Papst Franziskus: Begegnung mit den Gläubigen in Piazza Armerina

PASTORALBESUCH VON PAPST FRANZISKUS 
IN DEN DIÖZESEN PIAZZA ARMERINA UND PALERMO
ZUM 25. TODESTAG DES SEL. PINO PUGLISI

BEGEGNUNG MIT DEN GLÄUBIGEN

ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS

Piazza Europa (Piazza Armerina)
Samstag, 15. September 2018

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Ich freue mich, hier mitten unter euch zu sein. Sie ist schön, die Sonne Siziliens! Sie ist schön! Danke für diesen herzlichen Empfang! Ich danke Bischof Rosario Gisana, dem Bürgermeister und den anderen Autoritäten sowie allen, die an diesem Besuch mitgearbeitet haben. Euer Bischof hat gerade in Erinnerung gerufen, was die Kirche in Piazza Armerina beschlossen hat, mit freudiger Hoffnung zu tun, inmitten der verschiedenen Probleme, die den Frieden in diesem Gebiet einschränken. Ihr seid von nicht wenigen Plagen heimgesucht. Sie haben einen Namen: soziale und kulturelle Unterentwicklung; Ausbeutung der Arbeiter und Mangel an würdiger Beschäftigung für die jungen Menschen; Migration ganzer Familien; Wucher; Alkoholismus und andere Abhängigkeiten; Glücksspiel; Auflösung der Familienbande. Und angesichts all dieses Leids kann die kirchliche Gemeinschaft manchmal verloren und müde erscheinen.

Manchmal dagegen ist sie gottlob lebendig und prophetisch und sucht neue Wege, die Barmherzigkeit zu verkünden, vor allem jenen Brüdern und Schwestern, die sich abgewandt haben, in Misstrauen und Glaubenskrisen geraten sind. Denn es ist wahr: Es ist nicht leicht, den Glauben aufrechtzuerhalten unter so vielen Problemen. Das ist nicht leicht, das verstehe ich. Die Wunden der Gesellschaft und der Kirche zu betrachten ist keine abschätzige und pessimistische Tat. Wenn wir unserem Glauben Konkretheit verleihen wollen, müssen wir lernen, in diesem menschlichen Leiden die Wunden des Herrn zu erkennen. Sie anschauen, sie berühren (vgl. Joh 20,27). Die Wunden des Herrn berühren in unseren Wunden, in den Wunden unserer Gesellschaft, unserer Familien, unserer Landsleute, unserer Freunde. Die Wunden des Herrn dort berühren. Und das bedeutet für uns Christen, die Geschichte und das Fleisch Christi als Ort des Heils und der Befreiung anzunehmen. Ich fordere euch daher auf, euch für die neue Evangelisierung dieses mittelsizilianischen Gebietes einzusetzen, ausgehend von seinen Kreuzen und Leiden. Nachdem ihr den 200. Jahrestag eurer Diözese abgeschlossen habt, erwartet euch eine aufregende Mission, um das Antlitz einer synodalen Kirche und des Wortes Gottes neu anzubieten; Kirche der missionarischen Liebe; Kirche als eucharistische Gemeinschaft.

Die Perspektive einer synodalen Kirche, einer Kirche des Wortes Gottes verlangt den Mut, einander zuzuhören, vor allem aber das Wort des Herrn zu hören. Bitte zieht dem Kernpunkt der christlichen Gemeinschaft, dem Wort Gottes, nichts vor, sondern macht es euch zu eigen besonders durch die »lectio divina«, einen wunderbaren Augenblick der vertrauten Begegnung mit Jesus, in dem man zu Füßen des göttlichen Meisters ruht. Das Wort Gottes und die synodale Gemeinschaft sind die ausgestreckte Hand für alle, die zwischen Hoffnungen und Enttäuschungen leben und um eine barmherzige Kirche bitten, die dem Evangelium immer treuer und immer offener für die Annahme jener ist, die sich im Leib und im Geist geschlagen fühlen oder die an den Rand gedrängt sind. Um diese Mission durchzuführen ist es notwendig, sich stets zurückzubesinnen auf den Geist der ersten christlichen Gemeinde, die vom Feuer des Pfingstgeschehens beseelt mutig den auferstandenen Jesus bezeugt hat. Tretet, liebe Brüder und Schwestern, mit Mutin die Zeit der Unterscheidungsfindung und der fruchtbaren Entscheidungen ein, die nützlich sind für euer Glück und für eine harmonische Entwicklung. Um damit aber voranzukommen, müsst ihr an das Wort Gottes gewöhnt sein: das Evangelium lesen, jeden Tag, einen kleinen Abschnitt aus dem Evangelium. Das dauert nicht länger als fünf Minuten. Vielleicht ein kleines Evangelium in der Tasche… Es zur Hand nehmen, schauen und lesen. Und so wird das Evangelium Tag für Tag, gleichsam tropfenweise, in unser Herz eindringen und uns mehr zu Jüngern Jesu machen. Es wird uns stärker machen, um hinauszugehen und unserer Stadt, unserer Gesellschaft, unserer Kirche in allen Problemen zu helfen. Tut das, tut das. Ich bitte den Bischof, dass er allen, die darum bitten, die Möglichkeit geben möge, ein kleines Evangelium zu haben, um es immer mitzunehmen. Die Lektüre des Wortes Gottes wird euch stark machen.

Um Kirche der missionarischen Nächstenliebe zu sein, ist es notwendig, auf den Dienst der Nächstenliebe zu achten, der heute von den konkreten Umständen verlangt wird. Die Priester, die Diakone, die geweihten Personen und die gläubigen Laien sind aufgerufen, das Mitleid des Evangeliums zu empfinden – dieses Wort ist deutlich, es ist das, was Jesus empfunden hat: Mitleid des Evangeliums – für die vielen Leiden der Menschen und zu Wanderaposteln der Barmherzigkeit in diesem Gebiet zu werden, in Nachahmung Gottes, »der Zärtlichkeit ist und der uns auf eine ständige und erneuernde Wanderung mitnehmen möchte« (Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate, 134). Geht ganz einfach in die Gassen, zu den Wegkreuzungen, auf die Plätze und an die Orte des Alltagslebens und bringt allen die gute Nachricht, dass ein gerechtes, angenehmes und liebenswertes Zusammenleben unter uns möglich ist: dass das Leben kein dunkler Fluch ist, den man fatalistisch ertragen muss, sondern Vertrauen auf die Güte Gottes und die Liebe der Brüder und Schwestern.

Es ist wichtig, in den Pfarreien und in den Gemeinschaften die Liebe des Evangeliums, die Solidarität und die brüderliche Fürsorge zu fördern und der weltlichen Versuchung eines ruhigen Lebens, in dem man es sich gut gehen lässt, ohne sich um die Nöte der anderen zu kümmern, zu entfliehen. Ich ermutige euch, euren kirchlichen Dienst fortzusetzen, der in konkreten Werken zum Ausdruck kommt: Aufnahmezentren der »Caritas«, Mensen und Heime für die am meisten benachteiligten Brüder und Schwestern, Strukturen zur Aufnahme Jesu, des Flüchtlings und Vertriebenen, und Häuser zur liebevollen Aufnahme von alten Menschen, die oft allein und mutlos sind. Bitte, lasst die alten Menschen nicht allein! Unsere Großeltern. Sie sind unsere Identität, sie sind unsere Wurzeln, und wir wollen kein entwurzeltes Volk sein!

Unsere Wurzeln liegen in den alten Menschen. Vorwärts! Tragt Sorge für die alten Menschen. Tragt Sorge für die Großeltern. Und die Jugendlichen müssen mit den Großeltern sprechen, dann werden sie Wurzeln schlagen. Vergesst nicht, dass die christliche Nächstenliebe sich nicht damit zufriedengibt, Menschen beizustehen; sie gerät nicht zur Philanthropie – das sind zwei verschiedene Dinge: christliche Nächstenliebe und Philanthropie –, sondern sie drängt den Jünger und die ganze Gemeinschaft, den Missständen auf den Grund zu gehen und zu versuchen, sie möglichst zu beseitigen, gemeinsam mit den notleidenden Brüdern und Schwestern, indem wir sie in unsere Arbeit einbinden. Ein Aspekt der missionarischen Nächstenliebe ist auch der, den Jugendlichen und ihren Problemen Aufmerksamkeit zu widmen. Ich sehe hier zahlreiche Kinder und Jugendliche, die die Versammlung mit Hoffnung und Fröhlichkeit färben. Liebe Freunde, ihr Jugendlichen, Jungen und Mädchen, ich grüße euch alle, und ich ermutige euch, freudige Baumeister eures Schicksals zu sein. Schaut immer nach vorn, ohne die Wurzeln zu vergessen. Ihr sollt wissen, dass Jesus euch liebt: Er ist ein aufrichtiger und treuer Freund, der euch nie verlassen wird; ihm könnt ihr vertrauen! In Augenblicken des Zweifels – wir alle haben als junge Menschen schlechte Augenblicke, Augenblicke des Zweifels gehabt –, in Augenblicken der Schwierigkeiten könnte ihr auf die Hilfe Jesu zählen, vor allem, um eure großen Ideale zu nähren.

Und in dem Maße, in dem jeder kann, ist es gut, auch der Kirche zu vertrauen, die berufen ist, euer Bedürfnis nach Authentizität wahrzunehmen und euch ein alternatives Umfeld zu dem anzubieten, das euch jeden Tag Mühe bereitet, wo ihr Geschmack am Gebet finden könnt, an der Vereinigung mit Gott, an der Stille, die das Herz zu den Tiefen eures Daseins und der Heiligkeit führt. Oft habe ich auch irgendeinen Jugendlichen sagen gehört: »Ja, Gott vertraue ich, aber der Kirche nicht.« – »Warum denn?« – »Weil ich ein Priesterhasser bin.« »Ach so, du bist ein Priesterhasser, dann geh zu einem Priester und sag zu ihm: ›Ich vertraue dir nicht aus dem und dem Grund.‹«

Geh zu ihm hin! Geh auch zum Bischof, und sag ihm ins Gesicht: »Ich vertraue der Kirche nicht, aus dem und dem Grund.« Das ist mutige Jugend! Aber mit dem Willen, die Antwort zu hören. Vielleicht hat der Priester an jenem Tag Bauchschmerzen und jagt dich weg, aber es wird nur das eine Mal sein, immer wird er dir etwas sagen. Zuhören! Zuhören! Und ihr Priester, habt Geduld, konstruktive Geduld, die Jugendlichen anzuhören, denn in der Unruhe der Jugendlichen liegen immer Samenkörner der Zukunft. Und du musst sie nehmen und den Jugendlichen helfen voranzugehen. Es bedarf des Dialogs.

Das dritte Element, das ich euch aufzeige, ist die Kirche als eucharistische Gemeinschaft. Dort, aus der Eucharistie, schöpfen wir die Liebe Christi, um ihn auf die Straßen der Welt zu tragen, um mit ihm den Brüdern und Schwestern entgegenzugehen. Mit Jesus, mit ihm – das ist das Geheimnis – kann man Gott jede Wirklichkeit weihen, dafür sorgen, dass sein Antlitz sich in den Gesichtern einprägt, dass seine Liebe die Leere erfüllt, in der keine Liebe vorhanden ist. Was die Teilnahme an der heiligen Messe betrifft, besonders an der Sonntagsmesse, so ist es wichtig, nicht von Zahlen besessen zu sein: Ich ermahne euch, die Seligkeit der Kleinheit zu leben, die Seligkeit, Senfkorn zu sein, kleine Herde, eine Handvoll Sauerteig, beharrliche Flamme, ein Körnchen Salz.

Wie oft habe ich gehört: »Ach Vater, ich bete, aber ich gehe nicht in die Messe, ich gehe dort nicht hin.« – Warum denn? – »Weil die Predigt mich langweilt, sie dauert 40 Minuten!« Nein, 40 Minuten muss die ganze Messe dauern. Aber die Predigt darf nicht länger sein als acht Minuten. Die Eucharistie und das Amtspriestertum sind voneinander untrennbar: Der Priester ist der Mann der Eucharistie. Ich richte einen besonderen Gruß an die Priester, gute Brüder, und ermahne sie, eng mit dem Bischof und untereinander zusammenzuarbeiten, um den Herrn zu allen zu bringen. Liebe Priester, wie notwendig ist es, geduldig die Freude der Priesterfamilie aufzubauen, einander zu lieben und sich gegenseitig zu unterstützen! Es ist schön zusammenzuarbeiten und die Mitbrüder höher einzuschätzen als sich selbst (vgl. Phil 2,3). Inmitten des Volkes, das Gott euch anvertraut hat, seid ihr aufgerufen, die ersten zu sein, die Zäune überwinden, spaltende Vorurteile; die ersten, die in demütiger Betrachtung verharren angesichts der schwierigen Geschichte dieser Erde, mit der weisen Hirtenliebe, die eine Gabe des Heiligen Geistes ist; die ersten, die Wege aufzeigen, auf denen die Menschen gehen können, auf die offenen Räume der Erlösung und der wahren Freiheit zu.

Von Gott getröstet, könnt auch ihr Tröster sein, Tränen trocknen, Wunden heilen, Leben wiederaufbauen, zerbrochene Leben, die sich vertrauensvoll eurem Dienst anvertrauen (vgl. Apg 5,14-16). Ich gestatte mir, euch Priestern ein Rezept zu geben, ich weiß nicht, ob es nützlich ist: Wie beende ich den Tag? Muss ich Tabletten nehmen, um zu schlafen? Dann ist etwas nicht gut gegangen. Wenn ich den Tag jedoch müde, sehr müde beende, dann gehen die Dinge gut. Das ist ein wichtiger Punkt.

Liebe Brüder und Schwestern, es wäre schön, noch ein wenig länger zusammen zu sein! Ich spüre die Wärme eures Glaubens und die Hoffnungen, die ihr im Herzen tragt, aber ich werde in Palermo erwartet, wo wir dankbare Erinnerung an den Priester und Märtyrer Pino Puglisi halten werden. Ich habe erfahren, dass er vor 25 Jahren, knapp einen Monat vor seiner Ermordung, einige Tage hier in Piazza Armerina verbracht hat. Er war hierhergekommen, um die Seminaristen zu treffen, seine Studenten im Priesterseminar von Palermo. Ein prophetischer Aufenthalt, glaube ich!

Eine Aufgabe nicht nur für die Priester, sondern für alle Gläubigen dieser Diözese: aus Liebe zu Christus den Brüdern und Schwestern bis ins Letzte dienen! Ich vertraue euch alle der Jungfrau Maria an, die ihr als Unsere Liebe Frau vom Siege verehrt. In der Stille, in der Stille wollen wir jetzt zu ihr beten: »Gegrüßet seist du, Maria…« Sie stütze euch im geistlichen Kampf und richte euch mit Entschlossenheit auf den Sieg der Auferstehung aus. Ich segne euch alle von Herzen, und ich bitte euch, für mich zu beten. Euch allen einen schönen Tag! Jetzt werde ich euch den Segen erteilen, aber wir wollen das Herz bereiten, um ihn zu empfangen. Jeder möge an seine lieben Angehörigen denken, damit dieser Segen auf sie herabkomme. Jeder denke an seine Freunde. Und er denke auch an die Feinde, an die Menschen, die ich nicht liebhabe und die mich nicht liebhaben. Öffnet das Herz für alle, damit dieser Segen auf alle herabkomme.

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Quelle

Papst Franziskus in Palermo: „Mafia ist Gotteslästerung“

Papst Franziskus in Palermo

Papst Franziskus hat am Samstagmittag in der sizilianischen Hauptstadt abermals betont, dass Mafia und Kirche nichts miteinander gemein haben. Die organisierte Kriminalität bedeute das Gegenteil dessen, was die christliche Botschaft ausmache. Wer auf der Seite der Mafia stehe, der sei zur Niederlage verdammt, so der Papst in seiner Predigt bei einer Messe unter Palermos freiem Himmel.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Es war ein Freudentag für die Palermitaner: Der Kurzbesuch des Papstes war gekennzeichnet von Sonnenschein, freudigen Gesichtern und bunten Fähnchen. Doch Franziskus sorgte in seiner Predigt für einen ernsten Ton: Schließlich sei er gekommen, um einen Märtyrer des Glaubens zu ehren.

Don Pino Puglisi war ein Anti-Mafia-Priester, der sich vor allem um Jugendliche kümmerte. Er setzte sich dafür ein, dass die Jugend in seiner Pfarrei von Drogen und dem organisierten Verbrechen fernblieb. Und darüber sprach Papst Franziskus auch in seiner Predigt.

Der Mafia-Killer und Don Pinos Lächeln

Franziskus erinnerte daran, dass Don Puglisi vor genau 25 Jahren von einem Mafia-Killer getötet worden ist. Die Tat ereignete sich am Geburtstag des engagierten Geistlichen. Dieses Martyrium sei aber keine Niederlage gewesen, im Gegenteil: „Don Puglisi krönte seinen Sieg mit einem Lächeln, mit diesem Lächeln, das seinen Mörder nachts um den Schlaf brachte“, so der Papst. Und er zitierte die Worte des Killers: „Da war eine Art Licht in diesem Lächeln. Padre Pino war wehrlos, aber sein Lächen übertrug die Kraft Gottes. Das war kein blendendes Leuchten, sondern ein sanftes Licht, das das Herz erhellt.“

Die heutige Kirche brauche solche „Priester des Lächelns“, spann Franziskus den Faden fort. Dies bedeute nicht, die Dinge auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern die Freude Gottes aufzunehmen und sie weiterzugeben. „Wenn man sein Leben hingibt, findet man Freude, denn es liegt mehr Freude im Geben als im Nehmen“: Damit bezog sich der Papst auf einen Satz aus der Apostelgeschichte.

“ Wollt ihr so leben? ”

Dann sprach er die Gläubigen Palermos direkt an: „Wollt ihr so leben? Wollt ihr euer Leben hingeben, ohne darauf zu warten, dass die anderen den ersten Schritt machen? Wollt ihr Gutes tun, ohne auf eine Gegenleistung zu warten, und ohne darauf zu warten, dass die Welt besser wird? Wollt ihr für den Herrn ein Risiko eingehen?“

Don Pino – wie er von den Gläubigen seiner Pfarrei liebevoll genannt wurde – sei Risiken eingegangen. Er habe sich nicht mit Bequemlichkeiten und „halben Sachen“ begnügt. Der Papst warnte davor, sich der Zerstreuung, dem Geld oder dem Hass hinzugeben.

Wer zur Mafia gehört, lebt nicht als Christ

„Anderen Mitmenschen schenkt man das Leben, man nimmt es ihnen nicht weg. Man kann nicht an Gott glauben und seinen Bruder hassen“, so der Papst weiter. Die Liebe Gottes lehne jegliche Gewalt ab und lehre stattdessen die Liebe zu allen Menschen. „Deshalb muss man das Wort ,Hass’ aus dem christlichen Leben streichen. Deshalb kann man nicht an Gott glauben und gleichzeitig seinen Bruder überwältigen. Man kann nicht an Gott glauben und gleichzeitig ein Mafioso sein! Wer zur Mafia gehört, lebt nicht als Christ, weil er mit seinem Leben den Namen der Liebe Gottes lästert.“

Die heutige Welt brauche Menschen, die Liebe weiterreichten, und keine mafiösen ,Ehrenmänner’. „Es bedarf des Dienstes an den Nächsten und nicht der Überwältigung der Hilfslosen. Es bedarf des gemeinsamen Fortschreitens und nicht der Suche nach eigenem Ruhm und Macht.“ Der Mafia-Parole von der Macht des Stärkeren solle man die christliche Litanei des „Ich brauche deine Hilfe“ entgegenstellen.

“ Hört auf, an euch selber zu denken und an euer Geld! ”

Lieben statt drohen, so die Kurzformel des Papstes. Und wie bei früheren Gelegenheiten wandte er sich auch direkt an die Mafiosi: „Ändert euch! Hört auf, an euch selber zu denken und an euer Geld! Bekehrt euch zum wahren Gott Jesu Christi! Ansonsten geht euer eigenes Leben verloren, und das ist die schlimmste aller Niederlagen!“

Für einen christlichen Populismus – den einzig gültigen

Jeder Mensch – auch Nicht-Mafiosi – sollte sich die Frage stellen, was sie oder er für die anderen tun könne. Jeder trage eine Verantwortung – genau das wolle uns das Zeugnis von Don Pino Puglisi heute noch sagen. Man solle sich dieser Verantwortung nicht entziehen. Franziskus formulierte es ähnlich wie einst US-Präsident John F. Kennedy bei seinem Amtsantritt: Frag dich nicht, was die anderen, die Kirche, der Staat für dich tun können, sondern was du für die anderen tun kannst! Dies sei der einzig gültige „Populismus“ – ein „christlicher Populismus“ nämlich, der auf das Volk höre und ihm diene, ohne Geschrei, Anklagen und Vereinnahmungen.

Die christliche Siegermentalität bestehe im Lächeln, insistierte Franziskus. Und noch einmal ging er kurz auf das Leben von Don Pino Puglisi ein. „Das eigene Leben hinzugeben – wie es auf dem Grabmal von Don Puglisi steht – ist das Geheimnis seines Sieges. Es ist das Geheimnis eines schönen Lebens. Wählen auch wir heute ein schönes Leben!“

(vatican news)

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