind. Siegreich hast du den heidnischen Tempel zertreten und über den Ruinen des Heidentums den Sitz deiner Herrlichkeit aufgeschlagen. Den Ort der Verwüstung hast du zu neuem Leben erweckt, und wo der höllische Feind das Zepter führte, errichtetest du eine Zufluchtsstätte, von wo aus du die Völker dem göttlichen Erlöser zuführest. Aus allen Teilen der Welt haben deine Kinder dir daselbst einen Thron errichtet, als Denkmal deiner Wunder und als Zeichen deiner Barmherzigkeit.

In Ewigkeit seien deine Werke gepriesen, o meine Gebieterin und Mutter, und gesegnet seien die Wunder, die im Tale der Verwüstung auf deine Fürbitte geschehen! Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

5. Gebet

Deinen Ruhm, o Königin sollen verkünden alle Zungen, und der Abend trage auf den Morgen über die Harmonie unserer Lobpreisungen. Alle Nationen preisen dich selig; selig rufen dich aus alle Teile der Erde samt den glücklichen Scharen der Himmelsbewohner. Dreimal selig preise auch ich dich mit den Engeln, Ezengeln und Fürstentümern; dreimal selig rufe auch ich mit den himmlischen Mächten, den Kräften und Herrschaften; stetig bekenne ich dich mit den Thronen, den Cherubim und Seraphim! O du meine hocherhabene Rettung, wende deine barmherzigen Augen auf diese Familie, auf dieses Volk, auf diese Nation, auf die ganze Kirche! Insbesondere versage mir nicht die größte deiner Gnaden, daß nämlich in meiner Schwachheit ich mich niemals von dir abwende. Gib, daß ich bis zu meinem letzten Atemzuge in dem Glauben und der Liebe verharre, von denen meine Seele in diesem Augenblicke entzündet ist. Laß alle, die zur Zierde deines Hauses beitragen, durch deine mächtige Fürbitte zur Zahl deiner Auserwählten gehören.

O Rosenkranz der heiligen Jungfrau! Mit der größten Verehrung halte ich dich in meinen Händen und küsse dich mit Ehrfurcht. Du bist das große Mittel, du der Weg, auf dem der Christ in den Besitz aller Tugenden gelangt, ein reicher Schatz von Verdiensten für den Himmel, das Unterpfand meines ewigen Heiles, die starke Kette, die den Feind meiner Seele bindet, die Quelle des Friedens für alle, die während ihres Lebens dich ehren, Siegeszeichen denen, die im Tode dich festhalten. In meiner Sterbestunde hoffe ich auf deinen Beistand, o Mutter; dein Erscheinen ist mir das Zeichen meiner Rettung. Dein heiliger Rosenkranz öffne mir die Pforten des Himmels. Amen. Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

V. Bitte für uns, o Königin vom heiligsten Rosenkranze.
R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten!

O Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi! Du hast uns gelehrt, vertrauensvoll zu dir unsere Zuflucht zu nehmen und dich mit dem süßen Namen Vater zu nennen: Vater unser, der du bist in dem Himmel. Gütigster Herr und Vater, welchem es eigen ist, Barmherzigkeit zu erweisen und zu verzeihen, auf die Fürbitte der unbefleckten Jungfrau Maria, erhöre uns, die wir uns rühmen, Kinder des hochheiligen Rosenkranzes genannt zu werden. Verleihe unseren Dankgebeten für die erhaltenen Gnaden ein geneigtes Ohr. Den Thron aber, den du zu ihrer Ehre in Pompeji errichtet hast, laß auch in Zukunft täglich glorreicher werden, durch die Verdienste Jesu Christi, unseres Herrn. Amen.

In Anliegen kann man der Mutter Gottes versprechen, eine Anzahl dieser Schriften zu verbreiten; denn dadurch werden auch andere zu dieser Andacht geführt, was der lieben Mutter Gottes sehr wohlgefällig ist.


Transkription von P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

Bild: Quelle

Siehe ferner:

 

NOVENE ZU MARIA DER SCHMERZHAFTEN MUTTER

Aus dem Immaculata-Archiv:


NOVENE
zu
Maria der schmerzhaften Mutter
um in
schwierigen Fällen Erhörung zu erlangen.

Herausgegeben von
Joh. Künzle
Direktor der Priester der Anbetung des allerhlst. Sakramentes.

Mit kirchlicher Approbation.

II. unveränderte Auflage. (1895)

Feldkirch (Vorarlberg)
Verlag des „Pelikan“
Commissionsverlag:
Aug. Künzle, Lehrer, Schönenwegen, Ct. St. Gallen
(Schweiz).


Ursprung und Wesen der Andacht zur schmerzhaften Mutter.

Lieber Leser! Bete ein Ave Maria und lies dann mit Aufmerksamkeit, was einer der heiligsten und gelehrtesten Kirchenlehrer, der heilige Alfons Liguori, hierüber schreibt:

Maria war die Königin der Martyrer,
weil ihr Martertum länger dauernd
und größer als das aller Martyrer war.

Wer könnte so harten Herzens sein, um nicht bei dem schmerzreichsten Ereignisse gerührt zu werden, das sich je auf Erden begeben hat! Eine edle und heilige Mutter hatte nur einen Sohn, und dieser war der liebenswürdigste, den man sich denken kann, unschuldig, gottselig, schön und voll Liebe gegen seine Mutter, solcher Weise, daß er ihr nie das geringste Mißfallen bereitet, sondern immerdar nur Ehrfurcht, nur Gehorsam, nur Untertänigkeit ihr bezeigt hat. Darum hat die Mutter alle ihre Liebe auf Erden diesem Sohne geschenkt. Doch was sollte geschehen? Aus Neid wurde dieser Sohn von seinen Feinden falsch angeklagt und obwohl der Richter selber seine Unschuld erkannte und bezeugte, so verurtheilte er ihn doch, um den Feinden zu gefallen, zu dem schimpflichsten Tode, den diese für ihn forderten. Und die arme Mutter mußte den Schmerz erdulden, daß ihr liebenswürdiger und geliebter Sohn in der Blüte des Alters durch ungerechten, grausamsten Tod ihr entrissen wurde. Vor ihren Augen ließen sie ihn öffentlich am Holze der Schmach unter Martern und Blutvergießung sterben. Wie, ihr frommen Seelen, ist dieser Tod, ist diese Mutter nicht unseres Mitleidens würdig? Ihr wisset es, von wem ich rede. Der so grausam verurteilte Sohn ist Jesus, unser liebevoller Heiland, und diese Mutter ist die allerseligste Jungfrau Maria, die aus Liebe zu uns eingewilligt hat, Ihn der göttlichen Gerechtigkeit durch die Grausamkeit der Menschen geopfert zu sehen. Diese große von Maria für uns erduldete Marter, schmerzlicher noch als tausendfacher Tod, verdient unser Mitleid und unseren Dank. Und können wir anders diese Liebe nicht vergelten, so wollen wir doch wenigstens mit Aufmerksamkeit die Bitterkeit jener Pein betrachten, durch welche Maria die Königin der Martyrer geworden ist, indem ihr Martertum an Schmerzen das aller Martyrer übertroffen hat, da es: 1. länger an Dauer und 2. größer an Peinen gewesen ist.

1. Wie Jesus König der Schmerzen und König der Martyrer genannt wird, da Er während Seines Lebens mehr als alle andern Martyrer gelitten hat, so wird mit Recht auch Maria Königin der Martyrer genannt, weil sie diesen Titel durch Erduldung des größten Martertums, das nach dem ihres Sohnes möglich ist, verdient hat. Darum nennt sie Richard von St. Lorenz „Martyrin der Martyrinnen“, und es gelten von ihr die Worte Isaias: „Mit einer Krone von Trübsal wird Er dich krönen“, d.h. die als der Königin der Martyrer dir gebührende Krone ist die Pein, welche die aller anderen Martyrer zusammengenommen übersteiget. Dionysius der Karthäuser, Pelbartus, Catharinus und andere beweisen, daß Maria im eigentlichen Sinne eine Martyrin war; denn, um solche zu sein, genügt nach unbestrittener Meinung die Erduldung eines an sich tötlichen Schmerzes, auch wenn in Wirklichkeit der Tod selbst darauf nicht erfolgt. So wird der heilige Evangelist Johannes als Martyrer verehrt, wenn gleich er in dem Kessel siedenden Oeles nicht gestorben, sondern „kräftiger heraus- als hineingekommen ist“. Das Martertum, sagt der heilige Thomas, besteht in der höchsten Vollkommenheit des Gehorsams, wornach jemand gehorcht bis zur Hingabe des Lebens. Maria wurde eine Martyrin, sagt der heilige Bernhard, nicht durch das Eisen des Henkers, sondern durch die Bitterkeit der Schmerzen ihres Herzens. Ward auch ihr Leib nicht verwundet von der Hand des Henkers, so war doch ihr gebenedeites Herz von dem Schmerz des Mitleidens mit ihrem Sohne durchbohrt, einem Schmerze, der hinreichte, nicht einfachen, sondern tausendfachen Tod zu bringen. Daraus ersehen wir auch, daß Maria nicht bloß im buchstäblichen Sinne eine Martyrin war, sondern, daß auch ihr Martertum das aller Martyrer an Dauer übertraf, indem ihr ganzes Leben sozusagen ein beständiger Matertod war.

Wie nach den Worten des heiligen Bernhard mit der Geburt des Heilandes schon das Leiden der Kreuzigung den Anfang nahm, so litt auch Maria, in allem ihrem Sohne ähnlich, ihr Martertum das ganze Leben lang. Der Name Maria hat neben seinen anderen Bedeutungen, nach dem seligen Albertus Magnus, auch die eines „bitteren Meeres“. Darum gilt von ihr das Wort des Jeremias: „groß wie ein Meer ist deine Betrübnis“. Wie das Meer ganz bitter und salzig ist, so war das Leben Mariä durch die Anschauung des ihr stets gegenwärtigen Leidens des Erlösers immerdar voll von Bitterkeit. Es ist gewiß und unzweifelhaft, daß sie durch Erleuchtung des heiligen Geistes ein viel helleres Verständnis aller auf den Messias sich beziehenden Weissagungen der heiligen Schrift besaß, als die Propheten selber, wie dies der heiligen Brigitta geoffenbart wurde. Darum erlitt sie nach derselben Offenbarung so große Trübsal, seitdem sie wußte, daß Gott Mensch werden und durch so mannigfache Peinen gekreuzigt werden sollte.

Dieser Schmerz aber nahm zu ohne Maß, als sie die Mutter dieses Heilandes nun selbst geworden war. Und so erlitt sie in der schmerzvollen Anschauung aller Peinen, welche ihr armer Sohn erdulden sollte, in Wahrheit ein langes Martertum, ja ein durch ihr ganzes Leben fortdauerndes Martertum. „Du hast“, sagt Abt Rupertus, „im Vorherwissen der künftigen Passion deines Sohnes ein langes Martertum ertragen“. Dasselbe bezeugt auch das Gesicht, das die heilige Brigitta in der Kirche Maria Maggiore zu Rom empfing, wo ihr die allerseligste Jungfrau mit dem heiligen Simeon und einem Engel erschien, der ein großes blutiges Schwert trug, um sie die Bitterkeit und Größe der Schmerzen erkennen zu lassen, die sie ihr ganzes Leben lang zu leiden hatte. Darum legt Abt Rupertus Maria die Worte in den Mund: „Ihr Menschenkinder gedenket nicht bloß jener Stunde allein, da ich meinen geliebten Sohn am Kreuze sterben sah, denn Simeons Schwert war lange schon in mich eingedrungen, ehe es mich durchbohrte. So oft ich meinem Sohne Milch reichte und Seiner pflegte, schaute ich Seinen Tod. Welch uneremessenes Leiden, denket also, muß ich ertragen haben!“ Darum konnte Maria durch den Mund Davids wohl sagen: „In Schmerz hat abgenommen mein Leben und meine Jahre in Seufzern. Mein Schmerz ist immer vor meinem Angesichte.“ Mein ganzes Leben ging in Schmerz und Tränen vorüber, denn mein Schmerz, das Mitleiden mit meinem geliebten Sohne, wich nie von meinen Augen; immer schaute ich alle Peinen und den Tod, den Er eines Tages erleiden sollte. Die göttliche Mutter hat selbst dies der heiligen Brigitta geoffenbart: „In der Zeit meines Lebens nach der Himmelfahrt meines Sohnes war Sein Leiden meinem Herzen eingeprägt, ob ich aß oder arbeitete, stets neu war es in meinem Gedächtnis“. Auch Tauler sagt darum, daß Maria ihr ganzes Leben in beständigen Schmerzen verbracht habe, da sie nur Trauer und Pein in ihrem Herzen getragen.

Die Zeit also, die sonst für Betrübte den Schmerz zu lindern pflegt, vermochte dies für Maria nicht, ja sie mehrte ihre Betrübnis; denn je mehr Jesus heranwuchs und je mehr Er Seine Schönheit und Liebenswürdigkeit offenbarte, um so näher kam auch der Augenblick Seines Todes und um so mächtiger wurde im Herzen Mariä der Schmerz, Ihn auf Erden verlieren zu müssen. „Gleichwie die Rose unter den Dornen wächst“, sprach der Engel zur heiligen Brigitta, „so alterte die allerseligste Jungfrau auf der Welt unter Trübsalen. Und wie mit dem Wachsen der Rose auch die Dornen wachsen, so ward die auserwählte Rose Maria, soweit sie im Alter voranschritt, soweit auch von den Dörnern der Trübsale verwundet“.

Nachdem wir die Dauer ihrer Schmerzen betrachtet, wollen wir auch deren Größe kennen lernen.

II. Nicht allein, weil ihr Martertum an Dauer das aller Martyrer übertraf, ist Maria die Königin der Martyrer, sondern auch, weil es größer war, als das aller anderen. Doch wer mag diese Größe zu ermessen imstande sein? Jeremias findet niemanden, mit dem er diese Mutter der Schmerzen vergleichen könnte, wenn er ihre große Pein beim Tode ihres Sohnes betrachtet. „Mit wem“, ruft er, „soll ich dich vergleichen? oder wen soll ich dir ähnlich halten, Tochter Jerusalems: denn groß wie das Meer ist deine Trauer, wer kann dich trösten?“ Kardinal Hugo sagt in Auslegung dieser Worte: „O gebenedeite Jungfrau, wie die Bitterkeit des Meeres alle Bitterkeiten übertrifft, so übertrifft dein Schmerz alle anderen Schmerzen“. Und der heilige Anselmus ruft: „Fürwahr meine Herrin, nicht könnte ich glauben, du hättest, ohne das Leben zu lassen, die Stacheln solcher Peinen zu ertragen vermocht, wenn nicht der Geist deines Sohnes dir die Kraft gegeben!“ Der heilige Bernhardin von Siena aber behauptet: „So groß war der Schmerz der allerseligsten Jungfrau, daß er, auf alle leidensfähigen Geschöpfe verteilt, alle einem plötzlichen Tode überantwortet hätte.“

Betrachten wir nun die Ursachen, warum das Martertum Mariä größer als das aller Martyrer war. Fürs erste ist zu bedenken, daß, während die Martyrer leibliche Peinen durch Feuer und Schwert zu leiden hatten, Maria nach der Weissagung Simeons ein geistiges Matertum erlitt. „Deine Seele wird ein Schwert der Schmerzen durchdringen“. Damit wollte der heilige Greis sagen: O hochheilige Jungfrau, die anderen Maryrer werden durch das Eisen am Leibe zerfleischt werden, du aber wirst durch das Leiden deines Sohnes in der Seele durchbohrt und gemartert sein. Je edler die Seele als der Leib, um so größer war der Schmerz Mariä, als der aller Martyrer, wie dies Jesus Christus der heiligen Katharina von Siena geoffenbaret. „Es ist kein Vergleich zwischen dem Schmerz der Seele und des Leibes“. Darum sagt der heilige Abt Arnold von Chartres, daß bei dem Kreuzestode des unbefleckten Lammes auf dem Kalvarienberge zwei Altäre zu erblicken waren, der eine im Herzen Mariä, der andere im Leibe Jesu Christi. Der Herr brachte Sein Opfer, leiblich, Maria geistig.

Ferner erklärt der heilige Antonin, die anderen Martyrer litten durch Hinopferung ihres eigenen Lebens, Maria durch Opferung des Lebens ihres Sohnes, den sie unvergleichlich mehr als ihr eigenes Leben liebte. So litt sie geistig die ganze leibliche Marter ihres Sohnes mit, ja der Anlick der Peinen ihres Sohnes verursachte ihrem Herzen einen viel höheren Schmerz, als wenn sie an seiner Statt dieselben hätte leiden müssen. Es ist nicht zu zweifeln, daß Maria alle Mißhandlungen, von denen sie ihren geliebten Jesus gepeinigt sah, in ihrem Herzen mitzuleiden hatte; denn es sind, wie jeder begreift, die Leiden der Kinder auch die der Mütter, zumal wenn diese dabei gegenwärtig sind. Der heilige Augustinus sagt von der Marter der Mutter der Maccabäer: „Sie litt durch den Anblick den Schmerz eines jeden ihrer Söhne mit; ihre Liebe zu allen litt im Anschauen, was diese im Leibe.“ So ging es auch Maria; alle Qualen, Geiseln, Dornen, Nägel, das Kreuz, welche den unschuldigen Leib Jesu verwundeten, drangen im selben Augenblicke in das Herz Mariä, ihr Martertum zu vollenden. „Was der Herr in Seinem Leibe, das litt Maria in dem Herzen“, sagt der selige Amadeus; und der heilige Laurentius Justinius nennt darum das Herz Mariä einen Spiegel der Passion ihres Sohnes, in welchem alle Teile Seines Leidens, alle Schmach, Beschimpfung, alle Schläge und Wunden zu erblicken waren. In gleicher Weise sagt der heilige Bonaventura, „daß im Herzen Mariä alle die vielfältigen Wunden des Leibes ihres Sohnes vereinigt waren“. Es ward demnach Maria in dem Mit-Leiden mit ihrem Sohne in ihrem liebenden Herzen gegeiselt, mit Dornen gekrönt, verachtet, ans Kreuz genagelt, so daß der heilige Bonaventura fragen kann: „O meine Herrin, wo standest du bei der Kreuzigung? etwa nur neben dem Kreuze? Nein; mit deinem Sohne warest du ans Kreuz geheftet“. Und Richard von St. Lorenz bemerkt zu den Worten des Erlösers bei Isaias: „Die Kelter trat ich allein und keiner aus den Völkern ist mit mir“, „wahr ist es, o Herr, daß kein Mann mit Dir war, nur eine Frau war allein mit Dir, welche alle Wunden Deines Leibes in ihr Herz mitempfangen hat“.

Damit ist jedoch viel zu wenig von den Schmerzen Mariä gesagt; denn, wie schon bemerkt, litt sie im Anschauen der Leiden ihres geliebten Jesus mehr, als wenn sie leiblich alle Mißhandlungen und selbst den Tod ihres Sohnes an sich hätte erleiden müssen. Erasmus behauptet, daß die Eltern mehr durch die Schmerzen ihrer Kinder, als durch die eigenen gequält zu werden pflegen. Das ist freilich nicht immer der Fall, nur auf Maria trifft dies vollkommen zu; denn sie liebte ihren Sohn und Sein Leben unendlich mehr als sich selbst und tausend ihrer Leben. Darum bezeugt der selige Amadeus, daß Maria die Qualen ihres Sohnes mehr empfunden habe, als wenn sie ihr selber angetan worden wären; dies kam von der unvergleichlichen Liebe zu Ihm, welche sie Seine Marter so sehr fühlen ließ. Der Grund hievon ist einleuchtend; denn die Seele ist, wie der heilige Bernhard sagt, mehr da, wo sie liebt, als wo sie lebt. Und der Herr Selbst hatte gesagt: „Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein“. Lebte also Maria kraft ihrer Liebe mehr in ihrem Sohne, als in sich selber, so mußte sie ja in weit größerem Schmerz den Tod ihres Sohnes empfinden, als wenn sie selber den grausamsten Tod der Welt hätte erleiden müssen.

Hier nun bietet sich uns eine weitere Erwägung, warum das Martertum Mariä unendlich größer war als die Peinen aller Martyrer zusammen; sie litt nämlich in der Passion Jesu Christi nicht bloß ganz unermeßlich, sondern sie litt auch ganz ohne Trost. Wohl litten auch die Martyrer in den über sie verhängten Qualen gar sehr, aber die Liebe zu Jesus Christus machte ihnen ihre Peinen doch leichter und erträglicher. So erlitt der heilige Vinzentius große Qualen bei seiner Marter: er ward gefoltert, geschunden, mit glühenden Platten gebrannt; dennoch konnte der heilige Augustinus von ihm sagen: „Er sprach mit solcher Kraft zum Tyrannen und mit solcher Verachtung der Qualen, daß es schien, ein anderer Vinzenz leide und ein anderer Vinzenz spreche; so sehr stärkte ihn Gott mit der Süßigkeit Seiner Liebe inmitten dieser Peinen“. Es litt ein heiliger Bonifazius; der Leib ward ihm mit Eisen zerschnitten, zwischen Nägel und Fleisch wurden ihm spitzige Stäbchen hineingetrieben, flüssiges Blei in den Mund gegossen; doch hörte er nicht auf zu rufen: „Ich danke Dir, Herr Jesu Christe!“ Es litten die heiligen Markus und Marcellinus, indem sie an einen Pfahl mit durchbohrten Füßen gebunden wurden. Der Tyrann sprach: „Ihr Elenden, besinnet euch eines besseren und macht euch frei von diesen Peinen“. Sie antworteten: „Was sprichst du von Peinen? Wir haben nie so fröhlich getafelt, als jetzt, da wir aus Liebe zu Jesus Christus dies gerne leiden“. Es litt ein heiliger Laurentius, aber auf Kohlen geröstet trug er eine mächtige Flamme der Liebe im Herzen, die der Seele größeren Trost, als das Feuer der Kohlen dem Leibe Peinen bereitete. Die Liebe also machte ihn so stark, daß er, des Tyrannen spottend, sprechen konnte: „Der Braten ist geröstet; wende um und iß!“ Wie konnte der Heilige in solchen Martern, in so langen Todespeinen noch frohlocken? Der heilige Augustinus antwortet: „Trunken aus dem Kelch der Liebe empfand er seine Marter nicht“.

Je größer also die Liebe der heiligen Martyrer zu Jesus Christus war, um so weniger empfanden sie die Qual der Peinen und des Todes; ja das bloße Andenken an die Leiden ihres gekreuzigten Heilandes ward ihnen zur Tröstung. Nicht so bei Maria, der Mutter der Schmerzen, die aus der Liebe zu ihrem Sohne und aus dem Anblicke Seiner Leiden keinen Trost erlangen konnte, da gerade das Leiden ihres Sohnes selber die einzige Ursache ihrer Schmerzen und die Liebe zu Ihm ihr einziger und grausamster Peiniger war. Darin eben bestand das Martertum Mariä, daß sie im Anschauen der Leiden ihres unschuldigen, geliebten Jesus mit Ihm litt, was Er zu leiden hatte, und daß die Größe ihrer Liebe die Peinen ihr nur verbittern und jedes Trostes sie nur berauben konnte. „Groß wie das Meer ist deine Trauer, wer kann dich trösten?“ Ja, o Königin des Himmels, den anderen Martyrern konnte die Liebe ihre Pein verringern, ihre Wunden heilen; wer aber konnte dir dein großes Wehe versüßen, wer die Wunden heilen, die dein Herz mit solchen Peinen füllten? Wer soll dich heilen, wenn dein Sohn selber, Er, der dir allein Trost bereiten könnte, durch Sein Leiden die einzige Ursache deiner Schmerzen ist, und ebenso deine Liebe zu Ihm die einzige Ursache, daß du Seine Pein mit Ihm empfindest? Während also die anderen Martyrer, wie Diaz sagt, mit ihren Materwerkzeugen abgebildet werden, ein heiliger Paulus mit dem Schwerte, ein heiliger Andreas mit dem Kreuze, ein heiliger Laurentius mit dem Roste, wird Maria mit ihrem toten Sohne in den Armen abgebildet, weil Er, allein durch die Liebe, die sie zu Ihm trug, das Werkzeug ihres Martertums gewesen ist. Das Gesagte bestätigt Richard von St. Viktor in den kurzen Worten: „In den andern Martyrern hat die Größe der Liebe den Schmerz des Leidens gelindert; die allerseligste Jungfrau aber hat, je mehr sie geliebt, um so mehr gelitten und um so schwerer war ihr Martertum“.

Fürwahr, je höhere Liebe ein Gegenstand in Anspruch nimmt, um so höher schmerzt sein Verlust. So betrübt gewiß der Tod eines Bruders weit mehr als der eines Haustieres, der eines Kindes mehr als der eines Freundes. Darum sagt Cornelius a Lapide: „Um die Größe der Schmerzen Mariä zu ermessen, erwäge die Größe ihrer Liebe“. Wer aber wäre imstande, diese Liebe zu ermessen? „Zwei Arten von Liebe“, sagt der selige Amadeus, „waren in Maria zu einer verbunden, und aus zweierlei Akten der Liebe ward Eine Liebe vollendet; indem die allerseligste Jungfrau Gott in ihrem Sohne anbetend liebte, und in Ihm, ihrem Herrn und Gott, auch das von ihr geborene Kind mit Liebe umfaßte“. Aus dieser zweifachen Liebe ward die eine unendliche Liebe, so daß Wilhelm von Paris mit Recht sagt: „Maria liebte Jesum wie dies nur immer einem Geschöpfe möglich ist“, und Richard von St. Viktor: „wie keine Liebe ihrer Liebe glich, so auch kein Schmerz ihrem Schmerze“. Wo die höchste Liebe, sagt der selige Albertus Magnus, da ist der höchste Schmerz.

Vergegenwärtigen wir uns nun die göttliche Mutter, wie sie im Anblicke ihres am Kreuze sterbenden Sohnes mit Recht die Worte des Jeremias auf sich anwendend uns zuruft: „o ihr alle, die ihr vorübergehet am Wege, merket auf und sehet, ob ein Schmerz sei wie mein Schmerz“. O ihr Kinder dieser Welt, die ihr kein Mitleid mit mir traget, schauet doch einen Augenblick nach mir, die ich vor meinen Augen meinen geliebten Sohn muß sterben sehen, erwägt, ob unter allen Betrübten und Schmerzbeladenen ein Schmerz sich finde, dem meinen gleich! Nein, antwortet der heilige Bonaventura, „nein, kein Schmerz ist herber als der deine, denn kein Son ist mehr geliebt“. Nein, ruft auch Richard von St. Lorenz, „nein, nie war je ein solcher Sohn, nie eine solche Mutter, nie ein so großer Schmerz. Je zärtlicher sie geliebt, um so tiefer ist sie verwundet“. Übereinstimmend mit diesen Heiligen beteuert auch der heilige Ildephons: „ich sage noch zu wenig, wenn ich behaupte: Maria hat beim Leiden ihres Sohnes so bittere Schmerzen ertragen, daß die Peinen aller Martyrer zusammen sie nicht erreichen“. Der helige Anselmus bezeugt dasselbe in den Worten: „was immer an Grausamkeit den Leibern der Martyrer ist angethan worden, es ist gering, ja wie nichts im Vergleich zu deinen Leiden, o Mutter!“ In gleicher Weise sagt auch der heilige Basilius von Seleucia: „Wie der Sonne Glanz den aller Gestirne übersteiget, so die Schmerzen Mariä die Peinen aller Martyrer“. Ich schließe mit den Worten eines gelehrten Autors: „der so große Schmerz, den die liebevolle Mutter im Leiden ihres Sohners erduldete, war allein würdig, beim Tode des menschgewordenen Gottes empfunden zu werden“.

Der heilige Bonaventura wendet sich an die allerseligste Jungfrau in den Worten: „Warum, o Herrin, wolltest du den Kalvarienberg besteigen, um für uns geopfert zu werden? War denn das Leiden deines Sohnes ungenügend, wenn nicht auch mit Ihm seine Mutter gekreuziget würde“. O mehr als genügend war der Tod Jesu Christi, diese Welt, ja unzählige Welten zu erlösen; aber unsere heiligste Mutter wollte aus Liebe zu uns durch die Verdienste ihrer auf dem Kalvarienberge für uns aufgeopferten Schmerzen auch ihrerseits mit zu unserer Erlösung wirken. Darum sagt der selige Albertus Magnus: „gleichwie die Welt ihre Erlösung dem Leiden des Sohnes Gottes zu danken hat, so schuldet sie gleichen Dank unserer Königin Maria für ihr Mit-Leiden, das sie in freier Liebe erduldete. In freier Liebe, wiederhole ich: denn durch den Engel ward der heiligen Brigitta geoffenbaret, daß so gütig und barmherzig die Liebe Mariä war, daß sie lieber jedes Leid und jede Trübsal leiden, als die Seelen nicht erlöst erblicken wollte. Das war auch, kann man sagen, der einzige Trost, den Maria in ihrer Marter beim Leiden ihres Sohnes empfand, daß nun durch Seinen Tod die verdorbene Welt erlöst und die Menschen, Seine Feinde, wieder mit Gott versöhnt würden. „Sie freute sich in ihren Schmerzen“, sagt Simon von Cascia, „daß zur Erlösung aller das Opfer dargebracht und der Zorn Gottes besänftigt wurde“.

Solche Liebe Mariä verdient unseren Dank, so viel Dank zum wenigsten, daß wir in Betrachtung ihrer Schmerzen Mitleiden mit ihr tragen. Sie klagte aber vor der heiligen Brigitta in den Worten: „ich sehe auf alle Menschen in der Welt, ob einzelne wohl auch mit mir leiden und meiner Schmerzen gedenken; aber nur sehr wenige finde ich. Darum wolle du, meine Tochter, wenn auch viele mich vergessen, doch meiner stets gedenken. Schau‘ an mein Leid, folge mir nach und trauere mit mir so gut du vermagst“. Damit wir erkennen, wie angenehm der allerseligsten Jungfrau unser Andenken an ihre Schmerzen ist, dürfen wir nur an die Thatsache uns erinnern, daß sie im Jahre 1239 ihren sieben treuen Dienern, den späteren Gründern des Ordens der Serviten, ein schwarzes Kleid in Händen tragend, erschien und von ihnen, so sie ihr gefallen wollten, begehrte, oft ihrer Schmerzen zu gedenken, weshalb sie auch mit dem schwarzen Gewande der Trauer sich bekleiden sollten. Auch Jesus Christus selbst offenbarte der seligen Veronica von Binasco: „Meine Tochter, es gefallen Mir deine Trränen, die du über Mein bitteres Leiden vergießest; aber wisse, daß es meiner unermeßlichen Liebe zu Maria Meiner Mutter noch mehr gefällt, wenn du ihre Schmerzen betrachtest, die sie bei Meinem Tode erduldet hat“.

Sehr groß sind darum die Gnaden, welche Jesus Christus den treuen Verehrern der Schmerzen Mariä verheißt. Pelbart berichtet, es sei der heiligen Elisabeth geoffenbart worden, daß der heilige Evangelist Johannes nach der Himmelfahrt Mariä verlangt habe, sie wieder einmal zu sehen. Er ward erhört und es erschien ihm seine liebe Mutter und mit ihr auch Jesus Christus. Er vernahm, wie Maria von ihrem Sohne eine besondere Gnade für die Verehrer ihrer Schmerzen begehrte, und wie Jesus ihr für dieselben vier solcher Gnaden zusagte:

  1. daß, wer die göttliche Mutter durch ihre Schmerzen anruft, vor dem Tode eine vollkommene Reue über alle seine Sünden erlangen solle;
  2. daß Er in allen Nöthen und besonders in der Stunde seines Todes ihn beschirmen werde;
  3. daß Er ihm das Andenken Seines Leidens einprägen und ihm im Himmel einen besonderen Lohn verleihen werde;
  4. daß Er solche Verehrer Maria übergebe, auf daß sie nach ihrem Gefallen mit ihnen verfahre und ihnen alle Gnaden erlange, welche sie wolle.

Wie sehr die Andacht zu den Schmerzen Mariä der Erlangung des ewigen Heiles förderlich ist, können wir aus dem folgenden Beispiele ersehen.


Die neueste Erscheinung der schmerzhaften Mutter in Castelpetroso (Italien)

Es gibt viele hundert Wallfahrtsorte der schmerzhaften Mutter, die durch eine Reihe von Wundern ausgezeichnet sind; dadurch will der liebe Gott Selbst die Andacht zu den Schmerzen der heiligsten Jungfrau fördern. Auch in unserer Zeit, hat der göttliche Heiland in der auffallendsten Weise zur Verehrung der Schmerzen Seiner heiligsten Mutter aufgefordert durch die Erscheinungen von Castelpetroso. Hierüber entnehmen wir dem „Pelikan“, Jahrgang 1893, folgendes:

Seit einigen Jahren haben die Ereignisse in Castelpetroso in Italien in dortigen katholischen Kreisen ungeheures Aufsehen gemacht. Alle Tagesblätter haben sich damit beschäftigt, die einen mit Mitteilung der Tatsachen, die andern mit wohlfeilem Spott. Nachdem nun der Bischof des Ortes selbst als Zeuge für die Erscheinung eingetreten war und in einem besondern Hirtenbrief die Richtigkeit der Erscheinung erkannt hatte, nachdem auf geschehene Aufforderung mehr als tausend Personen, darunter bekannte Freidenker, sich als Zeugen anerboten und nachdem endlich der heilige Vater selbst sich aufs genaueste um die Sache interessiert hatte, persönlich Glauben schenkte und zum Baue einer Kirche an der Stelle der Erscheinung aufgemuntert hatte, glaubten wir unsern Lesern einen großen Dienst zu erweisen, wenn wir sie mit der Sache bekannt machen würden. Wir wandten uns an drei Augenzeugen, nämlich den Herrn Aquaderni, Redakteur des „Servo di Maria“ (in Bologna), den hochw. Herrn P. Lais, Direktor der vatikanischen Sternwarte und den Ortspfarrer von Castelpetroso, welch letzterer zuerst heftig gegen die Erscheinung gepredigt hatte, mit Äxten, Laternen und Picken den Felsen untersuchte und dann selbst die Erscheinung hatte. Aus den vielen Mitteilungen, welche jene drei Herren uns gütigst zusandten, entnehmen wir folgendes und wiederholen, daß niemand im Gewissen verbunden ist, an solche Ereignisse zu glauben; solche Erscheinungen und Wunder verdienen nur so viel Glauben, als Beweise für sie da sind, also rein menschlichen Glauben. Auch hat die Kirche hierüber sich noch nicht ausgesprochen und werden wohl noch viele Jahre vergehen, bis das weitschichtige Beweismaterial gesondert und benutz ist.

Am Abend des 22. März 1888.

Am 22. März 1888 gingen zwei arme weibliche Landleute von Castelpetroso aufs Feld hinaus, um ihren Landarbeiten nachzugehen, wie sie diese Jahreszeit des Frühjahrs mit sich bringt. Die eine hieß Fabiana Cecchino, Tochter eines verstorbenen Fiore, 35 jahre alt, und die andere Seraphine Johanna Valentino, welche 34 Jahre alt war. Die eine wie die andere mit ihrem Arbeitsgeschirr beladen, führte ihre Heerde hinaus, die sie dann weiden ließen, während sie an ihre Arbeit gingen. Die Sonne neigte sich dem Untergang und die beiden Bäuerinnen gedachten, nach Hause zurückzukehren, bemerkten dann aber, daß einige ihrer Schafe fehlten und sich von der Heerde entfernt oder verloren hatten; sie gingen also auf die Suche. Die Nacht brach herein und immer dunkler ward es, als eine der beiden Frauen unter großem Erstaunen eine lebhafte Helle wahrnahm, die aus den Spalten eines Felsens hervorleuchtete, zu dessen Fuß ein Waldbach war, der durch einen starken Wasserfall der Berggewässer gebildet wurde.

Von der Neugierde getrieben, drang die junge Frau bis zur Felsenspalte vor; sie schaute, und wie ist sie überrascht, menschliche Formen und Blut sehen zu können.

Es war dies die göttliche Mutter, in bittern Schmerz versetzt, ihren göttlichen Sohn Jesus leblos zu ihren Füßen und bedeckt mit Seinem eigenen Blute. Sie machte gar nichts und sprach kein Wort. Sie schaute nur und weinte. Ihre Gefährtin sprang herbei und tat dasselbe. Ergriffen und zitternd vor Aufregung liefen sie ins benachbarte Ort, zu berichten, was sie erst bloß gesehen hatten.

Wallfahrten und weitere Erscheinungen.

Der Ort der Erscheinung ist also bloß in einiger Entfernung von den naheliegenden Ortschaften, am Fuße eines kleinen Berges gelegen. Am selbigen Abend vom 22. März 1888 verbreiteten diese zwei Bauersfrauen die Nachricht von dem, was sie gesehen hatten, im Orte; aber es kam den Leuten so seltsam vor, daß niemand ihren Worten Glauben schenken wollte. Einige Tage vergingen darüberhin, als auf besonderes Drängen der einen dieser zwei Personen und auf neue dringliche Erzählung der andern, die nochmals zu diesem Felsen, genannt „Sese tra Santi“, hinausgegangen war und das Gleiche gesehen, wie beim erstenmal, sich eine Anzahl Leute sammelte, die einen aus Andacht, die andern aus Neugierde, wieder andere vom Geiste der Ungläubigkeit geleitet, um sich nachher über diesen Glauben der frommen Persönlichkeiten lustig zu machen. Anfänglich war nur eine kleine Zahl von Pilgern, aber immer mehr wuchs deren Anzahl, weil viele dieser Erscheinung ebenfalls gewürdigt wurden und auch Zeugnis dafür ablegten. Zu Hunderten, ja Tausenden kamen sie aus den benachbarten Gegenden und entfernten Ländern herbei.

Der größte Menschenzulauf war am 8. Mai, am Tage vor Christi Himmelfahrt, ungefähr zwei Monate nach der ersten Erscheinung. Unter den Wallfahrern wurden viele ebenfalls dieser Vision gewürdigt. Wir führen bloß die Namen einiger weniger an, die schriftlich und eidlich die Tatsachen bezeugten, von denen sie selber Augenzeugen gewesen.

Theodora Fenditti von St. Angelo, welche nicht schreiben konnte und an Stelle ihres Namens in Gegenwart des Ortspfarrers ein Kreuz hinsetzte, welche mit ihren drei Söhnen, Cäsar, Dominik und Angelo, bestätigte, die Erscheinung am 24. April gesehen zu haben. Diam. Cecchino, der am 5. April die schmerzhafte Jungfrau, St. Joseph und den Erzengel Michael gesehen hat. Marie Ciselli, Tochter des verstorbenen Seraphino, der mit großer Bestimmtheit beahuptet, das Antlitz des verstorbenen Herrn Jesus gesehen zu haben. Der Priester Louis Ferrari, der anfänglich der Erscheinung keinen Glauben schenken wollte; er sah am 16. Mai die Madonna in Statuenform, das Kind Jesus in ihren Armen, und bald darauf den verschiedenen Jesus, mit Blut bedeckt und mit Dornen gekrönt. Rachel Ciselli, Tochter des verstorbenen Seraphino, welche am 16. Mai die Madonna der unbefleckten Empfängnis gesehen, dann St. Joseph und St. Michael. Er hatte auch Ungläubige und Sünder, welche sich nach Castelpetroso begaben, um sich über die Andacht der Gläubigen lustig zu machen, aber auf die Erscheinung hin kamen sie zum Glauben und bekehrten sich. Der Erzpriester vom Orte bezeugt durch einen Brief vom 15. Mai die Bekehrung eines Sünders, den er zwar aus besonderen Gründen nicht nennt.

Andere Erscheinungen.

Am 7. September 1888 gewahrten zwei kleine Mädchen im Alter von ungefähr zehn Jahren die Erscheinung; das eine sah die schmerzhafte Mutter Gottes gegen sich kommen, sieben Schwerter in der Brust. Das Haupt der Gottesmutter erschien ihr zuerst in einer Art von Halbschatten, nachher die Brust, durch die sieben Schwerter durchbohrt, nachher die Füße und letztlich eine Krone mit dem Kreuz, das sie am Haupte trug. Andern Tags sah das Mädchen es zum zweitenmal, nicht mehr bloß in halber Dunkelheit und nach und nach vorwärtskommend, sondern in aller Deutlichkeit und mit 7 goldenen Schwertern.

Josephine sah es am 7. September mit den goldenen Schwertern und mit einem prächtigen Gewand. Kurz darauf, sagt sie, erhob sie sich, senkte die liebe Hand, als ob sie mir rufen wollte, und an ihrem Arm gewahrte ich ein goldenes Armband. Andern Tags sah es diese wieder unter verschiedenen Erscheinungsformen. Am 29. Jänner 1889 sah sie H. Aquaderni in Tränen, am 30. dessen Sohn August in gleicher Weise.

Am 21. Mai sah dessen Tochter M. Aquaderni den heiligen Joseph, die heilige Jungfrau und das Kind Jesus in den Armen der Mutter.

Der heilige Vater und der Bischof von Bojano.

Die Erscheinungen mehrten sich und der Ruf von zeitlichen und geistigen Gnadenerweisen und von Wundern, durch das Wasser von der Quelle gewirkt, verbreitete sich ringsum. Nach und nach verbreitete er sich über die engern Grenzen der Diözese und der Provinz hinaus bis über die Apenninen und gelangte bis zu den Ohren der Redakteure der Tagesblätter von Neapel und Sizilien. Alles dies wurde auch dem heiligen Vater Leo XIII. einberichtet, der, trotzdem er in tausendfachen Bitten und Anliegen angegangen wird, diese Angelegenheit zu Herzen nahm und nähere Prüfung wünschte, um die Wahrheit kennen zu lernen.

Es war in den ersten Tagen des Monats September im selbigen Jahre, 1888, als der Bischof von Bojano, in dessen Diözese besagter Ort der Erscheinung gelegen ist, in Rom war und dem Kardinal Rampolla seine Aufwartung machte. Sr. Eminenz kam auf das wunderbare Ereignis zu sprechen und drückte derselbe den Wunsch aus, die geringsten Details inne zu werden. Er ließ dem Bischofe sagen, wie der heilige Vater persönliches Interesse daran habe, und fügte bei: „Sr. Heiligkeit wünscht, Sie zu sehen, um von dem betreffenden Ereignis näher informirt zu werden. Vor drei Tagen hat der heilige Vater diesen Wunsch mir mitgeteilt.“

Es war also angezeigt, daß der Bischof von Bojano beim heiligen Vater eine Audienz anbegehrte.

Und wirklich, am andern Morgen wurde er bei dem Statthalter Jesu Christi eingeführt, der ihn sehr günstig aufnahm und mit großer Aufmerksamkeit anhörte und sich über die Details, die er ihm gab, höchst befriedigt aussprach. Schließlich sagte der heilige Vater zum Bischof: „Warum zögern Sie noch länger, von diesen Begebenheiten Bericht zu geben?“

„Heiliger Vater“, erwiederte der Bischof, „ich erwarte immer noch irgend ein Wunder, einen Gnadenerweis ab, der die Bestätigung hievon gewesen wäre.“

„Aber scheint es Ihnen nicht, daß die Dinge, wie sie liegen, an sich selbst schon ein wahrhaftiges Wunder seien?
Begeben Sie sich auf den Platz, sammeln Sie die geringsten Einzelheiten bei glaubwürdigen Personen und kommen Sie dann wieder zu uns zurück.“

Der hochw. Bischof, diesem Befehle nachkommend, begab sich am 26. desselben Monats zu dem Felsen, um selbst die Sache zu prüfen. Er nahm den Erzpriester der Kathedrale und denjenigen von Castelpetroso mit und machte zu Fuß den Weg vom Orte Pastena nach dem heiligen Berg. Da, so sagt ein Augenzeuge, fand er eine große Anzahl von Leuten aus verschiedenen Ortschaften, freudetrunken ob den Visionen, die sie eben zu sehen Gelegenheit hatten. Der Bischof selbst, erfreut ob dieser Menschenmenge, dringt weiter vor, eine der betreffenden Spalten, wo man die Erscheinung gewahren konnte, zu untersuchen. Nach einigen Augenblicken des Stillschweigens erhob der Bischof sein Haupt, und indem er Tränen der Rührung vergoß, gesteht er, zu zwei wiederholten Malen die Muttergottes gesehen zu haben und letztlich zum drittenmal, wie sie erschien in ihrer ganzen himmlischen Schönheit. Ein durchscheinender Schleier bedeckte die Hälfte ihres Antlitzes.

Die Anwesenden konnten ihre Tränen nicht zurückhalten, der Bischof aber kehrte wieder nach Bojano zurück.

Als man bei näherer Untersuchung des Felsens eine Kerze in die Spalte steckte, fiel dieselbe um und erlöschte, dafür aber sah man wieder ein anderes Licht und das Bild der seligsten Jungfrau Maria; dies wiederholte sich zweimal.

Ein drittes Mal war die Kerze wieder ausgelöscht und die seligste Jungfrau erschien auf die Entfernung von bloß einem Schritte. Die Erscheinung war ganz deutlich und von übernatürlicher Schönheit. Ein durchsichtiger Schleier, der ihre Gesichtszüge noch durchblicken ließ, bedeckte ihr Angesicht. Sie war traurig und betrübt in betender Stellung.

Durch die Bemühungen des Bischofs wird jetzt für die Pilgrime an diesem Ort eine Kirche erstellt zu Ehren der lieben Mutter Gottes zu den sieben Schmerzen.

Die Berühmtheit des neuen Wallfahrtsortes beruht auf der erstaunlichen Menge von Augenzeugen. Aus Farazzono sind mehr als 200 Personen bereit, die Erscheinung eidlich zu bezeugen, in Vinchiaturo über 600, in Rigia über 100, in Cesa 33, in Bajano mindestens 500 Personen. Unter den Zeugen gibt es Personen von höchstem Ansehen, so der Bischof von Bojano, der Pfarrer von Castelpetroso und Bojano, die vorher beide heftig gegen die Erscheinung geeifert hatten, der Missionär Paschal Aloncio, ganz Liberale, wie der Kassier der Nationalbank von Compapasso, welcher bei der Erscheinung in Ohnmacht fiel.

Man weiß bis in die ältesten Zeiten hinab von keiner Erscheinung der Muttergottes, welche duch so viele Zeugen verbürgt gewesen wäre. Ein unwiderlegbares Zeugnis ist endlich auch die Quelle, welche auf einmal am Orte der Erscheinung, an einem äußerst dürren, trockenen Orte, wo man noch nie Wasser gesehen hatte, zu fließen begann (vier Monate nach der ersten Vision) und seither immerfort fließt und durch ihr Wasser ganz auffallende Heilungen von Blinden, Lahmen, Kranken aller Art bewirkt hatte und noch stets bewirkt. Daß der heilige Vater selbst den Bischof von Bojano zum Bau einer Kirche an jenem Orte aufgemundert hat und dem Baukomitee seinen Segen gab, beweist, daß die höchste Autorität der Welt die Erscheinungen persönlich für glaubwürdig hält.

Unser Jahrhundert ist an wunderbaren Erscheinungen der allerseligsten Jungfrau reicher als jedes andere. Wir erinnern nur an die Erscheinungen in Dietrichwalde (Preußen), Lasalette und Lourdes in Frankreich, die Visionen betreffend die Medaillen der unbefleckten Empfängnis in den dreißiger Jahren.

Uns kommen diese häufigen Erscheinungen unserer himmlischen Mutter gar nicht auffallend vor. Diese wunderbare Sorgfalt unserer unvergleichlich guten Mutter um ihre Kinder, dieses sichtbare Zuhilfekommen im furchtbaren Kampfe mit dem Unglauben, dieses auffällige Darbieten ihrer Mutterhand in den Heilungen, dieses Sichzeigen an allen Punkten der Erde, wo immer ihre Kinder angegriffen, bedrückt und gefährdet sind, stimmt ganz rührend mit unserem Glauben von der Liebe, Sorgfalt und Treue des Herzens unserer heiligsten Mutter. Die große Irrlehre der Zeit ist ja die Leugnung alles Übernatürlichen, die Leugnung Gottes, der Seele, des Himmels und der Hölle. Durch diese Erscheinungen und Heilungen wird nun das Dasein des Übernatürlichen und damit die Wahrheit der katholischen Religion tatsächlich und augenscheinlich bewiesen; durch diese Erscheinungen werden die Katholiken wunderbar gestärkt im Kampfe, da sie sehen, daß die Himmelskönigin ihnen zu Hilfe kommt. Dadurch wird aber auch die Andacht zur allerseligsten Jungfrau, dieses sicherste Zeichen der Auserwählung und endlichen Beharrlichkeit mächtig gefördert.

Ganz auffallend ist, daß bei den Erscheinungen in Castelpetroso (übrigens auch in Lasalette) viele Personen die seligste Jungfrau weinen sahen oder sieben blutige Schwerter in ihrer Brust erblickten und den Leichnam ihres Sohnes ganz mit Blut bedeckt, aber doch von unbeschreiblichem Glanze umflossen sahen. Es wäre ein großer Irrtum, daraus zu entnehmen, daß die Himmelskönigin jetzt noch Schmerz oder Betrübnis empfinden könne; es bedeutet vielmehr, daß wir mit unsern Sünden Schuld seien an jenem Schmerz der Gottesmutter in der Charwoche, daß es ihr Wunsch sei, daß wir oft dieser Schmerzen uns erinnern, daß heutzutage die Menschen durch ihre blinde Wut und ihren satanischen Haß gegen Christus (man denke nur an die Teufelsanbetung in vielen Logen und die entsetzlichen Verunehrungen des allerheiligsten Sakramentes daselbst) so viel an ihnen liegt, diese Schmerzen und Wunden erneuern. Da aber die Art der Erscheinungen stets dem eigentümlichen Charakter der Zeit entspricht, so bedeuten diese Tränen der lieben Mutter Gottes, dieser traurige Anblick, wohl das Herannahen von entsetzlichen Weltkatastrophen und besagen uns, daß die Verehrung der Schmerzen Mariens dann ein Trost und ein Schutzmittel seien. Mögen die Erscheinungen unserer himmlischen Mutter in Castelpetroso das erreichen, daß unsere lieben Leser täglich zur Abendzeit oder um vier Uhr (Zeit der Kreuzabnahme) sieben Ave Maria beten für die Bekehrung der Sünder und die Anliegen der Kirche.

Die seligste Jungfrau begnügte sich jedoch nicht, während eines Jahres mehr als 1000 Zeugen jeden Standes und Alters und jeglicher Gesinnung sich zu zeigen, sie wollte einen beständigen Beweis ihrer Erscheinung zurücklassen. Dieser Zeuge ist die Quelle, die vier Monate nach der ersten Erscheinung am Orte der Erscheinung hervorsprudelte und steither unaufhörlich, selbst bei der größten und andauerndsten Hitze reichlich fließt und zwar an einer Stelle, wo seit Menschengedenken niemand Wasser gesehen hatte.

Das Wasser dieser Quelle ist ähnlich jenem von Lourdes das Mittel zu vielen Heilungen, wenn auch nicht in jenem Maße und mit jener Masse und mit jener Auffälligkeit wie in Lourdes. Der „Servo di Maria“, eine ausgezeichnete Zeitschrift aus Bologna, zählt in jeder Nummer eine Menge Heilungen auf; einige darunter sind so merkwürdig, daß sie als eigentliche Wunder gelten können und gewaltiges Aufsehen erregt haben, so die Heilung von Blinden, Lahmen, Taubstummen. Ein achtzigjähriger Mann lag am Sterben, es wurde Wasser von der Quelle angewandt, er erhob sich sofort und ward gesund und erfreut sich seither ungestörten Wohlseins. Doch wäre es thöricht, zu glauben, es könnten nun durch jenes Wasser alle Krankheiten geheilt werden. Wie das Wasser in Lourdes jeweilen nur etwa 4 Prozent der Kranken wunderbar heilt, aber diese dann gründlich herstellt und damit den ständigen Beweis des Übernatürlichen leistet, so scheint auch die seligste Jungfrau Castelpetroso nur deshalb zum Schauplatze ihrer Wunder gemacht zu haben, um dadurch den erschütterten Glauben zu befestigen und die Seelen vor der Verdammnis zu bewahren.

Es zeigt sich aber aus der Geschichte von Castelpetroso wieder die alte Wahrheit, daß es Maria höchst angenehm und uns sehr heilsam ist, ihrer Schmerzen recht oft zu gedenken. Durch göttliche Fügung ist nun in jüngster Zeit gerade jener Orden mit der Wallfahrt in Castelpetroso betraut worden, der von der allerseligsten Jungfrau selbst gestiftet wurde zum Zwecke, ihrer Schmerzen stets zu gedenken, d.h. der Orden der Serviten oder Diener Mariens. An der Kirche selbst wird beständig gebaut. Der „Servo die Maria“ in Bologna, welcher die Sammlung hiefür leitet, hat allein schon mehr als 120,000 Fr. beisammen und das aus dem armen steuergedrückten, ausgesogenen Italien. –

(Wer weitere Informationen wünscht, wende sich einfach an La redazione del Servo di Maria in Bologna und lege 5 Fr. bei; er wird alsdann ein eigenes Buch mit allen Einzelheiten darüber erhalten.)


Die sieben Schmerzen Mariens.

Wenn uns die heilige Kirche sieben Schmerzen der allerseligsten Jungfrau zur Betrachtung vorlegt, tut sie das nur, weil alle Schmerzen der Gottesmutter nicht erfaßt werden können. Diese sieben Schmerzen sind folgende:

  1. die Weissagung Simeons bei der Aufopferung im Tempel,
  2. die Flucht nach Ägypten;
  3. der Verlust und das dreitägige Suchen des Knaben Jesus;
  4. die Begegnung auf dem Kreuzwege;
  5. das Stehen unter dem Kreuze;
  6. die Kreuzabnahme;
  7. die Grablegung.

Mittel, um durch die Andacht zur schmerzhaften Mutter Erhörung zu erlangen.

  1. In jedem Falle, in dem man Erhörung wünscht, soll man von Todsünden frei sein und den festen Vorsatz der Besserung haben. Gott kann unmöglich diejenigen erhören, die Ihn schwer beleidigen und so, so viel an ihnen ist, die Schmerzen Jesu und Mariä erneuern wollen. Wer nur in läßlichen Sünden ist, bemühe sich recht ernstlich, durch Vorsatz am Morgen und Reue am Abend seinen Hauptfehler, Zorn, Empfindlichkeit usw. abzulegen.
  2. Wer die Mittel dazu hat, gebe zu Ehren der schmerzhaften Mutter ein rechtes Almosen an würdige Hausarme, womöglich unbekannt und ungebeten; denn Almosen erlangt Barmherzigkeit.
  3. Wo du Zeit hast, lies etwas aus diesem Büchlein von dem, was der heilige Alfons geschrieben.
  4. Gewöhne dich daran, jeden Nachmittag um 4 Uhr sieben Ave-Maria zu Ehren der sieben Schmerzen Mariä zu beten.
  5. Kommunizire sieben Sonntage oder Samstage nacheinander mit guter Vorbereitung und Danksagung (je eine Viertelstunde mindestens) zum Andenken an die sieben Schmerzen; es ist dies das Wirksamste.
  6. Am Kommuniontage bete den Rosenkranz der sieben Schmerzen oder sieben Vaterunser zu Ehren der sieben Schmerzen.
  7. Eine neuntägige Andacht kannst du auch so verrichten: Beobachte, was unter 1., 2., 3., 4. gesagt wurde. Bete dann mit Andacht nach Zeit und Gelegenheit etwas von den folgenden Gebeten; empfange während oder bald nach dieser neuntägigen Andacht recht würdig die heilige Kommunion.
  8. Für den Fall der Erhörung versprich stets Veröffentlichung. (Veröffentlichung übernimmt der „Pelikan“. Adresse einfach: „Pelikan“, Feldkirch, Vorarlberg; der Brief enthalte womöglich nur 1 – 2 Sätze, z.B.: Bei lebensgefährlicher Erkrankung eines Kindes machten wir eine neuntägige Andacht zur schmerzhaften Mutter, worauf das Kind schnell genas. Waldberg, den 20. April 1895. Heinrich Müller, Schlosser.) Der Name des Absenders wird nicht veröffentlicht.
  9. Vor dem Empfange der heiligen Kommunion mache stets die Meinung: „Ich vereinige diese Kommunion mit den Kommunionen der seligsten Jungfrau und aller Heiligen und will sie empfangen zur Sühne aller Unbilden, die dem göttlichen Herzen Jesu im heiligsten Sakramente und der seligsten Jungfrau zugefügt werden.

I. Der Rosenkranz der sieben Schmerzen
(mit vielen Ablässen versehen).

Erweckung der Reue. O mein einziger und liebenswürdiger Herr, sieh mich in Deiner heiligsten Gegenwart ganz beschämt bei der Betrachtung der vielen und schweren Unbilden, die ich Dir zugefügt habe. Ich bitte Dich, verzeihe sie mir, da ich sie von Herzen, aus reiner Liebe zu Dir bereue, und in Erwägung Deiner unendlichen Vollkommenheiten über alle Übel verabscheue und verwünsche… So wie ich wünschte, eher tausendmal den Tod erlitten, als dich beleidigt zu haben, so bin ich auch fest entschlossen, eher in tausendfacher Weise das Leben zu verlieren, als Dich zu beleidigen. Auch bitte ich dich, o mitleidigste Jungfrau, Mutter der Barmherzigkeit und Zuflucht der Sünder, erlange mir durch die Kraft deiner bittersten Schmerzen die ersehnte Verzeihung meiner Sünden und Erhörung in meinen Anliegen.

  1. Mit diesem Vertrauen im Herzen betrachte ich den Schmerz, welchen die heiligste Jungfrau und Mutter Gottes empfand, als sie im Tempel ihren eingeborenen Sohn Jesus in die Arme des heiligen Greises Simeon legte und von ihm die Worte vernahm: „Dieser wird dir ein Schwert des Schmerzes sein, welches deine Seele durchbohren wird“; wodurch das Leiden und der Tod ihres Sohnes Jesu angedeutet wurde. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  2. Den zweiten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie nach Egypten fliehen mußte, um der Verfolgung des gottlosen Herodes zu entgehen, der ihren Sohn zu töten suchte. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  3. Den dritten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie zur österlichen Zeit, nachdem sie mit ihrem Bräutigam, dem heiligen Joseph, und ihrem geliebten Sohne Jesu Jerusalem besucht hatte, auf der Rückkehr zu ihrem armen Vaterhause ihren einzigen Geliebten vermißte, und durch drei Tage den Verlust desselben beweinte. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  4. Den vierten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie ihrem liebenswürdigsten Sohne Jesus begegnete, wie er das schwere Kreuz auf seinen zarten Schultern tragend zu dem Kalvarienberge hinging, um dort für unser Heil gekreuzigt zu werden. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  5. Den fünften Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie sah, wie ihr Sohn Jesus an dem harten Kreuzestamm erhöht wurde, wie das Blut von allen Seiten aus seinem heiligsten Leib niederfloß, und wie er endlich nach dreistündiger Todesangst verschied. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  6. Den sechsten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als ihr geliebter Sohn Jesus mit einer Lanze in seiner Seite durchstochen, vom Kreuze herabgenommen und in ihren reinsten Schooß gelegt wurde. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  7. Den siebenten und letzten Schmerz empfand die seligste Jungfrau Maria, als sie sah, wie der heiligste Leib ihres Sohnes Jesus in das Grab gelegt wurde. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.

Hierauf werden noch drei Ave Maria zur Verehrung der Tränen, welche die seligste Jungfrau in ihren Schmerzen vergossen hat, gebetet, um die Gnade eines wahren Schmerzes über unsere Sünden zu erlangen und der heiligen Ablässe teilhaftig zu werden.

Zum Schlusse den Glauben und Ehre sei dem Vater etc.

V. Bitte für uns, o schmerzenreichste Jungfrau!
R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten. Wir bitten Dich, o Herr Jesus Christus, es möge bei Deiner Barmherzigkeit die seligste Jungfrau Maria, Deine Mutter, deren geheiligte Seele in der Stunde Deines Leidens das Schwert des Schmerzes durchbohrt hat, jetzt und in der Stunde unseres Todes unsere Fürsprecherin sein; durch Dich, Jesus Christus, Erlöser der Welt, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. R. Amen.

Das Ave Maria der schmerzhaften Gottesmutter.

Gegrüßt seist du, Maria, voll der Schmerzen, der Gekreuzigte ist mit dir; beweinenswert bist du unter den Weibern und beweinenswert ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter des Gekreuzigten, erbitte Tränen uns, den Kreuzigern deines Sohnes, jetzt und in der Stunde unseres Absterbens. Amen.
(Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius IX. 23. Dezember 1847.)

II. Das Stabat mater.

Seht die Mutter, voll der Schmerzen,
Wie sie mit zerriss’nem Herzen
An dem Kreuz des Sohnes steht!

Wie sie traurig seufzend, ringend,
Tiefes Wehe sie empfindet,
Durch die Seel ein Schwert ihr geht.

Wie betrübt in stummem Leide
Steht die Hochgebenedeite,
Des Erlösers Mutter, da!

Wie sie zittert, wie sie zaget,
Um den Eingebornen klaget,
Den so sehr sie leiden sah.

Welcher Mensch wird da nicht weinen,
Sieht er unter solchen Peinen
Dort die Mutter Jesu stehn!

Kann sie jemand ohne Trauer,
Ohne tiefen Mitleidsschauer
Mit dem Sohne leiden sehn!

Für die Sünden Seiner Brüder
Sieht sie, ach, wie Jesu Glieder
Schwerer Geiseln Wut zerreißt!

Sieht den lieben Sohn erblassen,
Trostberaubt, von Gott verlassen,
Laut ausatmen seinen Geist!

Gib, o Mutter, Quell der Liebe,
Daß ich mich mit dir betrübe,
Flöße deinen Schmerz mir ein!

Laß mich liebend Ihn umfangen,
Der zum Tod für mich gegangen,
Und gefallen Ihm allein.

Heil’ge Mutter, drück‘ die Wunden,
Die dein Sohn für mich empfunden,
Tief in meine Seele ein.

Ach, das But, das Er vergossen,
Ist für mich dahingeflossen,
Laß mich teilen Seine Pein.

Laß mit dir mich herzlich weinen,
Mich durchs Kreuz mit dir vereinen.
So lang hier mein Leben währt!

Unterm Kreuz mit dir zu stehen,
Dort zu teilen Seine Wehen,
Ist es, was mein Herz begehrt.

Jungfrau, aller Jungfrau’n Krone,
Laß mit dir mich deinem Sohne
Mitleidsvolle Klagen weih’n.

Seinen Tod mit Ihm zu tagen,
Seiner Wunden, Seiner Plagen
Eingedenk und teihaft sein!

In des Sohnes Schmerz versunken,
Mache mich vom Kreuze trunken
Durch die Liebe zu dem Sohn!

Daß durch deine Liebe, Treue,
Er mir ewig Gnad verleihe
An des Weltgerichtes Tag.

Mach, daß mich Sein Kreuz bewache,
Daß Sein Tod mich lebend mache,
Mich erwärm‘ Sein Gnadenlicht!

Gilt dem Leib es einst zu sterben,
Hilf dann meiner Seel‘ erwerben
Paradieses Herrlichkeit!

V. Bitt für uns, o schmerzhafte Mutter Maria!
R. Damit wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten. O Herr Jesu Christi, bei dessen Tode die mildreichste Seele Deiner glorwürdigen jungfräulichen Mutter Maria nach der Weissagung Simeons das Schwert des Schmerzens durchdrungen, verleihe uns gnädig, daß wir, die ihrer Schmerzen andächtig gedenken, die glückseligsten Früchte Deines Leidens erlangen; der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Gebete zur schmerzhaften Mutter um einen seligen Tod.

O Maria, du milde Zuflucht aller elenden Sünder! Um jenes Schmerzens willen, den du erduldetest, als du unter dem Kreuze deines sterbenden Sohnes standest, bitte ich dich, daß du, o liebste Mutter, mit deiner Barmherzigkeit mir zurseite stehen wollest, wenn meine Seele aus dieser Welt wird scheiden müssen. Verjage alsdann die höllischen Feinde aus meiner Nähe, nimm meine Seele in Besitz und stelle sie dem ewigen Richter vor. O meine Königin! alsdann verlasse mich nicht. Nach Jesus wirst du in jenem furchtbaren Augenblicke mein Trost sein müssen. Bitte deshalb deinen Sohn, daß er mir gnädig verleihen wolle, in der Umarmung seiner heiligsten Füße sterben und meine Seele in seine hochheiligen Wunden mit den Worten aushauchen zu können: Jesus Maria! Euch übergebe ich mein Herz und meine Seele! Amen. – Sieben Ave Maria.

Pius VII. hat denjenigen, welche dieses Gebet nebst den sieben Ave Maria andächtig verrichten, einen Ablaß von 300 Tagen verliehen, der auch den armen Seelen im Fegfeuer kann zugewendet werden.

Sieben Bitten zu den sieben Schmerzen Mariä.

  1. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Betrübnis, die dein zartes Mutterherz bei der Weissagung des heiligen Greises Simeon empfunden hat. O liebe Mutter! durch dein so betrübtes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  2. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Drangsal, welche dein gefühlvollstes Herz auf der Flucht nach Aegypten und während deines Aufenthaltes daselbst erduldet hat. O liebe Mutter! durch dein so sehr bekümmertes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  3. O schmerzafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener großen Angst, welche dein bekümmertes Herz beim Verluste deines teuren Sohnes ausgestanden hat. O liebe Mutter! durch dein so sehr beklommenes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  4. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Bestürzung, welche dein mütterliches Herz befallen hat, als du deinem mit dem Kreuze beladenen Sohn begegnetest. O liebe Mutter! durch dein liebevolles, vom Schmerze durchdrungenes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  5. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Marter, welche dein heiligstes Herz erduldet hat, als du unter dem Kreuze deines sterbenden Sohnes standest. O liebe Mutter! durch dein so peinvolles Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  6. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Wunde, welche dein mitleidendes Herz empfangen hat, als der Speer die Seite deines Sohnes grausam durchstach und bis in Sein liebevollstes Herz hineindrang. O liebe Mutter! durch dein also durchbohrtes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  7. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener wehmutvollen Verlassenheit, welche dein liebevollstes Herz bei der Grablegung deines Sohnes gelitten hat. O liebe Mutter! durch dein heiliges, auf’s äußerste betrübtes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.

Schlußgebet. O Herr Jesus Christus! Wir bitten Dich, laß die seligste Jungfrau, Deine Mutter, jetzt und in der Stunde unseres Todes bei Deiner Barmherzigkeit unsere Mittlerin sein, sie, deren heiligste Seele in der Stunde Deines Leidens das Schwert des Schmerzes durchstochen hat. Das verleihe uns, o Herr Jesus Christus, Du Heiland der Welt, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.


Transkription von P. O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

Österreich: Bischöfe vertrauen Land und Volk der Gottesmutter an

Festmesse Mariazell, 13. Juni 2017 / Courtesy: Paul Wuthe, Kathpress

Festgottesdienst im Rahmen der
Vollversammlung der ÖBK im steirischen Mariazell

Bei einem Festgottesdienst im Gedenken an die Marienerscheinungen vor hundert Jahren in Fatima haben die Bischöfe Österreich und seine Bewohner erneut der Gottesmutter Maria anvertraut. Der Festgottesdienst fand im Rahmen der aktuellen Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in Mariazell statt. Mit den österreichischen Bischöfen konzelebrierten die emeritierten Bischöfe Christian Werner und Ludwig Schwarz, weiters Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, Abt Benedikt Plank (St. Lambrecht) und Superior P. Michael Staberl (Mariazell). Wie an jedem Monatsdreizehnten fand die Messe auch im Gedenken an Kardinal Franz König statt, der am 13.3.2004 verstorben ist.

Vorsteher und Festprediger des Gottesdienstes war der Salzburger Erzbischof, Franz Lackner, der Maria in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte. Er verwies auf den Vorbildcharakter Mariens für den Glauben in der heutigen Welt. In einer „zweifelhaften Umgebung“, in der auch „wir heute leben“, fordere Maria mit ihrem Vorbild immer wieder zum Vertrauen und Hören auf Gott auf. Die Welt blute aus vielen Wunden: „Viele Christen und Andersgläubige leiden unter schrecklicher Verfolgung, die Schöpfung seufzt unter der Last der Menschen, das ungeborene Leben vermisst schmerzlich den uneingeschränkten Schutz und der Glaubensschwund in unseren Kirchen stellt uns vor die Frage: Wird der Menschensohn, wenn er wiederkommt, noch Glauben auf der Erde finden?“

In einer „glaubensschwachen Zeit“ sei Maria wie eine Lichtgestalt unseres Glaubens, „die uns den Weg zu weisen vermag“. Mit ihrem klaren Bekenntnis „es geschehe, wie du gesagt hast“ weise sie den Weg hin zur „Durchlässigkeit auf Gott“. Sie lehre das Wagnis, „sich auf einen Gott einzulassen, der stets größer und letztlich unbegreiflich ist, der aber auch Unmögliches vermag“. In ihr habe Gott gleichsam „ein kleines Stückchen Paradies bewahrt, einen heiligen Rest paradiesischer Unversehrtheit, wo hinein er sein Wort von der Menschwerdung sprechen konnte“. Daher bezeichne das 2. Vatikanische Konzil Maria zu Recht als „Mittlerin aller Gnaden“, so Lackner.

Maria sei keine „Frau der vielen Worte, sondern eine innerlich betrachtende Frau“ gewesen. „Alles, was geschehen war, auch das, das sie nicht verstanden hatte, bewahrte sie in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ Auch in dieser Hinsicht könne sie Vorbild sein in einer Zeit, „in der zwar viel nachgedacht werde, aber immer nur über das Äußerliche und Funktionierende“. Das wenige in der Bibel über Maria Überlieferte stehe in „keinem Verhältnis zu ihrer Wirkung, welche sie im Laufe der Geschichte erfahren hat“. Sie alleine habe den Demuts- und Hoheitstitel „Magd des Herrn“ verwendet, der sie in die Nähe des in der Bibel erwähnten Gottesknechtes rückt, der auf Jesus Christus selbst verweise.

Am Ende des Festgottesdienstes versammelten sich die Bischöfe rund um den Mariazeller Gnadenaltar, wo bereits 1983 Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch im steirischen Marienwallfahrtsort Österreich und seine Bewohner Maria überantwortet hatte. Die Bischöfen erneuerten dieses Anvertrauen an die Gottesmutter und sprachen dabei jenes Gebet, das Papst Benedikt XVI. bei seinem Österreich-Besuch am 9. September 2007 am Stephansplatz gesprochen hatte.

Seit Montag tagt die Österreichische Bischofskonferenz unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn im steirischen Mariazell. Schwerpunktthema ist die Vorbereitung auf die nächstjährige Weltbischofssynode über Jugend. Darüber hinaus haben sich die Bischöfe am Montag in einem Studiennachmittag mit Fragen rund um Sicherheitspolitik und Sicherheit in den Kirchen befasst.

(Quelle: Webseite der Österreichischen Bischofskonferenz & Kathpress, 13.06.17)

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Quelle

Papstgebet an die Muttergottes von Fatima

Franziskus‘ Weihegebet an die Muttergottes von Fatima; Petersplatz, Oktober 2013

Papst Franziskus reist am Freitag in den portugiesischen Wallfahrtsort Fatima. Ein Weihegebet an die Muttergottes von Fatima hatte er am Ende einer Messe anlässlich der „Marianischen Tage“ am 13. Oktober 2013 auf dem Petersplatz gesprochen. In Gegenwart der Statue der Muttergottes von Fatima, die eigens aus Portugal nach Rom geflogen worden war, erinnerte Franziskus in seiner Predigt daran, dass Glaube in der Fähigkeit bestehe, sich überraschen zu lassen. Wir dokumentieren hier den Text des Gebetes in einer Arbeitsübersetzung:

Selige Jungfrau Maria von Fatima,
Stets dankbar für deine mütterliche Gegenwart
Vereinen sich unsere Stimmen mit denen aller Generationen,
Die dich selig preisen.Wir feiern in dir die großen Werke Gottes,
Der nicht müde wird, sich barmherzig der Menschheit zuzuneigen,
Die vom Bösen bedrängt und von der Sünde verwundet ist,
Um sie zu heilen und zu retten.Nimm in mütterlicher Güte
Den Weiheakt an, den wir heute voller Vertrauen vollziehen,
Im Angesicht Deines Bildes, das uns so teuer ist.

Wir sind sicher, dass ein jeder von uns in deinen Augen wertvoll ist
Und dass dir nichts von dem fremd ist, was in unseren Herzen ist.
Wir lassen uns von deinem liebevollen Blick berühren
Und wir empfangen die tröstende Zärtlichkeit Deines Lächelns.

Berge unser Leben in deinen Armen:
Segne und stärke jedes Verlangen nach Gutem;
Stärke und nähre den Glauben;
Erhalte und erleuchte die Hoffnung,
Erwecke und belebe die Liebe
Führe uns alle auf dem Weg der Heiligkeit.

Lehre uns die besondere Liebe
Für die Kleinen und Armen,
Für die Ausgeschlossenen und die Leidenden,
Für die Sünder und die im Herzen Verwirrten:
Sammle alle unter deinem Schutz
Und vertrau sie deinem geliebten Sohn an, unserm Herrn Jesus.

Amen.

Arbeitsübersetzung: Radio Vatikan

(rv 09.05.2017 mc/pr)

„Kind vor Maria werden“ – Ein Gespräch mit Pater Karl Wallner

Von Georg Denicolo

„Ohne Maria kein Christentum“: Zu diesem Thema hat Pater Karl Wallner, Zisterzienser des österreichischen Stiftes Heiligenkreuz, Professor für Dogmatik, Rektor der Hochschule Benedikt XVI. und Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich, auf Einladung des Pfarrgemeinderates Plankstetten einen Vortrag gehalten.

Im anschließenden Gespräch nahm Pater Karl Wallner auch Stellung zur Marienverehrung aus ökumenischer Sicht und zu Fatima.

Welche Rolle spielt Maria persönlich in Ihrem Leben?

Ich bin durch eine marianische Apostolatsgruppe der Legion Mariens gläubig geworden. Maria gibt vor allem das Weibliche, das Mütterliche, die Wärme und die Geborgenheit, die in der Frömmigkeit ohne Maria sonst zu kurz kommen würde. Wenn Gott vor Maria Kind werden wollte, warum soll ich mich dann genieren, Kind vor Maria zu werden.

Wie begründet sich die explizit marianische Ausrichtung Ihres Ordens?

Der eigentliche Grund ist, dass das Ziel des menschlichen Lebens die Ewigkeit bei Gott ist. Die Zisterzienser haben alle ihre Klöster der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria geweiht, denn sie hatten das Bild des in Gott vollendeten Menschen vor Augen. Das Klosterleben wurde verstanden als ein Leben auf dieses Ziel zu, so wie Maria in die Vollendung gelangt ist. Ein zweiter Grund ist, dass Maria Christus geboren hat. Mit den Zisterziensern beginnt ein sehr starkes Hinschauen auf die Menschheit Christi, sie entwickeln von dort her natürlich auch eine Liebe zu der Frau, die Jesus als Menschen geboren hat.

Welche Bedeutung messen Sie dem Marienwallfahrtsort Fatima bei?

Fatima ist deshalb wichtig, weil dort eine Grundbotschaft des Christentums wiederholt wird, nämlich die Einladung Gottes, an der Erlösung der Welt mitzuwirken. Gott möchte, dass wir selbst die Haltung annehmen, die sein Sohn am Kreuz hatte: eine leidensbereite Liebe. Deshalb lädt die Mutter Gottes dort die Kinder zum Gebet und zur Sühne ein und stellt ihnen auch die Dramatik vor Augen, wenn wir auf dieses Mitarbeiten mit der Erlösung Gottes vergessen. Die Trost- und Freudenbotschaft von Fatima lautet ja: „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren.“ Das unbefleckte Herz ist das Herz der Frau, die wirklich bei Gott ist und damit in ihrem Leben diesen Sieg Gottes konkretisiert hat. Deshalb ist es in einer Welt, die ins Chaos gerät, wo wir Terror, Gewalt, Christenverfolgung und Glaubensabfall über weite Strecken erleben, eine sehr wichtige Botschaft, damit wir Gläubige aufgerüttelt werden. Christentum ist nicht eine belanglose Sache, sondern wir sind wirklich gerufen, mit Maria mitzuwirken, damit alle Menschen gerettet werden. Das ist der Heilswille Gottes.

Was antworten Sie unseren evangelischen Schwestern und Brüdern, die Maria als unnötigen Umweg zu Christus sehen und die Marienverehrung ablehnen?

Der Unterschied liegt in der Art und Weise begründet, wie Martin Luther – und mit ihm die evangelische Tradition – den Menschen sieht. Während wir Katholiken glauben, dass Gott innerhalb der menschlichen Kräfte wirkt und den Menschen durch seine Gnade befähigt, Gutes, Richtiges und Heiliges zu tun, hat man bei den Protestanten den Eindruck, dass die Gnade Gottes etwas dem Menschen bloß Äußerliches ist – und auch der von Gott begnadete Mensch immer Sünder bleibt. In der Anthropologie Luthers wird die Unfähigkeit des Menschen zum Guten sehr betont. Wir dagegen glauben, dass Gott sich im und durch den Menschen verherrlicht. Deshalb ist für uns alle Heiligen- und Marienverehrung mittelbare Gottesverehrung, die Gott absolut nichts wegnimmt. Im Gegenteil: Wir ehren das Gnadenwirken Gottes in den Heiligen; Heiligenverehrung ist Christusverehrung. Wir teilen die Angst der protestantischen Theologie überhaupt nicht, dass es eine Konkurrenz zwischen Christus und Maria bzw. den Heiligen gibt, da wir ja in den Heiligen eben gerade die Gnade Christi verehren. Für uns ist das Hinschauen und das Verehren der Mutter Gottes ein Hinschauen auf Gottes Gnade, Wirken und Heilshandeln.

Wie nehmen Sie die Tatsache wahr, dass auch in der katholischen Kirche eine lebendige Marienverehrung zum Teil nicht mehr ernst genommen wird?

Marianische Kälte finde ich mittlerweile nur mehr in den Bereichen der katholischen Kirche, die am Schrumpfen oder Absterben sind. Dort wo bei uns Aufbruch und Leben, Hoffnung auf Zukunft ist, da nehme ich hingegen sehr viel Marienverehrung wahr: Etwa in den Jugendbewegungen, in den Movimenti, in einer gesunden Charismatik, auch in den neuen Orden und in den blühenden Klöstern. Ich wüsste nicht eine wirklich auf die Zukunft ausgerichtete Gemeinschaft, Bewegung oder Strömung in der Kirche, die nicht zutiefst marianisch ist. Maria ist ja immer spiritueller Frühling und gottoffener Anfang. Sicherlich gibt es auch Formen der Marienverehrung, die übertrieben und daher abschreckend sind. Das hat mit der Affektivität der Marienverehrung zu tun, denn bei der Liebe zur „Mutter“ geht es per se um Emotionalität, – die uns aber in anderen Bereichen kirchlichen Lebens leider fehlt. Man muss Übertreibungen gelassen zur Kenntnis nehmen und nüchtern korrigieren. Aber ich habe den Eindruck, dass gerade das Marianische von unten, von den Movimenti her, wächst, aber auch von oben, durch die Päpste, die wir in den letzten Jahrzehnten hatten, gefördert wird, insbesondere natürlich durch Johannes Paul II, aber auch durch Papst Franziskus, der in einer tiefen persönlichen Weise, in seiner südamerikanischen, geradezu heißblütigen Weise marianisch ist.

Im Lukas-Evangelium heißt es: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (LK 2,19). Gilt es, in unserer Zeit besonders auf Maria zu schauen, weil die Kontemplation und die Stille in unserer Kirche verlorengegangen sind und sich ein gewisser Aktionismus ausgebreitet hat?

Es stimmt auf jeden Fall, dass es hier Defizite gibt. Ich würde aber sagen, dass wir über Maria eine Ausgeglichenheit erfahren. Sie bewahrt in ihrem Herzen, sie ist aber nicht passiv. Da ich eher ein aktiver Mensch bin, brauche ich den Rhythmus zwischen Gebet und Arbeit. Wir sind auch nirgendwo eingeladen, nur zu beten, nur still oder nur kontemplativ zu sein. Im Gegenteil: in dem Augenblick, wo Maria das Wort in ihrem Herzen empfängt, wo Christus unter ihrem Herzen Mensch wird, macht sie sich auf und eilt in das Bergland von Judäa, um ihrer Verwandten Elisabeth beizustehen. Das war harte Frauenarbeit, die sie dort verrichten musste. Wir dürfen nicht ein Marienbild des Nichtstuns entwickeln, im Gegenteil: die heutige Kirche braucht Apostolat, sie braucht aktive Menschen, die ihre Talente nicht begraben, sondern damit wuchern. Mutter Teresa hat gerade dieses Bild von Maria, die sich sofort nach der Verkündigung aufmacht und in das Bergland eilt, zum Marienbild schlechthin gemacht. Sie hat mit ihren Schwestern genau diesen Rhythmus gefunden: anbeten, hinschauen auf Jesus, in die Stille gehen, aber dann sogleich sehr aktiv in der Arbeit für die Ärmsten der Armen sein. Ich glaube, dass wir diesen Rhythmus sehr gut von Maria lernen können.

Welche Rolle spielt die Gottesmutter bei der Neuevangelisierung, auch im Hinblick auf junge Menschen?

Wir haben in der Geschichte der Kirche sehr viele Beispiele dafür, dass gerade der Rosenkranz Weltbewegendes bewirken kann, z.B. 1571 in der Seeschlacht von Lepanto oder auch 1683, als Österreich von den Türken befreit wurde. Die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages 1955 hat uns von der sowjetischen Besatzungsmacht freigemacht, ansonsten wären wir wohl auch ein kommunistischer Satellitenstaat geworden. Das ist vom Rosenkranz-Sühnekreuzzug erbetet worden. Das heutige Problem ist der schnell fortschreitende Glaubensabfall, die Glaubenslosigkeit, die Nichtweitergabe des Glaubens trotz aller Pastoralpläne und Konzepte, die man in den letzten Jahren entwickelt hat. Wir haben da eine sehr große Unfruchtbarkeit. Wenn man evaluieren würden, was in den letzten 40 Jahren in der Kirche des deutschen Sprachraums gelaufen ist – keine Firma könnte sich eine derartige Misswirtschaft leisten. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass wir Matthäus 7,7 nicht erst nehmen, wo es heißt: „Bittet und euch wird gegeben, sucht und ihr werdet empfangen, klopft an und euch wird aufgetan.“ Ich habe das als einen persönlichen Auftrag von Papst Franziskus empfunden, der den Nationaldirektoren von Missio am 4. Juni 2016 gesagt hat: Ihr seid nicht bloß eine spendensammelnde Organisation für die armen Länder, wo ohnehin sehr viel lebendiger Glaube und ein unglaubliches Wachstum da ist, sondern bitte entzündet in euren eigenen Ländern einen missionarischen Eifer und fangt mit dem Gebet an. Ich habe dann lange überlegt, bis mir die Idee kam: wir laden ein, täglich ein Gesätzchen Rosenkranz für einen konkreten jungen Menschen zu beten, der glaubensfern oder noch nicht getauft ist. Wir haben mittlerweile durch die Migration eine große Zahl von Nichtgetauften bei uns, die aber durch unser Gebet für die Gnade geöffnet werden könnten. Ganz sicher werden wir durch diese Initiative auch Wunder erleben. Der Name der Initiative, „Gott kann“, ist abgeleitet von dem Wort des Engels an Maria: für Gott ist nichts unmöglich, Gott kann alles.

Wie haben Ihre Reisen im Rahmen Ihrer Tätigkeit bei Missio Ihren Blick auf die Kirche verändert?

Ich bin im Augenblick in einer Mischung zwischen Euphorie und Verzweiflung. Ich habe bei meinen Projektreisen eine sehr gläubige und lebendige Kirche erlebt, aber man ist auch mit atemberaubender Not und Elend und mit einem Erstarken des Islamismus in allen Ländern konfrontiert, sogar in den christlichen Kernländern, wie etwa Haiti in Lateinamerika. Selbst dort drängt jetzt der Islamismus hinein, zieht hoffnungslose junge Menschen an und schult sie in Fanatismus. Das ist wirklich erschütternd. Meine Euphorie kommt aber vor allem daher, dass ich dort eine Kirche erlebe, die absolut Zukunft hat.  Christen leben dort in großer Armut, aber immer aus einem apostolischen Eifer heraus. Ich habe Bischöfe erlebt, die schon um 5 Uhr in der Früh in ihren vom Hurrikan niedergerissenen Bischofshäusern knien, um den Barmherzigkeitsrosenkranz zu beten. Ich glaube, dass wir einerseits von diesen jungen Kirchen sehr viel an Glaubensdynamik und -eifer lernen können. Andererseits ist es notwendig, ihnen mit Spenden zu helfen und sie zu stabilisieren. In unseren Kirchen und Gesellschaften wird ja viel Geld für Fruchtloses verwendet, ja verschwendet! Mit den Projekten von Missio kann man dort dagegen wirklich den Aufbau der Kirche fördern. Die Kirche trägt in vielen Ländern vor allem die Bildung und die Sozialleistungen, sie ist führend bei der Sorge für Arme, Alte, Kinder und Waisen. Die päpstlichen Missionswerke sind eine der besten Hilfsorganisationen und leisten – wie ich selbst feststellen konnte – eine geradezu sensationelle Arbeit. Wir fördern die Verbreitung des katholischen Glaubens, und das ist äußerst nachhaltig! Denn wo Menschen zu Christus gefunden haben, da werden sie selbst für Nächstenliebe, soziale Gerechtigkeit, den Ausbau der Sozialsysteme und ökologische Nachhaltigkeit sorgen. Die Förderung des christlichen Glaubens mit seiner Betonung von Gottes- und Nächstenliebe ist zugleich die beste Prophylaxe gegen den Islamismus, der leider überall auf der Welt im Vormarsch ist. In meiner Begeisterung für meine neue Aufgabe für die Armen bin ich zugleich deprimiert, wie wenig die Päpstlichen Missionswerke „Missio“ in Österreich bekannt sind. Die Spenden sind bei uns seit Jahren sehr stark rückläufig, so dass bei weitem nicht alle Projektanträge finanziert werden können. Aber ich werde mit Gottes Hilfe und im Vertrauen auf die Gottesmutter Maria mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alles tun, damit Missio stärker für die Ausbreitung des Glaubens und die Ärmsten der Armen wirken kann.

PLANKSTETTEN , 07 May, 2017 / 2:45 PM (CNA Deutsch).-

521 Kilometer mit Jesus: Ein Bericht vom längsten Kreuzweg der Welt

Zum zwanzigsten Mal fand vom 5. bis 10. April der längste Kreuzweg der Welt statt, bei dem rund 200 Gläubige mit dem Fahrrad und dem Auto die Diözese Formosa im Norden Argentiniens durchquerten.

Der Kreuzweg dieser Diözese stand in diesem Jahr unter dem Motto „Durch den Weg des Kreuzes sollen wir Friedensstifter sein“. Er führte von Ost nach West auf einem 512 Kilometer langen Weg entlang der Bundesstraße 81, die an der Grenze zu Paraguay verläuft.

Dieser Kreuzweg wurde 1997 vom ersten Bischof Formosas, Monsignore Marcelo Scozzina, ins Leben gerufen und besteht darin, das Gebiet der Diözese zu durchqueren und dabei an vierzehn Stationen Halt zu machen, die mit einem Kreuz gekennzeichnet sind. Jede Station soll an die Geschichte Formosas erinnern, eine „Geschichte von Schmerz und Blut“, wie Pater Marcelo Arauja, der zum Organisationsteam gehört, CNA erklärte.

„Aber wir sehen diese Geschichte mit neuen Augen, wir bleiben nicht an der schmerzhaften Vergangenheit hängen, sondern ändern unsere Mentalität und wollen Konstrukteure einer neuen Gesellschaft sein. Daher ist das Motto, das Monsignore Scozzina vorgeschlagen hatte ´Durch das Kreuz zum Licht´ – dieses Motto wird dann jedes Jahr mit einem weiteren Satz ergänzt“.

Die Intentionen, die die Gemeinschaft der Gläubigen mitnimmt, reichen von den sozialen Konflikten in anderen Ländern bis hin zu den Problemen vor Ort, die sich aus den jüngsten Überschwemmungen in Argentinien ergeben und hin zur Bitte, dass „die Einheimischen aus der Spirale der Gewalt herauskommen, um Friedensstifter zu sein.“

Am 5. April versammelte sich eine Karawane aus 100 Pilgern mit dem Fahrrad auf der Plaza San Martín in Formosa, während es zwei Tage später mit 15 Autos weiterging.

Von Formosa führte der Weg entlang klangvoller Namen als Stationen des Kreuzwegs: Zuerst nach San Hilario, dann nach Gran Guardia, Pirané, Palo Santo, Bartolomé de las Casas, Ibarreta, Pozo del Tigre, Las Lomitas, Juan G. Bazán, Laguna Yema, Los Chiriguanos, Ingeniero Juárez y Línea Barilari.

Unterwegs wurde über die Worte Jesu auf dem Kreuzweg meditiert und für die Geschichte Formosas gebetet, die Schmerz und Opfer kennt. So wurde der Arbeiter gedacht, die das Volk groß gemacht hatten, der Eingeborenen, der Soldaten, Missionare, Ordensleute und all derer, die zum Aufbau der Region beigetragen hatten.

Auf dem Rückweg machten die Pilger in der Ortschaft Pozo del Tigre in der Gegend von Campo Alegre Halt, wo die sterblichen Überreste von Monsignore Scozzina, dem ersten Bischof Formosas und Initiator des Kreuzweges, beigesetzt sind.

Pater Araujo, Pfarrer der Pfarrei Unsere Liebe Frau der Barmherzigkeit in Lomitas, betonte, dass Monsignore Scozzina sich bemüht hatte, „im Volk das geistliche Leben zu säen.“

„Sein großes geistliches Erbe sind der Kreuzweg und die Verehrung Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, der Patronin Formosas, deren Bild an jedem der Eingänge zur Stadt steht. Das Kreuz und die Gottesmutter begleiten und beschützen das Leben und den Glauben auf unserem Weg hin zum ewigen Osterfest, der Begegnung mit dem Herrn“, sagte er zum Abschluss.

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